Paulus – Vom Verfolger zum Völkerapostel Er war der gefährlichste Feind der jungen Gemeinde. Saulus von Tarsus, ein Pharisäer aus dem Stamm Benjamin, Schüler des berühmten Gamaliel, „eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter“ (Galater 1,14). Er stand dabei, als Stephanus gesteinigt wurde. Er ging von Haus zu Haus, zerrte Männer …
Er war der gefährlichste Feind der jungen Gemeinde. Saulus von Tarsus, ein Pharisäer aus dem Stamm Benjamin, Schüler des berühmten Gamaliel, „eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter“ (Galater 1,14). Er stand dabei, als Stephanus gesteinigt wurde. Er ging von Haus zu Haus, zerrte Männer und Frauen ins Gefängnis. Und er war auf dem Weg nach Damaskus, um auch dort die Christen zu verfolgen, als ein Licht vom Himmel ihn zu Boden warf.
„Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ – „Wer bist du, Herr?“ – „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apostelgeschichte 9,4–5). In diesem Moment zerbrach alles, worauf Saulus sein Leben gebaut hatte. Drei Tage lang war er blind, aß und trank nicht. Dann kam Hananias – zögernd, denn er wusste, wer Saulus war – legte ihm die Hände auf und sprach: „Bruder Saulus, der Herr hat mich gesandt, dass du wieder sehend werdest und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest“
Aus Saulus wurde Paulus – und er trug das Evangelium weiter als jeder andere Mensch seiner Zeit. Drei große Missionsreisen führten ihn durch Kleinasien, Griechenland und schließlich nach Rom. Er gründete Gemeinden in Philippi, Thessalonich, Korinth, Ephesus und an vielen anderen Orten.
Seine Briefe – Römer, Galater, Epheser, Philipper und die anderen – wurden zum theologischen Fundament des christlichen Glaubens. Kein anderer Autor hat so klar formuliert, was Gnade bedeutet: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme“ (Epheser 2,8–9).
Doch Paulus predigte nicht Gnade gegen das Gesetz, sondern Gnade, die das Gesetz erfüllt: „Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf“ (Römer 3,31). Diese Balance ist der Kern biblischer Lehre.
Paulus litt mehr als alle anderen Apostel: fünfmal die jüdischen 39 Hiebe, dreimal mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal Schiffbruch erlitten, in Gefahr auf Reisen, Hunger, Kälte, Schlaflosigkeit (2. Korinther 11,24–27). Und doch schrieb er aus dem Gefängnis: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie es mir auch geht. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“ (Philipper 4,11.13).
„Paulus war ein lebender Beweis dafür, dass die Gnade Gottes den schlimmsten Sünder verwandeln kann. Sein Leben zeigte, dass niemand zu weit gegangen ist, um von Gott erreicht zu werden“.
Er starb als Märtyrer unter Kaiser Nero in Rom – enthauptet, nicht gekreuzigt, weil er römischer Bürger war. Sein letzter Brief an Timotheus endet mit den Worten: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit“ (2. Timotheus 4,7–8).
Der Apostel der Gnade
Leiden als Zeugnis
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Römer 8,38–39).
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