Jakob
Jakob in der Bibel
Jakob ist der Sohn Isaaks und Rebekkas, der jüngere Zwillingsbruder Esaus und einer der drei großen Patriarchen Israels. Gott gab ihm später den Namen Israel und führte durch seine zwölf Söhne die Geschichte des Volkes Israel weiter. Sein Leben steht in der Verheißung an Abraham und Isaak und gehört damit zu jener Heilsgeschichte, die schließlich zu Jesus Christus führt.
Einführung
Jakobs Geschichte beginnt nicht erst mit seinen eigenen Entscheidungen. Noch bevor er geboren wird, steht sein Leben innerhalb einer Verheißung, die Gott seinem Großvater Abraham gegeben und seinem Vater Isaak bestätigt hatte. Doch wie schon in der vorherigen Generation entsteht auch diesmal zunächst eine Spannung zwischen Gottes Zusage und der sichtbaren Wirklichkeit: Rebekka, Isaaks Frau, bleibt kinderlos. Erst nachdem Isaak für sie zum HERRN gebetet hat, wird sie schwanger.
Schon während dieser Schwangerschaft geschieht etwas Ungewöhnliches. Die Kinder stoßen in Rebekkas Leib gegeneinander, sodass sie den HERRN darüber befragt. Gottes Antwort reicht weit über die bevorstehende Geburt hinaus: Zwei Völker befinden sich in ihrem Leib, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Damit wird über Jakob eine Richtung ausgesprochen, bevor er selbst etwas Gutes oder Böses getan hat. Seine spätere Bedeutung beginnt also nicht mit menschlicher Leistung, sondern mit Gottes souveränem Wort.
Gerade deshalb muss Jakobs Lebensgeschichte sorgfältig gelesen werden. Die Bibel verschweigt weder seine fragwürdigen Entscheidungen noch die schmerzhaften Folgen menschlicher Täuschung und familiärer Bevorzugung. Zugleich zeigt sie einen Gott, der seine Verheißung nicht fallen lässt und einen Menschen über viele Jahre führt, korrigiert und verändert.
Der früheste biblische Blick auf Jakob führt deshalb in das Haus Isaaks und Rebekkas, noch bevor die Zwillinge geboren sind. Dort steht bereits eine göttliche Aussage über zwei Brüder im Raum, deren Verhältnis Jakobs weiteren Lebensweg tief prägen wird.
Jakob wird als jüngerer Zwilling geboren
1. Mose 25,24-28 – „24 Da nun die Zeit kam, daß sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe. 25 Der erste, der herauskam, war rothaarig, ganz wie ein härenes Kleid, und sie nannte ihn Esau. 26 Darnach kam sein Bruder heraus, und seine Hand hielt die Ferse Esaus; da nannte sie ihn Jakob. Und Isaak war sechzig Jahre alt, da sie geboren wurden. 27 Und als die Knaben groß wurden, ward Esau ein Waidmann,…"
1. Mose 25,24-28 – „24 Da nun die Zeit kam, daß sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe. 25 Der erste, der herauskam, war rothaarig, ganz wie ein härenes Kleid, und sie nannte ihn Esau. 26 Darnach kam sein Bruder heraus, und seine Hand hielt die Ferse Esaus; da nannte sie ihn Jakob. Und Isaak war sechzig Jahre alt, da sie geboren wurden. 27 Und als die Knaben groß wurden, ward Esau ein Waidmann,…"
1. Mose 25,21-23 – „21 Isaak aber bat den HERRN für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und sein Weib Rebekka ward guter Hoffnung. 22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, den HERRN zu fragen. 23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei S…"
Als die Zeit der Geburt kommt, bestätigt sich zunächst ganz sichtbar, dass Rebekka Zwillinge erwartet. Der erste Sohn kommt rötlich und am ganzen Körper wie mit einem haarigen Gewand bedeckt zur Welt. Deshalb erhält er den Namen Esau. Unmittelbar danach wird Jakob geboren. Seine Hand hält dabei die Ferse seines Bruders fest, und diese besondere Situation bei der Geburt wird mit seinem Namen verbunden.
Jakob kommt damit als der jüngere der beiden Brüder zur Welt. Nach der gewöhnlichen familiären Ordnung hätte Esau als Erstgeborener eine besondere Stellung eingenommen. Doch über den Zwillingen steht bereits das Wort, das Gott Rebekka während der Schwangerschaft gegeben hatte: Zwei Völker sollten aus ihnen hervorgehen, und der Ältere sollte dem Jüngeren dienen. Diese göttliche Aussage war Jakob nicht durch eigenes Handeln zugefallen; sie war ausgesprochen worden, bevor die Brüder überhaupt geboren waren.
Isaak ist sechzig Jahre alt, als die Zwillinge geboren werden. Zwischen seiner Heirat mit Rebekka und der Geburt seiner Söhne liegen damit zwanzig Jahre. Jakob wächst also in einer Familie auf, deren Existenz selbst eng mit langem Warten und Gottes Verheißung verbunden ist. Sein Vater war der Sohn, den Abraham und Sara erst in ihrem hohen Alter empfangen hatten, und nun beginnt durch Jakob und Esau die nächste Generation dieser Familie.
Über Jakobs Kindheit berichtet die Bibel keine einzelnen Episoden. Erst als die Brüder herangewachsen sind, beschreibt sie ihre unterschiedlichen Lebensweisen. Esau wird ein kundiger Jäger und ein Mann des Feldes. Jakob dagegen wird als ein ruhiger Mann beschrieben, der bei den Zelten bleibt. Der Text macht aus diesen verschiedenen Lebensformen zunächst keine moralische Rangordnung; sie zeigen vor allem, dass sich die Zwillingsbrüder trotz ihrer gemeinsamen Herkunft deutlich voneinander unterscheiden.
Mit diesen Unterschieden verbindet sich jedoch eine Entwicklung, die für Jakobs weiteres Leben große Folgen haben wird. Isaak liebt Esau, wobei der Erzähler ausdrücklich dessen Wildbret als Grund nennt. Rebekka dagegen liebt Jakob. So entstehen innerhalb derselben Familie zwei unterschiedliche Bindungen: Der Vater steht besonders dem älteren, die Mutter besonders dem jüngeren Sohn nahe.
Die Bibel stellt diese Bevorzugung nicht als göttliche Anordnung dar. Gottes frühere Aussage über die zukünftige Stellung der Brüder bedeutete nicht, dass die Eltern einen Sohn gegen den anderen bevorzugen sollten. Die familiäre Parteinahme ist vielmehr Teil jener menschlichen Dynamik, aus der später schwere Konflikte hervorgehen werden. Gottes Verheißung und menschliche Bevorzugung dürfen deshalb nicht miteinander verwechselt werden.
Gerade für Jakob ist diese Ausgangslage entscheidend. Er wächst mit einem älteren Bruder auf, der nach natürlicher Ordnung das Erstgeburtsrecht besitzt, während über ihm selbst bereits vor seiner Geburt ein besonderes Wort Gottes ausgesprochen worden war. Wie viel Jakob in seinen frühen Jahren davon wusste, sagt der Bibeltext nicht. Deshalb lässt sich nicht sicher bestimmen, welchen Einfluss diese Verheißung zunächst auf sein eigenes Denken hatte.
Was die Bibel als Nächstes berichtet, zeigt jedoch, dass das Erstgeburtsrecht für die beiden Brüder keineswegs dieselbe Bedeutung besitzt. Eine alltägliche Situation, in der Esau hungrig vom Feld zurückkehrt und Jakob gerade ein Gericht zubereitet, wird zu einem folgenreichen Wendepunkt zwischen ihnen.
Jakob erwirbt Esaus Erstgeburtsrecht
1. Mose 25,29-34 – „29 Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde. 30 Und Esau sprach zu Jakob: Laß mich das rote Gericht versuchen, denn ich bin müde! Daher heißt er Edom. 31 Aber Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt! 32 Und Esau sprach zu Jakob: Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir die Erstgeburt? 33 Jakob sprach: So schwöre mir heute! Und er schwur ihm und verkaufte also dem…"
1. Mose 25,29-34 – „29 Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde. 30 Und Esau sprach zu Jakob: Laß mich das rote Gericht versuchen, denn ich bin müde! Daher heißt er Edom. 31 Aber Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt! 32 Und Esau sprach zu Jakob: Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir die Erstgeburt? 33 Jakob sprach: So schwöre mir heute! Und er schwur ihm und verkaufte also dem…"
Hebräer 12,16-17 – „16 daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gemeiner Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. 17 Denn ihr wisset, daß er nachher, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obschon er den Segen mit Tränen suchte."
Eines Tages kocht Jakob ein Gericht, während Esau erschöpft vom Feld zurückkehrt. Esau verlangt von dem roten Gericht zu essen, weil er müde und hungrig ist. Jakob antwortet nicht einfach mit Gastfreundschaft, sondern verbindet die Mahlzeit mit einer Forderung: Esau soll ihm zuvor sein Erstgeburtsrecht verkaufen. Damit wird aus einer alltäglichen Situation ein Ereignis, das die Zukunft beider Brüder tief prägen wird.
Das Erstgeburtsrecht war mehr als ein bloßer Vorrang innerhalb der Geschwisterfolge. Es war mit besonderer Stellung und einem größeren Anteil am väterlichen Erbe verbunden. In der Familie Abrahams hatte diese Frage zusätzlich eine heilsgeschichtliche Dimension, weil Gottes Verheißungen durch die Generationen weitergegeben wurden. Dennoch darf das Erstgeburtsrecht nicht einfach mit dem später ausgesprochenen väterlichen Segen gleichgesetzt werden; beide gehören zusammen, sind im Bericht aber nicht identisch.
Esau antwortet, er sei dem Sterben nahe, und fragt, was ihm das Erstgeburtsrecht nützen solle. Ob tatsächlich unmittelbare Lebensgefahr bestand, sagt der Text nicht. Entscheidend ist die Bewertung, die der Erzähler selbst anschließend gibt. Esau schwört Jakob und verkauft ihm sein Erstgeburtsrecht. Jakob gibt ihm daraufhin Brot und das Linsengericht, Esau isst und trinkt, steht auf und geht davon.
Der letzte Satz dieses Abschnitts lässt keinen Zweifel daran, wie die Bibel Esaus Verhalten beurteilt: Er verachtete sein Erstgeburtsrecht. Sein Problem besteht deshalb nicht lediglich darin, dass Jakob eine günstige Gelegenheit ausnutzt. Esau selbst behandelt etwas von großer Bedeutung so, als könne es für die Befriedigung eines unmittelbaren Bedürfnisses preisgegeben werden. Der Hebräerbrief greift dieses Ereignis später auf und warnt vor Esaus Haltung, weil er für eine einzige Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte.
Doch auch Jakobs Verhalten wird dadurch nicht automatisch gerechtfertigt. Dass Esau sein Erstgeburtsrecht geringschätzte, machte Jakobs Forderung nicht zu einem göttlich gebotenen Weg. Jakob erkennt offenbar den Wert dessen, was sein Bruder verachtet, versucht aber zugleich, diesen Wert durch einen Handel an sich zu bringen. Gottes Wort über die beiden Brüder war bereits vor ihrer Geburt ausgesprochen worden; es musste nicht durch Jakobs Berechnung verwirklicht werden.
Gerade darin liegt eine grundlegende Spannung seines frühen Lebens. Jakob strebt nach etwas, das mit der Verheißung verbunden ist, doch sein Weg dorthin ist von menschlicher Sicherung geprägt. Er wartet nicht einfach darauf, wie Gott sein eigenes Wort erfüllen wird, sondern versucht, sich eine Stellung zu verschaffen, die er für wertvoll hält. Die Bibel zeigt damit früh, dass ein richtiges Ziel nicht automatisch jedes Mittel rechtfertigt.
Das Ereignis verändert die Beziehung zwischen den Brüdern zunächst nicht sichtbar durch einen offenen Bruch. Esau steht auf und geht davon, und die Geschichte fährt weiter. Doch das verkaufte Erstgeburtsrecht bleibt bestehen und wird später wieder aufgegriffen. Was in diesem Moment für Esau wie ein kurzfristiger Tausch aussieht, wird bei der Frage nach dem väterlichen Segen eine weit größere Bedeutung erhalten.
Für Jakob beginnt damit ein Muster, das sein Leben noch lange begleiten wird. Er möchte die Verheißung nicht verlieren und versucht zugleich, ihre Erfüllung mit eigenen Mitteln abzusichern. Noch hat er nicht gelernt, dass Gottes Zusage nicht davon abhängt, ob er sie durch geschicktes Handeln an sich bringt. Diese Lektion wird ihn durch viele Jahre, Konflikte und Umwege begleiten.
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Jakob täuscht Isaak und empfängt den Segen
1. Mose 27,1-29 – „1 Und es begab sich, als Isaak alt war und seine Augen dunkel wurden, daß er nicht mehr sehen konnte, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Er aber antwortete ihm: Hier bin ich! 2 Und er sprach: Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe. 3 So nimm nun dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret 4 und bereite mir…"
1. Mose 27,1-29 – „1 Und es begab sich, als Isaak alt war und seine Augen dunkel wurden, daß er nicht mehr sehen konnte, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Er aber antwortete ihm: Hier bin ich! 2 Und er sprach: Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe. 3 So nimm nun dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret 4 und bereite mir…"
1. Mose 25,23 – „23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei Stämme werden sich aus deinen Eingeweiden scheiden, und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen."
Viele Jahre nach dem Verkauf des Erstgeburtsrechts ist Isaak alt geworden, und seine Augen sind so schwach, dass er nicht mehr sehen kann. Er ruft Esau zu sich und bittet ihn, auf die Jagd zu gehen und ihm ein Wildgericht zuzubereiten. Danach will Isaak seinen älteren Sohn segnen. Damit tritt die Spannung, die seit der Geburt der Zwillinge besteht, offen hervor: Gott hatte vor ihrer Geburt angekündigt, dass der Ältere dem Jüngeren dienen werde, doch Isaaks persönliche Absicht richtet sich auf Esau.
Rebekka hört das Gespräch zwischen Isaak und Esau. Sobald Esau zur Jagd gegangen ist, ruft sie Jakob und entwickelt einen Plan, durch den er den vorgesehenen Segen erhalten soll. Jakob soll zwei Ziegenböckchen holen, Rebekka will daraus ein Gericht zubereiten, und anschließend soll Jakob es seinem Vater bringen. Die Initiative zur Täuschung geht damit ausdrücklich von Rebekka aus, doch Jakob übernimmt den Plan bewusst.
Sein erster Einwand richtet sich nicht gegen die Unehrlichkeit selbst. Jakob fürchtet vielmehr, Isaak könne bemerken, dass er nicht Esau ist. Da Esau behaart und Jakob glatt ist, könnte sein Vater ihn betasten und die Täuschung entdecken. Jakob fürchtet dann, statt eines Segens einen Fluch auf sich zu bringen. Rebekka übernimmt die Verantwortung für diesen möglichen Fluch und fordert ihren Sohn auf, ihr zu gehorchen.
Daraufhin holt Jakob die Tiere, und Rebekka bereitet das Gericht. Sie zieht ihm Esaus Festkleider an und bedeckt seine Hände und den glatten Teil seines Halses mit den Fellen der Ziegenböckchen. So ausgestattet geht Jakob zu seinem Vater. Was beim Verkauf des Erstgeburtsrechts noch ein offener Handel zwischen den Brüdern gewesen war, wird nun zu einer bewussten Täuschung innerhalb der eigenen Familie.
Isaak fragt sofort, wer vor ihm steht. Jakob antwortet: „Ich bin Esau, dein Erstgeborener.“ Als Isaak sich darüber wundert, dass die Jagd so schnell erfolgreich gewesen sei, geht Jakob noch weiter und erklärt, der HERR, Isaaks Gott, habe ihm das Wild begegnen lassen. Damit benutzt er sogar Gottes Namen zur Absicherung seiner Lüge. Die Bibel lässt diesen Teil der Geschichte ungeschönt stehen: Jakob versucht, den Segen, den er für wertvoll hält, auf einem Weg zu erhalten, der auf Täuschung beruht.
Isaak bleibt misstrauisch. Er fordert Jakob auf näherzukommen und betastet ihn. Die Stimme erkennt er als Jakobs Stimme, doch die mit Fell bedeckten Hände erscheinen ihm wie Esaus Hände. Selbst danach fragt Isaak noch einmal ausdrücklich: „Bist du wirklich mein Sohn Esau?“ Jakob antwortet erneut: „Ich bin's.“ Erst dann lässt Isaak sich das Essen bringen.
Nachdem Isaak gegessen und getrunken hat, bittet er Jakob, näherzukommen und ihn zu küssen. Der Geruch von Esaus Kleidern verstärkt die Täuschung, und Isaak spricht schließlich den Segen aus. Jakob soll vom Tau des Himmels und von der Fruchtbarkeit der Erde empfangen; Völker sollen ihm dienen, und er soll Herr über seine Brüder sein. Schließlich spricht Isaak eine Segens- und Fluchformel aus, die an Gottes Verheißung an Abraham erinnert: Wer Jakob flucht, soll verflucht sein, und wer ihn segnet, soll gesegnet sein.
Das Ergebnis entspricht in wesentlichen Zügen der Richtung, die Gott schon vor Jakobs Geburt angekündigt hatte. Doch die Bibel macht ebenso deutlich, dass Gottes Verheißung Jakobs Täuschung nicht nötig hatte. Weder Rebekkas Plan noch Jakobs Lügen brachten Gottes Wort erst zur Geltung. Vielmehr zeigt dieser Abschnitt, wie Menschen versuchen können, eine göttliche Zusage mit eigenen Mitteln zu sichern und dadurch Schuld und neue Konflikte hervorrufen.
Jakob verlässt seinen Vater mit dem empfangenen Segen, doch nur wenig später kehrt Esau von der Jagd zurück. Die Täuschung kann nicht verborgen bleiben. Was Jakob gewonnen hat, wird ihm nicht sofort genommen werden, aber der Preis seines Handelns wird schnell sichtbar: Esaus Zorn richtet sich nun gegen ihn, und Jakob wird sein Zuhause verlassen müssen.
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Jakob flieht vor Esau und verlässt sein Elternhaus
1. Mose 27,30-46 – „30 Als nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte, und Jakob kaum von seinem Vater Isaak hinausgegangen war, da kam sein Bruder Esau von der Jagd. 31 Der machte auch ein schmackhaftes Essen und trug es zu seinem Vater hinein und sprach zu ihm: Steh auf, mein Vater, und iß von dem Wildbret deines Sohnes, daß mich deine Seele segne! 32 Da antwortete ihm sein Vater Isaak: Wer bist du? Er sprach:…"
1. Mose 27,30-46 – „30 Als nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte, und Jakob kaum von seinem Vater Isaak hinausgegangen war, da kam sein Bruder Esau von der Jagd. 31 Der machte auch ein schmackhaftes Essen und trug es zu seinem Vater hinein und sprach zu ihm: Steh auf, mein Vater, und iß von dem Wildbret deines Sohnes, daß mich deine Seele segne! 32 Da antwortete ihm sein Vater Isaak: Wer bist du? Er sprach:…"
1. Mose 28,1-5 – „1 Da rief Isaak den Jakob, segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm kein Weib von den Töchtern Kanaans. 2 Mache dich auf und ziehe nach Mesopotamien, in das Haus Bethuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort ein Weib von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter. 3 Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, daß du zu einer Völkergemeinde…"
Kaum hat Jakob seinen Vater verlassen, kehrt Esau von der Jagd zurück. Er bereitet das Wildgericht zu, bringt es Isaak und erwartet nun den Segen, den sein Vater ihm versprochen hatte. In diesem Augenblick wird die Täuschung aufgedeckt. Isaak erkennt, dass derjenige, den er zuvor gesegnet hatte, Jakob gewesen ist. Was Jakob durch Verkleidung und Lüge verborgen hatte, bleibt nur für kurze Zeit unentdeckt.
Esau reagiert mit großer Erschütterung und bittet seinen Vater eindringlich, auch ihn zu segnen. Isaak erklärt jedoch, dass Jakob den Segen bereits erhalten habe, und fügt über ihn hinzu: „Er wird auch gesegnet bleiben.“ Damit wird der ausgesprochene Segen nicht zurückgenommen. Jakob hatte ihn auf einem falschen Weg erlangt, doch Isaak bestätigt nun bewusst, dass er bei ihm bleiben soll.
Für Esau ist dies ein schwerer Verlust. Er verbindet den empfangenen Segen mit dem früheren Verkauf des Erstgeburtsrechts und wirft Jakob vor, ihm nun beides genommen zu haben. Doch der frühere Bericht hatte ausdrücklich festgehalten, dass Esau selbst sein Erstgeburtsrecht verkauft und verachtet hatte. Seine Verantwortung wird durch Jakobs Täuschung nicht aufgehoben, ebenso wenig wird Jakobs Schuld durch Esaus frühere Entscheidung gerechtfertigt.
Isaak spricht schließlich auch über Esaus Zukunft, doch der besondere Segen, den Jakob empfangen hat, bleibt bestehen. Von diesem Zeitpunkt an hasst Esau seinen Bruder wegen des Segens. Er fasst den Entschluss, Jakob nach dem Tod ihres Vaters zu töten. Die Folgen von Jakobs Handeln reichen damit weit über den Augenblick der Täuschung hinaus. Der Segen, den er sichern wollte, bringt ihm zunächst keinen ruhigen Besitz, sondern unmittelbare Lebensgefahr.
Rebekka erfährt von Esaus Absicht und fordert Jakob auf, zu ihrem Bruder Laban nach Haran zu fliehen. Er soll dort bleiben, bis sich Esaus Zorn gelegt hat. Rebekka spricht davon, ihn später wieder zurückholen zu lassen. Wie lange diese Trennung tatsächlich dauern würde, konnte Jakob zu diesem Zeitpunkt aus dem Bericht nicht erkennen. Aus einer geplanten vorübergehenden Flucht wird schließlich ein langer Aufenthalt fern vom Elternhaus.
Gegenüber Isaak stellt Rebekka zusätzlich die Frage nach Jakobs zukünftiger Ehe in den Vordergrund. Sie möchte nicht, dass auch er eine Frau aus den Töchtern Heths nimmt. Isaak ruft Jakob daraufhin zu sich und gibt ihm eine klare Weisung: Er soll keine Frau aus den Töchtern Kanaans heiraten, sondern nach Paddan-Aram zum Haus Bethuels ziehen und dort eine Tochter Labans zur Frau nehmen.
Nun geschieht etwas besonders Wichtiges. Isaak segnet Jakob ein weiteres Mal – diesmal ohne Täuschung und in voller Kenntnis seiner Identität. Er bittet Gott, ihn fruchtbar zu machen und seine Nachkommenschaft zu mehren. Dann spricht er ausdrücklich den Segen Abrahams über ihn aus und verbindet Jakob mit der Verheißung des Landes, das Gott Abraham gegeben hatte.
Dieser zweite Segen verändert die Situation grundlegend. Jakob muss sich nun nicht mehr auf einen Segen berufen, den er unter falschem Namen erschlichen hatte. Sein Vater sendet ihn bewusst fort und bestätigt ausdrücklich, dass die Verheißung Abrahams mit ihm weitergehen soll. Gottes Wort wird dadurch von Jakobs früherer Täuschung getrennt: Die Bundeszusage ruht nicht auf seiner List, sondern auf Gottes souveräner Verheißung.
Dennoch bleiben die Folgen seines Handelns bestehen. Jakob verlässt das Land seiner Familie nicht als triumphierender Gewinner, sondern als Flüchtling vor seinem Bruder. Er besitzt den Segen, aber noch weder eine eigene Familie noch das Land noch die sichtbare Erfüllung der großen Zusagen. Auf dem Weg nach Haran liegt ein langer Abschnitt vor ihm, in dem vieles von dem, was er bisher durch eigene Berechnung zu sichern versucht hatte, neu geordnet werden wird.
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Gott begegnet Jakob auf der Flucht in Bethel
1. Mose 28,10-22 – „10 Jakob aber zog von Beerseba aus und wanderte gen Haran. 11 Und er kam an einen Ort, wo er über Nacht blieb; denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm von den Steinen jenes Orts und legte sie unter sein Haupt und legte sich an dem Ort schlafen. 12 Und ihm träumte; und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, die rührte mit der Spitze an den Himmel. Und siehe, die Engel Gottes stiegen d…"
1. Mose 28,10-22 – „10 Jakob aber zog von Beerseba aus und wanderte gen Haran. 11 Und er kam an einen Ort, wo er über Nacht blieb; denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm von den Steinen jenes Orts und legte sie unter sein Haupt und legte sich an dem Ort schlafen. 12 Und ihm träumte; und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, die rührte mit der Spitze an den Himmel. Und siehe, die Engel Gottes stiegen d…"
1. Mose 28,3-4 – „3 Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, daß du zu einer Völkergemeinde werdest, 4 und gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinem Samen mit dir, daß du besitzest das Land, darin du ein Fremdling bist, das Gott dem Abraham gegeben hat!"
Jakob verlässt Beerscheba und macht sich auf den Weg nach Haran. Hinter ihm liegt das Elternhaus, in dem der Konflikt mit Esau lebensgefährlich geworden ist; vor ihm liegt ein fremder Weg zu Verwandten, die er bisher nicht als eigene Heimat kennt. Obwohl Isaak ihn unmittelbar vor seiner Abreise bewusst mit dem Segen Abrahams verbunden hat, besitzt Jakob von dieser Verheißung zunächst wenig Sichtbares. Er zieht ohne eigene Familie und ohne festen Besitz aus dem Land fort, das ihm und seinen Nachkommen zugesprochen worden ist.
Als die Sonne untergegangen ist, bleibt Jakob an einem Ort über Nacht. Er nimmt einen der Steine des Platzes, legt ihn an sein Haupt und schläft dort. In dieser Nacht sieht er im Traum eine Leiter oder Treppe, die auf der Erde steht und bis zum Himmel reicht. Engel Gottes steigen daran auf und nieder. Über ihr steht der HERR und spricht Jakob unmittelbar an.
Gott stellt sich als der HERR vor, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks. Dann bestätigt er Jakob persönlich jene Verheißung, die bisher durch seine Vorfahren zu ihm gekommen war. Das Land, auf dem Jakob liegt, soll ihm und seinen Nachkommen gegeben werden. Seine Nachkommenschaft soll zahlreich werden wie der Staub der Erde und sich in alle Richtungen ausbreiten. Durch ihn und seine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.
Damit geschieht für Jakob etwas Entscheidendes. Der Segen ist nun nicht mehr nur ein Wort, das er von seinem Vater empfangen hat. Gott selbst spricht zu ihm und bestätigt die Bundesverheißung. Bemerkenswert ist dabei, dass Gott Jakob in diesem Augenblick nicht wegen seiner vorausgegangenen Täuschung lobt. Die Verheißung wird ihm nicht als Belohnung für sein Verhalten gegeben, sondern gründet in Gottes zuvor gefasstem Bund und seiner Treue zu dem Wort, das er Abraham und Isaak gegeben hatte.
Zu der großen heilsgeschichtlichen Zusage kommt eine sehr persönliche Verheißung. Gott sagt Jakob, dass er mit ihm sein, ihn überall behüten und wieder in dieses Land zurückbringen werde. Er werde ihn nicht verlassen, bis er ausgeführt habe, was er ihm zugesagt hat. Gerade für den fliehenden Jakob besitzt dieses Wort besonderes Gewicht. Er verlässt das vertraute Land, doch Gottes Gegenwart ist nicht an das Elternhaus oder an einen bestimmten Ort gebunden.
Als Jakob erwacht, erkennt er die Bedeutung dessen, was geschehen ist. Er sagt: „Gewiss ist der HERR an diesem Ort, und ich wusste es nicht!“ Ehrfurcht ergreift ihn, und er bezeichnet den Ort als Gottes Haus und als Pforte des Himmels. Am nächsten Morgen nimmt er den Stein, den er an sein Haupt gelegt hatte, richtet ihn als Denkstein auf und gießt Öl darüber. Den Ort nennt er Bethel – „Haus Gottes“ –, während er zuvor Lus geheißen hatte.
Jakob antwortet anschließend mit einem Gelübde. Er greift darin gerade die Zusagen auf, die Gott ihm gegeben hat: Gottes Gegenwart, Bewahrung auf seinem Weg, Versorgung und eine sichere Rückkehr zum Haus seines Vaters. Wenn Gott dies an ihm erfüllt, soll der HERR sein Gott sein; der aufgerichtete Stein soll Gottes Haus werden, und von allem, was Gott ihm gibt, will Jakob den Zehnten geben. Die Form seiner Worte klingt zunächst bedingend. Der Text beschreibt hier Jakobs Antwort am Anfang eines langen Glaubensweges und nicht bereits dessen letzte Reifestufe.
Bethel wird damit zu einem Wendepunkt. Jakob hatte den Segen zuvor durch menschliche Mittel sichern wollen; nun hört er mitten auf seiner Flucht, dass Gott selbst seine Verheißung tragen wird. Nicht Jakob verspricht zuerst, den göttlichen Plan zu verwirklichen. Gott verspricht, mit ihm zu gehen, ihn zu bewahren und ihn zurückzubringen. Diese Zusage wird in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, denn in Haran wartet auf Jakob nicht schnelle Erfüllung, sondern eine lange Zeit des Dienens, familiärer Spannungen und eigener Erfahrungen damit, wie es ist, von einem anderen Menschen übervorteilt zu werden.
Zurück: Jakob flieht vor Esau und verlässt sein Elternhaus Weiter: Jakob begegnet Rahel und kommt in Labans Haus
Jakob begegnet Rahel und kommt in Labans Haus
1. Mose 29,1-14 – „1 Da machte sich Jakob wieder auf den Weg und ging ins Morgenland. 2 Und er sah sich um und siehe, da war ein Brunnen auf dem Felde, und siehe, drei Herden Schafe lagen dabei; denn von dem Brunnen mußten die Herden trinken. Und ein großer Stein lag über dem Loch des Brunnens. 3 Und sie pflegten alle Herden daselbst zu versammeln und den Stein von dem Loch des Brunnens zu wälzen und die Schafe zu …"
1. Mose 29,1-14 – „1 Da machte sich Jakob wieder auf den Weg und ging ins Morgenland. 2 Und er sah sich um und siehe, da war ein Brunnen auf dem Felde, und siehe, drei Herden Schafe lagen dabei; denn von dem Brunnen mußten die Herden trinken. Und ein großer Stein lag über dem Loch des Brunnens. 3 Und sie pflegten alle Herden daselbst zu versammeln und den Stein von dem Loch des Brunnens zu wälzen und die Schafe zu …"
1. Mose 29,15-20 – „15 Darnach sprach Laban zu Jakob: Solltest du mir darum umsonst dienen, weil du mein Neffe bist? Sage an, was soll dein Lohn sein? 16 Laban aber hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea und die jüngere Rahel. 17 Und Lea hatte matte Augen, Rahel aber war schön von Gestalt und schön von Angesicht. 18 Und Jakob gewann Rahel lieb und sprach: Ich will dir sieben Jahre lang um Rahel, deine jüngere Tocht…"
Nach der Begegnung in Bethel setzt Jakob seinen Weg nach Osten fort. Die Verheißung Gottes begleitet ihn nun ausdrücklich: Der HERR hatte zugesagt, mit ihm zu sein, ihn zu behüten und ihn eines Tages wieder in das Land zurückzubringen. Doch zunächst führt Jakobs Weg weiter nach Haran, in die Gegend, aus der seine Mutter Rebekka stammte und in der ihr Bruder Laban lebte.
Dort erreicht Jakob einen Brunnen auf dem Feld, bei dem mehrere Herden lagern. Über der Öffnung liegt ein großer Stein, der gewöhnlich erst weggewälzt wird, wenn die Herden versammelt sind. Jakob fragt die Hirten nach ihrer Herkunft und erfährt, dass sie aus Haran kommen. Als er nach Laban fragt, bestätigen sie, dass sie ihn kennen. Noch während des Gesprächs kündigen sie an, dass dessen Tochter Rahel mit den Schafen komme.
Als Jakob Rahel mit der Herde ihres Vaters sieht, tritt er zum Brunnen, wälzt den Stein von der Öffnung und tränkt Labans Schafe. Danach küsst er Rahel und beginnt laut zu weinen. Der Text erklärt nicht ausführlich, welche einzelnen Gedanken diesen Ausbruch begleiten. Unmittelbar danach sagt Jakob ihr jedoch, dass er mit ihrem Vater verwandt und Rebekkas Sohn sei. Für den Mann, der sein Elternhaus verlassen hatte und eine lange Reise hinter sich hatte, ist die Begegnung mit seiner mütterlichen Verwandtschaft damit tatsächlich erreicht.
Rahel läuft zu ihrem Vater und berichtet ihm von Jakob. Als Laban davon hört, eilt er ihm entgegen, umarmt und küsst ihn und führt ihn in sein Haus. Jakob erzählt Laban, was geschehen ist. Der Bericht gibt den Inhalt dieser Erzählung nicht vollständig wieder, weshalb offenbleibt, welche Einzelheiten Jakob über seine Flucht und den Konflikt mit Esau mitteilte. Laban erkennt ihn jedenfalls als seinen Verwandten an, und Jakob bleibt zunächst einen Monat bei ihm.
Dann spricht Laban die Frage seiner weiteren Stellung an. Nur weil Jakob sein Verwandter sei, solle er ihm nicht umsonst dienen. Er fordert ihn auf, seinen Lohn zu nennen. Damit beginnt eine neue Phase in Jakobs Leben: Aus dem fliehenden Sohn Isaaks wird ein Mann, der im Haushalt seines Onkels arbeitet und seinen Lebensunterhalt durch Dienst erwirbt.
Der Bericht führt an dieser Stelle Labans beide Töchter ein. Die ältere heißt Lea, die jüngere Rahel. Über Lea wird eine körperliche Besonderheit ihrer Augen genannt, deren genaue Bedeutung je nach Übersetzung unterschiedlich wiedergegeben wird; Rahel dagegen wird ausdrücklich als schön von Gestalt und Aussehen beschrieben. Jakob liebt Rahel und nennt deshalb einen ungewöhnlich hohen persönlichen Einsatz als Lohn: Sieben Jahre will er Laban für sie dienen.
Laban stimmt zu und erklärt, es sei besser, Rahel Jakob zu geben als einem anderen Mann. Damit wird eine Vereinbarung geschlossen, die Jakobs weitere Jahre in Haran bestimmen wird. Die Bibel berichtet, dass Jakob sieben Jahre für Rahel dient und diese Zeit ihm wegen seiner Liebe zu ihr wie wenige Tage erscheint. Hier spricht der Text ausdrücklich von der Stärke seiner Zuneigung; sie ist keine nachträgliche psychologische Vermutung.
Jakob, der zuvor versucht hatte, Erstgeburtsrecht und Segen mit eigener Berechnung zu sichern, lebt nun jahrelang unter der Autorität eines anderen Mannes und arbeitet auf ein Ziel hin, das er nicht unmittelbar erreichen kann. Noch scheint die Vereinbarung mit Laban klar zu sein. Doch gerade am Ende dieser sieben Jahre wird Jakob selbst erfahren, wie tiefgreifend Täuschung das Leben eines Menschen verändern kann.
Zurück: Gott begegnet Jakob auf der Flucht in Bethel Weiter: Laban täuscht Jakob bei seiner Hochzeit
Laban täuscht Jakob bei seiner Hochzeit
1. Mose 29,21-30 – „21 Und Jakob sprach zu Laban: Gib mir mein Weib, daß ich zu ihr komme, denn meine Zeit ist abgelaufen! 22 Da lud Laban alle Leute des Ortes und machte ein Mahl. 23 Aber am Abend nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm hinein; und er kam zu ihr. 24 Und Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd. 25 Am Morgen aber, siehe, da war es Lea! Und er sprach zu Laban: Warum hast du mir…"
1. Mose 29,21-30 – „21 Und Jakob sprach zu Laban: Gib mir mein Weib, daß ich zu ihr komme, denn meine Zeit ist abgelaufen! 22 Da lud Laban alle Leute des Ortes und machte ein Mahl. 23 Aber am Abend nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm hinein; und er kam zu ihr. 24 Und Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd. 25 Am Morgen aber, siehe, da war es Lea! Und er sprach zu Laban: Warum hast du mir…"
1. Mose 31,41 – „41 Diese zwanzig Jahre lang habe ich dir in deinem Hause gedient, vierzehn Jahre um deine beiden Töchter und sechs Jahre um deine Schafe, und du hast mir meinen Lohn zehnmal verändert!"
Nach sieben Jahren Dienst fordert Jakob von Laban die vereinbarte Ehe mit Rahel. Er erinnert ihn daran, dass seine Dienstzeit erfüllt ist. Laban veranstaltet daraufhin ein Fest und lädt die Männer des Ortes ein. Doch am Abend gibt er Jakob nicht Rahel, sondern seine ältere Tochter Lea zur Frau. Erst am Morgen erkennt Jakob, dass er getäuscht worden ist.
Damit erlebt Jakob nun selbst eine Erfahrung, die in auffälliger Weise an sein früheres Handeln erinnert. Er hatte seinen blinden Vater durch Verkleidung und falsche Identität getäuscht; jetzt wird ihm bei einer entscheidenden Familienangelegenheit eine andere Person untergeschoben, als er erwartet hatte. Der Text stellt keinen ausdrücklichen Satz auf, dass dies eine direkte göttliche Vergeltung für Jakobs frühere Täuschung sei. Die Parallele innerhalb seiner Lebensgeschichte ist jedoch unübersehbar und zeigt, wie tief Täuschung Beziehungen beschädigen kann.
Jakob stellt Laban zur Rede und fragt, warum er ihm dies angetan habe. Er erinnert daran, dass er ausdrücklich um Rahel gedient hatte. Laban rechtfertigt sein Verhalten mit dem örtlichen Brauch, wonach die jüngere Tochter nicht vor der älteren verheiratet werde. Ob Jakob diese Regel zuvor kannte, sagt der Bericht nicht. Entscheidend ist, dass Laban sie erst nach vollzogener Täuschung als Begründung anführt.
Laban bietet Jakob daraufhin eine neue Vereinbarung an. Er soll die Hochzeitswoche mit Lea vollenden und danach auch Rahel erhalten, wenn er sich verpflichtet, weitere sieben Jahre zu dienen. Jakob stimmt zu. Nach Ablauf der Woche bekommt er auch Rahel zur Frau, und Laban gibt ihr seine Magd Bilha. Jakob liebt Rahel mehr als Lea und dient Laban nochmals sieben Jahre.
Damit verändert sich Jakobs Familienleben grundlegend. Aus der geplanten Ehe mit einer Frau entsteht ein Haushalt mit zwei Schwestern, deren Verhältnis von unterschiedlicher Liebe geprägt sein wird. Die Bibel beschreibt diese Entwicklung, ohne die daraus entstandene Vielehe als göttliches Ideal darzustellen. Bereits die weitere Erzählung zeigt, wie schmerzhaft Rivalität, Eifersucht und Konkurrenz innerhalb dieser Familie werden.
Jakob trägt dabei nicht allein die Verantwortung für die entstandene Situation. Laban hatte ihn bewusst getäuscht. Gleichzeitig bleibt Jakob nun in einer Ordnung, die zahlreiche neue Spannungen hervorbringt. Die Geschichte zeigt damit erneut, dass menschliches Fehlverhalten reale Folgen erzeugt, auch wenn Gottes Verheißung über Jakobs Leben weiterhin besteht.
Später blickt Jakob auf seine Jahre bei Laban zurück und sagt, dass er ihm insgesamt zwanzig Jahre gedient habe: vierzehn Jahre für seine beiden Töchter und sechs Jahre für seine Herden. Diese spätere Aussage bestätigt, wie lang der Abschnitt gewesen ist, der mit der Vereinbarung um Rahel begonnen hatte. Was Jakob zunächst als siebenjährige Dienstzeit geplant hatte, wird zu einem großen Teil seines Erwachsenenlebens.
Noch bevor diese lange Zeit endet, beginnt innerhalb seiner Familie eine weitere Entwicklung. Gott sieht, dass Lea weniger geliebt wird, und öffnet ihren Mutterleib, während Rahel zunächst kinderlos bleibt. Damit treten die Frauen und die kommenden Kinder in den Mittelpunkt einer neuen Phase, aus der schließlich Jakobs große Familie und die späteren Stämme Israels hervorgehen werden.
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Jakobs Familie wächst unter Rivalität und Kinderwunsch
1. Mose 29,31-35 – „31 Als aber der HERR sah, daß Lea verhaßt war, machte er sie fruchtbar und Rahel unfruchtbar. 32 Und Lea empfing und gebar einen Sohn, den hieß sie Ruben. Denn sie sprach: Weil der HERR mein Elend angesehen hat, so wird mich nun mein Mann lieben! 33 Und sie empfing abermal und gebar einen Sohn und sprach: Weil der HERR gehört hat, daß ich verhaßt bin, so hat er mir auch diesen gegeben, und sie hi…"
1. Mose 29,31-35 – „31 Als aber der HERR sah, daß Lea verhaßt war, machte er sie fruchtbar und Rahel unfruchtbar. 32 Und Lea empfing und gebar einen Sohn, den hieß sie Ruben. Denn sie sprach: Weil der HERR mein Elend angesehen hat, so wird mich nun mein Mann lieben! 33 Und sie empfing abermal und gebar einen Sohn und sprach: Weil der HERR gehört hat, daß ich verhaßt bin, so hat er mir auch diesen gegeben, und sie hi…"
1. Mose 30,1-8 – „1 Als aber Rahel sah, daß sie dem Jakob keine Kinder gebar, ward sie eifersüchtig auf ihre Schwester und sprach zu Jakob: Schaffe mir auch Kinder, wo nicht, so sterbe ich. 2 Jakob aber ward sehr zornig auf Rahel und sprach: Bin ich denn an Gottes Statt, der dir Leibesfrucht versagt? 3 Sie aber sprach: Siehe, da ist meine Magd Bilha, komm zu ihr, daß sie in meinen Schoß gebäre, und ich doch durch …"
1. Mose 30,9-13 – „9 Als nun Lea sah, daß sie innehielt mit Gebären, nahm sie ihre Magd Silpa und gab sie Jakob zum Weibe. 10 Und Silpa, Leas Magd, gebar dem Jakob einen Sohn. 11 Da sprach Lea: Ich habe Glück! und hieß ihn Gad. 12 Darnach gebar Silpa, Leas Magd, dem Jakob einen zweiten Sohn. 13 Da sprach Lea: Die Töchter werden mich glücklich preisen! Und sie hieß ihn Asser."
Nach den beiden Hochzeiten beginnt Jakobs Familie rasch zu wachsen, doch nicht in einer Atmosphäre ungetrübter Einheit. Der Bericht sagt ausdrücklich, dass Jakob Rahel mehr liebt als Lea. Als der HERR sieht, dass Lea weniger geliebt wird, öffnet er ihren Mutterleib, während Rahel zunächst kinderlos bleibt. Damit tritt Gott in eine familiäre Situation hinein, die bereits durch Labans Täuschung und Jakobs unterschiedliche Liebe zu den beiden Schwestern belastet ist.
Lea bringt zunächst Ruben zur Welt. Sie verbindet seinen Namen mit der Hoffnung, dass Jakob sie nun stärker lieben werde, weil der HERR ihr Elend angesehen habe. Danach folgen Simeon und Levi. Auch bei diesen Geburten sprechen Leas Worte offen von ihrem Wunsch nach der Zuneigung ihres Mannes. Die Kinder werden damit in eine Ehe hineingeboren, in der Lea Anerkennung sucht und ihre Mutterschaft immer wieder mit ihrer Beziehung zu Jakob verbindet.
Bei der Geburt ihres vierten Sohnes verändert sich der Ton. Lea nennt ihn Juda und sagt: „Nun will ich den HERRN preisen.“ Hier richtet sich ihre Aussage nicht mehr unmittelbar auf die Hoffnung, durch einen Sohn Jakobs Liebe zu gewinnen, sondern auf Gott selbst. Der Text erklärt nicht, dass damit alle inneren Spannungen Leas dauerhaft überwunden gewesen wären. Dennoch erhält dieser Moment innerhalb ihrer Geburtenfolge einen eigenen Schwerpunkt: Juda wird mit ausdrücklichem Lob Gottes verbunden.
Rahel erlebt diese Entwicklung aus einer ganz anderen Position. Sie bleibt kinderlos und wird eifersüchtig auf ihre Schwester. Schließlich fordert sie von Jakob: „Schaffe mir Kinder, sonst sterbe ich!“ Jakob reagiert zornig und fragt, ob er an Gottes Stelle stehe, der ihr die Frucht des Leibes versagt habe. Seine Antwort macht deutlich, dass auch er die Grenze menschlicher Macht erkennt: Er kann Rahel die ersehnte Schwangerschaft nicht geben.
Daraufhin gibt Rahel Jakob ihre Magd Bilha zur Frau, damit sie durch deren Kinder selbst Nachkommenschaft erhalte. Bilha bringt Dan und danach Naphtali zur Welt. Rahel deutet diese Geburten als göttliche Entscheidung zu ihren Gunsten und als Teil ihres Ringens mit ihrer Schwester. Damit wird die Konkurrenz zwischen Lea und Rahel zunehmend auch über ihre Kinder und Mägde ausgetragen.
Als Lea erkennt, dass sie zunächst keine weiteren Kinder bekommt, folgt sie demselben Muster und gibt Jakob ihre Magd Silpa. Silpa bringt Gad und Asser zur Welt. So erweitert sich Jakobs Haushalt weiter, doch die große Zahl der Kinder darf nicht mit familiärem Frieden verwechselt werden. Die Genesis schildert eine Familie, in der Mutterschaft, Liebe, Anerkennung und Konkurrenz eng miteinander verflochten sind.
Jakob selbst steht dabei im Mittelpunkt eines Haushalts, dessen Struktur immer komplizierter wird. Die Bibel berichtet, dass er Kinder von Lea, Rahel sowie deren beiden Mägden erhält, ohne diese Entwicklung als ursprüngliches Schöpfungsideal für Ehe und Familie darzustellen. Die Erzählung zeigt vielmehr die Folgen einer Vielehe, in der unterschiedliche Bindungen und Interessen immer wieder gegeneinanderstehen.
Trotz dieser menschlichen Unordnung führt Gott seine Verheißung weiter. Aus Jakobs wachsender Familie werden später die Stämme Israels hervorgehen. Doch die heilsgeschichtliche Bedeutung der Kinder macht die Spannungen ihrer Entstehung nicht automatisch richtig. Gottes Treue wirkt durch eine Familie, in der Konkurrenz, Verletzungen und menschliche Ersatzlösungen ebenso real sind wie Gebet, Hoffnung und göttliche Fürsorge.
Die Rivalität zwischen Lea und Rahel ist damit jedoch noch nicht beendet. Ein Ereignis um die sogenannten Liebesäpfel führt zu einer neuen Vereinbarung zwischen den Schwestern, und weitere Kinder werden geboren, bevor schließlich auch Rahels lange Kinderlosigkeit endet.
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Lea bekommt weitere Kinder und Rahel gebiert Joseph
1. Mose 30,14-24 – „14 Ruben aber ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem Felde und brachte sie heim zu seiner Mutter Lea. Da sprach Rahel zu Lea: Gib mir einen Teil der Liebesäpfel deines Sohnes! 15 Sie antwortete ihr: Ist das ein Geringes, daß du mir meinen Mann genommen hast? Und willst du auch die Liebesäpfel meines Sohnes nehmen? Rahel sprach: Er soll dafür diese Nacht bei dir schlafen zu…"
1. Mose 30,14-24 – „14 Ruben aber ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem Felde und brachte sie heim zu seiner Mutter Lea. Da sprach Rahel zu Lea: Gib mir einen Teil der Liebesäpfel deines Sohnes! 15 Sie antwortete ihr: Ist das ein Geringes, daß du mir meinen Mann genommen hast? Und willst du auch die Liebesäpfel meines Sohnes nehmen? Rahel sprach: Er soll dafür diese Nacht bei dir schlafen zu…"
1. Mose 49,14-15 – „14 Issaschar ist ein knochiger Esel, der zwischen den Hürden liegt; 15 und weil er sah, daß die Ruhe gut und das Land lieblich war, so neigte er seine Schultern zum Tragen und wurde ein fronpflichtiger Knecht."
1. Mose 49,21-22 – „21 Naphtali ist eine ausgelassene Hirschkuh und kann schöne Worte machen. 22 Joseph ist ein junger Fruchtbaum, ein junger Fruchtbaum an der Quelle; seine Zweige klettern über die Mauer hinaus."
Während der Weizenernte findet Ruben, Leas ältester Sohn, auf dem Feld Liebesäpfel und bringt sie seiner Mutter. Rahel bittet Lea darum, ihr etwas davon zu geben. Welche Wirkung diese Pflanzen nach damaliger Vorstellung haben sollten, erklärt der Bibeltext nicht ausdrücklich. Sicher ist jedoch, dass Rahels Wunsch erneut innerhalb der bestehenden Rivalität zwischen den beiden Schwestern auftritt.
Lea reagiert scharf. Sie wirft Rahel vor, ihr bereits den Mann genommen zu haben, und fragt, ob sie nun auch noch die Liebesäpfel ihres Sohnes haben wolle. Rahel schlägt daraufhin einen Tausch vor: Jakob soll in dieser Nacht bei Lea liegen dürfen, wenn Rahel dafür die Liebesäpfel erhält. Damit wird sichtbar, wie stark das Verhältnis der Schwestern inzwischen von Konkurrenz und gegenseitigem Aushandeln geprägt ist.
Als Jakob am Abend vom Feld zurückkehrt, geht Lea ihm entgegen und erklärt, dass er in dieser Nacht bei ihr liegen müsse, weil sie ihn mit den Liebesäpfeln ihres Sohnes gewissermaßen erkauft habe. Der Text berichtet diese Vereinbarung ohne sie als vorbildlich darzustellen. Jakobs Familienleben ist inzwischen so sehr von der Rivalität der beiden Frauen geprägt, dass selbst der eheliche Umgang zum Gegenstand eines Tausches wird.
In dieser Situation heißt es ausdrücklich, dass Gott Lea erhört. Sie wird wieder schwanger und bringt Jakob einen fünften Sohn zur Welt, den sie Issachar nennt. Danach gebiert sie einen sechsten Sohn, Sebulon. Lea verbindet auch diese Geburt mit ihrer Beziehung zu Jakob und hofft, dass ihr Mann ihr nun besondere Ehre erweisen werde, weil sie ihm sechs Söhne geboren hat.
Anschließend wird auch eine Tochter genannt: Dina. Der Text berichtet ihre Geburt knapp und ohne zusätzliche Erklärung. Dennoch ist ihre Erwähnung wichtig, weil Dina später selbst in einem einschneidenden Ereignis innerhalb Jakobs Familie eine zentrale Rolle spielen wird. Hier wird sie zunächst lediglich als Tochter Leas eingeführt.
Erst danach richtet sich der Blick wieder auf Rahel. Der Bericht sagt: „Gott gedachte an Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterleib.“ Damit wird ihre lange Kinderlosigkeit ausdrücklich durch Gottes Eingreifen beendet. Die Formulierung macht zugleich deutlich, dass die zuvor erwähnten Liebesäpfel nicht als Ursache ihrer Schwangerschaft dargestellt werden. Nicht eine Pflanze erfüllt Rahels Wunsch, sondern Gott selbst öffnet ihren Mutterleib.
Rahel bringt einen Sohn zur Welt und erklärt, Gott habe ihre Schmach weggenommen. Sie nennt ihn Joseph und verbindet seinen Namen zugleich mit der Bitte, der HERR möge ihr noch einen weiteren Sohn hinzufügen. Joseph wird damit als der erste eigene Sohn Rahels geboren, jener Frau, die Jakob von Anfang an besonders geliebt hatte. Seine Geburt wird später für Jakobs gesamtes Leben und für die Bewahrung seiner Familie von außerordentlicher Bedeutung sein.
Mit Josephs Geburt ist ein entscheidender Abschnitt von Jakobs Familiengründung erreicht. Viele Jahre sind seit seiner Ankunft bei Laban vergangen. Aus dem allein reisenden Flüchtling ist ein Mann mit Frauen, Kindern, Dienern und wachsender Verantwortung geworden. Doch noch lebt er im Haus seines Onkels und steht in dessen Dienst.
Gerade nach Josephs Geburt beginnt Jakob deshalb darüber nachzudenken, in seine Heimat zurückzukehren. Der Aufenthalt bei Laban, der ursprünglich nur vorübergehend gedacht war, hat sich über viele Jahre ausgedehnt. Nun tritt neben die Frage seiner Familie eine zweite große Herausforderung: Wie kann Jakob mit eigenem Besitz aufbrechen, nachdem er einen so großen Teil seines Lebens für Laban gearbeitet hat?
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Jakob vermehrt seinen Besitz bei Laban
1. Mose 30,25-43 – „25 Da nun Rahel den Joseph geboren hatte, sprach Jakob zu Laban: Entlasse mich, daß ich an meinen Ort und in mein Land ziehe! 26 Gib mir meine Weiber und Kinder, um welche ich dir gedient habe, daß ich gehen kann! Denn du weißt, welche Dienste ich dir geleistet habe. 27 Laban antwortete: Ach, daß ich doch in deinen Augen Gnade fände! Ich habe es geahnt; und doch hat mich der HERR um deinetwillen …"
1. Mose 30,25-43 – „25 Da nun Rahel den Joseph geboren hatte, sprach Jakob zu Laban: Entlasse mich, daß ich an meinen Ort und in mein Land ziehe! 26 Gib mir meine Weiber und Kinder, um welche ich dir gedient habe, daß ich gehen kann! Denn du weißt, welche Dienste ich dir geleistet habe. 27 Laban antwortete: Ach, daß ich doch in deinen Augen Gnade fände! Ich habe es geahnt; und doch hat mich der HERR um deinetwillen …"
1. Mose 31,6-12 – „6 Und ihr wisset, wie ich eurem Vater gedient habe mit meiner ganzen Kraft. 7 Euer Vater aber hat mich betrogen und mir meinen Lohn zehnmal verändert; doch hat ihm Gott nicht zugelassen, daß er mir schaden durfte. 8 Sagte er: Die Gesprenkelten sollen dein Lohn sein, so warf die ganze Herde Gesprenkelte; sagte er aber: Die Gestreiften sollen dein Lohn sein, so warf die ganze Herde Gestreifte. 9 So…"
Nach der Geburt Josephs spricht Jakob mit Laban über seine Rückkehr. Er bittet darum, mit seinen Frauen und Kindern in seine Heimat ziehen zu dürfen und erinnert Laban daran, wie lange er ihm gedient hat. Jakob ist nicht mehr der mittellose Flüchtling, der einst allein nach Haran gekommen war. Doch obwohl seine Familie groß geworden ist, besitzt er noch keine eigenständige wirtschaftliche Grundlage, die seiner langen Dienstzeit entspricht.
Laban möchte Jakob jedoch nicht verlieren. Er erklärt, erkannt zu haben, dass der HERR ihn um Jakobs willen gesegnet habe. Damit bestätigt sogar Laban, dass Jakobs Gegenwart seinem Haus Wohlstand gebracht hat. Er fordert Jakob auf, seinen Lohn selbst festzulegen. Jakob erinnert ihn daran, wie wenig Laban vor seiner Ankunft besessen hatte und wie stark dessen Herden seither gewachsen waren.
Jakob schlägt schließlich eine Vereinbarung vor, die seinen künftigen Besitz deutlich von Labans Herden unterscheidbar machen soll. Bestimmte gefleckte, gesprenkelte und dunkle Tiere sollen Jakobs Lohn bilden. Laban stimmt zu, trennt jedoch noch am selben Tag die entsprechenden Tiere aus den Herden und übergibt sie seinen Söhnen, die sich mehrere Tagesreisen von Jakob entfernen. Damit verschlechtert er Jakobs Ausgangslage erheblich.
Jakob beginnt daraufhin mit einer Zuchtmethode, bei der er geschälte Zweige vor den Tieren an den Tränken aufstellt. Der Genesis-Bericht beschreibt diese Vorgehensweise ausführlich, erklärt aber nicht, dass die Zweige selbst auf natürlichem Weg die Färbung der Nachkommen verursacht hätten. Später berichtet Jakob seinen Frauen von einem Traum, in dem Gott ihm gezeigt hatte, dass gerade die gesprenkelten und gefleckten Tiere sich vermehrten. Damit führt Jakob seinen zunehmenden Besitz letztlich auf Gottes Eingreifen zurück.
Zugleich handelt Jakob strategisch. Er achtet darauf, die stärkeren Tiere für seine eigene Herde zu vermehren, während die schwächeren bei Laban bleiben. Der Text verschweigt diese Berechnung nicht. Jakobs wirtschaftliches Vorgehen verbindet damit eigene Klugheit mit einer Entwicklung, die er später ausdrücklich als Gottes Handeln deutet. Die Bibel gibt keinen Anlass, jede einzelne seiner Zuchtmethoden zu einem allgemeinen Erfolgsprinzip zu machen.
Das Ergebnis ist deutlich: Jakobs Besitz wächst sehr stark. Er erhält große Herden sowie Mägde, Knechte, Kamele und Esel. Der Mann, der einst nur mit seinem Stab den Jordan überquert hatte, verfügt nun über beträchtlichen Reichtum. Doch gerade dieser zunehmende Wohlstand verschärft die Spannungen mit Laban und dessen Söhnen.
Später erklärt Jakob gegenüber Rahel und Lea, dass Laban seinen Lohn mehrfach verändert habe. Er sagt, Laban habe versucht, ihn zu übervorteilen, Gott aber habe verhindert, dass dieser ihm Schaden zufügen konnte. Je nachdem, welche Tiere als Jakobs Lohn festgelegt wurden, habe Gott gerade diese vermehren lassen. Damit ordnet Jakob seine wirtschaftliche Entwicklung ausdrücklich unter die Bewahrung Gottes ein.
Diese rückblickende Aussage ist für das Verständnis seines Lebens wichtig. Jakob hatte viele Jahre zuvor in Bethel die Verheißung erhalten, dass Gott mit ihm sein und ihn bewahren werde. Nun beginnt er in den Ereignissen seines langen Aufenthalts bei Laban genau diese Treue wiederzuerkennen. Seine Zukunft hängt nicht allein von Labans wechselnden Bedingungen oder von seiner eigenen Geschicklichkeit ab.
Doch der wachsende Besitz verändert das Verhältnis im Haus Labans endgültig. Dessen Söhne beginnen Jakob vorzuwerfen, er habe den Reichtum ihres Vaters an sich gebracht, und auch Labans Haltung ihm gegenüber verändert sich. Damit nähert sich die Zeit, in der Jakob Haran verlassen und sich auf den Weg zurück in das Land machen wird, aus dem er einst geflohen war.
Zurück: Lea bekommt weitere Kinder und Rahel gebiert Joseph Weiter: Gott ruft Jakob zurück in das Land seiner Väter
Gott ruft Jakob zurück in das Land seiner Väter
1. Mose 31,1-18 – „1 Er vernahm aber die Reden der Söhne Labans, die sagten: Jakob hat alles genommen, was unserm Vater gehört; und mit dem, was unserm Vater gehört, hat er all diesen Reichtum zuwege gebracht! 2 Und Jakob sah, daß Labans Angesicht gegen ihn nicht mehr war wie gestern und vorgestern. 3 Da sprach der HERR zu Jakob: Kehre in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will mit dir s…"
1. Mose 31,1-18 – „1 Er vernahm aber die Reden der Söhne Labans, die sagten: Jakob hat alles genommen, was unserm Vater gehört; und mit dem, was unserm Vater gehört, hat er all diesen Reichtum zuwege gebracht! 2 Und Jakob sah, daß Labans Angesicht gegen ihn nicht mehr war wie gestern und vorgestern. 3 Da sprach der HERR zu Jakob: Kehre in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will mit dir s…"
1. Mose 28,15 – „15 Und siehe: Ich bin mit dir, und ich will dich behüten allenthalben, wo du hinziehst, und dich wieder in dieses Land bringen. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich dir gesagt habe."
1. Mose 31,3 – „3 Da sprach der HERR zu Jakob: Kehre in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will mit dir sein!"
Jakobs wachsender Besitz verändert die Stimmung in Labans Familie. Die Söhne Labans behaupten, Jakob habe den Besitz ihres Vaters an sich gebracht und aus dessen Vermögen seinen eigenen Reichtum gewonnen. Auch Jakob bemerkt, dass Labans Haltung ihm gegenüber nicht mehr so ist wie zuvor. Nach vielen Jahren des Dienstes wird damit immer deutlicher, dass sein Aufenthalt in Haran an einen Wendepunkt gelangt ist.
In genau dieser Situation spricht der HERR zu Jakob. Er fordert ihn auf, in das Land seiner Väter und zu seiner Verwandtschaft zurückzukehren, und verbindet den Auftrag mit der Zusage: „Ich will mit dir sein.“ Damit greift Gott die Verheißung wieder auf, die er Jakob bereits auf seiner Flucht in Bethel gegeben hatte. Damals hatte er zugesagt, ihn zu bewahren und ihn wieder in dieses Land zurückzubringen. Nun kommt der Zeitpunkt, an dem diese Rückkehr tatsächlich beginnen soll.
Jakob ruft Rahel und Lea zu den Herden aufs Feld und erklärt ihnen die Lage. Er spricht offen darüber, dass Labans Haltung sich verändert habe, betont aber zugleich: „Der Gott meines Vaters ist mit mir gewesen.“ Jakob beschreibt seine vergangenen Jahre nicht so, als habe allein seine eigene Geschicklichkeit ihn erfolgreich gemacht. Er erinnert daran, dass er Laban mit ganzer Kraft gedient habe, während Laban ihn wiederholt getäuscht und seinen Lohn verändert habe.
Jakob schildert seinen Frauen außerdem, wie Gott trotz dieser wechselnden Bedingungen dafür gesorgt habe, dass gerade die Tiere sich vermehrten, die jeweils als sein Lohn bestimmt waren. Dann berichtet er von einem Traum, in dem der Engel Gottes ihn angesprochen habe. Gott hatte gesehen, wie Laban mit Jakob umging, und erinnerte ihn zugleich an Bethel – an den Ort, an dem Jakob den Stein gesalbt und dem HERRN ein Gelübde abgelegt hatte.
Diese Erinnerung verbindet Jakobs Vergangenheit mit seiner Gegenwart. Bethel war der Ort gewesen, an dem Gott dem fliehenden Jakob versprochen hatte, ihn eines Tages zurückzubringen. Nun heißt es ausdrücklich: „Mache dich nun auf und ziehe aus diesem Land und kehre zurück in das Land deiner Geburt.“ Die Rückkehr ist deshalb nicht bloß Jakobs Reaktion auf einen schwierigen Arbeitgeber. Sie geschieht auf einen direkten göttlichen Ruf hin.
Rahel und Lea stimmen Jakob zu. Ihre Antwort zeigt, dass auch sie ihre Stellung im Haus ihres Vaters kritisch sehen. Sie fragen, ob sie bei ihm überhaupt noch Anteil oder Erbe hätten, und erklären, dass Laban sie wie Fremde behandelt habe. Besonders scharf ist ihr Vorwurf, dass er sie verkauft und den daraus gewonnenen Wert verbraucht habe. Deshalb erkennen sie den Besitz, den Gott ihrem Vater entzogen und Jakob gegeben habe, als etwas an, das nun ihnen und ihren Kindern zugutekommt.
Dann sagen beide Frauen zu Jakob, er solle alles tun, was Gott ihm gesagt habe. Damit steht Jakob bei seiner Rückkehr nicht allein mit einer persönlichen Überzeugung. Seine Frauen tragen die Entscheidung mit und erkennen die göttliche Weisung an. Nach den vielen Jahren familiärer Rivalität stehen Rahel und Lea in diesem entscheidenden Moment gemeinsam hinter dem Aufbruch.
Jakob macht sich daraufhin bereit. Er setzt seine Kinder und Frauen auf die Kamele, nimmt seine gesamten Herden und seinen erworbenen Besitz und beginnt die Reise zurück nach Kanaan zu seinem Vater Isaak. Damit erfüllt sich ein erster großer Teil dessen, was Gott ihm in Bethel zugesagt hatte: Der Mann, der einst allein und ohne eigenen Besitz geflohen war, kehrt nun mit einer großen Familie und umfangreichem Eigentum zurück.
Doch der Aufbruch geschieht nicht ohne neue Probleme. Jakob entscheidet sich, Laban heimlich zu verlassen, und Rahel nimmt dabei die Hausgötter ihres Vaters an sich. So beginnt die Rückkehr in das Land der Verheißung zwar auf Gottes ausdrücklichen Ruf, wird aber erneut von menschlichen Entscheidungen begleitet, die bald zu einer gefährlichen Konfrontation mit Laban führen werden.
Zurück: Jakob vermehrt seinen Besitz bei Laban Weiter: Jakob flieht vor Laban und schließt Frieden mit ihm
Jakob flieht vor Laban und schließt Frieden mit ihm
1. Mose 31,19-32 – „19 Laban aber war ausgegangen, seine Schafe zu scheren; und Rahel stahl die Hausgötzen, die ihrem Vater gehörten. 20 Jakob aber täuschte Labans, des Syrers Herz, indem er ihm nicht anzeigte, daß er sich davonmachte. 21 Und er entfloh mit allem, was er hatte, machte sich auf und setzte über den Euphrat und wandte sein Angesicht dem Gebirge Gilead zu. 22 Am dritten Tag ward Laban angezeigt, daß Jak…"
1. Mose 31,19-32 – „19 Laban aber war ausgegangen, seine Schafe zu scheren; und Rahel stahl die Hausgötzen, die ihrem Vater gehörten. 20 Jakob aber täuschte Labans, des Syrers Herz, indem er ihm nicht anzeigte, daß er sich davonmachte. 21 Und er entfloh mit allem, was er hatte, machte sich auf und setzte über den Euphrat und wandte sein Angesicht dem Gebirge Gilead zu. 22 Am dritten Tag ward Laban angezeigt, daß Jak…"
1. Mose 31,33-55 – „33 Da ging Laban in Jakobs Zelt und in Leas Zelt und in das Zelt der beiden Mägde, fand aber nichts. Und von Leas Zelt ging er in Rahels Zelt. 34 Rahel aber hatte die Hausgötzen genommen und sie in den Kamelssattel gelegt und sich daraufgesetzt. Und Laban durchstöberte das ganze Zelt, fand sie aber nicht. 35 Da sprach sie zu ihrem Vater: Mein Herr möge nicht so grimmig dreinsehen, weil ich vor di…"
Während Laban zur Schafschur gegangen ist, nutzt Jakob die Gelegenheit zum Aufbruch. Er sagt seinem Schwiegervater nichts davon, sondern zieht mit seiner Familie und seinem gesamten Besitz heimlich fort. Der Text beschreibt dieses Vorgehen ausdrücklich als ein Täuschen Labans darüber, dass Jakob fliehen wollte. Obwohl Gott Jakob zur Rückkehr aufgefordert hatte, bedeutet der göttliche Auftrag nicht, dass jede einzelne Entscheidung auf diesem Weg automatisch als vorbildlich anzusehen wäre.
Zur selben Zeit nimmt Rahel die Hausgötter ihres Vaters an sich. Der Bericht nennt ihr Motiv nicht. Deshalb lässt sich weder sicher behaupten, sie habe sie aus religiöser Verehrung genommen, noch dass ausschließlich wirtschaftliche oder rechtliche Gründe dahinterstanden. Sicher ist nur, dass Laban später gerade wegen dieser Gegenstände besonders aufgebracht ist und sie in Jakobs Lager sucht.
Jakob überquert mit allem, was ihm gehört, den Euphrat und zieht in Richtung des Gebirges Gilead. Erst drei Tage später erfährt Laban von der Flucht. Er nimmt seine Verwandten mit, verfolgt Jakob sieben Tagesreisen lang und holt ihn schließlich im Gebirge ein. Die Situation ist gefährlich, doch noch bevor Laban Jakob begegnet, greift Gott ein. In einem nächtlichen Traum warnt er Laban davor, mit Jakob weder Gutes noch Böses zu reden – also ihn nicht eigenmächtig zu bedrohen oder gegen ihn vorzugehen.
Als Laban Jakob erreicht, stellt er ihn wegen des heimlichen Aufbruchs zur Rede. Er wirft ihm vor, seine Töchter wie Kriegsgefangene weggeführt und ihm keine Gelegenheit zum Abschied gegeben zu haben. Zugleich erklärt er offen, dass es in seiner Macht gestanden hätte, Jakob etwas Böses anzutun, der Gott von Jakobs Vater ihn aber in der vergangenen Nacht gewarnt habe. Selbst Laban muss damit anerkennen, dass eine Grenze über seinem eigenen Handeln steht.
Jakob antwortet, dass er aus Furcht geflohen sei. Er habe damit gerechnet, Laban könne ihm seine Töchter gewaltsam wegnehmen. Damit nennt der Text erstmals ausdrücklich Jakobs Beweggrund für die heimliche Abreise. Seine Sorge zeigt, wie wenig Vertrauen nach zwanzig gemeinsamen Jahren zwischen den beiden Männern geblieben war.
Als Laban zusätzlich nach seinen gestohlenen Hausgöttern fragt, weist Jakob den Vorwurf entschieden zurück. Er weiß nicht, dass Rahel sie genommen hat, und erklärt deshalb, derjenige, bei dem Laban sie finde, solle nicht am Leben bleiben. Diese Aussage zeigt, wie gefährlich vorschnelle Worte sein können, wenn entscheidende Informationen fehlen. Der Erzähler fügt ausdrücklich hinzu, dass Jakob nichts von Rahels Tat wusste.
Laban durchsucht die Zelte Jakobs, Leas und der beiden Mägde und kommt schließlich zu Rahel. Sie hat die Hausgötter im Kamelsattel verborgen, setzt sich darauf und erklärt ihrem Vater, sie könne wegen der für Frauen gewöhnlichen Umstände nicht vor ihm aufstehen. Laban durchsucht das Zelt, findet die Gegenstände aber nicht. Rahels Täuschung bleibt damit in diesem Augenblick unentdeckt.
Nachdem die Suche erfolglos geblieben ist, richtet Jakob seinerseits scharfe Worte an Laban. Er erinnert an seine zwanzigjährige Dienstzeit, an die Versorgung der Herden, an Nächte voller Hitze und Kälte und an Labans wiederholte Änderungen seines Lohnes. Dann zieht Jakob eine klare Bilanz: Wäre der Gott Abrahams und der von Isaak Gefürchtete nicht mit ihm gewesen, hätte Laban ihn vermutlich leer fortgeschickt. Jakob erkennt rückblickend, dass Gott sein Elend und die Arbeit seiner Hände gesehen und in der vergangenen Nacht Recht geschaffen hat.
Schließlich schließen die beiden Männer einen Bund. Sie errichten einen Steinhaufen als Zeugen dafür, dass keiner die vereinbarte Grenze mit feindlicher Absicht überschreiten soll. Jakob schwört bei dem von seinem Vater Isaak verehrten Gott, bringt ein Opfer dar und hält mit seinen Verwandten Mahlzeit. Am nächsten Morgen küsst Laban seine Töchter und Enkel, segnet sie und kehrt nach Hause zurück. Damit endet Jakobs zwanzigjähriger Aufenthalt bei Laban endgültig. Doch auf dem Weg in seine Heimat liegt nun eine noch tiefere Angst vor ihm: die Begegnung mit Esau, dem Bruder, vor dessen Zorn er einst geflohen war.
Zurück: Gott ruft Jakob zurück in das Land seiner Väter Weiter: Jakob fürchtet Esau und sucht Gottes Hilfe
Jakob fürchtet Esau und sucht Gottes Hilfe
1. Mose 32,1-13 – „1 Jakob aber ging seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes. 2 Und als er sie sah, sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Und er nannte jenen Ort Mahanaim. 3 Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seir, das Gefilde Edom. 4 Diesen gebot er und sprach: Also sollt ihr zu meinem Herrn Esau sagen: Solches läßt dir dein Knecht Jakob melden: Ich bin bei Laban in der F…"
1. Mose 32,1-13 – „1 Jakob aber ging seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes. 2 Und als er sie sah, sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Und er nannte jenen Ort Mahanaim. 3 Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seir, das Gefilde Edom. 4 Diesen gebot er und sprach: Also sollt ihr zu meinem Herrn Esau sagen: Solches läßt dir dein Knecht Jakob melden: Ich bin bei Laban in der F…"
1. Mose 32,14-22 – „14 zweihundert Ziegen, zwanzig Böcke, zweihundert Schafe, zwanzig Widder, 15 dreißig säugende Kamele mit ihren Füllen, vierzig Kühe und zehn Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Eselsfüllen. 16 Und er gab sie in die Hand seiner Knechte, eine jegliche Herde besonders, und sprach zu seinen Knechten: Geht vor mir hinüber und lasset Raum zwischen den einzelnen Herden! 17 Und er befahl dem ersten und sp…"
1. Mose 28,13-15 – „13 Und siehe, der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. 14 Und dein Same soll werden wie der Staub auf Erden, und gegen Abend und Morgen und Mitternacht und Mittag sollst du dich ausbreiten, und durch dich und deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet …"
Nachdem Jakob sich von Laban getrennt hat, setzt er seinen Weg nach Kanaan fort. Noch bevor die Begegnung mit Esau näher rückt, begegnen ihm Engel Gottes. Jakob erkennt darin das Heer Gottes und nennt den Ort Mahanaim, „Doppellager“ beziehungsweise „zwei Lager“. Der Bericht erklärt nicht ausführlich, was Jakob in diesem Augenblick empfand, doch die Begegnung steht unmittelbar am Anfang eines Wegabschnitts, in dem er Gottes Schutz dringend benötigen wird.
Jakob sendet Boten voraus zu Esau in das Land Seir, in das Gebiet Edom. Seine Botschaft ist auffallend demütig formuliert: Er nennt Esau seinen Herrn und sich selbst dessen Knecht. Zugleich berichtet er, dass er lange bei Laban gelebt und inzwischen Rinder, Esel, Schafe, Knechte und Mägde besitze. Er möchte Gnade in Esaus Augen finden. Nach zwanzig Jahren nähert sich Jakob damit dem Bruder, dessen Segen er einst durch Täuschung erhalten hatte und vor dessen Tötungsabsicht er geflohen war.
Die Boten kehren jedoch mit einer Nachricht zurück, die Jakobs Sorge unmittelbar verstärkt: Esau kommt ihm entgegen, begleitet von vierhundert Männern. Über Esaus Absicht sagen die Boten nichts. Jakob weiß also nicht, ob sein Bruder in Frieden oder zum Kampf kommt. Die Bibel nennt seine Reaktion ausdrücklich: Jakob fürchtet sich sehr und gerät in Bedrängnis.
Seine erste Maßnahme ist strategisch. Er teilt die Menschen, Herden, Rinder und Kamele in zwei Lager. Falls Esau das eine Lager angreifen sollte, könnte das andere vielleicht entkommen. Jakobs Reaktion zeigt, dass er weiterhin praktische Vorkehrungen trifft. Doch anders als in früheren Situationen bleibt es diesmal nicht bei menschlicher Planung.
Jakob wendet sich im Gebet an Gott. Er spricht ihn als Gott seines Großvaters Abraham und seines Vaters Isaak an und erinnert an den ausdrücklichen Auftrag, in sein Land und zu seiner Verwandtschaft zurückzukehren. Damit stellt Jakob seine gegenwärtige Gefahr in den Zusammenhang von Gottes eigenem Wort: Er befindet sich auf diesem Weg nicht aus bloßem persönlichen Ehrgeiz, sondern weil Gott ihn zurückgerufen hatte.
Dann spricht Jakob einen bemerkenswerten Satz über sich selbst. Er erklärt, dass er all der Gnade und Treue nicht wert sei, die Gott ihm erwiesen habe. Als er einst den Jordan überquerte, besaß er nur seinen Stab; nun sei er zu zwei Lagern geworden. Diese Worte zeigen, wie Jakob seine vergangenen zwanzig Jahre inzwischen deutet. Sein großer Besitz erscheint ihm nicht als Beweis eigener Überlegenheit, sondern als Ergebnis von Gottes Güte.
Darauf folgt eine sehr konkrete Bitte: Gott möge ihn aus der Hand Esaus retten, denn Jakob fürchtet, dass sein Bruder kommen und ihn samt Frauen und Kindern schlagen könnte. Jakob verbirgt seine Angst nicht hinter religiösen Formeln. Er nennt Gott genau die Gefahr, die ihn bedrängt, und verbindet seine Bitte anschließend erneut mit der Verheißung, dass Gott ihm Gutes tun und seine Nachkommenschaft zahlreich machen werde.
Nach dem Gebet handelt Jakob weiter. Er stellt aus seinem Besitz ein außergewöhnlich großes Geschenk für Esau zusammen: Ziegen, Böcke, Schafe, Widder, Kamele mit ihren Jungen, Kühe, Stiere, Eselinnen und Füllen. Die einzelnen Herden sollen mit Abstand nacheinander vor ihm herziehen. Jeder Knecht erhält die Anweisung, Esau zu sagen, diese Tiere seien ein Geschenk seines Knechtes Jakob und Jakob selbst folge dahinter.
Jakob erklärt offen, was er damit erreichen möchte: Er hofft, Esaus Zorn durch die vorausgesandten Geschenke zu besänftigen und anschließend freundlich aufgenommen zu werden. Sein Gebet beseitigt also nicht sofort jedes menschliche Sicherungsbedürfnis. Vertrauen auf Gott und vorsichtige Planung stehen in diesem Augenblick noch nebeneinander. Die Bibel romantisiert Jakobs Glauben nicht, sondern zeigt einen Mann, der Gott ernsthaft anruft und dennoch mit großer Furcht auf die bevorstehende Begegnung schaut.
In derselben Nacht bringt Jakob seine Familie und seinen Besitz über den Jabbok. Schließlich bleibt er allein zurück. Die äußeren Vorbereitungen sind abgeschlossen: Die Geschenke sind vorausgeschickt, seine Familie hat den Fluss überquert, und Esau kommt näher. Doch bevor Jakob seinem Bruder begegnet, erlebt er in dieser Nacht eine Begegnung, die tiefer in sein eigenes Leben eingreift als alle bisherigen Strategien – und in der er einen neuen Namen erhalten wird.
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Jakob ringt mit Gott und erhält den Namen Israel
1. Mose 32,23-33 – „23 er nahm sie und führte sie über den Fluß und ließ alles, was er hatte, hinübergehen. 24 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 25 Und da dieser sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Hüftgelenk, so daß Jakobs Hüftgelenk verrenkt ward über dem Ringen mit ihm. 26 Und der Mann sprach: Laß mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Ja…"
1. Mose 32,23-33 – „23 er nahm sie und führte sie über den Fluß und ließ alles, was er hatte, hinübergehen. 24 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 25 Und da dieser sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Hüftgelenk, so daß Jakobs Hüftgelenk verrenkt ward über dem Ringen mit ihm. 26 Und der Mann sprach: Laß mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Ja…"
Hosea 12,4-5 – „4 er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und flehte zu ihm; zu Bethel hat er ihn gefunden, und daselbst redete er mit uns, 5 nämlich der HERR, der Gott der Heerscharen, dessen Name HERR ist."
In jener Nacht bringt Jakob seine beiden Frauen, seine beiden Mägde und seine elf Söhne über die Furt des Jabbok. Auch seinen übrigen Besitz schafft er auf die andere Seite. Schließlich bleibt Jakob allein zurück. Esau mit seinen vierhundert Männern befindet sich irgendwo vor ihm, und alle menschlichen Vorbereitungen sind getroffen. Doch bevor Jakob seinem Bruder gegenübertritt, kommt es zu einer geheimnisvollen Begegnung, die seine Identität dauerhaft verändern wird.
Der Bericht sagt zunächst schlicht, dass ein Mann mit Jakob ringt, bis die Morgenröte anbricht. Wer dieser Mann ist, wird nicht sofort erklärt. Später spricht Jakob selbst davon, Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben. Der Prophet Hosea blickt Jahrhunderte danach auf dieselbe Begebenheit zurück und sagt, Jakob habe mit dem Engel gerungen, geweint und um Gnade gefleht. Die Schrift verbindet die Gestalt damit auf besondere Weise mit einer göttlichen Begegnung, ohne dass der Genesisbericht sie zu Beginn vollständig erklärt.
Während des Ringens wird deutlich, dass Jakob seinen Gegner nicht aufgrund größerer körperlicher Kraft überwältigt. Der Mann berührt lediglich Jakobs Hüftgelenk, und es wird während des Kampfes verrenkt. Ein einziger Griff genügt, um Jakobs körperliche Kraft zu brechen. Gerade deshalb kann das spätere „Überwinden“ nicht bedeuten, Jakob sei Gott körperlich überlegen gewesen.
Als der Mann fordert, ihn gehen zu lassen, weil die Morgenröte anbricht, antwortet Jakob: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ Jakob hält trotz seiner Verletzung fest. Hosea ergänzt, dass er weinte und um Gnade flehte. Sein Ringen erreicht damit einen Punkt, an dem nicht menschliche Stärke im Mittelpunkt steht, sondern das beharrliche Suchen nach Segen und Gnade.
Dann wird Jakob gefragt: „Wie heißt du?“ Er antwortet: „Jakob.“ Darauf erhält er die Worte, die zu einem der wichtigsten Wendepunkte seines Lebens werden: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben.“ Aus dem Mann, dessen bisheriger Name seine Geschichte seit seiner Geburt begleitet hatte, wird Israel. Dieser neue Name wird später weit über seine einzelne Person hinausweisen, denn seine Nachkommen werden als Israel beziehungsweise als Kinder Israels bezeichnet werden.
Jakob fragt seinerseits nach dem Namen seines Gegenübers. Eine direkte Antwort erhält er nicht. Stattdessen wird er an diesem Ort gesegnet. Das Entscheidende besteht also nicht darin, dass Jakob alle Geheimnisse dieser Gestalt erklärt bekommt, sondern darin, dass er aus der Begegnung mit einem neuen Namen und einem empfangenen Segen hervorgeht.
Jakob nennt den Ort daraufhin Pniel oder Peniel und erklärt: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden.“ Damit deutet er selbst das Geschehen als eine unmittelbare Begegnung mit Gott. In Bethel hatte er Gott im Traum erlebt und dessen Verheißung empfangen; am Jabbok erlebt er nun eine Begegnung, die ihn körperlich zeichnet und seinen Namen verändert.
Als die Sonne aufgeht, zieht Jakob an Pniel vorüber – und hinkt wegen seiner Hüfte. Der Mann, der am Abend noch seine Lager geordnet, Geschenke geplant und alle Möglichkeiten zur Sicherung seines Lebens bedacht hatte, geht der Begegnung mit Esau nun körperlich geschwächt entgegen. Der Text sagt nicht, dass Jakob von diesem Augenblick an jede Angst oder jeden Fehler vollständig überwunden hätte. Doch er geht nicht mehr nur als Jakob weiter: Gott hat ihm den Namen Israel gegeben.
Die Genesis fügt hinzu, dass die Israeliten deshalb später die Sehne am Hüftgelenk nicht aßen, weil Jakob dort berührt worden war. Die Nacht am Jabbok blieb damit im Gedächtnis seiner Nachkommen erhalten. Für Jakobs Lebensgeschichte aber folgt unmittelbar die praktische Bewährungsprobe: Am nächsten Morgen hebt er seine Augen und sieht Esau kommen – zusammen mit den vierhundert Männern, vor denen er sich so sehr gefürchtet hatte.
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Jakob begegnet Esau und erlebt unerwarteten Frieden
1. Mose 33,1-17 – „1 Und Jakob erhob seine Augen und schaute, und siehe, Esau kam und vierhundert Mann mit ihm. Da verteilte er die Kinder zu Lea und zu Rahel und zu den beiden Mägden. 2 Und er stellte die Mägde mit ihren Kindern voran, und Lea mit ihren Kindern hernach, und Rahel mit Joseph zuletzt. 3 Er selbst aber ging ihnen voraus und verneigte sich siebenmal zur Erde, bis er nahe zu seinem Bruder kam. 4 Da lie…"
1. Mose 33,1-17 – „1 Und Jakob erhob seine Augen und schaute, und siehe, Esau kam und vierhundert Mann mit ihm. Da verteilte er die Kinder zu Lea und zu Rahel und zu den beiden Mägden. 2 Und er stellte die Mägde mit ihren Kindern voran, und Lea mit ihren Kindern hernach, und Rahel mit Joseph zuletzt. 3 Er selbst aber ging ihnen voraus und verneigte sich siebenmal zur Erde, bis er nahe zu seinem Bruder kam. 4 Da lie…"
1. Mose 32,12 – „12 Du aber hast gesagt: Ich will dir wohltun und deinen Samen machen wie den Sand am Meere, der vor Menge nicht zu zählen ist!"
Am nächsten Morgen hebt Jakob seine Augen und sieht Esau kommen – zusammen mit den vierhundert Männern, deren Annäherung ihm so große Angst gemacht hatte. Nun gibt es kein Ausweichen mehr. Jakob ordnet seine Familie: Die Mägde mit ihren Kindern gehen zuerst, danach Lea mit ihren Kindern und zuletzt Rahel mit Joseph. Der Bericht nennt diese Reihenfolge, erklärt aber nicht ausdrücklich alle Beweggründe dafür. Sicher ist, dass Jakob sich selbst an die Spitze stellt.
Dann geht Jakob seinem Bruder entgegen und verbeugt sich siebenmal bis zur Erde, während er sich ihm nähert. Der Mann, der einst durch Täuschung die Stellung über seinen Bruder gesucht hatte, tritt Esau nun in auffallender Demut gegenüber. Seine vorherigen Botschaften hatten ihn bereits als „Knecht“ und Esau als „Herrn“ bezeichnet. Jetzt zeigt sich diese Haltung auch in seinem Verhalten.
Doch Esaus Reaktion fällt völlig anders aus, als Jakob befürchtet hatte. Esau läuft ihm entgegen, umarmt ihn, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Beide weinen. Statt des erwarteten Angriffs erlebt Jakob eine Versöhnung. Die vierhundert Männer, die für ihn wie eine mögliche Bedrohung erschienen waren, werden in diesem Augenblick nicht zum Werkzeug der Rache.
Als Esau die Frauen und Kinder sieht, fragt er nach ihnen. Jakob antwortet, es seien die Kinder, mit denen Gott seinen Knecht begnadet habe. Wieder führt Jakob das Gute in seinem Leben auf Gottes Gnade zurück. Seine Familie tritt nacheinander heran und verbeugt sich vor Esau. Die jahrzehntelange Trennung zwischen den Brüdern wird damit nicht durch einen Kampf beendet, sondern durch eine Begegnung, in der Esau Jakob annimmt.
Esau fragt anschließend nach den großen Herden, die ihm bereits begegnet waren. Jakob erklärt, er habe damit Gnade in den Augen seines Bruders finden wollen. Esau lehnt zunächst ab und sagt, er habe selbst genug. Jakob drängt ihn jedoch, das Geschenk anzunehmen. Dabei spricht er einen bemerkenswerten Satz: Weil Esau ihn freundlich aufgenommen habe, sei ihm sein Angesicht gewesen, „als sähe ich Gottes Angesicht“.
Diese Worte stehen unmittelbar nach der Nacht von Pniel, in der Jakob erklärt hatte, Gottes Angesicht gesehen zu haben und bewahrt worden zu sein. Nun erlebt er in der versöhnten Begegnung mit Esau eine weitere unerwartete Bewahrung. Der Text setzt Esau dadurch nicht mit Gott gleich. Jakob beschreibt vielmehr, wie tief ihn die gnädige Aufnahme seines Bruders berührt, nachdem er mit einem Angriff gerechnet hatte.
Schließlich nimmt Esau das Geschenk an. Damit erreicht Jakobs langes Bemühen um Versöhnung sein Ziel. Was er durch seine Gaben zu fördern versucht hatte, begegnet ihm in einer Weise, die weit über seine Befürchtungen hinausgeht. Die frühere Schuld wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, doch die erwartete Vergeltung bleibt aus. Jakob erfährt, dass die Rückkehr in das Land seiner Väter nicht mit dem Tod durch Esaus Hand endet.
Esau bietet an, gemeinsam weiterzuziehen, doch Jakob bittet darum, langsamer folgen zu dürfen. Er verweist auf die Kinder und auf die säugenden Tiere, die bei zu schnellem Marsch gefährdet wären. Auch Esaus Angebot, einige seiner Leute bei Jakob zurückzulassen, lehnt er höflich ab. Die beiden Brüder trennen sich daraufhin friedlich: Esau kehrt nach Seir zurück, während Jakob zunächst nach Sukkot zieht.
Dort baut Jakob sich ein Haus und errichtet Hütten für sein Vieh, wodurch der Ort seinen Namen erhält. Die unmittelbare Gefahr durch Esau ist vorüber. Doch Jakobs Rückkehr in das verheißene Land ist damit noch nicht abgeschlossen. Sein nächster Aufenthalt führt ihn in die Nähe von Sichem, wo seine Familie in eine schwere Krise geraten wird, die erneut zeigt, wie tief die Folgen menschlicher Gewalt und eigenmächtigen Handelns reichen können.
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In Sichem erschüttert Gewalt Jakobs Familie
1. Mose 33,18-20 – „18 Und Jakob kam wohlbehalten bis zur Stadt Sichem, die im Lande Kanaan liegt, nachdem er aus Mesopotamien gekommen war; und er lagerte sich der Stadt gegenüber. 19 Und er kaufte das Grundstück, auf welchem er sein Zelt aufschlug, von der Hand der Kinder Hemors, des Vaters Sichems, um hundert Kesitha 20 und errichtete daselbst einen Altar; den nannte er «Der starke Gott Israels»."
1. Mose 33,18-20 – „18 Und Jakob kam wohlbehalten bis zur Stadt Sichem, die im Lande Kanaan liegt, nachdem er aus Mesopotamien gekommen war; und er lagerte sich der Stadt gegenüber. 19 Und er kaufte das Grundstück, auf welchem er sein Zelt aufschlug, von der Hand der Kinder Hemors, des Vaters Sichems, um hundert Kesitha 20 und errichtete daselbst einen Altar; den nannte er «Der starke Gott Israels»."
1. Mose 34,1-7 – „1 Dina aber, Leas Tochter, welche sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, um die Töchter des Landes zu sehen. 2 Als nun Sichem, der Sohn Hemors, des hevitischen Landesfürsten, sie sah, nahm er sie und tat ihr Gewalt an. 3 Und er wurde anhänglich an Dina, die Tochter Jakobs, und gewann das Mädchen lieb und redete ihr zu. 4 Und Sichem sprach zu seinem Vater Hemor: Nimm mir dieses Mägdlein zum Weibe!…"
1. Mose 34,25-31 – „25 Es begab sich aber am dritten Tag, da sie wundkrank waren, daß die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, Dinas Brüder, ein jeder sein Schwert nahmen und unversehens in die Stadt eindrangen und alles Männliche umbrachten. 26 Auch Hemor und dessen Sohn Sichem töteten sie mit des Schwertes Schärfe und holten Dina aus dem Hause Sichems und verließen die Stadt. 27 Die Söhne Jakobs aber fielen über …"
Nach der friedlichen Trennung von Esau zieht Jakob weiter und erreicht schließlich wohlbehalten die Stadt Sichem im Land Kanaan. Dort schlägt er sein Lager vor der Stadt auf und kauft von den Söhnen Hamors ein Stück Land. Damit besitzt Jakob erstmals ausdrücklich eigenen Grundbesitz in Kanaan. Auf diesem Grundstück errichtet er einen Altar und nennt ihn „El-Elohe-Israel“ – Gott, der Gott Israels. Der neue Name Israel, den Gott ihm am Jabbok gegeben hatte, erscheint damit nun auch in Jakobs Anbetung.
Doch der Aufenthalt bei Sichem führt bald zu einer schweren Krise. Dina, die Tochter Leas und Jakobs, geht hinaus, um die Töchter des Landes zu sehen. Sichem, der Sohn Hamors und Fürst des Landes, sieht sie, nimmt sie und vergeht sich an ihr. Der Text beschreibt danach zwar, dass Sichem Dina liebt und um sie werben will, doch diese spätere Zuneigung ändert nichts an dem Unrecht, das ihr zuvor angetan wurde.
Jakob erfährt von der Entehrung seiner Tochter, während seine Söhne mit dem Vieh auf dem Feld sind. Zunächst schweigt er, bis sie zurückkehren. Der Bericht erklärt nicht, warum Jakob an dieser Stelle zunächst nichts unternimmt. Deshalb wäre es zu viel, ihm daraus Gleichgültigkeit oder Feigheit als sicheren Beweggrund zuzuschreiben. Fest steht lediglich, dass die weitere Auseinandersetzung stark von seinen Söhnen bestimmt wird.
Hamor kommt zu Jakob, um über eine Ehe zwischen Sichem und Dina zu verhandeln. Er schlägt darüber hinaus umfassende Heiratsverbindungen zwischen beiden Familien sowie wirtschaftliche Niederlassung im Land vor. Sichem selbst bietet an, jeden geforderten Brautpreis zu bezahlen. Jakobs Söhne reagieren jedoch mit Täuschung. Sie erklären, einer Verbindung nur zustimmen zu können, wenn sich sämtliche Männer der Stadt beschneiden lassen.
Die Beschneidung war das von Gott gegebene Zeichen des Bundes mit Abraham. Jakobs Söhne benutzen dieses heilige Zeichen hier jedoch nicht aus Glauben oder zur Aufnahme von Menschen in den Bund, sondern als Mittel für einen vorbereiteten Angriff. Hamor und Sichem überzeugen die Männer ihrer Stadt, auf die Forderung einzugehen. Am dritten Tag, als die Beschnittenen Schmerzen haben, nehmen Simeon und Levi, Dinas Brüder, ihre Schwerter und fallen über die wehrlose Stadt her.
Sie töten alle männlichen Bewohner, darunter Hamor und Sichem, und holen Dina aus Sichems Haus zurück. Anschließend plündern die übrigen Söhne Jakobs die Stadt, nehmen Herden und Besitz an sich und führen Frauen und Kinder weg. Die Reaktion auf das schwere Unrecht an Dina wird damit selbst zu einer weitreichenden Gewalttat gegen eine ganze Stadt. Die Schrift verschweigt weder die ursprüngliche Sünde Sichems noch die Täuschung und das Blutvergießen von Jakobs Söhnen.
Jakob stellt Simeon und Levi danach zur Rede. Seine unmittelbaren Worte konzentrieren sich zunächst auf die Gefahr, in die sie die gesamte Familie gebracht haben. Er sagt, sie hätten ihn bei den Bewohnern des Landes verhasst gemacht. Da seine Leute nur wenige seien, fürchtet er, die umliegenden Kanaaniter und Perisiter könnten sich gegen ihn zusammenschließen, ihn schlagen und sein Haus vernichten.
Simeon und Levi antworten mit der Frage, ob man ihre Schwester wie eine Prostituierte behandeln dürfe. Damit benennen sie das wirkliche Unrecht, das Dina widerfahren war. Doch ihre berechtigte Empörung rechtfertigt nicht automatisch ihre eigene Vorgehensweise. Dass Jakob ihre Gewalttat nicht einfach akzeptiert, zeigt sich besonders viele Jahre später: Kurz vor seinem Tod wird er noch einmal ausdrücklich auf Simeons und Levis Zorn und ihre Gewalt in Sichem zurückkommen und sich davon distanzieren.
Die Ereignisse von Sichem hinterlassen Jakob somit mit einer schwer belasteten Familie und neuer Furcht vor den Bewohnern des Landes. Doch gerade an diesem Punkt spricht Gott erneut zu ihm. Er fordert Jakob auf, nach Bethel zurückzukehren – an jenen Ort, an dem Gott ihm einst auf seiner Flucht vor Esau erschienen war. Bevor Jakob dorthin zieht, verlangt er nun von seinem ganzen Haus eine klare Reinigung von fremden Göttern und richtet seine Familie neu auf den Gott aus, der ihn seit seiner Flucht begleitet hat.
Zurück: Jakob begegnet Esau und erlebt unerwarteten Frieden Weiter: Jakob kehrt nach Bethel zurück und richtet sein Haus neu aus
Jakob kehrt nach Bethel zurück und richtet sein Haus neu aus
1. Mose 35,1-15 – „1 Und Gott sprach zu Jakob: Mache dich auf, ziehe hinauf nach Bethel und wohne daselbst und baue dort einen Altar dem Gott, der dir erschienen ist, da du vor deinem Bruder Esau flohest! 2 Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut von euch weg die fremden Götter, die unter euch sind, und reinigt euch und wechselt eure Kleider! 3 So wollen wir uns aufmachen und nach Bethel…"
1. Mose 35,1-15 – „1 Und Gott sprach zu Jakob: Mache dich auf, ziehe hinauf nach Bethel und wohne daselbst und baue dort einen Altar dem Gott, der dir erschienen ist, da du vor deinem Bruder Esau flohest! 2 Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut von euch weg die fremden Götter, die unter euch sind, und reinigt euch und wechselt eure Kleider! 3 So wollen wir uns aufmachen und nach Bethel…"
1. Mose 28,19-22 – „19 und nannte diesen Ort Beth-El; zuvor aber hieß die Stadt Lus. 20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wenn Gott mit mir sein und mich behüten will auf dem Wege, den ich reise, und mir will Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen, 21 und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der HERR mein Gott sein; 22 und dieser Stein, den ich zur Säule aufgerichtet habe, soll ein Ha…"
Nach den erschütternden Ereignissen von Sichem spricht Gott zu Jakob und fordert ihn auf, nach Bethel hinaufzuziehen. Dort soll er wohnen und dem Gott einen Altar bauen, der ihm erschienen war, als er vor seinem Bruder Esau floh. Damit führt Gott Jakob bewusst an einen Ort seiner eigenen Vergangenheit zurück. Bethel war der Platz gewesen, an dem der heimatlose Flüchtling erstmals die persönliche Zusage erhalten hatte, dass Gott mit ihm sein, ihn bewahren und wieder zurückbringen würde.
Jakob reagiert nun nicht nur persönlich, sondern bezieht sein gesamtes Haus ein. Er fordert seine Familie und alle, die bei ihm sind, auf, die fremden Götter wegzutun, sich zu reinigen und ihre Kleider zu wechseln. Danach sollen sie gemeinsam nach Bethel hinaufziehen. Jakob erklärt ausdrücklich, dass er dort dem Gott einen Altar errichten will, der ihn am Tag seiner Not erhört und ihn auf seinem ganzen Weg begleitet hat.
Diese Worte zeigen, wie Jakob mittlerweile auf seine bisherige Lebensgeschichte zurückblickt. Gottes Gegenwart in Bethel, die Bewahrung bei Laban, die Rückkehr nach Kanaan und die Verschonung bei der Begegnung mit Esau stehen für ihn nicht mehr als voneinander getrennte Ereignisse da. Er erkennt einen Gott, der ihn durch den ganzen Weg begleitet hat. Gerade deshalb passt es nicht zu dieser Ausrichtung, wenn fremde Götter im eigenen Haushalt weiter mitgeführt werden.
Die Angehörigen Jakobs geben ihm deshalb alle fremden Götter, die sie besitzen, sowie die Ringe an ihren Ohren. Jakob vergräbt sie unter der Terebinthe bei Sichem. Der Text verbindet diese Handlung unmittelbar mit der Reinigung des Hauses vor der Reise nach Bethel. Besonders nach Rahels heimlicher Mitnahme der Hausgötter Labans wird damit deutlich, dass solche Gegenstände keinen Platz in dem Haushalt behalten sollen, der sich nun bewusst dem Gott Jakobs zuwendet.
Anschließend brechen sie auf. Obwohl Jakob zuvor gefürchtet hatte, die umliegenden Bewohner könnten sich wegen des Blutvergießens in Sichem gegen seine Familie zusammenschließen, kommt es nicht dazu. Stattdessen fällt ein Schrecken Gottes auf die Städte der Umgebung, sodass niemand die Söhne Jakobs verfolgt. Die Gefahr, die Jakob nach Sichem so deutlich vor Augen stand, wird damit nicht durch seine eigene militärische Stärke abgewendet.
Jakob erreicht mit allen, die bei ihm sind, Lus im Land Kanaan, also Bethel. Dort baut er den geforderten Altar und nennt den Ort El-Bethel – „Gott von Bethel“ beziehungsweise „der Gott des Hauses Gottes“. Der Name lenkt die Aufmerksamkeit nicht nur auf den heiligen Ort, sondern auf den Gott, der Jakob dort begegnet war. Bethel ist bedeutsam, weil Gott sich dort offenbart hatte.
In diesem Abschnitt wird auch der Tod Deboras erwähnt, der Amme Rebekkas. Sie wird unterhalb von Bethel unter einer Eiche begraben, die den Namen Allon-Bakut – „Eiche des Weinens“ – erhält. Wie und wann Debora zu Jakobs Haushalt gekommen war, erklärt die Bibel nicht. Ihre kurze Erwähnung verbindet Jakobs gegenwärtiges Leben jedoch noch einmal mit dem Haus seiner Mutter Rebekka und mit jener älteren Generation, aus der er hervorgegangen war.
Dann erscheint Gott Jakob erneut und segnet ihn. Noch einmal bestätigt er den Namen, den Jakob am Jabbok erhalten hatte: „Dein Name ist Jakob; aber du sollst hinfort nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein.“ Der neue Name wird damit nicht nur in der dramatischen Nacht des Ringens ausgesprochen, sondern nun in Bethel ausdrücklich von Gott bestätigt.
Gott erneuert zugleich die Bundesverheißung. Er stellt sich als der allmächtige Gott vor und verheißt Jakob Fruchtbarkeit und Vermehrung. Ein Volk, ja eine Schar von Völkern, soll von ihm kommen, und Könige sollen aus seinen Nachkommen hervorgehen. Das Land, das Gott Abraham und Isaak gegeben hatte, wird nun erneut Jakob und seiner Nachkommenschaft zugesagt.
Damit schließt sich in Bethel ein großer Kreis. Viele Jahre zuvor hatte Jakob an diesem Ort als Flüchtling einen Stein aufgerichtet und ein Gelübde abgelegt. Nun steht er wieder dort – mit Familie, Besitz und dem von Gott bestätigten Namen Israel. Er richtet erneut einen Denkstein auf, gießt ein Trankopfer und Öl darüber und nennt den Ort Bethel.
Doch die Rückkehr nach Bethel bedeutet nicht, dass Jakobs weitere Lebensjahre frei von Leid sein werden. Kurz nach diesem erneuerten Segen setzt die Familie ihre Reise fort. Auf dem Weg nach Ephrata bringt Rahel ihr zweites Kind zur Welt – und Jakob erlebt dabei den Verlust der Frau, die er seit seinen ersten Tagen bei Laban geliebt hatte.
Zurück: In Sichem erschüttert Gewalt Jakobs Familie Weiter: Rahel stirbt bei Benjamins Geburt
Rahel stirbt bei Benjamins Geburt
1. Mose 35,16-22 – „16 Darnach brachen sie von Bethel auf; und als sie nur noch ein Stück Weges bis Ephrata zu gehen hatten, gebar Rahel; und sie hatte eine schwere Geburt. 17 Als ihr aber die Geburt so schwer fiel, sprach die Geburtshelferin: Fürchte dich nicht; du hast auch diesmal einen Sohn! 18 Als ihr aber die Seele entschwand, weil sie am Sterben war, nannte sie seinen Namen Benoni; sein Vater aber nannte ihn …"
1. Mose 35,16-22 – „16 Darnach brachen sie von Bethel auf; und als sie nur noch ein Stück Weges bis Ephrata zu gehen hatten, gebar Rahel; und sie hatte eine schwere Geburt. 17 Als ihr aber die Geburt so schwer fiel, sprach die Geburtshelferin: Fürchte dich nicht; du hast auch diesmal einen Sohn! 18 Als ihr aber die Seele entschwand, weil sie am Sterben war, nannte sie seinen Namen Benoni; sein Vater aber nannte ihn …"
1. Mose 35,23-26 – „23 Jakob aber hatte zwölf Söhne. Die Söhne Leas waren diese: Ruben, der erstgeborne Sohn Jakobs, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon; 24 die Söhne Rahels waren Joseph und Benjamin; 25 die Söhne Bilhas, Rahels Magd: Dan und Naphtali; 26 die Söhne Silpas, Leas Magd: Gad und Asser. Das sind die Söhne Jakobs, die ihm in Mesopotamien geboren wurden."
Nach der erneuten Begegnung mit Gott in Bethel zieht Jakob mit seiner Familie weiter. Noch bevor sie Ephrata erreichen, setzen bei Rahel die Wehen ein. Die Geburt ist schwer, und die Hebamme versucht sie zu ermutigen: Auch dieses Kind werde ein Sohn sein. Damit erfüllt sich Rahels früherer Wunsch nach einem weiteren Sohn, doch die Erfüllung ist mit einem tiefen persönlichen Verlust verbunden.
Während Rahels Leben zu Ende geht, gibt sie dem neugeborenen Kind den Namen Ben-Oni, „Sohn meines Schmerzes“ beziehungsweise „Sohn meiner Not“. Jakob übernimmt diesen Namen jedoch nicht, sondern nennt ihn Benjamin. Die genaue Nuance dieses Namens kann unterschiedlich wiedergegeben werden, gewöhnlich im Sinn von „Sohn der rechten Hand“. Damit erhält das Kind, dessen Geburt mit dem Tod seiner Mutter verbunden ist, von Jakob einen anderen Namen für sein weiteres Leben.
Rahel stirbt und wird auf dem Weg nach Ephrata, also Bethlehem, begraben. Jakob errichtet über ihrem Grab einen Gedenkstein. Der Genesisbericht fügt hinzu, dass dieser Stein noch lange als Rahels Grabmal bekannt war. Für Jakob bedeutet dieser Ort den Verlust jener Frau, die er seit seiner ersten Begegnung bei Laban geliebt hatte und für die er insgesamt vierzehn Jahre gedient hatte.
Die Bibel beschreibt Jakobs Trauer an dieser Stelle nicht ausführlich. Sie berichtet weder seine Gedanken noch ein längeres Klagewort. Deshalb sollte nicht mehr in den Text hineingelesen werden, als er selbst sagt. Doch aus der bisherigen Erzählung ist eindeutig, welche besondere Stellung Rahel in Jakobs Leben hatte. Ihr Tod gehört deshalb zu den schwersten Verlusten seiner späteren Lebensjahre.
Mit Benjamins Geburt ist zugleich die Zahl jener zwölf Söhne vollständig, aus denen später die zwölf Stämme Israels hervorgehen. Lea hatte Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar und Sebulon geboren. Rahel war die Mutter Josephs und Benjamins. Bilha, Rahels Magd, gebar Dan und Naphtali; Silpa, Leas Magd, Gad und Asser. Aus einer Familie voller Spannungen, Konkurrenz und persönlicher Brüche wird damit jene Sippe, die in der weiteren Bibelgeschichte unter dem Namen Israel eine zentrale Rolle erhält.
Nach Rahels Tod zieht Israel weiter und schlägt sein Zelt jenseits von Migdal-Eder auf. In diesem Zusammenhang berichtet die Schrift knapp von einem weiteren schweren familiären Fehltritt: Ruben, Jakobs erstgeborener Sohn, schläft mit Bilha, der Nebenfrau seines Vaters. Israel erfährt davon. Der Bericht schildert an dieser Stelle keine unmittelbare Reaktion Jakobs, doch das Geschehen wird keineswegs vergessen.
Erst viele Jahre später, als Jakob kurz vor seinem Tod seine Söhne zu sich ruft, kommt er ausdrücklich auf Rubens Tat zurück. Dort wird deutlich, dass Ruben wegen seiner Unbeständigkeit und wegen dieses Eingriffs in das Bett seines Vaters seine herausgehobene Stellung als Erstgeborener nicht unberührt behält. Die knappe Notiz in 1. Mose 35 ist deshalb kein nebensächlicher Zwischenfall, sondern wird später für Jakobs abschließende Worte über seinen ältesten Sohn wichtig.
Jakobs Familie ist damit vollständig, aber keineswegs heil. Bereits Simeon und Levi hatten in Sichem schwere Gewalt ausgeübt, nun belastet Ruben das Verhältnis zu seinem Vater. Später wird auch zwischen den übrigen Brüdern eine tiefe Krise entstehen. Die zwölf Söhne Israels werden zwar Träger einer großen heilsgeschichtlichen Zukunft, doch die Bibel idealisiert ihre Anfänge nicht.
Nach all diesen Ereignissen nähert sich Jakob nun wieder seinem Vater Isaak. Jahrzehnte sind vergangen, seit er aus dem Elternhaus fliehen musste. Der junge Mann, der damals den Segen seines blinden Vaters durch Täuschung empfangen hatte, kehrt nun als Israel mit einer großen Familie zurück. Bald wird mit Isaaks Tod eine weitere Generation der Patriarchengeschichte zu Ende gehen.
Zurück: Jakob kehrt nach Bethel zurück und richtet sein Haus neu aus Weiter: Jakob kehrt zu Isaak zurück und begräbt seinen Vater
Jakob kehrt zu Isaak zurück und begräbt seinen Vater
1. Mose 35,27-29 – „27 Und Jakob kam zu seinem Vater Isaak gen Mamre, bei Kirjath-Arba, das ist Hebron, woselbst Abraham und Isaak Fremdlinge gewesen sind. 28 Und Isaak ward hundertundachtzig Jahre alt. 29 Und Isaak nahm ab, starb und ward zu seinem Volk versammelt, alt und lebenssatt; und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn."
1. Mose 35,27-29 – „27 Und Jakob kam zu seinem Vater Isaak gen Mamre, bei Kirjath-Arba, das ist Hebron, woselbst Abraham und Isaak Fremdlinge gewesen sind. 28 Und Isaak ward hundertundachtzig Jahre alt. 29 Und Isaak nahm ab, starb und ward zu seinem Volk versammelt, alt und lebenssatt; und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn."
1. Mose 37,1-2 – „1 Jakob aber wohnte im Lande, darin sein Vater ein Fremdling war, im Lande Kanaan. 2 Dies ist die Familiengeschichte Jakobs: Joseph war siebzehn Jahre alt, als er mit seinen Brüdern das Vieh hütete, und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und Silpas, der Weiber seines Vaters; und Joseph brachte die Klagen über sie vor ihren Vater."
Jakobs Rückweg führt ihn schließlich zu seinem Vater Isaak nach Mamre bei Kirjat-Arba, dem späteren Hebron. Damit erreicht er den Ort, von dem aus die Geschichte seiner Flucht einst ihren Ausgang genommen hatte. Viele Jahre waren vergangen, seit Jakob das Elternhaus verlassen musste, weil Esau ihn töten wollte. Nun kehrt er nicht mehr als allein reisender Flüchtling zurück, sondern mit einer großen Familie, umfangreichem Besitz und dem von Gott gegebenen Namen Israel.
Der Bericht erzählt diese Rückkehr überraschend knapp. Er beschreibt kein ausführliches Wiedersehen zwischen Jakob und Isaak und gibt auch keine Gespräche zwischen Vater und Sohn wieder. Deshalb wissen wir nicht, wie sie miteinander über die vergangenen Jahrzehnte gesprochen haben. Fest steht jedoch, dass Jakob seinen Vater noch lebend erreicht und damit tatsächlich in jene familiäre Umgebung zurückkehrt, aus der er einst hatte fliehen müssen.
Damit erfüllt sich ein weiterer Teil der Verheißung von Bethel. Gott hatte Jakob damals zugesagt, ihn zu bewahren und wieder in dieses Land zurückzubringen. Der Weg dorthin hatte viel länger gedauert, als Jakob bei seiner Flucht vermutlich überblicken konnte: Jahre des Dienstes bei Laban, zwei Ehen, eine wachsende Familie, wirtschaftliche Auseinandersetzungen, die Flucht aus Haran, die Versöhnung mit Esau, das Ringen am Jabbok und die schweren Ereignisse von Sichem lagen inzwischen hinter ihm.
Über Rebekka berichtet die Bibel an dieser Stelle nichts mehr. Ihr eigener Tod wird in der Genesis nicht ausdrücklich erzählt. Später erwähnt Jakob lediglich, dass Rebekka in der Höhle von Machpela begraben wurde. Ob Jakob seine Mutter nach seiner Rückkehr noch einmal lebend gesehen hat, lässt sich deshalb aus dem biblischen Text nicht sicher beantworten und sollte offenbleiben.
Isaak erreicht ein Alter von 180 Jahren. Dann heißt es, dass er verschied, starb und zu seinem Volk versammelt wurde, „alt und lebenssatt“. Mit seinem Tod endet die Lebenszeit des zweiten großen Patriarchen, doch die Verheißung, die Gott Abraham und danach Isaak gegeben hatte, geht mit Jakob und dessen Nachkommen weiter. Gerade darin wird der fortlaufende Charakter der Bundesgeschichte sichtbar: Die menschlichen Träger sterben, Gottes Zusage aber bleibt bestehen.
Bemerkenswert ist, wer Isaak gemeinsam begräbt: „Esau und Jakob, seine Söhne.“ Jahrzehnte zuvor hatte Esau beschlossen, Jakob nach dem Tod ihres Vaters zu töten. Nun stehen beide Brüder gerade beim Tod Isaaks gemeinsam an seinem Grab. Der Text berichtet hier keinen neuen Streit zwischen ihnen. Die frühere Versöhnung hatte Bestand genug, dass sie diesen letzten Dienst an ihrem Vater gemeinsam erfüllen konnten.
Der Tod Isaaks macht Jakob zugleich zum ältesten noch lebenden Träger jener patriarchalischen Linie, die mit Abraham begonnen hatte. Doch seine Geschichte tritt nun zunehmend in eine neue Phase. Von jetzt an wird ein großer Teil der Genesis durch die Erlebnisse seiner Söhne bestimmt. Jakob bleibt dabei keineswegs eine Randfigur: Entscheidungen in seinem eigenen Haus werden zu Auslösern von Ereignissen, die seine gesamte Familie erschüttern und schließlich bis nach Ägypten führen.
Nach der ausführlichen Darstellung der Nachkommen Esaus heißt es, dass Jakob im Land wohnte, in dem schon sein Vater als Fremdling gelebt hatte – im Land Kanaan. Die Verheißung des Landes ist damit weiterhin nicht in dem Sinn erfüllt, dass Jakob bereits ein Königreich oder ein vollständig eigenes Territorium besäße. Er lebt dort wie seine Väter als Fremdling und wartet auf die weitere Erfüllung dessen, was Gott zugesagt hat.
Gerade in dieser Zeit beginnt eine der schmerzhaftesten Entwicklungen seines Lebens. Jakobs besondere Liebe zu Joseph, dem Sohn Rahels, führt innerhalb der Familie zu wachsender Feindschaft. Die bereits vorhandenen Spannungen unter seinen Söhnen brechen nun auf eine Weise hervor, die Jakob jahrelang in tiefe Trauer stürzen wird – während Gott im Verborgenen gerade durch diese Krise den Weg zur späteren Rettung der ganzen Familie vorbereitet.
Zurück: Rahel stirbt bei Benjamins Geburt Weiter: Jakobs besondere Liebe zu Joseph verschärft den Konflikt unter seinen Söhnen
Jakobs besondere Liebe zu Joseph verschärft den Konflikt unter seinen Söhnen
1. Mose 37,2-11 – „2 Dies ist die Familiengeschichte Jakobs: Joseph war siebzehn Jahre alt, als er mit seinen Brüdern das Vieh hütete, und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und Silpas, der Weiber seines Vaters; und Joseph brachte die Klagen über sie vor ihren Vater. 3 Israel aber hatte Joseph lieber als alle seine Söhne, weil er ihn in seinem Alter bekommen hatte; und er machte ihm einen langen Rock. 4 Als nun…"
1. Mose 37,2-11 – „2 Dies ist die Familiengeschichte Jakobs: Joseph war siebzehn Jahre alt, als er mit seinen Brüdern das Vieh hütete, und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und Silpas, der Weiber seines Vaters; und Joseph brachte die Klagen über sie vor ihren Vater. 3 Israel aber hatte Joseph lieber als alle seine Söhne, weil er ihn in seinem Alter bekommen hatte; und er machte ihm einen langen Rock. 4 Als nun…"
1. Mose 35,24 – „24 die Söhne Rahels waren Joseph und Benjamin;"
Als die nächste große Phase in Jakobs Leben beginnt, ist Joseph siebzehn Jahre alt. Er hütet gemeinsam mit seinen Brüdern die Herden und bringt seinem Vater einen schlechten Bericht über einige von ihnen. Damit führt die Genesis Joseph nicht nur als Sohn Rahels ein, sondern als jungen Mann mitten in einer Familie, deren Beziehungen bereits durch frühere Spannungen belastet sind. Nun kommt eine weitere Ursache des Konflikts hinzu, an der Jakob selbst unmittelbar beteiligt ist.
Die Bibel sagt ausdrücklich, dass Israel Joseph mehr liebt als alle seine anderen Söhne. Als Begründung wird genannt, dass Joseph ihm im Alter geboren worden war. Hinzu kommt, dass Joseph der erstgeborene Sohn Rahels war, jener Frau, die Jakob besonders geliebt hatte. Der Text erlaubt deshalb klar festzuhalten, dass Joseph eine bevorzugte Stellung bei seinem Vater hatte, ohne darüber hinaus alle inneren Beweggründe Jakobs erklären zu müssen.
Jakob macht diese besondere Zuneigung auch sichtbar, indem er Joseph ein besonderes Gewand anfertigen lässt. Die genaue Beschaffenheit dieses Kleidungsstücks wird unterschiedlich übersetzt; sicher ist jedoch, dass es Joseph gegenüber seinen Brüdern hervorhob. Die Brüder erkennen daran, dass ihr Vater ihn mehr liebt als sie. Ihre Reaktion ist heftig: Sie beginnen Joseph zu hassen und können nicht mehr friedlich mit ihm reden.
Damit wiederholt sich in Jakobs eigener Familie ein Muster, das bereits seine Kindheit geprägt hatte. Isaak hatte Esau besonders geliebt, während Rebekka Jakob bevorzugte. Nun zeigt Jakob selbst eine deutliche Bevorzugung unter seinen Kindern. Der Text sagt nicht ausdrücklich, dass Jakob bewusst die Fehler seiner Eltern wiederholt habe, doch die Parallele ist deutlich: Ungleiche elterliche Zuneigung trägt erneut dazu bei, dass sich Brüder voneinander entfremden.
In diese angespannte Situation hinein hat Joseph einen Traum. Darin bindet er mit seinen Brüdern Garben auf dem Feld. Seine Garbe richtet sich auf, während die Garben seiner Brüder sich vor ihr niederbeugen. Als Joseph ihnen davon erzählt, verstehen sie die Bedeutung unmittelbar als Hinweis auf eine zukünftige Herrschaft Josephs über sie. Ihr Hass auf ihn nimmt wegen seiner Träume und seiner Worte noch weiter zu.
Joseph hat danach einen zweiten Traum. Diesmal verneigen sich Sonne, Mond und elf Sterne vor ihm. Er erzählt den Traum nicht nur seinen Brüdern, sondern auch seinem Vater. Jakob weist ihn daraufhin zurecht und fragt, ob wirklich er, Josephs Mutter und dessen Brüder kommen und sich vor ihm zur Erde beugen sollten. Dabei ist bemerkenswert, dass Rahel zu diesem Zeitpunkt nach dem Ablauf der Genesis bereits gestorben war. Der Traum arbeitet daher mit familiären Bildern, deren spätere Erfüllung nicht in jedem Einzelzug mechanisch verstanden werden muss.
Die Brüder reagieren erneut mit Eifersucht. Von Jakob heißt es dagegen, dass er die Sache im Gedächtnis behält. Er weist Josephs Worte also zunächst zurück, verwirft sie aber offenbar nicht vollständig. Ähnlich hatte schon Maria viel später ungewöhnliche Worte über Jesus in ihrem Herzen bewahrt; doch bei Jakob genügt hier die schlichte Aussage des Genesistextes: Er merkt sich Josephs Traum.
Jakob weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, wohin diese Träume führen werden. Für ihn ist Joseph zunächst der besonders geliebte Sohn, dessen Zukunft noch im eigenen Haushalt zu liegen scheint. Doch gerade die Bevorzugung Josephs und die daraus gewachsene Eifersucht seiner Brüder bereiten eine Katastrophe vor. Was als familiäre Spannung beginnt, wird bald in einen Plan zum Mord und schließlich in den Verkauf Josephs nach Ägypten münden.
Damit wird Jakob erneut mit den Folgen einer zerrissenen Familienordnung konfrontiert. Jahrzehnte zuvor hatte er selbst zwischen väterlicher Bevorzugung, Bruderhass und Flucht gelebt; nun entwickelt sich innerhalb seiner eigenen Söhne eine ähnlich gefährliche Dynamik. Jakob ahnt noch nicht, dass er bald glauben wird, Joseph sei tot – und dass gerade der Sohn, um den er viele Jahre trauern wird, von Gott zum Werkzeug der späteren Rettung seiner ganzen Familie gemacht werden soll.
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Jakob glaubt, Joseph sei tot
1. Mose 37,12-36 – „12 Als aber seine Brüder nach Sichem gegangen waren, um ihres Vaters Schafe zu weiden, 13 sprach Israel zu Joseph: Weiden nicht deine Brüder zu Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden! Er aber sprach: Siehe, hier bin ich! 14 Da sprach er zu ihm: Geh doch und sieh, ob es wohl stehe um deine Brüder und um die Schafe, und bringe mir Bescheid! Also sandte er ihn aus dem Tale Hebron, und er wander…"
1. Mose 37,12-36 – „12 Als aber seine Brüder nach Sichem gegangen waren, um ihres Vaters Schafe zu weiden, 13 sprach Israel zu Joseph: Weiden nicht deine Brüder zu Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden! Er aber sprach: Siehe, hier bin ich! 14 Da sprach er zu ihm: Geh doch und sieh, ob es wohl stehe um deine Brüder und um die Schafe, und bringe mir Bescheid! Also sandte er ihn aus dem Tale Hebron, und er wander…"
1. Mose 42,36 – „36 Und ihr Vater Jakob sprach zu ihnen: Ihr habt mich meiner Kinder beraubt! Joseph ist nicht mehr, Simeon ist nicht mehr, und Benjamin wollt ihr nehmen; es geht alles über mich!"
Jakobs Söhne ziehen mit den Herden nach Sichem. Nach einiger Zeit schickt Jakob Joseph zu ihnen, um nach dem Wohlergehen seiner Brüder und der Herden zu sehen und ihm anschließend Bericht zu erstatten. Joseph macht sich auf den Weg und findet seine Brüder schließlich bei Dothan. Jakob ahnt nicht, dass dieser scheinbar gewöhnliche Auftrag für viele Jahre das letzte Mal sein wird, dass er Joseph in seinem eigenen Haus sieht.
Schon von weitem erkennen die Brüder Joseph. Noch bevor er sie erreicht, beraten sie darüber, ihn zu töten. Spöttisch nennen sie ihn den „Träumer“ und überlegen, ihn umzubringen, in eine Grube zu werfen und später zu behaupten, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Damit richtet sich ihre Feindschaft nicht nur gegen Joseph selbst, sondern ausdrücklich auch gegen seine Träume. Sie wollen sehen, was aus diesen Träumen werden wird.
Ruben versucht, Joseph vor dem Tod zu bewahren. Er schlägt vor, kein Blut zu vergießen, sondern ihn in eine Grube in der Wüste zu werfen. Sein Plan ist, Joseph später heimlich herauszuholen und zu Jakob zurückzubringen. Als Joseph bei seinen Brüdern ankommt, ziehen sie ihm jedoch zunächst das besondere Gewand aus, das Jakob ihm gegeben hatte, und werfen ihn in eine leere Zisterne.
Während die Brüder essen, sehen sie eine Karawane auf dem Weg nach Ägypten. Juda schlägt vor, Joseph nicht zu töten, sondern ihn zu verkaufen. Schließlich gelangt Joseph für zwanzig Silberstücke in die Hände von Händlern, die ihn nach Ägypten bringen. Als Ruben später zur Grube zurückkehrt und Joseph nicht mehr dort findet, zerreißt er seine Kleider. Doch anstatt nun ihrem Vater die Wahrheit zu sagen, setzen die Brüder ihre Tat mit einer weiteren Täuschung fort.
Sie schlachten einen Ziegenbock und tauchen Josephs Gewand in dessen Blut. Dann lassen sie das Kleid zu ihrem Vater bringen und fragen lediglich, ob er erkenne, ob es das Gewand seines Sohnes sei. Jakob erkennt es sofort. Aufgrund des blutbefleckten Kleidungsstücks zieht er den Schluss, Joseph müsse von einem wilden Tier zerrissen worden sein.
Damit wird Jakob selbst durch ein Kleidungsstück getäuscht – so wie er Jahrzehnte zuvor seinen blinden Vater durch Esaus Kleider und die Felle von Ziegen getäuscht hatte. Auch hier sagt der Text nicht ausdrücklich, dass Gott dies als unmittelbare Vergeltung arrangiert habe. Die erzählerische Parallele ist dennoch auffällig: Eine Täuschung innerhalb der Familie erzeugt erneut eine falsche Wahrnehmung, die für viele Jahre das Leben eines Vaters prägt.
Jakob zerreißt seine Kleider, legt Sacktuch um seine Hüften und trauert lange um Joseph. Alle seine Söhne und Töchter versuchen, ihn zu trösten, doch er weigert sich, Trost anzunehmen. Er sagt, er werde trauernd zu seinem Sohn ins Totenreich hinabfahren. Die Bibel schildert hier eine tiefe und anhaltende Trauer, die auf einer falschen Information beruht, während Jakob selbst fest davon überzeugt ist, seinen geliebten Sohn endgültig verloren zu haben.
Besonders schmerzhaft ist, dass diejenigen, die ihn zu trösten versuchen, zumindest unter seinen beteiligten Söhnen die Wahrheit kennen. Der Bericht sagt nicht, wann oder ob sie Jakob später vor Josephs Wiederauftauchen ihre Tat gestanden haben. Für viele Jahre lebt Jakob daher mit einer Geschichte, die nicht wahr ist. Joseph ist nicht tot – doch sein Vater weiß nichts davon.
Während Jakob in Kanaan um seinen Sohn trauert, wird Joseph nach Ägypten gebracht und an Potiphar verkauft, einen Hofbeamten des Pharaos. Damit laufen zwei Wirklichkeiten nebeneinander: Jakob sieht nur Verlust und Tod, während Josephs Leben an einem anderen Ort weitergeht. Erst sehr viel später wird offenbar werden, dass Gott gerade durch Josephs Weg nach Ägypten die Voraussetzungen schafft, um Jakobs ganze Familie während einer schweren Hungersnot zu bewahren.
Jahre später wird Jakob in einer neuen Krise ausrufen: „Ihr beraubt mich meiner Kinder! Joseph ist nicht mehr, Simeon ist nicht mehr, und Benjamin wollt ihr nehmen!“ Diese Worte zeigen, wie tief Josephs vermeintlicher Tod in ihm fortwirkte. Bevor Jakob erfährt, dass sein Sohn lebt, muss jedoch eine Hungersnot die Familie zwingen, genau in jenes Land zu blicken, in dem Joseph inzwischen eine Stellung erhalten hat, von der Jakob noch nichts ahnt.
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Die Hungersnot zwingt Jakob, seine Söhne nach Ägypten zu senden
1. Mose 42,1-5 – „1 Als aber Jakob sah, daß Korn in Ägypten war, sprach er zu seinen Söhnen: Was sehet ihr einander an? 2 Siehe, ich höre, es gebe in Ägypten Korn; reiset dort hinab und kauft uns daselbst Getreide, daß wir leben und nicht sterben! 3 Also machten sich zehn Brüder Josephs auf den Weg, um in Ägypten Getreide zu kaufen. 4 Benjamin aber, Josephs Bruder, sandte Jakob nicht mit den Brüdern; denn er sprac…"
1. Mose 42,1-5 – „1 Als aber Jakob sah, daß Korn in Ägypten war, sprach er zu seinen Söhnen: Was sehet ihr einander an? 2 Siehe, ich höre, es gebe in Ägypten Korn; reiset dort hinab und kauft uns daselbst Getreide, daß wir leben und nicht sterben! 3 Also machten sich zehn Brüder Josephs auf den Weg, um in Ägypten Getreide zu kaufen. 4 Benjamin aber, Josephs Bruder, sandte Jakob nicht mit den Brüdern; denn er sprac…"
1. Mose 42,29-38 – „29 Als sie aber zu ihrem Vater Jakob ins Land Kanaan kamen, erzählten sie ihm alles, was ihnen begegnet war und sprachen: 30 Der Mann, der des Landes Herr ist, redete hart mit uns und behandelte uns als Kundschafter des Landes. 31 Wir aber sagten: Wir sind aufrichtig und sind keine Kundschafter; 32 wir sind unser zwölf Brüder, Söhne unsres Vaters; einer ist nicht mehr da, der jüngste aber ist geg…"
Eine schwere Hungersnot trifft das Land Kanaan. Jakob erfährt, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gibt, und fordert seine Söhne auf, nicht untätig aufeinanderzusehen. Sie sollen nach Ägypten hinabziehen und Nahrung kaufen, „damit wir leben und nicht sterben“. Damit beginnt eine Entwicklung, durch die Jakob unwissentlich wieder mit Joseph verbunden wird. Der Sohn, den er seit Jahren für tot hält, befindet sich gerade dort, wohin die Not seine Familie nun zwingt.
Jakob schickt zehn seiner Söhne nach Ägypten. Benjamin jedoch, Josephs jüngeren Bruder und zweiten Sohn Rahels, behält er bei sich. Der Text nennt ausdrücklich den Grund: Jakob fürchtet, Benjamin könne unterwegs ein Unglück treffen. Der Verlust Josephs bestimmt damit noch immer seine Entscheidungen. Nachdem er Rahel und vermeintlich auch Joseph verloren hat, möchte er Benjamin keinem vergleichbaren Risiko aussetzen.
In Ägypten treten die Brüder vor Joseph, der inzwischen als mächtiger Verwalter über das Land eingesetzt ist und den Getreideverkauf leitet. Sie erkennen ihn nicht, während Joseph sie sofort erkennt. Als sie sich vor ihm zur Erde niederwerfen, erinnert sich Joseph an die früheren Träume. Jakob selbst weiß von all dem nichts. Während er in Kanaan auf Nahrung wartet, beginnt sich in Ägypten etwas zu erfüllen, was er viele Jahre zuvor gehört und im Gedächtnis behalten hatte.
Joseph behandelt seine Brüder zunächst streng und beschuldigt sie, Spione zu sein. Im Verlauf des Gesprächs berichten sie von ihrer Familie: Sie seien zwölf Brüder gewesen, Söhne eines Mannes im Land Kanaan; der jüngste sei beim Vater, „und der eine ist nicht mehr“. Ohne zu wissen, wen sie vor sich haben, sprechen sie Joseph selbst gegenüber von Joseph als einem Verlorenen. Ihr Vater und ihre Familiengeschichte stehen damit mitten im Gespräch.
Joseph verlangt einen Beweis für ihre Aussagen: Sie sollen Benjamin nach Ägypten bringen. Schließlich behält er Simeon als Gefangenen zurück und lässt die übrigen Brüder mit Getreide heimkehren. Heimlich ordnet er an, ihr Geld wieder in ihre Säcke zu legen und ihnen Reiseproviant mitzugeben. Als die Brüder unterwegs das Geld entdecken, erschrecken sie und fragen einander, was Gott ihnen getan habe.
Zurück in Kanaan erzählen sie Jakob alles, was ihnen begegnet ist. Sie berichten von dem strengen ägyptischen Herrscher, von der Beschuldigung als Spione, von Simeons Gefangenschaft und von der Forderung, Benjamin mitzubringen. Dann öffnen sie ihre Säcke und entdecken, dass bei jedem das Geld wieder darin liegt. Jakob und seine Söhne fürchten sich.
Jakobs Reaktion offenbart, wie er die Situation wahrnimmt: „Ihr beraubt mich meiner Kinder! Joseph ist nicht mehr, Simeon ist nicht mehr, und Benjamin wollt ihr wegnehmen; alles kommt über mich!“ Für Jakob scheinen die Verluste sich immer weiter aufzutürmen. Joseph glaubt er seit Jahren tot, Simeon ist nun in Ägypten zurückgeblieben, und als Bedingung für dessen Freilassung soll er auch Benjamin fortschicken.
Ruben versucht, seinen Vater umzustimmen. Er bietet sogar das Leben seiner beiden eigenen Söhne als Sicherheit dafür an, Benjamin wohlbehalten zurückzubringen. Jakob lehnt dennoch entschieden ab. Benjamin soll nicht mit ihnen hinabziehen. Er begründet dies ausdrücklich damit, dass dessen Bruder Joseph tot sei und Benjamin allein übrig geblieben sei. Sollte ihm unterwegs ein Unglück begegnen, würden die Söhne Jakobs graue Haare vor Kummer ins Totenreich bringen.
Jakobs Worte zeigen, wie sehr seine besondere Bindung an Rahels Söhne weiterhin sein Denken prägt. Zugleich sieht er die gegenwärtige Krise nur aus seiner begrenzten Perspektive: Für ihn ist Joseph verloren, Simeon verloren und Benjamin bedroht. Tatsächlich lebt Joseph, Simeon befindet sich unter seiner Kontrolle, und gerade durch Ägypten wird Gott die Familie vor dem Hungertod bewahren. Jakob kann diese Zusammenhänge noch nicht erkennen.
Zunächst bleibt Benjamin deshalb bei seinem Vater. Doch die Hungersnot hält an, und das aus Ägypten mitgebrachte Getreide wird schließlich aufgebraucht. Damit wird Jakob vor eine Entscheidung gestellt, die er vermeiden wollte: Wenn seine Familie weiterleben soll, müssen seine Söhne erneut nach Ägypten ziehen – und diesmal weigert sich der dortige Herrscher, sie ohne Benjamin zu empfangen.
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Jakob lässt Benjamin nach Ägypten ziehen
1. Mose 43,1-14 – „1 Aber die Hungersnot drückte das Land. 2 Und als sie alles Korn aufgezehrt hatten, das sie aus Ägypten hergebracht, sprach ihr Vater zu ihnen: Geht und kauft uns wieder ein wenig Getreide zur Speise! 3 Aber Juda antwortete und sprach zu ihm: Der Mann hat uns ernstlich bezeugt und gesagt: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder mit euch! 4 Sendest du nun unsern Bruder mit un…"
1. Mose 43,1-14 – „1 Aber die Hungersnot drückte das Land. 2 Und als sie alles Korn aufgezehrt hatten, das sie aus Ägypten hergebracht, sprach ihr Vater zu ihnen: Geht und kauft uns wieder ein wenig Getreide zur Speise! 3 Aber Juda antwortete und sprach zu ihm: Der Mann hat uns ernstlich bezeugt und gesagt: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder mit euch! 4 Sendest du nun unsern Bruder mit un…"
1. Mose 42,38 – „38 Er aber sprach: Mein Sohn soll nicht mit euch hinabziehen; denn sein Bruder ist tot, und er ist allein übriggeblieben. Sollte ihm ein Unfall begegnen auf dem Wege, den ihr geht, so würdet ihr meine grauen Haare vor Kummer ins Totenreich hinunterbringen!"
Die Hungersnot im Land bleibt schwer. Das Getreide, das Jakobs Söhne aus Ägypten mitgebracht haben, wird schließlich aufgebraucht. Deshalb fordert Jakob sie auf, erneut hinabzuziehen und Nahrung für die Familie zu kaufen. Doch Juda erinnert seinen Vater an die klare Bedingung des ägyptischen Herrschers: Ohne Benjamin dürfen sie nicht wieder vor ihm erscheinen.
Jakob reagiert zunächst mit Unverständnis. Er fragt seine Söhne, warum sie ihm dieses Leid bereitet und dem Mann überhaupt erzählt hätten, dass sie noch einen Bruder hätten. Die Söhne erklären, der ägyptische Herrscher habe sehr genau nach ihnen und ihrer Familie gefragt: ob ihr Vater noch lebe und ob sie noch einen Bruder hätten. Sie hätten seine spätere Forderung, Benjamin mitzubringen, damals nicht vorhersehen können.
Nun tritt Juda hervor. Anders als Rubens früheres Angebot, seine eigenen Söhne als Sicherheit einzusetzen, übernimmt Juda persönlich Verantwortung für Benjamin. Er fordert Jakob auf, den Jungen mit ihm ziehen zu lassen, damit die ganze Familie leben und nicht sterben müsse. Wenn Benjamin nicht zurückgebracht werde, will Juda die Schuld dafür sein Leben lang vor seinem Vater tragen.
Juda weist zugleich auf die Dringlichkeit der Lage hin. Hätten sie nicht so lange gezögert, hätten sie bereits zweimal nach Ägypten reisen und zurückkehren können. Die Hungersnot lässt Jakob damit praktisch keine Möglichkeit, an seiner bisherigen Entscheidung festzuhalten. Sein Wunsch, Benjamin vor jeder Gefahr zu schützen, steht nun der Gefahr gegenüber, dass die gesamte Familie ohne weiteres Getreide nicht überleben kann.
Schließlich gibt Israel nach. Auffällig ist, dass der Erzähler ihn in diesem Moment mit dem von Gott gegebenen Namen Israel bezeichnet. Er ordnet an, einige der besten Erzeugnisse des Landes als Geschenk mitzunehmen: Balsam, Honig, Gewürze, Myrrhe, Pistazien und Mandeln. Außerdem sollen seine Söhne den doppelten Geldbetrag mitnehmen und auch das Geld zurückbringen, das unerklärlicherweise in ihren Säcken gelegen hatte. Vielleicht, so sagt Jakob, sei es ein Versehen gewesen.
Dann spricht er die Entscheidung aus, die ihm zuvor so schwergefallen war: „Nehmt auch euren Bruder mit euch, macht euch auf und kehrt zu dem Mann zurück!“ Benjamin, der letzte Sohn Rahels, den Jakob bei sich behalten wollte, wird damit seiner unmittelbaren Obhut entzogen. Jakob kann die Reise weder kontrollieren noch garantieren, dass sein Sohn sicher zurückkehren wird.
Gerade an diesem Punkt richtet Jakob seinen Blick auf Gott. Er sagt: „Der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Mann, dass er euch euren andern Bruder und Benjamin wieder mitgebe!“ Der Titel „der allmächtige Gott“ erinnert an Gottes Offenbarung in Bethel, wo Gott sich Jakob ebenfalls als El-Schaddai vorgestellt und die Bundesverheißung erneuert hatte. Nun beruft Jakob sich nicht auf menschliche Sicherheiten, sondern bittet um göttliches Erbarmen in einer Situation, die außerhalb seiner Kontrolle liegt.
Seine abschließenden Worte sind schwer: „Ich aber, wenn ich meiner Kinder beraubt sein soll, so sei ich ihrer beraubt!“ Darin liegt keine Gleichgültigkeit gegenüber Benjamin. Der gesamte vorherige Bericht zeigt gerade, wie stark Jakob an ihm hängt. Vielmehr kommt Jakob an den Punkt, an dem er anerkennt, dass er das Ergebnis nicht erzwingen kann. Er tut, was zur Bewahrung der Familie notwendig ist, und muss die Zukunft Gott überlassen.
Die Brüder ziehen daraufhin mit Benjamin nach Ägypten. Jakob bleibt erneut zurück und wartet auf Nachrichten. Er weiß nicht, dass Joseph selbst die Männer empfangen wird, dass Simeon noch lebt und dass Benjamin bald seinem lange verloren geglaubten Bruder gegenüberstehen wird. Noch weniger ahnt Jakob, dass die nächste Krise um Benjamin schließlich dazu führen wird, dass Joseph seine Identität offenbart – und dass sich dadurch Jakobs gesamtes Bild der vergangenen Jahre verändern wird.
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Joseph gibt sich zu erkennen und lässt Jakob holen
1. Mose 44,18-34 – „18 Da trat Juda näher zu ihm hinzu und sprach: Bitte, mein Herr, laß deinen Knecht ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn entbrenne nicht über deine Knechte; denn du bist wie der Pharao! 19 Mein Herr fragte seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder? 20 Da antworteten wir meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen jungen Knaben, der ihm in seinem Al…"
1. Mose 44,18-34 – „18 Da trat Juda näher zu ihm hinzu und sprach: Bitte, mein Herr, laß deinen Knecht ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn entbrenne nicht über deine Knechte; denn du bist wie der Pharao! 19 Mein Herr fragte seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder? 20 Da antworteten wir meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen jungen Knaben, der ihm in seinem Al…"
1. Mose 45,1-15 – „1 Da konnte sich Joseph vor allen, die um ihn herstanden, nicht länger enthalten, sondern rief: Tut jedermann von mir hinaus! Und es stand kein Mensch bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab. 2 Und er weinte laut, so daß die Ägypter und das Haus des Pharao es hörten. 3 Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph! Lebt mein Vater noch? Aber seine Brüder konnten ihm nicht an…"
Jakobs Söhne erreichen erneut Ägypten, diesmal mit Benjamin. Zunächst scheint sich die Lage zum Guten zu wenden: Simeon wird ihnen wiedergegeben, sie werden in Josephs Haus empfangen und gemeinsam bewirtet. Doch Joseph prüft seine Brüder noch einmal. Er lässt seinen silbernen Becher heimlich in Benjamins Sack legen und schickt die Männer anschließend fort. Kurz darauf werden sie eingeholt, der Becher wird bei Benjamin gefunden, und nach der zuvor ausgesprochenen Bedingung soll gerade er als Knecht in Ägypten zurückbleiben.
Damit tritt genau die Situation ein, vor der Jakob sich am meisten gefürchtet hatte. Die Brüder könnten nach Kanaan zurückkehren und Benjamin seinem Schicksal überlassen. Doch nun handelt Juda anders als damals bei Joseph. Er tritt vor den ägyptischen Herrscher und schildert ausführlich, was Benjamin seinem alten Vater bedeutet. Dabei gibt er Jakobs eigene Worte wieder und beschreibt, wie tief der vermeintliche Verlust Josephs sein Leben geprägt hat.
Juda erklärt, dass Jakob zwei Söhne von seiner besonders geliebten Frau gehabt habe. Der eine sei fortgegangen, und Jakob glaube, er sei von einem wilden Tier zerrissen worden. Benjamin sei nun der einzige, der ihm von dieser Verbindung geblieben sei. Wenn auch ihm ein Unglück widerfahre, würden die Brüder ihren alten Vater vor Kummer ins Totenreich hinabbringen. Jakobs jahrzehntelange Trauer wird damit mitten im ägyptischen Palast ausgesprochen – vor dem Sohn, um den er eigentlich trauert.
Dann erinnert Juda daran, dass er selbst seinem Vater Bürge für Benjamin geworden ist. Er bietet deshalb an, an Benjamins Stelle als Sklave zurückzubleiben. Benjamin soll mit seinen Brüdern zu Jakob zurückkehren dürfen. Juda fragt, wie er zu seinem Vater zurückkehren könnte, wenn der Junge nicht bei ihm wäre, und erklärt, er könne das Unglück nicht mit ansehen, das Jakob treffen würde.
Joseph kann sich daraufhin nicht länger beherrschen. Er lässt alle ägyptischen Diener hinausgehen und gibt sich seinen Brüdern zu erkennen: „Ich bin Joseph!“ Unmittelbar danach stellt er die Frage: „Lebt mein Vater noch?“ Diese Frage zeigt, welche Bedeutung Jakob auch nach all den Jahren für Joseph besitzt. Obwohl die Brüder ihm bereits vom Vater erzählt hatten, bricht die persönliche Verbindung nun offen hervor.
Die Brüder sind so erschrocken, dass sie zunächst nicht antworten können. Joseph ruft sie näher zu sich und erklärt erneut, dass er ihr Bruder sei, den sie nach Ägypten verkauft hätten. Dann deutet er seinen bisherigen Lebensweg aus der Perspektive von Gottes Vorsehung: Sie sollen sich nicht darüber zerquälen, dass sie ihn verkauft haben, denn Gott habe ihn vor ihnen hergesandt, um Leben zu erhalten. Damit nennt Joseph ihre Tat nicht gut; wenige Verse später sagt er ausdrücklich, dass sie ihn verkauft haben. Doch über ihrem bösen Handeln erkennt er Gottes Fähigkeit, einen Weg zur Bewahrung der Familie zu schaffen.
Joseph erklärt, dass erst zwei Jahre der Hungersnot vergangen seien und noch fünf weitere Jahre folgen würden. Deshalb habe Gott ihn vorausgesandt, um für seine Familie einen Rest auf Erden zu erhalten und ihr Überleben zu sichern. Joseph sieht seine Stellung in Ägypten somit nicht in erster Linie als persönlichen Aufstieg. Sie erhält ihre Bedeutung dadurch, dass Jakob und dessen Haus vor der Hungersnot bewahrt werden sollen.
Dann erteilt Joseph seinen Brüdern einen dringenden Auftrag: Sie sollen schnell zu seinem Vater hinaufziehen und ihm sagen, dass Gott Joseph zum Herrn über ganz Ägypten gesetzt habe. Jakob solle ohne Verzögerung zu ihm kommen und im Land Gosen wohnen. Dort könne Joseph ihn, seine Kinder, Enkel, Herden und seinen gesamten Besitz versorgen, damit die Familie während der verbleibenden Hungerjahre nicht verarme.
Besonders an Benjamin und anschließend an allen seinen Brüdern zeigt Joseph seine Zuneigung. Er weint, umarmt sie und spricht mit ihnen. Der Bruder, dessen Tod Jakob seit Jahren betrauert, lebt nicht nur – er ist zu einem der mächtigsten Männer Ägyptens geworden und wartet darauf, seinen Vater wiederzusehen. Noch weiß Jakob davon nichts. Doch seine Söhne werden nun mit einer Nachricht nach Kanaan zurückkehren, die so vollkommen seinem bisherigen Wissen widerspricht, dass er sie zunächst kaum glauben kann.
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Jakob erfährt, dass Joseph noch lebt
1. Mose 45,16-28 – „16 Und als man im Hause des Pharao die Nachricht vernahm: Josephs Brüder sind gekommen! gefiel solches dem Pharao und seinen Knechten wohl. 17 Und der Pharao sprach zu Joseph: Sage deinen Brüdern: Tut das: Beladet eure Tiere und macht euch auf den Weg; 18 und wenn ihr ins Land Kanaan kommt, so nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir, so will ich euch das Beste des Landes Ägypten gebe…"
1. Mose 45,16-28 – „16 Und als man im Hause des Pharao die Nachricht vernahm: Josephs Brüder sind gekommen! gefiel solches dem Pharao und seinen Knechten wohl. 17 Und der Pharao sprach zu Joseph: Sage deinen Brüdern: Tut das: Beladet eure Tiere und macht euch auf den Weg; 18 und wenn ihr ins Land Kanaan kommt, so nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir, so will ich euch das Beste des Landes Ägypten gebe…"
1. Mose 37,33-35 – „33 Und er erkannte ihn und sprach: Es ist meines Sohnes Rock! Ein böses Tier hat ihn gefressen! Joseph ist gewiß zerrissen worden! 34 Und Jakob zerriß seine Kleider und legte einen Sack um seine Lenden und trug Leid um seinen Sohn lange Zeit. 35 Da machten sich alle seine Söhne und Töchter auf, um ihn zu trösten; er aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern sprach: Ich höre nicht auf zu trau…"
Die Nachricht von Josephs Brüdern erreicht auch den Pharao und dessen Hof. Der Pharao heißt Josephs Familie ausdrücklich willkommen und fordert die Brüder auf, ihren Vater und ihre Haushalte nach Ägypten zu holen. Wagen aus Ägypten sollen ihnen für Frauen und Kinder zur Verfügung gestellt werden. Sie sollen sich nicht um ihren bisherigen Besitz sorgen, denn das Beste des Landes Ägypten werde ihnen offenstehen.
Joseph stattet seine Brüder für die Reise aus und gibt ihnen Wechselkleider. Benjamin erhält darüber hinaus dreihundert Silberstücke und fünf Festkleider. Für seinen Vater sendet Joseph zehn Esel mit den besten Gütern Ägyptens sowie zehn Eselinnen mit Getreide, Brot und Reiseproviant. Die Rückkehr nach Kanaan ist damit nicht nur eine Botschaftsreise. Alles ist darauf ausgerichtet, Jakob davon zu überzeugen und vorzubereiten, mit seinem gesamten Haus nach Ägypten zu ziehen.
Bevor die Brüder aufbrechen, gibt Joseph ihnen noch eine kurze Ermahnung mit: Sie sollen unterwegs nicht miteinander streiten. Nach der Offenbarung ihrer alten Schuld wäre ein gegenseitiges Beschuldigen leicht denkbar gewesen. Der Text erklärt nicht genauer, worüber Joseph einen Streit befürchtete. Seine Worte zeigen jedoch, dass die Vergangenheit zwischen den Brüdern trotz der Versöhnung nicht plötzlich bedeutungslos geworden war.
Als sie schließlich zu Jakob ins Land Kanaan zurückkehren, überbringen sie die kaum vorstellbare Nachricht: „Joseph lebt noch und ist Herr über ganz Ägypten!“ Für Jakob widerspricht dieser Satz allem, was er seit vielen Jahren für sicher gehalten hat. Er hatte Josephs blutiges Gewand gesehen, selbst den Schluss gezogen, ein wildes Tier habe ihn zerrissen, und danach jahrelang um ihn getrauert.
Seine erste Reaktion ist deshalb kein sofortiger Jubel. Jakobs Herz bleibt kalt beziehungsweise erstarrt, denn er glaubt seinen Söhnen nicht. Die Nachricht erscheint ihm zu unglaublich. Diesmal sind es dieselben Söhne, deren frühere Täuschung ihn so lange in Trauer gehalten hatte, die ihm nun sagen, dass Joseph lebt. Der Text beschreibt damit einen Augenblick, in dem Wahrheit ausgesprochen wird, Jakob sie aber aufgrund seiner bisherigen Gewissheit zunächst nicht aufnehmen kann.
Dann erzählen die Brüder ihm alle Worte, die Joseph zu ihnen gesprochen hat. Schließlich sieht Jakob die Wagen, die Joseph geschickt hat, um ihn nach Ägypten zu holen. Diese sichtbaren Zeichen bestätigen die Botschaft. Nun heißt es, dass der Geist ihres Vaters Jakob wieder lebendig wird. Die Hoffnung, die durch Josephs vermeintlichen Tod über Jahre erstickt gewesen war, kehrt zurück.
Israel sagt: „Genug! Mein Sohn Joseph lebt noch! Ich will hingehen und ihn sehen, ehe ich sterbe.“ Auffällig ist erneut die Verwendung des Namens Israel. Der Mann, der so lange über seinen verlorenen Sohn getrauert hatte, richtet seinen Blick nun auf ein Wiedersehen, das er nicht mehr für möglich gehalten hatte. Er verlangt nicht zuerst eine Erklärung aller vergangenen Ereignisse; sein unmittelbarer Wunsch ist, Joseph noch einmal zu sehen.
Damit wird in einem einzigen Augenblick Jakobs Verständnis eines großen Teils seiner Vergangenheit erschüttert. Joseph war nie von einem wilden Tier zerrissen worden. Seine jahrelange Trauer beruhte auf einer Täuschung. Was Jakob als endgültigen Verlust angesehen hatte, war in Wahrheit Teil einer Geschichte gewesen, die außerhalb seines Blickfeldes weiterlief.
Noch kennt Jakob nicht alle Zusammenhänge. Er weiß nun, dass Joseph lebt und in Ägypten große Macht besitzt, doch bevor er das Land Kanaan verlässt, steht eine gewichtige Frage vor ihm. Gott hatte Abraham, Isaak und ihm selbst gerade dieses Land zugesagt. Soll Jakob nun mit seiner ganzen Familie nach Ägypten hinabziehen?
Auf dem Weg nach Süden macht Israel deshalb an einem für seine Familiengeschichte bedeutsamen Ort Halt: Beerscheba. Dort bringt er dem Gott seines Vaters Isaak Opfer dar. In der Nacht antwortet Gott ihm in einer Vision und nimmt ihm ausdrücklich die Furcht vor dem Weg nach Ägypten.
Zurück: Joseph gibt sich zu erkennen und lässt Jakob holen Weiter: Gott bestätigt Jakobs Weg nach Ägypten
Gott bestätigt Jakobs Weg nach Ägypten
1. Mose 46,1-7 – „1 Und Israel brach auf mit allem, was er hatte; und als er nach Beerseba kam, opferte er daselbst dem Gott seines Vaters Isaak. 2 Und Gott sprach zu Israel im Nachtgesicht: Jakob, Jakob! Er sprach: Hier bin ich! 3 Da sprach er: Ich bin der starke Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zu einem großen Volke machen! 4 Ich will mit d…"
1. Mose 46,1-7 – „1 Und Israel brach auf mit allem, was er hatte; und als er nach Beerseba kam, opferte er daselbst dem Gott seines Vaters Isaak. 2 Und Gott sprach zu Israel im Nachtgesicht: Jakob, Jakob! Er sprach: Hier bin ich! 3 Da sprach er: Ich bin der starke Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zu einem großen Volke machen! 4 Ich will mit d…"
1. Mose 26,23-25 – „23 Von dort zog er hinauf nach Beerseba. 24 Und der HERR erschien ihm in derselben Nacht und sprach: Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht! Denn ich bin mit dir, und ich will dich segnen und deinen Samen mehren um Abrahams, meines Knechtes, willen. 25 Da baute er einen Altar daselbst und rief den Namen des HERRN an und richtete daselbst seine Hütte auf; und Isaaks Knechte gru…"
1. Mose 28,13-15 – „13 Und siehe, der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. 14 Und dein Same soll werden wie der Staub auf Erden, und gegen Abend und Morgen und Mitternacht und Mittag sollst du dich ausbreiten, und durch dich und deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet …"
Israel bricht mit allem auf, was ihm gehört, und kommt nach Beerscheba. Dieser Ort ist innerhalb seiner Familiengeschichte bereits eng mit Gottes Führung verbunden. Abraham hatte dort den Namen des HERRN angerufen, und auch Isaak hatte in Beerscheba eine göttliche Verheißung empfangen und einen Altar gebaut. Bevor Jakob nun das verheißene Land verlässt und nach Ägypten hinabzieht, hält auch er dort inne.
Jakob bringt dem Gott seines Vaters Isaak Opfer dar. Gerade diese Bezeichnung ist bedeutsam. Der Weg nach Ägypten bedeutet für Jakob einen gewaltigen Schritt, denn Gott hatte seiner Familie das Land Kanaan zugesagt. Zudem war Abraham einst in einer Hungersnot nach Ägypten gezogen, ohne dass der biblische Bericht an jener Stelle einen ausdrücklichen göttlichen Auftrag dazu nennt. Jakob verlässt Kanaan deshalb nicht einfach aufgrund der Einladung Josephs, ohne sich zuvor Gott zuzuwenden.
In der Nacht spricht Gott in einer Vision zu Israel: „Jakob, Jakob!“ Er antwortet: „Hier bin ich.“ Gott stellt sich als der Gott seines Vaters vor und sagt dann ausdrücklich: „Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen.“ Damit wird sichtbar, dass Jakob tatsächlich Grund zu Furcht oder zumindest zu tiefer Zurückhaltung hatte. Gott nimmt ihm diese Sorge nicht durch eine allgemeine Zusicherung, sondern bestätigt konkret den bevorstehenden Weg.
Dann folgt eine überraschende Verheißung: Gerade in Ägypten will Gott Jakob zu einem großen Volk machen. Die Bundeszusage wird also nicht aufgehoben, weil Jakob das Land Kanaan verlässt. Der Weg nach Ägypten gehört nun selbst zu ihrer weiteren Entfaltung. Aus der großen Familie Jakobs soll dort jene zahlreiche Gemeinschaft entstehen, die später als Volk Israel aus Ägypten herausgeführt werden wird.
Gott verspricht Jakob außerdem: „Ich will mit dir nach Ägypten hinabziehen.“ Damit greift er erneut ein zentrales Wort aus Bethel auf. Als Jakob einst allein nach Haran floh, hatte Gott ihm zugesagt, mit ihm zu sein. Nun steht Jakob an einem ganz anderen Punkt seines Lebens – alt, mit Kindern, Enkeln und großem Besitz – und doch bleibt dieselbe Wahrheit bestehen: Gottes Gegenwart ist nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt.
Gleichzeitig verspricht Gott, Jakob auch wieder heraufzuführen. Diese Aussage kann auf mehreren Ebenen verstanden werden. Jakob selbst wird später tatsächlich nach seinem Tod aus Ägypten nach Kanaan gebracht und in der Familiengruft von Machpela bestattet. Darüber hinaus wird seine Nachkommenschaft nach Generationen aus Ägypten herausgeführt und in das verheißene Land zurückgebracht. Der weitere Verlauf der Bibel zeigt damit, dass der Aufenthalt in Ägypten kein endgültiger Abschied von Kanaan ist.
Schließlich spricht Gott Jakob noch ganz persönlich auf Joseph an: „Joseph soll seine Hand auf deine Augen legen.“ Damit wird Jakob zugesichert, dass er den Sohn, den er so lange für tot hielt, tatsächlich wiedersehen wird und Joseph bei seinem Lebensende bei ihm sein wird. Die große heilsgeschichtliche Verheißung und Jakobs persönliche Sehnsucht werden in derselben Offenbarung miteinander verbunden.
Nach dieser göttlichen Bestätigung bricht Jakob von Beerscheba auf. Seine Söhne setzen ihn sowie ihre Kinder und Frauen auf die Wagen, die der Pharao geschickt hatte. Sie nehmen ihr Vieh und den Besitz mit, den sie im Land Kanaan erworben haben. Nicht nur einzelne Familienmitglieder ziehen nach Ägypten, sondern Jakob mit seinem ganzen Haus.
Die Genesis nennt anschließend ausführlich die Angehörigen, die mit Jakob nach Ägypten kommen. Diese Namenslisten wirken zunächst wie eine Unterbrechung der Erzählung, sind aber für die weitere Heilsgeschichte wichtig. Sie markieren den Übergang von einer patriarchalischen Großfamilie zu jener Gemeinschaft, aus der in Ägypten das Volk Israel hervorgehen wird. Der Auszug aus Ägypten beginnt später nicht mit einer anonymen Menschenmenge, sondern mit den Nachkommen dieses einen Mannes.
Jakob verlässt Kanaan somit nicht als jemand, der Gottes Verheißung aufgegeben hätte. Gerade Gott selbst sendet ihn nun auf diesen Weg und verspricht, mit ihm zu gehen. Der nächste Schritt führt ihn endlich zu dem Augenblick, auf den er seit der Nachricht seiner Söhne wartet: In Gosen wird Jakob Joseph wiedersehen – den Sohn, den er viele Jahre betrauert und für immer verloren geglaubt hatte.
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Jakob sieht Joseph nach vielen Jahren wieder
1. Mose 46,28-34 – „28 Er hatte aber den Juda vor sich her zu Joseph gesandt, daß er ihn zur Begegnung nach Gosen weise. 29 Als sie nun ins Land Gosen kamen, spannte Joseph seinen Wagen an und fuhr seinem Vater nach Gosen entgegen. Und als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte lange an seinem Halse. 30 Und Israel sprach zu Joseph: Nun will ich gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht geschaut [habe und seh…" 1. Mose 46,28-34 – „28 Er hatte aber den Juda vor sich her zu Joseph gesandt, daß er ihn zur Begegnung nach Gosen weise. 29 Als sie nun ins Land Gosen kamen, spannte Joseph seinen Wagen an und fuhr seinem Vater nach Gosen entgegen. Und als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte lange an seinem Halse. 30 Und Israel sprach zu Joseph: Nun will ich gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht geschaut [habe und seh…" 1. Mose 45,28 – „28 und Israel sprach: Ich habe genug, daß mein Sohn Joseph noch lebt! Ich will hingehen und ihn sehen, ehe denn ich sterbe!" 1. Mose 46,3-4 – „3 Da sprach er: Ich bin der starke Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zu einem großen Volke machen! 4 Ich will mit dir hinab…
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Jakob steht vor dem Pharao und blickt auf sein langes Leben zurück
1. Mose 47,1-12 – „1 Und Joseph kam und zeigte es dem Pharao an und sprach: Mein Vater und meine Brüder sind aus dem Lande Kanaan gekommen samt ihren Schafen und Rindern, und siehe, sie sind im Lande Gosen! 2 Er hatte aber aus der Zahl seiner Brüder fünf mitgenommen und stellte sie dem Pharao vor. 3 Und der Pharao fragte seine Brüder: Was treibt ihr? Sie antworteten ihm: Deine Knechte sind Schafhirten, wir und unsr…" 1. Mose 47,1-12 – „1 Und Joseph kam und zeigte es dem Pharao an und sprach: Mein Vater und meine Brüder sind aus dem Lande Kanaan gekommen samt ihren Schafen und Rindern, und siehe, sie sind im Lande Gosen! 2 Er hatte aber aus der Zahl seiner Brüder fünf mitgenommen und stellte sie dem Pharao vor. 3 Und der Pharao fragte seine Brüder: Was treibt ihr? Sie antworteten ihm: Deine Knechte sind Schafhirten, wir und unsr…" 1. Mose 47,7-10 – „7 Joseph brachte auch seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn dem Pharao vor; und Jakob segnete den Pharao. 8 Und der Pharao fragte Jakob: Wie alt bist du? 9 Jakob sprach zum Pharao: Die ganze Zeit meiner Pilgrimschaft beträgt hundertunddreißig Jahre; wenig und böse sind meine Lebensjahre gewesen und erreichen nicht die Zahl der Leben…
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Jakob lässt Joseph schwören, ihn in Kanaan zu begraben
1. Mose 47,27-31 – „27 Und Israel wohnte in Ägypten, im Lande Gosen, und sie nahmen es in Besitz, waren fruchtbar und mehrten sich sehr. 28 Und Jakob lebte noch siebzehn Jahre in Ägyptenland, also daß seine ganze Lebenszeit hundertundsiebenundvierzig Jahre betrug. 29 Als nun die Zeit kam, daß Israel sterben sollte, rief er seinen Sohn Joseph und sprach zu ihm: Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so lege doch d…" 1. Mose 47,27-31 – „27 Und Israel wohnte in Ägypten, im Lande Gosen, und sie nahmen es in Besitz, waren fruchtbar und mehrten sich sehr. 28 Und Jakob lebte noch siebzehn Jahre in Ägyptenland, also daß seine ganze Lebenszeit hundertundsiebenundvierzig Jahre betrug. 29 Als nun die Zeit kam, daß Israel sterben sollte, rief er seinen Sohn Joseph und sprach zu ihm: Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so lege doch d…" Hebräer 11,21 – „21 Durch Glauben segnete Jakob bei seinem Sterben einen jeden der Söhne Josephs und betete an, auf seinen Stab gestützt." Israel wohnt nun mit seiner Familie im Land Gosen. Dort erwerben seine Nachkommen Besitz, werden fruchtbar und vermehren sich stark. Was als Rettung vor der Hungersnot begonnen hatte, entwickelt sich damit zugleich z…
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Jakob segnet Ephraim und Manasse und stellt den Jüngeren voran
1. Mose 48,1-22 – „1 Darnach ward dem Joseph gesagt: Siehe, dein Vater ist krank! Und er nahm mit sich seine zwei Söhne, Manasse und Ephraim. 2 Da ward dem Jakob angezeigt und gesagt: Siehe, dein Sohn Joseph kommt zu dir! Und Israel machte sich stark und setzte sich auf im Bett. 3 Und Jakob sprach zu Joseph: Der allmächtige Gott erschien mir zu Lus im Lande Kanaan und segnete mich 4 und sprach zu mir: Siehe, ich wi…" 1. Mose 48,1-22 – „1 Darnach ward dem Joseph gesagt: Siehe, dein Vater ist krank! Und er nahm mit sich seine zwei Söhne, Manasse und Ephraim. 2 Da ward dem Jakob angezeigt und gesagt: Siehe, dein Sohn Joseph kommt zu dir! Und Israel machte sich stark und setzte sich auf im Bett. 3 Und Jakob sprach zu Joseph: Der allmächtige Gott erschien mir zu Lus im Lande Kanaan und segnete mich 4 und sprach zu mir: Siehe, ich wi…" Hebräer 11,21 – „21 Durch Glauben segnete Jakob bei seinem Sterben einen jeden der Söhne Josephs und betete an, auf seinen Stab gestützt." Als Joseph erfährt, dass sein Vater krank ist, nimmt er seine beiden Söhne Manasse und Ephraim mit zu ihm. Jakob sammelt noch einmal seine Kraft und setzt sich auf seinem Bett auf. Die Begegnung erhält dadurch den Char…
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Jakob spricht über Ruben, Simeon, Levi und Juda
1. Mose 49,1-12 – „1 Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Kommt zusammen, daß ich euch kundtue, was euch in künftigen Tagen begegnen wird! 2 Versammelt euch und merket auf, ihr Söhne Jakobs, höret auf euren Vater Israel! 3 Ruben, du bist mein erstgeborner Sohn, meine Kraft und der Anfang meiner Stärke, von hervorragender Würde und vorzüglicher Kraft. 4 Du warst wie kochendes Wasser, du sollst nicht den Vorzug h…" 1. Mose 49,1-12 – „1 Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Kommt zusammen, daß ich euch kundtue, was euch in künftigen Tagen begegnen wird! 2 Versammelt euch und merket auf, ihr Söhne Jakobs, höret auf euren Vater Israel! 3 Ruben, du bist mein erstgeborner Sohn, meine Kraft und der Anfang meiner Stärke, von hervorragender Würde und vorzüglicher Kraft. 4 Du warst wie kochendes Wasser, du sollst nicht den Vorzug h…" 1. Mose 34,25-31 – „25 Es begab sich aber am dritten Tag, da sie wundkrank waren, daß die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, Dinas Brüder, ein jeder sein Schwert nahmen und unversehens in die Stadt eindrangen und alles Männliche umbrachten. 26 Auch Hemor und dessen Sohn Sichem töteten sie mit des Schwertes Schärfe und holten Dina aus dem Hause Sichems …
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Jakob spricht über Sebulon, Issachar, Dan, Gad, Asser und Naphtali
1. Mose 49,13-21 – „13 Sebulon wird an der Anfurt des Meeres wohnen und den Schiffen zur Anfurt dienen, und er lehnt sich an Sidon an. 14 Issaschar ist ein knochiger Esel, der zwischen den Hürden liegt; 15 und weil er sah, daß die Ruhe gut und das Land lieblich war, so neigte er seine Schultern zum Tragen und wurde ein fronpflichtiger Knecht. 16 Dan wird sein Volk richten als einer der Stämme Israels 17 Dan wird ein…" 1. Mose 49,13-21 – „13 Sebulon wird an der Anfurt des Meeres wohnen und den Schiffen zur Anfurt dienen, und er lehnt sich an Sidon an. 14 Issaschar ist ein knochiger Esel, der zwischen den Hürden liegt; 15 und weil er sah, daß die Ruhe gut und das Land lieblich war, so neigte er seine Schultern zum Tragen und wurde ein fronpflichtiger Knecht. 16 Dan wird sein Volk richten als einer der Stämme Israels 17 Dan wird ein…" Nach den ausführlicheren Worten über Ruben, Simeon, Levi und Juda wendet Jakob sich weiteren Söhnen zu. Seine Aussagen werden nun teilweise sehr knapp und arbeiten stark mit Bildern. Nicht jedes Detail lässt sich eindeutig einer einzelnen späteren Begebenheit zuordnen. Deshalb ist es wichtig, die Bilder nicht stärker auszulegen, als es der Text selbst u…
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Jakob segnet Joseph und Benjamin
1. Mose 49,22-28 – „22 Joseph ist ein junger Fruchtbaum, ein junger Fruchtbaum an der Quelle; seine Zweige klettern über die Mauer hinaus. 23 Es haben ihn zwar die Schützen heftig beschossen und bekämpft; 24 aber sein Bogen blieb unerschütterlich und seine Arme und seine Hände wurden gelenkt von den Händen des Mächtigen Jakobs, vom Namen des Hirten, des Felsens Israels. 25 Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, …" 1. Mose 49,22-28 – „22 Joseph ist ein junger Fruchtbaum, ein junger Fruchtbaum an der Quelle; seine Zweige klettern über die Mauer hinaus. 23 Es haben ihn zwar die Schützen heftig beschossen und bekämpft; 24 aber sein Bogen blieb unerschütterlich und seine Arme und seine Hände wurden gelenkt von den Händen des Mächtigen Jakobs, vom Namen des Hirten, des Felsens Israels. 25 Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, …" 1. Mose 48,15-16 – „15 Und er segnete Joseph und sprach: Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter Abraham und Isaak gewandelt haben; der Gott, der mich behütet hat, seitdem ich bin, bis auf diesen Tag; 16 der Engel, der mich erlöset hat von allem Übel, der segne die Knaben, und durch sie werde mein Name genannt und der Name meiner Väter Abraham und Is…
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Jakob gibt letzte Anweisungen und stirbt in Ägypten
1. Mose 49,29-33 – „29 Und er gebot ihnen und sprach: Ich werde zu meinem Volk versammelt werden; begrabet mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Ephrons, des Hetiters, 30 in der Höhle Machpelah, Mamre gegenüber im Lande Kanaan, wo Abraham den Acker gekauft hat von Ephron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. 31 Daselbst hat man Abraham und sein Weib Sarah begraben, desgleichen Isaak und sein Weib Rebekka, und …" 1. Mose 49,29-33 – „29 Und er gebot ihnen und sprach: Ich werde zu meinem Volk versammelt werden; begrabet mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Ephrons, des Hetiters, 30 in der Höhle Machpelah, Mamre gegenüber im Lande Kanaan, wo Abraham den Acker gekauft hat von Ephron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. 31 Daselbst hat man Abraham und sein Weib Sarah begraben, desgleichen Isaak und sein Weib Rebekka, und …" 1. Mose 47,29-31 – „29 Als nun die Zeit kam, daß Israel sterben sollte, rief er seinen Sohn Joseph und sprach zu ihm: Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so lege doch deine Hand unter meine Hüfte und erweise mir Liebe und Treue: Begrabe mich doch ja nicht in Ägypten! 30 Sondern ich will bei meinen Vätern liegen; darum sollst du mich aus Ägypten fü…
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Jakob wird in der Höhle von Machpela begraben
1. Mose 50,1-14 – „1 Da fiel Joseph auf seines Vaters Angesicht und weinte über ihm und küßte ihn. 2 Darnach befahl Joseph den Ärzten, die ihm dienten, daß sie seinen Vater einbalsamierten; und die Ärzte balsamierten Israel ein. 3 Und sie verwendeten darauf volle vierzig Tage; denn so lange dauert die Einbalsamierung; aber beweint haben ihn die Ägypter siebzig Tage lang. 4 Als aber die Tage der Trauer um ihn vorübe…" 1. Mose 50,1-14 – „1 Da fiel Joseph auf seines Vaters Angesicht und weinte über ihm und küßte ihn. 2 Darnach befahl Joseph den Ärzten, die ihm dienten, daß sie seinen Vater einbalsamierten; und die Ärzte balsamierten Israel ein. 3 Und sie verwendeten darauf volle vierzig Tage; denn so lange dauert die Einbalsamierung; aber beweint haben ihn die Ägypter siebzig Tage lang. 4 Als aber die Tage der Trauer um ihn vorübe…" 1. Mose 49,29-32 – „29 Und er gebot ihnen und sprach: Ich werde zu meinem Volk versammelt werden; begrabet mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Ephrons, des Hetiters, 30 in der Höhle Machpelah, Mamre gegenüber im Lande Kanaan, wo Abraham den Acker gekauft hat von Ephron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. 31 Daselbst hat man Abraham und sein Weib…
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Zurück: Jakob gibt letzte Anweisungen und stirbt in Ägypten Weiter: Gott offenbart sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
Gott offenbart sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
2. Mose 3,6.15-16 – „6 Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs! Da verdeckte Mose sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 15 Und nochmals sprach Gott zu Mose: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt; das ist mein Name ewigl…" 2. Mose 3,6.15-16 – „6 Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs! Da verdeckte Mose sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 15 Und nochmals sprach Gott zu Mose: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt; das ist mein Name ewigl…" 2. Mose 2,23-25 – „23 Aber viele Tage darnach starb der König in Ägypten. Und die Kinder Israel seufzten über ihre Knechtschaft und schrieen. Und ihr Geschrei über ihre Knechtschaft kam vor Gott. 24 Und Gott erhörte ihr Wehklagen, und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. 25 Und Gott sah die Kinder Israel an, und Gott nahm Kenntni…
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Zurück: Jakob wird in der Höhle von Machpela begraben Weiter: Hosea blickt auf Jakobs Ringen und Bethel zurück
Hosea blickt auf Jakobs Ringen und Bethel zurück
Hosea 12,3-7 – „3 Schon im Mutterschoß hielt er seines Bruders Ferse, und in seiner Manneskraft kämpfte er mit Gott; 4 er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und flehte zu ihm; zu Bethel hat er ihn gefunden, und daselbst redete er mit uns, 5 nämlich der HERR, der Gott der Heerscharen, dessen Name HERR ist. 6 So kehre denn zu deinem Gott zurück, halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Got…" Hosea 12,3-7 – „3 Schon im Mutterschoß hielt er seines Bruders Ferse, und in seiner Manneskraft kämpfte er mit Gott; 4 er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und flehte zu ihm; zu Bethel hat er ihn gefunden, und daselbst redete er mit uns, 5 nämlich der HERR, der Gott der Heerscharen, dessen Name HERR ist. 6 So kehre denn zu deinem Gott zurück, halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Got…" 1. Mose 32,25-31 – „25 Und da dieser sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Hüftgelenk, so daß Jakobs Hüftgelenk verrenkt ward über dem Ringen mit ihm. 26 Und der Mann sprach: Laß mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! 27 Da fragte er ihn: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob! 2…
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Der Hebräerbrief erinnert an Jakobs Glauben bis zum Lebensende
Hebräer 11,9-10 – „9 Durch Glauben siedelte er sich im Lande der Verheißung an, als in einem fremden, und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; 10 denn er wartete auf die Stadt, welche die Grundfesten hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist." Hebräer 11,9-10 – „9 Durch Glauben siedelte er sich im Lande der Verheißung an, als in einem fremden, und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; 10 denn er wartete auf die Stadt, welche die Grundfesten hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist." Hebräer 11,21 – „21 Durch Glauben segnete Jakob bei seinem Sterben einen jeden der Söhne Josephs und betete an, auf seinen Stab gestützt." 1. Mose 48,1-20 – „1 Darnach ward dem Joseph gesagt: Siehe, dein Vater ist krank! Und er nahm mit sich seine zwei Söhne, Manasse und Ephraim. 2 Da ward dem Jakob angezeigt und gesagt: Siehe, dein Sohn Joseph kommt zu dir! Und Israel machte sich stark und setzte sich auf im Bett. 3 Und Jakob sprach zu Joseph: Der allmächtige Gott erschien mir zu Lus im Lande Kanaan und segnete mich 4 und sprach zu mir: Siehe, ich wi…" Der Hebräerbrief nimmt Jakob ausdrücklich in die Reihe jener Menschen auf, …
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Zurück: Hosea blickt auf Jakobs Ringen und Bethel zurück Weiter: Jakob und Esau im Licht von Gottes Erwählung
Jakob und Esau im Licht von Gottes Erwählung
Römer 9,6-13 – „6 Nicht aber, als ob das Wort Gottes nun hinfällig wäre! Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel; 7 auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, seine Kinder, sondern «in Isaak soll dir ein Same berufen werden»; 8 das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. 9 Denn das ist ein Wort der Verheißung: «…" Römer 9,6-13 – „6 Nicht aber, als ob das Wort Gottes nun hinfällig wäre! Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel; 7 auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, seine Kinder, sondern «in Isaak soll dir ein Same berufen werden»; 8 das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. 9 Denn das ist ein Wort der Verheißung: «…" 1. Mose 25,22-23 – „22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, den HERRN zu fragen. 23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei Stämme werden sich aus deinen Eingeweiden scheiden, und ein Volk wird dem andern überlegen sein, u…
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Jakobs Linie führt über Juda zu Jesus Christus
Matthäus 1,1-3 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram," Matthäus 1,1-3 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram," Lukas 3,33-34 – „33 des Aminadab, des Aram, des Esrom, des Perez, des Juda, 34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Thara, des Nahor," Hebräer 7,14 – „14 denn es ist ja bekannt, daß unser Herr aus Juda entsprossen ist, zu welchem Stamm Mose nichts auf Priester bezügliches geredet hat." Das Neue Testament beginnt im Matthäusevangelium mit einem Stammbaum Jesu Christi. Bereits in dessen ersten Zeilen erscheinen die drei Patriarchen: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob und Jakob zeugte Juda und seine Brüder. Damit wird Jakobs Geschichte unmittelbar mit der Herkunft Jesu verbunden. Der Patriarch gehört nicht nur …
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Jesus verbindet Jakob mit Auferstehung und Gottes Reich
Matthäus 8,11 – „11 Ich sage euch aber: Viele werden kommen von Morgen und Abend und werden mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tische sitzen im Himmelreich;" Matthäus 8,11 – „11 Ich sage euch aber: Viele werden kommen von Morgen und Abend und werden mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tische sitzen im Himmelreich;" Matthäus 22,31-32 – „31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch von Gott gesagt ist, der da spricht: 32 «Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs»? Er ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen." Lukas 13,28-29 – „28 Da wird das Heulen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reiche Gottes sehen werdet, euch selbst aber hinausgestoßen! 29 Und sie werden kommen von Morgen und von Abend, von Mitternacht und von Mittag, und zu Tische sitzen im Reiche Gottes." Jesus selbst nennt Jakob mehrfach gemeinsam mit Abraham und Isaak. Damit greift er nicht lediglich drei bedeutende Namen aus der Vergangenheit Israels auf. Die Patriarchen stehen bei ihm für die Treue Gottes zu seinen Verheißungen und zugleich für eine Hoffnung, die über ihr irdisches Leben hinausreicht.…
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Stephanus erinnert an Jakob und die Patriarchen in Ägypten
Apostelgeschichte 7,8-16 – „8 Und er gab ihm den Bund der Beschneidung. Und also zeugte er den Isaak und beschnitt ihn am achten Tage, und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Patriarchen. 9 Und die Patriarchen waren neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten. 10 Aber Gott war mit ihm und rettete ihn aus allen seinen Trübsalen und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; der setzte ihn zum …" Apostelgeschichte 7,8-16 – „8 Und er gab ihm den Bund der Beschneidung. Und also zeugte er den Isaak und beschnitt ihn am achten Tage, und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Patriarchen. 9 Und die Patriarchen waren neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten. 10 Aber Gott war mit ihm und rettete ihn aus allen seinen Trübsalen und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; der setzte ihn zum …" 1. Mose 50,12-13 – „12 Seine Söhne aber machten es so, wie er ihnen befohlen hatte: 13 sie führten ihn ins Land Kanaan und begruben ihn in der Höhle des Ackers Machpelah, weil Abraham den Acker zum Erbbegräbnis gekauft hatte von Ephron, dem Hetiter, gegenüber von Mamre." Josua 24,32 – „32 Und die Gebeine Josephs, welche die Kinder Israel…
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Zusammenfassung und Gebet
Jakobs Leben gehört zu den ausführlichsten und zugleich menschlich ehrlichsten Lebensgeschichten der Bibel. Schon vor seiner Geburt hatte Gott angekündigt, dass der Ältere dem Jüngeren dienen würde. Dennoch versuchte Jakob zunächst wiederholt, seine Zukunft selbst zu sichern. Er erwarb Esaus Erstgeburtsrecht und erschlich sich mit Rebekkas Hilfe den Segen Isaaks. Die Bibel rechtfertigt seine Täuschung nicht. Gerade dadurch wird deutlich, dass Gottes Verheißung nicht deshalb Bestand hatte, weil Jakob alles richtig machte, sondern weil Gott seinem eigenen Wort treu blieb. Auf der Flucht begegnete Gott Jakob in Bethel. Dort erhielt er persönlich die Verheißung, die zuvor Abraham und Isaak gegeben worden war: Land, Nachkommenschaft, Segen für die Völker und vor allem Gottes Gegenwart. Gott versprach, Jakob zu bewahren und wieder zurückzubringen. Dieses Wort wurde zum roten Faden der folgenden Jahrzehnte. Bei Laban erlebte Jakob selbst Täuschung und wechselnde Bedingungen. Aus sieben geplanten Dienstjahren wurden zwanzig. Seine Familie wuchs unter schwierigen Umständen: Lea und Rahel rangen um Liebe und Kinder, ihre Mägde wurden in diese Rivalität einbezogen, und aus diesem konfliktrei…
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