Hesekiel
Hesekiel in der Bibel: Prophet, Visionen und Botschaft
Hesekiel war ein Priester und Prophet, den Gott unter den verschleppten Judäern in Babylon zum Wächter für Israel berief. Seine Botschaft verbindet Gottes Heiligkeit und gerechtes Gericht mit der Verheißung von Reinigung, Erneuerung und Wiederherstellung. Dabei richtet sich der Blick über menschliches Versagen hinaus auf Gottes eigenes Handeln, durch das er sein Volk zu sich zurückführen und seinen Namen heiligen will.
Einführung
Hesekiels Geschichte beginnt nicht in einer Zeit äußerer Sicherheit. Ein Teil des Volkes Juda war bereits aus seiner Heimat fortgeführt worden, Jerusalem bestand noch, doch das Gericht Gottes hatte begonnen, sichtbar in die Geschichte einzubrechen. Unter den Verschleppten befand sich auch Hesekiel. Gerade dort, fern von Jerusalem und dem Tempel, begegnete ihm Gott und machte deutlich, dass seine Gegenwart nicht an einen bestimmten Ort gebunden war.
Das ist für das Verständnis Hesekiels entscheidend. Er war nicht einfach ein religiöser Beobachter einer nationalen Krise, sondern selbst Teil jener Generation, die die Folgen des jahrzehntelangen Abfalls Judas erlebte. Zugleich gehörte er als Sohn Busis zur priesterlichen Linie. Seine Herkunft verband ihn mit dem Heiligtum und dem Dienst vor Gott, doch sein eigentlicher prophetischer Auftrag begann nicht im Tempel von Jerusalem, sondern unter den Weggeführten am Fluss Kebar.
Das Buch Hesekiel ist deshalb von Anfang an von einer besonderen Spannung geprägt. Gottes Volk befindet sich unter fremder Herrschaft, viele vertraute Sicherheiten geraten ins Wanken, und dennoch ist Gott weder machtlos noch abwesend. Hesekiel muss lernen und verkündigen, dass der Gott Israels auch im Exil herrscht, Sünde ernst nimmt und sein Gericht nicht willkürlich vollzieht. Gleichzeitig bleibt Gericht nicht Gottes letztes Wort über sein Volk.
Der erste sichere Blick auf Hesekiel führt damit zu einem Mann unter den Verschleppten, dessen bisheriges Leben nur knapp beschrieben wird. Die Bibel berichtet nichts über seine Kindheit oder Jugend. Erst in dieser Krisenzeit tritt er hervor – und seine Geschichte beginnt mit einer Begegnung, in der sich Gottes Herrlichkeit auf überwältigende Weise offenbart und sein bisheriges Leben eine neue Richtung erhält.
Hesekiel unter den Weggeführten
Hesekiel 1,1-3 – „1 Es begab sich im dreißigsten Jahre, am fünften Tage des vierten Monats, als ich unter den Gefangenen war am Flusse Kebar, daß sich der Himmel öffnete und ich Erscheinungen Gottes sah. 2 Am fünften Tage jenes Monats (es war das fünfte Jahr der Gefangenschaft des Königs Jojachin) 3 erging das Wort des HERRN an Ezechiel, den Sohn Busis, den Priester, im Lande der Chaldäer am Flusse Kebar, und die …"
Hesekiel 1,1-3 – „1 Es begab sich im dreißigsten Jahre, am fünften Tage des vierten Monats, als ich unter den Gefangenen war am Flusse Kebar, daß sich der Himmel öffnete und ich Erscheinungen Gottes sah. 2 Am fünften Tage jenes Monats (es war das fünfte Jahr der Gefangenschaft des Königs Jojachin) 3 erging das Wort des HERRN an Ezechiel, den Sohn Busis, den Priester, im Lande der Chaldäer am Flusse Kebar, und die …"
2. Könige 24,10-16 – „10 Zu jener Zeit zogen die Knechte Nebukadnezars, des Königs von Babel, gen Jerusalem herauf, und die Stadt ward belagert. 11 Und Nebukadnezar, der König von Babel, kam zur Stadt, und seine Knechte belagerten sie. 12 Aber Jehojachin, der König von Juda, ging zum König von Babel hinaus, er samt seiner Mutter, seinen Knechten, seinen Obersten und seinen Kämmerern; und der König von Babel nahm ihn g…"
Hesekiel 3,15 – „15 Und ich kam zu den Gefangenen nach Tel-Abib, zu denen, die am Flusse Kebar wohnen, und da sie dort saßen, setzte ich mich auch dorthin und war sieben Tage lang in Staunen versunken unter ihnen."
Hesekiel tritt erstmals unter Menschen hervor, die ihre Heimat verloren hatten. Er befand sich „unter den Weggeführten“ am Fluss Kebar, als das Wort des HERRN zu ihm kam. Damit setzt seine Lebensgeschichte nicht in Jerusalem ein, obwohl seine Herkunft eng mit dem dortigen Heiligtumsdienst verbunden war, sondern in der Fremde. Die Verschleppung war für ihn keine entfernte politische Nachricht. Er selbst gehörte zu denen, die aus Juda fortgeführt worden waren und nun unter babylonischer Herrschaft lebten.
Das Buch nennt ihn ausdrücklich „Hesekiel, den Sohn Busis, den Priester“. Damit ist zumindest sicher, dass er aus einer priesterlichen Familie stammte. Ob und in welchem Umfang Hesekiel vor seiner Verschleppung selbst bereits priesterlichen Dienst ausgeübt hatte, sagt der Text nicht. Seine Herkunft war dennoch bedeutsam, denn viele Themen seines späteren prophetischen Dienstes berühren die Heiligkeit Gottes, den Tempel, den Priesterdienst, Reinheit und die Gegenwart des HERRN. Doch bevor diese Zusammenhänge entfaltet werden, stellt die Bibel Hesekiel zunächst schlicht als einen Priester inmitten eines verschleppten Volkes vor.
Seine Situation hängt unmittelbar mit König Jojachin zusammen. Jahre zuvor hatte Babylon Jerusalem bedrängt, und Jojachin war zusammen mit seiner Familie, führenden Männern, Kriegern und Handwerkern weggeführt worden. Der biblische Bericht in 2. Könige 24 macht deutlich, dass die Verschleppung einen beträchtlichen Teil der gesellschaftlich bedeutenden Bevölkerung Judas traf. Hesekiel gehörte zu dieser Welt der Weggeführten. Jerusalem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig zerstört, doch Juda befand sich bereits tief im Gericht, das die Propheten wegen des fortgesetzten Abfalls des Volkes angekündigt hatten.
Hesekiel datiert seine Berufung ausdrücklich in das fünfte Jahr der Wegführung König Jojachins. Dadurch erhält sein Auftreten einen festen Platz innerhalb dieser Krise. Während in Juda noch ein König auf dem Thron saß und der Tempel noch stand, lebte ein Teil des Bundesvolkes bereits im Exil. Diese Zwischenzeit ist wichtig: Die endgültige Katastrophe Jerusalems lag noch vor ihnen. Hesekiels prophetischer Dienst begann also in einer Situation, in der das Gericht bereits Realität geworden war, seine schwersten Folgen aber noch nicht vollständig eingetreten waren.
Zu Beginn seines Buches erwähnt Hesekiel außerdem ein „dreißigstes Jahr“. Worauf sich diese Angabe genau bezieht, erklärt der Text nicht ausdrücklich. Häufig wird sie mit Hesekiels Lebensalter verbunden, doch die Bibel sagt nicht eindeutig: „Hesekiel war dreißig Jahre alt.“ Deshalb sollte aus dieser Zahl keine Sicherheit gewonnen werden, die der Text selbst nicht gibt. Sicher ist dagegen die zweite Zeitangabe: Es war der fünfte Tag des vierten Monats im fünften Jahr der Wegführung Jojachins, als das Wort Gottes zu Hesekiel kam.
Später berichtet Hesekiel, dass er bei den Weggeführten in Tel-Abib am Kebar wohnte. Dort saß er sieben Tage lang überwältigt unter ihnen. Diese kurze Angabe lässt erkennen, dass sein Auftrag nicht aus sicherer Entfernung an Menschen gerichtet war, deren Leid er nur beobachtete. Er lebte mitten unter denen, zu denen Gott ihn senden würde. Ihre Verbannung war auch seine Lebenswirklichkeit, und die Botschaften über Schuld, Gericht und Hoffnung würden in genau diese Gemeinschaft hineingesprochen werden.
Gerade an diesem Ort geschah jedoch etwas, das Hesekiels gesamtes weiteres Leben bestimmen sollte: „Die Hand des HERRN“ kam über ihn. Der Gott Israels hatte sein Volk auch außerhalb Judas nicht verlassen, und seine prophetische Offenbarung war nicht an Jerusalem gebunden. Bevor Hesekiel eine Botschaft ausrichten, warnen oder Hoffnung verkündigen konnte, musste er selbst der Herrlichkeit dessen begegnen, der ihn berief. Am Kebar öffnete sich für ihn der Himmel, und damit begann sein Dienst als Prophet Gottes.
Hesekiel sieht die Herrlichkeit Gottes
Hesekiel 1,4-28 – „4 Ich schaute aber, und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke, unaufhörlich blitzend und von einem Strahlenglanz umgeben; mitten drin aber, inmitten des Feuers, war es wie der Silberblick des Erzes. 5 Und mitten drin die Gestalt von vier lebendigen Wesen, und dies war ihr Aussehen: sie hatten Menschengestalt; 6 ein jedes hatte vier Gesichter und ein jedes vier Flügel. 7 Ihre F…"
Hesekiel 1,4-28 – „4 Ich schaute aber, und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke, unaufhörlich blitzend und von einem Strahlenglanz umgeben; mitten drin aber, inmitten des Feuers, war es wie der Silberblick des Erzes. 5 Und mitten drin die Gestalt von vier lebendigen Wesen, und dies war ihr Aussehen: sie hatten Menschengestalt; 6 ein jedes hatte vier Gesichter und ein jedes vier Flügel. 7 Ihre F…"
Hesekiel 3,22-23 – „22 Und die Hand des Herrn kam daselbst über mich, und er sprach zu mir: Stehe auf, gehe in das Tal hinaus, damit ich dort mit dir rede! 23 Als ich mich nun aufgemacht hatte und in das Tal hinausgegangen war, siehe, da stand daselbst die Herrlichkeit des HERRN, gleich der Herrlichkeit, welche ich bei dem Flusse Kebar gesehen hatte. Da fiel ich auf mein Angesicht nieder;"
Was sich Hesekiel am Kebar eröffnete, war keine gewöhnliche prophetische Botschaft. Noch bevor Gott ihm erklärte, was er tun sollte, wurde ihm eine überwältigende Schau seiner Herrlichkeit gegeben. Hesekiel sah einen gewaltigen Sturmwind aus dem Norden kommen, eine große Wolke, Feuer und einen strahlenden Glanz. Aus diesem Feuer trat eine Erscheinung hervor, deren einzelne Bilder der Prophet sorgfältig beschreibt und zugleich immer wieder erkennen lässt, dass menschliche Sprache nur begrenzt ausdrücken konnte, was ihm gezeigt wurde.
Im Mittelpunkt der unteren Ebene der Vision standen vier lebendige Wesen. Jedes von ihnen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Ihre Gestalt verband menschliche Züge mit den Gesichtern eines Menschen, eines Löwen, eines Stieres und eines Adlers. Hesekiel beschreibt außerdem Feuer zwischen den Wesen und ein blitzartiges Hin- und Hergehen. Später wird er ausdrücklich erkennen, dass es sich bei diesen Wesen um Cherubim handelt; in dieser ersten Vision schildert er jedoch zunächst einfach das, was er sah. Entscheidend ist nicht, für jedes einzelne Merkmal eine verborgene Bedeutung zu erfinden, sondern der Bewegung der Vision zu folgen.
Neben jedem der vier Wesen erschien ein Rad auf der Erde. Die Räder waren ungewöhnlich gestaltet: Ein Rad schien sich innerhalb eines anderen zu befinden, sodass sie sich in verschiedene Richtungen bewegen konnten, ohne sich beim Fortgehen drehen zu müssen. Ihre Felgen werden als hoch und furchteinflößend beschrieben und waren ringsum voller Augen. Wenn sich die lebendigen Wesen bewegten, bewegten sich auch die Räder; wenn die Wesen stehen blieben, standen auch sie still. Hesekiel begründet diese Einheit damit, dass der Geist der Wesen in den Rädern war.
Über den Wesen spannte sich etwas aus, das Hesekiel mit einer glänzenden, ehrfurchtgebietenden Fläche vergleicht. Unter dieser Ausdehnung bewegten sich die Flügel der Wesen, und ihr Rauschen erschien ihm wie mächtige Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen oder wie der Lärm eines Heeres. Sobald eine Stimme von oben kam, standen die Wesen still. Damit richtet sich der Blick zunehmend weg von den eindrucksvollen Erscheinungen unterhalb der Ausdehnung auf den eigentlichen Mittelpunkt der Vision über ihnen.
Dort sah Hesekiel etwas, das wie ein Thron aus Saphirstein erschien. Über dem Thron befand sich eine Gestalt, die einem Menschen ähnlich war und von strahlendem Feuer und Glanz umgeben wurde. Hesekiel vermeidet dabei auffällig jede Sprache, die den Eindruck erwecken könnte, er habe Gottes Wesen vollständig gesehen oder beschrieben. Er spricht wiederholt von „Aussehen“, „Gestalt“ und Ähnlichkeit. Am Ende fasst er das Gesehene als „die Erscheinung der Herrlichkeit des HERRN“ zusammen. Die Vision führte ihn also nicht zur Beherrschung göttlicher Geheimnisse, sondern zur ehrfürchtigen Erkenntnis der Gegenwart Gottes.
Besonders bemerkenswert ist der Ort dieser Offenbarung. Gottes Herrlichkeit erschien Hesekiel nicht im Tempel von Jerusalem, sondern im Land der Verbannung. Die bewegliche Erscheinung mit den lebendigen Wesen und den Rädern lässt erkennen, dass Gottes Herrschaft nicht auf einen Tempel, eine Stadt oder die Grenzen Judas beschränkt war. Babylon hatte militärische Macht über die Weggeführten gewonnen, aber nicht über den Gott Israels. Der Thron, den Hesekiel sah, stand über allem, was sich darunter bewegte.
Später wurde Hesekiel erneut an diese erste Offenbarung erinnert. Als die Hand des HERRN über ihn kam und er in die Ebene hinausgehen sollte, sah er dort wieder die Herrlichkeit Gottes, „wie die Herrlichkeit, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte“. Damit wurde die erste Vision zu einem grundlegenden Bezugspunkt seines prophetischen Lebens. Was auch immer Hesekiel künftig verkünden musste, geschah unter dem Eindruck dieses Gottes, dessen Herrlichkeit größer war als die Krise seines Volkes.
Hesekiels unmittelbare Reaktion war weder Neugier noch Selbstbewusstsein. Als er die Erscheinung der Herrlichkeit des HERRN sah, fiel er auf sein Angesicht. Erst dann hörte er die Stimme dessen, der zu ihm sprach. Bevor Hesekiel selbst zum Sprecher Gottes werden konnte, stand er somit als überwältigter Mensch vor dem göttlichen Thron. Aus dieser Begegnung heraus begann seine eigentliche Berufung.
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Hesekiel wird zum Propheten berufen
Hesekiel 2,1-10 – „1 Und er sprach zu mir: Menschensohn, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden! 2 Da kam der Geist in mich, sobald er zu mir redete; der stellte mich auf meine Füße, und ich hörte den, der mit mir redete. 3 Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israel, zu den widerspenstigen Heiden, die sich wider mich empört haben; sie und ihre Väter haben wider mich gesü…"
Hesekiel 2,1-10 – „1 Und er sprach zu mir: Menschensohn, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden! 2 Da kam der Geist in mich, sobald er zu mir redete; der stellte mich auf meine Füße, und ich hörte den, der mit mir redete. 3 Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israel, zu den widerspenstigen Heiden, die sich wider mich empört haben; sie und ihre Väter haben wider mich gesü…"
Hesekiel 3,1-11 – „1 Und er sprach zu mir: Menschensohn, iß, was du hier vorfindest, iß diese Rolle und gehe hin, rede zum Hause Israel! 2 Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir jene Rolle zu essen. 3 Und er sprach zu mir: Speise deinen Leib und fülle deine Eingeweide mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Da aß ich, und es war in meinem Munde so süß wie Honig. 4 Da sprach er zu mir: Menschensohn, gehe hin zum Hau…"
Hesekiel 3,14 – „14 Als mich nun der Geist erhob und wegnahm, ging ich erbittert in grimmigem Zorn, und die Hand des Herrn lag fest auf mir."
Nachdem Hesekiel vor der Herrlichkeit Gottes auf sein Angesicht gefallen war, begann Gott unmittelbar mit seiner Berufung. Er redete ihn als „Menschensohn“ an und befahl ihm aufzustehen. Hesekiel erhob sich jedoch nicht aus eigener Kraft. Er berichtet, dass der Geist in ihn kam und ihn auf seine Füße stellte. Schon der Beginn seines Dienstes zeigt damit eine grundlegende Ordnung: Der Prophet sollte im Auftrag Gottes stehen, aber die Fähigkeit dazu kam nicht aus ihm selbst.
Gott sandte Hesekiel zu den Kindern Israel, die er als ein widerspenstiges Volk bezeichnete. Ihr Widerstand gegen Gott war keine neue Entwicklung der Verbannung. Der HERR erinnerte daran, dass schon ihre Väter gegen ihn gehandelt hatten und dass diese Haltung bis in Hesekiels Gegenwart fortbestand. Der Prophet wurde deshalb nicht zu Menschen geschickt, von denen automatisch Zustimmung zu erwarten war. Seine Aufgabe bestand darin, Gottes Wort treu auszurichten, unabhängig davon, wie die Hörer darauf reagieren würden.
Diese Trennung zwischen Hesekiels Verantwortung und der Reaktion des Volkes war für seinen Auftrag entscheidend. Gott sagte ihm sinngemäß, dass die Menschen erkennen sollten, dass ein Prophet unter ihnen gewesen war, ob sie nun hörten oder es unterließen. Hesekiels Erfolg wurde also nicht daran gemessen, wie viele Menschen seine Botschaft annahmen. Entscheidend war zunächst, dass er tatsächlich sagte, was Gott ihm auftrug. Damit wurde ihm von Anfang an jede Freiheit genommen, die Botschaft nach der erwarteten Reaktion seiner Zuhörer zu verändern.
Zugleich warnte Gott ihn davor, sich von Widerstand einschüchtern zu lassen. Hesekiel würde unter Menschen reden, deren Haltung mit Dornen, Disteln und Skorpionen verglichen wird. Das Bild beschreibt die Härte seiner Umgebung, nicht eine körperliche Eigenschaft seiner Zuhörer. Gerade deshalb sollte Hesekiel ihre Worte und ihre ablehnenden Gesichter nicht fürchten. Der Dienst des Propheten verlangte Mut, aber dieser Mut beruhte darauf, dass er wusste, von wem sein Auftrag kam.
Dann sah Hesekiel eine ausgestreckte Hand, die ihm eine Schriftrolle entgegenhielt. Als sie vor ihm ausgebreitet wurde, war sie auf Vorder- und Rückseite beschrieben; ihr Inhalt bestand aus Klagen, Seufzen und Wehe. Bevor Hesekiel diese Botschaft anderen verkünden durfte, sollte er die Rolle selbst essen. Die Handlung machte sichtbar, dass Gottes Wort nicht lediglich äußerlich weitergegeben werden sollte. Der Prophet musste es zuerst selbst aufnehmen.
Hesekiel gehorchte und aß die Rolle. Trotz ihres schweren Inhalts war sie in seinem Mund „süß wie Honig“. Das bedeutet nicht, dass Gericht, Leid und Wehe an sich erfreulich gewesen wären. Die Süße lag vielmehr darin, dass es Gottes Wort war und Hesekiel es gehorsam empfing. Was er später verkündigen sollte, musste zuerst Teil seines eigenen prophetischen Auftrags werden. Er sollte nicht seine persönlichen Gedanken, politischen Einschätzungen oder religiösen Wünsche verkünden, sondern das, was Gott ihm gegeben hatte.
Gott machte ihm außerdem deutlich, dass sprachliche Verständlichkeit nicht das eigentliche Problem seines Dienstes sein würde. Hesekiel wurde nicht zu einem fremden Volk mit einer für ihn unverständlichen Sprache gesandt, sondern zum Haus Israel. Gerade darin lag die Schwere seines Auftrags: Seine eigenen Landsleute konnten verstehen, was er sagte, wollten aber nicht notwendigerweise darauf hören. Ihr Widerstand war deshalb nicht in fehlendem Verständnis begründet, sondern in ihrer Haltung gegenüber Gott.
Dem Widerstand des Volkes stellte Gott die Festigkeit entgegen, die er Hesekiel geben würde. Sein Gesicht und seine Stirn sollten gegenüber ihren Gesichtern und ihrer Härte standhalten können. Diese Zusage machte Hesekiel nicht zu einem gefühllosen Menschen, sondern rüstete ihn für einen Dienst aus, in dem Treue wichtiger sein würde als Zustimmung. Anschließend forderte Gott ihn auf, alle seine Worte zunächst in seinem Herzen aufzunehmen und mit seinen Ohren zu hören, bevor er sie den Weggeführten verkündete.
Als die Erscheinung sich schließlich von ihm entfernte, ging Hesekiel nicht unberührt weiter. Er beschreibt, dass der Geist ihn emporhob und dass er „erbittert im Grimm seines Geistes“ ging, während die Hand des HERRN stark auf ihm lag. Der genaue Umfang seiner inneren Reaktion wird nicht weiter erklärt, deshalb sollte sie nicht psychologisch ausgeschmückt werden. Sicher ist jedoch: Die Berufung hatte ihn tief getroffen. Mit der Herrlichkeit Gottes vor Augen und seinem Wort in sich kehrte Hesekiel nun zu den Weggeführten zurück, denen er diese schwere Botschaft auszurichten hatte.
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Hesekiel wird zum Wächter für Israel
Hesekiel 3,15-21 – „15 Und ich kam zu den Gefangenen nach Tel-Abib, zu denen, die am Flusse Kebar wohnen, und da sie dort saßen, setzte ich mich auch dorthin und war sieben Tage lang in Staunen versunken unter ihnen. 16 Aber nach sieben Tagen erging das Wort des HERRN an mich. 17 Er sprach: Menschensohn, ich habe dich zum Wächter bestellt für das Haus Israel; wenn du aus meinem Munde ein Wort vernommen hast, so soll…"
Hesekiel 3,15-21 – „15 Und ich kam zu den Gefangenen nach Tel-Abib, zu denen, die am Flusse Kebar wohnen, und da sie dort saßen, setzte ich mich auch dorthin und war sieben Tage lang in Staunen versunken unter ihnen. 16 Aber nach sieben Tagen erging das Wort des HERRN an mich. 17 Er sprach: Menschensohn, ich habe dich zum Wächter bestellt für das Haus Israel; wenn du aus meinem Munde ein Wort vernommen hast, so soll…"
Hesekiel 33,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Menschensohn, rede mit den Kindern deines Volks und sage zu ihnen: Wenn ich das Schwert über ein Land bringe, so nimmt das Volk des Landes einen Mann aus seiner Mitte und bestellt ihn zu seinem Wächter. 3 Wenn nun dieser das Schwert über sein Land kommen sieht, so stößt er in die Posaune und warnt das Volk. 4 Wenn dann jemand den Schall der Posaune …"
Hesekiel 3,22-27 – „22 Und die Hand des Herrn kam daselbst über mich, und er sprach zu mir: Stehe auf, gehe in das Tal hinaus, damit ich dort mit dir rede! 23 Als ich mich nun aufgemacht hatte und in das Tal hinausgegangen war, siehe, da stand daselbst die Herrlichkeit des HERRN, gleich der Herrlichkeit, welche ich bei dem Flusse Kebar gesehen hatte. Da fiel ich auf mein Angesicht nieder; 24 und der Geist kam in mic…"
Nach seiner Berufung kam Hesekiel zu den Weggeführten nach Tel-Abib am Fluss Kebar. Dort setzte er sich mitten unter ihnen nieder und blieb sieben Tage lang wie betäubt. Der Text beschreibt nicht im Einzelnen, was während dieser Zeit in ihm vorging. Sicher ist nur, dass die Begegnung mit Gottes Herrlichkeit und der empfangene Auftrag ihn tief getroffen hatten. Erst nach diesen sieben Tagen erging erneut das Wort des HERRN an ihn.
Nun erklärte Gott Hesekiel mit einem eindrücklichen Bild, welche Verantwortung sein prophetischer Dienst mit sich brachte: „Menschensohn, ich habe dich dem Hause Israel zum Wächter gesetzt.“ Ein Wächter hatte die Aufgabe, eine drohende Gefahr rechtzeitig zu erkennen und davor zu warnen. Hesekiels Auftrag bestand entsprechend darin, Gottes Warnung nicht für sich zu behalten. Wenn er ein Wort aus Gottes Mund hörte, sollte er das Volk in Gottes Namen warnen.
Gott erläuterte diese Verantwortung zunächst am Beispiel eines Gottlosen. Wenn Gott ankündigte, dass dieser wegen seiner Sünde sterben würde, und Hesekiel ihn nicht warnte, würde der Mensch zwar wegen seiner eigenen Schuld sterben, doch Gott würde Hesekiel für das unterlassene Warnen zur Verantwortung ziehen. Warnte der Prophet dagegen und der Betroffene kehrte dennoch nicht um, blieb dessen Entscheidung seine eigene Verantwortung. Hesekiel hatte dann seinen Auftrag erfüllt.
Dasselbe Prinzip galt auch für einen Gerechten, der sich von seinem bisherigen Weg abwandte und Unrecht tat. Hesekiel durfte sich nicht darauf verlassen, dass ein Mensch einmal richtig gelebt hatte und deshalb keine weitere Warnung benötigte. Gottes Ruf zielte auf tatsächliche Treue und Umkehr in der Gegenwart. Der Wächterdienst machte deshalb sowohl die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen als auch Hesekiels Verantwortung als Verkündiger deutlich.
Diese Worte bedeuteten nicht, dass Hesekiel Menschen aus eigener Macht retten oder verurteilen konnte. Er sollte weder über das Herz verfügen noch das endgültige Gericht sprechen, als wäre es sein eigenes. Seine Aufgabe war begrenzter und zugleich ernst: Er musste das empfangene Wort treu weitergeben. Die Entscheidung, darauf zu hören oder sich dagegen zu verschließen, blieb beim Hörer.
Später, als Jerusalems Fall bereits eingetreten war, griff Gott dasselbe Bild des Wächters erneut auf. In Hesekiel 33 wird der Auftrag noch einmal ausführlich erklärt. Dadurch wird sichtbar, dass dieser Gedanke nicht nur zu Beginn seines Dienstes galt, sondern Hesekiels gesamte prophetische Aufgabe prägte. Er war kein bloßer Beobachter der Geschichte, sondern ein von Gott eingesetzter Warner, dessen Worte Menschen vor eine Entscheidung stellten.
Unmittelbar nach der ersten Wächterberufung führte Gott Hesekiel erneut hinaus in die Ebene. Dort sah er wiederum die Herrlichkeit des HERRN, wie zuvor am Kebar, und fiel auf sein Angesicht. Wieder kam der Geist in ihn und stellte ihn auf seine Füße. Die Wiederholung unterstrich, dass Hesekiels Autorität nicht aus seiner Herkunft, Persönlichkeit oder Stellung unter den Weggeführten stammte. Sie beruhte darauf, dass Gott ihn sandte.
Anschließend erhielt Hesekiel eine ungewöhnliche Anweisung. Er sollte sich in seinem Haus einschließen. Der Text spricht außerdem davon, dass ihm Stricke angelegt würden, sodass er nicht frei unter das Volk hinausgehen konnte, und dass Gott seine Zunge an seinem Gaumen haften lassen würde. Wann immer Gott ihm jedoch ein Wort gab, sollte sein Mund geöffnet werden und er sollte verkündigen: „So spricht Gott, der HERR!“ Hesekiels Reden und Schweigen standen damit selbst unter göttlicher Leitung.
Gott fasste die Reaktion der Menschen erneut in die ernsten Worte: Wer hören will, der höre; wer es unterlässt, der unterlasse es. Hesekiel sollte nicht versuchen, durch eigene Worte den Widerstand des Volkes zu überwinden. Sein Dienst begann vielmehr mit einer klaren Grenze zwischen Gottes Botschaft, der Verantwortung des Propheten und der Entscheidung seiner Hörer. Bald sollte dieser Auftrag nicht nur durch gesprochene Worte, sondern auch durch ungewöhnliche Zeichenhandlungen sichtbar werden, die das kommende Gericht über Jerusalem vor Augen stellten.
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Hesekiel stellt die Belagerung Jerusalems dar
Hesekiel 4,1-17 – „1 Und du, Menschensohn, nimm einen Ziegelstein, lege ihn vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem. 2 Und veranstalte eine Belagerung gegen sie und baue einen Belagerungsturm wider sie und schütte einen Wall wider sie auf und stelle Kriegslager wider sie auf und Sturmböcke rings um sie her. 3 Und du, nimm dir eine eiserne Pfanne und stelle sie wie eine eiserne Mauer zwischen dich und die St…"
Hesekiel 4,1-17 – „1 Und du, Menschensohn, nimm einen Ziegelstein, lege ihn vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem. 2 Und veranstalte eine Belagerung gegen sie und baue einen Belagerungsturm wider sie und schütte einen Wall wider sie auf und stelle Kriegslager wider sie auf und Sturmböcke rings um sie her. 3 Und du, nimm dir eine eiserne Pfanne und stelle sie wie eine eiserne Mauer zwischen dich und die St…"
Hesekiel 5,1-4 – „1 Und du, Menschensohn, nimm dir ein scharfes Schwert als Schermesser! Nimm es und fahre damit über dein Haupt und über deinen Bart; darnach nimm eine Waage und teile die Haare ab. 2 Ein Drittel verbrenne im Feuer, mitten in der Stadt, wenn die Tage der Belagerung vollendet sind; ein Drittel nimm und zerhaue es mit dem Schwert rings um sie her; ein Drittel aber zerstreue in den Wind; denn ich wil…"
Hesekiel 5,5-17 – „5 So spricht Gott, der HERR: Das ist Jerusalem! Ich habe sie mitten unter die Heiden gesetzt und Länder rings um sie her. 6 Aber sie hat meinen Rechten frevelhaft widerstanden, mehr als die Heiden, und meinen Satzungen, mehr als die Länder, welche rings um sie her liegen; denn sie haben meine Rechte verachtet und nicht in meinen Satzungen gewandelt. 7 Darum spricht Gott, der HERR, also: Weil ihr …"
Nach seiner Einsetzung zum Wächter erhielt Hesekiel Aufträge, bei denen seine Botschaft nicht nur gesprochen, sondern sichtbar dargestellt werden sollte. Gott befahl ihm, einen Ziegelstein zu nehmen, Jerusalem darauf darzustellen und eine Belagerungsszene um die Stadt aufzubauen. Belagerungswerke, Wall, Heerlager und Sturmböcke sollten das kommende Geschehen vor Augen führen. Zwischen Hesekiel und der dargestellten Stadt sollte außerdem eine eiserne Platte stehen. Auf diese Weise wurde das Gericht über Jerusalem zu einem Zeichen, das die Weggeführten sehen konnten.
Die Handlung war besonders ernst, weil Jerusalem zu diesem Zeitpunkt noch bestand. Der Tempel stand noch, und in Juda lebten weiterhin Menschen, die hoffen konnten, die gegenwärtige Krise werde vorübergehen. Hesekiels Zeichen widersprach einer solchen Sicherheit. Die bereits erfolgte Wegführung war nicht das Ende des angekündigten Gerichts. Die Stadt selbst würde belagert werden, weil der fortgesetzte Abfall des Volkes Folgen hatte.
Darauf erhielt Hesekiel den Auftrag, für bestimmte Zeiträume auf seiner linken und anschließend auf seiner rechten Seite zu liegen. Die dabei genannten 390 und 40 Tage werden ausdrücklich mit der Schuld Israels beziehungsweise Judas verbunden, wobei Hesekiel jeweils „einen Tag für ein Jahr“ tragen sollte. In diesem Zeichen erscheint damit ausdrücklich der biblische Zusammenhang zwischen prophetischem Tag und Jahr. Der Text macht jedoch zugleich klar, dass Hesekiel hier einen konkreten, von Gott angeordneten Zeichenakt vollzog; der Jahr-Tag-Grundsatz darf deshalb nicht beliebig auf jede Zeitangabe der Bibel übertragen werden.
Während dieser Zeit sollte Hesekiel seinen Blick auf die dargestellte Belagerung Jerusalems richten und gegen die Stadt weissagen. Gott kündigte an, dass Hesekiel gebunden sein würde, sodass er sich während der festgesetzten Zeit nicht beliebig von einer Seite auf die andere wenden konnte. Wie die Einzelheiten dieser langen Zeichenhandlung praktisch abliefen, erklärt der Text nicht vollständig. Es wäre deshalb verfehlt, über Hesekiels Tagesablauf oder die genaue Art seiner Bewegung mehr zu behaupten, als offenbart wird. Entscheidend ist die Botschaft des Zeichens: Jerusalem stand unter einem Gericht, dessen Grund in der lang anhaltenden Schuld des Volkes lag.
Auch Hesekiels Nahrung wurde Teil der Darstellung. Gott bestimmte eine Mischung verschiedener Getreide und Hülsenfrüchte, aus der er Brot zubereiten sollte. Nahrung und Wasser wurden genau abgemessen. Damit stellte Hesekiel die Knappheit dar, die während der Belagerung entstehen würde. Später erklärt Gott selbst die Bedeutung: In Jerusalem würden Brot und Wasser knapp werden, die Menschen würden ihre Nahrung mit Sorge zu sich nehmen und wegen ihrer Schuld dahinschwinden.
Eine besonders anstößige Einzelheit des Auftrags betraf die Zubereitung des Brotes. Hesekiel sollte es zunächst über menschlichem Kot backen, als Zeichen dafür, dass Israel unter den Nationen unreines Brot essen würde. Darauf reagierte Hesekiel mit einem persönlichen Einwand. Er verwies darauf, dass er sich bisher nicht durch bestimmte unreine Speisen verunreinigt habe. Gott ging auf seinen Einwand ein und erlaubte ihm, stattdessen Rindermist als Brennmaterial zu verwenden. Diese Szene zeigt keinen Widerstand gegen den prophetischen Auftrag insgesamt, sondern einen konkreten Einspruch, auf den Gott ausdrücklich antwortete.
Anschließend musste Hesekiel sein Haar und seinen Bart mit einem scharfen Schwert abschneiden und die Haare sorgfältig in verschiedene Teile teilen. Ein Drittel sollte er innerhalb der dargestellten Stadt verbrennen, ein Drittel mit dem Schwert ringsum schlagen und ein weiteres Drittel in den Wind zerstreuen. Einige wenige Haare sollte er zunächst in den Saum seines Gewandes binden; selbst von diesen sollte später noch ein Teil ins Feuer geworfen werden. Das Zeichen stellte unterschiedliche Folgen des kommenden Gerichts dar: Tod in der Stadt, Tod durch das Schwert und Zerstreuung unter die Völker.
Gott selbst erklärte, warum Jerusalem einem so schweren Gericht entgegenging. Die Stadt war in besonderer Weise inmitten der Völker gestellt worden, hatte sich aber gegen Gottes Rechtsordnungen und Gebote aufgelehnt. Ihre besondere Stellung vor Gott bedeutete daher nicht Schutz unabhängig von ihrem Verhalten. Gerade die empfangene Offenbarung erhöhte ihre Verantwortung. Hesekiels Zeichenhandlungen machten sichtbar, dass Bundeszugehörigkeit nicht als Garantie gegen Gottes Gericht missverstanden werden durfte.
Diese ersten öffentlichen Zeichen prägten Hesekiels Dienst tief. Ein Priester aus Jerusalem musste unter den Weggeführten darstellen, wie die heilige Stadt belagert, verwüstet und ihre Bevölkerung zerstreut werden würde. Doch das angekündigte Gericht war keine unkontrollierte Katastrophe außerhalb von Gottes Herrschaft. Hesekiels Zeichen sollten erkennen lassen, dass Gott selbst die Sünde seines Volkes zur Rechenschaft zog. Damit wurde die entscheidende Frage immer dringlicher: Was hatte Juda so weit von Gott entfernt, dass selbst Jerusalem und sein Heiligtum nicht vor den Folgen bewahrt blieben?
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Hesekiel kündigt das Gericht über Judas Götzendienst an
Hesekiel 6,1-7 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, richte dein Angesicht gegen die Berge Israels und weissage wider sie und sprich: 3 Ihr Berge Israels, höret das Wort Gottes, des HERRN! So spricht Gott, der HERR, zu den Bergen und Hügeln, zu den Gründen und Tälern: Seht, ich will ein Schwert über euch bringen und eure Höhen verderben. 4 Eure Altäre sollen verwüstet und eure Sonnensäul…"
Hesekiel 6,1-7 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, richte dein Angesicht gegen die Berge Israels und weissage wider sie und sprich: 3 Ihr Berge Israels, höret das Wort Gottes, des HERRN! So spricht Gott, der HERR, zu den Bergen und Hügeln, zu den Gründen und Tälern: Seht, ich will ein Schwert über euch bringen und eure Höhen verderben. 4 Eure Altäre sollen verwüstet und eure Sonnensäul…"
Hesekiel 6,8-14 – „8 Ich will aber etliche von euch übriglassen, die dem Schwert entrinnen sollen unter den Heiden, wenn ihr in die Länder zerstreut werdet. 9 Diejenigen aber von euch, welche entrinnen, werden meiner gedenken bei den Heiden, wohin sie gefangen geführt worden sind, wenn ich ihr buhlerisches Herz, das von mir abgewichen ist, und ihre Augen, die ihren Götzen nachbuhlten, gebrochen habe. Alsdann werden…"
Hesekiel 7,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Du, Menschensohn! So spricht Gott, der HERR, von dem Lande Israel: Das Ende kommt, ja, das Ende über alle vier Landesgegenden! 3 Nun wird das Ende über dich kommen, und ich will meinen Zorn über dich entfesseln und dich nach deinem Wandel richten und dir alle deine Greuel vergelten. 4 Mein Auge soll deiner nicht schonen, und ich will mich deiner nic…"
Hesekiel 7,20-27 – „20 Seinen zierlichen Schmuck haben sie zur Hoffart verwendet, und sie haben ihre greulichen und scheußlichen Bilder daraus gemacht. Darum habe ich es ihnen in Unrat verwandelt 21 und will es den Fremden zum Raub und den Gottlosen auf Erden zur Beute geben, daß sie es entweihen. 22 Und ich will mein Angesicht von ihnen wenden, daß man meinen verborgenen Schatz entheilige; denn es werden Räuber dah…"
Nach den Zeichenhandlungen über die kommende Belagerung erhielt Hesekiel weitere Worte des HERRN, die erklärten, weshalb das Gericht über Juda nicht mehr als eine vorübergehende politische Krise verstanden werden konnte. Gott befahl ihm, sein Angesicht gegen die Berge Israels zu richten und gegen sie zu weissagen. Gemeint waren nicht die Berge als schuldige Schöpfung, sondern die Orte, an denen Israel seine Höhenheiligtümer errichtet und Götzendienst betrieben hatte. Altäre, Räucheraltäre und Götzenbilder waren zu sichtbaren Zeugen eines Abfalls geworden, der nun seine Folgen tragen sollte.
Hesekiel kündigte an, dass diese Kultstätten zerstört würden. Die Höhen sollten verwüstet, die Altäre niedergerissen und die Götzenbilder zerbrochen werden. Sogar die Leichname der getöteten Israeliten sollten vor ihren Götzen liegen. Das, worauf Menschen statt auf den HERRN vertraut hatten, würde ihnen im Gericht weder Schutz noch Rettung geben können. Damit traf die Botschaft nicht nur einzelne religiöse Verfehlungen, sondern eine tiefgreifende Verkehrung des Bundesverhältnisses: Israel hatte sich von dem Gott abgewandt, der es zu seinem Volk gemacht hatte.
Doch mitten in dieser Gerichtsankündigung erschien bereits ein Gedanke, der für Hesekiels spätere Verkündigung immer wichtiger werden sollte. Gott erklärte, dass er einen Rest übriglassen werde. Einige würden dem Schwert entkommen und unter die Völker zerstreut werden. Dort sollten sie sich an den HERRN erinnern und erkennen, wie schwer ihr Abfall von ihm gewogen hatte. Das Gericht bedeutete daher nicht, dass Gott seinen Erlösungsplan aufgegeben hatte. Selbst in der Zerstreuung blieb sein Ziel bestehen, Menschen zur Erkenntnis ihrer Schuld und zurück zu sich zu führen.
Auffällig ist dabei eine Formulierung, die sich durch das Buch Hesekiel immer wieder zieht: „Sie sollen erkennen, dass ich der HERR bin.“ Diese Erkenntnis sollte sowohl durch Gericht als auch später durch Wiederherstellung entstehen. Gottes Handeln richtete sich gegen die Vorstellung, seine Warnungen seien leere Worte oder die Geschichte werde unabhängig von seinem Willen verlaufen. Wenn das Angekündigte eintraf, sollte sichtbar werden, dass der HERR wirklich gesprochen hatte.
In der folgenden Botschaft verschärfte sich der Ton. Hesekiel hörte: „Das Ende kommt.“ Über das Land sollte das von Gott angekündigte Gericht hereinbrechen, und die Zeit des Aufschubs ging ihrem Ende entgegen. Der Prophet sollte nicht den Eindruck erwecken, als könne religiöse Zugehörigkeit die Folgen fortgesetzter Rebellion auf unbestimmte Zeit verhindern. Gott erklärte ausdrücklich, dass er nach den Wegen des Volkes richten und ihm seine Gräuel vor Augen stellen werde.
Dabei richtet sich Hesekiels Verkündigung gegen falsche Sicherheiten. Silber und Gold würden am Tag des Gerichts nicht retten können. Besitz, wirtschaftliche Möglichkeiten und menschliche Stärke boten keinen Schutz vor einer Krise, deren eigentliche Ursache geistlicher Natur war. Gerade die Dinge, die Menschen zu ihrem Stolz gemacht hatten, waren teilweise für den Götzendienst benutzt worden. Der äußere Wohlstand konnte deshalb die innere Entfernung von Gott nicht verdecken.
Auch das Heiligtum erscheint in dieser Botschaft nicht als unangreifbare Garantie. Gott kündigte an, dass sein Heiligtum entweiht werden würde. Das war besonders schwerwiegend für ein Volk, dessen Identität eng mit Jerusalem und dem Tempel verbunden war, und ebenso für Hesekiel mit seiner priesterlichen Herkunft. Doch die Heiligkeit des Tempels konnte nicht dazu benutzt werden, dauerhaften Ungehorsam zu rechtfertigen. Gottes Gegenwart bestätigte nicht automatisch alles, was Menschen unter dem Schutz religiöser Formen taten.
Am Ende der Gerichtsankündigung beschreibt Hesekiel eine Gesellschaft, in der die gewohnten Ordnungen versagen: Der König trauert, der Fürst ist verzweifelt, und die Hände des Volkes erschlaffen. Menschen suchen Weisung, doch die vertrauten religiösen und politischen Sicherheiten tragen nicht mehr. Wieder endet die Botschaft mit demselben Ziel: Sie sollen erkennen, dass er der HERR ist. Hesekiels Dienst bestand damit zunehmend darin, die Weggeführten von falschen Hoffnungen wegzuführen und ihnen die geistlichen Ursachen der kommenden Katastrophe vor Augen zu stellen.
Noch stand Jerusalem, und noch befand sich dort der Tempel. Doch Hesekiel sollte bald in einer neuen Vision sehen, was innerhalb dieses Heiligtums geschah. Damit wurde ihm nicht nur angekündigt, dass Gottes Gericht kommen würde; ihm wurde gezeigt, wie tief der Abfall selbst an dem Ort vorgedrungen war, der eigentlich der Anbetung des HERRN geweiht sein sollte.
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Hesekiel sieht den Abfall im Tempel
Hesekiel 8,1-6 – „1 Im sechsten Jahr, am fünften Tage des sechsten Monats, begab es sich, daß ich in meinem Hause saß, und die Ältesten Judas saßen vor mir; daselbst fiel die Hand Gottes, des HERRN, auf mich. 2 Und ich schaute, und siehe, ein Bild wie eine Menschengestalt; von seinen Lenden abwärts war es anzusehen wie Feuer, aufwärts aber war es anzusehen wie ein Glanz, gleich dem Anblick des Golderzes. 3 Und es …"
Hesekiel 8,1-6 – „1 Im sechsten Jahr, am fünften Tage des sechsten Monats, begab es sich, daß ich in meinem Hause saß, und die Ältesten Judas saßen vor mir; daselbst fiel die Hand Gottes, des HERRN, auf mich. 2 Und ich schaute, und siehe, ein Bild wie eine Menschengestalt; von seinen Lenden abwärts war es anzusehen wie Feuer, aufwärts aber war es anzusehen wie ein Glanz, gleich dem Anblick des Golderzes. 3 Und es …"
Hesekiel 8,7-18 – „7 Und er führte mich zum Tor des Vorhofs; und ich schaute, und siehe, da war ein Loch in der Wand! 8 Da sprach er zu mir: Menschensohn, brich doch durch die Wand! Als ich nun durch die Wand brach, siehe, da war eine Tür. 9 Und er sprach zu mir: Komm und siehe die schlimmen Greuel, welche sie hier verüben! 10 Da ging ich hinein und schaute, und siehe, da waren allerlei Bildnisse von Reptilien und …"
Hesekiel 9,1-11 – „1 Und er rief mir mit lauter Stimme in die Ohren und sprach: Nahet herzu, ihr Heimsuchungen der Stadt! Ein jeder nehme seine Mordwaffe zur Hand! 2 Und siehe, da kamen sechs Männer des Weges vom obern Tor her, welches nach Norden schaut, und ein jeder hatte seine Zerstörungswaffe in der Hand; in ihrer Mitte aber war ein Mann, der trug ein leinenes Kleid und hatte ein Schreibzeug an der Seite; dies…"
Im sechsten Jahr der Wegführung König Jojachins saß Hesekiel in seinem Haus, während die Ältesten Judas vor ihm versammelt waren. Wieder kam die Hand Gottes, des HERRN, über ihn. Hesekiel sah eine Erscheinung von Feuer und Glanz, die an die Herrlichkeit erinnerte, der er bereits am Kebar begegnet war. Der Geist hob ihn in der Vision zwischen Erde und Himmel empor und brachte ihn nach Jerusalem zum Eingang des inneren Tores. Damit wurde Hesekiel aus der Gemeinschaft der Weggeführten heraus in einer prophetischen Schau an den Ort geführt, dessen kommendes Gericht er zuvor angekündigt hatte.
Dort sah er erneut die Herrlichkeit des Gottes Israels. Zugleich befand sich am Eingang ein Götzenbild, das Gott zum Zorn reizte. Der Gegensatz konnte kaum größer sein: An dem Ort, der der Gegenwart und Anbetung des HERRN geweiht war, hatte sich Götzendienst ausgebreitet. Gott fragte Hesekiel, ob er sehe, welche großen Gräuel das Haus Israel dort verübte. Die Entweihung des Heiligtums war damit nicht nur eine Randerscheinung im Volk; sie reichte bis in den Bereich hinein, der in besonderer Weise Gott gehörte.
Dann wurde Hesekiel angewiesen, durch eine Öffnung in einer Wand zu gehen. Dahinter fand er einen Raum, dessen Wände mit Darstellungen von kriechenden Tieren, unreinen Wesen und Götzen Israels bedeckt waren. Siebzig Männer aus den Ältesten Israels standen dort mit Räucherpfannen in den Händen. Unter ihnen nennt der Text Jaasanja, den Sohn Schaphans. Hesekiel sollte erkennen, was führende Männer Israels im Verborgenen taten.
Ihre Haltung wird ausdrücklich wiedergegeben: Sie meinten, der HERR sehe sie nicht und habe das Land verlassen. Diese Aussage offenbart einen wesentlichen Teil ihres Irrtums. Weil Juda unter schwerem politischen Druck stand und bereits Menschen verschleppt worden waren, deuteten sie Gottes scheinbare Ferne offenbar so, als könne ihr verborgenes Handeln seinem Blick entgehen. Doch gerade die Vision Hesekiels widerlegte diese Vorstellung. Was im Verborgenen geschah, war Gott vollständig bekannt.
Die Schau führte Hesekiel weiter. Am Eingang des Tores zum Haus des HERRN sah er Frauen sitzen, die den Tammus beweinten. Anschließend wurde er in den inneren Vorhof gebracht. Dort befanden sich etwa fünfundzwanzig Männer zwischen Vorhalle und Altar. Statt sich dem Tempel zuzuwenden, kehrten sie dem Heiligtum den Rücken und verneigten sich nach Osten vor der Sonne. Verschiedene Formen fremder Anbetung hatten sich damit bis in unmittelbare Nähe des heiligen Bereichs ausgebreitet.
Gott erklärte Hesekiel, dass der Abfall nicht auf diese religiösen Handlungen beschränkt war. Juda hatte auch das Land mit Gewalttat erfüllt und Gott immer wieder zum Zorn gereizt. Damit verbindet der Text falsche Anbetung mit einem verderbten Leben. Die Menschen konnten den HERRN nicht im Heiligtum verwerfen und zugleich erwarten, dass ihr übriges Verhalten von dieser Abkehr unberührt blieb. Das Gericht, das Hesekiel ankündigte, galt deshalb einer umfassenden Rebellion gegen Gott.
Nun wechselte die Vision von der Enthüllung der Gräuel zur Vollstreckung des Gerichts. Hesekiel hörte einen lauten Ruf, und mehrere Gestalten traten heran, die mit Werkzeugen des Gerichts ausgerüstet waren. Unter ihnen befand sich ein Mann in leinenen Kleidern mit einem Schreibzeug. Die Herrlichkeit Gottes erhob sich von dem Cherub, über dem sie gewesen war, zur Schwelle des Hauses. Von dort erging der Auftrag, durch Jerusalem zu gehen.
Der Mann in Leinen sollte ein Zeichen an die Stirn derjenigen setzen, die über die Gräuel in der Stadt seufzten und jammerten. Die Vision unterscheidet damit innerhalb des gerichtsreifen Jerusalem zwischen Menschen, die sich mit dem herrschenden Abfall identifizierten, und solchen, die darunter litten. Das Zeichen selbst war kein Verdienst dieser Menschen, sondern kennzeichnete sie innerhalb der Gerichtsschau als diejenigen, die verschont werden sollten. Gott sah nicht nur die öffentliche Zugehörigkeit zu Jerusalem, sondern die tatsächliche Haltung gegenüber der Sünde.
Das Gericht begann beim Heiligtum. Hesekiel war von der Schwere dessen, was er sah, so getroffen, dass er auf sein Angesicht fiel und zu Gott rief. Er fragte, ob der HERR den ganzen Rest Israels vernichten werde. Gottes Antwort verwies erneut auf die große Schuld des Landes und auf die falsche Vorstellung, Gott sehe nicht. Schließlich kehrte der Mann mit dem Schreibzeug zurück und berichtete, dass er den Auftrag ausgeführt habe.
Für Hesekiel musste diese Vision besonders tiefgreifend sein. Als Priester stammte er aus einer Welt, deren Mittelpunkt der Tempel gewesen war. Nun sah er, dass die bloße Existenz des Heiligtums keine Sicherheit bot, wenn die Menschen den Gott des Heiligtums verwarfen. Noch erschütternder war jedoch, was die Vision als Nächstes offenbarte: Die Herrlichkeit des HERRN begann sich vom Tempel zu entfernen.
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Gottes Herrlichkeit verlässt den Tempel
Hesekiel 10,1-22 – „1 Und ich schaute, und siehe, auf dem Firmament, das über dem Haupte der Cherubim war, befand sich etwas wie ein Saphirstein; etwas, das wie ein Throngebilde aussah, erschien über ihnen. 2 Und er redete mit dem Mann, der das leinene Kleid trug, und sagte: Gehe hinein zwischen die Räder unter dem Cherub und fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und sprenge sie übe…"
Hesekiel 10,1-22 – „1 Und ich schaute, und siehe, auf dem Firmament, das über dem Haupte der Cherubim war, befand sich etwas wie ein Saphirstein; etwas, das wie ein Throngebilde aussah, erschien über ihnen. 2 Und er redete mit dem Mann, der das leinene Kleid trug, und sagte: Gehe hinein zwischen die Räder unter dem Cherub und fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und sprenge sie übe…"
Hesekiel 11,1-13 – „1 Und der Geist hob mich auf und führte mich zum östlichen Tor des Hauses des HERRN, welches gegen Morgen sieht. Und siehe, fünfundzwanzig Männer waren am Eingang des Tors, unter denen ich Jaasanja, den Sohn Assurs, und Pelatja, den Sohn Benajas, die Obersten des Volkes, erblickte. 2 Und er sprach zu mir: Menschensohn, das sind die Leute, welche böse Anschläge machen und schlimmen Rat erteilen in…"
Hesekiel 11,14-25 – „14 Da erging das Wort des HERRN an mich also: 15 Menschensohn, deine Brüder, ja, deine Brüder, deine Verwandten und das ganze Haus Israel, sie alle sind es, von denen die Einwohner Jerusalems sagen: «Sie sind fern vom HERRN; uns aber ist dieses Land zum Besitztum gegeben!» 16 Darum sollst du zu ihnen sagen: So spricht Gott, der HERR: Ich habe sie wohl fern unter die Nationen getan und in die Länd…"
Die Tempelvision führte Hesekiel nun zu einem ihrer erschütterndsten Augenblicke. Über den Cherubim erschien wiederum etwas wie ein Saphirstein, das die Gestalt eines Thrones hatte. Die Erscheinung knüpfte deutlich an die Herrlichkeit an, die Hesekiel bereits am Kebar gesehen hatte. Was ihm dort in der Fremde begegnet war, zeigte sich nun über dem Tempel in Jerusalem. Doch diesmal beobachtete Hesekiel, wie sich Gottes Herrlichkeit Schritt für Schritt von dem Heiligtum entfernte.
Zunächst erhielt der in Leinen gekleidete Mann den Auftrag, zwischen die Räder unter den Cherubim zu treten, seine Hände mit glühenden Kohlen zu füllen und diese über Jerusalem zu streuen. Das Bild gehört zum Gerichtszusammenhang der Vision. Jerusalem, dessen verborgene und öffentliche Gräuel Hesekiel gerade gesehen hatte, stand unter dem angekündigten Gericht Gottes. Während der Mann seinen Auftrag ausführte, erfüllte die Wolke den inneren Vorhof, und der Glanz der Herrlichkeit des HERRN erfüllte den Tempelbereich.
Hesekiel beschreibt die Cherubim und Räder nun ausführlicher und erkennt ausdrücklich, dass es dieselben lebendigen Wesen waren, die er am Fluss Kebar gesehen hatte. Wieder bewegten sich Wesen und Räder in vollkommener Einheit, und wieder waren die Räder ringsum voller Augen. Die Ähnlichkeiten verbinden beide Visionen miteinander: Der Gott, dessen Herrlichkeit Hesekiel im Exil gesehen hatte, war derselbe Gott, dessen Herrlichkeit über dem Heiligtum Jerusalems erschien. Weder Babylon noch Jerusalem begrenzten seine Herrschaft.
Doch die Bewegung der Herrlichkeit änderte den Charakter der Szene. Die Herrlichkeit des HERRN erhob sich von der Schwelle des Tempels und stellte sich über die Cherubim. Diese breiteten ihre Flügel aus und erhoben sich vor Hesekiels Augen von der Erde. Schließlich standen sie am Eingang des östlichen Tores des Hauses des HERRN, während die Herrlichkeit Gottes über ihnen war. Der Tempel wurde damit nicht plötzlich und ohne Zusammenhang verlassen; Hesekiel sah einen feierlichen, schrittweisen Rückzug der göttlichen Herrlichkeit aus einem Heiligtum, das durch anhaltenden Abfall entweiht worden war.
Am östlichen Tor begegnete Hesekiel fünfundzwanzig Männern, unter ihnen Jaasanja, den Sohn Assurs, und Pelatja, den Sohn Benajas, die als führende Männer des Volkes bezeichnet werden. Gott offenbarte Hesekiel, dass sie verderbliche Pläne fassten und der Stadt falschen Rat gaben. Sie betrachteten Jerusalem offenbar als schützenden Kessel und sich selbst als darin geborgenes Fleisch. Doch Gott kehrte dieses Sicherheitsbild gegen sie: Die Getöteten in der Stadt seien das Fleisch, die Verantwortlichen dagegen würden aus ihr herausgeführt und dem Gericht preisgegeben.
Während Hesekiel weissagte, starb Pelatja, der Sohn Benajas. Wieder fiel Hesekiel auf sein Angesicht und rief zu Gott: „Ach, Herr, HERR! Willst du dem Überrest Israels völlig ein Ende machen?“ Schon zuvor hatte er angesichts des Gerichts ähnlich gebetet. Hesekiel verkündigte das Gericht nicht mit gleichgültiger Distanz. Wenn er die Folgen dessen sah, was Gott ihm offenbart hatte, trat die Frage nach dem Fortbestehen Israels unmittelbar vor ihn.
Gottes Antwort richtete seinen Blick überraschend auf die Weggeführten. Die Bewohner Jerusalems hatten über ihre verschleppten Brüder gesagt, sie seien fern vom HERRN und das Land sei den Zurückgebliebenen zum Besitz gegeben. Gott erklärte jedoch, dass gerade er selbst den Zerstreuten in den Ländern für eine Zeit zum Heiligtum geworden war. Damit wurde eine entscheidende Wahrheit sichtbar: Gottes Gegenwart war nicht an den Besitz Jerusalems oder den Zugang zum Tempel gebunden. Die Menschen im Exil, zu denen Hesekiel gehörte, waren nicht deshalb von Gott verlassen, weil sie fern vom Heiligtum lebten.
Darüber hinaus versprach Gott Sammlung und Wiederherstellung. Er werde die Zerstreuten aus den Völkern zusammenbringen und ihnen das Land Israel wieder geben. Zugleich sollte diese Wiederherstellung tiefer reichen als eine Rückkehr an einen geografischen Ort. Gott versprach ihnen ein anderes Herz und einen neuen Geist; das steinerne Herz sollte entfernt und ihnen ein fleischernes Herz gegeben werden, damit sie in seinen Ordnungen lebten und ihm als sein Volk gehörten. Gehorsam erscheint hier nicht als menschlicher Weg, sich Gottes Annahme zu verdienen, sondern als Frucht eines erneuerten Herzens, das Gott selbst schenkt.
Danach erhoben sich die Cherubim, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war über ihnen. Hesekiel sah, wie sich die Herrlichkeit aus der Mitte der Stadt erhob und auf dem Berg östlich von Jerusalem stehen blieb. Dann brachte ihn der Geist in der Vision zurück zu den Weggeführten nach Chaldäa, und die Schau endete. Hesekiel berichtete den Weggeführten alles, was der HERR ihm gezeigt hatte. Der Tempel von Jerusalem stand äußerlich noch, doch Hesekiel hatte gesehen, dass die entscheidende Sicherheit Israels niemals in einem Gebäude gelegen hatte. Während Gottes Herrlichkeit die gerichtsreife Stadt verließ, öffnete Gott zugleich den Weg zu einer zukünftigen Erneuerung, die im Herzen seines Volkes beginnen sollte.
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Hesekiel stellt die kommende Verschleppung dar
Hesekiel 12,1-16 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, du wohnst inmitten eines widerspenstigen Hauses, welches Augen hat zum Sehen und doch nicht sieht, Ohren zum Hören und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Haus. 3 Darum, du Menschensohn, mache dir Wandergeräte und ziehe bei Tage vor ihren Augen aus. Vor ihren Augen sollst du von deinem Wohnort an einen anderen Ort ziehen…"
Hesekiel 12,1-16 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, du wohnst inmitten eines widerspenstigen Hauses, welches Augen hat zum Sehen und doch nicht sieht, Ohren zum Hören und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Haus. 3 Darum, du Menschensohn, mache dir Wandergeräte und ziehe bei Tage vor ihren Augen aus. Vor ihren Augen sollst du von deinem Wohnort an einen anderen Ort ziehen…"
Hesekiel 12,17-28 – „17 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 18 Menschensohn, du sollst dein Brot mit Zittern essen und dein Wasser mit Furcht und Sorgen trinken; 19 und du sollst zu dem Volke des Landes sagen: So spricht Gott, der HERR, zu den Einwohnern Jerusalems, zum Land Israel. Sie müssen ihr Brot mit Sorgen essen und ihr Wasser mit Entsetzen trinken, weil ihr Land von aller seiner Fülle entsetzlich verö…"
Nachdem Hesekiel den Weggeführten von der Tempelvision berichtet hatte, setzte Gott seinen Dienst mit einer weiteren sichtbaren Zeichenhandlung fort. Wieder bezeichnete der HERR das Haus Israel als widerspenstig: Sie hatten Augen zu sehen und sahen doch nicht, Ohren zu hören und hörten doch nicht. Das Problem lag nicht darin, dass Gott ihnen keine Warnungen gegeben hätte. Hesekiels bisheriger Dienst hatte das kommende Gericht bereits auf verschiedene Weise angekündigt. Dennoch bestand weiterhin die Gefahr, dass seine Hörer die Botschaft innerlich von sich fernhielten.
Deshalb sollte Hesekiel vor ihren Augen das Gepäck eines Weggeführten zusammenstellen. Am Tag musste er seine Sachen wie für eine Verbannung hinausbringen und am Abend selbst so fortziehen, wie Menschen in die Gefangenschaft geführt werden. Er sollte vor den Augen der anderen ein Loch durch die Wand brechen und sein Gepäck hindurchtragen. Anschließend sollte er es auf die Schulter nehmen und in der Dunkelheit hinausgehen, wobei er sein Gesicht verhüllte, sodass er das Land nicht sehen konnte. Gott erklärte ausdrücklich, dass Hesekiel dadurch zu einem Zeichen für das Haus Israel gemacht wurde.
Hesekiel tat, was ihm befohlen worden war. Am Morgen fragte Gott ihn, ob das widerspenstige Haus ihn nicht nach der Bedeutung seines Handelns gefragt habe. Nun sollte er erklären, auf wen die Zeichenhandlung besonders zielte: auf den Fürsten in Jerusalem und auf das ganze Haus Israel, das sich dort befand. Was Hesekiel in der Fremde dargestellt hatte, sollte in Jerusalem tatsächlich geschehen.
Der Fürst würde sein Gepäck auf die Schulter nehmen und in der Dunkelheit hinausziehen. Durch die Mauer würde ein Ausgang geschaffen werden, und sein Gesicht sollte verhüllt sein. Zugleich kündigte Gott an, dass er sein Netz über ihn ausbreiten und ihn nach Babylon bringen werde, obwohl er das Land nicht sehen würde. Die spätere Erfüllung dieser bemerkenswerten Aussage gehört noch nicht an diesen Punkt von Hesekiels Lebensgeschichte; für seine damaligen Hörer war zunächst entscheidend, dass selbst der Herrscher Jerusalems der angekündigten Katastrophe nicht entkommen würde.
Auch die Menschen um ihn herum sollten zerstreut werden. Gott kündigte an, dass er sie unter die Völker und in verschiedene Länder verstreuen werde. Dennoch sollte wiederum eine kleine Zahl vor Schwert, Hunger und Pest bewahrt bleiben. Diese Übriggebliebenen sollten unter den Völkern von den Gräueln Israels berichten, sodass auch dort erkannt würde, dass der HERR gehandelt hatte. Selbst die Zerstreuung stand damit unter dem wiederkehrenden Ziel von Hesekiels Botschaft: Gottes Wesen, seine Gerechtigkeit und die Wahrheit seines Wortes sollten erkannt werden.
Eine zweite Zeichenhandlung machte die Angst sichtbar, welche die kommende Not begleiten würde. Hesekiel sollte sein Brot mit Zittern essen und sein Wasser mit Unruhe und Sorge trinken. Anschließend sollte er erklären, dass die Bewohner Jerusalems ihre Nahrung in Angst zu sich nehmen würden, weil das Land wegen der Gewalttat seiner Bewohner verwüstet werde. Wieder verband Gott die äußere Katastrophe ausdrücklich mit der Schuld des Volkes. Die Verwüstung erschien nicht als bedeutungsloser Lauf der Geschichte, sondern als Gericht über eine hartnäckige Abkehr von Gott.
Neben dem offenen Widerstand begegnete Hesekiel noch einer anderen Form des Unglaubens. Unter Israel war ein Sprichwort verbreitet: Die Tage würden sich hinziehen, und jede Vision werde zunichte. Offenbar hatten wiederholte Warnungen, deren endgültige Erfüllung noch ausstand, dazu geführt, dass Menschen die prophetischen Botschaften nicht mehr ernst nahmen. Gottes Geduld wurde als Beweis dafür missverstanden, dass das angekündigte Gericht überhaupt nicht eintreten werde.
Der HERR befahl Hesekiel, diesem Denken entgegenzutreten. Das Sprichwort sollte verstummen, denn die Zeit der Erfüllung rückte heran. Auch schmeichelhafte oder trügerische Weissagungen sollten keinen Bestand haben. Gott erklärte, dass keines seiner Worte länger hinausgeschoben werde, sondern das von ihm Gesprochene in dieser Generation geschehen sollte. Damit erhielt Hesekiels Verkündigung eine neue Dringlichkeit: Nicht nur der Inhalt seiner Botschaft wurde bestritten, sondern auch ihre zeitliche Verbindlichkeit.
Andere räumten möglicherweise ein, dass Hesekiels Visionen wahr sein könnten, verschoben sie jedoch gedanklich in eine ferne Zukunft. Auch darauf antwortete Gott ausdrücklich: Keines seiner Worte sollte weiter verzögert werden. Hesekiel musste deshalb gegen zwei Formen falscher Sicherheit sprechen – gegen die Behauptung, das Gericht werde niemals kommen, und gegen die Vorstellung, es betreffe erst eine weit entfernte Zeit. Während Jerusalem noch stand, wurde die Entscheidung immer unausweichlicher. Zugleich musste Hesekiel bald gegen Stimmen auftreten, die im Namen Gottes gerade jene Sicherheit verkündeten, vor der der HERR durch ihn warnte.
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Hesekiel stellt sich den falschen Propheten entgegen
Hesekiel 13,1-16 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, weissage wider die Propheten Israels, welche weissagen, und sage zu denen, die aus ihrem eigenen Herzen weissagen: 3 Höret das Wort des HERRN! So spricht Gott, der HERR: Wehe den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geiste folgen und dem, was sie nicht gesehen haben! 4 Israel, gleich Schakalen in den Ruinen sind deine Propheten! 5 Ih…"
Hesekiel 13,1-16 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, weissage wider die Propheten Israels, welche weissagen, und sage zu denen, die aus ihrem eigenen Herzen weissagen: 3 Höret das Wort des HERRN! So spricht Gott, der HERR: Wehe den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geiste folgen und dem, was sie nicht gesehen haben! 4 Israel, gleich Schakalen in den Ruinen sind deine Propheten! 5 Ih…"
Hesekiel 13,17-23 – „17 Und du, Menschensohn, richte dein Angesicht wider die Töchter deines Volkes, welche aus ihrem eigenen Herzen weissagen, und weissage wider sie und sprich: 18 So spricht Gott, der HERR: Wehe den Weibern, welche Binden nähen für alle Handgelenke und Überwürfe verfertigen für Köpfe jeder Größe, um Seelen zu fangen! Wollt ihr die Seelen meines Volkes fangen, um eure eigenen Seelen am Leben zu erha…"
Während Hesekiel im Auftrag Gottes vor dem nahen Gericht warnte, gab es unter dem Volk andere Stimmen, die eine ganz andere Botschaft verkündeten. Das Wort des HERRN kam zu Hesekiel mit dem Auftrag, gegen die Propheten Israels zu weissagen, die aus ihrem eigenen Herzen redeten. Ihr grundlegendes Problem bestand nicht darin, dass sie in einzelnen Fragen anderer Meinung waren als Hesekiel. Sie behaupteten, für Gott zu sprechen, obwohl ihre Botschaften nicht von ihm stammten.
Gott verglich diese Propheten mit Füchsen in den Trümmern. Statt die gefährdeten Stellen zu sichern und sich für das Volk in die Bresche zu stellen, trugen sie nichts dazu bei, Israel auf den kommenden Tag des HERRN vorzubereiten. Sie verkündeten nicht die notwendige Umkehr, sondern Visionen, die Gott ihnen nicht gegeben hatte. Dennoch erwarteten sie, dass ihre Worte sich erfüllen würden. Damit verband sich religiöse Gewissheit mit einer Botschaft, deren Ursprung allein im eigenen Denken lag.
Besonders schwer wog, dass sie „Frieden“ verkündeten, obwohl kein Friede vorhanden war. Hesekiel beschreibt ihre Tätigkeit mit dem Bild einer schwachen Wand, die lediglich mit Tünche überstrichen wird. Der äußerliche Anstrich konnte den inneren Mangel der Mauer nicht beseitigen. Wenn Sturm, Hagel und heftiger Regen kamen, würde sie zusammenbrechen. Ebenso konnten beruhigende Worte den Zustand Jerusalems nicht verändern, wenn die eigentliche Ursache der Krise – der Abfall von Gott – unangetastet blieb.
Gott kündigte deshalb an, dass sowohl die getünchte Wand als auch diejenigen, die sie überstrichen hatten, fallen würden. Die falschen Propheten würden damit durch genau die Ereignisse widerlegt werden, deren Eintreten sie bestritten hatten. Ihre Botschaften hatten dem Volk eine Sicherheit vermittelt, die Gott nicht zugesagt hatte. Sie heilten den geistlichen Schaden nicht, sondern verdeckten ihn, indem sie Hoffnung ohne Umkehr und Frieden ohne Versöhnung mit Gott versprachen.
Hesekiels Auseinandersetzung mit ihnen macht deutlich, wie entscheidend die Quelle einer prophetischen Botschaft war. Nicht jede religiöse Rede, nicht jede Vision und nicht jede Behauptung „Der HERR spricht“ stammte tatsächlich von Gott. Der Maßstab lag nicht in der Überzeugungskraft des Sprechers oder darin, ob die Botschaft angenehm klang. Wo Menschen im Namen Gottes etwas verkündeten, das er nicht gesprochen hatte, wurde sein Name für menschliche Gedanken beansprucht.
Anschließend sollte Hesekiel sein Angesicht auch gegen Frauen aus dem Volk richten, die aus ihrem eigenen Herzen weissagten. Der Text beschreibt Praktiken mit Bändern und Schleiern, durch die Menschen in verderblicher Weise beeinflusst wurden. Manche wurden dadurch zu Unrecht dem Tod preisgegeben, während andere am Leben erhalten wurden, obwohl Gott dies nicht gebilligt hatte. Für geringe materielle Vorteile wurde Gottes Name vor seinem Volk entheiligt.
Gott kündigte an, selbst gegen diese Praktiken vorzugehen. Er würde die Menschen aus den Händen derer befreien, die sie wie Beute behandelten. Damit erscheint sein Gericht über die falschen prophetischen Stimmen zugleich als Befreiung für diejenigen, die durch ihre Lügen gebunden wurden. Religiöse Manipulation konnte sich auf Gottes Namen berufen, doch sie stand nicht unter seinem Schutz.
Besonders schwer war ihre Wirkung auf das Gewissen der Menschen. Gott warf ihnen vor, das Herz des Gerechten mit Lügen betrübt zu haben, obwohl er ihn nicht betrüben wollte, und zugleich den Gottlosen darin bestärkt zu haben, von seinem bösen Weg nicht umzukehren. Falsche Prophetie kehrte damit die Aufgabe eines echten Wächters geradezu um: Sie belastete Menschen an der falschen Stelle und beruhigte diejenigen, die eine Warnung benötigten.
Hesekiels eigener Dienst stand dazu in scharfem Gegensatz. Er hatte schwere Botschaften auszurichten, die ihm weder Popularität noch Zustimmung versprachen. Gerade deshalb war die Frage, ob Gott tatsächlich gesprochen hatte, wichtiger als die Frage, welche Botschaft leichter angenommen wurde. Doch auch unter den Ältesten, die Hesekiel selbst aufsuchten, lag ein Problem tiefer als die Worte falscher Propheten. Gott sollte ihm als Nächstes zeigen, dass Götzendienst nicht nur an sichtbaren Altären, sondern auch im Herzen eines Menschen bestehen konnte.
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Älteste suchen Hesekiel mit geteiltem Herzen auf
Hesekiel 14,1-11 – „1 Und es kamen etliche Männer von den Ältesten Israels zu mir und setzten sich vor mich hin. 2 Da erging das Wort des HERRN an mich also: 3 Menschensohn, diese Männer haben ihre Götzen in ihr Herz geschlossen und den Anstoß zu ihrer Missetat vor sich hingesetzt! 4 Sollte ich mich wohl von ihnen befragen lassen? Darum rede zu ihnen und sprich: So spricht Gott, der HERR: Jedermann vom Hause Israel,…"
Hesekiel 14,1-11 – „1 Und es kamen etliche Männer von den Ältesten Israels zu mir und setzten sich vor mich hin. 2 Da erging das Wort des HERRN an mich also: 3 Menschensohn, diese Männer haben ihre Götzen in ihr Herz geschlossen und den Anstoß zu ihrer Missetat vor sich hingesetzt! 4 Sollte ich mich wohl von ihnen befragen lassen? Darum rede zu ihnen und sprich: So spricht Gott, der HERR: Jedermann vom Hause Israel,…"
Hesekiel 14,12-23 – „12 UND das Wort des HERRN erging also an mich: 13 Menschensohn, wenn ein Land wider mich sündigt und einen Treubruch begeht und ich meine Hand dawider ausstrecke und ihm den Stab des Brots zerbreche und eine Hungersnot hineinsende und Menschen und Vieh daraus vertilge, 14 und es wären die drei Männer Noah, Daniel und Hiob darin, so würden diese durch ihre Gerechtigkeit nur ihre eigene Seele erret…"
Einige Älteste Israels kamen zu Hesekiel und setzten sich vor ihm nieder. Äußerlich suchten sie damit den Propheten auf, um ein Wort Gottes zu empfangen. Doch bevor Hesekiel ihre Fragen oder Anliegen wiedergibt, offenbarte ihm der HERR etwas, das dem menschlichen Blick verborgen war: Diese Männer hatten ihre Götzen in ihrem Herzen aufgerichtet und den Anstoß zu ihrer Schuld vor sich gestellt. Ihre Nähe zum Propheten bedeutete deshalb noch keine ungeteilte Hinwendung zu Gott.
Damit vertiefte sich ein Gedanke, den Hesekiel zuvor vor allem an sichtbaren Formen des Götzendienstes dargestellt hatte. Götzen standen nicht nur auf Höhen oder innerhalb entweihter Heiligtümer. Ein Mensch konnte äußerlich nach Gottes Wort fragen und zugleich innerlich an etwas festhalten, das Gottes Herrschaft widersprach. Das Problem der Ältesten war daher nicht bloß eine falsche religiöse Handlung außerhalb ihres Besuches bei Hesekiel. Ihr Herz selbst war geteilt.
Gott stellte deshalb die ernste Frage, ob er sich von solchen Menschen überhaupt befragen lassen sollte. Dennoch wies er Hesekiel nicht an, sie einfach fortzuschicken. Vielmehr sollte ihnen eine Botschaft ausgerichtet werden, die genau ihren inneren Zustand traf. Wer seine Götzen im Herzen festhielt und dennoch zu einem Propheten kam, würde von Gott entsprechend dieser Vielzahl seiner Götzen zur Verantwortung gezogen werden. Ziel dieses Handelns war, das Haus Israel an seinem eigenen Herzen zu erfassen, weil es sich durch seine Götzen von Gott entfremdet hatte.
Darauf folgte ein ausdrücklicher Ruf zur Umkehr. Hesekiel sollte dem Haus Israel sagen, es solle umkehren, sich von seinen Götzen abwenden und allen seinen Gräueln den Rücken kehren. Gottes Antwort auf den verborgenen Götzendienst bestand also nicht nur in der Ankündigung des Gerichts. Noch immer rief er Menschen dazu auf, ihre falschen Bindungen aufzugeben und zu ihm zurückzukehren. Gerade weil Gott das Herz kannte, konnte äußere Religiosität diesen Ruf nicht ersetzen.
Die Verantwortung traf dabei sowohl Israeliten als auch Fremde, die unter ihnen lebten und sich von Gott abwandten. Wer mit seinen Götzen im Herzen zu einem Propheten kam, sollte Gottes Antwort empfangen und die Folgen seiner Entscheidung tragen. Ebenso ernst war die Verantwortung eines Propheten, der sich dazu verleiten ließ, eine eigene Antwort auszugeben. Hesekiel hatte bereits gegen Propheten gesprochen, die aus ihrem Herzen weissagten; nun wurde nochmals deutlich, dass auch ein prophetischer Sprecher nicht außerhalb von Gottes Gericht stand.
Das Ziel, das Gott nach der Gerichtswarnung nennt, ist bemerkenswert: Israel sollte nicht länger von ihm abirren und sich nicht weiter mit seinen Übertretungen verunreinigen. „Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“ Gericht und Umkehrruf standen damit innerhalb des Bundesverhältnisses. Gott suchte keine äußerliche religiöse Beratung durch Menschen, die ihre eigentlichen Loyalitäten nicht aufgeben wollten. Er verlangte eine Rückkehr des Herzens.
Anschließend erhielt Hesekiel eine weitere Botschaft über die Unausweichlichkeit des Gerichts. Gott nannte beispielhaft Noah, Daniel und Hiob und erklärte, dass selbst diese drei gerechten Männer durch ihre Gerechtigkeit nur ihr eigenes Leben retten könnten, wenn ein Land schwer gegen ihn sündigte. Die Aussage unterstreicht die persönliche Verantwortung jedes Menschen. Selbst die Treue herausragender Glaubensmänner konnte eine schuldige Gesellschaft nicht automatisch vor den Folgen fortgesetzter Rebellion bewahren.
Gott führte dieses Prinzip anhand verschiedener Gerichte weiter aus: Hunger, wilde Tiere, Schwert und Pest. Selbst wenn Noah, Daniel und Hiob in einem solchen Land lebten, könnten sie weder Söhne noch Töchter allein aufgrund ihrer eigenen Gerechtigkeit retten. Die Bibel sagt damit nicht, dass Fürbitte bedeutungslos wäre; Hesekiel selbst hatte bereits angesichts des Gerichts zu Gott gerufen. Doch kein Mensch konnte sich auf die Gottesbeziehung eines anderen verlassen, während er selbst an seiner Abkehr festhielt.
Für Jerusalem wurde diese Wahrheit besonders ernst. Gott kündigte an, dass seine Gerichte über die Stadt kommen würden. Dennoch sollten einige Menschen mit ihren Söhnen und Töchtern daraus hervorgehen und zu den Weggeführten gelangen. Wenn Hesekiel und die anderen Verschleppten deren Wege und Taten sahen, sollten sie erkennen, dass das Gericht über Jerusalem nicht grundlos erfolgt war. Was für manche aus der Ferne vielleicht unverhältnismäßig erscheinen konnte, würde sich angesichts des tatsächlichen Zustands der Stadt als gerecht erweisen.
Hesekiels Begegnung mit den Ältesten zeigte damit eine Grenze äußerer Frömmigkeit auf, die für seinen weiteren Dienst grundlegend blieb. Ein Mensch konnte beim Propheten sitzen und dennoch innerlich weit von Gott entfernt sein. Der HERR verlangte nicht bloß Interesse an prophetischen Antworten, sondern Umkehr. Von hier aus musste Hesekiel immer deutlicher erklären, dass weder religiöse Herkunft noch die Treue anderer Menschen das persönliche Verhältnis zu Gott ersetzen konnte.
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Hesekiel deckt Jerusalems Untreue auf
Hesekiel 15,1-8 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Menschensohn, was hat das Holz der Rebe vor allen Schlingpflanzen voraus, die sich unter den Bäumen des Waldes befinden? 3 Nimmt man auch Holz davon, um es zu einer Arbeit zu verwenden? Nimmt man auch davon einen Pflock, um irgend ein Gerät daran zu hängen? 4 Siehe, man wirft es ins Feuer, daß es verzehrt werde; wenn das Feuer seine beiden Enden ver…"
Hesekiel 15,1-8 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Menschensohn, was hat das Holz der Rebe vor allen Schlingpflanzen voraus, die sich unter den Bäumen des Waldes befinden? 3 Nimmt man auch Holz davon, um es zu einer Arbeit zu verwenden? Nimmt man auch davon einen Pflock, um irgend ein Gerät daran zu hängen? 4 Siehe, man wirft es ins Feuer, daß es verzehrt werde; wenn das Feuer seine beiden Enden ver…"
Hesekiel 16,1-14 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, halte Jerusalem ihre Greuel vor und sprich: 3 So spricht Gott, der HERR, zu Jerusalem: Nach Herkunft und Geburt stammst du aus dem Lande der Kanaaniter; dein Vater war ein Amoriter und deine Mutter eine Hetiterin. 4 Mit deiner Geburt war es also: Am Tage, da du geboren wurdest, ist deine Nabelschnur nicht abgeschnitten worden; du bist …"
Hesekiel 16,15-34 – „15 Du aber verließest dich auf deine Schönheit und buhltest auf deine Berühmtheit hin und gossest deine Buhlerei über jeden aus, der vorüberging, und wurdest sein. 16 Du nahmst auch von deinen Kleidern und machtest dir bunte Höhen und triebst darauf Unzucht, wie sie niemals vorgekommen ist und nie wieder getrieben wird. 17 Du nahmst auch deine Schmucksachen von meinem Gold und Silber, welche ich …"
Hesekiel 16,59-63 – „59 Denn also spricht Gott, der HERR: ich tue dir, wie du getan hast! Du hast den Eid verachtet, den Bund gebrochen. 60 Aber ich will meines Bundes gedenken, welchen ich mit dir in den Tagen deiner Jugend geschlossen habe, und ich will einen ewigen Bund mit dir aufrichten. 61 Alsdann wirst du an deine Wege gedenken und dich schämen, wenn du deine älteren und jüngeren Schwestern zu dir nehmen wirst…"
Nachdem Gott deutlich gemacht hatte, dass weder äußere Religiosität noch die Gerechtigkeit anderer Menschen Jerusalem retten konnte, erhielt Hesekiel Bilder, die den geistlichen Zustand der Stadt noch tiefer erklärten. Zunächst wurde Jerusalem mit dem Holz eines Weinstocks verglichen. Anders als das Holz vieler Bäume eignete sich das Holz des Weinstocks kaum zur Herstellung eines brauchbaren Gegenstandes; seine eigentliche Bestimmung lag darin, Frucht zu tragen. War es aber bereits vom Feuer angebrannt, blieb noch weniger Verwendung dafür. Gott erklärte, dass dieses Bild auf die Bewohner Jerusalems zielte.
Die Bedeutung lag nicht darin, dass Jerusalem für Gott von Natur aus wertlos gewesen wäre. Das folgende Kapitel zeigt vielmehr das Gegenteil: Alles, was die Stadt besaß, verdankte sie Gottes gnädigem Handeln. Gerade deshalb war ihre Fruchtlosigkeit so ernst. Erwählung war kein Freibrief für Untreue. Ein Volk, das durch Gottes Gnade eine besondere Stellung erhalten hatte, konnte diese Stellung nicht von der Beziehung zu ihm lösen und dennoch erwarten, vor den Folgen seiner Abkehr geschützt zu bleiben.
Darauf entfaltete Gott vor Hesekiel eine lange bildhafte Lebensgeschichte Jerusalems. Die Stadt wird darin wie ein ausgesetztes neugeborenes Mädchen beschrieben, um das sich niemand kümmerte. Gott ging an ihr vorüber, sah sie in ihrem hilflosen Zustand und sprach ihr Leben zu. Später nahm er sich ihrer erneut an, schloss einen Bund mit ihr, reinigte und bekleidete sie und schmückte sie reich. Die Sprache ist bewusst bildhaft; sie erzählt keine buchstäbliche Biografie Jerusalems, sondern beschreibt Gottes unverdiente Zuwendung zu der Stadt und dem Volk, das mit ihr verbunden war.
Durch Gottes Gaben wurde Jerusalem schön und bekannt. Nahrung, Kleidung, Schmuck und königliche Würde werden in dem Bild auf Gottes Fürsorge zurückgeführt. Der entscheidende Ausgangspunkt war deshalb nicht Jerusalems eigene Größe. Gott hatte ihr gegeben, was sie besaß. Ihre Stellung unter den Völkern beruhte auf der Herrlichkeit, die er über sie gelegt hatte.
Doch gerade diese empfangenen Gaben wurden zum Ausgangspunkt ihrer Untreue. Jerusalem vertraute auf ihre Schönheit und wandte sich anderen Göttern zu. Die Dinge, die Gott ihr gegeben hatte, wurden für den Götzendienst verwendet. Hesekiel beschreibt diese Abkehr mit der Sprache ehelicher Untreue, weil der Bund zwischen Gott und seinem Volk verletzt worden war. Die Härte des Bildes entspricht der Schwere des geistlichen Verrats: Jerusalem suchte bei anderen Mächten und Göttern das, was sie allein von ihrem Bundesgott empfangen hatte.
Diese Untreue zeigte sich nicht nur in religiösen Bildern und Altären. Hesekiel nennt auch die Opferung von Kindern. Söhne und Töchter, die Gott als ihm zugehörig bezeichnet, wurden fremden Göttern geopfert. Damit erreicht die Beschreibung einen besonders erschütternden Punkt. Götzendienst war nicht lediglich eine alternative Form von Religiosität; er konnte in Handlungen führen, die dem Willen und Wesen Gottes vollständig widersprachen.
Hinzu kamen politische Bündnisse mit Ägypten, Assyrien und Babylon, die Hesekiel ebenfalls in die Sprache der Untreue einordnet. Jerusalem suchte Sicherheit bei den umliegenden Mächten und verband politische Abhängigkeit mit geistlicher Untreue. Dabei darf nicht jede internationale Beziehung grundsätzlich als Sünde verstanden werden. Hesekiels Anklage betrifft den konkreten Zusammenhang, in dem Juda seine Sicherheit von fremden Mächten erwartete und zugleich den Bund mit Gott missachtete.
Das Gericht erscheint deshalb innerhalb des Bildes als Folge des gebrochenen Bundes. Diejenigen, denen Jerusalem nachgelaufen war, würden schließlich gegen sie auftreten. Ihre Schönheit, auf die sie vertraut hatte, würde ihr keinen Schutz bieten. Gott kündigte an, das Treiben der Stadt zu beenden und ihr das zu vergelten, was sie getan hatte. Die scharfe Sprache des Kapitels soll weder sensationsorientiert gelesen noch von ihrem Bundeszusammenhang gelöst werden: Sie macht sichtbar, wie Gott die Untreue eines Volkes beurteilt, das seine Gnade empfangen und sich dennoch von ihm abgewandt hatte.
Doch selbst diese lange Anklage endet nicht mit der völligen Auslöschung jeder Hoffnung. Gott erinnert an seinen Bund und kündigt an, seinerseits des Bundes zu gedenken. Er spricht von einem bleibenden Bund und davon, dass Jerusalem sich schämen und verstummen werde, wenn er ihr vergibt. Die Wiederherstellung wird damit nicht als Bestätigung ihres bisherigen Weges dargestellt. Gerade die Erfahrung göttlicher Vergebung sollte die Schwere der eigenen Schuld erkennen lassen.
Für Hesekiels Verkündigung bedeutete diese Botschaft eine weitere Vertiefung. Das kommende Gericht ließ sich nicht allein durch einzelne falsche Entscheidungen erklären. Hinter ihm stand eine lange Geschichte empfangener Gnade und gebrochener Treue. Dennoch blieb Gott selbst derjenige, der das letzte Wort über den Bund sprach. Während Jerusalem auf menschliche Bündnisse vertraute, sollte Hesekiel als Nächstes zeigen, wie gerade die politische Untreue des herrschenden Hauses zum unmittelbaren Weg in die Katastrophe führte.
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Hesekiel erklärt Zedekias gebrochenen Bund
Hesekiel 17,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, gib dem Hause Israel ein Rätsel auf und lege ihm ein Gleichnis vor und sage: 3 So spricht Gott, der HERR: Ein großer Adler mit großen Flügeln und langen Fittichen voll buntfarbiger Federn kam auf den Libanon und nahm den Wipfel der Zeder hinweg 4 und brach den obersten ihrer Zweige ab und brachte ihn in das Krämerland und setzte ihn in…"
Hesekiel 17,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, gib dem Hause Israel ein Rätsel auf und lege ihm ein Gleichnis vor und sage: 3 So spricht Gott, der HERR: Ein großer Adler mit großen Flügeln und langen Fittichen voll buntfarbiger Federn kam auf den Libanon und nahm den Wipfel der Zeder hinweg 4 und brach den obersten ihrer Zweige ab und brachte ihn in das Krämerland und setzte ihn in…"
Hesekiel 17,11-21 – „11 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 12 Sage doch dem widerspenstigen Hause: Wisset ihr nicht, was das bedeutet? Sage: Seht, der König von Babel ist nach Jerusalem gekommen und hat ihren König und ihre Fürsten genommen und sie zu sich nach Babel gebracht. 13 Er nahm auch von dem königlichen Samen und schloß einen Vertrag mit ihm und ließ ihn einen Eid schwören; und er nahm die Gewaltige…"
Hesekiel 17,22-24 – „22 Also spricht Gott, der HERR: Ich will auch ein Ästlein von dem Wipfel des hohen Zedernbaumes nehmen und will es einsetzen. Von dem obersten seiner Schosse will ich ein zartes Reis abbrechen und will es auf einem hohen und erhabenen Berg pflanzen; 23 auf dem hohen Berge Israels will ich es pflanzen, damit es Schosse treibe und Früchte bringe und zu einem prächtigen Zedernbaum werde, daß allerle…"
Nach der langen Anklage gegen Jerusalems geistliche Untreue richtete Gott Hesekiels Blick auf die politische Entwicklung, die unmittelbar auf die Katastrophe zulief. Der Prophet erhielt zunächst ein Rätsel und Gleichnis. Ein großer Adler kam zum Libanon, nahm den Wipfel einer Zeder und brachte ihn in ein Land des Handels. Danach nahm er Samen aus dem Land und pflanzte ihn an einen fruchtbaren Ort, wo daraus ein niedrig wachsender Weinstock entstand. Seine Zweige wandten sich zunächst zu dem Adler, der ihn gepflanzt hatte.
Dann erschien ein zweiter großer Adler. Der Weinstock begann seine Wurzeln und Zweige zu ihm hinzustrecken, obwohl er bereits auf gutem Boden gepflanzt und ausreichend versorgt worden war. Gott stellte die entscheidende Frage: Würde ein solcher Weinstock gedeihen? Die Antwort war klar. Er würde entwurzelt und verdorren. Nicht einmal große militärische Macht wäre nötig, um seinen Untergang herbeizuführen.
Anders als bei manchen prophetischen Bildern lässt Gott die Hauptbedeutung dieses Gleichnisses unmittelbar erklären. Der erste Adler bezeichnet den König von Babylon. Er war nach Jerusalem gekommen, hatte den dortigen König und die führenden Männer weggeführt und einen Angehörigen des königlichen Hauses eingesetzt. Mit diesem schloss er einen Bund und verpflichtete ihn durch einen Eid. Das Königreich sollte niedrig bleiben und nicht nach eigener Großmachtstellung streben, konnte aber unter dieser Ordnung bestehen.
Damit bezog sich Hesekiels Botschaft auf die Lage, die nach der Wegführung Jojachins entstanden war. Nebukadnezar hatte Zedekia als König eingesetzt. Zedekia unterstand Babylon, rebellierte jedoch später gegen diese Ordnung und wandte sich an Ägypten. Hesekiel beschreibt, dass er Gesandte dorthin sandte, um Pferde und ein großes Heer zu erhalten. Der zweite Adler des Gleichnisses steht daher für Ägypten, von dessen Macht Zedekia Rettung vor Babylon erwartete.
Gottes Urteil über diese Entscheidung war eindeutig. Zedekias Aufstand war nicht lediglich eine strategische Fehleinschätzung. Er hatte einen Eid gebrochen und einen Bund missachtet, unter den er sich gestellt hatte. Besonders ernst wird dies dadurch, dass Gott den geleisteten Eid als seinen eigenen Eid und den gebrochenen Bund als seinen Bund bezeichnet. Ein politisches Versprechen, das unter Berufung auf Gott gegeben worden war, konnte nicht bedenkenlos verworfen werden, nur weil sich die politischen Interessen änderten.
Auch Ägypten würde Zedekia nicht retten können. Hesekiel kündigte an, dass Pharao ihm trotz seines Heeres keine wirksame Hilfe leisten würde, wenn Babylon seine Belagerungswerke gegen Jerusalem errichtete. Zedekia sollte dem babylonischen König nicht entkommen. Gott erklärte, dass er sein Netz über ihn werfen werde, ihn gefangennehmen und nach Babylon bringen werde. Dort sollte er wegen seiner Untreue gerichtet werden, während seine Streitkräfte zerstreut würden.
Für die Weggeführten musste diese Botschaft jede Hoffnung erschüttern, die sich auf eine erfolgreiche politische Befreiung Jerusalems durch Ägypten stützte. Hesekiel stellte nicht Babylon als moralisches Ideal dar. Entscheidend war vielmehr, dass Juda Gottes Warnungen fortgesetzt missachtet und nun auch den bestehenden Eid gebrochen hatte. Politische Bündnisse konnten das Grundproblem des Volkes nicht lösen. Wo Umkehr nötig war, wurde strategische Machtpolitik zum Ersatz für Vertrauen und Gehorsam.
Doch das Kapitel endet überraschend nicht mit Zedekias Scheitern. Gott selbst kündigt an, von der Spitze der hohen Zeder einen zarten Zweig zu nehmen und ihn auf einem hohen Berg Israels einzupflanzen. Dieser Zweig sollte wachsen, Frucht tragen und zu einer mächtigen Zeder werden, unter deren Zweigen Vögel Schutz finden. Während menschliche Herrschaft durch Untreue erniedrigt wurde, behielt Gott selbst die Zukunft in seiner Hand.
Die Bildsprache führt damit über den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des davidischen Königtums in Jerusalem hinaus. Gott konnte das Hohe erniedrigen und das Niedrige erhöhen, den grünen Baum verdorren lassen und den dürren zum Grünen bringen. Die Hoffnung Israels ruhte letztlich nicht darauf, dass Zedekia seine Herrschaft aus eigener Kraft retten würde, sondern auf Gottes Fähigkeit, aus der scheinbar abgeschnittenen königlichen Linie neue Zukunft hervorzubringen. Diese Verheißung öffnet eine heilsgeschichtliche Linie, die in der weiteren Schrift auf Gottes endgültige Wiederherstellung seiner Herrschaft zuläuft. Hesekiels nächste Botschaft sollte jedoch zunächst einen anderen Irrtum korrigieren: die Vorstellung, die gegenwärtige Generation trage keine eigene Verantwortung für ihren Weg vor Gott.
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Hesekiel erklärt die persönliche Verantwortung vor Gott
Hesekiel 18,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Was braucht ihr da für ein Sprichwort im Lande Israel, welches also lautet: «Wenn die Väter saure Trauben essen, so bekommen die Kinder stumpfe Zähne!» 3 So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, ihr sollt dieses Sprichwort hinfort in Israel nicht mehr brauchen! 4 Seht, alle Seelen sind mein! Wie die Seele des Vaters mein ist, also ist auch die Seel…"
Hesekiel 18,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Was braucht ihr da für ein Sprichwort im Lande Israel, welches also lautet: «Wenn die Väter saure Trauben essen, so bekommen die Kinder stumpfe Zähne!» 3 So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, ihr sollt dieses Sprichwort hinfort in Israel nicht mehr brauchen! 4 Seht, alle Seelen sind mein! Wie die Seele des Vaters mein ist, also ist auch die Seel…"
Hesekiel 18,10-20 – „10 Wenn nun dieser einen gewalttätigen Sohn zeugt, der Blut vergießt oder irgend etwas von alledem tut, 11 was jener nicht getan, der auf den Bergen ißt, seines Nächsten Weib schwächt, 12 den Armen und Dürftigen bedrückt, das Pfand nicht zurückgibt, seine Augen zu den Götzen erhebt und Greuel verübt; 13 auf Wucher leiht, Wucherzins nimmt: sollte ein solcher leben? Er soll nicht leben; er hat alle…"
Hesekiel 18,21-32 – „21 Wenn aber der Gottlose abläßt von allen seinen Sünden, die er begangen hat, und alle meine Satzungen beobachtet und tut, was recht und billig ist, so soll er gewiß leben; 22 aller seiner Missetat, die er begangen hat, soll nimmermehr gedacht werden! Er soll leben um seiner Gerechtigkeit willen, die er getan hat! 23 Oder habe ich etwa Gefallen am Tode des Gottlosen, spricht Gott, der HERR, und …"
Nach der Botschaft über Zedekias Untreue wandte sich Gott durch Hesekiel gegen ein Sprichwort, das unter Israel verbreitet war: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden.“ Damit wurde die gegenwärtige Not in einer Weise auf frühere Generationen zurückgeführt, die die eigene Verantwortung verdunkeln konnte. Dass die Sünden früherer Generationen schwere Folgen für ihre Nachkommen haben konnten, bestreitet Hesekiel nicht. Doch niemand durfte daraus schließen, er selbst werde unabhängig von seinem eigenen Verhältnis zu Gott verurteilt.
Gott erklärte deshalb mit besonderer Klarheit: Alle Menschen gehören ihm – der Vater ebenso wie der Sohn. „Die Seele, welche sündigt, die soll sterben.“ Im Zusammenhang bezeichnet „Seele“ den lebenden Menschen selbst; der Text spricht nicht von einer unsterblichen, vom Körper getrennten Seele. Hesekiels Aussage richtet sich vielmehr gegen die Vorstellung einer übertragenen persönlichen Schuld. Der Mensch, der sündigt, trägt vor Gott Verantwortung für seine eigene Sünde.
Zunächst beschreibt Gott einen gerechten Mann. Dieser beteiligt sich nicht am Götzendienst, begeht keinen Ehebruch, unterdrückt niemanden, gibt ein Pfand zurück, beraubt keinen Menschen, versorgt den Bedürftigen und richtet gerecht zwischen anderen. Seine Gottesbeziehung zeigt sich damit nicht nur in religiöser Abgrenzung vom Götzendienst, sondern ebenso im Umgang mit Mitmenschen. Wer in Gottes Ordnungen lebt, wird in diesem Abschnitt als gerecht bezeichnet und soll leben.
Dann wird ein Sohn dieses gerechten Mannes beschrieben, der einen völlig anderen Weg einschlägt. Er übt Gewalt, vergöttert fremde Mächte, unterdrückt Arme und Bedürftige, beraubt andere und handelt gegen Gottes Gebote. Die Gerechtigkeit seines Vaters schützt ihn nicht vor der Verantwortung für sein eigenes Tun. Seine familiäre Herkunft kann seine persönliche Rebellion nicht aufheben.
Anschließend kehrt Hesekiel das Beispiel um. Wenn dieser gottlose Mann wiederum einen Sohn hat, der die Sünden seines Vaters sieht und sich bewusst nicht an ihnen beteiligt, soll dieser Sohn nicht wegen der Schuld seines Vaters sterben. Er wird nach seinem eigenen Weg beurteilt. Damit widerspricht Gott der Vorstellung, persönliche Schuld werde wie ein unabänderliches geistliches Erbe von Generation zu Generation weitergegeben.
Hesekiel fasst den Grundsatz ausdrücklich zusammen: Der Sohn soll nicht die Schuld des Vaters tragen und der Vater nicht die Schuld des Sohnes. Die Gerechtigkeit des Gerechten bleibt ihm zugerechnet, und die Gottlosigkeit des Gottlosen fällt auf diesen selbst zurück. Das bedeutet nicht, dass menschliche Handlungen keine Folgen für andere hätten. Die Geschichte Judas zeigte gerade, wie stark ganze Generationen unter den Folgen früherer Entscheidungen leiden konnten. Doch Folgen und persönliche Schuld sind nicht dasselbe.
Noch entscheidender ist, dass Hesekiel persönliche Verantwortung nicht als unabänderliches Schicksal beschreibt. Wenn ein Gottloser von seinen Sünden umkehrt, Gottes Ordnungen bewahrt und Recht und Gerechtigkeit übt, soll er leben. Seine früheren Übertretungen sollen ihm nicht entgegengehalten werden. Gott hält einen Menschen also nicht an seiner Vergangenheit fest, wenn wirkliche Umkehr geschieht.
Umgekehrt kann sich ein Gerechter nicht auf frühere Treue berufen, wenn er sich später bewusst von Gottes Weg abwendet und Unrecht tut. Vergangene Gerechtigkeit ist kein Vorrat, der gegen gegenwärtige Rebellion aufgerechnet werden kann. Hesekiels Botschaft widerspricht damit zugleich zwei falschen Sicherheiten: Niemand ist wegen der Sünden seiner Vorfahren hoffnungslos festgelegt, aber ebenso wenig kann jemand aufgrund einer früheren Beziehung zu Gott meinen, seine späteren Entscheidungen seien bedeutungslos.
Als das Volk einwandte, der Weg des HERRN sei nicht richtig, kehrte Gott die Frage um. Nicht seine Wege waren ungerecht, sondern die Wege Israels waren verkehrt. Gottes Gericht richtet sich nach dem tatsächlichen Weg des Menschen und lässt sowohl Umkehr als auch Abkehr ernsthaft ins Gewicht fallen. Seine Gerechtigkeit ist nicht starr gegen den Menschen gerichtet, sondern behandelt ihn entsprechend seiner wirklichen Haltung zu Gott.
Deshalb endet die Botschaft nicht mit dem Tod, sondern mit einem eindringlichen Ruf zum Leben. Israel soll seine Übertretungen von sich werfen und sich ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen. Dabei steht dieser Aufruf nicht im Widerspruch zu Hesekiels früherer Verheißung, dass Gott selbst ein neues Herz und einen neuen Geist geben werde. Der Mensch wird wirklich zur Umkehr gerufen, während die tiefgreifende Erneuerung zugleich Gottes Werk der Gnade bleibt. Beides wird bei Hesekiel nicht gegeneinander ausgespielt.
Der letzte Satz offenbart schließlich Gottes Haltung hinter der ganzen Warnung: Er hat kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss. Darum ruft er: „So bekehrt euch nun, so werdet ihr leben!“ Hesekiels Gerichtsverkündigung war damit kein Ausdruck göttlicher Freude an Vernichtung. Gerade weil Gott Leben will, nimmt er Sünde, Verantwortung und Umkehr ernst. Diese Wahrheit sollte für Hesekiels weiteren Dienst entscheidend bleiben, während die Geschichte des Königshauses und Jerusalems ihrem angekündigten Ende immer näherkam.
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Hesekiel stimmt ein Klagelied über Judas Fürsten an
Hesekiel 19,1-9 – „1 Du aber stimme ein Klagelied an über die Fürsten Israels und sprich: 2 Was ist deine Mutter? Eine Löwin, die zwischen Leuen lag und ihre Jungen unter den jungen Löwen auferzog. 3 Und sie zog eins von ihren Jungen auf, das ward ein junger Löwe und lernte rauben und fraß Menschen. 4 Da hörten die Heiden von ihm, und er ward in ihrer Grube gefangen, und sie führten ihn an Nasenringen nach Ägyptenl…"
Hesekiel 19,1-9 – „1 Du aber stimme ein Klagelied an über die Fürsten Israels und sprich: 2 Was ist deine Mutter? Eine Löwin, die zwischen Leuen lag und ihre Jungen unter den jungen Löwen auferzog. 3 Und sie zog eins von ihren Jungen auf, das ward ein junger Löwe und lernte rauben und fraß Menschen. 4 Da hörten die Heiden von ihm, und er ward in ihrer Grube gefangen, und sie führten ihn an Nasenringen nach Ägyptenl…"
Hesekiel 19,10-14 – „10 Deine Mutter war gleich einem Weinstock, an Wassern gepflanzt, der viele Früchte und Schosse bekam vom vielen Wasser. 11 Seine Äste wurden so stark, daß man Herrscherstäbe daraus machen konnte, und er wuchs über das dichte Laubwerk empor, so daß er auffiel wegen seiner Höhe und der Menge seiner Ranken. 12 Aber er ward im Zorn ausgerissen und zu Boden geworfen; und der Ostwind dörrte seine Fruc…"
Nachdem Hesekiel die persönliche Verantwortung jedes Menschen vor Gott erklärt hatte, richtete sich sein Blick wieder auf das Königshaus Judas. Gott befahl ihm, ein Klagelied über die Fürsten Israels anzustimmen. Der Text wechselt damit in eine dichterische Bildsprache, die das Schicksal der davidischen Herrschaft in den Jahren vor Jerusalems Untergang zusammenfasst. Hesekiel beschreibt nicht einfach politische Niederlagen, sondern eine königliche Linie, deren gegenwärtige Vertreter ihre Stellung nicht bewahren konnten.
Zu Beginn erscheint eine Löwin, die unter Löwen lag und ihre Jungen aufzog. Eines ihrer Jungen wurde zu einem jungen Löwen, lernte Beute zu reißen und verschlang Menschen. Als die Völker davon hörten, wurde er in ihrer Grube gefangen und mit Haken in das Land Ägypten gebracht. Das Bild lässt sich im geschichtlichen Zusammenhang auf einen judäischen König beziehen, der nach kurzer Herrschaft nach Ägypten weggeführt wurde. 2. Könige und 2. Chronik berichten von Joahas, dem Sohn Josias, den der ägyptische Pharao Necho absetzte und nach Ägypten brachte.
Als die Löwin sah, dass ihre Hoffnung auf diesen jungen Löwen verloren war, nahm sie einen anderen ihrer Jungen und machte ihn zu einem jungen Löwen. Auch dieser bewegte sich unter den Löwen, riss Beute und verbreitete Schrecken. Schließlich sammelten sich die Völker gegen ihn, fingen ihn in ihrer Grube und brachten ihn mit Haken fort. Er wurde in einen Käfig gebracht, damit seine Stimme nicht mehr auf den Bergen Israels gehört würde.
Die genaue Zuordnung dieses zweiten Löwen wird im Gleichnis selbst nicht mit einem Namen angegeben. Im Zusammenhang von Hesekiels Zeit und der Wegführung nach Babylon liegt eine Verbindung zu einem der späteren Könige Judas nahe, besonders zu der königlichen Linie, die unter babylonische Gewalt geriet. Entscheidend für Hesekiels Botschaft ist jedoch weniger die Identifizierung jeder Einzelheit als die Bewegung des Klageliedes: Die Hoffnung auf menschliche königliche Stärke zerbricht wiederholt, und die Herrscher Judas können dem Gericht nicht entkommen.
Danach verändert sich das Bild. Hesekiel beschreibt die Mutter als einen Weinstock, der an Wasser gepflanzt war. Wegen des reichlichen Wassers war er fruchtbar und voller Zweige. Aus ihm wuchsen starke Äste, die sich als Herrscherstäbe eigneten, und seine Höhe ragte zwischen dichtem Gezweig empor. Das Bild erinnert an eine Zeit, in der das Königshaus Judas Kraft und Herrschaft besaß. Seine Stellung war nicht von Anfang an schwach gewesen.
Doch der Weinstock wurde im Zorn ausgerissen und zu Boden geworfen. Der Ostwind vertrocknete seine Frucht, seine starken Zweige wurden abgerissen, und Feuer verzehrte sie. Schließlich wurde er in eine dürre und wasserlose Gegend verpflanzt. Aus einem seiner eigenen Hauptzweige ging Feuer hervor und vernichtete seine Frucht, sodass kein starker Zweig mehr übrigblieb, der als Herrscherstab dienen konnte.
Diese Bilder fassen die Krise des davidischen Königshauses in einer Weise zusammen, die für Hesekiels Hörer besonders schmerzhaft gewesen sein musste. Juda besaß die Verheißung, die Gott David gegeben hatte, doch die gegenwärtigen Könige konnten sich nicht allein auf ihre Abstammung berufen. Wie Hesekiel bereits hinsichtlich des Tempels gezeigt hatte, war auch eine geheiligte Institution keine Garantie dafür, dass Gott Untreue einfach übergehen würde. Königliche Herkunft hob persönliche und nationale Verantwortung nicht auf.
Dabei bedeutet das Zerbrechen der damaligen Herrschaft nicht, dass Gott seine Verheißungen an David aufgegeben hätte. Schon das Gleichnis vom zarten Zweig hatte gezeigt, dass Gott selbst neue Zukunft schaffen konnte, nachdem menschliche Herrschaft gescheitert war. Die unmittelbare Lage Judas blieb dennoch eine des Gerichts. Der sichtbare Thron in Jerusalem würde nicht durch politische Stärke gerettet werden.
Hesekiel schließt ausdrücklich: „Das ist ein Klagelied und soll ein Klagelied bleiben.“ Er sollte den Zusammenbruch nicht triumphierend verkünden. Der Niedergang des Königshauses war Anlass zur Klage. Eine Geschichte, die mit göttlicher Berufung und großer Verheißung verbunden war, war durch menschliche Untreue an einen Punkt gelangt, an dem die gegenwärtige Herrschaft zerbrach.
Damit stand erneut die Frage im Raum, wie es überhaupt so weit hatte kommen können. Die Schuld Judas war nicht erst unter den letzten Königen entstanden. Als einige Älteste Hesekiel wenig später erneut aufsuchten, führte Gott den Propheten deshalb weit zurück in die Geschichte Israels. Hesekiel sollte zeigen, dass die gegenwärtige Krise Teil einer langen Geschichte von Gnade, Auflehnung, Warnung und immer neuer göttlicher Geduld war.
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Hesekiel erinnert Israel an seine lange Geschichte der Auflehnung
Hesekiel 20,1-12 – „1 Im siebenten Jahre, am zehnten Tage des fünften Monats, begab es sich, daß etliche von den Ältesten Israels zu mir kamen, den HERRN zu befragen, und setzten sich vor mir nieder. 2 Da erging das Wort des HERRN folgendermaßen an mich: 3 Menschensohn, sage zu den Ältesten Israels und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Um mich zu befragen, seid ihr gekommen? So wahr ich lebe, spricht Gott,…"
Hesekiel 20,1-12 – „1 Im siebenten Jahre, am zehnten Tage des fünften Monats, begab es sich, daß etliche von den Ältesten Israels zu mir kamen, den HERRN zu befragen, und setzten sich vor mir nieder. 2 Da erging das Wort des HERRN folgendermaßen an mich: 3 Menschensohn, sage zu den Ältesten Israels und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Um mich zu befragen, seid ihr gekommen? So wahr ich lebe, spricht Gott,…"
Hesekiel 20,13-26 – „13 Aber das Haus Israel war mir in der Wüste widerspenstig; sie wollten nicht in meinen Satzungen wandeln, sondern verwarfen meine Rechte, durch welche der Mensch lebt, wenn er sie tut, und meine Sabbate entheiligten sie sehr. Da nahm ich mir vor, meinen Grimm über sie auszuschütten und sie in der Wüste aufzureiben. 14 Aber ich handelte um meines Namens willen, daß er angesichts der Heiden, vor d…"
Hesekiel 20,27-44 – „27 Darum, o Menschensohn, rede mit dem Hause Israel und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Auch dadurch haben mich eure Väter gelästert, daß sie treulos an mir handelten: 28 denn als ich sie in das Land gebracht, betreffs dessen ich geschworen hatte, daß ich es ihnen geben wolle, da ersahen sie jeden hohen Hügel und dichtbelaubten Baum und schlachteten daselbst ihre Opfer und brachten do…"
Im siebten Jahr, am zehnten Tag des fünften Monats, kamen erneut einige von den Ältesten Israels zu Hesekiel und setzten sich vor ihm nieder, um den HERRN zu befragen. Doch diesmal antwortete Gott mit einer ernsten Zurückweisung. Er erklärte, dass er sich von ihnen nicht befragen lassen werde, und forderte Hesekiel auf, ihnen die Gräuel ihrer Väter vor Augen zu stellen. Die gegenwärtige Krise sollte nicht losgelöst von der langen Geschichte des Volkes verstanden werden.
Gott begann bei Israel in Ägypten. Dort hatte er sich dem Volk offenbart, sich ihnen als der HERR, ihr Gott, zu erkennen gegeben und ihnen zugesagt, sie aus Ägypten in ein gutes Land zu führen. Gleichzeitig hatte er sie aufgefordert, die Götzen Ägyptens wegzuwerfen und sich nicht durch sie zu verunreinigen. Doch schon dort widersetzten sie sich ihm und wollten ihre Götzen nicht aufgeben. Israels spätere Auflehnung begann nach Hesekiels Darstellung also nicht erst im verheißenen Land.
Dennoch vernichtete Gott das Volk nicht in Ägypten. Er handelte um seines Namens willen, damit dieser vor den Völkern nicht entheiligt würde. Er führte Israel aus Ägypten heraus und brachte es in die Wüste. Dort gab er ihnen seine Ordnungen und Rechtsbestimmungen, durch die der Mensch leben sollte, wenn er sie befolgte. Befreiung und Gehorsam erscheinen in dieser Reihenfolge: Gott hatte Israel zuerst aus der Knechtschaft geführt und gab ihm danach seine Gebote als Volk seines Bundes.
In diesem Zusammenhang hebt Hesekiel den Sabbat ausdrücklich hervor. Gott sagt, dass er Israel seine Sabbate gab, damit sie ein Zeichen zwischen ihm und ihnen seien und sie erkennen sollten, dass er der HERR ist, der sie heiligt. Der Sabbat erscheint damit nicht als menschliches Mittel, Heiligkeit zu verdienen. Er weist auf Gott als den hin, der sein Volk heiligt. Gerade deshalb wurde die Missachtung des Sabbats zu einem sichtbaren Ausdruck dafür, dass Israel sich gegen den Gott stellte, zu dem dieses Zeichen gehörte.
Doch auch die Generation in der Wüste widersetzte sich. Sie verwarf Gottes Ordnungen und entheiligte seine Sabbate. Wieder kündigte Gott Gericht an, und wieder heißt es, dass er um seines Namens willen nicht die vollständige Vernichtung vollzog. Gleichzeitig schwor er, dass die rebellische Generation das verheißene Land nicht erreichen sollte. Gottes Geduld hob die Folgen hartnäckigen Unglaubens nicht auf.
Darauf wandte sich Gott an die Kinder jener Generation. Sie sollten nicht in den Ordnungen ihrer Väter leben und sich nicht durch deren Götzen verunreinigen. Erneut lautete der Ruf, Gottes Gebote zu halten und seine Sabbate zu heiligen, damit diese als Zeichen der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk dienten. Doch auch die folgende Generation rebellierte. Hesekiels Rückblick zeigt damit ein wiederkehrendes Muster: Gott offenbart sich, schenkt Gnade und Weisung, der Mensch widersetzt sich, Gott warnt und richtet – und bewahrt dennoch seinen Erlösungsplan.
Ein schwieriger Abschnitt folgt, wenn Gott davon spricht, Israel auch Satzungen preisgegeben zu haben, die nicht gut waren, und Ordnungen, durch die sie nicht leben konnten. Im Zusammenhang kann dies nicht bedeuten, dass Gottes eigenes heiliges Gesetz plötzlich böse geworden wäre; wenige Verse zuvor werden seine Gebote gerade als lebensbringend beschrieben. Der Text führt vielmehr in die Folgen der beharrlichen Auflehnung hinein: Wer Gottes gute Weisung fortgesetzt verwirft, wird schließlich den zerstörerischen Wegen überlassen, die er selbst gewählt hat. Hesekiel verbindet dies unmittelbar mit den grausamen Praktiken, durch die Israel seine Erstgeborenen gehen ließ und sich dadurch verunreinigte.
Auch nach dem Einzug in das Land setzte sich die Untreue fort. Auf hohen Hügeln und unter dicht belaubten Bäumen brachten die Israeliten Opfer dar und suchten fremde Kultstätten auf. Hesekiel stellt deshalb eine direkte Verbindung zwischen der Geschichte der Väter und der Generation seiner eigenen Zeit her. Die Ältesten, die vor ihm saßen, konnten die Vergangenheit nicht nur verurteilen, während sie selbst an vergleichbaren Formen der Abkehr festhielten.
Gott widersprach zugleich der Vorstellung, Israel könne einfach wie die anderen Völker werden und Holz und Stein dienen. Trotz aller Untreue erklärte er, dass er als König über sein Volk handeln werde. Er kündigte an, Israel aus den Völkern zu sammeln, es unter seinen Hirtenstab zu führen und in die Bindung des Bundes zu bringen. Zugleich sollte es eine Scheidung geben: Die Aufrührer sollten ausgesondert werden und nicht in das Land Israel hineinkommen. Wiederherstellung bedeutete daher nicht, dass Gott Rebellion einfach überging.
Am Ende richtet sich der Blick auf eine gereinigte Anbetung. Auf Gottes heiligem Berg sollte Israel ihm dienen, und dort wollte er sein Volk annehmen. Die Menschen sollten sich an ihre früheren Wege erinnern und sich wegen ihrer Untreue schämen. Doch der Mittelpunkt dieser Wiederherstellung liegt nicht in ihrer Leistung. Sie sollten erkennen, dass Gott der HERR ist, wenn er um seines Namens willen mit ihnen handelt und nicht entsprechend der ganzen Verderbtheit ihrer bisherigen Wege.
Für Hesekiel verband diese Botschaft die gegenwärtige Krise mit der gesamten Bundesgeschichte Israels. Das Gericht über Jerusalem war kein plötzliches Umschlagen Gottes gegen ein grundsätzlich treues Volk. Generation um Generation hatte seine Gnade erfahren und sich dennoch von ihm entfernt. Ebenso war die Hoffnung nicht darin begründet, dass die aktuelle Generation besser wäre als ihre Väter. Sie lag darin, dass der HERR seinem Namen treu blieb, sein Volk zur Umkehr rief und seinen Bund trotz menschlicher Untreue nicht aus den Händen gab.
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Hesekiel kündigt das Schwert über Jerusalem an
Hesekiel 21,1-12 – „1 das Wort des HERRN erging an mich also: 2 schensohn, richte dein Angesicht gegen Jerusalem und rede wider die Heiligtümer und weissage wider das Land Israel. Und sage zu dem Lande Israel: 3 spricht der HERR: Siehe, ich will an dich; ich will mein Schwert aus seiner Scheide ziehen und Gerechte und Gottlose in dir ausrotten. 4 l ich nun Gerechte und Gottlose in dir ausrotten will, so soll mein Sc…"
Hesekiel 21,1-12 – „1 das Wort des HERRN erging an mich also: 2 schensohn, richte dein Angesicht gegen Jerusalem und rede wider die Heiligtümer und weissage wider das Land Israel. Und sage zu dem Lande Israel: 3 spricht der HERR: Siehe, ich will an dich; ich will mein Schwert aus seiner Scheide ziehen und Gerechte und Gottlose in dir ausrotten. 4 l ich nun Gerechte und Gottlose in dir ausrotten will, so soll mein Sc…"
Hesekiel 21,13-22 – „13 n es ist eine Prüfung; und wie ginge es, wenn die verachtende Rute nicht wäre? spricht Gott, der HERR. 14 du, Menschensohn, weissage und schlage die Hände zusammen! Denn das Schwert wird zweifach, ja dreifach kommen! Ein Mordschwert ist es, ein großes Mordschwert, das sie umkreist. 15 daß die Herzen verzagen und die Gefallenen zahlreich werden an allen ihren Toren, habe ich wider sie das drohe…"
Hesekiel 21,23-32 – „23 r sie halten es für eine falsche Wahrsagung, wegen der Eide, die geschworen wurden; jener aber bringt ihre Missetat in Erinnerung, damit sie gefangen werden. 24 um spricht Gott, der HERR: Weil ihr eure Missetat in Erinnerung bringet, indem ihr eure Übertretungen aufdecket, so daß eure Sünden in allen euren Taten offenbar werden; weil ihr euch in Erinnerung bringt, so sollt ihr stehenden Fußes …"
Nach dem langen Rückblick auf Israels Auflehnung wurde Hesekiels Botschaft wieder unmittelbar auf das bevorstehende Gericht über Jerusalem zugespitzt. Gott befahl ihm, sein Angesicht gegen Jerusalem zu richten, gegen die Heiligtümer zu reden und über das Land Israel zu weissagen. Der HERR kündigte an, sein Schwert aus der Scheide zu ziehen. Damit wurde das Gericht nun in einem Bild beschrieben, das keinen Zweifel mehr an seiner ernsten und gewaltsamen Gestalt ließ.
Hesekiel sollte erklären, dass das Schwert durch das Land gehen würde und dass die bevorstehende Katastrophe weitreichende Folgen haben sollte. Das Bild richtet sich nicht gegen ein abstraktes politisches System, sondern beschreibt den Zusammenbruch, der über Juda kommen würde. Gerade weil Jerusalem weiterhin bestand und der Tempel noch vorhanden war, musste Hesekiel gegen jede Hoffnung sprechen, die äußere Existenz der Stadt sei ein Beweis dafür, dass Gottes frühere Warnungen nicht eintreffen würden.
Die Botschaft traf Hesekiel selbst nicht unberührt. Gott befahl ihm zu seufzen, und zwar mit gebrochenem Herzen und großer Bitterkeit vor den Augen der Menschen. Wenn sie ihn nach dem Grund fragten, sollte er auf die Nachricht hinweisen, die kommen würde: Herzen würden verzagen, Hände erschlaffen und Knie schwach werden. Die Zeichenhandlung machte deutlich, dass der Prophet das Gericht nicht gefühllos verkündigte. Was er ankündigen musste, war erschütternd, auch wenn es gerecht war.
Dann beschreibt Hesekiel das Schwert als geschärft und zum Töten bereit. Es war nicht mehr die Zeit einer entfernten Warnung, deren Erfüllung sich beliebig hinauszögern ließ. Gott hatte bereits mehrfach erklärt, dass sein Wort nicht weiter aufgeschoben werde. Nun wird diese Nähe in dem wiederholten Bild des geschärften Schwertes verdichtet. Hesekiel sollte klagen und sichtbar machen, dass auch die Herrschaft Judas von diesem Gericht getroffen werden würde.
Anschließend wurde die politische Bewegung hinter dem Bild genauer gezeigt. Der König von Babylon stand mit seinem Heer an einer Wegscheide, an der sich zwei Wege trennten. Einer führte gegen Rabba, die Hauptstadt der Ammoniter, der andere gegen das befestigte Jerusalem. Hesekiel beschreibt, wie der babylonische König an dieser Wegkreuzung nach seinen heidnischen Methoden eine Entscheidung suchte. Der Bibeltext berichtet diese Praktiken, ohne sie als von Gott gebilligte Offenbarung darzustellen.
Das Ergebnis wies nach Jerusalem. Für die Bewohner der Stadt konnte dies wie eine falsche Weissagung erscheinen, besonders wenn sie sich weiterhin auf bestehende Eide oder politische Erwartungen verließen. Doch Gott erklärte, dass ihre eigene Schuld in Erinnerung gebracht werde. Gerade weil ihre Übertretungen offen zutage getreten waren, sollten sie dem Gericht nicht entkommen. Babylon handelte aus seinen eigenen politischen Motiven, und dennoch stand sein Vorrücken gegen Jerusalem innerhalb des Gerichts, das Gott zuvor angekündigt hatte.
Besonders richtet sich die Botschaft nun an den „entweihten, gottlosen Fürsten Israels“, dessen Tag gekommen war. Zedekias Herrschaft näherte sich ihrem Ende. Gott befahl bildhaft, den Kopfbund abzunehmen und die Krone wegzutun. Die bestehende Ordnung sollte umgekehrt werden: Das Niedrige sollte erhöht und das Hohe erniedrigt werden. Der davidische Thron konnte in seiner damaligen Gestalt nicht einfach weiterbestehen, als wäre der Bundesbruch des Königs bedeutungslos.
Doch mitten in dieser Ankündigung steht eine bemerkenswerte Aussage. Die bestehende Herrschaft sollte zu Trümmern werden, „bis der kommt, dem das Recht gehört“, und diesem wollte Gott sie geben. Die Formulierung greift sprachlich eine ältere Verheißung aus Jakobs Segen über Juda auf und öffnet den Blick über Zedekias Untergang hinaus. Die gegenwärtige Krone konnte fallen, ohne dass Gottes Plan mit der davidischen Herrschaft endgültig gescheitert war. Die letzte rechtmäßige Herrschaft lag nicht in der Fähigkeit Zedekias, seinen Thron zu retten, sondern in Gottes eigener Verheißung.
Auch Ammon, das an der Wegscheide zunächst nicht zum Angriffsziel geworden war, sollte dem Gericht nicht dauerhaft entgehen. Hesekiels Botschaft endet deshalb nicht mit der Vorstellung, Babylon selbst sei die endgültige Hoffnung oder gerechte Herrschaft. Auch andere Völker standen unter Gottes Urteil. Das Schwert war ein Werkzeug innerhalb der Geschichte, nicht der höchste Herrscher über sie. Über Königen, Armeen und politischen Entscheidungen stand weiterhin der Gott, dessen Thron Hesekiel am Kebar gesehen hatte.
Damit verdichtete sich Hesekiels Verkündigung weiter auf Jerusalems unmittelbar bevorstehenden Fall. Der Tempel, die Stadt und die Krone konnten die Folgen lang anhaltender Untreue nicht abwenden. Doch selbst als die sichtbare Herrschaft zerbrach, blieb eine Verheißung bestehen: Gott würde die endgültige Herrschaft dem geben, dem sie rechtmäßig gehört. Bevor dieser Hoffnung weiter nachgegangen werden konnte, musste Hesekiel jedoch noch einmal schonungslos offenlegen, weshalb Jerusalem überhaupt zu einer Stadt geworden war, über die ein solches Urteil gesprochen werden musste.
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Hesekiel legt Jerusalems Schuld offen
Hesekiel 22,1-12 – „1 Und das Wort des HERRN erging folgendermaßen an mich: 2 Du, Menschensohn, willst du richten, willst du die blutdürstige Stadt richten? So halte ihr alle ihre Greuel vor und sprich: 3 So spricht Gott, der HERR: O Stadt, die in ihrer Mitte Blut vergießt, daß ihre Zeit komme, und die bei sich selbst Götzen macht, daß sie sich verunreinige! 4 Du hast dich durch das Blut, welches du vergossen hast, …"
Hesekiel 22,1-12 – „1 Und das Wort des HERRN erging folgendermaßen an mich: 2 Du, Menschensohn, willst du richten, willst du die blutdürstige Stadt richten? So halte ihr alle ihre Greuel vor und sprich: 3 So spricht Gott, der HERR: O Stadt, die in ihrer Mitte Blut vergießt, daß ihre Zeit komme, und die bei sich selbst Götzen macht, daß sie sich verunreinige! 4 Du hast dich durch das Blut, welches du vergossen hast, …"
Hesekiel 22,17-22 – „17 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 18 Menschensohn, das Haus Israel ist mir zu Schlacken geworden! Sie alle sind wie Erz, Zinn, Eisen und Blei im Schmelzofen; Silberschlacken sind sie geworden. 19 Darum spricht Gott, der HERR: Weil ihr alle zu Schlacken geworden seid, so will ich euch mitten in Jerusalem zusammenbringen; 20 wie man Silber, Erz, Eisen, Blei und Zinn mitten in einem Sch…"
Hesekiel 22,23-31 – „23 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 24 Menschensohn, sprich zu ihm: Du bist ein Land, das nicht beregnet worden ist, das keinen Regenguß empfangen hat am Tage des Zorns. 25 Seine Propheten, die darinnen sind, haben sich miteinander verschworen, Seelen zu verschlingen wie ein brüllender Löwe, der den Raub zerreißt; sie reißen Reichtum und Gut an sich und machen viele Witwen darin. 26 Se…"
Nachdem Hesekiel das Schwert über Jerusalem angekündigt hatte, erhielt er den Auftrag, die Schuld der Stadt noch einmal konkret vor Augen zu führen. Gott bezeichnete Jerusalem als eine Stadt, in der Blut vergossen wurde und Götzendienst herrschte. Das bevorstehende Gericht sollte dadurch nicht wie eine unverständliche Katastrophe erscheinen. Hesekiel musste benennen, welche Zustände sich unter Gottes Volk ausgebreitet hatten und warum die Stadt unter sein Urteil geraten war.
Die Anklage umfasst weit mehr als den Götzendienst allein. Hesekiel spricht von Blutvergießen, Missachtung der Eltern, Unterdrückung von Fremden, Waisen und Witwen sowie von Verachtung dessen, was Gott geheiligt hatte. Auch die Sabbate wurden entheiligt. Menschen verbreiteten Verleumdungen, um andere ins Verderben zu bringen, und auf den Höhen wurden Opfermahlzeiten im Zusammenhang mit Götzendienst gehalten. Religiöse Untreue und soziale Ungerechtigkeit standen damit nicht getrennt nebeneinander, sondern gehörten zu demselben Abfall von Gottes Ordnung.
Auch im Bereich der Sexualität beschreibt Hesekiel schwere Grenzüberschreitungen. Innerhalb von Familien wurden von Gott gesetzte Ordnungen verletzt, Frauen wurden in ihrer Unreinheit missachtet und Ehebruch begangen. Andere nutzten Geld, um Menschen zu schädigen, verlangten Zinsen und ungerechten Gewinn oder bereicherten sich durch Gewalt. Die Aufzählung zeigt eine Gesellschaft, in der Gottes Gebote in nahezu allen Lebensbereichen zurückgedrängt worden waren.
Am Ende dieser ersten Anklage nennt Gott einen Grund, der hinter vielen dieser Verfehlungen stand: „Mich aber hast du vergessen.“ Damit führt Hesekiel die einzelnen Sünden auf eine tiefere geistliche Wirklichkeit zurück. Wo Gott aus dem Mittelpunkt verschwindet, zerfällt nicht nur die rechte Anbetung; auch der Umgang mit Menschen wird beschädigt. Jerusalem hatte den HERRN nicht lediglich in einzelnen religiösen Fragen missachtet, sondern lebte zunehmend so, als müsse sein Wille das gesellschaftliche und persönliche Handeln nicht mehr bestimmen.
Darauf erhielt Hesekiel das Bild eines Schmelzofens. Das Haus Israel war in Gottes Augen wie Metall geworden, das gemeinsam mit Schlacken im Ofen gesammelt wird. Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn werden genannt, doch der Schwerpunkt liegt darauf, dass das Volk wie unbrauchbare Schlacke gesammelt worden war. Jerusalem sollte zu einem Ort werden, an dem das Gericht wie die Hitze eines Schmelzofens über seine Bewohner kam. Das Bild verdeutlicht, wie vollständig die Krise die Stadt erfassen würde.
Die folgende Botschaft richtet den Blick auf die verschiedenen verantwortlichen Gruppen im Land. Die Propheten werden beschuldigt, sich wie reißende Löwen zu verhalten, Menschen zu verschlingen und sich Besitz anzueignen. Sie behaupteten, Visionen zu sehen und Worte Gottes zu hören, obwohl der HERR nicht gesprochen hatte. Damit wird die bereits zuvor behandelte falsche Prophetie nun in das Gesamtbild einer verdorbenen Führungsschicht eingeordnet.
Auch die Priester hatten ihre besondere Verantwortung verletzt. Sie unterschieden nicht mehr zuverlässig zwischen heilig und unheilig sowie zwischen rein und unrein und verschlossen ihre Augen vor Gottes Sabbaten. Dadurch wurde Gottes Name mitten unter seinem Volk entheiligt. Gerade diejenigen, deren Dienst eigentlich dazu bestimmt war, Gottes Heiligkeit sichtbar zu machen und sein Volk in seinen Ordnungen zu unterweisen, trugen zur Verwischung dieser Unterschiede bei.
Die Fürsten beschreibt Hesekiel wie Wölfe, die auf Beute aus sind. Sie vergossen Blut und suchten ungerechten Gewinn. Die Propheten wiederum übertünchten diese Zustände mit falschen Visionen und behaupteten: „So spricht Gott, der HERR“, obwohl Gott nicht gesprochen hatte. Dadurch schützten religiöse Botschaften nicht die Schwachen vor Machtmissbrauch, sondern konnten den bestehenden Zustand sogar noch absichern.
Schließlich wird auch das Volk des Landes genannt. Unterdrückung, Raub und die Misshandlung von Armen, Bedürftigen und Fremden hatten sich verbreitet. Die Schuld Jerusalems konnte damit nicht allein einer einzigen Gruppe zugeschrieben werden. Propheten, Priester, Fürsten und Teile des Volkes hatten auf unterschiedliche Weise zu dem Zustand beigetragen, gegen den Hesekiel sprechen musste. Verantwortung war verschieden verteilt, aber der Abfall durchdrang die Gesellschaft tief.
Dann folgt eine der eindringlichsten Aussagen dieses Abschnitts. Gott suchte unter ihnen einen Mann, der die Mauer aufrichten und vor ihm für das Land in die Bresche treten würde, damit er es nicht verderben müsse, fand aber keinen. Dieses Wort stellt Gottes Gericht nicht als vorschnelle Vernichtung dar. Das Bild zeigt vielmehr, wie tief die Zerstörung bereits geworden war und wie sehr eine treue, verantwortliche Fürsprache und Leitung fehlte.
Für Hesekiel selbst erhielt diese Aussage besonderes Gewicht. Er war zum Wächter berufen worden und hatte wiederholt angesichts des drohenden Gerichts zu Gott gerufen. Doch sein persönlicher Dienst konnte die fortgesetzte Rebellion Jerusalems nicht einfach aufheben. Er sollte warnen, erklären und treu Gottes Wort verkündigen; die Stadt musste dennoch die Folgen ihres Weges tragen. Als Nächstes führte Gott Hesekiel mit einem weiteren drastischen Bild durch die Geschichte der beiden Reiche Israel und Juda und zeigte, wie ihre Untreue trotz wiederholter Warnungen immer weiter fortgeschritten war.
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Hesekiel schildert die Untreue Samarias und Jerusalems
Hesekiel 23,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, es waren zwei Weiber, Töchter einer Mutter; 3 die trieben Hurerei in Ägypten, in ihrer Jugend hurten sie; daselbst sind ihre Brüste gedrückt und ihre jungfräulichen Busen betastet worden. 4 Die ältere hieß Ohola, und ihre Schwester hieß Oholiba. Diese wurden mein und gebaren Söhne und Töchter. Und dieses waren ihre Namen: Samaria ist O…"
Hesekiel 23,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, es waren zwei Weiber, Töchter einer Mutter; 3 die trieben Hurerei in Ägypten, in ihrer Jugend hurten sie; daselbst sind ihre Brüste gedrückt und ihre jungfräulichen Busen betastet worden. 4 Die ältere hieß Ohola, und ihre Schwester hieß Oholiba. Diese wurden mein und gebaren Söhne und Töchter. Und dieses waren ihre Namen: Samaria ist O…"
Hesekiel 23,11-21 – „11 Als ihre Schwester Oholiba solches sah, mißbrauchte sie ihre Liebe noch mehr als jene und übertraf ihre Schwester in der Hurerei. 12 Sie verliebte sich heftig in die Assyrer, in die Fürsten und Herren, die sich ihr nahten, welche köstlich gekleidet waren, Reiter, welche auf Rossen daherritten, lauter hübsche Jünglinge. 13 Und ich sah, daß sie sich verunreinigte, gleicherweise wie die erste der…"
Hesekiel 23,22-35 – „22 Darum, Oholiba, spricht Gott, der HERR, also: Siehe, ich will deine Liebhaber, von welchen sich deine Seele abgewandt hat, erwecken und sie von ringsumher über dich kommen lassen: 23 die Söhne Babels und alle Chaldäer, Hauptleute, Fürsten, Gewaltige, samt allen Assyrern; schmucke Jünglinge, lauter Fürsten und Herren, Hauptleute und berühmte Männer, alle auf Pferden reitend. 24 Diese werden übe…"
Hesekiel 23,36-49 – „36 Ferner sprach der HERR zu mir: Menschensohn, willst du nicht Ohola und Oholiba strafen und ihnen ihre Greuel vorhalten, 37 daß sie Ehebruch getrieben haben und daß Blut an ihren Händen ist; daß sie mit ihren Götzen Ehebruch getrieben haben; daß sie ihre eigenen Kinder, welche sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen ließen, so daß sie verzehrt wurden? 38 Überdies haben sie mir auch das angeta…"
Nach der umfassenden Anklage gegen Jerusalem erhielt Hesekiel ein weiteres Gleichnis, in dem Gott die Geschichte der beiden Reiche Israel und Juda miteinander verband. Zwei Frauen, die als Schwestern beschrieben werden, stehen darin für Samaria und Jerusalem. Sie erhalten die bildhaften Namen Ohola und Oholiba. Gott greift erneut die Sprache ehelicher Untreue auf, um sichtbar zu machen, wie sich sein Volk von ihm abwandte und bei fremden Göttern und politischen Mächten Sicherheit suchte.
Die erste Schwester, Ohola, steht für Samaria, die Hauptstadt des Nordreichs Israel. Obwohl sie Gott gehörte, wandte sie sich den Assyrern zu. Hesekiel beschreibt ihre Begeisterung für deren Herrscher, Krieger und militärische Macht mit bewusst drastischer Sprache. Hinter dem Bild steht eine geistliche und politische Wirklichkeit: Israel vertraute auf fremde Mächte und verband sich zugleich mit deren Götzendienst. Die Abkehr von Gott und die Suche nach menschlicher Absicherung gingen miteinander einher.
Schließlich wurden gerade die Assyrer, nach denen Samaria verlangt hatte, zu Werkzeugen ihres Untergangs. Sie brachten Gericht über sie, nahmen ihre Kinder fort und töteten viele ihrer Bewohner. Damit blickt Hesekiel auf den bereits geschehenen Fall des Nordreichs zurück. Samarias Geschichte war für Juda kein unbekanntes Beispiel. Jerusalem konnte sehen, wohin ein Weg führte, auf dem Bundesuntreue, Götzendienst und Vertrauen auf fremde Großmächte miteinander verbunden wurden.
Doch Oholiba, Jerusalem, zog aus diesem Schicksal keine heilsame Konsequenz. Hesekiel erklärt ausdrücklich, dass sie die Untreue ihrer Schwester sah und dennoch noch verderblicher handelte. Auch sie begeisterte sich für fremde Mächte, zunächst für die Assyrer und danach besonders für die Babylonier. Bilder chaldäischer Männer weckten in der Gleichnissprache ihr Verlangen, und Jerusalem sandte Boten nach Babylon. Damit wird ihre politische Orientierung wiederum als Ausdruck einer tieferen Entfernung von Gott beschrieben.
Bemerkenswert ist, dass Jerusalem sich später von Babylon abwandte. Die Beziehung, die sie zunächst gesucht hatte, wurde ihr widerwärtig. Doch diese politische Kehrtwende bedeutete keine Rückkehr zu Gott. Stattdessen blickte Juda erneut nach Ägypten. Hesekiel verbindet damit verschiedene Phasen der letzten judäischen Politik: Assyrien, Babylon und Ägypten erscheinen nacheinander als Mächte, bei denen Gottes Volk Unterstützung suchte, während die eigentliche Bundesbeziehung immer weiter missachtet wurde.
Gott kündigte deshalb an, dass gerade die Babylonier und ihre Verbündeten gegen Jerusalem heraufziehen würden. Die Menschen, nach denen die Stadt sich zuvor ausgestreckt hatte, sollten nun von allen Seiten gegen sie kommen. Hesekiel beschreibt das folgende Gericht in drastischen Bildern von Krieg, Verwüstung und Demütigung. Die Sprache ist hart, weil das Gleichnis die zerstörerischen Folgen einer über lange Zeit fortgesetzten Bundesuntreue darstellen soll; sie darf nicht von diesem prophetischen Zusammenhang gelöst oder zu einer allgemeinen Aussage über Frauen gemacht werden.
Der entscheidende Grund wird mehrfach genannt: Jerusalem hatte Gott vergessen und ihn hinter sich geworfen. Deshalb sollte sie die Folgen ihres Weges tragen. Ihre Schuld bestand nicht darin, dass sie außenpolitische Entscheidungen überhaupt getroffen hatte, sondern darin, dass sie ihre Sicherheit unabhängig von Gott suchte, sich fremdem Götzendienst öffnete und den Bund mit dem HERRN verachtete. Politische Untreue war damit Teil einer umfassenderen geistlichen Entfremdung.
Anschließend sollte Hesekiel die beiden Schwestern ausdrücklich wegen ihrer Gräuel richten. Gott nennt Ehebruch im übertragenen Sinn, Blutvergießen und Götzendienst. Besonders schwer wiegt erneut die Opferung von Kindern. Die Menschen hatten ihre Kinder den Götzen geopfert und waren danach noch am selben Tag in Gottes Heiligtum gekommen. Dadurch verbanden sie schwersten Abfall mit äußerer religiöser Nähe zum Tempel.
Auch Gottes Sabbate wurden entheiligt. Wie bereits in Hesekiel 20 stehen Heiligtum und Sabbat innerhalb der Bundesbeziehung zu Gott. Ihre Missachtung erscheint nicht als isolierte kultische Nachlässigkeit, sondern als Ausdruck dafür, dass das Volk die Heiligkeit dessen verachtete, der diese Zeichen gegeben hatte. Jerusalem konnte nicht zugleich Götzendienst betreiben, unschuldiges Blut vergießen und die äußeren Formen der Gottesverehrung so behandeln, als hätten diese unabhängig vom übrigen Leben Bestand.
Das Kapitel endet mit der Ankündigung, dass die Untreue aus dem Land entfernt werden sollte und andere daraus lernen sollten. Wieder lautet das Ziel des Gerichts, dass erkannt wird, wer der HERR ist. Hesekiels Botschaft führte damit die Geschichte Samarias und Jerusalems zu einem gemeinsamen Ergebnis: Beide hatten Gottes Warnungen missachtet, und Jerusalem hatte selbst das frühere Schicksal seiner Schwester nicht zum Anlass genommen, umzukehren.
Noch immer waren diese Worte prophetische Warnungen. Doch die Zeit, in der Hesekiel lediglich ankündigte, was Jerusalem treffen würde, näherte sich ihrem Ende. Bald sollte Gott ihm einen genauen Tag nennen und erklären, dass der König von Babylon an eben diesem Tag die Belagerung Jerusalems begonnen hatte. Für Hesekiel selbst würde dieser Wendepunkt zugleich mit einem besonders schmerzlichen persönlichen Verlust verbunden sein.
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Der Tag der Belagerung Jerusalems ist gekommen
Hesekiel 24,1-5 – „1 Im neunten Jahr, im zehnten Monat, am zehnten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, schreibe dir den Namen dieses Tages auf, ja, eben dieses heutigen Tages; denn der König von Babel hat sich an eben diesem Tage auf Jerusalem geworfen! 3 Und du sollst dem widerspenstigen Hause ein Gleichnis vortragen und zu ihnen sagen: So spricht Gott, der HERR: Stelle den Top…"
Hesekiel 24,1-5 – „1 Im neunten Jahr, im zehnten Monat, am zehnten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, schreibe dir den Namen dieses Tages auf, ja, eben dieses heutigen Tages; denn der König von Babel hat sich an eben diesem Tage auf Jerusalem geworfen! 3 Und du sollst dem widerspenstigen Hause ein Gleichnis vortragen und zu ihnen sagen: So spricht Gott, der HERR: Stelle den Top…"
Hesekiel 24,6-14 – „6 Darum spricht Gott, der HERR, also: Wehe der blutbefleckten Stadt, dem Topfe, an dem noch der Rost hängt und von dem der Rost nicht abgefegt ist! Stück um Stück hat man herausgenommen, ohne das Los darüber zu werfen! 7 Denn ihr Blut ist noch mitten in ihr. Sie hat es auf einen nackten Felsen gegossen und nicht auf die Erde geschüttet, daß man es mit Staub hätte zudecken können. 8 Um meinen Zorn…"
2. Könige 25,1-2 – „1 Und es begab sich im neunten Jahre seines Königreichs, am zehnten Tage des zehnten Monats, da kam Nebukadnezar, der König von Babel, mit aller seiner Macht wider Jerusalem und belagerte die Stadt; und sie bauten Belagerungstürme um sie her. 2 Und die Stadt wurde belagert bis ins elfte Jahr des Königs Zedekia."
Im neunten Jahr, am zehnten Tag des zehnten Monats, geschah etwas Entscheidendes in Hesekiels Dienst. Das Wort des HERRN kam zu ihm mit der Aufforderung, genau diesen Tag aufzuschreiben. Der Grund wurde unmittelbar genannt: An eben diesem Tag rückte der König von Babylon gegen Jerusalem vor. Was Hesekiel über Jahre hinweg angekündigt und in Zeichenhandlungen dargestellt hatte, begann nun geschichtliche Wirklichkeit zu werden.
Diese genaue Datierung hebt den Augenblick aus den bisherigen Warnungen heraus. Hesekiel lebte weiterhin weit entfernt von Jerusalem unter den Weggeführten, doch Gott offenbarte ihm, was dort geschah. Auch 2. Könige berichtet, dass Nebukadnezar im neunten Jahr der Herrschaft Zedekias am zehnten Tag des zehnten Monats mit seinem Heer gegen Jerusalem kam und die Stadt belagerte. Hesekiels prophetische Botschaft und der geschichtliche Bericht treffen sich damit an einem eindeutig bezeichneten Tag.
Nun sollte Hesekiel dem widerspenstigen Haus ein neues Gleichnis vorlegen. Er sollte einen Kessel aufsetzen, Wasser hineingießen und gute Fleischstücke hineinlegen. Die besten Stücke sowie ausgewählte Knochen sollten in dem Gefäß gekocht werden. Das Bild griff offenbar eine Vorstellung auf, die bereits früher in Jerusalem begegnet war: Die Stadt wurde wie ein Kessel betrachtet, in dessen Innerem sich ihre Bewohner geschützt glaubten. Doch Gott verwandelte das vermeintliche Bild der Sicherheit in ein Bild des Gerichts.
Jerusalem wird als „Blutstadt“ bezeichnet. An ihr haftete vergossenes Blut, das nicht verborgen oder gesühnt worden war. Hesekiel beschreibt es bildhaft als Blut, das auf einen nackten Felsen gegossen wurde, statt mit Erde bedeckt zu werden. Es blieb sichtbar und rief nach Gericht. Schon zuvor hatte der Prophet Blutvergießen als eine der großen Sünden Jerusalems genannt; nun steht diese Schuld unmittelbar im Zusammenhang mit der begonnenen Belagerung.
Der Kessel selbst sollte deshalb auf dem Feuer stehen bleiben. Die Fleischstücke würden herausgenommen, doch schließlich sollte auch das leere Gefäß weiter erhitzt werden, bis sein Kupfer glühte und seine Unreinheit darin verging. Das Gericht traf also nicht nur einzelne Bewohner, sondern die Stadt selbst. Jerusalem, auf deren Mauern, Tempel und besondere Stellung so viel Vertrauen gesetzt worden war, sollte von der kommenden Katastrophe nicht unberührt bleiben.
Gott erklärte zugleich, dass wiederholte Bemühungen um Reinigung keinen Erfolg gehabt hatten: Jerusalem hatte sich ihrer Unreinheit nicht entledigen lassen. Deshalb sollte nun das Gericht vollziehen, was durch Warnung und Ruf zur Umkehr nicht erreicht worden war. Diese Aussage macht die Belagerung nicht zu einer willkürlichen göttlichen Reaktion. Ihr war eine lange Geschichte von Offenbarung, Ermahnung, Geduld und fortgesetzter Verweigerung vorausgegangen.
Die Formulierungen am Ende der Botschaft sind entsprechend endgültig. Gott hatte gesprochen; nun würde er handeln. Er kündigte an, nicht länger zurückzuhalten oder das angekündigte Gericht wieder zurückzunehmen. Jerusalem sollte entsprechend ihren Wegen und Taten gerichtet werden. Damit erreichte Hesekiels jahrelange Gerichtsverkündigung einen Wendepunkt: Die Frage war nicht mehr, ob die Belagerung beginnen würde. Sie hatte begonnen.
Für Hesekiel musste dieser Tag auch die Bedeutung seiner früheren Zeichenhandlungen neu sichtbar machen. Er hatte einen Ziegelstein mit einer belagerten Stadt vor sich gelegt, Nahrung abgewogen, die Verschleppung dargestellt und immer wieder erklärt, dass Gottes Wort nicht auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben werde. Nun trat genau jene Belagerung ein, vor der er gewarnt hatte. Der Prophet sollte den Tag sogar schriftlich festhalten, sodass später erkennbar blieb, dass Gott das Geschehen angekündigt hatte.
Doch noch am selben entscheidenden Abschnitt seines Dienstes wurde die Botschaft über Jerusalem auf eine Weise mit Hesekiels persönlichem Leben verbunden, die weit über seine bisherigen Zeichenhandlungen hinausging. Gott kündigte ihm einen Verlust an, der ihn unmittelbar treffen sollte. Der Prophet, der das kommende Leid Jerusalems jahrelang vor den Augen anderer dargestellt hatte, sollte nun selbst durch eine schmerzhafte Erfahrung zum Zeichen für die Weggeführten werden.
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Hesekiels Frau stirbt als Zeichen für Jerusalem
Hesekiel 24,15-18 – „15 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 16 Menschensohn, siehe, ich will die Lust deiner Augen durch eine Plage von dir wegnehmen; aber du sollst weder klagen noch weinen und keine Tränen darüber vergießen. 17 Seufze still, aber veranstalte keine Totenklage! Binde deinen Kopfbund um und lege deine Schuhe an deine Füße; verhülle den Bart nicht und iß kein Trauerbrot! 18 Als ich nun am Morge…" Hesekiel 24,15-18 – „15 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 16 Menschensohn, siehe, ich will die Lust deiner Augen durch eine Plage von dir wegnehmen; aber du sollst weder klagen noch weinen und keine Tränen darüber vergießen. 17 Seufze still, aber veranstalte keine Totenklage! Binde deinen Kopfbund um und lege deine Schuhe an deine Füße; verhülle den Bart nicht und iß kein Trauerbrot! 18 Als ich nun am Morge…" Hesekiel 24,19-24 – „19 Da sprach das Volk zu mir: Willst du uns nicht kundtun, was das für uns bedeuten soll, was du da tust? 20 Ich antwortete ihnen: Das Wort des HERRN ist also an mich ergangen: Sage zu dem Hause Israel: 21 So spricht Gott, der HERR: Seht, ich will mein Heiligtum, euren höchsten Stolz, die Lust eurer Augen und das Verlangen eures H…
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Hesekiel verkündigt Gericht über Judas Nachbarvölker
Hesekiel 25,1-7 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen die Kinder Ammon und weissage wider sie; 3 und sprich zu den Kindern Ammon: Höret das Wort Gottes, des HERRN! So spricht Gott, der HERR: Weil du Ha! ha! gerufen hast über mein Heiligtum, weil es entweiht ist, und über das Land Israel, weil es verwüstet ist, und über das Haus Juda, weil es in die Verbannung wa…" Hesekiel 25,1-7 – „1 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen die Kinder Ammon und weissage wider sie; 3 und sprich zu den Kindern Ammon: Höret das Wort Gottes, des HERRN! So spricht Gott, der HERR: Weil du Ha! ha! gerufen hast über mein Heiligtum, weil es entweiht ist, und über das Land Israel, weil es verwüstet ist, und über das Haus Juda, weil es in die Verbannung wa…" Hesekiel 25,8-11 – „8 So spricht Gott, der HERR: Weil Moab und Seir sprechen: Siehe, das Haus Juda ist wie alle andern Völker! 9 darum, siehe, will ich Moabs Bergseite entblößen von den Städten, von den Städten an seinen Grenzen, welche eine Zierde des Landes sind, nämlich Beth-Jesimot, Baal-Meon und Kirjataim. 10 Den Morgenländern will ich sie mitsamt de…
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Hesekiel kündigt den Fall der Handelsstadt Tyrus an
Hesekiel 26,1-6 – „1 Im elften Jahr, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN also an mich: 2 Menschensohn, weil Tyrus über Jerusalem ausgerufen hat: «Ha! ha! sie ist zerbrochen, die Türe der Völker; sie öffnet sich mir! Nun werde ich vollauf haben, da sie verlassen ist!» 3 darum spricht Gott, der HERR, also: Siehe, ich will an dich, Tyrus, und will viele Völker gegen dich heraufführen, wie wenn das Mee…" Hesekiel 26,1-6 – „1 Im elften Jahr, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN also an mich: 2 Menschensohn, weil Tyrus über Jerusalem ausgerufen hat: «Ha! ha! sie ist zerbrochen, die Türe der Völker; sie öffnet sich mir! Nun werde ich vollauf haben, da sie verlassen ist!» 3 darum spricht Gott, der HERR, also: Siehe, ich will an dich, Tyrus, und will viele Völker gegen dich heraufführen, wie wenn das Mee…" Hesekiel 26,7-14 – „7 Denn also spricht Gott, der HERR: Siehe, ich bringe Nebukadnezar, den König von Babel, der ein König aller Könige ist, von Mitternacht her über Tyrus, mit Rossen, Wagen und Reitern und mit einem großen Haufen Volks. 8 Er wird deine Töchter auf dem Felde mit dem Schwerte umbringen; wider dich wird er ein Bollwerk machen und einen Wall…
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Hesekiel beklagt den Reichtum und Untergang von Tyrus
Hesekiel 27,1-11 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Du, Menschensohn, stimme ein Klagelied über Tyrus an 3 und sprich zu Tyrus, die am Meeresstrande liegt und mit den Völkern Handel treibt nach vielen Inseln hin: So spricht Gott, der HERR: Tyrus, du hast gesagt: Ich bin die vollendete Schönheit! 4 Dein Gebiet liegt mitten im Meere, und deine Bauleute haben dich vollkommen schön gemacht. 5 Aus Zypress…" Hesekiel 27,1-11 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Du, Menschensohn, stimme ein Klagelied über Tyrus an 3 und sprich zu Tyrus, die am Meeresstrande liegt und mit den Völkern Handel treibt nach vielen Inseln hin: So spricht Gott, der HERR: Tyrus, du hast gesagt: Ich bin die vollendete Schönheit! 4 Dein Gebiet liegt mitten im Meere, und deine Bauleute haben dich vollkommen schön gemacht. 5 Aus Zypress…" Hesekiel 27,12-25 – „12 Tarsis hat mit dir Handel getrieben mit einer Menge von allerlei Gütern; mit Silber, Eisen, Zinn und Blei hat es deine Märkte versehen. 13 Javan, Tubal und Mesech sind deine Kaufleute gewesen; mit Menschenseelen und ehernen Geräten haben sie mit dir Tauschhandel getrieben. 14 Die von dem Hause Togarma haben Rosse, Reiter und Maul…
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Hesekiel entlarvt den Hochmut des Herrschers von Tyrus
Hesekiel 28,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, sage dem Fürsten von Tyrus: So spricht Gott, der HERR: Weil sich dein Herz erhoben hat und du gesagt hast: «Ich bin ein Gott und sitze auf einem Götterthron mitten im Meere», da du doch nur ein Mensch und kein Gott bist, und dein Herz dem Herzen Gottes gleichstellst 3 siehe, du warst weiser als Daniel, nichts Heimliches war dir verborg…" Hesekiel 28,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, sage dem Fürsten von Tyrus: So spricht Gott, der HERR: Weil sich dein Herz erhoben hat und du gesagt hast: «Ich bin ein Gott und sitze auf einem Götterthron mitten im Meere», da du doch nur ein Mensch und kein Gott bist, und dein Herz dem Herzen Gottes gleichstellst 3 siehe, du warst weiser als Daniel, nichts Heimliches war dir verborg…" Hesekiel 28,11-19 – „11 Weiter erging das Wort des HERRN an mich also: 12 Menschensohn, stimme ein Klagelied an über den König zu Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott, der HERR: O du Siegel der Vollendung, voller Weisheit und vollkommener Schönheit! 13 In Eden, im Garten Gottes, warst du; mit allerlei Edelsteinen, mit Sardis, Topas, Diamant, Chrysol…
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Hesekiel verkündigt Gericht über Sidon und Hoffnung für Israel
Hesekiel 28,20-24 – „20 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 21 Menschensohn, richte dein Angesicht wider Zidon und weissage wider sie 22 und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Zidon, und will mich verherrlichen in deiner Mitte, daß man erfahre, daß ich der HERR bin, wenn ich das Urteil an ihr vollstrecken und mich an ihr heilig erweisen werde. 23 Denn ich will Pest und Blutvergießen a…" Hesekiel 28,20-24 – „20 Und das Wort des HERRN erging also an mich: 21 Menschensohn, richte dein Angesicht wider Zidon und weissage wider sie 22 und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Zidon, und will mich verherrlichen in deiner Mitte, daß man erfahre, daß ich der HERR bin, wenn ich das Urteil an ihr vollstrecken und mich an ihr heilig erweisen werde. 23 Denn ich will Pest und Blutvergießen a…" Hesekiel 28,25-26 – „25 So spricht Gott, der HERR: Wenn ich das Haus Israel wieder sammle aus den Völkern, unter welche sie zerstreut worden sind, so werde ich mich an ihnen heilig erweisen vor den Augen der Heiden, und sie sollen in ihrem Lande wohnen, welches ich meinem Knechte Jakob gegeben habe. 26 Ja, sie sollen sicher darin wohnen, Häuser bauen …
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Hesekiel warnt den Pharao vor seinem Hochmut
Hesekiel 29,1-9 – „1 Im zehnten Jahr, am zwölften Tage des zehnten Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, richte dein Angesicht wider den Pharao, den König von Ägypten, und weissage wider ihn und wider ganz Ägypten! 3 Sage und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großes Krokodil, das mitten in seinen Strömen liegt und spricht: «Mein is…" Hesekiel 29,1-9 – „1 Im zehnten Jahr, am zwölften Tage des zehnten Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, richte dein Angesicht wider den Pharao, den König von Ägypten, und weissage wider ihn und wider ganz Ägypten! 3 Sage und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großes Krokodil, das mitten in seinen Strömen liegt und spricht: «Mein is…" Hesekiel 29,10-16 – „10 darum siehe, will ich an dich und an deine Ströme, und ich will Ägyptenland zur Wüstenei machen, zur dürren Einöde, von Migdol bis nach Syene, bis an die Grenze Äthiopiens. 11 Keines Menschen Fuß soll es durchwandern, auch keines Tieres Fuß soll es durchwandern, und es soll vierzig Jahre lang unbewohnt bleiben. 12 Und ich will Ägyp…
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Hesekiel sieht Ägyptens Macht zerbrechen
Hesekiel 30,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, weissage und sprich: So spricht Gott, der HERR: Heulet: «Wehe, welch ein Tag!» 3 Denn nahe ist der Tag. Ja, nahe ist der Tag des HERRN! Ein bewölkter Tag; die Zeit der Heiden wird es sein. 4 Es wird ein Schwert nach Ägypten kommen; und in Äthiopien wird große Angst sein, wenn die Erschlagenen in Ägypten fallen und man seinen Reichtum w…" Hesekiel 30,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, weissage und sprich: So spricht Gott, der HERR: Heulet: «Wehe, welch ein Tag!» 3 Denn nahe ist der Tag. Ja, nahe ist der Tag des HERRN! Ein bewölkter Tag; die Zeit der Heiden wird es sein. 4 Es wird ein Schwert nach Ägypten kommen; und in Äthiopien wird große Angst sein, wenn die Erschlagenen in Ägypten fallen und man seinen Reichtum w…" Hesekiel 30,10-19 – „10 So spricht Gott, der HERR: Ich will durch die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, das Lärmen Ägyptens zum Schweigen bringen. 11 Er und sein Volk mit ihm, die Gewalttätigsten unter den Heiden, sollen herkommen, um das Land zu verderben. Sie sollen ihre Schwerter über Ägypten ziehen und das Land mit Erschlagenen füllen. 12 Ich …
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Hesekiel zeigt dem Pharao das Beispiel Assyriens
Hesekiel 31,1-9 – „1 Und es begab sich im elften Jahr, im dritten Monat, am ersten Tage des Monats, daß das Wort des HERRN also an mich erging: 2 Menschensohn, sprich zum Pharao, dem Könige von Ägypten, und zu seiner Menge: Wem gleichst du in deiner Größe? 3 Siehe, Assur war wie ein Zedernbaum auf dem Libanon, von schönen Ästen, so dicht, daß er Schatten gab, und hoch aufgeschossen, daß sein Wipfel bis zu den Wolke…" Hesekiel 31,1-9 – „1 Und es begab sich im elften Jahr, im dritten Monat, am ersten Tage des Monats, daß das Wort des HERRN also an mich erging: 2 Menschensohn, sprich zum Pharao, dem Könige von Ägypten, und zu seiner Menge: Wem gleichst du in deiner Größe? 3 Siehe, Assur war wie ein Zedernbaum auf dem Libanon, von schönen Ästen, so dicht, daß er Schatten gab, und hoch aufgeschossen, daß sein Wipfel bis zu den Wolke…" Hesekiel 31,10-14 – „10 Darum spricht Gott, der HERR, also: Weil du so hoch gewachsen bist, ja, weil sein Wipfel bis zu den Wolken reichte und sein Herz sich erhoben hat wegen seiner Höhe, 11 so habe ich ihn der Hand eines Mächtigen unter den Nationen preisgegeben, daß er ihn behandelte nach seinem Belieben. Ich verstieß ihn wegen seiner Gottlosigkeit. 12…
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Hesekiel stimmt ein Klagelied über den Pharao an
Hesekiel 32,1-8 – „1 Im zwölften Jahr, im zwölften Monat, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, hebe ein Klagelied an über den Pharao, den König von Ägypten, und sprich zu ihm: Du warst gleich einem jungen Löwen unter den Heiden, und du warst wie ein Krokodil im Meere. Du schossest einher in deinen Strömen; du trübtest das Wasser mit deinen Füßen und wühltest ihre Flüsse…" Hesekiel 32,1-8 – „1 Im zwölften Jahr, im zwölften Monat, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 2 Menschensohn, hebe ein Klagelied an über den Pharao, den König von Ägypten, und sprich zu ihm: Du warst gleich einem jungen Löwen unter den Heiden, und du warst wie ein Krokodil im Meere. Du schossest einher in deinen Strömen; du trübtest das Wasser mit deinen Füßen und wühltest ihre Flüsse…" Hesekiel 32,9-16 – „9 Ich will auch das Herz vieler Völker ängstigen, wenn ich deinen Untergang bekannt mache unter den Heiden und in den Ländern, welche du nicht kennst. 10 Und ich werde machen, daß sich viele Völker über dich entsetzen und daß ihre Könige deinetwegen erschaudern werden, wenn ich mein Schwert vor ihren Augen schwingen werde. Sie werden j…
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Hesekiel führt Ägypten zu den gefallenen Reichen
Hesekiel 32,17-21 – „17 Und im zwölften Jahr, am fünfzehnten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 18 Menschensohn, erhebe eine Wehklage über die Menge in Ägypten und laß sie mit den Töchtern mächtiger Völker in die Unterwelt hinabfahren zu denen, welche zur Grube fahren. 19 Wen übertriffst du an Lieblichkeit? Steig hinab! Lege dich zu den Unbeschnittenen! 20 Mitten unter den vom Schwerte Erschlage…" Hesekiel 32,17-21 – „17 Und im zwölften Jahr, am fünfzehnten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 18 Menschensohn, erhebe eine Wehklage über die Menge in Ägypten und laß sie mit den Töchtern mächtiger Völker in die Unterwelt hinabfahren zu denen, welche zur Grube fahren. 19 Wen übertriffst du an Lieblichkeit? Steig hinab! Lege dich zu den Unbeschnittenen! 20 Mitten unter den vom Schwerte Erschlage…" Hesekiel 32,22-28 – „22 Da ist Assur mit seinem ganzen Haufen, ringsum sind seine Gräber, sie alle sind mit dem Schwerte erschlagen und gefallen. 23 Ihre Gräber sind in die tiefste Grube gelegt. Und rings um sein Grab ist seine Schar; sie sind alle erschlagen, durchs Schwert gefallen, die zuvor Schrecken verbreitet haben im Lande der Lebendigen. 24 Da…
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Die Nachricht vom Fall Jerusalems erreicht Hesekiel
Hesekiel 33,21-22 – „21 Im zwölften Jahr, am fünfzehnten Tage des zehnten Monats unserer Gefangenschaft, begab es sich, daß ein Flüchtling von Jerusalem zu mir kam und sprach: Die Stadt ist geschlagen! 22 Aber des HERRN Hand war auf mich gekommen am Abend, ehe der Flüchtling zu mir kam, und hatte mir den Mund geöffnet, als jener am Morgen zu mir kam; und der Mund ward mir aufgetan, daß ich nicht mehr stumm war." Hesekiel 33,21-22 – „21 Im zwölften Jahr, am fünfzehnten Tage des zehnten Monats unserer Gefangenschaft, begab es sich, daß ein Flüchtling von Jerusalem zu mir kam und sprach: Die Stadt ist geschlagen! 22 Aber des HERRN Hand war auf mich gekommen am Abend, ehe der Flüchtling zu mir kam, und hatte mir den Mund geöffnet, als jener am Morgen zu mir kam; und der Mund ward mir aufgetan, daß ich nicht mehr stumm war." Hesekiel 33,23-29 – „23 Da erging das Wort des HERRN also an mich: 24 Menschensohn, die Bewohner dieser Ruinen im Lande Israel sagen also: «Abraham war nur ein einzelner Mann und hat das Land zum Besitz erhalten; unser aber sind viele, und uns ist das Land zum Erbe gegeben!» 25 Darum sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Ihr habt mitsamt dem Blut gegessen; ih…
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Zurück: Hesekiel führt Ägypten zu den gefallenen Reichen Weiter: Gott verheißt einen Hirten aus Davids Linie
Gott verheißt einen Hirten aus Davids Linie
Hesekiel 34,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN kam zu mir also: 2 Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht Gott, der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Das Fette esset ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht! 4 Das Schwache stärket…" Hesekiel 34,1-10 – „1 Und das Wort des HERRN kam zu mir also: 2 Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht Gott, der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Das Fette esset ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht! 4 Das Schwache stärket…" Hesekiel 34,11-16 – „11 Denn also spricht Gott, der HERR: Siehe, ich selbst will meinen Schafen nachforschen und sie suchen! 12 Wie ein Hirt seine Herde zusammensucht an dem Tage, da er mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich meine Schafe suchen und sie aus allen Orten erretten, dahin sie sich an dem neblichten und dunklen Tage zerstreu…
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Hesekiel kündigt das Gericht über das Gebirge Seir an
Hesekiel 35,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen das Gebirge Seir und weissage wider dasselbe und sage zu ihm: 3 So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Gebirge Seir; ich will meine Hand wider dich ausstrecken und dich zur Wüste und Einöde machen! 4 Deine Städte will ich in Trümmer legen, und zur Wüste sollst du werden, damit du erfahrest, daß i…" Hesekiel 35,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen das Gebirge Seir und weissage wider dasselbe und sage zu ihm: 3 So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Gebirge Seir; ich will meine Hand wider dich ausstrecken und dich zur Wüste und Einöde machen! 4 Deine Städte will ich in Trümmer legen, und zur Wüste sollst du werden, damit du erfahrest, daß i…" Hesekiel 35,10-15 – „10 Weil du gesagt hast: «Diese beiden Völker und diese beiden Länder müssen mein werden, und wir wollen sie einnehmen!» obgleich der HERR daselbst gewesen ist, 11 darum spricht Gott, der HERR: So wahr ich lebe, ich will mit dir verfahren nach deinem Zorn und nach deiner Eifersucht, wie du auch nach deinem Haß mit ihnen gehandelt hast;…
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Gott verheißt Israel Reinigung und ein neues Herz
Hesekiel 36,1-15 – „1 Du aber, Menschensohn, weissage über die Berge Israels und sprich: Ihr Berge Israels, höret das Wort des HERRN! 2 So spricht Gott, der HERR: Weil der Feind über euch gesprochen hat: «Ha, die ewigen Höhen sind unser Erbe geworden!» 3 so weissage nun und sprich: So spricht Gott, der HERR: Darum, ja, darum, weil man euch verwüstet und von allen Seiten nach euch geschnappt hat, so daß ihr den übrig…" Hesekiel 36,1-15 – „1 Du aber, Menschensohn, weissage über die Berge Israels und sprich: Ihr Berge Israels, höret das Wort des HERRN! 2 So spricht Gott, der HERR: Weil der Feind über euch gesprochen hat: «Ha, die ewigen Höhen sind unser Erbe geworden!» 3 so weissage nun und sprich: So spricht Gott, der HERR: Darum, ja, darum, weil man euch verwüstet und von allen Seiten nach euch geschnappt hat, so daß ihr den übrig…" Hesekiel 36,16-23 – „16 Und das Wort des HERRN erging an mich also: 17 Menschensohn, als das Haus Israel in seinem Lande wohnte und sie dasselbe mit ihren Wegen und Taten verunreinigten, so daß ihr Wandel vor mir war wie die Unreinigkeit eines Weibes in ihrer Krankheit, 18 da schüttete ich meinen Zorn über sie aus wegen des Blutes, das sie im Lande verg…
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Hesekiel sieht das Tal der verdorrten Gebeine
Hesekiel 37,1-10 – „1 Die Hand des HERRN kam über mich und führte mich im Geiste des HERRN hinaus und ließ mich nieder mitten auf der Ebene, und diese war voller Totengebeine. 2 Er führte mich an denselben vorüber ringsherum; und siehe, der Gebeine waren sehr viele auf der Ebene; und siehe, sie waren sehr dürr. 3 Da sprach er zu mir: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: O Herr, …" Hesekiel 37,1-10 – „1 Die Hand des HERRN kam über mich und führte mich im Geiste des HERRN hinaus und ließ mich nieder mitten auf der Ebene, und diese war voller Totengebeine. 2 Er führte mich an denselben vorüber ringsherum; und siehe, der Gebeine waren sehr viele auf der Ebene; und siehe, sie waren sehr dürr. 3 Da sprach er zu mir: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: O Herr, …" Hesekiel 37,11-14 – „11 Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, sie sprechen: «Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns!» 12 Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und euch, mein Volk, aus euren Gräbern führen…
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Hesekiel sieht Israel und Juda wieder vereint
Hesekiel 37,15-23 – „15 Und das Wort des HERRN kam zu mir also: 16 Du, Menschensohn, nimm dir einen Holzstab und schreibe darauf: «Für Juda und die Kinder Israel, seine Mitverbundenen.» Alsdann nimm einen andern Holzstab und schreibe darauf: «Für Joseph, den Stab Ephraims, und das ganze Haus Israel, seine Mitverbundenen.» 17 Darnach füge beide [Stäbe] zusammen, einen zum andern, damit ein Holzstab daraus werde, ja, z…" Hesekiel 37,15-23 – „15 Und das Wort des HERRN kam zu mir also: 16 Du, Menschensohn, nimm dir einen Holzstab und schreibe darauf: «Für Juda und die Kinder Israel, seine Mitverbundenen.» Alsdann nimm einen andern Holzstab und schreibe darauf: «Für Joseph, den Stab Ephraims, und das ganze Haus Israel, seine Mitverbundenen.» 17 Darnach füge beide [Stäbe] zusammen, einen zum andern, damit ein Holzstab daraus werde, ja, z…" Hesekiel 37,24-28 – „24 Und mein Knecht David soll ihr König sein, und sie sollen alle einen einzigen Hirten haben. Und sie werden in meinen Rechten wandeln und meine Satzungen beobachten und dieselben tun. 25 Sie werden wieder in dem Lande wohnen, welches ich meinem Knechte Jakob gegeben habe, darin auch ihre Väter gewohnt haben. Ja, darin sollen sie…
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Hesekiel sieht den Angriff Gogs auf Gottes wiederhergestelltes Volk
Hesekiel 38,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging folgendermaßen an mich: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen Gog im Lande Magog, den Fürsten von Rosch, Mesech und Tubal, und weissage wider ihn. 3 Und sprich: So spricht Gott, der HERR: Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Tubal, siehe, ich will an dich! 4 Und ich will dich herumlenken und will dir Haken in deine Kinnbacken legen; ich will dich und alle deine Kr…" Hesekiel 38,1-9 – „1 Und das Wort des HERRN erging folgendermaßen an mich: 2 Menschensohn, wende dein Angesicht gegen Gog im Lande Magog, den Fürsten von Rosch, Mesech und Tubal, und weissage wider ihn. 3 Und sprich: So spricht Gott, der HERR: Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Tubal, siehe, ich will an dich! 4 Und ich will dich herumlenken und will dir Haken in deine Kinnbacken legen; ich will dich und alle deine Kr…" Hesekiel 38,10-16 – „10 So spricht Gott, der HERR: Zu jener Zeit wird dir allerlei in den Sinn kommen, und du wirst böse Pläne schmieden. 11 Du wirst sagen: «Ich will hinaufziehen in das offene Land; ich will zu denen kommen, welche ruhig und sicher wohnen; sie wohnen ja alle ohne Mauern; sie haben weder Riegel noch Tore!» 12 Um Beute zu machen und Raub z…
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Hesekiel sieht Gogs endgültige Niederlage
Hesekiel 39,1-10 – „1 So weissage nun, Menschensohn, wider Gog und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Tubal! 2 Und ich will dich herumlenken und dich gängeln und dich heraufführen vom äußersten Norden und dich auf die Berge Israels bringen. 3 Ich will dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und die Pfeile aus deiner rechten Hand fallen lassen. 4 Auf den…" Hesekiel 39,1-10 – „1 So weissage nun, Menschensohn, wider Gog und sprich: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an dich, Gog, Fürst von Rosch, Mesech und Tubal! 2 Und ich will dich herumlenken und dich gängeln und dich heraufführen vom äußersten Norden und dich auf die Berge Israels bringen. 3 Ich will dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und die Pfeile aus deiner rechten Hand fallen lassen. 4 Auf den…" Hesekiel 39,11-20 – „11 Und zu jener Zeit will ich für Gog einen Ort zum Begräbnis in Israel anweisen, nämlich das Tal Abarim östlich vom [Toten] Meer, und es wird den Wanderern [den Weg] versperren. Daselbst wird man Gog und all sein Volk begraben und wird es das «Tal der Haufen Gogs» nennen. 12 Das Haus Israel wird an ihnen sieben Monate lang zu begra…
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Hesekiel sieht den neuen Tempel vermessen
Hesekiel 40,1-4 – „1 Im fünfundzwanzigsten Jahre unserer Gefangenschaft, am Anfang des Jahres, am zehnten Tage des Monats, im vierzehnten Jahre, nachdem die Stadt erobert worden war, an eben dem Tage, kam die Hand des HERRN über mich und führte mich dorthin. 2 In göttlichen Gesichten führte er mich ins Land Israel und ließ mich nieder auf einem sehr hohen Berg; auf dessen Südseite war etwas wie der Bau einer Stadt.…" Hesekiel 40,1-4 – „1 Im fünfundzwanzigsten Jahre unserer Gefangenschaft, am Anfang des Jahres, am zehnten Tage des Monats, im vierzehnten Jahre, nachdem die Stadt erobert worden war, an eben dem Tage, kam die Hand des HERRN über mich und führte mich dorthin. 2 In göttlichen Gesichten führte er mich ins Land Israel und ließ mich nieder auf einem sehr hohen Berg; auf dessen Südseite war etwas wie der Bau einer Stadt.…" Hesekiel 40,5-49 – „5 Und siehe, es war eine Mauer außerhalb, rings um das Haus herum; und die Meßrute, welche der Mann in der Hand hatte, war sechs Ellen lang, deren jede eine [gewöhnliche] Elle und eine Handbreite betrug. Damit maß er die Breite des Baues: eine Rute, und die Höhe: auch eine Rute. 6 Und er ging zu dem Tor gegen den Aufgang der Sonne und …
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Hesekiel sieht die Herrlichkeit des HERRN zurückkehren
Hesekiel 43,1-7 – „1 Und er führte mich zum Tor, zu dem Tor, welches nach Osten liegt. 2 Und siehe, da kam die Herrlichkeit des Gottes Israels von Osten her, und seine Stimme war wie das Rauschen großer Wasser, und die Erde ward von seiner Herrlichkeit erleuchtet. 3 Und sein Anblick war wie der Anblick, welchen ich sah, als ich kam, da die Stadt zerstört wurde. Die Erscheinung glich derjenigen, welche ich am Flusse…" Hesekiel 43,1-7 – „1 Und er führte mich zum Tor, zu dem Tor, welches nach Osten liegt. 2 Und siehe, da kam die Herrlichkeit des Gottes Israels von Osten her, und seine Stimme war wie das Rauschen großer Wasser, und die Erde ward von seiner Herrlichkeit erleuchtet. 3 Und sein Anblick war wie der Anblick, welchen ich sah, als ich kam, da die Stadt zerstört wurde. Die Erscheinung glich derjenigen, welche ich am Flusse…" Hesekiel 43,8-12 – „8 wie damals, als sie ihre Schwellen an meine Schwellen und ihre Pfosten neben meine Pfosten setzten, daß nur eine Mauer zwischen mir und ihnen war. Also haben sie meinen heiligen Namen verunreinigt mit ihren Greueln, welche sie verübten, so daß ich sie in meinem Zorn verzehrte. 9 Nun werden sie ihre Unzucht und die Leichname ihrer Kön…
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Hesekiel sieht den Altar und die Ordnung des Heiligtums
Hesekiel 43,13-27 – „13 Und dies sind die Maße des Altars, nach Ellen gerechnet, deren jede eine [gewöhnliche] Elle und eine Handbreite mißt. Seine Grundeinfassung: eine Elle hoch und eine Elle breit; und sein Gesims an seinem Rande ringsum: eine Spanne breit. 14 Und dies ist die Höhe des Altars: Von der Grundeinfassung am Boden bis an den untern Absatz: zwei Ellen, und die Breite: eine Elle. Und von dem kleinen Absa…" Hesekiel 43,13-27 – „13 Und dies sind die Maße des Altars, nach Ellen gerechnet, deren jede eine [gewöhnliche] Elle und eine Handbreite mißt. Seine Grundeinfassung: eine Elle hoch und eine Elle breit; und sein Gesims an seinem Rande ringsum: eine Spanne breit. 14 Und dies ist die Höhe des Altars: Von der Grundeinfassung am Boden bis an den untern Absatz: zwei Ellen, und die Breite: eine Elle. Und von dem kleinen Absa…" Hesekiel 44,1-9 – „1 Und er führte mich wieder zurück nach dem äußern Tor des Heiligtums, welches nach Osten sieht, und dasselbe war verschlossen. 2 Da sprach der HERR zu mir: Dieses Tor soll verschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und niemand soll durch dasselbe hineingehen; weil der HERR, der Gott Israels, durch dasselbe hineingegangen ist, …
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Hesekiel sieht gerechte Ordnung für Fürst, Priester und Volk
Hesekiel 45,1-9 – „1 Wenn ihr das Land durch das Los zum Erbe austeilt, so sollt ihr dem HERRN einen Teil des Landes als heilige Abgabe erheben: 25000 [Ellen]? lang und 20000 breit; das soll in seinem ganzen Umfang heilig sein. 2 Davon soll für das Heiligtum verwendet werden ein Quadrat von 500 Ellen und dazu 50 Ellen freien Raum ringsum. 3 Und nach diesem Maß sollst du einen Landstrich abmessen, 25000 lang und 100…" Hesekiel 45,1-9 – „1 Wenn ihr das Land durch das Los zum Erbe austeilt, so sollt ihr dem HERRN einen Teil des Landes als heilige Abgabe erheben: 25000 [Ellen]? lang und 20000 breit; das soll in seinem ganzen Umfang heilig sein. 2 Davon soll für das Heiligtum verwendet werden ein Quadrat von 500 Ellen und dazu 50 Ellen freien Raum ringsum. 3 Und nach diesem Maß sollst du einen Landstrich abmessen, 25000 lang und 100…" Hesekiel 45,10-17 – „10 Ihr sollt richtige Waage, richtiges Epha und richtiges Bat haben! 11 Epha und Bat sollen gleiches Maß haben. Ein Bat soll den zehnten Teil eines Chomers fassen, und ein Epha soll der zehnte Teil eines Chomers sein; ihr Maß soll sich nach dem Chomer richten. 12 Ein Schekel habe zwanzig Gera. Fünf Schekel sollen euch fünf Schekel sei…
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Hesekiel sieht den Strom des Lebens aus dem Heiligtum
Hesekiel 47,1-5 – „1 Und er führte mich zur Tür des Hauses zurück, und siehe, da floß unter der Schwelle des Hauses Wasser heraus, nach Osten hin; denn die Vorderseite des Hauses lag gegen Osten. Und das Wasser floß hinab, unterhalb der südlichen Seite des Hauses, südlich vom Altar. 2 Und er führte mich durch das nördliche Tor hinaus und brachte mich auf dem Weg außen herum zum äußern Tor, das nach Osten gerichtet …" Hesekiel 47,1-5 – „1 Und er führte mich zur Tür des Hauses zurück, und siehe, da floß unter der Schwelle des Hauses Wasser heraus, nach Osten hin; denn die Vorderseite des Hauses lag gegen Osten. Und das Wasser floß hinab, unterhalb der südlichen Seite des Hauses, südlich vom Altar. 2 Und er führte mich durch das nördliche Tor hinaus und brachte mich auf dem Weg außen herum zum äußern Tor, das nach Osten gerichtet …" Hesekiel 47,6-12 – „6 Da sprach er zu mir: Hast du das gesehen, Menschensohn? Und er führte mich und brachte mich wieder an das Ufer des Stromes zurück. 7 Als ich nun zurückkehrte, siehe, da standen auf dieser und jener Seite am Ufer des Stromes sehr viele Bäume. 8 Und er sprach zu mir: Dieses Wasser fließt hinaus zum östlichen Kreis und ergießt sich über…
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Hesekiel sieht das Land neu verteilt und Fremde einbezogen
Hesekiel 47,13-20 – „13 So spricht Gott, der HERR: Das ist die Grenze, innert welcher ihr den zwölf Stämmen Israels das Land zum Erbe austeilen sollt; dem Joseph gehören zwei Lose. 14 Und zwar sollt ihr es, einer wie der andere, zum Erbbesitz erhalten, wie ich denn geschworen habe, es euren Vätern zu geben; und dieses Land soll euch als Erbbesitz zufallen. 15 Das ist aber die Grenze des Landes an der nördlichen Seite…" Hesekiel 47,13-20 – „13 So spricht Gott, der HERR: Das ist die Grenze, innert welcher ihr den zwölf Stämmen Israels das Land zum Erbe austeilen sollt; dem Joseph gehören zwei Lose. 14 Und zwar sollt ihr es, einer wie der andere, zum Erbbesitz erhalten, wie ich denn geschworen habe, es euren Vätern zu geben; und dieses Land soll euch als Erbbesitz zufallen. 15 Das ist aber die Grenze des Landes an der nördlichen Seite…" Hesekiel 47,21-23 – „21 Dieses Land sollt ihr unter euch verteilen nach den Stämmen Israels. 22 Ihr sollt es aber als Erbbesitz verlosen unter euch und unter die Fremdlinge, die unter euch wohnen und unter euch Kinder zeugen; denn ihr sollt sie halten, als wären sie unter den Kindern Israel geboren. Sie sollen mit euch unter den Stämmen Israels ihren …
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Die Stadt erhält den Namen „Der HERR ist hier“
Hesekiel 48,1-14 – „1 Und das sind die Namen der Stämme: Am nördlichen Ende zur Seite des Weges, auf dem man von Hetlon bis nach Hamat und bis Hazar-Enon kommt, an der Grenze von Damaskus im Norden, zur Seite von Hamat, soll Dan seinen Teil haben von der Ostseite bis zur Westseite. 2 Neben dem Gebiet von Dan, von der Ostseite bis zur Westseite Asser einen Anteil; neben dem Gebiet von Asser, 3 von der Ostseite bis zu…" Hesekiel 48,1-14 – „1 Und das sind die Namen der Stämme: Am nördlichen Ende zur Seite des Weges, auf dem man von Hetlon bis nach Hamat und bis Hazar-Enon kommt, an der Grenze von Damaskus im Norden, zur Seite von Hamat, soll Dan seinen Teil haben von der Ostseite bis zur Westseite. 2 Neben dem Gebiet von Dan, von der Ostseite bis zur Westseite Asser einen Anteil; neben dem Gebiet von Asser, 3 von der Ostseite bis zu…" Hesekiel 48,15-29 – „15 Die übrigen 5000 aber, welche von der ganzen Breite von 25000 übrig sind, sollen als Allmende zur Stadt gehören, als Wohnplatz und Weideland, und die Stadt soll mitten drin stehen. 16 Und das sollen ihre Maße sein: die Nordseite 4500, die Südseite 4500, die Ostseite 4500 und die Westseite 4500. 17 Die Allmende soll im Norden 250,…
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Hesekiels späteste datierte Botschaft
Hesekiel 29,17-21 – „17 Im siebenundzwanzigsten Jahr, im ersten Monat, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 18 Menschensohn, Nebukadnezar, der König von Babel, hat seine Heeresmacht schweren Dienst tun lassen gegen Tyrus. Alle Häupter sind abgeschoren und alle Schultern zerschunden; aber Lohn ist ihm und seinem Heer von Tyrus nicht gegeben worden für die Arbeit, die er wider sie getan ha…" Hesekiel 29,17-21 – „17 Im siebenundzwanzigsten Jahr, im ersten Monat, am ersten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also: 18 Menschensohn, Nebukadnezar, der König von Babel, hat seine Heeresmacht schweren Dienst tun lassen gegen Tyrus. Alle Häupter sind abgeschoren und alle Schultern zerschunden; aber Lohn ist ihm und seinem Heer von Tyrus nicht gegeben worden für die Arbeit, die er wider sie getan ha…" Obwohl die große Tempelvision am Ende des Buches Hesekiel steht, ist sie nicht die späteste ausdrücklich datierte Botschaft seines prophetischen Dienstes. Die Tempelvision begann im fünfundzwanzigsten Jahr der Wegführung. In Hesekiel 29 findet sich dagegen eine Weissagung aus dem siebenundzwanzigsten Jahr, am ersten Tag des ersten Monats. Chronologisc…
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Zusammenfassung und Gebet
Hesekiels Leben steht unter einem Bild, das seine gesamte prophetische Geschichte zusammenhält: der Herrlichkeit Gottes. Am Fluss Kebar begegnete er dem Gott Israels fern von Jerusalem und lernte von Beginn an, dass Gottes Herrschaft weder an einen Tempel noch an politische Sicherheit gebunden ist. Vor dieser Herrlichkeit fiel er auf sein Angesicht; aus ihrer Gegenwart heraus wurde er zum Propheten und Wächter für ein Volk berufen, das Gottes Warnungen über lange Zeit widerstanden hatte. Sein Dienst verlangte außergewöhnliche Treue. Hesekiel musste Gericht ankündigen, ungewöhnliche Zeichenhandlungen vollziehen, falschen Propheten widersprechen und die verborgene Schuld Jerusalems offenlegen. Selbst der Tod seiner Frau wurde innerhalb seines besonderen prophetischen Auftrags zu einem schmerzlichen Zeichen für das kommende Schicksal des Heiligtums. Dabei erscheint Hesekiel nie als Herr über die Botschaft. Er sollte sprechen, wenn Gott seinen Mund öffnete, schweigen, wenn Gott es bestimmte, und unabhängig von der Reaktion der Menschen treu weitergeben, was ihm anvertraut war. Doch Hesekiels Botschaft bestand nicht nur aus Gericht. Hinter den ernsten Warnungen stand immer wieder Gotte…