Von der Frau in Wehen
Jesu Bildwort von der Frau in Wehen erklärt zunächst die Trauer der Jünger über seinen bevorstehenden Tod und ihre Freude über seine Auferstehung. Ihr Schmerz wird nicht verharmlost, aber durch Gottes Handeln verwandelt: Gerade das Kreuz, das ihnen wie eine endgültige Niederlage erscheint, wird zum Weg des Heils. Die verheißene Freude gründet im Wiedersehen mit dem auferstandenen Christus und kann ihnen deshalb niemand nehmen.
Einführung
In den letzten Stunden vor seiner Verhaftung spricht Jesus zu Jüngern, die den Ernst seiner Worte noch nicht vollständig erfassen können. Mehrfach kündigt er seinen Weggang an und sagt, dass sie ihn nach einer kleinen Weile nicht mehr sehen, nach einer weiteren kleinen Weile aber wiedersehen werden. Die Jünger wiederholen diese rätselhafte Aussage untereinander, finden jedoch keine Erklärung dafür.
Jesus weiß, dass sie bald eine Erfahrung machen werden, auf die sie innerlich kaum vorbereitet sind. Während seine Gegner über seinen Tod triumphieren, werden seine Nachfolger weinen und klagen. Ihre Trauer entsteht nicht nur aus dem Verlust eines geliebten Meisters. Mit seinem Tod scheint auch ihre Hoffnung auf Gottes Reich, auf Erlösung und auf die Erfüllung seiner Verheißungen zusammenzubrechen.
In diese bevorstehende Erschütterung stellt Jesus das Bild einer Frau, deren Geburtsstunde gekommen ist. Die Wehen sind wirklich, bedrängend und unausweichlich, doch sie erklären sich nicht aus sich selbst. Ihr Sinn wird erst von dem neuen Leben her sichtbar, auf das sie zulaufen. Jesus fordert seine Jünger damit nicht auf, Schmerz geringzuachten oder ihn vorschnell schönzureden.
Das Bild öffnet vielmehr einen Weg, die kommenden Ereignisse von ihrem göttlichen Ausgang her zu verstehen. Noch sehen die Jünger nur die drohende Trennung. Jesus sieht bereits das Wiedersehen, die Auferstehung und die Freude, die aus derselben Stunde hervorgehen wird, vor der sie sich fürchten.
Noch eine kleine Weile
Johannes 16,16-18 – „16 In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. 17 Da sprachen etliche seiner Jünger zueinander: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater? 18 Sie fragten nämlich: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem? Wir wissen nicht, wa…"
Johannes 16,16-18 – „16 In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. 17 Da sprachen etliche seiner Jünger zueinander: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater? 18 Sie fragten nämlich: Was bedeutet das, daß er sagt: In kurzem? Wir wissen nicht, wa…"
Johannes 14,18-19 – „18 Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. 19 Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, denn ich lebe, und auch ihr sollt leben!"
Lukas 24,20-24 – „20 wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben, daß er zum Tode verurteilt und gekreuzigt wurde. 21 Wir aber hofften, er sei der, welcher Israel erlösen sollte. Ja, bei alledem ist heute schon der dritte Tag, seit solches geschehen ist. 22 Zudem haben uns auch einige Frauen aus unserer Mitte in Verwirrung gebracht; sie waren am Morgen früh beim Grabe, 23 fanden seinen Leib nicht…"
Bevor Jesus das Bild der Frau in Wehen verwendet, spricht er zweimal von einer „kleinen Weile“. Zuerst werden die Jünger ihn nicht mehr sehen, danach werden sie ihn wiedersehen. Diese Worte bilden den unmittelbaren Rahmen des Gleichnisses. Das Bild erklärt deshalb zunächst nicht allgemein jedes menschliche Leiden, sondern die bevorstehende Trennung durch Jesu Tod und das Wiedersehen nach seiner Auferstehung.
Für die Jünger bleiben diese Aussagen zunächst unverständlich. Sie wiederholen Jesu Worte untereinander und fragen, was die kleine Weile bedeuten soll. Besonders irritiert sie seine Verbindung zum Vater. Obwohl Jesus seinen bevorstehenden Weg mehrfach angekündigt hat, können sie die einzelnen Hinweise noch nicht zu einem Gesamtbild verbinden.
Ihre Verwirrung zeigt, wie schwer es ist, Gottes Handeln zu verstehen, solange ein Mensch nur auf den unmittelbar bevorstehenden Schmerz blickt. Die Jünger erwarten weiterhin, dass Jesus sein Reich sichtbar aufrichtet. Sein Tod passt nicht in ihre Vorstellungen vom Messias. Was für Gott der Weg zur Erlösung ist, erscheint ihnen deshalb zunächst wie das Scheitern aller Hoffnung.
Die erste kleine Weile führt zum Kreuz. Jesus wird verhaftet, verurteilt und getötet werden. Die Jünger werden ihn nicht mehr in der vertrauten Weise bei sich haben. Ihre Zerstreuung, ihre Angst und die verschlossenen Türen nach seiner Kreuzigung zeigen, wie tief diese Trennung sie erschüttert.
Doch die zweite kleine Weile ist ebenso wirklich. Das Grab wird Jesus nicht festhalten. Der Auferstandene wird seine Jünger aufsuchen, ihnen seine Wunden zeigen und ihre erschütterte Hoffnung wiederherstellen. Seine Aussage endet daher nicht beim Nichtsehen, sondern beim erneuten Sehen.
Dieses Wiedersehen ist mehr als die Rückkehr zu ihrem früheren gemeinsamen Leben. Die Jünger begegnen nun demjenigen, der den Tod überwunden hat. Sie beginnen zu erkennen, dass das Kreuz nicht gegen Jesu Sendung stand, sondern zu ihrer Erfüllung gehörte. Die Auferstehung verändert deshalb nicht nur ihre Stimmung, sondern ihr Verständnis von Christus und seinem Werk.
Aus menschlicher Sicht kann eine kurze Zeit des Leidens sehr lang erscheinen. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus sprechen nach wenigen Tagen so, als wäre ihre Hoffnung endgültig enttäuscht. Schmerz wird nicht danach empfunden, wie viele Stunden vergangen sind, sondern danach, wie tief der Verlust das Herz getroffen hat. Jesus nennt die Zeit dennoch klein, weil er ihren begrenzten Platz im vollendeten Plan Gottes kennt.
Damit bereitet die doppelte kleine Weile das Bild der Geburt vor. Die Trennung ist real, aber zeitlich begrenzt. Die Jünger werden nicht sofort verstehen, was Gott durch das Kreuz hervorbringt, doch die kommende Freude ist bereits gewiss. Was ihnen wie das Ende erscheint, wird sich als Übergang zu einer neuen und unzerstörbaren Wirklichkeit erweisen.
Trauer, während die Welt sich freut
Johannes 16,19-20 – „19 Jesus merkte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr befraget einander darüber, daß ich gesagt habe: In kurzem sehet ihr mich nicht mehr, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauern; doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden."
Johannes 16,19-20 – „19 Jesus merkte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr befraget einander darüber, daß ich gesagt habe: In kurzem sehet ihr mich nicht mehr, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauern; doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden."
Lukas 23,35-37 – „35 Und das Volk stand da und sah zu. Es spotteten aber auch die Obersten und sprachen: Andere hat er gerettet; er rette nun sich selbst, wenn er Christus ist, der Auserwählte Gottes! 36 Es verspotteten ihn aber auch die Kriegsknechte, indem sie herzutraten, ihm Essig brachten 37 und sprachen: Bist du der König der Juden, so rette dich selbst!"
Johannes 20,19-20 – „19 Als es nun an jenem ersten Wochentag Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen."
Psalmen 30,6 – „6 Und ich sprach, da es mir wohl ging: «Ich werde nimmermehr wanken!»"
Jesus erkennt, dass seine Jünger ihn nach der Bedeutung der kleinen Weile fragen möchten. Noch bevor sie ihre Unsicherheit offen aussprechen, beantwortet er die Frage, die sie beschäftigt. Dabei beschreibt er ohne Beschönigung, was ihnen bevorsteht: Sie werden weinen und klagen, während die Welt sich freut. Der Weg zum verheißenen Wiedersehen führt zunächst durch eine wirkliche und tiefe Trauer.
Das Weinen der Jünger wird sich auf den Tod ihres Herrn richten. Sie haben ihre bisherige Lebensordnung verlassen, sind Jesus gefolgt und haben ihre Hoffnung auf ihn gesetzt. Wenn er am Kreuz stirbt, verlieren sie nicht nur einen geliebten Menschen. Auch ihr Verständnis seiner Sendung, ihre Erwartung des Reiches Gottes und ihre eigene Zukunft scheinen mit ihm begraben zu werden.
Der Ausdruck „die Welt“ bezeichnet hier nicht jeden Menschen ohne Unterschied. Gemeint ist die von Gott entfremdete Haltung, die Jesus ablehnt und seinen Tod als Sieg betrachtet. Seine Gegner werden meinen, seine Stimme endgültig zum Schweigen gebracht und ihren Einfluss gesichert zu haben. Während die Jünger trauern, wird das Kreuz für andere Anlass zu Spott, Erleichterung und vermeintlichem Triumph.
Gerade dieser Gegensatz verschärft ihre Bedrängnis. Es ist schwer genug, einen Verlust zu tragen; noch schmerzhafter ist es, wenn andere sich über denselben Vorgang freuen. Das sichtbare Geschehen scheint den Gegnern Jesu recht zu geben. Der Gekreuzigte wirkt machtlos, seine Jünger sind zerstreut, und die Herrschaft des Bösen scheint sich durchgesetzt zu haben.
Jesus sagt seinen Jüngern dies im Voraus, damit sie den kommenden Schmerz nicht als Beweis dafür verstehen, dass er die Kontrolle verloren habe. Ihre Trauer wird ihn nicht überraschen, und der Jubel seiner Gegner wird Gottes Plan nicht durchkreuzen. Noch bevor das Leiden beginnt, kennt Christus sowohl dessen Tiefe als auch dessen Ausgang. Was wie eine unvorhergesehene Niederlage erscheinen wird, steht bereits innerhalb seines Erlösungsweges.
Dabei fordert Jesus seine Jünger nicht auf, ihre Trauer zu unterdrücken. Er sagt nicht, wahrer Glaube dürfe weder weinen noch erschüttert sein. Ihre Klage wird eine verständliche Reaktion auf das sein, was sie sehen und zunächst nicht einordnen können. Die Schrift behandelt Tränen nicht grundsätzlich als Unglauben; entscheidend ist, ob die Trauer das letzte Wort erhält oder sich von Gottes Handeln neu bestimmen lässt.
Deshalb lautet Jesu Verheißung nicht nur, dass nach der Trauer wieder Freude kommen werde. Er sagt, ihre Traurigkeit werde in Freude verwandelt werden. Dasselbe Kreuz, das sie zunächst verzweifeln lässt, wird nach der Auferstehung zum Grund ihrer Hoffnung. Der Schmerz wird nicht einfach durch ein anderes, angenehmeres Ereignis verdrängt; seine Bedeutung wird durch Gottes Sieg grundlegend verändert.
Als der Auferstandene später in die verschlossene Versammlung der Jünger tritt und ihnen seine Hände und seine Seite zeigt, erfüllt sich diese Ankündigung. Sie freuen sich, weil sie den Herrn sehen. Seine Wunden sind noch sichtbar, doch sie bezeugen nun nicht mehr seine Niederlage, sondern den vollbrachten Sieg. Die Nacht des Weinens bleibt Teil ihrer Geschichte, aber sie wird vom Morgen der Auferstehung her neu verstanden.
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Die Frau in den Geburtswehen
Johannes 16,21 – „21 Wenn eine Frau gebiert, so hat sie Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß ein Mensch zur Welt geboren ist."
Johannes 16,21 – „21 Wenn eine Frau gebiert, so hat sie Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß ein Mensch zur Welt geboren ist."
Jesaja 26,17-19 – „17 Wie ein Weib, das schwanger und dem Gebären nahe ist, sich windet und vor Schmerzen schreit, so waren auch wir, HERR, vor deinem Angesicht: 18 Wir waren schwanger, wanden uns in Schmerzen und gebaren gleichsam Wind; wir konnten dem Lande nicht Heil verschaffen, und es wurden keine Erdenbürger geboren. 19 Aber deine Toten werden leben, und mein Leichnam wird auferstehen! Wachet auf und jubelt, …"
Micha 4,9-10 – „9 Was schreist du aber jetzt so laut? Ist kein König bei dir? Sind deine Ratsherren umgekommen, daß dich Wehen ergriffen haben wie eine Gebärende? 10 Zittere und stöhne, du Tochter Zion, wie eine Gebärende; denn nun mußt du zur Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und nach Babel ziehen! Dort sollst du gerettet werden, dort wird dich der HERR erlösen aus der Hand deiner Feinde."
Nun führt Jesus das Bild ein, das die angekündigte Verwandlung der Trauer verständlich machen soll. Eine Frau leidet, wenn ihre Geburtsstunde gekommen ist, weil die Wehen wirkliche Bedrängnis mit sich bringen. Nachdem das Kind geboren wurde, tritt jedoch die Freude über das neue Leben in den Vordergrund. Der Schmerz wird nicht geleugnet, erhält aber durch das Ergebnis eine neue Bedeutung.
Jesus wählt damit kein Bild, in dem das Leiden zufällig neben einer späteren Freude steht. Wehen und Geburt gehören zu demselben Vorgang. Die Bedrängnis führt auf etwas hin, das während des Schmerzes noch nicht sichtbar ist. Erst vom geborenen Leben her wird verständlich, weshalb die Stunde der Wehen nicht das Ende der Geschichte war.
Das Bild darf dennoch nicht so verallgemeinert werden, als müsse jedes menschliche Leid notwendigerweise einen erkennbaren irdischen Gewinn hervorbringen. Jesus spricht zunächst über einen ganz bestimmten Zusammenhang: seinen bevorstehenden Tod und seine Auferstehung. Die Jünger werden leiden, weil sie das Geschehen am Kreuz falsch einordnen und noch nicht erkennen können, was Gott gerade dadurch vollbringt.
Während der Kreuzigung wird ihnen nur der Verlust vor Augen stehen. Sie werden nicht sehen, wie Christus die Sünde trägt, die Mächte des Bösen entlarvt und den Weg zur Versöhnung mit Gott eröffnet. Wie eine Frau mitten in den Wehen nicht bereits die ungetrübte Freude nach der Geburt empfindet, werden die Jünger in jener Stunde das kommende Ergebnis noch nicht erfassen können.
Die alttestamentlichen Propheten verwendeten das Bild der Geburtswehen häufig für schwere Bedrängnis, aus der nur Gottes rettendes Eingreifen herausführen kann. Menschen geraten an die Grenze ihrer eigenen Kraft und können die verheißene Zukunft nicht selbst hervorbringen. Hoffnung liegt dann nicht in ihrer Fähigkeit, die Not zu beherrschen, sondern in Gottes Macht, durch sie hindurch neues Leben zu schenken.
Dabei fordert Jesus keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schmerz. Eine Frau empfindet die Wehen nicht deshalb weniger stark, weil sie weiß, dass ein Kind geboren werden soll. Ebenso werden die Jünger wirklich trauern und erschüttert sein. Glaube besteht nicht darin, Leiden für unwirklich zu erklären, sondern Gottes Verheißung auch dort festzuhalten, wo ihr Ausgang noch nicht sichtbar ist.
Nach der Geburt denkt die Frau nicht mehr in derselben Weise an ihre Bedrängnis. Jesus sagt damit nicht, dass jede Erinnerung an den Schmerz ausgelöscht wird. Vielmehr wird sie von einer größeren Wirklichkeit überstrahlt. Das neue Leben verändert den Blick auf das Vorausgegangene und nimmt der Not ihre beherrschende Stellung.
So bereitet das Gleichnis die Jünger darauf vor, das Kreuz später von der Auferstehung her zu verstehen. Die Wunden Christi werden nicht verschwinden, doch sie werden nach Ostern nicht mehr als Zeichen endgültiger Niederlage erscheinen. Was zunächst nur Tod, Trennung und Zusammenbruch bedeutet, wird sich als der Weg erweisen, durch den Gott Erlösung und unvergängliches Leben hervorbringt.
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Die Stunde des Kreuzes
Johannes 12,23-24 – „23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, daß des Menschen Sohn verherrlicht werde! 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viele Frucht."
Johannes 12,23-24 – „23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, daß des Menschen Sohn verherrlicht werde! 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viele Frucht."
Johannes 12,27-33 – „27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wiederum verherrlichen! 29 Das Volk nun, das dabeistand und solches hörte, sagte, es habe gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. 30 …"
Johannes 13,1 – „1 Vor dem Passahfeste aber, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: wie er geliebt hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende."
Johannes 17,1 – „1 Solches redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche!"
Im Bild der gebärenden Frau begründet Jesus ihre Schmerzen damit, dass „ihre Stunde“ gekommen ist. Diese Formulierung gehört zunächst selbstverständlich zur Geburt. Im Johannesevangelium erinnert sie jedoch zugleich an ein wiederkehrendes Wort, mit dem Jesus den von Gott bestimmten Zeitpunkt seines eigenen Leidens und seiner Verherrlichung bezeichnet. Dadurch erhält das Bild vor dem bevorstehenden Kreuz eine besondere Tiefe.
Mehrfach war zuvor gesagt worden, dass Jesu Stunde noch nicht gekommen sei. Seine Gegner konnten ihn deshalb nicht vor dem von Gott bestimmten Zeitpunkt ergreifen. Als sich das Ende seines irdischen Dienstes nähert, erklärt Jesus dagegen, dass die Stunde gekommen ist, in der der Menschensohn verherrlicht werden soll. Das Kreuz geschieht somit weder zufällig noch außerhalb der Herrschaft seines Vaters.
Diese Stunde umfasst Leiden, Tod und Verherrlichung in einem zusammengehörenden Heilsweg. Für menschliche Augen erscheint die Kreuzigung als tiefste Erniedrigung und endgültige Niederlage. Jesus spricht dennoch von Verherrlichung, weil gerade dort Gottes rettende Liebe, seine Gerechtigkeit und der Gehorsam des Sohnes offenbar werden. Die Auferstehung wird bestätigen, dass sein Opfer angenommen und der Tod überwunden ist.
Jesus verdeutlicht diesen Weg mit dem Bild des Weizenkorns. Bleibt es allein, entsteht keine neue Frucht; fällt es jedoch in die Erde und stirbt, bringt es viel Frucht hervor. Auch dieses Bild erklärt nicht jedes Einzelereignis des Kreuzes, zeigt aber dieselbe Bewegung: Durch den freiwilligen Tod Christi wird Leben für viele möglich. Die scheinbare Vernichtung wird in Gottes Hand zum Ausgangspunkt einer reichen Ernte.
Das Bild der Frau in Wehen weist unmittelbar auf die Trauer der Jünger hin. Es darf deshalb nicht so ausgelegt werden, als stelle Jesus sich ausdrücklich selbst als die gebärende Frau dar. Dennoch liegt die Bedrängnis der Jünger vollständig in seiner Stunde begründet. Sie trauern, weil er leidet und stirbt; ihre Freude entsteht, weil sein Weg durch den Tod hindurch zur Auferstehung und zur Vollendung seines Erlösungswerkes führt.
Jesus selbst empfindet die Schwere dieser Stunde. Er spricht davon, dass seine Seele erschüttert ist, und fragt, ob er um Bewahrung vor ihr bitten solle. Doch er ist gerade um dieser Stunde willen gekommen. Sein Gehorsam bedeutet nicht, dass ihm Leiden und Tod leichtfielen, sondern dass er sich trotz ihrer ganzen Last dem Willen des Vaters anvertraut.
Am Kreuz wird der Fürst dieser Welt gerichtet und die Macht des Bösen entscheidend entlarvt. Christus trägt die Sünde, zieht Menschen durch sein Opfer zu sich und eröffnet den Weg zurück zum Vater. Was die Jünger zunächst nur als Verlust erleben, ist deshalb zugleich der Mittelpunkt des göttlichen Rettungsplanes. Ihre Sicht bleibt während der Wehen begrenzt, doch Gottes Werk reicht weit über das hinaus, was sie in jener Stunde erkennen können.
So ist die Stunde Jesu dunkel und herrlich zugleich. Sie ist dunkel, weil der sündlose Sohn Gottes verworfen wird und die Schuld der Welt trägt. Sie ist herrlich, weil gerade durch seine Hingabe Vergebung, Versöhnung und neues Leben hervorgebracht werden. Die Freude nach den Wehen entsteht nicht dadurch, dass das Kreuz vergessen wird, sondern weil seine wahre Bedeutung im Licht der Auferstehung sichtbar wird.
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Ich werde euch wiedersehen
Johannes 16,22 – „22 So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird eure Freude von euch nehmen."
Johannes 16,22 – „22 So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird eure Freude von euch nehmen."
Johannes 20,19-20 – „19 Als es nun an jenem ersten Wochentag Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen."
Lukas 24,36-43 – „36 Während sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Aber bestürzt und voll Furcht meinten sie, einen Geist zu sehen. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum steigen Zweifel auf in euren Herzen? 39 Sehet an meinen Händen und Füßen, daß ich es bin! Rühret mich an und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Be…"
1. Petrus 1,3 – „3 Gelobt sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,"
Nachdem Jesus die Trauer der Jünger mit den Wehen einer gebärenden Frau verglichen hat, wendet er das Bild unmittelbar auf sie an: Auch sie werden nun Traurigkeit haben, doch er wird sie wiedersehen. Damit nennt er den Grund der kommenden Freude. Sie entsteht nicht lediglich dadurch, dass eine schwere Zeit vorübergeht, sondern durch die erneute Begegnung mit dem lebendigen Christus.
Bemerkenswert ist die Formulierung: Jesus sagt nicht nur, dass die Jünger ihn wiedersehen werden, sondern dass er sie wiedersehen wird. Die Initiative liegt bei ihm. Nach seiner Auferstehung müssen die verängstigten und zerstreuten Jünger nicht aus eigener Kraft den Weg zu ihm finden. Der Auferstandene sucht sie auf, tritt in ihre verschlossene Versammlung und begegnet ihnen mitten in ihrer Furcht.
Dieses Wiedersehen ist keine bloße Rückkehr zu dem Zustand vor dem Kreuz. Jesus steht leibhaftig vor ihnen, trägt noch die Wundmale seiner Kreuzigung und ist doch nicht länger dem Tod unterworfen. Er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite, spricht ihnen Frieden zu und lässt sie erkennen, dass derselbe Herr, den sie sterben sahen, wahrhaft auferstanden ist. Ihre Freude gründet deshalb nicht auf einer Einbildung oder einer tröstlichen Erinnerung, sondern auf einer wirklichen Begegnung.
Gerade die Wunden verbinden ihre frühere Trauer mit der neuen Freude. Vor dem Kreuz erschienen sie als Zeichen des Scheiterns und der Gewalt seiner Gegner. Nach der Auferstehung bezeugen sie, dass Christus den Tod durchschritten und überwunden hat. Die Jünger müssen den schmerzhaften Weg nicht vergessen, um sich freuen zu können; sie beginnen vielmehr, ihn im Licht des Sieges Gottes neu zu verstehen.
Jesus verheißt, dass sich ihr Herz freuen wird. Diese Freude reicht tiefer als eine vorübergehende Erleichterung. Mit der Auferstehung wird bestätigt, dass Jesu Worte wahr sind, sein Opfer nicht vergeblich war und der Tod nicht das letzte Wort besitzt. Die Hoffnung der Jünger erhält nun eine Grundlage, die keine menschliche Macht mehr beseitigen kann.
Darum sagt Jesus, dass niemand ihnen diese Freude nehmen wird. Seine Gegner konnten ihn verhaften und töten, doch sie konnten seine Auferstehung nicht verhindern. Spätere Verfolgung, Gefängnis und Verlust würden die Jünger weiterhin treffen, aber niemand konnte den auferstandenen Christus wieder ins Grab zurückbringen. Die Ursache ihrer Freude lag fortan außerhalb der Reichweite menschlicher Gewalt.
Das bedeutet nicht, dass die Jünger nach Ostern keine Trauer mehr erleben würden. Auch ein Christ kann leiden, weinen und unter Bedrängnis erschüttert werden. Die unentziehbare Freude besteht nicht in dauerhafter emotionaler Unbeschwertheit, sondern in der Gewissheit, dass Christus lebt und seine Erlösung sicher ist. Trauer kann das Herz belasten, aber sie kann die Wirklichkeit der Auferstehung nicht aufheben.
So erreicht das Bild der Geburt seinen ersten Höhepunkt. Aus der Stunde des Kreuzes geht die Freude des Wiedersehens hervor. Die Jünger begegnen nicht nur einem zurückgekehrten Lehrer, sondern dem auferstandenen Herrn, durch den eine lebendige Hoffnung geboren ist. Weil sein Leben den Tod überwunden hat, besitzt ihre Freude einen Grund, den niemand zerstören kann.
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Die Schöpfung wartet auf ihre Befreiung
Römer 8,22-25 – „22 Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; 23 und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unsres Leibes. 24 Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn was einer sieht, das hofft er doc…"
Römer 8,22-25 – „22 Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; 23 und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unsres Leibes. 24 Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn was einer sieht, das hofft er doc…"
Matthäus 24,7-8 – „7 Denn ein Volk wird sich wider das andere erheben und ein Königreich wider das andere; und es werden hin und wieder Hungersnöte, Pest und Erdbeben sein. 8 Dies alles ist der Wehen Anfang."
2. Korinther 4,16-18 – „16 Darum werden wir nicht entmutigt; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. 17 Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, 18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar i…"
Offenbarung 21,1-5 – „1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. 3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird be…"
Jesu Bild von der gebärenden Frau bezieht sich unmittelbar auf seinen Tod, seine Auferstehung und das Wiedersehen mit den Jüngern. Dennoch begegnet das Bild der Geburtswehen auch an anderen Stellen der Schrift, wenn von Bedrängnis, Erwartung und kommender Erneuerung gesprochen wird. Diese weiterführenden Texte erklären Johannes 16 nicht nachträglich neu, zeigen aber eine verwandte Hoffnung: Gottes Erlösungswerk führt durch eine leidende Welt hindurch zu einer Wirklichkeit, in der Tod und Vergänglichkeit nicht mehr herrschen.
Jesus selbst spricht in seiner Rede über die Zukunft von Kriegen, Hungersnöten und Erdbeben als einem Anfang der Wehen. Damit nennt er solche Erschütterungen weder genaue Zeitmesser noch zuverlässige Mittel zur Berechnung seiner Wiederkunft. Sie erinnern vielmehr daran, dass die gegenwärtige Welt nicht in ihrem jetzigen Zustand bleiben wird. Die Geschichte bewegt sich auf Gottes Gericht und die sichtbare Vollendung seines Reiches zu.
Das Bild der Wehen darf dabei nicht zu einer Verharmlosung menschlicher Katastrophen werden. Krieg, Hunger, Verfolgung und Naturzerstörung sind keine guten Dinge, die wegen eines späteren Ergebnisses begrüßt werden dürften. Sie gehören zu einer Schöpfung, die unter den Folgen der Sünde leidet. Jesus ruft seine Nachfolger nicht dazu auf, den Schmerz anderer als bloßes Zeichen einer interessanten Endzeitentwicklung zu betrachten, sondern wachsam, barmherzig und treu zu bleiben.
Paulus beschreibt die ganze Schöpfung als eine Wirklichkeit, die gemeinsam seufzt und in Geburtswehen liegt. Sie ist der Vergänglichkeit unterworfen und trägt sichtbar die Spuren des Zerfalls. Krankheit, Tod und die Zerstörung des Geschaffenen entsprechen nicht der ursprünglichen Güte, mit der Gott die Welt ins Dasein rief. Die Schöpfung wartet deshalb auf Befreiung von der Knechtschaft des Verderbens.
Auch die Gläubigen sind von diesem Seufzen nicht ausgenommen. Obwohl sie den Heiligen Geist empfangen haben und bereits zu Christus gehören, erleben sie weiterhin Schwachheit, Krankheit und Sterblichkeit. Die Erlösung ist wirklich begonnen, aber noch nicht in jeder Hinsicht sichtbar vollendet. Darum warten sie auf die Erlösung ihres Leibes und auf die Auferstehung bei der Wiederkunft Christi.
Diese Hoffnung unterscheidet sich von der Erwartung, jedes Leiden müsse noch im gegenwärtigen Leben in einen erkennbaren Erfolg verwandelt werden. Manche Wunden bleiben, manche Verluste werden auf dieser Erde nicht ausgeglichen, und manche Gebete finden ihre vollständige Antwort erst in Gottes kommendem Reich. Die Verheißung besteht nicht darin, dass Christen immer schon erkennen, welches irdische Gute aus einer Bedrängnis entsteht. Sie besteht darin, dass Gott selbst das Leiden und den Tod endgültig überwinden wird.
Die Auferstehung Jesu bildet dafür die feste Grundlage. Sie war nicht nur ein Trost für seine damaligen Jünger, sondern der Anfang der kommenden neuen Schöpfung. Weil Christus aus den Toten auferstanden ist, wartet die Gemeinde nicht auf eine ungewisse Möglichkeit. Sein Sieg verbürgt, dass auch die Vergänglichkeit seiner Kinder und schließlich die gesamte Herrschaft der Sünde ein Ende finden werden.
So erweitert das biblische Bild der Wehen die Hoffnung, ohne den unmittelbaren Sinn der Worte Jesu zu verdrängen. Die Jünger erfuhren bereits an Ostern, wie Trauer durch das Wiedersehen mit Christus verwandelt wurde. Die Gemeinde wartet noch auf die vollständige Geburt der kommenden Welt. Dann wird Gott bei seinen Menschen wohnen, jede Träne abwischen und Tod, Leid und Schmerz endgültig beseitigen.
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Freude, die Bedrängnis überdauert
Johannes 16,22 – „22 So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird eure Freude von euch nehmen."
Johannes 16,22 – „22 So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird eure Freude von euch nehmen."
1. Petrus 1,6-9 – „6 in welcher ihr frohlocken werdet, die ihr jetzt ein wenig, wo es sein muß, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit die Bewährung eures Glaubens, die viel kostbarer ist als die des vergänglichen Goldes (das durchs Feuer erprobt wird), Lob, Preis und Ehre zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi; 8 welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, an welchen ihr jetzt glaubet, ohne ih…"
Apostelgeschichte 5,40-42 – „40 Und sie fügten sich ihm und riefen die Apostel herbei und gaben ihnen Streiche und verboten ihnen, von dem Namen Jesus zu reden, und entließen sie. 41 Sie aber gingen fröhlich vom Hohen Rat hinweg, weil sie gewürdigt worden waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden; 42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und in den Häusern zu lehren und das Evangelium von Jesus als dem Christu…"
Johannes 15,11 – „11 Solches habe ich zu euch geredet, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude völlig werde."
Jesu Verheißung einer Freude, die niemand nehmen kann, bedeutet nicht, dass seine Nachfolger nach der Auferstehung von weiterer Trauer verschont bleiben. Die Jünger werden Ablehnung, Verfolgung, Verlust und schließlich bei manchen auch den Tod erleben. Dennoch kann keine dieser Erfahrungen die Wirklichkeit beseitigen, auf der ihre Freude beruht: Christus lebt, sein Opfer ist vollbracht, und sein Reich wird vollendet werden.
Damit unterscheidet sich diese Freude von einer vorübergehenden günstigen Stimmung. Gefühle verändern sich unter dem Einfluss von Erschöpfung, Krankheit, Enttäuschung und Angst. Jesus verlangt von seinen Jüngern nicht, unter allen Umständen fröhlich zu wirken oder ihren Schmerz hinter frommen Worten zu verbergen. Die von ihm geschenkte Freude liegt tiefer als die wechselnde Empfindung und kann selbst dort bestehen, wo ein Mensch zugleich trauert.
Petrus schreibt später an Gläubige, die durch verschiedene Prüfungen betrübt werden und sich dennoch über ihre lebendige Hoffnung freuen. Ihre Freude richtet sich auf Christus, den sie lieben, obwohl sie ihn nicht mit eigenen Augen gesehen haben. Damit wird die Erfahrung der ersten Jünger auf Menschen ausgeweitet, die nicht im verschlossenen Raum dem Auferstandenen begegneten, aber durch das Evangelium auf seinen Sieg vertrauen.
Diese Freude entsteht nicht aus dem Leiden selbst. Schmerz, Verfolgung und Verlust werden in der Schrift nicht zu geistlichen Gütern erklärt, die um ihrer selbst willen gesucht werden sollten. Die Freude liegt vielmehr darin, dass auch solche Erfahrungen den Gläubigen nicht von Christus trennen und seine verheißene Zukunft nicht zerstören können. Das Leid bleibt ein Feind, doch es besitzt nicht mehr die Macht, das Ende der Geschichte zu bestimmen.
Die Apostel erfahren dies, als sie wegen ihres Zeugnisses geschlagen und bedroht werden. Sie verlassen den Hohen Rat mit Freude, nicht weil die Misshandlung angenehm gewesen wäre, sondern weil sie Christus treu geblieben sind und seine Sache durch menschliche Gewalt nicht aufgehalten werden kann. Ihre Freude ist daher weder Schmerzlosigkeit noch religiöse Selbstüberhöhung. Sie wächst aus der Gewissheit, dass die Anerkennung ihres Herrn mehr wiegt als die Ablehnung durch Menschen.
Jesus hatte schon zuvor davon gesprochen, dass seine Freude in den Jüngern bleiben und ihre Freude vollkommen werden solle. Diese Freude ist mit dem Bleiben in seiner Liebe und dem Gehorsam gegenüber seinem Wort verbunden. Sie entsteht nicht unabhängig von Christus, sondern aus der Gemeinschaft mit ihm. Je tiefer ein Mensch in seiner Liebe verwurzelt ist, desto weniger können äußere Umstände ihm den letzten Halt nehmen.
Dennoch bleibt die endgültige Freude noch zukünftig. Christen leben weiterhin in einer Welt, in der Tränen, Abschiede und unerfüllte Sehnsucht Wirklichkeit sind. Ihre Freude ist deshalb zugleich gegenwärtiger Besitz und hoffende Erwartung. Sie kennen den auferstandenen Herrn bereits, warten aber noch darauf, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen und die vollständige Befreiung von Leid und Tod zu erfahren.
So führt das Bild der Frau in Wehen zu einer Hoffnung, die weder das Leiden verklärt noch an ihm zerbricht. Die Wehen können das Herz erschüttern, aber sie können Gottes Verheißung nicht aufheben. Weil Christus aus dem Grab hervorgegangen ist, besitzt die Trauer eine Grenze und die Freude eine unvergängliche Grundlage. Was heute noch unter Tränen geglaubt wird, wird beim endgültigen Wiedersehen mit dem Herrn vollkommen sichtbar werden.
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Zusammenfassung und Gebet
Die Frau in Wehen sieht während der Geburt zunächst nur die Bedrängnis der gegenwärtigen Stunde. Der Schmerz ist wirklich, doch er besitzt eine Grenze und führt auf neues Leben hin. Mit diesem Bild bereitet Jesus seine Jünger auf eine Erfahrung vor, die sie aus eigener Sicht nicht verstehen können: Sein Kreuz wird für sie wie das Ende aller Hoffnung erscheinen, obwohl Gott gerade dort sein größtes Rettungswerk vollbringt.
Die „kleine Weile“ zwischen Trennung und Wiedersehen darf dabei nicht verharmlost werden. Die Jünger werden weinen, während die Gegner Jesu ihren vermeintlichen Sieg feiern. Ihre bisherigen Erwartungen werden zerbrechen, und selbst seine wiederholten Ankündigungen werden sie in dieser Stunde kaum tragen. Jesus kennt ihre kommende Erschütterung und spricht dennoch schon vor dem Kreuz von der Freude, die folgen wird.
Diese Freude entsteht nicht dadurch, dass der schmerzhafte Weg ungeschehen gemacht wird. Der auferstandene Christus trägt weiterhin die Wundmale der Kreuzigung. Doch dieselben Wunden, die zunächst Niederlage und Verlust zu bezeugen schienen, werden nach Ostern zu Zeichen seines Sieges und seiner rettenden Liebe. Die Trauer wird verwandelt, weil Gottes Handeln die Bedeutung des Kreuzes offenbart.
Damit steht die Auferstehung im Mittelpunkt des Bildes. Die Jünger freuen sich nicht nur, weil eine schwere Zeit beendet ist, sondern weil sie Jesus wiedersehen. Er selbst sucht sie auf, tritt in ihre Angst hinein und zeigt ihnen, dass der Tod ihn nicht festhalten konnte. Ihre Hoffnung beruht fortan nicht mehr auf unerfüllten Erwartungen, sondern auf dem lebendigen Herrn.
Darum kann ihnen niemand diese Freude nehmen. Menschen können sie verfolgen, einsperren und ihnen irdische Sicherheiten rauben, doch niemand kann die Auferstehung rückgängig machen. Diese Freude ist keine ununterbrochene emotionale Unbeschwertheit. Sie kann mit Tränen, Schmerz und Anfechtung bestehen, weil ihr Grund außerhalb wechselnder Umstände liegt.
Das Bild der Wehen eröffnet zugleich eine weiterführende Hoffnung für die ganze Gemeinde. Die Schöpfung leidet noch unter Vergänglichkeit, Krankheit und Tod, und auch Gottes Kinder warten auf die vollständige Erlösung ihres Leibes. Nicht jedes Leid wird bereits in diesem Leben verständlich oder sichtbar in Freude verwandelt. Manche Antwort bleibt bis zur Auferstehung und zur neuen Schöpfung verborgen.
Doch Ostern verbürgt, dass dieses Warten nicht vergeblich ist. Christus ist als Erster aus dem Tod hervorgegangen und hat damit den Anfang jener Erneuerung gesetzt, die bei seiner Wiederkunft vollendet wird. Dann wird Gott nicht nur einzelne Schmerzen lindern, sondern die Herrschaft der Sünde und des Todes endgültig beseitigen.
Jesu Bild ruft deshalb weder zu einer Verherrlichung des Leidens noch zu einem oberflächlichen Trost auf. Es richtet den Blick durch die Wehen hindurch auf das Leben, das Gott hervorbringt. Der Schmerz darf benannt und beweint werden, aber er bestimmt nicht das Ende. Weil Christus gekreuzigt wurde, auferstanden ist und wiederkommen wird, führt die Geschichte seiner Kinder nicht in die Dunkelheit, sondern zum Wiedersehen mit ihm und zu einer Freude, die niemand mehr nehmen kann.
Herr Jesus Christus, danke, dass du deine Jünger nicht im Ungewissen gelassen hast, sondern ihnen Trost für die kommenden Stunden gegeben hast. Danke, dass du selbst den Weg durch Leiden, Kreuz und Tod gegangen bist und daraus Leben und Freude hervorgebracht hast.
Hilf uns, dir auch dann zu vertrauen, wenn wir den Sinn unserer Wege noch nicht erkennen. Bewahre uns davor, nur auf die Wehen zu schauen, und richte unseren Blick auf die Freude, die du verheißen hast.
Schenke uns Geduld in Zeiten der Prüfung, Hoffnung in Zeiten der Trauer und Gewissheit in Zeiten der Unsicherheit. Lass uns daran festhalten, dass du lebst und dass dein Sieg größer ist als alles Leid dieser Welt.
Danke für die Verheißung einer Freude, die niemand nehmen kann. Bewahre unsere Herzen in dieser Hoffnung, bis wir dich sehen werden.
Amen.
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Offenbarung 21,4