Der reiche Mann und Lazarus

Das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus warnt vor einem selbstgenügsamen Leben, das Gottes Wort kennt, aber Barmherzigkeit und Umkehr verweigert. Jesus lehrt damit weder, dass Reichtum an sich verdammt, noch gibt er eine wörtliche Beschreibung des Zustands der Toten. Im Mittelpunkt stehen die endgültigen Folgen verhärteter Entscheidungen und die ausreichende Autorität der Schrift, die den Menschen zu Gott und seinem Willen ruft.

Einführung

Als Jesus das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus erzählt, spricht er nicht in eine unbeteiligte Zuhörerschaft hinein. Kurz zuvor hatte er über den Umgang mit anvertrautem Besitz gesprochen und erklärt, dass niemand zugleich Gott und dem Mammon dienen kann. Die Pharisäer, die Lukas ausdrücklich als geldliebend bezeichnet, reagierten darauf mit Spott. Sie hielten viel von ihrer religiösen Stellung, doch Jesu Worte trafen eine Haltung, die sich hinter äußerer Frömmigkeit verbergen konnte.

In diese Auseinandersetzung hinein stellt Jesus zwei Lebenswirklichkeiten nebeneinander, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Sichtbarer Wohlstand begegnet äußerster Bedürftigkeit, gesellschaftliche Sicherheit steht neben völliger Abhängigkeit. Was Menschen gewöhnlich als Zeichen des Erfolgs oder des Scheiterns beurteilen, wird von Jesus bewusst zugespitzt. Dadurch zwingt die Erzählung ihre Hörer, vertraute Maßstäbe neu zu prüfen.

Besondere Sorgfalt ist nötig, weil Jesus Bilder verwendet, die leicht aus ihrem Gleichniszusammenhang gelöst werden können. Die Erzählung darf weder zu einer allgemeinen Verurteilung wohlhabender Menschen verkürzt noch als wörtlicher Bericht über das Leben unmittelbar nach dem Tod gelesen werden. Entscheidend ist, welche geistliche Spannung Jesus aufbaut und auf welchen abschließenden Ruf er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer richtet.

Der Weg zum Verständnis beginnt deshalb nicht bei einzelnen Bildern, sondern bei dem Konflikt, der dem Gleichnis vorausgeht. Erst wenn die Selbstrechtfertigung der ursprünglichen Hörer, der Umgang mit dem anvertrauten Leben und die Stellung des Wortes Gottes zusammen betrachtet werden, tritt die ernste Kraft dieser Erzählung hervor.

Reichtum, der das Herz verschließt

Lukas 16,19 – „19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden."
Lukas 16,19 – „19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden."
Lukas 16,13-15 – „13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! 14 Das alles hörten aber auch die Pharisäer, die waren geldgierig und verspotteten ihn. 15 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen, aber Gott kennt eur…"
1. Timotheus 6,17-19 – „17 Den Reichen im jetzigen Zeitalter gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht ihre Hoffnung auf die Unbeständigkeit des Reichtums setzen, sondern auf den lebendigen Gott, der uns alles reichlich zum Genuß darreicht, 18 daß sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig seien, mitteilsam, 19 und so für sich selbst ein schönes Kapital für die Zukunft sammeln, damit sie das wahre Leben…"

Jesus beginnt das Gleichnis mit einem Mann, dessen gesamtes Leben von sichtbarem Wohlstand geprägt ist. Er trägt Purpur und feine Leinwand und lebt jeden Tag herrlich und in Freuden. Seine Kleidung, seine Mahlzeiten und sein Lebensstil zeigen, dass er nicht nur ausreichend versorgt ist, sondern im dauerhaften Überfluss lebt.

Dennoch wird der Mann nicht ausdrücklich dafür verurteilt, dass er reich ist. Die Bibel stellt Besitz nicht grundsätzlich als Sünde dar. Abraham verfügte über großen Reichtum, Hiob besaß viele Güter, und auch wohlhabende Menschen konnten Gott treu dienen. Entscheidend ist nicht allein, wie viel ein Mensch besitzt, sondern worauf er vertraut und wie er mit dem ihm Anvertrauten umgeht.

Gerade darin liegt die Tragik des reichen Mannes. Sein Wohlstand hat sein Herz so sehr eingenommen, dass er die Not unmittelbar vor seiner Tür nicht mehr wahrnimmt. Er lebt in täglicher Fülle, während ein hungernder und kranker Mensch nur wenige Schritte von ihm entfernt auf Hilfe wartet. Seine Möglichkeiten wären groß gewesen, doch seine Barmherzigkeit bleibt aus.

Damit führt Jesus die Warnung fort, die er kurz zuvor ausgesprochen hat: Niemand kann gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen. Besitz kann zu einem Werkzeug des Guten werden, doch er kann ebenso den Platz einnehmen, der allein Gott gehört. Er verspricht Sicherheit, Unabhängigkeit und Anerkennung und kann dadurch die Illusion erzeugen, der Mensch brauche nichts außer dem, was er selbst erworben hat.

Der Reiche scheint in den Augen seiner Umgebung gesegnet zu sein. Seine Kleidung und seine Feste vermitteln Erfolg, während Lazarus äußerlich wie ein verlassener und gescheiterter Mensch erscheint. Doch Jesus stellt diese menschliche Bewertung infrage. Sichtbarer Wohlstand beweist weder Gottes Zustimmung noch die geistliche Gesundheit eines Menschen.

Das eigentliche Problem des Reichen liegt deshalb in seiner Selbstgenügsamkeit. Er lebt, als bestünde sein Dasein nur aus dem gegenwärtigen Leben. Sein Besitz wird nicht zum Dienst an Gott und den Menschen eingesetzt, sondern kreist um seinen eigenen Genuss. Die Gaben, die Verantwortung hätten wecken sollen, verstärken stattdessen seine Gleichgültigkeit.

Die Schrift fordert wohlhabende Menschen nicht auf, sich auf unsicheren Reichtum zu verlassen, sondern auf Gott, der alles reichlich darreicht. Sie sollen Gutes tun, freigebig sein und bereitwillig teilen. Besitz wird dadurch nicht zum Mittelpunkt des Lebens, sondern zu etwas, das Gott für seinen Willen gebrauchen kann.

Der reiche Mann handelt genau entgegengesetzt. Er besitzt viel, doch sein Leben bringt keine sichtbare Frucht der Liebe hervor. Er kennt Überfluss, aber nicht die Barmherzigkeit, zu der Gottes Wort ihn ruft. Dadurch zeigt Jesus, dass geistliche Armut auch hinter prachtvoller Kleidung und einem scheinbar gelungenen Leben verborgen sein kann.

Reichtum wird gefährlich, wenn er das Herz verschließt. Nicht der Besitz selbst trennt von Gott, sondern das Vertrauen darauf, die Selbstbezogenheit und die Weigerung, Verantwortung für den Menschen vor der eigenen Tür zu übernehmen.

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Von Menschen übersehen, von Gott gekannt

Lukas 16,20-21 – „20 Ein Armer aber, namens Lazarus, lag vor dessen Tür, voller Geschwüre, 21 und begehrte, sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tische fiel; und es kamen sogar Hunde und leckten seine Geschwüre."
Lukas 16,20-21 – „20 Ein Armer aber, namens Lazarus, lag vor dessen Tür, voller Geschwüre, 21 und begehrte, sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tische fiel; und es kamen sogar Hunde und leckten seine Geschwüre."
Psalmen 34,19 – „19 Der Gerechte muß viel leiden; aber der HERR rettet ihn aus dem allem."
Psalmen 147,3 – „3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und lindert ihre Schmerzen;"

Dem reichen Mann stellt Jesus einen Menschen gegenüber, dessen Lebensumstände kaum trostloser sein könnten. Vor dem Tor des prächtigen Hauses liegt ein Armer namens Lazarus. Sein Körper ist von Geschwüren bedeckt, er leidet Hunger und hofft darauf, wenigstens von dem satt zu werden, was vom Tisch des Reichen fällt.

Die Gegensätze sind bewusst scharf gezeichnet. Während der Reiche in kostbare Stoffe gekleidet ist, ist die Haut des Lazarus von Wunden gezeichnet. Während im Haus täglich üppig gegessen wird, wartet er draußen auf weggeworfene Reste. Der eine kann sein Leben nach den eigenen Wünschen gestalten, der andere ist so hilflos, dass er offenbar von anderen vor das Tor gelegt werden muss.

Jesus beschönigt das Leiden des Armen nicht. Lazarus erscheint weder stark noch gesellschaftlich angesehen. Seine Armut wird auch nicht romantisiert. Hunger, Krankheit und Abhängigkeit sind keine erstrebenswerten geistlichen Zustände, sondern Ausdruck einer Welt, in der Menschen leiden und Barmherzigkeit dringend benötigt wird.

Besonders auffällig ist, dass Lazarus einen Namen trägt. In den meisten Gleichnissen Jesu bleiben die handelnden Personen unbenannt. Hier dagegen wird der Arme ausdrücklich Lazarus genannt, während der wohlhabende Mann namenlos bleibt. Der Name Lazarus geht auf den hebräischen Namen Eleasar zurück und bedeutet: „Gott hat geholfen“ oder „Gott ist meine Hilfe“.

Der Name allein beweist noch nicht alle Einzelheiten seines Glaubenslebens. Im Zusammenhang des Gleichnisses weist er jedoch auf die entscheidende Richtung seiner Hoffnung hin. Lazarus besitzt nichts, worauf er sich äußerlich verlassen könnte. Weder Reichtum noch Gesundheit noch menschlicher Einfluss bieten ihm Sicherheit. Seine Hilfe kann letztlich nur von Gott kommen.

Darin kehrt Jesus die gewöhnliche menschliche Bewertung bereits vor dem Tod der beiden Männer um. Der Reiche scheint wichtig zu sein, doch Jesus nennt seinen Namen nicht. Lazarus wird von der Gesellschaft kaum beachtet, aber er ist in der Geschichte Gottes nicht unbekannt. Der Mensch, den andere möglicherweise nur als störenden Bettler vor einem Tor wahrnehmen, wird von Jesus persönlich benannt.

Die Hunde, die seine Geschwüre lecken, verstärken das Bild seiner Erniedrigung und Schutzlosigkeit. Lazarus kann sich offenbar nicht einmal dagegen wehren. Ob dieses Verhalten der Tiere zusätzlich als eine geringe Form der Linderung verstanden werden kann, lässt der Text offen. Sicher ist, dass kein Mensch genannt wird, der sich um seine Wunden kümmert.

Gerade darin liegt eine stille Anklage. Der Arme befindet sich an einem Ort, an dem Hilfe möglich gewesen wäre. Hinter dem Tor stehen Nahrung, Kleidung und genügend Mittel zur Verfügung. Dennoch bleibt Lazarus hungrig und unversorgt. Seine Not besteht nicht deshalb fort, weil niemand helfen könnte, sondern weil derjenige mit den Möglichkeiten sein Herz verschlossen hält.

Lazarus wird nicht gerettet, weil Armut an sich einen Menschen gerecht macht. Ebenso wenig wird der Reiche allein wegen seines Besitzes verworfen. Doch Lazarus verkörpert den Menschen, der vor der Welt nichts vorzuweisen hat und dessen Hoffnung dennoch bei Gott liegt. Sein sichtbares Elend ist nicht die ganze Wahrheit über sein Leben.

Gott beurteilt einen Menschen nicht nach Kleidung, Gesundheit, Einfluss oder gesellschaftlichem Rang. Er sieht das Herz, kennt die Verlassenen und vergisst diejenigen nicht, die bei ihm Zuflucht suchen. Lazarus mag vor dem Tor eines Menschen unbeachtet liegen, doch vor Gott ist er weder namenlos noch vergessen.

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Die Not direkt vor seiner Tür

1. Johannes 3,17-18 – „17 Wer aber den zeitlichen Lebensunterhalt hat und seinen Bruder darben sieht und sein Herz vor ihm zuschließt, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? 18 Kindlein, lasset uns nicht mit Worten lieben, noch mit der Zunge, sondern in der Tat und Wahrheit!"
1. Johannes 3,17-18 – „17 Wer aber den zeitlichen Lebensunterhalt hat und seinen Bruder darben sieht und sein Herz vor ihm zuschließt, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? 18 Kindlein, lasset uns nicht mit Worten lieben, noch mit der Zunge, sondern in der Tat und Wahrheit!"
Lukas 16,20-21 – „20 Ein Armer aber, namens Lazarus, lag vor dessen Tür, voller Geschwüre, 21 und begehrte, sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tische fiel; und es kamen sogar Hunde und leckten seine Geschwüre."
Jakobus 2,15-16 – „15 Wenn es einem Bruder oder einer Schwester an Kleidung und täglicher Nahrung gebricht 16 und jemand von euch zu ihnen sagen würde: Gehet hin in Frieden, wärmet und sättiget euch, ihr gäbet ihnen aber nicht, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was hülfe ihnen das?"

Lazarus lebt nicht verborgen an einem fernen Ort. Er liegt unmittelbar vor dem Tor des reichen Mannes. Zwischen dem täglichen Überfluss im Haus und der Not draußen befinden sich nur wenige Schritte. Gerade diese räumliche Nähe macht das Versagen des Reichen besonders deutlich.

Der Reiche kann kaum behaupten, von Lazarus nichts gewusst zu haben. Später kennt er sogar dessen Namen. Seine Gleichgültigkeit beruht deshalb nicht auf Unwissenheit, sondern auf einem Herzen, das sich an fremdes Leiden gewöhnt hat. Tag für Tag geht das Leben im Haus weiter, während vor dem Eingang ein Mensch hungert und leidet.

Jesus berichtet nicht, dass der Reiche Lazarus misshandelt, verspottet oder gewaltsam vertreibt. Seine Schuld zeigt sich vielmehr in dem, was er unterlässt. Er besitzt Nahrung, Kleidung und ausreichende Mittel, doch er nutzt sie nicht, um dem Bedürftigen zu helfen. Seine Untätigkeit ist keine neutrale Haltung, sondern offenbart seine innere Ausrichtung.

Damit macht das Gleichnis deutlich, dass Sünde nicht nur aus sichtbaren bösen Taten besteht. Auch unterlassene Barmherzigkeit kann vor Gott Schuld sein. Wer das Gute erkennt, die Möglichkeit zum Handeln besitzt und sich dennoch bewusst verschließt, trägt Verantwortung für diese Entscheidung.

Der Reiche hätte nicht die gesamte Armut seiner Zeit beseitigen müssen. Vor seiner Tür lag jedoch ein konkreter Mensch mit einer konkreten Not. Gottes Ruf begegnete ihm nicht nur in allgemeinen Geboten, sondern in Lazarus selbst. Jeder Blick auf den leidenden Mann hätte ihn daran erinnern können, dass sein Besitz nicht ausschließlich seinem eigenen Genuss dienen sollte.

Die Schrift verbindet die Liebe zu Gott untrennbar mit der Liebe zum Mitmenschen. Wer über genügend Mittel verfügt und dennoch sein Herz vor einem bedürftigen Bruder verschließt, widerspricht durch sein Handeln dem Wesen göttlicher Liebe. Worte des Glaubens verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie nicht zu praktischer Barmherzigkeit führen.

Dabei geht es nicht darum, sich durch gute Werke die Erlösung zu verdienen. Kein Mensch wird gerettet, weil er genügend Bedürftigen geholfen hat. Doch echte Gemeinschaft mit Gott verändert das Herz. Gottes Gnade führt nicht zu selbstzufriedener Gleichgültigkeit, sondern weckt Mitgefühl, Großzügigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Der Reiche offenbart durch sein Verhalten, dass Gottes Wort sein Leben nicht wirklich bestimmt. Vielleicht konnte er religiöse Überzeugungen vertreten und sich als Sohn Abrahams verstehen. Doch sein Umgang mit Lazarus zeigt, dass seine Frömmigkeit keine sichtbare Frucht der Liebe hervorbringt.

Zwischen beiden Männern besteht bereits zu Lebzeiten eine tiefe Kluft. Sie wird nicht durch das Tor, den Besitz oder ihre gesellschaftliche Stellung geschaffen, sondern durch das verschlossene Herz des Reichen. Obwohl Lazarus körperlich nahe ist, bleibt er für ihn innerlich fern.

Das Gleichnis fordert deshalb dazu auf, nicht nur nach großer und ferner Not zu fragen. Oft begegnet die Verantwortung vor Gott unmittelbar im eigenen Umfeld: in einem einsamen Menschen, einem Bedürftigen, einem Verletzten oder jemandem, dessen Leiden leicht übersehen wird.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob ein Mensch das Elend dieser Welt bedauert. Sie lautet, ob er bereit ist, dem Menschen zu dienen, den Gott konkret vor seine Tür gestellt hat.

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Der Tod bringt die große Wende

Lukas 16,22 – „22 Es begab sich aber, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben."
Lukas 16,22 – „22 Es begab sich aber, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben."
Prediger 9,5-6 – „5 denn die Lebendigen wissen, daß sie sterben müssen; aber die Toten wissen gar nichts, und es wird ihnen auch keine Belohnung mehr zuteil; denn man denkt nicht mehr an sie. 6 Ihre Liebe und ihr Haß wie auch ihr Eifer sind längst vergangen, und sie haben auf ewig keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht."
Hebräer 9,27 – „27 und so gewiß den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht,"

Schließlich trifft beide Männer dieselbe unausweichliche Wirklichkeit. Lazarus stirbt, und wenig später stirbt auch der reiche Mann. Damit endet für beide die Zeit, in der sie handeln, entscheiden und auf Gottes Ruf reagieren konnten.

Der Tod beseitigt alle äußeren Unterschiede. Reichtum, prächtige Kleidung und gesellschaftliches Ansehen können ihn ebenso wenig verhindern wie Armut, Krankheit und menschliche Verlassenheit. Was während des Lebens so bedeutsam erschien, verliert an dieser Grenze seine Macht.

Dennoch beschreibt Jesus den Tod der beiden Männer unterschiedlich. Vom Reichen wird ausdrücklich gesagt, dass er begraben wurde. Vermutlich erhielt er ein seiner Stellung entsprechendes Begräbnis. Bei Lazarus wird keine irdische Ehrung erwähnt. Stattdessen heißt es, dass er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde.

Mit diesem Bild beginnt die große Umkehr des Gleichnisses. Der Mann, der auf der Erde scheinbar alles besaß, findet sich plötzlich in Not wieder. Derjenige, der von Menschen übersehen wurde, erscheint nun geborgen und geehrt. Jesus macht sichtbar, dass menschliche Urteile nicht mit Gottes Urteil übereinstimmen müssen.

Dabei muss beachtet werden, dass es sich um eine Gleichniserzählung handelt. Jesus gibt hier keine vollständige Beschreibung dessen, was unmittelbar nach dem Tod buchstäblich geschieht. Die Bibel lehrt an anderen Stellen, dass die Toten nichts wissen und bis zur Auferstehung ruhen. Deshalb dürfen die Bilder dieses Gleichnisses nicht von der Gesamtaussage der Schrift getrennt und zu einer eigenständigen Lehre über bewusste Verstorbene gemacht werden.

Jesus greift eine anschauliche Erzählform auf, um seinen Zuhörern eine moralische und geistliche Wahrheit einzuprägen. Auch an anderer Stelle sprechen in Gleichnissen Bäume miteinander oder erhalten abstrakte Dinge menschliche Eigenschaften, ohne dass jedes erzählerische Detail wörtlich verstanden werden soll. Entscheidend ist die Aussage, auf die das Bild hinführt.

Der Tod verändert nicht nachträglich den Charakter eines Menschen. Er macht auch keine versäumte Umkehr rückgängig. Vielmehr beendet er die Zeit, in der Entscheidungen getroffen und Wege verändert werden können. Danach folgt Gottes Urteil über das gelebte Leben.

Die Umkehr der Verhältnisse bedeutet deshalb nicht, dass jeder Arme automatisch gerettet und jeder Reiche automatisch verworfen wird. Abraham selbst war ein wohlhabender Mann. Lazarus wird nicht wegen seines Leidens angenommen, sondern weil seine Hoffnung bei Gott liegt. Der Reiche geht nicht wegen seines Besitzes verloren, sondern weil sein selbstbezogenes Leben seine Trennung von Gott offenbart.

Jesus erschüttert damit die Vorstellung, äußerer Erfolg sei ein sicherer Beweis göttlicher Anerkennung. Menschen sehen Kleidung, Häuser, Gesundheit und Einfluss. Gott sieht das Herz, den Glauben und den Umgang mit der anvertrauten Verantwortung.

Der Tod wird im Gleichnis zur großen Wende, weil er alle Täuschungen beendet. Was auf der Erde verborgen oder falsch beurteilt wurde, steht nun im Licht des göttlichen Urteils. Deshalb muss der Mensch Gottes Ruf heute ernst nehmen, solange sein Leben noch Raum für Glauben, Umkehr und Barmherzigkeit bietet.

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Eine Erkenntnis, die zu spät kommt

Lukas 16,23-26 – „23 Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme! 25 Abraham aber sprach: Sohn, bedenke, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Le…"
Lukas 16,23-26 – „23 Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme! 25 Abraham aber sprach: Sohn, bedenke, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Le…"
Jesaja 55,6-7 – „6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist, rufet ihn an, während er nahe ist! 7 Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Übeltäter seine Gedanken und kehre um zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott; denn er vergibt viel."
2. Korinther 6,2 – „2 Denn er spricht: «Ich habe dich zur angenehmen Zeit erhört und dir am Tage des Heils geholfen.» Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils!"

In der Bildsprache des Gleichnisses findet sich der reiche Mann nach seinem Tod in großer Qual wieder. Er hebt seine Augen auf, sieht Abraham von ferne und Lazarus an dessen Seite. Nun erkennt er eine Wirklichkeit, für die er während seines Lebens blind gewesen war.

Die Umkehr könnte kaum deutlicher sein. Einst lag Lazarus vor seinem Tor und sehnte sich nach den Resten seines Tisches. Jetzt bittet der Reiche darum, Lazarus möge nur die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und seine Zunge kühlen. Der Mann, der täglich im Überfluss lebte, verlangt nun nach einem einzigen Tropfen.

Jesus verwendet dieses eindringliche Bild nicht, um die körperlichen Vorgänge im Tod zu erklären. Ein körperlos Verstorbener besitzt weder Augen noch Zunge noch Finger, und ein einzelner Wassertropfen könnte buchstäbliches Feuer nicht lindern. Die Einzelheiten gehören zur anschaulichen Sprache des Gleichnisses. Sie verdeutlichen die vollständige Umkehr der Verhältnisse und die Endgültigkeit des göttlichen Urteils.

Besonders aufschlussreich ist, dass der Reiche Lazarus beim Namen nennt. Er hatte also gewusst, wer vor seinem Tor lag. Lazarus war für ihn kein völlig unbekannter Mensch. Dennoch hatte dieses Wissen während seines Lebens nicht zu Mitgefühl oder Hilfe geführt.

Selbst jetzt betrachtet er Lazarus zunächst noch als jemanden, der zu seinem Dienst geschickt werden könnte. Er bittet Abraham nicht um Vergebung und bekennt seine frühere Gleichgültigkeit nicht. Stattdessen soll Lazarus kommen und seine Not lindern. Darin lässt sich erkennen, wie tief die alte Haltung in seinem Denken verwurzelt ist.

Abraham spricht ihn als „Sohn“ an. Dadurch wird deutlich, dass seine leibliche Zugehörigkeit zu den Nachkommen Abrahams nicht bestritten wird. Doch diese Herkunft konnte ihn nicht retten. Religiöse Abstammung, äußere Zugehörigkeit und ein vertrauter geistlicher Hintergrund ersetzen keinen lebendigen Glauben und keinen Gehorsam gegenüber Gottes Wort.

Abraham erinnert den Reichen daran, dass er während seines Lebens seine guten Dinge empfangen hatte, während Lazarus Böses erdulden musste. Damit wird nicht gelehrt, dass jeder Genuss später bestraft und jedes Leiden automatisch belohnt wird. Der Blick richtet sich vielmehr darauf, was beide Männer zu Lebzeiten als ihre Hoffnung und ihren Anteil betrachteten.

Der Reiche hatte sein Gutes ausschließlich in dieser Welt gesucht. Sein Besitz, seine Feste und seine gesellschaftliche Sicherheit waren zu seinem Lebensinhalt geworden. Er hatte Gottes Gaben genossen, ohne sie als anvertraute Verantwortung zu begreifen. Lazarus dagegen besaß äußerlich kaum etwas, doch sein Name weist darauf hin, dass er seine Hilfe bei Gott suchte.

Nun ist zwischen beiden eine große Kluft befestigt. Niemand kann sie überschreiten. Das Bild macht deutlich, dass die Entscheidung nach dem Tod nicht mehr verändert werden kann. Die Grenze, die der Reiche während seines Lebens durch Gleichgültigkeit und Selbstbezogenheit immer weiter vertieft hatte, erscheint nun als endgültig.

Während des Lebens hätte er die Entfernung zwischen sich und Lazarus mit wenigen Schritten überwinden können. Er hätte sein Tor öffnen, Nahrung teilen, Wunden versorgen und Barmherzigkeit zeigen können. Nun möchte er die Kluft überwinden lassen, doch die Gelegenheit dazu ist vergangen.

Darin liegt eine der ernstesten Aussagen des Gleichnisses. Gottes Ruf zur Umkehr gilt heute. Solange ein Mensch lebt, lädt Gott ihn ein, seine Sünde zu erkennen, seine falsche Sicherheit aufzugeben und seine Zuflucht bei Christus zu suchen. Diese Einladung soll weder leichtfertig behandelt noch auf einen unbestimmten späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Umkehr besteht dabei nicht nur aus Angst vor den Folgen der Sünde. Der Reiche leidet unter seiner Lage, doch der Text berichtet nicht, dass er seine Haltung gegenüber Gott und Lazarus wirklich bereut. Schmerz über die Folgen ist nicht dasselbe wie eine Herzensänderung. Wahre Buße erkennt die eigene Schuld an und wendet sich im Vertrauen Gott zu.

Kein Mensch weiß, wie lange ihm die Gelegenheit zur Entscheidung bleibt. Deshalb ruft die Schrift dazu auf, den Herrn zu suchen, solange er zu finden ist, und den Tag des Heils nicht zu versäumen. Gottes Geduld ist groß, aber sie soll zur Umkehr führen und nicht die Vorstellung nähren, eine Entscheidung könne unbegrenzt aufgeschoben werden.

Das Gleichnis möchte den Zuhörer nicht zur Spekulation über das Jenseits führen, sondern zu einer Entscheidung im gegenwärtigen Leben. Das Tor ist jetzt noch offen. Gottes Wort kann jetzt noch gehört werden. Schuld kann jetzt noch bekannt, Gnade angenommen und Barmherzigkeit gelebt werden.

Die Tragödie des reichen Mannes besteht nicht darin, dass Gott ihn nicht gewarnt hätte. Sie besteht darin, dass er die Zeit der Gnade verstreichen ließ. Erst als seine Entscheidung endgültig geworden ist, erkennt er, was wirklich zählt. Jesus ruft seine Hörer dazu auf, diese Erkenntnis nicht ebenfalls zu spät kommen zu lassen.

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Sie haben Mose und die Propheten

Lukas 16,27-29 – „27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest 28 denn ich habe fünf Brüder, daß er sie warne, damit nicht auch sie kommen an diesen Ort der Qual! 29 Spricht zu ihm Abraham: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!"
Lukas 16,27-29 – „27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest 28 denn ich habe fünf Brüder, daß er sie warne, damit nicht auch sie kommen an diesen Ort der Qual! 29 Spricht zu ihm Abraham: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!"
5. Mose 30,15-16 – „15 Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. 16 Was ich dir heute gebiete, ist, daß du den HERRN, deinen Gott, liebest und in seinen Wegen wandelst und seine Gebote, seine Satzungen und seine Rechte haltest, auf daß du leben mögest und gemehrt werdest; und der HERR, dein Gott, wird dich segnen im Lande, darein du ziehst, um es einzunehmen."
Jesaja 8,20 – „20 wenn sie nicht also sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot."

Als der reiche Mann erkennt, dass seine eigene Lage nicht mehr verändert werden kann, richtet sich sein Blick auf seine fünf Brüder. Er bittet Abraham, Lazarus zu ihnen zu senden, damit sie gewarnt werden und nicht ebenfalls an diesen Ort der Qual gelangen.

Seine Bitte zeigt, dass ihm nun bewusst ist, welche Folgen ein Leben ohne Umkehr hat. Seine Brüder scheinen denselben Weg zu gehen, den auch er gegangen war. Wahrscheinlich teilen sie seine Werte, seine Sicherheit und seine Haltung gegenüber Gottes Ruf. Deshalb fürchtet er, dass auch sie das Ende erreichen werden, das er nun vor Augen hat.

Auf den ersten Blick wirkt seine Bitte verständlich. Eine Botschaft aus der Welt der Toten müsste doch jeden Menschen erschüttern. Wenn Lazarus plötzlich vor ihnen erschiene und von der kommenden Verantwortung berichtete, könnten sie die Warnung kaum ignorieren.

Doch Abrahams Antwort fällt überraschend aus: „Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören.“ Damit weist Jesus nicht auf eine fehlende Offenbarung hin, sondern auf eine bereits vorhandene. Die Brüder besitzen alles, was sie benötigen, um Gottes Willen zu erkennen und zur Umkehr gerufen zu werden.

Mit „Mose und den Propheten“ ist die damals vorhandene Heilige Schrift gemeint. In ihr hatte Gott seinen Charakter, seine Gebote, seine Verheißungen und seine Warnungen offenbart. Sie lehrte die Liebe zu Gott und zum Nächsten, den Schutz der Armen, die Verantwortung der Wohlhabenden und den Ruf zu einem gerechten und barmherzigen Leben.

Dem reichen Mann hatte es deshalb nicht an Wissen gefehlt. Gottes Wort sprach deutlich über den Umgang mit Bedürftigen. Das Gesetz verbot es, das Herz vor einem armen Bruder zu verhärten. Die Propheten klagten eine Frömmigkeit an, die Gottesdienst feierte, aber Unterdrückte, Hungrige und Leidende übersah.

Lazarus vor seinem Tor war somit nicht nur eine menschliche Notlage. Er war zugleich eine konkrete Prüfung, ob der Reiche auf das hörte, was ihm aus der Schrift bekannt war. Die Gebote Gottes standen nicht fern oder abstrakt vor ihm. Sie begegneten ihm im leidenden Menschen unmittelbar vor seinem Haus.

Die Antwort Abrahams macht deutlich, dass Gottes Wort genügt, um den Menschen zur Verantwortung zu ziehen. Gott ist nicht verpflichtet, immer neue Zeichen zu geben, wenn das bereits offenbarte Licht bewusst zurückgewiesen wird. Mehr Erkenntnis löst das Problem nicht, wenn das Herz nicht bereit ist, der vorhandenen Wahrheit zu gehorchen.

Hören bedeutet in der Bibel mehr als das akustische Wahrnehmen von Worten. Es schließt Vertrauen, Annahme und Gehorsam ein. Wer Mose und die Propheten hört, nimmt Gottes Weisung ernst und richtet sein Leben danach aus. Der Reiche hatte die Schrift möglicherweise gekannt, aber er hatte nicht wirklich auf sie gehört.

Darin liegt ein entscheidender Unterschied. Ein Mensch kann mit biblischen Aussagen vertraut sein, regelmäßig religiöse Worte hören und dennoch innerlich unberührt bleiben. Wissen allein verändert das Herz nicht. Erst wenn Gottes Wort im Glauben angenommen wird, beginnt es, Denken, Entscheidungen und Verhalten zu prägen.

Jesus richtet diese Aussage besonders an Menschen, die sich auf ihre religiöse Stellung verlassen. Die Pharisäer kannten die Schriften und betrachteten sich als Söhne Abrahams. Doch ihre Kenntnis der Bibel schützte sie nicht davor, ihren eigentlichen Ruf zu verfehlen. Wer Gottes Wort zur Selbstbestätigung verwendet, aber seine korrigierende Kraft abwehrt, hört es nicht in dem Sinn, den Jesus fordert.

Auch heute besteht die Gefahr, nach außergewöhnlichen Erfahrungen zu suchen, während die klare Stimme der Schrift unbeachtet bleibt. Menschen wünschen sich Zeichen, besondere Botschaften oder übernatürliche Bestätigungen. Doch Gott hat seinen Willen zuverlässig in seinem Wort offenbart.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht zuerst, ob ein Mensch etwas Spektakuläres erlebt hat. Sie lautet, ob er bereit ist, auf das zu hören, was Gott bereits gesagt hat. Die Schrift zeigt die Sünde, ruft zur Umkehr, offenbart Gottes Gnade und weist auf den Weg des Lebens.

Mose und die Propheten konnten den Menschen jedoch nicht durch bloße Gesetzeserfüllung retten. Sie wiesen auf Gottes Verheißung, seine Barmherzigkeit und den kommenden Erlöser hin. Richtig gehört führen sie nicht zur Selbstgerechtigkeit, sondern zur Erkenntnis der eigenen Bedürftigkeit und zum Vertrauen auf Gottes Rettung.

Die Brüder des Reichen benötigen deshalb keinen Boten aus dem Tod. Sie brauchen ein demütiges Herz, das sich dem Wort Gottes öffnet. Dasselbe gilt für jeden Menschen: Die Warnung ist bereits ausgesprochen, der Weg ist gezeigt und die Einladung zur Umkehr steht offen.

Nicht fehlendes Licht ist das eigentliche Problem, sondern die Weigerung, im vorhandenen Licht zu gehen.

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Wenn selbst ein Auferstandener nicht überzeugt

Lukas 16,30-31 – „30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun! 31 Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten auferstände."
Lukas 16,30-31 – „30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun! 31 Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten auferstände."
Johannes 11,43-48 – „43 Und als er solches gesagt, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, an Händen und Füßen mit Grabtüchern umwickelt und sein Angesicht mit einem Schweißtuch umhüllt. Jesus spricht zu ihnen: Bindet ihn los und laßt ihn gehen! 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus getan hatte, glaubten an ihn. 46 Etliche von ihnen ab…"
Johannes 12,9-11 – „9 Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, daß er dort sei; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. 10 Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten, 11 denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus."

Der reiche Mann gibt sich mit Abrahams Antwort nicht zufrieden. Er widerspricht: „Nein, Vater Abraham; sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Buße tun.“ Er ist überzeugt, dass seine Brüder lediglich ein außergewöhnliches Zeichen benötigen. Ein auferstandener Bote müsse doch erreichen, was das geschriebene Wort scheinbar nicht bewirken konnte.

Doch Abraham antwortet: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand aus den Toten aufersteht.“ Mit diesen Worten erreicht das Gleichnis seinen eigentlichen Höhepunkt.

Jesus lehrt damit nicht, dass Wunder bedeutungslos wären. Seine eigenen Wunder offenbarten Gottes Macht, bestätigten seine Sendung und brachten vielen Menschen Hilfe. Dennoch können selbst die größten Zeichen kein Herz zum Glauben zwingen. Wer Gottes Wahrheit nicht annehmen will, findet auch für ein Wunder eine Erklärung, die ihm erlaubt, an seiner bisherigen Haltung festzuhalten.

Das Problem der Brüder besteht deshalb nicht in einem Mangel an Beweisen. Sie besitzen bereits das Zeugnis der Schrift. Ihr eigentliches Hindernis liegt in einem Herzen, das nicht bereit ist, sich von Gottes Wort überführen und verändern zu lassen.

Ein Wunder kann Aufmerksamkeit wecken, Furcht auslösen oder vorübergehende Begeisterung hervorrufen. Wahre Umkehr entsteht jedoch nicht allein durch äußere Erschütterung. Sie beginnt dort, wo ein Mensch Gottes Urteil über sein Leben anerkennt, seine Schuld bekennt und sich im Glauben seiner Gnade anvertraut.

Die Worte Jesu erhalten eine bemerkenswerte Tiefe, als später tatsächlich ein Mann namens Lazarus von den Toten auferweckt wird. Viele Menschen kommen deshalb zum Glauben an Jesus. Die führenden Gegner reagieren jedoch nicht mit allgemeiner Umkehr. Sie beschließen vielmehr, Jesus zu töten, und beraten schließlich sogar darüber, auch Lazarus umzubringen.

Dasselbe Wunder führt somit zu unterschiedlichen Reaktionen. Manche erkennen darin Gottes Wirken, andere verhärten sich noch stärker. Das Zeichen selbst entscheidet nicht über die Antwort. Es offenbart vielmehr, wie ein Mensch dem bereits empfangenen Licht gegenübersteht.

Noch deutlicher erfüllt sich die Aussage des Gleichnisses in der Auferstehung Jesu. Christus wird gekreuzigt, begraben und am dritten Tag von den Toten auferweckt. Seine Auferstehung ist nicht nur eine eindrucksvolle Erzählung, sondern das zentrale historische Handeln Gottes, durch das Jesus als Sohn Gottes bestätigt und der Sieg über Sünde und Tod offenbart wird.

Dennoch überzeugt auch dieses größte Zeichen nicht jeden Menschen automatisch. Schon die religiösen Führer, denen das leere Grab gemeldet wird, suchen nicht gemeinsam nach der Wahrheit. Stattdessen bezahlen sie die Wächter dafür, eine andere Geschichte zu verbreiten. Selbst angesichts überwältigender Hinweise kann ein verhärtetes Herz versuchen, Gottes Handeln zurückzuweisen.

Damit führt das Gleichnis weit über die Erwartung eines spektakulären Erlebnisses hinaus. Der Glaube darf nicht auf der ständigen Forderung beruhen, Gott müsse sich immer wieder auf die von Menschen gewünschte Weise beweisen. Gott hat gesprochen, seine Verheißungen erfüllt und seinen Sohn von den Toten auferweckt.

Die Schrift selbst weist auf Christus hin. Mose und die Propheten bezeugen den kommenden Erlöser, das Opfer für die Sünde und Gottes rettendes Handeln. Wer wirklich auf dieses Wort hört, wird nicht bei religiösem Wissen stehen bleiben, sondern zu Jesus geführt.

Die abschließenden Worte des Gleichnisses sind deshalb zugleich Warnung und Einladung. Sie warnen davor, Gottes Wahrheit so lange zurückzuweisen, bis das Herz immer unempfindlicher wird. Zugleich laden sie dazu ein, das Zeugnis der Schrift ernst zu nehmen und im auferstandenen Christus die von Gott bereitete Rettung anzunehmen.

Der reiche Mann glaubte, seine Brüder bräuchten mehr Beweise. Jesus zeigt dagegen, dass sie ein hörendes Herz benötigen. Nicht das Fehlen eines Wunders hält den Menschen von Gott fern, sondern die Weigerung, sich durch Gottes Wort zur Umkehr und zum Glauben führen zu lassen.

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Zusammenfassung und Gebet

Das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus richtet den Blick nicht zuerst auf ferne Geheimnisse, sondern auf die Entscheidung des Menschen im gegenwärtigen Leben. Jesus warnt vor einem Herzen, das sich durch Wohlstand, Selbstsicherheit oder religiöse Gewohnheit gegen Gottes Stimme verschließt.

Der reiche Mann besaß genügend Erkenntnis und ausreichend Möglichkeiten, um anders zu leben. Gottes Wort hatte ihn zur Liebe und Barmherzigkeit gerufen, und Lazarus lag als sichtbare Verantwortung unmittelbar vor seiner Tür. Dennoch blieb sein Leben auf den eigenen Genuss ausgerichtet. Sein Versagen bestand nicht lediglich darin, dass er reich war, sondern darin, dass sein Besitz sein Herz beherrschte und keine Frucht der Liebe hervorbrachte.

Lazarus dagegen hatte nichts, worauf er sich äußerlich stützen konnte. Sein Leid machte ihn nicht automatisch gerecht, doch sein Name weist auf seine eigentliche Hoffnung hin: Gott war seine Hilfe. Der von Menschen übersehene Mann war vor Gott bekannt und nicht vergessen.

Die Bilder nach dem Tod sollen keine wörtliche Beschreibung eines bewussten Zwischenzustandes liefern. Jesus verwendet die eindringliche Sprache eines Gleichnisses, um die Umkehr menschlicher Bewertungen und die Endgültigkeit des göttlichen Urteils sichtbar zu machen. Die Zeit zur Umkehr, zum Glauben und zu einem veränderten Leben liegt vor dem Tod.

Am Ende richtet Jesus die Aufmerksamkeit vollständig auf das Wort Gottes. Die Brüder des Reichen benötigen keinen außergewöhnlichen Boten, sondern die Bereitschaft, auf Mose und die Propheten zu hören. Selbst eine Auferstehung würde ein Herz nicht überzeugen, das Gottes bereits offenbarte Wahrheit grundsätzlich zurückweist.

Diese Warnung findet ihren tiefsten Bezug in Jesus Christus. Er ist tatsächlich von den Toten auferstanden. Seine Auferstehung bestätigt, dass seine Worte wahr sind, dass Sünde und Tod nicht das letzte Wort besitzen und dass Gott jedem Menschen Rettung anbietet. Doch auch dieses größte Zeichen verlangt eine persönliche Antwort.

Christus ruft nicht nur dazu auf, die Folgen eines gottfernen Lebens zu fürchten. Er lädt dazu ein, ihm zu vertrauen, seine Vergebung anzunehmen und sich von ihm ein neues Herz schenken zu lassen. Aus dieser Verbindung mit ihm wächst jene Barmherzigkeit, die den leidenden Menschen nicht länger übersieht.

Die Frage des Gleichnisses lautet deshalb nicht nur, auf welcher Seite der Geschichte ein Mensch sich erkennt. Sie lautet, ob er heute auf Gottes Stimme hört. Noch ist die Tür der Gnade geöffnet. Noch kann Schuld bekannt, Vergebung empfangen und Verantwortung übernommen werden.

Herr Jesus Christus,
bewahre mich vor einem Herzen, das deine Gaben genießt und dabei dich und die Menschen vor meiner Tür vergisst.

Zeige mir, worauf ich meine Sicherheit setze, und löse mich von allem, was deinen Platz in meinem Leben einnehmen will. Öffne meine Augen für Menschen, die leiden, und schenke mir ein barmherziges Herz, das nicht nur mit Worten liebt, sondern bereit ist zu handeln.

Hilf mir, dein Wort nicht nur zu kennen, sondern darauf zu hören. Überführe mich, wo ich mich selbst rechtfertige, und führe mich zu echter Umkehr. Danke, dass du für meine Schuld gestorben und von den Toten auferstanden bist.

Lass meine Hoffnung nicht auf Besitz, Ansehen oder eigener Gerechtigkeit ruhen, sondern allein auf dir. Gestalte mein Leben durch deine Gnade so, dass deine Liebe darin sichtbar wird.

Amen.

Wer heute auf Gottes Wort hört und sich Christus anvertraut, muss seine Wahrheit nicht erst erkennen, wenn die Zeit zur Entscheidung vergangen ist.

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