Vom Tag und der Nacht – "solange es Tag ist"
Vom Tag und der Nacht – „solange es Tag ist“
Mit Tag und Nacht beschreibt Jesus zunächst die begrenzte Zeit seines irdischen Wirkens vor seinem bevorstehenden Leiden und Tod. Solange er als Licht der Welt gegenwärtig ist, vollbringt er die Werke des Vaters und nimmt seine Jünger in diesen Auftrag hinein. Das Bild ruft deshalb nicht zu rastloser Aktivität, sondern zu gegenwärtiger Treue gegenüber den Gelegenheiten auf, die Gott im Licht Christi schenkt.
Einführung
Die Worte vom Tag und von der Nacht fallen nicht während einer allgemeinen Belehrung über Zeitmanagement. Jesus spricht sie, als er mit seinen Jüngern an einem Mann vorübergeht, der von Geburt an blind ist. Während die Jünger über eine mögliche Schuld hinter seinem Leiden nachdenken, richtet Jesus den Blick auf das Werk Gottes, das an diesem Menschen sichtbar werden soll.
Dieser Gegensatz bestimmt die ganze Szene. Die Jünger schauen zurück und suchen nach einer Ursache, durch die sich die Blindheit erklären lässt. Jesus richtet sich auf das gegenwärtige Handeln des Vaters aus. Die Not des Mannes wird für ihn nicht zum Anlass einer spekulativen Schuldzuweisung, sondern zu einer konkreten Gelegenheit, Gottes rettende und wiederherstellende Macht zu offenbaren.
Gerade hier spricht Jesus vom Tag, an dem gearbeitet werden muss, und von der kommenden Nacht, in der niemand wirken kann. Das Bild stammt aus einer Lebenswelt, in der viele Tätigkeiten an das Tageslicht gebunden waren. Doch in Jesu Worten erhält es eine tiefere Bedeutung: Seine irdische Sendung besitzt eine von Gott bestimmte Zeit, und das herannahende Leiden wird diese Form seines öffentlichen Wirkens beenden.
Unmittelbar danach erklärt Jesus: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Dadurch wird deutlich, dass Tag, Licht und Werk nicht voneinander getrennt werden dürfen. Der folgende Abschnitt handelt deshalb nicht nur von vergänglichen Gelegenheiten, sondern vor allem von Christus selbst, dessen Gegenwart die Finsternis aufdeckt, einem Blinden das Augenlicht schenkt und Menschen vor die Entscheidung stellt, ob sie seinem Licht folgen wollen.
Vom Schuldurteil zum Werk Gottes
Johannes 9,1-3 – „1 Und da er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern; sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbar würden!"
Johannes 9,1-3 – „1 Und da er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern; sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbar würden!"
Lukas 13,1-5 – „1 Es kamen aber zur selben Zeit etliche herbei, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. 2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer mehr als alle andern Galiläer Sünder gewesen seien, weil sie solches erlitten haben? 3 Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen. 4 Oder jene …"
Hesekiel 18,20 – „20 Die Seele, welche sündigt, die soll sterben! Der Sohn soll nicht die Missetat des Vaters mittragen, und der Vater soll nicht die Missetat des Sohnes mittragen! Auf dem Gerechten sei seine Gerechtigkeit, und auf dem Gottlosen sei seine Gottlosgikeit!"
Jesus und seine Jünger begegnen einem Mann, der von Geburt an blind ist. Seine Not ist nicht neu und vorübergehend, sondern hat sein gesamtes bisheriges Leben geprägt. Während Jesus den Menschen selbst sieht, betrachten die Jünger zunächst das theologische Problem, das sie mit seiner Blindheit verbinden. Aus einer Begegnung mit Leid wird für sie eine Frage nach verborgener Schuld.
Sie fragen: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“ Hinter diesen Worten steht die Vorstellung, außergewöhnliches Leiden müsse auf eine entsprechend konkrete persönliche Verfehlung zurückzuführen sein. Die Jünger zweifeln nicht daran, dass zwischen Sünde und dem Leid der gefallenen Welt grundsätzlich ein Zusammenhang besteht. Sie wollen jedoch bestimmen, welchem Menschen die Schuld für diesen einzelnen Zustand zugerechnet werden muss.
Jesu Antwort weist diese vereinfachte Schlussfolgerung zurück: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern.“ Damit erklärt er weder den Mann noch dessen Eltern für vollkommen sündlos. Er verneint vielmehr, dass die Blindheit als unmittelbare Strafe für eine besondere Sünde des Mannes oder seiner Eltern beurteilt werden dürfe. Die Jünger besitzen keine Grundlage für das Urteil, das ihre Frage bereits voraussetzt.
Die Bibel kennt Situationen, in denen bestimmte Sünden konkrete Folgen nach sich ziehen. Dennoch erlaubt sie nicht, jedes Leiden eines Menschen als Beweis besonderer persönlicher Schuld auszulegen. Jesus widerspricht auch an anderer Stelle der Vorstellung, Menschen, die von einer Katastrophe getroffen wurden, müssten größere Sünder gewesen sein als andere. Leid berechtigt den Beobachter nicht dazu, sich über den Betroffenen zu erheben oder Gottes verborgenes Urteil zu behaupten.
Auch die Schuld der Eltern darf nicht pauschal auf das Kind übertragen werden. Entscheidungen einer Generation können zwar reale Folgen für andere Menschen besitzen, doch jeder Mensch steht mit seiner eigenen Verantwortung vor Gott. Der Blindgeborene wird daher nicht zum Gegenstand einer spekulativen Rechnung über fremde oder vorgeburtliche Schuld gemacht. Jesus stellt seine Würde als Mensch wieder in den Mittelpunkt.
Seine Antwort erklärt auch nicht, Gott habe den Mann nur deshalb blind geboren lassen, damit später ein eindrucksvolles Wunder geschehen könne. Der Text gibt keine vollständige Antwort auf die Herkunft jedes Leidens. Jesus lenkt vielmehr von einer nicht zu beantwortenden Schuldfrage auf das Handeln Gottes in der gegenwärtigen Not: An diesem Menschen sollen die Werke Gottes offenbar werden.
Damit verändert sich die Blickrichtung grundlegend. Die Jünger schauen zurück und fragen, wer verantwortlich gemacht werden kann. Jesus schaut auf das, was der Vater jetzt tun will. Er leugnet die Wirklichkeit des Leidens nicht und gibt auch keine oberflächliche Erklärung dafür. Doch er weigert sich, den Menschen auf seine Blindheit und eine vermutete Schuldgeschichte zu reduzieren.
In dieser Haltung zeigt sich bereits das Licht, das Christus in die Welt bringt. Er begegnet Leid nicht mit kalter Spekulation, sondern mit Wahrheit und tätiger Barmherzigkeit. Der Mann wird nicht zuerst über seine Vergangenheit befragt, sondern zum Empfänger eines Werkes Gottes. Wo andere nur ein theologisches Rätsel sehen, erkennt Jesus einen Menschen, an dem Gottes heilende Macht sichtbar werden soll.
So entsteht das Wort vom Tag und von der Nacht aus einer konkreten Gelegenheit zum Handeln. Die Werke des Vaters sollen nicht irgendwann oder nur in einer allgemeinen Vorstellung geschehen. Vor Jesus sitzt jetzt ein Mensch in Not. Gerade diese Gegenwart macht verständlich, warum Christus unmittelbar von der begrenzten Zeit spricht, in der der göttliche Auftrag ausgeführt werden muss.
Wirken in der anvertrauten Zeit
Johannes 9,4 – „4 Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann."
Johannes 9,4 – „4 Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann."
Johannes 4,34 – „34 Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe."
Johannes 11,9-10 – „9 Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand bei Tage wandelt, so stößt er nicht an, denn er sieht das Licht dieser Welt. 10 Wenn aber jemand bei Nacht wandelt, so stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist."
Nachdem Jesus den Blick von der vermuteten Schuld auf das Werk Gottes gelenkt hat, spricht er von der begrenzten Zeit, in der dieses Werk getan werden soll: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist.“ Das Leid des Blindgeborenen wird dadurch nicht nur richtig eingeordnet. Es fordert zu einem Handeln auf, das nicht beliebig vertagt werden darf.
Der Tag bezeichnet zunächst die von Gott bestimmte Zeit des irdischen Wirkens Jesu. Der Vater hat ihn gesandt, und sein öffentlicher Dienst besitzt einen Anfang, einen Auftrag und ein festgesetztes Ende. Jesus lebt nicht in der Vorstellung unbegrenzter Gelegenheiten. Er weiß, dass sein Weg zum Kreuz führt und dass die gegenwärtige Form seines Dienstes nicht dauerhaft fortbestehen wird.
Dabei spricht Jesus nicht von selbst gewählten Werken, sondern von den Werken dessen, der ihn gesandt hat. Sein Handeln entsteht aus der Gemeinschaft mit dem Vater. Er heilt nicht, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, und wirkt nicht nach den Erwartungen der Menschen. Was er tut, gehört zu der Sendung, die ihm anvertraut wurde, und offenbart das Wesen und die rettende Absicht Gottes.
An anderer Stelle beschreibt Jesus die Erfüllung des Willens seines Vaters als seine Speise. Darin zeigt sich, wie vollständig sein Leben auf diesen Auftrag ausgerichtet ist. Gehorsam ist für ihn keine gelegentliche religiöse Pflicht neben anderen Interessen. Er lebt davon, das Werk zu vollenden, zu dem er in die Welt gekommen ist.
Das Wort „müssen“ drückt deshalb keine hilflose äußere Nötigung aus. Jesus handelt freiwillig und zugleich in heiliger Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters. Weil er den Vater liebt und seine Sendung vollkommen annimmt, besitzt das anvertraute Werk eine unbedingte Notwendigkeit. Er kann an der Not des Mannes nicht gleichgültig vorübergehen, während die Zeit zum Handeln gegeben ist.
Die Mehrzahl „wir müssen“ nimmt zugleich die Jünger in diese Bewegung hinein. Sie können das Werk der Erlösung nicht vollbringen, das Christus allein zukommt. Doch sie werden dazu berufen, an seinem Dienst teilzunehmen, seine Werke zu bezeugen und später das Evangelium weiterzutragen. Die Begegnung mit dem Blindgeborenen soll auch ihren Blick verändern: weg von unfruchtbarer Spekulation und hin zu tätiger Barmherzigkeit.
Der Tag darf dabei nicht pauschal mit jeder denkbaren Form religiöser Aktivität gleichgesetzt werden. Jesus ruft nicht zu einem Leben auf, das rastlos jede Aufgabe übernehmen und jede menschliche Erwartung erfüllen muss. Entscheidend sind die Werke des Vaters. Treue bedeutet nicht, alles zu tun, sondern das zu erkennen und auszuführen, was Gott tatsächlich anvertraut.
Auch Jesus ließ sich nicht von jeder Forderung der Menge bestimmen. Er zog sich zum Gebet zurück, ging an manchen Orten weiter und wartete zu anderen Zeiten bewusst auf den richtigen Augenblick. Seine Dringlichkeit war daher frei von Hast. Er verschwendete die gegebene Zeit nicht, aber er ließ sich ebenso wenig von menschlichem Druck aus der Führung des Vaters drängen.
Im Johannesevangelium spricht Jesus außerdem von den zwölf Stunden des Tages, in denen ein Mensch gehen kann, ohne zu straucheln. Solange er im Licht des göttlichen Auftrags wandelt, handelt er zur richtigen Zeit und in der richtigen Richtung. Der Tag ist deshalb nicht nur eine begrenzte Zeitspanne, sondern die Zeit des Wirkens im Licht des Willens Gottes.
Vor Jesus steht nun genau das Werk, das dieser Stunde entspricht. Ein Mensch, der niemals sehen konnte, soll die Macht Gottes erfahren. Während die Jünger noch über seine Vergangenheit nachdenken, handelt Christus in der Gegenwart. So wird der Tag zur anvertrauten Gelegenheit, in der Gottes Wille nicht nur erkannt, sondern in rettender Liebe sichtbar gemacht werden soll.
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Die Nacht beendet die gegenwärtige Gelegenheit
Johannes 9,4 – „4 Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann."
Johannes 9,4 – „4 Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann."
Johannes 12,35-36 – „35 Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 36 Solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet!"
Johannes 13,30 – „30 Da nun jener den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht."
Dem Tag stellt Jesus die kommende Nacht gegenüber: „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ Diese Worte geben seinem Auftrag eine ernste zeitliche Grenze. Die Gelegenheit, das gegenwärtig anvertraute Werk in seiner jetzigen Form zu vollbringen, bleibt nicht unbegrenzt bestehen. Was im Licht dieses Tages getan werden soll, kann nicht beliebig auf eine spätere Zeit verschoben werden.
Im unmittelbaren Zusammenhang weist die Nacht zunächst auf das bevorstehende Ende des öffentlichen irdischen Wirkens Jesu hin. Sein Weg führt nach Jerusalem, zu seiner Gefangennahme und zum Kreuz. Dann wird er nicht mehr wie bisher durch Städte und Dörfer ziehen, lehren und Kranke heilen. Die besondere Zeit seiner sichtbaren Sendung unter Israel nähert sich ihrem Abschluss.
Jesus sagt damit nicht, dass Gott nach seinem Tod überhaupt nicht mehr wirken würde. Gerade durch das Kreuz, die Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes wird Gottes Heilshandeln weitergeführt und in die Welt getragen. Die Nacht beendet nicht Gottes Erlösungsplan, sondern eine bestimmte, unwiederholbare Phase innerhalb dieses Plans: den öffentlichen Dienst des menschgewordenen Sohnes vor seinem Leiden.
Auch die Worte „da niemand wirken kann“ dürfen deshalb nicht als allgemeine Aussage verstanden werden, nach der während jeder geistlichen Dunkelheit keinerlei Dienst mehr möglich wäre. Jesus spricht bildhaft vom Ende der für eine bestimmte Aufgabe gegebenen Gelegenheit. Wenn der Tag vergangen ist, kann das Werk, das an diesen Tag gebunden war, nicht einfach unter denselben Bedingungen nachgeholt werden.
Im Johannesevangelium verbindet Jesus diese zeitliche Begrenzung mehrfach mit seiner eigenen Gegenwart. Er fordert die Menschen auf, an das Licht zu glauben, solange sie es haben. Sie sollen nicht voraussetzen, dass dieselbe Gelegenheit zur Begegnung mit ihm unbegrenzt bestehen bleibt. Das Licht steht vor ihnen, spricht zu ihnen und offenbart den Vater; gerade deshalb verlangt seine Gegenwart eine gegenwärtige Antwort.
Die Nacht wird später im Bericht über Judas auch erzählerisch sichtbar. Nachdem Judas den Raum verlässt, um Jesus zu verraten, heißt es schlicht: „Es war aber Nacht.“ Diese Bemerkung beschreibt zunächst die tatsächliche Tageszeit, trägt im Zusammenhang aber zugleich eine tiefere Färbung. Der Verrat setzt die Ereignisse in Gang, durch die Jesus der Gewalt seiner Gegner ausgeliefert und sein öffentlicher Weg zum Kreuz geführt wird.
Dennoch herrscht die Finsternis niemals unabhängig von Gottes Willen. Jesu Feinde können ihn nicht vor der von Gott bestimmten Stunde ergreifen. Als diese Stunde kommt, geht er ihr freiwillig entgegen. Die Nacht überrascht ihn nicht und vereitelt seinen Auftrag nicht; sie markiert vielmehr den Übergang zu jenem Werk, für das er letztlich in die Welt gekommen ist.
Gerade deshalb begegnet Jesus dem Blindgeborenen jetzt. Er denkt nicht, dass eine andere Gelegenheit gewiss folgen werde. Der Mensch sitzt in diesem Augenblick vor ihm, und dieser Augenblick gehört zu dem Tag, den der Vater gegeben hat. Die kommende Nacht verleiht der gegenwärtigen Barmherzigkeit ihr Gewicht.
Für die Nachfolger Jesu ergibt sich daraus ein bleibender Grundsatz, ohne dass jede Einzelheit unmittelbar auf sie übertragen werden dürfte. Auch ihr Leben enthält Gelegenheiten, die an bestimmte Menschen, Zeiten und Aufgaben gebunden sind. Ein heute möglicher Dienst kann morgen durch veränderte Umstände nicht mehr in derselben Weise getan werden. Die Erkenntnis dieser Begrenzung soll nicht in Angst versetzen, sondern zu wacher Treue führen.
Die Nacht erinnert somit daran, dass Zeit nicht nur vergeht, sondern von Gott anvertraut wird. Christus nutzt den Tag nicht aus Furcht vor dem Ende, sondern aus Liebe zum Vater und zu den Menschen. Wer in seinem Licht lebt, muss nicht rastlos jeder Möglichkeit nachjagen, darf aber die klar erkannte Aufgabe auch nicht leichtfertig vertagen.
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Christus ist das Licht des Tages
Johannes 9,5 – „5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."
Johannes 9,5 – „5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."
Johannes 8,12 – „12 Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben."
Johannes 12,35-36 – „35 Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 36 Solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet!"
Nachdem Jesus von der begrenzten Zeit des Wirkens gesprochen hat, erklärt er, wodurch dieser Tag überhaupt bestimmt wird: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Der Tag ist in diesem Bild nicht lediglich eine verfügbare Zeitspanne. Er ist die Zeit, in der Christus gegenwärtig ist, den Vater offenbart und durch seine Werke Licht in die Finsternis bringt.
Diese Aussage erhält durch den Blindgeborenen eine unmittelbar sichtbare Bedeutung. Vor Jesus steht ein Mensch, der das natürliche Licht niemals wahrnehmen konnte. Indem Christus ihm das Augenlicht schenkt, zeigt er auf körperlich erfahrbare Weise, was seine Sendung für die ganze Welt bedeutet. Er kommt dorthin, wo der Mensch aus eigener Kraft nicht sehen kann, und eröffnet eine Wirklichkeit, die zuvor verschlossen war.
Doch das Zeichen reicht über die Heilung der Augen hinaus. Im weiteren Verlauf des Kapitels wird sichtbar, dass körperliches Sehen und geistliche Erkenntnis nicht dasselbe sind. Der geheilte Mann versteht zunächst nur schrittweise, wer Jesus ist, gelangt schließlich aber zum Glauben und betet ihn an. Religiöse Führer besitzen dagegen gesunde Augen und umfassende Schriftkenntnis, verschließen sich jedoch immer entschiedener gegen das Licht, das vor ihnen steht.
Christus ist deshalb nicht nur jemand, der Informationen über Gott vermittelt. In ihm wird Gott selbst erkennbar. Seine Worte, sein Charakter und seine Werke offenbaren die Wahrheit über den Vater, über den Menschen und über den Weg des Heils. Wer ihm folgt, empfängt nicht lediglich bessere Orientierung innerhalb des bisherigen Lebens, sondern „das Licht des Lebens“.
Dieses Licht deckt zugleich auf. Es offenbart Barmherzigkeit, wo Menschen nur nach Schuld fragen, und macht geistliche Blindheit sichtbar, wo religiöse Selbstsicherheit herrscht. Licht tröstet daher nicht nur, sondern prüft auch. Es zeigt dem Menschen, was wirklich in seinem Herzen lebt und ob er bereit ist, seine bisherigen Urteile von Christus korrigieren zu lassen.
Darum verbindet Jesus die Gegenwart des Lichtes mit einer Entscheidung. An anderer Stelle fordert er seine Hörer auf, im Licht zu wandeln, solange sie es haben, damit die Finsternis sie nicht überwältigt. Licht zu empfangen bedeutet mehr, als seine Helligkeit für einen Augenblick zu bemerken. Der Mensch soll sich ihm anvertrauen, seine Richtung annehmen und den Weg gehen, den es sichtbar macht.
Die religiösen Führer des Kapitels zeigen, dass selbst ein deutliches Werk Gottes nicht automatisch zum Glauben führt. Sie untersuchen die Heilung, befragen den Mann und seine Eltern und besitzen schließlich genügend Hinweise auf das Geschehen. Dennoch suchen sie nicht offen nach der Wahrheit, sondern nach Gründen, Jesus zurückzuweisen. Das Licht scheint, doch ihr Widerstand lässt ihre Blindheit hervortreten.
Der Tag des Wirkens und das Licht der Welt gehören deshalb untrennbar zusammen. Die Werke des Vaters werden nicht durch bloße menschliche Aktivität sichtbar, sondern durch Christus, der Gottes Wesen offenbart. Auch seine Jünger können nur dann in diesem Werk stehen, wenn sie selbst in seinem Licht wandeln und ihre Sicht auf Menschen, Leid und Auftrag von ihm bestimmen lassen.
Vor dem Blindgeborenen wird diese Wahrheit zur Tat. Jesus spricht nicht nur darüber, dass er Licht ist, sondern schenkt einem Menschen das Sehen. Das Zeichen weist damit auf die größere Gabe hin: Wer sich Christus öffnet, darf aus geistlicher Finsternis in die Erkenntnis Gottes treten. Solange das Licht scheint, besteht die Gelegenheit, ihm zu glauben und im Tag seiner Gegenwart zu wandeln.
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Die anvertraute Gelegenheit erkennen
Epheser 5,15-17 – „15 Sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; 16 und kaufet die Zeit aus, denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht unverständig, sondern suchet zu verstehen, was des Herrn Wille sei!"
Epheser 5,15-17 – „15 Sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; 16 und kaufet die Zeit aus, denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht unverständig, sondern suchet zu verstehen, was des Herrn Wille sei!"
Galater 6,9-10 – „9 Laßt uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten. 10 So laßt uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an jedermann Gutes tun, allermeist an den Glaubensgenossen."
Kolosser 4,5 – „5 Wandelt in Weisheit gegen die, welche außerhalb [der Gemeinde] sind, und kaufet die Zeit aus."
Aus Jesu Worten über den Tag ergibt sich eine bleibende Verantwortung für seine Nachfolger. Sie können das einzigartige Werk des Sohnes Gottes nicht wiederholen, doch sie werden in seinen Dienst hineingenommen. Solange Gott ihnen Zeit, Kraft und Gelegenheit schenkt, sollen sie in seinem Licht erkennen, was der jeweilige Augenblick von ihnen fordert.
Dabei liegen die Werke Gottes nicht nur in außergewöhnlichen Aufgaben. Jesus begegnet dem Blindgeborenen auf dem Weg, nicht auf einer eigens dafür vorbereiteten Veranstaltung. Die Gelegenheit entsteht mitten im Alltag, weil ein Mensch in Not vor ihm steht. Was die Jünger zunächst als Gegenstand einer theologischen Diskussion betrachten, erkennt Christus als Ruf zu tätiger Barmherzigkeit.
Auch heute können Menschen an einer Not vorbeisehen, weil sie nach Erklärungen suchen, Zuständigkeiten prüfen oder auf einen günstigeren Zeitpunkt warten. Solche Fragen können berechtigt sein, dürfen aber nicht dazu dienen, eine klar erkennbare Verantwortung zu umgehen. Manchmal besteht das Werk des gegenwärtigen Tages darin, zuzuhören, zu helfen, zu vergeben oder ein notwendiges Wort in Liebe auszusprechen.
Paulus fordert deshalb zu einem sorgfältigen Wandel auf. Die Zeit soll ausgekauft werden, weil die Tage böse sind. Damit meint er nicht, dass jede Minute mit religiöser Tätigkeit gefüllt werden müsse. Der Gläubige soll vielmehr die gegebenen Gelegenheiten verständig nutzen und danach fragen, was dem Willen des Herrn entspricht.
Diese Unterscheidung bewahrt sowohl vor Nachlässigkeit als auch vor rastlosem Aktivismus. Nicht jede Not kann von einem einzelnen Menschen gelöst, nicht jede Aufgabe übernommen und nicht jede offene Tür durchschritten werden. Jesus selbst handelte nicht nach dem Anspruch, überall gleichzeitig wirken zu müssen. Er blieb in der Führung des Vaters und tat das Werk, das ihm für den jeweiligen Augenblick anvertraut war.
Darum beginnt treues Wirken mit der Gemeinschaft mit Christus. Nur in seinem Licht kann der Mensch unterscheiden, ob eine Aufgabe wirklich von Gott gegeben ist oder lediglich aus menschlichem Druck, Schuldgefühl oder dem Wunsch nach Anerkennung entsteht. Gebet, Gottes Wort und ein zur Liebe bereites Herz schärfen den Blick für jene Werke, die nicht aus Selbstbehauptung, sondern aus Gehorsam hervorgehen.
Galater 6 verbindet diese Treue mit dem Aufruf, im Gutestun nicht müde zu werden. Manche Werke zeigen keine schnellen Ergebnisse. Ein Mensch kann dienen, beten, ermutigen und Wahrheit weitergeben, ohne unmittelbar zu erkennen, was daraus entsteht. Der Tag des Wirkens verlangt deshalb nicht nur Aufmerksamkeit für Gelegenheiten, sondern auch Ausdauer, wenn die sichtbare Frucht ausbleibt.
Zugleich setzt Paulus hinzu: „Solange wir Gelegenheit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann.“ Gelegenheit ist mehr als abstrakt vorhandene Zeit. Sie entsteht dort, wo Gott Menschen zusammenführt, Fähigkeiten anvertraut oder eine Tür zum Dienst öffnet. Ist diese konkrete Situation vergangen, kann das Versäumte häufig nicht unter denselben Bedingungen nachgeholt werden.
Das Wissen um die Begrenztheit solcher Gelegenheiten soll jedoch keine lähmende Angst vor jeder möglicherweise verpassten Aufgabe erzeugen. Kein Mensch erkennt jede Möglichkeit vollkommen, und niemand wird durch fehlerlose Nutzung seiner Zeit gerettet. Christus vergibt auch Versäumnisse und führt den Umkehrenden neu in seinen Dienst. Seine Gnade macht nicht nachlässig, sondern befreit dazu, den heutigen Ruf ohne die Last eigener Selbstrechtfertigung anzunehmen.
So wird der Tag zu einer Schule wacher Treue. Der Nachfolger Jesu muss weder die ganze Zukunft beherrschen noch jede denkbare Aufgabe erfüllen. Er darf im Licht Christi den Menschen und den Auftrag erkennen, den Gott ihm heute vor Augen stellt. Dort wird die anvertraute Zeit nicht durch Hast, sondern durch glaubenden Gehorsam kostbar genutzt.
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Solange ihr das Licht habt
Johannes 12,35-36 – „35 Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 36 Solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet!"
Johannes 12,35-36 – „35 Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 36 Solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet!"
Johannes 9,4-5 – „4 Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."
2. Korinther 6,1-2 – „1 Da wir denn Mitarbeiter sind, so ermahnen wir euch auch, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen! 2 Denn er spricht: «Ich habe dich zur angenehmen Zeit erhört und dir am Tage des Heils geholfen.» Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils!"
Jesu Wort über den begrenzten Tag betrifft nicht nur die Zeit, in der Werke getan werden können. Es berührt ebenso die Verantwortung der Menschen, auf das gegenwärtige Licht zu antworten. Einige Zeit später fordert Jesus seine Hörer auf: „Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfällt.“ Das empfangene Licht ist eine Gabe, die nicht gleichgültig betrachtet oder beliebig auf später verschoben werden darf.
Im unmittelbaren Zusammenhang bezeichnet das Licht erneut Christus selbst. Er steht vor den Menschen, spricht Gottes Wahrheit aus und offenbart durch seine Werke den Vater. Seine Hörer besitzen daher nicht nur allgemeine religiöse Erkenntnis. In der Person des Sohnes begegnet ihnen eine Offenbarung Gottes, die eine Entscheidung verlangt.
Der Blindgeborene zeigt, wie eine solche Antwort wachsen kann. Zunächst kennt er Jesus nur als den Mann, der ihn geheilt hat. Später bezeichnet er ihn als Propheten, verteidigt sein göttliches Wirken gegenüber den religiösen Führern und gelangt schließlich zum Glauben an den Sohn Gottes. Das empfangene körperliche Licht führt ihn Schritt für Schritt zu einer tieferen geistlichen Erkenntnis.
Die Pharisäer gehen den entgegengesetzten Weg. Auch sie erfahren von der Heilung, befragen Zeugen und setzen sich ausführlich mit dem Geschehen auseinander. Doch statt dem erkennbaren Licht zu folgen, suchen sie nach Gründen, es zurückzuweisen. Mit jeder neuen Untersuchung wird nicht ihre Einsicht größer, sondern ihr Widerstand entschlossener.
Darin wird sichtbar, dass Licht den Menschen nicht automatisch verändert. Es offenbart Wahrheit, aber es zwingt niemanden zum Glauben. Wer bereit ist, sich von Christus führen zu lassen, empfängt zunehmende Klarheit. Wer das Licht wiederholt abweist, kann seine geistliche Wahrnehmung immer weiter verdunkeln, obwohl ihm äußerlich viel Erkenntnis begegnet.
Jesus warnt deshalb davor, auf eine spätere, günstigere Gelegenheit zu vertrauen. Ein Mensch kann sich einreden, er werde sich irgendwann ernsthafter mit Gottes Ruf beschäftigen, eine erkannte Sünde später aufgeben oder zu einem geeigneteren Zeitpunkt glauben. Doch Aufschub lässt das Herz nicht unverändert. Wiederholtes Zögern kann dazu führen, dass die Wahrheit weniger dringlich und die eigene Ablehnung immer selbstverständlicher erscheint.
Paulus greift diese Dringlichkeit auf, wenn er vom „Tag des Heils“ spricht. Damit lehrt er nicht, dass Gott einen aufrichtig Suchenden willkürlich abweisen würde, weil ein bestimmter Augenblick verstrichen sei. Er macht deutlich, dass Gottes Gnade dem Menschen jetzt begegnet und deshalb jetzt angenommen werden soll. Die Gegenwart ist der einzige Zeitpunkt, in dem Vertrauen, Umkehr und Gehorsam tatsächlich möglich sind.
Diese Wahrheit darf nicht zu ängstlicher Selbstrettung führen. Der Mensch wird nicht dadurch erlöst, dass er jede Gelegenheit vollkommen erkennt und ohne Versäumnis nutzt. Rettung liegt allein in Christus. Doch gerade weil seine Gnade frei angeboten wird, soll sie nicht als selbstverständlicher Besitz behandelt werden, auf den man zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zurückgreifen könne.
„Solange ihr das Licht habt“ ist daher zugleich Einladung und Warnung. Christus ruft Menschen nicht nur dazu auf, sein Licht zu bewundern, sondern darin zu wandeln und Kinder des Lichtes zu werden. Der Tag wird recht genutzt, wenn der Mensch nicht nur Werke für Gott tun möchte, sondern zuerst dem Licht glaubt, durch das er überhaupt erkennen kann, wer Gott ist und welchen Weg er gehen soll.
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Vom begrenzten Tag zum ewigen Licht
Offenbarung 21,23-25 – „23 Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. 24 Und die Völker werden in ihrem Lichte wandeln und die Könige der Erde ihre Herrlichkeit in sie bringen. 25 Und ihre Tore sollen nicht geschlossen werden am Tage; denn dort wird keine Nacht sein."
Offenbarung 21,23-25 – „23 Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. 24 Und die Völker werden in ihrem Lichte wandeln und die Könige der Erde ihre Herrlichkeit in sie bringen. 25 Und ihre Tore sollen nicht geschlossen werden am Tage; denn dort wird keine Nacht sein."
Offenbarung 22,3-5 – „3 Und nichts Gebanntes wird mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen; 4 und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. 5 Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes eines Leuchters, noch des Sonnenscheines; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden herrschen von Ewig…"
Johannes 8,12 – „12 Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben."
Jesu Bildwort handelt unmittelbar von einer begrenzten Zeit. Sein öffentlicher Dienst vor dem Kreuz besitzt einen von Gott bestimmten Tag, und auch die Gelegenheiten seiner Hörer verlangen eine gegenwärtige Antwort. Dennoch endet die biblische Geschichte nicht mit der Nacht. Das Licht, das Christus in die Welt bringt, weist über die gegenwärtige Zeit hinaus auf eine Zukunft, in der die Finsternis endgültig überwunden sein wird.
Seit dem Sündenfall ist die Welt von einer Finsternis geprägt, die weit über den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht hinausreicht. Sünde verdunkelt die Erkenntnis Gottes, Leiden überschattet das menschliche Leben, und der Tod setzt allen irdischen Möglichkeiten eine Grenze. Christus tritt in diese Welt nicht nur als Lehrer über das Licht ein. Er ist selbst das Licht des Lebens und kommt, um die Werke der Finsternis zu überwinden.
Die Heilung des Blindgeborenen ist deshalb mehr als eine vorübergehende Erleichterung. Der Mann empfängt seine Sehkraft, doch sein Körper bleibt weiterhin der Vergänglichkeit unterworfen. Das Zeichen weist auf eine umfassendere Wiederherstellung hin, die Christus durch sein Erlösungswerk vorbereitet. Was an einem einzelnen Menschen sichtbar beginnt, wird bei der Vollendung des Reiches die gesamte Schöpfung erfassen.
Die Offenbarung beschreibt das neue Jerusalem als eine Stadt, die weder Sonne noch Mond benötigt, um erleuchtet zu werden. Damit wird nicht notwendigerweise gelehrt, dass diese geschaffenen Lichter überhaupt nicht mehr bestehen, sondern dass die Stadt auf kein anderes Licht angewiesen ist. Die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und das Lamm ist ihre Leuchte. Christus, der sich während seines irdischen Dienstes als Licht der Welt offenbart, bleibt auch in der vollendeten Schöpfung die Quelle aller Erkenntnis, Reinheit und Herrlichkeit.
Dort heißt es ausdrücklich, dass keine Nacht mehr sein wird. Die Offenbarung beschreibt damit mehr als eine dauerhafte natürliche Helligkeit. Alles, wofür die Nacht im Zusammenhang der gefallenen Welt stehen kann – Gefahr, Trennung, Unsicherheit, Tod und die Begrenzung menschlichen Wirkens –, wird endgültig beseitigt sein. Gottes Knechte werden sein Angesicht sehen und in seiner unmittelbaren Gegenwart leben.
Dieser ewige Tag entsteht nicht durch menschliche Arbeit. Die Werke des gegenwärtigen Tages verdienen niemandem einen Platz in Gottes Reich. Christus selbst öffnet durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung den Weg zur neuen Schöpfung. Der Dienst seiner Nachfolger ist eine Frucht empfangener Gnade und ein Zeugnis für das kommende Reich, niemals dessen Grundlage.
Gerade diese Hoffnung verleiht dem gegenwärtigen Wirken seine Richtung. Christen handeln nicht in dem Versuch, durch eigene Anstrengung die Welt endgültig von aller Finsternis zu befreien. Sie bezeugen durch Wahrheit, Barmherzigkeit und treuen Dienst den König, der dieses Werk vollenden wird. Jede Heilung bleibt vorläufig, jede menschliche Hilfe begrenzt und jedes Zeugnis unvollkommen; dennoch kann darin etwas von dem kommenden Licht sichtbar werden.
Die Hoffnung auf den ewigen Tag schwächt deshalb die Dringlichkeit der Gegenwart nicht ab. Sie bewahrt vielmehr davor, die heutige Aufgabe mit dem endgültigen Werk Gottes zu verwechseln. Solange der Tag des gegenwärtigen Dienstes gegeben ist, sollen die Nachfolger Jesu treu wirken. Zugleich wissen sie, dass die letzte Überwindung von Leid, Blindheit und Tod nicht von ihrer Leistungsfähigkeit abhängt.
So führt das Bild von Tag und Nacht zu einer Hoffnung, die stärker ist als jede zeitliche Begrenzung. Der irdische Tag vergeht, menschliche Gelegenheiten enden und selbst treuer Dienst findet einmal seinen Abschluss. Doch für diejenigen, die Christus folgen, mündet die Geschichte nicht in bleibende Dunkelheit. Sie erwarten den ewigen Tag, an dem das Lamm selbst ihr Licht sein und keine Nacht mehr über Gottes erneuerter Schöpfung liegen wird.
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Zusammenfassung und Gebet
Der Tag in Jesu Bildwort ist keine selbstverständliche und unbegrenzt verfügbare Zeit. Er ist eine von Gott bestimmte Gelegenheit, in der sein Licht gegenwärtig ist und sein Werk getan werden soll. Gerade weil dieser Tag ein Ende besitzt, trägt jeder Augenblick seines irdischen Dienstes ein besonderes Gewicht.
Die Worte entstehen im Angesicht eines Menschen, der von Geburt an blind ist. Während die Jünger nach einer verborgenen Schuld suchen, sieht Jesus einen Menschen, an dem Gottes Werk offenbar werden soll. Er lässt sich nicht auf eine spekulative Erklärung des Leidens ein, sondern wendet sich der gegenwärtigen Not zu. Wo andere nur ein theologisches Problem erkennen, handelt Christus in Wahrheit und Barmherzigkeit.
Damit offenbart sich der Charakter der Werke Gottes. Sie entspringen nicht menschlicher Betriebsamkeit, sondern dem Auftrag des Vaters. Jesus wirkt weder aus dem Wunsch nach Anerkennung noch unter dem Druck fremder Erwartungen. Er kennt die Aufgabe dieser Stunde und erfüllt sie in vollkommener Gemeinschaft mit demjenigen, der ihn gesandt hat.
Die kommende Nacht bezeichnet zunächst das Ende dieser besonderen Form seines öffentlichen Wirkens. Jesu Weg führt zur Gefangennahme und zum Kreuz. Danach wird er nicht mehr wie zuvor durch das Land ziehen, lehren und heilen. Die Nacht beendet jedoch nicht Gottes Erlösungswerk, sondern führt zu jenem entscheidenden Handeln, durch das Christus Sünde und Tod überwinden wird.
Gerade deshalb ist seine Dringlichkeit frei von Angst und Hast. Jesus versucht nicht, jede denkbare Aufgabe zu erfüllen. Er tut treu das Werk, das ihm der Vater anvertraut hat. Seine Worte rufen daher nicht zu rastloser Aktivität auf, sondern zu einem Leben, das die gegenwärtige Gelegenheit im Licht von Gottes Willen erkennt.
Diese Verantwortung gilt auch seinen Nachfolgern. Sie können das einzigartige Erlösungswerk Christi nicht wiederholen, werden aber in seinen Dienst hineingenommen. Solange Zeit, Kraft und Gelegenheit gegeben sind, sollen sie Menschen nicht nur beurteilen oder über ihre Not sprechen, sondern in Liebe, Wahrheit und Barmherzigkeit handeln. Manche Aufgaben gehören zu einem bestimmten Augenblick und können später nicht unter denselben Bedingungen nachgeholt werden.
Doch bevor ein Mensch im Licht wirken kann, muss er selbst auf das Licht antworten. Jesus ist nicht nur derjenige, der den Tag sinnvoll nutzt; er ist das Licht der Welt. Der geheilte Mann empfängt deshalb mehr als körperliches Sehen. Schritt für Schritt erkennt er denjenigen, der ihm begegnet ist, glaubt an ihn und betet ihn an.
Die religiösen Führer zeigen dagegen, dass äußeres Sehen geistliche Blindheit nicht verhindert. Sie untersuchen das Zeichen, hören das Zeugnis des Geheilten und verschließen sich dennoch immer stärker gegen Christus. Das Licht macht somit nicht nur Gottes Gnade sichtbar, sondern offenbart auch, wie der Mensch auf die Wahrheit reagiert.
„Solange ihr das Licht habt“ ist deshalb eine Einladung, den Ruf Christi nicht auf einen selbst gewählten späteren Zeitpunkt zu verschieben. Der heutige Tag ist die Zeit, in der seine Gnade begegnet, Umkehr möglich ist und der nächste Schritt des Gehorsams gegangen werden kann. Niemand wird durch vollkommene Nutzung seiner Zeit gerettet; doch wer die rettende Gnade empfängt, wird lernen, die anvertraute Zeit nicht gleichgültig zu behandeln.
Am Ende führt der Weg der Glaubenden nicht in eine bleibende Nacht. Christus ging selbst durch die Finsternis des Kreuzes, überwand den Tod und wird sein Reich vollenden. In der neuen Schöpfung wird keine Nacht mehr sein, weil Gottes Herrlichkeit sie erleuchtet und das Lamm ihre Leuchte ist.
So verbindet Jesu Bildwort heilige Dringlichkeit mit sicherer Hoffnung. Der gegenwärtige Tag ist begrenzt, doch das Licht Christi vergeht nicht. Wer ihm folgt, darf heute in seinem Licht wirken und zugleich dem ewigen Tag entgegengehen, an dem Blindheit, Leid und Tod endgültig überwunden sein werden.