Die bösen Weingärtner

Die bösen Weingärtner: Bedeutung und Auslegung

Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern enthüllt die schuldhafte Verwerfung der von Gott gesandten Propheten und schließlich seines einzigartigen Sohnes. Jesus warnt besonders die religiösen Führer, die Gottes Volk verwalten sollten, aber seinen Herrschaftsanspruch zurückweisen. Zugleich kündigt er an, dass ihre Untreue Gottes Heilsplan nicht aufhalten wird: Der verworfene Sohn wird zum Eckstein, während Gott die Verantwortung treuen Fruchtbringern überträgt.

Einführung

Jesus erzählt dieses Gleichnis in Jerusalem, nur wenige Tage vor seiner Kreuzigung. Zuvor hatten die führenden Priester und Ältesten seine Vollmacht infrage gestellt. Sie sahen seine Taten, hörten seine Lehre und erkannten den Anspruch, mit dem er auftrat, wollten sich seiner Autorität jedoch nicht unterordnen. In dieser angespannten Situation antwortet Jesus nicht nur auf ihre Worte, sondern deckt die Haltung auf, die hinter ihrer Ablehnung steht.

Die Erzählung beginnt mit einem sorgfältig angelegten Weinberg. Für Jesu Zuhörer war dieses Bild mit der Geschichte Israels verbunden, denn schon die Propheten hatten Gottes Volk als seinen Weinberg beschrieben. Doch Jesus wiederholt nicht lediglich ein bekanntes Bild. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die Männer, denen der Besitzer den Weinberg anvertraut, und auf ihre Reaktion, als er die ihm zustehende Frucht einfordert.

Was zunächst wie ein Streit um Pacht und Besitz erscheint, entwickelt sich zu einer Geschichte zunehmender Auflehnung. Jeder neue Bote gibt den Weingärtnern Gelegenheit, den Anspruch des Eigentümers anzuerkennen. Stattdessen steigert sich ihr Widerstand, bis schließlich der Sohn selbst vor ihnen steht. An ihm wird endgültig sichtbar, ob sie bereit sind, den Herrn des Weinbergs anzuerkennen.

Damit führt Jesus seine Gegner in eine Geschichte hinein, deren Urteil sie verstehen können, bevor sie erkennen, dass sie selbst angesprochen sind. Die Frage nach dem Weinberg wird zur Frage nach geistlicher Verantwortung, nach empfangenen Vorrechten und nach der Haltung gegenüber Gottes Sohn. Gerade deshalb verlangt dieses Gleichnis, Gottes Geduld und sein Gericht ebenso ernst zu nehmen wie die einzigartige Stellung dessen, den die Menschen verwerfen werden.

Der sorgfältig angelegte Weinberg

Matthäus 21,33 – „33 Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ab."
Matthäus 21,33 – „33 Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ab."
Jesaja 5,1-7 – „1 Ich will doch singen von meinem Geliebten, ein Lied meines Freundes von seinem Weinberg! Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf dem Ausläufer eines Ölbergs. 2 Den grub er um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Mitten darin baute er einen Turm und hieb auch eine Kelter darin aus; und er hoffte, daß er Trauben brächte; aber er trug Herlinge. 3 Nun, ihr Bürger zu Jeru…"
Psalmen 80,8-9 – „8 Einen Weinstock hast du aus Ägypten gebracht; du hast die Heiden vertrieben und ihn gepflanzt; 9 du machtest vor ihm Raum, daß er Wurzeln schlug und das Land erfüllte;"

Jesus beginnt das Gleichnis mit einem Hausherrn, der einen Weinberg anlegt. Er pflanzt ihn nicht beiläufig, sondern trifft umfassende Vorbereitungen: Er setzt einen Zaun darum, gräbt eine Kelter und errichtet einen Turm. Erst nachdem der Weinberg vollständig eingerichtet ist, verpachtet er ihn an Weingärtner. Die spätere Forderung nach Frucht beruht deshalb nicht auf einer willkürlichen Erwartung, sondern auf einer sorgfältig geschaffenen Grundlage.

Das Bild war den ursprünglichen Hörern aus den Schriften Israels vertraut. Besonders Jesaja hatte Gottes Volk mit einem liebevoll angelegten Weinberg verglichen. Gott hatte einen fruchtbaren Ort ausgewählt, den Boden vorbereitet, edle Reben gepflanzt und alles getan, was für eine gute Ernte nötig war. Dennoch brachte der Weinberg schlechte Frucht hervor. Schon dort führte das Bild zur ernsten Frage, was Gott noch hätte tun können, das er nicht bereits getan hatte.

Jesus greift diese prophetische Bildwelt bewusst auf, übernimmt sie jedoch nicht unverändert. Bei Jesaja liegt der Schwerpunkt zunächst auf dem Weinberg und seinen schlechten Früchten. In Jesu Erzählung richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf die Weingärtner, denen der vorbereitete Weinberg anvertraut wird. Dadurch verschiebt sich die Verantwortung zu denen, die innerhalb des Volkes eine leitende Aufgabe empfangen hatten. Die bekannte Geschichte erhält eine neue Zuspitzung, die besonders die religiösen Führer treffen musste.

Der Weinberg weist in diesem Zusammenhang auf Israel als Gottes Bundesvolk hin. Gott hatte es aus Ägypten geführt, ihm sein Gesetz offenbart und es in das verheißene Land gebracht. Durch Priester, Propheten und die Ordnungen des Heiligtums sollte sein Wesen sichtbar werden. Israel war nicht erwählt worden, um Gottes Gaben ausschließlich für sich zu bewahren, sondern um unter den Völkern von seiner Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und rettenden Macht zu zeugen.

Dabei beruhte diese Erwählung nicht auf einer natürlichen Überlegenheit Israels. Der Weinberg entstand durch das Handeln des Eigentümers, nicht durch die Leistung derer, die ihn später bewirtschafteten. Gottes Volk lebte von seiner Gnade, seiner Führung und seinen Verheißungen. Gerade deshalb konnten die empfangenen Vorrechte keinen Anlass zur Selbstverherrlichung geben. Je größer das Anvertraute war, desto größer wurde auch die Verantwortung, dem Geber die ihm zustehende Frucht zu bringen.

Zaun, Kelter und Turm müssen nicht jeweils als verschlüsselte Hinweise auf eine bestimmte geistliche Wirklichkeit gedeutet werden. Gemeinsam beschreiben sie einen vollständig ausgestatteten Weinberg. Der Zaun schützte das Gelände, die Kelter war für die Verarbeitung der erwarteten Trauben bestimmt, und der Turm diente der Bewachung und dem Aufenthalt der Arbeiter. Die Einzelheiten unterstreichen vor allem, dass der Eigentümer nichts Wesentliches versäumt hatte. Die Schuld des späteren Versagens kann daher nicht auf mangelnde Vorbereitung des Hausherrn zurückgeführt werden.

Die erwartete Frucht bestand nach dem Zeugnis der Propheten nicht lediglich in äußerer Religiosität. Jesaja verbindet Gottes Erwartung mit Recht und Gerechtigkeit, während andere prophetische Worte Treue, Barmherzigkeit und einen aufrichtigen Wandel hervorheben. Opfer, Feste und religiöse Stellung konnten diese Frucht nicht ersetzen, wenn Unterdrückung, Selbstgerechtigkeit und Ungehorsam das Leben bestimmten. Gott suchte eine Antwort auf seine Gnade, die seinen Charakter im Leben seines Volkes widerspiegelte.

Bevor das Gleichnis deshalb von Gewalt und Gericht spricht, stellt es die Güte des Eigentümers vor Augen. Gott fordert nicht, ohne zuvor gegeben zu haben. Seine Erwartungen wachsen aus seiner Fürsorge, seiner Offenbarung und seiner geduldigen Führung hervor. Die eigentliche Spannung beginnt erst dort, wo der vollständig vorbereitete Weinberg Menschen anvertraut wird. Nun muss sich zeigen, ob sie sich als Diener des Eigentümers verstehen oder die empfangene Verantwortung für ihre eigene Herrschaft gebrauchen.

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Anvertraute Verantwortung, nicht eigener Besitz

Matthäus 21,23 – „23 Und als er in den Tempel kam, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm, während er lehrte, und sprachen: In welcher Vollmacht tust du das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?"
Matthäus 21,23 – „23 Und als er in den Tempel kam, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm, während er lehrte, und sprachen: In welcher Vollmacht tust du das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?"
Maleachi 2,7 – „7 Denn des Priesters Lippen sollen die Erkenntnis bewahren, und aus seinem Munde soll man das Gesetz erfragen; denn er ist ein Bote des HERRN der Heerscharen."
Hesekiel 34,2-4 – „2 Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht Gott, der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Das Fette esset ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht! 4 Das Schwache stärket ihr nicht, das Kranke heilet ihr nicht, d…"

Jesus erzählt das Gleichnis im Tempel, nachdem die Hohenpriester und Ältesten seine Vollmacht infrage gestellt haben. Gerade dieser unmittelbare Zusammenhang hilft zu verstehen, wen die Weingärtner in besonderer Weise darstellen. Die Erzählung richtet sich nicht pauschal gegen das gesamte Volk Israel, sondern vor allem gegen jene religiösen Führer, die Verantwortung für Gottes Volk trugen und sich dennoch der Autorität seines Sohnes widersetzten. Ihre leitende Stellung wird im Bild der Pächter sichtbar.

Die Weingärtner erhalten einen bereits angelegten und vollständig ausgestatteten Weinberg. Sie schaffen weder den Boden noch die Reben, den Zaun, die Kelter oder den Turm. Ihre Aufgabe besteht darin, das Vorhandene zu pflegen, zu bewirtschaften und zur vorgesehenen Zeit den Anteil des Eigentümers abzugeben. Der Weinberg ist ihnen wirklich anvertraut, doch er wird ihnen nicht übereignet. Diese Grenze zwischen Verwaltung und Eigentum bildet eine der entscheidenden Voraussetzungen des Gleichnisses.

Ähnlich hatte Gott den Priestern, Schriftgelehrten und anderen Leitern Israels eine besondere Aufgabe übertragen. Sie sollten sein Wort bewahren, das Volk unterweisen und zwischen heilig und unheilig unterscheiden helfen. Maleachi beschreibt den Priester als einen Boten des Herrn, von dessen Mund Erkenntnis erwartet wird. Geistliche Leitung bestand daher nicht darin, eigene Herrschaftsansprüche aufzubauen, sondern darin, Gottes Wahrheit zuverlässig weiterzugeben und Menschen zu ihm zu führen.

Mit einer solchen Stellung waren große Vorrechte verbunden. Die religiösen Führer verfügten über umfassende Kenntnis der Schriften, standen im Mittelpunkt des gottesdienstlichen Lebens und besaßen erheblichen Einfluss auf das Volk. Doch gerade diese Vorrechte vergrößerten ihre Verantwortung. Wer Gottes Wort lehrte, musste sich selbst darunterstellen. Wer andere zu Gehorsam rief, durfte Gottes Anspruch nicht dort zurückweisen, wo er die eigene Macht und Stellung berührte.

Die Propheten hatten wiederholt davor gewarnt, geistliche Verantwortung zum eigenen Vorteil zu gebrauchen. Hesekiel tadelte Hirten, die sich selbst weideten, anstatt für die Herde zu sorgen. Sie genossen die Vorteile ihrer Stellung, während Schwache vernachlässigt, Verwundete nicht verbunden und Verlorene nicht gesucht wurden. Dieses verwandte Bild macht deutlich, wie eine von Gott übertragene Aufgabe entstellt wird, sobald die Leiter nicht mehr dem Herrn und dem Wohl seines Volkes dienen.

Auch die Weingärtner beginnen, den Weinberg so zu behandeln, als könnten sie unabhängig vom Eigentümer darüber verfügen. Noch hat Jesus ihre Gewalttaten nicht geschildert, doch ihre spätere Reaktion zeigt, dass bereits ihre grundlegende Haltung verdorben ist. Sie möchten die Vorteile des Weinbergs behalten, ohne den Anspruch dessen anzuerkennen, dem er gehört. Aus einer anvertrauten Aufgabe wird in ihrem Denken ein persönliches Herrschaftsgebiet.

Damit berührt das Gleichnis eine Gefahr, die nicht auf die damaligen Führer begrenzt bleibt. Geistliche Erkenntnis, Verantwortung und Einfluss können auch später so behandelt werden, als wären sie persönlicher Besitz. Gemeinden, Ämter und Dienste gehören jedoch keinem Menschen. Wer darin Verantwortung übernimmt, verwaltet etwas, das Christus gehört, und darf weder Gottes Wort seinen eigenen Interessen unterordnen noch Menschen an sich selbst binden.

Die Schuld der Weingärtner entsteht deshalb nicht daraus, dass ihnen zu wenig anvertraut worden wäre. Sie wächst gerade innerhalb einer reich beschenkten Verantwortung. Gott hatte ihnen seinen Weinberg nicht gegeben, damit sie an seiner Stelle herrschen, sondern damit unter ihrer Pflege die Frucht seines Willens sichtbar werde. Ob sie diesen Auftrag anerkennen, zeigt sich in dem Augenblick, in dem der Eigentümer seine Boten sendet und nach der Frucht seines Weinbergs fragt.

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Der Eigentümer sucht seine Frucht

Matthäus 21,34 – „34 Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen."
Matthäus 21,34 – „34 Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen."
Jesaja 5,7 – „7 Das Haus Israel nämlich ist der Weinberg des HERRN der Heerscharen, und die Männer von Juda sind seine Lieblingspflanzung. Er wartete auf Gerechtigkeit, und siehe da, (Schlechtigkeit; auf Güte und Erbarmen, und siehe da), Geschrei der Armen!"
Micha 6,8 – „8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?"

Als die Zeit der Ernte naht, sendet der Hausherr seine Knechte zu den Weingärtnern, um seinen Anteil an den Früchten entgegenzunehmen. Seine Forderung kommt weder unerwartet noch unrechtmäßig. Der Weinberg gehört ihm, und die Pächter wussten von Anfang an, dass sie ihn nicht für sich selbst bewirtschafteten. Mit der Ankunft der Knechte wird deshalb nicht eine neue Verpflichtung geschaffen, sondern an den ursprünglichen Auftrag erinnert.

Die Frucht ist im Gleichnis mehr als ein wirtschaftlicher Ertrag. Jesus greift eine Bildwelt auf, in der Gott schon durch die Propheten nach der geistlichen Antwort seines Volkes gefragt hatte. Jesaja erklärt den Weinberg als das Haus Israel und beschreibt, dass Gott Recht erwartete, aber Gewalttat fand, und Gerechtigkeit, aber Klage hörte. Die gesuchte Frucht bestand somit in einem Leben, das Gottes Wesen und seinen offenbarten Willen widerspiegelte.

Dabei erwartete Gott keine äußerlich eindrucksvolle Religiosität, die sich von der Haltung des Herzens lösen ließ. Opfer, Gebete und Feste konnten ihren Sinn verlieren, wenn gleichzeitig Unrecht geduldet, Schwache bedrängt und Gottes Gebote missachtet wurden. Micha fasst zusammen, was Gott vom Menschen fordert: Recht üben, Güte lieben und demütig mit ihm wandeln. Solche Frucht wächst nicht aus religiösem Stolz, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Gott.

Die Knechte des Hausherrn kommen deshalb nicht mit persönlichen Forderungen. Sie vertreten den Eigentümer und erinnern die Pächter daran, wem der Weinberg gehört und wozu er angelegt wurde. In ihnen werden die Propheten erkennbar, die Gott immer wieder zu seinem Volk sandte. Ihre Botschaften unterschieden sich je nach geschichtlicher Situation, doch ihr grundlegender Ruf blieb derselbe: Kehrt zu Gott zurück, hört auf sein Wort und bringt die Frucht hervor, die seinem Bund entspricht.

Die Propheten waren keine unabhängigen religiösen Denker, die ihre eigenen Vorstellungen verbreiteten. Sie wurden gesandt und sprachen im Auftrag Gottes. Gerade deshalb konnte ihre Botschaft unbequem werden. Sie bestätigten nicht einfach die Selbstwahrnehmung der Menschen, sondern deckten auf, wo religiöse Formen den Mangel an Glauben, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit verdeckten. Wer ihre Worte hörte, wurde vor die Entscheidung gestellt, Gottes Anspruch anzuerkennen oder sich ihm zu widersetzen.

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt der Sendung. Der Eigentümer fordert nicht unmittelbar nach der Anlage des Weinbergs Frucht, sondern wartet bis zur vorgesehenen Erntezeit. Das Bild verbindet Gottes Anspruch mit Geduld. Er gibt Raum zum Wachsen, zum Arbeiten und zur Entwicklung. Seine Langmut bedeutet jedoch nicht, dass ihm der Zustand des Weinbergs gleichgültig wäre oder dass die Pächter niemals Rechenschaft ablegen müssten.

Gottes Geduld und sein Anspruch widersprechen einander daher nicht. Gerade weil er seinem Volk Zeit, Offenbarung und wiederholte Führung schenkt, ist seine Suche nach Frucht gerecht. Seine Boten kommen nicht, um eine Beziehung zu zerstören, sondern um sie wieder auf ihre wahre Grundlage zu stellen. Jede prophetische Warnung enthält deshalb auch einen Ruf zur Umkehr und eine Gelegenheit, neu auf Gottes Güte zu antworten.

Mit der Sendung der Knechte beginnt die entscheidende Prüfung der Weingärtner. Solange der Eigentümer fern zu sein scheint, können sie sich einreden, der Weinberg stehe unter ihrer eigenen Herrschaft. Doch seine Boten machen seinen fortbestehenden Anspruch sichtbar. Nun muss sich zeigen, ob die Pächter die erwartete Frucht übergeben oder ob sie die Stimme des Eigentümers zum Schweigen bringen wollen.

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Die Boten werden wie Feinde behandelt

Matthäus 21,35-36 – „35 Aber die Weingärtner ergriffen seine Knechte und schlugen den einen, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie. 36 Da sandte er wieder andere Knechte, mehr denn zuvor; und sie behandelten sie ebenso."
Matthäus 21,35-36 – „35 Aber die Weingärtner ergriffen seine Knechte und schlugen den einen, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie. 36 Da sandte er wieder andere Knechte, mehr denn zuvor; und sie behandelten sie ebenso."
2. Chronik 36,15-16 – „15 Und gleichwohl mahnte sie der HERR, der Gott ihrer Väter, unermüdlich durch seine Boten; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. 16 Aber sie verspotteten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verlachten seine Propheten, bis der Zorn des HERRN über sein Volk so hoch stieg, daß keine Heilung mehr möglich war."
Apostelgeschichte 7,52 – „52 Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche von dem Kommen des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid;"

Die Weingärtner verweigern dem Eigentümer nicht nur die erwartete Frucht. Sie ergreifen seine Knechte, schlagen den einen, töten den anderen und steinigen einen dritten. Als der Hausherr weitere Knechte sendet, sogar mehr als zuvor, behandeln sie auch diese auf dieselbe Weise. Der Widerstand ist damit kein einmaliger Ausbruch, sondern eine fortgesetzte und sich verhärtende Auflehnung gegen den rechtmäßigen Herrn des Weinbergs.

Ihre Gewalt richtet sich zwar unmittelbar gegen die Knechte, gilt aber in Wirklichkeit dem Eigentümer, der sie gesandt hat. Die Boten treten nicht mit einem eigenen Herrschaftsanspruch auf. Sie erinnern die Pächter lediglich an eine längst bestehende Verpflichtung. Gerade deshalb offenbart ihre Misshandlung, dass die Weingärtner nicht nur eine unangenehme Botschaft ablehnen, sondern die Autorität dessen verwerfen, in dessen Namen sie überbracht wird.

Jesus zeichnet damit die Geschichte der Propheten in eindringlicher Kürze nach. Gott sandte sie zu seinem Volk, um Sünde aufzudecken, zur Umkehr zu rufen und die Menschen an seinen Bund zu erinnern. Ihre Worte galten nicht nur offen gottlosen Menschen, sondern häufig gerade denen, die sich auf ihre Zugehörigkeit zu Gottes Volk verließen. Die Propheten zeigten, dass religiöse Vorrechte nicht vor dem Gericht schützen, wenn Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue fehlen.

Diese Botschaft rief immer wieder Widerstand hervor. Manche Propheten wurden verspottet, bedroht, eingesperrt oder getötet. Andere mussten unter Ablehnung und Einsamkeit dienen, weil ihre Worte den Interessen der Mächtigen widersprachen. Die Chronik fasst die Tragik dieser Geschichte zusammen: Gott sandte seine Boten immer wieder, weil er Mitleid mit seinem Volk hatte, doch sie verhöhnten seine Gesandten und verachteten seine Worte.

Gerade diese wiederholte Sendung offenbart die außergewöhnliche Geduld Gottes. Nach der ersten Misshandlung folgt nicht sofort das Gericht. Der Hausherr sendet weitere Knechte und gibt den Pächtern damit erneut Gelegenheit, ihren Widerstand aufzugeben. Jede neue Botschaft bezeugt, dass Gott nicht den Untergang des Schuldigen sucht, sondern seine Umkehr. Seine Warnungen sind kein Gegensatz zu seiner Liebe, sondern eine ihrer ernstesten Ausdrucksformen.

Doch Geduld kann missverstanden werden. Die Weingärtner deuten das Ausbleiben eines unmittelbaren Eingreifens offenbar nicht als Gelegenheit zur Umkehr, sondern als Möglichkeit, ihre Rebellion fortzusetzen. Mit jeder zurückgewiesenen Sendung wird ihr Herz härter. Gottes Langmut nimmt ihnen die Verantwortung nicht ab; sie macht ihre Schuld vielmehr größer, weil sie immer neue Gelegenheiten bewusst verwerfen.

Stephanus greift später dieselbe geschichtliche Linie auf, als er die religiösen Führer fragt, welchen der Propheten ihre Väter nicht verfolgt hätten. Dabei geht es nicht um eine pauschale Verurteilung des jüdischen Volkes. Die Schrift kennt zu allen Zeiten treue Menschen in Israel, die Gottes Wort annahmen und unter der Untreue anderer litten. Jesu Anklage trifft die konkrete Haltung jener, die sich auf religiöse Autorität berufen und dennoch Gottes Korrektur bekämpfen.

Die Misshandlung der Knechte zeigt deshalb, wie weit geistliche Verblendung reichen kann. Menschen können Gottes Offenbarung verwalten, seine Worte auslegen und sich zugleich gegen seine Stimme verschließen, sobald sie ihre Stellung, ihre Sicherheit oder ihre Selbstgerechtigkeit bedroht. Wer die Botschaft nicht widerlegen kann, versucht schließlich, den Boten zum Schweigen zu bringen.

Dennoch endet die Geduld des Hausherrn an dieser Stelle noch nicht. Nach all den misshandelten Knechten besitzt er noch jemanden, dessen Sendung alles Vorherige überragt. Die Geschichte bewegt sich nun von den vielen Boten zu dem einen Sohn. An der Haltung zu ihm wird endgültig offenbar werden, ob die Weingärtner nur einzelne Mahnungen abgelehnt haben oder den Eigentümer des Weinbergs selbst nicht anerkennen wollen.

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Zuletzt sandte er seinen Sohn

Matthäus 21,37 – „37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen."
Matthäus 21,37 – „37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen."
Hebräer 1,1-2 – „1 Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, 2 welchen er zum Erben von allem eingesetzt, durch welchen er auch die Weltzeiten gemacht hat;"
Johannes 3,16 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe."

Nach der wiederholten Misshandlung seiner Knechte erreicht die Erzählung ihren entscheidenden Höhepunkt. Der Hausherr sendet nicht noch einen weiteren Diener, sondern seinen Sohn. Mit dem Wort „zuletzt“ markiert Jesus eine Grenze innerhalb der Geschichte: Nach den vielen Boten kommt derjenige, der den Eigentümer in einzigartiger Weise vertritt. Seine Sendung überragt alles, was zuvor geschehen ist.

Die Knechte waren rechtmäßige Gesandte des Hausherrn, doch sie blieben Knechte. Der Sohn dagegen gehört zum Haus des Eigentümers und besitzt als Erbe eine unvergleichliche Stellung. Jesus ordnet sich damit nicht einfach in die Reihe der Propheten ein. Er ist von Gott gesandt wie sie, aber er ist nicht nur einer von ihnen. In seiner Person tritt den Weingärtnern der Sohn selbst entgegen.

Diese Unterscheidung entspricht dem Zeugnis des Neuen Testaments. Gott hatte zuvor auf vielfältige Weise durch die Propheten gesprochen, doch am Ende sprach er durch den Sohn. Die frühere Offenbarung wird dadurch nicht abgewertet. Dieselbe göttliche Stimme, die durch die Propheten zur Umkehr rief, begegnet den Menschen nun in vollkommener Klarheit in Christus. Wer den Sohn hört, steht nicht vor einer neuen, fremden Botschaft, sondern vor der endgültigen Offenbarung dessen, zu dem die Propheten hingewiesen hatten.

Die Worte des Hausherrn, die Weingärtner würden sich vor seinem Sohn scheuen, gehören zur erzählten Welt des Gleichnisses. Sie bedeuten nicht, dass Gott vom kommenden Widerstand überrascht worden wäre oder den Ausgang der Sendung Jesu nicht kannte. Jesus kündigte seinen Tod wiederholt an und wusste, was ihn in Jerusalem erwartete. Die Formulierung zeigt vielmehr, was die Gegenwart des Sohnes gerechterweise hätte bewirken müssen: Ehrfurcht, Anerkennung und Unterordnung.

Gerade darin wird die Schuld der Weingärtner noch schwerer. Sie hatten bereits die Knechte zurückgewiesen, doch mit dem Sohn erhalten sie eine letzte und unüberbietbare Gelegenheit, den Anspruch des Eigentümers anzuerkennen. Niemand kann seine Vollmacht deutlicher vertreten. Wenn selbst ihm die geschuldete Achtung verweigert wird, liegt das Problem nicht mehr in einer missverstandenen Botschaft oder in der Person eines einzelnen Boten. Dann richtet sich die Ablehnung gegen den Herrn des Weinbergs selbst.

Zugleich offenbart die Sendung des Sohnes die Tiefe von Gottes Liebe. Nach jahrhundertelangen Rufen zur Umkehr zog Gott sich nicht von den Menschen zurück. Er sandte den, der ihm am nächsten steht. Johannes beschreibt diese Liebe nicht als bloßes Gefühl, sondern als göttliches Handeln: Gott gab seinen eingeborenen Sohn, damit Glaubende nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.

Diese Liebe darf jedoch nicht so verstanden werden, als wäre der Sohn ein hilfloses Opfer eines fremden Entschlusses. Jesus kam freiwillig, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Vater und Sohn handeln im Erlösungsplan in vollkommener Einheit. Christus wusste um die Verwerfung, die vor ihm lag, und ging dennoch den Weg nach Jerusalem. Seine Sendung offenbart deshalb zugleich die Liebe des Vaters und die freiwillige Hingabe des Sohnes.

Mit dem Kommen Jesu erreicht Gottes Werben um sein Volk eine einzigartige Nähe. In ihm wird Gottes Herrschaft nicht nur verkündigt, sondern sichtbar. Er heilt, vergibt, ruft Verlorene zurück und deckt zugleich die Selbstgerechtigkeit derer auf, die ihre Stellung verteidigen. An ihm kann niemand dauerhaft neutral bleiben, denn seine Gegenwart fordert eine Antwort auf Gottes Anspruch.

Der Sohn betritt den Weinberg daher nicht lediglich als letzter Mahner. Er kommt als rechtmäßiger Erbe und als höchste Offenbarung der Geduld Gottes. Was die Weingärtner nun tun, wird ihr Verhältnis zum Eigentümer endgültig ans Licht bringen. Die Begegnung mit dem Sohn wird zur entscheidenden Prüfung, weil sich an ihm zeigt, ob sie wirklich Gottes Weinberg dienen oder ihn seiner Herrschaft entreißen wollen.

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Der Erbe wird verworfen

Matthäus 21,38-39 – „38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut behalten! 39 Und sie nahmen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn."
Matthäus 21,38-39 – „38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut behalten! 39 Und sie nahmen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn."
Johannes 1,10-11 – „10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf."
Hebräer 13,12 – „12 Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, außerhalb des Tores gelitten."

Als die Weingärtner den Sohn erblicken, erkennen sie sofort seine Stellung innerhalb der Erzählung: „Das ist der Erbe.“ Seine Ankunft weckt bei ihnen keine Ehrfurcht, sondern führt ihre bereits bestehende Rebellion zu ihrem äußersten Punkt. Sie beraten miteinander, ihn zu töten und sein Erbe an sich zu bringen. Damit wird endgültig sichtbar, dass sie nicht nur einzelne Forderungen des Eigentümers ablehnen, sondern seine Herrschaft über den Weinberg beseitigen wollen.

Der Plan der Weingärtner ist von einer verhängnisvollen Selbsttäuschung getragen. Sie glauben offenbar, durch die Beseitigung des Erben könne der Weinberg ihnen zufallen. Doch der Sohn ist nicht das Hindernis für einen berechtigten Besitzanspruch, sondern der rechtmäßige Vertreter des Eigentümers. Indem sie ihn töten, gewinnen sie den Weinberg nicht. Sie liefern vielmehr den endgültigen Beweis, dass sie für seine Verwaltung ungeeignet sind und das Gericht des Hausherrn verdient haben.

In der Anwendung auf Jesu Gegner ist sorgfältig zu unterscheiden. Das Gleichnis sagt nicht zwingend, dass jeder beteiligte religiöse Führer Jesu göttliche Sohnschaft in ihrer ganzen Tiefe erkannte und ihn dennoch mit vollständig aufgeklärtem Wissen verwarf. Viele verstanden seine wahre Identität nicht. Dennoch hatten sie genügend Licht erhalten, um die Vollmacht seines Wirkens, die Kraft seiner Worte und die Erfüllung der Schrift ernsthaft prüfen zu müssen. Ihre Ablehnung war daher nicht unschuldige Unwissenheit, sondern mit wachsender Verantwortung verbunden.

Die Evangelien zeigen, dass Jesu Gegner seine Zeichen sahen und seine Wirkung auf das Volk wahrnahmen. Statt sich jedoch von der Wahrheit korrigieren zu lassen, fürchteten manche um ihre Stellung und ihren Einfluss. Die Auferweckung des Lazarus führte nicht alle Beobachter zum Glauben, sondern verstärkte bei den führenden Männern den Entschluss, Jesus zu töten. Je deutlicher sein Wirken wurde, desto entschlossener versuchten sie, denjenigen zu beseitigen, dessen Gegenwart ihre eigene Autorität infrage stellte.

Darin entspricht ihre Haltung den Weingärtnern. Sie wollten den Weinberg nicht verlassen, sondern seine religiösen Vorrechte, seine Ordnung und ihren Einfluss darin bewahren. Doch sie wollten dies ohne Unterordnung unter den Sohn tun. Gerade hier liegt die tiefste Form geistlicher Untreue: Gottes Gaben werden beansprucht, während derjenige zurückgewiesen wird, in dem Gott seinen Willen vollkommen offenbart.

Jesus sagt, dass die Weingärtner den Sohn ergreifen, aus dem Weinberg hinauswerfen und töten. Diese Handlung weist deutlich auf seine bevorstehende Verwerfung und Kreuzigung voraus. Christus wurde aus der religiösen und gesellschaftlichen Gemeinschaft ausgestoßen und außerhalb Jerusalems gekreuzigt. Der Hebräerbrief erinnert daran, dass Jesus außerhalb des Tores litt. Was im Gleichnis geschieht, steht damit in erschütternder Nähe zu dem Weg, den Jesus kurze Zeit später selbst gehen würde.

Die Parallelberichte ordnen das Hinauswerfen und Töten teilweise unterschiedlich. Deshalb sollte aus der genauen Reihenfolge keine eigenständige prophetische Einzeldeutung aufgebaut werden. Der gemeinsame Schwerpunkt ist eindeutig: Der Sohn wird vollständig verworfen, aus dem Weinberg entfernt und getötet. Diejenigen, die seine Autorität anerkennen sollten, behandeln ihn wie einen Eindringling, obwohl er der rechtmäßige Erbe ist.

Johannes fasst dieselbe Tragik mit den Worten zusammen, dass Christus in sein Eigentum kam und die Seinen ihn nicht aufnahmen. Damit ist weder gesagt, dass ganz Israel ihn verwarf, noch dass unter den religiösen Führern niemand an ihn glaubte. Viele jüdische Männer und Frauen nahmen Jesus an, und seine ersten Jünger, Apostel und die frühe Gemeinde stammten aus Israel. Jesu Anklage richtet sich gegen die konkrete ungläubige Führung und gegen jede Haltung, die Gottes Sohn trotz empfangenen Lichtes zurückweist.

Die Ermordung des Sohnes offenbart den äußersten Widerstand der Sünde gegen Gott. Der Mensch möchte Gottes Gaben besitzen, aber nicht unter Gottes Herrschaft leben. Er will den Weinberg nutzen, ohne dem Eigentümer Frucht zu geben, und schließlich sogar den Erben beseitigen. Am Kreuz wird diese Rebellion in ihrer ganzen Tiefe sichtbar. Der sündlose Sohn wird von denen verworfen, zu deren Rettung er gekommen ist.

Doch die Gewalttat der Weingärtner macht den Sohn nicht zum Verlierer und ihren Anspruch nicht rechtmäßig. Was sie als Beseitigung des Erben planen, wird nicht das Ende seiner Herrschaft sein. Der Tod Christi offenbart zwar die Schuld des Menschen, steht aber zugleich innerhalb des Erlösungsplans, durch den Gott Sünde und Tod überwinden wird. Bevor diese göttliche Wendung sichtbar wird, stellt Jesus seine Hörer jedoch vor die unausweichliche Frage, wie der Eigentümer auf eine derart vollendete Rebellion reagieren wird.

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Das Urteil über die untreuen Pächter

Matthäus 21,40-41 – „40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er mit diesen Weingärtnern tun? 41 Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter übel umbringen und den Weinberg andern Weingärtnern verpachten, welche ihm die Früchte zu ihrer Zeit abliefern werden."
Matthäus 21,40-41 – „40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er mit diesen Weingärtnern tun? 41 Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter übel umbringen und den Weinberg andern Weingärtnern verpachten, welche ihm die Früchte zu ihrer Zeit abliefern werden."
Jesaja 5,5-7 – „5 Nun will ich euch aber anzeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will: Ich will die Hecke wegschaffen, daß er abgeweidet, und die Mauer einreißen, daß er zertreten werde! 6 Ich will ihm den Garaus machen, daß er weder beschnitten noch gehackt werden soll, und es sollen Dornen und Disteln darauf wachsen. Ich will auch den Wolken verbieten, auf ihn zu regnen. 7 Das Haus Israel nämlich ist der Wei…"
Römer 2,5-6 – „5 Aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst du dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, 6 welcher einem jeglichen vergelten wird nach seinen Werken;"

Nachdem der Sohn getötet worden ist, richtet Jesus eine Frage an seine Zuhörer: Was wird der Herr des Weinbergs mit diesen Weingärtnern tun, wenn er kommt? Die Antwort liegt nach dem Verlauf der Geschichte nahe. Der Eigentümer hatte den Weinberg sorgfältig vorbereitet, geduldig nach seiner Frucht verlangt, wiederholt Knechte gesandt und schließlich seinen Sohn geschickt. Die Pächter hatten jede Gelegenheit zur Umkehr mit wachsender Gewalt beantwortet.

Nach Matthäus sprechen die Zuhörer das Urteil selbst aus. Der Hausherr werde die bösen Weingärtner auf böse Weise umbringen und den Weinberg anderen verpachten, die ihm die Früchte zu ihrer Zeit abgeben. Damit erkennen sie den gerechten Ausgang der erzählten Geschichte, bevor ihnen die volle Anwendung auf ihre eigene Haltung bewusst wird. Wie einst David nach Nathans Gleichnis urteilen sie über ein Unrecht, ohne zunächst zu erkennen, wie unmittelbar dieses Urteil sie selbst trifft.

Das Gericht des Eigentümers ist keine unbeherrschte Reaktion auf eine einzelne Verfehlung. Ihm geht eine lange Geschichte der Geduld voraus. Die Weingärtner wurden nicht nach dem ersten Versäumnis beseitigt, sondern erhielten durch jede neue Sendung eine weitere Gelegenheit, den Anspruch des Herrn anzuerkennen. Erst ihre fortgesetzte Ablehnung, die schließlich im Mord am Sohn gipfelt, macht offenbar, dass sie den Weinberg nicht mehr als anvertrautes Gut behandeln, sondern bewusst gegen seinen Eigentümer behaupten wollen.

Gerade deshalb darf Gottes Langmut nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Seine Geduld ist wirklich, doch sie hebt sein Recht auf den Weinberg nicht auf. Sie gibt Raum zur Umkehr, macht aber eine dauerhafte Rebellion nicht rechtmäßig. Wer den Aufschub des Gerichts als Beweis dafür deutet, dass Gott niemals eingreifen werde, missversteht den Zweck seiner Geduld und verhärtet sich in einer trügerischen Sicherheit.

Der Weinberg bleibt im Urteil bemerkenswerterweise bestehen. Der Eigentümer vernichtet nicht sein Werk, sondern entfernt die untreuen Pächter. Gottes Heilsabsicht scheitert weder am Widerstand religiöser Führer noch an der Verwerfung des Sohnes. Menschen können eine anvertraute Stellung verlieren, doch sie können Gottes Plan mit seinem Volk und der Welt nicht aufheben. Der Herr des Weinbergs sorgt dafür, dass sein Anspruch bestehen bleibt und die erwartete Frucht nicht für immer verweigert wird.

Im unmittelbaren Zusammenhang kündigt Jesus damit das Gericht über die Führer an, die Gottes Verantwortung missbrauchten und nun seinen Sohn verwarfen. Ihre religiöse Stellung bot ihnen keinen Schutz vor Rechenschaft. Gerade weil sie die Schriften kannten, das Volk leiteten und die Zeichen Jesu sahen, wog ihre Ablehnung besonders schwer. Vorrechte, die nicht zu Glauben und Treue führen, können die Verantwortung vergrößern, statt das Gericht abzuwenden.

Dieses Urteil darf jedoch nicht als pauschale Verwerfung des jüdischen Volkes verstanden werden. Jesus selbst, seine Jünger und die ersten Gläubigen gehörten zu Israel, und viele nahmen den Messias an. Die Anklage trifft die untreuen Pächter und die von ihnen verkörperte Haltung, nicht eine ethnische Herkunft. Gottes Gericht unterscheidet nicht nach Abstammung, sondern danach, wie Menschen auf sein Licht, seinen Ruf und besonders auf seinen Sohn antworten.

Ebenso wenig begründet die Übertragung des Weinbergs einen Anspruch späterer religiöser Gemeinschaften auf unantastbare Sicherheit. Wer nach den untreuen Weingärtnern Verantwortung empfängt, steht unter demselben Eigentümer und wird an derselben Erwartung gemessen. Keine Kirche, Leitung oder Glaubensbewegung besitzt Gottes Werk unabhängig von ihm. Auch neue Verwalter bleiben Pächter, die zur rechten Zeit Frucht bringen sollen.

So führt die Frage Jesu zu einem Urteil, das über die damalige Situation hinaus warnt. Gottes Geduld ist groß, aber sie darf nicht als Erlaubnis zur fortgesetzten Untreue missbraucht werden. Der Herr wird seinen Weinberg nicht denjenigen überlassen, die seine Gaben beanspruchen und seinen Sohn zurückweisen. Doch bevor Jesus genauer erklärt, wem die Verantwortung übertragen wird, richtet er den Blick auf den verworfenen Sohn selbst – und auf das erstaunliche Werk, das Gott gerade durch ihn vollbringen wird.

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Der verworfene Stein wird zum Eckstein

Matthäus 21,42 – „42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie gelesen in der Schrift: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen»?"
Matthäus 21,42 – „42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie gelesen in der Schrift: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen»?"
Psalmen 118,22-23 – „22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden; 23 vom HERRN ist das geschehen; es ist ein Wunder in unsern Augen!"
Apostelgeschichte 4,10-12 – „10 so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund, daß durch den Namen Jesu Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt, den Gott von den Toten auferweckt hat, daß durch ihn dieser gesund vor euch steht. 11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verschmäht wurde, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himme…"

Nach dem Urteil über die untreuen Weingärtner richtet Jesus den Blick von den Pächtern auf den verworfenen Sohn. Er fragt seine Zuhörer, ob sie niemals in den Schriften gelesen hätten: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“ Damit erklärt er, dass die Ermordung des Erben Gottes Absicht nicht vereiteln wird. Die Verwerfung Jesu durch Menschen und seine Erwählung durch Gott stehen in einem scharfen Gegensatz.

Jesus zitiert aus Psalm 118, einem Lied, das seine Zuhörer kannten und das mit der messianischen Hoffnung verbunden war. Derselbe Psalm enthält den Ruf: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“, den die Volksmenge kurz zuvor bei Jesu Einzug in Jerusalem ausgerufen hatte. Nun wendet Jesus einen weiteren Abschnitt dieses Psalms auf sich selbst an. Der von den Verantwortlichen abgelehnte Stein wird durch Gottes Hand zur tragenden Grundlage seines Werkes.

Die Bauleute stellen Menschen dar, die beurteilen sollten, was für Gottes geistliches Haus geeignet ist. Im unmittelbaren Zusammenhang weist das Bild besonders auf die religiösen Führer hin, die sich als Ausleger der Schrift und Hüter des Gottesdienstes verstanden. Sie prüften Jesus, verwarfen jedoch denjenigen, auf den die Schriften hinwiesen. Ihre hohe Stellung bewahrte sie nicht vor einem grundlegend falschen Urteil.

Ein Eckstein besaß für die Ausrichtung und Stabilität eines Bauwerks entscheidende Bedeutung. Ob hier besonders an einen grundlegenden Eckstein oder an einen abschließenden Hauptstein gedacht wird, muss für die Aussage nicht abschließend entschieden werden. Der sichere Schwerpunkt liegt darin, dass der zuvor abgelehnte Stein durch Gottes Entscheidung den wichtigsten Platz erhält. Das ganze Gebäude muss sich nun an ihm ausrichten.

Damit verändert Jesus das Bild, ohne die Botschaft des Gleichnisses zu verlassen. Der getötete Sohn ist zugleich der verworfene Stein. Seine Gegner meinen, sie könnten ihn aus dem Weinberg entfernen und damit seinen Anspruch beenden. Gott jedoch wird gerade den Verstoßenen erhöhen und zum Mittelpunkt seines Heilswerkes machen. Das Urteil der Bauleute kann Gottes Urteil nicht aufheben.

Diese Wendung wird durch Jesu Auferstehung sichtbar. Die Kreuzigung erscheint zunächst als Bestätigung dafür, dass seine Gegner ihn erfolgreich beseitigt hätten. Doch Gott erweckt den Gekreuzigten von den Toten und bezeugt damit öffentlich, dass der verworfene Jesus sein Sohn und der rechtmäßige Herr ist. Der Tod des Erben führt nicht zur Aneignung des Weinbergs durch die Pächter, sondern zur Offenbarung ihrer Schuld und zur Erhöhung dessen, den sie töten ließen.

Petrus greift später vor den religiösen Führern genau dieses Wort auf. Jesus Christus, den sie gekreuzigt hatten und den Gott auferweckte, ist der von den Bauleuten verworfene Stein, der zum Eckstein geworden ist. Anschließend erklärt Petrus, dass in keinem anderen das Heil zu finden ist. Damit wird deutlich, dass Christus nicht nur eine wichtige Gestalt innerhalb von Gottes Werk ist. Er ist dessen unersetzliches Fundament.

Auf diesem Eckstein entsteht ein Volk, das nicht durch Abstammung, religiöse Stellung oder menschliche Macht zusammengehalten wird, sondern durch den Glauben an Christus. Alle, die zu Gottes geistlichem Haus gehören, müssen sich an ihm ausrichten. Niemand kann den Sohn verwerfen und zugleich behaupten, dem Eigentümer des Weinbergs treu zu dienen. Die Beziehung zu Gott lässt sich nicht von der Haltung zu Jesus trennen.

Der Psalm bezeichnet diese Umkehrung als ein Werk des Herrn, das vor menschlichen Augen wunderbar ist. Menschen verwerfen, doch Gott erwählt. Menschen erniedrigen, doch Gott erhöht. Aus dem scheinbaren Scheitern am Kreuz schafft Gott den Weg zur Erlösung, und aus dem Tod des Sohnes geht durch die Auferstehung der Sieg über Sünde und Tod hervor. Darin zeigt sich nicht die Überlegenheit menschlicher Weisheit, sondern Gottes rettende Macht.

Der Eckstein ist deshalb zugleich Hoffnung und Prüfung. Wer auf Christus baut, empfängt einen Grund, den kein menschliches Urteil erschüttern kann. Wer ihn jedoch ablehnt, widersetzt sich nicht nur einem religiösen Lehrer, sondern dem von Gott eingesetzten Fundament seines Reiches. Darum führt Jesus das Bild des Steines unmittelbar zu einer ernsten Entscheidung: Derselbe Christus, der den Glaubenden trägt, wird für den, der ihn verwirft, zum Stein des Gerichts.

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Ein Volk, das die Früchte bringt

Matthäus 21,43 – „43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das dessen Früchte bringt."
Matthäus 21,43 – „43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das dessen Früchte bringt."
1. Petrus 2,9-10 – „9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündiget, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat, 10 die ihr einst nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt waret, nun aber begnadigt seid."
Römer 11,17-22 – „17 Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, 18 so rühme dich nicht wider die Zweige! Rühmst du dich aber, so wisse, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich! 19 Nun sagst du aber: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde…"

Jesus zieht nun die ausdrückliche Folgerung aus dem Gleichnis: Das Reich Gottes werde den untreuen Führern genommen und einem Volk gegeben, das seine Früchte hervorbringt. Damit erklärt er, was die Übergabe des Weinbergs an andere Pächter bedeutet. Im Mittelpunkt steht nicht der Wechsel von einer bevorzugten Volkszugehörigkeit zu einer anderen, sondern die Übertragung geistlicher Verantwortung an Menschen, die Gottes Sohn annehmen und unter seiner Herrschaft leben.

Das Reich Gottes kann dem Menschen nicht wie ein irdisches Gebiet gehören. Es ist Gottes Herrschaft, sein rettendes Wirken und die Gemeinschaft, in die er Menschen beruft. Dennoch hatten die religiösen Führer innerhalb dieser Ordnung besondere Vorrechte und Aufgaben empfangen. Sie sollten das Volk auf den Messias vorbereiten und es im Verständnis der Schrift leiten. Indem sie den Sohn verwarfen, zeigten sie, dass sie diese Verantwortung nicht im Sinne Gottes ausübten.

Jesu Worte richten sich daher zunächst gegen jene Führer, die ihm gegenüberstanden. Ihre Amtsstellung, ihre Kenntnis der Schrift und ihre Abstammung konnten den Verlust ihrer Verantwortung nicht verhindern. Sie hatten sich wie Eigentümer des Weinbergs verhalten, obwohl sie nur Verwalter waren. Nun kündigt Jesus an, dass Gott sein Werk nicht länger von ihrer Zustimmung abhängig machen wird.

Das „Volk“, dem das Reich gegeben wird, wird durch seine Frucht gekennzeichnet. Jesus nennt weder politische Macht noch kulturelle Herkunft oder äußere Größe als entscheidendes Merkmal. Gottes neues Bundesvolk wird dort sichtbar, wo Menschen auf den Sohn vertrauen und aus dieser Verbindung ein Leben des Glaubens, der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Gehorsams hervorgeht. Die Frucht verdient die Zugehörigkeit zu Gottes Reich nicht, sondern bezeugt, dass seine Herrschaft angenommen wurde.

Dieses Volk beginnt nicht außerhalb Israels in völliger Trennung von allem Vorherigen. Jesus selbst, die Apostel und die ersten Gläubigen waren Juden. Der treue Überrest Israels nahm den Messias an und bildete den Anfang der Gemeinde, zu der später Menschen aus den Nationen hinzukamen. Gottes Heilsplan wird deshalb nicht verworfen und neu begonnen, sondern findet in Christus seine Erfüllung und öffnet sich in ihm allen Glaubenden.

Petrus verwendet für die Gemeinde Worte, die zuvor Israels Berufung beschrieben hatten: ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft und ein heiliges Volk. Diese Bezeichnungen begründen keinen menschlichen Triumph über Israel. Sie zeigen vielmehr, dass die Aufgabe, Gottes Taten zu verkündigen und seinen Charakter sichtbar zu machen, nun der Gemeinschaft derer anvertraut ist, die durch Christus Barmherzigkeit empfangen haben. Ihre Würde beruht vollständig auf Gottes Berufung.

Paulus warnt nichtjüdische Gläubige deshalb ausdrücklich vor Überheblichkeit. Im Bild des Ölbaums werden sie nicht an die Stelle eines wertlosen Baumes gesetzt, sondern als wilde Zweige in die vorhandene Wurzel eingepfropft. Ungläubige Zweige wurden wegen ihres Unglaubens ausgebrochen, können aber durch Glauben wieder eingepfropft werden. Niemand darf sich daher seiner Stellung rühmen, denn nicht der Zweig trägt die Wurzel, sondern die Wurzel den Zweig.

Damit wird zugleich jede Vorstellung widerlegt, die christliche Gemeinde könne den Fehler der Weingärtner nicht wiederholen. Auch sie besitzt den Weinberg nicht. Erkenntnis, Auftrag und geistliche Vorrechte bleiben anvertraute Gaben. Wo eine Kirche den Namen Christi trägt, aber seine Herrschaft praktisch zurückweist, keine Frucht hervorbringt und Gottes Wort den eigenen Interessen unterordnet, kann sie sich nicht auf ihre religiöse Stellung berufen.

Die Übertragung des Reiches ist deshalb sowohl Verheißung als auch Warnung. Gottes Werk wird trotz menschlicher Untreue weitergehen, und der Sohn wird ein Volk sammeln, das ihm gehört. Doch jeder, der Verantwortung empfängt, bleibt dem Eigentümer verpflichtet. Die entscheidende Frage lautet nicht, wer sich äußerlich für den rechtmäßigen Pächter hält, sondern ob im Leben die Früchte der Herrschaft Christi sichtbar werden.

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Der Stein, an dem sich alles entscheidet

Matthäus 21,44 – „44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen. Auf wen aber der Stein fällt, den wird er zermalmen."
Matthäus 21,44 – „44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen. Auf wen aber der Stein fällt, den wird er zermalmen."
Jesaja 8,14-15 – „14 So wird er zum Heiligtum werden; aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns den beiden Häusern Israels, zum Fallstrick und zur Schlinge den Bewohnern Jerusalems, 15 so daß viele unter ihnen straucheln und fallen, zerbrochen, verstrickt und gefangen werden."
Daniel 2,34-35.44-45 – „34 Du sahest zu, bis ein Stein losgerissen ward ohne Handanlegung und das Bild an seine Füße traf, die von Eisen und Ton waren, und sie zermalmte. 35 Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf den Sommertennen, und der Wind verwehte sie, daß keine Spur mehr von ihnen zu finden war. Der Stein aber, der das Bild zertrümmert hatte, ward zu einem großen B…"

Nachdem Jesus sich als den verworfenen und von Gott eingesetzten Eckstein offenbart hat, beschreibt er die ernsten Folgen seiner Ablehnung. Wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen. Dasselbe Bild, das zuvor von Halt, Ausrichtung und Gottes rettendem Werk sprach, wird nun zum Bild des Gerichts. Die Haltung gegenüber Christus entscheidet darüber, ob der Mensch in ihm festen Grund findet oder an ihm zu Fall kommt.

Ein Stein verändert seinen Charakter nicht danach, wie Menschen auf ihn reagieren. Der Eckstein bleibt von Gott erwählt, unabhängig davon, ob die Bauleute ihn anerkennen oder verwerfen. Was sich unterscheidet, ist die Beziehung des Menschen zu ihm. Wer sich Christus anvertraut, wird auf dem von Gott gelegten Fundament aufgebaut; wer sich ihm widersetzt, stößt an demjenigen an, den er nicht aus Gottes Heilsplan entfernen kann.

Das Fallen auf den Stein beschreibt zunächst den Zusammenbruch menschlicher Selbstsicherheit vor Christus. Seine Wahrheit deckt auf, dass religiöse Stellung, eigene Gerechtigkeit und menschliche Autorität keinen tragfähigen Grund bilden. Wer seinen Anspruch hört, kann nicht unverändert an seiner bisherigen Selbstherrschaft festhalten. Das Evangelium tröstet den Sünder, doch es zerbricht zugleich den Stolz, der Gottes Gnade nicht empfangen will.

Ein solches Zerbrechen muss nicht endgültige Vernichtung bedeuten. Wer sich von Christus überführen lässt, seine Schuld bekennt und die eigene Selbstgerechtigkeit aufgibt, kann gerade in dieser Demütigung Heilung erfahren. Gott verachtet kein zerbrochenes und zerschlagenes Herz, das sich ihm zuwendet. Die Aufgabe falscher Sicherheiten wird dann nicht zum Untergang, sondern zum Beginn eines Lebens, das auf Christus gegründet ist.

Anders ist das Bild des Steines, der auf einen Menschen fällt und ihn zermalmt. Hier steht nicht mehr die heilsame Zerbrechung durch Umkehr im Vordergrund, sondern das endgültige Gericht über fortgesetzten Widerstand. Wer den Sohn dauerhaft verwirft, kann dadurch seine Herrschaft nicht beseitigen. Christus wird wiederkommen, Gottes Reich vollenden und jede Macht beenden, die sich gegen seine gerechte Herrschaft erhebt.

Das Bild erinnert an Daniels Vision von dem Stein, der ohne menschliches Zutun losbricht, das Standbild der Weltreiche trifft und schließlich die ganze Erde erfüllt. Der sichere Zusammenhang liegt in Gottes Reich, das nicht durch menschliche Macht errichtet wird und niemals zerstört werden kann. Alle vergänglichen Herrschaften werden enden, während Gottes Herrschaft bestehen bleibt. Jesus ist deshalb nicht nur der Grundstein eines geistlichen Hauses, sondern auch der König, vor dessen kommendem Reich keine rebellische Macht dauerhaft bestehen kann.

Gerade für die religiösen Führer war diese Warnung besonders ernst. Sie wollten Jesus verwerfen, um ihre Stellung und ihren Einfluss zu bewahren. Doch ihr Urteil über ihn konnte Gottes Entscheidung nicht rückgängig machen. Indem sie den Eckstein beseitigen wollten, stellten sie sich gegen das einzige Fundament, auf dem ihre eigene Hoffnung hätte ruhen können.

Dieselbe Entscheidung begegnet jedem Menschen. Christus kann nicht lediglich als ein religiöser Lehrer anerkannt werden, dessen Worte angenommen oder beiseitegelegt werden, ohne dass dies letzte Folgen hätte. In ihm tritt Gottes Sohn mit dem Anspruch auf das ganze Leben entgegen. Wer sich ihm im Glauben unterordnet, findet Vergebung, Erneuerung und einen unerschütterlichen Grund; wer seine Herrschaft endgültig zurückweist, wird dem Gericht begegnen, vor dem weder religiöse Vorrechte noch menschliche Macht schützen können.

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Zusammenfassung und Gebet

Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern endet nicht bei der Schuld einzelner Menschen, sondern führt zur entscheidenden Frage, wem Gottes Werk gehört. Der Weinberg war sorgfältig angelegt, geschützt und für Frucht vorbereitet worden. Die Pächter hatten ihn nicht geschaffen und konnten keinen eigenen Herrschaftsanspruch daraus ableiten. Alles, was ihnen anvertraut war, blieb Eigentum des Hausherrn.

Gerade darin lag ihre Verfehlung. Sie wollten die Segnungen des Weinbergs behalten, ohne dem Eigentümer die geschuldete Frucht zu geben. Als seine Knechte kamen, begegneten sie der Erinnerung an seine Herrschaft mit wachsender Gewalt. Die Zurückweisung der Propheten war deshalb nicht nur Widerstand gegen unbequeme Menschen, sondern gegen den Gott, der durch sie zur Umkehr rief.

Dennoch antwortete der Hausherr nicht sofort mit Gericht. Jede neue Sendung zeigte, wie ernsthaft Gott sein Volk zurückgewinnen wollte. Seine Geduld war keine Gleichgültigkeit gegenüber der Rebellion, sondern eine wiederholte Gelegenheit zur Umkehr. Gerade weil die Weingärtner diese Langmut immer wieder missbrauchten, wurde ihre Verantwortung größer.

Mit der Sendung des Sohnes erreichte Gottes Werben seinen unüberbietbaren Höhepunkt. Christus kam nicht lediglich als ein weiterer Prophet, sondern als der rechtmäßige Erbe und die vollkommene Offenbarung des Vaters. An seiner Aufnahme oder Verwerfung musste sich zeigen, ob die Weingärtner dem Eigentümer wirklich dienen wollten. Ihre Entscheidung, den Sohn zu töten, offenbarte endgültig, dass sie Gottes Gaben ohne Gottes Herrschaft besitzen wollten.

Am Kreuz wurde dieser Widerstand in seiner tiefsten Form sichtbar. Der sündlose Sohn wurde ausgestoßen und getötet, obwohl er gekommen war, Verlorene zu retten. Doch die Verwerfung durch Menschen konnte Gottes Heilsplan nicht zunichtemachen. Gerade der Gekreuzigte wurde auferweckt und von Gott zum Eckstein seines ewigen Werkes eingesetzt.

Damit erhält das Gleichnis seine große Wendung. Der getötete Erbe bleibt nicht im Grab, und der verworfene Stein bleibt nicht beiseitegelegt. Christus ist das Fundament, an dem sich Gottes gesamtes Erlösungswerk ausrichtet. In keinem religiösen Amt, keiner menschlichen Tradition und keiner geistlichen Gemeinschaft liegt die letzte Hoffnung, sondern allein in ihm.

Auch die Übergabe des Weinbergs an andere Verwalter ist daher kein Anlass zu Überheblichkeit. Gottes Gemeinde besitzt sein Reich nicht unabhängig von ihm. Sie lebt ebenso von seiner Gnade und steht ebenso unter seinem Anspruch. Wo Menschen den Namen Christi tragen, aber seine Herrschaft zurückweisen, seine Wahrheit ihren Interessen unterordnen oder die erwartete Frucht verweigern, wiederholt sich die Haltung der untreuen Pächter.

Die Frucht, die Gott sucht, entsteht nicht aus menschlicher Selbstgerechtigkeit. Sie wächst aus der Verbindung mit Christus: Glaube, Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Gehorsam sind Wirkungen seiner Gnade im Leben. Sie verdienen keinen Platz im Reich Gottes, bezeugen aber, dass der Sohn als Herr angenommen wurde.

So verbindet das Gleichnis Gottes Geduld mit der Gewissheit seines Gerichts. Er ruft, warnt und schenkt Raum zur Umkehr, doch sein Anspruch auf den Weinberg wird nicht für immer zurückgewiesen werden. Wer am Sohn festhält, findet in ihm Vergebung und einen unerschütterlichen Grund. Wer ihn dauerhaft verwirft, stellt sich gegen den Eckstein, den Gott selbst eingesetzt hat.

Am Ende gehört der Weinberg weiterhin seinem Herrn. Menschliche Untreue kann seine Absichten nicht aufhalten, und selbst die Kreuzigung des Sohnes wird durch Gottes Macht zum Weg der Erlösung. Der verworfene Christus lebt, regiert und sammelt ein Volk, das aus seiner Gnade Frucht bringt. In der Haltung zu ihm entscheidet sich, ob der Mensch treuer Verwalter unter Gottes Herrschaft wird oder an dem Stein zu Fall kommt, den Gott zum Fundament seines Reiches gemacht hat.

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