Das verlorene Schaf

Das verlorene Schaf: Gottes Liebe zum Einzelnen

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf offenbart Gottes suchende Liebe zu Menschen, die sich von ihm entfernt haben. In Jesus kommt der gute Hirte den Verlorenen nach, trägt sie aus eigener Kraft zurück und freut sich über ihre Rettung. Im Zusammenhang von Lukas 15 verteidigt Christus damit seine Gemeinschaft mit Sündern und zeigt, dass echte Umkehr im Himmel große Freude auslöst.

Einführung

Zöllner und andere Menschen, die öffentlich als Sünder galten, kommen zu Jesus, um ihn zu hören. Gerade diese Nähe löst bei den Pharisäern und Schriftgelehrten Unmut aus. Sie werfen ihm vor, solche Menschen anzunehmen und sogar mit ihnen zu essen. Hinter ihrem Murren steht nicht nur eine Frage nach angemessenem Verhalten, sondern ein verzerrtes Bild davon, wie Gott den Verlorenen begegnet.

Jesus antwortet nicht mit einer abstrakten Verteidigung. Er erzählt drei miteinander verbundene Gleichnisse: vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Münze und von den verlorenen Söhnen. Jedes Bild führt tiefer in dieselbe Wahrheit hinein. Was verloren ist, bleibt für Gott nicht bedeutungslos, und seine Freude gilt nicht der Entfernung des Sünders, sondern seiner Rettung und Wiederherstellung.

Das erste Bild führt seine Zuhörer hinaus zu einer Herde und einem Hirten, der bemerkt, dass eines seiner Schafe fehlt. Für die religiösen Kritiker Jesu war die Vorstellung leicht verständlich, doch ihre geistliche Konsequenz stellte ihre Haltung infrage. Sie sahen vor allem die Schuld und Unwürdigkeit der Menschen, die zu Jesus kamen. Christus lenkt den Blick dagegen auf den Wert, den selbst ein einzelner Verlorener in Gottes Augen besitzt.

Dabei verschweigt das Gleichnis weder die Wirklichkeit des Verlorenseins noch die Notwendigkeit der Umkehr. Sein Schwerpunkt liegt jedoch zunächst nicht auf der Leistung des Schafes, sondern auf der Initiative des Hirten. Von dieser suchenden Bewegung aus erschließt sich, weshalb Jesus Sünder empfängt, wie Gottes Gnade dem Menschen begegnet und warum die Rückkehr eines Einzelnen im Himmel nicht widerwillig geduldet, sondern mit Freude begrüßt wird.

Jesu Antwort auf das Murren der Frommen

Lukas 15,2 – „2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen!"
Lukas 15,2 – „2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen!"
Lukas 15,1-7 – „1 Es pflegten ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen! 3 Er sagte aber zu ihnen dieses Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bi…"
Lukas 5,30-32 – „30 Und die Schriftgelehrten und Pharisäer murrten wider seine Jünger und sprachen: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern? 31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken; 32 ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße!"
Hesekiel 34,11-12 – „11 Denn also spricht Gott, der HERR: Siehe, ich selbst will meinen Schafen nachforschen und sie suchen! 12 Wie ein Hirt seine Herde zusammensucht an dem Tage, da er mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich meine Schafe suchen und sie aus allen Orten erretten, dahin sie sich an dem neblichten und dunklen Tage zerstreut haben."

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf beginnt nicht auf einer Weide, sondern in einer angespannten Begegnung zwischen Jesus, suchenden Sündern und religiösen Kritikern. Zöllner und andere Menschen, deren Lebensführung öffentlich als sündig galt, nähern sich Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten beobachten diese Nähe und murren darüber. Ihre Beschwerde lautet, dass Jesus Sünder annimmt und mit ihnen isst.

Zöllner wurden besonders verachtet, weil sie im Dienst der römischen Herrschaft Abgaben einzogen und sich dabei vielfach auf Kosten der Bevölkerung bereicherten. Die Bezeichnung „Sünder“ konnte Menschen umfassen, die offen gegen Gottes Gebote lebten oder aufgrund ihrer Lebensweise außerhalb der religiös anerkannten Gemeinschaft standen. Jesus verharmlost ihre Schuld nicht. Doch er sieht in ihnen nicht nur ihre Vergangenheit, sondern Menschen, die Gottes Ruf hören und seiner Gnade bedürfen.

Das gemeinsame Essen verlieh dem Konflikt zusätzliches Gewicht. Tischgemeinschaft war mehr als eine zufällige Begegnung; sie konnte Annahme, Nähe und Zugehörigkeit ausdrücken. Für die religiösen Kritiker schien Jesus dadurch die notwendige Trennung zwischen Heiligkeit und Sünde aufzuheben. Sie erkannten nicht, dass er den Sündern nahekam, um sie aus der Sünde herauszuführen, nicht um ihren bisherigen Weg zu bestätigen.

Jesus hatte denselben Vorwurf schon früher mit dem Bild eines Arztes beantwortet. Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Er war gekommen, Sünder zur Umkehr zu rufen. Seine Gemeinschaft mit ihnen war deshalb kein Zeichen moralischer Gleichgültigkeit, sondern Ausdruck seines rettenden Auftrags. Der Arzt schützt seine Reinheit nicht dadurch, dass er den Kranken meidet, sondern setzt seine Fähigkeiten ein, um ihn zu heilen.

Das Murren der Pharisäer und Schriftgelehrten offenbart zugleich, wie weit ihre Vorstellung von Gottes Heiligkeit von seinem Erbarmen getrennt worden war. Sie sahen die Entfernung der Sünder, empfanden jedoch kaum Verantwortung für deren Rückkehr. Statt sich darüber zu freuen, dass Menschen Jesus hören wollten, betrachteten sie deren Nähe als Verunreinigung. Gerade diese Haltung wird durch das Gleichnis infrage gestellt.

Jesus richtet seine erste Frage deshalb ausdrücklich an seine Kritiker: Welcher Mensch unter ihnen würde nicht einem verlorenen Schaf nachgehen? Er führt sie in eine Situation, in der die Antwort selbstverständlich erscheint. Ein verantwortlicher Hirte würde den Verlust nicht gleichgültig hinnehmen. Dadurch zwingt Jesus seine Hörer, ihre eigene praktische Einsicht mit ihrer geistlichen Haltung gegenüber verlorenen Menschen zu vergleichen.

Hinter dem Bild steht eine Wahrheit, die bereits die Propheten verkündet hatten. Gott hatte angekündigt, seine zerstreuten Schafe selbst zu suchen, sie aus gefährlichen Orten zu retten und wieder zu sammeln. Wenn Jesus nun als der Suchende handelt, zeigt sich in seinem Dienst das Herz dieses göttlichen Hirten. Seine Nähe zu Sündern ist kein Abweichen von Gottes Wesen, sondern dessen sichtbare Offenbarung.

Das Gleichnis antwortet daher zunächst nicht auf die allgemeine Frage, wie Menschen sich verirren. Es erklärt, weshalb Jesus ihnen nachgeht und sie annimmt. Während seine Gegner den Verlorenen vor allem als unwürdig betrachten, sieht Christus einen Menschen, dessen Rettung gesucht wird. Von diesem Gegensatz aus gewinnt jedes weitere Element des Gleichnisses sein Gewicht: der einzelne Verlust, die Suche des Hirten und die Freude über das Wiedergefundene.

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Der Wert des einen Verlorenen

Lukas 15,4 – „4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bis er es findet?"
Lukas 15,4 – „4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bis er es findet?"
Matthäus 18,12-14 – „12 Was dünkt euch? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das Verirrte? 13 Und wenn es sich begibt, daß er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich über dasselbe mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren. 14 Also ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, daß ein…"
Psalmen 119,176 – „176 Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaf; suche deinen Knecht! Denn deine Gebote habe ich nicht vergessen!"
Jesaja 53,6 – „6 Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn."

Jesus spricht von einem Hirten, der hundert Schafe besitzt und feststellt, dass eines von ihnen fehlt. Rein zahlenmäßig könnte der Verlust gering erscheinen. Neunundneunzig Tiere sind noch vorhanden, nur eines ist verschwunden. Doch für den Hirten wird das einzelne Schaf nicht bedeutungslos, nur weil die Herde groß ist.

Damit stellt Jesus die Wertvorstellungen seiner Kritiker infrage. Die Pharisäer und Schriftgelehrten betrachteten die Menschen, die zu ihm kamen, vor allem als Teil einer verachteten Gruppe. Christus sieht dagegen nicht nur „die Zöllner“ oder „die Sünder“, sondern jeden einzelnen Menschen mit seiner Geschichte, seiner Schuld und seiner Bedürftigkeit. In Gottes Augen geht der Einzelne nicht in einer namenlosen Masse verloren.

Die neunundneunzig werden dabei nicht verachtet oder ihrem Schicksal überlassen. Die Formulierung, dass der Hirte sie in der Wüste beziehungsweise im offenen Weideland zurücklässt, beschreibt den Ausgangspunkt seiner Suche und nicht eine verantwortungslose Gefährdung der Herde. Jesus will keinen Gegensatz zwischen der Fürsorge für viele und der Liebe zu einem Einzelnen schaffen. Er hebt hervor, dass die Sicherheit der Mehrheit den Verlust des einen nicht belanglos macht.

Das Schaf ist verloren, weil es sich von der Herde und dem Hirten entfernt hat. Die Schrift verwendet dieses Bild häufig für den Menschen, der Gottes Weg verlässt und seinen eigenen Vorstellungen folgt. Jesaja erklärt, dass alle wie Schafe in die Irre gegangen sind und sich jeder seinem eigenen Weg zugewandt hat. Verlorensein ist daher nicht nur ein bedauerliches Missgeschick, sondern Ausdruck der Sünde, die den Menschen von Gott trennt.

Dennoch schildert Jesus das verlorene Schaf nicht als wertlos oder unerwünscht. Sein Zustand mindert nicht den entschlossenen Einsatz des Hirten. Gerade weil es sich nicht mehr dort befindet, wo Schutz, Nahrung und Führung zu finden sind, braucht es die Suche umso dringender. Gottes Liebe beruht nicht darauf, dass der Mensch sich bereits richtig verhält, sondern darauf, dass er sein Geschöpf ist und seiner Rettung bedarf.

Das Bild macht zugleich die Hilflosigkeit des Verlorenen sichtbar. Ein verirrtes Schaf findet unter schwierigen Bedingungen nicht zuverlässig allein zurück. Es kann die Gefahr wahrnehmen, besitzt aber nicht unbedingt die Orientierung oder Kraft, sich selbst zu retten. So kann auch der sündige Mensch seine Entfernung von Gott teilweise erkennen und dennoch unfähig bleiben, aus eigener Kraft die Gemeinschaft mit ihm wiederherzustellen.

Der Psalmist verbindet das Bekenntnis des Verlorenseins deshalb mit der Bitte: „Suche deinen Knecht.“ Darin liegt keine Verharmlosung persönlicher Verantwortung. Der Mensch hat sich verirrt und wird zur Umkehr gerufen. Doch selbst seine Rückkehr beginnt mit Gottes vorausgehender Gnade, die ihn anspricht, überführt und den Weg zu Christus öffnet.

Das eine Schaf steht somit für den unverlierbaren Wert, den jeder Mensch für Gott besitzt, nicht für eine Zusage, dass niemand seine Gnade endgültig zurückweisen könne. Jesus zeigt, weshalb er gerade den Verachteten nachgeht: Ihr verlorener Zustand ist für ihn kein Grund, Abstand zu halten, sondern der Anlass seiner rettenden Suche. Wie weit diese Suche reicht, wird an der nächsten Handlung des Hirten sichtbar, denn er geht dem Schaf nach, bis er es findet.

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Der Hirte sucht, bis er findet

Lukas 19,10 – „10 denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist."
Lukas 19,10 – „10 denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist."
Lukas 15,4 – „4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bis er es findet?"
Hesekiel 34,16 – „16 Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen und das Verwundete verbinden; das Schwache will ich stärken; aber was fett und stark ist, will ich abtun; ich will sie weiden, wie es recht ist."
Johannes 10,11 – „11 Ich bin der gute Hirt; der gute Hirt läßt sein Leben für die Schafe."

Der Hirte bemerkt den Verlust nicht nur, sondern handelt. Er geht dem verirrten Schaf nach und setzt seine Suche fort, bis er es findet. Jesus legt das Gewicht damit auf die Initiative des Suchenden. Das Schaf kehrt nicht zuerst aus eigener Kraft zur Herde zurück; der Hirte macht sich auf den Weg, weil das Verlorene ohne seine Hilfe in Gefahr bleibt.

Diese Bewegung erklärt den Dienst Jesu gegenüber den Zöllnern und Sündern. Er wartet nicht in sicherer Entfernung darauf, dass moralisch wiederhergestellte Menschen zu ihm kommen. Er sucht ihre Nähe, spricht sie an und öffnet ihnen den Weg zur Umkehr. Seine Tischgemeinschaft ist Teil dieser suchenden Bewegung, durch die Gottes Gnade Menschen dort erreicht, wo sie sich tatsächlich befinden.

Jesus fasst seinen Auftrag später in den Worten zusammen, dass der Menschensohn gekommen ist, zu suchen und zu retten, was verloren ist. Suchen und Retten gehören dabei untrennbar zusammen. Christus kommt nicht nur, um den Zustand des Menschen festzustellen oder ihn über seine Schuld zu informieren. Er tritt in die verlorene Welt ein, um den Menschen aus seiner Trennung von Gott herauszuführen.

Die Suche des Hirten darf jedoch nicht als bloßes Gefühl des Mitgefühls verstanden werden. Sie kostet ihn Zeit, Mühe und die Bereitschaft, die geschützte Umgebung der Herde zu verlassen. Im Wirken Jesu erreicht diese Hingabe ihren tiefsten Ausdruck. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe und trägt die Folgen der Sünde, um den Verlorenen die Rückkehr zu Gott zu ermöglichen.

Dass der Hirte sucht, „bis er es findet“, unterstreicht die Beharrlichkeit seiner Liebe. Gott gibt Menschen nicht bei der ersten Ablehnung auf und zieht sich nicht zurück, sobald die Suche schwierig wird. Er spricht durch sein Wort, wirkt am Gewissen, gebraucht Begegnungen und ruft immer wieder zur Umkehr. Seine Geduld bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch seine Einladung unbegrenzt folgenlos zurückweisen könnte; sie eröffnet Raum, damit er auf die suchende Gnade antwortet.

Auch die Umkehr des Menschen bleibt eine wirkliche und notwendige Antwort. Das Schaf wird gefunden, aber der Mensch ist kein willenloses Tier. Gott überführt ihn von seiner Verlorenheit, weckt Vertrauen und ruft ihn dazu, sich retten zu lassen. Gnade hebt den Willen nicht auf, sondern befreit ihn aus der Täuschung, er könne fern vom Hirten wahres Leben finden.

Für die religiösen Kritiker Jesu lag darin eine ernste Korrektur. Sie erwarteten, dass Sünder zunächst aus eigener Kraft den Weg zurücklegen und ihre Würdigkeit beweisen müssten, bevor Gemeinschaft möglich wäre. Jesus zeigt dagegen, dass Gottes rettende Liebe den ersten Schritt tut. Die Umkehr wird nicht durch Verachtung hervorgebracht, sondern dadurch, dass der Verlorene dem Ruf des Hirten begegnet und seine rettende Nähe annimmt.

Die Suche endet nicht mit einer bloßen Sichtung aus der Ferne. Der Hirte findet das Schaf, tritt zu ihm und übernimmt Verantwortung für seine Rückkehr. Damit führt das Gleichnis von der suchenden Liebe zur tragenden Gnade. Der Gefundene muss den gefährlichen Weg nicht aus eigener Kraft bewältigen, denn der Hirte nimmt ihn auf seine Schultern.

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Auf den Schultern des Hirten

Lukas 15,5 – „5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es auf seine Schulter mit Freuden;"
Lukas 15,5 – „5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es auf seine Schulter mit Freuden;"
Jesaja 40,11 – „11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte; in seinen Arm wird er die Lämmer nehmen und sie an seinem Busen tragen; die Schafmütter wird er sorgsam führen."
1. Petrus 2,24-25 – „24 er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde gestorben, der Gerechtigkeit leben möchten; «durch seine Wunden seid ihr heil geworden.» 25 Denn ihr waret «wie irrende Schafe», nun aber seid ihr bekehrt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen."
Johannes 10,27-29 – „27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. 28 Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen."

Als der Hirte das verlorene Schaf findet, treibt er es nicht mit Härte vor sich her und verlangt nicht, dass es den ganzen Rückweg aus eigener Kraft bewältigt. Jesus beschreibt, wie er es voller Freude auf seine Schultern nimmt. Das Bild führt über die Suche hinaus zur persönlichen Rettung. Der Hirte findet das Schaf nicht nur, sondern übernimmt die Last seiner Heimkehr.

Ein verirrtes Schaf kann erschöpft, verletzt oder orientierungslos sein. Selbst nachdem es gefunden wurde, wäre es möglicherweise nicht in der Lage, den sicheren Weg allein zurückzugehen. Die Schultern des Hirten stehen deshalb für seine Kraft und tragende Fürsorge. Die Rettung hängt nicht von der Fähigkeit des Schafes ab, sich selbst zurückzubringen, sondern von dem, der es gefunden hat.

Darin wird das Evangelium besonders klar sichtbar. Christus ruft den verlorenen Menschen nicht lediglich aus der Ferne zur Rückkehr auf. Er ist selbst in die von Sünde geprägte Welt gekommen, hat unsere Schuld getragen und den Weg zur Gemeinschaft mit Gott geöffnet. Petrus verbindet das Tragen der Sünden mit Christus, durch dessen Wunden Heilung möglich wurde und durch den die Verirrten zum Hirten ihrer Seelen zurückkehren.

Dass Jesus das Schaf auf die Schultern legt, darf dennoch nicht so verstanden werden, als sei Umkehr ohne persönliche Antwort möglich. Der Mensch wird nicht gegen seinen Willen gerettet. Doch auch seine Antwort auf Gottes Ruf bleibt vollständig auf die Gnade angewiesen. Christus schenkt nicht nur die Einladung zur Rückkehr, sondern auch Vergebung, Kraft und Führung für den Weg.

Die Schultern des Hirten zeigen außerdem, wie Gott mit der Schwachheit des Gefundenen umgeht. Er wartet nicht, bis der Mensch stark genug geworden ist, um seine Nähe zu verdienen. Gerade in seiner Hilflosigkeit darf er sich tragen lassen. Das widerspricht jeder Vorstellung, ein Sünder müsse sich zuerst selbst reinigen und beweisen, bevor Christus ihn annehmen könne.

Gleichzeitig bedeutet Getragenwerden nicht, dass Christus den Menschen dauerhaft in geistlicher Unreife belässt. Der Hirte bringt das Schaf zurück in die Sicherheit und Gemeinschaft der Herde. Seine Gnade richtet auf, heilt und führt in ein erneuertes Leben. Wer von Christus getragen wird, soll lernen, seiner Stimme zu folgen und nicht bewusst zu den Wegen zurückzukehren, auf denen er verloren ging.

Bemerkenswert ist auch die Freude des Hirten während der Rückkehr. Jesus beschreibt keinen verärgerten Besitzer, der das Schaf widerwillig zurückträgt und ihm seinen Irrweg vorhält. Die Schuld des Menschen bleibt ernst, doch Gottes Rettung ist nicht von widerstrebender Gnade geprägt. Christus freut sich darüber, dass der Verlorene nicht seinem Untergang überlassen bleibt.

Diese tragende Liebe gibt dem Glaubenden Sicherheit, ohne ihn leichtfertig zu machen. Seine Hoffnung ruht nicht in eigener Kraft, sondern in den Händen des guten Hirten, der seine Schafe kennt und bewahrt. Doch die Freude bleibt nicht auf den Hirten und das gefundene Schaf beschränkt. Sobald er nach Hause kommt, ruft er andere zusammen, damit sie sich mit ihm über die Rettung freuen.

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Die Freude, die andere einlädt

Lukas 15,6 – „6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!"
Lukas 15,6 – „6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!"
Lukas 15,7 – „7 Ich sage euch, also wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."
Römer 12,15 – „15 Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden!"
Psalmen 126,3 – „3 Der HERR hat Großes an uns getan, wir sind fröhlich geworden."

Nachdem der Hirte das Schaf sicher zurückgebracht hat, behält er seine Freude nicht für sich. Er ruft Freunde und Nachbarn zusammen und fordert sie auf: „Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“ Die Rückkehr des einen Schafes wird zu einem Ereignis, an dem auch andere Anteil nehmen sollen. Was für den Hirten wertvoll ist, soll auch ihre Freude bestimmen.

Dieser Aufruf trifft unmittelbar die Haltung der Pharisäer und Schriftgelehrten. Während Jesus verlorene Menschen annimmt und ihre Bereitschaft zum Hören begrüßt, reagieren sie mit Murren. Sie stehen gleichsam vor der Freude des Hirten und weigern sich, daran teilzunehmen. Das Gleichnis fragt deshalb nicht nur, ob sie Gottes Sorge um Sünder verstehen, sondern ob sie sich über deren Rettung überhaupt freuen können.

Wahre Gemeinschaft mit Gott zeigt sich auch darin, dass seine Freude zur eigenen Freude wird. Wer das Herz des Hirten kennt, betrachtet einen umkehrenden Menschen nicht zuerst mit Misstrauen oder erinnert ihn ständig an seine Vergangenheit. Er erkennt, was Gottes Gnade bewirkt hat, und freut sich darüber, dass ein Verlorener wiedergefunden wurde. Die Wiederherstellung eines Menschen ist kein Anlass für geistliche Überlegenheit, sondern für Dankbarkeit.

Das bedeutet nicht, Sünde zu verharmlosen oder jede behauptete Veränderung ungeprüft zu bestätigen. Die Freude des Gleichnisses entsteht gerade deshalb, weil das Schaf tatsächlich gefunden und zurückgebracht wurde. Umkehr führt aus der Entfernung zum Hirten zurück. Doch wo diese Rückkehr geschieht, darf die frühere Verlorenheit nicht als dauerhafte Kennzeichnung gegen den Menschen verwendet werden.

Religiöser Stolz kann sich dagegen durch die Gnade bedroht fühlen. Wer seinen eigenen Wert daraus ableitet, besser als andere zu sein, verliert etwas, sobald ein verachteter Mensch angenommen und wiederhergestellt wird. Die Freude Gottes entzieht solchen Rangordnungen ihre Grundlage. Vor ihm leben sowohl der Gefundene als auch diejenigen, die sich zur Herde zählen, allein aus seiner Fürsorge und Gnade.

Der Hirte sagt nicht: „Freut euch über das Schaf“, sondern: „Freut euch mit mir.“ Der Mittelpunkt der Feier liegt damit in seinem Handeln. Er hat gesucht, gefunden, getragen und zurückgebracht. Die Rettung verherrlicht nicht die Orientierungskraft des Schafes, sondern die beharrliche Liebe des Hirten. Jede geistliche Wiederherstellung gibt deshalb zuerst Anlass, Gott für sein rettendes Wirken zu ehren.

Für die Gemeinschaft der Glaubenden entsteht daraus eine konkrete Aufgabe. Sie soll Menschen, die zu Christus zurückkehren, nicht durch Kälte, Gerüchte oder eine dauerhaft festgehaltene Vergangenheit erneut an den Rand drängen. Vergebung hebt notwendige Verantwortung und Heilung nicht auf, doch sie eröffnet einen Weg zurück in die Gemeinschaft. Die Gemeinde soll darin das Wesen des Hirten widerspiegeln, der den Schwachen trägt und sich über seine Rettung freut.

Die gemeinsame Freude auf der Erde weist schließlich auf eine größere Freude hin, die Jesus ausdrücklich im Himmel verankert. Die Rückkehr eines einzelnen Menschen bleibt dort nicht unbemerkt. Gerade diese himmlische Perspektive offenbart, welches Gewicht echte Umkehr besitzt und weshalb das Murren über empfangene Sünder dem Herzen Gottes so grundlegend widerspricht.

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Freude im Himmel über einen Umkehrenden

Lukas 15,7 – „7 Ich sage euch, also wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."
Lukas 15,7 – „7 Ich sage euch, also wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."
Lukas 15,10 – „10 Also, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut."
Hesekiel 18,23 – „23 Oder habe ich etwa Gefallen am Tode des Gottlosen, spricht Gott, der HERR, und nicht vielmehr daran, daß er sich von seinen Wegen bekehre und lebe?"
2. Petrus 3,9 – „9 Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verloren gehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe."

Jesus führt das Bild des Hirten nun zu seiner ausdrücklichen Erklärung. So wie dieser sich über das wiedergefundene Schaf freut, herrscht im Himmel Freude über einen Sünder, der umkehrt. Damit verankert Christus die Freude nicht nur in menschlichem Mitgefühl. Die Rettung eines einzelnen Menschen entspricht dem Willen Gottes und wird in seiner Gegenwart als etwas Kostbares begrüßt.

Umkehr bedeutet dabei mehr als Bedauern über unangenehme Folgen. Sie bezeichnet eine durch Gottes Gnade bewirkte Wendung des Herzens und des Lebens. Der Mensch erkennt, dass sein eigener Weg ihn von Gott entfernt hat, und nimmt den Ruf zur Rückkehr an. Er verlässt sich nicht länger auf seine Selbstbestimmung oder vermeintliche Gerechtigkeit, sondern sucht Vergebung und neues Leben bei Christus.

Dass im Himmel Freude herrscht, zeigt, wie Gott dem Umkehrenden begegnet. Er nimmt ihn nicht widerwillig auf und hält ihm seine Vergangenheit nicht als dauerhaften Vorwurf entgegen. Schuld wird ernst genommen, denn ohne sie gäbe es keinen Anlass zur Umkehr. Doch wo ein Mensch seine Sünde bekennt und sich Gott anvertraut, überwiegt nicht die Freude an seiner Beschämung, sondern an seiner Rettung.

Bereits durch den Propheten Hesekiel hatte Gott erklärt, dass er keinen Gefallen am Tod des Gottlosen hat. Sein Wunsch ist, dass der Mensch von seinem Weg umkehrt und lebt. Auch die Geduld Gottes vor dem kommenden Gericht dient diesem rettenden Ziel. Sie ist keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen, sondern eröffnet Zeit zur Umkehr, weil Gott nicht am Verlust des Menschen interessiert ist.

Schwieriger erscheint Jesu Aussage, dass über einen umkehrenden Sünder mehr Freude herrsche als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen. Damit lehrt er nicht, dass es Menschen gäbe, die aus eigener Gerechtigkeit völlig ohne Sünde wären. Die Schrift erklärt, dass alle Menschen Gottes Gnade benötigen. Im Zusammenhang richtet sich die Formulierung vielmehr gegen diejenigen, die sich selbst für gerecht hielten und deshalb ihre eigene Umkehrbedürftigkeit nicht erkannten.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten sahen sich als Teil der sicheren Herde, während sie die Zöllner und Sünder als hoffnungslos Verlorene betrachteten. Jesus übernimmt ihre Selbsteinschätzung im Gleichnis, um ihren Zustand offenzulegen. Wer meint, keiner Umkehr zu bedürfen, verschließt sich gerade dadurch der Freude über Gottes rettende Gnade. Seine äußerliche Nähe zu religiösen Dingen kann eine tiefere Entfernung vom Herzen Gottes verbergen.

Das „Mehr“ der Freude bedeutet auch nicht, dass Gott treue Menschen weniger liebt oder ihre Beständigkeit geringachtet. Das Gleichnis beschreibt die besondere Freude über die Wiederherstellung dessen, was in unmittelbarer Gefahr war. Ähnlich wie eine Familie sich über die Genesung eines schwer erkrankten Kindes besonders freut, ohne die anderen Kinder weniger zu lieben, tritt die Freude über Rettung in diesem Augenblick deutlich hervor.

So wird Umkehr nicht als demütigende Vorbedingung dargestellt, durch die der Sünder Gottes Widerwillen überwinden müsste. Sie ist die Antwort auf eine Liebe, die ihn bereits gesucht hat. Wer zu Christus zurückkehrt, trifft nicht auf verschlossene Türen, sondern auf den Hirten, der ihn finden, tragen und wiederherstellen wollte. Der Himmel freut sich, weil Gottes rettende Absicht in einem Menschen ihr Ziel erreicht.

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Keines der Kleinen soll verloren gehen

Matthäus 18,14 – „14 Also ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, daß eines dieser Kleinen verloren gehe."
Matthäus 18,14 – „14 Also ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, daß eines dieser Kleinen verloren gehe."
Matthäus 18,10-14 – „10 Sehet zu, daß ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. 11 Denn des Menschen Sohn ist gekommen, das Verlorene zu retten. 12 Was dünkt euch? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das Verirrte? 13 Und we…"
Matthäus 18,5-6 – „5 Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. 6 Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."
Römer 15,1 – „1 Es ist aber unsere, der Starken Pflicht, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht Gefallen an uns selber zu haben."

Matthäus überliefert das Bild vom verlorenen Schaf in einem anderen Zusammenhang als Lukas. Bei Lukas antwortet Jesus auf das Murren der Pharisäer und Schriftgelehrten über seine Gemeinschaft mit Sündern. In Matthäus 18 richtet er sich dagegen an seine Jünger und spricht über die „Kleinen“, die nicht verachtet oder zu Fall gebracht werden dürfen. Das gleiche Hirtenbild erhält dadurch einen eigenen Schwerpunkt.

Der Abschnitt beginnt mit der Frage der Jünger, wer im Himmelreich der Größte sei. Jesus stellt ein Kind in ihre Mitte und kehrt ihre Vorstellungen von Rang und Bedeutung um. Größe im Reich Gottes zeigt sich nicht in Überlegenheit, sondern in Demut und in der liebevollen Aufnahme derer, die gering erscheinen. Wer einen solchen Kleinen verachtet, widerspricht dem Wesen des himmlischen Vaters.

Mit den „Kleinen“ sind im weiteren Zusammenhang nicht ausschließlich Kinder gemeint. Jesus spricht auch von Menschen, die an ihn glauben und innerhalb der Gemeinschaft schwach, unscheinbar oder gefährdet erscheinen können. Ihr geringer gesellschaftlicher oder religiöser Einfluss mindert ihren Wert vor Gott nicht. Gerade wer leicht übersehen wird, steht unter seiner besonderen Fürsorge.

Deshalb warnt Jesus mit großer Ernsthaftigkeit davor, einen solchen Menschen zur Sünde zu verleiten. Die Sorge des Hirten beginnt nicht erst, nachdem ein Schaf verloren gegangen ist. Gottes Volk soll so miteinander umgehen, dass Schwache geschützt, im Glauben gestärkt und nicht durch Stolz, Härte oder ein schlechtes Vorbild vom Weg Christi abgebracht werden. Die suchende Liebe Gottes wird damit zugleich zum Maßstab für die Gemeinschaft seiner Nachfolger.

Wenn dennoch eines der Schafe abirrt, bleibt es Gegenstand göttlicher Sorge. Jesus spricht davon, dass der Hirte ihm nachgeht und sich über das Wiedergefundene freut. Matthäus betont anschließend den Willen des Vaters: Es soll nicht eines dieser Kleinen verloren gehen. Diese Aussage offenbart Gottes rettende Absicht, ohne den menschlichen Willen oder die Möglichkeit endgültiger Ablehnung aufzuheben.

Der Wille Gottes zeigt sich darin, dass er dem Verirrten nachgeht, es zur Umkehr ruft und seine Wiederherstellung sucht. Er betrachtet Schwäche nicht als Anlass, einen Menschen auszusondern. Ebenso darf die Gemeinde Irrende nicht vorschnell aufgeben oder so behandeln, als sei ihr Scheitern bereits ihr endgültiges Urteil. Wahrheit und liebevolle Suche gehören dabei zusammen, denn Wiederherstellung bedeutet Rückkehr zum Hirten und zu seinem Weg.

Paulus greift diesen Grundsatz auf, wenn er die Starken auffordert, die Schwachheiten der weniger Gefestigten zu tragen und nicht nur sich selbst zu gefallen. Das bedeutet nicht, jede Überzeugung oder jedes Verhalten unkritisch zu bestätigen. Es bedeutet, die geistliche Verantwortung nicht durch Überlegenheit, Ungeduld oder Rücksichtslosigkeit zu missbrauchen. Wer selbst von Christus getragen wird, soll auch dem Schwachen mit Geduld begegnen.

Die beiden Evangelienberichte ergänzen sich daher, ohne einfach miteinander vermischt zu werden. Lukas hebt Gottes Freude über die Umkehr verachteter Sünder hervor; Matthäus betont den Wert gefährdeter Glaubender und die Verantwortung, keinen von ihnen zu verachten. In beiden Zusammenhängen bleibt derselbe Kern bestehen: Der himmlische Vater misst den Einzelnen nicht nach menschlichem Rang, sondern sucht mit rettender Liebe, was verloren zu gehen droht.

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Vom Gefundenen zum Mitsuchenden

Johannes 20,21 – „21 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."
Johannes 20,21 – „21 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."
2. Korinther 5,18-20 – „18 Das alles aber von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nu…"
Jakobus 5,19-20 – „19 Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und es bekehrt ihn einer, 20 so soll er wissen: wer einen Sünder von seinem Irrweg bekehrt, der wird seine Seele vom Tode retten und eine Menge Sünden zudecken."
Lukas 15,4-6 – „4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und dem verlornen nachgeht, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es auf seine Schulter mit Freuden; 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefu…"

Das Gleichnis offenbart nicht nur, wie Christus den Verlorenen begegnet. Es stellt zugleich die Frage, ob seine Nachfolger bereit sind, an seiner suchenden Liebe teilzuhaben. Wer selbst vom Hirten gefunden und getragen wurde, kann gegenüber anderen nicht dauerhaft gleichgültig bleiben. Die empfangene Gnade verändert den Blick auf Menschen, die sich von Gott entfernt haben.

Nach seiner Auferstehung sandte Jesus seine Jünger in die Welt, wie der Vater ihn gesandt hatte. Sie sollten nicht an Christi Stelle Erlösung bewirken, denn nur er kann Schuld vergeben und neues Leben schenken. Doch sie durften seine Botschaft weitertragen, Verlorene zum Evangelium einladen und durch ihr Verhalten sichtbar machen, wie Gott Sündern begegnet. Die Sendung der Gemeinde folgt deshalb dem Weg des suchenden Hirten.

Paulus bezeichnet diesen Auftrag als Dienst der Versöhnung. Gott selbst versöhnt Menschen durch Christus mit sich, und den Glaubenden vertraut er die Botschaft dieser Versöhnung an. Sie sollen nicht verkündigen, dass der Mensch sich durch eigene Anstrengung zu Gott zurückarbeiten müsse. Ihre Botschaft lautet, dass Gott in Christus den Weg geöffnet hat und zur Rückkehr ruft.

Diese Suche verlangt geistliche Klarheit und barmherzige Nähe. Liebe zum Verlorenen bedeutet nicht, seinen Zustand umzubenennen oder die Folgen der Sünde zu verschweigen. Der Hirte sucht das Schaf gerade deshalb, weil es sich an einem gefährlichen Ort befindet. Eine Botschaft, die Verlorenheit leugnet, kann nicht zur wirklichen Rettung führen; eine Haltung ohne Mitgefühl widerspricht jedoch ebenso dem Herzen Christi.

Jakobus spricht davon, einen Menschen zurückzuführen, der von der Wahrheit abgeirrt ist. Dabei steht nicht die öffentliche Beschämung des Irrenden im Mittelpunkt, sondern seine Bewahrung vor einem Weg, der ins Verderben führt. Geistliche Wiederherstellung verlangt deshalb Demut. Wer einem anderen nachgeht, muss wissen, dass er selbst nur durch Gnade bei Christus bleiben kann.

Die Gemeinde darf Menschen auch nicht vorschnell nach ihrer sichtbaren Entfernung beurteilen. Mancher, der äußerlich weit von Gott entfernt erscheint, hört bereits aufmerksam auf seinen Ruf. Ein anderer kann religiös nahe wirken und dennoch innerlich die Freude des Hirten ablehnen. Das Gleichnis warnt daher sowohl vor Verachtung der offen Verlorenen als auch vor einer Selbstgerechtigkeit, die den eigenen Bedarf an Gnade übersieht.

An der Freude über die Rückkehr zeigt sich schließlich, ob die Suche wirklich vom Geist Christi geprägt war. Wer nur Recht behalten oder moralische Überlegenheit beweisen wollte, wird sich schwer damit tun, einen Wiederhergestellten ohne Vorbehalt willkommen zu heißen. Der Hirte dagegen möchte das Schaf nicht dauerhaft als das Verlorene kennzeichnen. Er bringt es zurück und lädt andere ein, sich über seine Rettung zu freuen.

So wird aus dem Gefundenen ein Zeuge der suchenden Liebe Gottes. Er kann niemanden retten und kein Herz zur Umkehr zwingen, doch er darf beten, einladen, Wahrheit sprechen und geduldig begleiten. Dabei vertraut er darauf, dass Christus selbst der gute Hirte bleibt. Jede wirkliche Rückkehr beginnt mit seiner Gnade, wird von seiner Kraft getragen und endet in der Freude darüber, dass ein verlorener Mensch wieder bei ihm geborgen ist.

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Zusammenfassung und Gebet

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf beginnt mit dem Blick auf Menschen, die andere bereits abgeschrieben hatten. Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, während religiöse Führer darüber murrten. Christus antwortete nicht, indem er die Sünde verharmloste, sondern indem er offenbarte, wie Gott dem Sünder begegnet: nicht mit Gleichgültigkeit, sondern mit einer Liebe, die sucht, rettet und wiederherstellt.

Das verlorene Schaf bleibt für den Hirten wertvoll. Seine Entfernung macht es hilfsbedürftig, aber nicht bedeutungslos. Ebenso verliert ein Mensch durch seine Schuld nicht den Wert, den er als Geschöpf Gottes besitzt. Verlorenheit ist ernst, weil sie von der Gemeinschaft mit Gott trennt und ins Verderben führt. Gerade deshalb nimmt Christus sie nicht teilnahmslos hin.

Die Rettung beginnt mit der Initiative des Hirten. Jesus kam, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Er wartet nicht darauf, dass der Mensch sich aus eigener Kraft würdig macht oder den Rückweg allein bewältigt. In seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung ist Gott selbst dem Verlorenen entgegengegangen und hat den Weg zur Versöhnung geöffnet.

Das Schaf wird nicht nur gefunden, sondern auf den Schultern getragen. Darin zeigt sich die tragende Kraft der Gnade. Der Mensch kann seine Schuld nicht selbst beseitigen und sich kein neues Leben verdienen. Christus trägt, was der Sünder nicht tragen kann, vergibt seine Schuld und führt ihn in die Sicherheit seiner Gemeinschaft zurück.

Diese Gnade hebt die Notwendigkeit der Umkehr nicht auf. Der Mensch wird nicht gegen seinen Willen gerettet. Umkehr ist jedoch nicht der Versuch, Gottes Liebe erst zu gewinnen, sondern die Antwort auf eine Liebe, die bereits gesucht hat. Wer seinen eigenen Weg verlässt und sich Christus anvertraut, begegnet keinem widerwilligen Retter, sondern dem Hirten, der sich über seine Rückkehr freut.

Die Freude bildet den Höhepunkt des Gleichnisses. Im Himmel wird die Rettung eines einzelnen Menschen nicht als unbedeutendes Ereignis behandelt. Gott freut sich, wenn ein Sünder umkehrt und wiederhergestellt wird. Diese Freude widerspricht jeder religiösen Haltung, die Verlorene verachtet, ihre Rückkehr misstrauisch betrachtet oder ihnen ihre Vergangenheit dauerhaft vorhält.

Zugleich richtet das Gleichnis eine ernste Frage an diejenigen, die sich bereits zur Herde zählen. Wer Gottes Gnade kennt, soll nicht nur selbst von ihr leben, sondern das Herz des Hirten gegenüber anderen widerspiegeln. Schwache dürfen nicht verachtet, Verirrte nicht vorschnell aufgegeben und Umkehrende nicht erneut an den Rand gedrängt werden. Wahrheit, Geduld und Barmherzigkeit gehören im Dienst der Wiederherstellung zusammen.

Niemand kann an die Stelle Christi treten oder einen Menschen aus eigener Kraft retten. Doch jeder Gefundene darf zum Zeugen der suchenden Liebe werden. Er kann beten, einladen, begleiten und das Evangelium unverfälscht weitergeben. Dabei bleibt Christus derjenige, der sucht, überführt, trägt und neues Leben schenkt.

Am Ende richtet das Gleichnis den Blick auf den guten Hirten selbst. Jesus empfängt Sünder, weil er gekommen ist, sie zu retten. Seine Liebe verschweigt ihre Verlorenheit nicht, aber sie lässt sie auch nicht darin zurück. Wer sich von ihm finden lässt, wird nicht nur aus der Gefahr befreit, sondern heimgebracht – getragen von seiner Gnade und aufgenommen in die Freude Gottes.

Herr Jesus Christus, danke, dass du der gute Hirte bist, der verlorene Menschen sucht und nicht aufgibt. Danke, dass deine Liebe mir nachgeht, selbst dann, wenn ich mich verirre oder von dir entferne.

Bewahre mein Herz davor, gleichgültig gegenüber anderen Menschen zu werden. Schenke mir deinen Blick für die Verlorenen, die Schwachen und die innerlich Verletzten. Lass mich lernen, Menschen mit deiner Liebe, Geduld und Wahrheit zu begegnen.

Danke, dass für dich kein Mensch bedeutungslos ist. Hilf mir, dir zu vertrauen, auch wenn ich mich manchmal schwach oder fern fühle. Lass mich immer wieder deine Stimme hören und nahe bei dir bleiben.

Gib deiner Gemeinde ein Herz, das sucht, trägt und heilt. Bewahre uns davor, nur auf Zahlen oder äußeren Erfolg zu schauen. Lass echte Liebe sichtbar werden – eine Liebe, die Menschen zurück zum guten Hirten führt.

Danke, dass dein Wille Rettung ist und dass der Himmel sich über jeden Menschen freut, der zu dir zurückkehrt.

Amen.

„Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu retten.“ — Lukas 19,10

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