Warum Tiere leiden müssen

Tiere leiden nach der Bibel nicht, weil sie persönliche moralische Schuld tragen. Ihr Leiden gehört vielmehr zu einer Schöpfung, die seit dem Einbruch der Sünde unter Vergänglichkeit und Zerbruch steht und auf Befreiung wartet. Die Schrift erklärt nicht jede Ursache tierischen Leidens im Einzelnen, zeigt aber Gottes Fürsorge für seine Geschöpfe und richtet die Hoffnung auf die endgültige Erneuerung der Schöpfung durch Christus.

Einführung

Tierleid stellt den Glauben vor eine besonders schwere Frage. Ein Tier entscheidet sich nicht bewusst gegen Gott und trägt nicht dieselbe moralische Verantwortung wie der Mensch. Trotzdem erlebt die Tierwelt Verletzung, Krankheit, Hunger, Angst und Tod. Gerade deshalb genügt es nicht, Leiden allgemein mit persönlicher Schuld zu erklären. Die Bibel zwingt zu einer umfassenderen Betrachtung dessen, was mit der gesamten Schöpfung geschehen ist.

Dabei muss sorgfältig zwischen dem unterschieden werden, was die Schrift ausdrücklich sagt, und dem, was lediglich daraus gefolgert werden kann. Der Schöpfungsbericht bezeichnet Gottes Werk als „sehr gut“ und beschreibt für Mensch und Landtiere ursprünglich pflanzliche Nahrung. Nach dem Fall wird dagegen eine Welt sichtbar, in der Tod und Zerfall zum menschlichen Leben gehören und schließlich die ganze Schöpfung als der Vergänglichkeit unterworfen beschrieben wird. Die Bibel erklärt jedoch nicht im Einzelnen, wann jede heute beobachtbare Form tierischen Leidens entstand oder durch welchen biologischen Vorgang sie begann.

Ebenso wenig behandelt die Schrift Tiere als bedeutungslose Bestandteile der Natur. Sie gehören Gott, werden von ihm versorgt und stehen unter seiner Aufmerksamkeit. Gerade dem Menschen, der innerhalb der Schöpfung besondere Verantwortung erhalten hat, werden deshalb Grenzen im Umgang mit Tieren gesetzt. Herrschaft ist kein Freibrief für Grausamkeit.

Die Frage nach leidenden Tieren führt damit weit über das einzelne Tier hinaus. Sie berührt Gottes ursprüngliche Schöpfung, den Einbruch der Sünde, die Verantwortung des Menschen und die Hoffnung einer Welt, die nicht für immer unter Vergänglichkeit bleiben wird. Erst wenn diese biblischen Linien auseinandergehalten und anschließend zusammengeführt werden, lässt sich das Tierleid einordnen, ohne mehr zu behaupten, als Gottes Wort tatsächlich offenbart.

Gottes Schöpfung begann unter seinem Urteil „sehr gut“

1. Mose 1,29-31 – „29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles Gewächs auf Erden gegeben, das Samen trägt, auch alle Bäume, an welchen Früchte sind, die Samen tragen; sie sollen euch zur Nahrung dienen; 30 aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was auf Erden kriecht, allem, was eine lebendige Seele hat, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah also. 31 Und Gott s…"
1. Mose 1,29-31 – „29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles Gewächs auf Erden gegeben, das Samen trägt, auch alle Bäume, an welchen Früchte sind, die Samen tragen; sie sollen euch zur Nahrung dienen; 30 aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was auf Erden kriecht, allem, was eine lebendige Seele hat, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah also. 31 Und Gott s…"
1. Mose 2,15 – „15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bauete und bewahrete."
Prediger 7,29 – „29 Nur allein, siehe, das habe ich gefunden, daß Gott den Menschen aufrichtig gemacht hat; sie aber suchen viele Künste."

Wer verstehen will, warum Tiere heute leiden, muss zunächst dort beginnen, wo die Bibel selbst beginnt: nicht mit Schmerz und Tod, sondern mit Gottes guter Schöpfung. Nachdem Gott Menschen, Tiere und ihren Lebensraum geschaffen hat, betrachtet er das Ganze und bezeichnet es als „sehr gut“. Dieses Urteil umfasst nicht nur den Menschen, sondern das gesamte zuvor beschriebene Schöpfungswerk. Die gegenwärtige Erfahrung von Krankheit, Verletzung, Angst und Tod darf deshalb nicht einfach rückwirkend zum Maßstab dafür gemacht werden, wie Gottes ursprüngliche Ordnung beschaffen war.

Besonders auffällig ist die Nahrungsordnung in 1. Mose 1. Gott gibt dem Menschen samenbringende Pflanzen und Früchte zur Nahrung und weist den Tieren des Landes, den Vögeln und den sich regenden Geschöpfen grünes Kraut zu. Der Text stellt die Ernährung dieser Geschöpfe damit zunächst ohne die Tötung anderer Tiere dar. Innerhalb des Schöpfungsberichtes entsteht das Bild einer von Gott versorgten Ordnung, in der das Leben aus seinen Gaben erhalten wird und nicht durch die ausdrücklich angeordnete Tötung anderer Lebewesen.

Dabei ist sorgfältige Zurückhaltung nötig. 1. Mose 1 sagt nicht ausdrücklich in einem eigenen Satz: „Kein Tier konnte sterben“ oder „Es gab nirgendwo irgendeine Form tierischer Verletzung.“ Solche Einzelheiten sollten deshalb nicht allein aus dem Ausdruck „sehr gut“ herausgelesen werden. Sicher erkennen lässt sich jedoch, dass Gott die geschaffene Ordnung als sehr gut beurteilt und dass die dort ausdrücklich genannte Nahrung für Mensch und Landtiere pflanzlich ist. Die später sichtbare Welt des gegenseitigen Tötens wird an dieser Stelle nicht als Gottes ursprüngliche Nahrungsordnung beschrieben.

Auch die Aufgabe des Menschen passt in dieses Bild. Adam wird in den Garten gesetzt, um ihn zu bebauen und zu bewahren. Der Mensch erhält innerhalb der Schöpfung eine hervorgehobene Stellung, doch seine Aufgabe verbindet Nutzung mit Bewahrung. Schon bevor die Bibel von der gefallenen Welt berichtet, wird Herrschaft deshalb nicht als grenzenlose Verfügung über das Leben anderer Geschöpfe dargestellt. Der Mensch lebt selbst von Gottes Versorgung und erhält Verantwortung für das, was Gott geschaffen hat.

Diese Ausgangslage ist für die Frage nach dem Tierleid entscheidend. Wenn die gegenwärtige Welt mit ihrem Schmerz einfach als unveränderte Fortsetzung des ursprünglichen Zustandes verstanden würde, müsste das Leiden der Tiere unmittelbar in Gottes anfängliches Urteil „sehr gut“ eingeordnet werden. Der biblische Erzählverlauf weist jedoch in eine andere Richtung. Zwischen der guten Schöpfung am Anfang und der späteren Welt liegt der Fall des Menschen, durch den Fluch, Mühsal und Tod in den Vordergrund der Geschichte treten.

Prediger 7 erinnert in einem anderen Zusammenhang daran, dass Gott den Menschen aufrichtig geschaffen hat, während der Mensch viele eigene Wege gesucht hat. Der Vers erklärt nicht das Tierleid, bestätigt aber eine wichtige Grundlinie: Die von Gott geschaffene Ordnung und die später durch menschliche Abkehr geprägte Wirklichkeit dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Die Bibel führt das Böse nicht auf einen fehlerhaften Schöpfer zurück, als hätte Gott eine moralisch verdorbene Welt geschaffen und sie anschließend gut genannt.

Damit ist noch nicht erklärt, wie jede konkrete Form tierischen Leidens entstanden ist. Die Schrift gibt keine biologische Rekonstruktion darüber, wann Raubtierverhalten, Krankheit oder einzelne Mechanismen des Schmerzes einsetzten. Sie gibt jedoch einen theologischen Ausgangspunkt, der für jede weitere Betrachtung maßgeblich bleibt: Gottes ursprüngliches Werk stand unter seinem Urteil der Güte, während die heutige Schöpfung nicht mehr in diesem ungebrochenen Zustand beschrieben wird.

Gerade deshalb darf das Leiden der Tiere nicht vorschnell als Ausdruck dessen verstanden werden, was Gott von Anfang an für seine Geschöpfe wollte. Die biblische Frage lautet vielmehr, was zwischen der sehr guten Schöpfung und der heute leidenden Welt geschehen ist. Erst der Bericht vom Fall und die späteren Aussagen über eine der Vergänglichkeit unterworfene Schöpfung zeigen, warum das gegenwärtige Leiden in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden muss.

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Die Schöpfung geriet unter Vergänglichkeit

Römer 8,20-22 – „20 Die Kreatur ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, 21 daß auch sie selbst, die Kreatur, befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt;"
Römer 8,20-22 – „20 Die Kreatur ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, 21 daß auch sie selbst, die Kreatur, befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt;"
1. Mose 3,17-19 – „17 Und zu Adam sprach er: Dieweil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und von dem Baum gegessen, davon ich dir gebot und sprach: «Du sollst nicht davon essen», verflucht sei der Erdboden um deinetwillen, mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang; 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen. 19 Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein …"
1. Korinther 15,21-22 – „21 Denn weil der Tod kam durch einen Menschen, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; 22 denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden."

Der Schöpfungsbericht beginnt mit Gottes Urteil über eine sehr gute Ordnung. Doch schon wenige Kapitel später begegnet eine Wirklichkeit, die von Mühsal, Dornen und Tod geprägt ist. Zwischen diesen beiden Zuständen steht der Ungehorsam des Menschen. Die Bibel behandelt den Sündenfall deshalb nicht als rein innerliche Veränderung im Herzen Adams und Evas. Seine Folgen reichen in die geschaffene Welt hinein und verändern die Bedingungen, unter denen das Leben fortan besteht.

In 1. Mose 3 wird diese Veränderung zunächst aus der Perspektive des Menschen beschrieben. Der Erdboden ist um Adams willen verflucht, seine Arbeit wird von Mühsal begleitet, Dornen und Disteln treten hervor, und schließlich kehrt der Mensch zum Staub zurück, aus dem er genommen wurde. Der Abschnitt erklärt damit ausdrücklich die gestörte Beziehung zwischen Mensch und Erde sowie die Sterblichkeit des Menschen. Er sagt jedoch nicht im Einzelnen, wann jede Form tierischen Leidens, jede Krankheit oder jedes Raubverhalten entstanden ist. Wo die Schrift diese Einzelheiten nicht nennt, sollte auch die Auslegung nicht genauer werden als der Text.

Was 1. Mose 3 zunächst in konkreten Folgen beschreibt, fasst Paulus in Römer 8 wesentlich umfassender. Dort spricht er von der „Schöpfung“, die der Vergänglichkeit unterworfen wurde und unter der „Knechtschaft des Verderbnisses“ steht. Sie seufzt und liegt gewissermaßen in Geburtswehen. Der Zusammenhang geht damit über den Menschen allein hinaus. Paulus betrachtet die gegenwärtige geschaffene Welt als eine Wirklichkeit, die nicht mehr in ihrem endgültigen, ungebrochenen Zustand besteht.

Gerade diese Aussage ist für das Tierleid entscheidend. Tiere müssen nicht selbst moralisch gesündigt haben, um innerhalb einer vergänglichen Schöpfung von Krankheit, Verletzung und Tod betroffen zu sein. Paulus begründet das Seufzen der Schöpfung nicht mit persönlicher Schuld jedes einzelnen Geschöpfes. Vielmehr ist die Schöpfung einer Ordnung unterworfen, in der Vergänglichkeit gegenwärtig ist. Tierleid gehört deshalb zum größeren Zerbruch der Welt und kann nicht als persönliche Strafe für ein Tier verstanden werden.

Damit zeigt sich zugleich die weitreichende Bedeutung menschlicher Sünde. Adam war nicht ein isoliertes Wesen ohne Beziehung zu seiner Umgebung. Ihm war innerhalb der Schöpfung eine besondere Verantwortung anvertraut worden. Als die Sünde in die Menschheitsgeschichte eintrat, blieben ihre Folgen nicht auf Gedanken und Gefühle beschränkt. Der Mensch verlor den ungehinderten Zugang zum Baum des Lebens, der Erdboden wurde von Mühsal geprägt, und der Tod wurde zur beherrschenden Wirklichkeit seiner Geschichte.

Paulus verbindet diesen Zusammenhang an anderer Stelle ausdrücklich mit Adam und Christus. Durch einen Menschen kam der Tod in die menschliche Geschichte, während durch Christus die Auferstehung kommt. 1. Korinther 15 behandelt dabei unmittelbar den Tod und die Auferstehung des Menschen und darf deshalb nicht einfach als Einzelbeweis für jede biologische Veränderung der Tierwelt verwendet werden. Dennoch bestätigt der Abschnitt die größere heilsgeschichtliche Linie: Der gegenwärtige Zustand von Tod und Vergänglichkeit ist nicht das letzte Ziel Gottes, sondern steht dem Leben gegenüber, das er durch Christus wiederherstellt.

Diese Unterscheidung bewahrt auch vor einer falschen Erklärung des Tierleids. Die Bibel sagt nicht, dass ein leidendes Tier für die Sünde eines bestimmten Menschen bestraft wird. Ebenso wenig beschreibt sie Gott als jemanden, der Tiere wegen einer moralischen Schuld richtet, die sie selbst begangen hätten. Das Leiden entsteht innerhalb einer Welt, deren gesamte Ordnung von den Folgen des Falls berührt ist. Die Tragödie liegt gerade darin, dass der Zerbruch weiter reicht als die persönliche Schuld desjenigen, der unmittelbar leidet.

Römer 8 belässt die Schöpfung jedoch nicht unter der Vergänglichkeit. Paulus sagt ausdrücklich, dass ihre Unterwerfung „auf Hoffnung“ geschah und dass sie von der Knechtschaft des Verderbnisses befreit werden soll. Damit erhält das gegenwärtige Seufzen einen heilsgeschichtlichen Horizont. Die Tierwelt leidet innerhalb einer gefallenen Schöpfung, aber diese gefallene Ordnung besitzt keine ewige Zukunft. Gerade deshalb muss nun genauer unterschieden werden zwischen der moralischen Verantwortung des Menschen und dem Leiden jener Geschöpfe, die selbst nicht als schuldige Sünder dargestellt werden.

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Tiere leiden ohne persönliche moralische Schuld

1. Mose 2,16-17 – „16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, mußt du unbedingt sterben!"
1. Mose 2,16-17 – „16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, mußt du unbedingt sterben!"
1. Mose 1,26-28 – „26 Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bild uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh auf der ganzen Erde, auch über alles, was auf Erden kriecht! 27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruc…"
Römer 2,14-16 – „14 Denn wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz; 15 da sie ja beweisen, daß des Gesetzes Werk in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, welche sich untereinander verklagen oder entschuldigen. 16 Das wird an dem Tage offenbar werden, da Gott…"

Dass die gesamte Schöpfung unter Vergänglichkeit steht, beantwortet noch nicht die besondere Schwierigkeit des Tierleids. Menschen können bewusst gegen Gottes Willen handeln und werden in der Bibel für ihre Entscheidungen verantwortlich gemacht. Bei Tieren begegnet eine solche moralische Verantwortlichkeit nicht in derselben Weise. Gerade deshalb darf ihr Leiden nicht so gedeutet werden, als würden sie für eigene Sünden bestraft. Sie sind von einer gefallenen Welt betroffen, ohne selbst Träger jener moralischen Schuld zu sein, die die Schrift dem Menschen zuschreibt.

Schon der Schöpfungsbericht macht diesen Unterschied sichtbar. Gott richtet ein ausdrückliches Gebot an den Menschen: Adam darf von den Bäumen des Gartens essen, soll aber nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nehmen. Mit diesem Gebot verbindet Gott eine klare Verantwortung und eine angekündigte Folge des Ungehorsams. Der Mensch steht damit nicht nur als Lebewesen innerhalb der Schöpfung, sondern als jemand, der Gottes Wort empfangen, verstehen und darauf mit Gehorsam oder Ungehorsam antworten soll.

Diese besondere Verantwortung hängt mit der Stellung zusammen, die der Mensch bereits in 1. Mose 1 erhält. Mann und Frau werden als Ebenbild Gottes geschaffen und mit der Herrschaft über die übrigen Lebewesen betraut. Tiere gehören ebenfalls zu Gottes guter Schöpfung, doch ihnen wird nicht dieselbe Aufgabe übertragen. Der Mensch soll bewusst vor Gott handeln und Verantwortung für den ihm anvertrauten Bereich tragen. Seine hervorgehobene Stellung bedeutet deshalb nicht nur Würde, sondern auch Rechenschaft.

Das Neue Testament führt diese Linie weiter, wenn Paulus über das moralische Bewusstsein des Menschen spricht. In Römer 2 beschreibt er Menschen, die Verantwortung vor Gott tragen und deren Gewissen ihr Handeln beurteilt. Der unmittelbare Zusammenhang behandelt nicht Tiere, sondern menschliche Rechenschaft im Gericht. Gerade deshalb sollte der Text nicht als naturwissenschaftliche Aussage darüber verwendet werden, welche geistigen oder sozialen Fähigkeiten Tiere besitzen. Er macht jedoch deutlich, dass die biblische Kategorie moralischer Schuld an die Verantwortung des Menschen vor Gott gebunden ist.

Die Bibel kennt durchaus Tiere, die handeln, reagieren, lernen oder innerhalb einer Erzählung eine besondere Rolle erhalten. Daraus folgt aber keine Gleichsetzung mit menschlicher Sünde. Wenn ein Raubtier ein anderes Tier tötet, beschreibt die Schrift dies nicht als bewusste Übertretung eines göttlichen Moralgebotes, für die das Tier Buße tun müsste. Ebenso finden sich keine Aufrufe an Tiere zur Bekehrung, keine Verheißung der Sündenvergebung für sie und kein Gericht über ihre persönliche moralische Lebensführung nach dem Muster, das für Menschen gilt.

Gerade hier wird die Tragweite des Falls besonders schmerzhaft sichtbar. Die Folgen der Sünde treffen nicht ausschließlich diejenigen, die selbst eine konkrete moralische Übertretung begangen haben. Eine geschaffene Ordnung kann durch die Rebellion des Menschen so tief betroffen sein, dass auch Geschöpfe leiden, die diese Rebellion nicht gewählt haben. Tierleid zeigt deshalb nicht die Schuld des Tieres, sondern die Reichweite des Zerbruchs, unter dem die gesamte Schöpfung seufzt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes einzelne Leiden eines Tieres unmittelbar auf eine bestimmte menschliche Sünde zurückgeführt werden könnte. Manche Tiere leiden tatsächlich durch menschliche Grausamkeit, Vernachlässigung oder Zerstörung ihres Lebensraums. Andere leiden durch Krankheiten, Naturereignisse oder Vorgänge innerhalb der gegenwärtigen Tierwelt, ohne dass die Bibel dafür eine konkrete Einzelursache nennt. Die größere biblische Einordnung bleibt dieselbe: Die Schöpfung befindet sich nicht mehr in ihrem ursprünglichen, ungebrochenen Zustand.

Gerade weil Tiere nicht als moralisch schuldige Sünder dargestellt werden, bekommt die Verantwortung des Menschen umso größeres Gewicht. Er darf ihr Leiden nicht mit dem Gedanken rechtfertigen, Tiere hätten es aufgrund eigener Schuld verdient. Vielmehr begegnet er in ihnen Geschöpfen Gottes, die mit ihm innerhalb derselben vergänglichen Welt leben und deren Wohlergehen ihm nicht gleichgültig sein darf. Damit führt die Frage nach der Schuld unmittelbar zu einer weiteren Frage: Wie sieht der Gott, dem diese Tiere gehören, selbst auf seine leidenden Geschöpfe?

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Gott vergisst seine Geschöpfe nicht

Psalmen 104,27-30 – „27 Sie alle warten auf dich, daß du ihnen ihre Speise gebest zu seiner Zeit; 28 wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt; 29 verbirgst du dein Antlitz, so erschrecken sie; nimmst du ihren Odem weg, so vergehen sie und werden wieder zu Staub; 30 sendest du deinen Odem aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst die Gestalt der Erde."
Psalmen 104,27-30 – „27 Sie alle warten auf dich, daß du ihnen ihre Speise gebest zu seiner Zeit; 28 wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt; 29 verbirgst du dein Antlitz, so erschrecken sie; nimmst du ihren Odem weg, so vergehen sie und werden wieder zu Staub; 30 sendest du deinen Odem aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst die Gestalt der Erde."
Psalmen 147,9 – „9 der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen!"
Jona 4,11 – „11 Und mich sollte der großen Stadt Ninive nicht jammern, in welcher mehr denn hundertzwanzigtausend Menschen sind, die ihre rechte Hand nicht von ihrer linken unterscheiden können; dazu so viel Vieh!"

Dass Tiere ohne persönliche moralische Schuld unter der Vergänglichkeit der Schöpfung leiden, könnte zu einer weiteren bedrängenden Frage führen: Bedeutet ihr Leiden, dass sie für Gott letztlich unbedeutend sind? Die Bibel zeichnet gerade hier ein anderes Bild. Tiere erscheinen nicht nur als Kulisse menschlicher Geschichte oder als verfügbare Ressourcen. Sie gehören zu der von Gott geschaffenen Welt, und mehrere Texte sprechen ausdrücklich davon, dass ihr Leben unter seiner Aufmerksamkeit und Versorgung steht.

Psalm 104 entfaltet diese Fürsorge besonders umfassend. Der Psalm betrachtet eine Vielzahl von Geschöpfen in ihren Lebensräumen und beschreibt, wie sie auf Gott warten, damit er ihnen Nahrung gibt. Wenn er gibt, werden sie gesättigt; wenn ihr Lebensatem endet, sterben sie und kehren zum Staub zurück. Der gesamte Rhythmus geschöpflichen Lebens wird damit in Abhängigkeit von Gott gesehen. Tiere existieren nicht unabhängig vom Schöpfer, sondern empfangen ihr Leben und ihre Versorgung letztlich aus seiner Hand.

Diese Aussage bedeutet nicht, dass jedes Tier jederzeit vor Hunger, Krankheit oder Tod bewahrt wird. Gerade derselbe Psalm kennt das Sterben der Geschöpfe. Gottes Fürsorge darf deshalb nicht mit einer Verheißung verwechselt werden, nach der keinem Tier innerhalb der gefallenen Welt etwas Schmerzliches widerfahren könne. Die Bibel hält beides zusammen: Gott sorgt für seine Geschöpfe, und dennoch leben sie gegenwärtig innerhalb einer Ordnung, die von Vergänglichkeit geprägt ist.

Psalm 147 richtet den Blick auf eine scheinbar kleine Einzelheit dieser Versorgung. Gott gibt dem Vieh seine Nahrung und hört auf die jungen Raben, die zu ihm rufen. Der Vers will keine vollständige Lehre über jedes einzelne Tierleben entwickeln. Er zeigt jedoch, dass auch Geschöpfe, die für den Menschen leicht unbedeutend erscheinen können, innerhalb von Gottes fürsorglichem Handeln nicht übersehen werden. Seine Aufmerksamkeit beschränkt sich nicht auf diejenigen Teile der Schöpfung, die dem Menschen besonders wertvoll erscheinen.

Eine ungewöhnlich deutliche Stelle findet sich am Ende des Buches Jona. Gott erklärt dem Propheten, warum ihm die große Stadt Ninive nicht gleichgültig sein kann, und erwähnt dabei neben den vielen Menschen ausdrücklich auch die zahlreichen Tiere. Der Schwerpunkt des Abschnittes liegt auf Gottes Erbarmen gegenüber Ninive und auf Jonas fehlendem Mitgefühl. Gerade deshalb ist die beiläufige Erwähnung der Tiere bemerkenswert: Gottes Blick auf die Stadt schließt auch ihre nichtmenschlichen Geschöpfe ein.

Auch Jesus greift diese Grundlinie auf, wenn er von Sperlingen spricht, die aus menschlicher Sicht für einen sehr geringen Preis verkauft werden und dennoch nicht außerhalb der Kenntnis des Vaters stehen. Sein eigentliches Anliegen ist dabei, den Jüngern Gottes noch größere Fürsorge für sie zu versichern. Der Vergleich funktioniert jedoch gerade deshalb, weil Gottes Aufmerksamkeit gegenüber den kleinen Vögeln vorausgesetzt wird. Der Wert des Menschen wird hervorgehoben, ohne dass die Tiere dadurch als wertlos dargestellt werden.

Damit bekommt Tierleid eine wichtige biblische Einordnung. Ein leidendes oder sterbendes Tier ist nicht deshalb bedeutungslos, weil es kein Mensch ist. Sein Leben stammt vom Schöpfer, steht innerhalb seiner geschaffenen Ordnung und entzieht sich nicht seiner Kenntnis. Die Bibel erklärt nicht, warum Gott jedes einzelne konkrete Leiden zulässt, und sie verspricht auch keine individuelle Bewahrung jedes Tieres vor dem Tod. Sie gibt jedoch keinen Raum für die Vorstellung eines Gottes, dem das Leben seiner Geschöpfe grundsätzlich gleichgültig wäre.

Gerade Gottes eigene Fürsorge wird schließlich zum Maßstab für den Menschen. Wenn Tiere Gott gehören, von ihm versorgt werden und innerhalb seiner Aufmerksamkeit stehen, kann menschliche Herrschaft über sie keine grenzenlose Verfügung bedeuten. Die besondere Stellung des Menschen erhöht seine Verantwortung, anstatt sie aufzuheben. Deshalb führt Gottes Blick auf die Tiere unmittelbar zu der Frage, wie der Mensch mit Geschöpfen umgehen soll, die ihm anvertraut wurden und deren Leid Gott nicht gleichgültig ist.

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Herrschaft bedeutet Verantwortung, nicht Grausamkeit

Sprüche 12,10 – „10 Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; das Herz des Gottlosen aber ist unbarmherzig."
Sprüche 12,10 – „10 Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; das Herz des Gottlosen aber ist unbarmherzig."
1. Mose 1,26-28 – „26 Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bild uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh auf der ganzen Erde, auch über alles, was auf Erden kriecht! 27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruc…"
5. Mose 25,4 – „4 Du sollst dem Ochsen, wenn er drischt, das Maul nicht verbinden."

Wenn Gott selbst seine Geschöpfe nicht übersieht, kann auch die dem Menschen übertragene Herrschaft über Tiere nicht als Recht zur willkürlichen Ausbeutung verstanden werden. Sprüche 12 stellt den Umgang mit Tieren sogar in einen Zusammenhang mit Gerechtigkeit: Der Gerechte kümmert sich um das Leben seines Viehs. Damit berührt die Schrift nicht nur wirtschaftliche Zweckmäßigkeit, sondern die innere Haltung eines Menschen gegenüber einem Geschöpf, das von ihm abhängig ist.

Diese Verantwortung beginnt bereits im Schöpfungsbericht. Gott gibt dem Menschen Herrschaft über die Tiere, doch der Mensch ist nicht ihr Schöpfer und deshalb auch nicht ihr absoluter Eigentümer. Seine Autorität ist abgeleitet. Er herrscht innerhalb einer Welt, die Gott gehört, und steht selbst unter dessen Herrschaft. Gerade deshalb kann der Auftrag aus 1. Mose 1 nicht unabhängig vom Charakter des Gottes verstanden werden, dessen Ebenbild der Mensch tragen soll.

Herrschaft bedeutet in der Bibel auch nicht automatisch Schonung vor jeder Nutzung. Menschen durften später Tiere halten, für Arbeit einsetzen und unter bestimmten Bedingungen auch als Nahrung verwenden. Ebenso gehörten Tieropfer zeitweilig zu der von Gott gegebenen Ordnung Israels. Die Schrift setzt Mensch und Tier daher nicht auf dieselbe Ebene. Doch aus dieser Unterscheidung folgt kein Recht auf unnötige Härte. Nutzung und Verantwortung stehen nebeneinander.

Wie konkret Gott solche Grenzen setzt, zeigt das Gesetz Israels an mehreren Stellen. Einem arbeitenden Ochsen sollte beim Dreschen nicht das Maul verbunden werden. Das Tier durfte von dem Ertrag nehmen, an dessen Verarbeitung es beteiligt war. Der unmittelbare Text betrifft ein Nutztier und verhindert, dass menschlicher Vorteil jede Rücksicht auf dessen Bedürfnisse verdrängt. Selbst in einer Ordnung, in der Tiere dem Menschen dienten, blieb ihr Wohlergehen nicht bedeutungslos.

Andere Gebote folgen derselben Richtung. Ein zusammengebrochenes Lasttier sollte nicht einfach liegen gelassen werden, selbst wenn es dem Feind gehörte. Am Sabbat sollten auch die Tiere von der Arbeit ruhen. Solche Bestimmungen entwickeln kein modernes Tierschutzrecht, zeigen aber einen wiederkehrenden Grundsatz: Menschliche Macht über Tiere besitzt Grenzen. Die Bedürfnisse eines Geschöpfes dürfen nicht vollständig dem Nutzen seines Besitzers untergeordnet werden.

Sprüche 12 verschärft diesen Gedanken, indem der Vers gerechte Fürsorge und Grausamkeit gegenüberstellt. Wie ein Mensch mit einem schwächeren Wesen umgeht, das sich seiner Macht kaum entziehen kann, offenbart etwas über seinen Charakter. Grausamkeit wird nicht dadurch gerecht, dass ihr Opfer ein Tier ist. Wer Leiden unnötig verursacht oder vermeidbares Leid gleichgültig hinnimmt, kann sich deshalb nicht einfach auf die besondere Stellung des Menschen berufen.

Dabei muss zwischen unvermeidlichem Leid innerhalb einer gefallenen Welt und Leid unterschieden werden, das Menschen selbst verursachen oder verstärken. Ein Mensch kann nicht verhindern, dass jedes wilde Tier erkrankt oder stirbt. Wo Tiere jedoch seiner Verantwortung unterstehen, entsteht eine konkrete Pflicht. Nahrung, Schutz, angemessene Behandlung und die Vermeidung unnötiger Qual sind keine sentimentalen Zusätze, sondern entsprechen der biblischen Linie verantwortlicher Herrschaft.

Gerade hier erhält die Frage nach dem Tierleid eine praktische Seite. Die Bibel erklärt nicht nur, warum die Schöpfung leidet, sondern stellt den Menschen mitten in diese leidende Welt und fragt, wie er mit seiner Macht umgeht. Er kann den Zerbruch vergrößern oder innerhalb seiner begrenzten Möglichkeiten Leid mindern. Die besondere Würde des Menschen zeigt sich deshalb nicht darin, dass ihm das Schicksal anderer Geschöpfe gleichgültig sein darf, sondern darin, dass er vor Gott Verantwortung für sie trägt.

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Warum Gott Tieropfer zuließ

3. Mose 17,11 – „11 denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühne zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühne erwirkt durch die [in ihm wohnende] Seele."
3. Mose 17,11 – „11 denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühne zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühne erwirkt durch die [in ihm wohnende] Seele."
Hebräer 10,1-4 – „1 Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen Güter hat, nicht das Ebenbild der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, welche man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals vollkommen machen! 2 Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewußtsein von Sünden mehr gehabt…"
Hebräer 9,22-26 – „22 und fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. 23 So ist es also notwendig, daß die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge durch solches gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese. 24 Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, son…"

Die Verantwortung des Menschen gegenüber Tieren wirft eine schwierige Gegenfrage auf. Wenn Gott unnötige Grausamkeit nicht gutheißt und Tiere zu seiner Schöpfung gehören, warum ordnete er Israel dann überhaupt Tieropfer an? Diese Frage darf nicht übergangen werden, denn im alttestamentlichen Heiligtumsdienst starben tatsächlich Tiere. Die Bibel stellt dieses Sterben jedoch weder als Ausdruck göttlicher Freude am Leid noch als Selbstzweck dar. Die Opfer gehörten zu einer zeitlich begrenzten Ordnung, durch die Gott seinem Volk die Wirklichkeit von Sünde, Tod und Versöhnung vor Augen führte.

3. Mose 17 erklärt einen zentralen Zusammenhang dieses Systems: Das Leben des Fleisches steht mit dem Blut in Verbindung, und Gott hatte das Blut für den Altar zur Sühnung gegeben. Das Tier besaß dabei keine eigene moralische Schuld. Gerade darin lag die ernste Aussage des Opfers. Der Sünder begegnete sichtbar der Wahrheit, dass Sünde zum Tod führt und dass Versöhnung nicht dadurch geschieht, dass Schuld einfach bedeutungslos erklärt wird. Ein anderes Leben wurde innerhalb der von Gott gegebenen Symbolordnung an die Stelle des schuldigen Menschen gesetzt.

Dabei darf die Bedeutung der Tieropfer nicht über das hinaus erweitert werden, was die Schrift selbst erklärt. 1. Mose 3,21 berichtet beispielsweise, dass Gott Adam und Eva mit Kleidern aus Fell bekleidete. Daraus lässt sich folgern, dass Tierhäute verwendet wurden, doch der Text sagt nicht ausdrücklich, dass Gott dort ein Opfer einsetzte oder dass dieses Tier als Stellvertreter für die Schuld des Menschen starb. Deshalb sollte dieser Abschnitt nicht zur sicheren Grundlage einer Opferlehre gemacht werden. Die klare Erklärung des Opfergedankens findet sich erst dort, wo Gott selbst die Bedeutung der Opferordnung offenbart.

Der Hebräerbrief zeigt zugleich, dass Tierblut niemals aus eigener Kraft Sünde beseitigen konnte. Die wiederholten Opfer waren ein Schatten und eine fortwährende Erinnerung an die Sünde; sie konnten das Gewissen nicht endgültig reinigen. Gerade ihre Wiederholung machte ihre Vorläufigkeit sichtbar. Wenn ein Opfer das Problem der Sünde vollständig gelöst hätte, wäre keine ständige Wiederholung mehr erforderlich gewesen.

Damit wird auch deutlich, dass Gott kein endloses System tierischen Sterbens als endgültiges Ziel vorgesehen hatte. Der Opferdienst gehörte zu einer heilsgeschichtlichen Ordnung, die auf eine bessere und endgültige Lösung verwies. Das Leiden der Opfertiere war real, doch es sollte den Menschen nicht gegenüber Leiden abstumpfen. Im Gegenteil: Das Sterben eines schuldlosen Tieres machte in sichtbarer Form deutlich, wie zerstörerisch Sünde ist und welchen Preis die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott verlangt.

Diese Ordnung darf auch nicht mit heidnischen Vorstellungen verwechselt werden, nach denen Menschen durch Opfer eine unwillige Gottheit besänftigen oder zu Wohlwollen bewegen müssten. Nach 3. Mose 17 ist es Gott selbst, der das Mittel zur Sühnung bereitstellt. Die Initiative zur Versöhnung geht von ihm aus. Der Opfernde überredet Gott nicht zur Gnade; er nimmt eine von Gott eröffnete Ordnung an, durch die Vergebung und Versöhnung innerhalb des Bundes dargestellt werden.

Gerade deshalb kritisieren die Propheten später scharf einen Opferdienst, der von Gerechtigkeit und Gehorsam getrennt wird. Gott hatte kein Gefallen an bloßem Tiersterben, während Menschen gleichzeitig an Gewalt und Unrecht festhielten. Opfer ohne ein Herz, das auf Gott hören wollte, verfehlten ihren Sinn. Diese prophetische Kritik bestätigt, dass das Töten selbst niemals das geistliche Ziel war. Die Opfer sollten auf Sünde, Umkehr und Gottes Weg der Versöhnung weisen.

So stellt der Opferdienst eine besonders ernste Seite des Tierleids dar. Schuldlose Tiere wurden innerhalb einer gefallenen Welt in eine Ordnung einbezogen, die dem schuldigen Menschen die tödliche Wirklichkeit der Sünde sichtbar machte. Doch gerade die Unzulänglichkeit dieser Opfer weist über sie hinaus. Wenn Tiere die Sünde nicht endgültig wegnehmen konnten, musste die eigentliche Lösung von Gott selbst kommen – und damit führt die Opferordnung unmittelbar zu Christus, auf den ihre Zeichen letztlich hinwiesen.

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Christus erfüllt, worauf die Opfer hinwiesen

Hebräer 10,10-14 – „10 In diesem Willen sind wir geheiligt durch die Aufopferung des Leibes Jesu Christi ein für allemal. 11 Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt öfters dieselben Opfer dar, welche doch niemals Sünden wegnehmen können; 12 dieser aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt 13 und wartet hinf…"
Hebräer 10,10-14 – „10 In diesem Willen sind wir geheiligt durch die Aufopferung des Leibes Jesu Christi ein für allemal. 11 Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt öfters dieselben Opfer dar, welche doch niemals Sünden wegnehmen können; 12 dieser aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt 13 und wartet hinf…"
Johannes 1,29 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt!"
1. Petrus 1,18-19 – „18 da ihr ja wisset, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, 19 sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes,"

Die Tieropfer machten die Ernsthaftigkeit der Sünde sichtbar, konnten sie aber nicht endgültig beseitigen. Genau an diesem Punkt führt der Hebräerbrief von der vorläufigen Opferordnung zu Christus. Während die früheren Priester immer wieder dieselben Opfer darbringen mussten, bringt Jesus ein Opfer, das nicht wiederholt werden muss. Damit erreicht die heilsgeschichtliche Linie ihren entscheidenden Wendepunkt: Was zuvor in Bildern dargestellt wurde, findet in Christus seine endgültige Erfüllung.

Johannes der Täufer bezeichnet Jesus deshalb als das „Lamm Gottes“, das die Sünde der Welt wegnimmt. Dieses Bild verbindet Christus mit der biblischen Opferwelt, ohne ihn lediglich mit einem einzelnen Opfertyp gleichzusetzen. Der schuldlose Christus tritt für schuldige Menschen ein. Anders als ein Tier handelt er jedoch bewusst und freiwillig. Das Neue Testament beschreibt ihn nicht als willenloses Opfer menschlicher Gewalt, sondern als den Sohn, der sich in Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters für die Erlösung der Menschen hingibt.

Damit wird zugleich ein entscheidender Unterschied zwischen den Tieropfern und Christus sichtbar. Kein Tier konnte moralische Schuld tragen oder einen Menschen innerlich von Sünde reinigen. Die Opfer besaßen ihre Bedeutung innerhalb der von Gott eingesetzten Zeichenordnung. Christus dagegen ist nicht nur ein weiteres Opfer innerhalb dieser Reihe. In ihm begegnet der Mensch demjenigen, auf den die vorläufigen Opfer vorauswiesen und dessen Hingabe tatsächlich die Grundlage der Vergebung bildet.

Petrus greift ebenfalls die Sprache des Opferwesens auf, wenn er Christus mit einem makellosen und unbefleckten Lamm vergleicht. Dabei liegt das Gewicht nicht auf einer Verherrlichung des Leidens, sondern auf dem Wert seines erlösenden Todes. Der Sündlose gibt sich für Sünder hin. Was im Tieropfer nur symbolisch dargestellt werden konnte, erhält dadurch seine wirkliche heilsgeschichtliche Erfüllung.

Der Hebräerbrief zieht daraus eine weitreichende Konsequenz. Nach dem einmaligen Opfer Christi ist kein fortgesetzter Opferdienst zur Sündenvergebung mehr notwendig. Jesus hat sich nicht wiederholt geopfert, sondern ein für alle Mal. Darum wäre eine Rückkehr zu Tieropfern als notwendigem Mittel der Versöhnung nicht nur überflüssig, sondern würde die Vollständigkeit seines Werkes verkennen. Die vorläufige Ordnung hat ihren Zweck erfüllt, weil derjenige gekommen ist, auf den sie hinführte.

Gerade für die Frage nach dem Tierleid ist diese Entwicklung bedeutsam. Gott wollte keinen dauerhaften religiösen Kreislauf, in dem Tiere ohne Ende sterben müssten. Die Opfer gehörten zu einer begrenzten Phase der Heilsgeschichte. Mit Christus erreicht diese Ordnung ihr Ziel und endet als Weg zur Darstellung der Sühne. Das macht deutlich, dass Tiersterben im Heiligtumsdienst nicht Gottes endgültiges Ideal war, sondern innerhalb einer gefallenen Welt einem vorübergehenden Offenbarungszweck diente.

Noch tiefer führt die Tatsache, dass Gott die Last der Erlösung letztlich nicht bei den Tieren belässt. Er fordert nicht von seiner Schöpfung ein endloses Opfer, während er selbst unbeteiligt bleibt. In Christus tritt Gott dem Menschen entgegen und trägt den entscheidenden Preis der Erlösung selbst. Das Kreuz offenbart deshalb zugleich die Schwere der Sünde und die Tiefe göttlicher Liebe. Gott beseitigt das Problem nicht auf Kosten einer endlosen Reihe anderer Geschöpfe, sondern führt die Opferordnung zu ihrem Ende durch die Hingabe seines Sohnes.

Damit verändert Christus den Blick auf die gesamte Frage des Leidens. Die Bibel erklärt nicht jedes einzelne Tierleid durch das Opfergeschehen, und das Kreuz darf nicht als unmittelbare Antwort auf jede biologische Einzelheit verstanden werden. Doch es zeigt, wohin Gottes Handeln innerhalb einer leidenden Welt führt: nicht zur Verewigung von Tod, sondern zu seiner Überwindung. Derjenige, der als Lamm Gottes den Weg der Erlösung eröffnet, ist zugleich der auferstandene Herr, durch den Gottes Plan schließlich über den Tod hinaus zur Wiederherstellung der Schöpfung führt.

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Fleisch wird erlaubt, aber das Leben bleibt Gott heilig

1. Mose 9,2-4 – „2 Furcht und Schrecken vor euch soll kommen über alle Tiere der Erde und über alle Vögel des Himmels, über alles, was auf Erden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben! 3 Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. 4 Nur esset das Fleisch nicht, während seine Seele, sein Blut, noch in ihm ist!"
1. Mose 9,2-4 – „2 Furcht und Schrecken vor euch soll kommen über alle Tiere der Erde und über alle Vögel des Himmels, über alles, was auf Erden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben! 3 Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. 4 Nur esset das Fleisch nicht, während seine Seele, sein Blut, noch in ihm ist!"
1. Mose 1,29-30 – „29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles Gewächs auf Erden gegeben, das Samen trägt, auch alle Bäume, an welchen Früchte sind, die Samen tragen; sie sollen euch zur Nahrung dienen; 30 aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was auf Erden kriecht, allem, was eine lebendige Seele hat, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah also."
5. Mose 12,15-16 – „15 Doch magst du schlachten und Fleisch essen in allen deinen Toren, nach aller Lust deiner Seele, nach dem Segen des HERRN, deines Gottes, den er dir gegeben hat; Unreine und Reine mögen davon essen, wie von der Gazelle oder dem Hirsch. 16 Nur das Blut sollst du nicht essen, sondern es auf die Erde gießen wie Wasser."

Nachdem Christus als Erfüllung der Opferordnung sichtbar geworden ist, bleibt eine andere Frage bestehen: Wenn Gottes ursprüngliche Schöpfungsordnung ohne ausdrücklich angeordnetes Töten von Tieren zur Nahrung beschrieben wird, warum erlaubt die Bibel später überhaupt Fleischkonsum? Die entscheidende Stelle steht nach der Sintflut. In 1. Mose 9 gibt Gott Noah und seinen Nachkommen ausdrücklich Tiere zur Nahrung frei. Damit behandelt die Schrift Fleischessen innerhalb der gefallenen Welt nicht grundsätzlich als Sünde.

Gerade der Vergleich mit 1. Mose 1 ist jedoch bemerkenswert. Dort werden dem Menschen Pflanzen und Früchte als Nahrung gegeben, während in 1. Mose 9 die Erlaubnis ausdrücklich erweitert wird: Wie zuvor das grüne Kraut werden nun auch Tiere zur Nahrung gegeben. Der biblische Text selbst stellt damit zwei unterschiedliche Situationen dar. Sicher gesagt werden kann, dass Fleisch in der ursprünglichen Nahrungszuweisung nicht genannt wird und nach der Sintflut ausdrücklich erlaubt wird. Warum Gott diese Veränderung gerade zu diesem Zeitpunkt vornimmt, erklärt der Text nicht im Einzelnen.

Deshalb sollte auch nicht behauptet werden, die Bibel lehre ausdrücklich, nach der Sintflut habe es keine ausreichende pflanzliche Nahrung mehr gegeben oder der menschliche Körper habe plötzlich Fleisch benötigt. Solche Erklärungen mögen vorgeschlagen werden, stehen aber nicht im Text. Die sichere Aussage ist schlichter: Gott erlaubt Fleischkonsum innerhalb der bereits gefallenen Welt. Damit unterscheidet die Schrift zwischen seiner ursprünglichen Schöpfungsordnung und dem, was er dem Menschen später ausdrücklich gestattet.

Diese Erlaubnis wird jedoch unmittelbar von einer Grenze begleitet. Noah soll Fleisch nicht mit seinem Blut, das heißt mit seinem Leben, essen. Das Leben bleibt etwas, über das der Mensch nicht völlig beliebig verfügen darf. Später wird dieser Gedanke im Gesetz Israels erneut hervorgehoben: Auch wenn Fleisch gegessen werden durfte, sollte das Blut nicht verzehrt werden, weil es in besonderer Weise mit dem Leben verbunden wurde. Nutzung eines Tieres und Achtung vor dem von Gott gegebenen Leben stehen deshalb selbst dort nebeneinander, wo das Töten erlaubt ist.

Damit verhindert die Bibel zwei entgegengesetzte Schlussfolgerungen. Einerseits kann aus der ursprünglichen pflanzlichen Nahrung nicht abgeleitet werden, jeder Fleischkonsum nach dem Sündenfall sei zwangsläufig moralische Schuld. Gott selbst erteilt Noah eine entsprechende Erlaubnis. Andererseits bedeutet diese Erlaubnis nicht, dass jede Form des Umgangs mit Tieren dadurch gutgeheißen wäre. Was grundsätzlich erlaubt ist, kann dennoch auf grausame, verschwenderische oder verantwortungslose Weise ausgeübt werden.

Für die Frage nach Tierleid ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Die gefallene Welt enthält Bedingungen, die von der ursprünglichen Schöpfungsordnung abweichen. Gott begegnet dem Menschen innerhalb dieser Wirklichkeit und gibt Ordnungen für sie, ohne damit jedes Merkmal der gefallenen Welt zu seinem ewigen Ideal zu erklären. Dass etwas nach dem Fall erlaubt wird, beweist deshalb nicht, dass es bereits zur ursprünglichen Ordnung gehörte oder auch in der vollendeten Schöpfung bestehen muss.

Gleichzeitig darf persönliche Gewissensentscheidung nicht in ein neues Erlösungsmaß verwandelt werden. Wer auf Fleisch verzichtet, etwa weil er Tierleid möglichst vermeiden möchte, kann dies als verantwortete persönliche Entscheidung tun. Wer Fleisch isst, kann allein deshalb nicht aufgrund von 1. Mose 9 als ungehorsam bezeichnet werden. Die entscheidende ethische Frage erweitert sich vielmehr: Wie wird mit der von Gott gegebenen Freiheit umgegangen, und entspricht der konkrete Umgang mit Tieren zugleich den biblischen Maßstäben von Verantwortung und Barmherzigkeit?

Damit führt die Erlaubnis zum Fleischessen nicht aus der Frage nach dem Tierleid heraus, sondern macht sie genauer. Die Bibel kennt innerhalb der gefallenen Welt eine legitime Nutzung von Tieren und setzt ihr zugleich Grenzen. Christliche Verantwortung lässt sich deshalb weder auf ein pauschales Verbot noch auf ein ebenso pauschales „alles Erlaubte ist gleichgültig“ reduzieren. Gerade dort, wo Freiheit besteht, muss gefragt werden, wie sie unter Gottes Herrschaft und mit Rücksicht auf seine Geschöpfe gelebt wird.

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Gewissensfreiheit darf nicht zur geistlichen Rangordnung werden

Römer 14,2-4 – „2 Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, ißt Gemüse. 3 Wer ißt, verachte den nicht, der nicht ißt; und wer nicht ißt, richte den nicht, der ißt; denn Gott hat ihn angenommen. 4 Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber aufgerichtet werden; denn der Herr vermag ihn aufzurichten."
Römer 14,2-4 – „2 Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, ißt Gemüse. 3 Wer ißt, verachte den nicht, der nicht ißt; und wer nicht ißt, richte den nicht, der ißt; denn Gott hat ihn angenommen. 4 Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber aufgerichtet werden; denn der Herr vermag ihn aufzurichten."
Römer 14,13-19 – „13 Darum laßt uns nicht mehr einander richten, sondern das richtet vielmehr, daß dem Bruder weder Anstoß noch Ärgernis gegeben werde! 14 Ich weiß und bin in dem Herrn Jesus davon überzeugt, daß nichts an sich selbst unrein ist; sondern nur für den, der etwas für unrein hält, ist es unrein. 15 Wenn aber dein Bruder um einer Speise willen betrübt wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Ver…"
1. Korinther 10,23-24 – „23 Es ist alles erlaubt; aber es frommt nicht alles! Es ist alles erlaubt; aber es erbaut nicht alles! 24 Niemand suche das Seine, sondern ein jeder das des andern."

Wenn die Bibel Fleisch innerhalb der gefallenen Welt erlaubt und zugleich einen verantwortlichen Umgang mit Tieren fordert, entsteht für Christen ein Bereich persönlicher Entscheidungen. Manche verzichten aus Gewissensgründen auf Fleisch oder andere tierische Produkte, während andere von der biblischen Erlaubnis Gebrauch machen. Römer 14 hilft dabei, solche Unterschiede geistlich einzuordnen. Paulus begegnet dort einer Gemeinde, in der Gläubige hinsichtlich bestimmter Speisen unterschiedliche Überzeugungen hatten, und warnt beide Seiten davor, daraus ein Urteil über den geistlichen Wert des anderen zu machen.

Paulus erwähnt ausdrücklich, dass einer glaubt, alles essen zu dürfen, während ein anderer nur Gemüse isst. Der Zusammenhang behandelt jedoch nicht die heutige ethische Diskussion über Tierhaltung oder Veganismus. Aus dem Vers lässt sich deshalb weder ableiten, Paulus habe modernen Fleischverzicht verurteilt, noch dass er ihn als höheres christliches Ideal empfohlen hätte. Sein unmittelbares Anliegen ist die Gemeinschaft von Gläubigen mit unterschiedlichen Gewissensüberzeugungen in Fragen, die nicht über ihre Annahme bei Gott entscheiden.

Darin liegt eine wichtige Grenze für die heutige Anwendung. Ein Christ kann aufgrund seines Mitgefühls mit Tieren, bestimmter Produktionsbedingungen oder persönlicher Überzeugung entscheiden, kein Fleisch zu essen. Eine solche Entscheidung kann Ausdruck ernsthafter Verantwortung vor Gott sein. Sie wird jedoch nicht dadurch zur allgemeinen Heilsbedingung für alle anderen. Ebenso darf jemand, der von der biblischen Erlaubnis zum Fleischessen Gebrauch macht, den Verzicht eines anderen nicht als unnötige Schwäche oder übertriebene Frömmigkeit verspotten.

Paulus führt beide Seiten deshalb weg vom gegenseitigen Richten. Der eine soll den anderen nicht verachten, und der andere soll ihn nicht verurteilen, denn beide stehen letztlich vor ihrem Herrn. Christliche Freiheit bedeutet damit nicht nur, bestimmte Dinge tun zu dürfen. Sie bedeutet ebenso, auf ein eigenes Recht verzichten zu können und die Gewissensentscheidung eines anderen zu achten, solange dadurch keine klare biblische Forderung aufgehoben wird.

Der weitere Verlauf von Römer 14 zeigt sogar, dass Liebe die Ausübung persönlicher Freiheit begrenzen kann. Paulus fordert die Gläubigen auf, einander keinen Anstoß zu geben und dem nachzustreben, was dem Frieden und der gegenseitigen Erbauung dient. Das Reich Gottes wird dabei nicht auf Essen und Trinken reduziert. Geistliche Reife zeigt sich deshalb nicht darin, eine bestimmte Ernährungsform zum Erkennungszeichen wahrer Frömmigkeit zu machen, sondern darin, Freiheit unter die Herrschaft von Liebe und Verantwortung zu stellen.

Dasselbe Prinzip erscheint in 1. Korinther 10. Paulus erklärt, dass nicht alles, was grundsätzlich erlaubt ist, deshalb auch hilfreich oder erbauend sein muss. Der Christ soll nicht ausschließlich den eigenen Vorteil suchen, sondern auch das Wohl des anderen. Dieser Grundsatz reicht weiter als die ursprüngliche Speisefrage. Er lehrt eine Haltung, in der christliche Entscheidungen nicht bei der Frage enden: „Darf ich das?“, sondern weiterfragen: „Wie gebrauche ich meine Freiheit vor Gott verantwortungsvoll?“

Auf Fragen des Tierleids angewandt bedeutet das, dass der Christ weder Gleichgültigkeit noch gesetzlichen Zwang als angemessene Antwort wählen sollte. Wer Kenntnis von vermeidbarer Grausamkeit besitzt, darf diese Erkenntnis in seine Entscheidungen einbeziehen. Herkunft, Haltung und Umgang mit Tieren können deshalb legitime Gewissensfragen sein. Die Bibel schreibt jedoch nicht für jede moderne Produktionsform eine konkrete Ernährungsentscheidung vor. Wo eine solche ausdrückliche Anweisung fehlt, muss zwischen einem biblischen Grundsatz und der persönlichen Umsetzung dieses Grundsatzes unterschieden werden.

Gerade diese Unterscheidung ermöglicht zugleich Ernsthaftigkeit und Freiheit. Tierleid darf nicht mit dem Hinweis auf christliche Freiheit bedeutungslos gemacht werden, denn die Schrift verlangt Barmherzigkeit und verantwortliche Herrschaft. Doch auch eine besonders konsequente persönliche Entscheidung darf nicht zur Grundlage geistlicher Überlegenheit werden. Der Maßstab bleibt Christus, der seine Menschen aus Gnade annimmt und sie zugleich dazu führt, ihre Freiheit in Liebe zu gebrauchen. Damit richtet sich der Blick schließlich über unsere begrenzten Entscheidungen hinaus auf Gottes eigenes Ziel mit einer Schöpfung, in der Tiere gegenwärtig noch unter Vergänglichkeit leiden.

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Die leidende Schöpfung wartet auf Befreiung

Römer 8,19-23 – „19 Denn die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. 20 Die Kreatur ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, 21 daß auch sie selbst, die Kreatur, befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, da…"
Römer 8,19-23 – „19 Denn die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. 20 Die Kreatur ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, 21 daß auch sie selbst, die Kreatur, befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, da…"
Jesaja 11,6-9 – „6 Da wird der Wolf bei dem Lämmlein wohnen, der Leopard bei dem Böcklein niederliegen. Das Kalb, der junge Löwe und das Mastvieh werden beieinander sein, also daß ein kleiner Knabe sie treiben wird. 7 Die Kuh und die Bärin werden miteinander weiden und ihre Jungen zusammen lagern. Der Löwe wird Stroh fressen wie das Rindvieh. 8 Der Säugling wird spielen am Loch der Otter und der Entwöhnte seine H…"
Offenbarung 21,1-5 – „1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. 3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird be…"

Die Bibel beantwortet die Frage nach dem Tierleid nicht nur mit einem Blick zurück auf den Fall, sondern ebenso mit einem Blick nach vorn. Römer 8 beschreibt die gegenwärtige Schöpfung als der Vergänglichkeit unterworfen und zugleich als eine Schöpfung, die auf Befreiung wartet. Ihr Seufzen ist deshalb nicht ihr endgültiger Zustand. Paulus verbindet die Wirklichkeit des Zerfalls ausdrücklich mit Hoffnung und führt damit die Frage des Leidens in den größeren Erlösungsplan Gottes hinein.

Bemerkenswert ist, dass Paulus nicht nur von der Erlösung einzelner Menschen spricht. Die „Schöpfung selbst“ soll von der Knechtschaft des Verderbnisses befreit werden. Wie genau jede einzelne Form geschöpflichen Lebens an dieser zukünftigen Ordnung Anteil haben wird, erklärt der Abschnitt nicht. Sicher ist jedoch, dass Gottes Erlösungswerk nicht in einer geretteten Menschheit innerhalb einer für immer zerstörten Welt endet. Die Schöpfung, die gegenwärtig unter Vergänglichkeit steht, gehört zum Horizont seiner Wiederherstellung.

Damit erhält auch das Leiden der Tiere eine Zukunftsperspektive. Die Bibel verspricht nicht ausdrücklich die Auferstehung jedes einzelnen verstorbenen Tieres und gibt keine Grundlage dafür, solche Einzelheiten sicher zu behaupten. Sie sagt aber ebenso wenig, dass eine Welt voller tierischer Angst, Verletzung und Tod ewig fortbestehen werde. Die gegenwärtige Ordnung des Verderbens soll nicht das letzte Wort behalten. Gerade darin liegt die Hoffnung, die Römer 8 dem Seufzen der Schöpfung gegenüberstellt.

Jesaja beschreibt den Frieden des kommenden messianischen Reiches mit eindrücklichen Tierbildern. Wolf und Lamm wohnen beieinander, Raubtiere und bisherige Beutetiere stehen nicht mehr in tödlicher Feindschaft, und auf Gottes heiligem Berg wird weder Schaden noch Verderben angerichtet. Der Abschnitt ist stark prophetisch und bildreich. Deshalb sollte nicht jede Einzelheit vorschnell als zoologische Beschreibung zukünftiger Lebensbedingungen behandelt werden. Unübersehbar ist jedoch die Hauptaussage: Die Herrschaft des kommenden Messias ist mit einer Ordnung verbunden, in der Feindschaft und zerstörerische Gewalt keinen Bestand haben.

Diese Hoffnung steht nicht losgelöst von Christus. Jesaja 11 beginnt mit dem verheißenen Spross aus dem Stamm Isais, auf dem der Geist des Herrn ruht und dessen Herrschaft von Gerechtigkeit geprägt ist. Der Frieden der Schöpfung gehört damit zum größeren Bild der messianischen Herrschaft. Was die Sünde in Beziehungen, Gesellschaft und Schöpfung zerrissen hat, findet seine endgültige Heilung nicht durch menschliche Entwicklung allein, sondern unter dem gerechten König, den Gott sendet.

Das Neue Testament führt diese Hoffnung bis zur neuen Schöpfung weiter. Offenbarung 21 beschreibt einen neuen Himmel und eine neue Erde und erklärt, dass Tod, Trauer, Geschrei und Schmerz nicht mehr sein werden. Der unmittelbare Schwerpunkt liegt auf Gottes Wohnen bei den erlösten Menschen. Dennoch ist die umfassende Aussage bedeutsam: Die frühere Ordnung, zu der Tod und Schmerz gehören, vergeht. Gottes endgültige Welt wird nicht einfach eine endlose Fortsetzung der gegenwärtigen Bedingungen sein.

Damit wird verständlich, weshalb die biblische Antwort auf Tierleid weder bei einer theoretischen Erklärung noch bei menschlicher Verantwortung enden kann. Selbst wenn der Mensch jedes vermeidbare Tierleid beseitigen würde, blieben Krankheit, Alter, Naturkatastrophen und Tod innerhalb der gegenwärtigen Schöpfung bestehen. Das Grundproblem reicht tiefer als menschliche Misswirtschaft. Es gehört zur Vergänglichkeit einer Welt, die nur Gott selbst vollständig erneuern kann.

Gerade darin liegt der entscheidende Trost. Tierleid ist real, und die Bibel verlangt nicht, es schönzureden. Tiere tragen keine persönliche moralische Schuld, dennoch leiden sie innerhalb einer Schöpfung, die durch den Fall des Menschen in den Zerbruch hineingezogen wurde. Aber derselbe Gott, der seine Geschöpfe geschaffen hat und sie auch jetzt nicht vergisst, hat ihrer Vergänglichkeit keine ewige Zukunft gegeben. In Christus führt sein Erlösungsplan auf eine erneuerte Schöpfung zu, in der die Herrschaft von Sünde, Verderben und Tod endgültig beendet sein wird.

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Zusammenfassung und Gebet

Tierleid gehört zu den schwierigsten Fragen innerhalb einer Welt, die von Gottes guter Schöpfung und zugleich von tiefem Zerbruch geprägt ist. Die Bibel beantwortet nicht jede Einzelheit darüber, warum ein bestimmtes Tier erkrankt, verletzt wird oder stirbt. Sie gibt auch keine genaue biologische Rekonstruktion darüber, wann jede heute sichtbare Form des Leidens in die Tierwelt gelangte. Dennoch zeichnet sie einen klaren größeren Zusammenhang: Die gegenwärtige leidende Schöpfung entspricht nicht mehr jener ungebrochenen Ordnung, über die Gott am Anfang sein Urteil „sehr gut“ sprach.

Mit dem Fall des Menschen tritt Sünde in die Geschichte ein, und ihre Folgen bleiben nicht auf das menschliche Herz begrenzt. Die Erde wird von Fluch und Mühsal berührt, der Tod bestimmt die menschliche Geschichte, und Paulus beschreibt schließlich die gesamte Schöpfung als der Vergänglichkeit unterworfen. Darin liegt die grundlegende biblische Einordnung des Tierleids. Tiere leiden nicht deshalb, weil sie selbst bewusst gegen Gott rebelliert hätten, sondern weil sie innerhalb einer Schöpfung leben, die unter den Folgen des Zerbruchs steht.

Gerade ihre fehlende persönliche moralische Schuld macht das Tierleid so tragisch. Die Bibel stellt Tiere nicht als Sünder dar, die Buße tun und für persönliche Übertretungen gerichtet werden. Moralische Verantwortung wird dem Menschen zugeschrieben, der Gottes Wort empfängt, zwischen Gehorsam und Ungehorsam entscheiden kann und für sein Handeln Rechenschaft trägt. Tiere sind dagegen Mitbetroffene einer vergänglichen Welt. Ihr Leiden zeigt deshalb nicht ihre Schuld, sondern wie weit die zerstörerischen Folgen der Sünde reichen.

Doch diese Geschöpfe sind Gott nicht gleichgültig. Er versorgt sie, kennt ihre Bedürfnisse und erwähnt selbst Tiere, die für Menschen leicht unbedeutend erscheinen können. Diese Fürsorge prägt zugleich den Auftrag des Menschen. Seine Herrschaft über Tiere ist keine absolute Verfügungsgewalt, sondern eine von Gott übertragene Verantwortung. Wo Menschen unnötiges Leiden verursachen, Tiere grausam behandeln oder ihre Bedürfnisse aus bloßem Eigennutz missachten, handeln sie nicht im Geist jener fürsorglichen Herrschaft, die Gottes Wort beschreibt.

Auch die schwierige Geschichte der Tieropfer muss innerhalb dieses größeren Zusammenhangs verstanden werden. Die Tiere waren nicht selbst schuldig; ihr Tod gehörte zu einer vorläufigen Ordnung, welche die tödliche Wirklichkeit der Sünde und Gottes Weg der Versöhnung sichtbar machte. Doch Tierblut konnte Sünde niemals endgültig beseitigen. Die Opfer fanden ihre Erfüllung in Jesus Christus, der sich einmalig für Sünder hingab. Damit zeigt der Erlösungsplan gerade nicht auf ein endloses Fortbestehen des Opferns, sondern auf dessen Vollendung und Ende in Christus.

Ähnlich muss die Nutzung von Tieren innerhalb der gefallenen Welt differenziert betrachtet werden. Nach der Sintflut erlaubt Gott ausdrücklich Fleisch als Nahrung, weshalb die Bibel Fleischkonsum nicht grundsätzlich als persönliche Sünde verurteilt. Gleichzeitig bleiben Leben, Barmherzigkeit und verantwortlicher Umgang wichtige Maßstäbe. Deshalb kann ein Christ aus Gewissensgründen auf Fleisch oder tierische Produkte verzichten, ohne daraus eine neue Heilsbedingung zu machen. Ebenso entbindet biblische Freiheit niemanden von der Frage, ob sein eigener Umgang mit Gottes Geschöpfen von Rücksicht und Verantwortung geprägt ist.

Die tiefste Antwort der Bibel liegt jedoch nicht in menschlicher Ethik allein. Selbst verantwortungsvollstes Handeln kann die gesamte Schöpfung nicht von Krankheit, Vergänglichkeit und Tod erlösen. Diese Befreiung muss von Gott kommen. Römer 8 verbindet deshalb das Seufzen der Schöpfung unmittelbar mit Hoffnung: Derselbe Schöpfungsbereich, der jetzt unter Verderblichkeit leidet, soll nicht für immer darin gefangen bleiben.

Darum endet die biblische Betrachtung des Tierleids nicht bei Schmerz, sondern bei Wiederherstellung. Die Schrift verspricht nicht ausdrücklich, was mit jedem einzelnen heute lebenden Tier geschehen wird, und darüber sollte nicht spekuliert werden. Sie verheißt jedoch eine neue Schöpfung, in der die gegenwärtige Herrschaft von Tod, Schmerz und Verderben beendet sein wird. Der gekreuzigte und auferstandene Christus steht im Mittelpunkt dieser Hoffnung. Was durch die Sünde zerbrochen wurde, wird Gott nicht auf ewig zerbrochen lassen.

Tierleid bleibt deshalb etwas, das betrauert werden darf. Es muss weder verharmlost noch mit einfachen Antworten erklärt werden. Doch es ist auch kein Beweis dafür, dass Gott seine Geschöpfe vergessen hätte. Der Schöpfer sieht die leidende Welt, ruft den Menschen schon jetzt zu verantwortlicher Barmherzigkeit und führt seinen Erlösungsplan auf eine Wirklichkeit zu, in der der Zerbruch der gefallenen Schöpfung endgültig überwunden sein wird.

Vater im Himmel, du hast das Leben geschaffen, und kein Geschöpf besteht unabhängig von dir. Gib mir ein Herz, das deine Schöpfung nicht gleichgültig betrachtet und mit dem, was du anvertraut hast, verantwortungsvoll umgeht. Bewahre mich davor, über Dinge zu urteilen, die du nicht offenbart hast, und lehre mich zugleich, Leid nicht zu verharmlosen. Danke, dass du in Jesus Christus einen Weg aus der Herrschaft von Sünde und Tod eröffnet hast. Richte meine Hoffnung auf die vollständige Erneuerung deiner Schöpfung und lass dein Erbarmen auch mein Handeln prägen. Amen.

„Siehe, ich mache alles neu!“ Offenbarung 21,5

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