Sex vor der Ehe

Sexualität gehört zu den stärksten und zugleich sensibelsten Bereichen des menschlichen Lebens. Deshalb entsteht gerade hier oft eine tiefe Spannung zwischen biblischem Ideal, persönlichen Gefühlen und der Realität moderner Beziehungen. Viele Menschen erleben echte Liebe, starke Anziehung und den Wunsch nach körperlicher Nähe lange vor e…

Biblischer Rahmen von Sexualität

1. Mose 2,24 – „24 Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch."

Der Vers aus dem zweiten Kapitel der Bibel gehört zu den grundlegendsten Aussagen über Ehe und Sexualität überhaupt. Dort beschreibt Gott, dass ein Mann Vater und Mutter verlassen, seiner Frau anhängen und mit ihr „ein Fleisch“ werden soll. Diese Worte bilden den biblischen Grundrahmen für das Verständnis von Sexualität und Ehe – nicht nur im Alten Testament, sondern auch später in den Worten Jesu und der Apostel.

Auffällig ist dabei die Reihenfolge. Zuerst steht das Verlassen und Anhängen. Damit beschreibt die Bibel eine bewusste, verbindliche Lebensgemeinschaft. Es geht nicht nur um Gefühle oder vorübergehende Anziehung, sondern um einen Bund, in dem zwei Menschen ihr Leben dauerhaft miteinander verbinden. Erst danach folgt das „ein Fleisch werden“, also die sexuelle Vereinigung.

Gerade diese Reihenfolge ist wichtig. Die Bibel betrachtet Sexualität nicht als rein körperliche Handlung ohne tiefere Bedeutung. Sex schafft nach biblischem Verständnis eine besondere Einheit zwischen zwei Menschen. Körper, Gefühle, Vertrauen und Bindung greifen ineinander. Deshalb gehört Sexualität im biblischen Denken in den Schutzraum einer verbindlichen Ehe.

Das bedeutet nicht, dass körperliche Anziehung oder sexuelles Verlangen vor der Ehe ungewöhnlich oder sündhaft wären. Gott selbst hat den Menschen mit Sexualität geschaffen. Die Sehnsucht nach Nähe, Berührung und Vereinigung gehört zur menschlichen Natur. Doch die Bibel zeigt gleichzeitig, dass diese Kraft einen Rahmen braucht, weil sie sehr tief wirkt und Menschen stark verbindet.

Wenn Sexualität außerhalb dieses Bundes gelebt wird, entsteht oft genau die Spannung, die viele Menschen erleben. Man teilt etwas sehr Intimes und Tiefes miteinander, ohne den festen Schutz gegenseitiger lebenslanger Hingabe. Dadurch können Verletzungen, Unsicherheit, Bindungsbrüche oder innere Konflikte entstehen. Die biblischen Grenzen sollen deshalb nicht Liebe zerstören, sondern etwas Wertvolles bewahren und schützen.

Gerade die moderne Kultur trennt Sexualität oft von dauerhafter Bindung. Sex wird häufig vor allem als Ausdruck spontaner Gefühle oder persönlicher Freiheit verstanden. Die Bibel sieht darin jedoch mehr als einen biologischen oder emotionalen Vorgang. Sie verbindet Sexualität mit Bund, Treue und Verantwortung.

Dabei ist wichtig, dieses Thema nicht nur als Liste von Verboten zu betrachten. Gottes Ordnung für Sexualität entspringt nicht Willkür, sondern seinem Wissen darüber, wie der Mensch geschaffen ist. Die Verbindung von Bund und Sexualität soll Sicherheit, Vertrauen, Treue und tiefe Einheit ermöglichen.

Gleichzeitig spricht die Bibel auch hier nicht nur über Reinheit, sondern ebenso über Gnade. Viele Menschen haben an diesem Punkt Fehler gemacht oder leben mit Schuldgefühlen, Verletzungen oder vergangenen Entscheidungen. Das Evangelium bietet nicht nur ein Ideal, sondern auch Vergebung und einen neuen Anfang. Gottes Gnade endet nicht dort, wo Menschen gefallen sind.

Dennoch bleibt der Grundgedanke aus 1. Mose bestehen: Sexualität ist im biblischen Verständnis Ausdruck einer verbindlichen Ganzhingabe zwischen Mann und Frau. Deshalb gehört sie in den Schutzrahmen des Ehebundes. Nicht weil Gott Freude verbieten möchte, sondern weil er die Tiefe und Kraft dieser Vereinigung kennt und sie bewahren will.

Neues Testament: klare Grenze

1. Korinther 6,18–20 – „18 Fliehet der Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außer seinem Leibe; wer aber hurt, der sündigt an seinem eigenen Leibe. 19 Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott, u…"

Im ersten Korintherbrief spricht Paulus sehr deutlich über Sexualität und verwendet dabei das Wort „porneia“, das im neutestamentlichen Zusammenhang als Sammelbegriff für sexuelle Beziehungen außerhalb des von Gott gesetzten Ehebundes verstanden wird. Dazu gehörten im damaligen Verständnis nicht nur Prostitution oder Ehebruch, sondern allgemein sexuelle Vereinigung außerhalb der Ehe.

Wichtig ist dabei, dass Paulus Sexualität nicht als bloße körperliche Handlung betrachtet. Gerade in diesem Abschnitt erklärt er, dass sexuelle Vereinigung den Menschen auf besondere Weise betrifft. Er greift den Gedanken aus der Schöpfung auf, dass Mann und Frau „ein Fleisch“ werden. Dadurch zeigt er, dass Sexualität tiefer verbindet als viele andere menschliche Handlungen.

Deshalb spricht Paulus davon, dass sexuelle Sünde in besonderer Weise den eigenen Leib betrifft. Er meint damit nicht, dass sexuelle Sünden unvergebbarer wären als andere Sünden, sondern dass Sexualität eine einzigartige Verbindung zwischen Menschen schafft. Körper, Gefühle, Vertrauen und Bindung greifen ineinander. Sexualität bleibt nicht äußerlich, sondern berührt den Menschen tief.

Gerade hierin liegt der neutestamentliche Grund, warum Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe als problematisch beschrieben wird. Die Bibel verbindet sexuelle Vereinigung mit dem verbindlichen Bund zwischen Mann und Frau. Wenn diese tiefe Einheit ohne diesen Schutzrahmen gelebt wird, entsteht eine Spannung zwischen körperlicher Hingabe und fehlender dauerhafter Bindung.

Dabei spricht Paulus hier nicht zuerst über normale Gefühle, Verliebtheit oder jede Form von Zärtlichkeit. Die Bibel erkennt an, dass Menschen Anziehung und Sehnsucht erleben. Das eigentliche Thema des Abschnitts ist sexuelle Vereinigung außerhalb des biblischen Eheverständnisses. Gerade darin zieht das Neue Testament eine klare Grenze.

Wichtig bleibt jedoch, diese Wahrheit mit der Botschaft des Evangeliums zusammenzuhalten. Paulus schreibt diese Worte an Menschen, die selbst aus schwierigen sexuellen Vergangenheiten kamen. Später erinnert er die Gemeinde sogar daran, dass einige von ihnen genau in solchen Dingen gelebt hatten – und dennoch gereinigt und verändert wurden. Das Evangelium besteht deshalb nicht nur aus moralischen Forderungen, sondern ebenso aus Vergebung und Erneuerung.

Gerade hier entsteht oft große Angst oder Scham bei Menschen. Manche fragen sich, ob sie nach sexuellem Versagen noch von Gott angenommen werden können. Die Bibel antwortet darauf klar mit Gnade. Sexuelle Sünde wird ernst genommen, aber sie steht nicht außerhalb von Gottes Vergebung. Wer ehrlich umkehrt und zu Christus kommt, findet Vergebung und einen neuen Anfang.

Dennoch bleibt der biblische Rahmen bestehen. Das Neue Testament beschreibt Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht als neutrale Nebensache, sondern als etwas, das außerhalb der von Gott gedachten Ordnung geschieht. Nicht weil Sexualität schlecht wäre, sondern gerade weil sie so tief und bedeutungsvoll ist.

Darum führt die Bibel weder zu Verachtung von Sexualität noch zu gedankenloser Freiheit. Sie zeigt Sexualität als kostbares Geschenk Gottes, das seinen eigentlichen Platz innerhalb eines verbindlichen Bundes zwischen Mann und Frau hat. Genau aus diesem Verständnis heraus spricht Paulus so ernst und zugleich so seelsorgerlich über dieses Thema.

bedeutet das automatisch Heilverlust

1. Johannes 1,9 – „9 So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend."

Gerade beim Thema Sexualität tragen viele Menschen tiefe Schuldgefühle, Angst oder innere Scham mit sich. Manche Christen haben den Eindruck, sie hätten durch Sex vor der Ehe etwas unwiederbringlich zerstört oder seien nun geistlich dauerhaft unrein. Andere fürchten sogar, Gott könne ihnen nicht mehr vergeben oder sie hätten ihr Heil verloren. Doch genau hier spricht die Bibel mit großer Klarheit über Gottes Gnade.

Johannes schreibt, dass Gott treu und gerecht ist, wenn wir unsere Sünden bekennen. Er vergibt nicht teilweise, sondern reinigt vollständig. Diese Verheißung gilt nicht nur für bestimmte „leichte“ Sünden, sondern für jede Schuld, die ehrlich vor Gott gebracht wird. Die Bibel kennt keinen Sonderstatus, nach dem sexuelle Sünde grundsätzlich unvergebbar wäre.

Das bedeutet nicht, dass Sexualität außerhalb des biblischen Rahmens harmlos wäre. Die Schrift spricht ernst darüber, weil Sexualität tief mit dem Menschen verbunden ist. Doch gerade dort, wo Menschen gefallen sind, zeigt das Evangelium seine Kraft. Christus starb nicht nur für respektable oder gesellschaftlich akzeptierte Sünden, sondern für reale Schuld aller Art.

Im Neuen Testament begegnet Jesus immer wieder Menschen mit sexueller Vergangenheit. Auffällig ist dabei, dass er weder Sünde verharmlost noch Menschen hoffnungslos zurücklässt. Er ruft zur Umkehr, aber gleichzeitig begegnet er mit Gnade, Vergebung und einem neuen Anfang. Genau darin liegt das Herz des Evangeliums.

Viele Menschen tragen jedoch jahrelang eine innere Last weiter, obwohl Gott längst vergeben hat. Sie leben ständig mit Selbstanklage und glauben, sie seien für immer beschädigt. Doch wenn Gott wirklich vergibt, dann vergibt er vollständig. Vergebung bedeutet nicht, dass die Vergangenheit nie existiert hätte, aber sie bedeutet, dass Schuld nicht länger zwischen Mensch und Gott stehen muss.

Wichtig ist dabei auch die Unterscheidung zwischen einem einzelnen Fall und einer bewussten dauerhaften Abkehr von Gott. Kein Christ lebt vollkommen fehlerfrei. Das Heil hängt nicht daran, niemals zu fallen, sondern daran, ob ein Mensch an Christus festhält oder sich bewusst von ihm löst. Die Bibel beschreibt nicht einzelne gefallene Handlungen als automatischen Heilverlust, sondern warnt vor einem verhärteten Leben, das Gottes Wahrheit dauerhaft ablehnt.

Gerade deshalb darf niemand denken: „Ich habe versagt, also gibt es für mich keine Hoffnung mehr.“ Solche Gedanken führen oft tiefer in Scham und Entfernung von Gott hinein. Das Evangelium ruft stattdessen dazu auf, ehrlich zu Gott zu kommen, Schuld zu bekennen und seine Vergebung anzunehmen.

Gleichzeitig bedeutet Gnade nicht Gleichgültigkeit gegenüber Sünde. Vergebung soll nicht dazu führen, dass Menschen bewusst gegen Gottes Wege leben und sich darauf verlassen, später einfach wieder Vergebung zu bekommen. Wahre Gnade verändert das Herz und weckt den Wunsch, Gottes Wege ernst zu nehmen.

Doch gerade für Menschen, die ehrlich kämpfen, gefallen sind oder ihre Vergangenheit bereuen, ist diese Wahrheit entscheidend: Sexuelle Sünde steht nicht außerhalb von Gottes Gnade. Christus kann reinigen, vergeben und erneuern. Niemand muss lebenslang unter Schuld leben, wenn Gott längst vergeben hat.

Darum bleibt die biblische Botschaft doppelt klar: Sexualität gehört nach Gottes Ordnung in die Ehe. Und gleichzeitig ist Gottes Vergebung größer als menschliches Versagen. Wer zu Christus kommt, findet nicht Verdammnis, sondern Gnade, Wahrheit und einen neuen Anfang.

Starke Anziehung vor der Ehe ist normal

1. Korinther 7,9 – „9 So sie aber sich nicht mögen enthalten, so laß sie freien; es ist besser freien denn Brunst leiden."

Paulus spricht im ersten Korintherbrief sehr realistisch über menschliche Sexualität. Er beschreibt sexuelles Verlangen nicht als etwas Unnatürliches oder moralisch Verdorbenes, sondern erkennt an, dass Menschen starke körperliche und emotionale Anziehung erleben können. Gerade verliebte Paare kennen dieses innere Ziehen oft sehr intensiv. Die Bibel tut nicht so, als gäbe es solche Gefühle nicht oder als wären geistliche Menschen völlig frei von sexueller Spannung.

Deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass Versuchung oder starkes Verlangen an sich noch keine Sünde darstellen. Gott hat den Menschen mit Sexualität geschaffen. Sehnsucht nach Nähe, Berührung und Vereinigung gehört zur menschlichen Natur. Paulus verurteilt nicht das „Brennen“ selbst, sondern spricht darüber, wie verantwortungsvoll damit umgegangen werden soll.

Gerade hierin unterscheidet sich die Bibel sowohl von strenger Körperfeindlichkeit als auch von grenzenloser Freizügigkeit. Manche Christen entwickeln fast den Eindruck, echte geistliche Reife bedeute völlige Bedürfnislosigkeit oder emotionale Kälte. Doch die Schrift zeichnet ein anderes Bild. Sie erkennt menschliche Leidenschaft und Anziehung offen an.

Gleichzeitig bleibt die Frage wichtig, wie mit diesen Gefühlen umgegangen wird. Die Bibel fordert nicht die Abschaffung menschlicher Sexualität, sondern Selbstbeherrschung, Weisheit und verantwortliche Liebe. Verlangen allein macht einen Menschen nicht unrein. Entscheidend wird, wohin dieses Verlangen führt und welche Entscheidungen daraus entstehen.

Viele Paare erleben deshalb einen echten inneren Kampf. Sie lieben einander, fühlen starke Nähe und möchten gleichzeitig Gottes Wege ernst nehmen. Das ist keine ungewöhnliche oder beschämende Situation, sondern menschliche Realität. Gerade solche Spannungen zeigen oft nicht geistliches Versagen, sondern dass Liebe, Körperlichkeit und Sehnsucht tief im Menschen verankert sind.

Paulus begegnet diesem Thema erstaunlich nüchtern. Er idealisiert den Menschen nicht, aber er verurteilt ihn auch nicht für seine natürliche Sexualität. Stattdessen lenkt er den Blick auf einen verantwortungsvollen Rahmen. Sexualität soll nicht von Bindung und Verantwortung getrennt werden, sondern ihren Platz innerhalb der Ehe finden.

Wichtig ist dabei auch, nicht unnötig mit Angst oder Scham zu arbeiten. Viele Christen kämpfen an diesem Punkt mit ständiger Selbstanklage, obwohl sie ehrlich versuchen, Gott zu folgen. Die Bibel verlangt keine emotionslose Beziehung, sondern einen bewussten und reifen Umgang mit starken Gefühlen und körperlicher Anziehung.

Gerade deshalb brauchen Paare oft Weisheit, Grenzen und Ehrlichkeit. Nicht weil körperliche Nähe böse wäre, sondern weil Sexualität eine starke Kraft besitzt. Die Bibel nimmt diese Kraft ernst und ruft dazu auf, verantwortungsvoll damit umzugehen, statt sie zu verdrängen oder gedankenlos auszuleben.

So entsteht ein ausgewogenes biblisches Bild: Starke Anziehung vor der Ehe ist normal und menschlich. Gott verurteilt nicht das Vorhandensein sexueller Sehnsucht. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, mit dieser Sehnsucht in einer Weise umzugehen, die Liebe, Verantwortung und Gottes Ordnung ernst nimmt.

Wo beginnt Sexualität biblisch

Hohelied 2,7 – „7 Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, bei den Rehen oder bei den Hinden auf dem Felde, daß ihr meine Freundin nicht aufweckt noch regt, bis es ihr selbst gefällt."

Die Bibel zieht an manchen Punkten sehr klare Linien und lässt an anderen bewusst Raum für Weisheit und Gewissensentscheidung. Beim Thema Sexualität spricht sie eindeutig über Geschlechtsverkehr als Ausdruck der ehelichen Vereinigung. Gleichzeitig gibt sie keine detaillierte Liste darüber, welche einzelnen Formen körperlicher Nähe vor der Ehe exakt erlaubt oder verboten sind. Es gibt keine „Zentimetergrenze“, die jeden Schritt präzise definiert.

Gerade deshalb ist das Hohelied wichtig, weil es nicht nur Regeln vermittelt, sondern ein Prinzip. Mehrfach erscheint dort die Warnung, die Liebe nicht zu wecken oder zu entfachen, bevor ihre Zeit gekommen ist. Dahinter steht die Erkenntnis, dass körperliche und emotionale Intimität eine starke Dynamik besitzt. Nähe bleibt selten statisch. Was mit Zärtlichkeit beginnt, kann schnell tiefer gehen, als ursprünglich beabsichtigt war.

Die Bibel betrachtet körperliche Nähe dabei nicht automatisch als sündhaft. Küssen, Zuneigung und Berührung werden nicht pauschal verurteilt. Gleichzeitig erkennt die Schrift sehr realistisch die Kraft sexueller Erregung und Bindung an. Deshalb liegt der Schwerpunkt weniger auf einer technischen Grenzliste und mehr auf der Frage, wohin eine Handlung führt und welche Absicht dahintersteht.

Gerade viele verliebte Paare erleben genau diese Spannung. Körperliche Nähe weckt Sehnsucht nach mehr. Das ist keine ungewöhnliche oder beschämende Realität, sondern Teil menschlicher Sexualität. Doch genau deshalb ruft die Bibel zu Weisheit und Selbstbeherrschung auf. Nicht jede Handlung ist gleichbedeutend mit vollendetem Geschlechtsverkehr, aber manche Formen von Intimität können bewusst starke sexuelle Erregung fördern und dadurch leicht in Bereiche führen, die eigentlich dem Ehebund vorbehalten sind.

Das Prinzip des Hohelieds lautet deshalb sinngemäß: Liebe und Sexualität sollen nicht künstlich entfacht werden, wenn die Zeit für ihre volle Vereinigung noch nicht gekommen ist. Die Bibel denkt hier weniger in juristischen Minimalgrenzen und mehr in verantwortungsvoller Herzenshaltung.

Wichtig ist dabei, nicht in zwei Extreme zu fallen. Einerseits kann übertriebene Gesetzlichkeit jede Form von Nähe mit Angst und Scham belasten. Andererseits führt völlige Grenzenlosigkeit oft dazu, dass Paare schrittweise immer tiefer in sexuelle Intimität hineingehen, obwohl die eigentliche Bindung der Ehe noch fehlt. Die Bibel sucht einen Weg der Reinheit ohne Körperfeindlichkeit.

Gerade deshalb müssen Paare ehrlich mit sich selbst umgehen. Was für manche harmlos erscheint, kann für andere schnell starke sexuelle Dynamik entwickeln. Die Frage lautet deshalb nicht nur: „Ist diese einzelne Handlung technisch erlaubt?“, sondern auch: „Führt uns das näher zu Gottes Ordnung oder bewusst in Versuchung hinein?“

Die Schrift gibt also weniger eine exakte Detailkarte als vielmehr ein geistliches Prinzip: Sexualität besitzt große Kraft und sollte nicht leichtfertig entfacht werden. Körperliche Nähe darf nicht losgelöst von Verantwortung betrachtet werden. Liebe soll nicht künstlich angeheizt werden, wenn die volle Vereinigung noch nicht in dem Rahmen geschieht, den Gott vorgesehen hat.

Dabei bleibt wichtig, dass Christen auch hier nicht aus Angst leben sollen, sondern aus Weisheit, Liebe und ehrlichem Wunsch, Gott zu ehren. Die Bibel lädt nicht zu kalter Distanz ein, sondern zu einem verantwortungsvollen Umgang mit einer Gabe, die tief und wertvoll ist.

„Wir heiraten ja sowieso“

Hebräer 13,4 – „4 Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; die Hurer aber und die Ehebrecher wird Gott richten."

Das Argument „Wir heiraten ja sowieso“ begegnet sehr häufig, besonders bei Paaren, die sich ehrlich lieben und sich bereits innerlich füreinander entschieden fühlen. Aus menschlicher Sicht wirkt das oft nachvollziehbar. Wenn zwei Menschen ohnehin eine gemeinsame Zukunft planen, erscheint der Unterschied zwischen vor und nach der Hochzeit manchmal nur noch wie eine formale Grenze. Doch die Bibel betrachtet Ehe nicht lediglich als zukünftige Absicht, sondern als tatsächlichen Bund.

Der Hebräerbrief spricht deshalb klar von der Ehe als bestehender Wirklichkeit. Die Schrift unterscheidet nicht zwischen „fast verheiratet“ und verheiratet, sondern zwischen Bund und Nicht-Bund. Im biblischen Verständnis entsteht die Ehe nicht allein durch Gefühle, starke Liebe oder Zukunftspläne, sondern durch eine verbindliche Hingabe und öffentliche Verantwortung füreinander.

Gerade darin liegt ein wichtiger Schutzgedanke. Viele Paare sind ehrlich überzeugt, für immer zusammenzubleiben. Und oft meinen sie das auch aufrichtig. Doch menschliche Gefühle und Zukunftspläne bleiben dennoch verletzlich. Beziehungen können sich verändern, Konflikte entstehen, Lebenswege auseinandergehen oder Entscheidungen zerbrechen. Die Bibel kennt die Zerbrechlichkeit des Menschen sehr realistisch.

Deshalb verbindet sie Sexualität nicht mit bloßer Absicht, sondern mit einem verbindlichen Bund. Sex schafft nach biblischem Verständnis tiefe Bindung – körperlich, emotional und oft auch geistlich. Wenn diese starke Verbindung vor einer tatsächlichen verbindlichen Entscheidung gelebt wird, entsteht eine Nähe, die den Menschen tief betrifft, obwohl die endgültige Sicherheit des Bundes noch fehlt.

Gerade viele Menschen erleben später genau diese Spannung. Sie haben sich körperlich völlig geöffnet, doch die Beziehung zerbricht dennoch. Zurück bleiben oft tiefe Verletzungen, Bindungsschmerz oder Schuldgefühle. Die biblische Grenze soll deshalb nicht Liebe verhindern, sondern etwas Wertvolles schützen.

Wichtig ist dabei auch, die Ehe nicht auf eine bloße Zeremonie zu reduzieren. Die Bibel versteht Ehe als echte Bundesbeziehung – eine bewusste, verbindliche Hingabe von Leben und Verantwortung. Gerade dieser feste Rahmen soll der tiefen Einheit der Sexualität Sicherheit geben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Gott Paare ablehnt, die gefallen sind oder diese Grenze überschritten haben. Viele Christen tragen an diesem Punkt schwere Lasten oder bereuen Entscheidungen ihrer Vergangenheit. Auch hier bleibt das Evangelium voller Gnade. Gottes Vergebung ist größer als menschliches Versagen. Doch seine Gnade hebt nicht die Weisheit seiner Ordnung auf.

Gerade deshalb bleibt die biblische Linie klar: Eine geplante Zukunft ist noch nicht dasselbe wie ein geschlossener Bund. Liebe, Verlobung oder ehrliche Absicht ersetzen im biblischen Verständnis nicht die tatsächliche Ehe. Die Grenze dient nicht dazu, Menschen unnötig zu belasten, sondern um eine tiefe Gabe Gottes innerhalb eines sicheren und verbindlichen Rahmens zu bewahren.

Die Bibel zeigt Sexualität deshalb nicht als beiläufige Handlung, sondern als Ausdruck vollständiger Hingabe. Genau aus diesem Grund verbindet sie diese Einheit mit der Wirklichkeit der Ehe – nicht nur mit der Hoffnung darauf.