Jesus, der Sohn Gottes
Jesus, der Sohn Gottes – Weg zum Vater und Leben
Jesus ist nach dem Zeugnis der Bibel der einzigartige, ewige Sohn Gottes: vom Vater unterschieden und doch wahrhaft göttlich. Er wurde Mensch, um den Vater zu offenbaren, die Sünde zu tragen und dem Menschen den Weg zu Gott zu öffnen. Wer an den Sohn glaubt, empfängt durch ihn Vergebung, Gemeinschaft mit Gott und ewiges Leben.
Einführung
Die Bezeichnung „Sohn Gottes“ gehört zu den zentralen Aussagen des Neuen Testaments und verlangt zugleich sorgfältiges Lesen. Im menschlichen Sprachgebrauch kann „Sohn“ den Gedanken hervorrufen, jemand sei später entstanden als sein Vater. Die biblischen Texte verwenden diese Bezeichnung für Jesus jedoch in einem einzigartigen Zusammenhang. Sie sprechen sowohl von seiner wirklichen Menschwerdung und seiner Beziehung zum Vater als auch von einer Herrlichkeit und Existenz, die seiner Geburt in Bethlehem vorausgehen.
Dabei begegnet Jesus in der Schrift nicht als der Vater selbst. Er spricht zum Vater, wird vom Vater gesandt und handelt in Gemeinschaft mit ihm. Ebenso wenig wird er lediglich als besonders bevollmächtigter Mensch dargestellt. Gerade das Johannesevangelium und der Hebräerbrief führen den Leser weit über eine solche Erklärung hinaus. Deshalb müssen Unterscheidung und Einheit zusammengehalten werden, ohne die eine Wahrheit gegen die andere auszuspielen.
Auch die Bedeutung seiner Sohnschaft erschließt sich nicht allein aus einem einzelnen Titel. Sie wird sichtbar in dem, was Jesus über sich sagt, in den Werken und Ehren, die ihm zugeschrieben werden, in seiner Beziehung zum Vater und schließlich in seinem Auftrag zur Erlösung. Die Frage nach dem Sohn Gottes führt damit unmittelbar zur Frage, wer Jesus wirklich ist und warum die Beziehung zu ihm für den Menschen von entscheidender Bedeutung ist.
Die Schrift entfaltet diese Wahrheit Schritt für Schritt. Sie führt von der ewigen Existenz des Sohnes in seine Menschwerdung hinein und zeigt, wie in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung Gottes Wesen und Gottes Rettungswille sichtbar werden. Gerade dort, wo diese Aussagen in ihrem Zusammenhang gelesen werden, gewinnt der Titel „Sohn Gottes“ seine ganze Tiefe.
Der Sohn war vor aller Schöpfung
Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
Johannes 1,14 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Kolosser 1,15-17 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. 16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht in ihm."
Wer verstehen will, was die Bibel mit Jesus als dem Sohn Gottes meint, darf nicht erst bei seiner Geburt in Bethlehem beginnen. Johannes führt den Blick bewusst weiter zurück. Sein Evangelium beginnt mit denselben Worten, mit denen auch der Schöpfungsbericht eröffnet wird: „Im Anfang“. Doch während 1. Mose beschreibt, wie Himmel und Erde ihren Anfang nehmen, spricht Johannes von dem Wort, das zu diesem Zeitpunkt bereits war. Bevor etwas Geschaffenes entstand, existierte Christus schon.
Johannes trifft dabei zwei Aussagen, die zusammengehalten werden müssen. Das Wort war „bei Gott“, und das Wort „war Gott“. Die erste Aussage unterscheidet den Sohn vom Vater; die zweite verhindert, dass der Sohn lediglich als geschaffenes oder niedrigeres Wesen verstanden wird. Johannes beschreibt keine einzelne Person, die nur unterschiedliche Rollen spielt. Zwischen Vater und Sohn besteht wirkliche Beziehung, und zugleich wird dem Wort göttliche Wirklichkeit zugesprochen.
Der folgende Satz macht diese Aussage noch deutlicher. Alles, was geschaffen wurde, entstand durch das Wort, und Johannes fügt ausdrücklich hinzu, dass ohne dasselbe nichts von dem Gewordenen entstanden ist. Damit stellt er Christus nicht auf die Seite der geschaffenen Dinge. Wenn alles, was geworden ist, durch ihn geworden ist, kann er selbst nicht zu dieser Gesamtheit des Geschaffenen gehören. Seine Existenz beginnt nicht innerhalb der Schöpfung; er steht auf der Seite dessen, durch den die Schöpfung ins Dasein kam.
Paulus beschreibt denselben Zusammenhang in Kolosser 1. Christus ist dort nicht nur mit der Schöpfung verbunden, sondern alles im Himmel und auf Erden ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen. Sichtbare und unsichtbare Wirklichkeiten werden ausdrücklich eingeschlossen. Anschließend sagt Paulus, dass Christus „vor allem“ ist und alles durch ihn besteht. Der Sohn erscheint deshalb nicht als ein Geschöpf unter anderen, selbst nicht als das höchste Geschöpf, sondern als derjenige, von dem die gesamte geschaffene Ordnung abhängig ist.
Die Bezeichnung Christi als „Erstgeborener aller Schöpfung“ im selben Abschnitt darf diesem Zusammenhang nicht widersprechend ausgelegt werden. Im biblischen Sprachgebrauch kann „Erstgeborener“ eine Stellung des Vorrangs und der Erbschaft bezeichnen. Der unmittelbar folgende Text erklärt selbst, in welchem Sinn Christus diesen Vorrang besitzt: Alles wurde durch ihn geschaffen, er ist vor allem, und alles besteht in ihm. Paulus begründet seine Vorrangstellung also gerade mit seiner Beziehung zur gesamten Schöpfung, nicht damit, dass Christus ihr erstes geschaffenes Mitglied wäre.
Erst nachdem Johannes die ewige Wirklichkeit des Wortes beschrieben hat, sagt er: Das Wort wurde Fleisch. Darin liegt die eigentliche Bewegung der Menschwerdung. Jesus beginnt nicht in Bethlehem zu existieren, sondern der bereits existierende Sohn tritt in die menschliche Geschichte ein. Er wird wirklich Mensch, ohne dass Johannes damit zurücknimmt, was er zuvor über ihn gesagt hat. Derselbe, durch den alles entstand, lebt nun innerhalb der Welt, die durch ihn geschaffen wurde.
Diese Wahrheit gibt auch dem Titel „Sohn Gottes“ seine notwendige Tiefe. Jesus ist nicht erst dadurch Sohn geworden, dass Gott ihn irgendwann zu einer besonderen Aufgabe berief. Das Neue Testament spricht von einer Beziehung zum Vater, die seiner irdischen Geburt vorausgeht. Wenn der Vater den Sohn in die Welt sendet, wird einer gesandt, der zuvor bei ihm war. Die Sendung setzt diese bestehende Beziehung voraus.
Damit beginnt die biblische Erkenntnis Jesu nicht bei seiner außergewöhnlichen Menschlichkeit, sondern bei seiner Identität vor der Menschwerdung. Derjenige, der später spricht, heilt, leidet und stirbt, ist derselbe, durch den die Welt geschaffen wurde. Gerade diese Herkunft macht verständlich, weshalb sein Kommen weit mehr ist als das Auftreten eines neuen Propheten: Im Sohn tritt der Ewige selbst in die menschliche Geschichte ein.
Der ewige Sohn wird wahrer Mensch
Lukas 1,31-35 – „31 Und siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 33 und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein. 34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich keinen Mann ken…"
Lukas 1,31-35 – „31 Und siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären; und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 33 und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein. 34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich keinen Mann ken…"
Galater 4,4-5 – „4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn, von einem Weibe geboren und unter das Gesetz getan, 5 damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, auf daß wir das Sohnesrecht empfingen."
Philipper 2,5-8 – „5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, 6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuz…"
Die ewige Existenz des Sohnes führt unmittelbar zu der Frage, wie dieser in die menschliche Geschichte eintritt. Lukas beschreibt die Geburt Jesu nicht als den Beginn eines gewöhnlichen Menschen, der später eine besondere göttliche Berufung empfängt. Noch vor seiner Geburt kündigt der Engel Gabriel Maria an, dass ihr Sohn Jesus heißen, groß sein und „Sohn des Höchsten“ genannt werden wird. Seine Menschwerdung steht von Anfang an unter einem einzigartigen göttlichen Handeln.
Als Maria fragt, wie sie ohne eheliche Gemeinschaft ein Kind empfangen könne, verweist Gabriel auf das Wirken des Heiligen Geistes und die Kraft des Höchsten. Deshalb werde das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Der Text beschreibt damit ausdrücklich die übernatürliche Empfängnis Jesu. Seine Geburt geschieht nicht durch einen menschlichen Vater, sondern durch Gottes unmittelbares Wirken. Zugleich bleibt die Schwangerschaft Marias wirklich: Der Sohn Gottes tritt nicht nur äußerlich in menschlicher Gestalt auf, sondern wird tatsächlich als Mensch geboren.
Diese Aussage muss mit der bereits erkannten ewigen Existenz Christi zusammengehalten werden. Lukas erklärt nicht, dass der Sohn erst durch die Empfängnis zu existieren begann. Johannes hatte gezeigt, dass das Wort bereits vor der Schöpfung bei Gott war. Was in Maria beginnt, ist daher nicht die Existenz des Sohnes überhaupt, sondern sein menschliches Leben. Der Ewige wird Teil der Menschheitsgeschichte, ohne aufzuhören, derjenige zu sein, der zuvor beim Vater war.
Paulus beschreibt denselben Schritt in Galater 4 mit bemerkenswerter Schlichtheit. Als die von Gott bestimmte Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, „geboren von einem Weibe“. Die Reihenfolge ist bedeutsam: Gott sendet seinen Sohn, und dieser wird als Mensch geboren. Die Sendung setzt den Sohn voraus; die Geburt führt ihn in die Bedingungen des menschlichen Lebens hinein. Zugleich nennt Paulus unmittelbar das Ziel: Christus kommt, um Menschen zu erlösen und ihnen die Annahme als Kinder Gottes zu ermöglichen.
Damit begegnen in Jesus zwei Wahrheiten, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Er ist wirklich der Sohn, der vom Vater kommt, und er wird wirklich Mensch. Seine Menschlichkeit ist keine Verkleidung und keine vorübergehende Erscheinung. Er wird geboren, wächst heran, kennt Hunger, Müdigkeit, Schmerz und Versuchung. Gerade weil er unser Menschsein wirklich annimmt, kann das Neue Testament später davon sprechen, dass er die Menschen vertritt, für sie leidet und für ihre Sünde stirbt.
Philipper 2 beschreibt diese Erniedrigung aus der Perspektive seiner vorherigen Herrlichkeit. Christus war in Gottes Gestalt, hielt jedoch nicht selbstsüchtig an seiner Stellung fest, sondern erniedrigte sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Paulus will damit keine spekulative Erklärung geben, wie göttliches und menschliches Wesen technisch miteinander verbunden sind. Sein Schwerpunkt liegt auf der freiwilligen Erniedrigung Christi: Derjenige, der in höchster Herrlichkeit stand, wählte den Weg des Dienens bis zum Tod.
Gerade darin wird sichtbar, dass die Menschwerdung bereits Teil des Erlösungswerkes ist. Der Sohn rettet den Menschen nicht aus sicherer Entfernung. Er tritt in dieselbe menschliche Wirklichkeit ein, die durch Schwachheit, Leid und Tod geprägt ist. Dabei übernimmt er nicht die Sünde des Menschen als eigene sündige Haltung, sondern kommt als der Heilige und lebt in vollkommenem Gehorsam gegenüber dem Vater. Seine Nähe zum Sünder besteht deshalb nicht darin, selbst Sünder zu werden, sondern darin, dessen Lage wirklich zu teilen und dennoch ohne Sünde zu bleiben.
Die Geburt Jesu offenbart damit eine Bewegung, die den gesamten weiteren Weg seines Lebens prägt: vom Vater in die Welt, von Herrlichkeit in Niedrigkeit und von göttlicher Hoheit in freiwilligen Dienst. Der Sohn Gottes wird wahrer Mensch, um Menschen dort zu begegnen, wo sie sind, und sie zu Gott zurückzuführen. Erst vor diesem Hintergrund lässt sich in seiner ganzen Tragweite verstehen, weshalb Jesus während seines irdischen Lebens zugleich als Mensch vor dem Vater steht und dennoch eine Autorität und Ehre beansprucht, die weit über die Stellung eines Propheten hinausgeht.
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Mehr als ein Prophet: der Sohn des lebendigen Gottes
Matthäus 16,13-17 – „13 Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Leute den Menschensohn? 14 Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten. 15 Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, d…"
Matthäus 16,13-17 – „13 Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Leute den Menschensohn? 14 Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten. 15 Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, d…"
Matthäus 3,16-17 – „16 Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen. 17 Und siehe, eine Stimme [kam] vom Himmel, die sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!"
Johannes 20,30-31 – „30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die in diesem Buche nicht geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubet, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und daß ihr durch den Glauben Leben habet in seinem Namen"
Während seines öffentlichen Wirkens begegnet Jesus sehr unterschiedlichen Einschätzungen seiner Person. Die Menschen erkennen seine außergewöhnliche Autorität, hören seine Lehre und sehen seine Zeichen, gelangen aber nicht automatisch zu derselben Antwort auf die Frage, wer er wirklich ist. Gerade diese Spannung tritt in Matthäus 16 deutlich hervor. Jesus fragt seine Jünger zunächst, für wen die Menschen den Sohn des Menschen halten. Die Antworten sind anerkennend: Johannes der Täufer, Elia, Jeremia oder einer der Propheten. Doch keine dieser Einordnungen reicht aus.
Dann richtet Jesus dieselbe Frage unmittelbar an seine Jünger. Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Die beiden Aussagen gehören zusammen. „Christus“ bezeichnet Jesus als den von Gott verheißenen Messias; „Sohn des lebendigen Gottes“ führt darüber hinaus in seine einzigartige Beziehung zum Vater. Petrus erkennt in Jesus deshalb nicht lediglich einen besonders bedeutenden Gottesboten, sondern denjenigen, in dem Gottes Verheißungen ihren Mittelpunkt finden.
Jesus weist dieses Bekenntnis nicht zurück und korrigiert Petrus auch nicht wegen einer übertriebenen Vorstellung seiner Person. Stattdessen erklärt er, dass diese Erkenntnis nicht aus menschlicher Herkunft stammt, sondern vom Vater im Himmel offenbart wurde. Damit erhält die Aussage ein besonderes Gewicht. Jesu Sohnschaft ist nach diesem Text nicht eine ehrenvolle Bezeichnung, die seine Anhänger ihm aus Bewunderung gegeben hätten. Der Vater selbst führt zu dieser Erkenntnis.
Bereits am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu begegnet dieselbe Bestätigung. Bei seiner Taufe kommt der Heilige Geist auf ihn herab, und die Stimme aus dem Himmel bezeichnet ihn als den geliebten Sohn. Diese Szene ist zugleich wichtig, weil Vater, Sohn und Heiliger Geist nicht miteinander vermischt werden. Jesus steht im Wasser, der Geist kommt auf ihn herab, und der Vater spricht aus dem Himmel. Die Sohnschaft Jesu beschreibt daher eine wirkliche Beziehung zum Vater und nicht lediglich zwei verschiedene Namen für dieselbe Person.
Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Bibel den Ausdruck „Sohn Gottes“ nicht ausschließlich für Jesus verwendet. An anderen Stellen können Engel, Israel oder Menschen in besonderer Beziehung zu Gott mit Sohnschaftssprache bezeichnet werden. Deshalb kann die volle Bedeutung des Titels für Jesus nicht allein aus dem Wort „Sohn“ abgeleitet werden. Entscheidend ist, was die neutestamentlichen Texte gerade über diesen Sohn aussagen: Er existiert vor der Schöpfung, alles wurde durch ihn geschaffen, er kommt vom Vater und erhält eine Stellung, die keinem gewöhnlichen Menschen zukommt.
Das Johannesevangelium macht diese besondere Bedeutung zu einem ausdrücklichen Ziel seines ganzen Berichts. Johannes erklärt am Ende, dass die ausgewählten Zeichen Jesu niedergeschrieben wurden, damit die Leser glauben, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist. Die Sohnschaft steht dort unmittelbar mit dem Glauben und mit dem Empfang des Lebens in seinem Namen in Verbindung. Die Frage nach Jesu Identität bleibt daher nicht bei einer theologischen Bezeichnung stehen. Johannes versteht sie als eine Wahrheit, an der sich die Beziehung des Menschen zu Christus entscheidet.
Gerade deshalb genügt es nach dem Neuen Testament nicht, Jesus lediglich als moralischen Lehrer, großen Propheten oder außergewöhnlichen religiösen Menschen anzuerkennen. Solche Bezeichnungen können Wahres über einzelne Seiten seines Wirkens ausdrücken und dennoch an seiner eigentlichen Identität vorbeigehen. Die Menschen bei Cäsarea Philippi hielten Jesus ebenfalls für einen bedeutenden Propheten, doch Jesus führte seine Jünger darüber hinaus. Entscheidend ist die Erkenntnis des Sohnes, den der Vater gesandt hat.
Mit diesem Bekenntnis öffnet sich zugleich eine tiefere Frage. Wenn Jesus der Sohn Gottes in diesem einzigartigen Sinn ist, wie verhält er sich zum Vater? Das Neue Testament beantwortet sie weder durch eine Auflösung der Unterscheidung noch durch eine Trennung ihres Wirkens. Gerade in den Worten Jesu wird eine Einheit sichtbar, in der der Sohn tut, was der Vater tut, Leben schenkt und eine Ehre empfängt, die den Blick noch tiefer in seine göttliche Würde führt.
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Der Sohn handelt in vollkommener Einheit mit dem Vater
Johannes 5,19-23 – „19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. 20 Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, so daß ihr euch verwundern werdet. 21 Denn wie der Va…"
Johannes 5,19-23 – „19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. 20 Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, so daß ihr euch verwundern werdet. 21 Denn wie der Va…"
Johannes 10,27-30 – „27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. 28 Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins."
Hebräer 1,3 – „3 welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat"
Die Sohnschaft Jesu bedeutet keine Trennung von Gott, als würde der Sohn unabhängig neben dem Vater handeln. Gerade im Johannesevangelium beschreibt Jesus seine Beziehung zum Vater als eine einzigartige Einheit des Wirkens. In Johannes 5 antwortet er auf den Vorwurf, er stelle sich Gott gleich. Statt diese Schlussfolgerung einfach zurückzuweisen, erklärt er, wie sein Handeln mit dem Handeln des Vaters verbunden ist. Der Sohn tut nicht etwas Eigenmächtiges gegen den Vater, sondern handelt vollkommen in Übereinstimmung mit ihm.
Die Aussage, der Sohn könne „nichts von sich selbst tun“, beschreibt dabei keine mangelnde Kraft oder eine niedrigere göttliche Stellung. Der Zusammenhang erklärt vielmehr, dass zwischen Vater und Sohn kein unabhängiger oder gegensätzlicher Wille besteht. Jesus fügt hinzu, dass alles, was der Vater tut, ebenso auch der Sohn tut. Eine solche Aussage geht weit über den Gehorsam eines Propheten hinaus. Propheten führen bestimmte Aufträge Gottes aus; Jesus beschreibt sein Wirken dagegen in einer umfassenden Entsprechung zum Wirken des Vaters.
Besonders deutlich wird dies am Thema des Lebens. Jesus erklärt, dass der Vater Tote auferweckt und lebendig macht und dass ebenso der Sohn lebendig macht, wen er will. Leben zu geben gehört in der Schrift zu Gottes eigener schöpferischer Macht. Wenn Jesus diese Vollmacht für sich beansprucht, beschreibt er sich nicht lediglich als Werkzeug, durch das Gott gelegentlich handelt. Der Vater hat dem Sohn eine Stellung gegeben, in der dessen Wirken Gottes eigenes rettendes und lebensschaffendes Handeln sichtbar macht.
Dasselbe gilt für das Gericht. Johannes 5 erklärt, dass der Vater das Gericht dem Sohn übergeben hat, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“. Gerade dieser Satz besitzt besonderes Gewicht. Jesus fordert nicht nur Achtung als Gesandter Gottes. Die Ehre, die dem Sohn zukommt, wird ausdrücklich mit der Ehre verbunden, die dem Vater zukommt. Wer den Sohn nicht ehrt, entehrt nach Jesu Worten zugleich den Vater, der ihn gesandt hat.
Diese Einheit bedeutet dennoch nicht, dass Vater und Sohn dieselbe Person wären. Der Vater sendet, der Sohn wird gesandt; der Vater liebt den Sohn, und der Sohn spricht zum Vater. Auch Johannes 10 hält diese Unterscheidung fest. Jesus spricht zunächst von den Menschen, die sich in seiner Hand befinden, und unmittelbar danach von der Hand seines Vaters. Beide werden unterschieden, und dennoch mündet seine Aussage in die Worte: „Ich und der Vater sind eins.“
Der unmittelbare Zusammenhang von Johannes 10 betrifft besonders die unüberwindliche Sicherheit derer, die zu Christus gehören. Niemand kann sie aus Jesu Hand reißen, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen. Die Einheit von Vater und Sohn zeigt sich hier in ihrem gemeinsamen Bewahren und in einer Macht, gegen die keine äußere Gewalt bestehen kann. Der Vers allein sollte deshalb nicht von seinem Zusammenhang gelöst und als vollständige Erklärung des göttlichen Wesens behandelt werden. Zusammen mit den übrigen Aussagen des Johannesevangeliums trägt er jedoch das Bild einer einzigartigen Einheit, die weit über bloße Übereinstimmung zweier menschlicher Mitarbeiter hinausgeht.
Der Hebräerbrief beschreibt diese Beziehung noch einmal aus einer anderen Perspektive. Der Sohn ist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das genaue Abbild seines Wesens. Er offenbart den Vater deshalb nicht nur dadurch, dass er richtige Aussagen über ihn macht. In der Person des Sohnes begegnet dem Menschen eine vollkommene Darstellung dessen, wie Gott ist. Seine Reinheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe sind nicht eine entfernte Nachahmung Gottes, sondern Ausdruck seiner einzigartigen Beziehung zum Vater.
So bewahrt die Schrift zwei Wahrheiten zugleich: Der Sohn ist vom Vater unterscheidbar, und doch kann er nicht auf die Stellung eines bloßen Geschöpfes oder Propheten reduziert werden. Er tut, was der Vater tut, schenkt Leben, trägt göttliche Gerichtsvollmacht und soll geehrt werden wie der Vater. Gerade deshalb wird die Erkenntnis Jesu zur Erkenntnis Gottes selbst. Wer verstehen will, wie der Vater ist, muss auf den Sohn schauen, denn in ihm hat Gott sich den Menschen auf einzigartige Weise sichtbar gemacht.
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Im Sohn wird der Vater sichtbar
Johannes 14,7-11 – „7 Hättet ihr mich erkannt, so würdet ihr auch meinen Vater kennen; und von nun an kennet ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns! 9 Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nich…"
Johannes 14,7-11 – „7 Hättet ihr mich erkannt, so würdet ihr auch meinen Vater kennen; und von nun an kennet ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns! 9 Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nich…"
Johannes 1,18 – „18 Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoße des Vaters ist, der hat uns Aufschluß über ihn gegeben."
Kolosser 1,15 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur."
Die einzigartige Einheit zwischen Vater und Sohn erklärt, weshalb Jesus mehr tun kann, als lediglich von Gott zu erzählen. Er offenbart den Vater. Diese Wahrheit tritt besonders deutlich in dem Gespräch hervor, das Jesus kurz vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern führt. Nachdem er erklärt hat, dass niemand zum Vater kommt außer durch ihn, sagt er, dass die Erkenntnis seiner Person zugleich zur Erkenntnis des Vaters führt. Damit verbindet Jesus den Zugang zu Gott unmittelbar mit der Frage, wer er selbst ist.
Philippus reagiert mit einer Bitte, die zunächst verständlich erscheint: Er möchte den Vater sehen. Jesus antwortet jedoch mit Verwunderung darüber, dass Philippus ihn nach der langen gemeinsamen Zeit noch nicht vollständig erkannt hat. Dann spricht er die weitreichenden Worte: Wer ihn gesehen hat, hat den Vater gesehen. Jesus behauptet damit nicht, selbst dieselbe Person wie der Vater zu sein, denn im selben Gespräch unterscheidet er beständig zwischen sich und dem Vater. Seine Aussage betrifft vielmehr die Vollkommenheit der Offenbarung: Im Sohn wird der unsichtbare Gott so zuverlässig erkannt, dass niemand hinter Jesus noch nach einer wahreren Darstellung des Vaters suchen muss.
Diese Offenbarung betrifft nicht allein das äußere Erscheinungsbild Jesu. Der Vater besitzt nicht einfach menschliche Gesichtszüge, die in Christus körperlich kopiert würden. Jesu weitere Erklärung richtet den Blick vielmehr auf seine Worte und Werke. Er ist im Vater und der Vater in ihm; was Jesus sagt und tut, steht in einer solchen Einheit mit dem Vater, dass darin Gottes eigenes Wesen und Handeln sichtbar werden. Die Jünger sollen deshalb auf das schauen, was ihnen während des Lebens Jesu bereits begegnet ist.
Johannes hatte diesen Gedanken schon am Beginn seines Evangeliums vorbereitet. Niemand hat Gott in seiner ganzen unsichtbaren Wirklichkeit gesehen; der einzigartige Sohn hat ihn kundgemacht. Der Sohn kommt aus einer Beziehung zum Vater, die keinem gewöhnlichen Zeugen zugänglich ist. Er berichtet nicht über Gott aufgrund einer begrenzten menschlichen Erkenntnis, sondern offenbart denjenigen, bei dem er selbst war. Deshalb besitzt seine Offenbarung eine Endgültigkeit, die über die Botschaft früherer Propheten hinausgeht.
Auch Kolosser 1 bezeichnet Christus als das Bild des unsichtbaren Gottes. Im biblischen Zusammenhang bedeutet dies weit mehr als eine äußerliche Ähnlichkeit. Der unsichtbare Gott wird im Sohn erkennbar. Wer Jesu Umgang mit Sündern, seine Barmherzigkeit gegenüber Leidenden, seine kompromisslose Wahrheit, seine Reinheit und seinen Gehorsam betrachtet, begegnet nicht Eigenschaften, die im Gegensatz zum Vater stehen. Der Sohn macht sichtbar, wie Gott selbst dem Menschen begegnet.
Gerade hier korrigiert Jesus eine Vorstellung, die den Vater und den Sohn innerlich gegeneinander stellen könnte. Der Vater ist nicht der harte oder ferne Gott, vor dem der liebevolle Jesus den Menschen schützen müsste. Die Liebe, die in Christus sichtbar wird, hat ihren Ursprung beim Vater, der den Sohn gesandt hat. Jesu Barmherzigkeit offenbart deshalb nicht einen anderen Charakter als den des Vaters, sondern gerade dessen Herz. Der Erlösungsplan entsteht aus derselben göttlichen Liebe, die der Sohn in seinem Leben sichtbar macht.
Das gilt ebenso für die Wahrheit und Heiligkeit Jesu. Gottes Liebe bedeutet in ihm niemals Gleichgültigkeit gegenüber Sünde. Jesus vergibt, ruft aber zugleich zur Umkehr; er nimmt Menschen an und führt sie aus einem Leben heraus, das sie von Gott trennt. Auch hierin offenbart er den Vater vollständig. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, Gnade und Wahrheit stehen im Wesen Gottes nicht gegeneinander und werden deshalb auch im Sohn nicht voneinander getrennt.
Damit bekommt die Erkenntnis des Sohnes eine tiefere Bedeutung. Jesus ist nicht nur derjenige, der den Menschen Informationen über Gott vermittelt. In ihm begegnet der Mensch der vollkommenen Offenbarung des Vaters. Wer wissen möchte, wie Gott mit Schuldigen umgeht, wie er über Sünde denkt, wie weit seine Liebe reicht und was er für die Rettung des Menschen zu geben bereit ist, wird auf Christus verwiesen. Doch die vollständigste Offenbarung dieser Liebe erscheint nicht nur in Jesu Worten und Taten während seines Lebens. Sie erreicht ihren Höhepunkt dort, wo der Vater seinen Sohn für die verlorene Welt hingibt und der Sohn freiwillig den Weg ans Kreuz geht.
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Der Vater sendet den Sohn zur Rettung der Welt
1. Johannes 4,9-10 – „9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß Er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsre Sünden."
1. Johannes 4,9-10 – „9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß Er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsre Sünden."
Johannes 3,16-17 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde."
Römer 5,8-10 – „8 Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Wieviel mehr werden wir nun, nachdem wir durch sein Blut gerechtfertigt worden sind, durch ihn vor dem Zorngericht errettet werden! 10 Denn, wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, wieviel mehr werden wir als Versöhnte gerettet w…"
Die Offenbarung des Vaters im Sohn erreicht ihren tiefsten Ausdruck nicht allein in Jesu Worten oder Wundern, sondern in seiner Sendung zur Erlösung. Johannes beschreibt Gottes Liebe deshalb nicht zuerst als Gefühl, sondern als Handlung. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit Menschen durch ihn leben. Der Ursprung der Rettung liegt damit nicht beim Menschen, der sich mühsam zu Gott hocharbeitet, sondern bei Gott selbst, der sich dem verlorenen Menschen zuwendet.
1. Johannes 4 betont diese Richtung ausdrücklich. Nicht menschliche Liebe zu Gott steht am Anfang, sondern Gottes Liebe zum Menschen. Er sendet seinen Sohn als Sühnopfer für die Sünden. Damit verbindet Johannes die Sohnschaft Jesu unmittelbar mit dem Problem, das zwischen Gott und Mensch steht. Christus kommt nicht nur, um Gottes Liebe sichtbar zu machen, sondern um die Schuld zu tragen, die Gemeinschaft mit Gott zerstört hat.
Die Bezeichnung „Sühnopfer“ verhindert dabei, das Kreuz lediglich als bewegendes Beispiel selbstloser Liebe zu verstehen. Die Liebe Gottes zeigt sich gerade darin, dass er mit der Wirklichkeit der Sünde umgeht. Schuld wird nicht dadurch beseitigt, dass Gott sie für unwichtig erklärt. Der Sohn gibt sich für Sünder hin und schafft damit die Grundlage dafür, dass Vergebung wirklich gewährt werden kann. Gottes Liebe und seine Gerechtigkeit stehen deshalb am Kreuz nicht gegeneinander.
Johannes 3 führt denselben Gedanken von der Sendung des Sohnes her aus. Gott liebt die Welt so sehr, dass er seinen einzigartigen Sohn gibt, damit der Glaubende nicht verloren geht, sondern ewiges Leben empfängt. Die Größe der Gabe zeigt die Größe der Liebe. Gott gibt nicht etwas von sich Entferntes oder Austauschbares, sondern den Sohn, dessen einzigartige Beziehung zum Vater das Johannesevangelium zuvor entfaltet hat.
Der folgende Vers schützt zugleich vor einem verzerrten Gottesbild. Gott sendet den Sohn nicht in die Welt, weil der Vater verurteilen will und Jesus ihn davon abhalten müsste. Der Sohn wird gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet werde. Vater und Sohn handeln im Erlösungsplan nicht gegeneinander, sondern gemeinsam. Die Liebe des Vaters steht hinter der Sendung, und der Sohn geht diesen Weg freiwillig bis zum Kreuz.
Auch Paulus beschreibt die Versöhnung aus dieser Initiative Gottes heraus. Christus stirbt für Menschen, als sie noch Sünder und Feinde sind. Die Versöhnung entsteht deshalb nicht erst, nachdem der Mensch sich gebessert und Gottes Wohlwollen verdient hätte. Gott handelt, während der Mensch seine Rettung noch nicht hervorbringen kann. Gerade darin wird die Gnade sichtbar: Der Erlöser kommt zu denen, die ihn brauchen, nicht zu denen, die sich selbst bereits gerettet hätten.
Dass der Vater den Sohn sendet, bedeutet dennoch nicht, dass Jesus lediglich ein widerwillig ausgeführtes Opfer wäre. Das Neue Testament beschreibt seine Hingabe zugleich als freiwillig. Der Sohn kennt den Auftrag des Vaters und nimmt ihn aus Liebe an. Seine Einheit mit dem Vater zeigt sich deshalb auch am Kreuz: Der Vater gibt den Sohn, und der Sohn gibt sich selbst. Die Erlösung entspringt einem gemeinsamen göttlichen Willen zur Rettung des Menschen.
Damit bekommt der Titel „Sohn Gottes“ eine unmittelbare Bedeutung für das Evangelium. Gerade weil der Gesandte dieser einzigartige Sohn ist, offenbart sein Kommen, wie weit Gottes Liebe reicht. Derjenige, durch den die Welt geschaffen wurde und in dem der Vater sichtbar wird, tritt selbst in die Folgen der menschlichen Sünde ein. Seine Sohnschaft bleibt deshalb nicht eine Wahrheit über seine Identität allein; sie erklärt zugleich, weshalb in ihm ein Heil möglich wird, das kein bloßer menschlicher Lehrer oder Prophet bewirken könnte.
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Der Sohn ist der Weg zum Vater
Johannes 14,6-7 – „6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich! 7 Hättet ihr mich erkannt, so würdet ihr auch meinen Vater kennen; und von nun an kennet ihr ihn und habt ihn gesehen."
Johannes 14,6-7 – „6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich! 7 Hättet ihr mich erkannt, so würdet ihr auch meinen Vater kennen; und von nun an kennet ihr ihn und habt ihn gesehen."
Johannes 10,9 – „9 Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, wird er gerettet werden und wird ein und ausgehen und Weide finden."
Hebräer 10,19-22 – „19 Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20 welchen er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch, 21 und einen [so] großen Priester über das Haus Gottes haben, 22 so lasset uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Glaubenszuversicht, durch Besprengung der Herzen los …"
Nachdem die Sendung des Sohnes zur Rettung der Welt sichtbar geworden ist, stellt sich eine persönliche Frage: Wie gelangt der Mensch durch ihn tatsächlich zurück zu Gott? Jesus beantwortet sie in Johannes 14 mit ungewöhnlicher Klarheit. In einem Gespräch mit seinen Jüngern spricht er von seinem Weg zum Vater und davon, dass er ihnen einen Platz bereitet. Als Thomas einwendet, die Jünger wüssten nicht, wohin Jesus gehe und könnten deshalb den Weg nicht kennen, verweist Jesus nicht auf eine Methode oder religiöse Ordnung. Er verweist auf sich selbst.
Die Worte „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ verbinden drei Aussagen, die nicht voneinander getrennt werden dürfen. Jesus zeigt nicht lediglich einen Weg zu Gott, sondern bezeichnet sich selbst als diesen Weg. Ebenso vermittelt er nicht nur wahre Informationen und besitzt nicht nur Leben, sondern Wahrheit und Leben sind in einzigartiger Weise an seine Person gebunden. Die Beziehung zum Vater wird damit nicht über ein religiöses System eröffnet, sondern durch den Sohn.
Besonders deutlich wird dies im zweiten Teil seiner Aussage: Niemand kommt zum Vater außer durch ihn. Jesus formuliert damit einen ausschließlichen Anspruch, der sich nicht mit der Vorstellung vereinbaren lässt, er sei lediglich einer unter mehreren gleichwertigen Wegen zu Gott. Diese Ausschließlichkeit entspringt jedoch nicht menschlicher Überheblichkeit. Sie steht im Zusammenhang mit seiner Identität und seinem Erlösungswerk. Nur der Sohn kommt vom Vater, offenbart ihn vollkommen und trägt die Sünde, die den Menschen von Gott trennt.
Darum kann der Zugang zu Gott auch nicht durch moralische Verbesserung, religiöse Leistung oder geistliche Erkenntnis verdient werden. Solche Dinge können den Menschen nicht über die Trennung hinwegbringen, die durch Sünde entstanden ist. Wenn Jesus selbst der Weg ist, liegt die Rettung außerhalb menschlicher Selbstgenügsamkeit. Der Mensch kommt zum Vater, indem er sich dem Sohn anvertraut und das empfängt, was dieser für ihn getan hat.
Jesus verwendet an anderer Stelle ein verwandtes Bild. In Johannes 10 bezeichnet er sich als die Tür. Wer durch ihn eingeht, findet Rettung. Auch dieses Bild legt das Gewicht nicht auf menschliches Suchen nach verborgenen Zugängen, sondern auf den von Gott eröffneten Weg. Es gibt eine Tür, weil Gott selbst einen Zugang geschaffen hat. Der Mensch muss ihn nicht erfinden, sondern darf eintreten.
Der Hebräerbrief entfaltet diesen Zugang aus der Perspektive des Opfers Christi. Weil Jesus sein Leben gegeben hat und als Hoherpriester für die Menschen eintritt, dürfen die Gläubigen mit Zuversicht in Gottes Gegenwart treten. Diese Zuversicht beruht nicht darauf, dass ihre Vergangenheit bedeutungslos wäre oder dass sie inzwischen vollkommen geworden wären. Sie beruht auf dem Blut Christi und auf dem neuen und lebendigen Weg, den er eröffnet hat.
Damit wird zugleich verständlich, weshalb der Sohn nicht nur eine Lehre über Gott bringt. Ein Prophet kann auf Gott hinweisen, aber er kann nicht aus eigener Person der Weg in Gottes Gegenwart sein. Jesus beansprucht etwas anderes: Der Zugang zum Vater geschieht durch ihn selbst. Seine Bedeutung für die Erlösung kann deshalb nicht von seiner Identität getrennt werden. Weil er der Sohn ist, kann er den Vater vollkommen offenbaren; weil er sein Leben für die Sünder gibt, kann er den Weg zu ihm öffnen.
Diese Wahrheit verbindet Klarheit und Einladung. Jesu Anspruch schließt andere Erlösungswege aus, aber er verschließt den Weg nicht vor bestimmten Menschen. Gerade weil der Zugang an Christus gebunden ist und nicht an Herkunft, Leistung oder gesellschaftlichen Rang, kann jeder zu ihm kommen. Der eine Weg zum Vater ist zugleich ein offener Weg für alle, die dem Sohn vertrauen.
Der Sohn Gottes führt den Menschen deshalb nicht lediglich näher an Gott heran. In ihm wird die verlorene Beziehung tatsächlich wieder möglich. Wer zu Christus kommt, begegnet demjenigen, der vom Vater gekommen ist und zum Vater führt. Doch dieser Zugang zielt auf mehr als Vergebung und Nähe in der Gegenwart: Das Neue Testament verbindet die Beziehung zum Sohn unmittelbar mit dem Geschenk des ewigen Lebens.
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Ewiges Leben ist im Sohn
1. Johannes 5,11-13 – „11 Und darin besteht das Zeugnis, daß uns Gott ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Solches habe ich euch geschrieben, damit ihr wisset, daß ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt."
1. Johannes 5,11-13 – „11 Und darin besteht das Zeugnis, daß uns Gott ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Solches habe ich euch geschrieben, damit ihr wisset, daß ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt."
Johannes 5,24-26 – „24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben. 26 Denn wie der Vater das Leben in sich…"
Johannes 11,25-26 – „25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; 26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?"
Der Weg zum Vater führt nicht nur zu Vergebung und wiederhergestellter Gemeinschaft. Das Neue Testament verbindet die Beziehung zum Sohn unmittelbar mit dem Leben selbst. Johannes formuliert diese Wahrheit mit außergewöhnlicher Klarheit: Gott hat ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Damit wird ewiges Leben nicht zunächst als eine Sache beschrieben, die unabhängig von Christus verteilt werden könnte. Es ist an seine Person gebunden.
Diese Aussage steht im Zusammenhang mit dem Zeugnis Gottes über seinen Sohn. Johannes will seinen Lesern Gewissheit geben, nicht religiöse Unsicherheit erzeugen. Deshalb sagt er: Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Die Grenze verläuft nicht zwischen Menschen, die genügend religiöse Leistungen vorweisen können, und solchen, denen diese Leistungen fehlen. Entscheidend ist die Beziehung zu Christus, weil Gott das Leben gerade in ihm gegeben hat.
Das „Haben“ des Sohnes darf dabei nicht auf bloßes Wissen über Jesus reduziert werden. Der Brief richtet sich an Menschen, die an den Namen des Sohnes Gottes glauben. Dieser Glaube meint ein Vertrauen, das Christus selbst ergreift und sich auf Gottes Zeugnis über ihn verlässt. Johannes schreibt ausdrücklich, damit die Glaubenden wissen können, dass sie ewiges Leben haben. Christliche Gewissheit gründet deshalb nicht auf der eigenen Vollkommenheit, sondern auf Gottes Zusage in seinem Sohn.
Jesus selbst beschreibt diesen Zusammenhang in Johannes 5. Wer sein Wort hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, besitzt ewiges Leben und kommt nicht in das Gericht der Verdammnis, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. Ewiges Leben erscheint hier nicht ausschließlich als eine zukünftige Gabe nach der Auferstehung. Wer Christus im Glauben annimmt, steht bereits jetzt in einer neuen Beziehung zu Gott und besitzt die Verheißung des kommenden Lebens.
Gleichzeitig bleibt die zukünftige Auferstehung unverzichtbar. Jesus sagt im selben Zusammenhang, dass der Vater Leben in sich selbst hat und auch dem Sohn gegeben hat, Leben in sich selbst zu haben. Später wird er diejenigen aus den Gräbern rufen. Die Hoffnung des Christen besteht daher nicht darin, dass der Mensch unabhängig von Christus von Natur aus unsterbliches Leben besäße. Das Leben hat seinen Ursprung in Gott und wird durch den Sohn gegeben; auch die endgültige Überwindung des Todes geschieht durch seine lebensschaffende Macht.
Gerade deshalb kann Jesus angesichts des Todes des Lazarus sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Er verspricht Marta nicht lediglich, dass er Informationen über eine zukünftige Auferstehung besitzt. Er stellt seine eigene Person in den Mittelpunkt dieser Hoffnung. Die Auferstehung wird möglich, weil derjenige, der vor dem Grab steht, selbst die Macht über den Tod besitzt. Das kommende Leben ist deshalb ebenso an Christus gebunden wie die gegenwärtige Vergebung.
Diese Wahrheit verhindert zugleich zwei Missverständnisse. Einerseits wird ewiges Leben nicht durch menschliche Anstrengung verdient. Es ist Gottes Gabe im Sohn. Andererseits bedeutet Glaubensgewissheit nicht, dass die Beziehung zu Christus bedeutungslos geworden wäre. Johannes sagt nicht: Wer irgendwann einmal etwas über den Sohn geglaubt hat, besitzt unabhängig von ihm Leben. Seine Aussage lautet: Wer den Sohn hat, hat das Leben. Die Gewissheit bleibt an die lebendige Verbindung mit Christus gebunden.
Damit zeigt sich eine weitere Dimension seiner Sohnschaft. Jesus führt nicht nur zum Leben, als stünde dieses letztlich außerhalb von ihm. Gott hat das ewige Leben in seinem Sohn gegeben. Wer Christus empfängt, empfängt daher die einzige Quelle, aus der die endgültige Überwindung von Sünde und Tod hervorgeht. Die Frage, wer der Sohn Gottes ist, wird dadurch zur Frage nach Leben und Tod selbst: In ihm hat Gott dem verlorenen Menschen das Leben angeboten, das kein geschaffenes Wesen aus sich selbst geben könnte.
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Der Sohn empfängt göttliche Ehre
Hebräer 1,5-8 – „5 Denn zu welchem von den Engeln hat er jemals gesagt: «Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt»? Und wiederum: «Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein»? 6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!» 7 Von den Engeln zwar heißt es: «Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen»; 8 a…"
Hebräer 1,5-8 – „5 Denn zu welchem von den Engeln hat er jemals gesagt: «Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt»? Und wiederum: «Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein»? 6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!» 7 Von den Engeln zwar heißt es: «Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen»; 8 a…"
Johannes 20,27-29 – „27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben."
Offenbarung 5,11-14 – „11 Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend; 12 die sprachen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lobpreisung! 13 Und alle Geschöpfe, die im Himmel und a…"
Die bisherigen Aussagen über den Sohn führen zu einer weiteren Frage: Welche Stellung nimmt Jesus gegenüber allen geschaffenen Wesen ein? Der Hebräerbrief beantwortet sie bereits in seinem ersten Kapitel mit großer Klarheit. Nachdem Christus als Schöpfer, Träger aller Dinge und vollkommener Offenbarer Gottes vorgestellt wurde, wird er ausdrücklich von den Engeln unterschieden. Der Sohn gehört nicht zu ihnen und ist auch nicht lediglich das höchste Wesen innerhalb ihrer Ordnung. Seine Stellung ist grundsätzlich anders.
Hebräer 1 entfaltet diesen Unterschied anhand mehrerer alttestamentlicher Texte. Kein Engel wird in derselben Weise als Sohn angesprochen wie Christus. Noch deutlicher wird die Gegenüberstellung, wenn die Engel als Diener beschrieben werden, während vom Sohn gesagt wird: „Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Der Verfasser scheut sich also nicht, eine Schriftstelle auf Christus anzuwenden, in der der Sohn mit einer Anrede bezeichnet wird, die seine göttliche Würde sichtbar macht.
Zugleich fordert der Abschnitt dazu auf, dass Gottes Engel den Sohn anbeten. Gerade dieser Punkt besitzt besonderes Gewicht, weil die Bibel Anbetung nicht unterschiedslos jedem himmlischen Wesen gestattet. Engel erscheinen zwar in großer Macht und Herrlichkeit, bleiben aber Geschöpfe und Diener Gottes. Der Hebräerbrief stellt Christus dagegen über sie und verbindet seine Stellung ausdrücklich mit einer Verehrung, die einem bloßen geschaffenen Boten nicht zukäme.
Eine ähnliche Klarheit begegnet am Ende des Johannesevangeliums. Thomas hatte die Auferstehung Jesu zunächst bezweifelt. Als der auferstandene Christus ihm begegnet und ihn auffordert, seine Wunden zu betrachten, antwortet Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus weist dieses Bekenntnis nicht als unangemessen zurück. Stattdessen spricht er über den Glauben des Thomas und über diejenigen, die glauben werden, ohne selbst gesehen zu haben. Im Zusammenhang des Evangeliums steht dieses Bekenntnis nahe an dessen ausdrücklichem Ziel: dass die Leser Jesus als Christus und Sohn Gottes erkennen.
Gerade diese Szene hilft, den Titel „Sohn Gottes“ vor einer zu schwachen Deutung zu bewahren. Wenn Sohnschaft lediglich bedeuten würde, dass Jesus ein von Gott geschaffener und besonders erhöhter Mensch wäre, wäre die Reaktion des Thomas schwer in das Gesamtzeugnis des Johannesevangeliums einzuordnen. Johannes hatte sein Evangelium mit der Aussage begonnen, dass das Wort Gott war; am Ende bekennt ein Jünger den auferstandenen Jesus als seinen Herrn und Gott. Anfang und Ende des Evangeliums bilden so einen bemerkenswerten Rahmen.
Auch die Offenbarung führt diese Linie weiter. In Kapitel 5 steht das Lamm im Mittelpunkt der himmlischen Anbetung. Unzählige Engel verkünden seine Würdigkeit, weil es geschlachtet wurde, und schließlich richtet sich der Lobpreis an den, der auf dem Thron sitzt, und an das Lamm. Segen, Ehre, Herrlichkeit und Macht werden beiden zugesprochen. Dabei bleibt die Unterscheidung zwischen Gott auf dem Thron und dem Lamm bestehen, ohne dass die Verehrung des Sohnes dadurch abgeschwächt würde.
Diese biblischen Aussagen dürfen nicht so verstanden werden, als gäbe es zwei voneinander unabhängige Götter. Die Schrift hält am einen Gott fest und unterscheidet zugleich Vater und Sohn. Gerade deshalb ist bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit sie Jesus göttliche Titel, Werke und Ehre zuschreibt. Die Sohnschaft macht ihn nicht zu einem zweiten Gott neben dem Vater, sondern beschreibt seine einzigartige Beziehung zu ihm innerhalb der göttlichen Wirklichkeit.
Für den Glauben hat das unmittelbare Folgen. Jesus lediglich zu respektieren, reicht nicht aus, wenn die Schrift ihn als den Sohn darstellt, dem göttliche Ehre zukommt. Wer ihn anbetet, setzt sein Vertrauen nicht auf ein geschaffenes Zwischenwesen, sondern auf denjenigen, durch den Gott selbst Rettung gebracht hat. Gleichzeitig führt die Ehre des Sohnes niemals vom Vater weg, denn Jesus erklärt selbst, dass die Ehre des Sohnes mit der Ehre des Vaters verbunden ist.
Damit schließt sich ein wichtiger Kreis. Der Sohn war vor aller Schöpfung, durch ihn wurde alles geschaffen, er wurde wahrer Mensch, offenbarte den Vater, trug die Sünde und schenkt ewiges Leben. Dass ihm göttliche Ehre zukommt, steht nicht isoliert neben diesen Aussagen, sondern entspricht ihnen. Gerade die Größe dessen, der sich erniedrigte, zeigt, wie tief Gottes Erlösungsweg reicht.
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Wenn Jesus sagt: Der Vater ist größer als ich
Johannes 14,28 – „28 Ihr habt gehört, daß ich sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich."
Johannes 14,28 – „28 Ihr habt gehört, daß ich sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich."
Philipper 2,6-8 – „6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod."
Johannes 17,4-5 – „4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden, indem ich das Werk vollendet habe, das du mir gegeben hast, daß ich es tun solle. 5 Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war."
Die hohen Aussagen über die göttliche Würde des Sohnes stehen neben Worten Jesu, die auf den ersten Blick anders zu klingen scheinen. Besonders Johannes 14,28 wird häufig angeführt: Jesus sagt zu seinen Jüngern, der Vater sei größer als er. Wenn diese Aussage isoliert gelesen wird, könnte der Eindruck entstehen, Christus besitze grundsätzlich ein geringeres Wesen als der Vater. Doch der Zusammenhang des Johannesevangeliums führt zu einer anderen Einordnung. Jesus spricht hier als der menschgewordene Sohn unmittelbar vor seinem Leiden und seiner Rückkehr zum Vater.
Der Satz fällt innerhalb des Abschiedsgesprächs. Jesus erklärt seinen Jüngern, dass er fortgeht und wieder zu ihnen kommen wird. Sie sollten sich sogar darüber freuen, dass er zum Vater geht. Seine gegenwärtige Stellung auf der Erde ist von freiwilliger Erniedrigung geprägt: Er lebt unter menschlichen Bedingungen, wird verworfen, leidet und geht dem Tod entgegen. Der Vater dagegen befindet sich in himmlischer Herrlichkeit. In diesem Zusammenhang beschreibt „größer“ zunächst einen Unterschied der gegenwärtigen Stellung, nicht notwendig einen Unterschied des göttlichen Wesens.
Philipper 2 hilft, diese Spannung zu verstehen. Paulus beschreibt Christus als denjenigen, der in Gottes Gestalt war, sich aber freiwillig erniedrigte, Knechtsgestalt annahm und Mensch wurde. Diese Erniedrigung bedeutet nicht, dass Christus aufgehört hätte, der Sohn zu sein oder seine göttliche Identität verloren hätte. Sie beschreibt den Weg, auf dem er auf Vorrechte verzichtet und sich bis zum Tod unterordnet. Der Gehorsam des Sohnes gehört daher zu seinem Erlösungsauftrag und darf nicht vorschnell als Beweis dafür verwendet werden, dass er seinem Wesen nach lediglich ein niedrigeres Geschöpf sei.
Jesu eigenes Gebet in Johannes 17 bestätigt diese Perspektive. Kurz vor seiner Gefangennahme spricht er davon, das Werk vollendet zu haben, das der Vater ihm gegeben hatte. Dann bittet er um die Herrlichkeit, die er beim Vater hatte, ehe die Welt war. Damit verbindet Jesus seine gegenwärtige Erniedrigung ausdrücklich mit einer vorausgegangenen Herrlichkeit. Derjenige, der auf der Erde als Gesandter gehorsam dient, erinnert an eine Gemeinschaft mit dem Vater, die bereits vor der Schöpfung bestand.
Deshalb muss zwischen Stellung und Wesen unterschieden werden. Innerhalb seines Erlösungsauftrags wird der Sohn gesandt, gehorcht dem Vater und richtet sein Handeln nach dessen Willen aus. Diese Ordnung ist in den Evangelien klar bezeugt und sollte nicht abgeschwächt werden. Doch dieselben Schriften erklären zugleich, dass der Sohn vor der Welt beim Vater war, dass alles durch ihn geschaffen wurde und dass er eine Ehre empfängt, die der Ehre des Vaters entspricht. Die eine Gruppe von Aussagen darf nicht verwendet werden, um die andere zum Schweigen zu bringen.
Auch Jesu Gebet zum Vater widerspricht seiner göttlichen Würde nicht. Wenn der Sohn wirklich Mensch geworden ist und zugleich vom Vater unterschieden bleibt, ist es folgerichtig, dass er betet, vertraut und gehorcht. Seine Gebete zeigen keine Täuschung und kein Schauspiel, sondern die Wirklichkeit seiner Menschwerdung und seiner Beziehung zum Vater. Gerade darin wird sichtbar, wie vollständig er den Weg des gehorsamen Menschen gegangen ist.
Die freiwillige Unterordnung des Sohnes offenbart deshalb nicht Minderwertigkeit, sondern Liebe. Christus sucht auf der Erde nicht seine eigene Ehre, sondern erfüllt den Willen dessen, der ihn gesandt hat. Er geht diesen Weg nicht deshalb, weil ihm die Macht fehlte, anders zu handeln, sondern weil die Rettung des Menschen diesen Weg der Selbsterniedrigung verlangte. Seine Größe zeigt sich gerade darin, dass er bereit ist, zu dienen.
Johannes 14,28 muss daher innerhalb des Gesamtzeugnisses über Christus gelesen werden. Der Vater ist in der Situation des erniedrigten, menschgewordenen Sohnes „größer“, während Jesus seiner himmlischen Herrlichkeit entgegengeht. Der Vers hebt weder Johannes 1 noch Johannes 5 oder die vorweltliche Herrlichkeit aus Johannes 17 auf. Statt eines Widerspruchs entsteht ein zusammenhängendes Bild: Der ewige Sohn nimmt freiwillig eine dienende Stellung ein, um den Erlösungsauftrag des Vaters vollkommen zu erfüllen.
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Wenn der Sohn den Tag und die Stunde nicht weiß
Markus 13,32 – „32 Von jenem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater."
Markus 13,32 – „32 Von jenem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater."
Lukas 2,40-52 – „40 Das Kindlein aber wuchs und ward stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm. 41 Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach Gewohnheit des Festes hinauf. 43 Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und seine Eltern wußten es nicht. 44 Da sie aber meinte…"
Hebräer 2,14-18 – „14 Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er in ähnlicher Weise dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel, 15 und alle diejenigen befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. 16 Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams n…"
Neben der Aussage, der Vater sei größer als der Sohn, begegnet im Neuen Testament eine weitere Stelle, die Fragen über Jesu göttliche Sohnschaft aufwirft. In Markus 13 spricht Jesus über seine Wiederkunft und erklärt, dass niemand den Tag oder die Stunde kennt – weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. Gerade weil andere Texte Christus göttliche Würde und vorweltliche Existenz zuschreiben, muss diese Aussage in ihrem eigenen Zusammenhang und im Licht seiner wirklichen Menschwerdung verstanden werden.
Zunächst sollte der Vers nicht abgeschwächt werden. Jesus sagt tatsächlich, dass der Sohn zu diesem Zeitpunkt die Stunde nicht weiß. Die Schrift verlangt deshalb nicht, so zu tun, als hätte er nur den Eindruck erweckt, etwas nicht zu wissen. Seine Menschwerdung war wirklich. Der ewige Sohn trat in eine menschliche Existenz ein, in der er Hunger, Müdigkeit, Leid und auch menschliches Wachstum erfuhr. Gerade diese Wirklichkeit gehört zur Erniedrigung, die das Neue Testament beschreibt.
Lukas zeigt diese Entwicklung schon in der Kindheit Jesu. Der zwölfjährige Jesus besitzt eine außergewöhnliche Erkenntnis seiner Beziehung zum Vater, und dennoch heißt es anschließend, dass er an Weisheit und körperlicher Entwicklung zunahm. Wachstum setzt eine wirkliche menschliche Entwicklung voraus. Jesus wurde nicht als erwachsener Mensch mit einer nur äußerlich angenommenen menschlichen Gestalt geboren. Er durchlief Kindheit und Jugend und lebte das menschliche Leben unter den Bedingungen, die er freiwillig angenommen hatte.
Damit berührt Markus 13 eine tiefere Wahrheit über die Menschwerdung. Der Sohn blieb nicht außerhalb menschlicher Begrenzungen und spielte lediglich eine menschliche Rolle. Philipper 2 hatte bereits gezeigt, dass er sich erniedrigte und Knechtsgestalt annahm. Die Evangelien zeigen, wie konkret diese Erniedrigung war. Jesus lebte in Abhängigkeit vom Vater, empfing seinen Auftrag von ihm und handelte innerhalb der Bedingungen seines irdischen Dienstes.
Aus Markus 13,32 darf deshalb nicht vorschnell geschlossen werden, Christus sei seinem Wesen nach ein begrenztes Geschöpf. Eine solche Folgerung würde die unmittelbaren Aussagen anderer Texte übergehen, nach denen alles durch ihn geschaffen wurde, er vor der Welt beim Vater war und göttliche Ehre empfängt. Ebenso wenig darf jedoch seine begrenzte Erkenntnis während seiner Menschwerdung einfach wegdefiniert werden. Das Neue Testament hält beides fest: die außergewöhnliche göttliche Würde des Sohnes und die Wirklichkeit seiner angenommenen menschlichen Existenz.
Der Hebräerbrief erklärt, weshalb diese wirkliche Teilhabe am Menschsein für die Erlösung notwendig war. Weil die Menschen Fleisch und Blut besitzen, nahm Christus daran teil. Er musste seinen Brüdern in allem gleich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hohepriester sein konnte. Das bedeutet nicht, dass er sündig wurde; der Hebräerbrief betont an anderer Stelle ausdrücklich seine Sündlosigkeit. Es bedeutet aber, dass seine menschliche Erfahrung nicht oberflächlich war. Er trat tatsächlich in die Bedingungen ein, unter denen Menschen leben, leiden und versucht werden.
Gerade darin liegt auch die geistliche Bedeutung dieser schwierigen Aussage. Der Sohn Gottes rettet den Menschen nicht aus einer Entfernung, in der er menschliche Begrenztheit niemals selbst erfahren hätte. Er erniedrigt sich so weit, dass er innerhalb eines wirklichen menschlichen Lebens auf den Vater vertraut. Sein Gehorsam wird dadurch nicht theoretisch, sondern gelebt. Er kennt die Erfahrung menschlicher Abhängigkeit und kann deshalb als derjenige vor Gott stehen, der den Weg des vollkommenen Vertrauens selbst gegangen ist.
Markus 13,32 nimmt Christus daher nicht seine göttliche Würde, sondern führt noch tiefer in das Geheimnis seiner Erniedrigung. Derjenige, der vor aller Schöpfung existierte, nahm ein wirklich begrenztes menschliches Leben an und erfüllte darin den Auftrag des Vaters. Gerade wenn diese Menschlichkeit ebenso ernst genommen wird wie seine vorweltliche Herrlichkeit, wird sichtbar, wie weit der Sohn gegangen ist, um dem Menschen nahe zu sein und ihn zu erlösen.
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Der einzigartige Sohn des Vaters
Johannes 1,14-18 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 15 Johannes zeugte von ihm, rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich. 16 Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde d…"
Johannes 1,14-18 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 15 Johannes zeugte von ihm, rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich. 16 Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde d…"
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"
1. Johannes 4,9 – „9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten."
Mehrfach bezeichnet Johannes Jesus in einer Weise, die ältere deutsche Bibelübersetzungen mit „eingeborener Sohn“ wiedergeben. Diese Formulierung kann leicht missverstanden werden, wenn man sie im heutigen Sprachgebrauch so liest, als wolle die Bibel damit einen Zeitpunkt beschreiben, an dem der Sohn erst ins Dasein gekommen sei. Doch gerade der Zusammenhang des Johannesevangeliums führt in eine andere Richtung. Derselbe Evangelist, der Jesus so bezeichnet, hat zuvor erklärt, dass das Wort bereits im Anfang war, dass es Gott war und dass alles Geschaffene durch dieses Wort entstanden ist.
Der Schwerpunkt der Bezeichnung liegt deshalb auf der Einzigartigkeit des Sohnes. Johannes unterscheidet Jesus von allen anderen, die durch Gottes Gnade Kinder Gottes werden. Menschen empfangen die Gotteskindschaft; Christus dagegen wird als der einzigartige Sohn beschrieben, der vom Vater kommt und in einer Beziehung zu ihm steht, die keinem geschaffenen Menschen zukommt. Seine Sohnschaft ist nicht eine von vielen gleichartigen Sohnschaften, sondern besitzt eine einmalige Stellung.
Johannes 1 macht diesen Unterschied besonders deutlich. Nachdem von der Herrlichkeit des menschgewordenen Wortes gesprochen wurde, beschreibt der Evangelist diese Herrlichkeit als die des einzigartigen Sohnes vom Vater. Wenige Verse später wird gerade dieser Sohn als derjenige vorgestellt, der den unsichtbaren Gott offenbart. Seine besondere Sohnschaft steht somit unmittelbar mit seiner einzigartigen Erkenntnis und Offenbarung des Vaters in Verbindung.
Auch Johannes 3 verwendet dieselbe Bezeichnung im Zusammenhang mit Gottes Liebe zur Welt. Gott gibt seinen einzigartigen Sohn, damit der Glaubende nicht verloren geht, sondern ewiges Leben empfängt. Das Gewicht der Aussage liegt nicht auf einer Erklärung über den zeitlichen Ursprung Christi, sondern auf der Größe der Gabe. Der Vater gibt nicht irgendeinen Boten unter vielen. Er gibt den Sohn, der in einer unvergleichlichen Beziehung zu ihm steht und durch den die Welt gerettet werden soll.
Dasselbe wird in 1. Johannes 4 noch einmal aufgenommen. Gottes Liebe wird darin offenbar, dass er seinen einzigartigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit Menschen durch ihn leben. Auch hier setzt das Senden eine Beziehung voraus, die bereits besteht. Der Sohn wird nicht erst dadurch Sohn, dass er in die Welt kommt. Er wird als Sohn gesandt. Seine Menschwerdung ist deshalb die Sendung dessen, der bereits zum Vater gehört.
Damit lässt sich auch eine wichtige Grenze ziehen. Die Bibel gibt keine Beschreibung eines Vorgangs, durch den Christus irgendwann vor der Schöpfung als göttliches Wesen hervorgebracht worden wäre. Eine solche Vorstellung müsste über die ausdrücklichen Aussagen der Schrift hinausgehen und würde zudem mit den Texten in Spannung geraten, nach denen alles Geschaffene durch ihn entstanden ist. Wo die Bibel über die vorweltliche Beziehung zwischen Vater und Sohn spricht, beschreibt sie Gemeinschaft, Herrlichkeit und Liebe, nicht den Beginn der Existenz Christi.
Johannes 17 vertieft diesen Gedanken, wenn Jesus von der Herrlichkeit spricht, die er beim Vater hatte, ehe die Welt war, und von der Liebe des Vaters zu ihm vor Grundlegung der Welt. Damit öffnet sich der Blick auf eine Beziehung, die der gesamten Schöpfung vorausgeht. Der Sohn gehört nicht erst seit Bethlehem oder seit seiner Taufe zum Vater. Seine Sendung in die Welt kommt aus einer Gemeinschaft, die bereits vor der Geschichte dieser Welt besteht.
Die Bezeichnung „Sohn Gottes“ darf deshalb weder biologisch noch nach menschlichen Familienverhältnissen erklärt werden. Gott ist nicht in derselben Weise Vater, wie ein menschlicher Vater ein Kind hervorbringt. Die biblische Sprache beschreibt eine einzigartige persönliche Beziehung innerhalb der göttlichen Wirklichkeit, ohne deren inneres Geheimnis vollständig zu erklären. Wo die Schrift spricht, können ihre Aussagen angenommen werden; wo sie keine Einzelheiten offenbart, sollte auch die Auslegung nicht spekulieren.
Gerade diese Einzigartigkeit gibt der Sendung Jesu ihr besonderes Gewicht. Der Vater überlässt die verlorene Welt nicht einem entfernten Geschöpf, sondern gibt den Sohn, der vor aller Schöpfung bei ihm war und seine Herrlichkeit teilte. Deshalb wird in der Gabe Christi nicht nur Gottes Macht sichtbar, sondern die Tiefe seiner Liebe. Wer auf den Sohn blickt, begegnet dem unvergleichlichen Geschenk, durch das Gott selbst den Weg zur Rettung eröffnet hat.
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Der verheißene Sohn im Alten Testament
Psalmen 2,6-7 – „6 «Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge!» 7 Ich will erzählen vom Ratschluß des HERRN; er hat zu mir gesagt: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt"
Psalmen 2,6-7 – „6 «Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge!» 7 Ich will erzählen vom Ratschluß des HERRN; er hat zu mir gesagt: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt"
Jesaja 9,5-6 – „5 Denn jeder Stiefel derer, die gestiefelt einhertreten im Schlachtgetümmel, und jedes blutbefleckte Kleid wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 6 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft kommt auf seine Schulter; und man nennt ihn: Wunderbar, Rat, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst."
2. Samuel 7,12-14 – „12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du bei deinen Vätern liegst, so will ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leibe kommen wird, und will sein Königtum befestigen; 13 der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Thron seines Königreichs auf ewig befestigen. 14 Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er eine Missetat begeht, will ich ihn mit Menschenruten…"
Die Bezeichnung Jesu als Sohn Gottes erscheint im Neuen Testament nicht ohne Vorgeschichte. Schon das Alte Testament entwickelt eine Erwartung, in der Königtum, Sohnschaft und Gottes kommende Herrschaft miteinander verbunden werden. Diese Texte müssen zunächst in ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelesen werden. Nicht jede alttestamentliche Verwendung von „Sohn“ spricht unmittelbar und ausschließlich von Jesus. Dennoch entsteht eine messianische Linie, die das Neue Testament ausdrücklich auf Christus bezieht und dadurch die Bedeutung seiner Sohnschaft weiter erschließt.
Ein grundlegender Text ist die Verheißung an David in 2. Samuel 7. Gott verspricht ihm einen Nachkommen, dessen Königtum bestätigt werden soll, und sagt über diesen König: „Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“ Die Aussage besitzt zunächst einen unmittelbaren Bezug auf Davids königliche Linie und besonders auf Salomo. Das zeigt bereits der Zusammenhang mit Tempelbau, Nachfolge und möglicher Züchtigung. Dennoch reicht die Verheißung über einen einzelnen König hinaus, denn Gottes Zusage richtet den Blick auf ein dauerhaftes Königtum, das schließlich in der messianischen Erwartung seine volle Bedeutung erhält.
Psalm 2 führt diese königliche Sohnschaft weiter. Die Völker erheben sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten, doch Gott setzt seinen König auf Zion ein und spricht: „Du bist mein Sohn.“ Im ursprünglichen königlichen Zusammenhang gehört diese Sprache zur Einsetzung des von Gott bestimmten Herrschers. Das Neue Testament greift den Psalm jedoch mehrfach auf und verbindet ihn ausdrücklich mit Jesus. Dadurch wird sichtbar, dass die davidische Königsidee in Christus ihre entscheidende Erfüllung findet.
Dabei darf Psalm 2,7 nicht so verstanden werden, als beschreibe er den Beginn der Existenz des Sohnes. Das wäre mit den neutestamentlichen Aussagen über seine vorweltliche Existenz nicht vereinbar. Wenn das Neue Testament den Psalm auf Christus bezieht, geschieht dies im Zusammenhang seiner messianischen Stellung, seiner Auferstehung und seiner Einsetzung in königliche Autorität. Der Text beschreibt also nicht, wie ein zuvor nicht vorhandenes Wesen geschaffen wird, sondern wie Gottes Sohn als der verheißene Messias öffentlich bestätigt und eingesetzt wird.
Jesaja 9 erweitert das Bild noch einmal. In einer Situation politischer Bedrängnis wird die Geburt eines Kindes angekündigt, dessen Herrschaft Frieden bringen und auf dem Thron Davids bestehen soll. Die Namen beziehungsweise Titel, die diesem kommenden Herrscher gegeben werden, reichen weit über gewöhnliche königliche Würde hinaus. Besonders die Bezeichnungen „starker Gott“ und „Ewig-Vater“ zeigen, dass der Text eine außergewöhnliche Gestalt vor Augen stellt. Dabei bedeutet „Ewig-Vater“ nicht, dass der Sohn mit Gott dem Vater identisch wäre; innerhalb der prophetischen Namenssprache beschreibt der Ausdruck seine bleibende, schützende Herrschaft.
Das Neue Testament verbindet Jesus ausdrücklich mit dieser davidischen Erwartung. Der Engel Gabriel kündigt Maria an, dass Gott ihm den Thron seines Vaters David geben wird und sein Reich kein Ende haben soll. Die Sohnschaft Jesu umfasst deshalb mehr als eine abstrakte Aussage über seine göttliche Identität. Er ist zugleich der verheißene König, in dem Gottes Zusagen an David ihren endgültigen Mittelpunkt finden. Der ewige Sohn tritt als Mensch in eine konkrete heilsgeschichtliche Linie ein.
Damit wird auch verständlich, weshalb „Sohn Gottes“ und „Christus“ im Neuen Testament so eng nebeneinanderstehen. Petrus bekennt Jesus als Christus und Sohn des lebendigen Gottes; Johannes schreibt sein Evangelium, damit Menschen genau dies glauben. Der Titel verbindet die einzigartige Beziehung Jesu zum Vater mit seiner Aufgabe als verheißener Messias. Seine göttliche Sohnschaft und sein messianisches Königtum dürfen deshalb unterschieden, aber nicht voneinander getrennt werden.
Die alttestamentlichen Verheißungen geben dem neutestamentlichen Zeugnis somit einen langen heilsgeschichtlichen Hintergrund. Gott bereitet die Erkenntnis seines Sohnes nicht erst mit Bethlehem vor, sondern führt durch die Geschichte Israels auf den kommenden König hin. In Christus treffen diese Linien zusammen: Er ist der Sohn, der vor aller Schöpfung beim Vater war, und zugleich der verheißene Nachkomme Davids, der als Mensch in die Geschichte eintritt. Gerade diese Verbindung führt schließlich zur Frage, wie seine Sohnschaft in Tod, Auferstehung und Erhöhung öffentlich bestätigt und vor der Welt offenbar wird.
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In der Auferstehung wird der Sohn machtvoll bestätigt
Römer 1,3-4 – „3 betreffs seines Sohnes, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch 4 und erwiesen als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geiste der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unser Herr;"
Römer 1,3-4 – „3 betreffs seines Sohnes, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch 4 und erwiesen als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geiste der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unser Herr;"
Apostelgeschichte 13,32-33 – „32 Und wir verkündigen euch das Evangelium von der den Vätern zuteil gewordenen Verheißung, daß Gott diese für uns, ihre Kinder, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte. 33 Wie auch im zweiten Psalm geschrieben steht: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.»"
Römer 8,11 – „11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt."
Die Sohnschaft Jesu beginnt weder mit seiner Geburt noch mit seiner Auferstehung. Dennoch erhält die Auferstehung innerhalb des Neuen Testaments eine besondere Bedeutung für die öffentliche Bestätigung seiner Identität. Paulus eröffnet den Römerbrief mit dem Evangelium über Gottes Sohn und verbindet dabei zwei Seiten miteinander: Jesus stammt dem Fleisch nach aus dem Geschlecht Davids und wird durch die Auferstehung von den Toten machtvoll als Sohn Gottes erwiesen. Die Auferstehung erschafft also nicht den Sohn, sondern offenbart in neuer Weise, wer der Gekreuzigte wirklich ist.
Dieser Zusammenhang ist wichtig, weil der Tod Jesu äußerlich wie eine Widerlegung seines Anspruchs erscheinen konnte. Er wird verworfen, verurteilt und gekreuzigt. Wer nur auf das sichtbare Geschehen blickte, konnte meinen, seine Sendung sei gescheitert. Die Auferstehung kehrt dieses Urteil jedoch um. Gott lässt den, den Menschen verworfen haben, nicht im Grab. Der Tod erhält nicht das letzte Wort über Jesus.
Römer 1 verbindet dabei bewusst seine menschliche Herkunft mit seiner göttlichen Sohnschaft. Als Nachkomme Davids gehört Jesus wirklich zur Geschichte Israels und erfüllt die messianischen Verheißungen. Zugleich wird er in der Kraft der Auferstehung als Sohn Gottes bestätigt. Paulus stellt nicht einen menschlichen Jesus vor der Auferstehung einem göttlichen Christus danach gegenüber. Derselbe Jesus Christus ist sowohl der verheißene Sohn Davids als auch der Sohn Gottes, dessen Würde durch die Auferstehung machtvoll sichtbar wird.
Auch die Predigt des Paulus in Apostelgeschichte 13 greift Psalm 2 auf. Er verbindet Gottes Verheißungen mit ihrer Erfüllung in Jesus und führt dabei die Worte „Du bist mein Sohn“ an. Der Zusammenhang richtet den Blick auf Gottes Handeln an Christus und besonders auf dessen Auferweckung. Wie bereits im alttestamentlichen Hintergrund gesehen, beschreibt die Sohnessprache hier nicht den Beginn der Existenz Jesu. Sie gehört zur messianischen Bestätigung dessen, den Gott als König und Retter eingesetzt hat.
Die Auferstehung besitzt deshalb mehr als apologetische Bedeutung. Sie beweist nicht nur, dass Jesus außergewöhnliche Macht besitzt, sondern bestätigt Gottes eigenes Urteil über ihn. Menschen hatten ihn als Gotteslästerer verurteilt und dem Tod übergeben. Gott aber erweckt ihn. Damit wird vor der Welt offenbar, dass die Ablehnung Jesu nicht das Urteil des Vaters widerspiegelte. Der Vater bestätigt den Sohn, dessen Worte und Werke während seines Lebens bereits seine einzigartige Stellung offenbart hatten.
Dabei handeln Vater, Sohn und Heiliger Geist auch in der Auferstehung nicht gegeneinander. Verschiedene neutestamentliche Texte schreiben die Auferweckung Gottes beziehungsweise dem Vater zu, während Jesus an anderer Stelle von seiner Vollmacht spricht, sein Leben wieder zu nehmen. Römer 8 nennt zudem den Geist Gottes im Zusammenhang mit der Auferweckung Jesu. Diese Aussagen müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie zeigen erneut die Einheit des göttlichen Handelns im Erlösungswerk.
Mit der Auferstehung beginnt zugleich eine neue Phase des Wirkens Christi. Der erniedrigte Sohn bleibt nicht im Zustand von Leiden und Tod. Er wird erhöht und tritt in die Stellung ein, in der seine königliche und priesterliche Autorität offen hervortritt. Die Auferstehung ist deshalb nicht bloß die Rückkehr in das vorherige irdische Leben. Sie ist der Sieg über den Tod und der Übergang zur verherrlichten Existenz des auferstandenen Herrn.
Gerade darin liegt auch die Hoffnung der Gläubigen. Der Sohn Gottes ist nicht nur deshalb Retter, weil er am Kreuz starb, sondern weil der Gekreuzigte lebt. Ein toter Erlöser könnte niemanden aus dem Tod führen. Weil Christus auferstanden ist, besitzt seine Verheißung des Lebens eine Wirklichkeit, die stärker ist als das Grab. Derselbe Geist, durch dessen Macht Christus auferweckt wurde, wird nach Paulus auch die Sterblichen lebendig machen, die zu ihm gehören.
So macht die Auferstehung sichtbar, dass Jesu Sohnschaft untrennbar mit seinem Sieg über Sünde und Tod verbunden ist. Der vom Vater gesandte Sohn erfüllt seinen Auftrag bis zum Kreuz, wird von Gott auferweckt und in seiner Würde bestätigt. Damit steht am Ende seines irdischen Leidens nicht Niederlage, sondern Offenbarung: Der verworfene Jesus ist tatsächlich der Christus, der Sohn Gottes und der lebende Herr.
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Wenn sich der Sohn am Ende dem Vater unterordnet
1. Korinther 15,24-28 – „24 hernach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater übergibt, wenn er abgetan hat jede Herrschaft, Gewalt und Macht. 25 Denn er muß herrschen, «bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat». 26 Als letzter Feind wird der Tod abgetan. 27 Denn «alles hat er unter seine Füße getan». Wenn er aber sagt, daß ihm alles unterworfen sei, so ist offenbar, daß der ausgenommen ist, welcher ihm alles …"
1. Korinther 15,24-28 – „24 hernach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater übergibt, wenn er abgetan hat jede Herrschaft, Gewalt und Macht. 25 Denn er muß herrschen, «bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat». 26 Als letzter Feind wird der Tod abgetan. 27 Denn «alles hat er unter seine Füße getan». Wenn er aber sagt, daß ihm alles unterworfen sei, so ist offenbar, daß der ausgenommen ist, welcher ihm alles …"
Johannes 6,37-40 – „37 Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich es auferwecke am letzten Tag…"
Philipper 2,9-11 – „9 Darum hat ihn auch Gott über alle Maßen erhöht und ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen ist, 10 damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters."
Paulus führt die Beziehung zwischen Vater und Sohn in 1. Korinther 15 bis an das Ende des Erlösungsplans. Nachdem Christus auferstanden ist, beschreibt er eine festgelegte Ordnung: Christus herrscht, bis alle feindlichen Mächte unter seine Füße gelegt sind; zuletzt wird auch der Tod beseitigt. Danach übergibt der Sohn das Reich Gott, dem Vater, und Paulus sagt schließlich, dass auch der Sohn selbst dem unterworfen sein wird, der ihm alles unterworfen hat. Gerade diese Aussage muss ernst genommen werden, weil sie auf den ersten Blick wie eine bleibende Minderordnung Christi erscheinen kann.
Der unmittelbare Zusammenhang handelt jedoch nicht davon, ob der Sohn göttliches Wesen besitzt. Paulus beschreibt den Ablauf der Erlösung und die königliche Aufgabe des Messias. Christus ist der auferstandene König, durch den Gott alle feindlichen Mächte überwindet. Seine Herrschaft besitzt ein bestimmtes Ziel: Alles, was sich gegen Gottes Ordnung erhoben hat, wird beseitigt, bis selbst der Tod nicht mehr existiert. Die Unterordnung des Sohnes erscheint am Ende genau dieses vollendeten Auftrags.
Damit setzt sich eine Linie fort, die bereits während seines irdischen Lebens sichtbar war. Der Vater sendet den Sohn, der Sohn erfüllt den Willen des Vaters und führt diejenigen, die ihm gegeben sind, zur Auferstehung und zum ewigen Leben. Jesus beschreibt in Johannes 6 seinen Auftrag ausdrücklich als das Tun des Willens dessen, der ihn gesandt hat. Diese Unterordnung gehört daher zur vollkommenen Einheit seines Erlösungsdienstes mit dem Vater. Sie ist kein Widerstand, der überwunden werden müsste, sondern freiwillige Übereinstimmung.
Paulus macht zugleich eine wichtige Ausnahme deutlich. Wenn alles dem Sohn unterworfen wird, ist selbstverständlich derjenige ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat. Vater und Sohn werden also auch hier voneinander unterschieden. Der Sohn empfängt königliche Herrschaft und führt sie zu ihrem Ziel; der Vater bleibt derjenige, von dem dieser Auftrag ausgeht. Die Schrift versucht nicht, diese Beziehung aufzulösen, sondern beschreibt eine Ordnung innerhalb des gemeinsamen göttlichen Handelns.
Diese Ordnung darf jedoch nicht gegen die übrigen Aussagen über Christus ausgespielt werden. Derselbe Paulus, der von der abschließenden Unterordnung des Sohnes spricht, beschreibt Christus an anderer Stelle als denjenigen, durch den alles geschaffen wurde und in dem alles besteht. Philipper 2 verbindet seine freiwillige Erniedrigung mit anschließender Erhöhung: Gott gibt ihm den Namen über alle Namen, und jedes Knie soll sich vor Jesus beugen. Seine dienende Unterordnung führt deshalb nicht zu einer Herabsetzung unter die geschaffene Welt, sondern steht neben einer universalen Ehre, die ihm ausdrücklich zugesprochen wird.
Das Ziel von 1. Korinther 15 wird im letzten Satz sichtbar: „damit Gott alles in allen sei.“ Der Sohn führt sein messianisches Erlösungswerk nicht zu einem eigenen, vom Vater unabhängigen Reich. Er besiegt Sünde und Tod, übergibt die vollendete Herrschaft dem Vater und bringt damit die gesamte Schöpfung wieder in die ungeteilte Ordnung Gottes zurück. Die Unterordnung gehört gerade zur Vollendung dieser Einheit. Es bleibt kein konkurrierendes Reich und keine Macht mehr übrig, die sich Gottes Herrschaft entgegenstellt.
Auch hier hilft deshalb die Unterscheidung zwischen Wesen und Aufgabe. Die Schrift beschreibt eine wirkliche Ordnung zwischen Vater und Sohn und darf darin nicht korrigiert werden. Zugleich begründet sie aus dieser Ordnung nirgends, der Sohn sei ein geschaffenes oder seinem Wesen nach nichtgöttliches Wesen. Die Texte über seine Schöpfermacht, vorweltliche Herrlichkeit, göttliche Ehre und ewige Gemeinschaft mit dem Vater bleiben vollständig bestehen.
Gerade die freiwillige Unterordnung des Sohnes offenbart vielmehr etwas über Gottes Wesen. Göttliche Größe zeigt sich in der Bibel nicht als Kampf um Vorrang. Der Sohn verherrlicht den Vater, der Vater verherrlicht den Sohn, und beide handeln gemeinsam zur Rettung des Menschen. In der gesamten Geschichte Jesu begegnet deshalb keine Rivalität zwischen Vater und Sohn, sondern vollkommene Liebe, Übereinstimmung und Hingabe.
Am Ende des Erlösungsplans wird diese Einheit ohne jede störende Gegenmacht sichtbar sein. Der Sohn, durch den alles geschaffen wurde und durch den die gefallene Schöpfung erlöst wird, führt sein Werk vollständig zum Ziel. Sünde und Tod sind beseitigt, Gottes Herrschaft ist unbestritten, und die Beziehung zwischen Vater und Sohn steht weiterhin in jener vollkommenen Einheit, aus der bereits die Sendung Christi zur Rettung der Welt hervorging.
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Zusammenfassung und Gebet
Die Frage nach Jesus als dem Sohn Gottes führt tiefer als die Feststellung, dass er eine besondere Beziehung zu Gott besitzt. Im Gesamtzeugnis des Neuen Testaments begegnet der Sohn als derjenige, der bereits vor der Schöpfung beim Vater war, durch den alles Geschaffene entstand und der dennoch wirklich Mensch wurde. Seine Sohnschaft beginnt deshalb weder in Bethlehem noch bei seiner Taufe oder Auferstehung. In der Menschwerdung tritt der ewige Sohn in die menschliche Geschichte ein.
Gerade diese Verbindung von göttlicher Herrlichkeit und wirklicher Menschlichkeit prägt das gesamte Leben Jesu. Er wird geboren, wächst heran, kennt Müdigkeit, Versuchung, Leid und Tod. Gleichzeitig tut er Werke, die in der Schrift mit Gottes eigener Macht verbunden sind: Er schenkt Leben, vergibt Sünde, übt Gericht aus und empfängt göttliche Ehre. Die Bibel löst diese Spannung nicht auf, indem sie eine Seite abschwächt. Sie bezeugt den Sohn in seiner ganzen Erniedrigung und zugleich in seiner einzigartigen göttlichen Würde.
Dabei bleibt Jesus vom Vater unterschieden. Er wird gesandt, betet zum Vater, gehorcht seinem Willen und spricht von der Herrlichkeit, die er bei ihm hatte, ehe die Welt bestand. Vater und Sohn sind nicht dieselbe Person. Dennoch beschreibt Jesus eine Einheit, die weit über gemeinsame Ziele hinausgeht. Was der Vater tut, tut auch der Sohn; wer den Sohn ehrt, ehrt den Vater; und wer in Christus Gottes Wesen erkennen will, wird nicht auf eine unvollständige Darstellung verwiesen. Im Sohn wird der Vater zuverlässig offenbar.
Diese Einheit zeigt sich besonders im Erlösungsplan. Der Vater sendet den Sohn nicht gegen seinen Willen, und der Sohn muss keinen widerstrebenden Vater zur Liebe bewegen. Die Rettung des Menschen entspringt Gottes eigener Liebe. Der Vater gibt den Sohn, und der Sohn gibt sich selbst. Am Kreuz begegnen deshalb nicht zwei gegensätzliche Seiten Gottes, sondern derselbe Wille zur Erlösung: Sünde wird ernst genommen, Schuld wird getragen und der Weg zurück in die Gemeinschaft mit Gott wird geöffnet.
Darum kann Jesus von sich sagen, dass er der Weg zum Vater ist. Kein Prophet, keine religiöse Leistung und keine menschliche Vermittlung kann an seine Stelle treten. Der Zugang zu Gott ist an Christus gebunden, weil nur er vom Vater kommt, ihn vollkommen offenbart und die Trennung durch die Sünde überwindet. Diese Ausschließlichkeit ist zugleich eine weit geöffnete Einladung: Jeder, der sich dem Sohn im Glauben anvertraut, darf durch ihn zum Vater kommen.
Dasselbe gilt für das ewige Leben. Johannes beschreibt es nicht als natürlichen Besitz des Menschen, sondern als Gottes Gabe im Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben. Diese Hoffnung reicht über das gegenwärtige Leben hinaus, denn der Sohn ist auch die Auferstehung und das Leben. Seine eigene Auferstehung bestätigt vor der Welt, dass der Gekreuzigte wirklich der Christus und Sohn Gottes ist und dass der Tod seine Herrschaft über diejenigen nicht behalten wird, die zu ihm gehören.
Auch die schwierigen Aussagen über Jesu Unterordnung verändern dieses Gesamtbild nicht. Dass er dem Vater gehorcht, von ihm gesandt wird, während seiner Erniedrigung von einer geringeren Stellung spricht oder innerhalb seines menschlichen Lebens wirkliche Begrenzungen erfährt, gehört zur Realität seiner Menschwerdung und seines Erlösungsauftrags. Selbst wenn der Sohn am Ende das vollendete Reich dem Vater übergibt, beschreibt die Schrift keine Rivalität oder Minderwertigkeit, sondern eine vollkommene Ordnung der Liebe und Einheit.
So führt die Erkenntnis des Sohnes schließlich zu einer persönlichen Entscheidung. Die Bibel möchte nicht nur erklären, welche Stellung Jesus innerhalb einer theologischen Lehre besitzt. Johannes schreibt, damit Menschen glauben, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und durch diesen Glauben Leben empfangen. Wer den Sohn erkennt, begegnet demjenigen, in dem Gottes Liebe sichtbar geworden ist, durch den Vergebung möglich ist und in dessen Hand die Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben liegt. Der Sohn führt nicht von Gott weg – in ihm kommt Gott dem Menschen entgegen und führt ihn zurück zum Vater.
Vater im Himmel, wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus, den du zu unserer Rettung in die Welt gesandt hast. Danke, dass wir in ihm deine Liebe, Wahrheit und Heiligkeit erkennen dürfen und dass durch sein Opfer der Weg zu dir geöffnet ist. Bewahre uns davor, Jesus geringer zu sehen, als dein Wort ihn offenbart, und lehre uns zugleich, seiner freiwilligen Demut und seinem Gehorsam zu folgen. Stärke unseren Glauben an den auferstandenen Sohn und lass unser Leben von der Hoffnung geprägt sein, die allein in ihm liegt. Amen.
„Und wir haben gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt.“ 1. Johannes 4,14