Erwählung

Erwählung: Gottes Handeln und die Verantwortung des Menschen

Biblische Erwählung bedeutet, dass Gott aus freier Gnade in Christus den Weg des Heils beschlossen, Menschen gerufen und zu seinem Volk bestimmt hat. Sie beruht nicht auf menschlichem Verdienst und hebt dennoch die echte Antwort des Menschen nicht auf: Gottes Ruf wird im Glauben angenommen, kann aber auch zurückgewiesen werden. Gottes Souveränität zeigt sich daher nicht in Willkür, sondern in einem gerechten und christuszentrierten Erlösungsplan.

Einführung

Kaum eine biblische Lehre wird so unterschiedlich verstanden wie die Erwählung. Für manche bedeutet sie, dass Gott bereits vor der Geburt jedes Menschen unabänderlich festgelegt habe, wer gerettet und wer verloren sein wird. Andere sprechen fast ausschließlich von der menschlichen Entscheidung und lassen dadurch leicht den Eindruck entstehen, der Mensch beginne seinen Weg zu Gott aus eigener Kraft.

Beide Verkürzungen berühren wichtige Wahrheiten, bringen sie jedoch aus ihrem biblischen Verhältnis. Die Schrift spricht mit großer Klarheit von Gottes Vorsatz, seinem vorhergehenden Ruf und seiner freien Gnade. Zugleich richtet sie ernsthafte Einladungen, Mahnungen und Warnungen an Menschen, deren Antwort nicht als bedeutungsloser Schein behandelt wird. Weder wird Gott zum Zuschauer menschlicher Selbstrettung, noch erscheint der Mensch als willenlose Figur eines verborgenen Schicksals.

Hinzu kommt, dass die Bibel nicht jede Erwählung in derselben Weise verwendet. Sie spricht von erwählten Personen für besondere Aufgaben, von Israel als erwähltem Bundesvolk, von Christus als dem von Gott bestimmten Retter und von der Gemeinde, die in ihm erwählt ist. Werden diese Zusammenhänge vermischt, entstehen Schlussfolgerungen, die einzelne Verse stärker belasten, als ihr unmittelbarer Zusammenhang erlaubt.

Darum muss die Frage Schritt für Schritt aus dem Gesamtzeugnis der Schrift entfaltet werden, ohne Texte über Gottes Souveränität gegen Aussagen über seinen allgemeinen Heilswillen und die menschliche Verantwortung auszuspielen. Erst wenn geklärt ist, wen Gott erwählt, wozu er erwählt und auf welcher Grundlage diese Erwählung geschieht, kann auch das Verhältnis von Gnade, Vorherwissen, Vorbestimmung und Glauben verständlich eingeordnet werden.

Wen Gott erwählt und wozu

5. Mose 7,6-8 – „6 Denn du bist ein dem HERRN, deinem Gott, heiliges Volk; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern, die auf Erden sind, zum Volk des Eigentums erwählt. 7 Nicht darum, weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der HERR Lust zu euch gehabt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; 8 sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er eur…"
5. Mose 7,6-8 – „6 Denn du bist ein dem HERRN, deinem Gott, heiliges Volk; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern, die auf Erden sind, zum Volk des Eigentums erwählt. 7 Nicht darum, weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der HERR Lust zu euch gehabt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; 8 sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er eur…"
Jesaja 42,1 – „1 Siehe, das ist mein Knecht, auf den ich mich verlassen kann, mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Völkern hinaustragen."
Lukas 6,13 – „13 Und als es Tag geworden, rief er seine Jünger herzu und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte:"
Epheser 1,3-6 – „3 Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen [Regionen] durch Christus; 4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos wären vor ihm; 5 und aus Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens,…"

Bevor einzelne Aussagen über Vorherbestimmung ausgelegt werden, muss geklärt werden, wie vielfältig die Bibel von Erwählung spricht. Nicht jede Erwählung bezeichnet dieselbe Handlung, und nicht jede erwählte Person ist damit automatisch zum ewigen Leben bestimmt. Je nach Zusammenhang kann Gott einen Menschen, ein Volk oder eine Gemeinschaft für einen besonderen Auftrag, eine heilsgeschichtliche Stellung oder die Gemeinschaft mit ihm auswählen.

Israel wird im Alten Testament als Gottes erwähltes Volk bezeichnet. Mose erklärt jedoch ausdrücklich, dass diese Wahl weder auf seiner Größe noch auf einer besonderen Überlegenheit beruhte. Israel war unter den Völkern gering, doch Gott liebte es und hielt den Bund, den er den Vätern zugesagt hatte. Die Erwählung entsprang daher Gottes Treue und Gnade, nicht einem Verdienst des Volkes.

Diese Wahl gab Israel eine besondere Stellung innerhalb des Erlösungsplans. Durch dieses Volk sollten Gottes Wort bewahrt, sein Wesen bezeugt und schließlich der verheißene Messias in die Welt gebracht werden. Erwählung bedeutete deshalb zugleich Berufung und Verantwortung. Israel wurde nicht erwählt, um Gottes Gnade für sich zu verschließen, sondern um ein Licht für andere Völker zu sein.

Die Geschichte Israels zeigt zugleich, dass eine erwählte Stellung nicht jede persönliche Antwort ersetzt. Viele Angehörige des Bundesvolkes widersetzten sich Gott, verfielen dem Unglauben und gingen trotz ihrer äußeren Zugehörigkeit verloren. Die Erwählung des Volkes für eine heilsgeschichtliche Aufgabe bedeutete nicht, dass jedes einzelne Mitglied unabhängig von Glauben und Treue endgültig gerettet war.

Auch einzelne Menschen werden für bestimmte Dienste erwählt. Jesus wählte aus der größeren Zahl seiner Jünger zwölf Männer aus und nannte sie Apostel. Diese Wahl galt einem besonderen Auftrag: Sie sollten bei ihm sein, von ihm lernen und später sein Zeugnis weitertragen. Dennoch befand sich unter ihnen Judas, der sich bewusst von Christus abwandte. Seine Erwählung zum apostolischen Dienst war keine unwiderrufliche Zusicherung persönlichen Heils.

Im Mittelpunkt jeder biblischen Erwählung steht jedoch Christus selbst. Jesaja nennt ihn den Knecht Gottes, den Erwählten, an dem Gott Wohlgefallen hat. Er ist der von Gott bestimmte Träger des Heils, durch den Recht, Wahrheit und Erlösung zu den Völkern gelangen. Bevor die Schrift von der Erwählung der Gemeinde spricht, richtet sie den Blick auf den einen Erwählten, in dem Gottes gesamter Rettungsplan seine Grundlage besitzt.

Wenn Paulus später schreibt, dass Gott die Gläubigen „in Christus“ erwählt hat, greift er diese Mitte auf. Die Erwählung der Erlösten besteht nicht unabhängig von Jesus und nicht neben ihm. Gott hat von Ewigkeit her beschlossen, dass Menschen in seinem Sohn Vergebung, Kindschaft und ein geheiligtes Leben empfangen sollen. Christus ist nicht nur das Mittel, durch das ein bereits unabhängig festgelegter Plan ausgeführt wird, sondern der Ort, die Grundlage und das Ziel der Erwählung.

Darum muss bei jeder Erwählungsaussage gefragt werden, wer erwählt wird und wozu diese Wahl dient. Geht es um einen Dienst, eine geschichtliche Aufgabe, eine Bundesstellung oder um die Gemeinschaft des Heils in Christus? Werden diese Ebenen nicht unterschieden, kann eine Erwählung zum Auftrag fälschlich als Garantie ewiger Rettung verstanden oder eine Aussage über ein Volk ohne Weiteres auf das unveränderliche Schicksal jedes Einzelnen übertragen werden.

Die biblische Erwählung beginnt somit nicht mit einem verborgenen Verzeichnis geretteter und verlorener Menschen. Sie beginnt mit Gottes gnädigem Vorsatz, seinen Verheißungen und vor allem mit Christus, dem Erwählten. Erst von ihm her lässt sich verstehen, wie Menschen Anteil an Gottes Heilsplan erhalten und welche Bedeutung ihre Antwort auf diesen Ruf besitzt.

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Erwählt in Christus vor Grundlegung der Welt

Epheser 1,3-6 – „3 Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen [Regionen] durch Christus; 4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos wären vor ihm; 5 und aus Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens,…"
Epheser 1,3-6 – „3 Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen [Regionen] durch Christus; 4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos wären vor ihm; 5 und aus Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens,…"
Epheser 1,9-12 – „9 er tat uns das Geheimnis seines Willens kund, gemäß seinem wohlwollenden Ratschluß, den er gefaßt hat in ihm, 10 damit es ausgeführt würde in der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zu bringen in Christus, was im Himmel und was auf Erden ist, in ihm. 11 In ihm haben auch wir Anteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Wille…"
2. Timotheus 1,9-10 – „9 der uns gerettet und mit einem heiligen Ruf berufen hat, nicht nach unsren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, 10 jetzt aber geoffenbart worden ist durch die Erscheinung unsres Retters Jesus Christus, der dem Tode die Macht genommen, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,"
1. Petrus 1,18-20 – „18 da ihr ja wisset, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, 19 sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, 20 der zwar zuvor ersehen war vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart wurde am Ende der Zeiten um euretwillen,"

Paulus führt den Ursprung der Erlösung weit über den Augenblick hinaus zurück, in dem ein Mensch zum Glauben kommt. Gott hat seinen Heilsplan nicht erst entworfen, nachdem die Sünde in die Welt eingedrungen war oder menschliche Bemühungen gescheitert waren. Vor Grundlegung der Welt stand sein Vorsatz fest, Menschen in Christus zu segnen, zu erlösen und in die Gemeinschaft seiner Familie aufzunehmen.

Dabei ist die wiederholte Formulierung „in Christus“ für den ganzen Abschnitt entscheidend. Paulus beschreibt keine Erwählung, die unabhängig vom Sohn Gottes stattfindet. Jeder geistliche Segen, von dem er spricht, wird in Christus geschenkt: In ihm geschieht die Erwählung, durch ihn die Annahme als Kinder, in ihm die Erlösung und in ihm die Vergebung. Gottes ewiger Vorsatz besitzt daher von Anfang an eine klar bestimmte Mitte.

Das bedeutet zunächst, dass Christus nicht nur später als Mittel zur Ausführung eines verborgenen Beschlusses hinzutritt. Er selbst ist der von Gott bestimmte Weg des Heils. Noch bevor die Welt bestand, war im göttlichen Ratschluss festgelegt, dass Rettung, Kindschaft und ewiges Leben allein durch die Verbindung mit dem Sohn möglich sein würden. Niemand wird außerhalb von Christus gerettet, doch jeder, der zu ihm gehört, steht innerhalb dieses gnädigen Vorsatzes.

Paulus nennt zugleich das Ziel der Erwählung: Die Gläubigen sollen heilig und untadelig vor Gott leben. Erwählung beschreibt daher nicht nur ein zukünftiges Ankommen im Himmel, sondern eine gegenwärtige Berufung zur Erneuerung. Gott erwählt nicht, damit Sünde bedeutungslos wird, sondern damit Menschen durch Christus aus ihrer Herrschaft befreit und seinem Wesen gleichgestaltet werden.

Auch die Vorbestimmung zur Sohnschaft muss aus diesem Zusammenhang verstanden werden. Gott hat im Voraus beschlossen, was mit denen geschieht, die in Christus sind: Sie sollen nicht als Fremde unter Verurteilung bleiben, sondern durch Jesus Christus als Kinder angenommen werden. Die Vorbestimmung bezeichnet hier ausdrücklich das von Gott festgesetzte Ziel seiner Erlösten, nicht eine ohne Rücksicht auf Christus ausgesprochene willkürliche Auswahl.

Diese Sohnschaft gründet allein auf Gottes Wohlgefallen und Gnade. Der Mensch bringt keinen Anspruch mit, der Gott zur Annahme verpflichten könnte. Er wird nicht deshalb aufgenommen, weil er moralisch überlegen, religiös einsichtiger oder aus eigener Kraft empfänglicher wäre. Alles Lob richtet sich auf die Herrlichkeit der Gnade, die Gott in seinem geliebten Sohn schenkt.

Gleichzeitig beantwortet Epheser 1 nicht jede Frage darüber, wie der einzelne Mensch zum Glauben gelangt oder ob ein Ruf abgelehnt werden kann. Paulus schreibt an Menschen, die das Evangelium gehört und geglaubt haben, und erklärt ihnen die göttliche Tiefe des Heils, das sie in Christus empfangen haben. Der Abschnitt will ihre Rettung vollständig in Gottes ewiger Gnade verankern, nicht alle anderen Aussagen der Schrift über Einladung, Glauben und Verantwortung aufheben.

Auch an Timotheus schreibt Paulus, dass Gott nach seinem eigenen Vorsatz und seiner Gnade rettet, die vor ewigen Zeiten in Christus gegeben wurde. Offenbar geworden ist dieser Vorsatz jedoch erst durch das Erscheinen Jesu. Was von Ewigkeit her in Gottes Willen bestand, trat in der Geschichte sichtbar hervor, als Christus den Tod entmachtete und durch das Evangelium Leben und Unvergänglichkeit ans Licht brachte.

Der erste Petrusbrief beschreibt ähnlich, dass Christus schon vor Grundlegung der Welt als Erlöser erkannt und in der letzten Zeit offenbart wurde. Damit wird der Blick erneut auf Gottes Vorsorge gelenkt. Die Sünde überraschte ihn nicht, und das Kreuz war keine improvisierte Antwort auf eine unerwartete Entwicklung. Gottes Plan zur Rettung war bereits in Christus verankert, bevor der Mensch seine Bedürftigkeit überhaupt erkennen konnte.

Erwählung vor Grundlegung der Welt verkündet deshalb vor allem die Sicherheit und Vorrangstellung der Gnade. Der Ursprung des Heils liegt nicht in einer menschlichen Entscheidung, doch sein Mittelpunkt liegt ebenso wenig in einem unergründlichen Schicksal außerhalb Christi. Gott hat von Ewigkeit her festgelegt, dass sein Sohn der Erlöser ist und dass alle, die in ihm sind, Vergebung, Sohnschaft, Heiligung und schließlich das verheißene Erbe empfangen.

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Gottes Gnade geht dem Glauben voraus

Johannes 6,44-45 – „44 Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten: «Sie werden alle von Gott gelehrt sein.» Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir."
Johannes 6,44-45 – „44 Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten: «Sie werden alle von Gott gelehrt sein.» Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir."
Epheser 2,1-10 – „1 Auch euch, die ihr tot waret, durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in welchen ihr einst wandeltet nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geiste, der jetzt in den Kindern des Unglaubens wirkt, 3 unter welchen auch wir alle einst einhergingen in den Lüsten unsres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und wir waren Kinder des Zo…"
Römer 3,10-12 – „10 wie geschrieben steht: «Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; 11 es ist keiner verständig, keiner fragt nach Gott; 12 alle sind abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; es ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer!"
Titus 3,3-7 – „3 Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, gingen irre, dienten den Lüsten und mancherlei Begierden, lebten in Bosheit und Neid, verhaßt und einander hassend. 4 Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unsres Retters, erschien, 5 hat er (nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit) uns gerettet durch das Bad der Wie…"

Nachdem Paulus den ewigen Ursprung des Heilsplans in Christus gezeigt hat, stellt sich die Frage, wie ein Mensch tatsächlich zu Christus kommt. Jesus beantwortet sie mit einer grundlegenden Aussage: Niemand kann zu ihm kommen, wenn der Vater ihn nicht zieht. Der Anfang der rettenden Beziehung liegt damit nicht in einer selbstständig erwachten menschlichen Suche, sondern im vorausgehenden Handeln Gottes.

Diese Aussage steht im Zusammenhang mit Menschen, die Jesu Zeichen gesehen und seine Worte gehört hatten, ihm aber dennoch nicht glaubten. Äußere Nähe zu Christus, religiöses Wissen und die Erfahrung göttlicher Wohltaten bringen aus sich selbst noch keinen rettenden Glauben hervor. Der Mensch benötigt mehr als Informationen über Gott; sein Herz muss durch Gottes Wirken für die Wahrheit geöffnet werden.

Paulus beschreibt die menschliche Lage noch schärfer. Der Mensch ist durch Übertretungen und Sünden geistlich tot und folgt von Natur aus einer von Gott entfremdeten Lebensrichtung. Dieses Bild bedeutet nicht, dass er weder denken noch moralisch handeln oder religiöse Fragen stellen könnte. Es bezeichnet seine Unfähigkeit, aus sich selbst das Leben mit Gott hervorzubringen und sich durch eigene Kraft aus der Herrschaft der Sünde zu befreien.

Auch die Aussage, dass niemand Gott sucht, darf nicht so verstanden werden, als gäbe es keinerlei religiöses Verlangen. Menschen können nach Sinn, Frieden, Wahrheit oder einer höheren Macht suchen. Doch eine rettende Hinwendung zum wahren Gott entsteht nicht unabhängig von seinem vorherigen Wirken. Schon dort, wo ein Mensch aufrichtig nach Wahrheit fragt, hat Gottes Gnade ihn angesprochen und sein Gewissen berührt.

Das Ziehen des Vaters ist deshalb ein Werk der Gnade. Jesus erklärt unmittelbar danach, dass Menschen von Gott gelehrt werden und dass derjenige zu ihm kommt, der vom Vater hört und lernt. Gott zieht nicht durch eine mechanische Macht, die Denken und Willen ausschaltet. Er offenbart Wahrheit, spricht durch sein Wort, wirkt am Herzen und führt den Menschen zur Erkenntnis seiner Bedürftigkeit und der Herrlichkeit Christi.

Dabei besitzt dieses göttliche Wirken verschiedene Seiten. Der Heilige Geist überführt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Gottes Güte führt zur Umkehr, sein Wort weckt Glauben, und die Offenbarung Christi zieht den Blick weg von eigener Gerechtigkeit hin zu dem einzigen Erlöser. All dies geht der bewussten Glaubensantwort voraus und macht sie überhaupt erst möglich.

Titus beschreibt deshalb die Rettung nicht als Ergebnis menschlicher Gerechtigkeit, sondern als Werk der Barmherzigkeit Gottes. Er rettet durch die Erneuerung des Heiligen Geistes, den er durch Jesus Christus ausgießt. Der Mensch bringt weder das geistliche Leben hervor noch reinigt er sich selbst von seiner Schuld. Gott schenkt Vergebung, erneuert das Herz und eröffnet die Gemeinschaft mit sich.

Dennoch folgt aus der Notwendigkeit des göttlichen Ziehens nicht automatisch, dass jeder, den Gott anspricht, unwiderstehlich zum Glauben gelangen muss. Johannes 6 erklärt zunächst, weshalb niemand ohne Gottes Gnade zu Christus kommen kann. Die Frage, ob dieses Wirken abgelehnt werden kann und wie weit Gottes Ruf reicht, muss aus weiteren Aussagen der Schrift beantwortet werden. Ein Vers darf nicht mehr tragen, als sein Zusammenhang tatsächlich erklärt.

Ebenso darf Gottes vorausgehende Gnade nicht so dargestellt werden, als würde sie den Glauben zu einer menschlichen Leistung machen. Selbst die Fähigkeit, auf das Evangelium zu antworten, besteht nur, weil Gott zuerst gesucht, gesprochen und gewirkt hat. Der Glaube ist keine verdienstvolle Gegenleistung, sondern das vertrauende Empfangen dessen, was Gott in Christus schenkt.

Damit bleibt die Reihenfolge des Heils eindeutig. Gott wartet nicht darauf, dass der Mensch sich aus eigener Kraft zu ihm emporarbeitet. Er kommt dem Verlorenen entgegen, offenbart seinen Sohn, ruft zur Umkehr und wirkt durch seinen Geist. Wo ein Mensch zu Christus findet, darf er deshalb nicht sich selbst rühmen, sondern allein die Gnade, die ihn gesucht hat, bevor er Gott suchen konnte.

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Gottes Heilswille richtet sich an alle

1. Timotheus 2,3-6 – „3 denn solches ist gut und angenehm vor Gott unsrem Retter, 4 welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit,"
1. Timotheus 2,3-6 – „3 denn solches ist gut und angenehm vor Gott unsrem Retter, 4 welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit,"
Johannes 12,31-33 – „31 Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt! Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden; 32 und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 33 Das sagte er aber, um anzudeuten, welches Todes er sterben würde."
2. Petrus 3,9 – „9 Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verloren gehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe."
Titus 2,11 – „11 Denn es ist erschienen die Gnade Gottes, heilsam allen Menschen;"

Dass niemand ohne Gottes vorausgehende Gnade zu Christus kommen kann, beantwortet noch nicht die Frage, wem diese Gnade gilt. Die Schrift lässt Gottes Ruf nicht als verborgenes Angebot für eine kleine, von vornherein abgeschlossene Gruppe erscheinen. Sie offenbart einen Gott, dessen rettender Wille sich auf die Menschheit richtet und dessen Sohn als Mittler für alle gegeben wurde.

Paulus fordert Timotheus auf, für alle Menschen zu beten, ausdrücklich auch für Könige und andere Verantwortliche. In einer Zeit, in der politische Herrscher der Gemeinde feindlich gegenüberstehen konnten, sollte sie dennoch niemanden vorschnell außerhalb der Reichweite göttlicher Gnade sehen. Der Grund für dieses umfassende Gebet liegt im Wesen Gottes: Er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Der Ausdruck „alle Menschen“ muss im Zusammenhang ernst genommen werden. Paulus denkt nicht nur an eine religiöse, soziale oder ethnische Gruppe. Er stellt dem einen Gott den einen Mittler gegenüber, Jesus Christus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. Gottes Heilsweg ist einzig, doch seine Einladung ist nicht auf ein bestimmtes Volk, einen gesellschaftlichen Stand oder eine menschlich ausgewählte Klasse beschränkt.

Diese Aussage lehrt keine automatische Rettung aller Menschen. Derselbe Paulus spricht an vielen Stellen von Glauben, Umkehr, Gericht und der Möglichkeit, das Evangelium zurückzuweisen. Gottes Wille zur Rettung bedeutet daher nicht, dass jede menschliche Ablehnung am Ende wirkungslos wird. Er beschreibt vielmehr die aufrichtige Richtung seines offenbarten Herzens und die universale Reichweite des in Christus bereitgestellten Heils.

Auch Jesu Wort über seine Erhöhung am Kreuz führt in diese Weite. Wenn er von der Erde erhöht wird, will er alle zu sich ziehen. Im Zusammenhang kündigt er seinen Tod an, durch den das Gericht über die Welt und der Sieg über den Herrscher dieser Welt sichtbar werden. Das Kreuz ist kein verborgenes Erlösungswerk für wenige, sondern Gottes Offenbarung an die Welt, durch die Menschen aus allen Völkern zu Christus gerufen werden.

Das „Ziehen“ in Johannes 12 darf ebenso wenig als Zwang verstanden werden wie das Ziehen des Vaters in Johannes 6. Christus zieht durch die Offenbarung seiner selbst, durch die Liebe Gottes, die am Kreuz sichtbar wird, und durch das Wirken des Heiligen Geistes. Der Gekreuzigte begegnet dem Menschen nicht nur mit einer Forderung, sondern mit einer Gnade, die das Herz anspricht und eine wirkliche Antwort ermöglicht.

Dabei sagt die Bibel nicht, dass jeder Mensch zu jeder Zeit dieselbe Menge an Erkenntnis, dieselben äußeren Möglichkeiten oder dieselbe Form der Verkündigung empfängt. Sie macht jedoch deutlich, dass Gott niemanden willkürlich vom Heil ausschließt. Er beurteilt Menschen gerecht nach dem Licht, das ihnen gegeben wurde, und sein Geist wirkt, um zur Wahrheit zu führen. Unterschiede in Erkenntnis und Verantwortung verändern nicht den offenbarten Grundsatz, dass Gott retten und nicht verderben will.

Petrus erklärt die scheinbare Verzögerung der Wiederkunft mit Gottes Geduld. Der Herr zögert nicht aus Gleichgültigkeit, sondern ist langmütig und will nicht, dass Menschen verloren gehen, sondern dass sie zur Umkehr gelangen. Gottes Geduld ist daher keine Schwäche seines Plans. Sie eröffnet Zeit zur Entscheidung und zeigt, dass sein Gericht nicht aus Freude am Verderben, sondern nach einem ernsthaften Ruf zur Umkehr kommt.

Auch die Gnade, von der Titus spricht, ist als heilbringende Gnade für alle Menschen erschienen. In Christus ist Gottes Rettungsangebot in die Geschichte eingetreten und über die Grenzen Israels hinaus zu den Völkern getragen worden. Diese Gnade rettet nicht unabhängig vom Glauben, doch sie begegnet dem Menschen, unterweist ihn und ruft ihn zu einem neuen Leben.

Damit wird eine wichtige Grenze für das Verständnis der Erwählung sichtbar. Sie darf nicht so ausgelegt werden, als wünsche Gott die Rettung nur derer, denen er allein die Möglichkeit dazu gebe, während er alle anderen ohne wirklichen Ruf dem Verderben überlasse. Gottes Initiative bleibt vollständig notwendig, doch sein offenbarter Heilswille ist weit: Christus wurde für die Welt gegeben, der Ruf zur Umkehr gilt allen, und niemand ist durch einen willkürlichen Beschluss von der Möglichkeit des Heils ausgeschlossen.

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Gottes Ruf kann zurückgewiesen werden

Matthäus 23,37-39 – „37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! 38 Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; 39 denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gelobt sei, der da kommt im Na…"
Matthäus 23,37-39 – „37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! 38 Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden; 39 denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gelobt sei, der da kommt im Na…"
Johannes 5,39-40 – „39 Ihr erforschet die Schriften, weil ihr meinet, darin das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen. 40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen."
Apostelgeschichte 7,51 – „51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren! Ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste; wie eure Väter, also auch ihr!"
Hebräer 3,7-13 – „7 Darum, wie der heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht, 8 wie in der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste, da mich eure Väter versuchten; 9 sie prüften mich und sahen meine Werke vierzig Jahre lang. 10 Darum ward ich entrüstet über dieses Geschlecht und sprach: Immerdar irren sie mit ihrem Herzen! 11 Sie aber erkannten meine…"

Gottes Heilswille und sein vorausgehendes Wirken führen zu einer entscheidenden Frage: Bewirkt sein Ruf zwangsläufig die Rettung jedes Menschen, den er erreicht? Jesu Klage über Jerusalem zeigt, dass Gottes rettende Zuwendung ernst gemeint ist und dennoch zurückgewiesen werden kann. Christus wollte die Bewohner der Stadt sammeln, doch sie waren nicht bereit, zu ihm zu kommen.

Jesus vergleicht seine Fürsorge mit einer Henne, die ihre Küken unter den Flügeln sammelt. Das Bild spricht von Schutz, Nähe und rettender Liebe. Er steht Jerusalem nicht als gleichgültiger Beobachter gegenüber, der lediglich einen längst festgelegten Ausgang verkündet. Er sucht, ruft und will sammeln; die Tragödie liegt darin, dass seine Einladung auf beharrliche Unwilligkeit trifft.

Die Worte „ich habe gewollt, und ihr habt nicht gewollt“ stellen nicht zwei gleich starke Mächte nebeneinander. Gottes Wille bleibt heilig, souverän und seinem Geschöpf unendlich überlegen. Dennoch gebraucht er seine Macht nicht so, dass er die persönliche Antwort aufhebt. Er kann den Widerstand überwinden, ohne den Menschen zu einem willenlosen Werkzeug zu machen, doch er zwingt niemanden in eine liebende Gemeinschaft mit sich.

Dasselbe Muster erscheint in Jesu Auseinandersetzung mit religiösen Führern. Sie erforschten die Schriften und meinten, darin das ewige Leben zu besitzen. Gerade diese Schriften zeugten von Christus, doch sie wollten nicht zu ihm kommen, um Leben zu empfangen. Ihr Problem bestand nicht darin, dass Gott ihnen jeden Zugang versperrt hätte, sondern darin, dass sie sich der Wahrheit widersetzten, die ihnen begegnete.

Damit wird menschliche Verantwortung tiefer verstanden als bloße Entscheidungsfreiheit. Der Mensch entscheidet nicht aus einer neutralen Stellung zwischen Gott und Sünde. Sein Denken ist verdunkelt, sein Herz zur Selbstbehauptung geneigt und sein Wille durch sündige Wünsche beeinflusst. Dennoch spricht Gott ihn durch Wort, Geist und Gewissen so an, dass seine Antwort eine wirkliche moralische Bedeutung besitzt.

Stephanus wirft seinen Zuhörern deshalb vor, dem Heiligen Geist zu widerstehen. Wie ihre Vorfahren hätten sie Gottes Boten zurückgewiesen und sich schließlich dem von Gott gesandten Gerechten widersetzt. Diese Aussage wäre unverständlich, wenn das Wirken des Geistes grundsätzlich nicht zurückgewiesen werden könnte. Widerstand bedeutet, erkannte Wahrheit abzuwehren, das Gewissen zu verhärten und Gottes Ruf nicht an sich heranzulassen.

Solche Ablehnung geschieht häufig nicht in einem einzigen dramatischen Augenblick. Der Hebräerbrief warnt davor, das Herz zu verhärten, wenn Gottes Stimme gehört wird. Wiederholtes Zögern, entschuldigter Ungehorsam und festgehaltenes Misstrauen können eine innere Haltung hervorbringen, in der der Mensch immer weniger bereit ist zu hören. Die Verhärtung wird schließlich zu einem Zustand, den Gott im Gericht bestätigt, weil der Mensch beharrlich an ihm festgehalten hat.

Die Warnung richtet sich nicht nur an Menschen außerhalb der Glaubensgemeinschaft. Der Hebräerbrief spricht zu Personen, die Gottes Wort kennen und zur gegenseitigen Ermutigung aufgerufen werden. Sie sollen darauf achten, dass sich in niemandem ein ungläubiges Herz entwickelt, das sich vom lebendigen Gott abwendet. Frühere Nähe zu Gottes Wirken macht die fortwährende Antwort des Glaubens daher nicht bedeutungslos.

Gottes Gnade bleibt auch hier die erste und tragende Wirklichkeit. Der Mensch bringt den Ruf nicht hervor, erweckt sich nicht selbst zum geistlichen Leben und verdient keine weitere Gelegenheit. Doch die Gnade behandelt ihn als verantwortliches Gegenüber. Sie erleuchtet, überführt, zieht und lädt ein, ohne aus der Beziehung zu Gott einen erzwungenen Vorgang zu machen.

Wenn ein Mensch gerettet wird, gehört die Ehre vollständig Gott, der ihn gesucht, gerufen und getragen hat. Wenn er jedoch verloren geht, kann er die Ursache nicht in einem fehlenden Heilswillen Gottes suchen. Christus wollte sammeln und Leben schenken; der Widerstand entstand auf der Seite derer, die nicht kommen wollten. Erwählung hebt diese ernste Möglichkeit nicht auf, sondern macht den Ruf umso kostbarer: Gottes Einladung ist wirklich, und deshalb ist auch die Antwort darauf wirklich.

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Im Glauben wird Gottes Heil empfangen

Epheser 1,13-14 – „13 in ihm [seid] auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem heiligen Geiste der Verheißung, 14 welcher das Pfand unsres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Preise seiner Herrlichkeit."
Epheser 1,13-14 – „13 in ihm [seid] auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem heiligen Geiste der Verheißung, 14 welcher das Pfand unsres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Preise seiner Herrlichkeit."
Johannes 1,11-13 – „11 Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; 13 welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind."
Römer 10,9-13 – „9 Denn wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet; 10 denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um gerettet zu werden; 11 denn die Schrift spricht: «Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden!» 12 Denn es ist kein Unterschied zwischen Juden und Griechen: a…"
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"

Wenn Gottes Gnade dem Menschen vorausgeht und sein Ruf dennoch zurückgewiesen werden kann, stellt sich die Frage, wie ein Mensch tatsächlich Anteil am Heil erhält. Paulus gibt darauf im selben Abschnitt eine klare Antwort, in dem er von der Erwählung in Christus spricht: Die Epheser hörten das Wort der Wahrheit, glaubten dem Evangelium und wurden mit dem Heiligen Geist versiegelt. Gottes ewiger Vorsatz und die persönliche Glaubensantwort werden dabei nicht gegeneinander ausgespielt.

Die Reihenfolge ist bedeutsam. Das Evangelium entsteht nicht aus dem Glauben des Menschen, sondern wird ihm als bereits vollbrachte Heilsbotschaft verkündigt. Christus ist gestorben und auferstanden, bevor der Hörer darauf antwortet. Gott lässt sein Wort verkündigen, der Geist wirkt durch dieses Wort, und der Mensch wird eingeladen, dem offenbarten Retter zu vertrauen.

Glaube ist deshalb weder Ursprung noch Verdienst der Erlösung. Er fügt dem Werk Christi nichts hinzu und macht das Opfer nicht erst wirksam. Der Glaubende empfängt, was Gott aus Gnade bereitgestellt hat. Wie eine leere Hand ein Geschenk annimmt, so verlässt sich der Glaube nicht auf den eigenen Wert, sondern auf die Treue dessen, der das Heil schenkt.

Johannes beschreibt dieselbe Verbindung mit den Worten, dass diejenigen, die Christus aufnahmen und an seinen Namen glaubten, das Recht empfingen, Kinder Gottes zu werden. Das Heil wird nicht durch natürliche Abstammung, menschliche Willenskraft oder religiöse Zugehörigkeit hervorgebracht. Die neue Geburt stammt von Gott. Dennoch unterscheidet Johannes zwischen denen, die Christus verwerfen, und denen, die ihn aufnehmen.

Diese Aufnahme darf nicht auf eine bloße Zustimmung zu einzelnen Lehraussagen verkürzt werden. An den Namen Jesu zu glauben bedeutet, seiner Person, seinem Charakter und seinem rettenden Anspruch zu vertrauen. Der Mensch erkennt an, dass er sich nicht selbst retten kann, wendet sich Christus zu und übergibt sich seiner Herrschaft. Wahrer Glaube ist damit mehr als Wissen, bleibt aber dennoch das vertrauende Empfangen und keine verdienstvolle Leistung.

Paulus verbindet den Glauben des Herzens mit dem Bekenntnis, dass Jesus der Herr ist und Gott ihn aus den Toten auferweckt hat. Das Bekenntnis rettet nicht als äußere Formel. Es bringt vielmehr zum Ausdruck, wem sich der Mensch anvertraut hat. Wer Christus als Herrn bekennt, erkennt seinen Anspruch an und verlässt sich auf Gottes Handeln in seinem Tod und seiner Auferstehung.

Dabei betont Paulus ausdrücklich die Weite dieser Einladung. Zwischen Jude und Grieche besteht im Zugang zum Heil kein Unterschied, denn derselbe Herr ist reich für alle, die ihn anrufen. „Jeder“, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Persönliche Herkunft, bisherige Lebensgeschichte und gesellschaftliche Stellung bilden keine Schranke, wenn ein Mensch im Glauben zu Christus kommt.

Auch Johannes 3 verbindet Gottes umfassende Liebe mit der Notwendigkeit des Glaubens. Gott gab seinen Sohn für die Welt, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Der Unglaube bedeutet nicht, dass das Opfer Christi unzureichend oder Gottes Einladung unehrlich wäre. Er lässt den Menschen außerhalb des Heils bleiben, das ihm in Christus wirklich angeboten wird.

Der Glaube selbst bleibt während des gesamten Weges auf Gottes Wirken angewiesen. Der Heilige Geist weckt ihn durch das Wort, stärkt ihn in Prüfungen und versiegelt den Gläubigen als Unterpfand des kommenden Erbes. Diese Versiegelung ist kein Lohn für eine menschliche Vorleistung, sondern Gottes bestätigendes Handeln an denen, die dem Evangelium vertrauen.

So begegnen sich Erwählung und Glaube nicht als Gegensätze. Gott hat den Heilsweg in Christus erwählt, das Evangelium eröffnet diesen Weg, und der Mensch empfängt ihn im Glauben. Die Rettung bleibt von Anfang bis Ende ein Werk der Gnade; doch diese Gnade wird nicht unabhängig von der persönlichen Beziehung zu Christus zugerechnet. Wer ihn aufnimmt, gehört in ihm zu dem Volk, das Gott zu Kindschaft, Heiligkeit und ewigem Leben bestimmt hat.

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Vorherbestimmt zum Bild des Sohnes

Römer 8,28-30 – „28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. 29 Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Welche er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, welche er aber berufen hat, die hat er auch…"
Römer 8,28-30 – „28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. 29 Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Welche er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, welche er aber berufen hat, die hat er auch…"
Römer 8,17-18 – „17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi; wenn anders wir mit ihm leiden, auf daß wir auch mit ihm verherrlicht werden. 18 Denn ich halte dafür, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht in Betracht kommen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll."
1. Korinther 15,48-49 – „48 Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. 49 Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen."
Philipper 3,20-21 – „20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch als Retter den Herrn Jesus Christus erwarten, 21 welcher den Leib unsrer Niedrigkeit umgestalten wird, daß er gleichgestaltet werde dem Leibe seiner Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch welche er sich auch alles untertan machen kann!"

Paulus verbindet Vorherbestimmung in Römer 8 nicht zuerst mit der Frage, weshalb manche Menschen glauben und andere nicht. Sein Schwerpunkt liegt auf der Gewissheit bedrängter Gläubiger. Sie leiden, warten auf die Erlösung ihres Leibes und erfahren ihre eigene Schwachheit. In dieser Lage zeigt Paulus, dass Gottes Ziel mit ihnen feststeht: Er führt diejenigen, die zu Christus gehören, bis zur vollkommenen Gleichgestaltung mit seinem Sohn.

Die Aussage beginnt mit Menschen, die Gott lieben und nach seinem Vorsatz berufen sind. Paulus spricht damit nicht allgemein über jedes einzelne Schicksal der Menschheit, sondern über die Gemeinde, die mitten in Leiden auf Gottes Vollendung hofft. Ihnen gilt die Zusage, dass Gott alle Dinge zu ihrem Guten mitwirken lässt. Dieses Gute besteht im folgenden Vers nicht vor allem in einem angenehmen Lebensverlauf, sondern darin, dem Bild Christi gleichgestaltet zu werden.

Wenn Paulus sagt, dass Gott Menschen „zuvor erkannt“ hat, meint dies mehr als ein sachliches Vorauswissen über ihre zukünftige Existenz. In der biblischen Sprache kann Erkennen eine persönliche Beziehung, Zuwendung und Anerkennung bezeichnen. Gott kennt die Seinen nicht erst in dem Augenblick, in dem sie zu ihm finden. Sein gnädiger Vorsatz und seine liebende Kenntnis gehen ihrem bewussten Glaubensweg voraus.

Dennoch erklärt der Ausdruck an dieser Stelle nicht ausdrücklich, dass Gott bestimmte Menschen aufgrund vorausgesehener guter Entscheidungen erwählt habe. Ein solcher Gedanke würde die Betonung des Abschnitts von Gottes Vorsatz auf eine menschliche Voraussetzung verlagern. Ebenso wenig sagt der Text, Gott habe ohne jede Beziehung zu Christus einige zum Glauben und andere zum Unglauben vorherbestimmt. Paulus richtet den Blick auf Gottes festes Ziel mit denen, die er als die Seinen kennt.

Dieses Ziel lautet, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu werden. Vorherbestimmung bezieht sich hier ausdrücklich auf die Gestalt und Zukunft der Erlösten. Gott hat nicht nur beschlossen, Schuld zu vergeben und Menschen anschließend unverändert zu lassen. Er führt sie in die Gemeinschaft mit Christus, erneuert ihren Charakter und wird sie schließlich auch leiblich seiner Herrlichkeit gleichgestalten.

Christus bleibt dabei der Mittelpunkt. Er soll der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein. Der Begriff „Erstgeborener“ bezeichnet hier nicht, dass Jesus ein geschaffenes Wesen wäre, sondern seine Vorrangstellung innerhalb der erlösten Familie. Er ist der auferstandene Sohn, dessen Bild die Geretteten tragen und dessen Sieg ihre eigene Verherrlichung ermöglicht.

Paulus beschreibt diesen Heilsweg als eine zusammengehörende Kette: Die zuvor Erkannten werden vorherbestimmt, berufen, gerechtfertigt und verherrlicht. Die Vergangenheitsform bei der Verherrlichung unterstreicht die Gewissheit des göttlichen Vorsatzes, obwohl die leibliche Vollendung für die Gläubigen noch zukünftig ist. Was Gott in Christus begonnen hat, ist so zuverlässig, dass Paulus vom künftigen Ziel wie von einer bereits feststehenden Wirklichkeit sprechen kann.

Diese Gewissheit bedeutet jedoch nicht, dass die zahlreichen Mahnungen des Römerbriefs gegenstandslos wären. Paulus ruft Gläubige dazu auf, im Glauben zu bleiben, sich nicht dem Fleisch zu unterwerfen und Gottes Güte nicht gering zu achten. Gottes Treue und menschliche Verantwortung werden auch hier nicht gegeneinander ausgespielt. Die Sicherheit liegt in Gottes Vorsatz und Kraft, während der Gläubige dazu gerufen bleibt, in der Verbindung mit Christus zu leben.

Vorherbestimmung ist daher kein dunkler Beschluss, der den Glaubenden über das verborgene Schicksal anderer spekulieren lässt. Sie ist eine Verheißung für Menschen, die unter der Unvollkommenheit ihres gegenwärtigen Lebens leiden. Weder Schwachheit noch Verfolgung noch die Vergänglichkeit des Leibes können Gottes Ziel zunichtemachen, solange ihre Hoffnung in Christus ruht.

Römer 8 lenkt den Blick somit nicht auf eine willkürliche Verteilung von Heil und Verderben, sondern auf die sichere Vollendung des Erlösungswerks. Gott hat bestimmt, dass die zu Christus Gehörenden sein Bild tragen, an seiner Herrlichkeit teilhaben und als erneuerte Kinder in seiner Gegenwart leben werden. Die Vorbestimmung offenbart hier nicht die Unbarmherzigkeit eines verschlossenen Schicksals, sondern die Treue Gottes, der seine Erlösten dem Sohn gleichgestaltet.

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Gottes Verheißung ist nicht an menschlichen Anspruch gebunden

Römer 9,6-16 – „6 Nicht aber, als ob das Wort Gottes nun hinfällig wäre! Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel; 7 auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, seine Kinder, sondern «in Isaak soll dir ein Same berufen werden»; 8 das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. 9 Denn das ist ein Wort der Verheißung: «…"
Römer 9,6-16 – „6 Nicht aber, als ob das Wort Gottes nun hinfällig wäre! Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel; 7 auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, seine Kinder, sondern «in Isaak soll dir ein Same berufen werden»; 8 das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. 9 Denn das ist ein Wort der Verheißung: «…"
1. Mose 25,21-23 – „21 Isaak aber bat den HERRN für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und sein Weib Rebekka ward guter Hoffnung. 22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, den HERRN zu fragen. 23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei S…"
Maleachi 1,2-3 – „2 Ich habe euch Liebe erwiesen, spricht der HERR. So sprechet ihr: Womit hast du uns Liebe erwiesen? 3 Ist nicht Esau Jakobs Bruder? spricht der HERR. Dennoch habe ich Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehaßt und sein Gebirge zur Wildnis gemacht und sein Erbteil den Schakalen der Wüste gegeben."
Römer 9,30-33 – „30 Was wollen wir nun sagen? Daß Heiden, welche nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, nämlich Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt, 31 daß aber Israel, welches dem Gesetz der Gerechtigkeit nachjagte, dem Gesetz nicht nachgekommen ist. 32 Warum? Weil es nicht aus Glauben geschah, sondern aus Werken. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, 33 wie geschrieben…"

Nach der Gewissheit von Römer 8 wendet sich Paulus einer schmerzlichen Frage zu. Ein großer Teil Israels hat den verheißenen Messias nicht angenommen. Wenn Israel Gottes erwähltes Volk war, könnte dies den Eindruck erwecken, Gottes Wort sei gescheitert. Paulus verteidigt deshalb nicht einen abstrakten Lehrsatz über das Schicksal jedes Menschen, sondern erklärt, wie Gottes Verheißung innerhalb der Geschichte Israels weiterbesteht.

Seine erste Antwort lautet: Nicht alle, die von Israel abstammen, gehören deshalb im tiefsten geistlichen Sinn zu Israel. Die natürliche Herkunft verlieh dem Volk eine einzigartige heilsgeschichtliche Stellung, garantierte jedoch nicht jedem einzelnen Nachkommen Abrahams die rettende Gemeinschaft mit Gott. Schon im Alten Testament wurde sichtbar, dass die Verheißung nicht durch Abstammung allein weitergetragen wurde.

Abraham hatte mehrere Söhne, doch die besondere Bundeslinie verlief durch Isaak. Damit erklärte Gott Ismael nicht zu einem Menschen ohne Wert oder ohne jede Möglichkeit des Heils. Er segnete ihn und machte auch aus ihm ein großes Volk. Die Auswahl Isaaks betraf zunächst die Linie, durch die Gottes Bundesverheißung und schließlich der Messias in die Welt kommen sollten.

Dasselbe Prinzip erscheint bei Jakob und Esau. Noch bevor die Zwillinge geboren waren und bevor einer von ihnen Gutes oder Böses getan hatte, kündigte Gott an, dass der Ältere dem Jüngeren dienen werde. Die ursprüngliche Weissagung spricht von zwei Völkern, die aus ihnen hervorgehen würden. Sie betrifft daher unmittelbar ihre unterschiedliche Stellung in der Geschichte des Bundes und kann nicht ohne Weiteres als Aussage verstanden werden, Gott habe vor ihrer Geburt den einen zum ewigen Leben und den anderen zum ewigen Verderben bestimmt.

Auch das Wort „Jakob habe ich geliebt, Esau aber gehasst“ stammt nicht unmittelbar aus dem Bericht ihrer Geburt. Maleachi sprach viele Jahrhunderte später über Israel und Edom, die aus den beiden Brüdern hervorgegangen waren. „Lieben“ und „hassen“ bezeichnen in diesem prophetischen Zusammenhang Gottes unterschiedliche Erwählung und Beurteilung der beiden Völker. Der Text beschreibt keine willkürliche persönliche Feindschaft Gottes gegen ein ungeborenes Kind.

Dennoch darf Paulus’ Aussage nicht so abgeschwächt werden, als beträfe sie nur eine neutrale Verteilung geschichtlicher Aufgaben. Sein eigentlicher Punkt lautet, dass Gottes Verheißung nicht von menschlicher Abstammung, Leistung oder einem natürlichen Anspruch abhängig ist. Weder Isaaks Geburt noch Jakobs Stellung waren verdient. Gott blieb frei, den Weg zu bestimmen, auf dem sein Erlösungsplan weitergeführt wurde.

Deshalb führt Paulus Gottes Wort an Mose an: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig.“ Israel hatte mit dem goldenen Kalb den Bund schwer verletzt und konnte sich nicht auf eigene Würdigkeit berufen. Dass Gott das Volk nicht vollständig verwarf, beruhte allein auf seiner Barmherzigkeit. Gottes Gnade ist keine Schuld, die der Mensch von ihm einfordern könnte.

Wenn Paulus sagt, es liege nicht am Wollen oder Laufen des Menschen, verwirft er nicht jede Glaubensantwort und jeden Gehorsam. Er schließt vielmehr menschliches Verdienst als Grundlage der Erwählung aus. Kein angestrengtes Streben, keine religiöse Herkunft und keine moralische Leistung können Gott verpflichten, einem Menschen Gnade zu gewähren. Erbarmen bleibt seinem Wesen und seinem freien Handeln entsprungen.

Gerade der Schluss des Kapitels zeigt jedoch, dass Paulus die menschliche Antwort nicht aufhebt. Menschen aus den Völkern empfingen die Gerechtigkeit durch Glauben, während viele aus Israel sie verfehlten, weil sie sie wie einen Lohn aus Werken suchten und sich an Christus stießen. Der Unterschied wird nicht mit einem fehlenden göttlichen Angebot erklärt, sondern mit der Weise, wie Menschen dem von Gott bestimmten Weg begegnen.

Römer 9 schützt somit zwei Wahrheiten zugleich. Gott ist vollkommen frei, seine Verheißung zu erfüllen und den Heilsweg festzulegen; kein Mensch besitzt aufgrund von Herkunft oder Leistung einen Anspruch auf seine Gnade. Doch der von Gott erwählte Weg führt zu Christus und wird im Glauben empfangen. Erwählung erniedrigt menschlichen Stolz, ohne aus Gottes Ruf eine willkürliche Entscheidung gegen die Rettung bestimmter Menschen zu machen.

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Gottes Verhärtung ist kein willkürliches Verdammen

Römer 9,17-24 – „17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: «Eben dazu habe ich dich erweckt, daß ich an dir meine Macht erweise und daß mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.» 18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. 19 Nun wirst du mich fragen: Warum tadelt er dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Nun ja, lieber Mensch, wer bist denn du, daß du mit Gott rechten wills…"
Römer 9,17-24 – „17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: «Eben dazu habe ich dich erweckt, daß ich an dir meine Macht erweise und daß mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.» 18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. 19 Nun wirst du mich fragen: Warum tadelt er dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Nun ja, lieber Mensch, wer bist denn du, daß du mit Gott rechten wills…"
2. Mose 7,13-14 – „13 Also ward das Herz des Pharao verstockt, und er hörte nicht auf sie, wie denn der HERR gesagt hatte. 14 Und der HERR sprach zu Mose: Das Herz des Pharao ist hart; er weigert sich, das Volk ziehen zu lassen."
2. Mose 9,12 – „12 Aber der HERR verstockte das Herz des Pharao, daß er nicht auf sie hörte, wie denn der HERR zu Mose gesagt hatte."
Jeremia 18,1-10 – „1 Das Wort, welches an Jeremia vonseiten des HERRN erging, lautet also: 2 Mache dich auf und gehe in das Haus des Töpfers hinab, daselbst will ich dich meine Worte hören lassen! 3 Und ich ging in das Haus des Töpfers hinab und siehe, da machte er gerade eine Arbeit auf der Scheibe. 4 Das Gefäß, welches er aus Ton machte, mißlang dem Töpfer unter den Händen. Da fing er von neuem an und machte dara…"

Paulus führt in Römer 9 mit dem Pharao ein Beispiel an, das auf den ersten Blick besonders schwierig erscheint. Gott erklärt, er habe diesen Herrscher auftreten lassen, um an ihm seine Macht zu zeigen und seinen Namen auf der ganzen Erde bekannt zu machen. Daraus folgert Paulus, dass Gott sich erbarmt, wessen er will, und verhärtet, wen er will. Isoliert gelesen könnte dies so klingen, als erschaffe Gott einen Menschen böse, verweigere ihm jede Möglichkeit zur Umkehr und bestrafe ihn anschließend für einen Zustand, den er selbst verursacht hat.

Der Bericht im zweiten Buch Mose zeichnet jedoch ein umfassenderes Bild. Noch bevor ausdrücklich gesagt wird, dass Gott das Herz des Pharaos verhärtete, begegnet der Herrscher wiederholt Gottes Wort und seinen Zeichen. Er unterdrückt Israel, weist Moses Forderung zurück und erklärt, den Gott Israels nicht anerkennen zu wollen. Mehrfach beschreibt der Text, dass sein Herz hart blieb oder dass er es selbst verhärtete, besonders nachdem eine Plage vorübergegangen war.

Der Pharao handelt daher nicht als unschuldiger Mensch, dessen Wille plötzlich von Gott zum Bösen gezwungen wird. Er besitzt Macht, erlebt deutliche Offenbarungen und erhält wiederholt Gelegenheit, Israel freizulassen. Selbst seine eigenen Ratgeber erkennen schließlich Gottes Eingreifen. Dennoch benutzt er jede Erleichterung, um zu seiner früheren Haltung zurückzukehren.

Wenn später gesagt wird, dass Gott sein Herz verhärtete, handelt es sich um ein Gericht über bereits festgehaltenen Widerstand. Gott lässt den Pharao den Weg weitergehen, den dieser beharrlich gewählt hat, und bestätigt ihn schließlich in seiner Auflehnung. Die Verhärtung besteht nicht darin, dass Gott einen zum Gehorsam bereiten Menschen gegen dessen Willen böse macht, sondern dass er dem widerstrebenden Menschen die Folgen seiner Entscheidung nicht unbegrenzt erspart.

Dabei bleibt Gottes Souveränität vollständig bestehen. Der Widerstand des Pharaos kann den göttlichen Plan nicht vereiteln. Gerade an dem mächtigsten Herrscher jener Zeit zeigt Gott, dass keine politische Gewalt sein Volk dauerhaft festhalten kann. Der Pharao handelt aus eigener Auflehnung, doch Gott setzt seinem Handeln Grenzen und gebraucht selbst dessen Widerstand, um seine Macht und seinen Namen offenbar zu machen.

Paulus’ Aussage, Gott habe den Pharao auftreten lassen, bedeutet deshalb nicht notwendig, dass er ihn zum Zweck ewiger Verdammnis erschaffen habe. Gott bewahrte ihn während der Gerichte und ließ ihn in seiner königlichen Stellung bestehen, sodass die ganze Reihe göttlicher Zeichen sichtbar wurde. Der Herrscher hätte sich dem Wort Gottes beugen können, doch seine Weigerung machte ihn zu einem Beispiel dafür, wie menschlicher Stolz unter Gottes Gericht offenbar wird.

Anschließend verwendet Paulus das Bild des Töpfers und des Tons. Auch dieses Bild spricht zunächst von Gottes Recht, mit seinen Geschöpfen und mit Völkern nach seinem gerechten Vorsatz zu handeln. Der Mensch kann Gott nicht zur Rechenschaft ziehen, als stünde der Schöpfer unter dem Urteil des Geschöpfes. Kein natürlicher Anspruch, keine Herkunft und keine menschliche Leistung verpflichten ihn, seinen Heilsplan den Vorstellungen des Menschen anzupassen.

Doch das alttestamentliche Töpferbild zeigt ebenso, dass Gottes Handeln nicht willkürlich ist. In Jeremia 18 wird ein misslungenes Gefäß vom Töpfer neu geformt. Gott erklärt dazu, dass angekündigtes Gericht abgewendet werden kann, wenn ein Volk von seinem bösen Weg umkehrt, und dass angekündigter Segen verloren gehen kann, wenn es nicht auf seine Stimme hört. Der Töpfer besitzt volle Autorität, doch sein Handeln steht in Beziehung zur Antwort des Tons.

Römer 9 spricht von Gefäßen des Zorns, die zum Verderben zugerichtet sind, und von Gefäßen der Barmherzigkeit, die Gott zur Herrlichkeit vorbereitet hat. Auffällig ist, dass Paulus ausdrücklich Gottes aktives Vorbereiten der Gefäße der Barmherzigkeit hervorhebt, bei den Gefäßen des Zorns jedoch von großer Langmut spricht. Gott erträgt ihren Widerstand geduldig; das Gericht kommt nicht als voreilige Willkür, sondern nach beharrlicher Ablehnung seiner Güte.

Die Frage „Warum tadelt er dann noch?“ entsteht aus der Annahme, Gottes souveränes Handeln müsse menschliche Verantwortung beseitigen. Paulus weist den anmaßenden Anspruch zurück, Gott über seinen Erlösungsweg zu richten. Er erklärt jedoch nicht, dass menschlicher Unglaube von Gott erzwungen und deshalb bedeutungslos sei. Das Ende des Kapitels nennt weiterhin den Glauben beziehungsweise den Unglauben als entscheidende Antwort auf Christus.

Gottes Verhärtung ist somit ein ernstes Gericht, aber kein grundloser Beschluss gegen einen Menschen, der gerettet werden möchte. Sie zeigt, wohin beharrlicher Widerstand führen kann, wenn Gottes Rufen wiederholt zurückgewiesen wird. Zugleich offenbart sie Gottes Herrschaft: Selbst der Widerstand mächtiger Menschen kann seinen Erlösungsplan nicht aufhalten, doch niemand darf seine Geduld als Zustimmung zur Verhärtung missverstehen.

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Der Ruf des Evangeliums gilt jedem, der glaubt

Römer 10,8-13 – „8 Sondern was sagt sie? «Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen!» nämlich das Wort des Glaubens, das wir predigen. 9 Denn wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet; 10 denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um gerettet zu werden; 11 den…"
Römer 10,8-13 – „8 Sondern was sagt sie? «Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen!» nämlich das Wort des Glaubens, das wir predigen. 9 Denn wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet; 10 denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um gerettet zu werden; 11 den…"
Römer 10,14-21 – „14 Wie sollen sie ihn aber anrufen, wenn sie nicht an ihn glauben? Wie sollen sie aber glauben, wenn sie nichts von ihm gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Wie geschrieben steht: «Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens, die das Evangelium des Guten verkündigen!» 16 Aber nicht alle habe…"
Römer 9,30-33 – „30 Was wollen wir nun sagen? Daß Heiden, welche nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, nämlich Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt, 31 daß aber Israel, welches dem Gesetz der Gerechtigkeit nachjagte, dem Gesetz nicht nachgekommen ist. 32 Warum? Weil es nicht aus Glauben geschah, sondern aus Werken. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, 33 wie geschrieben…"
Jesaja 65,1-2 – „1 Ich wäre zu erfragen gewesen für die, so nicht nach mir fragten; ich wäre zu finden gewesen für die, so mich nicht suchten; ich habe gesagt: «Siehe, hier bin ich, siehe, hier bin ich!» zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief. 2 Ich habe meine Hände den ganzen Tag ausgestreckt nach einem widerspenstigen Volk, das seinen eigenen Gedanken nachgeht auf einem Wege, der nicht gut ist!"

Paulus beendet seine schwierigen Ausführungen über Gottes Freiheit und Verhärtung nicht mit einem verborgenen Beschluss, über den der Mensch nur spekulieren könnte. Er richtet den Blick unmittelbar auf das Evangelium, das verkündigt, gehört und im Glauben angenommen wird. Damit zeigt der Zusammenhang von Römer 9 und 10, dass Gottes Souveränität die persönliche Antwort nicht beseitigt, sondern den von Gott eröffneten Weg des Heils bestimmt.

Das Problem vieler Menschen in Israel lag nach Paulus nicht darin, dass Gott ihnen jede Möglichkeit zur Rettung verweigert hätte. Sie besaßen Eifer für Gott, suchten jedoch ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und erkannten die in Christus geschenkte Gerechtigkeit nicht an. Der entscheidende Gegensatz verläuft deshalb nicht zwischen Menschen, denen Gott grundsätzlich Heil ermöglicht, und solchen, denen er es unmöglich macht, sondern zwischen eigener Gerechtigkeit und der im Glauben empfangenen Gerechtigkeit Gottes.

Christus ist das Ziel, auf das das Gesetz hinweist und in dem seine Verheißungen ihre Erfüllung finden. Der Mensch muss nicht zum Himmel hinaufsteigen, um den Erlöser herabzuholen, und nicht in die Tiefe hinabsteigen, um ihn aus den Toten heraufzuführen. Gott hat bereits gehandelt: Christus ist gekommen, gestorben und auferstanden. Das Heil wird nicht durch eine menschliche Heldentat erreicht, sondern begegnet dem Menschen im verkündigten Wort.

Dieses Wort ist nahe, weil Gott es zugänglich macht. Es fordert keine verborgene Erkenntnis, die nur einer religiösen Elite offensteht. Wer mit dem Herzen glaubt, dass Gott Jesus aus den Toten auferweckt hat, und ihn als Herrn bekennt, empfängt die Gerechtigkeit und das Heil, die er selbst niemals hervorbringen könnte. Der Glaube ergreift nicht etwas, das der Mensch geschaffen hat, sondern das vollbrachte Werk Gottes.

Paulus betont dabei ausdrücklich: „Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Zwischen Jude und Grieche besteht in dieser Hinsicht kein Unterschied. Dieselbe Gnade, derselbe Herr und derselbe Zugang gelten allen. Erwählung kann deshalb nicht bedeuten, dass ethnische Herkunft, religiöse Abstammung oder eine verborgene Zugehörigkeit unabhängig vom Glauben über die Rettung entscheidet.

Der Satz „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ ist eine wirkliche Zusage. Paulus fügt keine geheime Einschränkung hinzu, nach der nur diejenigen anrufen dürften, die zuvor wissen, dass sie zu einer ausgewählten Gruppe gehören. Der Sünder wird nicht aufgefordert, Gottes verborgenes Wissen über seine Person zu erforschen. Er wird eingeladen, auf Christus zu vertrauen, dessen Gnade für jeden ausreicht, der zu ihm kommt.

Zugleich zeigt Paulus, dass dieser Glaube nicht ohne Gottes Wirken entsteht. Menschen können den Herrn nur anrufen, wenn sie von ihm gehört haben, und sie hören durch die Verkündigung des Wortes Christi. Gott sendet Boten, lässt das Evangelium verkündigen und spricht durch diese Botschaft zum Herzen. Der Ruf zum Glauben ist daher selbst Teil seines souveränen und gnädigen Handelns.

Doch nicht alle, die das Evangelium hören, gehorchen ihm. Paulus fragt nicht, ob Israel die Botschaft möglicherweise überhaupt nicht erreicht habe, sondern stellt fest, dass es gehört hat. Schon die Propheten beschrieben Gott als einen, der den ganzen Tag seine Hände nach einem ungehorsamen und widersprechenden Volk ausstreckt. Das Bild zeigt keine verschlossene Tür, sondern einen geduldigen Ruf, dem Menschen widerstehen.

Auch die Völker fanden Gott nicht aufgrund größerer moralischer Würdigkeit. Er ließ sich von Menschen finden, die ursprünglich nicht nach ihm gefragt hatten. Ihre Aufnahme in das Heil war daher reine Gnade. Israel dagegen konnte sich nicht auf seine besondere Geschichte berufen, wenn es den Messias zurückwies. Weder die Annahme der Völker noch das Straucheln Israels lässt sich durch menschliches Verdienst erklären.

Römer 10 bewahrt somit davor, Römer 9 als Lehre eines willkürlichen Schicksals zu lesen. Gott besitzt das Recht, den Weg des Heils festzulegen, und dieser Weg ist Christus. Er lässt das Evangelium verkündigen, streckt seine Hände nach Widersprechenden aus und verheißt ohne Unterschied Rettung für jeden, der glaubt. Der Mensch wird nicht durch Abstammung oder Leistung erwählt, sondern empfängt Gottes gnädige Verheißung in der vertrauenden Verbindung mit dem Sohn.

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In Gottes Güte bleiben

Römer 11,17-23 – „17 Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, 18 so rühme dich nicht wider die Zweige! Rühmst du dich aber, so wisse, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich! 19 Nun sagst du aber: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde…"
Römer 11,17-23 – „17 Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, 18 so rühme dich nicht wider die Zweige! Rühmst du dich aber, so wisse, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich! 19 Nun sagst du aber: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde…"
Römer 11,1-7 – „1 Ich frage nun: Hat etwa Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamme Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor ersehen hat! Oder wisset ihr nicht, was die Schrift bei [der Geschichte von] Elia spricht, wie er sich an Gott gegen Israel wendet: 3 «Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zers…"
Römer 11,25-32 – „25 Denn ich will nicht, meine Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt bleibe, damit ihr euch nicht selbst klug dünket, daß Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, bis daß die Vollzahl der Heiden eingegangen sein wird 26 und also ganz Israel gerettet werde, wie geschrieben steht: «Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden», 27 und: «das ist mein Bund mit …"
Johannes 15,4-6 – „4 Bleibet in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie das Rebschoß von sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn es nicht am Weinstock bleibt, also auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibet. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. 6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er weggeworf…"

Nachdem Paulus gezeigt hat, dass das Evangelium jedem gilt, der glaubt, richtet er den Blick erneut auf Israel und die aus den Völkern kommenden Gläubigen. Dabei verwendet er das Bild eines Ölbaums. Einige natürliche Zweige wurden ausgebrochen, während Zweige eines wilden Ölbaums eingepfropft wurden. Dieses Bild erklärt, wie Menschen Anteil an den Verheißungen Gottes erhalten und wie dieser Anteil bewahrt wird.

Der Ölbaum steht für die heilsgeschichtliche Gemeinschaft, die aus Gottes Bund und seinen Verheißungen lebt. Seine Wurzel wurde nicht von den Gläubigen aus den Völkern hervorgebracht. Sie werden in eine Geschichte aufgenommen, die mit Gottes Berufung der Väter begann und in Christus ihre Erfüllung findet. Deshalb besteht für sie kein Anlass, sich über Israel zu erheben oder ihre eigene Stellung als selbstverständlich zu betrachten.

Paulus erklärt ausdrücklich, weshalb einige Zweige ausgebrochen wurden: wegen ihres Unglaubens. Die Gläubigen aus den Völkern stehen dagegen durch den Glauben. Der Unterschied liegt nicht in einer größeren natürlichen Würdigkeit der einen oder in einer geringeren Liebe Gottes zu den anderen. Entscheidend ist die Beziehung zu dem von Gott gegebenen Messias.

Diese Aussage zeigt erneut, dass eine erwählte Stellung keine von der Glaubensantwort unabhängige Heilsgewissheit darstellt. Israel war als Volk erwählt und besaß die Verheißungen, den Gottesdienst und die Erkenntnis des Gesetzes. Dennoch konnten einzelne Angehörige des Volkes durch Unglauben von der lebendigen Teilhabe an diesen Segnungen getrennt werden. Äußere Erwählung ersetzt nicht das Vertrauen auf Christus.

Gleichzeitig sollen die eingepfropften Zweige nicht in ständiger Angst leben, als müsse Gottes Gnade durch menschliche Leistung festgehalten werden. Paulus ruft sie nicht dazu auf, ihre Rettung selbst zu sichern, sondern in Gottes Güte zu bleiben. Diese Güte ist die tragende Kraft ihres Glaubenslebens. Doch sie darf weder verachtet noch zu einer vermeintlichen Garantie gemacht werden, die beharrlichen Unglauben bedeutungslos werden ließe.

Die Warnung „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich“ richtet sich gegen geistlichen Stolz. Wer durch Gnade aufgenommen wurde, darf nicht so denken, als besitze er aus eigener Überlegenheit einen unverlierbaren Anspruch. Wenn Gott die natürlichen Zweige nicht unabhängig von ihrer Haltung verschonte, gibt es auch für die eingepfropften Zweige keinen Grund zur Selbstsicherheit außerhalb der bleibenden Verbindung mit Christus.

Zugleich bleibt für die ausgebrochenen Zweige Hoffnung. Paulus erklärt, dass Gott mächtig ist, sie wieder einzupfropfen, wenn sie nicht im Unglauben bleiben. Ihre frühere Ablehnung Christi wird nicht zu einem unveränderlichen Schicksal, das jede spätere Umkehr ausschließt. Die Tür der Gnade bleibt offen, und die Wiederaufnahme geschieht auf demselben Weg wie bei allen anderen: durch den Glauben.

Damit widerspricht Römer 11 sowohl religiösem Hochmut als auch einer endgültigen Verwerfung Israels. Gott hat sein Volk nicht vergessen, und seine Verheißungen sind nicht gescheitert. Ein Überrest glaubt bereits aus Gnade, und auch die übrigen stehen weiterhin unter Gottes Ruf und Erbarmen. Die zeitweilige Verhärtung ist weder vollständig noch als Beweis dafür zu verstehen, dass jüdische Menschen grundsätzlich vom Heil ausgeschlossen wären.

Paulus schließt diesen Zusammenhang mit dem Blick auf Gottes Erbarmen. Juden und Menschen aus den Völkern haben keinen Grund, sich ihrer eigenen Treue zu rühmen. Alle sind auf dieselbe Barmherzigkeit angewiesen. Gott führt die Heilsgeschichte so, dass menschlicher Stolz verstummt und sichtbar wird, dass niemand durch Abstammung, Leistung oder religiöse Vorrechte gerettet wird.

Das Bild des Ölbaums verbindet daher Erwählung, Gnade und Verantwortung in besonderer Klarheit. Gott pflanzt, trägt und fügt Menschen in sein Volk ein. Sie stehen nicht durch eigene Kraft, sondern durch Glauben. Die Sicherheit liegt in Gottes Güte, doch diese Güte ruft dazu auf, in Christus zu bleiben und sich nicht von dem einzigen Lebensgrund zu lösen.

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Erwählt nach der Vorkenntnis Gottes

1. Petrus 1,1-2 – „1 Petrus, Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge in der Zerstreuung, in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, 2 nach der Vorsehung Gottes des Vaters, in der Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blute Jesu Christi; Gnade und Friede widerfahre euch mehr und mehr!"
1. Petrus 1,1-2 – „1 Petrus, Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge in der Zerstreuung, in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, 2 nach der Vorsehung Gottes des Vaters, in der Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blute Jesu Christi; Gnade und Friede widerfahre euch mehr und mehr!"
Apostelgeschichte 2,22-24 – „22 Ihr israelitischen Männer, höret diese Worte: Jesus von Nazareth, einen Mann, von Gott bei euch erwiesen durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn tat, mitten unter euch, wie ihr selbst wisset; 23 diesen, der nach Gottes festgesetztem Rat und Vorherwissen dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch der Ungerechten Hände [ans Kreuz] geheftet und getötet. 24 Ihn hat Gott a…"
Römer 11,1-2 – „1 Ich frage nun: Hat etwa Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamme Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor ersehen hat! Oder wisset ihr nicht, was die Schrift bei [der Geschichte von] Elia spricht, wie er sich an Gott gegen Israel wendet:"
2. Timotheus 2,19 – „19 Aber der feste Grund Gottes bleibt bestehen und trägt dieses Siegel: «Der Herr kennt die Seinen», und: «es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt!»"

Petrus bezeichnet die Gläubigen als Erwählte „nach der Vorkenntnis Gottes des Vaters“. Diese Formulierung verbindet Gottes ewiges Wissen mit seinem rettenden Handeln, erklärt aber nicht jede philosophische Frage über Zeit, Freiheit und Vorherbestimmung. Sie soll bedrängten Christen vor allem zeigen, dass ihre Zugehörigkeit zu Gott weder zufällig noch seinem Blick verborgen ist.

Gottes Vorkenntnis ist mehr als eine bloße Vorausberechnung zukünftiger Ereignisse. Die Bibel verwendet das Erkennen häufig für eine persönliche Beziehung, in der Gott Menschen kennt, anerkennt und sich ihnen zuwendet. Wenn Paulus sagt, Gott habe sein Volk zuvor erkannt, spricht er nicht nur davon, dass Gott seine Existenz im Voraus wahrnahm. Er verweist auf Gottes fortbestehende Treue zu dem Volk, dem er sich in der Heilsgeschichte zugewandt hatte.

Dennoch darf Vorkenntnis nicht so erklärt werden, als berücksichtige Gott die wirklichen Entscheidungen des Menschen überhaupt nicht. Gott kennt das Ende von Anfang an. Ihm ist nicht verborgen, wer seinem Ruf folgen, wer ihm widerstehen und wie sich jeder Lebensweg entfalten wird. Sein vollkommenes Wissen macht menschliche Entscheidungen jedoch nicht zu einem Schauspiel, das er selbst gegen den Willen des Menschen hervorbringt.

Wissen und Verursachen sind nicht dasselbe. Dass Gott eine Entscheidung im Voraus kennt, bedeutet für sich genommen nicht, dass er den Menschen zu dieser Entscheidung zwingt. Judas’ Verrat war Jesus bekannt und in den Schriften vorausgesehen, doch Judas handelte aus eigener Habgier und eigener Bereitschaft. Gottes Wissen nahm ihm weder seinen Willen noch seine Verantwortung.

Umgekehrt darf Erwählung nicht auf den Gedanken reduziert werden, Gott habe lediglich in die Zukunft geblickt und diejenigen ausgewählt, die aus eigener Kraft glauben würden. Dann läge der entscheidende Ursprung des Heils letztlich doch im Menschen. Die Schrift zeigt vielmehr, dass Gott selbst ruft, erleuchtet, durch seinen Geist wirkt und den Glauben ermöglicht. Seine Vorkenntnis gehört zu seinem aktiven, gnädigen Vorsatz und nicht zu einer passiven Beobachtung.

Die Verbindung von Vorkenntnis und göttlichem Ratschluss wird am Kreuz besonders sichtbar. Petrus erklärt, dass Jesus nach dem festgesetzten Ratschluss und der Vorkenntnis Gottes dahingegeben wurde. Zugleich spricht er die Menschen an, die ihn durch die Hände Gesetzloser kreuzigten. Gottes Heilsplan stand fest, doch die Beteiligten handelten nicht als schuldlose Werkzeuge ohne eigenen Willen.

Gott konnte die freie Bosheit von Menschen in seinen Erlösungsplan einordnen, ohne selbst zum Urheber ihrer Sünde zu werden. Die Kreuzigung geschah nicht außerhalb seiner Herrschaft und vereitelte seinen Vorsatz nicht. Dennoch bleiben Verrat, falsches Zeugnis, Feigheit und ungerechte Verurteilung die verantwortlichen Taten derer, die sie begingen. Gottes Souveränität ist so groß, dass selbst menschlicher Widerstand seinen Plan nicht zerstören kann, ohne dass er diesen Widerstand moralisch verursacht.

In 1. Petrus 1 steht die Erwählung nach Gottes Vorkenntnis außerdem in einem klaren Zusammenhang: Sie geschieht durch die Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi. Vater, Geist und Sohn wirken gemeinsam im Heil. Gottes ewiger Vorsatz tritt im Leben des Menschen als Reinigung durch Christus, Erneuerung durch den Geist und wachsender Gehorsam hervor.

Dieser Gehorsam bildet nicht die Grundlage der Erwählung. Petrus nennt die Gläubigen nicht erwählt, weil sie sich durch ein vollkommenes Leben ausgezeichnet hätten. Sie sind durch das Blut Christi gereinigt und durch den Geist geheiligt. Doch dieselbe Gnade, die vergibt, richtet ihr Leben neu aus und führt sie in eine gehorsame Beziehung zu Gott.

Die Schrift lässt damit weder Raum für menschlichen Selbstruhm noch für ein blindes Schicksal. Gott kennt die Seinen, bevor sie ihn kennen, und sein rettender Vorsatz geht ihrer Antwort voraus. Gleichzeitig kennt er Menschen nicht als willenlose Gegenstände, sondern als verantwortliche Personen, denen sein Ruf begegnet und deren Entscheidungen vor ihm wirkliche Bedeutung besitzen.

Erwählung nach Gottes Vorkenntnis bleibt deshalb ein Grund des Vertrauens, nicht der Spekulation. Der Gläubige muss nicht ergründen, wie Gottes ewiges Wissen und menschliche Freiheit in jeder Einzelheit zusammenwirken. Er darf wissen, dass Gott sich niemals irrt, niemanden willkürlich behandelt und seinen Erlösungsplan trotz menschlicher Schwachheit und Widerstände sicher vollendet.

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Viele sind berufen, wenige aber auserwählt

Matthäus 22,1-14 – „1 Und Jesus hob an und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 2 Das Himmelreich ist einem menschlichen König gleich, der seinem Sohne Hochzeit machte. 3 Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. 4 Da sandte er nochmals andere Knechte und sprach: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet; meine Ochsen und das Mastvieh sind ges…"
Matthäus 22,1-14 – „1 Und Jesus hob an und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 2 Das Himmelreich ist einem menschlichen König gleich, der seinem Sohne Hochzeit machte. 3 Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; aber sie wollten nicht kommen. 4 Da sandte er nochmals andere Knechte und sprach: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet; meine Ochsen und das Mastvieh sind ges…"
Jesaja 61,10 – „10 Ich freue mich hoch am HERRN, und meine Seele frohlockt über meinen Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Rock der Gerechtigkeit mich bekleidet, wie ein Bräutigam sich mit priesterlichem Kopfputz schmückt und wie eine Braut ihren Schmuck anlegt."
Galater 3,26-27 – „26 denn ihr alle seid Gottes Kinder durch den Glauben, in Christus Jesus; 27 denn so viele von euch in Christus getauft sind, die haben Christus angezogen."
Offenbarung 19,7-8 – „7 Laßt uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet. 8 Und es wurde ihr gegeben, sich in feine, glänzend reine Leinwand zu kleiden; denn die feine Leinwand ist die Gerechtigkeit der Heiligen."

Jesu Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl endet mit dem bekannten Satz: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Diese Worte werden mitunter so verstanden, als richte Gott zwar äußerlich eine Einladung an viele Menschen, habe jedoch im Verborgenen nur wenige von ihnen wirklich zur Rettung bestimmt. Der Zusammenhang des Gleichnisses führt jedoch in eine andere Richtung. Er zeigt einen weitreichenden Ruf, unterschiedliche Antworten und eine abschließende Prüfung.

Ein König bereitet die Hochzeit seines Sohnes vor und sendet seine Knechte zu den bereits eingeladenen Gästen. Das Fest ist bereit, doch die Geladenen wollen nicht kommen. Manche behandeln die Einladung gleichgültig und gehen ihren alltäglichen Beschäftigungen nach, andere misshandeln und töten die Boten. Ihre Abwesenheit beruht nicht darauf, dass der König sie nie ernsthaft dabeihaben wollte. Sie wurden ausdrücklich gerufen, lehnten die Einladung jedoch bewusst ab.

Daraufhin werden die Knechte an die Straßen geschickt, um alle einzuladen, die sie finden. Das Gleichnis betont die Weite dieses Rufes, indem es von Bösen und Guten spricht, die in den Hochzeitssaal gebracht werden. Niemand wird aufgrund seiner bisherigen gesellschaftlichen Stellung oder moralischen Vergangenheit als grundsätzlich unerreichbar behandelt. Die Einladung geht über den ursprünglichen Kreis hinaus und sammelt Menschen, die keinen eigenen Anspruch auf das Fest erheben konnten.

Diese Offenheit bedeutet jedoch nicht, dass die Teilnahme ohne jede Veränderung oder Beziehung zum König möglich wäre. Als der König die Gäste betrachtet, entdeckt er einen Mann ohne Hochzeitskleid. Dieser hatte die Einladung äußerlich angenommen und den Saal betreten, war aber nicht bereit, in der für das Fest angemessenen Weise vor dem König zu erscheinen. Seine Anwesenheit allein bewahrte ihn deshalb nicht vor dem Urteil.

Das Gleichnis erklärt nicht ausführlich, woher das Hochzeitskleid stammt. Es wäre daher zu weitgehend, jede historische Einzelheit zur Grundlage der Auslegung zu machen. Im größeren biblischen Zusammenhang wird geeignete Kleidung jedoch häufig mit der von Gott geschenkten Gerechtigkeit und mit einem Leben verbunden, das seiner Gnade entspricht. Jesaja freut sich über die Kleider des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit; das Neue Testament beschreibt Gläubige als Menschen, die Christus angezogen haben.

Der Mann ohne Hochzeitskleid steht damit nicht für jemanden, der wegen mangelnder eigener Vollkommenheit abgewiesen wird. Kein Gast hatte sich die Einladung verdient. Das Problem liegt vielmehr darin, dass er am Fest teilnehmen will, ohne sich der Ordnung des Königs zu unterstellen. Er möchte die Segnungen der Einladung empfangen, lehnt jedoch das ab, was seine Zugehörigkeit zum Fest sichtbar machen soll.

Als der König ihn anspricht, bleibt der Mann sprachlos. Er kann nicht behaupten, nie eingeladen worden zu sein oder keinen Zugang erhalten zu haben. Ebenso wenig wird er aufgrund einer verborgenen Entscheidung verurteilt, von der er nichts wissen konnte. Seine eigene Haltung wird im Gericht offenbar: Er befindet sich im Saal, hat aber die Gnade des Königs nicht in der Weise angenommen, die der Einladung entspricht.

Der abschließende Satz unterscheidet daher nicht zwischen Menschen, die alle dasselbe tun, von denen Gott jedoch willkürlich einige auswählt und andere verwirft. Viele hören den Ruf, doch nicht alle folgen ihm. Manche lehnen offen ab, andere reagieren nur äußerlich, ohne sich dem König wirklich anzuvertrauen. Auserwählt sind im Zusammenhang diejenigen, die den Ruf annehmen und sich in der von Gott bereitgestellten Weise zum Sohn halten.

Dabei bleibt die Erwählung vollständig von Gnade getragen. Die Gäste kommen nicht aufgrund ihrer Würdigkeit, sondern weil der König sie rufen lässt. Auch das geistliche Kleid wird nicht durch menschliche Selbstverbesserung hervorgebracht, sondern steht für das, was Gott in Christus schenkt und im Leben des Glaubenden wirkt. Die Antwort des Menschen besteht darin, diese Gnade nicht abzuweisen oder durch eigene Vorstellungen zu ersetzen.

„Viele sind berufen“ bezeugt somit die Weite und Ernsthaftigkeit der göttlichen Einladung. „Wenige sind auserwählt“ macht deutlich, dass das Hören des Rufes oder eine äußere Zugehörigkeit allein noch nicht das Ziel der Erwählung erfüllt. Gott erwählt Menschen nicht außerhalb seines Sohnes, sondern sammelt diejenigen, die seiner Einladung folgen, Christus anziehen und sich im Gericht ganz auf die von ihm geschenkte Gerechtigkeit verlassen.

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Berufung und Erwählung festmachen

2. Petrus 1,5-11 – „5 so setzet nun all euren Fleiß zu dem hinzu und reichet dar in eurem Glauben die Tugend, in der Tugend aber die Erkenntnis, 6 in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber die Ausdauer, in der Ausdauer aber die Gottseligkeit, 7 in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe [zu allen] Menschen. 8 Denn wo solches reichlich bei euch vorhanden i…"
2. Petrus 1,5-11 – „5 so setzet nun all euren Fleiß zu dem hinzu und reichet dar in eurem Glauben die Tugend, in der Tugend aber die Erkenntnis, 6 in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber die Ausdauer, in der Ausdauer aber die Gottseligkeit, 7 in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe [zu allen] Menschen. 8 Denn wo solches reichlich bei euch vorhanden i…"
1. Thessalonicher 1,4-5 – „4 Denn wir wissen, von Gott geliebte Brüder, um eure Erwählung: 5 daß unser Evangelium nicht nur im Wort zu euch kam, sondern auch in Kraft und im heiligen Geist und in großer Gewißheit, wie ihr ja wisset, wie wir unter euch gewesen sind um euretwillen."
Kolosser 1,21-23 – „21 Und euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt waret in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, 22 um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht, 23 wenn ihr nämlich im Glauben gegründet und fest bleibet und euch nicht abbringen lasset von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, welches in der…"
Philipper 2,12-13 – „12 Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch vielmehr in meiner Abwesenheit, vollendet eure Rettung mit Furcht und Zittern; 13 denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt, nach Seinem Wohlgefallen."

Petrus fordert die Gläubigen auf, ihre Berufung und Erwählung festzumachen. Diese Aufforderung wäre schwer verständlich, wenn Erwählung lediglich einen verborgenen Beschluss bezeichnete, der mit dem gegenwärtigen Glaubensleben in keiner erkennbaren Beziehung steht. Petrus richtet den Blick nicht auf eine geheime Liste im Himmel, sondern auf die sichtbare Frucht eines Lebens, das Gottes Ruf empfangen hat.

Dabei beginnt er nicht mit menschlicher Anstrengung. Unmittelbar zuvor erklärt er, dass Gottes göttliche Kraft alles geschenkt hat, was zum Leben und zur Gottesfurcht dient. Auch die kostbaren Verheißungen stammen von Gott. Die Gläubigen können nur deshalb wachsen, weil ihnen in Christus bereits Gnade, Erkenntnis und geistliches Leben gegeben wurden.

Auf dieser Grundlage ruft Petrus sie zu ernsthaftem Fleiß auf. Zum Glauben sollen Tugend, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausdauer, Gottesfurcht, brüderliche Zuneigung und Liebe hinzukommen. Diese Eigenschaften erwerben keine Erwählung, sondern lassen erkennen, dass Gottes Gnade nicht fruchtlos geblieben ist. Der Glaube, der Christus empfängt, beginnt unter seinem Wirken den Charakter zu verändern.

Berufung und Erwählung festzumachen bedeutet daher nicht, Gottes Entscheidung durch gute Werke erst gültig werden zu lassen. Der Mensch kann sich weder durch moralische Entwicklung in den göttlichen Heilsplan einschreiben noch durch religiöse Leistung einen Anspruch auf Rettung schaffen. Er bestätigt vielmehr durch ein bleibendes Glaubensleben, dass er den Ruf Gottes nicht nur äußerlich gehört, sondern wirklich angenommen hat.

Petrus warnt zugleich vor geistlicher Unfruchtbarkeit. Wem die genannten Eigenschaften fehlen, der ist kurzsichtig geworden und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Das Problem liegt nicht darin, dass ein Gläubiger noch unvollkommen ist. Geistliches Wachstum braucht Zeit, und jeder bleibt auf Vergebung angewiesen. Gefährlich wird es, wenn die empfangene Gnade vergessen und jede Erneuerung dauerhaft verweigert wird.

Auch Paulus erkennt die Erwählung der Thessalonicher nicht durch Einblick in einen verborgenen Ratschluss. Er verweist darauf, dass das Evangelium sie nicht nur als Worte erreichte, sondern in Kraft, im Heiligen Geist und in tiefer Gewissheit. Sie nahmen das Wort trotz Bedrängnis an und wandten sich von den Götzen ab, um dem lebendigen Gott zu dienen. Die Wirkung des Evangeliums in ihrem Leben bezeugte, dass Gottes Ruf sie erreicht hatte.

Solche Früchte dürfen jedoch nicht zu einer neuen Grundlage der Selbstgerechtigkeit werden. Niemand soll seine geistliche Entwicklung betrachten und daraus schließen, er sei aufgrund eigener Stärke erwählt. Jede echte Frucht wächst aus der Verbindung mit Christus und durch das Wirken des Geistes. Der Gläubige erkennt nicht seine eigene Überlegenheit, sondern die Treue Gottes, der in ihm Wollen und Vollbringen wirkt.

Kolossä 1 verbindet die Hoffnung des Evangeliums ebenfalls mit dem Bleiben im Glauben. Menschen, die einst von Gott entfremdet waren, sind durch Christi Tod versöhnt worden, damit sie heilig und untadelig vor ihm stehen. Paulus fügt jedoch die ernste Bedingung hinzu, dass sie im Glauben gegründet und fest bleiben und sich nicht von der Hoffnung des Evangeliums abbringen lassen.

Dieses Bleiben ist kein ängstliches Festhalten an Gott aus eigener Kraft. Christus selbst trägt, bewahrt und vollendet sein Werk. Dennoch geschieht Bewahrung nicht unabhängig vom lebendigen Glauben, sondern gerade durch ihn. Gottes Verheißungen schenken Sicherheit, während seine Mahnungen zu den Mitteln gehören, durch die er seine Kinder wachhält und vor sorgloser Abkehr bewahrt.

Darum kann Petrus zugleich von Fleiß und von einem reich gewährten Eingang in das ewige Reich sprechen. Der Eingang wird geschenkt, nicht verdient. Doch der Glaube, der ihn empfängt, bleibt nicht unfruchtbar und gleichgültig. Er hält sich an Christus, wächst in seiner Gnade und bestätigt dadurch immer deutlicher, dass Gottes Ruf im Leben nicht vergeblich gewesen ist.

Biblische Heilsgewissheit besteht somit weder in der stolzen Behauptung, ein früheres Erlebnis mache jede spätere Haltung bedeutungslos, noch in einer ständigen Angst, Gott könne den aufrichtig Glaubenden willkürlich verwerfen. Sie ruht auf Christus und zeigt sich im fortgesetzten Vertrauen auf ihn. Berufung und Erwählung werden fest, indem der Gläubige in der Gnade bleibt, ihre Frucht wachsen lässt und seine Hoffnung bis zum Ende auf den Erlöser setzt.

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Zusammenfassung und Gebet

Die Bibel zeigt ein ausgewogenes Bild von Erwählung. Gott handelt zuerst: Er erwählt, ruft und zieht den Menschen zu sich. Der Ursprung der Rettung liegt vollständig in seiner Gnade und seinem ewigen Heilsplan in Christus. Gleichzeitig wird der Mensch zur Antwort gerufen. Er hört, glaubt und entscheidet sich, Gottes Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

Diese beiden Seiten widersprechen sich nicht, sondern gehören untrennbar zusammen. Gottes Heilswille ist universal, da Christus für alle gestorben ist und Gott alle Menschen retten will. Erwählung bedeutet daher nicht, dass einige ausgeschlossen werden, sondern dass Gott festgelegt hat, alle, die in Christus sind, zu retten. Der Zugang steht jedem offen.

Gleichzeitig bleibt die Verantwortung des Menschen bestehen. Die Schrift warnt vor Abfall und zeigt, dass Gottes Ruf abgelehnt werden kann. Rettung geschieht nicht ohne Glauben, sondern wird im Vertrauen angenommen. So entsteht ein lebendiges Zusammenspiel: Gott initiiert, der Mensch reagiert. In dieser Beziehung wird Gnade wirksam.

Vater im Himmel,

du bist der Ursprung allen Heils. Du rufst, ziehst und erwählst in Christus, lange bevor wir dich suchen. Wir danken dir für deine Gnade, die uns erreicht und unser Herz bewegt. Bewahre uns davor, dein Handeln zu verkürzen oder unsere Verantwortung zu übersehen. Schenke uns ein hörendes Herz, das auf deinen Ruf antwortet, und einen lebendigen Glauben, der an dir festhält. Stärke uns darin, in Christus zu bleiben und deiner Führung zu vertrauen.

Amen.

„So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“ (Römer 9,16)

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