Die Gottheit Jesu

Die Gottheit Jesu: Biblische Zeugnisse und Bedeutung

Die Bibel bezeugt Jesus Christus als wahrhaft göttlich und zugleich wahrhaft menschlich. Seine Existenz beginnt nicht mit seiner Geburt: Er war vor seiner Menschwerdung beim Vater, wirkte an der Schöpfung, trägt göttliche Namen und empfängt Anbetung. Als ewiger Sohn wurde er wirklich Mensch, ohne seine Gottheit aufzugeben – und gerade darin liegt die einzigartige Grundlage seines Erlösungswerkes.

Einführung

Die Frage nach der Gottheit Jesu führt unmittelbar in das Zentrum des biblischen Zeugnisses. Viele Aussagen über Christus lassen sich noch verstehen, wenn man ihn lediglich als außergewöhnlichen Lehrer, Propheten oder von Gott bevollmächtigten Messias betrachtet. Andere Texte überschreiten diese Kategorien jedoch deutlich. Sie sprechen von einer Existenz vor seiner irdischen Geburt, verbinden ihn mit Gottes eigenem Wesen und stellen ihn in Zusammenhänge, die in der Schrift sonst dem Schöpfer selbst vorbehalten sind.

Dabei darf die Gottheit Jesu nicht gegen sein Menschsein ausgespielt werden. Die Evangelien zeigen einen Jesus, der geboren wird, wächst, Hunger und Müdigkeit kennt, leidet und schließlich stirbt. Gerade dieselben neutestamentlichen Schriften führen den Blick jedoch über diese sichtbare Niedrigkeit hinaus. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Jesus göttlich oder menschlich ist, sondern wie die Schrift beide Wahrheiten über dieselbe Person zusammenhält.

Ebenso wichtig ist die Beziehung Jesu zum Vater. Jesus ist nicht der Vater, und die Bibel verwischt die persönliche Unterscheidung zwischen beiden nicht. Dennoch beschreibt sie den Sohn auch nicht als geschaffenes Zwischenwesen zwischen Gott und Mensch. Deshalb müssen Aussagen über seine Unterordnung im Erlösungswerk, seine Gebete und seine Sendung ebenso ernst genommen werden wie jene Texte, die von seiner göttlichen Herrlichkeit, Ewigkeit und Vollmacht sprechen.

Eine tragfähige Antwort entsteht daher nicht aus einem einzelnen Titel oder Beweisvers. Erst wenn die verschiedenen Zeugnisse der Schrift in ihrem Zusammenhang zusammengenommen werden, tritt das Gesamtbild hervor. Dann lässt sich erkennen, weshalb die Identität Jesu nicht nur eine theologische Frage über seine Herkunft ist, sondern darüber entscheidet, wer am Kreuz für den Menschen handelt, wem christliche Anbetung gilt und weshalb Vertrauen auf Christus eine so umfassende Grundlage besitzen kann.

Das Wort war Gott

Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
Johannes 1,14 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Johannes 17,5 – „5 Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war."

Johannes eröffnet sein Evangelium nicht mit der Geburt Jesu, sondern führt den Blick vor den Anfang seiner irdischen Geschichte zurück. „Im Anfang war das Wort“, schreibt er und verwendet damit eine Formulierung, die bewusst an den Beginn des Schöpfungsberichts erinnert. Als die geschaffene Welt ihren Anfang nahm, war das Wort bereits da. Jesus erscheint deshalb nicht als jemand, dessen Existenz erst in Bethlehem beginnt. Bevor er Mensch wurde, bestand er bereits in einer Wirklichkeit, die der Schöpfung vorausgeht.

Johannes setzt seine Aussage fort: „Das Wort war bei Gott.“ Damit wird eine persönliche Unterscheidung sichtbar. Das Wort ist nicht einfach eine andere Bezeichnung für dieselbe Person, die Johannes später den Vater nennt. Es besteht in Beziehung zu Gott und ist bei ihm. Diese Unterscheidung bleibt durch das Johannesevangelium hindurch erhalten: Der Vater sendet den Sohn, der Sohn spricht mit dem Vater und kehrt zu ihm zurück. Die Gottheit Jesu bedeutet deshalb nicht, dass Jesus und der Vater dieselbe Person wären.

Unmittelbar danach folgt jedoch eine ebenso klare Aussage: „Und das Wort war Gott.“ Johannes stellt das Wort nicht außerhalb der göttlichen Wirklichkeit und beschreibt es auch nicht lediglich als gottähnlich oder besonders von Gott bevollmächtigt. Die beiden Aussagen stehen bewusst nebeneinander: Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Persönliche Unterscheidung und wahre Gottheit werden nicht gegeneinander ausgespielt. Gerade diese Verbindung gehört zu den grundlegenden Aussagen des Neuen Testaments über Christus.

Dass Johannes tatsächlich von dem spricht, der später als Jesus Christus unter den Menschen lebte, wird wenige Verse später ausdrücklich erklärt. „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Derjenige, der im Anfang bei Gott war und Gott genannt wird, tritt in die geschaffene Welt ein und wird wirklich Mensch. Johannes beschreibt deshalb nicht den Aufstieg eines Menschen zu göttlichem Rang. Die Bewegung verläuft in die entgegengesetzte Richtung: Der bereits existierende göttliche Sohn kommt in die menschliche Wirklichkeit hinein.

Auch die Schöpfung ordnet Johannes Christus eindeutig zu. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne es wurde nichts von dem, was geworden ist. Diese Formulierung zieht eine grundlegende Grenze zwischen dem Wort und der geschaffenen Wirklichkeit. Johannes teilt die Wirklichkeit gewissermaßen in zwei Bereiche: das, was geworden ist, und den, durch den alles Gewordene entstand. Wenn tatsächlich alles Geschaffene durch ihn geworden ist, kann der Sohn nicht selbst zu jener geschaffenen Gesamtheit gehören, deren Ursprung Johannes ihm zuschreibt.

Jesu eigenes Gebet kurz vor seiner Kreuzigung bestätigt seine Präexistenz aus einer weiteren Perspektive. In Johannes 17 bittet er den Vater um die Herrlichkeit, die er bei ihm hatte, „ehe die Welt war“. Hier spricht nicht ein Mensch lediglich von einem vorherbestimmten Platz in Gottes Plan. Jesus beschreibt eine Herrlichkeit, die er beim Vater besaß, bevor die Welt existierte. Damit verbindet sich seine persönliche Präexistenz mit einer Gemeinschaft beim Vater, die der Schöpfung vorausliegt.

Diese Aussagen sind deshalb stärker als die Behauptung, Jesus habe lediglich in Gottes Gedanken oder Vorsehung schon vor seiner Geburt existiert. Johannes spricht von einem Wort, das war, das bei Gott war, durch das alles geschaffen wurde und das schließlich Fleisch wurde. Die Menschwerdung setzt eine vorherige Existenz voraus. Bethlehem ist der Beginn seines menschlichen Lebens in dieser Welt, nicht der Beginn seiner Person.

Gerade darin liegt ein erster grundlegender Schlüssel zur Gottheit Jesu. Der Sohn gehört nicht zur Reihe der Geschöpfe, die irgendwann ins Dasein gerufen wurden. Er steht bereits vor der geschaffenen Ordnung und wirkt an ihrem Ursprung. Zugleich ist er vom Vater unterscheidbar und lebt in Gemeinschaft mit ihm. Die weitere biblische Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob Jesus außergewöhnlich ist, sondern welche Eigenschaften, Namen und Werke die Schrift diesem präexistenten Sohn zuschreibt – und ob sie ihn tatsächlich auf die Seite des Schöpfers stellt.

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Der Sohn wird ausdrücklich Gott genannt

Hebräer 1,5-12 – „5 Denn zu welchem von den Engeln hat er jemals gesagt: «Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt»? Und wiederum: «Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein»? 6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!» 7 Von den Engeln zwar heißt es: «Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen»; 8 a…"
Hebräer 1,5-12 – „5 Denn zu welchem von den Engeln hat er jemals gesagt: «Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt»? Und wiederum: «Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein»? 6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!» 7 Von den Engeln zwar heißt es: «Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen»; 8 a…"
Johannes 20,27-29 – „27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben."
Titus 2,13 – „13 in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus,"

Die Gottheit Jesu wird im Neuen Testament nicht nur durch seine Präexistenz oder seine Beteiligung an der Schöpfung erkennbar. An mehreren Stellen wird der Sohn ausdrücklich mit einer Sprache beschrieben, die weit über die Würde eines geschaffenen Boten hinausgeht. Besonders deutlich entfaltet dies der Hebräerbrief. Sein erstes Kapitel stellt Christus den Engeln gegenüber und verfolgt dabei ein klares Ziel: Der Sohn gehört nicht zu ihrer Ordnung, sondern steht in einer einzigartigen Stellung über ihnen.

Der Unterschied zeigt sich zunächst in der Anrede. Engel sind Diener Gottes, doch über den Sohn heißt es: „Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Der Verfasser übernimmt hier Worte aus dem Alten Testament und wendet sie unmittelbar auf den Sohn an. Bemerkenswert ist nicht nur die Bezeichnung „Gott“, sondern auch der Zusammenhang: Christus besitzt einen ewigen Thron und eine Herrschaft, die von Gerechtigkeit geprägt ist. Der Sohn wird damit nicht lediglich als Vertreter Gottes angesprochen, sondern erhält eine Würde, die der Text selbst in göttlichen Kategorien beschreibt.

Der Hebräerbrief geht anschließend noch weiter. Eine alttestamentliche Aussage über den Herrn, der am Anfang die Erde gegründet und die Himmel geschaffen hat, wird auf den Sohn bezogen. Die Schöpfung vergeht und verändert sich; Christus dagegen bleibt derselbe, und seine Jahre nehmen kein Ende. Damit verbindet der Abschnitt mehrere Merkmale: göttliche Anrede, Schöpfungsmacht, Beständigkeit und eine Existenz, die nicht der Vergänglichkeit der geschaffenen Ordnung unterliegt. Gerade im Vergleich mit den Engeln wird dadurch deutlich, dass der Sohn nicht als höchstes Geschöpf innerhalb einer himmlischen Rangordnung verstanden werden kann.

Eine ebenso persönliche Aussage begegnet am Ende des Johannesevangeliums. Thomas hatte zunächst gezweifelt, ob Jesus wirklich von den Toten auferstanden sei. Als der Auferstandene ihm begegnet, antwortet Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ Der Zusammenhang lässt keinen natürlichen Raum dafür, diese Worte lediglich als erstaunten Ausruf an Gott neben Jesus zu verstehen. Thomas richtet seine Antwort an den vor ihm stehenden Christus, und Jesus weist dieses Bekenntnis nicht zurück.

Gerade das Verhalten Jesu ist hier bedeutsam. Immer wieder unterscheidet die Bibel zwischen rechtmäßiger Verehrung Gottes und einer Ehre, die einem Geschöpf nicht zukommt. Wenn Thomas Jesus als seinen Gott bekennt, korrigiert Christus ihn nicht etwa mit dem Hinweis, er sei lediglich Gottes Gesandter. Stattdessen spricht er über den Glauben des Thomas und über diejenigen, die ohne dieses unmittelbare Sehen glauben werden. Das Bekenntnis steht damit nicht als Irrtum am Rand der Erzählung, sondern am Höhepunkt dessen, wohin das Johannesevangelium seine Leser geführt hat.

Auch andere neutestamentliche Texte verwenden eine entsprechend hohe Sprache. Titus 2 richtet die Hoffnung der Gläubigen auf die Erscheinung der Herrlichkeit „unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus“. Solche Aussagen stehen nicht isoliert, sondern passen zu dem Gesamtbild, das bereits Johannes und Hebräer zeichnen. Der Sohn besitzt nicht nur göttliche Vollmacht, sondern wird innerhalb des neutestamentlichen Zeugnisses selbst mit göttlichen Titeln bezeichnet.

Dabei bleibt die Unterscheidung zwischen Vater und Sohn vollständig bestehen. Dass Jesus Gott genannt wird, bedeutet nicht, dass er der Vater ist. Der Hebräerbrief kann den Sohn als Gott anreden und im selben Zusammenhang von Gott sprechen, der ihn salbt. Johannes kann Jesus als Gott bekennen und zugleich von seiner Beziehung zum Vater sprechen. Die Schrift hält beides zusammen: personale Unterscheidung und wahre Gottheit.

Damit wird eine mögliche Deutung zunehmend ausgeschlossen, nach der Jesus lediglich ein besonders erhabener Mensch oder das höchste aller Geschöpfe wäre. Der Sohn wird nicht nur von Gott gesandt, sondern selbst Gott genannt; er steht über den Engeln, besitzt einen ewigen Thron und bleibt, wenn die Schöpfung vergeht. Diese Aussagen führen zu einer weiteren entscheidenden Frage: Wenn Jesus wirklich göttlich ist, zeigt sich dies auch in den Werken, die die Bibel ihm zuschreibt – insbesondere in der Schöpfung und Erhaltung aller Dinge.

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Durch den Sohn ist alles geschaffen

Kolosser 1,15-17 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. 16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht in ihm."
Kolosser 1,15-17 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. 16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht in ihm."
Johannes 1,3 – „3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
1. Korinther 8,6 – „6 so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind, und wir durch ihn."

Eine der stärksten biblischen Linien zur Gottheit Jesu liegt in seinem Verhältnis zur Schöpfung. Die Schrift beschreibt ihn nicht als ein Wesen, das selbst innerhalb der geschaffenen Ordnung seinen Anfang nahm, sondern als denjenigen, durch den alles Geschaffene ins Dasein kam. Besonders deutlich formuliert Paulus diesen Gedanken im Kolosserbrief. Dort richtet er den Blick weit über das irdische Leben Jesu hinaus und erklärt, dass in Christus alles geschaffen wurde, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare ebenso wie das Unsichtbare.

Paulus lässt dabei kaum Raum für eine geschaffene Ausnahme. Er nennt Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten und fasst anschließend zusammen: Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Gerade die Einbeziehung der unsichtbaren Mächte ist wichtig, weil dadurch auch die himmlische Welt unter die durch Christus geschaffene Wirklichkeit gestellt wird. Jesus gehört demnach nicht zu einer höheren Klasse geschaffener geistlicher Wesen. Auch jene Mächte, die für Menschen unsichtbar sind und deren Stellung weit über menschliche Möglichkeiten hinausgeht, verdanken ihre Existenz ihm.

Der folgende Satz verstärkt diese Aussage: „Er ist vor allem.“ Im unmittelbaren Zusammenhang geht es um die gesamte Schöpfung, sodass Paulus Christus nicht lediglich einen höheren Rang innerhalb dieser Ordnung zuspricht. Er steht ihr voraus. Seine Existenz hängt nicht von ihr ab, während ihre Existenz von ihm abhängig ist. Damit stimmt Kolosser 1 mit Johannes 1 überein, wo gesagt wird, dass alles durch das Wort geworden ist und ohne dieses nichts von dem Gewordenen entstand.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt dabei die Bezeichnung Christi als „Erstgeborener aller Schöpfung“. Isoliert gelesen könnte sie so verstanden werden, als habe Paulus Jesus als erstes geschaffenes Wesen bezeichnet. Der unmittelbar folgende Vers erklärt jedoch selbst, wie diese Aussage einzuordnen ist: Christus ist der Erstgeborene, weil durch ihn alles geschaffen wurde. Im biblischen Sprachgebrauch kann „Erstgeborener“ nicht nur die zeitliche Reihenfolge einer Geburt, sondern auch Vorrang, Erbrecht und höchste Stellung bezeichnen. Der Zusammenhang in Kolosser 1 verlangt gerade diese Bedeutung, weil derjenige, durch den die gesamte geschaffene Wirklichkeit entstand, nicht zugleich als Teil dieser Gesamtheit dargestellt werden kann.

Paulus beschreibt Christus außerdem nicht nur als Mittler des ursprünglichen Schöpfungsaktes. „Alles hat seinen Bestand in ihm.“ Die geschaffene Welt wird damit als fortdauernd von ihm abhängig dargestellt. Christus gehört nicht zu einer Schöpfung, die nach ihrer Entstehung unabhängig von ihm weiterbesteht. Derjenige, durch den alles geworden ist, trägt zugleich die bestehende Ordnung. Schöpfung und Erhaltung werden in seiner Person miteinander verbunden.

Auch 1. Korinther 8 führt diese Wahrheit in einen bemerkenswerten Zusammenhang. Paulus bekennt den einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind, und den einen Herrn Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und durch den auch wir bestehen. Er setzt Vater und Sohn dabei nicht gegeneinander, als hätten sie konkurrierende Rollen. Vielmehr beschreibt er das eine göttliche Schöpfungshandeln in ihrer Beziehung zu beiden. Alles kommt vom Vater und besteht durch den Sohn.

Das ist deshalb bedeutsam, weil die Bibel die Schöpfung sonst als ein Werk beschreibt, das Gott von allen falschen Göttern und geschaffenen Mächten unterscheidet. Der Schöpfer steht auf der einen Seite, die gesamte geschaffene Wirklichkeit auf der anderen. Wenn das Neue Testament Jesus gerade an die Seite des schöpferischen Handelns stellt und erklärt, dass alles durch ihn geworden ist, weist dies weit über eine bloß übertragene Vollmacht hinaus. Der Sohn handelt dort, wo die Schrift die einzigartige Macht Gottes sichtbar macht.

Damit wird die Gottheit Jesu nicht nur durch Titel bezeugt, sondern durch seine Stellung gegenüber allem Existierenden. Er ist nicht ein Teil der Welt, der nachträglich erhöht wurde. Die Welt selbst steht in Beziehung zu ihm: Sie wurde durch ihn geschaffen, besteht in ihm und ist auf ihn hin ausgerichtet. Der Jesus, der später als Mensch unter seinen Geschöpfen lebte, ist nach dem Zeugnis der Schrift derselbe, durch den diese Geschöpfe überhaupt ins Dasein kamen.

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Der Sohn empfängt die Anbetung des Himmels

Hebräer 1,6 – „6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!»"
Hebräer 1,6 – „6 Und wie er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten!»"
Offenbarung 5,11-14 – „11 Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend; 12 die sprachen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lobpreisung! 13 Und alle Geschöpfe, die im Himmel und a…"
Matthäus 14,32-33 – „32 Und als sie in das Schiff stiegen, legte sich der Wind. 33 Da kamen, die in dem Schiffe waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!"

Wenn die Schrift Jesus göttliche Namen zuschreibt und ihn als Schöpfer aller Dinge beschreibt, stellt sich eine weitere entscheidende Frage: Wie reagiert die himmlische und irdische Welt auf ihn? In der Bibel gehört Anbetung grundsätzlich Gott. Gerade deshalb ist es von großer Bedeutung, dass Jesus nicht nur geehrt wird wie ein König oder Prophet, sondern dass ihm eine Verehrung entgegengebracht wird, die im biblischen Gesamtzeugnis mit Gottes eigener Würde verbunden ist.

Der Hebräerbrief macht dies bereits im Vergleich zwischen dem Sohn und den Engeln deutlich. Während Engel als Diener Gottes beschrieben werden, heißt es über den Sohn: „Alle Engel Gottes sollen ihn anbeten.“ Die Richtung ist eindeutig. Jesus gehört nicht zu den Engeln, die gemeinsam mit anderen Geschöpfen Gott anbeten. Vielmehr werden die Engel selbst aufgefordert, sich vor dem Sohn niederzuwerfen. Damit steht Christus nicht innerhalb derselben geschaffenen Ordnung, sondern empfängt von ihr Verehrung.

Diese Aussage erhält besonderes Gewicht, weil die Schrift Anbetung geschaffener Wesen ausdrücklich zurückweist. Als Johannes in der Offenbarung vor einem Engel niederfallen will, wird er sofort daran gehindert und aufgefordert, Gott anzubeten. Auch die Apostel weisen Verehrung zurück, wenn Menschen ihnen Ehre entgegenbringen, die Gott gebührt. Die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf wird an dieser Stelle bewusst geschützt. Umso bemerkenswerter ist es, dass Jesus Anbetung nicht zurückweist.

Das zeigen bereits die Evangelien. Nachdem Jesus über das Wasser gegangen ist, vor den Augen seiner Jünger den Sturm zur Ruhe gebracht und Petrus aus dem Wasser gerettet hat, fallen die Menschen im Boot vor ihm nieder und bekennen: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“ Der Evangelist beschreibt diese Reaktion nicht als Fehlverhalten, das Jesus korrigieren müsste. Die Verehrung steht vielmehr als angemessene Antwort auf die Offenbarung seiner Person und Macht.

Den umfassendsten Blick eröffnet jedoch Offenbarung 5. Johannes sieht das Lamm im Zentrum des himmlischen Geschehens. Unzählige Engel rufen ihm zu, dass es würdig sei, Macht, Reichtum, Weisheit, Stärke, Ehre, Herrlichkeit und Lob zu empfangen. Danach weitet sich der Lobpreis auf die gesamte Schöpfung aus. Jedes Geschöpf im Himmel, auf der Erde, unter der Erde und im Meer bringt dem auf dem Thron Sitzenden und dem Lamm Lob, Ehre, Herrlichkeit und Macht dar.

Gerade diese Verbindung ist theologisch von außergewöhnlicher Bedeutung. Der Vater und das Lamm stehen nicht als zwei konkurrierende Empfänger verschiedener Formen von Verehrung nebeneinander. Dieselbe umfassende Schöpfung richtet ihren Lobpreis gemeinsam an den auf dem Thron Sitzenden und an Christus. Der Sohn wird damit in eine Anbetung einbezogen, die der Offenbarung zufolge dem göttlichen Thron gehört. Die Szene wäre kaum verständlich, wenn Christus lediglich das höchste aller Geschöpfe wäre, denn dann würde die gesamte geschaffene Wirklichkeit einem Geschöpf eine Ehre darbringen, die die Schrift sonst für Gott bewahrt.

Dabei wird die Würde des Sohnes nicht losgelöst von seinem Erlösungswerk beschrieben. Das Lamm wird angebetet, weil es geschlachtet wurde und durch sein Blut Menschen für Gott erkauft hat. Seine Erniedrigung widerspricht seiner göttlichen Würde deshalb nicht. Gerade derjenige, dem himmlische Anbetung gebührt, hat sich bis zum Opfer erniedrigt. Die Offenbarung verbindet höchste Herrlichkeit und tiefste Selbsthingabe in derselben Person.

Damit zeigt die Anbetung Jesu eine weitere Seite seiner Gottheit. Er besitzt nicht nur göttliche Vollmacht und verrichtet nicht nur Werke Gottes. Die himmlische Welt erkennt in ihm eine Würde an, vor der sie sich selbst beugt. Christliche Anbetung Jesu ist deshalb keine spätere Überhöhung eines menschlichen Lehrers, sondern entspricht dem Bild, das die Schrift selbst zeichnet: Der Sohn steht mit dem Vater im Mittelpunkt des himmlischen Lobpreises und empfängt die Ehre der gesamten Schöpfung.

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Die ganze Fülle der Gottheit wohnt leibhaftig in ihm

Kolosser 2,8-10 – „8 Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und leeren Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Grundsätzen der Welt und nicht nach Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; 10 und ihr habt alles völlig in ihm, welcher das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist."
Kolosser 2,8-10 – „8 Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und leeren Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Grundsätzen der Welt und nicht nach Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; 10 und ihr habt alles völlig in ihm, welcher das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist."
Kolosser 1,19-20 – „19 Denn es gefiel [Gott], daß in ihm alle Fülle wohnen sollte 20 und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst (dadurch daß er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes) durch ihn, sowohl was im Himmel, als auch was auf Erden ist."
Johannes 14,8-10 – „8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns! 9 Spricht Jesus zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht? Philippus, wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst, sonde…"

Nachdem die Schrift Jesus als Schöpfer beschreibt und ihm die Anbetung des Himmels zuspricht, verdichtet Paulus diese Aussagen im Kolosserbrief in einem bemerkenswerten Satz: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Diese Aussage steht in einem Zusammenhang, in dem die Gemeinde davor gewarnt wird, sich durch menschliche Philosophie und religiöse Überlieferungen von Christus wegführen zu lassen. Paulus antwortet darauf nicht lediglich mit dem Hinweis, Jesus besitze besondere göttliche Vollmacht. Er richtet den Blick auf die Person Christi selbst und erklärt, was in ihm gegenwärtig ist.

Der Ausdruck „die ganze Fülle der Gottheit“ lässt kaum Raum für die Vorstellung, Christus besitze lediglich einen begrenzten Anteil an göttlicher Macht oder sei nur stärker von Gott erfüllt als andere Menschen. Paulus spricht ausdrücklich von der ganzen Fülle. Bereits im vorhergehenden Kapitel hatte er erklärt, dass es Gott gefiel, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen. In Kapitel 2 wird diese Aussage noch genauer: Es ist die Fülle der Gottheit selbst. Jesus offenbart deshalb nicht nur einzelne Eigenschaften Gottes, sondern in ihm begegnet die göttliche Wirklichkeit in einzigartiger Weise.

Ebenso wichtig ist das Wort „leibhaftig“. Paulus spricht nicht von einer vorübergehenden geistlichen Inspiration, bei der eine göttliche Kraft einen gewöhnlichen Menschen zeitweise erfüllt hätte. Die Fülle der Gottheit wohnt in Christus leibhaftig. Damit stehen Gottheit und Menschsein nicht als zwei nacheinander folgende Zustände gegenüber, als wäre Jesus zuerst göttlich gewesen und nach seiner Menschwerdung nur noch menschlich. Die göttliche Fülle ist in dem menschgewordenen Christus gegenwärtig.

Gerade darin liegt das Geheimnis seiner Person. Die Bibel sagt nicht, dass Gottheit sich in Menschheit verwandelt hätte, sodass das Göttliche aufgehört hätte zu bestehen. Ebenso beschreibt sie Jesus nicht als bloßen Menschen, dem später göttlicher Rang verliehen wurde. Der ewige Sohn wird wirklich Mensch, während seine göttliche Identität bestehen bleibt. Wie diese Verbindung in ihrem innersten Wesen möglich ist, erklärt die Schrift nicht philosophisch; sie bezeugt jedoch beide Seiten mit großer Klarheit.

Auch Jesu Gespräch mit Philippus führt in diese Richtung. Als Philippus bittet: „Herr, zeige uns den Vater“, antwortet Jesus: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.“ Damit behauptet Jesus nicht, selbst dieselbe Person wie der Vater zu sein, denn unmittelbar danach spricht er weiterhin vom Vater, der in ihm ist. Seine Aussage betrifft vielmehr die vollkommene Offenbarung Gottes in seiner eigenen Person. Wer den Sohn erkennt, begegnet keinem unvollständigen oder verzerrten Bild Gottes.

Das bedeutet zugleich, dass Jesu irdisches Leben für die Erkenntnis Gottes von einzigartiger Bedeutung ist. Seine Barmherzigkeit, seine Wahrheit, seine Heiligkeit und seine Liebe sind nicht Eigenschaften eines Menschen, der Gott besonders erfolgreich nachahmt. In seinem Leben wird sichtbar, wie Gott sich dem Menschen offenbart. Deshalb kann Jesus den Vater in einer Weise bekannt machen, die über das Zeugnis jedes Propheten hinausgeht. Propheten sprechen von Gott; der Sohn macht ihn aus seiner einzigartigen Gemeinschaft mit dem Vater offenbar.

Dennoch darf diese Wahrheit nicht dazu führen, das wirkliche Menschsein Jesu abzuschwächen. „Leibhaftig“ bedeutet gerade, dass Gottes Sohn tatsächlich in die menschliche Existenz eingetreten ist. Er begegnete Menschen nicht nur in einer scheinbaren menschlichen Hülle. Er lebte innerhalb der Bedingungen menschlichen Lebens. Die Größe von Kolosser 2,9 liegt gerade darin, dass Paulus diese beiden Wahrheiten nicht voneinander trennt: wirkliche Leiblichkeit und die ganze Fülle der Gottheit befinden sich in derselben Person.

Für den Glauben hat das unmittelbare Folgen. Wer sich Christus anvertraut, wendet sich nicht lediglich an einen geschaffenen Vermittler, der irgendwo zwischen Gott und Mensch steht. In Christus hat Gott selbst sich dem Menschen zugewandt. Gleichzeitig ist dieser göttliche Sohn dem Menschen tatsächlich nahegekommen und hat dessen Wirklichkeit angenommen. Damit führt die Gottheit Jesu nicht von seiner Menschlichkeit weg, sondern unmittelbar zu der nächsten entscheidenden Wahrheit: Der ewige Sohn, durch den alles geschaffen wurde, ist wirklich Fleisch geworden und hat als Mensch unter uns gelebt.

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Der ewige Sohn wurde wirklich Mensch

Johannes 1,14 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Johannes 1,14 – „14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Philipper 2,5-8 – „5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, 6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuz…"
Hebräer 2,14-18 – „14 Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er in ähnlicher Weise dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel, 15 und alle diejenigen befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. 16 Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams n…"

Die Gottheit Jesu wird in der Bibel nicht dadurch bewahrt, dass sein Menschsein abgeschwächt wird. Johannes beschreibt vielmehr eine Bewegung von großer Tragweite: „Das Wort ward Fleisch.“ Derselbe, der im Anfang bei Gott war und durch den alles geschaffen wurde, trat wirklich in die menschliche Existenz ein. Die Menschwerdung bedeutet deshalb nicht, dass ein gewöhnlicher Mensch nachträglich göttlich erhöht wurde. Der bereits existierende Sohn Gottes nahm die menschliche Natur an und lebte unter den Menschen.

Paulus beschreibt diesen Weg in Philipper 2 ausgehend von der Stellung Christi vor seiner Erniedrigung. Jesus bestand in „Gottesgestalt“ und stand in göttlicher Gleichheit, hielt jedoch nicht selbstsüchtig an seinen Vorrechten fest. Stattdessen entäußerte er sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Der Gedankengang beginnt also nicht bei einem Menschen, der sich nach oben bewegt, sondern bei Christus, der sich freiwillig erniedrigt. Gerade die Größe seines Ausgangspunktes macht die Tiefe dieser Erniedrigung verständlich.

Dabei darf das „Entäußern“ nicht so verstanden werden, als hätte Jesus seine Gottheit abgelegt und aufgehört, göttlich zu sein. Paulus erklärt selbst, worin diese Erniedrigung sichtbar wurde: Christus nahm Knechtsgestalt an, wurde Mensch und erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz. Seine Selbstentäußerung besteht deshalb nicht in der Aufgabe seines göttlichen Wesens, sondern in der freiwilligen Annahme einer niedrigen Stellung und eines wirklichen menschlichen Lebens. Derjenige, dem göttliche Herrlichkeit zukommt, macht sich zum Diener.

Dieses Menschsein war keine bloße Erscheinung. Jesus kannte Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerz und Trauer. Er wuchs als Kind heran, lebte unter menschlichen Bedingungen und konnte schließlich tatsächlich sterben. Der Hebräerbrief erklärt, dass er an „Fleisch und Blut“ Anteil nahm, weil die Menschen selbst daran Anteil haben. Damit wird jeder Gedanke ausgeschlossen, Christus habe lediglich wie ein Mensch ausgesehen, ohne die menschliche Wirklichkeit wirklich zu teilen.

Gerade Hebräer 2 zeigt, weshalb dieses echte Menschsein für die Erlösung notwendig war. Christus sollte seinen „Brüdern in allem gleich werden“, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester sein und für die Sünden des Volkes Versöhnung schaffen konnte. Seine Nähe zum Menschen ist deshalb nicht nur emotional oder beispielhaft. Der ewige Sohn trat tatsächlich in die menschliche Familie ein und nahm jene Natur an, in der Erlösung geschehen musste.

Zugleich bedeutet seine wirkliche Menschlichkeit nicht, dass Jesus selbst unter die Herrschaft der Sünde geriet. Der Hebräerbrief kann später sagen, dass er in allem versucht wurde wie wir, jedoch ohne Sünde. Er kennt menschliche Versuchung nicht aus sicherer Entfernung, sondern aus wirklicher Erfahrung; dennoch blieb sein Leben vollkommen in Treue zum Vater. Seine Menschlichkeit war vollständig, aber nicht durch persönliche Sünde verdorben.

Damit erhält auch sein Gehorsam besonderes Gewicht. Philipper 2 führt die Erniedrigung Christi bis zum „Tod am Kreuz“. Der Sohn nahm nicht nur einen menschlichen Körper an, sondern lebte den Weg menschlicher Hingabe bis zum äußersten Punkt. Was Adam und seine Nachkommen durch Ungehorsam verloren hatten, begegnet in Christus einem Menschen, dessen Vertrauen auf den Vater selbst unter Leid nicht zerbricht. Der Kreuzestod ist deshalb sowohl Ausdruck seiner freiwilligen göttlichen Selbsthingabe als auch wirklicher menschlicher Gehorsam.

Gerade hier wird sichtbar, weshalb die biblische Lehre von Jesus beide Wahrheiten benötigt. Wäre Christus nur Gott erschienen, ohne wirklich Mensch zu werden, hätte er unsere menschliche Wirklichkeit nicht tatsächlich geteilt. Wäre er dagegen nur Mensch, könnte die Schrift ihn nicht als präexistenten Schöpfer, als die Fülle der Gottheit und als Empfänger göttlicher Anbetung beschreiben. In Jesus begegnen beide Linien in derselben Person: Der ewige Sohn bleibt, wer er ist, und wird zugleich das, was er zuvor nicht war – wirklich Mensch.

Die Menschwerdung verkleinert deshalb die Gottheit Jesu nicht, sondern offenbart ihre erstaunliche Selbsthingabe. Der Schöpfer tritt in seine Schöpfung ein, der Herr nimmt Knechtsgestalt an, und der Unsterbliche nimmt ein Leben an, in dem er den Tod erleiden kann. Gerade dadurch wird verständlich, wie weit Gottes Erlösungsweg reicht: Nicht ein ferner Bote kommt dem Menschen entgegen, sondern der Sohn selbst wird ihm gleich, um ihn aus seiner verlorenen Lage zu retten.

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Der Erste und der Letzte

Offenbarung 1,17-18 – „17 Und als ich Ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs."
Offenbarung 1,17-18 – „17 Und als ich Ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs."
Jesaja 44,6 – „6 So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott."
Offenbarung 2,8 – „8 Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, welcher tot war und lebendig geworden ist:"
Hebräer 13,8 – „8 Jesus Christus ist gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit!"

Die Gottheit Jesu zeigt sich nicht nur darin, dass er vor seiner Menschwerdung existierte oder an der Schöpfung beteiligt war. Die Schrift legt ihm auch Bezeichnungen bei, die im Alten Testament unmittelbar mit der einzigartigen Stellung Gottes verbunden sind. Besonders eindrucksvoll geschieht dies am Anfang der Offenbarung. Johannes begegnet dem verherrlichten Christus und fällt angesichts seiner Erscheinung wie tot zu seinen Füßen. Jesus legt seine rechte Hand auf ihn und spricht: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“

Diese Selbstbezeichnung besitzt einen gewichtigen alttestamentlichen Hintergrund. In Jesaja 44 bezeichnet sich der Herr selbst als „der Erste und der Letzte“ und verbindet damit ausdrücklich die Aussage: Außer ihm gibt es keinen Gott. Der Titel beschreibt damit nicht bloß, dass Gott besonders alt wäre oder lange existiert. Er bringt seine einzigartige Stellung gegenüber allem Geschaffenen zum Ausdruck. Gott steht vor allen Dingen, bleibt über alle Zeiten hinweg derselbe und hat keinen göttlichen Rivalen neben sich.

Wenn der auferstandene Jesus in Offenbarung 1 dieselbe Bezeichnung auf sich bezieht, erhält seine Aussage deshalb außergewöhnliches Gewicht. Johannes hört nicht nur, dass Christus lange vor seiner Geburt existierte. Jesus spricht von sich mit einer Bezeichnung, die im prophetischen Hintergrund Gottes einzigartige Ewigkeit und Herrschaft kennzeichnet. Offenbarung 2 wiederholt diese Selbstvorstellung ausdrücklich: Christus ist „der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig geworden ist“. Die göttliche Würde und sein wirklicher Tod werden in derselben Person zusammengeführt.

Gerade dieser zweite Teil verhindert ein Missverständnis. Der „Erste und der Letzte“ ist tatsächlich gestorben. Das bedeutet nicht, dass das göttliche Wesen als solches aufgehört hätte zu existieren. Die Aussage führt vielmehr zurück zum Geheimnis der Menschwerdung: Der ewige Sohn hatte wirkliche menschliche Natur angenommen und konnte in dieser menschlichen Existenz den Tod erleiden. Derjenige, dessen Leben nicht wie das eines Geschöpfes seinen Ursprung in der geschaffenen Ordnung hat, ging freiwillig in die tiefste Erfahrung menschlicher Sterblichkeit hinein.

Doch der Tod behielt ihn nicht. Jesus nennt sich zugleich „den Lebendigen“ und erklärt, dass er von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt. Seine Auferstehung ist deshalb mehr als die Rückkehr eines Menschen ins Leben. Derjenige, der gestorben ist, besitzt nun die Schlüssel des Todes und des Totenreiches. Der Tod steht nicht als unabhängige Macht neben ihm. Christus hat ihn durchschritten und erscheint als der Herr, dessen Autorität selbst dort reicht, wo menschliche Macht vollständig endet.

Diese Beständigkeit findet auch im Hebräerbrief ihren Ausdruck: „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.“ Im unmittelbaren Zusammenhang dient diese Aussage dazu, Gläubige angesichts wechselnder Lehren auf den bleibenden Christus auszurichten. Dennoch passt sie zugleich in das größere Zeugnis des Briefes, das den Sohn der vergänglichen Schöpfung gegenüberstellt: Himmel und Erde verändern sich, „du aber bist derselbe“. Christus besitzt eine Beständigkeit, die nicht von den Veränderungen der geschaffenen Welt bestimmt wird.

Dabei darf „gestern“ in Hebräer 13 nicht isoliert als Beweis für eine mathematisch unbegrenzte Vergangenheit verwendet werden. Die Gottheit Jesu hängt nicht an einem einzigen Ausdruck. Ihre Stärke liegt gerade darin, dass verschiedene Schriftlinien zusammenkommen: Er war vor der Welt beim Vater, alles wurde durch ihn geschaffen, die Schrift bezeichnet ihn als Gott, der Himmel betet ihn an, und in der Offenbarung nennt er sich mit einer Bezeichnung, die Jesaja für den Herrn gebraucht. Zusammengenommen entsteht ein in sich geschlossenes Bild.

Gerade diese Wahrheit verleiht dem christlichen Vertrauen eine besondere Grundlage. Der Jesus, der in menschlicher Schwachheit lebte und am Kreuz starb, ist nicht von den Mächten überwältigt worden, denen jeder gewöhnliche Mensch ausgeliefert ist. Derselbe Christus steht über Anfang und Ende, Leben und Tod. Seine Menschwerdung führte ihn wirklich in die Geschichte hinein, doch seine Person wird von dieser Geschichte nicht begrenzt. Deshalb kann der Glaube sich an ihn halten, wenn alles Geschaffene vergeht: Der Gekreuzigte und Auferstandene ist der Erste und der Letzte, und seine Jahre nehmen kein Ende.

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Ehe Abraham war, bin ich

Johannes 8,56-59 – „56 Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte. Und er sah ihn und freute sich. 57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? 58 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, bin ich! 59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten du…"
Johannes 8,56-59 – „56 Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte. Und er sah ihn und freute sich. 57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? 58 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, bin ich! 59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten du…"
2. Mose 3,13-15 – „13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen werden: Wie heißt sein Name? Was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: «Ich bin, der ich bin!» Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: «Ich bin», der hat mich zu euch gesandt. 15 Und nochmals sprach Gott zu Mose: Also …"
Johannes 8,23-24 – „23 Er aber sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 24 Darum habe ich euch gesagt, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben."

Eine der eindringlichsten Aussagen Jesu über seine Identität begegnet in Johannes 8. Das Gespräch mit seinen Gegnern hatte sich immer weiter zugespitzt, bis Jesus schließlich von Abraham sprach. Er erklärte, Abraham habe sich darüber gefreut, seinen Tag zu sehen. Darauf reagierten seine Zuhörer verständlicherweise mit Verwunderung: Jesus war noch keine fünfzig Jahre alt – wie konnte er von einer Beziehung zu Abraham sprechen, der viele Jahrhunderte zuvor gelebt hatte? Jesu Antwort führt weit über die bloße Behauptung einer außergewöhnlichen Kenntnis der Vergangenheit hinaus.

Er sagt nicht: „Ehe Abraham war, war ich.“ Stattdessen lautet seine Aussage: „Ehe Abraham ward, bin ich.“ Der Gegensatz ist auffällig. Abraham kam ins Dasein; Jesus beschreibt seine eigene Existenz anders. Damit bezeugt er zunächst eindeutig seine Präexistenz: Seine Person beginnt nicht mit seiner Geburt in Bethlehem und auch nicht innerhalb der Geschichte Israels. Bevor Abraham lebte, war Christus bereits da.

Die Formulierung erhält zusätzliches Gewicht durch den alttestamentlichen Hintergrund. Als Mose am brennenden Dornbusch nach Gottes Namen fragt, offenbart sich der Herr mit einer Aussage, die seine unabhängige und bleibende Existenz ausdrückt: „Ich bin, der ich bin.“ Anschließend nennt er sich den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Johannes 8 zitiert diese Stelle nicht ausdrücklich und verwendet auch nicht exakt dieselbe sprachliche Form wie die griechische Übersetzung von 2. Mose 3. Deshalb sollte nicht behauptet werden, Jesus spreche hier lediglich eine wörtliche Wiederholung des Gottesnamens aus.

Dennoch ist die Verbindung nicht belanglos. Im Johannesevangelium verwendet Jesus mehrfach absolute „Ich bin“-Aussagen, bei denen kein nachfolgendes Bild wie „Brot des Lebens“ oder „guter Hirte“ ergänzt wird. Bereits in Johannes 8,24 erklärt er, dass Menschen in ihren Sünden sterben werden, wenn sie nicht glauben, dass „ich es bin“. Wenige Verse später folgt die Aussage über seine Existenz vor Abraham. Innerhalb dieses Zusammenhangs erhält das „Ich bin“ deshalb eine Tiefe, die über die bloße Feststellung hinausgeht, Jesus habe irgendwann vor Abraham existiert.

Auch die Reaktion seiner Zuhörer gehört zur Auslegung des Abschnitts. Unmittelbar nach Jesu Worten nehmen sie Steine auf, um ihn zu steinigen. Johannes erklärt an dieser Stelle nicht ausdrücklich in einem erläuternden Satz, welches konkrete Rechtsverständnis sie dabei zugrunde legten. Doch ihre Reaktion zeigt zumindest, dass sie Jesu Aussage nicht als harmlose Behauptung eines symbolischen Vorrangs verstanden. Das Gespräch hat eine Grenze erreicht, an der sie seine Worte als unerträglich empfinden.

Diese Szene steht zudem nicht isoliert im Johannesevangelium. Schon im ersten Kapitel wird der Sohn als das Wort beschrieben, das im Anfang bei Gott war und selbst Gott war. In Johannes 17 spricht Jesus von der Herrlichkeit, die er beim Vater hatte, ehe die Welt existierte. Wenn Johannes 8 vor diesem Hintergrund gelesen wird, fügt sich Jesu „Ich bin“ in eine bereits aufgebaute Linie ein: Der Sohn besitzt eine Existenz, die nicht mit der geschaffenen Geschichte beginnt.

Dabei bleibt auch hier die Beziehung zwischen Vater und Sohn bestehen. Jesus beansprucht nicht, der Vater zu sein. Im selben Kapitel spricht er wiederholt von dem Vater, der ihn gesandt hat und von dem er Zeugnis empfängt. Seine göttliche Identität hebt diese personale Unterscheidung nicht auf. Gerade das Johannesevangelium kann deshalb gleichzeitig von der Einheit Jesu mit Gott und von seiner Beziehung zum Vater sprechen.

Die Bedeutung dieser Aussage reicht schließlich über eine Diskussion über Jesu Alter hinaus. Wenn Christus bereits vor Abraham existierte und Johannes seine Worte in einem Zusammenhang göttlicher Selbstoffenbarung überliefert, steht der Leser vor einer Entscheidung über die Person Jesu selbst. Er kann nicht auf die Rolle eines erst später entstandenen religiösen Lehrers begrenzt werden. Derjenige, der innerhalb der Geschichte Israels als Mensch auftrat, bezeugt eine Existenz, die dieser Geschichte vorausgeht – und führt damit erneut zu der Erkenntnis, dass in Jesus mehr als ein Geschöpf oder Prophet vor den Menschen steht.

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Der Sohn besitzt Vollmacht über Sünde, Leben und Gericht

Markus 2,5-12 – „5 Als aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! 6 Es saßen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: 7 Was redet dieser so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? 8 Und alsbald merkte Jesus kraft seines Geistes, daß sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr solches in euren …"
Markus 2,5-12 – „5 Als aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! 6 Es saßen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: 7 Was redet dieser so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? 8 Und alsbald merkte Jesus kraft seines Geistes, daß sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr solches in euren …"
Johannes 5,21-23 – „21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. 22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben, 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat."
Johannes 5,26-29 – „26 Denn wie der Vater das Leben in sich selbst hat, also hat er auch dem Sohne verliehen, das Leben in sich selbst zu haben. 27 Und er hat ihm Macht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. 28 Verwundert euch nicht darüber! Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden; 29 und es werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Au…"

Die Gottheit Jesu wird in der Schrift nicht nur durch Namen und Aussagen über seine ewige Existenz bezeugt. Auch die Vollmachten, die er ausübt, führen zu derselben Frage nach seiner Identität. Besonders deutlich wird dies dort, wo Jesus in Bereiche hineintritt, die im biblischen Denken unmittelbar mit Gottes eigener Autorität verbunden sind. Er vergibt Sünden, schenkt Leben und beansprucht eine umfassende richterliche Vollmacht. Diese Werke stehen nicht neben seiner Person, sondern offenbaren, wer er ist.

Markus 2 schildert die Heilung eines Gelähmten, der von seinen Freunden zu Jesus gebracht wird. Auffällig ist, dass Jesus nicht zuerst dessen körperliche Not anspricht. Er sagt: „Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Einige Schriftgelehrte reagieren innerlich mit dem Einwand, Jesus lästere Gott: „Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?“ Ihre Grundannahme ist nachvollziehbar. Sünde richtet sich letztlich gegen Gott, und deshalb besitzt Gott die höchste Autorität, Schuld zu vergeben.

Jesus korrigiert diese Grundannahme nicht, indem er erklärt, die Schriftgelehrten hätten die Bedeutung der Sündenvergebung überschätzt. Stattdessen zeigt er, dass der „Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben“. Um diese unsichtbare Vollmacht sichtbar zu bestätigen, befiehlt er dem Gelähmten aufzustehen und nach Hause zu gehen. Die Heilung wird damit zum Zeichen dafür, dass sein Anspruch auf Sündenvergebung keine leere Behauptung ist. Jesus handelt mit einer Autorität, die seine Gegner gerade deshalb als anstößig empfinden, weil sie Gott zukommt.

Eine noch umfassendere Aussage findet sich in Johannes 5. Nachdem Jesus einen Menschen am Sabbat geheilt hat, entsteht eine Auseinandersetzung über seine Beziehung zum Vater. Johannes erklärt, dass seine Gegner Jesus gerade deshalb töten wollten, weil er Gott seinen eigenen Vater nannte und sich damit Gott gleich machte. Jesus antwortet darauf nicht mit einer Zurücknahme dieses Anspruchs. Stattdessen entfaltet er seine Beziehung zum Vater und beschreibt Werke, die seine einzigartige Stellung sichtbar machen.

Eines dieser Werke ist das Schenken von Leben. Jesus erklärt: Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Damit wird dem Sohn nicht lediglich die Rolle eines menschlichen Boten übertragen, der um ein Wunder bittet. Er besitzt selbst die Vollmacht, Leben zu geben. Wenige Verse später erklärt Jesus zudem, dass der Vater dem Sohn gegeben hat, Leben in sich selbst zu haben. Die Quelle des Lebens steht damit in einer einzigartigen Beziehung zu ihm.

Unmittelbar damit verbindet Jesus das Gericht. Der Vater richtet niemanden, sondern hat das ganze Gericht dem Sohn übergeben. Der Zweck dieser Ordnung wird ausdrücklich genannt: Alle sollen den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Diese Aussage ist von besonderem Gewicht. Jesus verlangt nicht lediglich Respekt für seine Sendung. Die Ehre, die dem Vater gebührt, soll auch dem Sohn entgegengebracht werden. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt nach Jesu eigenen Worten auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

Der Abschnitt führt schließlich bis zur Auferstehung der Toten. Eine Stunde wird kommen, in der alle in den Gräbern die Stimme des Sohnes hören und hervorkommen werden. Die endgültige Auferweckung und das Gericht über die Menschheit werden damit mit seiner Stimme und seiner Vollmacht verbunden. Jesus steht nicht lediglich selbst als einer der Auferweckten vor Gott, sondern wird als derjenige beschrieben, dessen Ruf die Toten erreicht und dessen Gericht über das menschliche Schicksal entscheidet.

Dabei bleibt auch hier die Beziehung zwischen Vater und Sohn bestehen. Jesus handelt nicht unabhängig oder gegen den Vater, sondern in vollkommener Einheit mit ihm. Der Vater sendet, gibt dem Sohn Vollmacht und will, dass der Sohn ebenso geehrt wird. Gerade diese Unterscheidung darf jedoch nicht dazu benutzt werden, die Aussagen über Jesu göttliche Autorität abzuschwächen. Der Sohn empfängt innerhalb dieser Beziehung Werke und Ehre, die weit über die Stellung eines geschaffenen Boten hinausgehen.

So verdichtet sich das biblische Zeugnis erneut. Jesus existiert vor der Welt, schafft alle Dinge, empfängt Anbetung und wird ausdrücklich Gott genannt. Nun zeigt sich dieselbe Wahrheit in seinem Handeln: Er vergibt Sünden, schenkt Leben, ruft die Toten aus den Gräbern und trägt das endgültige Gericht. Seine Gottheit ist deshalb keine abstrakte Lehre, die nachträglich über sein Leben gelegt wurde. Sie wird gerade in der Vollmacht sichtbar, mit der er dem Menschen begegnet.

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Warum die Gottheit Jesu für die Erlösung entscheidend ist

2. Korinther 5,18-21 – „18 Das alles aber von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nu…"
2. Korinther 5,18-21 – „18 Das alles aber von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nu…"
Hebräer 7,24-27 – „24 er aber hat, weil er in Ewigkeit bleibt, ein unübertragbares Priestertum. 25 Daher kann er auch bis aufs äußerste die retten, welche durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten! 26 Denn ein solcher Hoherpriester geziemte uns, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher als der Himmel ist, 27 der nicht wie die Hohenpriester täglich nötig h…"
Johannes 10,27-30 – „27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. 28 Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins."

Die Frage nach der Gottheit Jesu bleibt nicht bei seiner Identität stehen. Sie berührt unmittelbar die Gewissheit der Erlösung. Wenn Jesus lediglich ein außergewöhnlicher Mensch oder ein geschaffenes himmlisches Wesen wäre, müsste neu gefragt werden, welche Bedeutung sein Tod tatsächlich für die Versöhnung der Welt besitzen könnte. Das Neue Testament spricht jedoch anders: In Christus handelt Gott selbst zum Heil des Menschen. Die Erlösung wird deshalb nicht als Werk eines Geschöpfes dargestellt, das Gott von außen unterstützt, sondern als Gottes eigenes rettendes Handeln durch seinen Sohn.

Paulus formuliert dies in 2. Korinther 5 besonders eindrücklich. Die Versöhnung geht von Gott aus, der die Menschen durch Christus mit sich versöhnt. Dann verdichtet Paulus den Gedanken in der Aussage, dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte. Der Vater und der Sohn werden dadurch nicht zu derselben Person gemacht; vielmehr wird deutlich, dass Gottes Handeln in Christus nicht das Handeln eines fernen Auftraggebers durch einen bloßen menschlichen Stellvertreter ist. Im Erlösungswerk des Sohnes begegnet dem Menschen Gottes eigene rettende Initiative.

Gerade deshalb besitzt das Kreuz eine Bedeutung, die weit über den Tod eines gerechten Märtyrers hinausgeht. Jesus stirbt nicht nur, um ein Beispiel äußerster Treue zu geben. Paulus erklärt, dass der Sündlose für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wir in ihm Gottes Gerechtigkeit würden. Der Mittelpunkt liegt somit in einem wirklichen Versöhnungshandeln. Derjenige, der sich hingibt, ist derselbe Sohn, den die Schrift zuvor als Schöpfer, präexistent und göttlich beschrieben hat. Die Größe seines Opfers kann deshalb nicht von der Größe seiner Person getrennt werden.

Der Hebräerbrief führt diese Wahrheit in den hohepriesterlichen Dienst Christi weiter. Jesus besitzt ein unvergängliches Priestertum, weil er in Ewigkeit bleibt. Frühere Priester konnten ihren Dienst nicht dauerhaft fortsetzen, weil der Tod sie begrenzte. Christus dagegen kann diejenigen völlig retten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er immer lebt, um für sie einzutreten. Seine Fähigkeit zu retten wird damit ausdrücklich mit einer Beständigkeit verbunden, die nicht der Vergänglichkeit gewöhnlicher menschlicher Mittler unterliegt.

Auch sein Opfer unterscheidet sich grundlegend von den wiederholten Opfern des alten Bundes. Jesus muss nicht immer wieder neu opfern. Er hat sich ein für alle Mal hingegeben. Der Hebräerbrief begründet die Vollkommenheit seines Dienstes nicht mit menschlicher moralischer Größe allein, sondern stellt ihn als den heiligen, schuldlosen und erhöhten Hohenpriester dar, dessen einmaliges Opfer ausreicht. Sein Werk besitzt eine Endgültigkeit, die kein irdischer Priesterdienst erreichen konnte.

Johannes zeigt dieselbe Sicherheit aus einer anderen Richtung. Jesus verspricht seinen Schafen ewiges Leben und erklärt, dass niemand sie aus seiner Hand reißen wird. Unmittelbar danach spricht er von der Hand des Vaters und sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Der Zusammenhang betrifft Schutz, Leben und göttliche Bewahrung. Der Sohn handelt nicht als schwacher Mittler, dessen Zusagen von einer höheren Macht jederzeit übertroffen werden könnten. Seine Hand und die Hand des Vaters stehen in einer Einheit des rettenden Handelns, die den Glaubenden Sicherheit geben soll.

Dabei wäre es zu weitgehend, die Notwendigkeit der Gottheit Jesu ausschließlich aus einer menschlichen Berechnung über den „Wert“ seines Opfers beweisen zu wollen. Die Schrift erklärt nicht philosophisch, wie viel ein göttliches Leben gegenüber menschlicher Schuld wert sei. Sie geht einen anderen Weg: Sie offenbart, wer der Erlöser ist, und zeigt dann, was dieser Erlöser vollbringt. Weil der Sohn göttlich ist und wirklich Mensch wurde, besitzt sein Werk jene einzigartige Stellung, die das Neue Testament ihm tatsächlich zuschreibt.

So wird verständlich, weshalb die Gottheit Jesu für den Glauben keine nebensächliche Lehrfrage ist. Die christliche Hoffnung ruht nicht auf einem Geschöpf, das versucht, den Menschen zu Gott zurückzuführen. In Christus hat Gott selbst den Weg der Versöhnung eröffnet; derselbe Sohn, der menschliches Fleisch annahm und sich am Kreuz hingab, lebt nun als bleibender Hoherpriester und schenkt ewiges Leben. Deshalb kann sich der Glaube vollständig auf ihn stützen: Die Rettung hängt nicht an der begrenzten Kraft eines Menschen, sondern an dem göttlichen Sohn, der Mensch wurde, um Menschen mit Gott zu versöhnen.

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„Der Vater ist größer als ich“: Unterordnung bedeutet nicht geringere Gottheit

Johannes 14,28 – „28 Ihr habt gehört, daß ich sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich."
Johannes 14,28 – „28 Ihr habt gehört, daß ich sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich."
Johannes 5,18-23 – „18 Darum suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleichstellte. 19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. 20 …"
Johannes 17,4-5 – „4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden, indem ich das Werk vollendet habe, das du mir gegeben hast, daß ich es tun solle. 5 Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war."

Wenn die Bibel Jesus als Gott, Schöpfer und Empfänger göttlicher Anbetung beschreibt, müssen auch jene Aussagen ernst genommen werden, in denen er sich dem Vater unterordnet. Besonders bekannt ist Jesu Wort: „Der Vater ist größer als ich.“ Isoliert betrachtet könnte daraus geschlossen werden, der Sohn besitze grundsätzlich ein geringeres Wesen als der Vater. Doch eine solche Deutung würde andere Aussagen desselben Johannesevangeliums übergehen und den unmittelbaren Zusammenhang der Worte Jesu nicht ausreichend berücksichtigen.

Jesus spricht diese Worte während seiner Abschiedsrede kurz vor dem Kreuz. Er bereitet seine Jünger darauf vor, dass er sie verlassen und zum Vater gehen wird. Deshalb sagt er ihnen, sie sollten sich darüber freuen, dass er zum Vater gehe, „denn der Vater ist größer als ich“. Christus befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der freiwillig angenommenen Erniedrigung seiner Menschwerdung. Er lebt als der gesandte Sohn unter den Bedingungen menschlichen Lebens und geht dem Leiden entgegen. Der Vater dagegen befindet sich nicht in dieser erniedrigten Stellung.

Dass Johannes damit keine grundsätzliche Leugnung der Gottheit Jesu beabsichtigt, zeigt sein Evangelium bereits an vielen anderen Stellen. In Johannes 5 verstehen Jesu Gegner seine besondere Rede von Gott als seinem Vater so, dass er sich Gott gleich mache. Jesus antwortet darauf nicht, indem er jede Gleichheit zurückweist. Stattdessen beschreibt er eine einzigartige Einheit des Wirkens: Was der Vater tut, das tut ebenso der Sohn. Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so schenkt auch der Sohn Leben, wem er will.

Noch auffälliger ist die Begründung für die richterliche Vollmacht des Sohnes. Der Vater hat das Gericht dem Sohn übergeben, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“. Eine solche Aussage lässt sich schwer mit der Vorstellung vereinbaren, Jesus sei lediglich ein untergeordnetes Geschöpf. Die Ehre, die dem Vater gebührt, soll auch dem Sohn gelten. Wer den Sohn nicht ehrt, verweigert nach Jesu eigenen Worten zugleich dem Vater die Ehre.

Damit zeichnet Johannes ein Verhältnis, das weder in vollständige Gleichsetzung noch in wesensmäßige Unterlegenheit aufgelöst werden darf. Der Vater ist nicht der Sohn, und der Sohn ist nicht der Vater. Der Sohn wird vom Vater gesandt, empfängt einen Auftrag und handelt in vollkommener Übereinstimmung mit ihm. Diese personale und heilsgeschichtliche Ordnung sagt jedoch nicht, dass der Sohn deshalb weniger göttlich wäre. Funktionale Unterordnung und göttliche Wesensgleichheit sind nicht dasselbe.

Jesu Gebet in Johannes 17 macht diesen Unterschied besonders verständlich. Kurz vor seinem Tod sagt er zum Vater, dass er das Werk vollendet habe, das dieser ihm gegeben hatte. Unmittelbar anschließend bittet er: „Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Der erniedrigte und gesandte Sohn spricht von einer Herrlichkeit beim Vater, die der Schöpfung vorausging. Seine gegenwärtige niedrige Stellung ist daher nicht das vollständige Maß seiner ewigen Identität.

Philipper 2 bestätigt dieselbe Bewegung aus einer anderen Perspektive. Christus besteht in Gottesgestalt und nimmt freiwillig Knechtsgestalt an. Seine Erniedrigung ist gerade deshalb wirkliche Erniedrigung, weil er aus einer höheren Stellung kommt. Wenn er während dieses Weges dem Vater gehorcht, betet und sich ihm unterordnet, offenbart dies die Realität seiner Menschwerdung und seiner Sendung. Es beweist nicht, dass er zuvor nur ein geschaffenes Wesen gewesen wäre.

Auch die Gebete Jesu werden auf diese Weise verständlich. Wahres Menschsein schließt wirkliche Abhängigkeit von Gott ein. Der menschgewordene Sohn lebt diese Abhängigkeit vollkommen und zeigt darin, wie ein menschliches Leben in völliger Gemeinschaft mit dem Vater aussieht. Gleichzeitig bleibt die Beziehung zwischen Vater und Sohn real: Jesus spricht nicht zu sich selbst. Seine Gottheit bedeutet deshalb niemals, dass innerhalb Gottes keine personale Gemeinschaft bestünde.

Gerade diese Unterscheidung bewahrt vor zwei gegensätzlichen Fehlern. Einerseits dürfen Jesu göttliche Aussagen nicht so überbetont werden, dass seine wirkliche Erniedrigung, sein Gehorsam und seine Beziehung zum Vater nur noch scheinbar wären. Andererseits dürfen gerade diese Aussagen seiner freiwilligen Unterordnung nicht gegen die klaren Texte über seine Präexistenz, Schöpfungsmacht und göttliche Würde ausgespielt werden. Die Schrift verlangt, beide Linien zusammenzuhalten.

So wird Jesu Wort „Der Vater ist größer als ich“ nicht zu einem Gegenbeweis seiner Gottheit, sondern gehört zum Geheimnis seines Weges. Der ewige Sohn hat eine dienende Stellung angenommen, ist in die menschliche Niedrigkeit eingetreten und erfüllt als Gesandter vollkommen den Willen des Vaters. Seine Demut verkleinert seine göttliche Würde nicht. Sie offenbart vielmehr, wie der göttliche Sohn seine Größe gebraucht: nicht zum Festhalten eigener Vorrechte, sondern zur freiwilligen Hingabe für die Rettung des Menschen.

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„Erstgeborener“ und „Anfang der Schöpfung“: Wurde Jesus geschaffen?

Kolosser 1,15-17 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. 16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht in ihm."
Kolosser 1,15-17 – „15 welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur. 16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht in ihm."
Offenbarung 3,14 – „14 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Ursprung der Schöpfung Gottes:"
Micha 5,1 – „1 Nun schließe deine Reihen, du Schar! Man errichtet Bollwerke gegen uns; mit der Rute wollen sie den Richter Israels auf den Backen schlagen."
Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."

Neben Jesu Aussage, der Vater sei größer als er, werden zwei weitere Texte häufig als Einwand gegen seine Gottheit verstanden. Kolosser 1 bezeichnet Christus als den „Erstgeborenen aller Schöpfung“, und in Offenbarung 3 nennt Jesus sich selbst den „Anfang der Schöpfung Gottes“. Auf den ersten Blick könnten beide Formulierungen den Eindruck erwecken, der Sohn sei das erste Wesen gewesen, das Gott erschaffen habe. Eine solche Deutung muss jedoch daran geprüft werden, wie die betreffenden Aussagen in ihrem unmittelbaren Zusammenhang verwendet werden.

In Kolosser 1 erklärt Paulus zunächst, dass Christus das Bild des unsichtbaren Gottes und der Erstgeborene aller Schöpfung ist. Entscheidend ist die unmittelbar folgende Begründung: „Denn in ihm ist alles erschaffen worden.“ Paulus zählt Himmel und Erde, Sichtbares und Unsichtbares, Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten auf und fasst zusammen, dass alles durch Christus und für ihn geschaffen wurde. Christus wird damit nicht als Teil dieser geschaffenen Gesamtheit behandelt, sondern als derjenige, durch den sie entstanden ist.

Der Ausdruck „Erstgeborener“ kann deshalb an dieser Stelle nicht einfach mit „erstes geschaffenes Wesen“ gleichgesetzt werden. In der biblischen Sprache bezeichnet Erstgeburt zwar häufig eine tatsächliche Geburtsreihenfolge, kann aber ebenso Vorrang, Erbrecht und höchste Stellung ausdrücken. Psalm 89 spricht beispielsweise davon, dass Gott den davidischen König zum „Erstgeborenen“ machen werde, zum Höchsten unter den Königen der Erde. Dabei geht es offensichtlich nicht darum, ihn nachträglich zum zeitlich zuerst geborenen Menschen zu machen, sondern ihm eine herausragende Stellung zu verleihen.

Genau diese Bedeutung passt zum Gedankengang in Kolosser 1. Paulus spricht wenige Verse später von Christus als dem „Erstgeborenen aus den Toten“, damit er in allem den Vorrang habe. Auch hier liegt der Schwerpunkt nicht allein auf zeitlicher Reihenfolge, sondern auf seiner einzigartigen Stellung als derjenige, durch dessen Auferstehung die neue Schöpfung eröffnet wird. Der gesamte Abschnitt preist nicht die Herkunft Christi aus der Schöpfung, sondern seinen Vorrang über sie.

Ähnlich sorgfältig muss Offenbarung 3,14 gelesen werden. Jesus bezeichnet sich dort als „der Anfang der Schöpfung Gottes“. Das griechische Wort, das mit „Anfang“ wiedergegeben wird, kann je nach Zusammenhang Anfang, Ursprung oder herrschenden Ausgangspunkt bezeichnen. Der Vers allein darf deshalb nicht ohne seinen größeren biblischen Zusammenhang so verstanden werden, als sage Jesus: „Ich bin das erste Geschöpf Gottes.“ Eine solche Deutung würde mit den ausdrücklichen Aussagen kollidieren, dass alle geschaffenen Dinge durch ihn geworden sind.

Gerade das Johannesevangelium, aus dessen theologischer Welt auch die Offenbarung hervorgeht, formuliert die Grenze besonders klar: „Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist.“ Wenn alles, was in die Kategorie des Gewordenen fällt, durch das Wort entstanden ist, wird das Wort selbst nicht in diese Kategorie eingeordnet. Offenbarung 3,14 lässt sich deshalb im Einklang mit diesem Zeugnis als Aussage darüber verstehen, dass Christus Ursprung und Anfangspunkt der Schöpfung ist, nicht ihr erstes Produkt.

Auch die alttestamentliche Messiasverheißung aus Micha 5 führt über eine lediglich menschliche Herkunft hinaus. Der angekündigte Herrscher soll aus Bethlehem hervorgehen, zugleich werden seine „Ausgänge“ oder Ursprünge mit einer Vorzeit verbunden, die weit zurückreicht. Der genaue Ausdruck darf nicht isoliert zu einem vollständigen Beweis seiner ewigen Gottheit gemacht werden, doch er passt zu jener größeren biblischen Linie, nach der der in Bethlehem erscheinende Messias nicht erst dort seine Existenz beginnt.

Damit zeigt sich ein wichtiger Grundsatz biblischer Auslegung. Schwierige Einzelbegriffe dürfen nicht gegen klare Aussagen des unmittelbaren Zusammenhangs ausgespielt werden. Wenn Paulus ausdrücklich erklärt, dass alles durch Christus geschaffen wurde und er vor allem ist, kann „Erstgeborener aller Schöpfung“ nicht überzeugend bedeuten, Christus gehöre selbst zu dieser geschaffenen Gesamtheit. Ebenso muss „Anfang der Schöpfung Gottes“ im Licht der zahlreichen Texte gelesen werden, die ihn als den Schöpfer und nicht als ein Geschöpf beschreiben.

Diese Einordnung schützt zugleich davor, Jesu Sohnschaft mit einem geschaffenen Anfang gleichzusetzen. Die Bibel bezeichnet Christus als Sohn Gottes, erklärt aber nicht, dass dieser Titel bedeute, Gott habe ihn irgendwann wie ein Geschöpf ins Dasein gerufen. Im Gegenteil: Der Sohn besitzt beim Vater Herrlichkeit vor Grundlegung der Welt, alle Dinge entstehen durch ihn, und ihm wird göttliche Ehre zuteil. „Sohn“ beschreibt daher seine einzigartige Beziehung zum Vater, nicht seine Zugehörigkeit zur geschaffenen Ordnung.

Die schwierigen Formulierungen widersprechen der Gottheit Jesu somit nicht, wenn sie innerhalb ihrer eigenen Argumentation gelesen werden. Kolosser 1 stellt Christus über die gesamte Schöpfung, und Offenbarung 3 bezeichnet den verherrlichten Herrn in einem Buch, das ihn als den Ersten und Letzten und als Empfänger himmlischer Anbetung zeigt. Der Sohn hat seinen Ursprung nicht innerhalb der geschaffenen Welt. Er steht vor ihr und an ihrem Ursprung – als derjenige, durch den alles geworden ist.

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„Der allein wahre Gott“: Schließt Johannes 17,3 Jesus aus?

Johannes 17,1-5 – „1 Solches redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche! 2 gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, auf daß er ewiges Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, …"
Johannes 17,1-5 – „1 Solches redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche! 2 gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, auf daß er ewiges Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, …"
Johannes 1,1-3 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist."
1. Korinther 8,4-6 – „4 was also das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, daß kein Götze in der Welt ist und daß es keinen Gott gibt außer dem Einen. 5 Denn wenn es auch sogenannte Götter gibt, sei es im Himmel oder auf Erden (wie es ja wirklich viele Götter und viele Herren gibt), 6 so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind und wir für ihn; und einen Herrn, Jesus Christus, dur…"

Zu den wichtigsten Einwänden gegen die Gottheit Jesu gehört sein Gebet kurz vor der Kreuzigung. Jesus spricht zum Vater und nennt ihn „den allein wahren Gott“; zugleich bezeichnet er sich selbst als den von Gott gesandten Jesus Christus. Daraus kann der Eindruck entstehen, Jesus schließe sich ausdrücklich aus der Gottheit aus und stelle allein den Vater als Gott dem von ihm gesandten Sohn gegenüber. Gerade dieser Text verlangt jedoch, dass nicht ein einzelner Ausdruck aus dem Zusammenhang herausgelöst wird.

Zunächst muss ernst genommen werden, was Jesus tatsächlich sagt. Der Vater ist wahrer Gott, und der Sohn ist von ihm gesandt. Die Gottheit Jesu darf niemals so erklärt werden, dass die Gottheit des Vaters abgeschwächt oder die reale Beziehung zwischen Vater und Sohn aufgelöst wird. Jesus betet nicht zu sich selbst. Er steht als der menschgewordene und gesandte Sohn vor dem Vater und spricht innerhalb jener Beziehung, die das Johannesevangelium durchgehend beschreibt.

Doch dasselbe Gebet enthält nur wenige Sätze später eine Aussage, die eine bloß geschöpfliche Deutung Jesu ausschließt. Christus bittet den Vater, ihn mit der Herrlichkeit zu verherrlichen, die er bei ihm hatte, „ehe die Welt war“. Der von Gott Gesandte ist also nicht ein Mensch, dessen Existenz erst mit seiner Sendung begann. Er besaß bereits vor der Erschaffung der Welt Herrlichkeit beim Vater. Johannes 17 hält damit gerade jene beiden Wahrheiten zusammen, die das gesamte Evangelium prägen: Der Sohn ist vom Vater unterscheidbar und von ihm gesandt, zugleich reicht seine Existenz vor die Schöpfung zurück.

Noch deutlicher wird dies durch den Anfang desselben Evangeliums. Johannes hatte bereits erklärt: „Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Diese beiden Aussagen entsprechen in ihrer Grundstruktur genau der Spannung, die auch Johannes 17 erkennen lässt. Das Wort ist bei Gott und damit persönlich von ihm unterscheidbar; zugleich ist das Wort Gott. Wenn Johannes später Jesus zum Vater als dem allein wahren Gott beten lässt, kann dies deshalb nicht ohne Weiteres bedeuten, dass er seine einleitende Aussage über die Gottheit des Wortes widerruft.

Der Ausdruck „allein wahrer Gott“ richtet sich vielmehr gegen jede falsche Gottheit. Ewiges Leben besteht darin, den Vater zu erkennen und Jesus Christus, den er gesandt hat. Jesus stellt den Vater nicht einem zweiten, konkurrierenden Gott gegenüber. Die Schrift kennt keinen solchen Gegensatz. Der Sohn offenbart den Vater, handelt vollkommen in seinem Willen und führt Menschen zu ihm. Das eine göttliche Heilshandeln geschieht in der Beziehung zwischen Vater und Sohn.

Ein ähnliches Muster begegnet in 1. Korinther 8. Paulus stellt den vielen sogenannten Göttern der heidnischen Umwelt das christliche Bekenntnis gegenüber: „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind“, und „einen Herrn, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind“. Isoliert könnte auch hier angenommen werden, nur der Vater sei Gott, während Jesus lediglich „Herr“ genannt werde. Doch Paulus stellt Christus zugleich auf die Seite des schöpferischen Handelns: Alle Dinge sind durch ihn. Eine geschaffene Person wird damit nicht einfach neben Gott gestellt, sondern in die einzigartige Beziehung zum Ursprung aller Dinge einbezogen.

Auch der Titel „Herr“ ist in diesem Zusammenhang keineswegs eine geringere religiöse Höflichkeitsbezeichnung. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments wird gerade dieser Ausdruck regelmäßig für den Gottesnamen verwendet. Paulus kann deshalb das Bekenntnis zum einen Gott so formulieren, dass der Vater als Ursprung aller Dinge und Jesus Christus als der eine Herr genannt werden, durch den alles besteht. Die personale Unterscheidung bleibt bestehen, ohne dass Christus aus der göttlichen Wirklichkeit herausgelöst wird.

Johannes 17,3 darf deshalb weder übergangen noch gegen Johannes 1 ausgespielt werden. Der Vater ist der allein wahre Gott; die Bibel kennt keine konkurrierenden Götter neben ihm. Doch Johannes selbst bezeugt zugleich den Sohn als Gott, als präexistent, als Schöpfer und als Träger einer Herrlichkeit, die er beim Vater vor der Welt besaß. Die Gottheit Jesu bedeutet deshalb nicht, zwei voneinander unabhängige Götter anzunehmen. Sie zwingt vielmehr dazu, die biblische Einheit Gottes so ernst zu nehmen, dass zugleich die göttliche Identität des Sohnes und seine wirkliche Beziehung zum Vater Raum behalten.

Gerade darin liegt die Stärke des biblischen Zeugnisses. Die Schrift löst die Beziehung zwischen Vater und Sohn nicht durch einfache Formeln auf. Jesus kann den Vater als den allein wahren Gott anbeten und zugleich selbst vom Evangelisten Gott genannt werden. Er kann gesandt sein und dennoch vor aller Schöpfung bestehen. Die Frage ist deshalb nicht, welcher dieser Texte „gewinnt“, sondern welches Gesamtbild entsteht, wenn alle Aussagen ernst genommen werden. Dieses Gesamtbild führt nicht zu einer geringeren Sicht auf Christus, sondern zu der Erkenntnis des ewigen Sohnes, der vom Vater kommt und ihn vollkommen offenbart.

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Der verheißene Messias trägt göttliche Namen

Jesaja 9,5-6 – „5 Denn jeder Stiefel derer, die gestiefelt einhertreten im Schlachtgetümmel, und jedes blutbefleckte Kleid wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 6 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft kommt auf seine Schulter; und man nennt ihn: Wunderbar, Rat, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst."
Jesaja 9,5-6 – „5 Denn jeder Stiefel derer, die gestiefelt einhertreten im Schlachtgetümmel, und jedes blutbefleckte Kleid wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 6 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft kommt auf seine Schulter; und man nennt ihn: Wunderbar, Rat, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst."
Jeremia 23,5-6 – „5 Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich dem David einen rechtschaffenen Sproß erwecken werde; der wird als König regieren und weislich handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden. 6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel sicher wohnen; und das ist der Name, den man ihm geben wird: Der HERR, unsere Gerechtigkeit."
Matthäus 1,22-23 – „22 Dieses alles aber ist geschehen, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: 23 «Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Emmanuel geben; das heißt übersetzt: Gott mit uns.»"

Die Gottheit Jesu wird im Neuen Testament mit großer Klarheit entfaltet, doch ihre Linien beginnen nicht erst mit den Evangelien. Schon die prophetischen Verheißungen des Alten Testaments zeichnen das Bild eines kommenden Herrschers, dessen Identität die Grenzen eines gewöhnlichen davidischen Königs überschreitet. Besonders Jesaja und Jeremia verbinden die messianische Hoffnung mit Bezeichnungen, die eine außergewöhnliche Nähe zu Gottes eigener Identität erkennen lassen. Diese Texte müssen zunächst in ihrem jeweiligen Zusammenhang gelesen werden, bevor ihre Erfüllung in Christus betrachtet wird.

Jesaja 9 spricht in eine Situation von Bedrängnis und Dunkelheit hinein. Der Prophet kündigt ein Kind an, das geboren und einen Sohn, der gegeben wird. Auf seiner Schulter soll die Herrschaft ruhen, und seine Regierung über den Thron Davids soll von Recht und Gerechtigkeit geprägt sein. Damit bewegt sich die Verheißung zunächst eindeutig innerhalb der Erwartung eines davidischen Königs. Doch die Namen, die diesem kommenden Herrscher gegeben werden, sprengen den Rahmen dessen, was gewöhnlich über einen menschlichen König gesagt wird.

Unter diesen Bezeichnungen steht besonders „starker Gott“. Derselbe Ausdruck begegnet wenig später in Jesaja 10,21 für den Herrn selbst. Deshalb lässt sich der Titel in Jesaja 9 nicht ohne Weiteres zu einer bloßen Aussage über einen besonders mächtigen Menschen abschwächen. Der verheißene davidische Herrscher wird mit einer Bezeichnung beschrieben, die im unmittelbaren prophetischen Umfeld für Gott gebraucht wird. Zugleich wird seiner Herrschaft eine Dauer zugesprochen, die über eine gewöhnliche menschliche Regierungszeit hinausweist.

Auch der Titel „Ewig-Vater“ verlangt sorgfältige Einordnung. Er bedeutet nicht, dass der verheißene Sohn dieselbe Person wie Gott der Vater wäre. Die spätere Offenbarung unterscheidet Vater und Sohn deutlich. Im damaligen Sprachgebrauch kann eine Vaterbezeichnung Fürsorge, Schutz und bleibende Herrschaft ausdrücken. Der Titel trägt deshalb zur außergewöhnlichen Größe des verheißenen Königs bei, darf aber nicht gegen die personale Unterscheidung zwischen Vater und Sohn verwendet werden.

Jeremia 23 führt die messianische Hoffnung in einer anderen Krisensituation weiter. Nach der scharfen Kritik an untreuen Hirten verheißt Gott David einen „gerechten Spross“. Dieser wird als König herrschen, verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit schaffen. Die Verbindung mit David macht deutlich, dass ein wirklicher messianischer König angekündigt ist. Dann folgt jedoch ein bemerkenswerter Name: „Der HERR, unsere Gerechtigkeit.“

Der Gottesname steht damit in unmittelbarer Verbindung mit dem kommenden davidischen König. Zugleich erklärt der Text nicht philosophisch, wie diese Namensgebung im Verhältnis zwischen Gott und Messias zu verstehen ist. Deshalb sollte aus Jeremia 23 allein keine vollständige Lehre von der Gottheit Christi entwickelt werden. Im Licht des neutestamentlichen Zeugnisses erhält die Aussage jedoch ein erhebliches Gewicht: Derjenige, den die Apostel als präexistenten Sohn, Schöpfer und Gott bezeugen, entspricht einer alttestamentlichen Erwartung, in der der kommende davidische Herrscher eine außergewöhnlich göttliche Bezeichnung trägt.

Matthäus greift eine weitere prophetische Linie aus Jesaja auf, wenn er Jesu Geburt mit der Verheißung des Immanuel verbindet: „Gott mit uns.“ Auch hier darf der Name nicht losgelöst von seinem Zusammenhang als alleiniger Beweis verwendet werden. Doch innerhalb des gesamten Matthäusevangeliums erhält er eine bemerkenswerte Rahmung. Das Evangelium beginnt mit dem Immanuel und endet mit der Zusage des auferstandenen Christus, bei seinen Jüngern zu sein bis an das Ende der Weltzeit. Gottes Gegenwart begegnet in Jesus nicht als vorübergehendes Zeichen, sondern wird mit seiner Person verbunden.

Diese alttestamentlichen Texte ersetzen deshalb nicht die klareren neutestamentlichen Aussagen über Christus. Sie bereiten sie vielmehr vor. Erst wenn Johannes erklärt, dass das Wort Gott war und Fleisch wurde, Paulus die ganze Fülle der Gottheit in Christus bezeugt und der Hebräerbrief den Sohn ausdrücklich als Gott und Schöpfer anspricht, tritt die Tiefe der prophetischen Verheißungen vollständig hervor. Was im Alten Testament teilweise noch in dichter messianischer Sprache erscheint, wird im Neuen Testament in der Person Jesu klarer entfaltet.

Damit zeigt sich auch heilsgeschichtlich eine bemerkenswerte Einheit. Gott antwortet auf die verlorene menschliche Herrschaft nicht lediglich mit einem besseren politischen Führer. Der verheißene Sohn Davids trägt Namen und eine Herrschaft, die über gewöhnliches Königtum hinausweisen. In Jesus Christus erfüllt sich diese Hoffnung nicht dadurch, dass ein Mensch nachträglich vergöttlicht wird, sondern weil der ewige Sohn wirklich in die davidische Linie eintritt. Der verheißene König ist wahrer Mensch – und gerade das gesamte biblische Zeugnis lässt erkennen, dass in diesem Menschen zugleich der göttliche Sohn zu seinem Volk gekommen ist.

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Der göttliche Retter, auf den der Glaube sich verlassen kann

Jesaja 43,10-11 – „10 Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennet und mir glaubet und einsehet, daß ich es bin; vor mir ist kein Gott gemacht worden und nach mir wird keiner vorhanden sein. 11 Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Erretter."
Jesaja 43,10-11 – „10 Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennet und mir glaubet und einsehet, daß ich es bin; vor mir ist kein Gott gemacht worden und nach mir wird keiner vorhanden sein. 11 Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Erretter."
Matthäus 1,20-23 – „20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt ist, das ist vom heiligen Geist. 21 Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22 Dieses alles aber ist gescheh…"
Apostelgeschichte 4,10-12 – „10 so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund, daß durch den Namen Jesu Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt, den Gott von den Toten auferweckt hat, daß durch ihn dieser gesund vor euch steht. 11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verschmäht wurde, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himme…"

Die bisherigen Aussagen über Jesus führen schließlich zu einer Frage, die für den Glauben unmittelbare Bedeutung besitzt: Wer kann den Menschen tatsächlich retten? Im Alten Testament beansprucht Gott diese Stellung mit großer Ausschließlichkeit für sich. Durch Jesaja erklärt der Herr: „Außer mir ist kein Retter.“ Diese Worte stehen in einem Zusammenhang, in dem Gott seine Einzigartigkeit gegenüber allen falschen Göttern hervorhebt. Er allein ist Gott, er allein besitzt souveräne Macht über Geschichte und Erlösung, und kein geschaffenes Wesen kann seinen Platz einnehmen.

Gerade vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich das Neue Testament Jesus als Retter verkündigt. Noch vor seiner Geburt erhält Joseph die Weisung, dem Kind den Namen Jesus zu geben, „denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“. Die Aussage geht weit über politische Befreiung hinaus. Die tiefste Not des Menschen – seine Schuld und Trennung von Gott – wird mit dem kommenden Sohn verbunden. Er wird nicht lediglich auf einen Weg zur Rettung hinweisen; er selbst vollbringt die Rettung.

Matthäus verbindet diese Ankündigung unmittelbar mit dem Namen Immanuel: „Gott mit uns.“ Damit stehen zwei Aussagen nebeneinander, die sich gegenseitig erhellen. Der kommende Sohn rettet sein Volk von seinen Sünden, und in seinem Kommen erfüllt sich die Verheißung der Gegenwart Gottes. Matthäus entwickelt daraus an dieser Stelle noch keine vollständige Erklärung der Gottheit Christi. Im Licht des gesamten neutestamentlichen Zeugnisses fügt sich die Verbindung jedoch in ein klares Bild: Gottes Rettung erreicht den Menschen in der Person seines Sohnes.

Die Apostel verkündigen nach der Auferstehung dieselbe Ausschließlichkeit mit Blick auf Jesus. Petrus erklärt vor dem Hohen Rat, dass in keinem anderen das Heil zu finden sei und unter dem Himmel kein anderer Name den Menschen gegeben worden sei, durch den sie gerettet werden müssten. Diese Aussage lässt Christus nicht als einen von mehreren geistlichen Helfern erscheinen. Das Heil wird mit seiner Person in einer Endgültigkeit verbunden, die jeden konkurrierenden Erlösungsweg ausschließt.

Gerade die Verbindung zu Jesaja ist dabei bedeutsam. Das Alte Testament sagt nicht, dass es außer Gott keinen Retter gebe, um später doch einem unabhängigen Geschöpf dieselbe letzte Heilsstellung zu übertragen. Das Neue Testament stellt Jesus vielmehr innerhalb des einen göttlichen Erlösungswerkes vor. Der Vater sendet den Sohn, der Sohn gibt sich selbst hin, und durch ihn führt Gott Menschen zurück zu sich. Die göttliche Einzigartigkeit wird dadurch nicht aufgehoben, sondern in der Beziehung von Vater und Sohn tiefer offenbart.

Das erklärt zugleich, weshalb Vertrauen auf Jesus im Neuen Testament eine so umfassende Bedeutung besitzt. Der Glaube an Christus ist nicht lediglich Vertrauen auf einen Lehrer, der richtige Informationen über Gott vermittelt. Menschen vertrauen ihm ihr ewiges Schicksal an. Sie rufen seinen Namen an, erwarten von ihm Vergebung, Auferstehung und ewiges Leben und bekennen ihn als Herrn. Eine solche Hoffnung wäre unangemessen, wenn Christus nur ein geschaffenes Wesen wäre, das selbst völlig von einer höheren Macht abhängig bliebe.

Dabei bedeutet die Gottheit Jesu nicht, dass sein menschliches Erlösungswerk nebensächlich würde. Gerade der göttliche Sohn wurde Mensch, lebte im Gehorsam, trug die menschliche Wirklichkeit und gab sich am Kreuz hin. Die Rettung geschieht deshalb nicht durch eine abstrakte göttliche Macht aus der Ferne. Sie geschieht durch den menschgewordenen Sohn, der den Menschen wirklich nahekommt und zugleich die göttliche Vollmacht besitzt, das Heil zu vollenden.

Deshalb verändert die Gottheit Jesu auch die Bedeutung christlicher Anbetung. Wer vor Christus niederfällt, überschreitet nicht die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf, indem er einem Geschöpf göttliche Ehre gibt. Der Himmel selbst ehrt das Lamm gemeinsam mit dem auf dem Thron Sitzenden. Das persönliche Bekenntnis des Thomas – „Mein Herr und mein Gott“ – wird dadurch zum Ausdruck jener Erkenntnis, zu der das gesamte biblische Zeugnis führt.

Am Ende ist die Gottheit Jesu deshalb weit mehr als eine genaue theologische Formulierung. Sie beantwortet die Frage, wem der Mensch sein Leben anvertrauen kann. Derjenige, der rettet, ist kein begrenzter Mittler zwischen zwei voneinander entfernten Seiten. In dem Sohn ist Gott selbst dem Menschen nahegekommen, ohne dass der Sohn mit dem Vater verwechselt wird. Der Schöpfer ist Mensch geworden, der Herr hat Knechtsgestalt angenommen und der ewige Sohn ist bis zum Kreuz gegangen. Gerade deshalb kann der Glaube sich vollständig auf Jesus Christus stützen: Der Retter, dem er vertraut, besitzt die göttliche Macht, das begonnene Erlösungswerk auch wirklich zu vollenden.

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Zusammenfassung und Gebet

Die Gottheit Jesu gehört zum innersten Kern des biblischen Zeugnisses über Christus. Sie beruht nicht auf einer einzelnen schwer verständlichen Formulierung, sondern auf zahlreichen Linien, die sich gegenseitig bestätigen. Jesus existierte bereits vor seiner Geburt, besaß Herrlichkeit beim Vater, ehe die Welt war, und wird ausdrücklich Gott genannt. Durch ihn entstand die gesamte Schöpfung, in ihm besteht sie, Engel beten ihn an, und die Offenbarung stellt ihn gemeinsam mit dem Vater in den Mittelpunkt des himmlischen Lobpreises.

Gleichzeitig unterscheidet die Schrift den Sohn klar vom Vater. Jesus betet zum Vater, wird von ihm gesandt und erfüllt in freiwilligem Gehorsam dessen Willen. Diese Unterordnung innerhalb seines Erlösungsauftrags bedeutet jedoch nicht, dass er ein geringeres oder geschaffenes Wesen wäre. Derselbe Sohn, der sich erniedrigt, besaß vor der Welt Herrlichkeit beim Vater; derselbe Jesus, der sagt, der Vater sei größer als er, verlangt, dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.

Auch die Stellen, die auf den ersten Blick gegen seine Gottheit zu sprechen scheinen, verändern dieses Gesamtbild nicht. Christus ist der „Erstgeborene aller Schöpfung“, weil er über ihr steht und durch ihn alles geschaffen wurde, nicht weil er ihr erstes Geschöpf wäre. Er ist der „Anfang der Schöpfung Gottes“ als ihr Ursprung und Herr. Und wenn Jesus den Vater den allein wahren Gott nennt, schließt dies nicht das Zeugnis desselben Evangeliums aus, das den Sohn ausdrücklich Gott nennt und von seiner Herrlichkeit vor Erschaffung der Welt spricht.

Die Bibel führt jedoch nicht nur zur Erkenntnis wahrer Gottheit. Der ewige Sohn wurde ebenso wirklich Mensch. Das Wort wurde Fleisch, Christus nahm Knechtsgestalt an und teilte Fleisch und Blut mit den Menschen. Er kannte Müdigkeit, Hunger, Schmerz, Versuchung und Tod. Sein Menschsein war keine Erscheinung und keine vorübergehende Verkleidung. Gerade weil der göttliche Sohn wirklich Mensch wurde, konnte er den Menschen in ihrer verlorenen Wirklichkeit begegnen und als treuer Hoherpriester für sie handeln.

In dieser Verbindung von Gottheit und Menschheit liegt die einzigartige Größe seines Erlösungswerkes. Am Kreuz stirbt nicht lediglich ein mutiger Lehrer oder ein geschaffenes himmlisches Wesen. Der ewige Sohn, durch den alles geworden ist, hat menschliche Natur angenommen und gibt sich selbst hin. Gott versöhnt in Christus die Welt mit sich. Deshalb besitzt das Kreuz eine Endgültigkeit, die kein Tieropfer und kein menschlicher Mittler erreichen konnte.

Auch nach seiner Auferstehung bleibt Christus nicht nur Gegenstand dankbarer Erinnerung. Er lebt, tritt für sein Volk ein, schenkt ewiges Leben und besitzt Vollmacht über Tod und Gericht. Er kann völlig retten, weil sein Priestertum nicht durch den Tod beendet wird. Die Hände, denen der Gläubige sein Leben anvertraut, gehören nicht einem machtlosen Vermittler, sondern dem Sohn, der erklären kann, dass niemand die Seinen aus seiner Hand reißen wird.

Darum ist auch die Anbetung Jesu keine Übertreibung christlicher Frömmigkeit. Die Engel werden aufgefordert, ihn anzubeten; Thomas bekennt ihn als seinen Herrn und seinen Gott; und die gesamte Schöpfung bringt dem Vater und dem Lamm gemeinsam Ehre, Herrlichkeit und Macht dar. Was einem bloßen Geschöpf niemals zustehen dürfte, empfängt Christus im Himmel als angemessene Antwort auf seine Person und sein Werk.

Damit führt die Lehre von der Gottheit Jesu letztlich nicht in abstrakte Spekulation, sondern zu Vertrauen und Anbetung. Der Gott, der über aller Schöpfung steht, ist dem Menschen im Sohn wirklich nahegekommen. Der Schöpfer trat in seine Schöpfung ein, ohne aufzuhören, göttlich zu sein. Der ewige Sohn wurde Mensch, ohne dass sein Menschsein unwirklich wäre. Und gerade dieser Jesus ist der Retter, auf den der Mensch sein Leben, seine Schuld, seine Zukunft und seine Hoffnung vollständig legen kann.

Vater im Himmel, wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus, durch den du dich uns offenbart und den Weg der Erlösung geöffnet hast. Hilf uns, ihn so zu erkennen, wie dein Wort ihn bezeugt: als den ewigen Sohn, der wirklich Mensch wurde und sich für uns hingab. Bewahre uns davor, seine Größe zu verkleinern oder sein Menschsein abzuschwächen. Lass unsere Erkenntnis nicht nur im Denken bleiben, sondern zu Vertrauen, Dankbarkeit und Anbetung führen. Stärke unseren Glauben an Christus, unseren Herrn und Retter, und halte uns fest in der Hoffnung, die allein in ihm gegründet ist. Amen.

„Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.“ 1. Johannes 5,20

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