Die Bedeutung des Kreuzes
Das Kreuz ist der Mittelpunkt des biblischen Erlösungsplans, weil Jesus Christus dort stellvertretend die Schuld der Menschen trug und den Weg zur Versöhnung mit Gott öffnete. In seinem Opfer begegnen sich Gottes Gerechtigkeit und Liebe: Sünde wird nicht verharmlost, doch der Sünder darf durch Christus Vergebung empfangen. Zugleich offenbart das Kreuz Gottes Wesen und bildet die Grundlage der christlichen Hoffnung.
Einführung
Kaum ein Zeichen ist so eng mit dem christlichen Glauben verbunden wie das Kreuz. Doch seine Vertrautheit kann leicht darüber hinwegtäuschen, wie umfassend seine Bedeutung tatsächlich ist. In der Bibel erscheint das Kreuz nicht isoliert am Ende des Lebens Jesu. Es steht in einem größeren Zusammenhang, der bereits mit dem Eintritt der Sünde in die Welt beginnt und die Frage aufwirft, wie Gemeinschaft zwischen einem heiligen Gott und einem schuldigen Menschen wieder möglich werden kann.
Gerade deshalb darf das Kreuz weder auf ein bewegendes Beispiel selbstloser Liebe noch auf einen grausamen historischen Tod reduziert werden. Die biblische Botschaft verbindet damit Schuld und Vergebung, Opfer und Versöhnung, Gericht und Gnade, Niederlage und Sieg. Diese Linien gehören zusammen. Wird nur eine von ihnen hervorgehoben, besteht die Gefahr, dass entweder die Ernsthaftigkeit der Sünde oder die Größe der göttlichen Gnade aus dem Blick gerät.
Zugleich führt das Kreuz tief in die Frage hinein, wie Gott selbst mit der Rebellion seiner Geschöpfe umgeht. Es zeigt nicht nur etwas über den Menschen und seine Erlösungsbedürftigkeit, sondern offenbart den Charakter Gottes. Was auf Golgatha geschieht, lässt sich deshalb erst dann in seiner Tiefe verstehen, wenn die vorausgehenden biblischen Linien und ihre Erfüllung in Christus miteinander betrachtet werden.
Der Weg zum Kreuz beginnt somit nicht erst vor den Toren Jerusalems. Die Schrift bereitet ihn lange zuvor vor und lässt Schritt für Schritt erkennen, weshalb das Opfer Christi zum entscheidenden Mittelpunkt der Heilsgeschichte werden musste.
Warum der Mensch Erlösung braucht
Römer 6,23 – „23 Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unsrem Herrn."
Römer 6,23 – „23 Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unsrem Herrn."
1. Mose 2,16-17 – „16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, mußt du unbedingt sterben!"
Jesaja 59,1-2 – „1 Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz zum Retten und sein Ohr nicht zu hart zum Hören; 2 sondern eure Schulden sind zu Scheidewänden geworden zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, daß er euch nicht erhört!"
Römer 3,23-24 – „23 Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, 24 so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist."
Die Bedeutung des Kreuzes lässt sich erst verstehen, wenn die Bibel zunächst erklärt, wovon der Mensch überhaupt erlöst werden muss. Das biblische Problem beginnt nicht bei mangelnder Bildung, schwierigen Lebensumständen oder einzelnen moralischen Fehlern, sondern bei der Sünde. Sie betrifft die Beziehung des Menschen zu Gott selbst. Deshalb beschreibt die Schrift ihre Folgen nicht nur als äußeres Fehlverhalten, sondern als eine Macht, die Schuld hervorbringt, Gemeinschaft zerstört und schließlich zum Tod führt.
Schon im Bericht vom Anfang wird dieser Zusammenhang sichtbar. Gott hatte den Menschen zum Leben in Gemeinschaft mit ihm geschaffen und ihn zugleich als verantwortliches Geschöpf angesprochen. Die Warnung vor dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse machte deutlich, dass die Abkehr von Gottes Wort nicht folgenlos bleiben konnte. Als der Mensch dennoch den Weg des Misstrauens und Ungehorsams wählte, veränderte sich unmittelbar sein Verhältnis zu Gott. Wo zuvor Offenheit und Gemeinschaft gewesen waren, traten Scham, Furcht und Verbergen an ihre Stelle.
Damit zeigt die Bibel, dass Sünde tiefer reicht als die Übertretung einer einzelnen Vorschrift. Hinter ihr steht der Anspruch des Menschen, unabhängig von seinem Schöpfer über Gut und Böse bestimmen zu wollen. Gerade darin liegt ihre zerstörerische Kraft. Der Mensch löst sich von dem, der Ursprung und Erhalter seines Lebens ist, und kann die daraus entstandene Trennung nicht aus eigener Kraft rückgängig machen. Jesaja beschreibt diese Wirklichkeit später als eine Scheidung, die durch die Schuld zwischen dem Menschen und Gott entstanden ist.
Paulus fasst die Folge dieser Entwicklung mit besonderer Klarheit zusammen: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Damit beschreibt er nicht eine willkürliche Strafe eines unberechenbaren Gottes, sondern den tödlichen Ernst der Trennung von der Quelle des Lebens. Sünde führt ihrem Wesen nach von Gott weg und damit in eine Richtung, deren letztes Ergebnis der Tod ist. Deshalb kann die biblische Erlösungsbotschaft die Sünde weder verharmlosen noch so behandeln, als ließe sie sich durch einige bessere Entscheidungen ausgleichen.
Hier liegt zugleich die Grenze jeder menschlichen Selbstrettung. Gute Werke können wirklich gut und von Gott gewollt sein, doch sie können bereits entstandene Schuld nicht ungeschehen machen. Ein späterer Gehorsam verwandelt vergangene Übertretung nicht in Unschuld. Ebenso kann religiöse Anstrengung den Menschen nicht aus eigener Kraft in einen Zustand vollkommener Gerechtigkeit versetzen. Paulus schließt deshalb alle Menschen in dieselbe grundlegende Not ein: Alle haben gesündigt und erreichen aus sich selbst nicht die Herrlichkeit Gottes.
Gerade an diesem Punkt beginnt jedoch die Bewegung des Evangeliums. Die Schrift bleibt nicht bei Schuld und Tod stehen. Im selben Zusammenhang, in dem sie die universale Sünde des Menschen feststellt, spricht sie von Rechtfertigung aus Gnade durch die Erlösung in Christus. Die Rettung entsteht also nicht daraus, dass der Mensch sein Problem schließlich selbst löst, sondern daraus, dass Gott für ihn handelt. Das Kreuz wird nur vor diesem Hintergrund verständlich: Es antwortet auf eine Schuld, die wirklich ist, und auf eine Trennung, die der Mensch selbst nicht überwinden kann.
Damit wird auch deutlich, weshalb die Ernsthaftigkeit der Sünde und die Größe der Gnade nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Je klarer die Schrift die Tiefe der menschlichen Verlorenheit beschreibt, desto größer erscheint das rettende Handeln Gottes. Das Kreuz setzt nicht voraus, dass der Mensch nur ein wenig verbessert werden muss. Es setzt voraus, dass er Erlösung braucht. Erst von dieser Wirklichkeit aus erschließt sich, warum Gott den Weg der Rettung durch ein stellvertretendes Opfer vorbereitete und schließlich in Christus selbst erfüllte.
Gott eröffnet den Weg der Versöhnung
3. Mose 17,11 – „11 denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühne zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühne erwirkt durch die [in ihm wohnende] Seele."
3. Mose 17,11 – „11 denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühne zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühne erwirkt durch die [in ihm wohnende] Seele."
1. Mose 3,15 – „15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen."
Hebräer 9,22 – „22 und fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung."
Hebräer 10,1-4 – „1 Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen Güter hat, nicht das Ebenbild der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, welche man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals vollkommen machen! 2 Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewußtsein von Sünden mehr gehabt…"
Wenn der Mensch die durch die Sünde entstandene Trennung nicht selbst überwinden kann, stellt sich die entscheidende Frage, ob überhaupt noch ein Weg zurück zu Gott besteht. Die Bibel antwortet darauf nicht zuerst mit einer menschlichen Leistung, sondern mit Gottes eigener Initiative. Schon unmittelbar nach dem Sündenfall bleibt der Mensch nicht ohne Hoffnung. Noch während Gott die Folgen der Rebellion ausspricht, kündigt er einen kommenden Sieg über die Schlange an. Damit beginnt eine Linie, die sich durch die weitere Heilsgeschichte zieht und schließlich zu Christus führt.
Im Lauf der biblischen Geschichte wird zunehmend sichtbar, dass Versöhnung eng mit Stellvertretung und Opfer verbunden ist. Besonders deutlich wird dieses Prinzip im Opferdienst Israels. Gott erklärt, dass das Leben des Fleisches im Blut ist und dass er es für den Altar gegeben hat, um Sühnung zu schaffen. Das Blut besitzt dabei keine magische Wirkung. Seine Bedeutung liegt darin, dass Leben anstelle des verwirkten Lebens gegeben wird. Gerade dadurch macht der Opferdienst sichtbar, dass Vergebung die Wirklichkeit von Schuld und Tod nicht einfach übergeht.
Diese Ordnung war deshalb mehr als eine religiöse Zeremonie. Wenn ein Opfernder ein Tier darbrachte, wurde vor Augen geführt, dass Sünde einen Preis hat und dass der Schuldige auf eine von Gott bereitgestellte Stellvertretung angewiesen ist. Das Opfer machte die Schwere der Sünde sichtbar, zugleich aber auch Gottes Bereitschaft zur Versöhnung. Gericht und Gnade standen bereits hier nicht gegeneinander: Die Schuld wurde ernst genommen, und dennoch eröffnete Gott einen Weg, auf dem der Sünder nicht verlassen bleiben musste.
Eine besondere Rolle spielte dabei das Blut. Hebräer greift diese alttestamentliche Ordnung auf und fasst ihren Grundgedanken darin zusammen, dass Vergebung mit Blutvergießen verbunden ist. Die Aussage darf jedoch nicht so verstanden werden, als benötige Gott Blut um seiner selbst willen. Der Zusammenhang ist vielmehr der Tod als Folge der Sünde und das stellvertretend gegebene Leben. Der Opferdienst übersetzte diese geistliche Wirklichkeit in sichtbare Handlungen, damit Israel verstehen konnte, dass Versöhnung nicht durch das bloße Übersehen von Schuld zustande kommt.
Gleichzeitig macht die Schrift deutlich, dass die Tieropfer niemals das endgültige Heilmittel waren. Der Hebräerbrief bezeichnet das Gesetz in diesem Zusammenhang als einen Schatten der zukünftigen Güter und erklärt ausdrücklich, dass das Blut von Stieren und Böcken Sünden nicht wirklich wegnehmen kann. Gerade die ständige Wiederholung der Opfer zeigte ihre Vorläufigkeit. Was immer wieder dargebracht werden musste, konnte nicht das vollkommene und endgültige Opfer sein.
Damit bekommt der gesamte Opferdienst eine vorausweisende Funktion. Er lehrte reale Wahrheiten über Sünde, Schuld, Stellvertretung und Versöhnung, führte aber zugleich über sich selbst hinaus. Der Mensch brauchte mehr als ein Tier, das symbolisch an seine Stelle trat. Er brauchte einen Erlöser, dessen Opfer die Schuld tatsächlich tragen und die Trennung von Gott wirksam überwinden konnte.
So entwickelt die Bibel den Erlösungsweg nicht als menschlichen Versuch, Gott gnädig zu stimmen. Die entscheidende Bewegung geht von Gott aus. Er gibt die Verheißung, bestimmt den Weg der Versöhnung und bereitet durch die Opferbilder das Verständnis für das Kommende vor. Dadurch entsteht eine Erwartung, die der Opferdienst selbst nicht erfüllen kann: die Erwartung eines vollkommenen Stellvertreters, in dem das, was bisher nur vorausgebildet wurde, Wirklichkeit werden würde.
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Christus ist das wahre Lamm Gottes
Johannes 1,29 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt!"
Johannes 1,29 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt!"
Jesaja 53,4-6 – „4 Doch wahrlich, unsere Krankheit trug er, und unsere Schmerzen lud er auf sich; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und geplagt; 5 aber er wurde durchbohrt um unserer Übertretung willen, zerschlagen wegen unserer Missetat; die Strafe, uns zum Frieden, lag auf ihm, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder wandte sich auf seine…"
1. Petrus 2,24 – „24 er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde gestorben, der Gerechtigkeit leben möchten; «durch seine Wunden seid ihr heil geworden.»"
Hebräer 10,10-14 – „10 In diesem Willen sind wir geheiligt durch die Aufopferung des Leibes Jesu Christi ein für allemal. 11 Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt öfters dieselben Opfer dar, welche doch niemals Sünden wegnehmen können; 12 dieser aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt 13 und wartet hinf…"
Als Johannes der Täufer Jesus kommen sieht und ihn als das „Lamm Gottes“ bezeichnet, erhält die lange Linie der Opfer plötzlich ein konkretes Ziel. Für Menschen, die mit den Schriften Israels vertraut waren, war dieses Bild mit Opfer, Schuld und Stellvertretung verbunden. Johannes spricht jedoch nicht von einem weiteren Opfer innerhalb des bisherigen Systems. Er weist auf eine Person und erklärt, dass dieser die Sünde der Welt trägt. Damit richtet sich der Blick von den vorausweisenden Zeichen auf den, in dem ihre tiefere Bedeutung erfüllt wird.
Diese Verbindung war bereits Jahrhunderte zuvor in den prophetischen Schriften vorbereitet worden. Jesaja beschreibt einen Knecht Gottes, der nicht wegen eigener Schuld leidet, sondern die Krankheiten, Schmerzen und Verfehlungen anderer trägt. Besonders deutlich wird der stellvertretende Charakter in der Aussage, dass er um unserer Übertretungen willen verwundet und um unserer Missetaten willen zerschlagen wurde. Der Friede der Schuldigen steht hier in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Leiden des Unschuldigen. Was im Opferdienst sichtbar dargestellt wurde, erscheint in der Prophetie als das Werk einer kommenden Person.
Damit unterscheidet sich Christi Tod grundlegend von einem gewöhnlichen Märtyrertod. Jesus stirbt nicht lediglich, weil Menschen seine Botschaft ablehnen oder weil er seiner Überzeugung bis zum Ende treu bleibt. Diese geschichtlichen Aspekte gehören zur Kreuzigung, erklären aber noch nicht ihre heilsgeschichtliche Bedeutung. Nach dem Zeugnis der Schrift trägt Christus am Kreuz die Sünden anderer. Sein Leiden besitzt deshalb einen stellvertretenden Charakter: Der Schuldlose tritt an die Stelle der Schuldigen.
Petrus greift genau diese Linie auf, wenn er erklärt, Christus habe unsere Sünden selbst an seinem Leib auf dem Holz getragen. Dabei verbindet er das Opfer unmittelbar mit einem erneuerten Leben. Christus trägt die Schuld nicht, damit Sünde bedeutungslos wird, sondern damit der Mensch von ihrer Herrschaft befreit wird und für die Gerechtigkeit leben kann. Vergebung und Veränderung entspringen somit demselben Erlösungswerk. Das Kreuz nimmt die Sünde so ernst, dass Christus sie trägt, und die Gnade so ernst, dass der Gerettete nicht unter ihrer bisherigen Herrschaft bleiben soll.
Der Hebräerbrief stellt deshalb einen entscheidenden Gegensatz zwischen Christus und den früheren Opfern heraus. Die Priester standen täglich im Dienst und brachten wiederholt Opfer dar, die die Sünde nicht endgültig beseitigen konnten. Christus dagegen brachte ein einziges Opfer für die Sünden dar. Die Wiederholung weicht der Vollendung, weil nun nicht mehr ein vorausweisendes Tieropfer, sondern Christus selbst gegeben wird. Sein Opfer besitzt eine Einmaligkeit und Wirksamkeit, die dem alten Opferdienst gerade fehlte.
Dabei ist wichtig, die Bilder des Alten Testaments nicht so zu verstehen, als hätten Menschen durch ihre Opfer Gottes Bereitschaft zur Vergebung erst hervorgerufen. Auch der vollkommene Stellvertreter ist Gottes Gabe. Johannes nennt Jesus ausdrücklich das Lamm „Gottes“. Der Erlösungsweg geht von dem Gott aus, gegen den der Mensch gesündigt hat. Er überlässt den Schuldigen nicht der selbst verursachten Trennung, sondern stellt selbst den bereit, durch den Versöhnung möglich wird.
Gerade darin tritt die Einheit der Heilsgeschichte hervor. Die Opfer waren nicht das eigentliche Ziel, sondern eine vorbereitende Sprache, durch die grundlegende Wahrheiten über Schuld, Tod, Stellvertretung und Vergebung sichtbar wurden. In Christus wird diese Sprache Wirklichkeit. Nun steht nicht mehr die Frage im Mittelpunkt, welches weitere Opfer der Mensch bringen müsste, sondern was es bedeutet, dass Gott selbst in Christus das vollkommene Opfer gegeben hat. Damit führt die Bedeutung des Kreuzes unmittelbar zu der tieferen Frage, was Christus dort tatsächlich für den schuldigen Menschen trägt.
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Der Schuldlose tritt an die Stelle der Schuldigen
2. Korinther 5,21 – „21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden."
2. Korinther 5,21 – „21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden."
1. Petrus 3,18 – „18 Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, ein Gerechter für Ungerechte, auf daß er uns zu Gott führte, und er wurde getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist,"
Galater 3,13 – „13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns wurde; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der am Holze hängt»,"
Römer 5,8-9 – „8 Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Wieviel mehr werden wir nun, nachdem wir durch sein Blut gerechtfertigt worden sind, durch ihn vor dem Zorngericht errettet werden!"
Dass Christus das wahre Opfer ist, führt zu einer noch tieferen Frage: Was geschieht in seinem Tod eigentlich zwischen Gott und dem schuldigen Menschen? Die neutestamentlichen Texte antworten darauf mit einer auffallend klaren Bewegung der Stellvertretung. Christus leidet nicht für eigene Sünde, sondern für die Sünde anderer. Gerade weil er selbst ohne Schuld ist, kann sein Tod eine Bedeutung besitzen, die über das gewöhnliche Sterben eines Menschen hinausgeht.
Paulus verdichtet diesen Gedanken in der Aussage, dass Gott den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde machte, damit wir in ihm Gottes Gerechtigkeit würden. Damit wird Christus nicht selbst zu einem Sünder und übernimmt auch nicht einen sündigen Charakter. Der Zusammenhang beschreibt vielmehr einen von Gott eröffneten Wechsel der Stellung: Der Schuldlose tritt für die Schuldigen ein, damit diejenigen, die aus sich selbst keine Gerechtigkeit besitzen, in Christus vor Gott angenommen werden können.
Petrus beschreibt dieselbe Wirklichkeit mit anderen Worten. Christus litt „einmal für Sünden, der Gerechte für die Ungerechten“, um uns zu Gott zu führen. Das Ziel seines stellvertretenden Leidens ist also nicht lediglich die Aufhebung einer Strafe. Es geht um Wiederherstellung der Gemeinschaft. Die Schuld, die den Menschen von Gott trennt, wird nicht ignoriert, sondern in Christus behandelt, damit der Weg zurück zu Gott tatsächlich offensteht.
Auch Paulus' Aussage über den Fluch des Gesetzes gehört in diesen Zusammenhang. Das Gesetz selbst ist nicht der Fluch; es macht vielmehr offenbar, dass Übertretung Schuld und Verurteilung mit sich bringt. Christus erlöst von diesem Fluch, indem er ihn für uns trägt. Das Kreuz beseitigt deshalb nicht Gottes Maßstab für Gut und Böse. Es zeigt vielmehr, wie ernst dieser Maßstab ist: Die Erlösung besteht nicht darin, dass Schuld plötzlich keine Bedeutung mehr hätte, sondern darin, dass Christus ihre Folgen stellvertretend auf sich nimmt.
Gerade hier muss zwischen Vergebung und bloßem Übersehen unterschieden werden. Menschliche Vergebung kann manchmal den Eindruck erwecken, eine Schuld werde einfach beiseitegeschoben. Das Evangelium beschreibt Gottes Handeln tiefer. Gott nennt das Böse weiterhin böse und bleibt seinem gerechten Wesen treu. Dennoch schafft er selbst in Christus die Grundlage dafür, den Schuldigen zu rechtfertigen. Deshalb kann Paulus zugleich von Gottes Liebe und von der Rettung vor dem Gericht sprechen: Christus starb für uns, als wir noch Sünder waren.
Diese Stellvertretung darf jedoch nicht so dargestellt werden, als stünden ein zorniger Vater und ein widerwillig leidender Sohn einander gegenüber. Der Erlösungsplan entspringt Gottes eigener Liebe. Der Vater sendet den Sohn, und der Sohn gibt sich freiwillig hin. Das Kreuz offenbart keine Spaltung innerhalb Gottes, sondern das gemeinsame rettende Handeln Gottes zugunsten einer Menschheit, die sich selbst nicht retten kann. Die Liebe Gottes besteht gerade darin, dass er den Preis der Versöhnung nicht dem schuldigen Menschen überlässt.
Damit wird verständlich, weshalb das Kreuz zugleich so ernst und so hoffnungsvoll ist. Es nimmt dem Menschen jede Illusion, seine Schuld durch eigene Leistung ausgleichen zu können, und nimmt ihm zugleich den Grund zur Verzweiflung. Der Preis der Erlösung wird nicht vom Sünder getragen, sondern von Christus. Doch wenn der Schuldlose tatsächlich für die Schuldigen eintritt, stellt sich als Nächstes die Frage, wie am selben Kreuz Gottes Gerechtigkeit gewahrt und seine Gnade vollkommen sichtbar werden kann.
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Am Kreuz begegnen sich Gerechtigkeit und Gnade
Römer 3,25-26 – „25 Ihn hat Gott zum Sühnopfer verordnet, durch sein Blut, für alle, die glauben, zum Erweis seiner Gerechtigkeit, wegen der Nachsicht mit den Sünden, die zuvor geschehen waren unter göttlicher Geduld, 26 zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist."
Römer 3,25-26 – „25 Ihn hat Gott zum Sühnopfer verordnet, durch sein Blut, für alle, die glauben, zum Erweis seiner Gerechtigkeit, wegen der Nachsicht mit den Sünden, die zuvor geschehen waren unter göttlicher Geduld, 26 zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist."
Römer 8,3-4 – „3 Denn was dem Gesetz unmöglich war (weil es durch das Fleisch geschwächt wurde), das hat Gott getan, nämlich die Sünde im Fleische verdammt, indem er seinen Sohn sandte in der Ähnlichkeit des sündlichen Fleisches und um der Sünde willen, 4 damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist."
1. Johannes 4,9-10 – „9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß Er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsre Sünden."
Das stellvertretende Opfer Christi beantwortet eine der tiefsten Fragen des Evangeliums: Wie kann Gott einen schuldigen Menschen rechtfertigen und zugleich vollkommen gerecht bleiben? Würde Schuld einfach für bedeutungslos erklärt, wäre Gottes Gerechtigkeit keine wirkliche Gerechtigkeit mehr. Würde dagegen jeder Sünder ausschließlich die volle Folge seiner eigenen Schuld tragen, gäbe es für den Menschen keinen Weg der Erlösung. Paulus zeigt im Römerbrief, dass Gott diesen scheinbaren Gegensatz nicht dadurch löst, dass er entweder seine Gerechtigkeit oder seine Gnade abschwächt. Am Kreuz werden beide vollkommen gewahrt.
In Römer 3 beschreibt Paulus Christus als den von Gott gegebenen Weg der Sühnung und verbindet sein Opfer ausdrücklich mit der Offenbarung göttlicher Gerechtigkeit. Gott erweist sich dort zugleich als gerecht und als der, der den Glaubenden rechtfertigt. Diese Verbindung ist entscheidend. Vergebung bedeutet nicht, dass Gott seine eigenen Maßstäbe außer Kraft setzt, sondern dass er selbst eine gerechte Grundlage schafft, auf der Schuld vergeben werden kann. Das Kreuz ist deshalb nicht der Ort, an dem Gerechtigkeit zurücktritt, sondern der Ort, an dem sichtbar wird, wie ernst Gott sie nimmt.
Damit erhält auch Gottes Gesetz seine richtige Stellung im Erlösungsplan. Das Problem bestand nicht darin, dass Gottes Maßstab fehlerhaft gewesen wäre, sondern darin, dass der sündige Mensch ihm nicht entsprach. Paulus erklärt deshalb, dass Gott das tat, was dem Gesetz aufgrund der Schwachheit des sündigen Menschen unmöglich war: Er sandte seinen Sohn und verurteilte die Sünde im Fleisch. Nicht das Gesetz wird verurteilt, sondern die Sünde. Das Kreuz hebt Gottes Willen nicht auf, sondern offenbart, dass seine heilige Ordnung nicht beliebig verändert werden kann, um den Menschen zu retten.
Gerade dadurch unterscheidet sich biblische Gnade von einer Verharmlosung der Sünde. Billige Gnade würde sagen, dass Schuld letztlich keinen ernsten Unterschied macht. Das Kreuz sagt das Gegenteil. Wenn Erlösung das Opfer Christi erforderte, besitzt Sünde ein Gewicht, das der Mensch niemals leichtfertig behandeln kann. Zugleich zeigt gerade die Größe dieses Opfers, dass Gott den Sünder nicht auf seine Schuld reduzieren will. Die Gnade nimmt die Sünde vollkommen ernst und rettet dennoch den Menschen, der sich Christus anvertraut.
Doch auch hier darf das Kreuz nicht so verstanden werden, als müsse erst ein Opfer einen ansonsten lieblosen Gott zur Barmherzigkeit bewegen. Johannes beginnt seine Erklärung der Versöhnung mit Gottes Liebe. Darin wurde seine Liebe sichtbar, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, damit Menschen durch ihn leben können. Der Ursprung der Erlösung liegt also nicht in menschlichem Bitten und auch nicht in einem Widerstreit zwischen Liebe und Gerechtigkeit innerhalb Gottes. Der Gott, dessen Gerechtigkeit die Sünde ernst nimmt, ist derselbe Gott, dessen Liebe den Weg der Rettung eröffnet.
Das schützt zugleich vor zwei gegensätzlichen Verzerrungen. Wer nur von Gottes Liebe spricht und seine Heiligkeit ausblendet, verliert den Ernst des Kreuzes aus dem Blick. Wer dagegen fast ausschließlich Gericht und Strafe betont, kann übersehen, dass das gesamte Erlösungswerk aus Gottes rettender Liebe hervorgeht. Die Schrift stellt diese Eigenschaften nicht gegeneinander. Gottes Liebe ist heilig, und seine Gerechtigkeit ist nicht lieblos. Golgatha macht sichtbar, dass beides in seinem Wesen vollkommen zusammengehört.
Darin liegt schließlich die besondere Kraft des Evangeliums. Der Glaubende muss nicht hoffen, dass Gott eines Tages über seine Schuld hinwegsehen wird, und er muss ebenso wenig versuchen, sich durch eigene Verdienste vor ihm gerecht zu machen. Die Grundlage seiner Hoffnung liegt außerhalb seiner selbst: in Christus und seinem vollbrachten Opfer. Am Kreuz bleibt Gott gerecht, während er dem Schuldigen Gnade eröffnet. Gerade diese Einheit von Gerechtigkeit und Liebe macht verständlich, weshalb das Kreuz nicht nur Vergebung ermöglicht, sondern zugleich eine unvergleichliche Offenbarung des Wesens Gottes ist.
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Das Kreuz entlarvt und besiegt den Widersacher
Johannes 12,31-32 – „31 Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt! Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden; 32 und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen."
Johannes 12,31-32 – „31 Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt! Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden; 32 und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen."
Kolosser 2,14-15 – „14 dadurch, daß er die gegen uns bestehende Schuldschrift, welche durch Satzungen uns entgegen war, auslöschte und sie aus der Mitte tat, indem er sie ans Kreuz heftete. 15 Als er so die Herrschaften und Gewalten auszog, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben."
Hebräer 2,14-15 – „14 Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er in ähnlicher Weise dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel, 15 und alle diejenigen befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden."
Offenbarung 12,10-11 – „10 Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Gesalbten gekommen! Denn gestürzt wurde der Verkläger unsrer Brüder, der sie vor unsrem Gott verklagte Tag und Nacht. 11 Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod!"
Das Kreuz beantwortet nicht nur die Frage nach der Schuld des Menschen. Es steht zugleich im größeren biblischen Zusammenhang des Kampfes zwischen Christus und Satan. Jesus selbst verbindet die Stunde seines bevorstehenden Todes mit dem Gericht über diese Welt und mit der Entmachtung ihres Fürsten. Was äußerlich wie der Triumph seiner Gegner erscheint, bezeichnet Christus deshalb als einen entscheidenden Wendepunkt. Gerade dort, wo der Sohn Gottes verworfen und getötet wird, beginnt die Herrschaft des Widersachers in ihrer wahren Gestalt sichtbar zu werden.
Seit den ersten Seiten der Bibel arbeitet Satan daran, Misstrauen gegenüber Gott zu wecken. In Eden stellt die Schlange Gottes Wort infrage und erweckt den Eindruck, der Schöpfer enthalte dem Menschen etwas Gutes vor. Hinter der Versuchung steht damit eine Anklage gegen Gottes Charakter und seine Herrschaft. Die folgende Geschichte der Sünde zeigt, wohin diese Alternative führt: Entfernung von Gott, Herrschaft des Menschen über den Menschen, Gewalt und schließlich Tod. Am Kreuz erreicht diese Entwicklung einen erschreckenden Höhepunkt, als der vollkommen Gerechte von einer gefallenen Welt verworfen wird.
Gerade deshalb besitzt Golgatha eine Bedeutung, die über das persönliche Heil einzelner Menschen hinausgeht. Dort stehen zwei Herrschaftsweisen in schärfstem Gegensatz zueinander. Auf der einen Seite zeigen sich Lüge, Hass, Gewalt und der Wille zur Vernichtung. Auf der anderen Seite bleibt Christus selbst unter Verrat, Spott, ungerechtem Urteil und äußerster Qual dem Vater treu. Er antwortet nicht mit derselben Gewalt, die gegen ihn gerichtet ist, sondern vollendet seinen Weg im Gehorsam und in selbsthingebender Liebe. So wird sichtbar, dass Satans Anklagen gegen Gottes Wesen nicht der Wahrheit entsprechen.
Doch das Kreuz enthüllt den Feind nicht nur; es nimmt ihm auch eine entscheidende Grundlage seiner Anklage. Paulus beschreibt in Kolosser 2, dass die gegen uns stehende Schuldschrift beseitigt und ans Kreuz geheftet wurde. Unmittelbar damit verbindet er die Entwaffnung der Mächte und Gewalten. Der Zusammenhang ist wichtig: Satans Macht als Ankläger steht eng mit der wirklichen Schuld des Menschen in Verbindung. Wo Christus diese Schuld trägt und Vergebung schafft, kann die Anklage nicht länger dieselbe rechtmäßige Forderung gegen den mit Christus verbundenen Menschen erheben.
Auch der Hebräerbrief beschreibt den Tod Jesu als einen Sieg über den, der die Macht des Todes besitzt. Das bedeutet nicht, dass Satan seit Golgatha aufgehört hätte zu wirken oder dass Versuchung, Leiden und Tod bereits aus der Welt verschwunden wären. Der Text spricht vielmehr von einer grundlegenden Entmachtung. Christus geht selbst durch den Tod hindurch und zerbricht gerade dadurch dessen endgültigen Anspruch über diejenigen, die zu ihm gehören. Seine Auferstehung macht sichtbar, dass der Tod nicht das letzte Wort behält.
Damit entsteht eine wichtige Spannung im biblischen Verständnis des Sieges. Das Kreuz entscheidet den Kampf, ohne dass bereits jede Folge der Rebellion beseitigt wäre. Die Offenbarung zeigt Satan weiterhin als Ankläger und Verfolger, zugleich aber als einen Gegner, dessen Niederlage bereits feststeht. Die Gläubigen überwinden nicht durch eigene geistliche Stärke, sondern durch das Blut des Lammes und durch ihre Verbundenheit mit Christus. Ihr Kampf findet deshalb unter den Bedingungen eines bereits errungenen Sieges statt.
Diese Perspektive bewahrt davor, das Kreuz ausschließlich als private Antwort auf persönliche Schuld zu betrachten. Christus versöhnt den Menschen mit Gott, aber sein Werk offenbart zugleich vor der ganzen Schöpfung, wohin Sünde führt und wie Gott ihr begegnet. Der Feind wird nicht durch eine größere Form von Zwang widerlegt, sondern durch die Wahrheit, die sich im Wesen und Handeln Christi zeigt. Deshalb ist Golgatha zugleich Ort der Erlösung und entscheidender Wendepunkt des großen Kampfes: Dort wird die Macht der Sünde gerichtet, der Charakter des Widersachers entlarvt und der Sieg Christi unwiderruflich begründet.
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Das vollkommene Opfer muss nicht wiederholt werden
Hebräer 9,24-28 – „24 Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns; 25 auch nicht, um sich selbst öfters zu opfern, gleichwie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut ins Heiligtum hineingeht; denn sonst hätte er ja öfters leiden müssen von Grundlegung der Welt an…"
Hebräer 9,24-28 – „24 Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns; 25 auch nicht, um sich selbst öfters zu opfern, gleichwie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut ins Heiligtum hineingeht; denn sonst hätte er ja öfters leiden müssen von Grundlegung der Welt an…"
Johannes 19,28-30 – „28 Nach diesem, da Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, damit die Schrift erfüllt würde, spricht er: Mich dürstet! 29 Es stand da ein Gefäß voll Essig; sie aber füllten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist."
Matthäus 27,50-51 – „50 Jesus aber schrie abermals mit lauter Stimme und gab den Geist auf. 51 Und siehe, der Vorhang im Tempel riß entzwei von oben bis unten, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich."
Hebräer 10,18-22 – „18 Wo aber Vergebung für diese ist, da ist kein Opfer mehr für Sünde. 19 Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20 welchen er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch, 21 und einen [so] großen Priester über das Haus Gottes haben, 22 so lasset uns hinzutreten mit wahrhaftigem H…"
Der Sieg Christi hängt unmittelbar mit der Vollkommenheit seines Opfers zusammen. Was am Kreuz geschah, war nicht ein weiterer Schritt innerhalb einer endlosen Reihe von Opferhandlungen. Der Hebräerbrief stellt Christus bewusst den Priestern des irdischen Heiligtums gegenüber und erklärt, dass er sich nicht immer wieder opfern muss. Sein Opfer besitzt eine Einmaligkeit, die alles Vorausgehende von den früheren Schatten unterscheidet: Christus wurde einmal geopfert, um die Sünden vieler zu tragen.
Vor diesem Hintergrund erhalten auch die letzten Worte Jesu am Kreuz besonderes Gewicht. Johannes berichtet, dass Jesus unmittelbar vor seinem Tod ausrief: „Es ist vollbracht.“ Damit war nicht jede Phase seines gesamten Dienstes beendet, denn die Schrift spricht nach seiner Auferstehung weiterhin von seinem Wirken als Hoherpriester und Mittler. Vollbracht war jedoch das Opfer, zu dessen Darbringung er in die Welt gekommen war. Sein Leben vollkommenen Gehorsams und seine Hingabe bis in den Tod mussten durch kein weiteres Opfer ergänzt oder wiederholt werden.
Genau darin unterscheidet sich Christus von den Tieropfern des alten Bundes. Deren ständige Wiederholung erinnerte daran, dass sie die Sünde nicht endgültig beseitigen konnten. Christus dagegen gibt sich selbst. Deshalb kann der Hebräerbrief von einem einmaligen Opfer sprechen und zugleich erklären, dass dort, wo Vergebung besteht, kein weiteres Opfer für Sünde notwendig ist. Der vorausweisende Opferdienst erreicht damit sein Ziel in der Wirklichkeit, auf die er von Anfang an hingedeutet hatte.
Die Evangelien verbinden den Tod Jesu mit einem eindrucksvollen Ereignis im Tempel. Der Vorhang des Heiligtums zerriss von oben bis unten. Dieser Vorhang gehörte zu einer Ordnung, in der der Zugang zum Allerheiligsten streng begrenzt war. Der Hebräerbrief greift später gerade die Sprache des Heiligtums auf, um zu erklären, dass Gläubige durch das Blut Jesu mit Zuversicht vor Gott treten dürfen. Das Zeichen des zerrissenen Vorhangs steht damit im Zusammenhang eines tiefgreifenden heilsgeschichtlichen Übergangs.
Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, daraus zu schließen, dass mit dem Kreuz jede Bedeutung des Heiligtums verschwunden sei. Der Hebräerbrief führt den Blick vielmehr vom irdischen Heiligtum zum himmlischen Dienst Christi. Was endet, ist die Notwendigkeit der wiederholten Tieropfer und des irdischen Systems als vorausweisender Schatten. Christus selbst bleibt als auferstandener Hoherpriester und Mittler der Mittelpunkt. Das vollkommene Opfer und sein priesterlicher Dienst gehören zusammen, dürfen aber nicht miteinander verwechselt werden.
Dadurch wird auch deutlich, weshalb kein menschliches Werk das Kreuz ergänzen kann. Der Glaubende muss Christus kein weiteres Sühnemittel hinzufügen, als wäre sein Opfer unvollständig geblieben. Ebenso kann kein Priester, religiöses Ritual oder eigenes Verdienst das ersetzen, was Christus allein vollbracht hat. Die Grundlage der Vergebung liegt vollständig in seinem Opfer. Gerade deshalb kann der Mensch mit Vertrauen zu Gott kommen: nicht weil seine eigene Leistung ausreichend wäre, sondern weil das Opfer Christi ausreichend ist.
Das „Es ist vollbracht“ führt somit weder zu religiöser Gleichgültigkeit noch zu der Vorstellung, das gesamte weitere Heilshandeln Gottes sei am Karfreitag bereits abgeschlossen gewesen. Es bezeichnet die Vollendung des einmaligen Opfers, durch das die Grundlage der Versöhnung geschaffen wurde. Der Gekreuzigte ist zugleich der Auferstandene, der für die Seinen eintritt. Damit richtet sich der Blick vom Altar des Opfers auf das, was dieses Opfer für die Beziehung des Menschen zu Gott tatsächlich eröffnet: einen Zugang, der nicht mehr auf menschlicher Würdigkeit, sondern auf Christus selbst beruht.
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Durch Christus steht der Weg zu Gott offen
Hebräer 4,14-16 – „14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade,…"
Hebräer 4,14-16 – „14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade,…"
Epheser 2,13 – „13 Nun aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe gebracht worden durch das Blut Christi."
Epheser 2,18 – „18 denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zum Vater in einem Geist."
1. Timotheus 2,5-6 – „5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit,"
Das vollkommene Opfer Christi verändert nicht nur die rechtliche Stellung des schuldigen Menschen. Sein Ziel ist die Wiederherstellung einer Beziehung, die durch die Sünde zerbrochen wurde. Der Hebräerbrief verbindet deshalb das Opfer Jesu unmittelbar mit einer Einladung: Weil Christus der große Hohepriester ist, dürfen Menschen mit Zuversicht zum Thron der Gnade kommen. Das Kreuz schafft somit nicht nur Vergebung aus der Ferne, sondern eröffnet wirkliche Gemeinschaft mit Gott.
Diese Nähe war durch die Sünde verloren gegangen. Schon nach dem Sündenfall verbarg sich der Mensch vor Gott, und die weitere Heilsgeschichte machte immer wieder sichtbar, dass der Zugang zur Gegenwart des Heiligen nicht selbstverständlich war. Auch die Ordnung des irdischen Heiligtums brachte diese Wirklichkeit zum Ausdruck. Der Mensch konnte sich Gottes Gegenwart nicht nach eigenen Bedingungen nähern. Seine Schuld ließ sich weder durch religiöse Selbstsicherheit noch durch persönliche Anstrengung beseitigen.
Mit Christus verändert sich diese Situation grundlegend. Paulus beschreibt Menschen, die einst fern waren, nun aber durch das Blut Christi nahe geworden sind. Entscheidend ist dabei, dass die Entfernung nicht durch eine menschliche Aufwärtsbewegung überwunden wird. Gott verlangt nicht zuerst, dass der Mensch sich selbst würdig macht und anschließend zu ihm zurückkehrt. Die Nähe entsteht durch das Erlösungswerk Christi. Was der Sünder selbst nicht überbrücken konnte, wird durch Christus überwunden.
Darum besitzt Jesus auch eine einzigartige Stellung als Mittler. Paulus erklärt, dass es einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und Menschen gibt: den Menschen Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld gab. Ein solcher Mittler hält Gott nicht auf Distanz, sondern bringt den Menschen gerade zu ihm. Christus tritt nicht zwischen einen liebenden Menschen und einen widerwilligen Gott; er ist vielmehr selbst Ausdruck des göttlichen Rettungshandelns und der Weg, auf dem der verlorene Mensch wieder Zugang zum Vater erhält.
Der Hebräerbrief beschreibt diesen Zugang bemerkenswert persönlich. Weil Christus unsere Schwachheit kennt und selbst versucht wurde, ohne zu sündigen, dürfen Gläubige nicht nur vor Gott erscheinen, wenn sie sich stark und geistlich erfolgreich fühlen. Gerade in ihrer Bedürftigkeit sollen sie zum Thron der Gnade kommen, um Barmherzigkeit und rechtzeitige Hilfe zu empfangen. Das Kreuz schafft deshalb keine Beziehung, die ständig von der eigenen geistlichen Leistung abhängig wäre. Die Zuversicht gründet in dem, was Christus getan hat und weiterhin als Hoherpriester für die Seinen tut.
Diese Zuversicht ist jedoch etwas anderes als Gleichgültigkeit gegenüber Gottes Heiligkeit. Der freie Zugang zu Gott bedeutet nicht, dass Sünde belanglos geworden wäre. Gerade das Kreuz, durch das dieser Zugang möglich wurde, zeigt ihre ganze Ernsthaftigkeit. Der Glaubende kommt deshalb nicht selbstgerecht vor Gott, sondern im Vertrauen auf Christus. Ehrfurcht und Zuversicht widersprechen einander nicht: Der Mensch erkennt Gottes Heiligkeit und darf gerade deshalb dankbar auf die von Gott selbst geschaffene Grundlage der Gemeinschaft vertrauen.
Damit verändert das Kreuz auch das geistliche Leben grundlegend. Gebet ist nicht der Versuch, die Distanz zu einem unerreichbaren Gott durch genügend Frömmigkeit zu überwinden. Vergebung muss nicht immer neu durch menschliche Leistung verdient werden. Der Mensch darf zu Gott kommen, seine Schuld bekennen, Hilfe suchen und sich ihm anvertrauen, weil Christus den Zugang eröffnet hat. Aus der durch Sünde entstandenen Ferne wird eine Beziehung, in der Gnade, Barmherzigkeit und Gemeinschaft wieder möglich sind.
Doch dieser geöffnete Weg wirft zugleich eine weitere Frage auf. Wenn der Mensch nicht aufgrund eigener Würdigkeit vor Gott bestehen kann und seine Annahme vollständig auf Christus gründet, worin besteht dann seine Gerechtigkeit vor Gott? Gerade hier führt das Kreuz zum Zentrum der Rechtfertigung: weg vom Vertrauen auf die eigene Leistung und hin zu einer Gerechtigkeit, die der Mensch nicht verdient, sondern im Glauben empfängt.
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Gerecht vor Gott allein durch Christus
Römer 5,1-2 – „1 Da wir nun durch den Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unsren Herrn Jesus Christus, 2 durch welchen wir auch im Glauben Zutritt erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes."
Römer 5,1-2 – „1 Da wir nun durch den Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unsren Herrn Jesus Christus, 2 durch welchen wir auch im Glauben Zutritt erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes."
Galater 2,16 – „16 da wir aber erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden, und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird."
Philipper 3,8-9 – „8 ja ich achte nun auch alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe, und ich achte es für Unrat, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm erfunden werde, daß ich nicht meine eigene Gerechtigkeit (die aus dem Gesetz) habe, sondern die, welche durch den Glauben an Christus [erlangt wird], die Gerechtigkeit aus …"
Epheser 2,8-10 – „8 Denn durch die Gnade seid ihr gerettet, vermittels des Glaubens, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; 9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen."
Wenn der Zugang zu Gott durch Christus eröffnet ist, stellt sich unmittelbar die Frage, auf welcher Grundlage ein schuldiger Mensch vor dem heiligen Gott als gerecht gelten kann. Die Antwort des Neuen Testaments richtet den Blick konsequent weg von menschlichem Verdienst. Paulus erklärt, dass der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird und dadurch Frieden mit Gott empfängt. Rechtfertigung bedeutet dabei nicht, dass Gott Sünde schönredet, sondern dass der Glaubende aufgrund des Erlösungswerkes Christi in eine neue Stellung vor Gott versetzt wird.
Gerade deshalb kann menschlicher Gehorsam niemals die Grundlage dieser Annahme sein. Paulus betont gegenüber den Galatern, dass ein Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Das Problem liegt nicht im Gesetz, sondern darin, dass der sündige Mensch es nicht als Mittel zur Selbstrechtfertigung benutzen kann. Ein gerechter Maßstab kann Schuld aufzeigen und Gehorsam beschreiben, aber vergangene Übertretung nicht rückwirkend ungeschehen machen.
Paulus bringt diese Wahrheit in seinem eigenen Leben besonders deutlich zum Ausdruck. Was ihm früher religiöse Sicherheit gegeben hatte, verliert als Grundlage seiner Stellung vor Gott seinen Wert. Er möchte nicht mit einer eigenen Gerechtigkeit vor Gott stehen, sondern mit der Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christus kommt. Damit wird der tiefste Gegensatz sichtbar: Der Mensch kann entweder versuchen, seine Hoffnung auf das zu gründen, was er selbst vorzuweisen hat, oder er kann sich auf das verlassen, was Christus für ihn vollbracht hat.
Das Kreuz zerstört deshalb sowohl Verzweiflung als auch geistlichen Stolz. Niemand muss an der eigenen Vergangenheit zugrunde gehen, als wäre seine Schuld größer als die Gnade Christi. Ebenso kann niemand auf seine religiösen Leistungen hinabsehen und daraus einen höheren Anspruch vor Gott ableiten. Alle stehen als Bedürftige vor demselben Erlöser, und alle empfangen Rettung auf derselben Grundlage: aus Gnade.
Epheser 2 verbindet diese Gnade ausdrücklich mit dem Glauben und schließt zugleich menschlichen Ruhm aus. Rettung ist Gottes Gabe. Auch der Glaube ist dabei keine verdienstvolle Leistung, mit der der Mensch sich Gottes Anerkennung erarbeitet. Er ist das vertrauende Ergreifen dessen, was Gott schenkt. Der Glaubende bringt Christus nicht seine eigene ausreichende Gerechtigkeit entgegen, sondern verlässt sich darauf, dass Christus für ihn ausreichend ist.
Damit werden gute Werke jedoch keineswegs bedeutungslos. Paulus fährt unmittelbar fort und erklärt, dass die Geretteten in Christus zu guten Werken geschaffen sind. Die Reihenfolge ist entscheidend: Gute Werke schaffen die Rettung nicht, sondern folgen aus ihr. Gehorsam ist nicht der Preis, mit dem Gottes Gnade erworben wird, sondern die Frucht eines Lebens, das durch diese Gnade erneuert wurde.
Gerade diese Ordnung bewahrt das Evangelium vor zwei entgegengesetzten Irrwegen. Wer Werke zur Grundlage der Annahme macht, nimmt dem Kreuz seine genügende Kraft und verlagert die Hoffnung wieder auf den Menschen. Wer dagegen aus der Gnade schließt, dass das erneuerte Leben gleichgültig sei, trennt die Rechtfertigung von der Veränderung, zu der Christus den Menschen führt. Die Schrift hält beides zusammen: Der Mensch wird aus Gnade angenommen, und dieselbe Gnade beginnt sein Leben neu auszurichten.
So schenkt das Kreuz dem Glaubenden eine Sicherheit, die weder auf Selbstüberschätzung noch auf wechselnden Gefühlen beruht. Seine Hoffnung liegt in Christus. Gerade daraus entsteht jedoch eine neue Lebensrichtung. Wer nicht mehr für seine Annahme kämpfen muss, wird frei, aus Dankbarkeit und Liebe zu leben. Damit führt die Rechtfertigung nicht zum Ende der Nachfolge, sondern an ihren Anfang: Das Kreuz vergibt nicht nur die Vergangenheit, sondern stellt zugleich die Frage, wie ein Mensch lebt, der nun Christus gehört.
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Mit Christus beginnt ein neues Leben
Galater 2,19-20 – „19 Nun bin ich aber durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, um Gott zu leben, ich bin mit Christus gekreuzigt. 20 Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat."
Galater 2,19-20 – „19 Nun bin ich aber durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, um Gott zu leben, ich bin mit Christus gekreuzigt. 20 Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat."
Römer 6,4-6 – „4 Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf daß, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verwachsen sind zur Ähnlichkeit seines Todes, so werden wir es auch zu der seiner Auferstehung sein, 6 wissen wir doch, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden i…"
2. Korinther 5,14-15 – „14 Denn die Liebe Christi hält uns zusammen, die wir dafür halten, daß, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; 15 und er ist darum für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist."
Galater 5,24-25 – „24 Welche aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. 25 Wenn wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln."
Die Rechtfertigung durch Glauben beantwortet die Frage, wie ein schuldiger Mensch vor Gott angenommen wird. Doch das Kreuz bleibt nicht außerhalb des Lebens stehen, als wäre es nur eine vergangene Grundlage für Vergebung. Paulus verbindet das Sterben Christi unmittelbar mit einer neuen Lebensrichtung des Glaubenden. Wer Christus vertraut, empfängt nicht nur eine veränderte Stellung vor Gott, sondern tritt in eine Beziehung ein, in der das bisherige selbstbestimmte Leben seine Herrschaft verlieren soll.
Besonders eindrücklich beschreibt Paulus diese Wirklichkeit im Galaterbrief. Er spricht davon, mit Christus gekreuzigt zu sein, und erklärt zugleich, dass er nun im Glauben an den Sohn Gottes lebt. Damit meint er nicht, dass seine Persönlichkeit ausgelöscht würde oder der Mensch keinen eigenen Willen mehr besitzt. Gemeint ist vielmehr ein grundlegender Herrschaftswechsel: Das eigene Ich soll nicht länger den letzten Maßstab des Lebens bilden. Christus, der sich für den Menschen hingegeben hat, wird zum Mittelpunkt seiner neuen Existenz.
Römer 6 entfaltet denselben Gedanken anhand der Verbindung mit Christi Tod und Auferstehung. Der „alte Mensch“ wird als mit Christus gekreuzigt beschrieben, damit der Leib der Sünde seine beherrschende Stellung verliert. Paulus behauptet dabei nicht, ein Christ sei nach seiner Bekehrung jeder Versuchung enthoben oder könne nicht mehr sündigen. Er spricht von einem Bruch mit der bisherigen Herrschaft. Sünde soll nicht mehr selbstverständlich über das Leben verfügen, weil der Glaubende nun zu Christus gehört.
Damit wird deutlich, weshalb die Gnade nicht zur Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Leben führen kann. Wer erkennt, dass Christus gerade zur Befreiung von der Sünde gestorben ist, kann seine Gnade nicht sinnvoll als Erlaubnis verstehen, bewusst unter derselben Herrschaft weiterzuleben. Die Veränderung ist zwar nicht die Voraussetzung dafür, dass Gott den Menschen annimmt, doch sie gehört zur Wirkung dieser Annahme. Das Kreuz befreit nicht nur von der Schuld der Sünde, sondern richtet den Menschen zugleich gegen ihre Herrschaft aus.
Paulus beschreibt diese neue Ausrichtung auch von der Liebe Christi her. Weil einer für alle gestorben ist, sollen diejenigen, die durch ihn leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zwischen äußerer Religiosität und christlicher Nachfolge. Gehorsam entsteht nicht hauptsächlich aus dem Versuch, einen Anspruch auf Gottes Gunst zu erwerben. Er wächst aus der Erkenntnis, dass das eigene Leben Christus gehört, weil Christus sich zuvor für den Menschen gegeben hat.
Deshalb spricht das Neue Testament auch vom Kreuzigen der sündigen Begierden. Solche Aussagen beschreiben keinen einmaligen menschlichen Kraftakt, durch den sich jemand selbst heilig macht. Der Glaubende bleibt auf Gottes Wirken angewiesen und wird aufgefordert, im Geist zu leben und zu wandeln. Dennoch ist die Entscheidung real: Begierden, Gewohnheiten und Einstellungen, die Gottes Willen widersprechen, dürfen nicht als unveränderlicher Teil der eigenen Identität verteidigt werden. Die Gemeinschaft mit Christus führt in einen fortdauernden Prozess der Erneuerung.
Gerade hier gehören Rechtfertigung und Heiligung eng zusammen, ohne dass sie miteinander verwechselt werden dürfen. Rechtfertigung beantwortet die Frage nach der Annahme des Sünders vor Gott; Heiligung beschreibt das erneuernde Wirken Gottes im Leben des bereits angenommenen Menschen. Beides gründet in Christus. Der Mensch wird nicht durch seine Veränderung erlöst, doch die Erlösung lässt ihn auch nicht unverändert unter der alten Herrschaft zurück.
So wird das Kreuz zum Wendepunkt einer ganzen Lebensrichtung. Der Glaubende blickt auf Golgatha nicht nur zurück und sagt: Dort wurde meine Schuld getragen. Er erkennt zugleich: Der Christus, der für mich starb, beansprucht mein Leben. Aus dieser Verbindung wächst eine Nachfolge, in der das eigene Ich immer weniger den Mittelpunkt bildet und Christus immer mehr das Denken, Wollen und Handeln prägt. Genau deshalb führt die persönliche Bedeutung des Kreuzes schließlich zu Jesu eigener Aufforderung, das Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen.
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Sein Kreuz aufnehmen und Christus nachfolgen
Lukas 9,23-24 – „23 Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. 24 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie retten."
Lukas 9,23-24 – „23 Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. 24 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie retten."
Matthäus 10,37-39 – „37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert. 39 Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden."
Lukas 14,27 – „27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir her kommt, der kann nicht mein Jünger sein."
Philipper 2,5-8 – „5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, 6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuz…"
Wenn das Kreuz nicht nur Vergebung schenkt, sondern eine neue Lebensrichtung eröffnet, bekommen Jesu Worte über die Nachfolge ihr volles Gewicht. Er ruft den Menschen nicht lediglich dazu auf, sein Opfer anzuerkennen, sondern ihm zu folgen. Dazu gehört nach seinen eigenen Worten, sich selbst zu verleugnen, täglich sein Kreuz aufzunehmen und hinter ihm herzugehen. Damit beschreibt Jesus keine besondere Form der Frömmigkeit für wenige besonders hingegebene Christen, sondern einen grundlegenden Wesenszug wirklicher Jüngerschaft.
Für die ersten Hörer war das Bild des Kreuzes wesentlich härter, als es heute leicht empfunden wird. Das Kreuz war kein Schmuckstück und noch kein allgemein anerkanntes Glaubenssymbol. Wer sein Kreuz trug, befand sich auf einem Weg, auf dem das bisherige Leben keinen Anspruch mehr geltend machen konnte. Wenn Jesus dieses Bild auf die Nachfolge überträgt, meint er deshalb weit mehr als das geduldige Ertragen gewöhnlicher Schwierigkeiten. Nicht jede Krankheit, Belastung oder unangenehme Lebenssituation ist automatisch das „Kreuz“, von dem Jesus spricht.
Der Zusammenhang in Lukas 9 erklärt genauer, worum es geht. Selbstverleugnung bedeutet, dem eigenen Ich nicht mehr das letzte Entscheidungsrecht über das Leben einzuräumen. Jesus fordert nicht zur Verachtung der eigenen Person auf, sondern zur Aufgabe jener Selbstherrschaft, die Gottes Willen nur akzeptiert, solange er mit den eigenen Wünschen übereinstimmt. Das tägliche Aufnehmen des Kreuzes beschreibt deshalb eine wiederkehrende Entscheidung, Christus auch dort zu vertrauen und zu gehorchen, wo Nachfolge dem eigenen Stolz, sündigen Verlangen oder persönlichen Vorteil widerspricht.
Jesus verbindet diesen Ruf unmittelbar mit einem scheinbaren Widerspruch: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer es aber um seinetwillen verliert, wird es retten. Damit stellt er zwei Vorstellungen von Leben gegeneinander. Der Mensch kann versuchen, sich selbst zum Mittelpunkt zu machen und Sicherheit durch Unabhängigkeit von Gott zu gewinnen. Doch gerade dieser Weg führt nach Jesu Worten am wirklichen Leben vorbei. Wer sich dagegen Christus anvertraut, gibt nicht das Leben auf, das Gott ihm schenken möchte, sondern verliert gerade jene selbstbestimmte Existenz, die ihn von der Quelle des Lebens trennt.
In Matthäus 10 verschärft Jesus diesen Gedanken, indem er sogar die engsten menschlichen Bindungen in die Ordnung der Nachfolge einbezieht. Vater, Mutter, Sohn oder Tochter werden dadurch nicht geringgeschätzt; die Schrift gebietet ausdrücklich Liebe und Verantwortung innerhalb der Familie. Doch keine Beziehung darf den Platz Christi einnehmen. Wo Loyalität gegenüber Menschen und Treue zu Christus tatsächlich miteinander kollidieren, besitzt Christus den ersten Anspruch. Das Kreuz aufzunehmen bedeutet deshalb auch, mögliche Verluste nicht zum höchsten Maßstab der eigenen Entscheidung werden zu lassen.
Gerade an diesem Punkt darf Nachfolge nicht wieder zu einem versteckten Weg der Selbsterlösung werden. Der Mensch trägt sein Kreuz nicht, um dadurch das Opfer Christi zu ergänzen oder sich das ewige Leben zu verdienen. Jesu Kreuz und das Kreuz des Jüngers haben nicht dieselbe Funktion. Christus allein trägt stellvertretend die Sünde und schafft Versöhnung. Der Jünger dagegen folgt dem bereits rettenden Christus auf einem Weg der Hingabe. Seine Selbstverleugnung ist die Antwort auf empfangene Gnade, niemals deren Preis.
Das Vorbild für diese Haltung bleibt Christus selbst. Philipper 2 beschreibt, wie er sich erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz. Seine Hingabe war nicht von Selbstbehauptung geprägt, sondern davon, den Willen des Vaters zu erfüllen und sich für andere hinzugeben. Deshalb erhält das Kreuz auch eine ethische Gestalt im Leben der Gemeinde: Wer Christus folgt, lernt, Stolz, Machtstreben und selbstbezogene Ansprüche zurückzustellen und im Geist seines Herrn zu handeln.
So führt der Ruf, das eigene Kreuz aufzunehmen, nicht in eine Religion des Leidens um des Leidens willen. Jesus verherrlicht weder Schmerz noch Selbstzerstörung. Er ruft vielmehr aus der Herrschaft des eigenen Ichs in die Gemeinschaft mit ihm. Gerade darin liegt das Paradox der Nachfolge: Wer Christus über sich selbst stellt, verliert nicht das wahre Leben, sondern findet es. Das Kreuz wird dadurch nicht nur zum Ort, an dem Christus für den Menschen starb, sondern auch zum Maßstab einer Beziehung, in der der Gerettete lernt, ganz seinem Erlöser zu gehören.
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Das Kreuz schafft wirkliche Versöhnung
Kolosser 1,19-22 – „19 Denn es gefiel [Gott], daß in ihm alle Fülle wohnen sollte 20 und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst (dadurch daß er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes) durch ihn, sowohl was im Himmel, als auch was auf Erden ist. 21 Und euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt waret in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, 22 um…"
Kolosser 1,19-22 – „19 Denn es gefiel [Gott], daß in ihm alle Fülle wohnen sollte 20 und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst (dadurch daß er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes) durch ihn, sowohl was im Himmel, als auch was auf Erden ist. 21 Und euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt waret in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, 22 um…"
2. Korinther 5,18-21 – „18 Das alles aber von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nu…"
Epheser 2,13-16 – „13 Nun aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe gebracht worden durch das Blut Christi. 14 Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und des Zaunes Scheidewand abgebrochen hat, 15 indem er in seinem Fleische die Feindschaft (das Gesetz der Gebote in Satzungen) abtat, um so die zwei in ihm selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, 16 u…"
Römer 5,10-11 – „10 Denn, wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, wieviel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben! 11 Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben."
Das Kreuz verändert nicht nur die Stellung des einzelnen Menschen vor Gott und seine persönliche Lebensrichtung. Die Schrift beschreibt sein Ziel noch umfassender als Versöhnung. Dieser Begriff setzt voraus, dass eine wirkliche Entfremdung überwunden werden muss. Sünde hat nicht lediglich einzelne Verfehlungen hervorgebracht, sondern die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer grundlegend beschädigt. Christus kommt deshalb nicht nur, um Schuld zu erlassen, sondern um die Getrennten wieder in Gemeinschaft mit Gott zu führen.
Paulus beschreibt diese Versöhnung im Kolosserbrief mit besonderer Tiefe. Menschen, die Gott einst entfremdet und ihm durch ihre sündige Gesinnung entgegenstanden, werden durch den Tod Christi mit ihm versöhnt. Das Ziel reicht dabei bis zur Wiederherstellung: Christus möchte sie heilig, untadelig und unverklagbar vor Gott darstellen. Versöhnung bedeutet somit nicht, dass Gott und Sünde miteinander Frieden schließen. Die Feindschaft wird überwunden, indem der Sünder durch Christus zu Gott zurückgebracht und in eine neue Beziehung zu ihm gestellt wird.
Dabei geht die Initiative wiederum vollständig von Gott aus. In 2. Korinther 5 erklärt Paulus nicht, dass Menschen zunächst einen Weg zu Gott fanden und ihn zur Versöhnung bewegten. Gott war es, der in Christus die Welt mit sich selbst versöhnte. Das Evangelium beginnt mit seinem Handeln. Er schafft die Grundlage, auf der Schuld nicht mehr angerechnet werden muss, und lässt anschließend die Botschaft der Versöhnung verkündigen. Der Mensch wird eingeladen, auf ein Werk zu antworten, das Gott bereits eröffnet hat.
Gerade deshalb ist die Aufforderung „Lasst euch versöhnen mit Gott“ so bedeutsam. Versöhnung wird nicht automatisch jedem Menschen unabhängig von seiner Beziehung zu Christus aufgezwungen. Das Kreuz schafft die objektive Grundlage der Rettung, doch der Mensch wird gerufen, diese Gnade im Glauben anzunehmen. Gott zwingt keine Gemeinschaft, sondern ruft den Menschen aus seiner Entfremdung zurück. Die ausgestreckte Hand kommt von ihm; der Sünder darf aufhören, vor Gott zu fliehen, und sich Christus anvertrauen.
Diese wiederhergestellte Beziehung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Verhältnis der Menschen untereinander. Epheser 2 zeigt das besonders am tiefen Gegensatz zwischen Juden und Heiden. Christus bringt die Fernen nahe und schafft durch das Kreuz aus ehemals getrennten Gruppen ein neues Volk. Die Feindschaft soll dort keinen letzten Anspruch behalten, wo Menschen gemeinsam durch Christus mit Gott versöhnt worden sind. Das Kreuz schafft daher keine Sammlung religiöser Einzelgänger, sondern eine Gemeinschaft, deren Einheit aus demselben Erlöser hervorgeht.
Damit erhält auch christliche Versöhnungsbereitschaft ihre Grundlage. Menschen können einander nicht in derselben Weise von Sünde erlösen, wie Christus den Sünder mit Gott versöhnt. Dennoch widerspricht es dem Wesen des Kreuzes, selbst empfangene Gnade zu bekennen und zugleich Hass, Überheblichkeit oder unversöhnliche Feindschaft bewusst festzuhalten. Wer erkennt, dass er selbst ausschließlich aus Gnade angenommen wurde, verliert jeden geistlichen Grund, sich gegenüber anderen als grundsätzlich überlegen zu betrachten.
Paulus beschreibt diese neue Wirklichkeit sogar im Blick auf ehemalige Feinde Gottes. Wenn Menschen durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt wurden, als sie noch Feinde waren, liegt ihre Hoffnung nicht darin, sich zunächst selbst in Freunde Gottes verwandelt zu haben. Die Versöhnung beruht auf Christus. Gerade deshalb kann der Glaubende sich Gottes rühmen, nicht seiner eigenen Würdigkeit. Was zwischen Gott und Mensch unmöglich erschien, wurde durch das Kreuz von Gott selbst eröffnet.
So führt das Kreuz aus Entfremdung in Gemeinschaft. Vergebung beseitigt die Schuld, Rechtfertigung gibt dem Glaubenden eine neue Stellung, und Versöhnung beschreibt die wiederhergestellte Beziehung, die daraus hervorgeht. Doch gerade weil diese Gnade einen wirklichen Ausweg aus der Schuld eröffnet, bleibt die Antwort des Menschen nicht bedeutungslos. Das Kreuz zeigt nicht nur, wie Gott rettet; es macht zugleich sichtbar, weshalb sein kommendes Gericht gerecht ist und warum die Stellung des Menschen zu Christus von endgültiger Bedeutung ist.
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Das Kreuz und das kommende Gericht
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"
Römer 8,31-34 – „31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? 32 Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? 33 Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott, der sie rechtfertigt? 34 Wer will verdammen? Christus, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwec…"
Johannes 5,22-24 – „22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben, 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hind…"
2. Korinther 5,10 – „10 Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeglicher empfange, was er vermittels des Leibes gewirkt hat, es sei gut oder böse."
Die Botschaft von der Versöhnung führt unmittelbar zur Frage nach dem Gericht. Wenn Gott durch Christus einen wirklichen Weg aus Schuld und Tod eröffnet hat, wird zugleich bedeutsam, wie der Mensch auf diesen Weg antwortet. Die Bibel stellt Kreuz und Gericht deshalb nicht als Gegensätze dar. Derselbe Gott, der aus Liebe rettet, richtet auch in Gerechtigkeit. Gerade das Kreuz zeigt, dass seine Gnade die Sünde nicht verharmlost und sein Gericht seiner rettenden Liebe nicht widerspricht.
Jesus verbindet diese beiden Seiten bereits in Johannes 3. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um die Welt zu verurteilen, sondern damit sie durch ihn gerettet werde. Dennoch spricht Jesus unmittelbar danach auch vom Gericht. Wer an den Sohn glaubt, wird nicht verurteilt; wer ihn aber verwirft, bleibt unter dem Gericht. Damit liegt das Problem nicht darin, dass Gott Menschen den Weg zum Leben vorenthält. In Christus hat er diesen Weg vielmehr geöffnet. Gerade deshalb erhält die Antwort auf Christus ein endgültiges Gewicht.
Das bedeutet nicht, dass ein Mensch durch die bloße Kenntnis bestimmter Aussagen über Jesus gerettet wird. Der Glaube, von dem das Neue Testament spricht, ist Vertrauen auf Christus und die Annahme seines rettenden Handelns. Ebenso wenig lässt sich das Gericht auf einzelne isolierte Entscheidungen reduzieren, als würde Gott das gesamte Leben eines Menschen nach einem willkürlichen Augenblick beurteilen. Die Schrift verbindet Glauben, Herz, Lebensrichtung und Frucht miteinander. Werke sind nicht die Grundlage der Erlösung, doch sie können sichtbar machen, welchem Herrn ein Mensch tatsächlich vertraut.
Gerade darin liegt die Bedeutung von 2. Korinther 5, wo Paulus erklärt, dass alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen. Das Gericht steht nicht im Widerspruch zur Rechtfertigung aus Gnade. Es offenbart vielmehr die Wahrheit über das Leben und die Beziehung des Menschen zu Christus. Gott muss keine verborgenen Informationen erst entdecken; das Gericht macht seine gerechte Beurteilung offenbar. Es zeigt, dass seine Entscheidungen weder willkürlich noch oberflächlich sind.
Für den Glaubenden verändert das Kreuz zugleich die Perspektive auf dieses Gericht. Paulus fragt in Römer 8, wer gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben könne, und richtet den Blick auf Christus, der gestorben, auferstanden und zur Rechten Gottes ist und für die Seinen eintritt. Die Hoffnung liegt deshalb nicht darin, vor Gott genügend eigene Verdienste aufzuzählen. Sie liegt in dem Erlöser, der die Schuld getragen hat und zugleich als lebendiger Fürsprecher für die Seinen eintritt.
Auch Jesus verbindet diese Sicherheit unmittelbar mit dem Glauben an ihn. Wer sein Wort hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, besitzt ewiges Leben und kommt nicht in das Verdammungsgericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. Diese Zusage nimmt das Gericht nicht weg; sie zeigt, auf welcher Grundlage der Glaubende ihm begegnen darf. Seine Sicherheit ruht nicht auf moralischer Selbstüberschätzung, sondern auf der Verbindung mit Christus.
Das Gericht besitzt deshalb für den Glaubenden sowohl Ernst als auch Hoffnung. Ernst, weil Gottes Gnade niemals zur Belanglosigkeit menschlicher Entscheidungen wird. Hoffnung, weil der Richter derselbe Christus ist, der sich selbst für den Menschen gegeben hat. Derjenige, der über das Leben urteilt, ist nicht ein fremder Erlöser, sondern der Gekreuzigte und Auferstandene, dessen eigenes Opfer die Grundlage der Rettung bildet.
So wird am Kreuz bereits sichtbar, nach welchem Wesen Gott handelt: Wahrheit und Gnade, Gerechtigkeit und Liebe werden nicht voneinander getrennt. Das kommende Gericht wird diese Harmonie nicht aufheben, sondern endgültig bestätigen. Doch die Geschichte des Kreuzes endet auch dort noch nicht. Was auf Golgatha geschah, reicht über das gegenwärtige Leben und selbst über das Gericht hinaus. Die Schrift zeigt, dass das geopferte Lamm selbst in der vollendeten Schöpfung im Mittelpunkt der Anbetung stehen wird.
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Das Lamm bleibt im Zentrum der Ewigkeit
Offenbarung 5,9-13 – „9 Und sie sangen ein neues Lied: Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott mit deinem Blut [Menschen] erkauft aus allen Stämmen und Zungen und Völkern und Nationen 10 und hast sie für unsren Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Enge…"
Offenbarung 5,9-13 – „9 Und sie sangen ein neues Lied: Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott mit deinem Blut [Menschen] erkauft aus allen Stämmen und Zungen und Völkern und Nationen 10 und hast sie für unsren Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Enge…"
Offenbarung 7,9-10 – „9 Darnach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen; die standen vor dem Throne und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen. 10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Das Heil steht bei unsrem Gott, der auf dem Throne sitzt, und bei dem Lamm!"
Offenbarung 21,22-23 – „22 Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm. 23 Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm."
Sacharja 13,6 – „6 Wird man ihn aber fragen: «Was sind das für Wunden in deinen Händen?» so wird er antworten: «Die hat man mir geschlagen im Hause meiner Lieben!»"
Die Bedeutung des Kreuzes endet nicht mit der gegenwärtigen Erlösung des Menschen. Wenn die Offenbarung den Blick auf die himmlische Wirklichkeit und die vollendete Zukunft richtet, steht dort immer wieder das Lamm im Mittelpunkt. Christus wird nicht nur als mächtiger König verehrt, sondern gerade als der, der geschlachtet wurde und durch sein Blut Menschen für Gott erkauft hat. Das zeigt, dass sein Opfer keine vorübergehende Stufe des Erlösungsplans ist, die später bedeutungslos wird. Was auf Golgatha geschah, bleibt für immer Teil der Offenbarung dessen, wer Gott ist und wodurch die Erlösten gerettet wurden.
In Offenbarung 5 wird diese Verbindung besonders eindrucksvoll sichtbar. Johannes sieht zunächst den Löwen aus dem Stamm Juda angekündigt, begegnet dann aber einem Lamm, das wie geschlachtet dasteht. Sieg und Opfer werden dadurch nicht voneinander getrennt. Christus herrscht nicht trotz seines Kreuzes, als müsste die Erinnerung an seine Erniedrigung hinter seiner späteren Herrlichkeit verschwinden. Gerade der Gekreuzigte ist der Sieger. Seine Herrschaft trägt für immer das Kennzeichen jener selbsthingebenden Liebe, durch die er den Feind überwunden und Menschen erlöst hat.
Die Anbetung im Himmel richtet sich deshalb ausdrücklich auf sein Erlösungswerk. Die himmlischen Wesen preisen das Lamm als würdig, weil es geschlachtet wurde und Menschen aus allen Völkern, Sprachen und Nationen für Gott erkauft hat. Die Erlösten besitzen keinen Grund, ihre Rettung sich selbst zuzuschreiben. Unterschiede menschlicher Herkunft, gesellschaftlicher Stellung oder eigener Leistung verlieren vor dem Thron ihre Bedeutung. Ihre gemeinsame Hoffnung liegt in Christus, und ihre gemeinsame Anbetung gilt dem, der für sie gestorben ist.
Auch die große Schar aus Offenbarung 7 führt diese Wahrheit weiter. Die Erlösung wird Gott und dem Lamm zugeschrieben. Niemand steht dort aufgrund einer selbst erworbenen Vollkommenheit. Die Menschen, die vor Gottes Thron erscheinen, verdanken ihre Reinheit dem rettenden Handeln Christi. Damit erreicht die Rechtfertigung aus Gnade ihre endgültige sichtbare Vollendung: Die Geretteten rühmen nicht ihre Werke, ihre geistliche Stärke oder ihre Treue als eigenständigen Verdienst, sondern den Gott, der sie durch das Lamm gerettet hat.
Zugleich wird in der neuen Schöpfung sichtbar, wohin das Kreuz letztlich führt. Offenbarung 21 beschreibt eine Welt, in der Gottes unmittelbare Gegenwart die gesamte Wirklichkeit erfüllt. Ein irdisches Heiligtum ist dort nicht mehr nötig, denn Gott selbst und das Lamm sind ihr Heiligtum. Auch Sonne und Mond werden nicht benötigt, um die Stadt zu erleuchten, weil Gottes Herrlichkeit sie erhellt und das Lamm ihre Leuchte ist. Das Ziel des Erlösungsplans ist damit nicht nur die Aufhebung von Schuld, sondern die vollkommen wiederhergestellte Gemeinschaft zwischen Gott und seinen Geschöpfen.
Die Erinnerung an das Opfer Christi steht dieser vollkommenen Freude nicht entgegen. Vielmehr wird sie für immer bezeugen, welchen Charakter Gottes Herrschaft besitzt. Sacharja beschreibt in einem prophetischen Zusammenhang Wunden, die sichtbar bleiben; das Neue Testament selbst legt jedoch nicht jede Einzelheit dieses Verses ausdrücklich auf die ewige Erscheinung Christi fest. Sicher ist dagegen, dass die Offenbarung den erhöhten Christus weiterhin als das Lamm darstellt, das geschlachtet wurde. Die Erlösung wird also nicht aus dem Gedächtnis des Universums verschwinden.
Damit erhält auch der große Kampf seinen endgültigen Abschluss. Das Kreuz hat sichtbar gemacht, wohin die Herrschaft der Sünde führt und wie Gott ihr begegnet: nicht mit Täuschung, Zwang oder selbstsüchtiger Machtausübung, sondern mit Wahrheit, Gerechtigkeit und selbsthingebender Liebe. Wenn das Böse schließlich vollständig beseitigt ist, bleibt diese Offenbarung bestehen. Die Schöpfung hat gesehen, was Rebellion hervorbringt und wie weit Gottes Liebe bereit war zu gehen, um verlorenes Leben zurückzugewinnen.
So reicht Golgatha vom tiefsten Punkt menschlicher Verwerfung bis in die Herrlichkeit der neuen Schöpfung. Das Kreuz, das einst als Zeichen von Schande und Niederlage erschien, wird in der Perspektive der Ewigkeit als Ort des entscheidenden Sieges sichtbar. Dort wurde die Schuld getragen, Gottes Charakter offenbart und der Weg zur Wiederherstellung eröffnet. Deshalb bleibt im Zentrum der kommenden Welt nicht menschliche Leistung, sondern das Lamm – Christus, der gekreuzigt wurde, auferstanden ist und dessen Erlösungswerk für immer der Grund der Anbetung bleibt.
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Zusammenfassung und Gebet
Das Kreuz führt den Menschen an einen Punkt, an dem jede Hoffnung auf Selbstrettung endet und zugleich die größte Hoffnung des Evangeliums beginnt. Dort wird nichts beschönigt: Die Sünde ist so ernst, dass sie nicht einfach übergangen werden kann. Doch gerade an diesem Ort zeigt Gott, dass er den verlorenen Menschen nicht seiner Schuld überlässt. Was der Mensch nicht wiederherstellen konnte, übernimmt Christus selbst. Deshalb richtet das Kreuz den Blick nicht zuerst auf die Größe menschlicher Schuld, sondern auf die noch größere Tiefe göttlicher Gnade.
In Christus wird sichtbar, dass Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe niemals gegeneinander stehen. Gott rettet nicht, indem er seine Heiligkeit aufgibt, und er richtet nicht, indem er seine Liebe verleugnet. Der Schuldlose tritt für die Schuldigen ein. Das vollkommene Opfer wird gebracht, damit Vergebung nicht auf einer menschlichen Leistung, sondern auf einem festen göttlichen Fundament ruht. Wer sich Christus anvertraut, muss deshalb seine Vergangenheit nicht selbst ausgleichen und seine Annahme bei Gott nicht verdienen.
Doch das Kreuz beantwortet noch eine größere Frage. Seit dem Beginn der Rebellion war Gottes Charakter angegriffen worden. Misstrauen gegenüber seiner Güte und seinem Willen führte den Menschen von ihm weg. Golgatha offenbart, wohin diese Rebellion führt und zugleich, wie Gott ihr begegnet. Während Sünde ihre zerstörerische Gestalt bis zur Verwerfung des Sohnes Gottes zeigt, antwortet Christus mit Treue, Gehorsam und selbsthingebender Liebe. Gerade das scheinbare Zeichen der Niederlage wird dadurch zum entscheidenden Ort seines Sieges.
Diese Erlösung will den Menschen nicht lediglich von einer zukünftigen Verurteilung bewahren. Christus versöhnt ihn mit Gott und ruft ihn in ein neues Leben. Der Glaubende darf sich Gott nähern, weil Christus sein Mittler ist. Er darf aus Gnade leben, weil seine Gerechtigkeit nicht auf eigener Vollkommenheit beruht. Und er wird zugleich gerufen, nicht länger sich selbst zum Mittelpunkt zu machen, sondern dem zu folgen, der sich zuerst für ihn hingegeben hat. Gehorsam wird dadurch nicht zum Preis der Erlösung, sondern zu ihrer Frucht.
Darum lässt sich das Kreuz weder auf Vergebung noch auf Nachfolge, weder auf Gericht noch auf Liebe allein beschränken. Diese Wahrheiten finden in Christus zusammen. Das Kreuz erklärt, weshalb Gnade notwendig ist, worauf Rechtfertigung beruht, warum Heiligung aus der Gemeinschaft mit Christus hervorgeht und weshalb der Glaubende auch dem Gericht mit Hoffnung begegnen darf. Alles steht und fällt letztlich nicht mit der Frage, was der Mensch für Gott geleistet hat, sondern damit, was Gott in Christus für den Menschen getan hat.
Am Ende der Heilsgeschichte verschwindet diese Wahrheit nicht. Das Lamm bleibt im Mittelpunkt der Anbetung. Die Erlösten werden ihre Hoffnung auch in der Ewigkeit nicht auf ihre eigene Treue zurückführen, sondern auf den, der sie erkauft und zu Gott zurückgebracht hat. Das Kreuz bleibt damit für immer Zeugnis dafür, wie ernst Sünde ist, wie vollkommen Gottes Gerechtigkeit bleibt und wie weit seine Liebe gegangen ist.
Wer auf Golgatha blickt, begegnet deshalb dem Herzen des Evangeliums. Dort steht Christus für den Menschen ein, dort wird der Weg zurück zu Gott geöffnet, und dort beginnt die Hoffnung auf eine Schöpfung, in der Sünde und Tod schließlich keinen Platz mehr haben werden. Das Kreuz war menschlich betrachtet ein Ort tiefster Schande; im Erlösungsplan Gottes wurde es zum Ort der Rettung. Deshalb bleibt für den Glaubenden am Ende nur ein Mittelpunkt, auf dem seine Hoffnung ruhen kann: Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene.
Vater im Himmel, ich danke dir für die Liebe, die du im Kreuz Jesu Christi offenbart hast. Lass mich erkennen, wie ernst die Sünde ist und zugleich, wie vollkommen deine Gnade den rettet, der sich Christus anvertraut. Bewahre mich davor, auf eigene Verdienste zu bauen, und lehre mich, meine Hoffnung ganz auf das vollbrachte Opfer Jesu zu setzen. Lass die Erkenntnis seiner Liebe mein Denken, meine Entscheidungen und mein Leben verändern. Schenke mir Vertrauen, dir nachzufolgen und aus der Gemeinschaft mit Christus zu leben, bis du dein Erlösungswerk vollkommen vollendest. Amen.
„Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft.“ 1. Korinther 1,18