Das Abendmahl

Das Abendmahl: Gedächtnis, Reinigung und Gemeinschaft mit Christus

Das Abendmahl ist nach der Bibel eine von Jesus eingesetzte Gedächtnis- und Gemeinschaftsfeier, die auf sein einmaliges Opfer am Kreuz verweist. Brot und Kelch verkündigen seinen hingegebenen Leib und sein vergossenes Blut, ohne sein Opfer zu wiederholen. Zugleich ruft das Mahl zur Selbstprüfung, zur Gemeinschaft des Leibes Christi und zur hoffnungsvollen Erwartung seiner Wiederkunft und des kommenden Reiches Gottes.

Einführung

Das Abendmahl gehört zu den Handlungen, die Jesus seinen Jüngern selbst hinterlassen hat. Gerade deshalb muss seine Bedeutung aus den biblischen Einsetzungsberichten und ihrer späteren apostolischen Auslegung gewonnen werden. Im Lauf der Kirchengeschichte wurden mit Brot und Kelch sehr unterschiedliche Vorstellungen verbunden. Umso wichtiger ist es, sorgfältig zu unterscheiden, was Jesus ausdrücklich sagte, welche Bedeutung die Apostel daraus ableiteten und welche späteren Deutungen über den biblischen Text hinausgehen.

Der Rahmen der Einsetzung ist dabei nicht nebensächlich. Jesus feierte das Mahl unmittelbar vor seinem Tod und innerhalb der Passahzeit, in der Israel an Gottes Befreiung aus Ägypten erinnert wurde. Inmitten dieser vertrauten Bilder richtet er den Blick auf sein eigenes bevorstehendes Opfer. Damit erhält das Mahl seinen Mittelpunkt nicht aus dem menschlichen Vollzug, sondern aus dem, was Christus für Sünder tun würde. Die Feier lebt von einem bereits gegebenen Erlösungswerk.

Gleichzeitig verbindet das Neue Testament das Abendmahl mit dem gegenwärtigen Leben der Gemeinde. Es wird gemeinsam gefeiert, ruft zur ehrlichen Selbstprüfung auf und macht sichtbar, dass viele Glaubende durch Christus zu einem Leib verbunden sind. Gerade deshalb kann eine äußerlich richtige Teilnahme ihren Sinn verfehlen, wenn das Herz gegenüber Christus und den Geschwistern gleichgültig bleibt. Das Mahl verbindet Erinnerung mit gelebter Gemeinschaft und persönlicher Verantwortung.

Doch der Blick bleibt nicht beim Kreuz und auch nicht bei der gegenwärtigen Gemeinde stehen. Jesus selbst verbindet den Kelch mit der kommenden Vollendung im Reich Gottes, und Paulus erklärt, dass die Gemeinde durch das Mahl den Tod des Herrn verkündigt, „bis er kommt“. So spannt sich das Abendmahl zwischen vollbrachter Erlösung und noch ausstehender Hoffnung. Um seine Bedeutung zu verstehen, muss deshalb zuerst zu jener Nacht zurückgegangen werden, in der Christus Brot und Kelch nahm und ihnen aus seinem bevorstehenden Tod heraus ihren Sinn gab.

Christus setzt das Mahl im Schatten des Kreuzes ein

Lukas 22,14-20 – „14 Und als die Stunde kam, setzte er sich zu Tische und die zwölf Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, ich werde es nicht mehr essen, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch! 18 Denn ich sage euch, ich wer…"
Lukas 22,14-20 – „14 Und als die Stunde kam, setzte er sich zu Tische und die zwölf Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, ich werde es nicht mehr essen, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch! 18 Denn ich sage euch, ich wer…"
Matthäus 26,26-29 – „26 Als sie nun aßen, nahm Jesus das Brot, dankte, brach es, gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset! Das ist mein Leib. 27 Und er nahm den Kelch, dankte, gab ihnen denselben und sprach: Trinket alle daraus! 28 Denn das ist mein Blut des Bundes, welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden! 29 Ich sage euch aber, ich werde von jetzt an von diesem Gewächs des Weinstocks nicht mehr…"
1. Korinther 5,7-8 – „7 Feget den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ja ungesäuert seid! Denn auch für uns ist ein Passahlamm geschlachtet worden: Christus. 8 So wollen wir denn nicht mit altem Sauerteig Fest feiern, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und Wahrheit."

Das Abendmahl beginnt nicht als spätere kirchliche Tradition, sondern in den letzten Stunden vor Jesu Leiden. Lukas berichtet, dass Jesus mit seinen Jüngern zu Tisch liegt und ausdrücklich sagt, wie sehr er sich danach gesehnt habe, dieses Passah mit ihnen vor seinem Leiden zu essen. Damit steht die Einsetzung des Mahles von Anfang an unter dem Schatten des Kreuzes. Jesus weiß, was ihm bevorsteht, und deutet seinen Jüngern das kommende Geschehen noch bevor sie seine ganze Tragweite verstehen können.

Der Rahmen des Passahfestes ist dafür von besonderer Bedeutung. Israel erinnerte sich beim Passah an die Befreiung aus Ägypten und an jene Nacht, in der das Blut des Lammes mit der Verschonung vor dem Gericht verbunden war. Das Fest erzählte von Befreiung, Bund und Gottes rettendem Eingreifen. Jesus setzt sein Mahl innerhalb dieses heilsgeschichtlichen Zusammenhangs ein, übernimmt jedoch nicht einfach nur die alte Feier. Er richtet die Zeichen nun ausdrücklich auf sich selbst und auf das Opfer, das unmittelbar bevorsteht.

Beim Brot spricht Jesus von seinem Leib, der für seine Jünger gegeben wird. Der Kelch bezeichnet den neuen Bund in seinem Blut, das vergossen wird. Dadurch erhält sein Tod eine von Jesus selbst erklärte Bedeutung. Was am folgenden Tag wie die Hinrichtung eines Verurteilten erscheinen wird, ist nach seinen eigenen Worten eine Hingabe für andere. Das Kreuz trifft ihn nicht als unvorhergesehenes Ende seines Wirkens; er geht bewusst darauf zu und deutet seinen Tod als Teil des rettenden Handelns Gottes.

Gerade die Verbindung mit dem neuen Bund führt tief in den Erlösungsplan hinein. Die alttestamentliche Opferordnung hatte durch Blut immer wieder auf Schuld, Stellvertretung und Versöhnung hingewiesen. Nun stellt Jesus nicht ein weiteres Tieropfer in den Mittelpunkt, sondern sein eigenes Leben. Paulus kann deshalb später sagen: „Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist für uns geschlachtet.“ Was frühere Opfer vorauszeichneten, findet in ihm seinen entscheidenden Bezugspunkt.

Damit wird zugleich deutlich, dass das Abendmahl nicht selbst ein neues Opfer neben dem Kreuz darstellt. Jesus fordert seine Jünger auf: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Die Feier blickt auf seine Hingabe hin und erinnert nach seinem Tod an das vollbrachte Geschehen. Auch die apostolische Verkündigung beschreibt das Opfer Christi als entscheidend und ausreichend. Das Abendmahl empfängt seinen Wert deshalb vom Kreuz; es ergänzt dessen Wirksamkeit nicht und wiederholt die Selbsthingabe Christi nicht.

Brot und Kelch sind dadurch keine bedeutungslosen Gegenstände. Christus selbst gibt ihnen ihre Zeichenfunktion. Sie richten die Aufmerksamkeit auf seinen hingegebenen Leib und sein vergossenes Blut und führen dem Glaubenden sichtbar vor Augen, worauf seine Erlösung beruht. Ihre Bedeutung liegt nicht in einer magischen Kraft der Elemente, sondern in dem Christus, auf den sie verweisen und dessen Verheißung im Glauben ergriffen wird.

Diese Ordnung bewahrt auch davor, das Abendmahl hauptsächlich auf menschliche Gefühle zu gründen. Seine Wahrheit hängt nicht davon ab, ob ein Teilnehmer während der Feier eine besonders starke innere Erfahrung macht. Das Kreuz geschah außerhalb des Menschen und bleibt Gottes objektives Rettungshandeln. Gerade deshalb kann das Mahl den Glauben stärken: Es führt nicht zuerst zum Blick auf die eigene geistliche Leistung, sondern zurück zu Christus, der seinen Leib gegeben und sein Blut vergossen hat.

So steht am Anfang des Abendmahls nicht die Frage, was der Mensch Gott darbringt, sondern was Christus für den Menschen gegeben hat. Das Passah bildet den heilsgeschichtlichen Hintergrund, doch Jesus selbst wird zum Mittelpunkt der Feier. Brot und Kelch erzählen von seinem bevorstehenden Tod und vom neuen Bund, den er durch sein Blut begründet. Von diesem einmaligen Opfer her muss jede weitere Bedeutung des Abendmahls verstanden werden.

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Ein Gedächtnis an das einmalige Opfer

1. Korinther 11,23-26 – „23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, nämlich daß der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten wurde, Brot nahm, es mit Danksagung brach und sprach: 24 Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches tut zu meinem Gedächtnis! 25 Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; solch…"
1. Korinther 11,23-26 – „23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, nämlich daß der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten wurde, Brot nahm, es mit Danksagung brach und sprach: 24 Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches tut zu meinem Gedächtnis! 25 Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; solch…"
Lukas 22,19 – „19 Und er nahm das Brot, dankte, brach es, gab es ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis!"
Hebräer 9,24-28 – „24 Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns; 25 auch nicht, um sich selbst öfters zu opfern, gleichwie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut ins Heiligtum hineingeht; denn sonst hätte er ja öfters leiden müssen von Grundlegung der Welt an…"

Jesus verbindet die Einsetzung des Abendmahls mit einem ausdrücklichen Auftrag: „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Damit erhält die wiederkehrende Feier eine klare Richtung. Sie soll die Gemeinde immer wieder auf das zurückführen, was Christus für sie getan hat. Der Mittelpunkt liegt deshalb nicht in der Handlung selbst, sondern in dem historischen Erlösungsereignis, auf das Brot und Kelch verweisen: der Hingabe Jesu am Kreuz.

Paulus überliefert diesen Auftrag in 1. Korinther 11 und erklärt zugleich, was die Gemeinde durch das Mahl tut: „Denn sooft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis dass er kommt.“ Das Abendmahl ist damit nicht nur persönliche Erinnerung, sondern zugleich Verkündigung. Die versammelte Gemeinde bekennt sichtbar, worauf ihre Hoffnung beruht. Sie lebt nicht aus eigener Gerechtigkeit, sondern aus dem Tod Christi für Sünder.

Das biblische Gedächtnis darf dabei nicht auf ein flüchtiges Zurückdenken reduziert werden. Wenn Israel an Gottes rettendes Handeln erinnerte, bedeutete dies, seine Taten bewusst vor Augen zu halten und das gegenwärtige Leben von ihnen bestimmen zu lassen. Entsprechend führt das Abendmahl den Glaubenden immer wieder zu der Wirklichkeit zurück, die seinen Glauben trägt. Das Kreuz gehört der Vergangenheit an, aber seine Bedeutung für den Glaubenden ist nicht vergangen.

Gerade deshalb muss zwischen Vergegenwärtigung und Wiederholung unterschieden werden. Das Abendmahl macht das vollbrachte Opfer Christi im Glauben gegenwärtig, indem es daran erinnert, es verkündigt und seine Bedeutung neu vor Augen stellt. Es macht das Kreuz jedoch nicht erneut zu einem Opfergeschehen. Die Schrift verbindet die Wirksamkeit der Erlösung mit der einmaligen Selbsthingabe Jesu, nicht mit einer immer wieder vorgenommenen Opferhandlung.

Hebräer 9 spricht hier besonders eindeutig. Christus ist nicht in das himmlische Heiligtum eingegangen, um sich „oftmals zu opfern“. Der Verfasser stellt ausdrücklich einen Gegensatz zum wiederholten alttestamentlichen Opferdienst her und erklärt, dass Christus einmal am Ende der Zeitalter erschienen ist, um durch sein Opfer die Sünde hinwegzutun. Wenig später wird nochmals betont, dass er „einmal geopfert“ wurde. Diese Einmaligkeit gehört wesentlich zur Vollkommenheit seines Erlösungswerkes.

Damit erhält das Abendmahl eine klare heilsgeschichtliche Stellung. Die alttestamentlichen Opfer blickten voraus auf das Opfer, das noch kommen sollte. Das Abendmahl blickt auf dasselbe Opfer zurück, nachdem Christus es vollbracht hat. Beide Seiten treffen sich am Kreuz, aber sie stehen nicht auf derselben Seite der Heilsgeschichte. Die Gemeinde wartet nicht mehr auf ein Opfer, das ihre Schuld tragen soll; sie verkündigt das Opfer, das bereits geschehen ist.

Diese Wahrheit schützt das Mahl davor, als menschliche Leistung verstanden zu werden, durch die Christus erneut dargebracht oder Gottes Gnade neu hervorgebracht werden müsste. Die Gemeinde empfängt im Abendmahl nichts aufgrund der Verdienste ihres Vollzugs. Sie kommt vielmehr als Gemeinschaft von Menschen, die vollständig auf ein fremdes Verdienst angewiesen sind: auf den Leib, der für sie gegeben, und das Blut, das für sie vergossen wurde.

Gerade darin liegt die geistliche Kraft des Gedächtnisses. Der Glaubende wird von sich selbst weggeführt. Seine Hoffnung ruht weder auf der Intensität seiner Gefühle noch auf der Vollkommenheit seiner Vorbereitung. Das Mahl erinnert ihn daran, dass die entscheidende Grundlage seiner Versöhnung mit Gott bereits außerhalb seiner selbst geschaffen wurde. Christus hat gehandelt, ehe der Mensch etwas dazu beitragen konnte.

Das Abendmahl verkündigt deshalb bei jeder Feier dieselbe unveränderte Mitte des Evangeliums: Das Opfer ist vollbracht und muss nicht ergänzt werden. Die Gemeinde kehrt zu diesem Ereignis zurück, nicht um es zu wiederholen, sondern um im Glauben daraus zu leben. Und indem sie den Tod ihres Herrn verkündigt, wird zugleich deutlich, dass dieses Gedächtnis nicht in der Vergangenheit eingeschlossen bleibt – denn es wird gefeiert „bis dass er kommt“.

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Brot und Kelch bezeugen Gemeinschaft mit Christus

1. Korinther 10,16-17 – „16 Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht Gemeinschaft mit dem Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht Gemeinschaft mit dem Leibe Christi? 17 Denn ein Brot ist es, so sind wir, die vielen, ein Leib; denn wir sind alle des einen Brotes teilhaftig."
1. Korinther 10,16-17 – „16 Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht Gemeinschaft mit dem Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht Gemeinschaft mit dem Leibe Christi? 17 Denn ein Brot ist es, so sind wir, die vielen, ein Leib; denn wir sind alle des einen Brotes teilhaftig."
Matthäus 26,26-28 – „26 Als sie nun aßen, nahm Jesus das Brot, dankte, brach es, gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset! Das ist mein Leib. 27 Und er nahm den Kelch, dankte, gab ihnen denselben und sprach: Trinket alle daraus! 28 Denn das ist mein Blut des Bundes, welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden!"
1. Korinther 11,27-29 – „27 Wer also unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch; 29 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."

Wenn das Abendmahl das einmalige Opfer Christi verkündigt, stellt sich die nächste Frage: Welche Bedeutung besitzen Brot und Kelch für die Glaubenden, die daran teilnehmen? Paulus spricht darüber in 1. Korinther 10 mit auffallend starker Sprache. Der gesegnete Kelch ist „Gemeinschaft mit dem Blut Christi“, und das gebrochene Brot ist „Gemeinschaft mit dem Leib Christi“. Das Mahl ist deshalb nicht bloß eine äußerliche Erinnerungshandlung, bei der bedeutungslose Gegenstände an ein vergangenes Ereignis erinnern. Christus selbst hat den Zeichen ihren Bezug zu seinem Opfer gegeben.

Das Wort „Gemeinschaft“ beschreibt Teilhabe und Verbundenheit. Paulus erklärt damit nicht, dass Christi Opfer bei jeder Feier erneut geschieht. Ebenso wenig entwickelt er an dieser Stelle eine philosophische Erklärung darüber, wie sich Brot und Kelch ihrem Wesen nach verhalten. Sein Schwerpunkt liegt auf der geistlichen Wirklichkeit, zu der die Zeichen gehören: Wer am Mahl des Herrn teilnimmt, bekennt sich zu Christus und zu dem Heil, das allein durch seinen geopferten Leib und sein vergossenes Blut gegeben ist.

Gerade deshalb dürfen die Worte Jesu bei der Einsetzung weder entleert noch überdehnt werden. Wenn er das Brot nimmt und sagt: „Das ist mein Leib“, und den Kelch mit seinem Blut des Bundes verbindet, gibt er den Elementen eine von ihm bestimmte Bedeutung. Sie weisen nicht allgemein auf religiöse Gemeinschaft hin, sondern konkret auf seine Selbsthingabe. Brot und Kelch richten den Glauben auf den Christus, der seinen Leib gibt und sein Blut zur Vergebung der Sünden vergießt.

Dass die Elemente auf Christus verweisen, macht sie nicht unwichtig. Ein Zeichen gewinnt gerade dadurch Bedeutung, dass es von dem eingesetzt wurde, der die Wirklichkeit bezeichnet. Das Abendmahl lässt die Erlösung sichtbar vor die Gemeinde treten: Brot wird genommen und gegessen, der Kelch wird empfangen und getrunken. Die Gläubigen hören damit nicht nur von Christi Opfer, sondern antworten durch die von ihm gegebene Handlung auf seine Einladung und bekennen, dass ihr Leben von diesem Opfer abhängt.

Paulus verhindert zugleich ein rein äußerliches Verständnis. Die Korinther konnten am Mahl teilnehmen und dennoch durch ihre Haltung seinen Sinn verleugnen. In Kapitel 11 tadelt er ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Gemeindegliedern und warnt vor einem unwürdigen Essen und Trinken. Die äußere Teilnahme allein vermittelt daher nicht automatisch die geistliche Wirklichkeit, auf die das Mahl verweist. Wer Christus mit den Zeichen bekennt und gleichzeitig seinen Leib verachtet, widerspricht durch sein Verhalten der Bedeutung der Feier.

Damit wird verständlich, weshalb das Abendmahl sowohl objektive als auch persönliche Bedeutung besitzt. Objektiv verweist es auf ein vollbrachtes Geschehen, das nicht vom Glaubenden abhängt: Christus hat seinen Leib hingegeben und sein Blut vergossen. Persönlich ruft es dazu, dieses Evangelium im Glauben anzunehmen. Nicht das bloße Essen rettet, sondern Christus rettet; doch das von ihm eingesetzte Mahl führt den Glaubenden immer wieder sichtbar zu dieser rettenden Wirklichkeit zurück.

1. Korinther 10 fügt unmittelbar eine weitere Dimension hinzu. Weil es ein Brot gibt, sind die vielen Glaubenden „ein Leib“, denn sie haben alle Anteil an dem einen Brot. Die Gemeinschaft mit Christus lässt sich also nicht von der Gemeinschaft seiner Gemeinde trennen. Am selben Tisch stehen Menschen, deren gemeinsame Grundlage nicht gesellschaftliche Stellung, Herkunft oder persönliche Leistung ist, sondern dass sie alle aus derselben Gnade leben.

Darin liegt auch eine ernste Konsequenz. Wer am Abendmahl teilnimmt, bekennt nicht nur: Christus ist für mich gestorben. Er bekennt zugleich seine Zugehörigkeit zu dem Leib, den Christus aus vielen Menschen geschaffen hat. Stolz, Verachtung und bewusste Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Glaubenden stehen deshalb in einem tiefen Widerspruch zu dem Mahl, das gerade ihre gemeinsame Abhängigkeit von Christus sichtbar macht.

Brot und Kelch führen somit zwei Beziehungen zusammen, die nicht getrennt werden dürfen. Sie richten den Glaubenden auf den gekreuzigten Herrn und verbinden ihn zugleich sichtbar mit den anderen, die aus demselben Opfer leben. Das Abendmahl ist deshalb mehr als ein gedankliches Erinnern und zugleich weniger als eine Wiederholung des Kreuzes: Es ist die von Christus eingesetzte Feier, in der sein vollbrachtes Opfer verkündigt, im Glauben ergriffen und in der Gemeinschaft seines einen Leibes bekannt wird.

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Selbstprüfung führt nicht vom Mahl weg, sondern zu Christus

1. Korinther 11,27-32 – „27 Wer also unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch; 29 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. 30 Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und …"
1. Korinther 11,27-32 – „27 Wer also unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch; 29 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. 30 Deshalb sind unter euch viele Schwache und Kranke, und …"
Psalmen 139,23-24 – „23 Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; 24 und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!"
1. Johannes 1,8-9 – „8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; 9 wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigeit."

Nachdem Paulus die Bedeutung von Brot und Kelch erklärt hat, richtet er den Blick auf die Haltung der Teilnehmenden. Seine Warnung vor einem „unwürdigen“ Essen und Trinken gehört zu den ernstesten Aussagen über das Abendmahl. Gerade deshalb ist sie häufig missverstanden worden. Manche Gläubige fürchten, sie müssten erst einen bestimmten Grad geistlicher Reinheit erreicht haben, bevor sie am Mahl teilnehmen dürften. Doch Paulus spricht nicht davon, dass nur vollkommen würdige Menschen zum Tisch des Herrn kommen könnten.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen der Würde eines Menschen und der Art, wie er teilnimmt. Paulus sagt nicht, jemand müsse sich selbst als würdig erweisen, sondern warnt davor, „unwürdig“ zu essen und zu trinken. Der Zusammenhang in Korinth zeigt, was damit gemeint ist. Die Gemeinde feierte zwar äußerlich das Mahl des Herrn, doch gleichzeitig herrschten Spaltungen, Rücksichtslosigkeit und soziale Demütigung. Einige aßen reichlich, während andere leer ausgingen. Dadurch widersprach ihr Verhalten gerade dem Evangelium, das Brot und Kelch verkündigten.

Das Problem lag deshalb nicht darin, dass sündige Menschen am Abendmahl teilnahmen. Wäre Sündlosigkeit Voraussetzung, könnte niemand teilnehmen. Die eigentliche Gefahr bestand darin, das Mahl gleichgültig, selbstbezogen oder ohne Achtung vor seiner Bedeutung zu behandeln. Wer Brot und Kelch empfängt, bekennt den Tod Christi und die gemeinsame Abhängigkeit des ganzen Leibes von seiner Gnade. Wenn zugleich andere Glieder verachtet werden, wird dieses Bekenntnis durch das eigene Verhalten verleugnet.

Darum fordert Paulus: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.“ Auffällig ist die Richtung dieses Satzes. Selbstprüfung endet nicht mit der Aufforderung, sich vom Mahl fernzuhalten, sondern mit der Einladung, anschließend zu essen und zu trinken. Der Sinn besteht also nicht darin, genügend Gründe zu finden, warum man nicht kommen darf. Die Prüfung soll den Menschen in eine wahrhaftige Haltung vor Gott führen, damit er das Mahl bewusst und im Glauben empfängt.

Diese Prüfung richtet sich deshalb zuerst auf das eigene Herz. Wo besteht Schuld, die nicht bekannt werden soll? Wo wird Bitterkeit festgehalten, obwohl Versöhnungsbereitschaft nötig wäre? Wo hat Gleichgültigkeit gegenüber Christus oder den Geschwistern Raum gewonnen? Solche Fragen dienen nicht der Selbstverdammung, sondern der Wahrheit. Psalm 139 drückt dieselbe Haltung im Gebet aus, wenn der Beter Gott bittet, sein Herz zu erforschen und ihn auf einem guten Weg zu führen.

Dabei darf Selbstprüfung niemals von Gottes Verheißung der Vergebung getrennt werden. 1. Johannes 1 erklärt zugleich, dass Selbsttäuschung entsteht, wenn Menschen behaupten, keine Sünde zu haben, und dass Gott treu und gerecht vergibt, wenn Sünde bekannt wird. Das Ziel ehrlicher Selbsterkenntnis ist deshalb nicht Hoffnungslosigkeit. Gerade wer seine Bedürftigkeit erkennt, wird neu auf Christus verwiesen, dessen vergossenes Blut im Abendmahl verkündigt wird.

Paulus spricht außerdem davon, den Leib des Herrn zu unterscheiden beziehungsweise richtig zu beurteilen. Im unmittelbaren Zusammenhang gehören sowohl die Bedeutung des Mahles als auch der Umgang mit der Gemeinde dazu. Die Korinther behandelten das gemeinsame Mahl so, als wäre es gewöhnliches Essen, und übersahen zugleich die Einheit des Leibes Christi. Eine würdige Teilnahme nimmt deshalb ernst, was Brot und Kelch bedeuten und mit wem man sie gemeinsam empfängt.

Die anschließende Warnung vor Gottes Gericht zeigt, dass diese Haltung keine Nebensache ist. Paulus erklärt sogar bestimmte Schwachheiten und Todesfälle in Korinth als göttliche Züchtigung im Zusammenhang mit ihrem Verhalten. Diese Aussage gehört zunächst in die konkrete apostolische Beurteilung jener Gemeinde und darf nicht verallgemeinert werden, als könne jede Krankheit eines Christen auf unwürdige Abendmahlsteilnahme zurückgeführt werden. Der Text zeigt jedoch, wie ernst Gott den Missbrauch dessen nimmt, was auf das Opfer seines Sohnes verweist.

Bemerkenswert ist zugleich, dass Paulus Gottes Züchtigung nicht als endgültige Verwerfung beschreibt. Er sagt, dass die Gläubigen vom Herrn gezüchtigt werden, damit sie nicht mit der Welt verurteilt werden. Selbst die ernste Korrektur steht damit im Zusammenhang rettender Gnade. Gott deckt das Falsche auf, um sein Volk zur Umkehr zu führen, nicht um den bußfertigen Menschen vom Tisch Christi fernzuhalten.

So führt die Selbstprüfung zum eigentlichen Sinn des Abendmahls zurück. Niemand kommt, weil er aus eigener Kraft würdig geworden wäre. Der Glaubende kommt gerade als jemand, der seine Bedürftigkeit erkennt und auf das vollbrachte Opfer Christi vertraut. Ehrliche Prüfung, Sündenbekenntnis und Versöhnungsbereitschaft bereiten deshalb nicht einen vollkommenen Menschen auf das Mahl vor, sondern richten einen unvollkommenen Menschen neu auf den vollkommenen Erlöser aus.

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Die Fußwaschung führt in Demut und dienende Liebe

Johannes 13,3-17 – „3 obgleich Jesus wußte, daß ihm der Vater alles in die Hände gegeben habe und daß er von Gott ausgegangen sei und zu Gott hingehe, 4 steht er vom Mahle auf, legt seine Kleider ab, nimmt einen Schurz und umgürtet sich; 5 darauf goß er Wasser in das Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Schurz zu trocknen, mit dem er umgürtet war. 6 Da kommt er zu Simon Petrus, und die…"
Johannes 13,3-17 – „3 obgleich Jesus wußte, daß ihm der Vater alles in die Hände gegeben habe und daß er von Gott ausgegangen sei und zu Gott hingehe, 4 steht er vom Mahle auf, legt seine Kleider ab, nimmt einen Schurz und umgürtet sich; 5 darauf goß er Wasser in das Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Schurz zu trocknen, mit dem er umgürtet war. 6 Da kommt er zu Simon Petrus, und die…"
Lukas 22,24-27 – „24 Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. 25 Er aber sagte zu ihnen: Die Könige der Völker herrschen über sie, und ihre Gewalthaber heißt man Wohltäter. 26 Ihr aber nicht also; sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Gebieter wie der Diener. 27 Denn wer ist größer: wer zu Tische sitzt, oder der Diener? Ist es nicht der, …"
Philipper 2,3-8 – „3 nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, 4 indem jeder nicht nur das Seine ins Auge faßt, sondern auch das des andern. 5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, 6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, d…"

Johannes berichtet im Zusammenhang des letzten Mahles von einer Handlung Jesu, die in den anderen Evangelien nicht in derselben Weise ausgeführt wird: Jesus steht vom Tisch auf, legt sein Obergewand ab, umgürtet sich mit einem Tuch und beginnt, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Der Evangelist betont zuvor, dass Jesus wusste, woher er gekommen war und wohin er ging. Gerade aus dieser Gewissheit heraus nimmt der Herr die Stellung eines Dieners ein. Seine Demut entsteht nicht aus Unsicherheit über seine Würde, sondern gerade aus dem Wissen um seine Beziehung zum Vater.

Die Fußwaschung war in der damaligen Lebenswelt ein sehr niedriger Dienst. Staubige Wege und offenes Schuhwerk machten das Waschen der Füße bei einer Mahlgemeinschaft sinnvoll, doch dieser Dienst wurde gewöhnlich nicht von der ranghöchsten Person übernommen. Dass Jesus selbst aufsteht und sich vor seinen Jüngern niederbeugt, kehrt deshalb ihre Vorstellungen von Größe sichtbar um. Derjenige, den sie mit Recht „Herr“ und „Meister“ nennen, dient ihnen in einer Weise, die keiner von ihnen für sich selbst übernommen hatte.

Gerade der Zusammenhang mit Lukas 22 macht diese Handlung noch verständlicher. Dort berichtet Lukas, dass unter den Jüngern sogar während dieser letzten gemeinsamen Stunden ein Streit darüber entstand, wer von ihnen als der Größte gelten solle. Jesus antwortet darauf mit einem grundlegend anderen Maßstab für sein Reich: Nicht der Herrschende, sondern der Dienende ist groß. Er selbst steht unter ihnen „wie einer, der dient“. Die Fußwaschung setzt diese Lehre praktisch vor ihre Augen.

Petrus reagiert zunächst mit entschiedenem Widerstand. Er kann nicht akzeptieren, dass Jesus ihm die Füße wäscht. Doch Jesus erklärt, dass Petrus ohne diese Reinigung keinen Anteil an ihm habe. Daraufhin möchte Petrus nicht nur die Füße, sondern auch Hände und Haupt gewaschen bekommen. Jesu Antwort unterscheidet zwischen demjenigen, der bereits gebadet hat und grundsätzlich rein ist, und der dennoch die Füße gewaschen braucht. Die Bildsprache weist damit über körperliche Sauberkeit hinaus auf eine geistliche Wirklichkeit.

Dabei muss vorsichtig ausgelegt werden. Johannes erklärt die Fußwaschung nicht als ein zweites Erlösungsopfer und auch nicht als Mittel, durch das Sünden unabhängig von Christus vergeben würden. Die Reinigung kommt von Jesus selbst, und der größere Zusammenhang des Evangeliums führt die Erlösung zu seinem bevorstehenden Tod. Die Handlung macht vielmehr sichtbar, dass diejenigen, die zu Christus gehören, weiterhin auf seine reinigende Gnade angewiesen bleiben. Zugehörigkeit zu ihm bedeutet nicht, dass im weiteren Glaubensleben keine Reinigung und Erneuerung mehr nötig wären.

Jesus lässt die Bedeutung der Handlung jedoch nicht bei der persönlichen Reinigung stehen. Nachdem er sich wieder gesetzt hat, erklärt er seinen Jüngern ausdrücklich, dass er ihnen ein Beispiel gegeben hat. Wenn er als Herr und Meister ihre Füße gewaschen hat, sollen auch sie einander die Füße waschen. Damit verbindet er die empfangene Gnade mit gegenseitigem Dienst. Wer sich von Christus dienen lässt, wird selbst zu einer Haltung gerufen, die nicht auf Rang, Anerkennung oder Überlegenheit ausgerichtet ist.

Philipper 2 beschreibt dieselbe Grundbewegung im größeren Zusammenhang des Lebens Christi. Die Gläubigen sollen nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tun, sondern in Demut den anderen höher achten als sich selbst. Paulus begründet dies mit Christus, der sich erniedrigte und die Gestalt eines Knechtes annahm. Die Fußwaschung passt deshalb tief in das Wesen seines gesamten Weges: Der Sohn Gottes erniedrigt sich nicht aus Schwäche, sondern aus selbsthingebender Liebe.

Gerade in Verbindung mit dem Abendmahl erhält diese Haltung besonderes Gewicht. Wer gemeinsam Brot und Kelch empfängt, bekennt seine Abhängigkeit von derselben Gnade wie alle anderen. Stolz, Rangdenken und gegenseitige Verachtung widersprechen deshalb dem Charakter des Mahles. Die Fußwaschung führt sichtbar in eine Haltung hinein, die den anderen nicht beherrscht, sondern ihm dient und bereit ist, eigene Größe zurückzustellen.

Zugleich enthält Jesu ausdrücklicher Auftrag mehr als eine bloße allgemeine Aufforderung zu Demut. Er sagt: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Deshalb besitzt die tatsächliche Handlung selbst biblisches Gewicht und darf nicht einfach in eine rein symbolische Idee von Dienstbereitschaft aufgelöst werden. Zugleich wäre auch ein äußerliches Vollziehen ohne die von Jesus geforderte Haltung leer. Zeichen und innere Wirklichkeit gehören zusammen.

So führt die Fußwaschung unmittelbar an das Herz christlicher Gemeinschaft. Christus reinigt, bevor der Mensch dienen kann; der Herr beugt sich nieder, bevor die Jünger lernen, einander zu dienen. Gerade dadurch wird deutlich, mit welcher Haltung der Tisch des Herrn empfangen werden soll: nicht in Selbstüberhebung, sondern als Gemeinschaft von Menschen, die alle von derselben reinigenden Gnade leben und deshalb bereit sind, einander in der Demut Christi zu begegnen.

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Der Kelch bezeugt den neuen Bund

Lukas 22,20 – „20 ebenso auch den Kelch nach dem Mahle und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird."
Lukas 22,20 – „20 ebenso auch den Kelch nach dem Mahle und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird."
Jeremia 31,31-34 – „31 Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen werde; 32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tage, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Lande Ägypten auszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, und ich hatte sie mir doch angetraut, spricht der HERR. 33 Sondern das ist der Bund, den …"
Hebräer 8,6-13 – „6 Nun aber hat er einen um so bedeutenderen Dienst erlangt, als er auch eines besseren Bundes Mittler ist, der auf besseren Verheißungen ruht. 7 Denn wenn jener erste [Bund] tadellos gewesen wäre, so würde nicht Raum für einen zweiten gesucht. 8 Denn er tadelt sie doch, indem er spricht: «Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund …"

Als Jesus den Kelch nimmt und von dem „neuen Bund in meinem Blut“ spricht, greift er eine große Verheißung des Alten Testaments auf. Das Abendmahl erinnert deshalb nicht nur allgemein an seinen Tod. Der Kelch bezeugt, dass durch diesen Tod eine neue heilsgeschichtliche Wirklichkeit eröffnet wird. Was Gott durch die Propheten angekündigt hatte, findet seine Grundlage im Opfer Christi.

Jeremia hatte Jahrhunderte zuvor von einem neuen Bund gesprochen, den Gott mit seinem Volk schließen würde. Dieser neue Bund wird nicht dadurch gekennzeichnet, dass Gottes Wille bedeutungslos würde. Im Gegenteil: Gott verheißt, sein Gesetz in das Innere seines Volkes zu legen und es auf ihre Herzen zu schreiben. Gleichzeitig gehört die Zusage dazu: „Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.“ Der neue Bund verbindet also Vergebung und innere Erneuerung.

Gerade diese Verbindung ist für das Abendmahl entscheidend. Wenn Jesus den Kelch mit dem neuen Bund verbindet, verweist er auf das Blut, durch das Vergebung möglich wird. Der Mensch tritt nicht aufgrund eigener Gerechtigkeit in Gemeinschaft mit Gott. Der Bund gründet sich auf das Opfer Christi. Das Mahl führt deshalb immer wieder zu der Wahrheit zurück, dass Versöhnung mit Gott aus Gnade empfangen wird.

Der Hebräerbrief greift Jeremias Verheißung ausführlich auf und verbindet sie mit dem Dienst Christi als Mittler eines besseren Bundes. Der Unterschied liegt nicht darin, dass der Gott des Alten Testaments ein anderer wäre oder dass Heiligkeit im neuen Bund keine Rolle mehr spielte. Entscheidend ist vielmehr, dass die Verheißungen Gottes in Christus ihre entscheidende Erfüllung erhalten und sein vollkommenes Opfer das leistet, was die wiederholten Opfer des alten Heiligtums nur vorauszeichnen konnten.

Damit darf der neue Bund auch nicht als bloße Abschaffung des alten Gesetzes verstanden werden. Jeremia selbst beschreibt gerade eine Verinnerlichung: Gottes Gesetz soll nicht nur äußerlich vor dem Menschen stehen, sondern in sein Herz geschrieben werden. Gnade und Gehorsam werden deshalb nicht gegeneinander gestellt. Der Mensch wird nicht durch Gehorsam erlöst; der Erlöste wird vielmehr von Gott dazu erneuert, seinen Willen von Herzen zu lieben.

Das Abendmahl bringt diese Ordnung sichtbar zum Ausdruck. Zuerst steht das Blut Christi. Es ist gegeben, bevor der Jünger irgendeine Leistung vorweisen könnte. Erst aus dieser empfangenen Gnade wächst das neue Leben. Wer den Kelch empfängt, bekennt deshalb nicht: „Ich habe mich für Gott würdig gemacht“, sondern: „Meine Hoffnung liegt in dem Bund, den Christus durch sein Blut begründet hat.“

Gerade darin unterscheidet sich der neue Bund von einer rein äußerlichen Religiosität. Ein Mensch kann an einer Feier teilnehmen, Worte sprechen und dennoch innerlich weit von Gott entfernt bleiben. Gottes Ziel geht tiefer. Er will Menschen vergeben, ihr Herz erneuern und sie in eine wirkliche Beziehung zu sich führen. Das Abendmahl besitzt deshalb keine unabhängige Wirksamkeit neben dieser Glaubensbeziehung, sondern verweist auf sie und ruft immer wieder hinein.

Zugleich erhält die Gemeinde durch den neuen Bund eine gemeinsame Grundlage. Niemand steht am Tisch Christi aufgrund höherer geistlicher Leistung. Alle leben aus demselben vergossenen Blut und derselben Vergebung. Unterschiede in Herkunft, Reife oder Aufgabe ändern daran nichts. Der neue Bund schafft ein Volk, dessen Einheit nicht auf menschlicher Gleichheit, sondern auf derselben Gnade beruht.

Diese Wahrheit schützt auch davor, das Abendmahl zu einem neuen Opferdienst zu machen. Der Kelch weist auf das Blut des Bundes hin, das Christus bereits vergossen hat. Der neue Bund braucht nicht bei jeder Feier neu begründet zu werden. Seine Grundlage ist das vollbrachte Opfer des Mittlers. Das Mahl bestätigt und verkündigt diese Wirklichkeit, anstatt sie erneut hervorzubringen.

So führt der Kelch weit über das sichtbare Zeichen hinaus. Er erinnert daran, dass Gott selbst den Weg zur Versöhnung geöffnet hat, dass Schuld durch Christus vergeben werden kann und dass Gottes Wille im Leben seines Volkes Gestalt gewinnen soll. Im neuen Bund gehören Vergebung und Erneuerung zusammen – und beide beginnen nicht beim Menschen, sondern bei dem Blut Christi, auf das der Kelch verweist.

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Das Mahl widerspricht Spaltung und Verachtung

1. Korinther 11,17-22 – „17 Das aber kann ich, da ich am Verordnen bin, nicht loben, daß eure Zusammenkünfte nicht besser, sondern eher schlechter werden. 18 Denn erstens höre ich, daß, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, Spaltungen unter euch sind, und zum Teil glaube ich es; 19 denn es müssen ja auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten offenbar werden unter euch! 20 Wenn ihr nun auch am selben Orte zus…"
1. Korinther 11,17-22 – „17 Das aber kann ich, da ich am Verordnen bin, nicht loben, daß eure Zusammenkünfte nicht besser, sondern eher schlechter werden. 18 Denn erstens höre ich, daß, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, Spaltungen unter euch sind, und zum Teil glaube ich es; 19 denn es müssen ja auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten offenbar werden unter euch! 20 Wenn ihr nun auch am selben Orte zus…"
1. Korinther 11,33-34 – „33 Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so wartet aufeinander! 34 Hungert aber jemand, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das übrige will ich anordnen, sobald ich komme."
Jakobus 2,1-4 – „1 Meine Brüder, verbindet den Glauben an unsren Herrn der Herrlichkeit, Jesus Christus, nicht mit Ansehen der Person! 2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit goldenen Ringen und in prächtigem Kleide, es käme aber auch ein Armer in einem unsauberen Kleide, 3 und ihr würdet euch nach dem umsehen, der das prächtige Kleid trägt, und zu ihm sagen: Setze du dich hier an diesen Platz! Zum Arme…"

Das Abendmahl bezeugt den neuen Bund, doch Paulus zeigt, dass dieses Bekenntnis unmittelbare Folgen für das Miteinander der Gemeinde hat. In Korinth bestand das Problem nicht darin, dass Brot und Kelch fehlten. Äußerlich wurde gefeiert, was als Mahl des Herrn gelten sollte. Dennoch sagt Paulus überraschend scharf, dass ihre Zusammenkünfte ihnen nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren gereichten. Eine korrekte äußere Handlung kann ihren eigentlichen Sinn verlieren, wenn das Verhalten der Teilnehmenden dem Evangelium widerspricht, das sie bekennen.

Der konkrete Missstand bestand in Spaltungen innerhalb der Gemeinde. Beim gemeinsamen Essen warteten einige nicht auf die anderen. Während manche reichlich aßen und sogar betrunken wurden, blieben andere hungrig. Damit wurden soziale Unterschiede, die das Evangelium eigentlich überwinden sollte, mitten in der christlichen Gemeinschaft sichtbar verstärkt. Paulus betrachtet dies nicht als nebensächliche Unhöflichkeit. Er fragt: „Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben?“

Gerade diese Frage zeigt, wie eng das Abendmahl mit der Würde der Glaubensgeschwister verbunden ist. Wer einen armen Bruder beschämt, behandelt nicht lediglich einen einzelnen Menschen geringschätzig. Paulus sieht darin eine Verachtung der Gemeinde Gottes. Das gemeinsame Mahl verkündigt, dass alle aus demselben Opfer Christi leben; eine Feier, bei der gesellschaftlicher Rang oder Besitz bestimmen, wer geehrt und wer gedemütigt wird, widerspricht deshalb ihrer eigenen Botschaft.

Das bedeutet nicht, dass jede persönliche Spannung vor einer Abendmahlsfeier vollständig gelöst sein müsste. In einer Gemeinde unvollkommener Menschen wird es offene Fragen und Konflikte geben. Entscheidend ist vielmehr, ob ein Geist der Verachtung, Gleichgültigkeit oder bewussten Ausgrenzung festgehalten wird. Das Mahl ruft nicht zu künstlicher Harmonie, sondern zu einer Gemeinschaft, in der der andere als Mensch angesehen wird, für den Christus ebenfalls gestorben ist.

Jakobus greift denselben Grundsatz unabhängig vom Abendmahl auf. Er warnt Gemeinden davor, einen wohlhabenden Menschen besonders ehrenvoll zu behandeln und einen armen Menschen an einen niedrigen Platz zu verweisen. Eine solche Bevorzugung widerspricht dem Glauben an Jesus Christus. Äußerer Rang kann deshalb innerhalb des Leibes nicht zum Maßstab menschlichen Wertes werden. Was Jakobus grundsätzlich für das Gemeindeleben sagt, tritt am Tisch des Herrn besonders deutlich hervor.

Damit erklärt sich auch, warum Paulus seine Einsetzungsworte über Brot und Kelch gerade mitten in die Korrektur der korinthischen Missstände stellt. Er unterbricht das Thema nicht, sondern führt es zum Zentrum zurück. Wenn Christus seinen Leib für andere hingibt, kann sein Mahl nicht glaubwürdig in einer Haltung gefeiert werden, in der Menschen nur an sich selbst denken. Das Kreuz entlarvt Selbstbezogenheit und ruft zu einer Gemeinschaft, die vom Geben Christi geprägt wird.

Am Ende des Abschnitts fordert Paulus die Korinther deshalb ganz praktisch auf: „Wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander.“ Diese schlichte Anweisung besitzt große geistliche Bedeutung. Wahre Gemeinschaft zeigt sich nicht nur in theologischen Aussagen über Einheit, sondern darin, dass Menschen tatsächlich Rücksicht aufeinander nehmen. Das Abendmahl ruft die Gemeinde aus dem Individualismus heraus und erinnert daran, dass niemand allein am Tisch Christi steht.

Gerade deshalb darf die Feier nicht zu einer ausschließlich privaten Begegnung zwischen dem einzelnen Menschen und Jesus verkürzt werden. Persönlicher Glaube bleibt unverzichtbar, doch das Abendmahl ist zugleich eine Handlung der versammelten Gemeinde. Menschen empfangen gemeinsam dieselben Zeichen, bekennen denselben Herrn und leben aus derselben Gnade. Das „Wir“ gehört deshalb wesentlich zum Mahl.

Diese Gemeinschaft bleibt nicht auf emotionale Verbundenheit beschränkt. Sie verlangt konkrete Achtung, Rücksicht und Bereitschaft, Unterschiede nicht zur Erniedrigung anderer zu benutzen. Wo Reiche und Arme, gesellschaftlich Bedeutende und Unscheinbare, geistlich Reife und noch Wachsende gemeinsam zum Tisch Christi kommen, wird sichtbar, dass keiner aufgrund eigener Stellung näher am Kreuz steht als der andere.

So wird das Abendmahl auch zu einem Prüfstein für das gemeinsame Leben. Es verkündigt nicht nur, dass Christus für Menschen gestorben ist, sondern stellt diese Menschen nebeneinander unter dieselbe Gnade. Wer Brot und Kelch empfängt, bekennt deshalb zugleich: Ich brauche denselben Erlöser wie mein Bruder und meine Schwester. Gerade darin besitzt das Mahl die Kraft, menschliche Rangordnungen zu relativieren und die Gemeinde immer wieder zu jener Gemeinschaft zurückzurufen, die das Kreuz geschaffen hat.

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Das Abendmahl richtet den Blick auf die Wiederkunft

1. Korinther 11,26 – „26 Denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn, bis daß er kommt."
1. Korinther 11,26 – „26 Denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn, bis daß er kommt."
Matthäus 26,29 – „29 Ich sage euch aber, ich werde von jetzt an von diesem Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken, bis zu jenem Tage, da ich es neu mit euch trinken werde im Reiche meines Vaters."
Lukas 22,16-18 – „16 Denn ich sage euch, ich werde es nicht mehr essen, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch! 18 Denn ich sage euch, ich werde hinfort nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist."

Das Abendmahl blickt auf das Kreuz zurück, doch es bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen. Paulus verbindet die Verkündigung des Todes Christi ausdrücklich mit einer zeitlichen Grenze: Die Gemeinde verkündigt ihn durch Brot und Kelch „bis dass er kommt“. Damit trägt jede Feier eine Zukunftsperspektive in sich. Der Herr, dessen Tod erinnert wird, ist auferstanden und wird wiederkommen. Das Mahl steht deshalb zwischen vollbrachter Erlösung und noch ausstehender Vollendung.

Diese Erwartung stammt bereits aus den Einsetzungsworten Jesu. Nachdem er den Kelch gereicht hat, erklärt er, dass er von nun an nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, an dem er sie neu mit seinen Jüngern im Reich seines Vaters trinken wird. Jesus richtet den Blick damit über seine unmittelbar bevorstehenden Leiden hinaus. Das Kreuz wird nicht das Ende seiner Gemeinschaft mit den Jüngern sein. Hinter Tod und Auferstehung liegt eine zukünftige Gemeinschaft, die ihre endgültige Erfüllung im Reich Gottes finden wird.

Lukas überliefert denselben Gedanken bereits beim Passahmahl. Jesus sagt, dass er dieses Passah nicht mehr essen werde, bis es im Reich Gottes erfüllt sein wird. Damit erhält das Mahl eine Spannung zwischen dem „Schon“ und dem „Noch nicht“. Durch Christus ist die Erlösung bereits entscheidend vollbracht, der neue Bund ist begründet und die Gemeinde lebt aus seiner Gnade. Doch Sünde, Tod und Trennung sind noch nicht endgültig aus der Schöpfung verschwunden. Die vollständige Erfüllung steht noch aus.

Gerade deshalb ist das Abendmahl nicht nur Gedächtnis, sondern auch Hoffnung. Die Gemeinde erinnert sich nicht an einen toten Religionsstifter, dessen Werk ausschließlich der Vergangenheit angehört. Sie verkündigt den Tod des auferstandenen Herrn und erwartet seine Wiederkunft. Brot und Kelch verbinden damit das historische Kreuz mit einer Zukunft, in der derjenige, der sich für sein Volk hingegeben hat, sichtbar wieder bei ihm sein wird.

Diese Hoffnung ist persönlich. Jesus spricht davon, mit seinen Jüngern neu im Reich seines Vaters zu trinken. Das Ziel der Erlösung ist nicht lediglich die Beseitigung von Schuld in einem abstrakten Sinn, sondern wiederhergestellte Gemeinschaft mit Gott. Schon gegenwärtig kennt der Glaubende Gemeinschaft mit Christus durch den Glauben; bei seiner Wiederkunft wird diese Beziehung in einer Weise erfüllt werden, die nicht mehr durch die Bedingungen einer gefallenen Welt begrenzt ist.

Damit erhält das Mahl gerade in Zeiten des Leidens besondere Bedeutung. Christen feiern es in einer Welt, in der Tod weiterhin Realität ist, Menschen voneinander Abschied nehmen und die Folgen der Sünde täglich sichtbar bleiben. Der gebrochene Leib Christi erinnert daran, dass Gott selbst in diese leidvolle Wirklichkeit eingetreten ist. Seine Verheißung des kommenden Reiches bezeugt zugleich, dass Leiden und Tod nicht das letzte Wort behalten werden.

Das „bis dass er kommt“ setzt der gegenwärtigen Feier deshalb ein Ziel. Das Abendmahl gehört zur Zeit des Wartens. Die Gemeinde braucht dieses sichtbare Erinnerungszeichen, solange sie ihren Herrn noch nicht von Angesicht zu Angesicht sieht und sein Reich noch nicht in seiner endgültigen Gestalt erschienen ist. Wenn Christus wiederkommt und die Gemeinschaft mit seinem Volk vollendet, erreicht auch die Hoffnung, auf die das Mahl vorausweist, ihr Ziel.

Diese Zukunftsperspektive bewahrt das Abendmahl davor, nur rückwärtsgewandt zu werden. Christlicher Glaube lebt zwar aus einem Ereignis der Vergangenheit, aber er ist zugleich auf eine konkrete Zukunft gerichtet. Das Kreuz garantiert die Erlösung, die Auferstehung bestätigt den Sieg Christi, und seine Wiederkunft bringt die sichtbare Vollendung. Das Mahl hält diese gesamte Bewegung zusammen.

Dadurch wird jede Feier auch zu einem Bekenntnis gegen Hoffnungslosigkeit. Die Gemeinde erklärt mit Brot und Kelch: Christus ist für uns gestorben, sein Opfer gilt, und wir warten auf ihn. Selbst wenn die gegenwärtige Welt noch von Sünde, Leid und Tod geprägt ist, hat ihre Geschichte ein von Gott bestimmtes Ziel. Derjenige, der sein Leben für sein Volk gab, wird zurückkehren und das vollenden, was er begonnen hat.

So steht das Abendmahl zwischen Erinnerung und Erwartung. Es führt zurück zum Kreuz, stärkt die gegenwärtige Gemeinschaft mit Christus und richtet den Blick zugleich nach vorne. Die Gemeinde feiert das Mahl nicht nur, weil Jesus gekommen ist, sondern auch, weil er wiederkommen wird. In dieser Hoffnung erhält selbst das Warten eine klare Richtung: Der Tisch des Herrn weist voraus auf die endgültige Gemeinschaft mit Christus in seinem vollendeten Reich.

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Das Abendmahl gehört zum gemeinsamen Leben der Gemeinde

Apostelgeschichte 2,42 – „42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."
Apostelgeschichte 2,42 – „42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."
Apostelgeschichte 20,7 – „7 Am ersten Tage der Woche aber, als wir versammelt waren, um das Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tage abreisen wollte, und dehnte die Rede bis Mitternacht aus."
1. Korinther 11,20-26 – „20 Wenn ihr nun auch am selben Orte zusammenkommt, so ist das doch nicht, um des Herrn Mahl zu essen; 21 denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, so daß der eine hungrig, der andere trunken ist. 22 Habt ihr denn keine Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämet die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben?…"

Die bisherige Betrachtung hat gezeigt, was das Abendmahl bedeutet. Nun stellt sich eine praktische Frage: Welchen Platz sollte diese Feier im Leben der Gemeinde einnehmen? Das Neue Testament nennt keine für alle Gemeinden verbindliche Häufigkeit in Form eines festen Zeitplans. Dennoch zeigen die Berichte über die ersten Christen deutlich, dass das Brotbrechen nicht als seltene oder nebensächliche Handlung verstanden wurde. Es gehörte zum gemeinsamen Leben der Glaubenden und hielt die Erinnerung an Christus lebendig.

Apostelgeschichte 2 beschreibt die Gemeinde unmittelbar nach Pfingsten mit vier charakteristischen Ausrichtungen: Sie verharrte in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Diese Dinge erscheinen nicht als voneinander getrennte Programme, sondern als Bestandteile eines gemeinsamen geistlichen Lebens. Gerade das Wort „verharren“ zeigt Beständigkeit. Die junge Gemeinde nahm diese Bereiche nicht gelegentlich wahr, sondern blieb ihnen bewusst verbunden.

Beim Begriff „Brotbrechen“ ist allerdings sorgfältige Auslegung nötig. In der Apostelgeschichte kann dieselbe Sprache auch ein gewöhnliches gemeinsames Essen bezeichnen. Deshalb darf nicht jede Erwähnung des Brotbrechens automatisch und ausschließlich als formelle Abendmahlsfeier verstanden werden. Im Zusammenhang von Apostelgeschichte 2 stehen Mahlgemeinschaft, geistliche Gemeinschaft und die Erinnerung an Christus eng beieinander. Der Text zeigt jedenfalls, dass das gemeinsame Essen und die christliche Gemeinschaft einen festen Platz im Leben der ersten Gläubigen besaßen.

Apostelgeschichte 20 gibt einen konkreteren Einblick. In Troas versammeln sich die Jünger am ersten Tag der Woche, „um das Brot zu brechen“, während Paulus zu ihnen spricht. Auch hier sollte nicht mehr behauptet werden, als der Text ausdrücklich sagt. Der Abschnitt zeigt eine konkrete Zusammenkunft mit Brotbrechen, begründet aber für sich allein noch kein allgemeines Gebot, dass das Abendmahl ausschließlich an diesem Wochentag oder in einem bestimmten zeitlichen Abstand gefeiert werden müsse.

Gerade diese Zurückhaltung ist wichtig. Jesus sagt: „Sooft ihr dies tut“, und Paulus übernimmt dieselbe offene Formulierung. Die Schrift legt damit die Wiederholung fest, ohne einen allgemein verbindlichen Rhythmus wie täglich, wöchentlich, monatlich oder vierteljährlich vorzuschreiben. Gemeinden können deshalb in der Häufigkeit unterschiedliche Ordnungen haben, solange die Feier nicht ihrer biblischen Bedeutung beraubt oder zu einer bloßen Gewohnheit wird.

Die fehlende Festlegung bedeutet jedoch nicht, dass das Mahl beliebig wäre. Paulus spricht in 1. Korinther 11 selbstverständlich davon, dass die Gemeinde „zusammenkommt“ und das Mahl des Herrn feiert. Das Abendmahl gehört damit grundsätzlich in die versammelte Gemeinschaft. Seine Zeichen sprechen selbst von einem Leib, von gemeinsamer Teilhabe und von der Verkündigung des Todes Christi durch die Gemeinde. Eine rein private Handlung verliert deshalb einen wesentlichen Teil dessen, was Paulus mit dem Mahl verbindet.

Dabei liegt die geistliche Gefahr auf zwei Seiten. Wird das Abendmahl nur selten oder nahezu bedeutungslos gefeiert, kann eine von Christus selbst eingesetzte Handlung aus dem Bewusstsein der Gemeinde verschwinden. Wird es dagegen sehr häufig vollzogen, ohne dass seine Bedeutung bewusst wahrgenommen wird, kann es zu einer vertrauten Routine werden. Nicht die bloße Häufigkeit entscheidet daher über geistliche Tiefe, sondern ob das Mahl in Ehrfurcht, Verständnis und lebendigem Glauben gefeiert wird.

Apostelgeschichte 2 zeigt zudem, dass das Abendmahl nicht isoliert vom übrigen Gemeindeleben stehen sollte. Die erste Gemeinde verbindet apostolische Lehre, Gemeinschaft, Gebet und Brotbrechen. Das ist bedeutsam, weil das Mahl ohne das Wort leicht missverstanden werden kann, während Lehre ohne gemeinschaftliches Leben abstrakt bleiben kann. Im Zusammenspiel werden die Glaubenden unterwiesen, richten sich gemeinsam auf Gott aus und erinnern sich sichtbar an die Gnade, aus der sie leben.

Damit besitzt das Abendmahl eine ordnende Wirkung für die Gemeinde. Immer wieder kehrt sie zum selben Zentrum zurück. Unterschiede in Alter, Bildung, Aufgabe oder geistlicher Erfahrung treten zurück vor dem einen Opfer Christi. Niemand hat einen anderen Zugang zum Tisch aufgrund eigener Leistung. Alle empfangen dieselben Zeichen und bekennen damit dieselbe Abhängigkeit von dem Herrn, der für sie gestorben ist.

So zeigt das Neue Testament keine starre Vorschrift über die genaue Häufigkeit des Abendmahls, wohl aber seinen festen Platz im gemeinschaftlichen Glaubensleben. Die Gemeinde soll nicht aus bloßer Gewohnheit feiern und ebenso wenig vergessen, was Christus ihr gegeben hat. Sie kommt immer wieder zusammen, um sich durch Brot und Kelch an das Zentrum ihres Glaubens erinnern zu lassen: an den Herrn, dessen Opfer sie trägt, dessen Leib sie miteinander verbindet und dessen Wiederkunft sie erwartet.

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Der Tisch des Herrn gehört denen, die Christus im Glauben bekennen

1. Korinther 11,27-29 – „27 Wer also unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch; 29 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."
1. Korinther 11,27-29 – „27 Wer also unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Es prüfe aber ein Mensch sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch; 29 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."
Apostelgeschichte 2,41-42 – „41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan. 42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."
1. Korinther 10,16-17 – „16 Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht Gemeinschaft mit dem Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht Gemeinschaft mit dem Leibe Christi? 17 Denn ein Brot ist es, so sind wir, die vielen, ein Leib; denn wir sind alle des einen Brotes teilhaftig."

Wenn das Abendmahl zum gemeinsamen Leben der Gemeinde gehört, stellt sich schließlich die Frage, wer daran teilnehmen soll. Das Neue Testament gibt dafür keine ausführliche Zugangsliste und verbindet das Mahl auch nicht mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten menschlichen Organisation. Seine Voraussetzungen ergeben sich vielmehr aus der Bedeutung der Feier selbst. Wer Brot und Kelch empfängt, bekennt dadurch Christus, sein Opfer und die Gemeinschaft mit seinem Leib.

In Apostelgeschichte 2 lässt sich eine natürliche Reihenfolge erkennen. Menschen nehmen das verkündigte Wort an, werden getauft und bleiben anschließend in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Lukas formuliert daraus keine gesonderte Abendmahlsordnung, doch die Feier erscheint innerhalb des Lebens derjenigen, die auf das Evangelium geantwortet haben. Das Mahl ist deshalb nicht einfach eine allgemeine religiöse Handlung ohne Glaubensbezug, sondern gehört zur Gemeinschaft der Nachfolger Christi.

Paulus bestätigt diesen Zusammenhang in 1. Korinther 10. Wer aus dem Kelch trinkt und vom Brot isst, bekennt Gemeinschaft mit dem Blut und dem Leib Christi. Teilnahme ist damit ein geistliches Bekenntnis. Sie setzt zumindest voraus, dass ein Mensch versteht, auf wen die Zeichen verweisen, und sich nicht bewusst von dem Christus distanziert, dessen Tod durch sie verkündigt wird. Das Abendmahl kann nicht sinnvoll von dem Glauben getrennt werden, den es sichtbar ausdrückt.

Gleichzeitig setzt Paulus keine geistliche Vollkommenheit als Zugangsvoraussetzung. Seine Aufforderung lautet ausdrücklich: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.“ Selbstprüfung führt zur bewussten Teilnahme, nicht zur Suche nach einem Zustand persönlicher Sündlosigkeit. Gerade wer seine Bedürftigkeit erkennt und auf die Gnade Christi vertraut, versteht etwas Wesentliches von dem, was das Mahl bezeugt.

Damit wird auch deutlich, weshalb das Abendmahl weder als Belohnung für besonders geistliche Christen noch als Auszeichnung für moralische Leistung behandelt werden darf. Am Tisch des Herrn stehen Menschen, deren Hoffnung außerhalb ihrer selbst liegt. Niemand kommt mit einem besseren Opfer als ein anderer; alle kommen zu demselben Christus. Die Unterschiede der persönlichen Reife verändern nicht die gemeinsame Grundlage der Erlösung.

Paulus warnt allerdings vor einer Teilnahme, die der Bedeutung des Mahles widerspricht. Wer Brot und Kelch gedankenlos empfängt, das Opfer Christi geringachtet oder bewusst an einem Verhalten festhält, das er nicht unter Gottes Wahrheit stellen will, soll die Ernsthaftigkeit seiner Haltung erkennen. Selbstprüfung bedeutet deshalb nicht nur, die richtige Lehre über das Abendmahl zu kennen. Sie fragt, ob der Mensch bereit ist, sich im Licht Christi prüfen, korrigieren und zur Umkehr führen zu lassen.

Dabei darf menschliche Prüfung nicht die Stelle der persönlichen Verantwortung vor Gott einnehmen. Paulus sagt nicht, jeder Teilnehmer solle zuerst die Würdigkeit aller anderen beurteilen, sondern: „Der Mensch prüfe sich selbst.“ Die Gemeinde besitzt Verantwortung für offene, beharrliche Sünde und für ihr geordnetes Leben, doch das Abendmahl darf nicht zu einem Instrument werden, mit dem Menschen aufgrund persönlicher Vorlieben oder gesellschaftlicher Unterschiede voneinander getrennt werden.

Auch eine konfessionelle Bezeichnung ist im Neuen Testament nicht die Grundlage der Teilnahme. Das eine Brot verweist auf den einen Leib Christi. Deshalb sollte der Tisch des Herrn nicht zum Zeichen menschlicher Überlegenheit werden, als gehörte Christus einer bestimmten Gruppe. Entscheidend ist vielmehr, ob ein Mensch Christus im Glauben bekennt, die Bedeutung des Mahles achtet und bereit ist, sich unter sein Wort zu stellen.

Das bedeutet nicht, dass jede denkbare Teilnahme automatisch sinnvoll wäre. Wer das Evangelium bewusst ablehnt oder Brot und Kelch lediglich als bedeutungslose Speise betrachtet, kann gerade das Bekenntnis nicht teilen, das mit der Handlung verbunden ist. Ebenso braucht ein Mensch genügend Verständnis, um wahrzunehmen, woran er teilnimmt. Die Schrift legt jedoch keinen detaillierten menschlichen Katalog fest, der über diese geistliche Bedeutung hinaus neue Schranken errichten würde.

So bleibt der Tisch des Herrn zugleich ernst und einladend. Er gehört nicht den Selbstgerechten, sondern denen, die ihre Hoffnung auf Christus setzen. Selbstprüfung schützt vor Gleichgültigkeit, doch sie soll den bußfertigen Menschen nicht von Jesus fernhalten. Wer im Glauben auf sein Opfer schaut, seine Gnade braucht und sich zu seinem Leib bekennt, darf gerade im Abendmahl neu bezeugen, dass die Grundlage seines Heils nicht in eigener Würdigkeit, sondern allein in Christus liegt.

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Zusammenfassung und Gebet

Das Abendmahl führt die Gemeinde immer wieder zum Zentrum des Evangeliums zurück. Brot und Kelch weisen nicht auf menschliche Leistung, religiöse Würdigkeit oder ein immer neu zu vollbringendes Opfer, sondern auf Jesus Christus. Sein Leib wurde hingegeben, sein Blut vergossen, und durch dieses einmalige Opfer ist der neue Bund begründet. Deshalb beginnt jede rechte Feier mit dem, was Christus getan hat, nicht mit dem, was der Mensch Gott darbringen könnte.

Der heilsgeschichtliche Hintergrund des Passahs vertieft diese Bedeutung. Was die Befreiung Israels und das Blut des Passahlammes vorauszeichneten, findet in Christus seine entscheidende Erfüllung. Er ist das Opfer, auf das die früheren Zeichen hinwiesen. Das Abendmahl steht auf der anderen Seite dieses vollbrachten Werkes: Es erwartet das Opfer nicht mehr, sondern erinnert daran, verkündigt es und lässt die Gemeinde im Glauben aus seiner bleibenden Wirksamkeit leben.

Darum ist das Mahl zugleich Gedächtnis und geistliche Gemeinschaft. Wenn Jesus sagt: „Das tut zu meinem Gedächtnis“, ruft er seine Nachfolger dazu auf, sein Erlösungswerk bewusst vor Augen zu halten. Paulus spricht zugleich von Gemeinschaft mit dem Leib und Blut Christi. Diese Gemeinschaft macht das Kreuz nicht erneut gegenwärtig, als müsste Christus wieder geopfert werden. Vielmehr nimmt der Glaubende im Vertrauen das ernst, worauf die von Christus gegebenen Zeichen verweisen, und bekennt seine vollständige Abhängigkeit von diesem Opfer.

Gerade deshalb besitzt die Selbstprüfung ihren wichtigen Platz. Das Abendmahl ist kein Mahl für Menschen, die sich selbst für vollkommen halten. Paulus fordert zur Prüfung auf und sagt anschließend: „So esse er.“ Die Prüfung soll also nicht den bußfertigen Sünder von Christus fernhalten, sondern Gleichgültigkeit, Selbsttäuschung und bewusst festgehaltene Sünde ans Licht bringen. Wer seine Schuld erkennt, wird nicht auf die eigene Unwürdigkeit zurückgeworfen, sondern auf den Erlöser, dessen Blut gerade zur Vergebung vergossen wurde.

Die Fußwaschung macht sichtbar, welche Haltung aus dieser Gnade erwächst. Der Herr selbst beugt sich vor seinen Jüngern nieder und übernimmt den Dienst eines Knechtes. Damit verbindet Jesus Reinigung mit Demut und empfangene Gnade mit gegenseitigem Dienst. Wer am Tisch Christi lebt, kann sich nicht zugleich über die anderen erheben. Alle brauchen denselben Herrn, dieselbe Reinigung und dieselbe Gnade.

Auch deshalb ist das Abendmahl wesentlich eine Feier der Gemeinschaft. Das eine Brot erinnert daran, dass viele Glaubende zu einem Leib gehören. Die Missstände in Korinth zeigen, wie ernst dieser Zusammenhang ist: Eine Gemeinde kann Brot und Kelch äußerlich verwenden und dennoch den Sinn des Mahles verleugnen, wenn sie Menschen beschämt, Unterschiede zur Erniedrigung benutzt oder selbstbezogen handelt. Der Tisch Christi stellt alle Teilnehmenden unter dieselbe Gnade.

Damit wird auch verständlich, weshalb das Abendmahl nicht lediglich eine private geistliche Übung ist. Es gehört zum gemeinsamen Leben der Gemeinde. Das Neue Testament schreibt keinen für alle Zeiten verbindlichen Rhythmus seiner Feier vor, macht aber deutlich, dass die Glaubenden immer wieder zusammenkommen und dabei den Tod ihres Herrn verkündigen sollen. Entscheidend ist nicht die bloße Häufigkeit, sondern eine Feier, die von Verständnis, Glauben, Ehrfurcht und gemeinschaftlicher Verantwortung geprägt wird.

Der Zugang zum Mahl gründet sich ebenfalls nicht auf menschliche Verdienste. Wer daran teilnimmt, bekennt durch die Handlung Christus, sein Opfer und die Zugehörigkeit zu seinem Leib. Das setzt Glauben und ein bewusstes Verständnis dessen voraus, was gefeiert wird. Doch das Abendmahl darf nicht zu einer Auszeichnung für besonders Heilige werden. Gerade derjenige, der seine Bedürftigkeit erkennt und auf Christus vertraut, versteht, weshalb Brot und Kelch überhaupt gegeben wurden.

Über allem steht schließlich eine Hoffnung, die weit über die gegenwärtige Feier hinausführt. Paulus sagt, dass die Gemeinde den Tod des Herrn verkündigt, „bis dass er kommt“. Jesus selbst richtet den Blick auf den Tag, an dem er mit seinen Jüngern neu im Reich Gottes trinken wird. Das Mahl verbindet deshalb Kreuz und Wiederkunft, vollbrachte Erlösung und kommende Vollendung. Der Christus, an dessen Tod sich die Gemeinde erinnert, ist der auferstandene Herr, auf dessen sichtbare Wiederkehr sie wartet.

So umfasst das Abendmahl in wenigen Zeichen eine erstaunliche Fülle des Evangeliums. Es führt zurück zum Kreuz, hinein in die gegenwärtige Gnade und voraus zur Wiederkunft. Es ruft zur Umkehr, ohne auf eigene Würdigkeit zu vertrauen; es verbindet mit Christus und miteinander; es erniedrigt menschlichen Stolz und stärkt die Hoffnung. Bis der Herr wiederkommt, bleibt Brot und Kelch ein sichtbares Bekenntnis seiner Gemeinde: Unsere Erlösung ist vollbracht, unsere Gemeinschaft gründet sich in Christus, und unsere Hoffnung richtet sich auf den Tag, an dem wir bei ihm sein werden.

Herr Jesus Christus, wir danken dir für deinen Leib, den du hingegeben, und für dein Blut, das du für unsere Erlösung vergossen hast. Bewahre uns davor, dein Mahl gedankenlos oder selbstgerecht zu empfangen. Erforsche unsere Herzen, führe uns zur Umkehr und lass uns deine Vergebung im Glauben ergreifen. Lehre uns die Demut, mit der du deinen Jüngern gedient hast, und schenke deiner Gemeinde echte Einheit in deiner Gnade. Halte unsere Hoffnung lebendig, während wir deinen Tod verkündigen und auf den Tag warten, an dem du wiederkommst und dein Reich vollendest. Amen.

„Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn, bis daß er kommt.“ 1. Korinther 11,26

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