Israel

Israel in der Bibel: Bedeutung und Symbolik

Israel bezeichnet in der Bibel je nach Zusammenhang Jakob, seine leiblichen Nachkommen, das Bundesvolk, einzelne Teile dieses Volkes oder das von Gott verheißene Land. Zugleich führt die Schrift die Bundesverheißungen in Christus zu ihrem Ziel: Wer ihm im Glauben angehört, gehört zu Abrahams Nachkommenschaft und zu Gottes Volk, ohne dass dadurch die geschichtliche Bedeutung Israels geleugnet oder jede Aussage über Israel unterschiedslos auf die Gemeinde übertragen wird.

Einführung

Kaum ein biblischer Name umfasst so viele geschichtliche, geistliche und prophetische Zusammenhänge. Gerade deshalb entstehen leicht Missverständnisse, wenn jede Erwähnung Israels in derselben Weise ausgelegt wird. Manchmal steht der Name für einen einzelnen Mann, an anderer Stelle für zwölf Stämme, ein geteiltes Königreich, ein Land oder eine Bundesgemeinschaft. Der unmittelbare Zusammenhang muss jeweils entscheiden.

Ebenso unzureichend wäre es, das Alte und das Neue Testament gegeneinanderzustellen. Gottes Berufung Israels beginnt mit seinen Verheißungen an Abraham, entfaltet sich im Auszug und im Bund am Sinai und führt durch Königtum, Exil und Wiederherstellung weiter. Das Neue Testament verwirft diese Geschichte nicht, sondern zeigt, auf welches Ziel sie von Anfang an ausgerichtet war.

Dabei muss zwischen leiblicher Abstammung, äußerer Bundeszugehörigkeit und lebendigem Glauben unterschieden werden. Diese Ebenen können miteinander verbunden sein, sind aber nicht gleichbedeutend. Weder natürliche Herkunft noch die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft ersetzen die persönliche Antwort auf Gottes Ruf. Umgekehrt rechtfertigt der Glaube der Nationen keine Geringschätzung des jüdischen Volkes oder seiner biblischen Geschichte.

Eine sorgfältige Betrachtung folgt daher dem Namen von Jakob und seinen Söhnen über Israels Berufung und Versagen bis zu Christus, den Verheißungen an Abraham und den Bildern der Offenbarung. Erst dann wird sichtbar, wie Gottes Treue durch die Geschichte hindurch bestehen bleibt und nach welchen Maßstäben die Schrift sein Volk bestimmt.

Vom Jakob zum Israel

1. Mose 28,13-15 – „13 Und siehe, der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. 14 Und dein Same soll werden wie der Staub auf Erden, und gegen Abend und Morgen und Mitternacht und Mittag sollst du dich ausbreiten, und durch dich und deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet …"
1. Mose 28,13-15 – „13 Und siehe, der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. 14 Und dein Same soll werden wie der Staub auf Erden, und gegen Abend und Morgen und Mitternacht und Mittag sollst du dich ausbreiten, und durch dich und deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet …"
1. Mose 32,25-31 – „25 Und da dieser sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Hüftgelenk, so daß Jakobs Hüftgelenk verrenkt ward über dem Ringen mit ihm. 26 Und der Mann sprach: Laß mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! 27 Da fragte er ihn: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob! 28 Da sprach er: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sonde…"
1. Mose 35,9-12 – „9 Und Gott erschien Jakob zum zweitenmal, seitdem er aus Mesopotamien gekommen war, und segnete ihn. 10 Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob, aber du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein! Und so nannte er sich Israel. 11 Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott, sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Völkergemeinde soll von dir kommen, und…"
Hosea 12,4-6 – „4 er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und flehte zu ihm; zu Bethel hat er ihn gefunden, und daselbst redete er mit uns, 5 nämlich der HERR, der Gott der Heerscharen, dessen Name HERR ist. 6 So kehre denn zu deinem Gott zurück, halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!"

Der Name Israel begegnet in der Bibel zuerst nicht als Bezeichnung eines Landes oder Volkes, sondern als neuer Name für Jakob. Seine Bedeutung erschließt sich aus einer entscheidenden Nacht, in der der Stammvater allein zurückblieb und mit einem geheimnisvollen Mann rang. Dort wurde sichtbar, dass Gottes Volk seinen Ursprung nicht in menschlicher Stärke, sondern in einer Begegnung mit Gott besitzt, die den Menschen demütigt und verändert.

Jakob hatte einen großen Teil seines Lebens versucht, die verheißene Segnung mit eigenen Mitteln zu sichern. Schon bei seiner Geburt hielt er die Ferse seines Bruders fest. Später erwarb er das Erstgeburtsrecht und erschlich sich durch Täuschung den väterlichen Segen. Gott hatte ihm eine Zukunft verheißen, doch Jakob griff wiederholt zu menschlicher Berechnung, um zu erlangen, was nur Gott erfüllen konnte.

Auf der Flucht vor Esau begegnete ihm der HERR in Bethel. Dort bestätigte Gott die Verheißungen, die bereits Abraham und Isaak empfangen hatten: Land, zahlreiche Nachkommen und Segen für alle Geschlechter der Erde. Jakob erhielt diese Zusage nicht als Belohnung für ein vorbildliches Leben. Sie beruhte auf Gottes Gnade und Treue zu seinem eigenen Heilsplan.

Viele Jahre später kehrte Jakob mit seiner Familie und seinem Besitz in das verheißene Land zurück. Vor der Begegnung mit Esau wurde ihm seine Vergangenheit erneut bewusst. Die Furcht vor Vergeltung ließ ihn erkennen, dass Reichtum, Planung und menschliche Vorsicht keine letzte Sicherheit boten. Nachdem er alles über den Fluss gebracht hatte, blieb er allein zurück.

In dieser Nacht rang ein Mann mit ihm bis zum Anbruch des Tages. Hosea blickt später auf dieses Geschehen zurück und verbindet den Ringkampf ausdrücklich mit Gott und seinem Engel. Die Gestalt war daher kein gewöhnlicher menschlicher Gegner. Jakob begegnete einem göttlichen Boten, in dem der HERR selbst ihm entgegentrat.

Zunächst scheint Jakob mit großer Kraft zu kämpfen. Doch eine einzige Berührung an seiner Hüfte genügte, um seine körperliche Stärke zu brechen. Von diesem Augenblick an konnte er nicht mehr darauf hoffen, den Kampf aus eigener Kraft zu gewinnen. Sein Ringen verwandelte sich in ein Festhalten. Er klammerte sich an den, der ihn verwundet hatte, und bat um den Segen.

Gerade darin lag sein eigentliches Überwinden. Jakob siegte nicht, indem er Gott bezwang, sondern indem er seine eigene Hilflosigkeit erkannte und sich im Glauben an ihn hielt. Hosea sagt, er habe geweint und um Gnade gefleht. Der Sieg Israels ist deshalb von Anfang an ein Sieg der Abhängigkeit, nicht der Selbstbehauptung.

Bevor Jakob den neuen Namen erhielt, wurde er nach seinem bisherigen Namen gefragt. Er musste sich als Jakob zu erkennen geben, dessen Name eng mit seiner bisherigen Geschichte des Festhaltens und Überlistens verbunden war. Das Bekenntnis seiner Identität ging der Erneuerung voraus. Gott gab ihm keinen neuen Namen, ohne ihn zugleich mit dem Menschen zu konfrontieren, der er gewesen war.

Dann sprach der göttliche Bote: Jakob solle nicht länger nur Jakob heißen, sondern Israel, weil er mit Gott und Menschen gerungen und überwunden habe. Die genaue sprachliche Bedeutung des Namens wird unterschiedlich wiedergegeben; der Bibeltext selbst verbindet ihn vor allem mit dem Ringen vor Gott. Sicher ist daher weniger eine einzelne deutsche Übersetzung als die erzählte Wahrheit: Jakob empfing eine neue Stellung, nachdem seine Selbstsicherheit zerbrochen und sein Vertrauen auf Gottes Gnade gerichtet worden war.

Der neue Name löschte Jakobs Vergangenheit nicht aus. Auch nach dieser Begegnung nennt die Bibel ihn weiterhin sowohl Jakob als auch Israel. Beide Namen erinnern an zwei Seiten seiner Geschichte: an den Menschen mit seiner Schwachheit und an die von Gott verliehene Berufung. Israel bezeichnet somit nicht einen von Natur aus überlegenen Menschen, sondern einen, den Gott trotz seiner Schuld annahm, demütigte und für seine Verheißung bewahrte.

In Bethel bestätigte Gott später den neuen Namen und erneuerte die Zusage, dass aus Jakob eine Nation und eine Gemeinschaft von Nationen hervorgehen sollten. Aus dem persönlichen Namen wurde dadurch schrittweise die Bezeichnung seiner Familie und schließlich eines ganzen Volkes. Die Nachkommen trugen den Namen Israel nicht, weil sie Jakobs Charakterfehler fortsetzen sollten, sondern weil Gottes Verheißung durch diese Familie weitergeführt wurde.

Der Ursprung Israels liegt damit in einer Verbindung von Erwählung, Zerbruch und Gnade. Jakob konnte den Segen weder durch Täuschung sichern noch durch körperliche Kraft erringen. Er empfing ihn, als er sich an Gott festhielt und um Erbarmen bat. Bevor Israel als Volk aus zwölf Stämmen hervortritt, steht daher ein einzelner Mann vor Augen, dessen neuer Name bezeugt, dass Gottes Verheißung nicht auf menschlicher Vollkommenheit, sondern auf seiner verwandelnden Treue ruht.

Weiter: Aus einer Familie wird ein Volk

Aus einer Familie wird ein Volk

1. Mose 35,22-26 – „22 Es begab sich aber, während Israel in dem Lande wohnte, daß Ruben sich mit seines Vaters Kebsweib Bilha verging; und Israel vernahm es. 23 Jakob aber hatte zwölf Söhne. Die Söhne Leas waren diese: Ruben, der erstgeborne Sohn Jakobs, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon; 24 die Söhne Rahels waren Joseph und Benjamin; 25 die Söhne Bilhas, Rahels Magd: Dan und Naphtali; 26 die Söhne Silpas, …"
1. Mose 35,22-26 – „22 Es begab sich aber, während Israel in dem Lande wohnte, daß Ruben sich mit seines Vaters Kebsweib Bilha verging; und Israel vernahm es. 23 Jakob aber hatte zwölf Söhne. Die Söhne Leas waren diese: Ruben, der erstgeborne Sohn Jakobs, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon; 24 die Söhne Rahels waren Joseph und Benjamin; 25 die Söhne Bilhas, Rahels Magd: Dan und Naphtali; 26 die Söhne Silpas, …"
1. Mose 46,1-7 – „1 Und Israel brach auf mit allem, was er hatte; und als er nach Beerseba kam, opferte er daselbst dem Gott seines Vaters Isaak. 2 Und Gott sprach zu Israel im Nachtgesicht: Jakob, Jakob! Er sprach: Hier bin ich! 3 Da sprach er: Ich bin der starke Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zu einem großen Volke machen! 4 Ich will mit d…"
2. Mose 1,1-12 – „1 Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob nach Ägypten gekommen sind, ein jeglicher mit seinem Haus: 2 Ruben, Simeon, Levi und Juda; 3 Issaschar, Sebulon und Benjamin; 4 Dan und Naphtali, Gad und Asser. 5 Die ganze Nachkommenschaft Jakobs aber betrug damals siebzig Seelen, Joseph inbegriffen, der schon in Ägypten war. 6 Als aber Joseph gestorben war und alle seine Brüder und jenes ga…"
2. Mose 12,40-42 – „40 Die Zeit aber, welche die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, beträgt vierhundertunddreißig Jahre. 41 Als nun die vierhundertunddreißig Jahre verflossen waren, an eben diesem Tag ging das ganze Heer des HERRN aus Ägypten. 42 Darum wird diese Nacht dem HERRN gefeiert, weil er sie aus Ägypten geführt hat. Diese Nacht sollen alle Kinder Israel dem HERRN feiern, auch ihre künftigen Geschlechte…"

Mit Jakobs neuem Namen begann Israel als persönliche Berufung, doch Gottes Verheißung sollte nicht bei einem einzelnen Menschen stehen bleiben. Seine zwölf Söhne wurden zu den Stammvätern der zwölf Stämme. So ging der Name des Vaters auf seine Familie über und bezeichnete allmählich eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame Herkunft und durch Gottes Zusagen miteinander verbunden war.

Diese Familie war jedoch keineswegs von Anfang an ein vorbildliches Volk. Die Geschichte der Söhne Jakobs enthält Neid, Täuschung, Gewalttat und den Verkauf Josephs. Schon an ihrem Ursprung wird sichtbar, dass Israel nicht aufgrund sittlicher Überlegenheit erwählt wurde. Gottes Plan ging durch Menschen weiter, deren Schuld offen zutage trat und die selbst Vergebung und Veränderung benötigten.

Gerade Josephs Geschichte zeigt, wie Gott menschliches Unrecht in seinen größeren Weg einordnen konnte, ohne das Böse gutzuheißen. Was die Brüder zu seinem Verderben geplant hatten, gebrauchte Gott zur Bewahrung vieler Menschen. Durch Joseph wurde in Ägypten Nahrung bereitgestellt, als eine schwere Hungersnot das Land Kanaan und die umliegenden Gebiete traf.

Als Jakob nach Ägypten zog, fürchtete er möglicherweise, das Land der Verheißung zu verlassen. Gott bestätigte ihm jedoch, dass dieser Weg nicht außerhalb seines Plans lag. In Ägypten wollte er aus der kleinen Familie ein großes Volk machen und sie später wieder hinaufführen. Der Aufenthalt war daher weder die Aufhebung der Landverheißung noch ein endgültiger Wechsel der Heimat.

Mit siebzig Angehörigen kam Jakobs Haus nach Ägypten. Dort wurden die Nachkommen Israels fruchtbar, vermehrten sich stark und erfüllten das Land. Aus einer Großfamilie entstand innerhalb mehrerer Generationen eine zahlreiche Volksgemeinschaft. Die Verheißung an Abraham, Isaak und Jakob nahm damit eine sichtbare geschichtliche Gestalt an.

Die wachsende Zahl der Israeliten weckte jedoch die Furcht eines neuen Pharaos, der Joseph und seine Verdienste nicht mehr anerkannte. Er betrachtete das Volk nicht als gesegnete Gemeinschaft, sondern als politische Gefahr. Aus Misstrauen entstanden Unterdrückung, Zwangsarbeit und schließlich der Versuch, das Wachstum Israels durch die Tötung der männlichen Kinder zu begrenzen.

Damit wurde Israel noch vor dem Sinai durch eine gemeinsame Erfahrung geprägt: Es war ein versklavtes Volk, das sich nicht aus eigener Kraft befreien konnte. Weder seine Zahl noch seine Arbeitsleistung verschafften ihm Freiheit. Je stärker die Ägypter es bedrückten, desto deutlicher wurde seine völlige Abhängigkeit von Gottes Eingreifen.

Der HERR hörte das Schreien der Unterdrückten und gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Dieses „Gedenken“ bedeutet nicht, dass Gott seine Zusage zeitweise vergessen hätte. Es bezeichnet den Augenblick, in dem er die längst bestehende Verheißung sichtbar in die Geschichte eingreifen ließ.

Durch Mose forderte Gott den Pharao auf, Israel ziehen zu lassen. Der Ausdruck „mein Volk“ fiel, bevor Israel am Sinai ein geordnetes Bundesvolk wurde. Seine Zugehörigkeit gründete zuerst in Gottes Erwählung und Treue. Er nahm sich einer Gemeinschaft an, die keine politische Macht, kein eigenes Land und keine Möglichkeit besaß, ihre Freiheit selbst zu erzwingen.

Die Plagen richteten sich nicht nur gegen einen hartnäckigen Herrscher. Sie entlarvten zugleich die Götter und die religiöse Ordnung Ägyptens. Der Nil, die Natur, das Vieh, das Licht und die königliche Macht standen nicht unter der Herrschaft der ägyptischen Gottheiten, sondern unter dem Befehl des Schöpfers. Israels Befreiung offenbarte, wer in Wahrheit Herr über die Nationen war.

In der Passahnacht wurde deutlich, dass die Israeliten nicht aufgrund ihrer Abstammung automatisch vor dem Gericht geschützt waren. Auch sie mussten dem Wort Gottes glauben und das Blut des Lammes an den Türpfosten anbringen. Ihre Rettung beruhte nicht auf natürlicher Zugehörigkeit, sondern auf dem von Gott bereitgestellten stellvertretenden Opfer und auf einer gehorsamen Antwort des Glaubens.

Dieses Passahlamm wies über den Auszug hinaus auf Christus. Er ist das wahre Lamm, durch dessen Blut Menschen aus der Herrschaft der Sünde und aus dem kommenden Gericht gerettet werden. Israels geschichtliche Befreiung wurde so zu einem grundlegenden Bild des Erlösungsplans: Gott ruft ein gebundenes Volk heraus, schützt es durch das Opfer und führt es in eine neue Zugehörigkeit.

Als Israel Ägypten verließ, trug es denselben Namen wie sein Stammvater, doch nun bezeichnete dieser Name ein erlöstes Volk aus zwölf Stämmen. Seine Einheit beruhte nicht allein auf gemeinsamer Abstammung. Der HERR hatte es gesammelt, bewahrt und aus der Knechtschaft geführt. Erst auf dieser Grundlage begegnete er Israel am Sinai und offenbarte, zu welchem Auftrag dieses befreite Volk berufen war.

Zurück: Vom Jakob zum Israel Weiter: Ein Königreich von Priestern

Ein Königreich von Priestern

2. Mose 19,3-8 – „3 Und Mose stieg hinauf zu Gott; denn der HERR rief ihm vom Berge und sprach: Also sollst du zum Hause Jakobs sagen und den Kindern Israel verkündigen: 4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan, und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen und meinen Bund bewahren, so sollt ihr vor allen Völkern mein be…"
2. Mose 19,3-8 – „3 Und Mose stieg hinauf zu Gott; denn der HERR rief ihm vom Berge und sprach: Also sollst du zum Hause Jakobs sagen und den Kindern Israel verkündigen: 4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan, und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen und meinen Bund bewahren, so sollt ihr vor allen Völkern mein be…"
5. Mose 4,5-8 – „5 Siehe, ich habe euch Satzungen und Rechte gelehrt, wie mir der HERR, mein Gott, geboten hat, daß ihr also tun sollt im Lande, darein ihr kommen werdet, um es in Besitz zu nehmen. 6 So behaltet sie nun und tut sie; denn das ist eure Weisheit und euer Verstand vor allen Völkern. Wenn sie alle diese Gebote hören, werden sie sagen: Wie ist doch dieses große Volk ein so weises und verständiges Volk!…"
5. Mose 7,6-9 – „6 Denn du bist ein dem HERRN, deinem Gott, heiliges Volk; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern, die auf Erden sind, zum Volk des Eigentums erwählt. 7 Nicht darum, weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der HERR Lust zu euch gehabt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; 8 sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er eur…"
Jesaja 43,10-12 – „10 Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennet und mir glaubet und einsehet, daß ich es bin; vor mir ist kein Gott gemacht worden und nach mir wird keiner vorhanden sein. 11 Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Erretter. 12 Ich habe verkündigt, geholfen und von mir hören lassen und bin nicht fremd unter euch; und ihr seid meine Zeuge…"

Am Sinai erhielt das aus Ägypten befreite Israel seinen besonderen Auftrag. Gott hatte das Volk nicht nur aus der Knechtschaft herausgeführt, damit es unabhängig leben konnte. Es sollte ihm gehören, seinen Charakter widerspiegeln und unter den Nationen bezeugen, wer der wahre Gott ist. Die Erwählung Israels war deshalb zugleich Gabe, Verantwortung und Dienst.

Bevor Gott eine Forderung aussprach, erinnerte er an seine rettende Tat: Israel hatte gesehen, was er an Ägypten getan und wie er das Volk gleichsam auf Adlerflügeln zu sich gebracht hatte. Der Bund begann nicht mit dem Gesetz, sondern mit Erlösung. Erst nachdem Gott befreit hatte, rief er zum Hören und Bewahren seines Wortes.

Israel sollte Gottes besonderes Eigentum unter allen Völkern sein. Diese Bezeichnung bedeutete nicht, dass die übrigen Nationen ihm gleichgültig gewesen wären. Die ganze Erde gehörte ihm. Gerade deshalb erwählte er ein Volk, durch das seine Wahrheit sichtbar und sein Segen zu anderen Menschen getragen werden sollte.

Der Ausdruck „Königreich von Priestern“ verbindet Herrschaft und Dienst. Israel sollte unter Gottes Königsherrschaft leben und zugleich eine priesterliche Aufgabe gegenüber der Welt erfüllen. Wie ein Priester Menschen in die Erkenntnis Gottes führt, sollte das Volk durch seinen Gottesdienst, seine Ordnung und sein Leben den Nationen den Weg zum Schöpfer zeigen.

Ein „heiliges Volk“ zu sein bedeutete nicht, von Natur aus sündlos oder anderen Menschen überlegen zu sein. Heiligkeit bezeichnet zunächst die Absonderung für Gott. Israel war aus der Herrschaft Ägyptens herausgerufen und für einen besonderen Zweck bestimmt worden. Diese Stellung sollte sich in einer Lebensweise zeigen, die sich von Götzendienst, Ungerechtigkeit und moralischer Verderbnis unterschied.

Das am Sinai gegebene Gesetz gehörte zu diesem Auftrag. Die Zehn Gebote offenbarten grundlegende Maßstäbe für die Beziehung zu Gott und zum Nächsten. Sie schützten die ausschließliche Anbetung des Schöpfers, seinen Namen, den von ihm geheiligten Sabbat, Familie, Leben, Ehe, Eigentum, Wahrheit und die Reinheit des Herzens.

Der Gehorsam gegenüber diesen Geboten sollte Israel nicht erst zu einem erlösten Volk machen. Gott hatte es bereits aus Ägypten geführt. Das Gesetz zeigte vielmehr, wie ein befreites Volk in Gemeinschaft mit seinem Erlöser leben sollte. Wo Israel gehorchte, wurde sichtbar, dass Freiheit nicht Gesetzlosigkeit bedeutet, sondern ein Leben unter der guten Herrschaft Gottes.

Neben dem Sittengesetz erhielt Israel Ordnungen für Gottesdienst, Opfer, Priestertum, Gesundheit, Rechtsprechung und gesellschaftliches Zusammenleben. Nicht alle diese Bestimmungen besaßen dieselbe Funktion oder Dauer. Manche regelten das Leben des damaligen Volkes, andere wiesen im Heiligtumsdienst prophetisch auf Christus und sein Erlösungswerk hin.

Das Heiligtum stand im Zentrum des Lagers, weil Gott unter seinem Volk wohnen wollte. Opfer und Priesterdienst machten zugleich deutlich, dass die Nähe des heiligen Gottes für sündige Menschen nicht selbstverständlich war. Israel brauchte Vergebung, Reinigung und Vermittlung. Seine Erwählung hob die Sünde nicht auf, sondern führte das Volk an den von Gott eröffneten Weg der Versöhnung.

Gerade der Opferdienst zeigte, dass die Berufung Israels niemals auf eigener Gerechtigkeit beruhte. Das Volk, das den Nationen Gottes Wahrheit bezeugen sollte, lebte selbst täglich von seiner Gnade. Die Opfertiere konnten die Sünde nicht endgültig beseitigen, wiesen aber auf den kommenden Messias hin, der als wahres Opfer und vollkommener Mittler erfüllen würde, was die irdischen Schatten nur darstellten.

Mose erklärte später, dass Israels gerechte Ordnungen bei den Nationen Staunen hervorrufen sollten. Andere Völker sollten erkennen, dass kein Gott seinen Anbetern so nahe war und keine menschliche Gesetzgebung dieselbe Gerechtigkeit besaß. Israels Zeugnis sollte daher nicht nur aus Worten bestehen. Die Weisheit des Gesetzes sollte im gemeinschaftlichen Leben sichtbar werden.

Dazu gehörte besonders der gerechte Umgang mit Schwachen, Fremden, Armen, Witwen und Waisen. Ein Volk, das selbst Fremdlingschaft und Unterdrückung erfahren hatte, sollte diese Erinnerung nicht für nationale Überheblichkeit, sondern für Barmherzigkeit nutzen. Gottes Erwählung durfte niemals zum Vorwand werden, andere Menschen geringer zu achten.

Auch das Land war Teil dieses Auftrags. Israel sollte dort unter Gottes Herrschaft leben und eine Ordnung sichtbar machen, die sich von den heidnischen Reichen unterschied. Das Land war jedoch kein bedingungsloser Besitz, der unabhängig vom Bund garantiert blieb. Anhaltender Götzendienst, Gewalt und Ungerechtigkeit würden dieselben Folgen nach sich ziehen, die zuvor über die kanaanitischen Völker gekommen waren.

Die Berufung brachte deshalb eine erhöhte Verantwortung mit sich. Größeres Licht bedeutete nicht geringere, sondern strengere Rechenschaft. Israel konnte sich im Gericht nicht allein auf Abraham, den Auszug, den Tempel oder die Bundeszeichen berufen. Die empfangenen Vorrechte sollten in Vertrauen und Treue beantwortet werden.

Gott erwählte Israel zudem nicht wegen seiner Größe. Mose erinnerte das Volk daran, dass es geringer war als viele andere Nationen. Seine Stellung gründete in Gottes Liebe und in dessen Treue zu den Verheißungen an die Väter. Jede Form nationaler Selbstverherrlichung widersprach daher dem Ursprung der Erwählung.

Jesaja fasste Israels Auftrag später in den Worten zusammen: „Ihr seid meine Zeugen.“ Das Volk sollte verkünden, dass der HERR allein Gott und Retter ist. Seine Geschichte, sein Gottesdienst und sein Leben sollten gemeinsam bezeugen, dass Götzen nicht retten und menschliche Macht nicht das letzte Wort besitzt.

Damit war Israel nicht als abgeschlossene Gemeinschaft erwählt, die den Segen für sich behalten sollte. Es sollte zum Werkzeug werden, durch das Gottes Erkenntnis die Nationen erreicht. Ob das Volk diesen Auftrag erfüllte, hing jedoch nicht allein von seiner äußeren Bundesstellung ab. Seine weitere Geschichte zeigte, wie schnell empfangene Vorrechte von einem Herzen getrennt werden können, das dem Gott des Bundes nicht wirklich vertraut.

Zurück: Aus einer Familie wird ein Volk Weiter: Erwählung ohne automatische Treue

Erwählung ohne automatische Treue

1. Könige 12,16-20 – „16 Als nun ganz Israel sah, daß der König ihnen kein Gehör schenkte, antwortete das Volk dem König und sprach: Was haben wir für Anteil an David? Wir haben nichts zu erben von dem Sohne Isais! Israel, [auf] zu deinen Hütten! Und du, David, sieh zu deinem Haus! 17 Also ging Israel in seine Hütten, und Rehabeam regierte nur über die Kinder Israel, die in den Städten Judas wohnten. 18 Als aber der K…"
1. Könige 12,16-20 – „16 Als nun ganz Israel sah, daß der König ihnen kein Gehör schenkte, antwortete das Volk dem König und sprach: Was haben wir für Anteil an David? Wir haben nichts zu erben von dem Sohne Isais! Israel, [auf] zu deinen Hütten! Und du, David, sieh zu deinem Haus! 17 Also ging Israel in seine Hütten, und Rehabeam regierte nur über die Kinder Israel, die in den Städten Judas wohnten. 18 Als aber der K…"
2. Könige 17,7-18 – „7 Solches geschah darum, weil die Kinder Israel gesündigt hatten wider den HERRN, ihren Gott, der sie aus Ägyptenland, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, geführt hatte, und weil sie andere Götter fürchteten 8 und nach den Satzungen der Heiden wandelten, welche der HERR vor den Kindern Israel vertrieben hatte, und nach [den Satzungen] der Könige von Israel, welche diese gemacht hatte…"
Amos 3,1-2 – „1 Hört dieses Wort, welches der HERR wider euch gesprochen hat, ihr Kinder Israel, wider alle Geschlechter, die ich aus Ägyptenland heraufgeführt habe! 2 Es lautet also: Nur euch habe ich ersehen von allen Geschlechtern der Erde, darum will ich auch an euch heimsuchen alle eure Missetaten."
Jeremia 31,31-34 – „31 Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen werde; 32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tage, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Lande Ägypten auszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, und ich hatte sie mir doch angetraut, spricht der HERR. 33 Sondern das ist der Bund, den …"

Israels Erwählung bedeutete niemals, dass das Volk unabhängig von seinem Verhältnis zu Gott bestehen würde. Der Bund enthielt wirkliche Verheißungen, aber ebenso einen wirklichen Ruf zum Glauben und Gehorsam. Herkunft, Land, Tempel und Gottesdienst konnten die Gemeinschaft mit Gott nicht ersetzen, wenn das Herz sich von ihm abwandte.

Schon während der Wüstenwanderung wurde diese Spannung sichtbar. Das Volk, das Gottes Macht in Ägypten erlebt hatte, zweifelte wiederholt an seiner Führung, murrte gegen Mose und wandte sich dem Götzendienst zu. Der Auszug hatte Israel äußerlich aus der Knechtschaft befreit, doch das Denken Ägyptens war damit nicht vollständig aus den Herzen verschwunden.

Auch nach der Ansiedlung im verheißenen Land wechselten Treue und Abfall einander ab. Israel übernahm religiöse Praktiken seiner Umgebung, diente fremden Göttern und vergaß den HERRN, sobald Ruhe und Wohlstand eingetreten waren. In Zeiten der Bedrängnis rief das Volk zu Gott zurück, doch nach der Befreiung kehrte es häufig zu denselben Wegen zurück.

Die Einführung des Königtums beseitigte dieses Grundproblem nicht. David empfing die Verheißung eines bleibenden Hauses, doch auch die Könige Israels blieben dem Gesetz Gottes unterstellt. Ein gesalbter Herrscher durfte weder seine Stellung vergötzen noch das Volk von Gott wegführen. Je größer seine Macht war, desto weiter konnten die Folgen seiner Treue oder Untreue reichen.

Nach Salomos Tod zerbrach das geeinte Königreich. Die zehn nördlichen Stämme lösten sich vom Haus David und wurden fortan häufig als „Israel“ bezeichnet, während das südliche Reich den Namen „Juda“ trug. Von diesem Zeitpunkt an kann „Israel“ im Bibeltext daher je nach Zusammenhang entweder das gesamte Volk oder besonders das Nordreich meinen.

Jerobeam, der erste König des Nordreiches, fürchtete, sein Volk könne durch die Anbetung in Jerusalem wieder zum Haus David zurückkehren. Deshalb errichtete er Heiligtümer in Bethel und Dan, stellte goldene Kälber auf und führte einen eigenmächtig veränderten Gottesdienst ein. Politische Sicherung wurde wichtiger als die Treue zu Gottes Anordnung.

Diese Entwicklung prägte das Nordreich dauerhaft. Verschiedene Königshäuser lösten einander ab, doch der von Jerobeam eingeschlagene religiöse Weg blieb weitgehend bestehen. Unter Ahab und Isebel trat zusätzlich der Baalskult mit staatlicher Förderung hervor. Was als politische Vorsorge begonnen hatte, führte immer tiefer in religiöse Vermischung und offene Auflehnung.

Gott überließ Israel diesem Abfall nicht ohne Warnung. Propheten wie Elia, Elisa, Hosea und Amos riefen zur Umkehr. Sie erinnerten an den Bund, deckten Götzendienst und soziale Ungerechtigkeit auf und machten deutlich, dass Gottesdienst ohne Recht und Barmherzigkeit vor dem HERRN keinen Bestand hatte.

Amos verband Israels besondere Erwählung ausdrücklich mit größerer Verantwortung. Weil Gott das Volk auf einzigartige Weise erkannt und geführt hatte, wollte er gerade seine Schuld heimsuchen. Erwählung schützte nicht vor Gericht; sie machte das bewusste Verwerfen des empfangenen Lichtes umso ernster.

Im Jahr 722 v. Chr. fiel Samaria an die Assyrer. Das Nordreich verlor seine politische Selbstständigkeit, große Teile seiner Bevölkerung wurden fortgeführt und fremde Bevölkerungsgruppen im Land angesiedelt. Der biblische Bericht erklärt diesen Untergang nicht nur durch militärische Schwäche, sondern als Folge eines lange fortgesetzten Bundesbruchs.

Auch Juda blieb trotz Tempel, Priestertum und davidischem Königtum nicht automatisch treu. Zeiten geistlicher Erneuerung wechselten mit Götzendienst, Gewalttat und falscher Sicherheit. Viele glaubten, Jerusalem könne wegen des Tempels nicht fallen, obwohl sie Gottes Gebote missachteten. Die heilige Stadt wurde so zum Gegenstand eines Vertrauens, das eigentlich Gott selbst gelten sollte.

Jeremia widersprach dieser Täuschung. Der Tempel konnte keine Zuflucht für Menschen sein, die unter seinem äußeren Schutz weiter Unrecht begingen. Als Juda die prophetischen Warnungen beharrlich zurückwies, wurde Jerusalem erobert, der Tempel zerstört und ein großer Teil des Volkes nach Babylon geführt.

Das Exil bedeutete jedoch nicht, dass Gottes Verheißungen gescheitert waren. Schon die angekündigten Gerichte gehörten zum Bund, und selbst in der Zerstreuung bewahrte Gott einen Überrest. Er verhieß Rückkehr, Wiederherstellung und einen neuen Bund, in dem sein Gesetz nicht nur auf steinernen Tafeln stehen, sondern in Herz und Sinn geschrieben werden sollte.

Israels Geschichte zeigte damit, dass äußerliche Zugehörigkeit und lebendiger Glaube auseinanderfallen können. Nicht jeder Nachkomme Jakobs teilte Jakobs Festhalten an Gott, und nicht jeder Bewohner des Bundeslandes lebte im Bund. Gerade aus diesem Versagen erwuchs die Hoffnung auf den kommenden Sohn Davids, in dem Israels Berufung ohne Abfall, Vermischung oder Ungehorsam erfüllt werden würde.

Zurück: Ein Königreich von Priestern Weiter: Christus, der treue Sohn Israels

Christus, der treue Sohn Israels

Jesaja 49,3-6 – „3 und zu mir gesagt: Israel, du bist mein Knecht, durch den ich mich verherrliche. 4 Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Und doch steht mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knechte gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen, daß Israel zu ihm…"
Jesaja 49,3-6 – „3 und zu mir gesagt: Israel, du bist mein Knecht, durch den ich mich verherrliche. 4 Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Und doch steht mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knechte gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen, daß Israel zu ihm…"
Hosea 11,1 – „1 Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn berufen."
Matthäus 2,14-15 – „14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode des Herodes, auf daß erfüllt würde, was vom Herrn durch den Propheten gesagt ist, der da spricht: «Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.»"
Matthäus 4,1-11 – „1 Darauf ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er vom Teufel versucht würde. 2 Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn hernach. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden! 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden W…"

Die Geschichte Israels führte nicht nur zu der Hoffnung auf einen besseren König. Sie verlangte nach einem vollkommen treuen Sohn, der den Auftrag des Volkes erfüllen würde, ohne in dessen Abfall zu geraten. Diese Hoffnung findet ihre Erfüllung in Jesus Christus. In ihm laufen die Verheißungen an Abraham, die Berufung Israels und die Zusagen an David zusammen.

Der Prophet Hosea blickte auf den Auszug zurück und schrieb: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ In seinem ursprünglichen Zusammenhang bezeichnet der Sohn das Volk Israel, das Gott aus der Knechtschaft befreit hatte. Matthäus greift diese Worte auf, nachdem Jesus als Kind aus Ägypten zurückkehrt. Er behauptet damit nicht, Hosea habe ausschließlich eine zukünftige Einzelperson gemeint. Vielmehr zeigt er, dass Christus die Geschichte Israels in seiner eigenen Person aufnimmt und zu ihrem eigentlichen Ziel führt.

Wie Israel wird Jesus aus Ägypten gerufen. Danach geht er durch das Wasser der Taufe und wird vom Geist in die Wüste geführt. Die Abfolge erinnert an den Auszug durch das Meer und an Israels anschließende Wüstenwanderung. Doch wo das Volk wiederholt zweifelte und ungehorsam wurde, bleibt Christus seinem Vater vollkommen treu.

Bei den Versuchungen antwortet Jesus mit Worten aus dem fünften Buch Mose, die aus Israels Wüstenzeit stammen. Er weigert sich, seine Sohnschaft durch eigenmächtige Wunder, einen spektakulären Beweis oder die Anbetung des Versuchers zu bestätigen. Sein Vertrauen ruht auf Gottes Wort. Er nimmt keinen kürzeren Weg zur Herrschaft und empfängt kein Reich aus der Hand Satans.

Dadurch erscheint Christus nicht als Gegner Israels, sondern als dessen treuer Vertreter. Er erfüllt, woran das Volk gescheitert war. Seine Treue hebt Israels Geschichte nicht auf, sondern offenbart ihren tiefsten Sinn. Berufung, Gesetz, Heiligtum, Königtum und prophetische Hoffnung waren auf den Messias ausgerichtet, in dem Gottes Erlösungsplan vollkommen sichtbar wird.

Auch Jesaja verwendet den Namen Israel für den Knecht des HERRN. In einem Abschnitt wird dieser Knecht „Israel“ genannt und zugleich beauftragt, Jakob zu Gott zurückzuführen. Damit kann nicht einfach das untreue Volk als Ganzes gemeint sein. Der Knecht verkörpert Israels eigentliche Berufung und dient zugleich der Wiederherstellung Israels.

Sein Auftrag reicht über die zwölf Stämme hinaus. Es wäre nach Jesaja zu wenig, wenn er nur Jakob wieder aufrichten würde. Gott macht ihn zum Licht der Nationen, damit sein Heil bis an die Enden der Erde gelangt. Was Israel als priesterliches Volk bezeugen sollte, erfüllt sich vollkommen in Christus und breitet sich durch ihn zu allen Völkern aus.

Jesus selbst erklärte, dass er zunächst zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt war. Sein Dienst begann innerhalb des Bundesvolkes, bestätigte Gottes Verheißungen und rief Israel zur Umkehr. Die Auswahl von zwölf Aposteln erinnerte bewusst an die zwölf Stämme und kündigte die Sammlung und Erneuerung des Gottesvolkes an.

Gleichzeitig überschritt Jesu Wirken die Grenzen natürlicher Abstammung. Er heilte Menschen aus den Nationen, lobte ihren Glauben und kündigte an, dass viele von Osten und Westen mit Abraham, Isaak und Jakob im Reich Gottes zu Tisch sitzen würden. Die Völker werden nicht an Christus vorbei in den Bund aufgenommen, sondern durch ihn in den Segen Abrahams hineingeführt.

Der entscheidende Wendepunkt liegt am Kreuz. Der wahre König Israels trägt dort den Fluch des Bundes und die Schuld seines Volkes. Die Aufschrift über seinem Haupt bezeichnet ihn als König der Juden, während er verworfen und verspottet wird. Gerade in dieser Erniedrigung erfüllt er den Erlösungsauftrag, den kein menschlicher König und kein gehorsamer Überrest vollständig erfüllen konnte.

Seine Auferstehung bestätigt, dass Gottes Verheißungen nicht im Versagen des Volkes enden. In Christus beginnt die verheißene Erneuerung. Er sammelt Menschen nicht aufgrund ihrer natürlichen Würdigkeit, sondern durch Vergebung, neuen Bund und das Wirken des Heiligen Geistes. Der Zugang zu Gottes Volk führt nun sichtbar über die Verbindung mit dem Messias.

Darum darf die Gemeinde Christus nicht von Israel lösen und sich selbst an seine Stelle setzen, als könnte sie die Wurzel ihrer eigenen Hoffnung verachten. Ebenso darf die natürliche Abstammung von Israel nicht von Christus getrennt werden, als wäre die Verheißung unabhängig von ihm zu erlangen. Er ist der verheißene Nachkomme, der treue Sohn und der Mittelpunkt des Bundes.

In Jesus wird sichtbar, was Israel nach Gottes Willen sein sollte: gehorsamer Sohn, Licht für die Nationen und Träger des göttlichen Heils. Wer zu Gottes Volk gehört, kann deshalb nicht allein durch Herkunft, äußere Ordnung oder geschichtliches Vorrecht bestimmt werden. Diese Frage führt zu Paulus’ Unterscheidung zwischen natürlicher Abstammung, dem gläubigen Überrest und der freien Gnade Gottes.

Zurück: Erwählung ohne automatische Treue Weiter: Nicht alle aus Israel sind Israel

Nicht alle aus Israel sind Israel

Römer 2,28-29 – „28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und das ist eine Beschneidung, die am Herzen, im Geiste, nicht dem Buchstaben nach vollzogen wird. Eines solchen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott."
Römer 2,28-29 – „28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und das ist eine Beschneidung, die am Herzen, im Geiste, nicht dem Buchstaben nach vollzogen wird. Eines solchen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott."
Römer 9,6-8 – „6 Nicht aber, als ob das Wort Gottes nun hinfällig wäre! Denn nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel; 7 auch sind nicht alle, weil sie Abrahams Same sind, seine Kinder, sondern «in Isaak soll dir ein Same berufen werden»; 8 das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet."
Galater 3,26-29 – „26 denn ihr alle seid Gottes Kinder durch den Glauben, in Christus Jesus; 27 denn so viele von euch in Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. 28 Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Weib; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus. 29 Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben."
Philipper 3,3 – „3 Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geiste dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen,"

Paulus stellt in Römer 9 eine Unterscheidung auf, die für das biblische Verständnis Israels grundlegend ist: „Nicht alle, die aus Israel stammen, sind Israel.“ Damit leugnet er weder die Geschichte des jüdischen Volkes noch Gottes Verheißungen an die Väter. Er zeigt vielmehr, dass leibliche Abstammung und lebendige Zugehörigkeit zu Gottes Bundesvolk nicht in jedem Fall identisch sind.

Diese Wahrheit war bereits im Alten Testament erkennbar. Nicht jeder Nachkomme Abrahams wurde zum Träger derselben Bundeslinie. Die Verheißung ging über Isaak und nicht über Ismael, später über Jakob und nicht über Esau. Damit wurde nicht behauptet, Gott habe die anderen Nachkommen bedeutungslos gemacht. Es wurde deutlich, dass sein Heilsplan nicht durch natürliche Herkunft allein bestimmt wurde, sondern durch seine Verheißung und Berufung.

Auch innerhalb der Nachkommenschaft Jakobs bestand ein Unterschied zwischen äußerer Zugehörigkeit und innerer Treue. Die Propheten sprachen zu Menschen, die nach ihrer Abstammung Israeliten waren, aber den Bund durch Götzendienst, Ungerechtigkeit und ein verhärtetes Herz verließen. Gleichzeitig bewahrte Gott einen Überrest, der ihm im Glauben verbunden blieb.

Paulus führt diesen Gedanken weiter, wenn er zwischen einer äußerlichen und einer innerlichen Beschneidung unterscheidet. Die körperliche Beschneidung war ein von Gott gegebenes Bundeszeichen und durfte nicht verachtet werden. Doch das Zeichen konnte die Wirklichkeit, auf die es hinwies, nicht ersetzen. Entscheidend war ein Herz, das durch Gottes Geist erneuert und seinem Willen zugewandt wurde.

Damit entwertet Paulus die jüdische Identität nicht. Er widerspricht vielmehr dem Vertrauen, dass ein äußerliches Zeichen den Menschen unabhängig von Glauben und Gehorsam vor Gott gerecht mache. Dasselbe Prinzip gilt auch für christliche Formen. Taufe, Gemeindemitgliedschaft, religiöse Kenntnis oder ein christlicher Familienhintergrund können die persönliche Verbindung mit Christus nicht ersetzen.

Die wahre Bundeszugehörigkeit wird im Neuen Testament durch die Beziehung zum verheißenen Messias bestimmt. Christus ist der Nachkomme Abrahams, in dem der Segen zu den Nationen gelangt. Wer durch den Glauben mit ihm verbunden ist, gehört deshalb zu Abrahams Nachkommenschaft und wird Erbe der Verheißung.

Paulus hebt dabei Unterschiede der Herkunft, gesellschaftlichen Stellung und des Geschlechts nicht aus der geschaffenen Wirklichkeit auf. Jude und Grieche, Sklave und Freier, Mann und Frau bleiben unterscheidbare Menschen mit eigener Geschichte und Verantwortung. Vor Gott erhält jedoch keine dieser Eigenschaften einen höheren Zugang zur Erlösung. Alle werden auf demselben Weg angenommen: durch den Glauben an Jesus Christus.

Menschen aus den Nationen werden daher nicht aufgrund eigener Vorzüge zu Gottes Volk hinzugefügt. Sie treten nicht an die Stelle Christi oder erlangen eine unabhängig entstandene Erwählung. Durch den Messias Israels werden sie in den Segen aufgenommen, der Abraham verheißen war. Ihre neue Stellung ist eine Gabe der Gnade und kein Anlass, sich über die natürlichen Nachkommen Abrahams zu erheben.

Ebenso besitzt ein leiblicher Israelit keinen geringeren Zugang zu Christus. Das Evangelium schafft nicht zwei voneinander getrennte Erlösungswege, einen für Juden und einen für die übrigen Völker. Sowohl Juden als auch Nichtjuden werden durch denselben Herrn gerufen, durch dasselbe Opfer versöhnt und durch denselben Geist erneuert.

Die Aussage, dass Gläubige aus den Nationen zu Abrahams Nachkommen gehören, bedeutet deshalb nicht, dass sie rückwirkend zu ethnischen Juden werden. Die Schrift verwischt die geschichtlichen Unterschiede nicht. Sie schafft jedoch eine tiefere Einheit des Glaubens, in der Menschen verschiedener Herkunft gemeinsam zur Familie Gottes gehören.

Diese Einheit hebt auch die Verheißungen nicht in eine rein unsichtbare oder bedeutungslose Innerlichkeit auf. Gottes Erlösungsplan bleibt geschichtlich verwurzelt: Abraham wurde wirklich berufen, Israel wirklich aus Ägypten geführt, Christus wirklich aus dem jüdischen Volk geboren. Doch das Ziel dieser Geschichte war von Anfang an größer als natürliche Abstammung. In Abraham sollten alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.

Philipper 3 beschreibt die Glaubenden als diejenigen, die Gott durch den Geist dienen, sich Christi Jesu rühmen und nicht auf das Fleisch vertrauen. Paulus konnte selbst auf eine eindrucksvolle israelitische Herkunft verweisen, doch er setzte seine Hoffnung nicht darauf. Gegenüber der Erkenntnis Christi verlor jedes menschliche Vorrecht seinen Anspruch, die Grundlage seiner Gerechtigkeit zu sein.

Somit besteht das Israel, das Gottes Verheißung empfängt, nicht einfach aus jedem Menschen mit israelitischer Abstammung und ebenso wenig aus einer beliebigen christlichen Institution. Es besteht aus Menschen, die durch Glauben mit dem treuen Sohn Israels verbunden sind. Diese Wahrheit darf weder zur Geringschätzung des jüdischen Volkes noch zur Selbstüberhöhung der Gemeinde führen. Wie Gläubige aus den Nationen in Gottes Bundesvolk aufgenommen werden und welches Verhältnis sie dabei zu den natürlichen Zweigen besitzen, erklärt Paulus im Bild des Ölbaums.

Zurück: Christus, der treue Sohn Israels Weiter: Der Ölbaum und die eingepfropften Zweige

Der Ölbaum und die eingepfropften Zweige

Römer 11,1-5 – „1 Ich frage nun: Hat etwa Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamme Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor ersehen hat! Oder wisset ihr nicht, was die Schrift bei [der Geschichte von] Elia spricht, wie er sich an Gott gegen Israel wendet: 3 «Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zers…"
Römer 11,1-5 – „1 Ich frage nun: Hat etwa Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamme Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor ersehen hat! Oder wisset ihr nicht, was die Schrift bei [der Geschichte von] Elia spricht, wie er sich an Gott gegen Israel wendet: 3 «Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zers…"
Römer 11,16-24 – „16 Ist aber der Anbruch heilig, so ist es auch der Teig, und ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige. 17 Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, 18 so rühme dich nicht wider die Zweige! Rühmst du dich aber, so wisse, daß nicht du die Wurzel trägst, sonder…"
Römer 11,25-32 – „25 Denn ich will nicht, meine Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt bleibe, damit ihr euch nicht selbst klug dünket, daß Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, bis daß die Vollzahl der Heiden eingegangen sein wird 26 und also ganz Israel gerettet werde, wie geschrieben steht: «Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden», 27 und: «das ist mein Bund mit …"
Epheser 2,11-19 – „11 Darum gedenket daran, daß ihr, die ihr einst Heiden im Fleische waret und Unbeschnittene genannt wurdet von der sogenannten Beschneidung, die am Fleisch mit der Hand geschieht, 12 daß ihr zu jener Zeit außerhalb Christus waret, entfremdet von der Bürgerschaft Israels und fremd den Bündnissen der Verheißung und keine Hoffnung hattet und ohne Gott waret in der Welt. 13 Nun aber, in Christus Jesu…"

Nachdem Paulus zwischen äußerer Abstammung und der Zugehörigkeit des Glaubens unterschieden hat, weist er jede Vorstellung zurück, Gott habe das jüdische Volk einfach verworfen. Er selbst war ein Israelit aus dem Stamm Benjamin und damit ein lebendiger Beweis dafür, dass Juden durch den Glauben an Christus weiterhin zu Gottes Volk gehören. Wie in den Tagen Elias bestand auch zur Zeit des Apostels ein Überrest nach der Erwählung der Gnade.

Dieser Überrest wurde nicht aufgrund besonderer Verdienste bewahrt. Paulus betont ausdrücklich, dass Gnade nicht mehr Gnade wäre, wenn sie auf Werken beruhte. Der gläubige Teil Israels stand daher auf derselben Grundlage wie jeder andere Erlöste: auf Gottes unverdienter Zuwendung, die im Glauben angenommen wird.

Das Verhältnis zwischen Israel und den Völkern veranschaulicht Paulus mit einem Ölbaum. Seine Wurzel trägt die Zweige und gibt ihnen Leben. Das Bild handelt nicht von zwei voneinander unabhängigen Bäumen oder zwei getrennten Heilsvölkern. Es zeigt eine einzige Bundesgemeinschaft, deren Ursprung in Gottes Verheißungen liegt und deren Leben allein aus seiner rettenden Gnade kommt.

Die natürlichen Zweige bezeichnen Menschen aus Israel, die aufgrund ihrer geschichtlichen Herkunft von Anfang an mit den Bundesverheißungen verbunden waren. Einige von ihnen wurden wegen des Unglaubens ausgebrochen. Nicht ihre jüdische Abstammung führte zur Trennung, sondern die Zurückweisung des Messias, auf den der Bund ausgerichtet war.

Gläubige aus den Nationen werden als Zweige eines wilden Ölbaums beschrieben, die entgegen ihrer natürlichen Herkunft eingepfropft werden. Sie schaffen keinen neuen Stamm und tragen auch nicht die Wurzel. Sie werden in eine bereits bestehende Heilsgeschichte aufgenommen, die mit Gottes Verheißungen an die Väter begonnen und in Christus ihre entscheidende Erfüllung gefunden hat.

Gerade deshalb warnt Paulus die Gläubigen aus den Nationen eindringlich vor Hochmut. Sie dürfen sich nicht über die ausgebrochenen Zweige erheben. Wenn Gott die natürlichen Zweige wegen ihres Unglaubens nicht verschonte, gibt es auch für eingepfropfte Zweige keine Sicherheit unabhängig vom Glauben. Christliche Bezeichnung oder kirchliche Zugehörigkeit gewähren ebenso wenig einen unverlierbaren Anspruch wie natürliche Abstammung.

Die Aufforderung, Gottes Güte und Strenge zu betrachten, hält zwei Wahrheiten zusammen. Seine Güte nimmt Menschen auf, die keinen natürlichen Anspruch besitzen. Seine Strenge zeigt, dass beharrlicher Unglaube nicht durch empfangene Vorrechte geschützt wird. Im Ölbaum bleibt nur, wer in Gottes Güte bleibt und sich im Vertrauen an Christus hält.

Für die ausgebrochenen natürlichen Zweige besteht weiterhin Hoffnung. Paulus erklärt, dass Gott sie wieder einpfropfen kann, wenn sie nicht im Unglauben bleiben. Der Weg zurück steht jüdischen Menschen deshalb ebenso offen wie allen anderen. Sie müssen weder ihre Herkunft verleugnen noch einen anderen Erlösungsweg suchen, sondern Jesus als den verheißenen Messias erkennen und im Glauben zu ihrem eigenen Bundesgott zurückkehren.

Paulus spricht von einer teilweisen Verhärtung Israels, bis die Fülle der Nationen eingegangen ist. Diese Verhärtung betrifft nicht jeden Juden und wird nicht als endgültige Verwerfung beschrieben. Sie bezeichnet den weitreichenden Unglauben eines Teils des Volkes, während zugleich ein gläubiger Überrest besteht und die Botschaft des Evangeliums zu den Nationen gelangt.

Die Aussage „so wird ganz Israel gerettet werden“ muss innerhalb dieses Zusammenhangs verstanden werden. Paulus lehrt keine automatische Erlösung jedes ethnischen Israeliten unabhängig von Christus. Wenige Sätze zuvor hat er erklärt, dass ausgebrochene Zweige nur durch Abkehr vom Unglauben wieder eingepfropft werden. Gerettet wird daher das vollständige Gottesvolk, das aus gläubigen Juden und eingepfropften Menschen der Nationen besteht und unter dem kommenden Erlöser vereinigt wird.

Die Formulierung lässt zugleich Raum für die Hoffnung, dass noch viele Menschen aus dem jüdischen Volk Christus erkennen werden. Paulus rechnet ausdrücklich mit der Möglichkeit ihrer Wiedereingliederung und beschreibt sie als etwas, das Gott leicht vollbringen kann. Die Gemeinde soll deshalb weder eine garantierte nationale Massenerlösung behaupten noch die zukünftige Bekehrung jüdischer Menschen für ausgeschlossen halten.

Gottes Gaben und Berufung gereuen ihn nicht. Diese Treue bedeutet nicht, dass Unglaube bedeutungslos wäre, sondern dass Gott seine Verheißungen nicht fallen lässt. Er führt den Segen Abrahams durch Christus weiter, bewahrt einen Überrest und hält den Zugang zur Gnade für Juden wie für Menschen aus den Nationen offen.

Epheser 2 beschreibt dasselbe Werk aus einer anderen Perspektive. Menschen aus den Nationen waren einst fern von den Bundesverheißungen, sind aber durch das Blut Christi nahe geworden. Christus hat die trennende Feindschaft beseitigt und aus beiden eine neue Menschheit geschaffen. Juden und Nichtjuden erhalten durch denselben Geist Zugang zum Vater und werden gemeinsam Hausgenossen Gottes.

Der Ölbaum bewahrt somit sowohl die geschichtliche Wurzel Israels als auch die Einheit des neuen Bundes. Niemand darf sich aufgrund seiner Herkunft rühmen, und niemand darf die Herkunft anderer verachten. Alle Zweige leben allein aus der Wurzel, werden allein durch Glauben getragen und bleiben allein durch Gottes Güte bestehen. Diese eine Bundesgemeinschaft erscheint in der Offenbarung erneut unter den Namen und Zahlen Israels, wenn Gottes endzeitliches Volk versiegelt und für die letzte Prüfung vorbereitet wird.

Zurück: Nicht alle aus Israel sind Israel Weiter: Das versiegelte Israel und die vollendete Stadt

Das versiegelte Israel und die vollendete Stadt

Offenbarung 7,1-10 – „1 Darnach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen, die hielten die vier Winde der Erde, damit kein Wind wehe über die Erde noch über das Meer noch über irgend einen Baum. 2 Und ich sah einen andern Engel vom Sonnenaufgang heraufsteigen, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, welchen Macht gegeben war, die Erde und das Meer zu sch…"
Offenbarung 7,1-10 – „1 Darnach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen, die hielten die vier Winde der Erde, damit kein Wind wehe über die Erde noch über das Meer noch über irgend einen Baum. 2 Und ich sah einen andern Engel vom Sonnenaufgang heraufsteigen, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, welchen Macht gegeben war, die Erde und das Meer zu sch…"
Offenbarung 14,1-5.12 – „1 Und ich sah und siehe, das Lamm stand auf dem Berge Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters auf ihren Stirnen geschrieben trugen. 2 Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel wie das Rauschen vieler Wasser und wie die Stimme eines starken Donners; und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. 3 Und sie …"
Offenbarung 21,10-14 – „10 Und er brachte mich im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die Stadt, das heilige Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkam, 11 welche die Herrlichkeit Gottes hat. Und ihr Lichtglanz ist gleich dem köstlichsten Edelstein, wie ein kristallheller Jaspis. 12 Und sie hat eine große und hohe Mauer und zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen angeschrieben, nämlich d…"
Offenbarung 22,3-5 – „3 Und nichts Gebanntes wird mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen; 4 und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. 5 Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes eines Leuchters, noch des Sonnenscheines; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden herrschen von Ewig…"

In der Offenbarung erscheint Israel noch einmal in einer eindeutig prophetischen Bildsprache. Johannes hört die Zahl von 144.000 Versiegelten aus den zwölf Stämmen Israels. Die Szene steht unmittelbar vor einer schweren weltweiten Prüfung. Bevor die zerstörerischen Winde losgelassen werden, kennzeichnet Gott seine Diener an ihrer Stirn und sichert damit ihre Zugehörigkeit zu ihm.

Das Siegel bezeichnet Gottes Anerkennung und den festen Eindruck seines Charakters und Willens im Denken. Die Stirn steht für bewusste Überzeugung und Entscheidung. Gottes Volk wird nicht durch ethnische Merkmale, staatliche Grenzen oder äußere Mitgliedschaft geschützt, sondern durch eine Treue, die aus der Verbindung mit Christus hervorgeht und sich unter Prüfung bewährt.

Die Stammesliste in Offenbarung 7 unterscheidet sich deutlich von den geschichtlichen Aufzählungen des Alten Testaments. Juda wird zuerst genannt, obwohl Ruben der Erstgeborene war; der Stamm Dan fehlt, Joseph erscheint neben Manasse, und Levi wird mitgezählt. Diese bewusst veränderte Ordnung spricht dagegen, die Liste als gewöhnliche Erfassung leiblicher Nachkommen Jakobs zu verstehen.

Auch die Zahl selbst trägt die geordnete Bildsprache der Offenbarung. Zwölf Stämme werden mit zwölf und mit tausend verbunden. Zwölf begegnet in der Bibel wiederholt im Zusammenhang mit dem geordneten Volk Gottes, während die vervielfachte Zahl Vollständigkeit und Fülle ausdrückt. Die 144.000 stellen daher in der historisch-prophetischen Auslegung Gottes vollständig versiegeltes Endzeitvolk dar, nicht eine bevorzugte ethnische oder zahlenmäßig begrenzte Glaubensklasse.

Unmittelbar danach sieht Johannes eine große Schar, die niemand zählen kann, aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Ob diese Menge die 144.000 aus einer anderen Perspektive zeigt oder die Erlösten umfassender über die Endzeitgruppe hinaus beschreibt, wird nicht ausdrücklich erklärt. Sicher ist jedoch, dass das Heil nicht auf eine einzige Nation beschränkt bleibt. Menschen aus allen Völkern stehen gemeinsam vor dem Thron und vor dem Lamm.

Die in Offenbarung 14 erneut genannten 144.000 tragen den Namen des Lammes und seines Vaters an ihrer Stirn. Während die Welt sich zwischen dem Zeichen des Tieres und dem Siegel Gottes entscheidet, gehört diese Gemeinschaft bewusst Christus. Ihre Identität wird nicht von politischer Macht, religiöser Tradition oder gesellschaftlicher Mehrheit bestimmt, sondern von dem Herrn, dem sie folgt.

Von ihnen heißt es, dass sie dem Lamm folgen, wohin es auch geht. Darin erfüllt sich die eigentliche Berufung Israels. Jakob überwand, indem er sich an Gott festhielt; das Volk sollte auf seine Stimme hören; Christus lebte als treuer Sohn in vollkommenem Gehorsam. Das endzeitliche Israel besteht entsprechend aus Menschen, die sich in der letzten Auseinandersetzung nicht von Christus und seinem Wort trennen lassen.

Ihre Reinheit wird in prophetischer Sprache beschrieben. Sie haben sich nicht mit Frauen befleckt und werden als Jungfrauen bezeichnet. Gemeint ist keine Abwertung von Ehe oder Sexualität, sondern die Absonderung von den abgefallenen religiösen Gemeinschaften, die in der Offenbarung durch untreue Frauen dargestellt werden. Sie nehmen den Wein Babylons nicht an und verbinden Gottes Wahrheit nicht mit widergöttlicher Anbetung.

In ihrem Mund wird kein Betrug gefunden. Das versiegelte Israel bekennt daher nicht nur richtige Lehren, sondern lässt sich von der Wahrheit prägen. Wer das Lamm vertritt, darf Irrtum weder mit Täuschung noch mit Übertreibung oder Zwang bekämpfen. Die Botschaft Gottes und der Charakter ihrer Träger sollen miteinander übereinstimmen.

Offenbarung 14 beschreibt die Treuen außerdem als Menschen, die Gottes Gebote halten und den Glauben Jesu bewahren. Ihr Gehorsam ist nicht die Grundlage ihrer Erlösung. Sie sind durch das Blut des Lammes erkauft. Gerade diese Gnade führt jedoch nicht zur Gesetzlosigkeit, sondern zu einer Treue, die Gottes Willen auch dann achtet, wenn menschliche Mächte eine andere Form der Anbetung fordern.

Das endzeitliche Israel ersetzt somit nicht einfach ein Volk durch ein anderes. Es führt die eine Heilsgeschichte Gottes in Christus zu ihrem Ziel. Die Namen der Stämme erinnern an die Verheißungen des Alten Testaments, während die Nachfolger des Lammes aus allen Nationen gesammelt werden. Leibliche Abstammung gewährt keinen automatischen Vorrang, doch niemand wird aufgrund seiner jüdischen oder nichtjüdischen Herkunft ausgeschlossen.

In der neuen Schöpfung bleibt diese gemeinsame Heilsgeschichte sichtbar. Das neue Jerusalem besitzt zwölf Tore mit den Namen der Stämme Israels und zwölf Grundsteine mit den Namen der Apostel des Lammes. Die Stadt trennt das alttestamentliche und das neutestamentliche Gottesvolk nicht voneinander. Beide gehören zu dem einen Erlösungswerk, dessen Mittelpunkt Christus ist.

Dort endet auch die lange Geschichte von Erwählung, Abfall, Zerstreuung und Wiederherstellung. Gottes Diener sehen sein Angesicht, tragen seinen Namen an ihrer Stirn und herrschen in seinem Licht. Israel erreicht seine Vollendung nicht in nationaler Überlegenheit oder irdischer Weltherrschaft, sondern in einer erlösten Gemeinschaft aus allen Völkern, die dem Lamm gehört und für immer in Gottes Gegenwart lebt.

Zurück: Der Ölbaum und die eingepfropften Zweige Weiter: Zusammenfassung und Gebet

Zusammenfassung und Gebet

Israel bezeichnet in der Bibel nicht immer dasselbe. Der Name kann für Jakob, seine Nachkommen, die zwölf Stämme, das gesamte Bundesvolk, das nördliche Königreich, das verheißene Land oder die gläubige Gemeinschaft stehen, die durch Christus zu Gottes Volk gehört. Deshalb muss jede Aussage über Israel aus ihrem unmittelbaren geschichtlichen, geistlichen oder prophetischen Zusammenhang verstanden werden.

Am Anfang steht Jakob. Er empfing den Namen Israel nach jener Nacht, in der er mit dem göttlichen Boten rang. Sein bisheriges Leben war vielfach von dem Versuch geprägt gewesen, Gottes Verheißung durch eigene Planung, Täuschung und menschliche Stärke zu sichern. Doch im entscheidenden Augenblick wurde seine Kraft gebrochen. Er überwand nicht, indem er Gott bezwang, sondern indem er seine Hilflosigkeit erkannte, sich an ihn klammerte und um Gnade bat.

Der neue Name bezeichnete daher keine natürliche Überlegenheit. Israel begann mit einem schuldigen Menschen, den Gott demütigte, annahm und veränderte. Auch nachdem Jakob den neuen Namen erhalten hatte, nennt die Bibel ihn weiterhin mit beiden Namen. Seine Geschichte bewahrt damit die Erinnerung an menschliche Schwachheit und an die Berufung, die allein aus Gottes Gnade hervorging.

Aus Jakobs zwölf Söhnen entstanden die zwölf Stämme Israels. Doch auch diese Familie war nicht wegen ihrer sittlichen Vorbildlichkeit erwählt. Neid, Gewalttat, Täuschung und der Verkauf Josephs gehörten zu ihrer frühen Geschichte. Gottes Plan ging nicht deshalb weiter, weil diese Menschen frei von Schuld waren, sondern weil seine Verheißung stärker war als ihr Versagen.

Durch Joseph bewahrte Gott die Familie während der Hungersnot. Jakob zog nach Ägypten, wo seine Nachkommen sich stark vermehrten. Aus einer Familie wurde ein Volk. Als ein neuer Pharao in ihnen eine Gefahr sah, wurden die Israeliten unterdrückt, versklavt und in ihrer Existenz bedroht.

Noch bevor Israel ein eigenes Land, eine staatliche Ordnung oder den Bund am Sinai besaß, nannte Gott es „mein Volk“. Seine Zugehörigkeit beruhte zuerst auf Gottes Erwählung und Treue. Israel konnte sich weder politisch noch militärisch selbst befreien. Der Auszug begann mit dem Eingreifen des Gottes, der das Schreien der Unterdrückten hörte und seiner Verheißung an Abraham, Isaak und Jakob gedachte.

Die Plagen über Ägypten offenbarten, dass weder der Pharao noch die ägyptischen Götter über Natur, Leben und Geschichte herrschten. Der HERR allein war der Schöpfer und Befreier. Zugleich zeigte die Passahnacht, dass die Israeliten nicht allein aufgrund ihrer Abstammung vor dem Gericht geschützt waren. Sie mussten dem Wort Gottes glauben und unter dem Blut des von ihm bestimmten Opfers Schutz suchen.

Das Passahlamm wies über die geschichtliche Befreiung hinaus auf Christus. Wie Israel aus der Knechtschaft Ägyptens herausgerufen wurde, befreit Christus Menschen aus der Herrschaft der Sünde. Erlösung gründet weder in Herkunft noch in eigener Stärke, sondern in dem Opfer, das Gott selbst bereitgestellt hat.

Am Sinai erhielt das befreite Volk seinen besonderen Auftrag. Gott erinnerte Israel zuerst daran, was er bereits für es getan hatte. Erst danach rief er es zum Gehorsam. Der Bund begann daher nicht mit menschlicher Leistung, sondern mit göttlicher Erlösung. Israel sollte Gottes Eigentum, ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.

Diese Erwählung bedeutete keinen Selbstzweck und keine Erlaubnis zur nationalen Überheblichkeit. Die ganze Erde gehörte Gott. Israel wurde aus den Völkern herausgerufen, damit es unter ihnen ein Zeuge für den wahren Gott sein konnte. Sein Gottesdienst, seine Rechtsordnung und sein gemeinschaftliches Leben sollten sichtbar machen, wie Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und die Nähe des Schöpfers zusammengehören.

Das Gesetz war nicht der Preis, durch den Israel seine Befreiung verdienen musste. Der HERR hatte das Volk bereits aus Ägypten geführt. Die Gebote beschrieben das Leben innerhalb der geschenkten Bundesbeziehung. Sie schützten die ausschließliche Anbetung Gottes, seinen Namen, den geheiligten Sabbat, Ehe, Familie, Leben, Eigentum, Wahrheit und die Reinheit des Herzens.

Neben dem Sittengesetz erhielt Israel weitere Ordnungen für sein damaliges gesellschaftliches und religiöses Leben. Der Heiligtumsdienst nahm dabei eine zentrale Stellung ein. Er zeigte, dass selbst das erwählte Volk Vergebung, Reinigung und Vermittlung benötigte. Opfer und Priestertum konnten die Sünde nicht endgültig beseitigen, wiesen jedoch auf Christus und sein vollkommenes Erlösungswerk voraus.

Israels Berufung schloss den gerechten Umgang mit Fremden, Armen, Witwen und Waisen ein. Das Volk sollte sich an seine eigene Knechtschaft erinnern und aus dieser Erfahrung Barmherzigkeit lernen. Gottes besondere Zuwendung durfte niemals dazu führen, andere Menschen geringer zu achten.

Auch das Land war Gabe und Verantwortung zugleich. Israel sollte darin unter Gottes Herrschaft leben. Der Besitz war jedoch nicht unabhängig vom Bund garantiert. Götzendienst, Gewalt und beharrliche Ungerechtigkeit würden Gericht nach sich ziehen. Größeres Licht bedeutete größere Verantwortung, nicht eine geringere Rechenschaft.

Israels weitere Geschichte offenbarte die Spannung zwischen äußerer Erwählung und innerer Treue. Schon in der Wüste zweifelte das Volk an Gott, murrte gegen seine Führung und wandte sich dem Götzendienst zu. Die Befreiung aus Ägypten hatte nicht automatisch jedes ägyptische Denken aus den Herzen entfernt.

Nach der Ansiedlung im Land wechselten Zeiten der Treue mit wiederholtem Abfall. In der Not rief Israel zu Gott, doch nach der Befreiung kehrte es häufig zu früheren Sünden zurück. Weder das Land noch das Königtum lösten das Grundproblem des menschlichen Herzens.

Nach Salomos Tod wurde das Reich geteilt. Von da an bezeichnete „Israel“ häufig die zehn nördlichen Stämme, während das südliche Reich „Juda“ genannt wurde. Jerobeam errichtete im Norden eigene Heiligtümer, weil er seine politische Macht schützen wollte. Der Gottesdienst wurde damit an staatliche Interessen angepasst.

Was als politische Sicherung erschien, führte zu dauerhaftem religiösem Abfall. Unter Ahab und Isebel gewann der Baalskult zusätzlichen Einfluss. Dennoch ließ Gott das Volk nicht ohne Warnung. Propheten riefen zur Umkehr, deckten Götzendienst und soziale Ungerechtigkeit auf und erinnerten daran, dass äußere Religiosität ohne Treue, Recht und Barmherzigkeit keinen Wert besitzt.

Amos erklärte, dass gerade die besondere Nähe zu Gott Israels Verantwortung erhöhte. Erwählung bedeutete nicht Schutz vor jedem Gericht. Weil das Volk größere Erkenntnis empfangen hatte, war seine bewusste Untreue umso schwerwiegender.

Der Untergang Samarias im Jahr 722 v. Chr. und die assyrische Zerstreuung des Nordreiches waren deshalb nicht nur politische Ereignisse. Die Bibel ordnet sie als Folge eines lange fortgesetzten Bundesbruchs ein. Doch auch Juda lernte nicht dauerhaft aus diesem Gericht.

Jerusalem, der Tempel und das davidische Königtum wurden schließlich zu falschen Sicherheiten. Viele glaubten, die heilige Stadt könne nicht fallen, obwohl sie Gottes Gebote missachteten. Jeremia widersprach dieser Täuschung. Kein heiliger Ort konnte Menschen schützen, die unter seinem Namen weiter Unrecht begingen.

Mit der babylonischen Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels wurde sichtbar, dass äußere Bundeszeichen keine Gemeinschaft mit Gott garantierten. Dennoch bedeutete das Exil nicht das Ende seiner Verheißungen. Gott bewahrte einen Überrest, kündigte Rückkehr an und verhieß einen neuen Bund, in dem sein Gesetz in Herz und Sinn geschrieben werden sollte.

Die Geschichte Israels offenbarte damit die Notwendigkeit eines vollkommen treuen Vertreters. Das Volk konnte seine Berufung nicht aus eigener Kraft erfüllen. Könige, Priester und Propheten wiesen auf einen kommenden Messias hin, in dem Gottes Verheißungen ihr Ziel erreichen sollten.

Jesus Christus trat als der treue Sohn Israels hervor. Matthäus nahm Hoseas Wort „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ auf und bezog es auf Jesu Rückkehr aus Ägypten. Damit wurde Israels frühere Geschichte nicht ausgelöscht, sondern in Christus aufgenommen und vollendet.

Wie Israel wurde Jesus aus Ägypten gerufen, ging durch das Wasser und wurde anschließend in die Wüste geführt. Doch wo das Volk Gott wiederholt misstraute, blieb Christus vollkommen gehorsam. Bei der Versuchung antwortete er mit Worten aus Israels Wüstenzeit und verweigerte jeden Weg, der Gottes Willen durch eigenmächtige Macht, spektakuläre Selbstbestätigung oder die Anbetung Satans umgehen sollte.

Christus ist deshalb nicht der Gegner Israels, sondern dessen treuer Sohn und vollkommener Vertreter. In ihm erfüllen sich die Verheißungen an Abraham, die Berufung des Volkes und die Zusagen an David. Er verwirklicht, woran Israel in seiner Geschichte immer wieder scheiterte.

Jesaja bezeichnet den Knecht des HERRN mit dem Namen Israel und gibt ihm zugleich den Auftrag, Jakob zurückzuführen. Dieser Knecht verkörpert die wahre Berufung Israels und dient seiner Wiederherstellung. Sein Wirken reicht bis zu den Nationen, damit Gottes Heil die Enden der Erde erreicht.

Jesus begann seinen Dienst im Bundesvolk. Er rief Israel zur Umkehr, bestätigte die Verheißungen und wählte zwölf Apostel als Zeichen einer erneuerten Sammlung. Dennoch blieb sein Auftrag nicht auf leibliche Nachkommen Abrahams begrenzt. Menschen aus den Nationen wurden geheilt, ihr Glaube wurde anerkannt, und ihnen wurde ein Platz im Reich Gottes verheißen.

Am Kreuz trug der König Israels die Schuld des Bundesbruchs. Seine Verwerfung ließ Gottes Plan nicht scheitern, sondern wurde zum Weg der Erlösung. Durch sein Opfer und seine Auferstehung begann die verheißene Erneuerung des Gottesvolkes.

Damit wurde sichtbar, dass die Zugehörigkeit zu Israel nicht allein durch natürliche Abstammung bestimmt werden kann. Paulus erklärte: „Nicht alle, die aus Israel stammen, sind Israel.“ Diese Aussage leugnet weder das jüdische Volk noch seine Geschichte. Sie unterscheidet zwischen äußerer Herkunft und der Zugehörigkeit des Glaubens.

Bereits innerhalb der Familie Abrahams verlief die Linie der Verheißung nicht einfach über jeden natürlichen Nachkommen. Sie ging über Isaak und später über Jakob weiter. Auch unter Jakobs Nachkommen bestanden stets Unterschiede zwischen denen, die nur äußerlich zum Volk gehörten, und einem gläubigen Überrest, der Gott vertraute.

Die Beschneidung war ein wirkliches Bundeszeichen, konnte jedoch das erneuerte Herz nicht ersetzen. Paulus spricht deshalb von einer Beschneidung des Herzens durch den Geist. Ebenso können christliche Zeichen und Formen die persönliche Verbindung mit Christus nicht ersetzen. Taufe, Gemeindemitgliedschaft oder religiöse Erkenntnis retten niemanden unabhängig vom Glauben.

Christus ist der verheißene Nachkomme Abrahams. Wer ihm angehört, gehört deshalb zu Abrahams Nachkommenschaft und wird Erbe der Verheißung. Menschen aus den Nationen werden nicht durch eigene Vorzüge aufgenommen, sondern durch die Verbindung mit dem Messias Israels.

Dabei werden geschichtliche und menschliche Unterschiede nicht aufgehoben. Ein Gläubiger aus den Nationen wird nicht dadurch ethnisch jüdisch. Jude und Nichtjude behalten ihre Herkunft, erhalten aber denselben Zugang zur Erlösung. Keiner besitzt aufgrund seiner Abstammung einen höheren Anspruch vor Gott.

Es gibt deshalb nicht zwei voneinander getrennte Erlösungswege. Juden und Menschen aus den Nationen werden durch denselben Christus, dasselbe Opfer und denselben Geist gerettet. Natürliche Herkunft darf weder verherrlicht noch verachtet werden.

Paulus verdeutlicht diesen Zusammenhang im Bild des Ölbaums. Die Wurzel trägt die Zweige. Sie erinnert an Gottes Verheißungen und an die Heilsgeschichte, die mit den Vätern begann und in Christus ihr Ziel findet. Es bestehen nicht zwei getrennte Heilsbäume, sondern eine Bundesgemeinschaft unter Gottes Gnade.

Die natürlichen Zweige bezeichnen Menschen aus Israel, die geschichtlich mit den Verheißungen verbunden waren. Einige wurden wegen ihres Unglaubens ausgebrochen. Nicht ihre jüdische Herkunft war das Problem, sondern die Zurückweisung des Messias.

Menschen aus den Nationen werden als wilde Zweige eingepfropft. Sie begründen keinen neuen Stamm und tragen nicht die Wurzel. Sie werden in eine bereits bestehende Heilsgeschichte aufgenommen. Deshalb warnt Paulus sie entschieden vor Überheblichkeit gegenüber dem jüdischen Volk.

Wenn natürliche Zweige wegen Unglaubens ausgebrochen wurden, können auch eingepfropfte Zweige nicht unabhängig vom Glauben bestehen. Christliche Bezeichnung oder institutionelle Zugehörigkeit bieten keine automatische Sicherheit. Alle Zweige leben allein von Gottes Güte und bleiben nur durch den Glauben mit dem Baum verbunden.

Für die ausgebrochenen natürlichen Zweige besteht weiterhin Hoffnung. Gott kann sie wieder einpfropfen, wenn sie nicht im Unglauben bleiben. Jüdische Menschen müssen ihre Herkunft nicht verleugnen, sondern Jesus als den verheißenen Messias erkennen. Der Weg der Rückkehr führt zu dem Gott und den Verheißungen, die ihrer eigenen biblischen Geschichte entstammen.

Paulus spricht von einer teilweisen Verhärtung Israels. Sie betrifft nicht jeden Juden und bedeutet keine endgültige Verwerfung. Ein gläubiger Überrest bestand bereits zur Zeit des Apostels, und die Tür zur Wiedereingliederung bleibt offen.

Wenn Paulus von der Rettung „ganz Israels“ spricht, darf dies nicht als automatische Erlösung jedes Menschen aufgrund seiner Abstammung verstanden werden. Der gesamte Zusammenhang bindet Rettung an die Befreiung vom Unglauben und an den kommenden Erlöser. Gottes vollständiges Volk wird unter Christus gesammelt, wobei gläubige Juden und Menschen aus den Nationen gemeinsam aus seiner Gnade leben.

Gottes Gaben und Berufung gereuen ihn nicht. Diese Aussage macht Unglauben nicht bedeutungslos, sondern bestätigt Gottes Treue zu seinem Heilsplan. Er hält seine Verheißungen aufrecht, bewahrt einen Überrest und nimmt jeden auf, der durch Christus im Glauben zu ihm kommt.

Epheser 2 beschreibt dieselbe Einheit als ein Werk des Kreuzes. Menschen aus den Nationen, die den Bündnissen einst fernstanden, wurden durch das Blut Christi nahegebracht. Christus beseitigte die trennende Feindschaft und schuf aus Juden und Nichtjuden eine neue Menschheit. Beide erhalten durch denselben Geist Zugang zum Vater.

Diese Einheit rechtfertigt weder die Geringschätzung der jüdischen Wurzel noch eine Trennung in verschiedene Erlösungsvölker. Niemand darf sich seiner Herkunft rühmen, und niemand darf die Herkunft eines anderen verachten. Alle stehen auf demselben Grund der Gnade.

In der Offenbarung begegnet Israel schließlich in prophetischer Bildsprache. Johannes hört von 144.000 Versiegelten aus den zwölf Stämmen Israels. Bevor die zerstörerischen Winde losgelassen werden, kennzeichnet Gott seine Diener an ihrer Stirn.

Das Siegel bezeichnet bewusste Zugehörigkeit zu Gott und eine durch seine Wahrheit gefestigte Entscheidung. Die Stirn steht für Denken und Überzeugung. Gottes Volk wird in der letzten Prüfung nicht durch ethnische Merkmale oder staatliche Zugehörigkeit bestimmt, sondern durch die Treue, die Christus in seinen Nachfolgern hervorbringt.

Die Stammesliste in Offenbarung 7 weicht von den gewöhnlichen alttestamentlichen Aufzählungen ab. Juda steht an erster Stelle, Dan fehlt, Joseph wird neben Manasse genannt und Levi ist eingeschlossen. Diese Veränderungen sprechen dafür, dass hier nicht einfach eine wörtliche Volkszählung leiblicher Nachkommen Jakobs vorliegt.

Auch die Zahl 144.000 gehört zur geordneten Symbolsprache der Offenbarung. Zwölf, nochmals zwölf und tausend verbinden sich zu einem Bild der vollständigen, geordneten Gemeinschaft Gottes. Die Zahl beschreibt in dieser Auslegung das versiegelte Endzeitvolk und keine bevorzugte ethnische Gruppe.

Unmittelbar danach sieht Johannes eine unzählbare Schar aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen vor dem Thron und dem Lamm. Ob diese Schar dieselbe Gruppe aus einer anderen Perspektive oder die Erlösten in einem umfassenderen Sinn darstellt, wird nicht abschließend erklärt. Sicher ist jedoch, dass Gottes Heil Menschen aus allen Völkern umfasst.

In Offenbarung 14 tragen die 144.000 den Namen des Lammes und seines Vaters an ihrer Stirn. Ihre Identität wird durch Christus bestimmt. Sie folgen dem Lamm, wohin es geht, und bleiben ihm in der letzten Auseinandersetzung treu.

Damit erfüllt sich der rote Faden der gesamten Geschichte Israels. Jakob überwand durch Festhalten an Gott. Das Volk sollte auf seine Stimme hören und als priesterliche Gemeinschaft leben. Christus erfüllte diese Berufung vollkommen. Das versiegelte Israel besteht schließlich aus Menschen, die sich durch keine Verführung und keinen Zwang von ihm trennen lassen.

Ihre prophetische Reinheit bezeichnet die Trennung von den untreuen religiösen Systemen Babylons. Sie wird nicht als Abwertung von Ehe oder Sexualität verstanden, sondern als ungeteilte geistliche Zugehörigkeit. Gottes Volk vermischt seine Wahrheit nicht mit widergöttlicher Anbetung.

Dass in ihrem Mund kein Betrug gefunden wird, zeigt, dass Wahrheit nicht nur ihre Lehre, sondern auch ihren Charakter prägt. Wer das Lamm vertritt, darf Irrtum nicht mit Unwahrheit, Manipulation oder Zwang bekämpfen.

Die Treuen halten Gottes Gebote und bewahren den Glauben Jesu. Ihr Gehorsam ist nicht die Grundlage der Erlösung. Sie sind durch das Blut des Lammes erkauft. Dieselbe Gnade, die sie rechtfertigt, bringt jedoch eine Treue hervor, die Gottes Willen selbst unter Druck nicht preisgibt.

Das endzeitliche Israel ist daher weder eine von ihrer biblischen Vergangenheit getrennte Gemeinde noch eine ausschließlich ethnische Größe. Die Namen der Stämme bewahren die Verbindung zu Gottes geschichtlichen Verheißungen, während die Nachfolger des Lammes aus allen Nationen gesammelt werden. Niemand wird aufgrund seiner Herkunft automatisch eingeschlossen oder ausgeschlossen.

Im neuen Jerusalem wird diese Einheit endgültig sichtbar. Die zwölf Tore tragen die Namen der Stämme Israels, die zwölf Grundsteine die Namen der Apostel des Lammes. Altes und Neues Testament, Israel und die apostolische Gemeinde werden nicht gegeneinander ausgespielt. Sie gehören zu derselben Erlösungsgeschichte, deren Mittelpunkt Christus ist.

Israel ist somit zuerst der Name eines Mannes, den Gott durch Gnade veränderte. Danach bezeichnet es eine Familie, ein befreites Volk, eine Bundesgemeinschaft, ein geteiltes Reich und einen geschichtlichen Träger der messianischen Verheißung. In Christus erreicht diese Geschichte ihr Ziel. Er ist der treue Sohn Israels, der verheißene Nachkomme Abrahams, der wahre König und das Licht der Nationen.

Wer ihm im Glauben angehört, wird in Gottes Bundesvolk aufgenommen. Diese Zugehörigkeit beseitigt weder die jüdische Geschichte noch rechtfertigt sie christlichen Hochmut. Sie stellt jeden Menschen auf denselben Grund: Gottes Verheißung, Christi Opfer und die erneuernde Kraft des Heiligen Geistes.

Am Ende wird Israel nicht durch nationale Überlegenheit, äußere Vorrechte oder menschliche Herrschaft vollendet. Gottes Volk besteht aus Erlösten aller Nationen, die seinen Namen tragen, seiner Wahrheit folgen und für immer in seiner Gegenwart leben. Die Geschichte Israels findet ihr Ziel in Jesus Christus, der die Verheißungen erfüllt, Juden und Menschen aus den Nationen in einem Volk vereint und alle, die ihm vertrauen, in die ewige Heimat führt.

Zurück: Das versiegelte Israel und die vollendete Stadt