Titus
Titus in der Bibel: Leben, Dienst und Bedeutung
Titus war ein griechischer Christ und ein vertrauter Mitarbeiter des Apostels Paulus. Im Neuen Testament erscheint er als bewährter Bruder und Mitstreiter, dem Paulus verantwortungsvolle Aufgaben im Dienst an den Gemeinden anvertraute. Sein Leben zeigt, wie das Evangelium Menschen unabhängig von ihrer Herkunft in Christus verbindet und wie treuer Dienst, geistliche Reife und verantwortliche Leiterschaft zusammengehören.
Einführung
Über die Herkunft und die frühen Lebensjahre des Titus berichtet die Bibel nur wenig. Weder seine Eltern noch sein Geburtsort, sein Alter oder die Umstände seiner Hinwendung zu Christus werden genannt. Gerade deshalb beginnt seine Geschichte nicht mit einer ausführlichen Vorgeschichte, sondern an dem Punkt, an dem er bereits als gläubiger Mann an der Seite des Paulus erscheint. Was wir über ihn erfahren, erschließt sich vor allem aus den Briefen des Paulus.
Eine wichtige Angabe steht gleich am Anfang seiner biblisch greifbaren Geschichte: Titus war Grieche. Damit gehörte er nicht von Geburt zum jüdischen Volk. Diese Herkunft wird im Galaterbrief ausdrücklich hervorgehoben und gewinnt Bedeutung, weil die junge Gemeinde damals mit einer grundlegenden Frage rang: Müssen Menschen aus den Völkern zunächst die jüdischen Bundeszeichen übernehmen, um vollständig zu Gottes Volk zu gehören?
Als Paulus Titus mit nach Jerusalem nahm, wurde dieser Mann deshalb mehr als nur ein Begleiter auf einer Reise. An seiner Person wurde sichtbar, was das Evangelium über die Zugehörigkeit zu Christus bedeutete. Titus war ein Gläubiger aus den Nationen, und doch bestand Paulus darauf, dass ihm nicht zusätzlich das auferlegt werden durfte, was Gott nicht zur Voraussetzung der Erlösung gemacht hatte.
Damit setzt die biblische Lebensgeschichte des Titus an einem entscheidenden Punkt der frühen Gemeinde ein. Bevor seine späteren Aufgaben sichtbar werden, begegnet er uns zunächst als ein konkretes Beispiel dafür, dass die Gnade Gottes Menschen nicht durch Herkunft oder äußere Abgrenzungsmerkmale, sondern durch den Glauben an Christus in sein Volk aufnimmt.
Titus reist mit Paulus nach Jerusalem
Galater 2,1-5 – „1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. 2 Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Es wurde aber nicht einmal mein Begleiter, Titus, obschon er ein Grieche ist, …"
Galater 2,1-5 – „1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. 2 Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Es wurde aber nicht einmal mein Begleiter, Titus, obschon er ein Grieche ist, …"
Galater 2,7-10 – „7 sondern im Gegenteil, als sie sahen, daß ich mit dem Evangelium an die Unbeschnittenen betraut bin, gleichwie Petrus mit dem an die Beschneidung 8 denn der, welcher in Petrus kräftig wirkte zum Apostelamt unter der Beschneidung, der wirkte auch in mir kräftig für die Heiden, 9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, reichten Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen gelten, …"
Die erste sicher greifbare Lebensstation des Titus führt nach Jerusalem. Paulus berichtet im Galaterbrief, dass er nach vierzehn Jahren erneut dorthin zog und dabei Barnabas und Titus mitnahm. Barnabas war bereits ein bewährter Mitarbeiter, Titus dagegen wird an dieser Stelle erstmals ausdrücklich genannt. Paulus erklärt nicht, wann Titus zum Glauben gekommen war oder wie ihre Zusammenarbeit begonnen hatte. Sicher ist jedoch: Zu diesem Zeitpunkt gehörte Titus bereits so selbstverständlich zum Kreis der Gläubigen und Mitarbeiter, dass Paulus ihn auf eine Reise mitnahm, bei der grundlegende Fragen über das Evangelium geklärt wurden.
Für das Verständnis dieses Ereignisses ist eine Angabe besonders wichtig: Titus war Grieche. Er stammte also aus den Nationen und war nicht als Jude geboren worden. Dennoch gehörte er durch den Glauben an Jesus Christus zur Gemeinde. Gerade seine Anwesenheit machte die Frage konkret, die Paulus beschäftigte: Musste ein nichtjüdischer Gläubiger beschnitten werden und damit die jüdischen Bundeszeichen übernehmen, um als vollgültiges Glied des Volkes Gottes anerkannt zu werden? Was zunächst wie eine äußere Frage erscheinen konnte, berührte in Wirklichkeit das Verständnis der Erlösung.
Paulus schreibt ausdrücklich, dass Titus trotz seiner griechischen Herkunft nicht gezwungen wurde, sich beschneiden zu lassen. Damit lag der Schwerpunkt nicht auf einer persönlichen Abneigung gegen Beschneidung. Paulus selbst bekämpfte nicht jüdische Herkunft oder jüdische Lebensformen. Die entscheidende Grenze verlief dort, wo eine solche Handlung zur notwendigen Bedingung für die Annahme durch Gott gemacht wurde. Wenn Titus erst durch Beschneidung den vollen Zugang zur Gemeinschaft der Gläubigen erhalten hätte, wäre damit praktisch gesagt worden, dass der Glaube an Christus allein nicht genügt.
Paulus schildert zugleich, dass falsche Brüder eingedrungen waren, um die Freiheit auszukundschaften, welche die Gläubigen in Christus Jesus hatten, und sie wieder in Knechtschaft zu bringen. Deshalb gab Paulus in dieser Frage nicht nach. Seine Haltung war nicht Ausdruck persönlicher Härte, sondern sollte nach seinen eigenen Worten dazu dienen, dass die Wahrheit des Evangeliums bei den Gemeinden bestehen blieb. Titus stand dadurch mitten in einer Auseinandersetzung, deren Bedeutung weit über seine eigene Person hinausging.
Dabei muss sorgfältig unterschieden werden: Der Bibeltext berichtet nicht, dass Titus selbst eine Rede hielt oder aktiv für seine eigene Stellung kämpfte. Auch seine Gefühle oder Gedanken werden nicht beschrieben. Seine Bedeutung in diesem Abschnitt liegt vielmehr darin, dass an seinem konkreten Fall sichtbar wurde, welche Folgen die Verkündigung des Evangeliums für Menschen aus den Nationen hatte. Er war ein gläubiger Grieche, ohne dass seine Herkunft oder die fehlende Beschneidung ihn zu einem Christen zweiter Ordnung machte.
Paulus berichtet weiter, dass die als Säulen angesehenen Jakobus, Kephas und Johannes die ihm anvertraute Verkündigung unter den Nationen anerkannten. Sie reichten Paulus und Barnabas die Hand der Gemeinschaft. Damit wird der größere Zusammenhang deutlich: Das Evangelium Jesu Christi sollte nicht auf ein einziges Volk begrenzt bleiben. Gott wirkte durch Petrus unter den Beschnittenen und durch Paulus unter den Nationen, doch Grundlage beider Dienste war derselbe Christus und dieselbe Gnade.
Für Titus war diese Reise damit zugleich eine frühe Einordnung seines Platzes innerhalb der Gemeinde. Seine Zugehörigkeit beruhte nicht darauf, dass er seine griechische Herkunft durch die Übernahme jüdischer Bundeszeichen gewissermaßen überwinden musste. Entscheidend war seine Verbindung zu Christus. Gerade darin wird ein Grundzug sichtbar, der später auch den Dienst des Titus prägen sollte: Gemeinden bestehen aus Menschen unterschiedlicher Herkunft, doch ihre Einheit entsteht nicht durch menschliche Gleichmacherei, sondern durch das gemeinsame Evangelium.
So tritt Titus erstmals in einer Situation auf, in der die Freiheit des Evangeliums verteidigt werden musste. Noch erfahren wir wenig über seinen eigenen Dienst, doch bereits diese erste Erwähnung zeigt, dass Paulus ihm vertraute und ihn in eine bedeutende Angelegenheit hinein nahm. Aus dem griechischen Gläubigen an seiner Seite sollte in den folgenden Jahren ein Mitarbeiter werden, dem Paulus immer größere Verantwortung übertragen konnte.
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Titus bewährt sich im Dienst an der Gemeinde in Korinth
2. Korinther 2,12-13 – „12 Als ich aber nach Troas kam für das Evangelium Christi und mir eine Tür offenstand im Herrn, hatte ich gleichwohl keine Ruhe in meinem Geist, weil ich meinen Bruder Titus nicht fand; 13 sondern ich nahm Abschied von ihnen und reiste nach Mazedonien."
2. Korinther 2,12-13 – „12 Als ich aber nach Troas kam für das Evangelium Christi und mir eine Tür offenstand im Herrn, hatte ich gleichwohl keine Ruhe in meinem Geist, weil ich meinen Bruder Titus nicht fand; 13 sondern ich nahm Abschied von ihnen und reiste nach Mazedonien."
2. Korinther 7,5-16 – „5 Denn als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern wir wurden auf alle Art bedrängt, draußen Kämpfe, drinnen Furcht. 6 Aber Gott, der die Geringen tröstet, der tröstete uns durch die Ankunft des Titus; 7 und nicht bloß durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, welchen er bei euch empfangen hatte. Als er uns von eurer Sehnsucht, eurer Klage, eurem Eifer für mich…"
2. Korinther 8,6 – „6 so daß wir Titus zusprachen, dieses Liebeswerk, wie er es angefangen hatte, nun auch bei euch zu Ende zu führen."
Nach der Reise nach Jerusalem begegnet Titus im Neuen Testament erst später wieder. Inzwischen war er zu einem Mitarbeiter geworden, dem Paulus schwierige Aufgaben anvertrauen konnte. Besonders deutlich zeigt sich das in der Beziehung zur Gemeinde in Korinth. Die dortigen Spannungen belasteten Paulus stark, und Titus wurde zu einem wichtigen Verbindungsmann zwischen dem Apostel und der Gemeinde.
Paulus berichtet, dass er nach Troas gekommen war und dort eine offene Tür für das Evangelium fand. Dennoch hatte er keine Ruhe in seinem Geist, weil er Titus nicht antraf. Diese kurze Bemerkung zeigt, wie sehr Paulus auf eine Nachricht seines Mitarbeiters wartete. Titus war offenbar mit einer Aufgabe unterwegs gewesen, deren Ausgang für Paulus große Bedeutung hatte. Deshalb verließ Paulus Troas und zog weiter nach Mazedonien, obwohl sich dort eine Gelegenheit zur Verkündigung ergeben hatte.
Auch in Mazedonien fand Paulus zunächst keine äußere Ruhe. Er beschreibt Bedrängnisse von außen und Ängste im Innern. Gerade in dieser angespannten Situation kam Titus zu ihm zurück. Paulus bezeichnet seine Ankunft ausdrücklich als einen Trost Gottes. Dabei lag der Trost nicht allein darin, seinen Mitarbeiter wiederzusehen, sondern auch in der Nachricht, die Titus aus Korinth mitbrachte.
Titus berichtete, wie die Gemeinde auf die vorherigen ernsten Worte des Paulus reagiert hatte. Statt sich endgültig von ihm abzuwenden, waren bei vielen Trauer, Sehnsucht und ein erneuter Eifer entstanden. Paulus erklärt deshalb, dass seine vorherige Betrübnis nicht Selbstzweck gewesen war. Entscheidend war, dass sie zu einer von Gott gewirkten Umkehr geführt hatte. Titus hatte diese Entwicklung unmittelbar miterlebt und konnte Paulus nun davon berichten.
Dabei wird erstmals deutlicher sichtbar, wie Titus selbst innerhalb dieser schwierigen Situation wirkte. Paulus schreibt nicht nur davon, dass Titus Informationen überbrachte. Er spricht auch von dem Trost, den Titus selbst durch die Gemeinde erfahren hatte, weil sein Geist durch sie erquickt worden war. Offenbar hatte sich zwischen Titus und den Korinthern ein Verhältnis entwickelt, das von wachsendem Vertrauen geprägt war. Seine Aufgabe verlangte daher mehr als das bloße Überbringen einer Botschaft.
Paulus hatte Titus gegenüber zuvor offenbar seine Zuversicht hinsichtlich der Gemeinde ausgesprochen. Als Titus nun zurückkehrte, stellte Paulus erleichtert fest, dass diese Zuversicht nicht beschämt worden war. Titus erinnerte sich nach Paulus’ Worten an den Gehorsam der Korinther und daran, wie sie ihn aufgenommen hatten. Der Text lässt erkennen, dass Titus nicht distanziert auf die Gemeinde blickte; seine Zuneigung zu ihnen hatte sich vertieft.
Damit wird ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung als Mitarbeiter sichtbar. Titus konnte in eine belastete Gemeindesituation gesandt werden, dort im Auftrag des Paulus handeln und anschließend zuverlässig berichten, was geschehen war. Zugleich war er offenbar fähig, Beziehungen zu bewahren, obwohl die Botschaft, mit der er verbunden war, nicht bequem gewesen sein dürfte. Paulus vertraute ihm deshalb nicht nur Informationen, sondern zunehmend geistliche Verantwortung an.
Dieses Vertrauen führte unmittelbar zu einer weiteren Aufgabe. Paulus erwähnt, dass Titus bereits zuvor mit einem Werk in Korinth begonnen hatte, das nun vollendet werden sollte. Damit rückte eine Angelegenheit in den Mittelpunkt, bei der geistliche Zuverlässigkeit und ein sorgfältiger Umgang mit anvertrauten Mitteln besonders wichtig waren. Titus sollte erneut nach Korinth zurückkehren – diesmal mit noch größerer Verantwortung.
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Titus übernimmt Verantwortung für die Sammlung in Korinth
2. Korinther 8,16-24 – „16 Gott aber sei Dank, der denselben Eifer für euch dem Titus ins Herz gegeben hat. 17 Denn er nahm nicht nur den Zuspruch an, sondern reiste, weil er so großen Eifer hatte, freiwillig zu euch ab. 18 Wir sandten aber den Bruder mit ihm, dessen Lob wegen des Evangeliums bei allen Gemeinden [bekannt geworden] ist. 19 Und nicht nur das, sondern er ist auch von den Gemeinden zu unserm Reisegefährten …"
2. Korinther 8,16-24 – „16 Gott aber sei Dank, der denselben Eifer für euch dem Titus ins Herz gegeben hat. 17 Denn er nahm nicht nur den Zuspruch an, sondern reiste, weil er so großen Eifer hatte, freiwillig zu euch ab. 18 Wir sandten aber den Bruder mit ihm, dessen Lob wegen des Evangeliums bei allen Gemeinden [bekannt geworden] ist. 19 Und nicht nur das, sondern er ist auch von den Gemeinden zu unserm Reisegefährten …"
2. Korinther 8,6 – „6 so daß wir Titus zusprachen, dieses Liebeswerk, wie er es angefangen hatte, nun auch bei euch zu Ende zu führen."
2. Korinther 12,17-18 – „17 Habe ich euch etwa durch jemand von denen, die ich zu euch sandte, übervorteilt? 18 Ich habe den Titus gebeten und mit ihm den Bruder gesandt; hat etwa Titus euch übervorteilt? Sind wir nicht in demselben Geiste gewandelt? Nicht in denselben Fußstapfen?"
Nachdem Titus Paulus die erfreuliche Entwicklung in Korinth berichtet hatte, erhielt er erneut einen Auftrag für diese Gemeinde. Diesmal ging es um eine Sammlung, die Paulus unter den Gemeinden für bedürftige Gläubige vorbereiten ließ. Titus hatte dieses Werk in Korinth bereits begonnen und sollte nun dazu beitragen, dass es auch zu einem guten Abschluss kam. Damit vertraute Paulus ihm eine Aufgabe an, bei der geistliche Verantwortung und der sorgfältige Umgang mit materiellen Gaben eng miteinander verbunden waren.
Paulus beschreibt den Einsatz des Titus dabei bemerkenswert persönlich. Er dankt Gott dafür, dass derselbe Eifer für die Korinther auch in das Herz des Titus gelegt worden sei. Titus nahm die Bitte des Paulus nicht lediglich widerwillig entgegen. Paulus schreibt vielmehr, dass er noch eifriger geworden sei und aus eigenem Antrieb zu den Korinthern reisen wollte. Sein Dienst erscheint damit nicht als bloße Ausführung fremder Anweisungen, sondern als Verantwortung, die er selbst innerlich mittrug.
Gerade bei einer Geldsammlung war jedoch nicht nur persönlicher Eifer notwendig. Paulus legte großen Wert darauf, dass der Umgang mit den Gaben transparent und glaubwürdig blieb. Deshalb reiste Titus nicht allein. Weitere Brüder wurden mit ihm gesandt, die von den Gemeinden anerkannt waren. Paulus wollte vermeiden, dass im Umgang mit der reichlichen Gabe auch nur ein berechtigter Verdacht entstehen konnte. Er erklärt ausdrücklich, dass sie auf das bedacht waren, was nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen ehrbar war.
Titus stand dadurch innerhalb eines bewusst geordneten Dienstes. Vertrauen bedeutete für Paulus nicht, auf Rechenschaft und sorgfältige Verfahren zu verzichten. Gerade weil die Gabe einem geistlichen Zweck diente, sollte ihr Umgang keinen Anlass zu Misstrauen geben. Titus’ Beteiligung an diesem Auftrag zeigt deshalb eine wichtige Seite seines Dienstes: Geistliche Reife bewährt sich nicht nur im Reden und Lehren, sondern auch in zuverlässigem Handeln bei praktischen Angelegenheiten.
Wie eng Paulus inzwischen mit Titus verbunden war, zeigt seine Bezeichnung gegenüber den Korinthern. Er nennt Titus seinen Gefährten und Mitarbeiter an ihnen. Darin liegt mehr als eine organisatorische Funktion. Titus stand mit Paulus gemeinsam im Dienst am Evangelium und trug Verantwortung für Menschen, zu denen Paulus selbst eine intensive, zeitweise schwierige Beziehung hatte. Dass Paulus gerade ihm diese Aufgabe übergab, zeigt das gewachsene Vertrauen zwischen beiden.
Später erinnert Paulus die Korinther nochmals daran, dass er Titus zu ihnen gesandt hatte, und stellt eine entscheidende Frage: Hatte Titus sie etwa übervorteilt? Die erwartete Antwort ist eindeutig nein. Paulus verweist darauf, dass Titus und er in demselben Geist und in denselben Fußspuren gehandelt hatten. Der Zusammenhang dient Paulus dazu, den Vorwurf zurückzuweisen, er oder seine Mitarbeiter hätten die Gemeinde finanziell ausgenutzt.
Damit erhält der Dienst des Titus eine weitere klare Kontur. Er war nicht nur ein zuverlässiger Überbringer von Nachrichten, sondern ein Mitarbeiter, dessen Verhalten Paulus als Beleg für die Lauterkeit ihres gemeinsamen Dienstes anführen konnte. Gerade in einer Gemeinde, in der Paulus mit Misstrauen und Vorwürfen konfrontiert wurde, war das von besonderer Bedeutung. Titus hatte offenbar so gehandelt, dass Paulus sich ohne Einschränkung auf sein Verhalten berufen konnte.
Die Sammlung verband praktische Hilfe mit der Gemeinschaft unter den Gläubigen. Menschen aus verschiedenen Gemeinden sollten füreinander Verantwortung übernehmen, und Titus half dabei, diesen Dienst zuverlässig auszuführen. Seine Aufgabe in Korinth zeigt deshalb, wie sehr Paulus ihm inzwischen vertraute: Titus konnte mit geistlich sensiblen Beziehungen ebenso umgehen wie mit einer Angelegenheit, die besondere Transparenz verlangte. Dieses bewährte Vertrauen bereitete ihn auf noch umfassendere Aufgaben in den Gemeinden vor.
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Titus bleibt auf Kreta, um die Gemeinden zu ordnen
Titus 1,4-5 – „4 an Titus, den echten Sohn nach dem gemeinsamen Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater und dem Herrn Jesus Christus, unsrem Retter. 5 Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du das Versäumte nachholen und in jeder Stadt Älteste einsetzen möchtest, wie ich dir befohlen habe:"
Titus 1,4-5 – „4 an Titus, den echten Sohn nach dem gemeinsamen Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater und dem Herrn Jesus Christus, unsrem Retter. 5 Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du das Versäumte nachholen und in jeder Stadt Älteste einsetzen möchtest, wie ich dir befohlen habe:"
Titus 1,10-16 – „10 Denn es gibt viele widerspenstige, eitle Schwätzer, die den Leuten den Kopf verwirren, allermeist die aus der Beschneidung. 11 Denen muß man das Maul stopfen; denn sie bringen ganze Häuser durcheinander mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen. 12 Es hat einer von ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: «Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere, faule Bäuche!» 13 Dieses Zeugnis …"
Titus 2,1 – „1 Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht:"
Später begegnet Titus in einer neuen und noch umfassenderen Verantwortung. Paulus schreibt ihm persönlich und erinnert daran, dass er ihn auf Kreta zurückgelassen hatte, damit er das noch Fehlende in Ordnung bringen und in den einzelnen Städten Älteste einsetzen sollte. Wann genau dieser Aufenthalt auf Kreta im Verhältnis zu allen zuvor berichteten Reisen stattfand, lässt sich allein aus den biblischen Angaben nicht mit völliger Sicherheit bestimmen. Klar ist jedoch, dass Titus inzwischen eine Aufgabe erhalten hatte, die weit über einen einzelnen Botengang hinausging.
Paulus nennt ihn in diesem Brief sein „echtes Kind nach dem gemeinsamen Glauben“. Diese Bezeichnung beschreibt keine leibliche Verwandtschaft. Sie zeigt vielmehr die enge geistliche Beziehung zwischen beiden. Paulus hatte Titus bereits als Gefährten und Mitarbeiter bezeichnet; nun tritt zusätzlich hervor, dass er ihn als einen Menschen ansah, dessen Glaube und Dienst eng mit seinem eigenen apostolischen Wirken verbunden waren. Das Vertrauen, das sich zuvor in schwierigen Gemeindesituationen bewährt hatte, bildete nun die Grundlage für eine größere Verantwortung.
Die Aufgabe auf Kreta bestand zunächst darin, „das Fehlende“ zu ordnen. Paulus lässt offen, welche einzelnen organisatorischen Schritte Titus bereits zuvor vorgenommen hatte. Der Zusammenhang zeigt jedoch, dass die Gemeinden noch verbindliche geistliche Leitung benötigten. Deshalb sollte Titus in den Städten Älteste einsetzen. Diese Männer sollten nicht aufgrund von Einfluss, Ansehen oder bloßer Fähigkeit ausgewählt werden, sondern nach klaren geistlichen und charakterlichen Maßstäben.
Damit erhielt Titus selbst keine unbegrenzte persönliche Macht über die Gemeinden. Seine Aufgabe bestand gerade darin, verlässliche Leiter einzusetzen, die Gottes Gemeinde verantwortlich dienen konnten. Paulus beschreibt einen Aufseher als Verwalter Gottes und verbindet diese Stellung mit Selbstbeherrschung, Gastfreundschaft, Liebe zum Guten und dem Festhalten am zuverlässigen Wort. Leitung in der Gemeinde sollte also nicht auf Herrschaft über Menschen beruhen, sondern auf Treue gegenüber dem anvertrauten Wort Gottes.
Die Dringlichkeit dieser Aufgabe erklärt Paulus anschließend. In den Gemeinden gab es viele, die sich nicht unterordnen wollten, leeres Gerede verbreiteten und andere täuschten. Besonders ernst war, dass ganze Häuser durch falsche Lehre durcheinandergebracht wurden. Paulus nennt dabei auch Menschen aus dem Umfeld der Beschneidung. Das Problem lag wiederum nicht in ihrer jüdischen Herkunft, sondern darin, dass sie Dinge lehrten, die sie nicht lehren sollten, und dabei unlautere Ziele verfolgten.
Titus sollte deshalb nicht nur Strukturen schaffen, sondern auch falscher Lehre entgegentreten. Paulus fordert ihn auf, deutlich zu reden und Irrtum nicht aus falsch verstandener Friedfertigkeit bestehen zu lassen. Gleichzeitig sollte seine Verkündigung an der „gesunden Lehre“ ausgerichtet sein. Der Maßstab war damit nicht Titus’ persönliche Meinung. Seine Autorität war an die apostolisch überlieferte Wahrheit des Evangeliums gebunden.
Gerade hier zeigt sich, weshalb Paulus einen bewährten Mitarbeiter auf Kreta zurückließ. Titus musste Menschen beurteilen können, ohne oberflächlich nach Auftreten oder Stellung zu entscheiden; er musste Irrlehre erkennen, ohne selbst zum Maßstab der Wahrheit zu werden; und er musste Gemeinden ordnen, ohne ihre Leitung an seine eigene Person zu binden. Seine Aufgabe verlangte zugleich Festigkeit, geistliches Urteilsvermögen und Treue zum Wort.
Aus dem Mann, der einst als griechischer Gläubiger mit Paulus nach Jerusalem gereist war, war damit ein Mitarbeiter geworden, dem die Festigung ganzer Gemeinden anvertraut werden konnte. Doch Paulus ließ ihn mit dieser Verantwortung nicht ohne klare Weisung zurück. Im weiteren Verlauf seines Briefes zeigte er Titus, wie gesunde Lehre das konkrete Leben verschiedener Menschen in der Gemeinde prägen sollte.
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Titus soll gesunde Lehre im Leben der Gemeinde sichtbar machen
Titus 2,1-10 – „1 Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht: 2 daß alte Männer nüchtern seien, ehrbar, verständig, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld; 3 daß alte Frauen ebenfalls sich benehmen, wie es Heiligen geziemt, daß sie nicht verleumderisch seien, nicht vielem Weingenuß frönen, sondern Lehrerinnen des Guten seien, 4 damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder z…"
Titus 2,1-10 – „1 Du aber rede, was der gesunden Lehre entspricht: 2 daß alte Männer nüchtern seien, ehrbar, verständig, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld; 3 daß alte Frauen ebenfalls sich benehmen, wie es Heiligen geziemt, daß sie nicht verleumderisch seien, nicht vielem Weingenuß frönen, sondern Lehrerinnen des Guten seien, 4 damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder z…"
Titus 2,11-14 – „11 Denn es ist erschienen die Gnade Gottes, heilsam allen Menschen; 12 sie nimmt uns in Zucht, damit wir unter Verleugnung des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste vernünftig und gerecht und gottselig leben in der jetzigen Weltzeit, 13 in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus, 14 der sich selbst für uns dahingeg…"
Titus 2,15 – „15 Solches rede und schärfe ein mit allem Ernst. Niemand verachte dich!"
Nachdem Paulus Titus beauftragt hatte, Älteste einzusetzen und falscher Lehre entgegenzutreten, weitete er den Blick auf das gesamte Leben der Gemeinde. Titus sollte nicht nur Irrtum zurückweisen, sondern selbst das reden, was der gesunden Lehre entspricht. Damit verbindet Paulus Wahrheit und Lebensführung unmittelbar miteinander. Die Ordnung einer Gemeinde bestand für ihn nicht allein in verlässlichen Leitungsstrukturen; das Evangelium sollte das Verhalten der Menschen verändern, die zu Christus gehörten.
Paulus richtet den Blick zunächst auf verschiedene Gruppen innerhalb der Gemeinde. Ältere Männer sollten nüchtern, ehrbar, besonnen und gesund im Glauben, in der Liebe und in der Geduld sein. Ältere Frauen sollten sich ihrem Bekenntnis entsprechend verhalten, nicht verleumden und nicht vom Wein beherrscht werden, sondern Gutes lehren. Ihre geistliche Reife sollte wiederum jüngeren Frauen zugutekommen, deren Leben in Familie und Alltag von Liebe, Besonnenheit und Treue geprägt sein sollte. Paulus beschreibt damit keine isolierten Einzelchristen, sondern eine Gemeinde, in der Reife weitergegeben wird.
Bei den jüngeren Männern hebt Paulus besonders die Besonnenheit hervor. Gerade an dieser Stelle wird Titus selbst unmittelbar einbezogen. Er sollte den anderen nicht nur Anweisungen geben, sondern sich in guten Werken selbst als Vorbild erweisen. Seine Lehre sollte unverfälscht, würdig und in einer Weise ausgesprochen werden, die einem berechtigten Angriff keinen Anlass gab. Für Titus bedeutete geistliche Leiterschaft deshalb, dass Botschaft und eigenes Verhalten nicht voneinander getrennt werden konnten.
Das war besonders wichtig, weil Titus gegen falsche Lehrer auftreten sollte. Seine Glaubwürdigkeit durfte nicht allein daraus entstehen, dass er ihre Irrtümer benennen konnte. Sein eigenes Leben sollte zeigen, welche Frucht die Wahrheit hervorbringt. Paulus verlangte von ihm keine Sündlosigkeit oder makellose Selbstdarstellung, sondern eine erkennbare Übereinstimmung zwischen der Lehre, für die er einstand, und der Lebensweise, zu der diese Lehre führte.
Paulus spricht in diesem Zusammenhang auch zu Knechten und fordert sie zu einem Verhalten auf, das die Lehre Gottes ehrt. Der Text beschreibt damit Menschen innerhalb einer bestehenden gesellschaftlichen Ordnung und erklärt nicht die Sklaverei selbst zu einem von Gott gesetzten Ideal. Der Schwerpunkt liegt darauf, wie Gläubige auch unter schwierigen Lebensverhältnissen glaubwürdig handeln sollen. Selbst Bereiche des alltäglichen Lebens, die gesellschaftlich gering geachtet wurden, sollten vom Bekenntnis zu Gott geprägt sein.
Den tiefsten Grund für diese Lebensweise nennt Paulus anschließend: Die Gnade Gottes ist erschienen und bringt Heil. Diese Gnade vergibt nicht nur; sie erzieht. Sie lehrt Gläubige, Gottlosigkeit und weltliche Begierden abzulehnen und in der gegenwärtigen Welt besonnen, gerecht und gottesfürchtig zu leben. Gehorsam erscheint damit nicht als Voraussetzung, durch die ein Mensch Gottes Gnade verdient, sondern als Wirkung der Gnade im Leben eines bereits von Christus ergriffenen Menschen.
Paulus richtet den Blick zugleich nach vorn auf die Hoffnung der Gläubigen und das Erscheinen Jesu Christi. Christus hat sich selbst gegeben, um Menschen von Gesetzlosigkeit zu erlösen und sich ein gereinigtes Volk zu schaffen, das eifrig zu guten Werken ist. Damit erhält auch der Auftrag des Titus seinen christologischen Mittelpunkt. Er sollte Menschen nicht zu äußerer Anständigkeit erziehen, sondern Gemeinden dienen, deren Leben von der Erlösung durch Christus geprägt und auf seine Wiederkunft ausgerichtet war.
Am Ende dieses Abschnitts fordert Paulus Titus auf, diese Dinge zu reden, zu ermahnen und mit der ihm übertragenen Vollmacht zurechtzuweisen. Seine Autorität sollte jedoch niemals von seiner Persönlichkeit leben. Sie beruhte auf der Wahrheit, die ihm anvertraut worden war. Gerade dadurch zeigt sein Dienst auf Kreta, was geistliche Leiterschaft nach dem Neuen Testament kennzeichnet: treue Lehre, glaubwürdiges Vorbild und ein Leben, in dem die rettende und erziehende Gnade Christi sichtbar wird.
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Titus erinnert die Gemeinden an das Leben aus Gottes Barmherzigkeit
Titus 3,1-8 – „1 Erinnere sie, daß sie den Regierungen und Gewalten untertan seien, gehorsam, zu jedem guten Werk bereit; 2 niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmut beweisen gegen alle Menschen. 3 Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, gingen irre, dienten den Lüsten und mancherlei Begierden, lebten in Bosheit und Neid, verhaßt und einander hassend. 4 Als aber die Freundlichkeit …"
Titus 3,1-8 – „1 Erinnere sie, daß sie den Regierungen und Gewalten untertan seien, gehorsam, zu jedem guten Werk bereit; 2 niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmut beweisen gegen alle Menschen. 3 Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, gingen irre, dienten den Lüsten und mancherlei Begierden, lebten in Bosheit und Neid, verhaßt und einander hassend. 4 Als aber die Freundlichkeit …"
Titus 3,9-11 – „9 Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister, sowie Zänkereien und Streitigkeiten über das Gesetz meide; denn sie sind unnütz und eitel. 10 Einen sektiererischen Menschen weise ab, nach ein und zweimaliger Zurechtweisung, 11 da du überzeugt sein kannst, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er sich selbst verurteilt."
Der Auftrag des Titus auf Kreta beschränkte sich nicht auf das innere Leben der Gemeinden. Paulus forderte ihn auch dazu auf, die Gläubigen an ihr Verhalten gegenüber Obrigkeiten und anderen Menschen zu erinnern. Sie sollten sich staatlichen Gewalten unterordnen, zum Guten bereit sein, niemanden verleumden, nicht streitsüchtig auftreten und allen Menschen mit Sanftmut begegnen. Christlicher Glaube sollte also auch dort sichtbar werden, wo Gläubige mit Menschen außerhalb der Gemeinde zusammenlebten.
Paulus begründet diese Haltung nicht mit einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit der Christen. Im Gegenteil erinnert er Titus und die Gemeinden ausdrücklich daran, wie sie selbst einst gewesen waren: unverständig, ungehorsam, irregehend und verschiedenen Begierden unterworfen. Sie lebten in Bosheit und Neid und begegneten einander mit Hass. Diese Erinnerung sollte nicht dazu dienen, die Vergangenheit immer wieder gegen die Gläubigen zu verwenden. Sie verhinderte vielmehr, dass Menschen, die selbst aus Gnade gerettet worden waren, hochmütig auf andere herabblickten.
Der Wendepunkt liegt vollständig im Handeln Gottes. Paulus schreibt davon, dass die Güte und Menschenliebe Gottes, ihres Retters, erschienen ist. Die Rettung geschah nicht aufgrund gerechter Werke, die Menschen selbst vollbracht hätten, sondern nach Gottes Barmherzigkeit. Damit greift der Brief noch einmal denselben Grund auf, der bereits hinter dem Auftrag des Titus stand: Das neue Leben beginnt nicht mit menschlicher Leistung, sondern mit Gottes rettendem Eingreifen.
Paulus verbindet diese Rettung mit der Erneuerung durch den Heiligen Geist, den Gott durch Jesus Christus reichlich ausgegossen hat. Der Mensch wird gerechtfertigt durch Gottes Gnade und empfängt die Hoffnung des ewigen Lebens. Gerade deshalb stehen Gnade und ein verändertes Leben nicht gegeneinander. Weil Gott rettet und erneuert, sollen diejenigen, die an ihn glauben, darauf bedacht sein, gute Werke zu tun. Diese Werke schaffen die Erlösung nicht; sie folgen aus ihr.
Titus sollte auf dieser Wahrheit mit besonderem Nachdruck bestehen. Paulus nennt diese Aussagen zuverlässig und möchte, dass die Gläubigen ihre Kraft nicht in nutzlosen Streitigkeiten verlieren, sondern in einem Leben, das anderen tatsächlich zum Guten dient. Gesunde Lehre sollte also weder bloß theoretisches Wissen noch ein Anlass zu endlosen religiösen Debatten werden. Sie führte zu einer Lebensweise, in der Gottes Barmherzigkeit gegenüber Menschen sichtbar wurde.
Gerade deshalb warnte Paulus Titus vor törichten Streitfragen, Geschlechtsregistern, Auseinandersetzungen und Wortkämpfen über das Gesetz, wenn sie keinen geistlichen Nutzen brachten. Damit verwarf Paulus weder Gottes Wort noch ernsthafte biblische Klärung. Sein Urteil richtete sich gegen Auseinandersetzungen, die leer und fruchtlos geworden waren. Titus musste unterscheiden können zwischen notwendigen Fragen, bei denen Wahrheit verteidigt werden musste, und Streit, der lediglich Kräfte band und die Gemeinde zerrüttete.
Besonders ernst wurde die Situation bei einem Menschen, der nach wiederholter Ermahnung bewusst Spaltung betrieb. Paulus wies Titus an, einen solchen nach einer ersten und zweiten Zurechtweisung zurückzuweisen. Auch hier sollte nicht vorschnell gehandelt werden: Zunächst standen Ermahnung und erneute Warnung. Beharrliche Spaltung durfte jedoch nicht unbegrenzt geduldet werden. Leitung verlangte damit zugleich Geduld und die Bereitschaft, klare Grenzen zu setzen.
Titus’ Aufgabe auf Kreta erscheint dadurch immer umfassender. Er sollte Leiter einsetzen, Irrlehre zurückweisen, selbst ein glaubwürdiges Vorbild sein und die Gemeinden zu einem Leben führen, das aus Gottes Gnade hervorging. Im Mittelpunkt blieb dabei nicht Titus selbst, sondern das rettende Handeln Gottes durch Jesus Christus. Erst nachdem Paulus diese grundlegenden Aufgaben beschrieben hatte, wandte er sich den nächsten persönlichen Schritten seines Mitarbeiters zu und zeigte, dass Titus’ Dienst auf Kreta nicht auf unbegrenzte Zeit angelegt war.
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Paulus ruft Titus von Kreta weiter
Titus 3,12-15 – „12 Wenn ich Artemas zu dir senden werde, oder Tychikus, so beeile dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen; denn dort habe ich zu überwintern beschlossen. 13 Zenas, den Schriftgelehrten, und Apollos schicke eilends voraus und laß es ihnen an nichts fehlen! 14 Es sollen aber auch die Unsrigen lernen, sich guter Werke zu befleißigen zur Befriedigung notwendiger Bedürfnisse, damit sie nicht unfruchtbar…"
Titus 3,12-15 – „12 Wenn ich Artemas zu dir senden werde, oder Tychikus, so beeile dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen; denn dort habe ich zu überwintern beschlossen. 13 Zenas, den Schriftgelehrten, und Apollos schicke eilends voraus und laß es ihnen an nichts fehlen! 14 Es sollen aber auch die Unsrigen lernen, sich guter Werke zu befleißigen zur Befriedigung notwendiger Bedürfnisse, damit sie nicht unfruchtbar…"
2. Timotheus 4,10 – „10 Denn Demas hat mich verlassen, weil er diesen Weltlauf liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien."
Am Ende seines Briefes wird deutlich, dass der Auftrag des Titus auf Kreta nicht als dauerhafte Bindung an die Insel gedacht war. Paulus kündigt an, entweder Artemas oder Tychikus zu ihm zu senden. Sobald einer von beiden eingetroffen wäre, sollte Titus sich bemühen, zu Paulus nach Nikopolis zu kommen, denn dort hatte Paulus beschlossen, den Winter zu verbringen. Damit tritt erneut hervor, wie beweglich der Dienst des Titus war: Er blieb dort, wo Verantwortung übernommen werden musste, konnte diese Aufgabe aber auch geordnet weitergeben und zu einem neuen Einsatz aufbrechen.
Paulus nennt keinen genauen Zeitpunkt, zu dem dieser Wechsel tatsächlich stattfand, und die Bibel berichtet auch nicht ausdrücklich, ob Titus Paulus in Nikopolis erreichte. Deshalb darf aus dem Brief keine vollständige Reiseroute konstruiert werden. Sicher ist lediglich, dass Paulus mit einem weiteren gemeinsamen Dienst rechnete und bereits für die Fortführung der Arbeit auf Kreta Vorsorge traf. Titus sollte die Gemeinden nicht von seiner persönlichen Anwesenheit abhängig machen.
Noch bevor Titus aufbrechen konnte, erhielt er einen praktischen Auftrag. Paulus bat ihn, Zenas, den Gesetzeskundigen, und Apollos sorgfältig für ihre Weiterreise auszurüsten, damit ihnen nichts fehlte. Titus sollte also auch reisende Mitarbeiter unterstützen und dafür sorgen, dass ihr Dienst nicht an vermeidbaren praktischen Schwierigkeiten scheiterte. Wieder zeigt sich, dass Gemeindearbeit im Neuen Testament geistliche Verkündigung und konkrete Fürsorge miteinander verband.
Paulus nimmt diese einzelne Aufgabe zum Anlass, noch einmal auf die Gemeinden selbst zu schauen. Auch „die Unseren“ sollten lernen, sich guter Werke anzunehmen, besonders dort, wo dringender Bedarf bestand. Sie sollten nicht ohne Frucht bleiben. Damit schließt sich der Gedankengang des Briefes: Gute Werke sind nicht der Weg zur Rechtfertigung, aber sie gehören zum Leben derer, die Gottes Gnade empfangen haben. Titus sollte diese Haltung nicht allein selbst verkörpern, sondern sie auch in den Gemeinden fördern.
Der Brief endet mit Grüßen von den Menschen bei Paulus und mit der Bitte, diejenigen zu grüßen, die ihnen im Glauben verbunden waren. Paulus schließt mit einem Gnadenwunsch. Damit endet die ausführlichste biblische Darstellung des Dienstes von Titus. Über viele Einzelheiten seines weiteren Weges schweigt die Schrift.
Eine spätere und zugleich letzte sichere Erwähnung findet sich im zweiten Timotheusbrief. Dort schreibt Paulus, Titus sei nach Dalmatien gegangen. Der Text erklärt nicht, warum er dorthin reiste, wer ihn sandte oder welche genaue Aufgabe er dort erfüllte. Im Gegensatz zu Demas, dessen Abreise ausdrücklich mit seiner Liebe zur gegenwärtigen Welt begründet wird, enthält die Mitteilung über Titus keine negative Bewertung. Es wäre deshalb unbegründet, seine Reise als Abkehr von Paulus oder vom Dienst zu verstehen.
Mehr lässt sich aus diesem letzten Hinweis nicht sicher ableiten. Die Bibel berichtet weder von weiteren Reisen noch von den Umständen seines späteren Lebens oder seines Todes. Auch eine spätere kirchliche Überlieferung darf diese Lücke nicht als biblische Tatsache füllen. Die eigentliche Lebensgeschichte des Titus endet deshalb mit diesem knappen Hinweis auf seinen Weg nach Dalmatien.
Gerade die Kürze seiner letzten Erwähnung passt zu dem Bild, das sich durch seine gesamte biblische Geschichte zieht. Titus steht selten selbst im Mittelpunkt. Er erscheint dort, wo Gemeinden gestärkt, schwierige Aufgaben übernommen, Mitarbeiter unterstützt oder Verantwortung weitergetragen werden muss. Von Jerusalem über Korinth und Kreta bis zu seiner letzten Erwähnung bleibt er vor allem als bewährter Mitarbeiter sichtbar, dessen Dienst auf Christus und den Aufbau seiner Gemeinde ausgerichtet war.
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Zusammenfassung und Gebet
Das Leben des Titus gehört zu den stilleren Lebensgeschichten des Neuen Testaments. Die Bibel überliefert keine langen Reden von ihm, berichtet nichts über seine Kindheit und erzählt auch nicht von seinem Tod. Dennoch entsteht aus den Briefen des Paulus ein erstaunlich klares Bild: Titus war ein Mann, dem zunehmend Verantwortung übertragen werden konnte, weil er sich im Dienst am Evangelium bewährte.
Seine Geschichte macht zugleich sichtbar, wie grundlegend das Evangelium die Grenzen menschlicher Herkunft durchbricht. Als Grieche musste Titus nicht erst Jude werden, um vollständig zu Christus und seinem Volk zu gehören. Seine Annahme beruhte nicht auf einem äußeren Bundeszeichen, sondern auf dem Heil, das Gott in Christus schenkt. Damit stand Titus persönlich für eine Wahrheit, die für die Ausbreitung des Evangeliums unter den Nationen von entscheidender Bedeutung war.
Kennzeichnend für Titus ist jedoch nicht allein seine Herkunft, sondern seine Verlässlichkeit. Paulus konnte ihn in eine angespannte Gemeinde senden, auf seinen Bericht warten und ihm Aufgaben anvertrauen, bei denen Beziehungen, geistliches Urteilsvermögen und praktische Verantwortung zusammenkamen. Selbst beim Umgang mit anvertrauten Gaben sollte der Dienst so geführt werden, dass er vor Gott und vor Menschen glaubwürdig blieb. Geistliche Treue zeigte sich damit auch in Sorgfalt, Lauterkeit und verantwortlichem Handeln.
Auf Kreta tritt diese Reife besonders hervor. Titus sollte nicht eine Gemeinde um seine eigene Persönlichkeit sammeln, sondern dafür sorgen, dass geeignete Älteste Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig musste er falscher Lehre widerstehen und selbst ein Vorbild dessen sein, was er verkündigte. Leitung erscheint dadurch nicht als persönlicher Rang, sondern als anvertrauter Dienst unter dem Wort Gottes.
Der Brief an Titus führt noch tiefer. Gesunde Lehre sollte nicht bei richtigen Aussagen stehen bleiben, sondern das Leben formen. Männer und Frauen, Jüngere und Ältere sollten lernen, ihrem Glauben entsprechend zu leben. Der Mittelpunkt dafür war nicht menschliche Selbstverbesserung, sondern die Gnade Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist. Sie rettet, und sie erzieht zu einem Leben, das Gott gehört. Gute Werke sind deshalb nicht der Preis der Erlösung, sondern ihre Frucht.
Gerade darin liegt eine bleibende Bedeutung des Titus für christliche Leiterschaft und Nachfolge. Treue zeigt sich nicht nur auf einer Kanzel oder in sichtbaren Aufgaben. Sie wird dort erkennbar, wo Wahrheit bewahrt, Menschen verantwortungsvoll begleitet, praktische Aufgaben gewissenhaft ausgeführt und persönliche Autorität dem Evangelium untergeordnet wird. Titus musste nicht selbst im Mittelpunkt stehen, damit sein Dienst für die Gemeinde von großer Bedeutung war.
Am Ende bleibt deshalb weniger das Bild eines herausragenden Einzelnen als das eines bewährten Dieners Christi. Titus’ Geschichte richtet den Blick weg von menschlicher Größe und hin zu der Gnade, die Menschen beruft, verändert und für ihren Dienst ausrüstet. Wo Christus das Zentrum bleibt, können unterschiedliche Menschen zu einem Volk gehören, Verantwortung treu tragen und mit ihrem Leben bezeugen, dass die Arbeit für den Herrn nicht vergeblich ist.
Herr, ich danke dir für deine Gnade, die Menschen durch Jesus Christus rettet und zu einem neuen Leben führt. Schenke auch mir die Treue, die sich nicht nur in Worten, sondern in zuverlässigem Handeln zeigt. Bewahre mich davor, nach Anerkennung oder eigener Bedeutung zu suchen, und lehre mich, Verantwortung demütig und gewissenhaft zu tragen. Gib mir Weisheit, Wahrheit und Liebe miteinander zu verbinden, Irrtum nicht gleichgültig hinzunehmen und zugleich Menschen mit Geduld zu dienen. Lass mein Leben widerspiegeln, dass alles Gute aus deiner Gnade kommt und zu deiner Ehre geschehen soll. Amen.
„Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, nehmet immer zu in dem Werke des Herrn, weil ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn!“ 1. Korinther 15,58