Stephanus

Stephanus in der Bibel: Leben, Predigt und Bedeutung

Stephanus ist in der Apostelgeschichte ein Diener der jungen Gemeinde in Jerusalem, der als Mann voller Glauben und Heiligen Geistes beschrieben wird. Sein Zeugnis für Jesus Christus führt ihn in schweren Widerstand und schließlich in den Tod; damit ist er der erste ausdrücklich berichtete Märtyrer der christlichen Gemeinde. Sein Leben zeigt, dass treuer Dienst, geistliche Weisheit und mutiges Bekenntnis untrennbar mit der Nachfolge Christi verbunden sein können.

Einführung

Stephanus tritt in der Bibel nicht mit einer ausführlichen Vorgeschichte auf. Über seine Eltern, seine Kindheit, seinen Beruf oder den Zeitpunkt, an dem er zum Glauben an Jesus kam, berichtet die Schrift nichts. Als sein Name erstmals erscheint, ist die Gemeinde in Jerusalem bereits stark gewachsen. Immer mehr Menschen haben das Evangelium angenommen, und mit diesem Wachstum entstehen auch praktische Schwierigkeiten innerhalb der Gemeinschaft.

Die Apostelgeschichte verschweigt diese Spannungen nicht. Unter den Gläubigen kommt es zu Unzufriedenheit, weil sich griechischsprachige Juden darüber beklagen, dass ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen werden. Die Apostel erkennen, dass diese Aufgabe zuverlässig geordnet werden muss, ohne dass dadurch ihr eigener Dienst am Wort Gottes vernachlässigt wird. Deshalb soll die Gemeinde Männer auswählen, deren geistliche Eignung nicht nur an organisatorischen Fähigkeiten gemessen wird. Gefragt sind Menschen mit gutem Zeugnis, voller Heiligen Geistes und Weisheit (Apostelgeschichte 6,1-3).

In genau diesem Zusammenhang begegnet Stephanus zum ersten Mal. Die Bibel führt ihn also nicht zunächst als Redner, Wundertäter oder Verfolgten ein, sondern als einen Mann, der für einen konkreten Dienst innerhalb der Gemeinde ausgewählt wird. Schon die Reihenfolge der Namen ist auffällig: Stephanus wird zuerst genannt und ausdrücklich als ein Mann beschrieben, der „voll Glaubens und Heiligen Geistes“ ist (Apostelgeschichte 6,5).

Damit beginnt seine biblisch greifbare Geschichte mitten im Leben einer wachsenden Gemeinde. Seine Herkunft bleibt im Hintergrund; entscheidend ist zunächst, was die Gemeinde an ihm erkennen kann und welche Verantwortung ihm daraufhin anvertraut wird.

Stephanus wird für den Dienst ausgewählt

Apostelgeschichte 6,5-6 – „5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. 6 Diese stellten sie vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf."
Apostelgeschichte 6,5-6 – „5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. 6 Diese stellten sie vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf."
Apostelgeschichte 6,1-4 – „1 In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden. 2 Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ziemt sich nicht, daß wir das Wort Gottes verlassen, um bei den Tischen zu dienen. 3 Darum, ihr Brüder, sehet euch nach sieben Männern aus eurer Mitte u…"
Apostelgeschichte 6,7 – „7 Und das Wort Gottes nahm zu, und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr zu Jerusalem, auch eine große Zahl von Priestern wurden dem Glauben gehorsam."

Als Stephanus erstmals genannt wird, steht die Gemeinde in Jerusalem vor einer Aufgabe, die aus ihrem schnellen Wachstum entstanden ist. Unter den griechischsprachigen Juden kommt Unzufriedenheit auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen werden. Die Apostel nehmen diese Beschwerde ernst, wollen aber zugleich ihren besonderen Auftrag zum Gebet und zum Dienst am Wort nicht vernachlässigen. Deshalb soll die Gemeinde sieben Männer auswählen, denen diese Verantwortung übertragen werden kann. Schon dieser Rahmen zeigt, dass auch eine scheinbar praktische Aufgabe geistliche Zuverlässigkeit verlangt.

Die Anforderungen an diese Männer sind bemerkenswert. Sie sollen ein gutes Zeugnis besitzen und voller Heiligen Geistes und Weisheit sein (Apostelgeschichte 6,3). Es genügt also nicht, dass jemand organisatorisch geeignet oder bereit ist zu helfen. Der Dienst an Menschen soll von einem Leben getragen werden, das unter der Leitung Gottes steht. Die junge Gemeinde trennt geistliches Leben und praktische Verantwortung nicht voneinander, sondern sieht beides miteinander verbunden.

Unter den sieben ausgewählten Männern nennt Lukas Stephanus an erster Stelle und hebt ihn besonders hervor: Er ist ein Mann „voll Glaubens und Heiligen Geistes“ (Apostelgeschichte 6,5). Über seine frühere Lebensgeschichte erfahren wir nichts, doch diese Beschreibung erlaubt einen sicheren Einblick in seinen damaligen Glaubensstand. Stephanus war nicht erst durch die neue Aufgabe zu einem geistlichen Menschen geworden. Die Gemeinde konnte bereits etwas in seinem Leben erkennen, das ihn für Verantwortung geeignet machte.

Nachdem die sieben Männer ausgewählt worden sind, werden sie vor die Apostel gestellt. Diese beten und legen ihnen die Hände auf (Apostelgeschichte 6,6). Der Text beschreibt damit eine bewusste Übertragung von Verantwortung innerhalb der Gemeinde. Die Aufgabe wird weder beiläufig noch als rein menschliche Organisation behandelt. Gebet begleitet die Beauftragung und macht deutlich, dass der Dienst innerhalb der Gemeinde unter Gottes Leitung geschehen soll.

Stephanus wird an dieser Stelle häufig als einer der ersten „Diakone“ bezeichnet. Die Apostelgeschichte selbst nennt die sieben Männer in diesem Abschnitt jedoch nicht ausdrücklich mit einem solchen Amtstitel. Sicher ist, dass sie für einen konkreten Dienst an der Gemeinde eingesetzt werden, insbesondere im Zusammenhang mit der täglichen Versorgung. Deshalb sollte man nicht mehr behaupten, als der Text tatsächlich sagt. Entscheidend für Stephanus' Lebensgeschichte ist zunächst seine von der Gemeinde anerkannte geistliche Eignung und die ihm übertragene Verantwortung.

Auch die Folgen dieser Entscheidung gehören zum Zusammenhang. Nachdem die praktische Aufgabe geordnet worden ist und die Apostel sich weiterhin dem Gebet und dem Wort widmen können, breitet sich das Wort Gottes weiter aus. Die Zahl der Jünger in Jerusalem wächst stark, und sogar viele Priester werden dem Glauben gehorsam (Apostelgeschichte 6,7). Lukas stellt diese Entwicklung unmittelbar nach der Einsetzung der sieben Männer dar. Die geordnete Mitarbeit verschiedener Diener trägt dazu bei, dass die Gemeinde ihren Auftrag erfüllen kann.

Damit beginnt Stephanus' biblisch überlieferter Weg nicht auf einer öffentlichen Bühne, sondern mit der Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen. Die Schrift stellt seinen Glauben, die Gegenwart des Heiligen Geistes und seine praktische Dienstbereitschaft nebeneinander. Doch seine Aufgabe wird schon bald über die Versorgung innerhalb der Gemeinde hinausreichen. Aus dem Mann, dem zunächst ein Dienst an den Bedürftigen anvertraut wird, tritt ein kraftvoller Zeuge Jesu hervor, dessen Wirken zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

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Stephanus bezeugt Christus mit Weisheit und Kraft

Apostelgeschichte 6,8-10 – „8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. 9 Es standen aber etliche aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und derer von Cilicien und Asien auf und stritten mit Stephanus. 10 Und sie vermochten der Weisheit und dem Geist, womit er redete, nicht zu widerstehen."
Apostelgeschichte 6,8-10 – „8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. 9 Es standen aber etliche aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und derer von Cilicien und Asien auf und stritten mit Stephanus. 10 Und sie vermochten der Weisheit und dem Geist, womit er redete, nicht zu widerstehen."
Apostelgeschichte 6,11-12 – „11 Da stifteten sie Männer an, die sagten: Wir haben ihn Lästerworte wider Mose und Gott reden hören. 12 Und sie wiegelten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, überfielen ihn, rissen ihn fort und führten ihn vor den Hohen Rat."
Lukas 21,12-15 – „12 Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse überliefern und vor Könige und Fürsten führen um meines Namens willen. 13 Das wird euch aber Gelegenheit zum Zeugnis geben. 14 So nehmet euch nun zu Herzen, daß ihr eure Verteidigung nicht vorher überlegen sollt; 15 denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher alle eure Widersacher ni…"

Nach seiner Einsetzung bleibt Stephanus nicht auf den zunächst beschriebenen Dienst innerhalb der Gemeinde beschränkt. Lukas berichtet nun, dass er „voll Glaubens und Kraft“ große Wunder und Zeichen unter dem Volk tut (Apostelgeschichte 6,8). Damit wird sichtbar, dass Gott Stephanus auch öffentlich zum Zeugnis gebraucht. Die Kraft seines Wirkens wird dabei nicht als persönliche Fähigkeit dargestellt, sondern steht im Zusammenhang mit der geistlichen Fülle, die bereits bei seiner Auswahl hervorgehoben worden war.

Die Apostelgeschichte hatte Zeichen und Wunder zuvor besonders im Dienst der Apostel beschrieben. Dass nun auch Stephanus in dieser Weise wirkt, zeigt, dass Gottes Handeln nicht auf einen kleinen Kreis von Männern begrenzt bleibt. Stephanus gehört nicht zu den Zwölf, und dennoch gebraucht Gott ihn machtvoll. Sein ursprünglicher Dienstauftrag wird dadurch nicht bedeutungslos; vielmehr zeigt sein Weg, dass ein treuer Dienst innerhalb der Gemeinde und ein öffentliches Zeugnis für Christus keine Gegensätze sind.

Mit seinem Wirken entsteht jedoch Widerstand. Männer aus einer Synagoge, zu der unter anderem sogenannte Libertiner sowie Menschen aus Kyrene, Alexandrien, Kilikien und Asien gehören, beginnen mit Stephanus zu disputieren (Apostelgeschichte 6,9). Der Text nennt verschiedene Herkunftsgruppen, ohne näher zu erklären, wie diese Synagoge genau organisiert war. Sicher ist jedoch, dass Stephanus nun einer religiösen Auseinandersetzung innerhalb des jüdischen Umfelds Jerusalems gegenübersteht.

Entscheidend ist nicht nur, dass Stephanus spricht, sondern wie Lukas das Ergebnis dieser Auseinandersetzung beschreibt. Seine Gegner können „der Weisheit und dem Geist, mit dem er redete“, nicht widerstehen (Apostelgeschichte 6,10). Damit erfüllt sich bei Stephanus in bemerkenswerter Weise ein Grundsatz, den Jesus seinen Jüngern für Zeiten der Verfolgung zugesagt hatte: Wenn sie vor Gegner gestellt würden, werde ihnen eine Weisheit gegeben, der ihre Widersacher nicht widerstehen könnten (Lukas 21,12-15). Bei Stephanus liegt der Schwerpunkt deshalb nicht auf rhetorischer Überlegenheit, sondern auf einem Zeugnis, das vom Geist Gottes getragen wird.

Dass seine Gegner seinen Worten nicht standhalten können, beendet den Konflikt allerdings nicht. Statt die Auseinandersetzung auf der Ebene der Wahrheit weiterzuführen, bewegen sie Männer dazu, Stephanus schwerwiegender Aussagen gegen Mose und gegen Gott zu beschuldigen (Apostelgeschichte 6,11). Lukas stellt damit einen Wendepunkt dar: Aus einer theologischen Diskussion wird eine Anklage. Der Widerstand gegen Stephanus nimmt eine Form an, die seine Freiheit und schließlich sein Leben bedrohen wird.

Die Vorwürfe betreffen besonders empfindliche Bereiche des jüdischen Glaubens. Eine Lästerung gegen Gott oder Mose konnte nicht als nebensächliche Meinungsverschiedenheit behandelt werden. Gerade deshalb ist wichtig, zwischen dem später tatsächlich von Stephanus Gesagten und dem zu unterscheiden, was seine Gegner ihm zunächst zuschreiben. Lukas berichtet ausdrücklich, dass Männer zu entsprechenden Aussagen angestiftet werden. Die Anklage darf daher nicht einfach als zuverlässige Zusammenfassung der Lehre des Stephanus übernommen werden.

Durch diese Anschuldigungen wird das Volk aufgebracht, ebenso die Ältesten und Schriftgelehrten. Stephanus wird ergriffen und vor den Hohen Rat gebracht (Apostelgeschichte 6,12). Sein öffentlicher Dienst hat ihn damit innerhalb kurzer Zeit von der praktischen Verantwortung in der Gemeinde in eine Situation geführt, in der er sich vor der höchsten jüdischen Ratsversammlung verantworten muss. Nicht weil sein Zeugnis wirkungslos geblieben wäre, sondern gerade weil seine Gegner ihm in Weisheit nicht widerstehen konnten, verschärft sich der Konflikt.

Stephanus steht nun nicht mehr nur in einer Diskussion über den Glauben. Seine Worte über Gottes Handeln sind zum Gegenstand einer förmlichen Anklage geworden. Was ihm vorgeworfen wird, berührt Mose, das Gesetz und den Tempel und damit Fragen, die für das Selbstverständnis seiner Ankläger von größter Bedeutung sind. Bevor Stephanus selbst ausführlich zu Wort kommt, wird deshalb zunächst entscheidend sein, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben werden und wie Gott ihn mitten in dieser bedrängenden Situation sichtbar bestätigt.

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Falsche Zeugen klagen Stephanus vor dem Hohen Rat an

Apostelgeschichte 6,13-15 – „13 Und sie stellten falsche Zeugen, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Reden zu führen wider diese heilige Stätte und das Gesetz! 14 Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Gebräuche ändern, die uns Mose überliefert hat! 15 Und da alle, die im Hohen Rate saßen, ihn anblickten, sahen sie sein Angesicht, [das war] wie eines Engels Angesic…"
Apostelgeschichte 6,13-15 – „13 Und sie stellten falsche Zeugen, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Reden zu führen wider diese heilige Stätte und das Gesetz! 14 Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Gebräuche ändern, die uns Mose überliefert hat! 15 Und da alle, die im Hohen Rate saßen, ihn anblickten, sahen sie sein Angesicht, [das war] wie eines Engels Angesic…"
Apostelgeschichte 6,11-12 – „11 Da stifteten sie Männer an, die sagten: Wir haben ihn Lästerworte wider Mose und Gott reden hören. 12 Und sie wiegelten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, überfielen ihn, rissen ihn fort und führten ihn vor den Hohen Rat."
Markus 14,55-58 – „55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis wider Jesus, um ihn zum Tode zu bringen; und sie fanden keins. 56 Denn obgleich viele falsches Zeugnis wider ihn ablegten, so stimmten die Zeugnisse doch nicht überein. 57 Und es standen etliche auf, legten falsches Zeugnis wider ihn ab und sprachen: 58 Wir haben ihn sagen hören: Ich will diesen mit Händen gemachten Tempel zerstören…"

Vor dem Hohen Rat verschärft sich die Anklage gegen Stephanus. Nachdem seine Gegner Menschen zu ersten Anschuldigungen angestiftet haben, treten nun falsche Zeugen auf. Sie behaupten, Stephanus rede unaufhörlich gegen „diese heilige Stätte und das Gesetz“ und lehre, Jesus von Nazareth werde den Tempel zerstören und die von Mose überlieferten Ordnungen verändern (Apostelgeschichte 6,13-14). Lukas kennzeichnet diese Männer ausdrücklich als falsche Zeugen. Ihre Aussagen dürfen deshalb nicht mit der tatsächlichen Botschaft des Stephanus gleichgesetzt werden.

Die Vorwürfe treffen zwei Bereiche, die für seine Zuhörer von größter Bedeutung sind: den Tempel und das Gesetz. Der Tempel in Jerusalem stand im Mittelpunkt des religiösen Lebens, und Mose war untrennbar mit dem von Gott gegebenen Gesetz und der Geschichte Israels verbunden. Eine Botschaft, die als Angriff auf beides verstanden wurde, konnte leicht den Verdacht erwecken, gegen Gottes Ordnung selbst gerichtet zu sein. Genau auf diesem empfindlichen Punkt setzen die Ankläger an.

Dennoch scheint ihre Anklage nicht völlig aus dem Nichts entstanden zu sein. Stephanus verkündigte Jesus Christus, und die Botschaft von Jesus stellte zwangsläufig die Frage, wie Tempel, Opferdienst und die bisherige Heilsgeschichte im Licht des Messias zu verstehen waren. Die Ankläger verdrehen jedoch diese Botschaft zu einem pauschalen Angriff auf Mose und den Tempel. Was Stephanus tatsächlich darüber lehrt, wird erst seine eigene Rede vor dem Hohen Rat zeigen. Dort wird gerade deutlich werden, wie ernst er die Geschichte Israels und Gottes Offenbarung durch Mose nimmt.

Die Situation erinnert in auffälliger Weise an den Prozess Jesu. Auch gegen Jesus wurden falsche Zeugen gesucht, und auch dort spielte eine Aussage über den Tempel eine Rolle (Markus 14,55-58). Daraus folgt nicht, dass jedes Einzelereignis bei Stephanus einfach als Wiederholung des Leidens Jesu verstanden werden darf. Doch Lukas zeichnet eine erkennbare Verbindung: Ein Zeuge Christi wird mit verzerrten Aussagen über den Tempel angeklagt, wie zuvor Christus selbst mit verdrehten Aussagen vor seinen Richtern stand.

Während diese schweren Vorwürfe im Raum stehen, richtet sich die Aufmerksamkeit des gesamten Hohen Rates auf Stephanus. Lukas berichtet, dass alle, die dort sitzen, ihn ansehen und sein Angesicht „wie eines Engels Angesicht“ sehen (Apostelgeschichte 6,15). Der Text erklärt nicht, wie dieses Aussehen genau beschaffen war. Deshalb wäre es spekulativ, eine bestimmte körperliche Erscheinung auszumalen. Sicher ist allein, dass Lukas darin etwas Außergewöhnliches wahrnimmt und es unmittelbar vor Stephanus' Verteidigungsrede festhält.

Gerade diese Einzelheit ist für die Situation bedeutsam. Stephanus steht unter schwerer Anklage, doch der Bericht zeichnet ihn nicht als eingeschüchterten oder verbitterten Mann. Die Beschreibung seines Angesichts steht vielmehr im scharfen Gegensatz zur Falschheit seiner Ankläger. Während Menschen sein Zeugnis verzerren, bleibt Gottes Gegenwart über seinem Diener sichtbar. Die Bedrohung ist real, aber sie bedeutet nicht, dass Gott Stephanus verlassen hätte.

Auch hier zeigt sich ein wichtiger Grundsatz seines Lebens: Gottes Bewahrung besteht nicht notwendigerweise darin, einen Menschen aus jeder Gefahr herauszuführen. Stephanus wird nicht vor dem Hohen Rat bewahrt, indem die Anklage sofort zusammenbricht. Stattdessen erhält er mitten in dieser Situation Gelegenheit, Zeugnis abzulegen. Gottes Nähe beseitigt die Prüfung nicht, sondern trägt ihn in ihr.

Damit ist der Rahmen für die längste Rede des Stephanus geschaffen. Die zentrale Frage lautet nun nicht mehr nur, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stimmen. Stephanus wird die Geschichte Israels selbst aufgreifen und zeigen, wie Gott sein Volk geführt hat, wie Mose in diese Geschichte gehört und warum Gottes Gegenwart niemals auf ein von Menschen errichtetes Gebäude begrenzt werden konnte. Seine Verteidigung wird dadurch zugleich zu einer eindringlichen Anklage gegen die geistliche Haltung seiner Zuhörer.

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Stephanus beginnt seine Verteidigung mit Abraham

Apostelgeschichte 7,1-8 – „1 Da sprach der Hohepriester: Verhält sich dieses also? 2 Er aber sprach: Ihr Männer, Brüder und Väter, höret! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: 3 «Gehe hinweg aus deinem Lande und deiner Verwandtschaft und ziehe in das Land, das ich dir zeigen werde!» 4 Da ging er hinweg aus dem Lande der Chaldäer und…"
Apostelgeschichte 7,1-8 – „1 Da sprach der Hohepriester: Verhält sich dieses also? 2 Er aber sprach: Ihr Männer, Brüder und Väter, höret! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: 3 «Gehe hinweg aus deinem Lande und deiner Verwandtschaft und ziehe in das Land, das ich dir zeigen werde!» 4 Da ging er hinweg aus dem Lande der Chaldäer und…"
1. Mose 12,1-3 – „1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus von deinem Land und von deiner Verwandtschaft und von deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will! 2 So will ich dich zu einem großen Volke machen und dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir fluchen; und durch dich sollen alle Geschlechter auf Erden…"
1. Mose 15,13-14 – „13 Da ward zu Abram gesagt: Du sollst für gewiß wissen, daß dein Same fremd sein wird in einem Lande, das nicht ihm gehört; und daselbst wird man sie zu dienen zwingen und demütigen vierhundert Jahre lang. 14 Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; darnach sollen sie mit großer Habe ausziehen."

Der Hohepriester gibt Stephanus nun Gelegenheit, auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu antworten. Doch Stephanus beginnt nicht mit einer unmittelbaren Verteidigung seiner eigenen Person. Stattdessen führt er seine Zuhörer weit zurück an den Anfang der Geschichte Israels und spricht sie als „Brüder und Väter“ an (Apostelgeschichte 7,1-2). Seine Rede zeigt damit von Beginn an, dass er die Geschichte des Volkes, gegen dessen Glauben er angeblich gesprochen haben soll, nicht verwirft. Er ordnet seine Botschaft vielmehr innerhalb derselben Geschichte ein, in der Gott Abraham berufen und seine Verheißungen gegeben hatte.

Stephanus beginnt mit dem „Gott der Herrlichkeit“, der Abraham erschien, als dieser noch in Mesopotamien lebte (Apostelgeschichte 7,2). Dieser Ausgangspunkt ist für seine Argumentation bedeutsam. Gottes Offenbarung an Abraham geschah lange bevor Israel den Tempel in Jerusalem besaß und sogar bevor Abraham in dem Land lebte, das seinen Nachkommen verheißen wurde. Gottes Gegenwart und sein Handeln waren also von Anfang an nicht auf einen bestimmten menschlichen Bau oder einen einzigen geografischen Ort begrenzt.

Abraham wurde aufgefordert, sein Land und seine Verwandtschaft zu verlassen und in das Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen würde. Stephanus zeichnet damit den Anfang Israels als Geschichte göttlicher Initiative. Abraham machte sich nicht selbst zum Träger der Verheißung; Gott rief ihn und führte ihn. Nachdem sein Vater gestorben war, brachte Gott ihn schließlich in das Land, in dem die Zuhörer des Stephanus nun selbst lebten (Apostelgeschichte 7,3-4). Der Boden, auf dem der Hohe Rat seine religiöse Sicherheit suchte, war ursprünglich ein Geschenk Gottes gewesen.

Doch Stephanus erinnert zugleich daran, dass Abraham dieses Land damals noch nicht als eigenen dauerhaften Besitz erhielt. Gott gab ihm darin nicht einmal einen Fußbreit als Erbteil, sondern verhieß ihm das Land für seine Nachkommenschaft, obwohl Abraham zu diesem Zeitpunkt noch kein Kind hatte (Apostelgeschichte 7,5). Die Geschichte des Glaubens beginnt damit nicht mit sichtbarem Besitz, sondern mit einer Verheißung. Abraham musste sich auf Gottes Wort verlassen, bevor er dessen Erfüllung sehen konnte.

Auch die kommenden Schwierigkeiten verschweigt Stephanus nicht. Gott hatte Abraham angekündigt, dass seine Nachkommen als Fremde in einem anderen Land leben, versklavt und bedrückt werden würden. Zugleich versprach er, das unterdrückende Volk zu richten und Abrahams Nachkommen anschließend herauszuführen, damit sie Gott dienen könnten (Apostelgeschichte 7,6-7). Stephanus macht damit deutlich, dass Bedrängnis und Fremdlingschaft die Erfüllung von Gottes Verheißung nicht aufgehoben hatten. Gott blieb Herr der Geschichte, auch wenn seine Zusage über Generationen hinweg noch nicht vollständig sichtbar war.

An dieser Stelle erwähnt Stephanus auch den Bund der Beschneidung. Abraham empfing dieses Bundeszeichen, zeugte Isaak und beschnitt ihn am achten Tag; von Isaak führt Stephanus die Linie zu Jakob und von Jakob zu den zwölf Stammvätern weiter (Apostelgeschichte 7,8). Damit bestätigt seine Rede ausdrücklich die Bundesgeschichte Israels. Er spricht nicht wie jemand, der Mose, die Väter oder Gottes Handeln mit Israel verachtet. Vielmehr nimmt er seine Ankläger gerade auf den Boden ihrer eigenen heiligen Geschichte mit.

Schon der erste Abschnitt seiner Rede setzt deshalb einen entscheidenden Akzent. Gottes Handeln ging dem Tempel voraus, seine Verheißung ging dem Besitz des Landes voraus, und sein Bund beruhte auf seiner eigenen Initiative. Stephanus greift den Tempel damit noch nicht direkt an. Er erinnert vielmehr daran, dass der Gott Israels größer ist als jeder Ort, den Menschen mit seiner Gegenwart verbinden.

Von Abraham führt die Geschichte nun zu seinen Nachkommen. Dabei wird Stephanus zeigen, dass Gottes erwählte Werkzeuge in Israels Vergangenheit nicht immer sofort erkannt oder angenommen wurden. Diese Linie beginnt besonders deutlich bei Joseph, dessen eigene Brüder sich zunächst gegen den Mann stellten, durch den Gott später ihre Rettung vorbereitete.

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Stephanus erinnert an Josephs Verwerfung und Erhöhung

Apostelgeschichte 7,9-16 – „9 Und die Patriarchen waren neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten. 10 Aber Gott war mit ihm und rettete ihn aus allen seinen Trübsalen und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; der setzte ihn zum Fürsten über Ägypten und über sein ganzes Haus. 11 Es kam aber eine Hungersnot über das ganze Land Ägypten und Kanaan und große Bedrängnis, und unsere Väter fand…"
Apostelgeschichte 7,9-16 – „9 Und die Patriarchen waren neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten. 10 Aber Gott war mit ihm und rettete ihn aus allen seinen Trübsalen und gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; der setzte ihn zum Fürsten über Ägypten und über sein ganzes Haus. 11 Es kam aber eine Hungersnot über das ganze Land Ägypten und Kanaan und große Bedrängnis, und unsere Väter fand…"
1. Mose 37,18-28 – „18 Als sie ihn nun von ferne sahen, ehe er in ihre Nähe kam, beschlossen sie, ihn meuchlings umzubringen. 19 Und sie sprachen zueinander: Seht, da kommt der Träumer her! 20 Jetzt wollen wir ihn doch töten und in eine Zisterne werfen und sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen; so wollen wir sehen, was aus seinen Träumen wird. 21 Als Ruben solches hörte, rettete er ihn aus ihren Händen, indem er …"
1. Mose 45,4-8 – „4 Da sprach Joseph zu seinen Brüdern: Tretet doch her zu mir! Als sie nun näher kamen, sprach er zu ihnen: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt! 5 Und nun bekümmert euch nicht und ärgert euch nicht darüber, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch her gesandt! 6 Denn dies ist das zweite Jahr, daß die Hungersnot im Lande herrscht,…"

Nachdem Stephanus bei Abraham und den Anfängen der Bundesgeschichte begonnen hat, richtet er den Blick auf die nächste Generation. Die Stammväter, die Söhne Jakobs, werden dabei keineswegs idealisiert. Stephanus sagt ausdrücklich, dass sie aus Neid Joseph nach Ägypten verkauften (Apostelgeschichte 7,9). Damit führt er einen Gedanken ein, der für seine gesamte Rede wichtig wird: Menschen können sich gegen denjenigen stellen, durch den Gott gerade sein rettendes Handeln vorbereitet.

Joseph wurde von seinen eigenen Brüdern verworfen. Was sie gegen ihn taten, war nicht Ausdruck von Gottes Zustimmung, sondern entsprang ihrer Eifersucht. Doch Stephanus fügt unmittelbar hinzu: „Gott war mit ihm.“ Damit verschiebt sich der Blick von der menschlichen Ablehnung auf Gottes Treue. Josephs Verkauf nach Ägypten bedeutete nicht, dass Gottes Handeln mit ihm beendet war. Gerade in der Fremde blieb Gott gegenwärtig.

Stephanus fasst Josephs weiteren Weg knapp zusammen. Gott rettete ihn aus seinen Bedrängnissen, gab ihm Gnade und Weisheit vor dem Pharao und ließ ihn schließlich über Ägypten und das Haus des Herrschers eingesetzt werden (Apostelgeschichte 7,10). Die ausführliche Geschichte aus 1. Mose wird nicht vollständig wiederholt, weil Stephanus einen bestimmten Zusammenhang hervorheben will. Der von seinen Brüdern Verworfene wird durch Gottes Führung zu dem Mann, durch den später gerade diese Familie bewahrt werden soll.

Dann kommt eine Hungersnot über Ägypten und Kanaan. Auch die Vorfahren Israels geraten in große Not und finden keine Nahrung. Als Jakob hört, dass es in Ägypten Getreide gibt, sendet er seine Söhne dorthin (Apostelgeschichte 7,11-12). Ohne es zunächst zu wissen, müssen sie damit zu dem Bruder gehen, den sie einst beseitigen wollten. Gottes Vorsehung führt die Geschichte an den Punkt zurück, an dem ihre frühere Schuld und Josephs von Gott gegebene Stellung zusammentreffen.

Beim zweiten Besuch gibt Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen (Apostelgeschichte 7,13). Diese Bemerkung ist kurz, aber innerhalb der Rede bedeutsam. Beim ersten Zusammentreffen erkennen die Brüder den von Gott gebrauchten Retter ihrer Familie nicht; erst später wird seine Identität offenbar. Stephanus formuliert an dieser Stelle noch keine ausdrückliche Anwendung auf seine Zuhörer, doch die Linie seiner Rede wird zunehmend erkennbar: Gottes Boten und Werkzeuge wurden in Israels Geschichte nicht immer beim ersten Auftreten angenommen.

Joseph lässt anschließend seinen Vater Jakob und seine ganze Verwandtschaft nach Ägypten holen. Stephanus nennt fünfundsiebzig Personen (Apostelgeschichte 7,14). Diese Zahl entspricht der in der griechischen Überlieferung des Alten Testaments wiedergegebenen Zählweise, während 1. Mose 46,27 im hebräischen Text siebzig Personen nennt. Für die Aussage seiner Rede ist dieser Unterschied nicht entscheidend. Stephanus' Schwerpunkt liegt darauf, dass die Familie Jakobs durch Joseph in Ägypten bewahrt wurde und dort einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte begann.

Jakob zieht nach Ägypten, wo später auch er und die Stammväter sterben. Stephanus erwähnt anschließend ihre Bestattung und verbindet damit die Geschichte wieder mit dem verheißenen Land (Apostelgeschichte 7,15-16). Einzelheiten dieses Verses werden unterschiedlich erklärt, weil die alttestamentlichen Berichte verschiedene Gräber und Erwerbsvorgänge nennen. Für Stephanus' Argumentation steht jedoch nicht eine ausführliche Erklärung dieser Besitzverhältnisse im Mittelpunkt. Entscheidend bleibt die Bewegung der Geschichte: Gottes Volk lebt zeitweise außerhalb des verheißenen Landes, während Gottes Verheißung dennoch bestehen bleibt.

Josephs Geschichte erweitert damit den Gedanken, den Stephanus schon bei Abraham begonnen hat. Gottes Gegenwart ist nicht auf Jerusalem beschränkt, denn Gott war mit Joseph in Ägypten. Zugleich kann menschliche Ablehnung Gottes Plan nicht verhindern. Die Brüder verwerfen Joseph, doch Gott erhebt gerade ihn zum Werkzeug ihrer Bewahrung.

Damit hat Stephanus ein erstes deutliches Beispiel für die Verwerfung eines von Gott gebrauchten Mannes vor Augen gestellt. Nun führt ihn die Geschichte zu Mose. An ihm wird dieses Muster noch ausführlicher sichtbar werden: Auch Mose wird zunächst von einem Israeliten zurückgewiesen, obwohl Gott ihn später zum Führer und Befreier seines Volkes bestimmt.

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Stephanus zeigt, wie Mose zuerst verworfen wurde

Apostelgeschichte 7,17-29 – „17 Als aber die Zeit der Verheißung nahte, welche Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten, 18 bis ein anderer König über Ägypten aufkam, der Joseph nicht kannte. 19 Dieser handelte arglistig gegen unser Geschlecht und zwang die Väter, ihre Kinder auszusetzen, damit sie nicht am Leben blieben. 20 In dieser Zeit wurde Mose geboren, der war Gott angenehm; und er wu…"
Apostelgeschichte 7,17-29 – „17 Als aber die Zeit der Verheißung nahte, welche Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten, 18 bis ein anderer König über Ägypten aufkam, der Joseph nicht kannte. 19 Dieser handelte arglistig gegen unser Geschlecht und zwang die Väter, ihre Kinder auszusetzen, damit sie nicht am Leben blieben. 20 In dieser Zeit wurde Mose geboren, der war Gott angenehm; und er wu…"
2. Mose 2,1-15 – „1 Und es ging hin ein Mann von dem Hause Levis und nahm eine Tochter Levis. 2 Und das Weib empfing und gebar einen Sohn. Und als sie sah, daß er schön war, verbarg sie ihn drei Monate lang. 3 Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, nahm sie ein Kästlein von Rohr, und verklebte es mit Lehm und Pech, tat das Kind darein, und legte es in das Schilf am Gestade des Flusses. 4 Aber seine Schwes…"
Hebräer 11,24-27 – „24 Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heißen. 25 Er wollte lieber mit dem Volke Gottes Ungemach leiden, als zeitliche Ergötzung der Sünde haben, 26 da er die Schmach Christi für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er sah die Belohnung an. 27 Durch Glauben verließ er Ägypten, ohne den Grimm des Königs zu fürchten; denn …"

Nachdem Stephanus an Joseph gezeigt hat, wie ein von seinen Brüdern verworfener Mann später zum Werkzeug ihrer Rettung wurde, führt er die Geschichte zu Mose weiter. Die Zeit schreitet voran, und die Verheißung, die Gott Abraham gegeben hatte, nähert sich ihrer Erfüllung. Das Volk Israel wächst in Ägypten stark an, bis ein anderer König aufsteht, der Joseph nicht mehr kennt (Apostelgeschichte 7,17-18). Damit verändert sich die Lage grundlegend: Aus der bewahrten Familie wird ein unterdrücktes Volk.

Stephanus beschreibt den neuen Herrscher als jemanden, der gegen Israel mit List vorgeht und die Vorfahren misshandelt. Die Bedrängnis erreicht einen besonders grausamen Höhepunkt darin, dass die Kinder ausgesetzt werden sollen, damit sie nicht am Leben bleiben (Apostelgeschichte 7,19). Genau in diese Situation hinein wird Mose geboren. Stephanus bezeichnet ihn als „schön vor Gott“ und berichtet, dass er drei Monate im Haus seines Vaters aufgezogen wurde, bevor er ausgesetzt werden musste (Apostelgeschichte 7,20). Seine Geschichte beginnt damit nicht in Sicherheit, sondern unter dem Todesdruck einer feindlichen Macht.

Als Mose ausgesetzt wird, nimmt ihn die Tochter des Pharao auf und zieht ihn als eigenen Sohn groß. Stephanus ergänzt, dass Mose „in aller Weisheit der Ägypter“ unterwiesen wurde und mächtig in Worten und Werken war (Apostelgeschichte 7,21-22). Diese Angaben machen deutlich, dass Mose in einer ungewöhnlichen Stellung aufwuchs. Obwohl er zu dem unterdrückten Volk gehörte, erhielt er Zugang zu einer Bildung und gesellschaftlichen Umgebung, die seinen Landsleuten verschlossen war.

Als Mose etwa vierzig Jahre alt ist, fasst er den Entschluss, nach seinen israelitischen Brüdern zu sehen (Apostelgeschichte 7,23). Er beobachtet, wie einer von ihnen misshandelt wird, greift ein und erschlägt den Ägypter. Stephanus erklärt dabei ausdrücklich, dass Mose meinte, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung geben wolle – „aber sie verstanden es nicht“ (Apostelgeschichte 7,24-25). Diese Aussage ist für die Rede des Stephanus besonders wichtig. Mose handelt mit dem Gedanken an Befreiung, doch seine Landsleute erkennen ihn zu diesem Zeitpunkt nicht als den von Gott gebrauchten Retter.

Am folgenden Tag versucht Mose, einen Streit zwischen zwei Israeliten zu schlichten. Er erinnert sie daran, dass sie Brüder sind, und fordert sie zur Versöhnung auf. Doch derjenige, der seinem Nächsten Unrecht tut, stößt Mose zurück und fragt: „Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gesetzt?“ (Apostelgeschichte 7,26-27). Stephanus hebt damit bewusst die Zurückweisung des Mose hervor. Noch bevor Gott ihn später ausdrücklich als Führer des Volkes sendet, begegnet ihm bereits Ablehnung aus den eigenen Reihen.

Der Israelit erinnert Mose zudem an die Tötung des Ägypters und fragt, ob Mose auch ihn töten wolle. Daraufhin flieht Mose und wird Fremdling im Land Midian, wo ihm zwei Söhne geboren werden (Apostelgeschichte 7,28-29). Der Bericht beschönigt Moses Handeln nicht. Die Tötung des Ägypters wird nicht als göttlich befohlener Befreiungsakt dargestellt, und der weitere Verlauf zeigt, dass Mose Israel nicht durch eigene Kraft oder eigenmächtiges Eingreifen erlösen konnte.

Stephanus' Schwerpunkt liegt jedoch noch tiefer. Der Mann, den ein Israelit mit der Frage zurückweist, wer ihn zum Führer und Richter gemacht habe, wird später tatsächlich von Gott gesandt werden. Menschliche Ablehnung entscheidet nicht darüber, wen Gott beruft. Zugleich genügt menschlicher Eifer nicht, um Gottes Auftrag in eigener Weise vorwegzunehmen. Zwischen Moses erstem Eingreifen und seiner späteren Berufung liegt eine lange Zeit, in der Gott selbst den Zeitpunkt und die Form der Befreiung bestimmen wird.

Damit verdichtet sich ein Muster, das bereits bei Joseph sichtbar war. Wieder wird ein Mann, den Gott später zur Rettung gebrauchen wird, zunächst von den eigenen Leuten nicht erkannt. Stephanus lässt diese Verbindung zunächst aus der Geschichte selbst hervortreten. Als Mose nach Jahrzehnten in Midian erneut begegnet, wird nicht sein eigener Entschluss, sondern Gottes Offenbarung den entscheidenden Wendepunkt schaffen.

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Der verworfene Mose wird von Gott gesandt

Apostelgeschichte 7,30-38 – „30 Und als vierzig Jahre verflossen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel des Herrn in der Feuerflamme eines Busches. 31 Da Mose das sah, verwunderte er sich über die Erscheinung. Als er aber hinzutrat, sie zu betrachten, erging die Stimme des Herrn an ihn: 32 «Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs.» Mose aber zitterte und wagte nicht hinzusc…"
Apostelgeschichte 7,30-38 – „30 Und als vierzig Jahre verflossen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel des Herrn in der Feuerflamme eines Busches. 31 Da Mose das sah, verwunderte er sich über die Erscheinung. Als er aber hinzutrat, sie zu betrachten, erging die Stimme des Herrn an ihn: 32 «Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs.» Mose aber zitterte und wagte nicht hinzusc…"
2. Mose 3,1-12 – „1 Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinten in die Wüste und kam an den Berg Gottes Horeb. 2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und als er sich umsah, siehe, da brannte der Dornbusch im Feuer, und der Dornbusch ward doch nicht verzehrt. 3 Da sprach Mose: Ich will doch hinzutret…"
5. Mose 18,15 – „15 Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf den sollst du hören!"

Vierzig Jahre nach Moses Flucht verändert sich seine Geschichte erneut. In der Wüste am Berg Sinai erscheint ihm ein Engel des Herrn in der Flamme eines brennenden Dornbusches (Apostelgeschichte 7,30). Mose staunt über die Erscheinung und nähert sich, um genauer hinzusehen. Dann hört er die Stimme Gottes. Der Mann, der Jahrzehnte zuvor aus eigener Initiative eingegriffen hatte, empfängt nun nicht einen selbst gewählten Auftrag, sondern eine ausdrückliche Berufung von Gott.

Gott stellt sich Mose als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Stephanus verbindet damit die Berufung Moses unmittelbar mit der Bundesgeschichte, die er am Anfang seiner Rede aufgegriffen hat. Mose erschrickt und wagt nicht hinzusehen. Zugleich befiehlt Gott ihm, die Schuhe auszuziehen, weil der Ort, an dem er steht, heiliger Boden ist (Apostelgeschichte 7,31-33). Gottes Heiligkeit ist damit erneut an seine eigene Gegenwart gebunden: Selbst in der Wüste, fern von Jerusalem und lange vor dem Tempel, wird ein Ort heilig, weil Gott sich dort offenbart.

Gott erklärt Mose, dass er das Elend seines Volkes in Ägypten gesehen und sein Seufzen gehört hat. Er ist herabgekommen, um Israel zu erretten, und sendet nun Mose nach Ägypten (Apostelgeschichte 7,34). Die Befreiung beginnt also bei Gott. Er sieht, hört, handelt und beruft. Mose wird zum Werkzeug dieser Rettung, aber nicht zu ihrem eigentlichen Ursprung.

An diesem Punkt hebt Stephanus bewusst den Gegensatz zu Moses früherer Zurückweisung hervor. „Diesen Mose“, den die Israeliten mit der Frage abgelehnt hatten, wer ihn zum Obersten und Richter eingesetzt habe, „den sandte Gott als Obersten und Erlöser“ (Apostelgeschichte 7,35). Dieselbe Person, deren Stellung einst bestritten wurde, wird von Gott selbst beauftragt. Stephanus erzählt diese Einzelheit nicht beiläufig; die Wiederaufnahme der früheren Ablehnung bildet einen tragenden Teil seiner Argumentation.

Durch Mose führt Gott Israel aus Ägypten heraus. Stephanus erinnert an Wunder und Zeichen in Ägypten, am Roten Meer und während der vierzig Jahre in der Wüste (Apostelgeschichte 7,36). Damit bestätigt er ausdrücklich die Bedeutung Moses als von Gott eingesetzten Führer. Gerade vor einem Rat, vor dem ihm angebliche Worte gegen Mose vorgeworfen werden, spricht Stephanus mit großer Achtung von dessen göttlicher Berufung und seinem Dienst. Seine Verteidigung besteht nicht darin, Mose herabzusetzen, sondern darin, die eigentliche Bedeutung seines Dienstes herauszustellen.

Dann erinnert Stephanus an eine Aussage Moses, die über dessen eigene Person hinausweist: Gott werde aus den Brüdern einen Propheten wie ihn erwecken (Apostelgeschichte 7,37; vgl. 5. Mose 18,15). Innerhalb des neutestamentlichen Zusammenhangs ist diese Verheißung bereits ausdrücklich auf Jesus bezogen worden (Apostelgeschichte 3,20-23). Mose steht deshalb nicht im Gegensatz zu Christus. Sein eigenes prophetisches Wort weist auf den hin, den Gott später senden würde.

Stephanus beschreibt Mose außerdem als denjenigen, der bei der Versammlung in der Wüste zwischen dem Engel, der am Sinai zu ihm sprach, und den Vätern stand. Er empfing „lebendige Worte“, um sie dem Volk weiterzugeben (Apostelgeschichte 7,38). Damit beantwortet Stephanus indirekt einen weiteren Teil der Anklage gegen ihn. Er behandelt Gottes Offenbarung durch Mose nicht als wertlos oder bedeutungslos. Das Problem, das seine Rede aufdecken wird, liegt nicht im Gesetz, das Gott gab, sondern in der Haltung der Menschen gegenüber Gottes Wort.

Die Geschichte Moses wird dadurch zu einem immer stärkeren Spiegel für Stephanus' Zuhörer. Gott berief einen Retter, doch dieser wurde zunächst von den eigenen Brüdern zurückgewiesen. Gott gab seinem Volk durch Mose seine Worte, doch der Besitz dieser Offenbarung garantierte noch keinen Gehorsam. Gerade dieser nächste Schritt ist entscheidend: Israel hatte Mose als Führer erhalten und Gottes mächtige Befreiung erlebt, aber sein Herz konnte sich dennoch von Gott abwenden.

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Israel weist Mose zurück und wendet sich Götzen zu

Apostelgeschichte 7,39-43 – „39 dem unsere Väter nicht gehorsam sein wollten; sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihren Herzen nach Ägypten, 40 indem sie zu Aaron sprachen: Mache uns Götter, die vor uns herziehen sollen; denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus Ägypten geführt hat, widerfahren ist! 41 Und sie machten ein Kalb in jenen Tagen und brachten dem Götzen ein Opfer und freuten sich an den…"
Apostelgeschichte 7,39-43 – „39 dem unsere Väter nicht gehorsam sein wollten; sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihren Herzen nach Ägypten, 40 indem sie zu Aaron sprachen: Mache uns Götter, die vor uns herziehen sollen; denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus Ägypten geführt hat, widerfahren ist! 41 Und sie machten ein Kalb in jenen Tagen und brachten dem Götzen ein Opfer und freuten sich an den…"
2. Mose 32,1-8 – „1 Als aber das Volk sah, daß Mose vom Berg zu kommen verzog, sammelte es sich um Aaron und sprach zu ihm: Auf, mache uns Götter, die uns vorangehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Manne Mose widerfahren ist, der uns aus Ägypten geführt hat. 2 Aaron sprach zu ihnen: Reißet die goldenen Ohrringe ab, die an den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne und eurer Töchter sind, und bringet sie zu mir! 3 Da r…"
Amos 5,25-27 – „25 Hast du, Haus Israel, mir während der vierzig Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speisopfer dargebracht? 26 Habt ihr nicht die Hütte eures Moloch, das Standbild eurer Götzen getragen, den Stern, den ihr euch zum Gott gemacht habt? 27 Ich aber will euch bis über Damaskus hinaus verbannen, spricht der HERR, Gott der Heerscharen ist sein Name."

Obwohl Gott Mose ausdrücklich gesandt und Israel durch ihn aus Ägypten geführt hatte, blieb die Ablehnung nicht auf die Zeit vor seiner Berufung beschränkt. Stephanus erinnert daran, dass die Väter Mose nicht gehorchen wollten, sondern ihn von sich stießen und sich in ihren Herzen wieder nach Ägypten zurückwandten (Apostelgeschichte 7,39). Äußerlich war das Volk aus der Knechtschaft herausgeführt worden, doch seine innere Bindung an das alte Leben war damit nicht automatisch überwunden. Gottes mächtiges Eingreifen hatte echten Gehorsam nicht überflüssig gemacht.

Während Mose auf dem Berg war, verlangten die Israeliten von Aaron Götter, die vor ihnen herziehen sollten. Dabei erklärten sie, sie wüssten nicht, was mit „diesem Mose“ geschehen sei, der sie aus Ägypten geführt habe (Apostelgeschichte 7,40). Gerade diese Formulierung macht die Verkehrung ihrer Haltung sichtbar. Gott hatte Mose als seinen Diener gesandt, doch in Moses Abwesenheit lösen sie sich von der Führung, die Gott ihnen gegeben hatte, und suchen sichtbare Ersatzgötter.

So entsteht das goldene Kalb. Stephanus sagt, dass sie diesem Götzen Opfer darbrachten und sich über das Werk ihrer eigenen Hände freuten (Apostelgeschichte 7,41). Die Tragik liegt nicht allein darin, dass ein Bild hergestellt wurde. Israel hatte kurz zuvor Gottes Befreiung erlebt und seine Offenbarung empfangen, wandte sich nun aber einem Gegenstand zu, den Menschen selbst geschaffen hatten. Verehrung wurde damit von dem lebendigen Gott auf ein menschliches Werk übertragen.

Dieser Rückblick ist für Stephanus' Verteidigung von großer Bedeutung. Ihm war vorgeworfen worden, gegen Mose und das Gesetz zu reden. Doch seine Rede zeigt das Gegenteil: Mose hatte Gottes lebendige Worte empfangen, während die Vorfahren diejenigen waren, die ihm nicht gehorchen wollten. Stephanus verschiebt damit die eigentliche Frage. Nicht die hohe Wertschätzung Moses oder der Besitz des Gesetzes beweisen Treue zu Gott, sondern der Gehorsam gegenüber dem, was Gott durch seinen Diener offenbart hat.

Stephanus führt die Geschichte anschließend über das goldene Kalb hinaus. Er erklärt, dass Gott sich von dem widerspenstigen Volk abwandte und es dahin gab, dem Heer des Himmels zu dienen (Apostelgeschichte 7,42). Zur Begründung greift er eine prophetische Anklage aus Amos auf. Schon der Prophet hatte Israel daran erinnert, dass seine Geschichte nicht einfach eine ununterbrochene Geschichte treuer Gottesverehrung gewesen war. Hinter äußerlichen religiösen Handlungen konnte zugleich eine tiefere Hinwendung zu fremden Göttern stehen.

Dabei nennt Stephanus die Hütte des Moloch und das Gestirn eines Gottes, dessen Bilder Israel zur Verehrung angefertigt hatte (Apostelgeschichte 7,43). Seine Wiedergabe folgt hier der griechischen Fassung des Amosbuches, deren Wortlaut sich in Einzelheiten von der hebräischen Textform unterscheidet. Für den Gedankengang der Rede ist jedoch eindeutig, worauf Stephanus hinauswill: Götzendienst war kein einzelner Ausrutscher am Sinai, sondern entwickelte sich zu einer wiederkehrenden Untreue, die schließlich Gottes Gericht nach sich zog.

Die Konsequenz, die Stephanus aus dem Prophetenwort aufnimmt, ist die Wegführung „über Babylon hinaus“. Damit verbindet er die Wüstengeneration mit der späteren Geschichte Israels. Der Besitz göttlicher Ordnungen bewahrte das Volk nicht automatisch vor Abfall und Gericht. Wo Gottes Offenbarung empfangen, aber sein Wille verworfen wurde, konnte religiöse Zugehörigkeit die Folgen des Ungehorsams nicht aufheben.

Damit wird Stephanus' Argument immer schärfer. Israel besaß Mose, das Gesetz und die Erinnerung an Gottes Befreiung, konnte sich aber dennoch gegen den von Gott gegebenen Führer stellen und anderen Göttern folgen. Nun wendet sich Stephanus dem Heiligtum selbst zu. Er wird zeigen, dass auch die Stiftshütte und später der Tempel ihren rechtmäßigen Platz in Gottes Geschichte hatten, ohne dass der lebendige Gott jemals auf ein von Menschen errichtetes Gebäude begrenzt werden konnte.

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Stephanus ordnet Stiftshütte und Tempel in Gottes Geschichte ein

Apostelgeschichte 7,44-50 – „44 Unsre Väter hatten das Zelt des Zeugnisses in der Wüste, wie der, welcher mit Mose redete, es zu machen befahl nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte. 45 Dieses brachten auch unsre Väter, wie sie es empfangen hatten, mit Josua [in das Land], als sie es von den Heiden in Besitz nahmen, welche Gott vor dem Angesichte unsrer Väter vertrieb, bis auf die Tage Davids. 46 Der fand Gnade vor Gott und…"
Apostelgeschichte 7,44-50 – „44 Unsre Väter hatten das Zelt des Zeugnisses in der Wüste, wie der, welcher mit Mose redete, es zu machen befahl nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte. 45 Dieses brachten auch unsre Väter, wie sie es empfangen hatten, mit Josua [in das Land], als sie es von den Heiden in Besitz nahmen, welche Gott vor dem Angesichte unsrer Väter vertrieb, bis auf die Tage Davids. 46 Der fand Gnade vor Gott und…"
2. Mose 25,8-9 – „8 Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich mitten unter ihnen wohne! 9 Durchaus, wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und aller ihrer Geräte zeigen werde, also sollt ihr es machen."
Jesaja 66,1-2 – „1 So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel! Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, da ich ruhen soll? 2 Hat doch meine Hand das alles gemacht, und so ist dies alles geworden, spricht der HERR. Ich will aber den ansehen, der gebeugten und niedergeschlagenen Geistes ist und der zittert ob meinem Wort."

Nachdem Stephanus an Israels wiederholte Neigung zum Götzendienst erinnert hat, richtet er den Blick auf das Heiligtum. Damit kommt er unmittelbar auf einen der Hauptpunkte der gegen ihn erhobenen Anklage zurück. Seine Gegner hatten behauptet, er rede gegen die „heilige Stätte“ (Apostelgeschichte 6,13). Stephanus antwortet darauf nicht, indem er das Heiligtum für bedeutungslos erklärt. Er beginnt vielmehr bei der Stiftshütte, deren Errichtung ausdrücklich auf Gottes Anweisung zurückging.

Die „Hütte des Zeugnisses“ befand sich bereits bei den Vätern in der Wüste. Mose hatte sie nach dem Vorbild anfertigen lassen, das Gott ihm gezeigt hatte (Apostelgeschichte 7,44; vgl. 2. Mose 25,8-9). Damit bestätigt Stephanus ihren göttlichen Ursprung. Das Heiligtum war keine eigenmächtige religiöse Erfindung Israels. Gott selbst hatte angeordnet, dass ihm ein Heiligtum errichtet werden sollte, und seine Gegenwart unter seinem Volk verlieh ihm seine eigentliche Bedeutung.

Die folgende Generation brachte die Stiftshütte unter Josua in das Land, als Israel die dort lebenden Völker in Besitz nahm. Stephanus verfolgt ihre Geschichte bis in die Tage Davids (Apostelgeschichte 7,45). Wieder wird sichtbar, dass Gottes Gegenwart mit seinem Volk nicht von Anfang an an einen unbeweglichen Tempel gebunden war. Die Stiftshütte begleitete Israel durch verschiedene Lebensphasen, und dennoch war Gott derselbe Gott, der Abraham außerhalb des Landes, Joseph in Ägypten und Mose in der Wüste begegnet war.

David fand Gnade vor Gott und begehrte, eine Wohnstätte für den Gott Jakobs zu finden. Doch nicht David, sondern Salomo baute Gott ein Haus (Apostelgeschichte 7,46-47). Stephanus bestreitet damit weder Davids Wunsch noch den Bau des Tempels. Die alttestamentliche Geschichte selbst bestätigt, dass der Tempel einen von Gott zugelassenen und bedeutsamen Platz im Leben Israels erhielt. Die falschen Zeugen hatten Stephanus als Gegner dieser heiligen Geschichte dargestellt; seine eigene Rede behandelt sie dagegen mit großer Sorgfalt.

Doch unmittelbar nach der Erwähnung des Tempelbaus setzt Stephanus die entscheidende Grenze: „Der Höchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“ (Apostelgeschichte 7,48). Damit erklärt er nicht, dass Gott niemals seine Gegenwart am Heiligtum offenbart hätte. Vielmehr kann kein Gebäude den unendlichen Gott umfassen. Schon bei der Einweihung des Tempels hatte Salomo selbst bekannt, dass selbst Himmel und aller Himmel Himmel Gott nicht fassen können, wie viel weniger das von ihm errichtete Haus (1. Könige 8,27).

Stephanus stützt diesen Gedanken anschließend auf den Propheten Jesaja. Gott selbst sagt dort: Der Himmel ist sein Thron und die Erde der Schemel seiner Füße; welches Haus könnten Menschen ihm bauen, wenn seine Hand doch alles geschaffen hat? (Apostelgeschichte 7,49-50; Jesaja 66,1-2). Die Aussage gegen eine falsche Vorstellung vom Tempel stammt damit nicht aus einer Geringschätzung des Alten Testaments. Stephanus argumentiert gerade aus den Schriften Israels heraus.

Das ist für den Konflikt vor dem Hohen Rat entscheidend. Der Tempel konnte ein heiliger Ort sein, weil Gott ihn in seine Heilsgeschichte aufgenommen hatte, ohne deshalb zu einem Ort zu werden, auf den Gottes Gegenwart begrenzt wäre. Seine Heiligkeit beruhte auf Gott, nicht Gottes Größe auf dem Gebäude. Wer den Tempel ehrte, musste deshalb auch auf den Gott hören, der größer als der Tempel war und der immer wieder durch seine Diener und Propheten zu seinem Volk gesprochen hatte.

Damit nähert sich Stephanus dem Höhepunkt seiner Rede. Bisher hat er weitgehend die Geschichte Israels erzählt und darin wiederholt gezeigt, wie Gottes Handeln menschlicher Ablehnung begegnete. Nun wird er die geschichtliche Linie unmittelbar auf seine Zuhörer anwenden. Aus der Verteidigung gegen die Anklage wird eine ernste Anklage gegen Menschen, die zwar auf ihre geistlichen Vorrechte vertrauen, sich aber dem Wirken Gottes widersetzen.

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Stephanus stellt den Hohen Rat vor seine Verantwortung

Apostelgeschichte 7,51-53 – „51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren! Ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste; wie eure Väter, also auch ihr! 52 Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche von dem Kommen des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid; 53 ihr, die ihr das Gesetz auf Anordnung von Engeln empfangen und es ni…"
Apostelgeschichte 7,51-53 – „51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren! Ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste; wie eure Väter, also auch ihr! 52 Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche von dem Kommen des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid; 53 ihr, die ihr das Gesetz auf Anordnung von Engeln empfangen und es ni…"
2. Mose 33,3-5 – „3 in das Land, das von Milch und Honig fließt; denn ich will nicht mit dir hinaufziehen, weil du ein halsstarriges Volk bist; ich würde dich sonst unterwegs verzehren. 4 Als das Volk diese harte Rede hörte, trug es Leid, und niemand legte seinen Schmuck an. 5 Und der HERR sprach zu Mose: Sage den Kindern Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk! Wenn ich nur einen Augenblick in deiner Mitte hinauf…"
Jeremia 6,10 – „10 Zu wem soll ich reden, wem Zeugnis ablegen, daß sie es hören? Siehe, ihre Ohren sind unbeschnitten, sie können nicht aufmerken. Siehe, das Wort des HERRN ist ihnen zum Hohn geworden; sie haben keine Lust daran."

Nachdem Stephanus die Geschichte von Abraham bis zum Tempel nachgezeichnet hat, verändert sich der Ton seiner Rede grundlegend. Bis hierhin hat er vor allem erzählt, wie Gott in Israels Geschichte gehandelt hat. Nun richtet er sich unmittelbar an seine Zuhörer: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren!“ (Apostelgeschichte 7,51). Die lange geschichtliche Darstellung mündet damit in eine persönliche Anklage. Stephanus will nicht lediglich über die Fehler früherer Generationen sprechen; seine Zuhörer sollen erkennen, dass dieselbe Haltung auch in ihrer eigenen Reaktion auf Gottes Handeln sichtbar geworden ist.

Der Ausdruck „halsstarrig“ stammt aus der Sprache des Alten Testaments und war bereits für Israel verwendet worden, als das Volk sich Gottes Führung widersetzte. Auch die Rede von einem unbeschnittenen Herzen ist keine Verachtung der Beschneidung, die Stephanus selbst zuvor als Bundeszeichen erwähnt hatte. Sie bezeichnet vielmehr ein inneres Problem: Äußerliche Zugehörigkeit zum Bundesvolk garantiert noch keinen gehorsamen und für Gott offenen Menschen. Stephanus greift damit eine Kritik auf, die bereits innerhalb der Schriften Israels selbst begegnet.

Besonders schwer wiegt sein nächster Satz: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr!“ (Apostelgeschichte 7,51). Damit nennt Stephanus den roten Faden, auf den seine ganze Rede hingeführt hat. Joseph wurde von seinen Brüdern verkauft, Mose zunächst verworfen, Gottes Boten fanden wiederholt Widerstand, und selbst die empfangene Offenbarung bewahrte das Volk nicht automatisch vor Abfall. Das eigentliche Problem lag nicht darin, dass Gott zu wenig gesprochen hätte, sondern darin, dass Menschen seinem Wirken widerstehen konnten.

Stephanus fragt deshalb, welchen der Propheten ihre Väter nicht verfolgt hätten. Besonders hebt er diejenigen hervor, die das Kommen des „Gerechten“ vorausverkündigt hatten (Apostelgeschichte 7,52). Mit dieser Bezeichnung führt seine Rede nun ausdrücklich zu Jesus Christus. Die Geschichte der zurückgewiesenen Boten Gottes erreicht in der Verwerfung des Messias ihren schwersten Höhepunkt. Stephanus beschuldigt seine Zuhörer, Verräter und Mörder des Gerechten geworden zu sein.

Damit wird zugleich sichtbar, weshalb seine ausführlichen Rückblicke auf Joseph und Mose mehr waren als geschichtliche Beispiele. Stephanus sagt nicht ausdrücklich, Joseph sei ein festgelegter Typus Christi; eine solche Aussage würde über seinen Wortlaut hinausgehen. Doch seine Rede zeigt eine heilsgeschichtliche Linie: Menschen, die Gott zu seinem rettenden Handeln gebraucht, wurden wiederholt zurückgewiesen. In Jesus ist nun nicht lediglich ein weiterer menschlicher Bote gekommen, sondern der von Gott verheißene Gerechte, den seine Zuhörer verworfen haben.

Stephanus beendet seine Anklage mit einem weiteren Hinweis auf das Gesetz. Seine Zuhörer hätten das Gesetz „durch Anordnung von Engeln“ empfangen und es dennoch nicht gehalten (Apostelgeschichte 7,53). Gerade dieser Satz beantwortet den Vorwurf, Stephanus selbst sei ein Feind des Gesetzes, auf besonders scharfe Weise. Er verachtet das Gesetz nicht, sondern hält seinen Anklägern vor, dass der bloße Besitz des Gesetzes wertlos wird, wenn ihm nicht gehorcht wird. Die Frage ist damit nicht, wer sich am stärksten auf Mose beruft, sondern wer tatsächlich auf Gottes Offenbarung hört.

Stephanus steht nun vor denselben Männern, die über ihn urteilen sollen, und legt ihnen zugleich ihre eigene Verantwortung vor Gott offen. Er versucht nicht, sich durch Abschwächung seiner Botschaft zu retten. Seine Verteidigungsrede endet vielmehr dort, wo die Geschichte Israels auf ihre gegenwärtige Entscheidung zuläuft: Der Gott, der durch seine Diener gesprochen und schließlich den Gerechten gesandt hat, fordert eine Antwort.

Die Reaktion des Hohen Rates zeigt, dass diese Worte den entscheidenden Punkt getroffen haben. Doch statt zur Umkehr führt die Anklage zu wachsender Wut. Stephanus hat ausgesprochen, was er vor seinen Richtern bezeugen musste; nun wird sich zeigen, wie sie auf dieses Zeugnis reagieren – und wie Gott seinem Diener in den letzten Augenblicken seines Lebens eine außergewöhnliche Gewissheit schenkt.

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Stephanus sieht Jesus zur Rechten Gottes

Apostelgeschichte 7,54-56 – „54 Als sie aber das hörten, schnitt es ihnen ins Herz, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 55 Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; 56 und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen!"
Apostelgeschichte 7,54-56 – „54 Als sie aber das hörten, schnitt es ihnen ins Herz, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 55 Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; 56 und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen!"
Psalmen 110,1 – „1 Ein Psalm Davids. Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße!"
Daniel 7,13-14 – „13 Ich sah in den Nachtgesichten und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Menschensohn; der gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. 14 Und ihm wurde Gewalt, Ehre und königliche Würde verliehen, daß ihm alle Völker, Stämme und Zungen dienen sollten; seine Gewalt ist eine ewige Gewalt, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie untergehen."

Die Worte des Stephanus lösen im Hohen Rat keine erkennbare Umkehr aus. Als seine Zuhörer seine Anklage hören, werden sie innerlich von Zorn getroffen und knirschen mit den Zähnen gegen ihn (Apostelgeschichte 7,54). Der Konflikt erreicht damit seinen entscheidenden Punkt. Stephanus hat ihnen anhand ihrer eigenen Geschichte gezeigt, dass religiöse Vorrechte keinen Gehorsam ersetzen können; nun antworten sie nicht auf seine Argumente, sondern wenden sich gegen den Zeugen selbst.

Inmitten dieser feindseligen Reaktion richtet Lukas den Blick erneut auf Stephanus. Er beschreibt ihn als „voll Heiligen Geistes“ und berichtet, dass Stephanus unverwandt zum Himmel schaut (Apostelgeschichte 7,55). Dieselbe geistliche Wirklichkeit, die bereits bei seiner ersten Erwähnung hervortrat, trägt ihn nun in seiner schwersten Stunde. Der Heilige Geist bewahrt ihn nicht vor der Bedrohung, sondern stärkt ihn mitten in ihr und richtet seinen Blick über das irdische Gericht hinaus.

Stephanus sieht die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen. Diese Vision bildet den Höhepunkt seines Zeugnisses. Vor dem Hohen Rat, der Jesus verworfen hatte, wird Stephanus die Wirklichkeit dessen gezeigt, den er verkündigt: Jesus lebt, ist erhöht und befindet sich an der Seite Gottes. Was für seine Ankläger eine bestrittene Botschaft ist, wird Stephanus in diesem Augenblick sichtbar bestätigt.

Die Aussage von Jesus zur Rechten Gottes greift eine bedeutende biblische Linie auf. Psalm 110 spricht von dem Herrn, der zur Rechten Gottes sitzt, und Jesus selbst hatte diesen Psalm auf seine messianische Stellung bezogen. Auch Daniel sieht in seiner Vision einen „Sohn des Menschen“, der vor den Alten an Tagen kommt und Herrschaft empfängt (Daniel 7,13-14). Stephanus verbindet diese Linien nicht in einer ausführlichen Erklärung; doch seine Worte stehen erkennbar in diesem biblischen Zusammenhang der Erhöhung und Herrschaft Christi.

Bemerkenswert ist, dass Stephanus Jesus als den „Sohn des Menschen“ bezeichnet (Apostelgeschichte 7,56). Dieser Titel begegnet in den Evangelien besonders häufig auf den Lippen Jesu selbst. Nun verwendet Stephanus ihn in einer Situation, in der er Jesus im Himmel sieht. Derjenige, der auf der Erde verworfen und getötet worden war, ist nicht besiegt. Er steht in himmlischer Herrlichkeit bei Gott.

Stephanus behält diese Vision nicht für sich. Er ruft aus, dass er den Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen sehe. Damit wird sein persönlicher Trost zugleich zum letzten öffentlichen Zeugnis vor dem Hohen Rat. Selbst angesichts zunehmender Feindschaft widerruft er seine Botschaft nicht. Seine Sicherheit gründet nun nicht auf der Aussicht, von seinen Richtern freigesprochen zu werden, sondern auf dem lebendigen Christus, den er vor sich sieht.

Der Text erklärt nicht ausdrücklich, warum Jesus hier stehend beschrieben wird, während andere Stellen von seinem Sitzen zur Rechten Gottes sprechen. Deshalb sollte aus dieser Einzelheit keine weiterreichende Lehre konstruiert werden, die der Zusammenhang nicht selbst erläutert. Sicher ist jedoch die Hauptaussage: Stephanus sieht den erhöhten Jesus in unmittelbarer Nähe der Herrlichkeit Gottes. Gerade in dem Augenblick, in dem ein irdisches Gericht ihn verwirft, erhält er Gewissheit über die himmlische Wirklichkeit seiner Botschaft.

Damit steht Stephanus an der Grenze zwischen seinem Zeugnis und seinem Tod. Die geöffneten Himmel führen seine Gegner nicht zum Glauben; seine Worte steigern ihren Widerstand noch weiter. Doch bevor Gewalt sein Leben beendet, hat Stephanus gesehen, worauf sein Glaube gerichtet war: Jesus Christus lebt und herrscht bei Gott. Diese Gewissheit wird nun auch die Art prägen, in der Stephanus seinen letzten Weg geht.

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Stephanus wird gesteinigt und stirbt im Vertrauen auf Christus

Apostelgeschichte 7,57-60 – „57 Sie aber schrieen mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. 58 Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings nieder, welcher Saulus hieß. 59 Und sie steinigten den Stephanus, welcher ausrief und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! 60 Er kniete aber nieder und rief mit lauter Stimme: Her…"
Apostelgeschichte 7,57-60 – „57 Sie aber schrieen mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. 58 Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings nieder, welcher Saulus hieß. 59 Und sie steinigten den Stephanus, welcher ausrief und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! 60 Er kniete aber nieder und rief mit lauter Stimme: Her…"
Lukas 23,34 – „34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie teilten aber seine Kleider und warfen das Los."
Lukas 23,46 – „46 Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er."

Die Reaktion des Hohen Rates auf Stephanus' Zeugnis ist unmittelbar und heftig. Seine Zuhörer schreien laut, halten sich die Ohren zu und stürmen gemeinsam auf ihn los (Apostelgeschichte 7,57). Die Männer, die zuvor als Richter über Stephanus saßen, beantworten seine Worte nun nicht mehr mit einer geordneten Untersuchung. Ihre Ablehnung richtet sich gegen den Zeugen selbst. Die Spannung, die sich seit den ersten Auseinandersetzungen um Stephanus aufgebaut hatte, schlägt endgültig in Gewalt um.

Sie stoßen Stephanus aus der Stadt und steinigen ihn (Apostelgeschichte 7,58). Damit erreicht sein öffentliches Zeugnis für Christus seinen tödlichen Ausgang. Lukas berichtet nicht, dass Stephanus versucht hätte, seine vorherigen Aussagen zurückzunehmen oder sich durch ein abgeschwächtes Bekenntnis zu retten. Noch unmittelbar zuvor hatte er den erhöhten Sohn des Menschen bezeugt. Nun verliert er sein Leben gerade in dem Zusammenhang dieses Zeugnisses und wird damit zum ersten in der Apostelgeschichte ausdrücklich berichteten Glaubenszeugen, der wegen seines Bekenntnisses zu Christus getötet wird.

Bei der Steinigung legen die Zeugen ihre Kleider zu den Füßen eines jungen Mannes namens Saulus (Apostelgeschichte 7,58). Diese kurze Angabe eröffnet eine neue Verbindung innerhalb der Apostelgeschichte. Saulus steht an dieser Stelle noch nicht auf der Seite der Gemeinde, sondern befindet sich im Umfeld derer, die Stephanus töten. Später wird Lukas ausdrücklich ergänzen, dass Saulus seiner Tötung zustimmte. Stephanus erlebt diese spätere Entwicklung jedoch nicht mehr; an diesem Punkt der Geschichte erscheint Saulus zunächst als Beteiligter auf der Seite der Verfolger.

Während die Steine ihn treffen, betet Stephanus: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ (Apostelgeschichte 7,59). Seine Worte richten sich unmittelbar an den Christus, den er eben zur Rechten Gottes gesehen hatte. Darin liegt ein deutliches Zeugnis seines Vertrauens. Stephanus erwartet seine Sicherheit nicht von den Menschen vor ihm, sondern übergibt sich Jesus. Seine Worte erinnern zugleich an Jesu Gebet am Kreuz, als dieser sein Leben in die Hände des Vaters legte (Lukas 23,46).

Diese Aussage bedeutet jedoch nicht, dass Stephanus hier ein bewusstes Weiterleben nach dem Tod beschreibt. Der unmittelbar folgende Vers verwendet vielmehr die biblische Sprache des Schlafes: Nachdem Stephanus sein letztes Gebet gesprochen hat, „entschlief er“ (Apostelgeschichte 7,60). Sein Leben endet im Vertrauen auf Christus. Die Hoffnung des Gläubigen liegt damit nicht in einem natürlichen unsterblichen Leben, sondern in dem Herrn, der den Tod überwunden hat und seine Toten bei der Auferstehung wieder zum Leben rufen wird.

Noch eindringlicher ist das zweite Gebet des Stephanus. Er sinkt auf die Knie und ruft mit lauter Stimme: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ (Apostelgeschichte 7,60). Wieder klingt das Leiden Jesu an, der für seine Feinde um Vergebung gebetet hatte (Lukas 23,34). Stephanus reagiert auf seine Mörder nicht mit einem letzten Fluch. Selbst während sie ihn töten, bittet er darum, dass ihre Schuld ihnen nicht angerechnet werde.

Damit wird sichtbar, wie tief sein Zeugnis von Christus geprägt worden ist. Stephanus hatte Jesus nicht nur öffentlich verkündigt; in seinen letzten Augenblicken spiegelt sein Verhalten etwas von der Haltung seines Herrn wider. Diese Verbindung darf nicht bedeuten, Stephanus Christus gleichzustellen. Jesus allein ist der Erlöser, dessen Tod für Sünder geschah. Stephanus dagegen stirbt als Zeuge Christi. Doch gerade in seinem Leiden wird sichtbar, wie die Nachfolge Jesu einen Menschen bis hinein in den Umgang mit seinen Feinden verändern kann.

Mit diesem Gebet endet die eigentliche Lebensgeschichte des Stephanus. Die Bibel berichtet nichts von einer späteren Grabstätte, von weiteren Worten oder von einer Fortsetzung seines irdischen Lebens. Doch sein Tod bleibt in der Apostelgeschichte nicht ohne Folgen. Unmittelbar danach beginnt eine schwere Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem, und der Name Saulus tritt stärker hervor. Gerade durch diese Entwicklung wird sichtbar werden, dass der Tod eines treuen Zeugen das Evangelium nicht zum Schweigen bringt.

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Der Tod des Stephanus zerstreut die Gemeinde, aber nicht das Evangelium

Apostelgeschichte 8,1-4 – „1 Saulus aber hatte seiner Hinrichtung zugestimmt. Und es entstand an jenem Tage eine große Verfolgung über die Gemeinde zu Jerusalem, und alle zerstreuten sich in die Landschaften von Judäa und Samaria, ausgenommen die Apostel. 2 Den Stephanus aber begruben gottesfürchtige Männer und veranstalteten eine große Trauer um ihn. 3 Saulus aber verwüstete die Gemeinde, drang in die Häuser ein, schleppt…"
Apostelgeschichte 8,1-4 – „1 Saulus aber hatte seiner Hinrichtung zugestimmt. Und es entstand an jenem Tage eine große Verfolgung über die Gemeinde zu Jerusalem, und alle zerstreuten sich in die Landschaften von Judäa und Samaria, ausgenommen die Apostel. 2 Den Stephanus aber begruben gottesfürchtige Männer und veranstalteten eine große Trauer um ihn. 3 Saulus aber verwüstete die Gemeinde, drang in die Häuser ein, schleppt…"
Apostelgeschichte 11,19 – „19 Die nun, welche sich zerstreut hatten seit der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhoben hatte, zogen bis nach Phönizien und Cypern und Antiochia und redeten das Wort zu niemand, als nur zu Juden."
Apostelgeschichte 22,19-20 – „19 Und ich sprach: Herr, sie wissen selbst, daß ich die, welche an dich glaubten, ins Gefängnis werfen und in den Synagogen schlagen ließ, 20 und daß auch ich dabei stand, als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, und seiner Hinrichtung beistimmte und die Kleider derer verwahrte, die ihn töteten."

Mit dem Tod des Stephanus endet sein irdisches Leben, doch die Apostelgeschichte zeigt unmittelbar, dass die Folgen seines Zeugnisses weit darüber hinausreichen. Saulus stimmt seiner Tötung zu, und noch am selben Tag setzt eine schwere Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem ein (Apostelgeschichte 8,1). Was bei Stephanus mit Streitgesprächen, falschen Anklagen und Gewalt begonnen hatte, richtet sich nun gegen die Gemeinschaft der Gläubigen insgesamt. Die Verfolgung eines einzelnen Zeugen wird zum Ausgangspunkt einer weit größeren Bedrängnis.

Stephanus selbst wird von gottesfürchtigen Männern bestattet, die eine große Klage über ihn halten (Apostelgeschichte 8,2). Lukas verschweigt ihre Trauer nicht. Der Tod eines treuen Dieners wird nicht dadurch weniger schmerzlich, dass er im Glauben gestorben ist. Zugleich berichtet die Bibel an dieser Stelle nichts von einer besonderen Verehrung seines Grabes oder von einer fortgesetzten Gemeinschaft mit ihm nach seinem Tod. Stephanus ist entschlafen; die Geschichte richtet den Blick nun auf das, was unter den Lebenden geschieht.

Dabei tritt Saulus immer stärker hervor. Er verwüstet die Gemeinde, dringt in Häuser ein und lässt Männer wie Frauen fortschleppen und ins Gefängnis bringen (Apostelgeschichte 8,3). Stephanus hatte in seinem letzten Gebet darum gebeten, seinen Mördern ihre Sünde nicht anzurechnen. Die Bibel sagt nicht, dass dieses Gebet unmittelbar Saulus' spätere Bekehrung verursacht habe; eine solche direkte Verbindung wäre mehr, als der Text erklärt. Doch Lukas stellt bemerkenswert dicht nebeneinander, dass Stephanus für seine Verfolger betet und Saulus kurz darauf als besonders entschlossener Gegner der Gemeinde hervortritt.

Die Verfolgung erreicht dennoch nicht das Ziel, die Botschaft von Jesus zum Schweigen zu bringen. Die Gläubigen werden zwar aus Jerusalem zerstreut, doch „die Zerstreuten zogen umher und verkündigten das Wort“ (Apostelgeschichte 8,4). Was menschlich wie ein schwerer Rückschlag aussieht, führt dadurch zu einer weiteren Ausbreitung des Evangeliums. Gott wird nicht als Urheber der Gewalt dargestellt; die Verfolger tragen Verantwortung für ihr Handeln. Dennoch kann ihr Widerstand Gottes Werk nicht aufhalten.

Ein späterer Rückblick in der Apostelgeschichte verbindet diese Ausbreitung ausdrücklich mit Stephanus. Diejenigen, die durch die Verfolgung „wegen Stephanus“ zerstreut worden waren, gelangen bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia (Apostelgeschichte 11,19). Damit erhält sein Tod eine weitreichende heilsgeschichtliche Nachwirkung. Stephanus selbst reist nicht als Missionar in diese Gebiete, doch die Verfolgung, die mit seinem Tod verbunden ist, trägt dazu bei, dass andere Gläubige das Wort weit über Jerusalem hinausbringen.

Auch Saulus vergisst Stephanus nicht. Jahre später, nachdem er selbst Christus begegnet ist und als Apostel dient, erinnert er sich im Gebet an jene Zeit. Er bekennt, dass er bei der Vergießung des Blutes des Stephanus, den er „deinen Zeugen“ nennt, dabeistand, zustimmte und die Kleider derer bewachte, die ihn töteten (Apostelgeschichte 22,19-20). Damit bestätigt Paulus rückblickend seine eigene Verantwortung. Der junge Mann am Rand der Steinigung war kein unbeteiligter Zuschauer.

Gerade dieser spätere Rückblick macht die Veränderung besonders eindrücklich. Der Mann, der dem Tod des Stephanus zustimmte, wird selbst zu einem der bedeutendsten Zeugen Jesu und erfährt Verfolgung um desselben Namens willen, den Stephanus bekannt hatte. Die Bibel macht Stephanus deshalb nicht zum Mittelpunkt der Bekehrung des Paulus; Christus selbst begegnet Saulus und ruft ihn. Doch in Paulus' eigener Erinnerung bleibt das Blut des Stephanus ein Teil seiner Vergangenheit, die er nicht beschönigt.

Der Tod des Stephanus widerlegt damit nicht die Wahrheit seines Zeugnisses. Die Gemeinde trauert, Verfolgung breitet sich aus und viele Gläubige verlieren ihre bisherige Sicherheit in Jerusalem. Doch gerade die Zerstreuten tragen das Evangelium weiter. Die Stimme des Stephanus ist verstummt, aber das Wort, für das er sein Leben gab, überschreitet neue Grenzen.

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Zusammenfassung und Gebet

Stephanus gehört zu den Menschen, deren biblische Lebensgeschichte nur einen kurzen Zeitraum umfasst und dennoch ein ungewöhnlich klares Zeugnis hinterlässt. Die Schrift sagt nichts über seine Herkunft, seine Kindheit oder seinen Weg zum Glauben. Als er in der Gemeinde erscheint, ist jedoch bereits sichtbar, was sein Leben trägt: Er wird als Mann voller Glauben, Weisheit und Heiligen Geistes beschrieben. Nicht Herkunft oder Stellung machen ihn bedeutsam, sondern Gottes Wirken in einem Menschen, der bereit ist, die ihm anvertraute Aufgabe treu auszuführen.

Sein Dienst beginnt mit einer praktischen Verantwortung für Menschen innerhalb der wachsenden Gemeinde. Darin liegt bereits etwas Wesentliches für sein Gesamtbild. Stephanus sucht nach dem biblischen Bericht keine bedeutende Stellung für sich selbst. Er wird von der Gemeinde für einen notwendigen Dienst ausgewählt und übernimmt Verantwortung dort, wo Hilfe gebraucht wird. Doch derselbe Mann wird zugleich zu einem kraftvollen öffentlichen Zeugen. Bei Stephanus stehen praktische Fürsorge, geistliche Reife und mutige Verkündigung nicht gegeneinander, sondern entspringen derselben Hingabe an Gott.

Gerade sein Zeugnis führt ihn in den Widerstand. Seine Gegner können der Weisheit und dem Geist, mit dem er spricht, nicht standhalten und greifen deshalb zu falschen Anschuldigungen. Vor dem Hohen Rat verteidigt Stephanus sich nicht durch eine geschickte Selbstdarstellung. Stattdessen führt er seine Zuhörer durch die Geschichte, die sie selbst als heilige Geschichte kennen. Abraham, Joseph, Mose, die Wüstenzeit und das Heiligtum werden zu Zeugen dafür, dass Gott sein Volk immer wieder gesucht, geführt und zu ihm gesprochen hat.

Dabei richtet Stephanus seinen Angriff weder gegen Mose noch gegen Gottes Gesetz oder gegen das von Gott eingesetzte Heiligtum. Seine Rede trifft vielmehr eine religiöse Haltung, die sich auf äußere Vorrechte berufen kann und dabei dem Gott widersteht, von dem diese Vorrechte stammen. Der Besitz des Gesetzes ersetzt nicht den Gehorsam. Ein heiliger Ort kann den grenzenlosen Gott nicht einschließen. Die Erinnerung an frühere Offenbarung nützt nichts, wenn Gottes gegenwärtiges Reden zurückgewiesen wird. Genau deshalb wird Israels Vergangenheit für den Hohen Rat zu einer ernsten Gegenwartsfrage.

Diese Linie erreicht ihren Höhepunkt in Jesus Christus. Stephanus bezeugt den Gerechten, den Gott gesandt hat und den Menschen verworfen haben. Als seine Zuhörer sich gegen ihn wenden, erhält er selbst eine außergewöhnliche Bestätigung seines Glaubens: Er sieht die Herrlichkeit Gottes und Jesus, den Sohn des Menschen, zur Rechten Gottes. Damit ruht sein Zeugnis in seiner letzten Stunde nicht auf einer menschlichen Hoffnung. Der Christus, für den Stephanus leidet, ist lebendig und erhöht.

Sein Tod offenbart schließlich, wie tief dieses Vertrauen sein Leben geprägt hat. Stephanus übergibt sich Jesus und bittet zugleich für die Menschen, die ihn töten. Darin folgt er seinem Herrn, ohne selbst zum Erlöser zu werden. Christus allein trägt die Sünde und schenkt Rettung; Stephanus ist sein Zeuge. Doch gerade als Zeuge zeigt er, was Nachfolge bedeuten kann, wenn Treue nicht mehr mit Sicherheit, Anerkennung oder dem Erhalt des eigenen Lebens belohnt wird.

Auch sein Tod bringt Gottes Wort nicht zum Schweigen. Die Gemeinde wird verfolgt und zerstreut, doch die Zerstreuten tragen das Evangelium weiter. Selbst Saulus, der der Tötung des Stephanus zustimmt, wird später von Christus ergriffen und erinnert sich noch Jahre danach an das Blut dieses Zeugen. Stephanus erlebt diese Entwicklung nicht mehr. Seine Treue war deshalb nicht davon abhängig, die sichtbaren Folgen seines Dienstes selbst noch zu sehen.

So bleibt Stephanus in der Bibel nicht deshalb groß, weil sein Leben lang oder sein Wirkungskreis menschlich betrachtet mächtig gewesen wäre. Sein Zeugnis weist auf einen größeren Herrn. Er dient, spricht, leidet und stirbt im Vertrauen auf Jesus Christus. Gerade darin liegt die bleibende Kraft seiner Geschichte: Treue zu Christus wird nicht daran gemessen, ob sie vor Leiden bewahrt, sondern daran, wem ein Mensch auch dann vertraut, wenn alles Sichtbare gegen ihn steht. Der letzte Halt des Stephanus war nicht seine eigene Standhaftigkeit, sondern der lebendige Christus, auf den sein Blick gerichtet blieb.

Herr, ich danke dir für das Zeugnis des Stephanus und dafür, dass du Menschen durch deinen Geist Kraft, Weisheit und Treue schenkst. Bewahre mein Herz davor, mich mit äußerer Religiosität zufriedenzugeben und dabei deinem Wort zu widerstehen. Gib mir Demut zum Dienen, Weisheit zum Reden und Mut, zu Jesus Christus zu stehen, auch wenn Treue etwas kostet. Lehre mich, meine Sicherheit nicht in Anerkennung oder günstigen Umständen zu suchen, sondern in Christus. Und schenke mir ein Herz, das selbst gegenüber Gegnern nicht von Hass, sondern von deiner Gnade bestimmt wird. Amen.

„Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein; und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.“ Johannes 12,26

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