Saul
Saul in der Bibel
Saul ist nach dem Zeugnis der Bibel der erste König Israels und stammt aus dem Stamm Benjamin. Gott ließ ihn durch den Propheten Samuel zum König bestimmen, als Israel den Übergang von der Richterzeit zum Königtum vollzog. Seine Stellung macht sichtbar, dass auch ein von
Einführung
Mit Saul beginnt in der Geschichte Israels eine neue Epoche. Bis dahin hatte das Volk keinen menschlichen König wie die umliegenden Nationen. Gott selbst war Israels eigentlicher König und hatte sein Volk durch Richter, Priester und Propheten geführt. Doch nun verlangten die Ältesten Israels nach einem sichtbaren Herrscher. Sauls Geschichte beginnt deshalb nicht nur mit einem einzelnen Mann, sondern mit einer grundlegenden Veränderung innerhalb des Volkes Gottes.
Gerade hier liegt eine wichtige Spannung. Das Königtum selbst war der Schrift nicht grundsätzlich fremd, doch Israels Wunsch entstand in einer Situation, in der das Volk ausdrücklich „wie alle Heiden“ sein wollte. Samuel war darüber betrübt, und Gott erklärte ihm, dass sich die Ablehnung letztlich gegen Gottes eigene Herrschaft richtete. Dennoch ließ Gott das Königtum zu und bestimmte selbst den Mann, der als Erster diese Verantwortung tragen sollte.
Dieser Mann war Saul, ein Sohn des Kis aus dem Stamm Benjamin. Benjamin gehörte zu den kleineren Stämmen Israels, und Sauls Familie wird nicht als königliches Geschlecht eingeführt. Noch steht Saul nicht auf einem Thron, führt kein Heer und besitzt keinen sichtbaren Anspruch auf die Herrschaft über Israel. Die Bibel begegnet ihm zunächst in einem weit alltäglicheren Zusammenhang.
Sein erster Weg beginnt mit verlorenen Eselinnen seines Vaters. Saul macht sich mit einem Knecht auf die Suche und durchzieht dabei mehrere Gegenden, ohne zu ahnen, welche Begegnung vor ihm liegt. Gerade aus diesem unscheinbaren Anfang führt die Erzählung zu Samuel und damit zu dem Moment, in dem Gott Sauls Leben eine völlig neue Richtung gibt.
Saul sucht die Eselinnen seines Vaters
1. Samuel 9,1-10 – „1 Es war aber ein Mann von Benjamin, namens Kis, ein Sohn Abiels, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Aphiachs, des Sohnes eines Benjaminiten, ein wackerer Mann. 2 Der hatte einen Sohn, namens Saul, jung und schön, so daß keiner schöner war unter den Kindern Israel, eines Hauptes höher als alles Volk. 3 Aber Kis, der Vater Sauls, hatte seine Eselinnen verloren. Und Kis sprach zu s…"
1. Samuel 9,1-10 – „1 Es war aber ein Mann von Benjamin, namens Kis, ein Sohn Abiels, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Aphiachs, des Sohnes eines Benjaminiten, ein wackerer Mann. 2 Der hatte einen Sohn, namens Saul, jung und schön, so daß keiner schöner war unter den Kindern Israel, eines Hauptes höher als alles Volk. 3 Aber Kis, der Vater Sauls, hatte seine Eselinnen verloren. Und Kis sprach zu s…"
1. Samuel 9,11-14 – „11 Als sie nun hingingen zu der Stadt, da der Mann Gottes war, und die Anhöhe zur Stadt hinaufstiegen, trafen sie Jungfrauen, die herauskamen, um Wasser zu schöpfen; zu denselben sprachen sie: Ist der Seher hier? 12 Sie antworteten ihnen und sprachen: Ja, siehe, er ist vor dir; eile nur, denn er ist heute in die Stadt gekommen, weil das Volk heute auf der Höhe zu opfern hat. 13 Wenn ihr in die St…"
Sauls Lebensgeschichte beginnt nicht am Königshof, sondern im Haus seines Vaters Kis. Die Bibel ordnet ihn zunächst sorgfältig seiner Herkunft zu: Kis war ein Benjaminiter aus einer angesehenen Familie, und Saul war sein Sohn. Damit gehörte Saul zum Stamm Benjamin, dessen Geschichte innerhalb Israels zuvor von einer schweren Krise überschattet worden war. Über Sauls Kindheit oder Jugend berichtet die Schrift nichts. Sie setzt erst dort ein, wo er bereits als erwachsener Sohn seines Vaters handelt und eine alltägliche Aufgabe übernimmt.
Bei seiner ersten Beschreibung fällt besonders Sauls äußere Erscheinung auf. Er wird als stattlicher Mann vorgestellt; unter den Israeliten sei niemand schöner gewesen als er, und er überragte das Volk um Haupteslänge. Der Text macht damit sichtbar, dass Saul äußerlich außergewöhnlich wirkte. Noch verbindet die Bibel diese Erscheinung jedoch nicht mit geistlicher Reife oder besonderer Eignung vor Gott. Gerade im weiteren Verlauf seines Lebens wird deutlich werden, dass sichtbare Größe und innere Treue nicht dasselbe sind.
Der unmittelbare Anlass für Sauls Aufbruch erscheint zunächst unbedeutend: Einige Eselinnen seines Vaters waren verlorengegangen. Kis schickte Saul zusammen mit einem Knecht aus, um nach ihnen zu suchen. Sie zogen durch das Gebirge Ephraim und verschiedene Gebiete des Landes, fanden die Tiere jedoch nicht. Die Erzählung beschreibt damit keinen königlichen Auftrag und keine religiöse Mission. Saul erfüllt zunächst schlicht eine Aufgabe, die ihm sein Vater gegeben hat.
Die Suche dauerte so lange, dass Saul schließlich nicht mehr die Tiere, sondern die Sorge seines Vaters im Blick hatte. Als sie in das Gebiet Zuf kamen, schlug er vor umzukehren, damit Kis nicht aufhöre, sich um die Eselinnen zu sorgen, und stattdessen um seinen Sohn beunruhigt werde. Darin lässt der Text zumindest erkennen, dass Saul die Verantwortung gegenüber seinem Vater ernst nahm. Mehr über seine inneren Beweggründe sagt die Bibel an dieser Stelle nicht, und deshalb sollte aus diesem Verhalten noch kein umfassendes Charakterbild gewonnen werden.
Der Knecht brachte jedoch einen anderen Gedanken ein. In der nahe gelegenen Stadt lebte ein „Mann Gottes“, dessen Aussagen zuverlässig eintrafen. Er schlug vor, ihn aufzusuchen und nach dem weiteren Weg zu fragen. Saul wandte zunächst ein, dass ihre Vorräte aufgebraucht seien und sie dem Gottesmann nichts mitbringen könnten. Der Knecht hatte jedoch noch ein Viertel Schekel Silber bei sich. So entschieden sie sich, den Gottesmann aufzusuchen.
Der Erzähler fügt an dieser Stelle eine sprachliche Erklärung ein: Wer später „Prophet“ genannt wurde, war früher auch als „Seher“ bezeichnet worden. Der gesuchte Mann war Samuel. Saul wusste zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, welche Bedeutung diese Begegnung für sein weiteres Leben haben würde. Aus seiner Sicht suchte er weiterhin nach einer Antwort auf eine praktische Frage. Der Leser erkennt dagegen bereits, dass die Geschichte auf etwas Größeres zuläuft.
Auf dem Weg zur Stadt begegneten Saul und sein Knecht jungen Frauen, die zum Wasserschöpfen hinausgingen. Sie fragten sie nach dem Seher und erfuhren, dass Samuel gerade angekommen war und an diesem Tag auf der Höhe ein Opfer stattfinden sollte. Die Frauen drängten sie, sich zu beeilen, wenn sie Samuel noch antreffen wollten. Damit verdichtet sich die Erzählung: Mehrere scheinbar gewöhnliche Umstände führen Saul genau zu dem Mann, den er treffen soll.
Noch weiß Saul nichts von einem Königtum, einer Salbung oder einem göttlichen Auftrag. Er sucht verlorene Tiere und folgt schließlich dem Hinweis seines Knechtes. Doch während Saul Samuel erst finden muss, hat Gott die Begegnung bereits vorbereitet. So führt dieser unscheinbare Beginn unmittelbar an den Punkt, an dem sich zeigt, dass Sauls Weg längst in einen größeren Zusammenhang hineingestellt worden ist.
Gott führt Saul zu Samuel
1. Samuel 9,15-21 – „15 Aber der HERR hatte einen Tag zuvor, ehe Saul kam, Samuels Ohr geöffnet und zu ihm gesagt: 16 Morgen um diese Zeit will ich einen Mann aus dem Lande Benjamin zu dir senden, den sollst du zum Fürsten über mein Volk Israel salben, daß er mein Volk von der Philister Hand erlöse; denn ich habe mein Volk angesehen, dieweil sein Geschrei vor mich gekommen ist. 17 Als nun Samuel den Saul ansah, antwo…"
1. Samuel 9,15-21 – „15 Aber der HERR hatte einen Tag zuvor, ehe Saul kam, Samuels Ohr geöffnet und zu ihm gesagt: 16 Morgen um diese Zeit will ich einen Mann aus dem Lande Benjamin zu dir senden, den sollst du zum Fürsten über mein Volk Israel salben, daß er mein Volk von der Philister Hand erlöse; denn ich habe mein Volk angesehen, dieweil sein Geschrei vor mich gekommen ist. 17 Als nun Samuel den Saul ansah, antwo…"
1. Samuel 9,22-27 – „22 Samuel aber nahm Saul samt seinem Knaben und führte sie in den Saal und setzte sie oben an unter die Geladenen; derer waren bei dreißig Mann. 23 Und Samuel sprach zu dem Koch: Gib das Stück her, das ich dir gab, und von dem ich befahl, du solltest es beiseite legen! 24 Da hob der Koch die Keule ab und brachte sie heraus und setzte sie Saul vor. Und Samuel sprach: Siehe, das ist aufbehalten wor…"
Während Saul noch auf dem Weg zu Samuel war, hatte Gott den Propheten bereits auf seine Ankunft vorbereitet. Einen Tag zuvor hatte der HERR Samuel offenbart, dass ein Mann aus dem Land Benjamin zu ihm kommen werde. Diesen sollte Samuel zum Fürsten über Israel salben. Damit wird die Perspektive der Erzählung entscheidend erweitert: Was für Saul wie die Fortsetzung einer erfolglosen Suche aussah, stand zugleich unter Gottes Führung.
Gott begründete Sauls kommende Aufgabe mit der Not seines Volkes. Er hatte das Schreien Israels wegen der Bedrängnis durch die Philister gesehen und gehört. Obwohl Israels Wunsch nach einem König zuvor mit einer problematischen Sehnsucht verbunden gewesen war, überließ Gott sein Volk nicht einfach sich selbst. Seine Antwort verband Gericht und Erbarmen: Israel sollte die Konsequenzen seines verlangten Königtums kennenlernen, und zugleich wollte Gott durch den kommenden Herrscher Befreiung schenken.
Als Samuel Saul erblickte, bestätigte Gott ihm ausdrücklich, dass dies der angekündigte Mann war. Samuel musste Saul also nicht nach äußeren Kriterien auswählen und auch nicht aufgrund seines eigenen Urteils erraten, wer für die Aufgabe geeignet sein könnte. Die Initiative ging von Gott aus. Sauls auffällige Erscheinung war bereits beschrieben worden, doch seine Bestimmung zum König beruhte nicht darauf, dass Samuel von seinem Aussehen beeindruckt gewesen wäre.
Saul selbst wusste von alldem noch nichts. Als er Samuel am Stadttor begegnete, fragte er ausgerechnet ihn nach dem Haus des Sehers. Samuel gab sich zu erkennen und lud Saul ein, mit ihm auf die Höhe hinaufzugehen. Zugleich nahm er Sauls unmittelbare Sorge von ihm: Die verlorenen Eselinnen seien bereits gefunden worden. Damit war der Anlass, der Saul überhaupt auf diesen Weg gebracht hatte, erledigt. Nun trat etwas in den Vordergrund, von dem Saul bei seinem Aufbruch nichts geahnt hatte.
Dann sprach Samuel Worte, die Saul überraschen mussten. Er deutete an, dass sich das Begehren Israels auf Saul und das Haus seines Vaters richtete. Saul antwortete mit einem Hinweis auf seine geringe Stellung: Er sei doch ein Benjaminiter, Angehöriger des kleinsten Stammes Israels, und seine Familie gehöre nicht zu den bedeutendsten Familien Benjamins. Warum rede Samuel auf diese Weise mit ihm? Die Bibel gibt hier Sauls eigene Selbsteinschätzung wieder. Ob daraus bereits dauerhafte Demut abzuleiten ist, zeigt dieser einzelne Ausspruch noch nicht; sicher ist jedoch, dass Saul die angekündigte Größe seiner künftigen Stellung zunächst nicht als selbstverständlich betrachtete.
Samuel behandelte ihn nun auf eine Weise, die seine besondere Bestimmung vorbereitete. Beim Opfermahl setzte er Saul und seinen Knecht an einen ausgezeichneten Platz unter etwa dreißig Gästen. Außerdem ließ er Saul einen Fleischanteil geben, der eigens für ihn zurückgelegt worden war. Saul war also schon erwartet worden, obwohl er selbst nichts von dieser Vorbereitung wusste. Schritt für Schritt machte Samuel sichtbar, dass die Begegnung nicht zufällig zustande gekommen war.
Nach dem Mahl gingen Samuel und Saul von der Höhe in die Stadt hinab. Dort sprach Samuel weiter mit ihm, und am folgenden Morgen machte er sich mit Saul auf den Weg bis an den Rand der Stadt. Nun sollte der Knecht vorausgehen, während Saul zurückblieb. Samuel wollte ihm das Wort Gottes verkünden. Damit verändert sich die Situation endgültig: Saul steht nicht länger nur vor einem Propheten, der ihm über verlorene Tiere Auskunft geben kann, sondern vor dem Boten Gottes, der ihm Gottes Willen für sein eigenes Leben eröffnen wird.
Sauls Weg hatte mit einem Auftrag seines Vaters begonnen. Nun stand er an der Schwelle zu einem Auftrag, der sein gesamtes weiteres Leben bestimmen sollte. Gott hatte die Begegnung vorbereitet, Samuel hatte Saul erkannt, und Saul sollte jetzt erfahren, wozu er bestimmt worden war. Der nächste Schritt würde diese Berufung nicht nur mit Worten erklären, sondern durch eine Handlung bestätigen, die ihn öffentlich noch nicht zum König machte, ihn aber persönlich für dieses Amt aussonderte.
Zurück: Saul sucht die Eselinnen seines Vaters Weiter: Samuel salbt Saul zum König
Samuel salbt Saul zum König
1. Samuel 10,1-8 – „1 Da nahm Samuel die Ölflasche und goß sie auf sein Haupt und küßte ihn und sprach: Hat dich nicht der HERR zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt? 2 Wenn du jetzt von mir gehst, wirst du zwei Männer finden bei dem Grabe Rahels, im Gebiet Benjamin, bei Zelzach; die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du suchen gegangen bist; und siehe, dein Vater hat die Nachfrage nach den Eselin…"
1. Samuel 10,1-8 – „1 Da nahm Samuel die Ölflasche und goß sie auf sein Haupt und küßte ihn und sprach: Hat dich nicht der HERR zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt? 2 Wenn du jetzt von mir gehst, wirst du zwei Männer finden bei dem Grabe Rahels, im Gebiet Benjamin, bei Zelzach; die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du suchen gegangen bist; und siehe, dein Vater hat die Nachfrage nach den Eselin…"
1. Samuel 10,9-16 – „9 Als er nun seine Schultern wandte, um von Samuel wegzugehen, da verwandelte Gott sein Herz, und es trafen alle diese Zeichen am selben Tage ein. 10 Denn als sie dort an den Hügel kamen, siehe, da begegnete ihm eine Schar Propheten, und der Geist Gottes kam über ihn, so daß er in ihrer Mitte weissagte. 11 Als aber die, welche ihn zuvor gekannt hatten, sahen, daß er mit den Propheten weissagte, s…"
Am Rand der Stadt kam der Augenblick, auf den Gott Samuel vorbereitet hatte. Samuel nahm eine Ölflasche, goss das Öl auf Sauls Haupt, küsste ihn und erklärte ihm, dass der HERR ihn zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt habe. Die Salbung war mehr als eine persönliche Ehrung. Saul wurde damit von Gott für eine besondere Aufgabe ausgesondert: Er sollte Verantwortung für das Volk tragen, das Gott weiterhin als sein eigenes Erbteil bezeichnete. Auch unter einem menschlichen König blieb Israel zuerst Gottes Volk.
Für Saul musste diese Berufung außerordentlich sein. Noch kurz zuvor hatte er nach den verlorenen Tieren seines Vaters gesucht; nun stand er als der von Samuel Gesalbte da. Doch Gott ließ ihn nicht allein mit Samuels Wort zurück. Samuel kündigte ihm mehrere konkrete Zeichen an, die sich auf seinem Heimweg erfüllen sollten. Sie sollten Saul bestätigen, dass die Salbung tatsächlich unter Gottes Führung geschehen war und nicht lediglich auf Samuels persönlicher Entscheidung beruhte.
Zunächst würde Saul bei Rahels Grab zwei Männer treffen, die ihm berichteten, dass die Eselinnen gefunden worden seien und sein Vater sich nun um ihn sorge. Danach sollte er bei der Terebinthe von Tabor drei Männern begegnen, die auf dem Weg zu Gott nach Bethel waren. Einer von ihnen würde drei Böcklein tragen, ein anderer drei Brote und der dritte einen Schlauch Wein. Sie würden Saul grüßen und ihm zwei Brote geben. Schon die Genauigkeit dieser Vorhersagen machte ihre spätere Erfüllung zu einer eindeutigen Bestätigung.
Das bedeutendste Zeichen sollte jedoch an einem anderen Ort geschehen. In der Nähe einer Besatzung der Philister würde Saul einer Gruppe von Propheten begegnen, die mit verschiedenen Instrumenten von der Höhe herabkämen und weissagten. Dann, so kündigte Samuel an, werde der Geist des HERRN über Saul kommen. Saul selbst würde mit ihnen weissagen und dabei „in einen anderen Mann verwandelt“ werden. Der Zusammenhang spricht hier unmittelbar von der Befähigung für die bevorstehende Aufgabe. Gott berief Saul nicht nur zu einem Amt, sondern stellte ihm auch die göttliche Ausrüstung dafür zur Verfügung.
Samuel erklärte ihm außerdem, dass Saul nach der Erfüllung dieser Zeichen entsprechend der gegebenen Gelegenheit handeln solle, denn Gott sei mit ihm. Zugleich blieb Saul an Gottes Weisung gebunden. Er sollte später nach Gilgal hinabgehen und dort sieben Tage auf Samuel warten, bis dieser käme und ihm mitteilte, was er tun solle. Schon bei seiner Berufung wurde damit eine Grenze sichtbar, die für Sauls gesamtes Königtum entscheidend bleiben würde: Königliche Vollmacht bedeutete nicht Unabhängigkeit von Gottes Wort. Saul durfte handeln, aber nicht eigenmächtig an die Stelle der von Gott gegebenen Ordnung treten.
Als Saul sich von Samuel abwandte, um seinen Weg fortzusetzen, heißt es, dass Gott ihm „ein anderes Herz“ gab. Noch am selben Tag erfüllten sich die angekündigten Zeichen. Als Saul den Propheten begegnete, kam der Geist Gottes über ihn, und er weissagte mitten unter ihnen. Menschen, die ihn von früher kannten, waren erstaunt darüber, Saul plötzlich unter den Propheten zu sehen. Daraus entstand die sprichwörtliche Frage: „Ist Saul auch unter den Propheten?“
Diese Erfahrung machte Saul nicht selbst zum Propheten in demselben Sinn wie Samuel, dessen Lebensauftrag im prophetischen Dienst bestand. Vielmehr zeigt der Bericht, dass Gottes Geist Saul sichtbar ergriff und damit die zuvor ausgesprochene Berufung bestätigte. Die Bibel lässt an dieser Stelle keinen Zweifel daran, dass Gott Saul wirkliche Möglichkeiten eröffnete und ihn für seinen Auftrag ausrüstete. Seine spätere Entwicklung darf deshalb nicht so erzählt werden, als sei sein Scheitern von Anfang an unvermeidbar gewesen oder als hätte Gott ihm niemals die Voraussetzungen für treuen Dienst gegeben.
Als Saul schließlich nach Hause kam, fragte ihn sein Onkel, wohin er gegangen sei. Saul berichtete von der Suche nach den Eselinnen und davon, dass Samuel ihnen gesagt hatte, die Tiere seien gefunden. Über das Königtum aber schwieg er. Der Text erklärt nicht, aus welchem Motiv Saul diese entscheidende Mitteilung zurückhielt. Deshalb wäre es zu viel, darin sicher Demut, Angst oder Berechnung zu sehen. Fest steht nur: Die persönliche Salbung war geschehen, die Zeichen hatten sich erfüllt und Gottes Geist hatte Sauls Berufung bestätigt – doch Israel als Ganzes wusste noch nicht, wer sein erster König sein würde.
Zurück: Gott führt Saul zu Samuel Weiter: Israel erkennt Saul als seinen König
Israel erkennt Saul als seinen König
1. Samuel 10,17-27 – „17 Samuel aber berief das Volk zum HERRN gen Mizpa. 18 Und er sprach zu den Kindern Israel: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch aus der Ägypter Hand errettet und aus der Hand aller Königreiche, die euch bedrängten. 19 Ihr aber habt heute euren Gott verworfen, der euch aus all eurem Elend und aus euren Nöten errettet hat, und habt zu ihm gesagt: Setz…"
1. Samuel 10,17-27 – „17 Samuel aber berief das Volk zum HERRN gen Mizpa. 18 Und er sprach zu den Kindern Israel: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch aus der Ägypter Hand errettet und aus der Hand aller Königreiche, die euch bedrängten. 19 Ihr aber habt heute euren Gott verworfen, der euch aus all eurem Elend und aus euren Nöten errettet hat, und habt zu ihm gesagt: Setz…"
Nach der persönlichen Salbung Sauls musste seine Berufung nun vor dem ganzen Volk bestätigt werden. Samuel rief Israel nach Mizpa zum HERRN zusammen. Bevor der König bestimmt wurde, erinnerte er das Volk jedoch noch einmal daran, was seinem Wunsch vorausgegangen war. Gott hatte Israel aus Ägypten geführt und aus der Gewalt seiner Feinde errettet, doch nun hatte das Volk seinen Gott verworfen, indem es verlangte: „Setze einen König über uns!“ Sauls Erhebung begann deshalb in einem widersprüchlichen Zusammenhang: Gott bestimmte den König, aber der Wunsch Israels nach einem König war zuvor von Gott selbst getadelt worden.
Samuel ließ die Stämme Israels vor den HERRN treten. Zuerst wurde der Stamm Benjamin getroffen, danach innerhalb Benjamins die entsprechende Sippe und schließlich Saul, der Sohn des Kis. Der Bericht stellt die öffentliche Auswahl damit nicht als menschliche Wahl oder politische Abstimmung dar. Der Mann, den Samuel bereits im Verborgenen gesalbt hatte, wurde nun auch vor Israel bezeichnet. Die private Berufung und die öffentliche Bestätigung führten zu derselben Person.
Doch als man Saul suchte, war er nicht zu finden. Daraufhin fragten sie den HERRN, ob der Mann überhaupt gekommen sei, und Gott offenbarte, dass Saul sich beim Gepäck verborgen hielt. Man holte ihn von dort hervor. Wieder beschreibt die Bibel eine auffällige Spannung zwischen Sauls äußerer Erscheinung und seinem Verhalten: Als er mitten unter das Volk trat, überragte er alle anderen um Haupteslänge, hatte sich unmittelbar zuvor jedoch der öffentlichen Situation entzogen.
Warum Saul sich versteckte, erklärt der Text nicht ausdrücklich. Seine frühere Verwunderung über Samuels Worte und sein Schweigen gegenüber seinem Onkel zeigen, dass die neue Stellung für ihn keineswegs selbstverständlich war. Ob hinter seinem Verbergen Bescheidenheit, Unsicherheit, Furcht oder eine Verbindung dieser Faktoren stand, lässt sich nicht sicher bestimmen. Die Schrift berichtet die Handlung, ohne Sauls inneres Motiv abschließend auszulegen.
Als Saul vor dem Volk stand, sagte Samuel: „Seht ihr, wen der HERR erwählt hat?“ Unter dem Volk war niemand wie er. Daraufhin brach der Ruf aus: „Es lebe der König!“ Damit wurde Saul öffentlich als der erste König Israels anerkannt. Seine außergewöhnliche Größe entsprach äußerlich dem Bild eines Herrschers, das Menschen beeindrucken konnte. Doch Samuels vorausgehende Worte ließen keinen Raum für die Vorstellung, der König selbst sei nun Israels höchste Autorität.
Samuel erklärte dem Volk anschließend das Recht des Königtums und schrieb es in ein Buch, das er vor dem HERRN niederlegte. Damit erhielt das neue Königtum einen geordneten Rahmen. Israel bekam einen König, aber weder Volk noch Herrscher standen dadurch außerhalb der Herrschaft Gottes. Gerade Sauls weitere Geschichte würde zeigen, wie entscheidend es war, dass der König das ihm anvertraute Amt unter Gottes Wort ausübte und nicht nach eigenem Ermessen umformte.
Danach entließ Samuel das Volk, und jeder ging nach Hause. Auch Saul zog nach Gibea. Mit ihm gingen Männer, deren Herz Gott berührt hatte. Schon zu Beginn seines öffentlichen Königtums stellte Gott ihm damit Menschen zur Seite, die seine neue Stellung unterstützten. Doch die Anerkennung war nicht vollständig. Andere, die der Text als nichtsnutzige Männer bezeichnet, fragten verächtlich, wie Saul sie retten solle, brachten ihm kein Geschenk und lehnten seine Stellung damit erkennbar ab.
Saul reagierte auf diese Verachtung zunächst nicht. Er schwieg. Seine Königswürde war öffentlich bestätigt, aber noch hatte er nicht durch eine große Tat gezeigt, wie er Israel führen würde. Genau diese Bewährungsprobe sollte nicht lange auf sich warten lassen. Eine Bedrohung aus dem Osten würde Saul vor die erste große Aufgabe seines Königtums stellen und zeigen, wie er handelte, als Gottes Geist ihn zum Schutz des bedrängten Volkes bewegte.
Zurück: Samuel salbt Saul zum König Weiter: Saul befreit Jabes und bestätigt sein Königtum
Saul befreit Jabes und bestätigt sein Königtum
1. Samuel 11,1-11 – „1 Aber Nahas, der Ammoniter, zog herauf und belagerte Jabes in Gilead. Da sprachen alle Männer von Jabes zu Nahas: Mache einen Bund mit uns, so wollen wir dir dienen! 2 Aber Nahas, der Ammoniter, antwortete ihnen: So will ich mit euch einen Bund machen, daß ich euch allen das rechte Auge aussteche und damit auf ganz Israel Schmach bringe. 3 Da sprachen die Ältesten von Jabes zu ihm: Gib uns siebe…"
1. Samuel 11,1-11 – „1 Aber Nahas, der Ammoniter, zog herauf und belagerte Jabes in Gilead. Da sprachen alle Männer von Jabes zu Nahas: Mache einen Bund mit uns, so wollen wir dir dienen! 2 Aber Nahas, der Ammoniter, antwortete ihnen: So will ich mit euch einen Bund machen, daß ich euch allen das rechte Auge aussteche und damit auf ganz Israel Schmach bringe. 3 Da sprachen die Ältesten von Jabes zu ihm: Gib uns siebe…"
1. Samuel 11,12-15 – „12 Da sprach das Volk zu Samuel: Wer sind die, welche sagten: Sollte Saul über uns herrschen? Gebt diese Männer her, daß wir sie töten! 13 Saul aber sprach: Es soll an diesem Tag niemand sterben; denn der HERR hat heute Heil gegeben in Israel. 14 Samuel sprach zum Volk: Kommt, laßt uns nach Gilgal gehen und das Königtum daselbst erneuern! 15 Da ging alles Volk nach Gilgal und machte daselbst Saul…"
Sauls erste große Bewährungsprobe als König kam durch die Bedrohung der Stadt Jabes in Gilead. Nahas, der Ammoniter, zog gegen die Stadt und belagerte sie. Die Männer von Jabes waren bereit, einen Bund mit ihm zu schließen und sich ihm zu unterwerfen, doch Nahas stellte eine grausame Bedingung: Jedem von ihnen sollte das rechte Auge ausgestochen werden. Er wollte damit nicht nur die Männer dauerhaft verstümmeln, sondern zugleich Schmach über ganz Israel bringen. Aus einer örtlichen Belagerung wurde damit eine Herausforderung an das gesamte Volk.
Die Ältesten von Jabes baten um sieben Tage Aufschub, damit sie Boten durch Israel senden könnten. Sollte niemand zu ihrer Rettung kommen, würden sie sich Nahas ergeben. Als die Boten nach Gibea kamen und die Lage schilderten, begann das Volk laut zu weinen. Die Nachricht traf damit auch die Stadt, in der Saul lebte. Obwohl er bereits öffentlich zum König bestimmt worden war, begegnet uns Saul hier noch nicht in einem Palast: Er kam gerade hinter den Rindern vom Feld zurück.
Als Saul hörte, weshalb das Volk weinte, kam der Geist Gottes über ihn, und sein Zorn entbrannte sehr. Dieser Zorn wird im Zusammenhang nicht als persönliche Kränkung beschrieben, sondern entsteht angesichts der Bedrohung Israels. Saul nahm ein Rindergespann, zerlegte es und sandte die Stücke durch Boten in das ganze Gebiet Israels. Wer nicht hinter Saul und Samuel her zum Kampf auszöge, dessen Rindern sollte ebenso geschehen. Zugleich fiel der Schrecken des HERRN auf das Volk, sodass es wie ein Mann auszog.
Bemerkenswert ist, dass Saul seine Führung hier noch ausdrücklich mit Samuel verbindet. Er handelt nicht als ein Herrscher, der sich von der prophetischen Autorität Gottes gelöst hat, sondern ruft Israel unter der gemeinsamen Formel „hinter Saul und Samuel her“ zusammen. Die königliche Führung steht zu diesem Zeitpunkt erkennbar innerhalb der Ordnung, in die Gott sie gestellt hatte. Auch die Wirkung auf Israel wird nicht allein Sauls persönlicher Durchsetzungskraft zugeschrieben: Der Schrecken des HERRN bewirkte, dass das Volk geschlossen zusammenkam.
In Besek musterte Saul die versammelten Männer. Anschließend ließ er den Bewohnern von Jabes ausrichten, dass ihnen am nächsten Tag Rettung zuteilwerden würde, wenn die Sonne heiß werde. Die Boten brachten diese Nachricht zurück, und in Jabes entstand Freude. Gegenüber den Ammonitern erklärten die Bewohner daraufhin, sie würden am nächsten Tag herauskommen. Nahas konnte diese Aussage als Bereitschaft zur Unterwerfung verstehen; tatsächlich war Israels Entsatzheer bereits auf dem Weg.
Am folgenden Morgen teilte Saul das Volk in drei Heerhaufen. Während der Morgenwache drangen sie mitten in das Lager der Ammoniter ein und schlugen sie bis zur Hitze des Tages. Die Überlebenden wurden so zerstreut, dass nicht zwei von ihnen zusammenblieben. Damit hatte Saul seinen ersten großen militärischen Sieg errungen. Die Frage seiner früheren Verächter – „Wie sollte der uns helfen?“ – hatte nun eine sichtbare Antwort erhalten.
Nach dem Sieg verlangten einige Männer, diejenigen hinzurichten, die Sauls Königtum zuvor abgelehnt hatten. Nun zeigte Saul eine bemerkenswerte Reaktion. Er verweigerte die Rache und erklärte, an diesem Tag solle niemand getötet werden, denn der HERR habe Israel Rettung verschafft. Saul schrieb den Sieg also nicht sich selbst zu. In diesem Augenblick führte seine königliche Autorität nicht zu persönlicher Vergeltung, sondern zur Anerkennung von Gottes Handeln.
Samuel nutzte den Sieg, um das Königtum in Gilgal zu erneuern. Das Volk zog dorthin, machte Saul vor dem HERRN zum König und brachte Friedensopfer dar. Saul und ganz Israel freuten sich sehr. Die frühere öffentliche Bestimmung in Mizpa erhielt damit nach der Rettung von Jabes eine breite Bestätigung durch das Volk. Sauls Königtum begann mit einem Sieg, in dem Gottes Geist wirkte, Israel geeint wurde und Saul selbst die Rettung ausdrücklich dem HERRN zuschrieb. Gerade dieser verheißungsvolle Anfang macht die späteren Entwicklungen seines Lebens umso gewichtiger.
Zurück: Israel erkennt Saul als seinen König Weiter: Samuel stellt König und Volk unter Gottes Wort
Samuel stellt König und Volk unter Gottes Wort
1. Samuel 12,1-5 – „1 Samuel aber sprach zu ganz Israel: Siehe, ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und habe einen König über euch gesetzt. 2 Und nun siehe, da geht euer König vor euch her; ich aber bin alt und grau geworden und siehe, meine Söhne sind bei euch, und ich habe vor euch gewandelt von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. 3 Siehe, hier bin ich! Zeuget wider mich vor dem HERR…"
1. Samuel 12,1-5 – „1 Samuel aber sprach zu ganz Israel: Siehe, ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und habe einen König über euch gesetzt. 2 Und nun siehe, da geht euer König vor euch her; ich aber bin alt und grau geworden und siehe, meine Söhne sind bei euch, und ich habe vor euch gewandelt von meiner Jugend an bis auf diesen Tag. 3 Siehe, hier bin ich! Zeuget wider mich vor dem HERR…"
1. Samuel 12,12-15 – „12 Als ihr aber sahet, daß Nahas, der König der Ammoniter, wider euch heranzog, sprachet ihr zu mir: «Nein, sondern ein König soll über uns herrschen!» da doch der HERR, euer Gott, euer König war. 13 Und nun, seht, da ist euer König, den ihr erwählt und begehrt habt; denn siehe, der HERR hat einen König über euch gesetzt! 14 Werdet ihr nun den HERRN fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehor…"
1. Samuel 12,19-25 – „19 Und das ganze Volk sprach zu Samuel: Bitte den HERRN, deinen Gott, für deine Knechte, daß wir nicht sterben; denn zu allen unsern Sünden haben wir noch das Übel hinzugefügt, daß wir für uns einen König begehrten! 20 Samuel aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all dies Übel getan; doch weichet nicht von dem HERRN ab, sondern dienet dem HERRN von ganzem Herzen! 21 Und weichet…"
Nach der Bestätigung Sauls in Gilgal trat Samuel noch einmal vor das versammelte Israel. Der Übergang zum Königtum war nun vollzogen: Das Volk hatte einen König, und Saul stand sichtbar an seiner Spitze. Samuel machte jedoch deutlich, dass sich dadurch Israels grundlegendes Verhältnis zu Gott nicht verändert hatte. Ein menschlicher Herrscher konnte die Führung des Volkes übernehmen, aber weder König noch Volk waren dadurch von der Herrschaft des HERRN unabhängig geworden.
Zunächst legte Samuel Rechenschaft über seinen eigenen langjährigen Dienst ab. Von seiner Jugend an hatte er Israel geführt, und nun stand der König vor ihnen. Samuel forderte das Volk auf, gegen ihn auszusagen, falls er jemandem einen Ochsen oder Esel genommen, jemanden bedrückt, beraubt oder sich bestechen lassen habe. Israel bestätigte öffentlich, dass Samuel sich nichts dergleichen hatte zuschulden kommen lassen. Damit entstand ein deutlicher Gegensatz zu der Warnung, die Samuel zuvor über die Macht eines menschlichen Königs ausgesprochen hatte: Der prophetische Diener Gottes hatte seine Stellung nicht zur persönlichen Bereicherung benutzt.
Danach führte Samuel Israel durch seine eigene Geschichte. Immer wieder hatte der HERR sein Volk errettet, wenn es zu ihm rief, und immer wieder war Not entstanden, wenn Israel ihn vergaß. Auch der jüngste Wunsch nach einem König wurde in diesen Zusammenhang eingeordnet. Als Nahas, der König der Ammoniter, gegen Israel heranzog, verlangte das Volk einen König, obwohl der HERR selbst sein König war. Sauls Einsetzung bedeutete deshalb nicht, dass Gottes frühere Bewertung dieses Wunsches aufgehoben worden wäre.
Dennoch eröffnete Gott dem neuen Königtum einen Weg des Gehorsams. Samuel erklärte ausdrücklich, dass sowohl das Volk als auch der König dem HERRN folgen sollten. Wenn sie Gott fürchteten, ihm dienten, auf seine Stimme hörten und seinem Gebot nicht widerstrebten, würden sie unter seiner Führung bleiben. Sollten sie dagegen Gottes Stimme nicht gehorchen, würde seine Hand gegen sie sein. Damit wurde Sauls Stellung von Beginn an eindeutig begrenzt: Er stand nicht über Gottes Gebot, sondern ebenso darunter wie das Volk, das er regierte.
Um die Ernsthaftigkeit dieser Worte zu bestätigen, rief Samuel den HERRN an. Obwohl gerade Weizenernte war, ließ Gott Donner und Regen kommen. Das Volk erkannte darin Gottes Macht und fürchtete sich vor dem HERRN und vor Samuel. Nun bekannten die Israeliten ausdrücklich, dass sie zu ihren bisherigen Sünden noch das Böse hinzugefügt hatten, einen König zu verlangen. Sie baten Samuel, für sie zu beten, damit sie nicht sterben müssten.
Samuel antwortete nicht mit der Botschaft, dass nun alles verloren sei. Er bestätigte zwar: „Ihr habt all dieses Böse getan“, fügte aber unmittelbar hinzu, sie sollten dennoch nicht vom HERRN abweichen. Stattdessen sollten sie ihm von ganzem Herzen dienen. Die Erkenntnis eigener Schuld sollte Israel also nicht von Gott wegtreiben, sondern gerade zu einer entschiedenen Hinwendung zu ihm führen. Der Weg bestand nicht darin, das Geschehene zu leugnen, sondern darin, Gott jetzt treu zu folgen.
Samuel begründete diese Hoffnung nicht mit Israels Zuverlässigkeit, sondern mit Gottes Treue: Der HERR werde sein Volk um seines großen Namens willen nicht verlassen, weil es ihm gefallen habe, Israel zu seinem Volk zu machen. Zugleich versprach Samuel, weiterhin für Israel zu beten und es den guten und richtigen Weg zu lehren. Das Ende seiner Richterzeit bedeutete nicht das Ende seines prophetischen Dienstes. Saul würde König sein, doch Samuel blieb Gottes Bote und damit eine entscheidende Stimme gegenüber König und Volk.
Zum Abschluss fasste Samuel die Verantwortung beider Seiten noch einmal zusammen: Sie sollten den HERRN fürchten, ihm treu und von ganzem Herzen dienen und bedenken, was er Großes an ihnen getan hatte. Wenn sie aber weiterhin Böses täten, würden sowohl sie als auch ihr König hinweggerafft werden. Genau mit dieser Warnung trat Saul in die nächste Phase seines Königtums ein. Die Frage war nun nicht mehr, ob Gott ihn wirklich berufen hatte, sondern ob Saul als König dauerhaft bereit sein würde, seine eigene Autorität der Autorität Gottes unterzuordnen.
Zurück: Saul befreit Jabes und bestätigt sein Königtum Weiter: Saul wartet nicht auf Samuel
Saul wartet nicht auf Samuel
1. Samuel 13,1-14 – „1 Saul war Jahre alt, als er König wurde, und regierte das zweite Jahr über Israel. 2 Da erwählte sich Saul dreitausend Mann aus Israel, davon waren zweitausend mit Saul zu Michmas, auf dem Gebirge von Bethel, und eintausend mit Jonatan zu Gibea-Benjamin, das übrige Volk aber ließ er gehen, einen jeden in seine Hütte. 3 Jonatan aber schlug den Posten der Philister, der zu Geba war. Solches kam vo…"
1. Samuel 13,1-14 – „1 Saul war Jahre alt, als er König wurde, und regierte das zweite Jahr über Israel. 2 Da erwählte sich Saul dreitausend Mann aus Israel, davon waren zweitausend mit Saul zu Michmas, auf dem Gebirge von Bethel, und eintausend mit Jonatan zu Gibea-Benjamin, das übrige Volk aber ließ er gehen, einen jeden in seine Hütte. 3 Jonatan aber schlug den Posten der Philister, der zu Geba war. Solches kam vo…"
1. Samuel 10,8 – „8 Du sollst aber vor mir nach Gilgal hinabgehen und siehe, daselbst will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer darzubringen. Sieben Tage lang sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir anzeige, was du tun sollst."
Nach dem verheißungsvollen Beginn seines Königtums geriet Saul in eine militärische Krise, die zugleich zu einer entscheidenden geistlichen Prüfung wurde. Israel stand erneut den Philistern gegenüber. Saul hatte dreitausend Männer ausgewählt: Zweitausend blieben bei ihm, während eintausend unter seinem Sohn Jonathan standen. Als Jonathan einen Posten der Philister schlug, verschärfte sich der Konflikt. Saul ließ im ganzen Land das Horn blasen, und Israel wurde zum Kampf zusammengerufen.
Die Reaktion der Philister war überwältigend. Sie sammelten Streitwagen, Reiter und ein Heer, das der Bericht wegen seiner Größe mit dem Sand am Meer vergleicht. Angesichts dieser Übermacht gerieten die Israeliten in schwere Bedrängnis. Viele versteckten sich in Höhlen, Felsspalten, Gruben und Zisternen; andere flohen über den Jordan. Die Männer, die bei Saul blieben, folgten ihm zitternd. Aus der ersten erfolgreichen Rettung unter Sauls Führung war eine Situation geworden, in der menschlich gesehen kaum Aussicht auf Sieg bestand.
Gerade hier wurde wichtig, was Samuel Saul bereits bei seiner Salbung gesagt hatte. Saul sollte nach Gilgal hinabgehen und dort sieben Tage warten, bis Samuel käme und ihm zeigte, was zu tun sei. Nun wartete Saul tatsächlich sieben Tage entsprechend der von Samuel bestimmten Zeit. Doch Samuel war noch nicht erschienen, und das Volk begann sich von Saul zu zerstreuen. Der militärische Druck von außen verband sich mit einem zunehmenden Verlust an Unterstützung im eigenen Lager.
Saul entschied daraufhin, nicht länger zu warten. Er befahl, das Brandopfer und die Friedensopfer zu ihm zu bringen, und brachte das Brandopfer dar. Der Bericht stellt sein Handeln nicht als belanglose liturgische Unregelmäßigkeit dar. Die entscheidende Frage war, ob Saul in der Bedrängnis an der Weisung festhalten würde, die ihm durch Samuel gegeben worden war, oder ob er unter dem Druck der Umstände selbst bestimmen würde, wann und wie gehandelt werden musste.
Kaum hatte Saul das Brandopfer beendet, traf Samuel ein. Saul ging ihm entgegen, um ihn zu begrüßen. Samuel fragte jedoch unmittelbar: „Was hast du getan?“ Saul erklärte seine Entscheidung mit der Lage, in der er sich befunden hatte: Das Volk zerstreute sich, Samuel war zur bestimmten Zeit noch nicht gekommen, und die Philister sammelten sich bei Michmas. Saul fürchtete, die Philister könnten gegen ihn herabziehen, bevor er den HERRN um Gnade angefleht habe. Deshalb, so sagte er, habe er sich überwunden und das Brandopfer dargebracht.
Sauls Erklärung macht deutlich, dass er seine Handlung nicht als bewusste Abkehr von Gott verstand. Er wollte sogar vor dem Kampf Gottes Gunst suchen. Doch gerade darin liegt die Ernsthaftigkeit des Geschehens: Eine religiöse Handlung konnte den Gehorsam gegenüber einem klaren göttlichen Auftrag nicht ersetzen. Saul meinte, aufgrund der bedrängenden Umstände selbst entscheiden zu müssen, obwohl er zuvor ausdrücklich zum Warten angewiesen worden war. Seine Sorge um das Volk, die militärische Gefahr und sein Wunsch nach göttlicher Hilfe machten den Ungehorsam nicht zu Gehorsam.
Samuel bezeichnete Sauls Verhalten deshalb als töricht und erklärte: „Du hast das Gebot des HERRN, deines Gottes, nicht gehalten, das er dir geboten hat.“ Die Bewertung ist damit nicht Spekulation des Erzählers, sondern wird ausdrücklich durch Gottes Propheten gegeben. Samuel fügte hinzu, dass Gott Sauls Königtum über Israel dauerhaft hätte bestätigen können. Sauls Berufung war also nicht nur äußerlich gewesen, und sein Scheitern war nicht von Anfang an unvermeidlich. Vor ihm hatte eine wirkliche Möglichkeit treuer Herrschaft gelegen.
Nun aber kündigte Samuel an, dass Sauls Königtum keinen dauerhaften Bestand haben würde. Der HERR habe sich einen Mann nach seinem Herzen gesucht und ihn zum Fürsten über sein Volk bestimmt, weil Saul Gottes Gebot nicht gehalten hatte. Diese Aussage bedeutet an dieser Stelle noch nicht, dass Sauls Herrschaft augenblicklich endete. Saul blieb weiterhin König und würde noch viele Ereignisse erleben. Doch die Zukunft seines Hauses war getroffen: Aus seiner Linie sollte kein dauerhaftes Königtum hervorgehen.
Damit zeigt sich erstmals deutlich der Bruch, der Sauls weitere Geschichte prägen wird. Der König, der zu Beginn Gottes Geist erfahren, göttliche Bestätigung erhalten und Rettung für Israel erlebt hatte, begann unter äußerem Druck Gottes ausdrückliche Weisung seinem eigenen Urteil unterzuordnen. Noch ist Sauls Geschichte keineswegs beendet, doch eine grundlegende Grenze ist überschritten. Nicht mangelnde militärische Stärke wurde zu seinem eigentlichen Problem, sondern die Frage, ob er Gottes Wort auch dann über seine eigene Einschätzung stellen würde, wenn die Umstände dagegen zu sprechen schienen.
Zurück: Samuel stellt König und Volk unter Gottes Wort Weiter: Während Saul wartet, handelt Jonathan im Glauben
Während Saul wartet, handelt Jonathan im Glauben
1. Samuel 13,15-23 – „15 Da machte sich Samuel auf und ging von Gilgal hinauf nach Gibea-Benjamin. Saul aber musterte das Volk, das [noch] bei ihm war, etwa sechshundert Mann. 16 Und Saul und sein Sohn Jonatan und das Volk, das noch bei ihm war, verblieben zu Gibea-Benjamin; die Philister aber hatten sich zu Michmas gelagert. 17 Und es zogen aus dem Lager der Philister drei Haufen, das Land zu verheeren; der eine Hauf…"
1. Samuel 13,15-23 – „15 Da machte sich Samuel auf und ging von Gilgal hinauf nach Gibea-Benjamin. Saul aber musterte das Volk, das [noch] bei ihm war, etwa sechshundert Mann. 16 Und Saul und sein Sohn Jonatan und das Volk, das noch bei ihm war, verblieben zu Gibea-Benjamin; die Philister aber hatten sich zu Michmas gelagert. 17 Und es zogen aus dem Lager der Philister drei Haufen, das Land zu verheeren; der eine Hauf…"
1. Samuel 14,1-23 – „1 Es begab sich aber eines Tages, daß Jonatan, Sauls Sohn, zu seinem Knappen, seinem Waffenträger, sprach: Komm, laß uns hinübergehen zu dem Vorposten der Philister, der dort drüben ist! Seinem Vater aber sagte er es nicht. 2 Und Saul lag am Ende von Gibea unter einem Granatbaum, der zu Migron ist; und bei ihm waren etwa sechshundert Mann. 3 Und Achija, der Sohn Achitubs, Ikabods Bruder, Pinehas'…"
Nach Samuels ernster Ankündigung blieb Saul weiterhin König und stand noch immer vor derselben militärischen Bedrohung. Samuel verließ Gilgal, während Saul die bei ihm verbliebenen Männer musterte. Nur etwa sechshundert waren noch bei ihm. Saul, sein Sohn Jonathan und das übrige Volk lagerten bei Geba im Gebiet Benjamin, während die Philister bei Michmas standen. Das Kräfteverhältnis war weiterhin bedrückend.
Die Philister verstärkten ihren Druck, indem mehrere Plünderungstrupps von ihrem Lager aus in verschiedene Richtungen zogen. Zugleich beschreibt die Bibel einen erheblichen militärischen Nachteil Israels: Im ganzen Land war kein Schmied zu finden, weil die Philister verhindern wollten, dass die Hebräer Schwerter und Speere herstellten. Die Israeliten mussten sogar zum Schärfen ihrer landwirtschaftlichen Werkzeuge zu den Philistern gehen. Als der Kampf bevorstand, besaßen unter den Männern bei Saul und Jonathan nur Saul und sein Sohn Schwert und Speer. Der Bericht zeichnet damit eine Lage, in der Israels Hoffnung kaum auf überlegener Bewaffnung beruhen konnte.
In dieser Situation trat Jonathan hervor. Ohne Saul darüber zu informieren, nahm er seinen Waffenträger mit und plante, zu einem Vorposten der Philister hinüberzugehen. Saul hielt sich währenddessen am Rand von Gibea unter einem Granatapfelbaum auf; bei ihm waren ungefähr sechshundert Männer sowie Ahija, ein Priester aus der Familie Elis. Der Erzähler stellt damit zwei Handlungsräume nebeneinander: Saul bleibt mit dem Heer und der priesterlichen Begleitung zurück, während Jonathan mit nur einem Waffenträger auf die feindliche Stellung zugeht.
Jonathans Begründung offenbart seinen Blick auf Gott. Er sagte zu seinem Waffenträger: „Vielleicht wird der HERR für uns wirken; denn für den HERRN gibt es kein Hindernis, durch viele oder durch wenige zu retten.“ Jonathan behauptete nicht, Gott müsse ihm den Sieg geben. Das Wort „vielleicht“ zeigt, dass er Gottes Entscheidung nicht vorwegnahm. Sein Vertrauen lag vielmehr darin, dass zahlenmäßige Schwäche Gottes Macht nicht begrenzte.
Jonathan legte ein Zeichen fest, an dem sie erkennen wollten, ob sie weiter vorrücken sollten. Als die Philister sie aufforderten heraufzukommen, deutete Jonathan dies als Bestätigung, dass der HERR sie in Israels Hand gegeben habe. Er und sein Waffenträger kletterten hinauf und griffen den Vorposten an. Etwa zwanzig Männer fielen bei diesem ersten Angriff. Danach erfasste das Lager der Philister ein gewaltiges Erschrecken, und die Erde bebte. Der Text schreibt die entscheidende Erschütterung damit nicht lediglich Jonathans Mut zu: Gott selbst griff in die Lage ein.
Sauls Wächter bemerkten plötzlich, dass die Menge der Philister auseinanderging und in Bewegung geriet. Saul ließ feststellen, wer das Lager verlassen hatte, und man bemerkte das Fehlen Jonathans und seines Waffenträgers. Dann wandte sich Saul an den Priester. Während Saul noch mit ihm sprach, nahm die Verwirrung im Lager der Philister immer weiter zu. Schließlich befahl Saul, die Befragung abzubrechen, sammelte seine Männer und zog in den Kampf.
Als Saul und seine Männer das feindliche Lager erreichten, kämpften die Philister bereits gegeneinander. Auch Hebräer, die sich zuvor auf Seiten der Philister befunden hatten, schlossen sich nun Saul und Jonathan an. Andere Israeliten, die sich aus Furcht im Gebirge Ephraim verborgen hatten, hörten von der Flucht der Philister und nahmen ebenfalls die Verfolgung auf. Aus einer kleinen Gruppe um Saul wurde wieder ein wachsendes israelitisches Heer.
Die abschließende Bewertung des Tages ist eindeutig: „So rettete der HERR Israel an jenem Tag.“ Der entscheidende Durchbruch war nicht durch Sauls militärische Planung entstanden, sondern begann mit Jonathans Vertrauen darauf, dass Gott durch viele oder wenige retten konnte. Saul nahm schließlich am Kampf teil und führte das wieder zusammenströmende Volk weiter gegen die Philister. Doch die Erzählung legt den Schwerpunkt bewusst auf Gottes rettendes Eingreifen.
Für Sauls Lebensgeschichte ist dieser Abschnitt deshalb besonders aufschlussreich. Nach seinem Versagen in Gilgal entzog Gott Israel nicht seine Hilfe. Er schenkte weiterhin Rettung und ließ Saul weiterhin als König handeln. Gleichzeitig wurde unmittelbar neben Saul sichtbar, wie Vertrauen auf Gottes Macht aussehen konnte, ohne Gottes Entscheidung eigenmächtig vorwegzunehmen. Noch am selben Tag sollte jedoch eine weitere Entscheidung Sauls zeigen, wie leicht königlicher Eifer ohne besonnene Unterordnung unter Gott das eigene Volk belasten konnte.
Zurück: Saul wartet nicht auf Samuel Weiter: Sauls unbedachtes Gelübde bringt Jonathan in Gefahr
Sauls unbedachtes Gelübde bringt Jonathan in Gefahr
1. Samuel 14,24-30 – „24 Aber die Männer Israels wurden an jenem Tage überangestrengt; denn Saul beschwor alles Volk und sprach: Verflucht sei der Mann, welcher Brot ißt bis zum Abend, bis ich mich an meinen Feinden gerächt habe! Da kostete niemand im Volk eine Speise. 25 Und das ganze Land hatte sich mit Bienenzucht befaßt, und Bienenstöcke befanden sich auf freiem Felde. 26 Als nun das Volk zu den Stöcken kam, siehe…"
1. Samuel 14,24-30 – „24 Aber die Männer Israels wurden an jenem Tage überangestrengt; denn Saul beschwor alles Volk und sprach: Verflucht sei der Mann, welcher Brot ißt bis zum Abend, bis ich mich an meinen Feinden gerächt habe! Da kostete niemand im Volk eine Speise. 25 Und das ganze Land hatte sich mit Bienenzucht befaßt, und Bienenstöcke befanden sich auf freiem Felde. 26 Als nun das Volk zu den Stöcken kam, siehe…"
1. Samuel 14,31-46 – „31 Doch schlugen sie die Philister an jenem Tage von Michmas bis gen Ajalon, wiewohl das Volk sehr müde war. 32 Und das Volk machte sich über die Beute her, und sie nahmen Schafe und Rinder und Kälber und schlachteten sie auf der Erde, und das Volk aß [das Fleisch] mit dem Blut. 33 Das zeigte man aber dem Saul an und sprach: Siehe, das Volk versündigt sich am HERRN, da es mitsamt dem Blute ißt! E…"
Der Sieg über die Philister war noch nicht abgeschlossen, als Saul eine Entscheidung traf, die den eigenen Männern zusätzliche Last auferlegte. Er verpflichtete das Volk mit einem Fluch, bis zum Abend keine Nahrung zu sich zu nehmen, bevor er sich an seinen Feinden gerächt habe. Dadurch kämpften die Israeliten nach einem bereits anstrengenden Tag weiter, ohne essen zu dürfen. Der Bericht sagt ausdrücklich, dass das Volk an diesem Tag hart bedrängt war. Sauls Eifer richtete sich gegen Israels Feinde, doch seine Anordnung schwächte zugleich diejenigen, die den Kampf führen mussten.
Als das Heer in ein Waldgebiet kam, lag Honig auf dem Boden. Obwohl die Männer den Honig sahen, wagte niemand davon zu essen, weil sie Sauls Schwur fürchteten. Jonathan wusste jedoch nichts von der Verpflichtung, die sein Vater dem Volk auferlegt hatte. Er streckte seinen Stab aus, nahm etwas Honig und aß davon. Daraufhin wurden seine Augen wieder klar – eine anschauliche Beschreibung dafür, dass seine erschöpften Kräfte zurückkehrten.
Erst danach teilte ihm einer der Männer mit, dass Saul das Volk unter einen Fluch gestellt hatte. Jonathans Reaktion fällt deutlich aus: „Mein Vater bringt das Land ins Unglück.“ Er verwies darauf, wie sehr ihn bereits eine kleine Menge Honig gestärkt hatte, und meinte, der Sieg über die Philister hätte größer sein können, wenn das Volk von der erbeuteten Nahrung hätte essen dürfen. Damit kritisierte Jonathan nicht den Kampf gegen die Philister, sondern die Anordnung, durch die Saul seine eigenen Männer unnötig geschwächt hatte.
Trotz ihrer Erschöpfung schlugen die Israeliten an diesem Tag weiter die Philister. Als die Frist des Schwurs am Abend endete, stürzte sich das ausgehungerte Volk auf die Beute. Sie schlachteten Schafe, Rinder und Kälber und aßen das Fleisch mit dem Blut. Damit übertraten sie ein ausdrückliches göttliches Gebot, nach dem Blut nicht gegessen werden durfte. Saul wurde davon berichtet und reagierte nun richtig auf diese Sünde: Er ließ einen großen Stein herbeibringen und ordnete an, dass die Tiere dort ordnungsgemäß geschlachtet werden sollten, damit das Volk nicht gegen den HERRN sündigte.
In diesem Zusammenhang berichtet die Bibel auch, dass Saul dem HERRN einen Altar baute. Der Text bezeichnet ihn als den ersten Altar, den Saul dem HERRN errichtete. Anschließend wollte Saul die Philister noch in derselben Nacht verfolgen und vollständig ausplündern. Das Volk erklärte sich dazu bereit, doch der Priester schlug vor, zunächst zu Gott zu nahen. Saul fragte daraufhin Gott, ob er den Philistern nachziehen solle und ob Gott sie in seine Hand geben werde. An diesem Tag erhielt er jedoch keine Antwort.
Saul schloss daraus, dass im Volk eine Schuld vorliegen müsse. Er rief die Führer zusammen und erklärte, die Ursache müsse ermittelt werden. Dabei schwor er sogar, dass der Schuldige sterben solle, selbst wenn es sein Sohn Jonathan wäre. Wieder bindet Saul sich mit einer äußerst weitreichenden Erklärung, bevor er überhaupt weiß, was geschehen ist. Das Volk schwieg. Anschließend ließ Saul zwischen sich und Jonathan auf der einen sowie dem übrigen Volk auf der anderen Seite das Los entscheiden. Schließlich wurde Jonathan getroffen.
Als Saul ihn fragte, was er getan habe, antwortete Jonathan offen. Er hatte mit der Spitze seines Stabes etwas Honig gekostet und erklärte sich angesichts des ausgesprochenen Fluches bereit zu sterben. Jonathan hatte den Schwur jedoch nicht bewusst gebrochen; er hatte von ihm nichts gewusst. Trotzdem erklärte Saul feierlich, Jonathan müsse sterben. Damit drohte Sauls eigenes Gelübde nun ausgerechnet den Sohn das Leben zu kosten, durch dessen Glauben und Mut die entscheidende Wende gegen die Philister begonnen hatte.
Diesmal stellte sich das Volk dem König entgegen. Die Männer fragten, ob Jonathan sterben solle, obwohl durch ihn diese große Rettung in Israel geschehen war. Sie schworen, dass kein Haar von seinem Haupt zu Boden fallen solle, denn er habe an diesem Tag mit Gott gehandelt. So rettete das Volk Jonathan vor dem Tod. Saul brach daraufhin die Verfolgung der Philister ab, und die Philister kehrten in ihr Gebiet zurück.
Der Bericht zeigt einen Saul, der Gottes Sache ernst nehmen wollte, dessen Eifer jedoch zunehmend von unbedachten eigenen Festlegungen geprägt wurde. Er erkannte die Sünde des Volkes beim Essen des Blutes und suchte Gottes Führung vor der weiteren Schlacht – zugleich hatte gerade seine vorherige Anordnung zur Erschöpfung des Volkes beigetragen und beinahe zum Tod Jonathans geführt. Königliche Entschlossenheit allein genügte nicht. Saul musste lernen, dass auch ein ernst gemeinter religiöser Eifer gefährlich werden konnte, wenn der eigene Wille die von Gott gegebene Weisheit überlagerte.
Zurück: Während Saul wartet, handelt Jonathan im Glauben Weiter: Saul festigt seine Herrschaft über Israel
Saul festigt seine Herrschaft über Israel
1. Samuel 14,47-52 – „47 Als aber Saul die Herrschaft über Israel bekommen hatte, stritt er wider alle seine Feinde ringsumher, wider die Moabiter, wider die Ammoniter, wider die Edomiter, wider die Könige von Zoba und wider die Philister; und wohin er sich wandte, da war er siegreich. 48 Und er bewies Tapferkeit und schlug die Amalekiter und errettete Israel von der Hand aller, die sie beraubten. 49 Saul aber hatte S…"
1. Samuel 14,47-52 – „47 Als aber Saul die Herrschaft über Israel bekommen hatte, stritt er wider alle seine Feinde ringsumher, wider die Moabiter, wider die Ammoniter, wider die Edomiter, wider die Könige von Zoba und wider die Philister; und wohin er sich wandte, da war er siegreich. 48 Und er bewies Tapferkeit und schlug die Amalekiter und errettete Israel von der Hand aller, die sie beraubten. 49 Saul aber hatte S…"
Nach den Kämpfen mit den Philistern unterbricht der Bericht die fortlaufende Erzählung und gibt einen zusammenfassenden Überblick über Sauls Königtum. Dieser Abschnitt ist deshalb nicht zwingend als eine Reihe von Ereignissen zu verstehen, die sämtlich unmittelbar nach Jonathans Rettung stattfanden. Vielmehr blickt der Erzähler auf Sauls Herrschaft und seine militärische Tätigkeit in größerer Breite. Dadurch wird sichtbar, dass Sauls Königtum trotz der bereits ausgesprochenen Warnung Samuels weiterhin von bedeutender politischer und militärischer Wirksamkeit geprägt war.
Saul führte Krieg gegen verschiedene Feinde Israels. Genannt werden Moab, die Ammoniter, Edom, die Könige von Zoba und besonders die Philister. Wohin er sich gegen seine Feinde wandte, errang er Erfolge. Außerdem kämpfte er gegen die Amalekiter und befreite Israel aus der Hand seiner Plünderer. Der Text zeichnet Saul damit keineswegs als einen König, dessen gesamte Herrschaft unmittelbar nach seinem ersten Ungehorsam zusammenbrach. Er blieb ein wirklicher Herrscher Israels und erfüllte weiterhin Aufgaben, die mit dem Schutz des Volkes verbunden waren.
Diese Erfolge dürfen jedoch nicht mit einer Aufhebung von Samuels vorheriger Ankündigung verwechselt werden. Gott hatte erklärt, dass Sauls Königtum keinen dauerhaften Bestand haben würde, weil er Gottes Gebot nicht gehalten hatte. Dennoch wurde Saul nicht sofort seines Amtes enthoben. Zwischen Gottes Urteil über die Zukunft seines Hauses und dem tatsächlichen Ende seiner Regierung lag eine längere Lebensphase. Gerade diese Spannung ist für das Verständnis Sauls wichtig: Äußerer Erfolg bedeutete nicht automatisch, dass seine Beziehung zu Gottes Auftrag in Ordnung war.
Der Bericht nennt an dieser Stelle auch Sauls Familie. Seine Söhne werden als Jonathan, Jischwi und Malkischua aufgeführt; als Töchter erscheinen Merab, die ältere, und Michal, die jüngere. Sauls Frau hieß Ahinoam und war eine Tochter des Ahimaaz. Spätere Texte nennen weitere Angehörige und ergänzen das Bild seiner Familie, doch hier werden diejenigen vorgestellt, die im weiteren Verlauf seiner Geschichte teilweise eine wichtige Rolle spielen werden. Besonders Jonathan und Michal werden später eng mit David verbunden sein und dadurch mitten in die zunehmenden Spannungen innerhalb von Sauls Haus geraten.
Auch Abner wird genannt, der Oberste über Sauls Heer. Er war ein Sohn Ners und mit Saul verwandt. Damit tritt ein Mann in die Geschichte, der für Sauls militärische Herrschaft und später auch für die Entwicklungen nach Sauls Tod von großer Bedeutung sein wird. Die königliche Familie und die militärische Führung waren also eng miteinander verbunden. Sauls Herrschaft besaß inzwischen deutlich festere Strukturen als zu der Zeit, als er noch hinter den Rindern vom Feld gekommen war.
Besonders hervorgehoben wird der anhaltend schwere Krieg gegen die Philister während der gesamten Lebenszeit Sauls. Dieser Konflikt war nicht mit einem einzigen Sieg beendet worden. Die Philister blieben eine dauerhafte Bedrohung, und Saul benötigte beständig kampffähige Männer. Wenn er einen starken oder tüchtigen Mann sah, nahm er ihn in seinen Dienst. Damit baute er eine militärische Gefolgschaft auf, die der fortdauernden Bedrohung Israels begegnen sollte.
Der Abschnitt zeigt damit einen König, dessen Herrschaft nach außen an Stärke gewann. Saul führte Kriege, errang Siege, schützte Israel und sammelte geeignete Männer um sich. Nichts davon hebt jedoch die bereits entstandene geistliche Krise auf. Die Bibel trennt äußere Leistungsfähigkeit und Treue gegenüber Gott deutlich voneinander. Ein Mensch kann Verantwortung tragen, Fähigkeiten besitzen und sichtbare Erfolge erleben, während zugleich eine tiefere Frage seines Gehorsams noch ungelöst bleibt.
Gerade diese Frage sollte nun in einer Weise aufbrechen, die Sauls Königtum entscheidend verändern würde. Samuel würde ihm einen klaren Auftrag des HERRN übermitteln. Anders als in Gilgal sollte Saul diesmal genügend Gelegenheit haben, den Befehl zu hören und auszuführen. Die kommende Prüfung würde deshalb nicht vor allem zeigen, ob Saul kämpfen konnte – das hatte er längst bewiesen –, sondern ob er bereit war, Gottes ausdrückliches Wort vollständig über seinen eigenen Willen zu stellen.
Zurück: Sauls unbedachtes Gelübde bringt Jonathan in Gefahr Weiter: Saul verschont Agag und verwirft Gottes Wort
Saul verschont Agag und verwirft Gottes Wort
1. Samuel 15,1-9 – „1 Samuel aber sprach zu Saul: Der HERR hat mich gesandt, dich zum König über Israel zu salben; so höre nun die Stimme der Worte des HERRN. 2 So spricht der HERR der Heerscharen: Ich will strafen, was Amalek an Israel tat, indem er sich ihm in den Weg stellte, als es aus Ägypten zog. 3 So ziehe nun hin und schlage Amalek und vollstrecke den Bann an ihm samt allem, was er hat, und schone seiner nic…"
1. Samuel 15,1-9 – „1 Samuel aber sprach zu Saul: Der HERR hat mich gesandt, dich zum König über Israel zu salben; so höre nun die Stimme der Worte des HERRN. 2 So spricht der HERR der Heerscharen: Ich will strafen, was Amalek an Israel tat, indem er sich ihm in den Weg stellte, als es aus Ägypten zog. 3 So ziehe nun hin und schlage Amalek und vollstrecke den Bann an ihm samt allem, was er hat, und schone seiner nic…"
1. Samuel 15,10-23 – „10 Da erging das Wort des HERRN an Samuel und sprach: 11 Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Worte nicht erfüllt! Darob entbrannte Samuel, und er schrie zum HERRN die ganze Nacht. 12 Und Samuel machte sich früh auf, um Saul am Morgen zu begegnen. Und es ward dem Samuel angezeigt: Saul ist nach Karmel gekommen und siehe, er hat sich ein D…"
Samuel trat erneut mit einem ausdrücklichen Auftrag Gottes an Saul heran. Er erinnerte ihn zunächst daran, dass der HERR ihn durch Samuel zum König über Israel gesalbt hatte, und forderte ihn deshalb auf, nun auf die Stimme Gottes zu hören. Der folgende Befehl betraf Amalek, jenes Volk, das Israel beim Auszug aus Ägypten feindlich entgegengetreten war. Gott kündigte nun das Gericht über Amalek an und befahl Saul, gegen das Volk zu ziehen und den Bann vollständig zu vollziehen.
Dieser Auftrag gehört zu den ernsten Gerichtstexten des Alten Testaments und darf weder verharmlost noch zu einer allgemeinen Erlaubnis religiöser Gewalt gemacht werden. Saul führte hier keinen privaten Rachefeldzug und erhielt auch keinen dauerhaften Maßstab für Israels Umgang mit anderen Völkern. Der Text stellt das Geschehen als ein besonderes göttliches Gericht über Amalek dar. Entscheidend für Sauls Lebensgeschichte ist dabei vor allem, dass der Auftrag klar ausgesprochen wurde und Saul wusste, was Gott von ihm verlangte.
Saul sammelte das Heer und zog gegen Amalek. Bevor der Angriff begann, warnte er die Keniter, sich von den Amalekitern zu trennen, weil sie Israel beim Auszug aus Ägypten Güte erwiesen hatten. Die Keniter entfernten sich daraufhin. Saul schlug Amalek in einem weiten Gebiet und nahm dessen König Agag lebendig gefangen. Militärisch war der Feldzug damit erfolgreich. Doch gerade an dem Punkt, an dem Saul über den besiegten Feind verfügte, wich er vom ausdrücklichen Auftrag ab.
Saul und das Volk verschonten Agag. Auch die besten Schafe, Rinder, gemästeten Tiere und alles, was ihnen wertvoll erschien, wollten sie nicht vernichten. Nur das, was gering und wertlos war, vollstreckten sie vollständig. Der Bericht lässt damit keinen Zweifel daran, worin der Ungehorsam bestand. Saul erfüllte Gottes Auftrag nicht überhaupt nicht; er erfüllte ihn teilweise. Gerade diese Mischung aus Gehorsam und eigener Auswahl machte das Problem jedoch nicht geringer. Saul entschied selbst, welche Teile des göttlichen Wortes gelten sollten und welche er verändern konnte.
Daraufhin sprach Gott zu Samuel und erklärte, dass es ihn reue, Saul zum König gemacht zu haben, weil Saul sich von ihm abgewandt und seine Worte nicht ausgeführt habe. Diese Aussage bedeutet nicht, dass Gott zuvor aus Unwissenheit eine falsche Entscheidung getroffen hätte. Im selben Kapitel wird Gott als der beschrieben, der nicht wie ein Mensch lügt oder bereut. Das hier verwendete Bild bringt vielmehr Gottes wirkliche Reaktion auf Sauls verändertes Verhalten zum Ausdruck: Der Mann, den Gott berufen und ausgerüstet hatte, war von dem Weg abgewichen, auf dem sein Königtum hätte bestehen können.
Samuel war tief bewegt und schrie die ganze Nacht zum HERRN. Als er Saul am nächsten Morgen aufsuchte, erfuhr er, dass der König sich in Karmel ein Denkmal errichtet hatte und anschließend nach Gilgal weitergezogen war. Als Saul Samuel begegnete, begrüßte er ihn mit den Worten, er habe das Wort des HERRN erfüllt. Genau hier tritt die geistliche Schwere seines Zustandes besonders hervor: Saul hatte nicht nur unvollständig gehorcht, sondern stellte sein Handeln zunächst als vollständigen Gehorsam dar.
Samuel antwortete mit einer einfachen Frage: Woher komme dann das Blöken der Schafe und das Brüllen der Rinder? Saul erklärte, das Volk habe die besten Tiere verschont, um sie dem HERRN zu opfern; den Rest hätten sie dem Bann übergeben. Damit begann er, Verantwortung vom eigenen Handeln weg auf das Volk zu verlagern und zugleich dem Ungehorsam einen religiösen Zweck zu geben. Die Tiere seien nicht aus bloßer Habgier bewahrt worden, so seine Darstellung, sondern für ein Opfer an Gott.
Samuel ließ diese Begründung nicht gelten. Er erinnerte Saul daran, dass Gott ihn erhöht hatte, obwohl er in seinen eigenen Augen einst gering gewesen war. Der HERR hatte ihn zum König gemacht und ihm einen eindeutigen Auftrag erteilt. Warum hatte Saul dann nicht auf Gottes Stimme gehört? Saul widersprach erneut und behauptete, er habe sehr wohl gehorcht. Agag habe er gebracht, die Amalekiter vernichtet, und nur das Volk habe von der Beute genommen, um dem HERRN in Gilgal zu opfern.
Darauf antwortete Samuel mit einem Grundsatz, der weit über diesen einzelnen Feldzug hinausreicht: „Hat der HERR Wohlgefallen an Brandopfern und Schlachtopfern ebenso sehr wie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser als Schlachtopfer.“ Gottesdienst konnte den verweigerten Gehorsam nicht ersetzen. Selbst etwas, das äußerlich religiös erschien, wurde nicht dadurch richtig, dass es gegen Gottes klares Wort zustande gekommen war.
Samuel setzte die Sache noch schärfer fort. Auflehnung gegen Gottes Wort stellte er der Sünde der Wahrsagerei gegenüber, und widerspenstigen Eigenwillen dem Götzendienst. Dann sprach er das Urteil aus: Weil Saul das Wort des HERRN verworfen hatte, hatte der HERR ihn als König verworfen. Damit erreichte die Entwicklung, die bereits in Gilgal begonnen hatte, einen entscheidenden Punkt. Dort war Saul angekündigt worden, dass sein Königtum keinen dauerhaften Bestand haben würde; nun wurde seine persönliche Verwerfung als König ausdrücklich ausgesprochen. Nicht fehlende Begabung, militärische Schwäche oder die Macht seiner Feinde brachten Saul an diesen Punkt, sondern sein fortgesetzter Umgang mit Gottes Wort.
Zurück: Saul festigt seine Herrschaft über Israel Weiter: Saul bekennt seine Sünde, doch die Verwerfung bleibt
Saul bekennt seine Sünde, doch die Verwerfung bleibt
1. Samuel 15,24-35 – „24 Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe gesündigt, daß ich den Befehl des HERRN und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme! 25 Nun aber vergib mir doch meine Sünde und kehre mit mir um, daß ich den HERRN anbete! 26 Samuel sprach zu Saul: Ich will nicht mit dir umkehren; denn du hast das Wort des HERRN verworfen, darum hat der HERR auch dich verworfen, d…"
1. Samuel 15,24-35 – „24 Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe gesündigt, daß ich den Befehl des HERRN und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme! 25 Nun aber vergib mir doch meine Sünde und kehre mit mir um, daß ich den HERRN anbete! 26 Samuel sprach zu Saul: Ich will nicht mit dir umkehren; denn du hast das Wort des HERRN verworfen, darum hat der HERR auch dich verworfen, d…"
Erst nachdem Samuel das Urteil Gottes ausgesprochen hatte, bekannte Saul ausdrücklich: „Ich habe gesündigt.“ Er gab zu, das Gebot des HERRN und Samuels Worte übertreten zu haben. Zugleich nannte er einen Grund für sein Verhalten: Er habe das Volk gefürchtet und auf dessen Stimme gehört. Damit trat nun etwas hervor, das bereits zuvor in Sauls Handeln erkennbar geworden war. Der König, der Israel führen sollte, hatte seine Entscheidung daran angepasst, was die Menschen um ihn herum wollten.
Sauls Bekenntnis enthielt also eine wirkliche Anerkennung seiner Übertretung. Dennoch zeigt der weitere Verlauf, dass sein Verhältnis zu den Folgen seiner Sünde kompliziert blieb. Unmittelbar nach dem Bekenntnis bat er Samuel, seine Sünde zu vergeben und mit ihm zurückzukehren, damit er den HERRN anbete. Samuel lehnte dies zunächst ab. Weil Saul das Wort des HERRN verworfen hatte, hatte der HERR ihn als König über Israel verworfen. Das zuvor ausgesprochene Urteil wurde durch Sauls Worte nicht einfach aufgehoben.
Als Samuel sich zum Gehen wandte, griff Saul nach dem Saum seines Obergewandes, sodass dieser abriss. Samuel machte dieses Geschehen zum Bild für Gottes Entscheidung: Ebenso habe der HERR an diesem Tag das Königtum Israels von Saul abgerissen und es einem anderen gegeben, der besser sei als er. Noch wurde David nicht genannt. Saul wusste lediglich, dass die Zukunft des Königtums nicht mehr bei seinem Haus lag.
Samuel fügte eine Aussage hinzu, die das göttliche Urteil besonders fest machte: Der „Ruhm Israels“ werde nicht lügen und nicht wie ein Mensch seine Entscheidung ändern. Wenige Verse zuvor hatte Gott gesagt, es reue ihn, Saul zum König gemacht zu haben. Beide Aussagen stehen im selben Bericht und müssen zusammen verstanden werden. Gott reagiert wirklich auf menschliches Verhalten und Sauls Abfall ist ihm nicht gleichgültig; zugleich ist sein ausgesprochenes Urteil nicht launenhaft oder unzuverlässig wie eine menschliche Meinungsänderung.
Saul bekannte erneut, dass er gesündigt habe. Doch nun fügte er eine Bitte hinzu, die seinen Blick auf seine öffentliche Stellung erkennen lässt: Samuel solle ihn wenigstens vor den Ältesten seines Volkes und vor Israel ehren und mit ihm zurückkehren, damit er den HERRN anbete. Der Text legt damit nahe, dass Sauls Sorge nicht allein seiner Beziehung zu Gott galt, sondern auch der Frage, wie er vor den Menschen erscheinen würde. Seine Stellung als König und die Anerkennung durch das Volk hatten für ihn erhebliches Gewicht gewonnen.
Samuel kehrte schließlich mit Saul zurück, und Saul betete den HERRN an. Dass Samuel mitging, bedeutete jedoch keine Rücknahme des göttlichen Urteils. Vielmehr musste nun gerade jener Teil des Auftrags vollendet werden, den Saul nicht ausgeführt hatte. Samuel ließ Agag, den König der Amalekiter, zu sich bringen. Agag kam in der Erwartung, die Todesgefahr sei vorüber. Doch Samuel erinnerte ihn an die Gewalt, die von ihm ausgegangen war, und vollstreckte an ihm vor dem HERRN in Gilgal das angekündigte Gericht.
Damit wurde auf ernste Weise sichtbar, was Sauls Teilgehorsam bewirkt hatte. Was der König aus eigenem Ermessen verschont hatte, musste schließlich durch Samuel ausgeführt werden. Sauls religiöse Begründung hatte Gottes Auftrag nicht verändert. Der Prophet stellte nicht eine strengere persönliche Forderung auf, sondern führte zu Ende, was der HERR zuvor ausdrücklich geboten hatte.
Danach ging Samuel nach Rama, während Saul in sein Haus nach Gibea zurückkehrte. Von diesem Zeitpunkt an besuchte Samuel Saul bis zu seinem Tod nicht mehr. Dennoch heißt es, dass Samuel um Saul trauerte. Verwerfung bedeutete für den Propheten keine gefühllose Distanz. Der Mann, den Samuel selbst gesalbt und begleitet hatte, war auf einem Weg weitergegangen, dessen Folgen nun immer deutlicher wurden.
Auch der HERR wird am Ende des Kapitels erneut als derjenige beschrieben, den es reute, Saul zum König über Israel gemacht zu haben. Sauls Geschichte war damit jedoch noch lange nicht beendet. Er blieb äußerlich auf dem Thron, führte weiterhin Israel und trug weiterhin den Königstitel. Doch Gottes Entscheidung über die Zukunft des Königtums stand fest. Während Saul noch regierte, bereitete Gott bereits den Mann vor, dem das Königtum schließlich zufallen sollte.
Zurück: Saul verschont Agag und verwirft Gottes Wort Weiter: Gottes Geist weicht von Saul, und David kommt an seinen Hof
Gottes Geist weicht von Saul, und David kommt an seinen Hof
1. Samuel 16,1-14 – „1 Und der HERR sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich doch verworfen habe, daß er nicht mehr König sei über Israel? Fülle dein Horn mit Öl und gehe hin, ich will dich zu Isai, dem Bethlehemiten, senden; denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ersehen! 2 Samuel aber sprach: Wie soll ich hingehen? Wenn Saul es erfährt, so wird er mich töten! Der HERR sprach: Nimm eine…"
1. Samuel 16,1-14 – „1 Und der HERR sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich doch verworfen habe, daß er nicht mehr König sei über Israel? Fülle dein Horn mit Öl und gehe hin, ich will dich zu Isai, dem Bethlehemiten, senden; denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ersehen! 2 Samuel aber sprach: Wie soll ich hingehen? Wenn Saul es erfährt, so wird er mich töten! Der HERR sprach: Nimm eine…"
1. Samuel 16,15-23 – „15 Da sprachen Sauls Knechte zu ihm: Siehe doch, ein böser Geist von Gott schreckt dich! 16 Unser Herr sage doch deinen Knechten, die vor dir stehen, daß sie einen Mann suchen, der gut auf der Harfe spielen kann, damit, wenn der böse Geist von Gott über dich kommt, er mit seiner Hand spiele, damit dir wohler werde. 17 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht euch um nach einem Mann, der gut auf Sa…"
Während Saul weiterhin als König über Israel regierte, begann Gott die nächste Phase der Königsgeschichte vorzubereiten. Samuel trauerte noch über Saul, doch der HERR forderte ihn auf, nicht länger bei diesem Verlust stehen zu bleiben. Er sandte ihn nach Bethlehem zu Isai, denn unter dessen Söhnen hatte Gott einen König für sich ersehen. Saul wusste von dieser Salbung zunächst nichts. Während er äußerlich noch auf dem Thron saß, wurde im Verborgenen bereits derjenige ausgesondert, dem Gottes Verheißung für das Königtum gelten sollte.
Bei Isais Familie zeigte Gott zugleich einen entscheidenden Unterschied zwischen menschlicher Wahrnehmung und seinem eigenen Urteil. Als Samuel Eliab sah, meinte er zunächst, der Gesalbte des HERRN müsse vor ihm stehen. Doch Gott wies ihn zurecht: Nicht auf Aussehen und Körpergröße sollte Samuel achten, denn der Mensch sieht auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz. Gerade im Zusammenhang mit Saul erhält diese Aussage besonderes Gewicht. Saul war bei seiner Einführung wegen seiner außergewöhnlichen Erscheinung hervorgehoben worden; nun sollte Samuel lernen, den kommenden König nicht nach demselben sichtbaren Maßstab zu beurteilen.
Schließlich ließ Isai seinen jüngsten Sohn David von den Schafen holen. Auf Gottes ausdrückliche Weisung salbte Samuel ihn mitten unter seinen Brüdern. Von diesem Tag an kam der Geist des HERRN über David. Die Erzählung stellt unmittelbar danach eine ernste Veränderung bei Saul fest: „Aber der Geist des HERRN wich von Saul.“ Damit stehen die beiden Männer nun in einer neuen heilsgeschichtlichen Beziehung zueinander. Saul besitzt weiterhin Krone, Heer und öffentliche Herrschaft; David besitzt noch keinen Thron, ist aber von Gott gesalbt und durch seinen Geist für die kommende Aufgabe ausgerüstet.
Diese Aussage über das Weichen des Geistes muss im Zusammenhang von Sauls Berufung und Königsamt verstanden werden. Zu Beginn seines Weges war Gottes Geist über ihn gekommen und hatte ihn für seine Aufgabe befähigt. Nachdem Saul Gottes Wort wiederholt verworfen hatte und selbst als König verworfen worden war, wurde ihm diese besondere göttliche Befähigung entzogen. Der Text beschreibt damit eine tiefgreifende Folge seines bisherigen Weges. Sauls äußeres Amt bestand zunächst weiter, doch die geistliche Grundlage, auf der es hätte ausgeübt werden sollen, war schwer beschädigt.
Anschließend berichtet die Bibel, dass Saul von einem bösen Geist „vom HERRN“ geängstigt wurde. Diese Formulierung gehört zu den Texten, die sorgfältig gelesen werden müssen. Sie bedeutet nicht, dass Gott selbst böse wäre oder Saul zur Sünde verführte. Die Schrift bezeugt an anderer Stelle eindeutig, dass Gott niemanden zum Bösen versucht. Im unmittelbaren Zusammenhang wird vielmehr sichtbar, dass Gott nach Sauls fortgesetzter Verwerfung seines Wortes seinen schützenden und befähigenden Geist zurückzog und die bedrängende Macht zuließ; der Text betont dabei, dass auch diese Erfahrung nicht außerhalb der souveränen Herrschaft Gottes stand.
Sauls Diener bemerkten seinen Zustand und schlugen vor, einen Mann zu suchen, der gut auf der Harfe spielen konnte. Wenn die bedrängende Macht über Saul käme, sollte dieser spielen, damit es ihm besser gehe. Saul stimmte zu und ließ nach einem geeigneten Musiker suchen. Einer seiner Diener empfahl ausgerechnet David, den Sohn Isais aus Bethlehem. Er beschrieb ihn als guten Musiker und tüchtigen Mann und fügte hinzu: Der HERR sei mit ihm.
So sandte Saul Boten zu Isai und ließ David an seinen Hof holen. David kam mit Gaben seines Vaters zu Saul und trat in dessen Dienst. Saul gewann ihn lieb und machte ihn zu seinem Waffenträger. Anschließend bat er Isai darum, David dauerhaft bei sich bleiben zu lassen. Saul wusste dabei noch nicht, dass der junge Mann, den er in seine unmittelbare Umgebung aufnahm, bereits von Samuel zum kommenden König gesalbt worden war.
Wenn der böse Geist Saul bedrängte, nahm David die Harfe und spielte. Dann erfuhr Saul Erleichterung, und die Bedrängnis wich von ihm. Auf diese Weise führte Gottes Vorsehung David unmittelbar an den Königshof, lange bevor er selbst die Herrschaft übernahm. Der verworfene König und der neu Gesalbte standen nun erstmals dauerhaft nebeneinander: Saul mit der noch sichtbaren Macht des Königtums, David mit einer Berufung, deren volle Bedeutung sich erst Schritt für Schritt entfalten würde.
Zurück: Saul bekennt seine Sünde, doch die Verwerfung bleibt Weiter: David besiegt Goliath vor Sauls Augen
David besiegt Goliath vor Sauls Augen
1. Samuel 17,1-11 – „1 Die Philister aber versammelten ihre Heere zum Streit und zogen zusammen bei Socho in Juda und lagerten sich zwischen Socho und Aseka, bei Ephes-Dammin. 2 Auch Saul und die Männer von Israel sammelten sich und schlugen ihr Lager im Terebinthentale auf und rüsteten sich zum Streit gegen die Philister. 3 Und die Philister standen am jenseitigen Berge, die Israeliten aber am diesseitigen Berge, so…"
1. Samuel 17,1-11 – „1 Die Philister aber versammelten ihre Heere zum Streit und zogen zusammen bei Socho in Juda und lagerten sich zwischen Socho und Aseka, bei Ephes-Dammin. 2 Auch Saul und die Männer von Israel sammelten sich und schlugen ihr Lager im Terebinthentale auf und rüsteten sich zum Streit gegen die Philister. 3 Und die Philister standen am jenseitigen Berge, die Israeliten aber am diesseitigen Berge, so…"
1. Samuel 17,31-40 – „31 Und als man die Worte hörte, die David sagte, verkündigte man sie vor Saul; und er ließ ihn holen. 32 Und David sprach zu Saul: Es entfalle keinem Menschen das Herz um seinetwillen; dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen! 33 Saul aber sprach zu David: Du kannst nicht hingehen wider diesen Philister, mit ihm zu kämpfen, denn du bist noch ein Knabe; dieser aber ist ein Kriegs…"
1. Samuel 17,48-58 – „48 Als sich nun der Philister aufmachte und daher kam und sich David näherte, eilte David und lief gegen die Schlachtreihe, auf den Philister zu. 49 Und David streckte seine Hand in die Tasche und nahm einen Stein daraus und schleuderte und traf den Philister an die Stirn, so daß der Stein in seine Stirne fuhr und er auf sein Angesicht zur Erde fiel. 50 So überwand David den Philister mit der Sch…"
1. Samuel 18,1-5 – „1 Und als er aufgehört hatte mit Saul zu reden, verband sich die Seele Jonatans mit der Seele Davids, und Jonatan gewann ihn lieb wie seine eigene Seele. 2 Und Saul nahm ihn an jenem Tage und ließ ihn nicht wieder in seines Vaters Haus zurückkehren. 3 Jonatan aber und David machten einen Bund miteinander; denn er hatte ihn lieb wie seine eigene Seele. 4 Und Jonatan zog den Rock aus, den er anhatt…"
Der anhaltende Konflikt mit den Philistern führte Saul in eine neue Krise. Die beiden Heere standen sich gegenüber, als aus dem Lager der Philister ein außergewöhnlicher Kämpfer hervortrat: Goliath aus Gat. Er forderte Israel zu einem Zweikampf heraus. Ein israelitischer Mann sollte gegen ihn antreten; der Ausgang dieses Kampfes sollte über die Unterordnung der jeweiligen Seite entscheiden. Als Saul und ganz Israel diese Worte hörten, erschraken sie und fürchteten sich sehr.
Gerade bei Saul fällt diese Reaktion auf. Der König war selbst wegen seiner außergewöhnlichen Körpergröße hervorgehoben worden und hatte Israel bereits mehrfach gegen Feinde geführt. Doch nun tritt er nicht als derjenige hervor, der Goliaths Herausforderung annimmt. Der Text erklärt nicht ausdrücklich, warum Saul selbst nicht kämpfte. Sicher ist lediglich, dass weder er noch einer seiner Männer bereit war, dem Philister entgegenzutreten. Vierzig Tage lang wiederholte Goliath morgens und abends seine Herausforderung.
In diese Lage kam David aus Bethlehem. Sein Vater Isai sandte ihn zu seinen älteren Brüdern, die im Heer Sauls dienten. Als David Goliaths Worte hörte, betrachtete er die Situation anders als die verängstigten Soldaten. Für ihn war die entscheidende Frage nicht zuerst die Größe des Philisters, sondern die Tatsache, dass dieser die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnte. Davids Worte wurden Saul berichtet, und der König ließ ihn zu sich holen.
David erklärte Saul, dass niemand wegen Goliath den Mut verlieren müsse; er selbst wolle gegen den Philister kämpfen. Saul entgegnete, David könne ihm nicht entgegentreten, weil er noch jung sei, während Goliath von Jugend an ein Kriegsmann gewesen sei. David verwies darauf, wie er als Hirte Löwen und Bären abgewehrt hatte, wenn sie Tiere aus der Herde seines Vaters raubten. Entscheidend war für ihn jedoch nicht seine bisherige Erfahrung allein. Der HERR, der ihn aus der Gewalt von Löwe und Bär errettet hatte, werde ihn auch aus der Hand des Philisters retten.
Darauf antwortete Saul: „Geh hin, und der HERR sei mit dir!“ Zunächst versuchte er jedoch, David mit seiner eigenen Rüstung auszustatten. Saul gab ihm Helm, Panzer und Schwert. David stellte fest, dass er damit nicht gehen konnte, weil er diese Ausrüstung nicht erprobt hatte, und legte sie wieder ab. Stattdessen nahm er seinen Stab, fünf glatte Steine, seine Schleuder und ging Goliath entgegen. Die Gegenüberstellung ist auffällig: Israel besaß einen König und ein Heer, doch der entscheidende Kampf wurde von einem jungen Hirten geführt, dessen Vertrauen nicht auf königlicher Ausrüstung beruhte.
David erklärte Goliath, dass dieser mit Schwert, Speer und Wurfspieß komme, er selbst aber im Namen des HERRN der Heerscharen. Er machte zugleich deutlich, worum es in dem bevorstehenden Sieg gehen sollte: Die ganze Erde sollte erkennen, dass Israel einen Gott hat, und die versammelte Menge sollte wissen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer rettet. Der Kampf gehörte dem HERRN. Damit verkörperte David in dieser Situation gerade jenes Vertrauen auf Gottes rettende Macht, das bereits Jonathan gezeigt hatte.
Mit einem einzigen Stein aus seiner Schleuder traf David Goliath an der Stirn und brachte ihn zu Fall. Anschließend nahm er das Schwert des Philisters und tötete ihn damit. Als die Philister sahen, dass ihr stärkster Kämpfer tot war, flohen sie. Die Männer Israels und Judas erhoben sich, verfolgten sie und plünderten ihr Lager. Wieder wurde Israel aus einer scheinbar aussichtslosen Lage befreit – doch diesmal stand nicht Saul im Mittelpunkt der Rettung, sondern David.
Während David gegen Goliath auszog, fragte Saul Abner nach der Abstammung des jungen Mannes. Auch nachdem David zurückgekehrt war, erkundigte Saul sich nach seinem Vater, und David nannte Isai aus Bethlehem. Diese Fragen stehen neben dem früheren Bericht, nach dem David bereits an Sauls Hof musiziert hatte. Die Bibel erklärt nicht ausdrücklich, warum Saul nun erneut nach seiner familiären Herkunft fragte. Deshalb sollte daraus nicht sicher geschlossen werden, Saul habe David überhaupt nicht gekannt; die Frage richtet sich ausdrücklich auf dessen Vater und Haus, was angesichts der zuvor für Goliaths Bezwinger angekündigten königlichen Vergünstigungen von Bedeutung sein konnte.
Nach diesem Sieg nahm Saul David dauerhaft zu sich und ließ ihn nicht mehr in das Haus seines Vaters zurückkehren. David zog aus, wohin Saul ihn sandte, und handelte erfolgreich, sodass Saul ihn über Kriegsleute setzte. Auch Sauls Diener und das Volk nahmen diese Entwicklung gut auf. Damit war David nicht mehr nur der Musiker, der Saul in Zeiten seiner Bedrängnis Erleichterung brachte. Er wurde zu einem erfolgreichen Mann innerhalb von Sauls eigener Herrschaft – und gerade dieser Erfolg sollte schon bald eine Seite Sauls hervortreten lassen, die das Verhältnis zwischen beiden grundlegend verändern würde.
Zurück: Gottes Geist weicht von Saul, und David kommt an seinen Hof Weiter: Sauls Eifersucht auf David beginnt
Sauls Eifersucht auf David beginnt
1. Samuel 18,6-16 – „6 Es begab sich aber, als sie heimkamen, als David von der Schlacht der Philister zurückkehrte, daß die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigen, mit Handpauken, mit Freuden und mit Triangeln dem König Saul entgegengingen. 7 Und die Frauen sangen fröhlich und sprachen: Saul hat seine Tausend geschlagen, David aber seine Zehntausend! 8 Da ergrimmte Saul sehr, und das Wort gefiel ihm …"
1. Samuel 18,6-16 – „6 Es begab sich aber, als sie heimkamen, als David von der Schlacht der Philister zurückkehrte, daß die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigen, mit Handpauken, mit Freuden und mit Triangeln dem König Saul entgegengingen. 7 Und die Frauen sangen fröhlich und sprachen: Saul hat seine Tausend geschlagen, David aber seine Zehntausend! 8 Da ergrimmte Saul sehr, und das Wort gefiel ihm …"
1. Samuel 18,28-30 – „28 Und Saul sah und merkte, daß der HERR mit David war; und Michal, Sauls Tochter, hatte ihn lieb. 29 Da fürchtete sich Saul noch mehr vor David, und er wurde Davids Feind sein Leben lang. 30 Und so oft die Fürsten der Philister zu Felde zogen, bewies David mehr Klugheit als alle Knechte Sauls, so daß sein Name hoch geachtet ward."
Nach Davids Sieg über Goliath veränderte sich sein Verhältnis zu Saul grundlegend. Als das Heer zurückkehrte, kamen Frauen aus den Städten Israels singend und tanzend entgegen. Sie feierten die militärischen Erfolge mit den Worten: „Saul hat seine Tausende geschlagen, David aber seine Zehntausende.“ Das Lied sollte den Sieg Israels besingen, doch Saul hörte darin vor allem einen Vergleich zwischen seiner eigenen Stellung und Davids wachsendem Ansehen.
Saul wurde über diese Worte sehr zornig. Er sah darin eine Zurücksetzung seiner eigenen Leistung und fragte, was David nach der größeren Anerkennung noch fehlen könne außer dem Königtum. Von diesem Tag an beobachtete Saul David mit Misstrauen. Damit benennt die Bibel einen deutlichen Wendepunkt: Der Mann, den Saul zuvor liebgewonnen, an seinen Hof geholt und über Kriegsleute gesetzt hatte, wurde in seinen Augen zunehmend zu einer Bedrohung.
Am folgenden Tag wurde Saul erneut von dem bösen Geist bedrängt, während David wie gewöhnlich auf der Harfe spielte. Saul hatte einen Speer in der Hand und warf ihn nach David mit der Absicht, ihn an die Wand zu spießen. David wich ihm zweimal aus. Der Bericht beschreibt damit nicht mehr nur innere Eifersucht oder misstrauische Beobachtung. Sauls Furcht und Feindseligkeit gingen nun in unmittelbare Gewalt über.
Als Erklärung für Sauls Angst nennt der Text einen entscheidenden Gegensatz: Der HERR war mit David, von Saul aber war er gewichen. Saul fürchtete David nicht lediglich wegen seiner militärischen Begabung oder seiner Beliebtheit beim Volk. Hinter seinem wachsenden Erfolg stand für Saul etwas, das er aus seinem eigenen früheren Leben kannte: Gottes erkennbare Begleitung. Der König musste erleben, dass genau die göttliche Gegenwart, die einst seine eigene Berufung geprägt hatte, nun bei dem Mann sichtbar wurde, den er zunehmend als Rivalen betrachtete.
Saul entfernte David deshalb aus seiner unmittelbaren Nähe und machte ihn zum Obersten über tausend Männer. Doch auch diese Maßnahme bewirkte nicht, dass Davids Bedeutung abnahm. David zog vor dem Volk aus und ein und handelte auf allen seinen Wegen erfolgreich. Die Bibel begründet dies ausdrücklich damit, dass der HERR mit ihm war. Je deutlicher Saul dies erkannte, desto größer wurde seine Furcht.
Das Volk dagegen gewann David zunehmend lieb, weil er vor ihm aus- und einzog. Damit verschob sich die öffentliche Wahrnehmung weiter. Saul besaß weiterhin den Thron und die formale Königsherrschaft, doch David gewann durch seinen Dienst Vertrauen und Anerkennung. Der Text beschreibt keine von David organisierte Bewegung gegen Saul. Sein Aufstieg entsteht nicht durch einen Versuch, den König zu stürzen, sondern innerhalb der Aufgaben, die Saul selbst ihm übertragen hatte.
Später heißt es ausdrücklich, dass Saul erkannte, wie sehr der HERR mit David war. Zugleich liebte Sauls Tochter Michal David. Diese Entwicklung verstärkte Sauls Angst weiter, sodass er David dauerhaft als Feind betrachtete. Der entscheidende Konflikt hatte sich damit tief in Sauls Denken festgesetzt: Er behandelte den Mann als Gegner, bei dem er Gottes Beistand wahrnahm.
Während die Fürsten der Philister weiterhin zum Kampf auszogen, handelte David erfolgreicher als die übrigen Diener Sauls, und sein Name gewann großes Ansehen. Für Saul wurde damit jede neue Bewährung Davids zu einer weiteren Bestätigung dessen, was er fürchtete. Anstatt Gottes Entscheidung anzunehmen, begann er zunehmend zu versuchen, Davids Aufstieg zu kontrollieren oder zu verhindern. Aus Misstrauen sollte bald planvolles Handeln werden, bei dem Saul sogar seine eigene Familie und die Philister in den Versuch einbezog, David zu Fall zu bringen.
Zurück: David besiegt Goliath vor Sauls Augen Weiter: Saul versucht David durch die Philister zu Fall zu bringen
Saul versucht David durch die Philister zu Fall zu bringen
1. Samuel 18,17-27 – „17 Und Saul sprach zu David: Siehe, ich will dir meine ältere Tochter Merab zum Weibe geben; sei nur tapfer und führe des HERRN Kriege! Denn Saul dachte: Meine Hand soll ihm nichts anhaben, sondern die Hand der Philister. 18 David aber antwortete Saul: Wer bin ich? Und was ist meine Herkunft, das Geschlecht meines Vaters in Israel, daß ich des Königs Tochtermann werden soll? 19 Als aber die Zeit …"
1. Samuel 18,17-27 – „17 Und Saul sprach zu David: Siehe, ich will dir meine ältere Tochter Merab zum Weibe geben; sei nur tapfer und führe des HERRN Kriege! Denn Saul dachte: Meine Hand soll ihm nichts anhaben, sondern die Hand der Philister. 18 David aber antwortete Saul: Wer bin ich? Und was ist meine Herkunft, das Geschlecht meines Vaters in Israel, daß ich des Königs Tochtermann werden soll? 19 Als aber die Zeit …"
Sauls Furcht vor David blieb nicht bei misstrauischer Beobachtung. Nachdem seine unmittelbare Gewalt David nicht beseitigt hatte, begann er, Situationen zu schaffen, in denen David durch andere zu Fall kommen sollte. Zunächst bot Saul ihm seine ältere Tochter Merab zur Frau an. David sollte dafür weiterhin tapfer kämpfen und die Kriege des HERRN führen. Doch der Erzähler legt zugleich offen, was Saul tatsächlich beabsichtigte: Er wollte nicht selbst Hand an David legen, sondern hoffte, dass die Philister ihn töten würden.
Damit verband Saul etwas, das äußerlich ehrenvoll erscheinen konnte, mit einer verborgenen Absicht. David sollte als königlicher Schwiegersohn ausgezeichnet und zugleich in besonders gefährliche Kämpfe geschickt werden. Saul sprach von den „Kriegen des HERRN“, doch sein inneres Ziel war nicht allein der Sieg Israels. Er benutzte den Kampf gegen die Feinde des Volkes als Mittel gegen den Mann, den er persönlich fürchtete.
David reagierte auf das Angebot nicht mit dem Anspruch, eine Königstochter verdient zu haben. Er fragte, wer er sei und welche Bedeutung seine Familie in Israel habe, dass er Schwiegersohn des Königs werden sollte. Dennoch erhielt er Merab nicht. Als der Zeitpunkt der Hochzeit kam, wurde sie einem anderen Mann, Adriel aus Mehola, zur Frau gegeben. Der Text erklärt nicht ausführlich, warum Saul sein ursprüngliches Versprechen änderte. Sicher ist nur, dass David auf diesem Weg nicht in Sauls Familie aufgenommen wurde.
Dann erfuhr Saul, dass seine jüngere Tochter Michal David liebte. Diese Nachricht gefiel ihm, allerdings aus einem Grund, der Michals eigene Zuneigung vollständig für seine Pläne instrumentalisierte. Saul sagte bei sich, er wolle sie David geben, damit sie ihm zur Falle werde und die Hand der Philister gegen ihn sei. Eine Beziehung innerhalb seiner eigenen Familie wurde damit zu einem weiteren Mittel seines Kampfes gegen David.
Saul ließ David durch seine Diener ausrichten, dass der König Gefallen an ihm habe und seine Diener ihn liebten; nun solle er Schwiegersohn des Königs werden. David wandte erneut ein, dass er arm und gering sei und sich eine Verbindung mit dem Königshaus nicht leisten könne. Saul ließ darauf antworten, er verlange keinen gewöhnlichen Brautpreis. Stattdessen forderte er hundert Vorhäute von Philistern, um sich an seinen Feinden zu rächen. Der Erzähler nennt wiederum Sauls eigentliches Ziel: Er plante, David durch die Hand der Philister fallen zu lassen.
David nahm die Bedingung an. Noch bevor die festgesetzte Zeit abgelaufen war, zog er mit seinen Männern aus und erschlug zweihundert Philister. Er brachte Saul die geforderte Zahl vollständig, sogar in doppeltem Umfang, damit er Schwiegersohn des Königs werden konnte. Sauls Plan erreichte damit das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt hatte. David fiel nicht im Kampf, sondern kehrte erfolgreich zurück.
Daraufhin gab Saul ihm Michal zur Frau. David war nun tatsächlich Teil der königlichen Familie geworden. Was Saul als Falle geplant hatte, hatte Davids Stellung weiter gefestigt. Die Bibel schreibt diesen Ausgang nicht Davids politischer Berechnung zu. Wieder zeigte sich vielmehr, dass Sauls Versuche, den von Gott begleiteten Mann durch gefährliche Umstände zu beseitigen, sein Ziel nicht erreichten.
Sauls Verhalten offenbart an dieser Stelle eine weitere Stufe seiner Entwicklung. Zuvor hatte er David im Zorn mit dem Speer angegriffen. Nun plante er dessen Tod indirekt, verbarg seine Absicht hinter einem scheinbar ehrenvollen Angebot und bezog die Gefühle seiner eigenen Tochter in diesen Plan ein. Seine Furcht vor dem Verlust des Königtums begann zunehmend seine Entscheidungen und Beziehungen zu bestimmen.
Doch jeder Versuch verstärkte gerade das, was Saul verhindern wollte. David bewährte sich im Kampf, wurde zum Schwiegersohn des Königs und gewann weiterhin Ansehen. Saul musste beobachten, dass menschliche Intrigen die erkennbare Führung Gottes nicht aufhalten konnten. Statt seine Haltung gegenüber David zu ändern, sollte er nun noch offener versuchen, ihn töten zu lassen.
Zurück: Sauls Eifersucht auf David beginnt Weiter: Jonathan bewahrt David vor Sauls Mordbefehl
Jonathan bewahrt David vor Sauls Mordbefehl
1. Samuel 19,1-7 – „1 Saul aber redete mit seinem Sohne Jonatan und mit allen seinen Knechten, daß sie David töten sollten. Aber Jonatan, Sauls Sohn, hatte großes Wohlgefallen an David. 2 Darum verriet Jonatan dieses dem David und sprach: Mein Vater Saul trachtet darnach, dich zu töten. So nimm dich nun morgen in acht und bleibe verborgen und verstecke dich! 3 Ich aber will hinausgehen und neben meinem Vater auf dem…"
1. Samuel 19,1-7 – „1 Saul aber redete mit seinem Sohne Jonatan und mit allen seinen Knechten, daß sie David töten sollten. Aber Jonatan, Sauls Sohn, hatte großes Wohlgefallen an David. 2 Darum verriet Jonatan dieses dem David und sprach: Mein Vater Saul trachtet darnach, dich zu töten. So nimm dich nun morgen in acht und bleibe verborgen und verstecke dich! 3 Ich aber will hinausgehen und neben meinem Vater auf dem…"
Sauls Feindschaft gegen David trat nun offen hervor. Er sprach zu seinem Sohn Jonathan und zu allen seinen Dienern davon, David zu töten. Damit war aus verdeckter Planung ein ausdrücklicher Mordbefehl geworden. Saul versuchte nicht länger nur, David durch besonders gefährliche Kämpfe zu beseitigen; nun sollte auch sein eigener Hof in die Verfolgung einbezogen werden.
Gerade Jonathan stellte sich dieser Entwicklung entgegen. Er liebte David sehr und warnte ihn vor der Gefahr. David sollte sich bis zum Morgen verborgen halten, während Jonathan mit seinem Vater sprechen und anschließend berichten wollte, was sich ergab. Jonathan handelte damit zugleich als Sohn Sauls und als Freund Davids. Er stellte sich nicht gegen seinen Vater, um dessen Königtum an sich zu reißen, sondern versuchte, ihn von einem Unrecht abzuhalten.
Am folgenden Morgen sprach Jonathan mit Saul und setzte sich ausdrücklich für David ein. Er bat den König, sich nicht an seinem Diener zu versündigen, weil David nicht gegen ihn gesündigt habe. Im Gegenteil: Seine Taten seien Saul sehr zugutegekommen. Jonathan argumentierte also nicht nur aus persönlicher Zuneigung, sondern erinnerte seinen Vater an die tatsächlichen Handlungen Davids.
Besonders verwies Jonathan auf den Kampf gegen Goliath. David hatte sein Leben eingesetzt und den Philister erschlagen, und der HERR hatte Israel dadurch eine große Rettung geschenkt. Saul selbst hatte diesen Sieg gesehen und sich darüber gefreut. Warum sollte er nun unschuldiges Blut vergießen und David ohne Ursache töten? Mit dieser Frage führte Jonathan seinen Vater zurück zu dem offensichtlichen Widerspruch zwischen Sauls früherer Freude über Davids Dienst und seiner jetzigen Absicht, ihn zu beseitigen.
Saul hörte auf Jonathan. Er schwor bei dem HERRN: „So wahr der HERR lebt, er soll nicht sterben!“ Für den Augenblick gab Saul seinen Mordplan damit auf. Jonathan rief David und berichtete ihm das Gespräch. Anschließend brachte er ihn wieder zu Saul, und David diente dem König wie zuvor.
Diese Szene zeigt, dass Saul zu diesem Zeitpunkt noch auf eine begründete Zurechtweisung reagieren konnte. Jonathan erreichte ihn mit dem Hinweis auf Davids Unschuld, Gottes Rettung und die Schuld, die Saul durch einen Mord auf sich laden würde. Saul änderte seine Entscheidung und bekräftigte sie sogar mit einem Eid vor Gott. Die Bibel berichtet diese Reaktion, ohne sie bereits als dauerhafte Umkehr zu bezeichnen.
Gerade deshalb ist der folgende Verlauf so ernst. Saul wusste nun ausdrücklich, dass David ihm kein Unrecht getan hatte. Er war daran erinnert worden, dass Gott durch David für Israel gewirkt hatte, und hatte selbst geschworen, ihn nicht zu töten. Sollte die Feindschaft dennoch zurückkehren, konnte sie immer weniger mit Unwissenheit oder einem einmaligen Zornesausbruch erklärt werden.
Für eine kurze Zeit schien die frühere Ordnung wiederhergestellt. David befand sich erneut am Königshof und verrichtete seinen Dienst vor Saul. Doch die grundlegende Ursache des Konflikts war nicht beseitigt. Sauls Anerkennung von Davids Unschuld hatte seine tiefere Furcht vor ihm nicht überwunden. Schon der nächste militärische Erfolg Davids sollte zeigen, wie schnell Sauls feierliches Versprechen wieder zerbrechen konnte.
Zurück: Saul versucht David durch die Philister zu Fall zu bringen Weiter: Saul bricht seinen Eid und David muss fliehen
Saul bricht seinen Eid und David muss fliehen
1. Samuel 19,8-17 – „8 Es brach aber wieder ein Krieg aus, und David zog aus und stritt wider die Philister und brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, so daß sie vor ihm flohen. 9 Und der böse Geist vom HERRN kam über Saul; und er saß in seinem Hause und hatte seinen Speer in der Hand; David aber spielte mit der Hand auf den Saiten. 10 Und Saul trachtete, David mit dem Speer an die Wand zu heften, er aber wich Sa…"
1. Samuel 19,8-17 – „8 Es brach aber wieder ein Krieg aus, und David zog aus und stritt wider die Philister und brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, so daß sie vor ihm flohen. 9 Und der böse Geist vom HERRN kam über Saul; und er saß in seinem Hause und hatte seinen Speer in der Hand; David aber spielte mit der Hand auf den Saiten. 10 Und Saul trachtete, David mit dem Speer an die Wand zu heften, er aber wich Sa…"
Der Frieden am Königshof hielt nicht lange. Erneut kam es zum Krieg mit den Philistern, und David zog gegen sie aus. Er schlug sie mit großer Macht, sodass sie vor ihm flohen. Damit wiederholte sich genau jene Entwicklung, die Sauls Eifersucht schon zuvor verstärkt hatte: David erfüllte erfolgreich die Aufgaben, die dem Schutz Israels dienten, und seine militärischen Erfolge nahmen weiter zu.
Danach wurde Saul wieder von dem bösen Geist bedrängt. Er saß in seinem Haus und hielt seinen Speer in der Hand, während David auf der Harfe spielte. Die äußere Situation erinnert stark an den früheren Angriff. Wieder stand David als Diener vor dem König, wieder versuchte er durch seine Musik Erleichterung zu schaffen, und wieder hielt Saul eine tödliche Waffe bereit.
Diesmal versuchte Saul erneut, David mit dem Speer an die Wand zu spießen. David wich aus, sodass der Speer in die Wand fuhr. Damit brach Saul den Eid, den er erst kurz zuvor gegenüber Jonathan geschworen hatte: David sollte nicht sterben. Seine Feindschaft hatte nun eine Stufe erreicht, auf der selbst ein feierliches Versprechen im Namen des HERRN ihn nicht dauerhaft zurückhielt.
David floh noch in derselben Nacht in sein Haus. Saul gab jedoch nicht auf. Er sandte Boten, die Davids Haus beobachten und ihn am Morgen töten sollten. Der Mordversuch war damit nicht länger nur ein spontaner Angriff im Augenblick der Bedrängnis. Saul organisierte nun ausdrücklich eine Überwachung, damit David keine Möglichkeit zur Flucht blieb.
An diesem Punkt wurde Michal, Sauls eigene Tochter und Davids Frau, zu Davids Retterin. Sie warnte ihn, dass er sein Leben verlieren werde, wenn er sich nicht noch in derselben Nacht in Sicherheit bringe. Dann ließ sie ihn durch ein Fenster hinab, sodass David entkommen konnte. Sauls Versuch, Michal einst als Falle für David einzusetzen, hatte sich damit vollständig gegen seine Absicht gewendet: Die Tochter, durch die David zu Fall kommen sollte, half ihm nun, dem Tod zu entgehen.
Michal legte anschließend einen Hausgötzen ins Bett, bedeckte ihn mit einem Kleid und legte Ziegenhaar an das Kopfende. Als Sauls Boten David holen wollten, erklärte sie, er sei krank. Saul ließ sich davon nicht abhalten und befahl, David samt Bett zu ihm zu bringen, damit er ihn töten könne. Erst als die Boten das vermeintliche Krankenlager genauer untersuchten, wurde die Täuschung entdeckt.
Saul stellte Michal daraufhin zur Rede und fragte, warum sie ihn betrogen und seinen Feind entkommen lassen habe. Michal antwortete, David habe ihr gedroht, sie zu töten, wenn sie ihn nicht freilasse. Diese Erklärung entspricht nicht dem zuvor berichteten Geschehen. Der Text sagt nicht ausdrücklich, weshalb Michal ihrem Vater gegenüber so sprach. Sicher ist jedoch, dass David durch ihre Hilfe entkommen war und Sauls Mordplan scheiterte.
Bemerkenswert ist auch Sauls Wortwahl. Er bezeichnet David nun gegenüber seiner eigenen Tochter als „meinen Feind“. David hatte Saul nicht angegriffen, ihm den Thron nicht entrissen und war erst kurz zuvor durch Jonathan ausdrücklich als unschuldig verteidigt worden. Dennoch war Sauls innere Wahrnehmung inzwischen so stark von seiner Furcht geprägt, dass er den treuen Diener als persönlichen Gegner behandelte.
Mit dieser Nacht veränderte sich Davids Stellung grundlegend. Bis dahin hatte er trotz Sauls Angriffen immer wieder an den Hof zurückkehren können. Nun musste er sein eigenes Haus verlassen und vor dem König fliehen. Saul hatte damit begonnen, den von Gott gesalbten David nicht nur innerhalb des Hofes zu bekämpfen, sondern ihn durch das Land verfolgen zu lassen. Davids erster Zufluchtsort sollte ausgerechnet bei Samuel liegen – bei jenem Propheten, durch den sowohl Saul als auch David einst gesalbt worden waren.
Zurück: Jonathan bewahrt David vor Sauls Mordbefehl Weiter: Saul verfolgt David bis zu Samuel
Saul verfolgt David bis zu Samuel
1. Samuel 19,18-24 – „18 David aber floh und entrann und kam zu Samuel gen Rama und teilte ihm alles mit, was Saul ihm angetan hatte. Und er ging hin mit Samuel, und sie blieben zu Najot. 19 Es ward aber dem Saul angezeigt: Siehe, David ist zu Najot in Rama! 20 Da sandte Saul Boten, David zu holen. Als sie nun die Versammlung der Propheten weissagen sahen und Samuel an ihrer Spitze, da kam der Geist Gottes auf die Bot…"
1. Samuel 19,18-24 – „18 David aber floh und entrann und kam zu Samuel gen Rama und teilte ihm alles mit, was Saul ihm angetan hatte. Und er ging hin mit Samuel, und sie blieben zu Najot. 19 Es ward aber dem Saul angezeigt: Siehe, David ist zu Najot in Rama! 20 Da sandte Saul Boten, David zu holen. Als sie nun die Versammlung der Propheten weissagen sahen und Samuel an ihrer Spitze, da kam der Geist Gottes auf die Bot…"
Nachdem David aus seinem Haus entkommen war, floh er zu Samuel nach Rama. Dort berichtete er ihm, was Saul ihm angetan hatte. Anschließend gingen David und Samuel nach Najot und blieben dort. Damit suchte David Schutz bei genau dem Propheten, der Saul einst im Auftrag Gottes gesalbt und später auch dessen Verwerfung ausgesprochen hatte. Sauls Konflikt mit David berührte nun immer unmittelbarer auch die prophetische Autorität Samuels.
Saul erfuhr bald, dass David sich in Najot bei Rama aufhielt. Er sandte Männer aus, um ihn festzunehmen. Doch als diese Boten eine Gruppe von Propheten weissagen sahen und Samuel an ihrer Spitze stand, kam der Geist Gottes über die Männer Sauls, sodass auch sie weissagten. Diejenigen, die ausgesandt worden waren, um David zu ergreifen, konnten ihren Auftrag nicht wie vorgesehen ausführen.
Als Saul davon hörte, schickte er eine zweite Gruppe. Doch mit ihr geschah dasselbe. Auch diese Männer weissagten. Saul sandte daraufhin ein drittes Mal Boten aus, und wiederum ergriff der Geist Gottes sie. Die dreifache Wiederholung unterstreicht, wie entschieden Sauls Versuch aufgehalten wurde. Er besaß königliche Macht und konnte Befehle erteilen, doch er konnte Gottes Eingreifen nicht überwinden.
Schließlich machte Saul sich selbst auf den Weg nach Rama. Sein Ziel blieb, David zu finden. Unterwegs fragte er nach Samuel und David und wurde nach Najot gewiesen. Doch noch bevor Saul sein Ziel erreichte, kam auch über ihn der Geist Gottes. Er ging weiter und weissagte, bis er nach Najot gelangte. Der Mann, der gekommen war, um David festzunehmen, wurde damit selbst von Gottes Geist ergriffen.
Saul legte sogar seine Oberkleider ab und weissagte vor Samuel. Er lag jenen Tag und die ganze Nacht dort. Daraus entstand erneut die Frage: „Ist Saul auch unter den Propheten?“ Bereits bei seiner Berufung war dieses Sprichwort aufgekommen, als der Geist Gottes über ihn gekommen war und seine Salbung bestätigt hatte. Nun begegnet derselbe Ausspruch in einer völlig anderen Lebenssituation.
Die beiden Ereignisse dürfen deshalb nicht einfach gleichgesetzt werden. Am Anfang seines Königtums stand Sauls Weissagen im Zusammenhang mit seiner Berufung und der göttlichen Befähigung für sein Amt. Jetzt geschieht es, während Saul gegen den von Gott gesalbten David vorgeht. Das Wirken des Geistes bestätigt hier nicht Sauls Verfolgung und bedeutet auch nicht, dass seine frühere Verwerfung aufgehoben wäre. Vielmehr wird gerade sein Vorhaben unterbrochen.
Der Bericht zeigt damit eindrücklich, dass Gott Sauls Macht Grenzen setzte. Saul konnte David verfolgen, Boten aussenden und schließlich selbst aufbrechen, doch selbst seine persönliche Anwesenheit machte ihn nicht unabhängig von Gottes Herrschaft. Der König, der zunehmend versuchte, Gottes Entscheidung über David entgegenzuwirken, musste erleben, dass Gott seinen Weg jederzeit anhalten konnte.
Dennoch wird an dieser Stelle keine dauerhafte Veränderung Sauls berichtet. Die außergewöhnliche Erfahrung in Najot beendete seine Feindschaft gegen David nicht. Sauls Problem bestand inzwischen nicht darin, dass ihm göttliches Eingreifen unbekannt gewesen wäre. Er hatte es von Beginn seines Königtums an vielfach erfahren. Entscheidend wurde vielmehr, ob er sich diesem Handeln Gottes dauerhaft unterordnen würde.
David war für den Augenblick geschützt, doch er wusste, dass Sauls Verfolgung damit nicht beendet war. Deshalb verließ er Najot und suchte Jonathan auf. Die nächste Begegnung zwischen den beiden sollte endgültig klären, ob David am Königshof noch irgendeine Sicherheit besaß – und zugleich Jonathan vor die schmerzhafte Wahrheit stellen, wie fest sein Vater inzwischen entschlossen war, David zu töten.
Zurück: Saul bricht seinen Eid und David muss fliehen Weiter: Jonathan erkennt Sauls festen Entschluss gegen David
Jonathan erkennt Sauls festen Entschluss gegen David
1. Samuel 20,1-17 – „1 David aber floh von Najot bei Rama und kam und redete mit Jonatan: Was habe ich getan? Was ist meine Schuld? Und was habe ich vor deinem Vater gesündigt, daß er mir nach dem Leben trachtet? 2 Er aber sprach zu ihm: Das sei ferne, du sollst nicht sterben! Siehe, mein Vater tut nichts, weder Großes noch Kleines, das er nicht meinen Ohren offenbare. Warum sollte denn mein Vater solches vor mir ver…"
1. Samuel 20,1-17 – „1 David aber floh von Najot bei Rama und kam und redete mit Jonatan: Was habe ich getan? Was ist meine Schuld? Und was habe ich vor deinem Vater gesündigt, daß er mir nach dem Leben trachtet? 2 Er aber sprach zu ihm: Das sei ferne, du sollst nicht sterben! Siehe, mein Vater tut nichts, weder Großes noch Kleines, das er nicht meinen Ohren offenbare. Warum sollte denn mein Vater solches vor mir ver…"
1. Samuel 20,24-34 – „24 Also verbarg sich David auf dem Felde. Als aber der Neumond kam, setzte sich der König zum Mahl, um zu essen. 25 Und zwar saß der König an seinem gewohnten Platz an der Wand; Jonatan aber stand auf, und Abner setzte sich neben Saul; und Davids Platz blieb leer. 26 Saul aber sagte an diesem Tage nichts; denn er dachte: Es ist ein Zufall; er ist nicht rein; gewiß ist er nicht rein! 27 Es begab s…"
David floh aus Najot bei Rama und suchte Jonathan auf. Seine Frage war unmittelbar: Was hatte er getan, worin bestand seine Schuld, und welche Sünde hatte er gegen Saul begangen, dass dieser ihm nach dem Leben trachtete? David wusste inzwischen, dass die außergewöhnlichen Ereignisse bei Samuel Sauls Feindschaft nicht beendet hatten. Er brauchte Gewissheit darüber, ob für ihn am Königshof noch irgendeine Möglichkeit bestand zu bleiben.
Jonathan konnte zunächst kaum glauben, dass sein Vater David wirklich töten wollte. Saul pflegte wichtige Angelegenheiten mit ihm zu besprechen, und Jonathan meinte deshalb, sein Vater würde einen solchen Plan nicht vor ihm verbergen. David widersprach. Gerade weil Saul wusste, wie eng Jonathan mit David verbunden war, könne er seine Absicht vor seinem Sohn zurückhalten, um ihn nicht zu betrüben. David war überzeugt, dass zwischen ihm und dem Tod nur noch ein Schritt lag.
Jonathan stellte sich daraufhin vollständig für eine Prüfung von Sauls Absicht zur Verfügung. David schlug vor, beim bevorstehenden Neumondfest nicht wie gewöhnlich an der Tafel des Königs zu erscheinen. Sollte Saul nach ihm fragen, sollte Jonathan erklären, David habe um Erlaubnis gebeten, nach Bethlehem zu seiner Familie zu gehen, weil dort ein jährliches Opfer gefeiert werde. An Sauls Reaktion wollten sie erkennen, ob von ihm tatsächlich unmittelbare Gefahr ausging.
Bevor sie diesen Plan ausführten, erneuerten David und Jonathan ihren Bund. Jonathan bat David darum, ihm und seinem Haus auch dann Güte zu erweisen, wenn der HERR Davids Feinde beseitigt haben würde. Diese Bitte zeigt, dass Jonathan inzwischen mit einer Zukunft rechnete, in der David eine Stellung besitzen würde, von der aus er über Jonathans Nachkommen verfügen konnte. Er begegnete dieser Aussicht nicht mit dem Versuch, David auszuschalten, um seine eigene Thronfolge zu sichern. Stattdessen band er sich noch enger an ihn.
Beim Neumondfest nahm Saul seinen gewohnten Platz ein. Davids Sitz blieb leer. Am ersten Tag sagte Saul nichts dazu, weil er eine vorübergehende kultische Unreinheit für möglich hielt. Als David jedoch auch am zweiten Tag nicht erschien, fragte Saul Jonathan, weshalb der Sohn Isais weder gestern noch heute zum Essen gekommen sei. Jonathan gab die vereinbarte Erklärung und berichtete von Davids Bitte, nach Bethlehem gehen zu dürfen.
Daraufhin brach Sauls Zorn gegen seinen eigenen Sohn hervor. Er beschimpfte Jonathan und machte deutlich, dass er dessen Verbindung zu David als Bedrohung für Jonathans eigene Zukunft betrachtete. Solange David lebte, erklärte Saul, würden Jonathan und sein Königtum keinen Bestand haben. Dann befahl er ihm ausdrücklich, David holen zu lassen, denn er müsse sterben. Damit bestätigte Saul nun vor Jonathan offen genau das, was David befürchtet hatte.
Jonathan fragte seinen Vater, weshalb David sterben solle und was er getan habe. Saul antwortete nicht mit einer konkreten Schuld Davids. Stattdessen schleuderte er seinen Speer nach Jonathan, um ihn zu treffen. Der Zorn, der sich bislang vor allem gegen David gerichtet hatte, wandte sich damit sogar gegen den eigenen Sohn, als dieser die Berechtigung des Mordplans infrage stellte.
Nun erkannte Jonathan endgültig, dass Saul fest entschlossen war, David zu töten. Er stand in glühendem Zorn vom Tisch auf und aß am zweiten Tag des Neumondes nichts. Der Text nennt dabei ausdrücklich seinen Schmerz über David und darüber, dass sein Vater ihn entehrt hatte. Jonathans Hoffnung, Saul könne durch eine vernünftige Erinnerung an Davids Unschuld noch einmal umgestimmt werden, war zerbrochen.
Für Sauls Lebensweg markiert diese Szene eine weitere Verhärtung. Zuvor hatte Jonathan ihn bereits einmal erfolgreich davon abgebracht, unschuldiges Blut zu vergießen. Saul hatte damals sogar beim HERRN geschworen, David nicht zu töten. Nun kannte er Davids Unschuld, kannte Jonathans Einwände und wusste um sein eigenes früheres Versprechen – und hielt dennoch an seinem Mordplan fest.
David konnte damit nicht mehr zum gewöhnlichen Dienst an Sauls Hof zurückkehren. Die Trennung war endgültig geworden. Während Jonathan trotz seiner natürlichen Stellung als möglicher Thronfolger Davids kommenden Weg nicht bekämpfte, klammerte Saul sich immer entschlossener an eine Herrschaft, von der Gott ihm bereits gesagt hatte, dass sie keinen Bestand haben würde. Von nun an wurde David zum Flüchtling, und Sauls Königtum sollte zunehmend von der Jagd auf den Mann geprägt werden, den Gott zu seinem Nachfolger bestimmt hatte.
Zurück: Saul verfolgt David bis zu Samuel Weiter: Saul lässt die Priester von Nob töten
Saul lässt die Priester von Nob töten
1. Samuel 22,6-19 – „6 Und es kam vor Saul, daß David und die Männer, die bei ihm waren, zum Vorschein gekommen seien. Saul aber saß zu Gibea unter der Tamariske auf der Anhöhe, den Speer in der Hand, und alle seine Knechte standen vor ihm. 7 Da sprach Saul zu seinen Knechten, die vor ihm standen: Hört doch, ihr Benjaminiten: Wird auch der Sohn Isais euch allen Äcker und Weinberge geben? Wird er euch alle zu Anführer…"
1. Samuel 22,6-19 – „6 Und es kam vor Saul, daß David und die Männer, die bei ihm waren, zum Vorschein gekommen seien. Saul aber saß zu Gibea unter der Tamariske auf der Anhöhe, den Speer in der Hand, und alle seine Knechte standen vor ihm. 7 Da sprach Saul zu seinen Knechten, die vor ihm standen: Hört doch, ihr Benjaminiten: Wird auch der Sohn Isais euch allen Äcker und Weinberge geben? Wird er euch alle zu Anführer…"
1. Samuel 21,1-10 – „1 Und David kam nach Nob, zum Priester Achimelech. Achimelech aber kam David bestürzt entgegen und sprach zu ihm: Warum kommst du allein und ist kein einziger Mann mit dir? 2 David sprach zum Priester Achimelech: Der König hat mir etwas befohlen und zu mir gesagt: Laß niemand wissen, warum ich dich gesandt und was ich dir befohlen habe! Die Leute aber habe ich da und dahin beschieden. 3 Und nun g…"
Während David auf der Flucht war, erreichte Sauls Verfolgung eine neue Stufe. David war zuvor nach Nob zu dem Priester Ahimelech gekommen. Weil er seine tatsächliche Lage gegenüber Ahimelech verbarg, erklärte er, im Auftrag des Königs unterwegs zu sein. Ahimelech gab ihm daraufhin von dem heiligen Brot und überließ ihm das Schwert Goliaths. Bei dieser Begegnung war jedoch Doeg, ein Edomiter und einer von Sauls führenden Hirten, anwesend. Was Ahimelech als Hilfe für einen vermeintlichen königlichen Diener getan hatte, sollte später vor Saul als Unterstützung eines Aufrührers erscheinen.
Saul hielt sich unter einer Tamariske bei Gibea auf, den Speer in der Hand und von seinen Dienern umgeben. Als er erfuhr, dass David und die Männer bei ihm entdeckt worden waren, wandte er sich mit bitteren Vorwürfen an seine eigenen Leute. Er fragte die Benjaminiter um ihn herum, ob David ihnen etwa Felder und Weinberge geben oder sie zu militärischen Führern machen werde. Saul deutete ihre Treue damit zunehmend durch die Frage nach persönlichem Vorteil und politischer Gefolgschaft.
Noch schwerer wog sein Vorwurf, alle hätten sich gegen ihn verschworen. Niemand habe ihm mitgeteilt, dass Jonathan einen Bund mit David geschlossen habe; niemand empfinde Mitleid mit ihm oder warne ihn davor, dass sein eigener Sohn seinen Diener gegen ihn aufgestachelt habe. Diese Darstellung ging über das hinaus, was tatsächlich geschehen war. Jonathan hatte David nicht zu einem Hinterhalt gegen Saul angestiftet. Dennoch begann Saul die Ereignisse so zu deuten, als stehe ein verborgenes Bündnis gegen ihn selbst im Mittelpunkt.
Doeg nutzte diesen Augenblick und berichtete, dass er David bei Ahimelech in Nob gesehen hatte. Er erklärte, der Priester habe für David den HERRN befragt, ihm Verpflegung gegeben und das Schwert Goliaths überlassen. Daraufhin ließ Saul Ahimelech und das gesamte Priesterhaus von Nob zu sich rufen. Ahimelech erschien mit den Priestern vor dem König, ohne dass der Bericht erkennen lässt, dass er von einer Verschwörung gegen Saul gewusst hätte.
Saul beschuldigte ihn unmittelbar, gemeinsam mit David gegen ihn konspiriert zu haben. Ahimelech verteidigte sich mit dem, was er über David wusste: Unter allen Dienern Sauls galt David als treu, er war der Schwiegersohn des Königs, hatte Zugang zu dessen Rat und war im königlichen Haus hoch angesehen. Ahimelech machte deutlich, dass seine Hilfe für David aus dieser bekannten Stellung heraus erfolgt war. Von Sauls Konflikt mit David und dessen Flucht habe er nichts gewusst. Er bat den König deshalb, weder ihm noch seinem Vaterhaus eine Schuld anzurechnen.
Saul ließ sich davon nicht umstimmen. Er erklärte Ahimelech, dass er sterben müsse – er und das ganze Haus seines Vaters. Anschließend befahl er seinen Leibwächtern, die Priester des HERRN zu töten, weil sie angeblich auf Davids Seite stünden. Doch Sauls Diener weigerten sich, ihre Hand gegen die Priester des HERRN zu erheben. Damit entstand eine erschütternde Situation: Die Untergebenen des Königs erkannten eine Grenze, die Saul selbst zu überschreiten bereit war.
Daraufhin befahl Saul Doeg, die Priester zu töten. Der Edomiter führte den Befehl aus und erschlug an diesem Tag fünfundachtzig Männer, die das leinene Priesterschurz trugen. Saul ließ es jedoch nicht dabei bewenden. Auch die Priesterstadt Nob wurde mit dem Schwert geschlagen: Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge sowie Rinder, Esel und Schafe. Der Bann, den Saul bei Amalek entgegen Gottes ausdrücklichem Auftrag nur unvollständig vollzogen hatte, traf nun auf seinen eigenen Befehl hin eine Stadt der Priester Israels.
Nur ein Sohn Ahimelechs, Abjathar, entkam und floh zu David. So hatte Sauls Verfolgung Davids inzwischen Menschen getroffen, die gar nicht Teil eines Aufstandes gegen ihn gewesen waren. Der König, der einst Jabes vor einem grausamen Feind gerettet und das Blut seiner eigenen Kritiker nicht hatte vergießen wollen, befahl nun die Tötung der Priester des HERRN und ihrer Stadt.
Diese Entwicklung zeigt, wie weit Saul sich von seinen frühen Regierungsjahren entfernt hatte. Seine Angst um das Königtum führte ihn zunehmend dazu, Treue als Verschwörung, Hilfe als Verrat und den von Gott gesalbten David als persönlichen Feind zu betrachten. Zugleich erfüllte sich durch das Gericht über das Priesterhaus eine ältere Ankündigung gegen das Haus Elis, ohne dass dies Sauls Schuld minderte: Gottes souveräne Geschichte macht menschliche Gewalttat niemals gerecht. Saul trug die Verantwortung für seinen Befehl – und seine Jagd nach David sollte dennoch weitergehen.
Zurück: Jonathan erkennt Sauls festen Entschluss gegen David Weiter: Saul versucht David in Keila einzuschließen
Saul versucht David in Keila einzuschließen
1. Samuel 23,1-14 – „1 Es wurde aber dem David angezeigt: Siehe, die Philister streiten wider Kehila und plündern die Tennen! 2 Da fragte David den HERRN und sprach: Soll ich hingehen und diese Philister schlagen? Und der HERR sprach zu David: Geh hin, du wirst die Philister schlagen und Kehila erretten! 3 Aber die Männer Davids sprachen zu ihm: Siehe, wir fürchten uns schon hier in Juda, und nun sollen wir gar nach …"
1. Samuel 23,1-14 – „1 Es wurde aber dem David angezeigt: Siehe, die Philister streiten wider Kehila und plündern die Tennen! 2 Da fragte David den HERRN und sprach: Soll ich hingehen und diese Philister schlagen? Und der HERR sprach zu David: Geh hin, du wirst die Philister schlagen und Kehila erretten! 3 Aber die Männer Davids sprachen zu ihm: Siehe, wir fürchten uns schon hier in Juda, und nun sollen wir gar nach …"
Während Saul David verfolgte, erhielt David Nachricht, dass die Philister gegen Keila kämpften und die Tennen plünderten. Obwohl David selbst auf der Flucht war, fragte er den HERRN, ob er gegen die Philister ziehen solle. Gott befahl ihm, hinzugehen und Keila zu retten. Als Davids Männer wegen der Gefahr zögerten, fragte David nochmals nach und erhielt erneut die Zusage, dass Gott die Philister in seine Hand geben werde.
David zog daraufhin mit seinen Männern nach Keila, schlug die Philister und rettete die Einwohner der Stadt. Damit entstand ein auffälliger Gegensatz innerhalb Israels. Saul war der amtierende König und hatte ursprünglich den Auftrag erhalten, das Volk vor seinen Feinden zu retten. Doch während ein erheblicher Teil seiner Aufmerksamkeit darauf gerichtet war, David zu verfolgen, übernahm der Flüchtling selbst eine Aufgabe zum Schutz Israels. Der Text stellt David dabei nicht als selbsternannten Gegenkönig dar; er handelte nach ausdrücklicher Befragung des HERRN.
Zu dieser Zeit befand sich auch Abjathar, der einzige entkommene Sohn Ahimelechs, bei David. Er hatte bei seiner Flucht aus Nob das Ephod mitgebracht. Dadurch stand David nun ein Priester zur Verfügung, durch den er den HERRN befragen konnte. Sauls Befehl gegen das Priesterhaus hatte also nicht dazu geführt, dass David von göttlicher Führung abgeschnitten wurde. Der einzige Überlebende des Massakers befand sich gerade bei dem Mann, den Saul zu vernichten suchte.
Als Saul erfuhr, dass David nach Keila gekommen war, deutete er die Situation in bemerkenswerter Weise. Er sagte: „Gott hat ihn in meine Hand gegeben“, weil David sich durch seinen Aufenthalt in einer Stadt mit Toren und Riegeln selbst eingeschlossen habe. Saul berief sich damit auf Gott, obwohl seine Verfolgung Davids längst entgegen den zuvor ergangenen göttlichen Entscheidungen stand. Seine religiöse Deutung der Umstände war nicht deshalb richtig, weil eine günstige Gelegenheit für ihn entstanden war.
Saul rief das Volk zum Krieg zusammen, um nach Keila hinabzuziehen und David mit seinen Männern einzuschließen. David erfuhr jedoch von Sauls Plan. Anders als Saul verließ er sich nicht darauf, die günstigen oder ungünstigen Umstände selbst als sichere Offenbarung Gottes auszulegen. Er ließ Abjathar das Ephod bringen und fragte den HERRN ausdrücklich, ob Saul tatsächlich kommen werde und ob die Männer von Keila ihn an Saul ausliefern würden.
Gott bestätigte beides: Saul werde herabkommen, und die Einwohner Keilas würden David ausliefern. Diese Antwort ist wichtig, weil sie eine Situation beschreibt, die aufgrund von Davids anschließender Flucht nicht tatsächlich eintrat. Gott offenbarte David, was unter den bestehenden Umständen geschehen würde, wenn er in Keila bliebe. David reagierte auf diese Warnung und verließ mit seinen ungefähr sechshundert Männern die Stadt.
Als Saul erfuhr, dass David Keila entkommen war, brach er den geplanten Feldzug ab. Sein Versuch, David durch die befestigte Stadt einzuschließen, war damit gescheitert. Die Männer von Keila, die gerade durch David aus der Hand der Philister gerettet worden waren, mussten dadurch nicht vor die tatsächliche Entscheidung gestellt werden, ihn an Saul auszuliefern.
David blieb nun mit seinen Männern in den schwer zugänglichen Gebieten der Wüste und des Berglandes. Saul suchte ihn weiterhin Tag für Tag. Doch der Erzähler fasst die entscheidende Grenze dieser Verfolgung in einem kurzen Satz zusammen: Gott gab David nicht in Sauls Hand. Saul konnte Heere bewegen, Informationen sammeln und Gelegenheiten nutzen; über Davids Leben verfügte er dennoch nicht.
Besonders ernst ist dabei Sauls eigene Fehleinschätzung. Als David nach Keila kam, meinte Saul, Gott selbst habe ihm seinen Gegner ausgeliefert. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Je weiter Saul sich von Gottes Wort entfernte, desto weniger zuverlässig wurde seine eigene religiöse Deutung der Ereignisse. Eine günstige Gelegenheit war für ihn zum vermeintlichen Beweis göttlicher Zustimmung geworden. Doch Gottes tatsächliche Führung zeigte sich darin, dass David gewarnt und bewahrt wurde, während Sauls Zugriff erneut scheiterte.
Zurück: Saul lässt die Priester von Nob töten Weiter: Saul jagt David in der Wüste Siph
Saul jagt David in der Wüste Siph
1. Samuel 23,15-18 – „15 Als nun David erfuhr, daß Saul ausgezogen sei, ihm nach dem Leben zu trachten, befand er sich in der Wüste Siph, in einem Walde. 16 Da machte sich Jonatan, Sauls Sohn, auf und ging hin zu David in den Wald und stärkte dessen Hand in Gott 17 und sprach zu ihm: Fürchte dich nicht; denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden, sondern du wirst König werden über Israel, und ich will der…"
1. Samuel 23,15-18 – „15 Als nun David erfuhr, daß Saul ausgezogen sei, ihm nach dem Leben zu trachten, befand er sich in der Wüste Siph, in einem Walde. 16 Da machte sich Jonatan, Sauls Sohn, auf und ging hin zu David in den Wald und stärkte dessen Hand in Gott 17 und sprach zu ihm: Fürchte dich nicht; denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden, sondern du wirst König werden über Israel, und ich will der…"
1. Samuel 23,19-29 – „19 Und die Siphiter zogen hinauf zu Saul gen Gibea und sprachen: Ist nicht David bei uns verborgen auf den Hügeln im Walde, auf dem Hügel Hachila, der zur Rechten der Wüste liegt? 20 So komme nun der König herab, wenn sein Herz darnach gelüstet, so wollen wir ihn in des Königs Hand überantworten. 21 Da sprach Saul: Gesegnet seid ihr von dem HERRN, daß ihr euch meiner erbarmt habt! 22 So geht nun …"
Nachdem David Keila verlassen hatte, hielt er sich in den schwer zugänglichen Gebieten der Wüste Siph auf. Saul suchte weiterhin nach ihm und ließ von seiner Verfolgung nicht ab. Gerade in dieser Lebensphase stellt der Bericht jedoch erneut fest, dass Gott David nicht in Sauls Hand gab. Sauls königliche Macht reichte weit, aber die Grenze seines Zugriffs wurde weiterhin durch Gottes Bewahrung bestimmt.
Während David sich bei Horesch aufhielt, kam Jonathan zu ihm. Der Sohn Sauls tat damit etwas, das in deutlichem Gegensatz zum Verhalten seines Vaters stand: Er suchte David nicht auf, um ihn auszuliefern, sondern um ihn zu stärken. Der Text sagt ausdrücklich, dass Jonathan Davids Hand „in Gott stärkte“. Seine Ermutigung beruhte also nicht lediglich auf persönlicher Freundschaft oder optimistischen Hoffnungen, sondern auf dem Vertrauen in das, was Gott bereits über Davids Zukunft erkennen ließ.
Jonathan sagte zu David, er solle sich nicht fürchten, denn die Hand Sauls werde ihn nicht finden. Dann sprach er bemerkenswert offen aus, was sein Vater mit aller Kraft zu verhindern suchte: David werde König über Israel werden, und Jonathan werde der Zweite nach ihm sein. Noch bedeutsamer ist der Zusatz, dass Saul dies ebenfalls wusste. Damit bestätigt die Erzählung, dass Sauls Verfolgung nicht aus bloßer Unkenntnis darüber entstand, was Gott tat. Saul erkannte zunehmend, wohin die Entwicklung führte, und kämpfte dennoch dagegen an.
Jonathan und David erneuerten ihren Bund vor dem HERRN. Danach kehrte Jonathan in sein Haus zurück, während David in Horesch blieb. Dies ist die letzte ausdrücklich berichtete persönliche Begegnung der beiden Freunde. Jonathan hatte damit erneut deutlich gemacht, dass er Davids zukünftiges Königtum nicht als Verlust bekämpfte. Der natürliche Thronfolger Sauls war bereit, sich unter Gottes Entscheidung zu stellen, während Saul gerade umgekehrt versuchte, dieselbe Entscheidung aufzuhalten.
Kurz darauf kamen Männer aus Siph zu Saul nach Gibea. Sie berichteten ihm, wo David sich verborgen hielt, und boten an, ihn in die Hand des Königs auszuliefern. Sauls Antwort zeigt, wie sehr seine Wahrnehmung inzwischen verschoben war. Er segnete die Siphiter im Namen des HERRN dafür, dass sie sich seiner erbarmt hätten. Der König, der David ohne rechtmäßigen Grund verfolgte, deutete die Unterstützung bei dieser Jagd als Anlass für einen göttlichen Segen.
Saul verlangte jedoch genaue Informationen. Die Siphiter sollten Davids Aufenthaltsorte auskundschaften, feststellen, wer ihn gesehen habe, und möglichst sicher ermitteln, wo er sich verbarg. Saul erklärte, David handle sehr listig. Danach wollte er mit ihnen gehen und sämtliche Verstecke in Juda durchsuchen. Die Verfolgung war längst keine gelegentliche Reaktion mehr. Saul setzte Zeit, Männer und königliche Mittel systematisch dafür ein, David aufzuspüren.
David und seine Männer hielten sich inzwischen weiter südlich in der Wüste Maon auf. Als Saul mit seinen Leuten heranzog, geriet David in unmittelbare Gefahr. Saul bewegte sich auf der einen Seite eines Berges, David mit seinen Männern auf der anderen. Während David sich beeilte zu entkommen, versuchten Sauls Männer, ihn und seine Gefährten einzukreisen. Der Bericht führt die Jagd damit an einen Punkt, an dem Sauls Zugriff unmittelbar bevorzustehen scheint.
Doch genau in diesem Augenblick kam ein Bote zu Saul und meldete, dass die Philister in das Land eingefallen seien. Saul musste die Verfolgung abbrechen und gegen sie ziehen. David entkam. Der Ort erhielt daraufhin einen Namen, der an diese Trennung erinnerte. Wieder hatte keine militärische Überlegenheit Davids die entscheidende Rettung bewirkt. Ein Ereignis außerhalb von Sauls Jagd zwang den König zum Rückzug.
Für Saul bedeutete dies ein weiteres Scheitern seines Versuches, David zu beseitigen. Er wusste um Davids erwartetes Königtum, erhielt Unterstützung von Menschen vor Ort und kam seinem Flüchtigen so nahe, dass dessen Einschließung beinahe gelungen wäre. Dennoch entglitt David ihm erneut. Sauls Kampf gegen den von Gott bewahrten Mann wurde dadurch immer deutlicher zu einem Kampf, den königliche Macht nicht gewinnen konnte.
David zog anschließend in die Bergfestungen von En-Gedi. Saul würde die Verfolgung bald wieder aufnehmen. Doch dort sollte sich das Verhältnis zwischen Jäger und Gejagtem auf überraschende Weise umkehren: Zum ersten Mal würde nicht David schutzlos in Sauls Reichweite geraten, sondern Saul selbst in die Hand des Mannes fallen, dessen Tod er suchte.
Zurück: Saul versucht David in Keila einzuschließen Weiter: David verschont Saul in der Höhle
David verschont Saul in der Höhle
1. Samuel 24,1-8 – „1 Als nun Saul von den Philistern zurückkehrte, wurde ihm angezeigt: 2 Siehe, David ist in der Wüste Engedi! Und Saul nahm dreitausend junge Männer aus ganz Israel und zog hin, um David samt seinen Männern zu suchen, auf den Steinbockfelsen. 3 Und als er zu den Schafhürden am Wege kam, war daselbst eine Höhle; und Saul ging hinein, seine Füße zu bedecken; David aber und seine Männer saßen hinten …"
1. Samuel 24,1-8 – „1 Als nun Saul von den Philistern zurückkehrte, wurde ihm angezeigt: 2 Siehe, David ist in der Wüste Engedi! Und Saul nahm dreitausend junge Männer aus ganz Israel und zog hin, um David samt seinen Männern zu suchen, auf den Steinbockfelsen. 3 Und als er zu den Schafhürden am Wege kam, war daselbst eine Höhle; und Saul ging hinein, seine Füße zu bedecken; David aber und seine Männer saßen hinten …"
1. Samuel 24,9-16 – „9 Und David sprach zu Saul: Warum folgst du den Worten der Leute, welche sagen: Siehe, David sucht dein Unglück? 10 Siehe, an diesem Tage siehst du mit eigenen Augen, daß dich der HERR heute in der Höhle in meine Hand gegeben hat; man gedachte dich umzubringen, aber ich schonte deiner, denn ich sprach: Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN! 11 Nun den…"
1. Samuel 24,17-23 – „17 und sprach zu David: Du bist gerechter als ich; denn du hast mir mit Gutem vergolten, ich aber habe dir mit Bösem vergolten! 18 Und du hast heute bewiesen, daß du Gutes an mir getan hast, da der HERR mich in deine Hand gegeben und du mich doch nicht umgebracht hast. 19 Und wie sollte jemand seinen Feind finden und ihn friedlich seines Weges ziehen lassen? Der HERR bezahle dir Gutes für das Gut…"
Nachdem Saul die Verfolgung wegen des Einfalls der Philister hatte abbrechen müssen, kehrte er bald zu seiner Jagd auf David zurück. Als ihm berichtet wurde, dass David sich in der Wüste von En-Gedi aufhielt, nahm Saul dreitausend ausgewählte Männer aus ganz Israel mit sich. Das Kräfteverhältnis war eindeutig: Der König setzte ein großes Heer ein, um den Flüchtling und dessen vergleichsweise kleine Gefolgschaft aufzuspüren. Doch gerade in dieser Situation sollte Saul selbst völlig unerwartet in Davids Hand geraten.
Unterwegs kam Saul zu den Schafhürden, wo sich eine Höhle befand, und ging hinein. David und seine Männer saßen ausgerechnet im hinteren Teil dieser Höhle. Saul wusste nichts von ihrer Anwesenheit. Die Männer Davids sahen darin sofort die Gelegenheit, auf die sie gewartet hatten. Sie deuteten die Situation als Erfüllung dessen, was Gott David zugesagt habe: Sein Feind sei ihm in die Hand gegeben, sodass er mit ihm tun könne, was ihm gefalle.
David erhob sich und schnitt heimlich einen Zipfel von Sauls Obergewand ab. Doch schon danach schlug ihm sein Herz. Selbst diese Handlung empfand er als zu weitgehend, weil Saul weiterhin der Gesalbte des HERRN war. David sagte zu seinen Männern, der HERR bewahre ihn davor, seine Hand gegen seinen Herrn zu erheben. Obwohl Saul von Gott als König verworfen worden war und David bereits zum kommenden König gesalbt worden war, nahm David das Ende von Sauls Herrschaft nicht selbst gewaltsam vorweg.
Mit diesen Worten hielt David auch seine Männer zurück und erlaubte ihnen nicht, Saul anzugreifen. Saul verließ die Höhle, ohne zu wissen, wie nahe er dem Tod gewesen war. Damit stand David vor genau jener Möglichkeit, die Saul ihm wiederholt verweigert hatte. Saul hatte David ohne erwiesene Schuld töten wollen; David konnte nun den Mann beseitigen, der ihn durch das Land jagte. Doch er tat es nicht.
Nachdem Saul die Höhle verlassen hatte, ging David ebenfalls hinaus und rief ihm nach: „Mein Herr und König!“ Dann beugte er sich mit dem Gesicht zur Erde. David begegnete Saul damit nicht als einem bereits entthronten Gegner. Trotz der Verfolgung erkannte er dessen noch bestehende königliche Stellung an. Anschließend stellte er Saul offen zur Rede und fragte, warum dieser auf Menschen höre, die behaupteten, David suche sein Verderben.
Nun zeigte David den abgeschnittenen Zipfel von Sauls Gewand. Dieser war der sichtbare Beweis dafür, dass Saul tatsächlich in seiner Gewalt gewesen war. David hätte ihn töten können, hatte ihn aber verschont. Gerade dadurch konnte er seine Unschuld gegenüber dem Vorwurf eines geplanten Aufstandes belegen. Er erklärte, dass weder Bosheit noch Übertretung in seiner Hand sei und dass er nicht gegen Saul gesündigt habe, obwohl Saul ihm nach dem Leben trachte.
David überließ die Entscheidung ausdrücklich Gott. Der HERR sollte zwischen ihm und Saul richten und David Recht verschaffen; seine eigene Hand aber sollte nicht gegen den König sein. Dabei griff David ein altes Sprichwort auf: „Von den Gottlosen kommt Gottlosigkeit.“ Seine Weigerung, Saul zu töten, war damit nicht bloß taktische Zurückhaltung. David wollte sich nicht durch dieselbe Art von Gewalt schuldig machen, unter der er selbst litt.
Saul reagierte anders als bei den vorherigen Begegnungen. Als er Davids Stimme erkannte, fragte er: „Ist das deine Stimme, mein Sohn David?“ Dann erhob er seine Stimme und weinte. Er erklärte ausdrücklich, David sei gerechter als er, denn David habe ihm Gutes erwiesen, während er ihm Böses angetan habe. Saul musste anerkennen, dass David ihn verschont hatte, obwohl der HERR ihn in dessen Hand gegeben hatte. Damit widerlegte Davids Verhalten Sauls bisherige Darstellung eines gefährlichen Verschwörers unmittelbar.
Noch bemerkenswerter ist, dass Saul nun offen aussprach, was Jonathan bereits wusste: „Nun siehe, ich weiß, dass du gewiss König werden wirst und dass das Königtum Israels in deiner Hand bestehen wird.“ Damit bekannte Saul selbst die Zukunft, gegen die sich seine Verfolgung richtete. Er bat David lediglich, bei dem HERRN zu schwören, seine Nachkommen nach seinem Tod nicht auszurotten und seinen Namen aus dem Haus seines Vaters nicht zu vertilgen. David gab ihm diesen Eid.
Saul kehrte daraufhin nach Hause zurück, während David und seine Männer wieder in ihre Bergfeste zogen. Trotz Sauls Tränen, seines Schuldbekenntnisses und seiner ausdrücklichen Anerkennung von Davids zukünftigem Königtum ging David nicht einfach an den Hof zurück. Die räumliche Trennung blieb bestehen. Damit lässt der Bericht bereits erkennen, dass Sauls bewegende Worte noch nicht mit einer dauerhaft veränderten Lebensrichtung gleichgesetzt werden dürfen. Er hatte die Wahrheit ausgesprochen und Davids Gerechtigkeit anerkannt – doch ob er seine Verfolgung wirklich aufgegeben hatte, musste sich erst zeigen.
Zurück: Saul jagt David in der Wüste Siph Weiter: David verschont Saul ein zweites Mal
David verschont Saul ein zweites Mal
1. Samuel 26,1-12 – „1 Aber die Siphiter kamen zu Saul gen Gibea und sprachen: Ist nicht David verborgen auf dem Hügel Hachila vor der Wüste? 2 Da machte sich Saul auf und zog zur Wüste Siph hinab und mit ihm dreitausend junge Männer aus Israel, um David in der Wüste Siph zu suchen. 3 Und Saul lagerte sich auf dem Hügel Hachila, der vor der Wüste liegt, am Wege; David aber blieb in der Wüste. 4 Und als er sah, daß Sa…" 1. Samuel 26,1-12 – „1 Aber die Siphiter kamen zu Saul gen Gibea und sprachen: Ist nicht David verborgen auf dem Hügel Hachila vor der Wüste? 2 Da machte sich Saul auf und zog zur Wüste Siph hinab und mit ihm dreitausend junge Männer aus Israel, um David in der Wüste Siph zu suchen. 3 Und Saul lagerte sich auf dem Hügel Hachila, der vor der Wüste liegt, am Wege; David aber blieb in der Wüste. 4 Und als er sah, daß Sa…" 1. Samuel 26,13-25 – „13 Als nun David auf die andere Seite hinübergegangen war, trat er von ferne auf die Spitze des Berges, so daß ein weiter Raum zwischen ihnen war. 14 Und David schrie das Volk an und Abner, den Sohn Ners, und sprach: Hörst du nicht, Abner? Und Abner antwortete und sprach: Wer bist du, daß du den König so anschreist? 15 Und David …
Vollständigen Abschnitt „David verschont Saul ein zweites Mal" lesen
Zurück: David verschont Saul in der Höhle Weiter: Saul gibt die Suche nach David auf
Saul gibt die Suche nach David auf
1. Samuel 27,1-4 – „1 David aber sprach zu seinem Herzen: Ich werde doch eines Tages Saul in die Hände fallen! Es ist nichts besser für mich, als daß ich in der Philister Land entrinne, so wird Saul davon ablassen, mich forthin in allen Landmarken Israels zu suchen, [und] so werde ich seiner Hand entrinnen. 2 Also machte sich David auf mit den sechshundert Männern, die bei ihm waren, und ging hinüber zu Achis, dem S…" 1. Samuel 27,1-4 – „1 David aber sprach zu seinem Herzen: Ich werde doch eines Tages Saul in die Hände fallen! Es ist nichts besser für mich, als daß ich in der Philister Land entrinne, so wird Saul davon ablassen, mich forthin in allen Landmarken Israels zu suchen, [und] so werde ich seiner Hand entrinnen. 2 Also machte sich David auf mit den sechshundert Männern, die bei ihm waren, und ging hinüber zu Achis, dem S…" 1. Samuel 28,1-6 – „1 Und es begab sich zu derselben Zeit, daß die Philister ihre Heere zum Kriege versammelten, um wider Israel zu streiten. Und Achis sprach zu David: Wisse bestimmt, daß du mit mir ins Kriegslager ausziehen sollst, du und deine Männer. 2 David sprach zu Achis: Wohlan, du sollst erfahren, was dein Knecht zu tun vermag! Achis sprach zu …
Vollständigen Abschnitt „Saul gibt die Suche nach David auf" lesen
Zurück: David verschont Saul ein zweites Mal Weiter: Saul sucht die Totenbeschwörerin von Endor
Saul sucht die Totenbeschwörerin von Endor
1. Samuel 28,7-20 – „7 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Suchet mir ein Weib, das Tote beschwören kann, daß ich zu ihr gehe und sie befrage! Seine Knechte sprachen zu ihm: Siehe, zu Endor ist ein Weib, das Tote beschwören kann! 8 Und Saul verstellte sich und legte andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm; und sie kamen bei Nacht zu dem Weibe. Und er sprach: Wahrsage mir doch durch Totenbeschwörung und …" 1. Samuel 28,7-20 – „7 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Suchet mir ein Weib, das Tote beschwören kann, daß ich zu ihr gehe und sie befrage! Seine Knechte sprachen zu ihm: Siehe, zu Endor ist ein Weib, das Tote beschwören kann! 8 Und Saul verstellte sich und legte andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm; und sie kamen bei Nacht zu dem Weibe. Und er sprach: Wahrsage mir doch durch Totenbeschwörung und …" 3. Mose 19,31 – „31 Ihr sollt euch nicht an die Totenbeschwörer wenden, noch an die Zeichendeuter; ihr sollt sie nicht fragen, auf daß ihr durch sie nicht verunreinigt werdet; denn ich, der HERR, bin euer Gott." 5. Mose 18,10-12 – „10 Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lasse, oder ein Wahrs…
Vollständigen Abschnitt „Saul sucht die Totenbeschwörerin von Endor" lesen
Zurück: Saul gibt die Suche nach David auf Weiter: Saul fällt im Kampf auf dem Gebirge Gilboa
Saul fällt im Kampf auf dem Gebirge Gilboa
1. Samuel 31,1-6 – „1 Die Philister aber stritten wider Israel, und die Männer von Israel flohen vor den Philistern und fielen erschlagen auf dem Gebirge Gilboa. 2 Und die Philister drangen ein auf Saul und seine Söhne und erschlugen Jonatan und Abinadab und Malchischua, die Söhne Sauls. 3 Und der Streit ward hart wider Saul; und es trafen ihn die Schützen, die mit Bogen bewaffnet waren, und er ward von den Schützen…" 1. Samuel 31,1-6 – „1 Die Philister aber stritten wider Israel, und die Männer von Israel flohen vor den Philistern und fielen erschlagen auf dem Gebirge Gilboa. 2 Und die Philister drangen ein auf Saul und seine Söhne und erschlugen Jonatan und Abinadab und Malchischua, die Söhne Sauls. 3 Und der Streit ward hart wider Saul; und es trafen ihn die Schützen, die mit Bogen bewaffnet waren, und er ward von den Schützen…" 1. Chronik 10,1-6 – „1 Die Philister stritten wider Israel, und die Männer Israels flohen vor den Philistern und fielen erschlagen auf dem Berge Gilboa. 2 Aber die Philister setzten Saul und seinen Söhnen nach; und die Philister schlugen Jonatan und Abinadab und Malchischua, die Söhne Sauls. 3 Und der Streit ward so hart wider Saul, daß die Bogenschütze…
Vollständigen Abschnitt „Saul fällt im Kampf auf dem Gebirge Gilboa" lesen
Zurück: Saul sucht die Totenbeschwörerin von Endor Weiter: Die Männer von Jabes bergen Sauls Leichnam
Die Männer von Jabes bergen Sauls Leichnam
1. Samuel 31,7-13 – „7 Als aber die Männer von Israel, die diesseits der Ebene und diesseits des Jordans waren, sahen, daß die Männer Israels geflohen und daß Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie die Städte und flohen auch. Da kamen die Philister und wohnten darin. 8 Am folgenden Tag kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuziehen, und fanden Saul und seine drei Söhne auf dem Gebirge Gilboa liegen. 9 Da…" 1. Samuel 31,7-13 – „7 Als aber die Männer von Israel, die diesseits der Ebene und diesseits des Jordans waren, sahen, daß die Männer Israels geflohen und daß Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie die Städte und flohen auch. Da kamen die Philister und wohnten darin. 8 Am folgenden Tag kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuziehen, und fanden Saul und seine drei Söhne auf dem Gebirge Gilboa liegen. 9 Da…" 1. Chronik 10,7-12 – „7 Als aber alle Männer Israels, die im Tale waren, sahen, daß sie geflohen und Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie ihre Städte und flohen; da kamen die Philister und wohnten darin. 8 Am folgenden Tage kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuziehen, und fanden Saul und seine Söhne auf dem Berge Gilboa liegen. 9 Und…
Vollständigen Abschnitt „Die Männer von Jabes bergen Sauls Leichnam" lesen
Zurück: Saul fällt im Kampf auf dem Gebirge Gilboa Weiter: David klagt über Saul und Jonathan
David klagt über Saul und Jonathan
2. Samuel 1,1-16 – „1 Nach dem Tode Sauls, als David von der Schlacht der Amalekiter zurückgekommen und zwei Tage lang in Ziklag geblieben war, 2 siehe, da kam am dritten Tage einer aus dem Heere Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Erde auf dem Haupt. Und als er zu David kam, warf er sich zur Erde und verbeugte sich. 3 David aber sprach: Wo kommst du her? Er sprach zu ihm: Ich bin aus dem Heere Israels entronnen. 4 …" 2. Samuel 1,1-16 – „1 Nach dem Tode Sauls, als David von der Schlacht der Amalekiter zurückgekommen und zwei Tage lang in Ziklag geblieben war, 2 siehe, da kam am dritten Tage einer aus dem Heere Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Erde auf dem Haupt. Und als er zu David kam, warf er sich zur Erde und verbeugte sich. 3 David aber sprach: Wo kommst du her? Er sprach zu ihm: Ich bin aus dem Heere Israels entronnen. 4 …" 2. Samuel 1,17-27 – „17 Und David sang dieses Trauerlied über Saul und seinen Sohn Jonatan 18 und befahl, man solle die Kinder Juda [das Lied von] dem Bogen lehren. Siehe, es steht geschrieben im Buche der Rechtschaffenen: 19 «Die Edelsten in Israel sind auf deinen Höhen erschlagen. Wie sind die Helden gefallen! 20 Sagt es nicht an zu Gat, verkündigt es…
Vollständigen Abschnitt „David klagt über Saul und Jonathan" lesen
Zurück: Die Männer von Jabes bergen Sauls Leichnam Weiter: Sauls Haus nach seinem Tod und seine endgültige Beisetzung
Sauls Haus nach seinem Tod und seine endgültige Beisetzung
2. Samuel 2,8-10 – „8 Abner aber, der Sohn Ners, welcher Sauls Feldhauptmann war, nahm Ischboset, den Sohn Sauls, und führte ihn gen Mahanaim 9 und machte ihn zum König über Gilead und über die von Aser, über Jesreel, Ephraim, Benjamin und über ganz Israel. 10 Ischboset aber, Sauls Sohn, war vierzig Jahre alt, als er König wurde über Israel, und regierte zwei Jahre lang. Nur das Haus Juda hielt es mit David." 2. Samuel 2,8-10 – „8 Abner aber, der Sohn Ners, welcher Sauls Feldhauptmann war, nahm Ischboset, den Sohn Sauls, und führte ihn gen Mahanaim 9 und machte ihn zum König über Gilead und über die von Aser, über Jesreel, Ephraim, Benjamin und über ganz Israel. 10 Ischboset aber, Sauls Sohn, war vierzig Jahre alt, als er König wurde über Israel, und regierte zwei Jahre lang. Nur das Haus Juda hielt es mit David." 2. Samuel 4,4 – „4 Jonatan aber, der Sohn Sauls, hatte einen Sohn mit lahmen Füßen. Der war fünf Jahre alt, als die Kunde von Saul und Jonatan aus Jesreel kam. Da hob ihn seine Amme auf und floh. Da sie aber eilends floh, kam er zu Fall und ward lahm; und er hieß Mephiboset." 2. Samuel 21,1-14 – „1 Es war aber zu Davids Zeiten eine Hungersnot drei Jahre lang, Jahr für Ja…
Vollständigen Abschnitt „Sauls Haus nach seinem Tod und seine endgültige Beisetzung" lesen
Zurück: David klagt über Saul und Jonathan Weiter: Die Bibel zieht Bilanz über Sauls Königtum
Die Bibel zieht Bilanz über Sauls Königtum
1. Chronik 10,13-14 – „13 Also starb Saul in seiner Missetat, die er wider den HERRN begangen hatte, wegen des Wortes des HERRN, das er nicht hielt; und weil er die Totenbeschwörerin befragt, 14 den HERRN aber nicht befragt hatte, darum tötete er ihn und wandte das Königreich David, dem Sohn Isais, zu." 1. Chronik 10,13-14 – „13 Also starb Saul in seiner Missetat, die er wider den HERRN begangen hatte, wegen des Wortes des HERRN, das er nicht hielt; und weil er die Totenbeschwörerin befragt, 14 den HERRN aber nicht befragt hatte, darum tötete er ihn und wandte das Königreich David, dem Sohn Isais, zu." Apostelgeschichte 13,20-22 – „20 Und darnach, während etwa vierhundertfünfzig Jahren, gab er ihnen Richter bis auf Samuel, den Propheten. 21 Und von da an begehrten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kis, einen Mann aus dem Stamme Benjamin, vierzig Jahre lang. 22 Und nachdem er ihn auf die Seite gesetzt hatte, erweckte er ihnen David zum König, von dem er auch Zeugnis gab und sprach: «Ich habe David gefund…" Nach Sauls Tod bewertet die Bibel sein Leben nicht nur durch die ausführlichen Erzählungen in Samuel, sondern auch durch spätere Rückblicke. Besonders deutli…
Vollständigen Abschnitt „Die Bibel zieht Bilanz über Sauls Königtum" lesen
Zurück: Sauls Haus nach seinem Tod und seine endgültige Beisetzung Weiter: Zusammenfassung und Gebet
Zusammenfassung und Gebet
Sauls Lebensgeschichte gehört zu den eindringlichsten Berichten darüber, wie ernst die Bibel sowohl Gottes Berufung als auch die menschliche Verantwortung nimmt. Er begann nicht als selbsternannter Herrscher. Gott ließ ihn durch Samuel salben, bestätigte seine Berufung durch Zeichen und gab ihm seinen Geist zur Befähigung. Saul erlebte, wie Gott durch ihn Jabes-Gilead rettete, führte Israel in zahlreiche Kämpfe und bekannte selbst, dass die Rettung vom HERRN gekommen war. Sein späteres Scheitern macht diese Anfänge nicht unwirklich. Gerade weil Gott ihm wirklich viel anvertraut hatte, wiegt sein weiterer Weg so schwer. Der entscheidende Bruch entstand nicht durch einen einzigen Fehltritt. Schritt für Schritt begann Saul, Gottes ausdrückliches Wort seinem eigenen Urteil unterzuordnen. In Gilgal wartete er nicht auf Samuel. Im Krieg gegen Amalek führte er Gottes Auftrag nur so weit aus, wie er selbst und das Volk es für richtig hielten, und versuchte den Ungehorsam anschließend sogar religiös zu begründen. Samuels Antwort fasst eine Hauptlinie seines Lebens zusammen: Gehorsam ist besser als Opfer. Gott sucht keine religiösen Ersatzhandlungen für ein Herz, das sich seinem Wort nicht …