Ruth
Ruth in der Bibel: Treue, Glaube und Hoffnung
Ruth war eine Moabiterin, die sich nach dem Tod ihres Mannes bewusst an Noomi und an den Gott Israels band. Durch ihre Treue und Gottes Führung fand sie in Bethlehem eine neue Heimat und wurde die Frau des Boas sowie die Urgroßmutter Davids. Damit nahm sie als Frau aus einem fremden Volk einen bedeutenden Platz in der messianischen Linie ein, die schließlich zu Jesus Christus führt.
Einführung
Ruth tritt in eine Geschichte ein, die zunächst nicht von Aufbruch und Hoffnung, sondern von Mangel und Verlust geprägt ist. Ihre Lebensgeschichte beginnt nicht mit ihrer Geburt oder Kindheit, denn darüber berichtet die Bibel nichts. Der früheste greifbare Ausgangspunkt liegt vielmehr bei einer israelitischen Familie, die während einer Hungersnot ihre Heimat Bethlehem verlässt und in das Land Moab zieht. Erst dort begegnet der biblische Bericht Ruth.
Das Buch Ruth spielt in der Zeit der Richter, einer Epoche, die in Israel häufig von geistlicher Unbeständigkeit und gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt war. Gerade vor diesem Hintergrund wirkt die kleine Erzählung auffallend persönlich. Statt von großen Schlachten oder nationalen Krisen führt sie in das Leben weniger Menschen, deren Zukunft durch Entscheidungen, Beziehungen und Gottes stilles Handeln geprägt wird.
Über Ruths Herkunft erfahren wir nur wenig. Die Bibel bezeichnet sie ausdrücklich als Moabiterin und macht damit deutlich, dass sie ursprünglich nicht zum Volk Israel gehörte. Was sie vor ihrer Ehe glaubte, wie sie aufwuchs oder wie ihr Leben in Moab aussah, bleibt unerwähnt. Entscheidend ist deshalb nicht, eine unbekannte Vergangenheit auszuschmücken, sondern dort einzusetzen, wo die Schrift selbst ihre Geschichte öffnet.
Dieser Anfang liegt bei Elimelech, seiner Frau Noomi und ihren beiden Söhnen. Ihre Reise von Bethlehem nach Moab schafft den Rahmen, in dem Ruth erstmals Teil der Geschichte wird. Aus einer familiären Flucht vor dem Hunger entwickelt sich eine Lebensgeschichte, in der sich bald zeigen wird, wie tief Verlust ein menschliches Leben verändern kann.
Eine Familie verlässt Bethlehem und findet in Moab keine Sicherheit
Ruth 1,1-5 – „1 Zu der Zeit, als die Richter regierten, entstand eine Hungersnot im Lande. Damals zog ein Mann von Bethlehem-Juda fort, um sich im Gefilde Moab niederzulassen samt seinem Weib und seinen beiden Söhnen. 2 Dieser Mann aber hieß Elimelech und sein Weib Naemi, seine beiden Söhne aber hießen Machlon und Kiljon, die waren Ephratiter von Bethlehem-Juda; und sie gelangten ins Gefilde Moab und lebten do…"
Ruth 1,1-5 – „1 Zu der Zeit, als die Richter regierten, entstand eine Hungersnot im Lande. Damals zog ein Mann von Bethlehem-Juda fort, um sich im Gefilde Moab niederzulassen samt seinem Weib und seinen beiden Söhnen. 2 Dieser Mann aber hieß Elimelech und sein Weib Naemi, seine beiden Söhne aber hießen Machlon und Kiljon, die waren Ephratiter von Bethlehem-Juda; und sie gelangten ins Gefilde Moab und lebten do…"
Richter 21,25 – „25 Zu jener Zeit war kein König in Israel; jedermann tat, was ihn recht dünkte. w"
5. Mose 23,4-7 – „4 weil sie euch nicht mit Brot und Wasser entgegenkamen auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zoget, und dazu Bileam, den Sohn Beors, von Petor in Mesopotamien wider euch dingten, daß er dich verfluchte. 5 Aber der HERR, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören; sondern der HERR, dein Gott, verwandelte für dich den Fluch in Segen, weil der HERR, dein Gott, dich liebt. 6 Du sollst ihren Frieden und ih…"
Ruth selbst steht zu Beginn des Buches noch nicht im Mittelpunkt. Ihre Geschichte wird durch die Geschichte einer israelitischen Familie eröffnet, die während einer Hungersnot ihre Heimat verlässt. „In den Tagen, als die Richter richteten“, herrscht Hunger im Land, und ein Mann aus Bethlehem in Juda zieht mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in das Gebiet Moabs. Schon diese wenigen Angaben setzen die Ereignisse in einen bedeutsamen Zusammenhang: Ruths Lebensweg verbindet sich mit Israel in einer Zeit, die von Unsicherheit und wiederholter Abkehr von Gott geprägt war.
Der Mann heißt Elimelech, seine Frau Noomi, ihre Söhne Machlon und Kiljon. Sie gehören zu den Ephrathitern aus Bethlehem in Juda. Warum die Hungersnot eingetreten war, erklärt das Buch Ruth an dieser Stelle nicht ausdrücklich. Deshalb wäre es zu weitgehend, sie sicher als unmittelbares Gericht über diese Familie zu deuten. Die Zeit der Richter war zwar wiederholt von Israels Untreue und göttlicher Züchtigung geprägt, doch der Erzähler nennt für diese konkrete Hungersnot keinen solchen Grund.
Bemerkenswert ist der Ausgangsort der Familie. Bethlehem bedeutet sprachlich „Haus des Brotes“, doch gerade dort fehlt nun Nahrung. Die Familie sucht deshalb außerhalb des verheißenen Landes eine Lebensgrundlage und gelangt nach Moab, östlich des Toten Meeres. Der Text berichtet diesen Ortswechsel zunächst nüchtern und gibt keine ausdrückliche Bewertung darüber ab, ob Elimelechs Entscheidung richtig oder falsch war. Was sicher gesagt werden kann, ist lediglich, dass wirtschaftliche Not die Familie aus ihrer bisherigen Heimat in ein fremdes Land führte.
Moab stand zugleich nicht einfach neutral neben Israel. Die Moabiter gingen nach 1. Mose 19 aus Lot hervor und waren damit mit Israel entfernt verwandt, doch zwischen beiden Völkern bestand eine belastete Geschichte. Moab hatte Israel auf dem Weg ins verheißene Land nicht freundlich aufgenommen, und Balak, der König Moabs, hatte Bileam gerufen, um Israel zu verfluchen. 5. Mose 23 erinnert deshalb an die problematische Beziehung zwischen Moab und dem Bundesvolk. Das macht verständlich, warum Ruths spätere Verbindung mit Israel heilsgeschichtlich so auffällig ist, ohne dass daraus an dieser Stelle bereits ihre weitere Geschichte vorweggenommen werden muss.
Nach der Ankunft in Moab stirbt Elimelech. Noomi bleibt mit ihren beiden Söhnen zurück. Machlon und Kiljon heiraten moabitische Frauen; die eine heißt Orpa, die andere Ruth. Erst jetzt erscheint Ruth namentlich im biblischen Bericht. Über die Entstehung ihrer Ehe, ihr Alter oder ihr damaliges Verhältnis zum Gott Israels wird nichts mitgeteilt. Auch welche der beiden Frauen welchen Sohn heiratete, erfahren wir im Buch Ruth erst später eindeutig: Ruth war die Frau Machlons.
Etwa zehn Jahre leben die Familie beziehungsweise die beiden Ehepaare in Moab. Dann sterben auch Machlon und Kiljon. Der Bericht verweilt nicht bei den Todesursachen und nennt keine Einzelheiten über Krankheit oder andere Umstände. Er konzentriert sich stattdessen auf das, was für die weitere Geschichte entscheidend ist: Noomi hat ihren Mann und beide Söhne verloren, während Ruth und Orpa ihre Ehemänner verloren haben. Kinder werden aus diesen Ehen nicht erwähnt.
Damit beginnt Ruths eigentliche Lebensgeschichte in einer Situation, in der vieles, was ihre Zukunft hätte sichern können, weggebrochen ist. Sie ist Witwe, lebt in ihrem eigenen Volk und besitzt nach dem bisher Erzählten noch keine erkennbare Verpflichtung, Moab zu verlassen. Ihre Verbindung zu Israel besteht zunächst vor allem durch Noomi und durch ihre verstorbene Ehe mit Machlon. Noch ist nicht ausgesprochen, welchen Weg Ruth wählen wird.
Das Buch führt damit nicht sofort zu Ruths späterer Bedeutung, sondern lässt zunächst die Schwere ihrer Ausgangslage sichtbar werden. Gottes Name steht in diesen ersten Versen nicht im Vordergrund eines offen beschriebenen Wunders. Dennoch ist der Schauplatz vorbereitet, auf dem menschlicher Verlust, freie Entscheidungen und Gottes weitere Führung zusammentreffen werden. Als Noomi Nachricht aus ihrer Heimat erhält, verändert sich die Richtung der Geschichte – und Ruth wird vor eine Entscheidung gestellt, die ihren weiteren Lebensweg bestimmen wird.
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Ruth entscheidet sich für Noomi und den Gott Israels
Ruth 1,6-18 – „6 Da machte sie sich mit ihren beiden Schwiegertöchtern auf und kehrte zurück aus dem Gefilde Moab; denn sie hatten daselbst vernommen, daß der HERR sein Volk heimgesucht und ihm Brot gegeben habe. 7 Und sie verließ den Ort, da sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr, und sie machten sich auf den Weg, um wieder ins Land Juda zurückzukehren. 8 Naemi aber sprach zu ihren beiden Sc…"
Ruth 1,6-18 – „6 Da machte sie sich mit ihren beiden Schwiegertöchtern auf und kehrte zurück aus dem Gefilde Moab; denn sie hatten daselbst vernommen, daß der HERR sein Volk heimgesucht und ihm Brot gegeben habe. 7 Und sie verließ den Ort, da sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr, und sie machten sich auf den Weg, um wieder ins Land Juda zurückzukehren. 8 Naemi aber sprach zu ihren beiden Sc…"
Ruth 1,16-17 – „16 Ruth antwortete: Dringe nicht in mich, daß ich dich verlassen und von dir weg umkehren soll! Denn wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe ich auch; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott! 17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, daselbst will auch ich begraben sein; der HERR tue mir dies und das und noch mehr, wenn nicht der Tod allein uns scheiden so…"
Josua 24,15 – „15 Gefällt es euch aber nicht, dem HERRN zu dienen, so erwählet euch heute, welchem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stromes gedient haben, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt; ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen!"
Nach den Jahren des Verlustes erreicht Noomi in Moab eine Nachricht, die ihrer Geschichte eine neue Richtung gibt: Der HERR hat sich seines Volkes angenommen und ihm wieder Brot gegeben. Deshalb macht sie sich mit ihren beiden Schwiegertöchtern auf den Weg, um aus dem Gebiet Moabs nach Juda zurückzukehren. Was Ruth zunächst bewegt mitzugehen, erklärt der Text nicht. Sicher ist nur, dass sie gemeinsam mit Orpa Moab verlässt und Noomi auf dem ersten Abschnitt ihrer Rückreise begleitet.
Unterwegs fordert Noomi beide Frauen jedoch auf, umzukehren. Sie sollen jeweils in das Haus ihrer Mutter zurückkehren und in Moab eine neue Zukunft suchen. Dabei spricht Noomi ihnen nicht lieblos die Zugehörigkeit ab, sondern bittet den HERRN ausdrücklich, ihnen Güte zu erweisen, wie sie selbst den Verstorbenen und ihr gegenüber Güte erwiesen haben. Ihre Worte zeigen damit zugleich, dass Ruth Noomi bereits vor dieser entscheidenden Szene treu begegnet war. Die spätere Hingabe Ruths entsteht nicht völlig unvermittelt, sondern steht in einer Beziehung, die sich schon in Moab bewährt hatte.
Ruth und Orpa reagieren zunächst gleich. Beide weinen und erklären, mit Noomi zu ihrem Volk zurückkehren zu wollen. Noomi widerspricht jedoch. Sie kann ihnen keine neuen Ehemänner geben und sieht für sich selbst keine menschlich erkennbare Möglichkeit, ihnen eine Zukunft innerhalb ihrer Familie zu eröffnen. Ihre Worte greifen Vorstellungen von familiärer Fortführung auf, ohne dass Noomi tatsächlich eine Lösung anbieten könnte. Aus ihrer Sicht bedeutet die weitere Bindung an sie vor allem Verzicht.
Nach erneutem Weinen fällt die Entscheidung auseinander. Orpa küsst ihre Schwiegermutter zum Abschied und kehrt um. Der Text verurteilt sie dafür nicht. Ruth dagegen „hing ihr an“. Dieses kurze Wort beschreibt den entscheidenden Wendepunkt ihres Lebens: Sie bleibt, obwohl Noomi ihr keine materielle Sicherheit, keinen Ehemann und keine erkennbare Aussicht auf gesellschaftlichen Aufstieg versprechen kann.
Noomi macht die Tragweite der Entscheidung noch deutlicher. Sie weist Ruth darauf hin, dass ihre Schwägerin zu ihrem Volk und zu ihren Göttern zurückgekehrt ist, und fordert sie auf, ihr zu folgen. Darauf antwortet Ruth mit einem der eindrücklichsten Bekenntnisse des Alten Testaments. Sie verbindet ihre Zukunft dauerhaft mit Noomi: Wohin Noomi geht, will auch sie gehen; wo Noomi bleibt, will sie bleiben. Doch Ruth geht noch weiter. Sie sagt: „Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“
Damit betrifft ihre Entscheidung nicht nur den Wohnort. Ruth bindet sich an das Volk, zu dem Noomi gehört, und bekennt den Gott Noomis als ihren Gott. Der Text berichtet nicht ausführlich, wann oder durch welche einzelnen Erfahrungen dieser Glaube in ihr entstanden ist. Deshalb sollte weder eine genaue Bekehrungsgeschichte erfunden noch angenommen werden, dass Ruth erst in diesem Augenblick zum ersten Mal vom HERRN überzeugt wurde. Sicher ist jedoch, dass sie jetzt öffentlich und mit weitreichenden Konsequenzen ihre Zugehörigkeit zu ihm bekennt.
Ruth schließt ihr Versprechen sogar mit einem Eid beim Namen des HERRN. Nur der Tod soll sie von Noomi trennen. Ihre Worte sind deshalb mehr als eine spontane Gefühlsäußerung nach einem bewegenden Abschied. Sie nimmt einen Weg an, dessen äußere Bedingungen unsicher bleiben, und stellt ihre Zukunft unter den Gott Israels. Anders als bei einer bloßen familiären Loyalität umfasst ihre Entscheidung nun Heimat, Volk, Glauben, Leben und Tod.
Noomi erkennt schließlich, dass Ruth fest entschlossen ist, und versucht nicht länger, sie zur Umkehr zu bewegen. Von diesem Moment an gehen die beiden Frauen gemeinsam weiter. Ruth verlässt damit Moab nicht, weil ihr in Bethlehem bereits eine bessere Zukunft zugesichert worden wäre. Sie geht als moabitische Witwe mit einer ebenfalls verwitweten Schwiegermutter in ein Land, das für sie fremd ist. Doch gerade mit dieser Entscheidung beginnt sich ihre Geschichte untrennbar mit dem Volk Gottes zu verbinden.
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Ruth kommt mit Noomi nach Bethlehem
Ruth 1,19-22 – „19 Also gingen die beiden, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie zu Bethlehem einzogen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung, und man fragte: Ist das die Naemi? 20 Sie aber sprach: Heißet mich nicht Naemi, sondern nennt mich Mara; denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt! 21 Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht. Warum heißet ihr mich denn Naemi, da doch…"
Ruth 1,19-22 – „19 Also gingen die beiden, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie zu Bethlehem einzogen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung, und man fragte: Ist das die Naemi? 20 Sie aber sprach: Heißet mich nicht Naemi, sondern nennt mich Mara; denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt! 21 Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht. Warum heißet ihr mich denn Naemi, da doch…"
Ruths Entscheidung führt sie nun endgültig aus Moab heraus. Gemeinsam mit Noomi setzt sie den Weg fort, bis beide Bethlehem erreichen. Für Noomi bedeutet die Ankunft eine Rückkehr an einen vertrauten Ort; für Ruth dagegen beginnt ein Leben in einem Land, das bisher nicht ihre Heimat gewesen war. Sie hat Moab, ihr Volk und die dort vorhandenen Bindungen hinter sich gelassen und betritt Bethlehem als moabitische Witwe an der Seite einer Frau, die selbst kaum noch Hoffnung für ihre Zukunft erkennen kann.
Die Rückkehr bleibt in Bethlehem nicht unbemerkt. Die ganze Stadt gerät ihretwegen in Bewegung, und die Frauen fragen: „Ist das Noomi?“ Offenbar war sie nach den Jahren in Moab noch bekannt. Doch Noomi selbst empfindet eine große Distanz zwischen der Frau, die Bethlehem einst verlassen hatte, und derjenigen, die nun zurückkehrt. Sie bittet die Frauen deshalb, sie nicht mehr Noomi, sondern Mara zu nennen. Der Name Noomi wird mit „lieblich“ oder „angenehm“ verbunden, während Mara „bitter“ bedeutet. Noomi beschreibt damit, wie sie ihre gegenwärtige Lebenslage wahrnimmt.
Ihre Erklärung ist schonungslos: Sie sei voll ausgezogen und der HERR habe sie leer zurückgebracht. Der Allmächtige habe es ihr bitter gemacht und sie ins Unglück geführt. Diese Worte dürfen nicht übergangen werden, denn sie zeigen ausdrücklich Noomis Sicht auf ihre Verluste. Zugleich muss zwischen ihrem persönlichen Bekenntnis und einer ausdrücklichen Erklärung Gottes unterschieden werden. Der Erzähler bestätigt an dieser Stelle nicht, dass jeder Tod oder jedes Leid in Noomis Familie eine unmittelbare Strafe Gottes gewesen sei. Noomi spricht aus ihrer eigenen Erfahrung des Verlustes und ordnet ihr Leben unter Gottes souveränes Handeln ein.
Gerade dabei enthält ihre Aussage jedoch eine bemerkenswerte Spannung. Noomi sagt, sie sei „leer“ zurückgekehrt, doch neben ihr steht Ruth. Die Bibel verspottet Noomis Schmerz damit nicht. Der Verlust ihres Mannes und ihrer beiden Söhne war real und konnte durch die Anwesenheit ihrer Schwiegertochter nicht einfach aufgehoben werden. Dennoch weiß Noomi zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Bedeutung gerade die Frau neben ihr für ihr weiteres Leben haben wird. Ihre Wahrnehmung ist von dem bestimmt, was sie verloren hat; Gottes weitere Führung hat sich noch nicht entfaltet.
Für Ruth muss die Ankunft zugleich eine neue gesellschaftliche Stellung bedeutet haben. Der abschließende Vers des Kapitels bezeichnet sie erneut ausdrücklich als „Ruth, die Moabiterin, ihre Schwiegertochter“. Ihre Herkunft wird also nicht ausgelöscht, nur weil sie Noomis Gott als ihren Gott bekannt hat. In Bethlehem kommt sie als Fremde und Witwe an. Der Erzähler hält diese Herkunft bewusst fest, denn gerade daran wird später sichtbar werden, wie eine Frau aus Moab innerhalb des Volkes Israel Aufnahme und Schutz findet.
Ruth besitzt zu diesem Zeitpunkt weder einen Ehemann noch ein eigenes Haus oder erkennbare wirtschaftliche Sicherheit. Die beiden Frauen kehren offenbar ohne den Wohlstand zurück, mit dem Noomis Familie einst Bethlehem verlassen hatte. Trotzdem endet das erste Kapitel nicht nur mit Verlust. Es enthält eine unscheinbare Zeitangabe, die für den weiteren Verlauf entscheidend wird: Sie kommen zu Beginn der Gerstenernte nach Bethlehem.
Diese Angabe verbindet ihre Ankunft mit einer Jahreszeit, in der auf den Feldern Nahrung eingebracht wird. Noch wird daraus keine Lösung erklärt, und Ruth weiß nicht, was ihr am nächsten Tag begegnen wird. Doch während Noomi ihre Rückkehr als Leere beschreibt, liegt vor ihnen eine beginnende Ernte. Die Geschichte bewegt sich damit von einer Zeit des Hungers und des Todes in einen neuen Abschnitt, ohne den Schmerz des Vergangenen kleinzureden.
Ruth ist nun dort angekommen, wohin ihr Bekenntnis sie geführt hat. Sie gehört nicht durch Abstammung zu Israel, hat sich aber an Noomi und an den Gott Israels gebunden. Nun muss sich zeigen, wie dieses Bekenntnis im gewöhnlichen Alltag eines Lebens ohne gesicherte Versorgung Gestalt annimmt. Der erste Schritt wird nicht durch ein außergewöhnliches Wunder geschehen, sondern auf den Feldern Bethlehems.
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Ruth geht hinaus, um Ähren zu sammeln
Ruth 2,1-7 – „1 Nun hatte Naemi einen Verwandten ihres Mannes, der war ein sehr vermöglicher Mann vom Geschlecht Elimelechs, namens Boas. 2 Ruth aber, die Moabiterin, sprach zu Naemi: Ich will doch aufs Feld hinausgehen und Ähren auflesen bei dem, vor welchem ich Gnade finde! 3 Sie ging hin, kam und las Ähren auf dem Felde hinter den Schnittern her. Es traf sich aber, daß jenes Stück Feld dem Boas gehörte, der…"
Ruth 2,1-7 – „1 Nun hatte Naemi einen Verwandten ihres Mannes, der war ein sehr vermöglicher Mann vom Geschlecht Elimelechs, namens Boas. 2 Ruth aber, die Moabiterin, sprach zu Naemi: Ich will doch aufs Feld hinausgehen und Ähren auflesen bei dem, vor welchem ich Gnade finde! 3 Sie ging hin, kam und las Ähren auf dem Felde hinter den Schnittern her. Es traf sich aber, daß jenes Stück Feld dem Boas gehörte, der…"
3. Mose 19,9-10 – „9 Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollst du den Rand deines Ackers nicht vollständig abernten und keine Nachlese nach deiner Ernte halten. 10 Auch sollst du nicht Nachlese halten in deinem Weinberg, noch die abgefallenen Beeren deines Weinberges auflesen, sondern du sollst es den Armen und Fremdlingen lassen; denn ich, der HERR, bin euer Gott."
5. Mose 24,19-22 – „19 Wenn du auf deinem Acker geerntet und eine Garbe auf dem Acker vergessen hast, so sollst du nicht umkehren, sie zu holen; sondern sie soll dem Fremdling, dem Waislein und der Witwe gehören, daß dich der HERR, dein Gott, segne in allem Werk deiner Hände. 20 Wenn du die Früchte deines Ölbaumes abgeschlagen hast, so sollst du hernach nicht Nachlese halten; es soll dem Fremdling, dem Waislein und …"
Mit der Gerstenernte beginnt für Ruth und Noomi ein neuer Lebensabschnitt. Der Erzähler führt nun erstmals einen Mann ein, der für ihre weitere Geschichte bedeutsam werden wird: Boas. Er gehört zur Sippe Elimelechs und wird als vermögender beziehungsweise angesehener Mann beschrieben. Ruth weiß zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, welche Bedeutung diese verwandtschaftliche Verbindung haben wird. Zunächst steht eine viel unmittelbarere Frage im Raum: Wie sollen die beiden Witwen ihren Lebensunterhalt sichern?
Ruth wartet nicht untätig darauf, dass sich ihre Lage verändert. Sie bittet Noomi darum, auf die Felder gehen und hinter den Schnittern Ähren sammeln zu dürfen. Dabei hofft sie, bei jemandem Gunst zu finden, der ihr das Nachlesen gestattet. Noomi stimmt zu. Ruth macht sich daraufhin auf den Weg und sammelt hinter den Erntearbeitern die zurückgebliebenen Ähren.
Was Ruth tut, steht im Zusammenhang mit einer ausdrücklich von Gott gegebenen Ordnung. Israel sollte seine Felder bei der Ernte nicht vollständig bis zum letzten Halm abernten. Ränder und liegengebliebene Ernte sollten den Armen und Fremden überlassen werden. 3. Mose 19 verbindet diese Bestimmung ausdrücklich mit beiden Gruppen, während 5. Mose 24 zusätzlich Witwen und Waisen nennt. Gottes Gesetz schuf damit innerhalb des Bundesvolkes Raum für Menschen, die wirtschaftlich besonders verletzlich waren.
Ruth vereint mehrere dieser Merkmale in ihrer Person. Sie ist Witwe, besitzt offenbar kein eigenes Feld und wird weiterhin als Moabiterin beziehungsweise Fremde bezeichnet. Das Recht zum Nachlesen bedeutete allerdings nicht, dass ihr die fertige Ernte ohne eigenes Zutun gebracht wurde. Sie musste hinausgehen, sich unter die Erntearbeiter begeben und die zurückgelassenen Ähren selbst sammeln. Gottes Fürsorge und menschliche Verantwortung stehen hier nicht gegeneinander: Die göttliche Ordnung eröffnet ihr eine Möglichkeit, und Ruth nutzt sie durch ihre Arbeit.
Dann formuliert der Erzähler einen entscheidenden Satz mit auffallender Zurückhaltung. Ruth „traf zufällig“ auf den Teil des Feldes, der Boas gehörte. Aus ihrer eigenen Perspektive mag es tatsächlich wie ein gewöhnlicher Zufall ausgesehen haben. Der Text berichtet nicht, dass Ruth dieses Feld bewusst wegen Boas ausgewählt hätte oder überhaupt gewusst hätte, wem es gehörte. Gerade deshalb darf ihr keine geheime Absicht zugeschrieben werden.
Für den Leser besitzt diese scheinbar zufällige Begegnung jedoch besonderes Gewicht. Boas ist bereits unmittelbar zuvor als Angehöriger von Elimelechs Sippe vorgestellt worden. Die beiden Informationen stehen bewusst nebeneinander: Ruth kennt die Bedeutung ihres Weges noch nicht, doch der Erzähler lässt erkennen, dass sie gerade auf einem Feld arbeitet, das mit der Familie ihres verstorbenen Mannes verbunden ist. Das Buch beschreibt Gottes Führung häufig nicht durch spektakuläre Eingriffe, sondern durch Ereignisse, deren Bedeutung sich erst im weiteren Verlauf erschließt.
Als Boas aus Bethlehem auf das Feld kommt, begrüßt er seine Schnitter mit dem Wunsch: „Der HERR sei mit euch!“ Sie antworten ihm mit einem Segenswort. Diese kurze Szene stellt Boas zunächst innerhalb seines gewöhnlichen Alltags vor. Danach bemerkt er Ruth und fragt den Aufseher der Schnitter, zu wem diese junge Frau gehöre. Seine Frage führt dazu, dass Ruths bisherige Geschichte nun auch auf dem Feld bekannt wird.
Der Aufseher bezeichnet sie als die moabitische Frau, die mit Noomi aus dem Gebiet Moabs zurückgekommen ist. Er berichtet außerdem, dass Ruth darum gebeten habe, hinter den Schnittern sammeln zu dürfen, und dass sie seit dem Morgen gearbeitet habe. Damit begegnet Boas Ruth nicht zuerst aufgrund einer herausgehobenen gesellschaftlichen Stellung. Vor ihm steht eine fremde Witwe, die auf seinem Feld die Ähren aufsammelt, die andere zurücklassen.
Was für Ruth als gewöhnlicher Arbeitstag begonnen hat, führt sie damit erstmals in die unmittelbare Nähe von Boas. Sie ist nicht auf sein Feld gekommen, weil sie bereits einen Plan mit ihm verfolgt hätte. Sie wollte Nahrung sammeln und fand sich auf einem Feld wieder, dessen Besitzer zur Sippe Elimelechs gehört. Nun wird sich zeigen, wie Boas auf die moabitische Frau reagiert, deren Treue zu Noomi ihm nicht verborgen bleiben wird.
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Boas nimmt Ruth unter seinen Schutz
Ruth 2,8-16 – „8 Da sprach Boas zu Ruth: Hörst du wohl, meine Tochter? Du sollst auf keinen andern Acker gehen, um aufzulesen; und begib dich auch nicht weg von hier, sondern halte dich da zu meinen Jungfrauen. 9 Dein Auge sei auf das Feld gerichtet, wo sie schneiden! Habe ich nicht meinen Knaben geboten, daß dich niemand anrühre? Und wenn dich dürstet, so geh hin zu den Gefäßen und trinke von dem, was meine Kn…"
Ruth 2,8-16 – „8 Da sprach Boas zu Ruth: Hörst du wohl, meine Tochter? Du sollst auf keinen andern Acker gehen, um aufzulesen; und begib dich auch nicht weg von hier, sondern halte dich da zu meinen Jungfrauen. 9 Dein Auge sei auf das Feld gerichtet, wo sie schneiden! Habe ich nicht meinen Knaben geboten, daß dich niemand anrühre? Und wenn dich dürstet, so geh hin zu den Gefäßen und trinke von dem, was meine Kn…"
Ruth 1,16-17 – „16 Ruth antwortete: Dringe nicht in mich, daß ich dich verlassen und von dir weg umkehren soll! Denn wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe ich auch; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott! 17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, daselbst will auch ich begraben sein; der HERR tue mir dies und das und noch mehr, wenn nicht der Tod allein uns scheiden so…"
5. Mose 10,18-19 – „18 Der da Recht schafft dem Waislein und der Witwe und die Fremdlinge lieb hat, daß er ihnen Speise und Kleider gebe. 19 Und auch ihr sollt die Fremdlinge lieben, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland."
Nachdem Boas erfahren hat, wer Ruth ist, wendet er sich persönlich an sie. Seine ersten Worte schaffen Sicherheit: Sie soll nicht auf ein anderes Feld gehen und auch nicht von dort wegziehen, sondern sich an seine Mägde halten. Ruth war als fremde Witwe bei der Ernte besonders schutzbedürftig. Boas sorgt deshalb nicht nur dafür, dass sie Ähren sammeln darf, sondern gibt seinen Knechten ausdrücklich die Anweisung, sie nicht anzutasten. Was Ruth bisher als unsichere Arbeit auf einem fremden Feld begonnen hatte, erhält dadurch einen geschützten Rahmen.
Boas geht noch weiter. Wenn Ruth durstig ist, darf sie von dem Wasser trinken, das seine Knechte geschöpft haben. Damit behandelt er sie nicht wie jemanden, der gerade noch geduldet wird. Die gesetzliche Ordnung gewährte Armen und Fremden das Nachlesen; die persönliche Fürsorge des Boas reicht jedoch über ein bloßes Mindestmaß hinaus. Er nimmt Ruth wahr und sorgt konkret dafür, dass sie unter seinen Arbeitern Nahrung, Wasser und Schutz findet.
Ruth reagiert darauf mit großer Verwunderung. Sie fällt vor Boas nieder und fragt, weshalb sie Gunst in seinen Augen gefunden habe, obwohl sie eine Fremde sei. Ihre Herkunft bleibt für sie selbst also durchaus gegenwärtig. Sie geht nicht selbstverständlich davon aus, dass ihr besondere Aufmerksamkeit zusteht. Gerade deshalb möchte sie verstehen, warum Boas ihr so begegnet.
Seine Antwort zeigt, dass Ruths Verhalten seit ihrer Ankunft in Bethlehem nicht unbemerkt geblieben ist. Boas hat erfahren, was sie nach dem Tod ihres Mannes für Noomi getan hat und dass sie Vater, Mutter und ihr Heimatland verlassen hat, um zu einem Volk zu gehen, das sie zuvor nicht kannte. Damit bestätigt der Text rückblickend die Tragweite von Ruths Entscheidung. Was in Moab als persönliches Versprechen gegenüber Noomi ausgesprochen wurde, ist in Bethlehem bereits durch ihr tatsächliches Leben sichtbar geworden.
Boas verbindet seine Anerkennung jedoch nicht nur mit Ruths menschlicher Treue. Er richtet ihren Blick auf den HERRN und spricht ihr zu, dass Gott ihr Tun vergelten möge. Besonders eindrücklich beschreibt er den Gott Israels als denjenigen, „unter dessen Flügeln“ Ruth Zuflucht gesucht hat. Damit deutet Boas ihre Ankunft in Israel geistlich: Ruth hat nicht lediglich den Wohnort gewechselt. Ihr Bekenntnis zu Noomis Gott erhält nun eine weitere Bestätigung darin, dass sie bei ihm Schutz sucht.
Dieses Bild darf nicht so verstanden werden, als hätte Ruth sich durch ihre guten Werke Gottes Gnade verdient. Boas spricht einen Segenswunsch aus und erkennt zugleich ihre Treue an. Die Reihenfolge ihrer bisherigen Geschichte ist entscheidend: Ruth hatte sich dem Gott Israels anvertraut, bevor sie wusste, dass Boas ihr begegnen würde oder welche Vorteile daraus entstehen könnten. Ihre Handlungen sind Ausdruck dieser Bindung, nicht der Preis, mit dem sie Gottes Annahme erkauft.
Zur Essenszeit lädt Boas Ruth sogar ein, gemeinsam mit den Erntearbeitern zu essen. Er reicht ihr geröstetes Korn, und sie bekommt genug, um satt zu werden; sogar etwas bleibt übrig. Anschließend geht sie wieder an die Arbeit. Boas befiehlt seinen Knechten nun, Ruth auch zwischen den Garben sammeln zu lassen und sie nicht zu beschämen. Zusätzlich sollen sie bewusst einige Ähren aus den Bündeln herausziehen und für sie liegen lassen.
Damit wird aus der anfänglichen Erlaubnis eine ungewöhnlich großzügige Versorgung. Boas demütigt Ruth dabei nicht durch öffentliches Mitleid, sondern lässt ihr weiterhin die Möglichkeit, selbst zu sammeln und zu arbeiten. Seine Hilfe bewahrt ihre Würde. Er gibt ihr mehr, ohne ihre Arbeit bedeutungslos zu machen.
Ruth ist an diesem Tag hinausgegangen, um bei irgendeinem Feldbesitzer Gunst zu finden. Nun steht sie unter dem Schutz eines Mannes, der ihre Geschichte kennt, ihren Glaubensweg achtet und ihr weit mehr gewährt, als sie erwartet hatte. Noch kennt Ruth allerdings nicht die ganze Bedeutung seiner Verbindung zu Elimelechs Familie. Erst als sie am Abend zu Noomi zurückkehrt, wird deutlich werden, dass der Besitzer dieses Feldes nicht irgendein Mann aus Bethlehem ist.
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Noomi erkennt in Boas einen nahen Verwandten
Ruth 2,17-23 – „17 Also las sie auf dem Felde bis zum Abend und klopfte aus, was sie aufgelesen hatte; und es war etwa ein Epha Gerste. 18 Und sie trug es in die Stadt und zeigte ihrer Schwiegermutter, was sie aufgelesen hatte; dazu zog sie hervor und gab ihr, was sie übriggelassen hatte, nachdem sie satt geworden. 19 Da sprach ihre Schwiegermutter zu ihr: Wo hast du heute aufgelesen, und wo hast du gearbeitet? …"
Ruth 2,17-23 – „17 Also las sie auf dem Felde bis zum Abend und klopfte aus, was sie aufgelesen hatte; und es war etwa ein Epha Gerste. 18 Und sie trug es in die Stadt und zeigte ihrer Schwiegermutter, was sie aufgelesen hatte; dazu zog sie hervor und gab ihr, was sie übriggelassen hatte, nachdem sie satt geworden. 19 Da sprach ihre Schwiegermutter zu ihr: Wo hast du heute aufgelesen, und wo hast du gearbeitet? …"
3. Mose 25,25 – „25 Wenn dein Bruder verarmt und dir etwas von seiner Habe verkauft, so soll derjenige als Löser für ihn eintreten, der sein nächster Verwandter ist; derselbe soll lösen, was sein Bruder verkauft hat."
5. Mose 25,5-10 – „5 Wenn Brüder beieinander wohnen und einer von ihnen kinderlos stirbt, so soll das Weib des Verstorbenen nicht einen fremden Mann von auswärts nehmen, sondern ihr Schwager soll zu ihr kommen und sie zum Weibe nehmen und die Schwagerpflicht an ihr vollziehen. 6 Und der erste Sohn, den sie gebiert, soll auf den Namen seines verstorbenen Bruders erzogen werden, damit sein Name nicht aus Israel versc…"
Ruth bleibt bis zum Abend auf dem Feld und schlägt anschließend aus, was sie gesammelt hat. Der Ertrag beträgt ungefähr ein Epha Gerste – eine für einen einzigen Tag bemerkenswerte Menge. Sie trägt die Gerste in die Stadt und zeigt Noomi, was sie gesammelt hat. Auch den Teil der Mahlzeit, den sie nach ihrer eigenen Sättigung übrig behalten hatte, bringt sie ihrer Schwiegermutter mit. Ruths Fürsorge für Noomi zeigt sich damit weiterhin nicht nur in Worten, sondern im gewöhnlichen Alltag.
Noomi erkennt sofort, dass dieser Ertrag nicht das Ergebnis eines gewöhnlichen Nachlesetages sein kann. Sie fragt Ruth, wo sie gearbeitet habe, und spricht einen Segen über denjenigen aus, der ihr solche Aufmerksamkeit erwiesen hat. Ruth nennt daraufhin erstmals den Namen des Feldbesitzers: Boas. Für Ruth ist er bisher vor allem der Mann, der ihr Schutz, Nahrung und ungewöhnliche Großzügigkeit gewährt hat. Noomi dagegen kennt eine weitere Bedeutung dieses Namens.
Ihre Reaktion ist von Dankbarkeit geprägt. Sie segnet Boas im Namen des HERRN und sagt, dass Gott seine Güte den Lebenden und den Toten nicht entzogen habe. Der Satz lässt sprachlich offen, ob sich die unmittelbar genannte Güte besonders auf den HERRN oder auf Boas bezieht; im Zusammenhang wird jedoch deutlich, dass Noomi hinter der menschlichen Hilfe zugleich Gottes Fürsorge erkennt. Noch am Ende des ersten Kapitels hatte sie ihre Rückkehr vor allem als Leere wahrgenommen. Jetzt beginnt sie, in den Ereignissen ihres neuen Lebensabschnitts wieder Güte zu erkennen.
Dann erklärt Noomi Ruth, warum Boas für ihre Familie besonders bedeutsam ist: Er gehört zu ihren nahen Verwandten und zählt zu denen, die als Löser in Betracht kommen. Der Begriff des Lösers steht im Zusammenhang mit den Schutzbestimmungen des israelitischen Bundesrechts. Nach 3. Mose 25 konnte ein naher Verwandter etwa dafür eintreten, verlorenen Familienbesitz zurückzugewinnen. Der Löser handelte damit nicht lediglich als großzügiger Helfer, sondern übernahm innerhalb der Familie eine besondere Verantwortung.
Die weitere Geschichte Ruths verbindet diese Löserordnung mit der Frage nach der Fortführung der Familie eines verstorbenen Mannes. 5. Mose 25 regelt für Brüder, die zusammen wohnen, die sogenannte Schwagerehe: Stirbt einer kinderlos, soll sein Bruder die Witwe heiraten, damit der Name des Verstorbenen in Israel nicht ausgelöscht wird. Boas ist allerdings nicht Machlons Bruder. Deshalb dürfen die beiden gesetzlichen Regelungen nicht einfach so behandelt werden, als wären sie vollständig identisch. Das Buch Ruth zeigt vielmehr eine besondere Verbindung von Familienbesitz, Verwandtschaftspflicht und der Bewahrung des Namens des Verstorbenen.
Noch ist außerdem nicht geklärt, ob Boas überhaupt der nächstberechtigte Verwandte ist. Noomi weiß lediglich, dass er zu den nahen Verwandten gehört. Damit öffnet sich erstmals eine Möglichkeit, die über Ruths tägliche Versorgung hinausgeht, doch der Text stellt noch keine fertige Lösung vor. Die Geschichte entwickelt sich schrittweise und lässt die rechtlichen Einzelheiten erst später deutlich werden.
Ruth berichtet Noomi anschließend von der ausdrücklichen Einladung des Boas, während der gesamten Ernte bei seinen Arbeitern zu bleiben. Noomi hält dies für gut. Auf einem anderen Feld könnte Ruth bedrängt oder gefährdet werden; bei Boas dagegen ist ihr Schutz zugesichert. Ruth folgt diesem Rat und hält sich beim Nachlesen an die Mägde des Boas.
Der letzte Satz des Kapitels beschreibt einen längeren Zeitraum in wenigen Worten. Ruth sammelt bis zum Ende der Gersten- und der Weizenernte und wohnt weiterhin bei ihrer Schwiegermutter. Die außergewöhnliche erste Begegnung mit Boas führt also nicht sofort zu einer dramatischen Veränderung ihres Lebens. Zunächst folgen Wochen gewöhnlicher Arbeit. Ruth bleibt ihrer bisherigen Verantwortung treu, und Boas hält den Schutzraum offen, den er ihr zugesagt hat.
Gerade in dieser ruhigen Phase wird sichtbar, wie das Buch Ruth Gottes Führung entfaltet. Ein Feld, auf das Ruth ohne erkennbare Kenntnis seiner Bedeutung geraten war, erweist sich als Besitz eines nahen Verwandten. Eine Versorgung für einen einzelnen Tag wird zu einer gesicherten Möglichkeit für die gesamte Erntezeit. Und Noomi, die sich noch kurz zuvor als leer zurückgekehrt bezeichnet hatte, beginnt zu erkennen, dass ihre Familiengeschichte möglicherweise noch nicht zu Ende geschrieben ist.
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Noomi sucht für Ruth eine bleibende Zukunft
Ruth 3,1-5 – „1 Naemi aber, ihre Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, sollte ich dir nicht eine Heimat verschaffen, da es dir wohlgehen wird? 2 Und nun, ist nicht Boas, bei dessen Jungfrauen du gewesen bist, unser Verwandter? Siehe, er worfelt diese Nacht auf seiner Gerstentenne. 3 So bade dich nun und lege deine Kleider an und geh zur Tenne hinab; aber gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gen…"
Ruth 3,1-5 – „1 Naemi aber, ihre Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, sollte ich dir nicht eine Heimat verschaffen, da es dir wohlgehen wird? 2 Und nun, ist nicht Boas, bei dessen Jungfrauen du gewesen bist, unser Verwandter? Siehe, er worfelt diese Nacht auf seiner Gerstentenne. 3 So bade dich nun und lege deine Kleider an und geh zur Tenne hinab; aber gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gen…"
Ruth 2,20 – „20 Gesegnet sei er vom HERRN, daß er seine Gnade den Lebendigen und den Toten nicht entzogen hat! Weiter sprach Naemi zu ihr: Der Mann ist uns nah verwandt, er gehört zu unsern Lösern. Ruth, die Moabiterin, sprach:"
Ruth 1,9 – „9 Der HERR gebe euch, daß ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Haus! Und sie küßte sie."
Die Erntezeit hat Ruth und Noomi zunächst Nahrung und Sicherheit gebracht, doch ihre grundlegende Lebenssituation bleibt unverändert. Ruth ist weiterhin Witwe und lebt bei ihrer Schwiegermutter. Nun greift Noomi die Frage auf, die bereits bei ihrem Abschied aus Moab eine Rolle gespielt hatte: Ruth soll nicht dauerhaft ohne eigenes Zuhause und ohne gesicherte Zukunft bleiben. Sie fragt deshalb: „Meine Tochter, sollte ich dir nicht eine Ruhestätte suchen, dass es dir wohlgehe?“
Mit dieser „Ruhestätte“ meint Noomi im Zusammenhang nicht bloß Erholung. Schon in Moab hatte sie für Ruth und Orpa gewünscht, dass jede im Haus eines neuen Ehemannes Ruhe finden möge. Jetzt nimmt sie diesen Gedanken wieder auf. Die tägliche Versorgung durch das Nachlesen war wichtig, konnte aber die umfassendere Frage nach Ruths familiärer und wirtschaftlicher Zukunft nicht lösen. Noomi beginnt deshalb nach einem Weg zu suchen, auf dem Ruth innerhalb der bestehenden Verwandtschaft Schutz und eine neue Familie finden könnte.
Ihr Blick richtet sich auf Boas. Sie erinnert Ruth daran, dass er zu ihrer Verwandtschaft gehört und dass Ruth während der Ernte mit seinen Mägden gearbeitet hat. Noomi weiß außerdem, dass Boas in dieser Nacht auf der Tenne Gerste worfeln wird. Nach dem Dreschen wurde das Getreide geworfelt, damit sich Korn und Spreu voneinander trennten. Die Tenne war damit ein gewöhnlicher Ort der Erntearbeit; der Bericht macht aus ihr keinen geheimnisvollen oder von sich aus anstößigen Schauplatz.
Noomi gibt Ruth anschließend sehr konkrete Anweisungen. Sie soll sich waschen, salben, ihre Kleider anziehen und zur Tenne hinabgehen. Dort soll sie sich zunächst nicht bemerkbar machen, bis Boas mit Essen und Trinken fertig ist. Wenn er sich zum Schlafen niedergelegt hat, soll Ruth darauf achten, wo er liegt, zu ihm gehen, seine Füße aufdecken und sich dort niederlegen. Boas werde ihr dann sagen, was sie tun solle.
Diese Anweisungen wirken für heutige Leser ungewöhnlich und haben deshalb zu unterschiedlichen Deutungen geführt. Der Bibeltext selbst beschreibt jedoch an dieser Stelle keine sexuelle Handlung und gibt keinen Anlass, Ruths Vorgehen als Versuch einer Verführung darzustellen. Ebenso sollte man nicht jede kulturelle Einzelheit mit Gewissheit erklären, wenn der Text sie nicht selbst erläutert. Entscheidend ist zunächst, dass Noomis Plan darauf abzielt, die bereits erkannte Stellung des Boas als nahen Verwandten nun unmittelbar zur Sprache zu bringen.
Gleichzeitig ist Noomis Plan nicht einfach mit einem ausdrücklichen göttlichen Befehl gleichzusetzen. Die Bibel berichtet, was sie Ruth empfiehlt, ohne jedes Detail ihres Vorgehens ausdrücklich zu bewerten. Gerade deshalb ist es wichtig, den weiteren Verlauf abzuwarten. Ob und wie Boas auf Ruth reagiert und welche rechtliche Verantwortung tatsächlich besteht, wird erst durch die folgende Begegnung geklärt.
Ruth antwortet Noomi knapp: Alles, was sie ihr gesagt habe, wolle sie tun. Ihre Bereitschaft setzt die bisher erkennbare Vertrauensbeziehung zwischen beiden Frauen fort. Dennoch geht Ruth nun einen Schritt, der deutlich über das Sammeln von Ähren hinausgeht. Sie wird Boas nicht mehr lediglich als großzügigem Feldbesitzer begegnen, sondern als einem Mann aus der Familie Elimelechs, von dem eine weitergehende Verantwortung erbeten werden soll.
Damit führt die Geschichte Ruth aus dem öffentlichen Alltag der Ernte in eine persönlichere und rechtlich bedeutsame Begegnung. Noch ist nichts entschieden. Boas hat Ruth bisher geschützt und großzügig versorgt, aber weder eine Ehe zugesagt noch erklärt, dass er selbst als Löser handeln werde. Erst in dieser Nacht wird Ruth aussprechen, was sie von ihm erbittet – und Boas wird offenlegen, dass zwischen dieser Bitte und ihrer Erfüllung noch eine entscheidende Frage steht.
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Ruth bittet Boas, als Löser zu handeln
Ruth 3,6-13 – „6 Und sie ging zur Tenne hinab und machte es genau so, wie ihre Schwiegermutter befohlen hatte. 7 Als nun Boas gegessen und getrunken hatte und sein Herz guter Dinge war, kam er und legte sich hinter einen Garbenhaufen; da kam sie leise und deckte auf zu seinen Füßen und legte sich. 8 Als es nun Mitternacht war, erschrak der Mann und wandte sich, und siehe, da lag ein Weib zu seinen Füßen! Da fra…"
Ruth 3,6-13 – „6 Und sie ging zur Tenne hinab und machte es genau so, wie ihre Schwiegermutter befohlen hatte. 7 Als nun Boas gegessen und getrunken hatte und sein Herz guter Dinge war, kam er und legte sich hinter einen Garbenhaufen; da kam sie leise und deckte auf zu seinen Füßen und legte sich. 8 Als es nun Mitternacht war, erschrak der Mann und wandte sich, und siehe, da lag ein Weib zu seinen Füßen! Da fra…"
Ruth 2,12 – „12 Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn müsse vollkommen sein von dem HERRN, dem Gott Israels, zu welchem du gekommen bist, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu nehmen!"
3. Mose 25,25 – „25 Wenn dein Bruder verarmt und dir etwas von seiner Habe verkauft, so soll derjenige als Löser für ihn eintreten, der sein nächster Verwandter ist; derselbe soll lösen, was sein Bruder verkauft hat."
Ruth folgt Noomis Anweisungen und geht zur Tenne. Nachdem Boas gegessen und getrunken hat und sich am Rand des Getreidehaufens schlafen legt, nähert sie sich unbemerkt, deckt seine Füße auf und legt sich dort nieder. Der Bericht erzählt diese Szene zurückhaltend und ohne anzügliche Sprache. Erst mitten in der Nacht erschrickt Boas, beugt sich vor und bemerkt, dass eine Frau zu seinen Füßen liegt.
Auf seine Frage, wer sie sei, antwortet Ruth offen: „Ich bin Ruth, deine Magd.“ Dann spricht sie selbst den eigentlichen Grund ihres Kommens aus. Sie bittet Boas, seinen Flügel über sie auszubreiten, weil er ein Löser sei. Damit wird deutlich, dass ihre Handlung auf der Tenne nicht nur eine wortlose Geste bleiben soll. Ruth richtet eine konkrete Bitte an Boas, Verantwortung im Rahmen seiner verwandtschaftlichen Stellung zu übernehmen.
Ihre Worte greifen zugleich ein Bild auf, das Boas selbst bei ihrer ersten Begegnung gebraucht hatte. Damals hatte er Ruth zugesprochen, dass sie unter den Flügeln des HERRN Zuflucht gesucht habe. Nun bittet Ruth Boas, seinen Flügel über sie auszubreiten. Der Zusammenhang legt damit eine bemerkenswerte Verbindung nahe: Gottes Fürsorge erscheint nicht als Gegensatz zu menschlichem Handeln. Boas, der Ruth zuvor auf den Schutz Gottes verwiesen hatte, wird nun selbst gefragt, ob er innerhalb der ihm möglichen Verantwortung zu einem Werkzeug dieses Schutzes werden will.
Ruth verlangt dabei nicht einfach eine romantische Beziehung. Der entscheidende Begriff ihrer Bitte ist der „Löser“. Ihre Zukunft ist mit der Familie ihres verstorbenen Mannes, deren Besitz und deren Fortbestand verbunden. Was Noomi vorbereitet hatte, wird durch Ruth nun ausdrücklich auf diese familienrechtliche Ebene geführt. Die Ehe, die sich später daraus ergeben wird, steht deshalb im Buch Ruth nicht isoliert neben dem Lösergedanken, sondern ist eng mit der Bewahrung der Familie des Verstorbenen verbunden.
Boas reagiert weder empört noch weist er Ruths Bitte als unangemessen zurück. Er segnet sie im Namen des HERRN und bezeichnet ihr jetziges Verhalten sogar als einen weiteren Ausdruck ihrer Güte. Ruth hätte, wie er sagt, jüngeren Männern nachgehen können, seien sie arm oder reich. Stattdessen hat sie sich an den Zusammenhang der Familie gebunden. Boas erkennt darin keine eigennützige Jagd nach einer möglichst vorteilhaften Verbindung, sondern eine Haltung, die zu ihrer bisherigen Treue passt.
Anschließend spricht er ihr Mut zu und versichert, dass er tun wolle, was sie von ihm erbittet. Er begründet seine Bereitschaft auch damit, dass Ruth in der Stadt als eine tüchtige beziehungsweise charakterfeste Frau bekannt sei. Diese Aussage ist bedeutsam, weil sie nicht aus einer frei erfundenen Charakterbeschreibung stammt. Boas nennt ausdrücklich den Ruf, den Ruth sich durch ihr Verhalten erworben hat. Die moabitische Fremde, die erst vor kurzer Zeit nach Bethlehem gekommen war, ist dort inzwischen für ihre Haltung bekannt.
Doch Boas verschweigt Ruth eine entscheidende Schwierigkeit nicht. Er ist tatsächlich ein Löser, aber es gibt einen anderen Verwandten, der näher steht als er. Damit zeigt sich, dass weder Ruths Bitte noch Boas' Bereitschaft allein genügen, um die Angelegenheit sofort zu entscheiden. Die Familienordnung muss respektiert werden. Boas nutzt die nächtliche Situation nicht, um sich über das Recht des näheren Verwandten hinwegzusetzen, sondern macht die bestehende Reihenfolge offen kenntlich.
Er fordert Ruth deshalb auf, bis zum Morgen zu bleiben. Dann will er die Sache ordnen: Wenn der nähere Verwandte seine Löserpflicht übernehmen will, soll er sie wahrnehmen; wenn er es nicht tun will, verpflichtet sich Boas beim HERRN, selbst als Löser einzutreten. Damit endet die Begegnung nicht in heimlicher Unklarheit, sondern mit einer klaren Zusage, die Angelegenheit rechtmäßig zu klären.
Ruth hat in dieser Nacht den entscheidenden Schritt getan und ihre Bitte ausgesprochen. Boas hat sie angenommen, doch er hat zugleich eine Grenze anerkannt, die nicht einfach umgangen werden darf. Ihre Zukunft ist damit greifbarer geworden, aber noch nicht entschieden. Bevor Boas selbst handeln kann, muss ein anderer Mann die Möglichkeit erhalten, sein vorrangiges Recht wahrzunehmen.
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Ruth kehrt mit Boas’ Zusage zu Noomi zurück
Ruth 3,14-18 – „14 Bleib bis zum Morgen liegen! So lag sie bis an den Morgen zu seinen Füßen. Dann stand sie auf, ehe noch einer den andern erkennen konnte. Er aber gedachte: Wenn nur niemand erfährt, daß ein Weib in die Tenne gekommen ist. 15 Und er sprach: Gib den Überwurf, den du anhast und halte ihn her! Und sie hielt ihn her. Da maß er sechs Maß Gerste und lud es ihr auf und ging in die Stadt. 16 Sie aber k…"
Ruth 3,14-18 – „14 Bleib bis zum Morgen liegen! So lag sie bis an den Morgen zu seinen Füßen. Dann stand sie auf, ehe noch einer den andern erkennen konnte. Er aber gedachte: Wenn nur niemand erfährt, daß ein Weib in die Tenne gekommen ist. 15 Und er sprach: Gib den Überwurf, den du anhast und halte ihn her! Und sie hielt ihn her. Da maß er sechs Maß Gerste und lud es ihr auf und ging in die Stadt. 16 Sie aber k…"
Ruth bleibt bis zum frühen Morgen zu den Füßen des Boas liegen. Noch bevor man einander deutlich erkennen kann, steht sie auf. Boas möchte nicht, dass bekannt wird, dass eine Frau zur Tenne gekommen ist. Der Text nennt keinen weitergehenden Grund dafür und beschreibt auch keine verborgene Verfehlung. Im Zusammenhang liegt vielmehr nahe, dass Boas Ruths Ruf schützt und vermeiden will, dass aus der ungewöhnlichen nächtlichen Begegnung falsche Schlüsse gezogen werden.
Bevor Ruth geht, lässt Boas sie jedoch nicht mit leeren Händen zurückkehren. Er fordert sie auf, ihr Obergewand auszubreiten, und misst ihr sechs Maße Gerste hinein. Welche genaue Maßeinheit gemeint ist, nennt der hebräische Text an dieser Stelle nicht ausdrücklich. Deshalb lässt sich die exakte Menge nicht zuverlässig bestimmen. Entscheidend für die Erzählung ist nicht ihr Gewicht, sondern die Tatsache, dass Boas Ruth erneut großzügig versorgt und ihr etwas mitgibt, das auch für Noomi bestimmt ist.
Als Ruth in die Stadt zurückkehrt, fragt Noomi sie nach dem Ausgang der Begegnung. Die kurze Frage kann sinngemäß darauf zielen, wie es Ruth ergangen ist und welchen Stand die Angelegenheit nun hat. Ruth berichtet ihrer Schwiegermutter alles, was Boas getan und gesagt hat. Damit bleibt Noomi in die Entwicklung einbezogen, die sie selbst angestoßen hatte.
Ruth erwähnt ausdrücklich auch die sechs Maße Gerste. Boas habe gesagt, sie solle nicht mit leeren Händen zu ihrer Schwiegermutter zurückkehren. Diese Formulierung gewinnt innerhalb des Buches besonderes Gewicht. Bei ihrer Ankunft in Bethlehem hatte Noomi gesagt: „Voll zog ich aus, und leer hat mich der HERR zurückgebracht.“ Nun erreicht sie durch Ruth eine Gabe, die sichtbar macht, dass ihre gegenwärtige Geschichte nicht mehr nur von Verlust bestimmt wird.
Die Gerste löst allerdings das eigentliche Problem noch nicht. Ruth hat Nahrung erhalten, doch die Frage des Lösers bleibt offen. Boas ist bereit zu handeln, aber ein näherer Verwandter besitzt Vorrang. Gerade an diesem Punkt gibt Noomi Ruth deshalb keinen neuen Plan und fordert sie auch nicht zu weiterem Handeln auf. Stattdessen sagt sie: „Bleib still, meine Tochter, bis du erfährst, wie die Sache ausgeht.“
Noomis Haltung unterscheidet sich damit deutlich von ihrem Vorgehen am Beginn des Kapitels. Dort hatte sie einen konkreten Plan entwickelt und Ruth zur Tenne geschickt. Jetzt erkennt sie, dass Ruth ihren Teil getan hat. Die Angelegenheit liegt nun bei Boas und dem näheren Verwandten. Weiterer eigener Druck würde die rechtmäßige Klärung nicht beschleunigen.
Noomi begründet ihr Vertrauen mit ihrer Einschätzung des Boas: Der Mann werde nicht ruhen, bis er die Sache noch an diesem Tag zu Ende gebracht habe. Der bisherige Bericht gibt dieser Erwartung eine erkennbare Grundlage. Boas hatte Ruth nicht mit unbestimmten Versprechungen vertröstet, sondern sich beim HERRN verpflichtet, selbst als Löser einzutreten, falls der nähere Verwandte darauf verzichtet. Zugleich hatte er deutlich gemacht, dass dessen vorrangiges Recht zuerst geklärt werden muss.
Für Ruth beginnt damit eine neue Form des Wartens. Zuvor hatte ihre Treue sich im Aufbruch aus Moab, in der Arbeit auf den Feldern und schließlich in ihrer Bitte an Boas gezeigt. Nun kann sie selbst die entscheidende Frage nicht mehr lösen. Sie muss darauf vertrauen, dass Boas das zugesagte Verfahren tatsächlich durchführt.
Noch am selben Tag wird sich zeigen, ob Ruths Zukunft mit Boas verbunden werden kann. Doch die Entscheidung fällt nicht heimlich auf der Tenne und auch nicht allein zwischen Ruth und Boas. Sie wird öffentlich am Tor Bethlehems geklärt werden, dort, wo rechtliche Angelegenheiten vor Zeugen entschieden wurden.
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Boas klärt Ruths Zukunft am Tor von Bethlehem
Ruth 4,1-6 – „1 Boas aber war zum Tor hinaufgegangen und hatte sich daselbst niedergesetzt; und siehe, da ging der Löser vorüber, von welchem Boas geredet hatte. Da sprach er: Komm, setze dich her, du Soundso! 2 Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzet euch hier! Und sie setzten sich. 3 Da sprach er zu dem Löser: Naemi, die aus dem Gefilde Moab zurückgekommen ist, bietet das Stüc…"
Ruth 4,1-6 – „1 Boas aber war zum Tor hinaufgegangen und hatte sich daselbst niedergesetzt; und siehe, da ging der Löser vorüber, von welchem Boas geredet hatte. Da sprach er: Komm, setze dich her, du Soundso! 2 Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzet euch hier! Und sie setzten sich. 3 Da sprach er zu dem Löser: Naemi, die aus dem Gefilde Moab zurückgekommen ist, bietet das Stüc…"
3. Mose 25,25 – „25 Wenn dein Bruder verarmt und dir etwas von seiner Habe verkauft, so soll derjenige als Löser für ihn eintreten, der sein nächster Verwandter ist; derselbe soll lösen, was sein Bruder verkauft hat."
Ruth 3,12-13 – „12 Und nun, es ist wahr, daß ich ein Löser bin; aber es ist noch ein anderer Löser vorhanden, der näher verwandt ist als ich. 13 Bleibe über Nacht! Will er dich morgen lösen, wohlan, so löse er dich! Gelüstet es ihn aber nicht, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der HERR lebt!"
Boas handelt so entschlossen, wie Noomi es erwartet hatte. Er geht zum Stadttor und setzt sich dort nieder. In den Städten Israels war das Tor nicht nur ein Durchgang, sondern auch ein wichtiger Ort öffentlicher Entscheidungen. Hier konnten Rechtsangelegenheiten vor Zeugen geklärt werden. Boas versucht deshalb nicht, Ruths Zukunft durch eine private Absprache zu regeln, sondern bringt die Sache dorthin, wo sie öffentlich und verbindlich entschieden werden kann.
Der nähere Löser, von dem Boas Ruth bereits erzählt hatte, kommt tatsächlich vorbei. Sein Name wird im Buch nicht genannt. Boas ruft ihn herbei und bittet ihn, sich zu setzen. Anschließend nimmt er zehn Männer von den Ältesten der Stadt als Zeugen hinzu. Damit erhält das Gespräch einen offiziellen Rahmen. Was zwischen Ruth und Boas in der Nacht besprochen worden war, wird nun vor der Gemeinschaft rechtlich geklärt.
Boas beginnt mit dem Besitz Elimelechs. Er erklärt dem Verwandten, dass Noomi das Grundstück beziehungsweise den Anteil am Land verkaufen will, der ihrem verstorbenen Mann gehört hatte. Die genaue rechtliche Situation wird im Text nicht in allen Einzelheiten erläutert. Entscheidend ist, dass das Land mit Elimelechs Familie verbunden bleibt und ein naher Verwandter die Möglichkeit besitzt, als Löser einzutreten. Dies entspricht dem Grundgedanken aus 3. Mose 25, wonach Familienbesitz nicht endgültig aus der Sippe verschwinden sollte.
Zunächst ist der nähere Verwandte bereit. Vor den anwesenden Zeugen erklärt er: „Ich will es lösen.“ Aus seiner Sicht scheint die Sache damit zunächst klar zu sein. Das Land kann innerhalb der erweiterten Familie bewahrt werden, und er ist bereit, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen.
Boas macht jedoch deutlich, dass die Angelegenheit nicht allein das Grundstück betrifft. Mit dem Erwerb des Feldes ist auch Ruth, die Moabiterin und Witwe des verstorbenen Machlon, verbunden. Ziel ist, den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil fortbestehen zu lassen. Damit treten die beiden Linien, die das Buch bereits vorbereitet hat, offen zusammen: die Bewahrung des Familienbesitzes und die Bewahrung der Familie des verstorbenen Mannes.
An diesem Punkt ändert der nähere Verwandte seine Entscheidung. Er erklärt, dass er selbst nicht lösen könne, weil er sonst sein eigenes Erbteil gefährden würde. Was genau er wirtschaftlich oder familiär befürchtet, erklärt der Text nicht weiter. Deshalb wäre es spekulativ, ihm bestimmte Motive zuzuschreiben. Sicher ist nur, dass er nach Kenntnis der vollständigen Verpflichtung auf sein vorrangiges Löserrecht verzichtet.
Dann fordert er Boas auf, das Lösungsrecht an seiner Stelle wahrzunehmen. Damit wird die Schwierigkeit beseitigt, die Boas Ruth auf der Tenne offen genannt hatte. Er hat den näheren Verwandten nicht übergangen, unter Druck gesetzt oder heimlich ausgeschaltet. Dieser erhält seine rechtmäßige Möglichkeit und verzichtet aus eigener Entscheidung darauf.
Für Ruth ist dies ein entscheidender Wendepunkt, obwohl sie selbst bei diesem Gespräch nicht als handelnde Person beschrieben wird. Ihre Zukunft wird nicht dadurch gesichert, dass Boas eine bestehende Ordnung umgeht, sondern gerade dadurch, dass er sie respektiert. Seine Bereitschaft, Ruth zu lösen, wird nun mit einem rechtmäßigen Verzicht des näheren Verwandten verbunden.
Damit ist Boas frei, die Verantwortung zu übernehmen, zu der er sich gegenüber Ruth verpflichtet hatte. Doch die Angelegenheit muss noch öffentlich bestätigt werden. Vor den Ältesten und den übrigen Anwesenden wird Boas nun erklären, was er übernimmt – und dabei wird Ruth ausdrücklich in den Mittelpunkt seiner Verpflichtung treten.
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Boas übernimmt öffentlich die Verantwortung für Ruth
Ruth 4,7-12 – „7 Es war aber von alters her Sitte in Israel, bei der Lösung und beim Verkauf die ganze Sache also gültig zu machen: es zog einer seinen Schuh aus und gab ihn dem andern. Das war die Bestätigung in Israel. 8 So sprach nun der Löser zu Boas: Kauf du es für dich! und zog seinen Schuh aus. 9 Da sprach Boas zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß ich von Naemis Hand alles erkauf…"
Ruth 4,7-12 – „7 Es war aber von alters her Sitte in Israel, bei der Lösung und beim Verkauf die ganze Sache also gültig zu machen: es zog einer seinen Schuh aus und gab ihn dem andern. Das war die Bestätigung in Israel. 8 So sprach nun der Löser zu Boas: Kauf du es für dich! und zog seinen Schuh aus. 9 Da sprach Boas zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß ich von Naemis Hand alles erkauf…"
5. Mose 25,7-10 – „7 Gefällt es aber dem Mann nicht, seines Bruders Weib zu nehmen, so soll seines Bruders Weib hinaufgehen unter das Tor zu den Ältesten und sagen: Mein Schwager weigert sich, seinem Bruder einen Namen in Israel zu erwecken und will mir die Schwagerpflicht nicht leisten. 8 Dann sollen die Ältesten der Stadt ihn rufen lassen und mit ihm reden. Wenn er dann dabei bleibt und spricht: Es gefällt mir ni…"
Nachdem der nähere Verwandte auf sein Lösungsrecht verzichtet hat, wird die Entscheidung vor den Zeugen verbindlich gemacht. Das Buch Ruth erklärt dazu einen damaligen Brauch: Bei Lösungs- und Tauschgeschäften zog ein Beteiligter seinen Schuh aus und gab ihn dem anderen. Dies diente in Israel zur Bestätigung einer solchen Angelegenheit. Der Erzähler erläutert diesen Brauch ausdrücklich für seine Leser, weil er offenbar erklärungsbedürftig geworden war.
Der nähere Verwandte fordert Boas auf, das Recht für sich zu erwerben, und zieht seinen Schuh aus. Die Handlung darf nicht ohne Weiteres mit jedem Detail der Regelung aus 5. Mose 25 gleichgesetzt werden. Dort wird beschrieben, wie eine Witwe einem Mann, der die Schwagerehe verweigert, vor den Ältesten den Schuh auszieht und ihn öffentlich beschämt. In Ruth 4 dagegen erklärt der Erzähler den Schuh allgemein als Zeichen zur Bestätigung eines Rechtsgeschäfts. Die Texte stehen miteinander in Beziehung, sind aber nicht in jeder Einzelheit dieselbe Situation.
Nun wendet sich Boas an die Ältesten und an das versammelte Volk. Er erklärt sie zu Zeugen dafür, dass er alles übernimmt, was Elimelech sowie Kiljon und Machlon gehörte. Damit wird die Verbindung zum Besitz der verstorbenen Familie öffentlich festgestellt. Boas handelt nicht lediglich aus persönlicher Zuneigung zu Ruth, sondern übernimmt eine konkrete Verantwortung innerhalb der Familie, deren Zukunft nach den Todesfällen bedroht war.
Dann nennt er Ruth ausdrücklich. Er erklärt, dass er „Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons“, zur Frau nimmt. Ihre Vergangenheit wird dabei nicht ausgelöscht. Sie bleibt als Moabiterin bezeichnet und zugleich als Witwe Machlons eingeordnet. Gerade diese genaue Benennung macht sichtbar, dass Boas nicht so handelt, als hätte Ruth keine frühere Familiengeschichte. Seine Entscheidung steht vielmehr ausdrücklich im Dienst daran, den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil zu erhalten.
Boas nennt dieses Ziel selbst: Der Name des Verstorbenen soll unter seinen Brüdern und am Tor seines Ortes nicht ausgelöscht werden. Damit ist die Ehe mit Ruth unmittelbar mit der Bewahrung der Familienlinie verbunden. Das bedeutet nicht, dass Ruth lediglich als Mittel für ein Erbrecht behandelt wird. Der bisherige Bericht hat Boas' Wertschätzung für sie persönlich klar gezeigt. Doch die öffentliche Erklärung macht deutlich, dass ihre Verbindung zugleich eine Verantwortung gegenüber der verstorbenen Familie umfasst.
Die Ältesten und alle Menschen am Tor bestätigen: „Wir sind Zeugen.“ Danach sprechen sie einen Segen über Ruth und Boas aus. Sie wünschen, dass der HERR die Frau, die in das Haus des Boas kommt, wie Rahel und Lea machen möge, die beide das Haus Israel aufgebaut haben. Damit wird Ruth, die weiterhin ausdrücklich als Moabiterin bezeichnet wird, in die Geschichte der Stammmütter Israels hineingestellt. Was einst als Weg einer Fremden nach Bethlehem begann, wird nun öffentlich innerhalb des Volkes anerkannt.
Der Segen erinnert außerdem an Perez, den Sohn Tamars und Judas. Diese Erwähnung ist besonders bedeutsam, weil Boas selbst aus der Linie des Perez stammt. Der Stammbaum am Ende des Buches wird diese Verbindung ausdrücklich aufnehmen. Die Geschichte Ruths wird dadurch schon hier in eine größere familiäre Linie gestellt, ohne dass die Anwesenden bereits wissen können, welche spätere heilsgeschichtliche Bedeutung ihre Nachkommen erhalten werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Ruth keinen Anspruch darauf, dass gerade Boas sie heiraten müsse. Ein näherer Verwandter besaß Vorrang, und dessen Entscheidung musste zuerst geklärt werden. Nun ist dieses Hindernis beseitigt. Was Boas Ruth in der Nacht zugesagt hatte, ist am Tor von Bethlehem öffentlich bestätigt worden. Seine Worte gegenüber Ruth erweisen sich als verlässlich.
Damit endet Ruths Zeit als verwitwete Fremde ohne gesicherte familiäre Zukunft. Der Weg, der mit ihrer Entscheidung für Noomi und den Gott Israels begann, führt nun in das Haus des Boas. Doch das Buch Ruth bleibt auch an diesem Punkt nicht bei einer menschlichen Eheschließung stehen. Im nächsten entscheidenden Ereignis tritt ausdrücklich der HERR als Handelnder hervor, und aus der Verbindung von Ruth und Boas geht ein Sohn hervor, dessen Bedeutung weit über ihre eigene Generation hinausreichen wird.
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Ruth wird Mutter und Noomis Leere wird gewendet
Ruth 4,13-17 – „13 Also nahm Boas die Ruth, und sie ward sein Weib, und er kam zu ihr. Der HERR aber verlieh ihr, daß sie empfing und einen Sohn gebar. 14 Da sprachen die Weiber zu Naemi: Gelobt sei der HERR, der dir zu dieser Zeit einen Löser nicht versagt hat! Sein Name werde genannt in Israel! 15 Der wird nun deine Seele erquicken und dich in deinem Alter versorgen; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt…"
Ruth 4,13-17 – „13 Also nahm Boas die Ruth, und sie ward sein Weib, und er kam zu ihr. Der HERR aber verlieh ihr, daß sie empfing und einen Sohn gebar. 14 Da sprachen die Weiber zu Naemi: Gelobt sei der HERR, der dir zu dieser Zeit einen Löser nicht versagt hat! Sein Name werde genannt in Israel! 15 Der wird nun deine Seele erquicken und dich in deinem Alter versorgen; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt…"
Psalmen 113,9 – „9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen macht, daß sie eine fröhliche Mutter von Kindern wird. Hallelujah!"
Nachdem die rechtliche Angelegenheit am Tor geklärt ist, nimmt Boas Ruth zur Frau. Der Bericht beschreibt die Eheschließung mit wenigen Worten und richtet den Blick unmittelbar auf das, was danach geschieht. Ruth wird schwanger und bringt einen Sohn zur Welt. Dabei nennt der Text ausdrücklich den HERRN als Handelnden: Er gibt ihr, schwanger zu werden. Nach den Jahren ihrer ersten Ehe, in denen keine Kinder erwähnt werden, steht die Geburt damit ausdrücklich unter Gottes gnädigem Handeln.
Die Bibel erklärt nicht, warum Ruth während ihrer Ehe mit Machlon kinderlos geblieben war. Ebenso nennt sie keinen medizinischen oder geistlichen Grund dafür. Es wäre deshalb falsch, aus ihrem früheren Zustand auf Schuld, mangelnden Glauben oder eine göttliche Strafe zu schließen. Gerade die knappe Formulierung des Erzählers bewahrt vor solchen Spekulationen: Jetzt schenkt der HERR ihr ein Kind. Mehr wird über die Ursache des Vorherigen nicht gesagt.
Auffällig ist, dass der Bericht nach der Geburt zunächst nicht Ruths Reaktion schildert, sondern die Frauen Bethlehems zu Noomi sprechen. Sie preisen den HERRN dafür, dass er ihr an diesem Tag einen Löser nicht fehlen ließ. Der Begriff erhält hier einen weiteren Horizont. Zuvor war Boas der handelnde Löser gewesen; nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf den geborenen Sohn und auf die Zukunft, die mit ihm für Noomis Familie verbunden ist.
Die Frauen wünschen, dass der Name dieses Kindes in Israel bekannt werde. Zugleich beschreiben sie, was seine Geburt für Noomi bedeutet: Er soll ihre Seele erquicken und sie im Alter versorgen. Damit wird die Geschichte zu dem Punkt zurückgeführt, an dem Noomi nach Bethlehem gekommen war und sich selbst als leer bezeichnet hatte. Der Verlust ihres Mannes und ihrer Söhne wird dadurch nicht ungeschehen gemacht. Doch ihre Zukunft ist nicht mehr nur von diesem Verlust bestimmt.
Dann sprechen die Frauen über Ruth selbst. Sie nennen sie die Schwiegertochter, die Noomi liebt, und erklären, dass sie für Noomi besser sei als sieben Söhne. Diese Aussage erhält besonderes Gewicht im damaligen familiären Zusammenhang, in dem Söhne für Fortbestand, Erbe und Versorgung große Bedeutung besaßen. Die Frauen stellen Ruth damit nicht nur als hilfreiche Begleiterin dar, sondern würdigen ausdrücklich den außergewöhnlichen Wert ihrer Treue zu Noomi.
Diese Bewertung bestätigt rückblickend eine Entwicklung, die bereits seit Moab sichtbar war. Ruth hatte sich Noomi angeschlossen, ohne zu wissen, welche Zukunft sie in Bethlehem erwartete. Sie hatte gearbeitet, für ihre Schwiegermutter gesorgt und sich an deren Volk und Gott gebunden. Nun wird gerade diese moabitische Frau von den Frauen Bethlehems als ein besonderer Segen für Noomi bezeichnet.
Noomi nimmt das Kind, legt es an ihren Schoß und wird seine Pflegerin. Der Text sagt damit nicht, dass sie an Ruths Stelle zur Mutter des Kindes wird. Ruth bleibt seine leibliche Mutter. Noomis besondere Beziehung zu dem Sohn macht vielmehr sichtbar, wie eng seine Geburt mit der Wiederherstellung ihrer Familiengeschichte verbunden ist.
Die Nachbarinnen geben dem Kind den Namen Obed und sagen: „Der Noomi ist ein Sohn geboren.“ Diese Formulierung ist im Zusammenhang familiär und heilsgeschichtlich zu verstehen, nicht biologisch. Der Sohn Ruths und des Boas wird zugleich zum Träger einer Zukunft, die Noomis verlorene Familienlinie fortführt. Was nach dem Tod Elimelechs, Machlons und Kiljons wie das Ende dieser Familie ausgesehen hatte, erhält nun eine neue Generation.
Der Erzähler fügt schließlich eine Information hinzu, deren Bedeutung Ruth und Noomi in ihrer eigenen Lebenszeit nicht überblicken konnten: Obed wird der Vater Isais und Isai der Vater Davids. Damit öffnet sich die Geschichte über das persönliche Glück einer Familie hinaus. Aus Ruths Entscheidung, beim Gott Israels Zuflucht zu suchen, ist eine Linie hervorgegangen, die in der Geschichte Israels noch eine weit größere Bedeutung erhalten wird.
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Ruth wird Teil der Linie Davids und des Messias
Ruth 4,18-22 – „18 Und dies ist der Stammbaum des Perez: 19 Perez zeugte Hezron, Hezron zeugte Ram, Ram zeugte Amminadab, 20 Amminadab zeugte Nahasson, Nahasson zeugte Salmon, 21 Salmon zeugte Boas, Boas zeugte Obed, Obed zeugte Isai, 22 Isai zeugte David."
Ruth 4,18-22 – „18 Und dies ist der Stammbaum des Perez: 19 Perez zeugte Hezron, Hezron zeugte Ram, Ram zeugte Amminadab, 20 Amminadab zeugte Nahasson, Nahasson zeugte Salmon, 21 Salmon zeugte Boas, Boas zeugte Obed, Obed zeugte Isai, 22 Isai zeugte David."
Matthäus 1,5-6 – „5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, Boas zeugte den Obed mit der Ruth, Obed zeugte den Jesse, 6 Jesse zeugte den König David. Der König David zeugte den Salomo mit dem Weibe Urias,"
1. Chronik 2,11-12 – „11 Und Nachschon zeugte Salma, Salma zeugte Boas. 12 Boas zeugte Obed, Obed zeugte Isai,"
Nach der Geburt Obeds endet die eigentliche erzählte Lebensgeschichte Ruths. Die Bibel berichtet nicht, wie lange sie danach lebte, wie ihr weiteres Familienleben mit Boas aussah oder wann und unter welchen Umständen sie starb. Statt diese unbekannten Jahre auszuschmücken, richtet das Buch seinen Blick auf die Nachkommen, durch die Ruths Bedeutung weit über ihr eigenes Leben hinausreicht.
Die abschließenden Verse beginnen mit Perez und führen die Linie über Hezron, Ram, Amminadab, Nachschon und Salmon bis zu Boas. Von Boas geht sie weiter zu Obed, von Obed zu Isai und schließlich zu David. Dadurch erhält die gesamte Erzählung rückblickend einen größeren heilsgeschichtlichen Rahmen. Ruths Geschichte ist nicht nur die Geschichte einer Witwe, die in Bethlehem eine neue Familie fand. Sie wurde Teil jener Abstammungslinie, aus der Israels bedeutendster König hervorgehen sollte.
Dieser Stammbaum ist zugleich der Grund dafür, dass das Buch Ruth nicht einfach mit der Geburt Obeds endet. Die letzten Worte führen ausdrücklich zu David. In der Zeit, in der Ruth lebte, war Davids Königtum noch Zukunft. Der biblische Leser erfährt jedoch, dass die scheinbar kleine Familiengeschichte während der Richterzeit mit der späteren Geschichte des Königtums Israels verbunden ist.
Auch 1. Chronik nimmt diese Linie wieder auf. Dort erscheint Obed als Sohn des Boas, Isai als Sohn Obeds und David als Sohn Isais. Ruth selbst wird in dieser kurzen genealogischen Folge nicht nochmals namentlich genannt, doch die Verbindung aus dem Buch Ruth macht eindeutig, dass sie zur mütterlichen Linie Obeds gehört. Ihre Geschichte bleibt dadurch mit der Herkunft Davids verbunden, auch wenn spätere Stammbäume häufig vor allem die männliche Abstammungsfolge nennen.
Noch weiter reicht der Rückblick im Neuen Testament. Matthäus nennt Ruth ausdrücklich im Stammbaum Jesu Christi: Salmon zeugte Boas mit Rahab, Boas zeugte Obed mit Ruth, Obed zeugte Isai und Isai den König David. Damit wird Ruths Name nicht lediglich indirekt vorausgesetzt, sondern ausdrücklich festgehalten. Eine Frau, die ursprünglich als Moabiterin nach Bethlehem gekommen war, wird im Evangelium als Teil der menschlichen Abstammung Jesu genannt.
Diese Verbindung ist keine nachträgliche symbolische Ähnlichkeit, sondern eine ausdrücklich vom Neuen Testament bezeugte genealogische Linie. Ruth ist deshalb sicher mit der messianischen Geschichte verbunden. Über Obed, Isai und David führt ihre Nachkommenschaft in jene königliche Linie, aus der Jesus Christus nach dem Fleisch hervorgegangen ist. Ihre Bedeutung für den Erlösungsplan beruht damit nicht auf einer frei konstruierten Typologie, sondern auf dem ausdrücklichen Zeugnis der Schrift.
Gerade ihre Herkunft erhält dabei besonderes Gewicht. Ruth wurde nicht als Israelitin geboren. Zu Beginn ihrer Geschichte wird sie wiederholt als Moabiterin bezeichnet. Dennoch fand sie Zuflucht beim Gott Israels und wurde nicht nur innerhalb des Volkes aufgenommen, sondern schließlich in die Linie des Messias einbezogen. Das Neue Testament verschweigt ihre Herkunftsgeschichte nicht, sondern bewahrt ihren Namen dort, wo die Abstammung Christi entfaltet wird.
Daraus folgt jedoch nicht, dass Ruth wegen ihrer Abstammung oder wegen außergewöhnlicher eigener Verdienste einen Anspruch auf diese Stellung gehabt hätte. Ihre Geschichte ist von Entscheidungen geprägt, doch zugleich von einer Führung, deren ganze Tragweite sie selbst nicht überblicken konnte. Als sie Noomi versprach, bei ihr zu bleiben und ihren Gott als ihren Gott anzunehmen, wusste sie nichts von David und noch weniger von der späteren Geburt Christi.
Gerade darin liegt eine der stärksten heilsgeschichtlichen Linien ihres Lebens. Gott führt seine Verheißung nicht nur durch Könige, Propheten und sichtbare Machtereignisse weiter. Im Buch Ruth geschieht Entscheidendes durch eine verwitwete Fremde, eine ältere Frau, einen rechtschaffenen Verwandten, gewöhnliche Erntearbeit und eine öffentlich geregelte Familienangelegenheit. Was im menschlichen Alltag klein erscheint, wird in Gottes größerer Geschichte Teil der Vorbereitung auf den verheißenen König.
Mit Matthäus 1 erreicht die spätere biblische Nachwirkung Ruths ihren deutlichsten Höhepunkt. Der Sohn, den Ruth gebar, stand am Anfang einer Linie, die über David schließlich zu Jesus Christus führt. Damit wird ihr Name dauerhaft mit jener Hoffnung verbunden, die weit über Bethlehem zur Zeit der Richter hinausreicht: Gott führt seinen Erlösungsplan durch Generationen hindurch weiter und nimmt dabei auch Menschen in seine Geschichte auf, die ihrer Herkunft nach außerhalb Israels standen.
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Zusammenfassung und Gebet
Ruths Lebensgeschichte gehört zu den stillen Erzählungen der Bibel, in denen Gottes Handeln nicht vor allem durch sichtbare Wunder, große politische Ereignisse oder außergewöhnliche Offenbarungen hervortritt. Vieles geschieht im gewöhnlichen Leben: Menschen ziehen wegen einer Hungersnot fort, eine Familie erlebt Tod und Verlust, eine Witwe sammelt Ähren auf einem Feld, ein wohlhabender Mann entscheidet sich für Barmherzigkeit, und eine rechtliche Angelegenheit wird vor den Ältesten einer Stadt geklärt. Erst im Rückblick wird sichtbar, wie diese einzelnen Ereignisse zu einer Geschichte zusammengehören, deren Bedeutung weit über Ruths eigenes Leben hinausreicht.
Ruth selbst wird nicht als Frau vorgestellt, deren Herkunft ihr einen besonderen Platz in Israel gesichert hätte. Sie war eine Moabiterin und damit eine Fremde, als sie nach Bethlehem kam. Auch ihre Vergangenheit wird nicht ausgeschmückt. Die Bibel erzählt weder von ihrer Kindheit noch davon, wann sie erstmals vom Gott Israels hörte. Was sie jedoch ausdrücklich festhält, ist ihre Entscheidung: Ruth wollte bei Noomi bleiben, Noomis Volk zu ihrem Volk machen und den Gott Israels als ihren Gott anerkennen. Diese Bindung blieb kein bewegendes Bekenntnis ohne Folgen. Sie bestimmte den Weg, den Ruth anschließend tatsächlich ging.
Ihre Treue zeigt sich dabei gerade in den unscheinbaren Bereichen ihres Lebens. Ruth verlässt ihre Heimat, begleitet Noomi nach Bethlehem, arbeitet für ihren gemeinsamen Lebensunterhalt und sorgt dafür, dass ihre Schwiegermutter an dem teilhat, was sie erhält. Die Bibel erhebt sie nicht durch große Reden oder ein öffentliches Amt. Ihr Charakter wird vielmehr durch konkrete Entscheidungen sichtbar. Selbst Boas kennt ihren Ruf und spricht davon, was sie für Noomi getan hat. Die Frauen Bethlehems fassen diese Beziehung am Ende mit ungewöhnlich starken Worten zusammen, wenn sie Ruth als die Schwiegertochter bezeichnen, die Noomi liebt und ihr besser ist als sieben Söhne.
Doch das Buch Ruth ist nicht nur eine Geschichte menschlicher Treue. Hinter Ruths Entscheidungen steht eine Fürsorge Gottes, deren ganze Tragweite sie selbst lange nicht erkennen kann. Sie geht hinaus, um Nahrung zu sammeln, und gelangt auf das Feld des Boas. Dort begegnet sie einem Mann, der Gottes Gebot gegenüber Armen und Fremden nicht nur formal erfüllt, sondern ihr Schutz, Nahrung und Würde gewährt. Boas erkennt in Ruth eine Frau, die beim Gott Israels Zuflucht gesucht hat. Was für Ruth zunächst wie ein gewöhnlicher Tag der Arbeit beginnt, wird damit Teil einer Führung, die erst Schritt für Schritt sichtbar wird.
Auch Noomis Geschichte wird darin mitgetragen. Sie kehrt nach Bethlehem zurück und beschreibt sich selbst als leer. Ihr Schmerz wird von der Bibel nicht beschönigt. Der Tod ihres Mannes und ihrer beiden Söhne bleibt wirklicher Verlust. Dennoch zeigt ihre weitere Geschichte, dass gegenwärtige Leere nicht bedeutet, dass Gott aufgehört hat zu handeln. Durch Ruth, durch die Ernte, durch Boas und schließlich durch die Geburt Obeds entsteht eine Zukunft, die Noomi zu Beginn ihrer Rückkehr noch nicht sehen konnte. Die Frauen Bethlehems preisen deshalb am Ende ausdrücklich den HERRN.
Boas nimmt innerhalb dieser Geschichte eine besondere Stellung ein. Er nutzt Ruths Schutzlosigkeit nicht aus, sondern bewahrt ihren Ruf, behandelt sie großzügig und respektiert die Ordnung des Lösungsrechts. Selbst als Ruth ihn bittet, als Löser einzutreten, übergeht er den näheren Verwandten nicht. Er lässt die Angelegenheit öffentlich und vor Zeugen entscheiden und übernimmt erst dann die Verantwortung für Ruth und die Familie ihres verstorbenen Mannes. So verbindet die Erzählung Güte mit Recht, persönliche Zuwendung mit Verantwortung und großzügiges Handeln mit Verlässlichkeit.
Ruths Geschichte endet jedoch nicht bei einer glücklichen Ehe oder bei der Geburt eines Kindes. Obed wird der Vater Isais und Isai der Vater Davids. Damit wird aus der Familiengeschichte einer moabitischen Witwe ein Teil der Geschichte des davidischen Königtums. Noch deutlicher wird diese Bedeutung im Neuen Testament, denn Matthäus nennt Ruth ausdrücklich im Stammbaum Jesu Christi. Der Weg der Frau, die einst als Fremde nach Bethlehem gekommen war, findet damit einen Platz in jener Abstammungslinie, durch die der verheißene Messias in die Welt kam.
Darin liegt das bleibende Gewicht ihres Lebens. Ruth konnte nicht wissen, wohin ihre Entscheidung führen würde, als sie Noomi versprach, bei ihr zu bleiben. Sie kannte weder David noch die Generationen, die nach ihm kommen würden. Doch der Gott, unter dessen Flügeln sie Zuflucht gesucht hatte, führte seine Geschichte weiter. Ruths Leben verbindet deshalb menschliche Treue mit göttlicher Gnade, verantwortliches Handeln mit einer Führung, die größer ist als das unmittelbar Sichtbare. Und am Ende führt ihre Geschichte nicht nur zu einem neuen Zuhause in Bethlehem, sondern innerhalb des biblischen Erlösungsplans bis zu Jesus Christus.
Herr, unser Gott, wir danken dir, dass deine Treue auch dort wirkt, wo Menschen den weiteren Weg noch nicht erkennen können. Danke für das Zeugnis Ruths und dafür, dass du einen Menschen, der bei dir Zuflucht sucht, nicht nach Herkunft oder äußerer Stellung beurteilst. Schenke uns ein Vertrauen, das dir auch in unsicheren Zeiten folgt, eine Treue, die sich im Alltag bewährt, und ein Herz, das anderen mit Güte und Verantwortung begegnet. Hilf uns, unsere Hoffnung nicht auf das Sichtbare zu begrenzen, sondern auf dich und deine Führung zu vertrauen. Amen.
„Wie köstlich ist deine Gnade, o Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht finden!“ Psalm 36,8