Rebekka
Rebekka in der Bibel: Bedeutung, Geschichte und Glaubensimpulse
Rebekka ist die Frau Isaaks und die Mutter der Zwillinge Esau und Jakob. Sie gehört damit zur Familie, durch die Gott die Abraham gegebene Bundesverheißung weiterführte. Die Bibel zeigt sie als eine Frau, deren Leben von entschlossenem Handeln, göttlicher Führung, familiären Spannungen und folgenreichen Entscheidungen geprägt wurde.
Einführung
Rebekkas Geschichte beginnt nicht in Kanaan, sondern weit entfernt von dem Land, in dem Abraham und Isaak lebten. Ihre Herkunft führt zurück zur Familie Abrahams in Mesopotamien. Sie war eine Tochter Bethuels und eine Schwester Labans; Bethuel wiederum war ein Sohn Nahors, des Bruders Abrahams. Damit gehörte Rebekka zur weiteren Verwandtschaft jener Familie, mit der Gottes Verheißung an Abraham begonnen hatte.
Als die Bibel Rebekka erstmals ausführlicher vorstellt, steht Isaaks Zukunft im Mittelpunkt. Sara war gestorben, Abraham war alt geworden, und Isaak war noch unverheiratet. Für Abraham war die Wahl einer Frau für seinen Sohn eng mit Gottes Zusage über die kommende Nachkommenschaft verbunden. Deshalb wollte er nicht, dass Isaak eine Frau aus den Töchtern der Kanaaniter nahm. Zugleich sollte Isaak das verheißene Land nicht verlassen, um in die Heimat seiner Verwandten zurückzukehren.
Abraham übertrug diese Aufgabe seinem ältesten Knecht. Er sollte in das Land von Abrahams Verwandtschaft ziehen und dort eine Frau für Isaak suchen. Abraham gab ihm keine Garantie dafür, welche Frau ihm begegnen würde. Stattdessen vertraute er darauf, dass der Gott, der ihn selbst aus seiner früheren Heimat geführt und ihm das Land verheißen hatte, seinen Engel vor dem Knecht hersenden würde.
Damit tritt Rebekka in die biblische Geschichte ein, ohne zunächst zu wissen, welche Bedeutung dieser gewöhnlich wirkende Tag für ihr weiteres Leben haben würde. Während Abrahams Knecht vor einer Stadt in Mesopotamien bei einem Brunnen anhielt und Gott um Führung bat, kam eine junge Frau mit ihrem Krug heraus, um Wasser zu schöpfen. Ihr Name war Rebekka.
Rebekka begegnet Abrahams Knecht am Brunnen
1. Mose 24,15-21 – „15 Und ehe er ausgeredet hatte, siehe, da kam heraus Rebekka, die Tochter Bethuels, der ein Sohn der Milka, des Weibes Nahors, des Bruders Abrahams war; die trug einen Krug auf ihrer Achsel. 16 Und sie war von Angesicht eine sehr schöne Tochter, eine Jungfrau, und kein Mann hatte sie erkannt; die stieg zum Brunnen hinab und füllte ihren Krug und stieg herauf. 17 Da lief der Knecht ihr entgegen un…"
1. Mose 24,15-21 – „15 Und ehe er ausgeredet hatte, siehe, da kam heraus Rebekka, die Tochter Bethuels, der ein Sohn der Milka, des Weibes Nahors, des Bruders Abrahams war; die trug einen Krug auf ihrer Achsel. 16 Und sie war von Angesicht eine sehr schöne Tochter, eine Jungfrau, und kein Mann hatte sie erkannt; die stieg zum Brunnen hinab und füllte ihren Krug und stieg herauf. 17 Da lief der Knecht ihr entgegen un…"
1. Mose 24,10-14 – „10 Und der Knecht nahm zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und allerlei Güter seines Herrn, und machte sich auf und zog nach Mesopotamien, zu der Stadt Nahors. 11 Da ließ er die Kamele draußen vor der Stadt sich lagern bei einem Wasserbrunnen am Abend, zur Zeit, da die Jungfrauen herauszugehen pflegten, um Wasser zu schöpfen. 12 Und er sprach: O HERR, du Gott meines Herrn Abraham, laß es mir…"
1. Mose 24,22-27 – „22 Als nun die Kamele alle getrunken hatten, nahm er einen goldenen Ring, einen halben Schekel schwer, und zwei Armbänder an ihre Hände, zehn Schekel Goldes schwer, 23 und sprach: Sage mir doch, wessen Tochter bist du? Haben wir in deines Vaters Hause auch Platz zu herbergen? 24 Sie sprach zu ihm: Ich bin Bethuels Tochter, des Sohnes der Milka, den sie dem Nahor geboren hat. 25 Und sie sagte weit…"
Noch während Abrahams Knecht betete, erschien Rebekka am Brunnen. Der Erzähler nennt sofort ihre Herkunft: Sie war die Tochter Bethuels, des Sohnes Milkas und Nahors, des Bruders Abrahams. Damit gehörte sie genau zu jener Verwandtschaft, zu der Abraham seinen Knecht geschickt hatte. Doch der Knecht wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wer sie war. Für ihn war sie zunächst eine junge Frau, die mit ihrem Krug zum Wasser kam.
Kurz zuvor hatte er Gott um ein konkretes Zeichen gebeten. Die Frau, die für Isaak bestimmt sein sollte, möge nicht nur ihm Wasser geben, sondern von sich aus anbieten, auch seine Kamele zu tränken. Diese Bitte war nicht völlig losgelöst von der Aufgabe: Der Knecht suchte eine Frau, deren Bereitschaft zu helfen in ihrem tatsächlichen Verhalten sichtbar würde. Dennoch sollte seine Bitte nicht als allgemeines Muster verstanden werden, nach dem Menschen beliebige Zeichen von Gott verlangen dürfen. In dieser besonderen Situation bat er um Führung bei einer Aufgabe, die Abraham ausdrücklich mit Gottes Verheißung verbunden hatte.
Als der Knecht Rebekka um etwas Wasser aus ihrem Krug bat, reagierte sie sofort. Sie gab ihm zu trinken und bot anschließend von sich aus an, auch für seine Kamele Wasser zu schöpfen, bis sie genug getrunken hätten. Genau das entsprach der Bitte, die der Knecht unmittelbar zuvor vor Gott ausgesprochen hatte. Der Text beschreibt Rebekkas Verhalten dabei nicht mit abstrakten Charakterbegriffen, sondern lässt ihre Handlungen für sich sprechen: Sie schöpfte wiederholt Wasser und versorgte die Tiere eines ihr unbekannten Reisenden.
Der Knecht beobachtete sie schweigend. Noch wollte er wissen, ob der HERR seine Reise tatsächlich zum Ziel geführt hatte. Erst nachdem die Kamele genug getrunken hatten, gab er Rebekka Schmuck und fragte sie nach ihrer Herkunft sowie danach, ob im Haus ihres Vaters Platz zum Übernachten vorhanden sei. Nun erhielt er die entscheidende Antwort: Sie war eine Nachkommin Nahors und gehörte damit zur Familie Abrahams. Außerdem erklärte sie, dass bei ihnen sowohl Futter als auch genügend Raum für eine Übernachtung vorhanden seien.
Für den Knecht verbanden sich nun mehrere Einzelheiten zu einem klaren Ganzen. Er war in die Gegend von Abrahams Verwandtschaft gelangt, hatte am Brunnen um Führung gebetet, Rebekka hatte genau in der erbetenen Weise gehandelt, und anschließend erwies sie sich als Angehörige der gesuchten Familie. Seine Reaktion richtete sich deshalb unmittelbar auf Gott. Er neigte sich nieder und pries den HERRN dafür, dass er Abraham seine Güte und Treue nicht entzogen und ihn auf dem richtigen Weg zum Haus seiner Verwandten geführt hatte.
Bemerkenswert ist, dass Rebekka selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, warum dieser Mann gekommen ist. Der Leser erkennt bereits Gottes Führung hinter der Begegnung, während für sie zunächst lediglich ein Fremder am Brunnen steht, dem sie Wasser gegeben hat. Die Bibel schildert ihre ersten Schritte deshalb ohne vorausgesetztes Wissen über ihre spätere Rolle. Ihre Bedeutung entfaltet sich aus dem, was nun nach und nach offenbar wird.
Rebekka lief nach Hause und berichtete ihrer Familie, was geschehen war. Damit verlagerte sich die Begegnung vom Brunnen in das Haus ihrer Familie. Dort würde der Knecht erstmals offenlegen, wer ihn gesandt hatte, warum er diese weite Reise unternommen hatte und welche Entscheidung nun unmittelbar auch Rebekkas eigenes Leben betraf.
Rebekka entscheidet sich, mitzugehen
1. Mose 24,50-58 – „50 Da antworteten Laban und Bethuel und sprachen: Das ist vom HERRN gekommen, darum können wir nichts wider dich reden, weder Böses noch Gutes! 51 Da ist Rebekka vor dir, nimm sie und ziehe hin, daß sie das Weib des Sohnes deines Herrn sei, wie der HERR geredet hat! 52 Als nun Abrahams Knecht ihre Worte hörte, bückte er sich vor dem HERRN zur Erde. 53 Und er zog hervor silberne und goldene Kleino…"
1. Mose 24,50-58 – „50 Da antworteten Laban und Bethuel und sprachen: Das ist vom HERRN gekommen, darum können wir nichts wider dich reden, weder Böses noch Gutes! 51 Da ist Rebekka vor dir, nimm sie und ziehe hin, daß sie das Weib des Sohnes deines Herrn sei, wie der HERR geredet hat! 52 Als nun Abrahams Knecht ihre Worte hörte, bückte er sich vor dem HERRN zur Erde. 53 Und er zog hervor silberne und goldene Kleino…"
1. Mose 24,28-49 – „28 Und die Tochter lief und sagte solches alles im Hause ihrer Mutter. 29 Und Rebekka hatte einen Bruder, der hieß Laban. Und Laban lief geschwind zu dem Manne draußen bei dem Brunnen. 30 Und es geschah, als er den Ring und die Armbänder an den Händen seiner Schwester sah und die Worte seiner Schwester Rebekka hörte, die sprach: Also hat der Mann zu mir geredet! da kam er zu dem Manne, und siehe,…"
1. Mose 24,59-61 – „59 Also ließen sie Rebekka, ihre Schwester, mit ihrer Amme, samt dem Knecht Abrahams und seinen Leuten ziehen. 60 Und sie segneten Rebekka und sprachen zu ihr: Du bist unsre Schwester, werde zu vieltausendmal Tausenden, und dein Same besitze die Tore seiner Feinde! 61 Also machten sich Rebekka und ihre Mägde auf und setzten sich auf die Kamele und zogen dem Manne nach. Und der Knecht nahm Rebekka…"
Nachdem Rebekka nach Hause gelaufen war, kam ihr Bruder Laban zu dem Knecht hinaus und lud ihn in das Haus der Familie ein. Dort wurden die Kamele versorgt und dem Reisenden Essen vorgesetzt. Doch bevor er aß, bestand der Knecht darauf, zunächst den Grund seiner Reise zu erklären. Damit wurde aus der überraschenden Begegnung am Brunnen eine Entscheidung, die Rebekkas gesamtes weiteres Leben verändern sollte.
Der Knecht berichtete ausführlich von Abraham, den Gott reich gesegnet hatte, und von dessen Sohn Isaak. Er erklärte, dass Abraham ihm einen Eid abgenommen hatte: Für Isaak sollte er keine Frau aus den Töchtern Kanaans nehmen, sondern aus Abrahams eigener Verwandtschaft. Ebenso erzählte er von Abrahams Vertrauen, dass der HERR seinen Engel mit ihm senden und seine Reise gelingen lassen werde. Der Auftrag war damit nicht lediglich die private Suche eines Vaters nach einer passenden Schwiegertochter, sondern stand im Zusammenhang mit der Familie, durch die Gottes Verheißung weitergetragen werden sollte.
Anschließend schilderte der Knecht sein Gebet am Brunnen und Rebekkas Verhalten. Noch bevor er seine Bitte zu Ende gesprochen hatte, war sie erschienen. Sie hatte ihm Wasser gegeben und von sich aus auch die Kamele getränkt. Erst danach hatte er nach ihrer Familie gefragt und erfahren, dass sie tatsächlich zur Verwandtschaft Abrahams gehörte. Der Knecht deutete diese Abfolge ausdrücklich als Führung Gottes und erklärte der Familie nun, weshalb er Rebekka für Isaak mitnehmen wollte.
Bethuel und Laban antworteten, dass die Sache vom HERRN ausgegangen sei. Sie erklärten sich damit einverstanden, dass Rebekka mit dem Knecht ziehen und Isaaks Frau werden sollte. Der Knecht fiel daraufhin vor dem HERRN nieder. Danach brachte er silberne und goldene Gegenstände sowie Kleider hervor und gab sie Rebekka; auch ihrem Bruder und ihrer Mutter überreichte er kostbare Gaben. Die Vereinbarung war damit getroffen, doch eine entscheidende Frage blieb noch offen: Wann sollte Rebekka ihre Familie verlassen?
Am folgenden Morgen wollte der Knecht unverzüglich zu Abraham zurückkehren. Rebekkas Bruder und ihre Mutter baten jedoch darum, sie noch einige Tage bei sich behalten zu dürfen. Der Knecht drängte darauf, nicht aufgehalten zu werden, weil der HERR seine Reise hatte gelingen lassen. Daraufhin traf die Familie eine bemerkenswerte Entscheidung: Sie wollten Rebekka selbst fragen. Ihre Antwort wird in der Bibel mit wenigen Worten festgehalten: „Ich will gehen.“
Damit tritt Rebekka erstmals ausdrücklich als jemand hervor, der selbst eine weitreichende Entscheidung trifft. Sie erklärte sich bereit, ihre Familie und ihre vertraute Umgebung zu verlassen und mit einem Knecht zu einem Mann zu reisen, den sie noch nicht persönlich kannte. Der Text berichtet nicht, welche Gedanken oder Gefühle sie dabei bewegten. Sicher ist jedoch, dass sie nicht gegen ihren ausgesprochenen Willen fortgeschickt wurde. Als sie gefragt wurde, gab sie ihre Zustimmung.
Bevor Rebekka aufbrach, segnete ihre Familie sie. Sie wünschte ihr eine überaus zahlreiche Nachkommenschaft und dass ihre Nachkommen das Tor ihrer Feinde besitzen sollten. Diese Worte stehen in auffälliger Nähe zu der Verheißung, die Gott zuvor Abraham nach der Opferung Isaaks gegeben hatte. Der Bericht erklärt an dieser Stelle nicht, in welchem Umfang Rebekkas Familie die frühere göttliche Verheißung kannte. Fest steht jedoch, dass ihr Aufbruch mit einem Segen verbunden wurde, dessen Inhalt später innerhalb ihrer Nachkommenschaft große Bedeutung gewinnen sollte.
Rebekka machte sich schließlich mit ihren Mägden auf den Weg. Auch ihre Amme zog mit ihr, die später als Debora namentlich erwähnt wird. Sie folgte Abrahams Knecht und verließ damit das Haus, in dem ihre bisherige Lebensgeschichte gespielt hatte. Die Frau, die am Brunnen noch nichts von dem Auftrag des Fremden wusste, befand sich nun auf dem Weg nach Kanaan. Dort sollte sie Isaak zum ersten Mal begegnen und ihren Platz innerhalb der Familie Abrahams einnehmen.
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Rebekka wird Isaaks Frau
1. Mose 24,62-67 – „62 Isaak aber kam vom «Brunnen des Lebendigen, der mich sieht»; denn er wohnte im Süden des Landes; 63 und er war zur Abendzeit auf das Feld gegangen, um zu beten, und hob seine Augen auf und sah Kamele daherkommen. 64 Und Rebekka hob ihre Augen auf und sah den Isaak. Da sprang sie vom Kamel 65 und sprach zu dem Knecht: Wer ist jener Mann, der uns auf dem Felde entgegenkommt? Der Knecht sprach: D…"
1. Mose 24,62-67 – „62 Isaak aber kam vom «Brunnen des Lebendigen, der mich sieht»; denn er wohnte im Süden des Landes; 63 und er war zur Abendzeit auf das Feld gegangen, um zu beten, und hob seine Augen auf und sah Kamele daherkommen. 64 Und Rebekka hob ihre Augen auf und sah den Isaak. Da sprang sie vom Kamel 65 und sprach zu dem Knecht: Wer ist jener Mann, der uns auf dem Felde entgegenkommt? Der Knecht sprach: D…"
1. Mose 24,61 – „61 Also machten sich Rebekka und ihre Mägde auf und setzten sich auf die Kamele und zogen dem Manne nach. Und der Knecht nahm Rebekka und zog hin."
1. Mose 25,20 – „20 Isaak aber war vierzig Jahre alt, da er die Tochter Bethuels, des Syrers von Mesopotamien, die Schwester des Syrers Laban, zum Weibe nahm."
Während Rebekka nach Kanaan reiste, befand sich Isaak im Gebiet des Südlandes. Der Bericht sagt, dass er von einem Gang zum Brunnen Lachai-Roi gekommen war und am Abend auf das Feld hinausging. Dort hob er seine Augen auf und sah Kamele kommen. Auf diesen Tieren näherte sich die Frau, die Abraham für seinen Sohn hatte suchen lassen und deren Weg bis hierher von mehreren auffälligen Führungen begleitet worden war.
Auch Rebekka sah Isaak. Sie stieg vom Kamel herab und fragte den Knecht, wer der Mann sei, der ihnen auf dem Feld entgegenkomme. Als sie erfuhr, dass es sein Herr Isaak war, nahm sie ihren Schleier und verhüllte sich. Der Text schildert die erste Begegnung der beiden nur mit wenigen Einzelheiten. Er beschreibt weder ein längeres Gespräch noch ihre Gedanken und Gefühle. Gerade diese Zurückhaltung bewahrt die Darstellung davor, aus der Szene eine romantische Erzählung zu machen, die über das hinausgeht, was die Schrift tatsächlich berichtet.
Bevor Isaak und Rebekka als Ehepaar zusammengeführt werden, erzählt der Knecht Isaak alles, was er getan hatte. Damit wurde Isaak darüber informiert, wie die Reise verlaufen war, wie Rebekka am Brunnen begegnet war und wie ihre Familie der Verbindung zugestimmt hatte. Was Rebekka bereits auf dem Weg nach Kanaan geführt hatte, wurde nun auch Isaak als zusammenhängende Geschichte vorgelegt. Die Ehe entstand damit nicht aus einer zufälligen Begegnung zwischen zwei Menschen, sondern innerhalb einer Reihe von Entscheidungen, Gebeten und Ereignissen, die der biblische Bericht ausdrücklich mit Gottes Führung verbindet.
Isaak führte Rebekka anschließend in das Zelt seiner verstorbenen Mutter Sara. Diese kurze Ortsangabe besitzt innerhalb der Familiengeschichte besonderes Gewicht. Sara war die Frau gewesen, durch die Gott entgegen aller menschlichen Erwartung Isaak geboren werden ließ. Nun trat Rebekka in den Haushalt ein, in dem die nächste Generation der Familie Abrahams entstehen sollte. Sie ersetzte Sara nicht als Person, doch mit ihrer Ehe begann eine neue Lebensphase innerhalb derselben Verheißungsgeschichte.
Der Bericht formuliert danach schlicht und eindeutig: Isaak nahm Rebekka zur Frau, und er gewann sie lieb. Damit gehört ihre Ehe zu den wenigen alttestamentlichen Verbindungen, bei denen ausdrücklich von der Liebe des Mannes zu seiner Frau gesprochen wird. Der Text verbindet diese Liebe nicht mit einer idealisierten Ehegeschichte. Die späteren Kapitel werden zeigen, dass auch ihre Familie von Spannungen, unterschiedlichen Bindungen an ihre Kinder und schweren Entscheidungen geprägt sein würde. An diesem Punkt jedoch steht zunächst die tatsächliche Verbindung zwischen Isaak und Rebekka im Vordergrund.
Die Ehe hatte für Isaak zugleich eine besondere persönliche Bedeutung. Er wurde nach dem Tod seiner Mutter getröstet. Sara war gestorben, bevor Abraham den Knecht ausgesandt hatte, und ihr Verlust bildete den unmittelbaren familiären Hintergrund dieser Geschichte. Nun verband sich Isaaks neues gemeinsames Leben mit Rebekka mit einem Trost, den der Erzähler ausdrücklich erwähnt. Mehr über die Art dieses Trostes wird nicht gesagt, doch die Bibel lässt erkennen, dass Rebekkas Ankunft für Isaak weit mehr als nur die Sicherung einer Nachkommenschaft bedeutete.
1. Mose 25 nennt Rebekka später noch einmal als Tochter Bethuels, des Aramäers aus Paddan-Aram, und als Schwester Labans. Isaak war vierzig Jahre alt, als er sie zur Frau nahm. Ein Alter Rebekkas nennt die Bibel dagegen nicht. Deshalb lässt sich auch nicht zuverlässig bestimmen, wie alt sie bei ihrer Hochzeit war. Die Schrift gibt dort genaue Angaben, wo sie für die Geschichte wichtig sind, und lässt andere Einzelheiten offen.
Damit war Rebekka endgültig aus dem Haus ihrer Herkunft in die Familie Abrahams eingetreten. Doch die von Gott verheißene Nachkommenschaft stellte sich nicht unmittelbar ein. Gerade dort, wo die Zukunft dieser Familie von Kindern abhing, begann für Isaak und Rebekka eine lange Zeit der Kinderlosigkeit. Erst nach Jahren sollte Gott eingreifen – und noch vor der Geburt ihrer Kinder eine Verheißung aussprechen, die Rebekkas weiteres Leben entscheidend prägen würde.
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Rebekka fragt Gott nach ihren ungeborenen Söhnen
1. Mose 25,21-23 – „21 Isaak aber bat den HERRN für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und sein Weib Rebekka ward guter Hoffnung. 22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, den HERRN zu fragen. 23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei S…"
1. Mose 25,21-23 – „21 Isaak aber bat den HERRN für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und sein Weib Rebekka ward guter Hoffnung. 22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, den HERRN zu fragen. 23 Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei S…"
1. Mose 25,20 – „20 Isaak aber war vierzig Jahre alt, da er die Tochter Bethuels, des Syrers von Mesopotamien, die Schwester des Syrers Laban, zum Weibe nahm."
Römer 9,10-12 – „10 Und nicht dieses allein, sondern auch, als Rebekka von ein und demselben, von unserm Vater Isaak schwanger war, 11 ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten (auf daß der nach der Erwählung gefaßte Vorsatz Gottes bestehe, nicht um der Werke, sondern um des Berufers willen), 12 wurde zu ihr gesagt: «Der Größere wird dem Kleineren dienen»;"
Die Ehe Isaaks und Rebekkas führte zunächst nicht zu der erwarteten Nachkommenschaft. Rebekka war unfruchtbar. Gerade innerhalb einer Familie, der Gott zahlreiche Nachkommen verheißen hatte, entstand damit erneut eine Situation, in der die Erfüllung der Verheißung menschlich nicht selbstverständlich war. Wie bereits bei Abraham und Sara musste deutlich werden, dass die Bundesgeschichte nicht allein durch natürliche Möglichkeiten weiterging.
Isaak wandte sich wegen seiner Frau an den HERRN. Der biblische Bericht sagt ausdrücklich, dass er für Rebekka betete und dass der HERR sich von ihm erbitten ließ. Rebekka wurde schwanger. Zwischen ihrer Heirat und der späteren Geburt lagen viele Jahre, denn Isaak war vierzig Jahre alt gewesen, als er Rebekka heiratete, und sechzig Jahre alt, als die Söhne geboren wurden. Damit lässt sich eine etwa zwanzigjährige kinderlose Ehezeit erkennen.
Doch die Schwangerschaft brachte eine neue Schwierigkeit. Die Kinder stießen einander in ihrem Leib, und Rebekka reagierte darauf mit einer Frage, die sie schließlich vor Gott führte. Der genaue Wortlaut ihrer Klage ist knapp und lässt verschiedene Nuancen zu, doch der Zusammenhang zeigt deutlich, dass sie angesichts dessen, was in ihr geschah, den HERRN suchte. Statt selbst eine Erklärung zu erfinden, wollte sie wissen, was diese ungewöhnliche Erfahrung bedeutete.
Gott antwortete Rebekka mit einer Verheißung, die weit über die bevorstehende Geburt hinausreichte. Zwei Völker seien in ihrem Leib, und zwei Volksstämme würden sich von ihr aus scheiden. Ein Volk werde stärker sein als das andere, und der Ältere werde dem Jüngeren dienen. Noch bevor die Kinder geboren waren und bevor sie selbst etwas Gutes oder Böses getan hatten, wurde damit eine unterschiedliche heilsgeschichtliche Stellung angekündigt.
Diese Aussage bedeutete nicht, dass sämtliche späteren Entscheidungen der beiden Söhne vorherbestimmt und deshalb ohne persönliche Verantwortung gewesen wären. Die Verheißung bezog sich ausdrücklich auch auf die aus ihnen hervorgehenden Völker. Zugleich legte Gott fest, dass die Linie der besonderen Verheißung entgegen der damals naheliegenden Stellung des Erstgeborenen durch den jüngeren Sohn weitergeführt werden sollte. Die Ordnung der Bundesgeschichte beruhte damit auf Gottes Entscheidung und nicht auf menschlichem Anspruch.
Paulus greift diese Worte Jahrhunderte später im Römerbrief auf. Er erinnert daran, dass Rebekka von einem Mann, nämlich Isaak, schwanger war und dass Gott bereits vor der Geburt der Zwillinge erklärte: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ Paulus verwendet diesen Rückblick, um die Freiheit Gottes in seinem heilsgeschichtlichen Handeln zu verdeutlichen. Die spätere Auslegung bestätigt damit, wie grundlegend die Rebekka gegebene Antwort für die weitere Geschichte ihrer Familie war.
Für Rebekka war dieses Wort jedoch zunächst keine spätere theologische Rückschau, sondern eine konkrete Antwort mitten in ihrer Schwangerschaft. Sie wusste nun, dass die Unruhe in ihrem Leib mit zwei unterschiedlichen Linien verbunden war und dass Gott dem jüngeren Sohn eine besondere Stellung angekündigt hatte. Dieses Wissen sollte für ihre späteren Entscheidungen von großer Bedeutung werden. Doch bevor sich zeigte, wie Rebekka mit dieser Verheißung umgehen würde, kamen die beiden Kinder zur Welt.
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Zwei Söhne, zwei unterschiedliche Wege
1. Mose 25,24-28 – „24 Da nun die Zeit kam, daß sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe. 25 Der erste, der herauskam, war rothaarig, ganz wie ein härenes Kleid, und sie nannte ihn Esau. 26 Darnach kam sein Bruder heraus, und seine Hand hielt die Ferse Esaus; da nannte sie ihn Jakob. Und Isaak war sechzig Jahre alt, da sie geboren wurden. 27 Und als die Knaben groß wurden, ward Esau ein Waidmann,…"
1. Mose 25,24-28 – „24 Da nun die Zeit kam, daß sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe. 25 Der erste, der herauskam, war rothaarig, ganz wie ein härenes Kleid, und sie nannte ihn Esau. 26 Darnach kam sein Bruder heraus, und seine Hand hielt die Ferse Esaus; da nannte sie ihn Jakob. Und Isaak war sechzig Jahre alt, da sie geboren wurden. 27 Und als die Knaben groß wurden, ward Esau ein Waidmann,…"
1. Mose 25,29-34 – „29 Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde. 30 Und Esau sprach zu Jakob: Laß mich das rote Gericht versuchen, denn ich bin müde! Daher heißt er Edom. 31 Aber Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt! 32 Und Esau sprach zu Jakob: Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir die Erstgeburt? 33 Jakob sprach: So schwöre mir heute! Und er schwur ihm und verkaufte also dem…"
Hebräer 12,16-17 – „16 daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gemeiner Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. 17 Denn ihr wisset, daß er nachher, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obschon er den Segen mit Tränen suchte."
Als die Zeit der Geburt gekommen war, bestätigte sich, was Gott Rebekka während ihrer Schwangerschaft angekündigt hatte: Sie brachte Zwillinge zur Welt. Der erste Sohn kam rötlich und am ganzen Körper wie mit einem Fell bedeckt zur Welt und erhielt den Namen Esau. Danach wurde sein Bruder geboren, dessen Hand Esaus Ferse festhielt. Er wurde Jakob genannt. Isaak war zu diesem Zeitpunkt sechzig Jahre alt.
Die Bibel überspringt anschließend ihre Kindheit weitgehend und führt unmittelbar in eine spätere Lebensphase. Die beiden Brüder entwickelten unterschiedliche Lebensweisen. Esau wurde ein erfahrener Jäger und hielt sich viel im freien Land auf, während Jakob als ruhiger Mann beschrieben wird, der bei den Zelten lebte. Der Text macht daraus keine einfache Einteilung in einen guten und einen schlechten Sohn. Die entscheidenden geistlichen Unterschiede treten erst durch ihre späteren Entscheidungen und durch die biblische Bewertung hervor.
Innerhalb der Familie entstand jedoch eine problematische Trennung. Isaak liebte Esau besonders, weil er gern von dessen Wildbret aß, während Rebekka Jakob liebte. Die Schrift nennt diese unterschiedliche Zuneigung ausdrücklich und lässt damit erkennen, dass die Spannungen zwischen den Brüdern auch innerhalb der Beziehung zu ihren Eltern verstärkt wurden. Rebekka wusste zwar von Gottes Wort, dass der ältere Sohn dem jüngeren dienen sollte, doch die Bibel sagt nicht, dass diese Verheißung eine Bevorzugung Jakobs in allen familiären Fragen rechtfertigte.
Ein späteres Ereignis machte sichtbar, wie unterschiedlich die Brüder ihre Stellung innerhalb der Familie bewerteten. Als Esau erschöpft vom Feld zurückkehrte, bat er Jakob um etwas von dessen Gericht. Jakob verlangte dafür Esaus Erstgeburtsrecht. Esau erklärte, er sei dem Sterben nahe und fragte, was ihm dieses Recht nützen solle. Schließlich schwor er Jakob und verkaufte ihm sein Erstgeburtsrecht für Brot und ein Linsengericht.
Der Erzähler schließt die Szene mit einer klaren Bewertung: Esau verachtete sein Erstgeburtsrecht. Damit erhält sein Verhalten ein geistliches Gewicht, das über einen unüberlegten Tausch hinausgeht. Innerhalb der Familie Abrahams war das Erstgeburtsrecht eng mit Verantwortung, Erbe und der Weitergabe der Verheißung verbunden. Esau behandelte etwas von großer Bedeutung als gering, weil ein unmittelbares Bedürfnis für ihn in diesem Augenblick wichtiger war.
Auch das Neue Testament greift diesen Vorgang später auf. Der Hebräerbrief nennt Esau als warnendes Beispiel und erinnert daran, dass er für eine einzige Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Diese spätere Bewertung betrifft Esaus eigene Verantwortung. Sie darf deshalb nicht so verstanden werden, als hätte Rebekkas spätere Vorgehensweise automatisch Gottes Zustimmung erhalten, nur weil Jakob tatsächlich der von Gott angekündigte Träger der besonderen Verheißung war.
Für Rebekka blieb die göttliche Aussage aus ihrer Schwangerschaft bestehen: Der Ältere sollte dem Jüngeren dienen. Doch zwischen einer göttlichen Verheißung und der Frage, wie Menschen mit ihr umgehen, liegt ein entscheidender Unterschied. Gottes Wort brauchte keine menschliche Täuschung, um wahr zu werden. Gerade diese Spannung sollte später zum Mittelpunkt einer der folgenreichsten Entscheidungen in Rebekkas Leben werden.
Zunächst aber verschärften sich die familiären Belastungen auf eine andere Weise. Esau traf Entscheidungen über seine Ehen, die Isaak und Rebekka tief bekümmerten. Damit trat neben der Rivalität zwischen den Brüdern nun eine weitere Sorge in Rebekkas Leben, die unmittelbar mit der Zukunft der Familie verbunden war.
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Isaak nennt Rebekka seine Schwester
1. Mose 26,6-11 – „6 Also wohnte Isaak zu Gerar. 7 Und da die Leute desselben Ortes nach seinem Weibe fragten, so sprach er: Sie ist meine Schwester. Denn er fürchtete sich zu sagen: Sie ist mein Weib, weil er dachte: Die Leute an diesem Ort möchten mich um Rebekkas willen töten; denn sie war schön von Angesicht. 8 Da er sich aber längere Zeit daselbst aufhielt, sah Abimelech, der Philister König, durchs Fenster un…"
1. Mose 26,6-11 – „6 Also wohnte Isaak zu Gerar. 7 Und da die Leute desselben Ortes nach seinem Weibe fragten, so sprach er: Sie ist meine Schwester. Denn er fürchtete sich zu sagen: Sie ist mein Weib, weil er dachte: Die Leute an diesem Ort möchten mich um Rebekkas willen töten; denn sie war schön von Angesicht. 8 Da er sich aber längere Zeit daselbst aufhielt, sah Abimelech, der Philister König, durchs Fenster un…"
1. Mose 26,1-5 – „1 Es kam aber eine Teuerung in das Land; außer der vorigen Teuerung, die zu Abrahams Zeiten gewesen. Und Isaak zog gen Gerar zu Abimelech, dem König der Philister. 2 Da erschien ihm der HERR und sprach: Reise nicht nach Ägypten hinab, sondern bleib in dem Lande, das ich dir sage! 3 Sei ein Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinem Samen will ich die…"
1. Mose 26,12-16 – „12 Und Isaak säte in dem Lande und erntete in demselben Jahr hundertfältig; denn der HERR segnete ihn. 13 Und der Mann ward reich und immer reicher, bis er sehr reich war; 14 und er hatte Schaf und Rinderherden und eine große Dienerschaft. Darum beneideten ihn die Philister. 15 Und die Philister verstopften alle Brunnen, die seines Vaters Knechte gegraben hatten zu Abrahams, seines Vaters, Zeiten…"
Noch bevor die Bibel von Esaus Ehen berichtet, erzählt sie von einer weiteren Lebensphase Isaaks und Rebekkas. Eine Hungersnot traf das Land, und Isaak zog nach Gerar zu Abimelech, dem König der Philister. Dort erschien ihm der HERR und wies ihn ausdrücklich an, nicht nach Ägypten hinabzuziehen, sondern in dem Land zu bleiben, das Gott ihm zeigen würde. Zugleich bestätigte Gott die Verheißungen, die er bereits Abraham gegeben hatte: zahlreiche Nachkommen, das verheißene Land und Segen für die Völker der Erde.
Rebekka befand sich damit weiterhin mitten in jener Bundesgeschichte, in die sie durch ihre Ehe mit Isaak eingetreten war. Doch gerade in dieser Situation handelte Isaak aus Angst. Als die Männer des Ortes nach Rebekka fragten, bezeichnete er sie als seine Schwester. Der Text nennt auch seinen Beweggrund ausdrücklich: Er fürchtete, wegen seiner Frau getötet zu werden, weil sie schön war. Anstatt offen zu ihrer Ehe zu stehen und auf Gottes Schutz zu vertrauen, versuchte Isaak, die vermeintliche Gefahr durch eine Täuschung abzuwenden.
Für Rebekka brachte dieses Verhalten eine gefährliche Lage mit sich. Wer sie für Isaaks Schwester hielt, musste sie nicht als verheiratete Frau betrachten. Anders als bei den ähnlichen Begebenheiten im Leben Abrahams berichtet der Text jedoch nicht davon, dass Rebekka in das Haus eines anderen Mannes genommen wurde. Nachdem Isaak längere Zeit in Gerar gewohnt hatte, sah Abimelech aus einem Fenster, wie Isaak sich Rebekka gegenüber so verhielt, dass für den König erkennbar wurde, dass sie seine Frau war.
Abimelech stellte Isaak daraufhin zur Rede. Er fragte ihn, warum er Rebekka als seine Schwester ausgegeben hatte, und Isaak bekannte seine Angst: Er hatte befürchtet, wegen ihr sterben zu müssen. Der heidnische König erkannte die Gefahr, die durch diese Täuschung entstanden war. Einer aus dem Volk hätte mit Rebekka verkehren können, und dadurch hätte Isaak Schuld über die Gemeinschaft gebracht. Abimelech erließ deshalb den Befehl, dass niemand Isaak oder seiner Frau etwas antun dürfe.
Der Bericht bewertet Rebekkas eigenes Verhalten in dieser Situation nicht näher. Er sagt nicht, ob sie Isaaks Vorgehen befürwortete, dagegen protestierte oder aus welchen Gründen sie daran beteiligt war. Deshalb darf ihr weder Zustimmung noch Widerstand zugeschrieben werden. Sicher ist allein, dass sie durch Isaaks Entscheidung in eine verletzliche Lage geriet und dass die Wahrheit über ihre Ehe schließlich bekannt wurde, bevor der Bericht eine Verletzung ihrer Ehe schildert.
Diese Episode ist auch deshalb bemerkenswert, weil Gott Isaak unmittelbar zuvor seine Gegenwart und seinen Segen zugesagt hatte. Isaaks Angst machte Gottes Verheißung nicht unwirksam, aber sie zeigt, dass ein Mensch trotz empfangener Zusagen in einer konkreten Gefahr falsch handeln kann. Gottes Treue bedeutete nicht, dass jede Entscheidung innerhalb der Verheißungsfamilie richtig war. Die Bibel idealisiert weder Isaak noch Rebekka, sondern erzählt ihre Familiengeschichte mit ihren tatsächlichen Schwächen.
Anschließend berichtet die Schrift, wie Isaak in diesem Land reichen Ertrag erhielt und immer mächtiger wurde. Gottes Segen ruhte auf ihm, obwohl sein vorheriges Verhalten nicht als vorbildlicher Glaubensschritt dargestellt werden kann. Die Philister wurden schließlich neidisch, und neue Spannungen um Brunnen und Besitz entstanden. Rebekka blieb an Isaaks Seite, während die Familie durch diese wechselnden Lebensumstände ging.
Später tritt wieder die nächste Generation in den Vordergrund. Esau war vierzig Jahre alt, als er zwei hethitische Frauen heiratete. Diese Ehen wurden für Isaak und Rebekka zu einer bitteren Belastung. Damit erreichte die Spannung innerhalb ihrer Familie eine neue Stufe: Nicht mehr nur die Rivalität ihrer beiden Söhne, sondern auch Esaus eigene Wahl seiner Frauen bereitete seinen Eltern tiefen Kummer.
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Esaus Ehen werden Rebekka zum Kummer
1. Mose 26,34-35 – „34 Als Esau vierzig Jahre alt war, nahm er Weiber, Judith, die Tochter Beris, des Hetiters, und Basmath, die Tochter Elons, des Hetiters; 35 die machten Isaak und Rebekka viel Verdruß."
1. Mose 26,34-35 – „34 Als Esau vierzig Jahre alt war, nahm er Weiber, Judith, die Tochter Beris, des Hetiters, und Basmath, die Tochter Elons, des Hetiters; 35 die machten Isaak und Rebekka viel Verdruß."
1. Mose 27,46 – „46 Und Rebekka sprach zu Isaak: Es verdrießt mich zu leben mit den Töchtern Hets; wenn Jakob ein Weib nimmt von den Töchtern Hets, wie diese da, von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben!"
1. Mose 28,1-9 – „1 Da rief Isaak den Jakob, segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm kein Weib von den Töchtern Kanaans. 2 Mache dich auf und ziehe nach Mesopotamien, in das Haus Bethuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort ein Weib von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter. 3 Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, daß du zu einer Völkergemeinde…"
Als Esau vierzig Jahre alt war, nahm er zwei Frauen aus den Hethitern: Judith, die Tochter Beeris, und Basemath, die Tochter Elons. Der biblische Bericht fügt unmittelbar hinzu, dass diese Ehen für Isaak und Rebekka „ein Herzeleid“ waren. Damit wird erstmals ausdrücklich beschrieben, wie Entscheidungen eines ihrer erwachsenen Söhne beide Eltern belasteten. Die Schrift erklärt an dieser Stelle nicht jedes Einzelproblem dieser Verbindungen, doch im Zusammenhang der Abrahamfamilie war die Herkunft der Frauen von besonderer Bedeutung.
Schon Abraham hatte darauf bestanden, dass Isaak keine Frau aus den Töchtern Kanaans nehmen sollte. Deshalb war sein Knecht weit zu Abrahams Verwandtschaft gereist und hatte dort Rebekka gefunden. Diese Entscheidung stand im Zusammenhang mit der besonderen Familie, innerhalb derer Gottes Bundesverheißung weitergeführt wurde. Esaus Wahl kanaanäischer Frauen bewegte sich in eine andere Richtung und verstärkte damit die Sorge um seinen weiteren Weg.
Für Rebekka erhielt dieser Konflikt später noch größere Bedeutung. Nachdem die Spannungen um Isaaks Segen eskaliert waren, sprach sie erneut ausdrücklich über Esaus Frauen. Sie sagte zu Isaak, sie sei ihres Lebens überdrüssig wegen der Töchter Heths und fragte, was ihr das Leben noch solle, wenn auch Jakob eine Frau aus diesen Töchtern des Landes nehmen würde. Ihre Worte zeigen, wie schwer diese familiäre Situation auf ihr lag. Zugleich werden sie im Erzählzusammenhang zum Anlass dafür, dass Isaak Jakob nach Paddan-Aram senden sollte.
Isaak rief daraufhin Jakob zu sich und befahl ihm ausdrücklich, keine Frau aus den Töchtern Kanaans zu nehmen. Stattdessen sollte er in das Haus Bethuels, Rebekkas Vater, ziehen und dort eine Frau aus den Töchtern Labans, Rebekkas Bruder, nehmen. Damit verband sich Jakobs weiterer Weg unmittelbar mit Rebekkas eigener Herkunft. Viele Jahre zuvor hatte sie selbst dieses Haus verlassen, um nach Kanaan zu Isaak zu ziehen; nun wurde ihr Sohn in die entgegengesetzte Richtung geschickt.
Esau beobachtete, dass Isaak Jakob gesegnet und ihm verboten hatte, eine kanaanäische Frau zu heiraten. Der Text sagt ausdrücklich, dass Esau erkannte, dass die Töchter Kanaans seinem Vater missfielen. Daraufhin ging er zur Familie Ismaels und nahm Mahalath, eine Tochter Ismaels und Schwester Nebajoths, zusätzlich zu seinen bisherigen Frauen. Seine Reaktion zeigt, dass er die Unzufriedenheit seiner Eltern zumindest wahrnahm und darauf zu antworten versuchte.
Doch auch diese Entscheidung änderte die grundlegende Familienentwicklung nicht. Jakob war bereits von Isaak ausgesandt worden, und die besondere Verheißung war mit seinem Weg verbunden. Esaus zusätzliche Ehe stellte seine früheren Entscheidungen nicht rückwirkend ungeschehen und verschob die Bundeslinie nicht auf ihn zurück. Die Schrift berichtet den Vorgang, ohne ihn als geistliche Wiederherstellung Esaus zu bezeichnen.
Für Rebekka ist dieser Abschnitt deshalb mehr als eine Randnotiz über die Eheentscheidungen ihres Sohnes. Er zeigt, dass sich die Unterschiede zwischen Esau und Jakob zunehmend auch in der Frage ausdrückten, wie die Verbindung zur Familie Abrahams weitergeführt werden sollte. Gleichzeitig darf Rebekkas Sorge über Esaus Frauen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre eigene schwerste Entscheidung noch unmittelbar bevorstand.
Denn bevor Jakob tatsächlich nach Paddan-Aram aufbrach, kam es im Haus Isaaks zu jenem Ereignis, das die Familie dauerhaft auseinanderreißen sollte. Isaak wollte Esau seinen Segen geben. Rebekka hörte davon – und anstatt allein auf das Wort zu vertrauen, das Gott ihr noch vor der Geburt ihrer Söhne gegeben hatte, begann sie selbst einen Plan zu entwickeln, damit Jakob den Segen erhielt.
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Rebekka greift nach dem Segen für Jakob
1. Mose 27,5-17 – „5 Rebekka aber hörte zu, da Isaak solche Worte zu seinem Sohn Esau sagte. 6 Während nun Esau aufs Feld ging, ein Wildbret zu jagen, daß er es heimbrächte, 7 sprach Rebekka zu ihrem Sohne Jakob: Siehe, ich habe gehört, wie dein Vater mit deinem Bruder Esau redete und sagte: «Bring mir ein Wildbret und bereite mir ein schmackhaftes Gericht, daß ich esse und dich segne vor dem HERRN, vor meinem Tod!…"
1. Mose 27,5-17 – „5 Rebekka aber hörte zu, da Isaak solche Worte zu seinem Sohn Esau sagte. 6 Während nun Esau aufs Feld ging, ein Wildbret zu jagen, daß er es heimbrächte, 7 sprach Rebekka zu ihrem Sohne Jakob: Siehe, ich habe gehört, wie dein Vater mit deinem Bruder Esau redete und sagte: «Bring mir ein Wildbret und bereite mir ein schmackhaftes Gericht, daß ich esse und dich segne vor dem HERRN, vor meinem Tod!…"
1. Mose 27,1-4 – „1 Und es begab sich, als Isaak alt war und seine Augen dunkel wurden, daß er nicht mehr sehen konnte, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Er aber antwortete ihm: Hier bin ich! 2 Und er sprach: Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe. 3 So nimm nun dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret 4 und bereite mir…"
1. Mose 27,18-29 – „18 Und er kam hinein zu seinem Vater und sprach: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich! Wer bist du, mein Sohn? 19 Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener; ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Stehe auf, setze dich und iß von meinem Wildbret, daß mich deine Seele segne! 20 Isaak aber sprach zu seinem Sohn: Mein Sohn, wie hast du es so bald gefunden? Er antwortete: Der …"
Als Isaak alt geworden war und seine Augen so schwach wurden, dass er nicht mehr sehen konnte, rief er Esau zu sich. Er bat seinen älteren Sohn, auf die Jagd zu gehen, ihm ein Gericht zuzubereiten und es zu ihm zu bringen. Danach wollte Isaak Esau segnen, bevor er sterben würde. Rebekka hörte dieses Gespräch mit. Damit stand sie plötzlich vor einer Situation, die unmittelbar jene Verheißung berührte, die Gott ihr noch während der Schwangerschaft gegeben hatte: Der Ältere sollte dem Jüngeren dienen.
Der Bericht sagt nicht, warum Isaak den Segen gerade in dieser Weise an Esau weitergeben wollte oder wie er die frühere göttliche Aussage über die beiden Söhne zu diesem Zeitpunkt verstand. Sicher ist jedoch, dass Rebekka wusste, was Gott ihr über Jakob und Esau gesagt hatte. Ebenso wusste sie, dass Esau sein Erstgeburtsrecht bereits an Jakob verkauft hatte. Dennoch wandte sie sich nun nicht an Gott und suchte auch keine offene Klärung mit Isaak. Stattdessen entwickelte sie einen Plan, durch den Jakob als Esau auftreten und den Segen seines Vaters erhalten sollte.
Rebekka rief Jakob und erzählte ihm, was sie gehört hatte. Danach gab sie ihm genaue Anweisungen: Er sollte zwei gute Ziegenböckchen aus der Herde holen, aus denen sie ein Gericht zubereiten wollte, wie Isaak es gern aß. Jakob sollte dieses Essen seinem Vater bringen, damit Isaak ihn vor seinem Tod segnete. In diesem entscheidenden Augenblick übernahm Rebekka selbst die Führung des Plans.
Jakob widersprach zunächst nicht aus moralischen Gründen, sondern wegen der Gefahr, entdeckt zu werden. Esau war behaart, er selbst dagegen glatt. Wenn sein Vater ihn betasten würde, könnte die Täuschung auffliegen, und statt eines Segens könnte ein Fluch über ihn kommen. Rebekkas Antwort war entschieden: Der mögliche Fluch solle auf sie fallen; Jakob solle lediglich ihrer Stimme gehorchen. Damit nahm sie bewusst die Verantwortung für den von ihr entworfenen Weg auf sich.
Sie bereitete das Essen zu, nahm Esaus beste Kleider, die sie bei sich im Haus hatte, und zog sie Jakob an. Die Felle der Ziegen legte sie über seine Hände und über den glatten Teil seines Halses. Schließlich gab sie Jakob das Gericht und das Brot. Jeder Schritt zielte darauf, Isaaks eingeschränkte Sehkraft auszunutzen und Jakob für seinen Vater wie Esau erscheinen zu lassen. Dass Rebekka von Gottes Verheißung wusste, macht diese Vorgehensweise nicht zu einem von Gott gebotenen Mittel.
Jakob trat zu Isaak und gab sich ausdrücklich als Esau aus. Als Isaak sich darüber wunderte, wie schnell er Wild gefunden habe, bezog Jakob sogar Gott in seine Täuschung ein und erklärte, der HERR habe es ihm begegnen lassen. Isaak blieb misstrauisch und ließ ihn näherkommen, um ihn zu betasten. Die Stimme erschien ihm als Jakobs Stimme, doch die durch Rebekkas Vorbereitung behaarten Hände wirkten wie Esaus Hände. Auch der Geruch der Kleider trug schließlich dazu bei, dass Isaak sich täuschen ließ.
Daraufhin sprach Isaak den Segen über Jakob. Er verhieß ihm Fruchtbarkeit, Überfluss, Herrschaft über Völker und eine Vorrangstellung gegenüber seinen Brüdern. Besonders bedeutsam war die Fortführung jener Segenslinie, die bereits mit Abraham verbunden gewesen war: Wer ihn verfluche, sollte verflucht sein, und wer ihn segne, sollte gesegnet sein. Jakob erhielt damit tatsächlich den Segen, doch auf einem Weg, der von Täuschung geprägt war.
Die Bibel hält hier zwei Wahrheiten gleichzeitig fest. Gottes Wort über die Stellung Jakobs musste sich erfüllen; Rebekkas Täuschung war dafür jedoch nicht notwendig. Die göttliche Verheißung rechtfertigte nicht jedes Mittel, mit dem Menschen versuchten, ihre Erfüllung sicherzustellen. Rebekka hatte Jahre zuvor erfahren, dass Gott selbst über die Zukunft ihrer Söhne gesprochen hatte. Nun versuchte sie, dieses Ergebnis durch eigenes Eingreifen herbeizuführen – und die unmittelbaren Folgen ihres Plans sollten ihre Familie tief treffen.
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Rebekka schickt Jakob fort
1. Mose 27,41-45 – „41 Und Esau ward dem Jakob feind um des Segens willen, womit sein Vater ihn gesegnet hatte; und Esau sprach in seinem Herzen: Die Zeit, da man um meinen Vater trauern wird, ist nicht mehr weit; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen. 42 Es wurden aber der Rebekka die Worte Esaus, ihres älteren Sohnes, hinterbracht. Da schickte sie hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sprach zu …"
1. Mose 27,41-45 – „41 Und Esau ward dem Jakob feind um des Segens willen, womit sein Vater ihn gesegnet hatte; und Esau sprach in seinem Herzen: Die Zeit, da man um meinen Vater trauern wird, ist nicht mehr weit; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen. 42 Es wurden aber der Rebekka die Worte Esaus, ihres älteren Sohnes, hinterbracht. Da schickte sie hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sprach zu …"
1. Mose 27,30-40 – „30 Als nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte, und Jakob kaum von seinem Vater Isaak hinausgegangen war, da kam sein Bruder Esau von der Jagd. 31 Der machte auch ein schmackhaftes Essen und trug es zu seinem Vater hinein und sprach zu ihm: Steh auf, mein Vater, und iß von dem Wildbret deines Sohnes, daß mich deine Seele segne! 32 Da antwortete ihm sein Vater Isaak: Wer bist du? Er sprach:…"
1. Mose 27,46 – „46 Und Rebekka sprach zu Isaak: Es verdrießt mich zu leben mit den Töchtern Hets; wenn Jakob ein Weib nimmt von den Töchtern Hets, wie diese da, von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben!"
Kaum hatte Jakob seinen Vater verlassen, kehrte Esau von der Jagd zurück. Er bereitete das gewünschte Gericht zu und trat vor Isaak, um den Segen zu empfangen. Erst jetzt wurde die Täuschung vollständig offenbar. Isaak erschrak heftig, als er erkannte, dass bereits jemand anderes vor Esau gekommen war und den Segen erhalten hatte. Was Rebekka und Jakob verborgen durchgeführt hatten, konnte nicht verborgen bleiben.
Esau reagierte mit großer Erschütterung. Als er hörte, dass Jakob den Segen erhalten hatte, schrie er laut und bitter und bat seinen Vater, auch ihn zu segnen. Isaak erklärte ihm jedoch, dass sein Bruder mit List gekommen sei und seinen Segen genommen habe. Esau verband dieses Ereignis mit dem früheren Verlust des Erstgeburtsrechts und beklagte, Jakob habe ihm nun sowohl das Erstgeburtsrecht als auch den Segen genommen. Dass Esau sein Erstgeburtsrecht zuvor freiwillig verkauft hatte, wird dadurch nicht aufgehoben; zugleich war Jakobs jetzige Täuschung tatsächlich eine neue Schuld.
Isaak konnte den bereits ausgesprochenen Segen nicht einfach zurücknehmen. Er sprach auch über Esaus zukünftigen Weg, doch die besondere Vorrangstellung Jakobs blieb bestehen. Damit trat genau jene Ordnung hervor, die Gott Rebekka bereits vor der Geburt der Zwillinge angekündigt hatte. Doch anstatt durch geduldiges Vertrauen sichtbar zu werden, war sie nun mit Täuschung, Misstrauen und tiefem familiärem Schmerz verbunden worden.
Esau begann Jakob wegen des Segens zu hassen. Er sagte in seinem Herzen, dass die Tage der Trauer um seinen Vater bald kommen würden und er danach seinen Bruder Jakob töten wolle. Der Bericht nennt damit eine unmittelbare Folge der Ereignisse: Aus Rivalität war offene Todesabsicht geworden. Die Familie, deren Zukunft Rebekka durch ihren Plan sichern wollte, stand nun vor der Gefahr, dass einer ihrer Söhne den anderen erschlagen könnte.
Rebekka erfuhr von Esaus Worten. Wieder handelte sie schnell und rief Jakob zu sich. Sie warnte ihn, dass Esau sich mit dem Gedanken tröste, ihn zu töten, und forderte ihn auf, nach Haran zu ihrem Bruder Laban zu fliehen. Dort sollte Jakob bleiben, bis Esaus Zorn sich gelegt habe und er vergessen habe, was geschehen war. Dann wollte Rebekka jemanden senden und Jakob zurückholen lassen.
In ihren Worten wird sichtbar, wie ernst sie die Situation einschätzte. Sie fragte, warum sie beide Söhne an einem einzigen Tag verlieren sollte. Sollte Esau Jakob töten, würde auch Esaus Zukunft durch die Folgen eines solchen Verbrechens bedroht sein. Rebekkas Plan, Jakob den Segen zu sichern, hatte damit nicht zu Ruhe geführt, sondern zur Trennung der Familie. Der Sohn, den sie besonders liebte, musste nun das Elternhaus verlassen.
Gegenüber Isaak begründete Rebekka Jakobs notwendige Abreise zusätzlich mit einer anderen Sorge, die bereits zuvor bestanden hatte: den hethitischen Frauen Esaus. Sie erklärte, ihres Lebens überdrüssig zu sein wegen dieser Frauen, und sagte, es hätte für sie keinen Sinn mehr, wenn auch Jakob eine Frau aus den Töchtern des Landes nähme. Diese Sorge war real und bereits früher als Belastung für Isaak und Rebekka genannt worden. Zugleich führte sie nun dazu, dass Isaak Jakob ausdrücklich nach Paddan-Aram sandte, um dort eine Frau aus Rebekkas Familie zu nehmen.
Damit verließ Jakob das Haus seiner Eltern und machte sich auf den Weg zu Laban. Rebekka hatte erwartet, dass die Trennung nur so lange dauern würde, bis Esaus Zorn nachließe. Die Bibel berichtet jedoch später nicht mehr von einer Begegnung zwischen Rebekka und Jakob. Ob sie ihren Sohn jemals wiedersah, wird nicht gesagt. Der Plan, durch den sie den Segen für Jakob sichern wollte, führte damit zu einer schmerzhaften Trennung, deren Ende die Schrift für Rebekka nicht mehr erzählt.
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Rebekkas letzte Jahre bleiben im Verborgenen
1. Mose 49,29-32 – „29 Und er gebot ihnen und sprach: Ich werde zu meinem Volk versammelt werden; begrabet mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Ephrons, des Hetiters, 30 in der Höhle Machpelah, Mamre gegenüber im Lande Kanaan, wo Abraham den Acker gekauft hat von Ephron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. 31 Daselbst hat man Abraham und sein Weib Sarah begraben, desgleichen Isaak und sein Weib Rebekka, und …"
1. Mose 49,29-32 – „29 Und er gebot ihnen und sprach: Ich werde zu meinem Volk versammelt werden; begrabet mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Ephrons, des Hetiters, 30 in der Höhle Machpelah, Mamre gegenüber im Lande Kanaan, wo Abraham den Acker gekauft hat von Ephron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. 31 Daselbst hat man Abraham und sein Weib Sarah begraben, desgleichen Isaak und sein Weib Rebekka, und …"
1. Mose 35,8 – „8 Da starb Debora, die Amme der Rebekka, und ward begraben unterhalb von Bethel, unter der Eiche, die man Klageeiche nennt."
1. Mose 35,27-29 – „27 Und Jakob kam zu seinem Vater Isaak gen Mamre, bei Kirjath-Arba, das ist Hebron, woselbst Abraham und Isaak Fremdlinge gewesen sind. 28 Und Isaak ward hundertundachtzig Jahre alt. 29 Und Isaak nahm ab, starb und ward zu seinem Volk versammelt, alt und lebenssatt; und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn."
Nachdem Jakob das Elternhaus verlassen hatte, tritt Rebekka nicht mehr unmittelbar handelnd in der biblischen Erzählung auf. Sie hatte gehofft, ihn nur für eine begrenzte Zeit zu ihrem Bruder Laban schicken zu müssen und ihn zurückholen zu können, sobald Esaus Zorn vergangen wäre. Doch Jakobs Aufenthalt in Paddan-Aram dauerte viele Jahre. Ob Rebekka noch lebte, als er schließlich nach Kanaan zurückkehrte, sagt die Bibel nicht ausdrücklich.
Auf Jakobs Rückweg wird eine Frau aus Rebekkas früherem Leben noch einmal genannt: Debora, Rebekkas Amme, starb und wurde unterhalb von Bethel begraben. Sie war jene Amme, die viele Jahre zuvor gemeinsam mit Rebekka aus Mesopotamien nach Kanaan gezogen war. Wie und wann Debora später zu Jakobs Haushalt kam, erklärt der Text nicht. Ihre Erwähnung zeigt jedoch, dass eine unmittelbare Verbindung zu Rebekkas früherer Lebensgeschichte auch in dieser späteren Generation fortbestand.
Kurz darauf berichtet die Bibel, dass Jakob zu seinem Vater Isaak nach Mamre kam. Isaak lebte noch und starb später im Alter von 180 Jahren. Esau und Jakob begruben ihn gemeinsam. Rebekka wird bei Jakobs Rückkehr und auch beim Tod Isaaks nicht genannt. Daraus darf nicht mit Sicherheit geschlossen werden, wann sie gestorben war; ihr Fehlen im Bericht liefert keine genaue Chronologie ihres Lebensendes.
Erst viel später erfahren wir durch Jakob selbst eine entscheidende Einzelheit. Als er in Ägypten seinem eigenen Tod entgegenging, gab er seinen Söhnen Anweisungen für seine Bestattung. Er wollte in der Höhle auf dem Feld Machpela begraben werden, die Abraham einst als Familiengrab erworben hatte. Dabei erinnerte er daran, wer bereits dort bestattet worden war: Abraham und Sara, Isaak und Rebekka sowie Lea.
Damit bestätigt die Bibel ausdrücklich, dass Rebekka gestorben und in der Höhle Machpela beigesetzt worden war. Die Umstände ihres Todes, ihr Alter und ihre letzten Worte werden dagegen nicht überliefert. Ebenso berichtet die Schrift nicht, ob Jakob seine Mutter nach seiner langen Abwesenheit noch einmal lebend wiedersah. Wo der biblische Text schweigt, lässt sich diese Lücke nicht zuverlässig durch Vermutungen oder spätere Überlieferungen schließen.
Rebekkas Grab verbindet ihr Lebensende noch einmal mit der Familie, in die sie Jahrzehnte zuvor eingetreten war. Als junge Frau hatte sie ihre Heimat verlassen und war nach Kanaan gekommen, um Isaaks Frau zu werden. Nun lag sie an der Seite Isaaks in jenem Grab, das Abraham im verheißenen Land erworben hatte. Die Bibel macht aus dieser Tatsache keine ausführliche symbolische Szene, doch sie ordnet Rebekka dauerhaft in die Generation der Erzväter und Erzmütter ein.
Dabei bleibt ihr biblisches Bild bewusst ungeschönt. Die Frau, die am Brunnen bereitwillig handelte, die ihre Heimat entschlossen verließ und Gott während ihrer schwierigen Schwangerschaft suchte, war auch die Frau, die später durch Täuschung versuchte, den für Jakob bestimmten Segen herbeizuführen. Ihre Fehler machten Gottes Verheißung nicht zunichte; zugleich wurden sie nicht dadurch richtig, dass Gottes angekündigtes Ziel tatsächlich Bestand hatte. Gottes Treue erwies sich größer als die menschlichen Umwege innerhalb dieser Familie.
Mit der späteren Erwähnung ihres Begräbnisses endet Rebekkas eigentliche Lebensgeschichte. Doch eine Aussage, die Gott ihr noch vor der Geburt ihrer Söhne gegeben hatte, blieb weit über ihr eigenes Leben hinaus bedeutsam. Das Neue Testament greift gerade diese Verheißung erneut auf und ordnet Rebekkas Schwangerschaft in den größeren Zusammenhang von Gottes souveränem Handeln in der Heilsgeschichte ein.
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Zusammenfassung und Gebet
Rebekkas Leben zeigt, wie eng Gottes Treue und menschliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Über ihrem Weg steht eine Verheißung, die nicht von menschlicher Stärke abhängig war. Gott führte sie in die Familie Abrahams, erhörte das Gebet um Nachkommenschaft und offenbarte ihr schon vor der Geburt ihrer Söhne, dass seine Geschichte anders verlaufen würde, als menschliche Erwartungen es nahelegten. Seine Zusage blieb bestehen, auch dort, wo die Menschen innerhalb dieser Familie selbst komplizierte und schmerzhafte Wege einschlugen.
Besonders eindrücklich ist der Gegensatz zwischen verschiedenen Lebensabschnitten Rebekkas. Als Abrahams Knecht ihr begegnete, handelte sie bereitwillig und entschlossen. Als ihre Familie sie fragte, ob sie nach Kanaan gehen wolle, antwortete sie klar und verließ ihre Heimat. Während ihrer schwierigen Schwangerschaft suchte sie den HERRN und empfing von ihm eine Antwort. Diese frühen Ereignisse zeigen eine Frau, deren Leben unmittelbar mit Gottes Führung und der Fortsetzung seiner Verheißung verbunden wurde.
Später begegnet dieselbe Rebekka jedoch einer Situation, in der sie Gottes angekündigtes Ziel selbst sichern wollte. Sie wusste, dass Jakob nach Gottes Wort die besondere Stellung erhalten sollte. Dennoch griff sie zur Täuschung, um den väterlichen Segen auf ihn zu bringen. Gerade darin liegt eine ernste Wahrheit ihres Lebens: Ein von Gott verheißenes Ziel macht einen falschen Weg nicht richtig. Gottes Wille benötigt weder menschliche Unwahrheit noch Manipulation, um sich durchzusetzen.
Die Folgen waren schmerzhaft. Isaak wurde getäuscht, Esau fasste Hass gegen Jakob, und Jakob musste das Elternhaus verlassen. Rebekka hatte beabsichtigt, ihn nach kurzer Zeit zurückholen zu lassen, doch die Bibel berichtet von keinem Wiedersehen zwischen Mutter und Sohn. Gottes Verheißung blieb bestehen, aber menschliches Fehlverhalten blieb dennoch folgenreich. Gnade bedeutet in dieser Geschichte nicht, dass Entscheidungen bedeutungslos werden, sondern dass Gottes Erlösungsplan selbst durch menschliche Schwäche nicht zum Scheitern gebracht werden kann.
Gleichzeitig wäre es ebenso falsch, Rebekka auf ihren schwersten Fehler zu reduzieren. Die Schrift erzählt ihr Leben umfassender. Sie war die Frau, die ihre Heimat verließ und Isaaks Frau wurde; die Mutter, die nach langer Kinderlosigkeit Zwillinge empfing; die Frau, die Gott um Antwort suchte; und zugleich ein fehlbarer Mensch innerhalb einer Familie, in der Glaube, Bevorzugung, Angst und Täuschung miteinander verflochten waren. Die Bibel zeichnet keine makellose Glaubensheldin, sondern einen wirklichen Menschen, dessen Geschichte von Gottes größerer Treue umschlossen bleibt.
Ihre heilsgeschichtliche Bedeutung reicht weit über ihr eigenes Leben hinaus. Durch Jakob, ihren jüngeren Sohn, führte die von Abraham kommende Bundeslinie weiter zu Israel und schließlich zu Christus. Das Neue Testament erinnert ausdrücklich an das Wort, das Rebekka noch während ihrer Schwangerschaft empfangen hatte, und zeigt daran, dass Gottes Verheißung nicht durch natürliche Rangordnung oder menschlichen Anspruch bestimmt wird. Gott selbst führt seinen Erlösungsplan.
Damit hinterlässt Rebekkas Leben eine bleibende Spannung, die zugleich zu Vertrauen ruft. Sie kannte Gottes Wort und erlebte seine Führung, doch sie musste ebenso erfahren, dass Gottes Verheißung nicht durch menschliches Eingreifen abgesichert werden muss. Der Weg zu Christus ruhte letztlich nicht auf der Fehlerlosigkeit Rebekkas, Isaaks, Jakobs oder irgendeines anderen Menschen. Er ruhte auf Gottes Treue. Gerade deshalb endet ihre Geschichte nicht bei menschlichem Versagen, sondern bei dem Gott, der sein gegebenes Wort trotz aller Umwege zuverlässig zum Ziel führt.
Herr, du kennst den Weg, auf dem sich deine Verheißungen erfüllen, und du bist treu, auch wenn Menschen ungeduldig werden oder eigene Lösungen suchen. Lehre uns, deinem Wort nicht nur zu glauben, sondern dir auch den Weg seiner Erfüllung anzuvertrauen. Schenke uns Weisheit für unsere Entscheidungen, Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander und Demut, wenn wir versagen. Danke, dass dein Erlösungsplan nicht auf menschlicher Vollkommenheit ruht und dass du ihn in Jesus Christus zuverlässig zum Ziel geführt hast. Amen.
„Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln.“ Psalm 37,5