Rahab

Rahab in der Bibel: Glaube, Mut und Rettung

Rahab war eine Frau aus Jericho, die nach dem Zeugnis der Bibel dem Gott Israels glaubte und bei der Einnahme der Stadt gerettet wurde. Obwohl sie außerhalb Israels lebte und als Hure bezeichnet wird, fand sie Aufnahme in Gottes Volk. Das Neue Testament erinnert sie als Beispiel des Glaubens und nennt sie sogar innerhalb der menschlichen Abstammungslinie Jesu Christi.

Einführung

Rahabs Geschichte beginnt an einem entscheidenden Übergang. Israel steht nach vierzig Jahren Wüstenwanderung unmittelbar vor dem verheißenen Land, während Jericho als befestigte Stadt vor ihm liegt. Von Rahabs früherem Leben berichtet die Bibel nahezu nichts. Weder ihre Eltern noch ihre Kindheit oder ihr Alter werden genannt. Als sie erstmals erscheint, lebt sie in Jericho und wird ausdrücklich als Hure bezeichnet. Ihr Haus befindet sich an beziehungsweise in der Stadtmauer und wird zum Schauplatz einer Begegnung, durch die ihr weiterer Lebensweg eine völlig neue Richtung erhält.

Gerade deshalb darf Rahab weder romantisiert noch auf ihre bisherige Lebensweise reduziert werden. Die Schrift verschweigt ihre gesellschaftliche Stellung nicht, macht daraus aber auch nicht den Mittelpunkt ihrer späteren Bewertung. Entscheidend wird vielmehr, wie sie auf das reagiert, was sie über den Gott Israels gehört hat. Noch bevor Israel Jericho betreten hat, haben Berichte über Gottes mächtiges Handeln die Bewohner der Stadt erreicht. Rahab gehört zu denen, die diese Nachrichten nicht nur als militärische Bedrohung wahrnehmen.

Ihre Geschichte steht damit zunächst mitten im Gegensatz zweier Welten. Draußen lagert Israel, geführt von Josua und getragen von Gottes Verheißung. Innerhalb Jerichos lebt eine Frau, die nicht zum Bundesvolk gehört und deren Vergangenheit sie keineswegs als naheliegende Glaubensgestalt erscheinen lässt. Genau zu ihrem Haus kommen zwei israelitische Kundschafter. Von diesem Augenblick an zeigt der biblische Bericht Schritt für Schritt, wie aus dem Gehörten eine Entscheidung wird und wie Gottes rettendes Handeln einen Menschen erreicht, der außerhalb Israels begonnen hatte.

Rahab nimmt die Kundschafter in ihrem Haus auf

Josua 2,1-7 – „1 Da sandte Josua, der Sohn Nuns, von Sittim zwei Männer heimlich als Kundschafter aus und sprach: Gehet hin, besehet das Land und Jericho! Diese gingen hin und kamen in das Haus einer Dirne namens Rahab und legten sich daselbst nieder. 2 Es ward aber dem König zu Jericho gesagt: Siehe, in dieser Nacht sind Männer von den Kindern Israel hereingekommen, das Land auszukundschaften! 3 Da sandte der …"
Josua 2,1-7 – „1 Da sandte Josua, der Sohn Nuns, von Sittim zwei Männer heimlich als Kundschafter aus und sprach: Gehet hin, besehet das Land und Jericho! Diese gingen hin und kamen in das Haus einer Dirne namens Rahab und legten sich daselbst nieder. 2 Es ward aber dem König zu Jericho gesagt: Siehe, in dieser Nacht sind Männer von den Kindern Israel hereingekommen, das Land auszukundschaften! 3 Da sandte der …"
Josua 2,15 – „15 Da ließ sie dieselben an einem Seil durch das Fenster hinunter; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer."

Israel lagert noch östlich des Jordan, als Josua heimlich zwei Männer von Sittim aussendet, um das Land und besonders Jericho auszukundschaften. Damit beginnt Rahabs eigentliche Lebensgeschichte in der Bibel. Die beiden Kundschafter gelangen in die befestigte Stadt und kommen in das Haus Rahabs, die der Text ausdrücklich als Hure bezeichnet. Über die Gründe, weshalb gerade dieses Haus gewählt wurde, macht die Schrift keine Angaben. Auch die verbreitete Vorstellung, Rahab sei eigentlich nur eine Wirtin gewesen, lässt sich aus dem biblischen Wortlaut nicht sicher begründen.

Rahabs Haus liegt unmittelbar an der Stadtmauer; später wird deutlich, dass sie darin beziehungsweise daran wohnte. Diese Lage wird für die Flucht der Kundschafter entscheidend werden. Zunächst aber bleibt ihre Anwesenheit nicht verborgen. Dem König von Jericho wird berichtet, dass in dieser Nacht israelitische Männer gekommen seien, um das Land auszukundschaften. Er schickt Boten zu Rahab und fordert sie auf, die Männer herauszugeben (Josua 2,2-3).

Damit wird Rahab unmittelbar vor eine Entscheidung gestellt. Auf der einen Seite steht die Obrigkeit ihrer eigenen Stadt, auf der anderen Seite befinden sich zwei Männer aus dem Volk, dessen Kommen Jericho fürchtet. Der Bericht sagt knapp, dass Rahab die beiden Männer genommen und verborgen hatte. Später erfahren wir, dass sie sie auf dem Dach unter Flachsstängeln versteckte, die dort ausgelegt waren. Sie handelt damit bewusst zugunsten der israelitischen Kundschafter und setzt sich zugleich selbst einem erheblichen Risiko aus.

Den Boten des Königs erklärt Rahab, die Männer seien tatsächlich zu ihr gekommen, sie habe jedoch nicht gewusst, woher sie stammten. Weiter behauptet sie, die Männer hätten die Stadt gegen Abend vor dem Schließen des Tores wieder verlassen, und fordert die Verfolger auf, ihnen schnell nachzusetzen. Tatsächlich liegen die Kundschafter zu diesem Zeitpunkt noch auf ihrem Dach verborgen (Josua 2,4-6). Die ausgesandten Männer folgen ihrer Auskunft und verfolgen die vermeintlich Geflohenen in Richtung Jordan.

Die Bibel berichtet Rahabs Täuschung offen, erklärt jedoch an dieser Stelle nicht, dass die Unwahrheit selbst moralisch richtig gewesen sei. Deshalb sollte ihr Verhalten weder beschönigt noch vorschnell zum allgemeinen Vorbild erhoben werden. Spätere biblische Texte loben Rahabs Glauben und die Tatsache, dass sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg weiterziehen ließ; sie erklären nicht ausdrücklich die Lüge zum Gegenstand dieses Lobes. Der Bericht ermöglicht daher eine wichtige Unterscheidung: Rahabs Entscheidung für den Gott Israels und für seine Boten wird später positiv bewertet, ohne dass daraus folgt, jede einzelne Handlung innerhalb dieser gefährlichen Situation sei damit automatisch geheiligt.

Gleichzeitig darf die Konzentration auf diese moralische Schwierigkeit nicht verdecken, was der Erzähltext bereits sichtbar macht. Rahab stellt sich nicht neutral zwischen Jericho und Israel. Noch bevor sie den Kundschaftern ihr Glaubensbekenntnis erklärt, handelt sie bereits so, dass ihr eigenes Leben mit dem Schicksal dieser Männer verbunden wird. Sollte ihre Täuschung entdeckt werden, wäre ihre eigene Sicherheit ernsthaft gefährdet. Der Glaube, den sie gleich darauf in Worte fassen wird, beginnt somit bereits erkennbare Konsequenzen für ihr Handeln zu haben.

Nachdem die Verfolger die Stadt verlassen haben, wird das Tor geschlossen. Die beiden Israeliten befinden sich weiterhin innerhalb Jerichos, verborgen auf Rahabs Dach. Erst jetzt öffnet der biblische Bericht den Blick dafür, weshalb Rahab dieses Risiko eingegangen ist. Sie steigt zu den Männern hinauf und spricht über das, was Jericho von dem Gott Israels gehört hat. Damit wird aus einer zunächst überraschenden Rettungsaktion ein Glaubenszeugnis, das später sogar im Neuen Testament ausdrücklich gewürdigt werden wird.

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Rahab bekennt den Gott Israels als Herrn

Josua 2,8-14 – „8 Ehe aber die Männer sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen auf das Dach hinauf 9 und sprach zu ihnen: Ich weiß, daß euch der HERR das Land geben wird; denn es hat uns Furcht vor euch überfallen, und alle Einwohner des Landes sind vor euch verzagt. 10 Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser des Schilfmeers vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten zoget, und was ihr den beiden Kön…"
Josua 2,8-14 – „8 Ehe aber die Männer sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen auf das Dach hinauf 9 und sprach zu ihnen: Ich weiß, daß euch der HERR das Land geben wird; denn es hat uns Furcht vor euch überfallen, und alle Einwohner des Landes sind vor euch verzagt. 10 Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser des Schilfmeers vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten zoget, und was ihr den beiden Kön…"
2. Mose 15,13-16 – „13 Du leitest in deiner Gnade das Volk, das du erlöst hast, und bringst sie durch deine Kraft zur Wohnung deines Heiligtums. 14 Wenn das die Völker hören, so erzittern sie, Angst kommt die Philister an; 15 es erschrecken die Fürsten Edoms, Zittern befällt die Gewaltigen Moabs; alle Einwohner Kanaans werden verzagt. 16 Laß durch deinen großen Arm Schrecken und Furcht über sie fallen, daß sie ersta…"
4. Mose 21,21-35 – „21 Und Israel sandte Boten zu Sihon, dem König der Amoriter, und ließ ihm sagen: 22 Laß mich durch dein Land ziehen, wir wollen weder in die Äcker noch in die Weingärten treten, wollen auch von dem Brunnenwasser nicht trinken; wir wollen die Königsstraße ziehen, bis wir durch dein Gebiet gekommen sind! 23 Aber Sihon gestattete Israel nicht, durch sein Gebiet zu ziehen, sondern versammelte sein ga…"

Bevor die beiden Kundschafter sich zur Ruhe legen, steigt Rahab zu ihnen auf das Dach. Nun erklärt sie selbst, was hinter ihrer Entscheidung steht. Ihre ersten Worte sind bemerkenswert eindeutig: „Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat“ (Josua 2,9). Rahab spricht damit über Jerichos Zukunft nicht lediglich als eine Möglichkeit. Noch bevor Israel den Jordan überschritten oder eine einzige Stadt des Landes eingenommen hat, erkennt sie an, dass das Land dem Volk aufgrund des Handelns Gottes zufallen wird.

Woher diese Überzeugung kommt, erklärt sie anschließend. Die Bewohner Jerichos haben gehört, wie der HERR das Wasser des Roten Meeres vor Israel austrocknete, als das Volk aus Ägypten zog. Ebenso haben sie erfahren, was Israel den beiden amoritischen Königen Sihon und Og jenseits des Jordan getan hat (Josua 2,10). Ereignisse, die Israel selbst erlebt hatte, waren also weit über das Volk hinaus bekannt geworden. Gottes Handeln in Ägypten und während der Wüstenwanderung war bis nach Jericho vorgedrungen.

Rahab berichtet zugleich, welche Wirkung diese Nachrichten innerhalb ihrer Stadt hervorgerufen haben. Den Menschen sei das Herz verzagt, und niemand habe mehr Mut vor Israel. Diese Furcht war bereits im Lied Moses nach der Durchquerung des Roten Meeres vorausgesagt worden: Die Völker würden von Gottes mächtigem Eingreifen hören, und die Bewohner Kanaans würden erschrecken (2. Mose 15,14-16). Was dort unmittelbar nach dem Auszug besungen wurde, erscheint nun Jahrzehnte später in Rahabs eigenen Worten als Wirklichkeit.

Doch Rahab bleibt nicht bei der allgemeinen Angst Jerichos stehen. Viele Bewohner haben offenbar dieselben Berichte gehört wie sie, aber Rahab zieht daraus eine weitergehende Schlussfolgerung. Sie bekennt gegenüber den Kundschaftern: „Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden“ (Josua 2,11). Darin liegt der eigentliche Mittelpunkt ihrer Worte. Sie erkennt nicht lediglich, dass Israels Gott stärker sei als die Götter Jerichos. Sie bekennt seine Herrschaft über Himmel und Erde.

Diese Aussage erhält besonderes Gewicht durch Rahabs Herkunft. Sie gehört nicht zu Israel und ist nicht innerhalb des Bundesvolkes aufgewachsen. Was sie über den HERRN weiß, hat sie zunächst durch Berichte über sein Handeln erfahren. Dennoch führt das Gehörte bei ihr zu einem Bekenntnis, das weit über die bloße Angst vor einer militärischen Niederlage hinausgeht. Der Gott, von dem sie gehört hat, ist für sie nicht nur Israels nationaler Gott, sondern der Gott über allem.

Ihr Glaube bleibt zugleich nicht ohne konkrete Konsequenzen. Rahab bittet die Männer nun, ihr beim HERRN zu schwören, dass sie ihrer Familie dieselbe Güte erweisen werden, die sie ihnen erwiesen hat. Sie nennt ausdrücklich ihren Vater, ihre Mutter, ihre Brüder, ihre Schwestern und alles, was zu ihnen gehört (Josua 2,12-13). Ihre Sorge richtet sich also nicht allein auf die eigene Rettung. Sie möchte, dass auch ihr Haus vor dem kommenden Gericht über Jericho bewahrt wird.

Die Kundschafter nehmen diese Bitte an. Sie verpflichten sich mit ihrem eigenen Leben für Rahab und versprechen, ihr Güte und Treue zu erweisen, sofern sie ihre Angelegenheit nicht verrät. Entscheidend ist dabei, dass sie die bevorstehende Einnahme des Landes ebenfalls auf Gottes Handeln zurückführen: Der HERR wird Israel das Land geben (Josua 2,14). Rahabs Bekenntnis und die Antwort der Kundschafter treffen sich deshalb in demselben Mittelpunkt. Nicht die militärische Stärke Israels entscheidet über Jerichos Zukunft, sondern der Gott, dessen Herrschaft Rahab anerkannt hat.

Damit ist zwischen Rahab und den beiden Männern eine verbindliche Abmachung entstanden. Doch die Kundschafter befinden sich noch immer hinter den verschlossenen Toren Jerichos. Rahab muss ihnen nun helfen, die Stadt unbemerkt zu verlassen. Gerade dabei wird ein Gegenstand erstmals erwähnt, der eng mit ihrer Rettung verbunden bleiben wird: eine Schnur, durch die sie die Männer an der Stadtmauer hinablässt und die später als sichtbares Kennzeichen ihres Hauses dienen soll.

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Das rote Seil wird zum Zeichen ihrer Rettung

Josua 2,15-21 – „15 Da ließ sie dieselben an einem Seil durch das Fenster hinunter; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer. 16 Und sie sprach zu ihnen: Gehet auf das Gebirge, daß euch eure Verfolger nicht begegnen, und verberget euch daselbst drei Tage lang, bis eure Verfolger zurückgekehrt sind; darnach geht eures Weges! 17 Und die Männer sprachen zu ihr: Wir wollen aber dieses deines E…"
Josua 2,15-21 – „15 Da ließ sie dieselben an einem Seil durch das Fenster hinunter; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer. 16 Und sie sprach zu ihnen: Gehet auf das Gebirge, daß euch eure Verfolger nicht begegnen, und verberget euch daselbst drei Tage lang, bis eure Verfolger zurückgekehrt sind; darnach geht eures Weges! 17 Und die Männer sprachen zu ihr: Wir wollen aber dieses deines E…"
Josua 2,22-24 – „22 Und jene gingen aufs Gebirge und blieben drei Tage lang daselbst, bis ihre Verfolger zurückgekehrt waren; diese hatten sie auf allen Straßen gesucht und doch nicht gefunden. 23 Also stiegen die beiden Männer wieder vom Gebirge hinunter, setzten über und kamen zu Josua, dem Sohne Nuns, und erzählten ihm alles, wie sie es gefunden hatten, 24 und sprachen zu Josua: Der HERR hat das ganze Land in …"

Nachdem Rahab mit den Kundschaftern eine verbindliche Abmachung getroffen hat, muss sie ihnen noch aus Jericho heraushelfen. Ihr Haus liegt an der Stadtmauer, sodass sie die Männer durch ein Fenster an einem Seil hinablassen kann (Josua 2,15). Die besondere Lage ihres Hauses, die zuvor nur eine geografische Einzelheit war, wird dadurch zum konkreten Weg ihrer Flucht. Wieder handelt Rahab nicht nur mit Worten. Sie setzt das, was sie über den Gott Israels bekannt hat, in eine Entscheidung um, die für sie selbst mit erheblichem Risiko verbunden bleibt.

Rahab gibt den Männern außerdem einen Rat für ihren weiteren Weg. Sie sollen nicht sofort zum israelitischen Lager zurückkehren, weil die ausgesandten Verfolger nach ihnen suchen. Stattdessen sollen sie sich drei Tage lang im Gebirge verbergen, bis die Verfolger zurückgekehrt sind, und erst danach ihren Weg fortsetzen (Josua 2,16). Die Kundschafter folgen später tatsächlich diesem Rat. Der Bericht zeichnet Rahab damit nicht als passive Empfängerin ihrer Rettung. Innerhalb der gefährlichen Situation handelt sie überlegt und trägt entscheidend dazu bei, dass die Männer Jericho sicher verlassen können.

Bevor sie gehen, legen die Kundschafter jedoch genau fest, unter welchen Bedingungen ihr Schwur gilt. Rahab soll die scharlachrote Schnur, mit der sie die Männer hinablässt, an das Fenster binden. Außerdem muss sie ihren Vater, ihre Mutter, ihre Brüder und ihre ganze Familie in ihrem Haus versammeln (Josua 2,17-18). Wer das Haus verlässt, trägt selbst die Verantwortung für die Folgen; wer sich dagegen innerhalb des Hauses befindet, steht unter der zugesagten Bewahrung, sofern Rahab die Angelegenheit nicht verrät.

Damit wird die rote beziehungsweise scharlachfarbene Schnur zu einem sichtbaren Kennzeichen ihres Hauses. Ihre Bedeutung wird im Text selbst zunächst ganz konkret erklärt: Sie dient den Israeliten dazu, bei der Einnahme Jerichos das Haus zu erkennen, dessen Bewohner aufgrund des gegebenen Schwurs verschont werden sollen. Die Bibel bezeichnet die Farbe an dieser Stelle nicht ausdrücklich als Symbol für Blut oder als direkte Vorabbildung des Kreuzes. Solche Verbindungen mögen aufgrund anderer biblischer Motive geistlich naheliegend erscheinen, sollten aber nicht als ausdrückliche Aussage von Josua 2 ausgegeben werden. Sicher ist: Das Zeichen hängt mit der zugesagten Rettung Rahabs und ihres Hauses zusammen.

Dabei weist die Situation eine bemerkenswerte Verbindung von Verheißung und Gehorsam auf. Rahab wird nicht gerettet, weil die Schnur irgendeine magische Kraft besitzt. Ebenso verdient sie Gottes Gnade nicht dadurch, dass sie ein bestimmtes Zeichen befestigt. Die Schnur kennzeichnet vielmehr den Ort, an dem sich diejenigen befinden sollen, denen aufgrund des Schwurs Schutz zugesagt worden ist. Rahabs Vertrauen zeigt sich darin, dass sie die gegebenen Anweisungen ernst nimmt und entsprechend handelt.

Nachdem die Bedingungen geklärt sind, antwortet Rahab schlicht: „Es sei, wie ihr sagt!“ Dann lässt sie die Männer gehen und bindet die scharlachrote Schnur an das Fenster (Josua 2,21). Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Sie wartet nicht erst ab, ob Israel tatsächlich den Jordan überschreiten oder Jericho einnehmen wird. Das Zeichen befindet sich bereits an ihrem Haus, während die Stadt äußerlich noch unangetastet steht. Ihr Handeln richtet sich auf ein zukünftiges Ereignis, weil sie dem Wort glaubt, das mit diesem Zeichen verbunden wurde.

Die Kundschafter erreichen das Gebirge und bleiben dort drei Tage, bis ihre Verfolger vergeblich nach Jericho zurückgekehrt sind. Danach überqueren sie den Jordan und berichten Josua von allem, was geschehen ist. Ihre Schlussfolgerung greift erstaunlich deutlich Rahabs eigene Worte auf: Der HERR hat das ganze Land in Israels Hand gegeben, und die Bewohner des Landes sind vor ihnen verzagt (Josua 2,23-24). Rahabs Zeugnis über die Furcht Jerichos wird damit zu einem wichtigen Teil der Nachricht, die die Kundschafter zu Josua zurückbringen.

Rahab bleibt währenddessen in einer Stadt, deren Untergang sie für gewiss hält. Die Schnur am Fenster ist sichtbar, doch die eigentliche Rettung steht noch aus. Zwischen der gegebenen Zusage und ihrer Erfüllung muss sie nun handeln: Ihre Familie soll in ihrem Haus versammelt werden. Erst nachdem Israel den Jordan überschritten und Jericho erreicht hat, wird sich zeigen, ob der Schwur gehalten und Rahabs Vertrauen bestätigt wird.

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Rahab und ihre Familie werden aus Jericho gerettet

Josua 6,17 – „17 Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des HERRN verfallen sein; nur die Dirne Rahab soll lebendig bleiben, sie und alle, die bei ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten."
Josua 6,17 – „17 Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des HERRN verfallen sein; nur die Dirne Rahab soll lebendig bleiben, sie und alle, die bei ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten."
Josua 6,22-25 – „22 Aber Josua sprach zu den beiden Männern, die das Land ausgekundschaftet hatten: Gehet in das Haus der Dirne und führet das Weib von dannen heraus samt allem, was sie hat, wie ihr derselben geschworen habt! 23 Da gingen die Jünglinge, die Kundschafter, hinein und führten Rahab heraus; sie führten auch ihren Vater und ihre Mutter und ihre Brüder und alles, was sie hatte, samt ihrem ganzen Geschl…"
Josua 6,26-27 – „26 Zu der Zeit schwur Josua und sprach: Verflucht sei der Mann vor dem HERRN, welcher sich aufmachen und diese Stadt Jericho bauen wird; wenn er ihren Grund legt, koste es ihn seinen erstgeborenen Sohn, und wenn er ihre Tore setzt, koste es ihn seinen jüngsten Sohn! 27 Also war der HERR mit Josua, daß man in allen Ländern von ihm sprach."

Nachdem Israel den Jordan überquert hat, steht Jericho unmittelbar vor seinem Untergang. Die Stadt ist verschlossen, und niemand geht hinein oder hinaus. Gott gibt Josua jedoch nicht den Auftrag zu einem gewöhnlichen militärischen Angriff. Israel soll sechs Tage lang jeweils einmal um die Stadt ziehen und am siebten Tag siebenmal. Als schließlich die Priester in die Hörner stoßen und das Volk sein Kriegsgeschrei erhebt, fällt die Mauer. Die Einnahme Jerichos geschieht damit innerhalb einer von Gott selbst gegebenen Ordnung und macht deutlich, dass Israels Sieg nicht seiner eigenen militärischen Überlegenheit zugeschrieben werden soll.

Noch bevor die Stadt fällt, erinnert Josua ausdrücklich an Rahab. Jericho soll dem Bann verfallen, doch eine Ausnahme wird festgelegt: „Nur die Hure Rahab soll am Leben bleiben und alle, die bei ihr im Hause sind, weil sie die Boten verborgen hat, die wir ausgesandt hatten“ (Josua 6,17). Der Schwur der Kundschafter wird also nicht vergessen. Was Rahab zunächst nur von zwei israelitischen Männern zugesichert worden war, wird nun von Josua innerhalb der Anweisungen für die ganze Gemeinde bestätigt.

Als die Mauern gefallen sind und die Israeliten in die Stadt eindringen, wendet sich Josua gezielt an jene beiden Männer, die Rahab kennengelernt hatten. Gerade sie sollen in ihr Haus gehen und sie samt allen Angehörigen herausführen, wie sie es ihr geschworen hatten (Josua 6,22). Dadurch bleibt die Rettung nicht einer anonymen Gruppe von Soldaten überlassen. Die Männer, die Rahabs Glaubensentscheidung selbst erlebt und ihr das Versprechen gegeben hatten, übernehmen nun auch die Verantwortung für dessen Erfüllung.

Die Kundschafter holen Rahab, ihren Vater, ihre Mutter, ihre Brüder und alles, was zu ihr gehört, aus dem Haus. Der Text spricht außerdem von ihrer ganzen Verwandtschaft beziehungsweise ihren Angehörigen, die gerettet werden (Josua 6,23). Rahabs frühere Bitte hatte ausdrücklich ihre Familie eingeschlossen, und nun zeigt sich, dass sie diese Menschen tatsächlich in das Haus gebracht hat. Das Zeichen am Fenster war mit einer konkreten Zusage verbunden gewesen, und diejenigen, die sich dort versammelt hatten, werden aus dem Gericht über Jericho herausgeführt.

Zunächst werden Rahab und ihre Angehörigen außerhalb des israelitischen Lagers untergebracht. Diese Einzelheit verhindert eine vorschnelle Vorstellung, als sei ihre Eingliederung in Israel ohne jede Übergangsphase geschehen. Rahab kommt aus einer kanaanitischen Stadt, und ihre Aufnahme in die Gemeinschaft Israels geschieht innerhalb eines Volkes, dessen Leben durch die von Gott gegebenen Ordnungen bestimmt wird. Der Bericht erklärt nicht jedes Detail dieses Übergangs. Er hält jedoch fest, dass Rahab nicht einfach nach der Rettung wieder fortgeht.

Während Jericho verbrannt und vernichtet wird, bleibt Rahab am Leben. Josua 6,25 fasst ihre Rettung ausdrücklich zusammen: Josua ließ Rahab, das Haus ihres Vaters und alles, was zu ihr gehörte, leben. Der Grund wird erneut genannt: Sie hatte die Boten verborgen, die Josua ausgesandt hatte, um Jericho auszukundschaften. Was zunächst wie eine einzelne riskante Entscheidung in einem Haus an der Stadtmauer begann, erhält damit eine dauerhafte Folge.

Der Text fügt hinzu, Rahab habe „mitten in Israel“ gewohnt „bis auf diesen Tag“ (Josua 6,25). Diese Formulierung bezieht sich auf die Zeit, aus deren Perspektive der Bericht geschrieben beziehungsweise abgeschlossen wurde. Sie beweist nicht, dass Rahab unbegrenzt lange lebte, sondern unterstreicht, dass ihre Aufnahme in Israel keine vorübergehende Notlösung war. Die Frau aus Jericho wird tatsächlich Teil des Volkes, dessen Gott sie zuvor aus der Ferne erkannt und bekannt hatte.

Damit verändert sich Rahabs Stellung grundlegend. Ihr früheres Leben wird in der Bibel nicht ausgelöscht oder verschwiegen, doch es bestimmt nicht ihr endgültiges Verhältnis zum Volk Gottes. Sie wird aus einer Stadt des Gerichts herausgerettet und erhält einen Platz unter Israel. Das Neue Testament wird später noch zeigen, dass ihre Geschichte damit keineswegs endet. Rahabs Name erscheint erneut – nicht am Rand der Heilsgeschichte, sondern in Zusammenhängen, die ihren Glauben ausdrücklich würdigen und ihre Verbindung bis zur Abstammungslinie Jesu Christi verfolgen.

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Rahab wird Teil der Linie, die zu Christus führt

Matthäus 1,1-6 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram, 4 Aram zeugte den Aminadab, Aminadab zeugte den Nahasson, Nahasson zeugte den Salmon, 5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, Boas…"
Matthäus 1,1-6 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram, 4 Aram zeugte den Aminadab, Aminadab zeugte den Nahasson, Nahasson zeugte den Salmon, 5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, Boas…"
Ruth 4,18-22 – „18 Und dies ist der Stammbaum des Perez: 19 Perez zeugte Hezron, Hezron zeugte Ram, Ram zeugte Amminadab, 20 Amminadab zeugte Nahasson, Nahasson zeugte Salmon, 21 Salmon zeugte Boas, Boas zeugte Obed, Obed zeugte Isai, 22 Isai zeugte David."
1. Chronik 2,10-12 – „10 Und Ram zeugte Amminadab, und Amminadab zeugte Nachschon, den Fürsten der Kinder Judas. 11 Und Nachschon zeugte Salma, Salma zeugte Boas. 12 Boas zeugte Obed, Obed zeugte Isai,"

Mit Josua 6 endet die eigentliche erzählte Lebensgeschichte Rahabs. Die Bibel berichtet nicht, wie lange sie danach lebte, wie ihr Alltag innerhalb Israels aussah oder wann und unter welchen Umständen sie starb. Auch über die weitere Entwicklung ihrer Familie erzählt das Buch Josua nichts. Erst viel später begegnet ihr Name erneut – diesmal nicht in einer Kriegserzählung, sondern in einem Stammbaum, der ihre bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung sichtbar macht.

Das Matthäusevangelium beginnt mit dem Geschlechtsregister Jesu Christi. Innerhalb dieser Linie heißt es: „Salmon zeugte den Boas mit der Rahab“ (Matthäus 1,5). Damit nennt das Neue Testament Rahab als Mutter des Boas und ordnet sie unmittelbar in die Abstammungslinie ein, die über Boas und Ruth weiter zu Obed, Isai und schließlich zu David führt. Jahrhunderte später führt dieselbe genealogische Linie bis zu Jesus Christus.

Das Alte Testament erzählt diese Verbindung Rahabs mit Salmon nicht als eigene Lebensszene. Weder das Buch Josua noch Ruth schildern ihre Ehe oder die Geburt des Boas. Deshalb dürfen keine Einzelheiten darüber ergänzt werden, wann Rahab Salmon heiratete, wie die beiden einander kennenlernten oder wie ihr späteres Familienleben aussah. Was Matthäus ausdrücklich offenbart, ist ausreichend: Rahab wurde innerhalb Israels nicht nur geduldet, sondern erhielt einen festen Platz in jener Familie, aus der später König David und schließlich nach dem Fleisch der Messias hervorgehen sollten.

Die alttestamentlichen Stammbäume bestätigen die Linie von Salmon über Boas, Obed und Isai zu David (Ruth 4,20-22; 1. Chronik 2,10-12), nennen dort jedoch Rahabs Namen nicht. Erst Matthäus ergänzt ausdrücklich, dass Boas von Salmon und Rahab abstammte. Die verschiedenen Texte widersprechen sich damit nicht. Die kürzeren alttestamentlichen Genealogien konzentrieren sich auf die männliche Abstammungslinie, während Matthäus an ausgewählten Stellen auch Frauen nennt und dadurch zusätzliche Informationen bewahrt.

Rahabs Aufnahme in diese Linie besitzt eine besondere heilsgeschichtliche Tiefe. Sie war nicht als Israelitin geboren worden, sondern hatte in Jericho gelebt, einer Stadt, die unter Gottes Gericht fiel. Ihre Vergangenheit und Herkunft werden im biblischen Zeugnis nicht nachträglich umgeschrieben. Dennoch wird sie durch Gottes rettendes Handeln aus Jericho herausgeführt und findet ihren Platz mitten in Israel. Nun zeigt das Neue Testament, dass ihre Geschichte sogar mit der davidischen und messianischen Linie verbunden wurde.

Gerade dadurch wird deutlich, dass Gottes Erlösungsplan nicht auf menschliche Herkunft oder eine makellose Vergangenheit gegründet ist. Rahabs früherer Lebensweg wird nicht zum Verdienst, und ihre Rettung wird nicht dadurch erklärt, dass sie bereits zu Israel gehört hätte. Sie hört von Gottes Handeln, glaubt ihm, stellt sich auf seine Seite und wird gerettet. Später erscheint sie innerhalb jener Geschichte, durch die Gott seine Verheißungen bis zum Kommen Christi weiterführt.

Dabei sollte Rahab nicht vorschnell zu einem bloßen Symbol gemacht werden. Ihre Bedeutung besteht zunächst in dem, was die Bibel tatsächlich über sie sagt: Sie war eine reale Frau, die aus Jericho gerettet, in Israel aufgenommen und zur Vorfahrin Davids wurde. Gerade diese konkrete Geschichte führt schließlich zu Christus. Matthäus eröffnet sein Evangelium mit Jesus als Sohn Davids und Sohn Abrahams und nennt innerhalb dieser Linie ausdrücklich Rahab. Ihre Aufnahme in Israel war somit nicht nur das Ende ihrer alten Geschichte, sondern wurde Teil einer viel größeren Geschichte der Verheißung.

Damit erhält auch Josuas kurze Aussage, Rahab habe mitten in Israel gewohnt, eine weitreichende Fortsetzung. Sie blieb nicht lediglich die gerettete Frau aus dem zerstörten Jericho. Ihr Name wurde in der Schrift mit einer Familie verbunden, aus der Israels Königsgeschlecht und schließlich Jesus Christus hervorgingen. Doch das Neue Testament erinnert Rahab noch aus einem weiteren Grund: Nicht nur ihre Abstammung wird genannt. Hebräer und Jakobus greifen ausdrücklich auf ihre Entscheidung gegenüber den Kundschaftern zurück und erklären, was diese über ihren Glauben erkennen lässt.

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Das Neue Testament erinnert Rahab als Frau des Glaubens

Hebräer 11,30-31 – „30 Durch Glauben fielen die Mauern von Jericho, nachdem sie sieben Tage umzogen worden waren. 31 Durch Glauben kam Rahab, die Dirne, nicht mit den Ungehorsamen um, weil sie die Kundschafter mit Frieden aufgenommen hatte."
Hebräer 11,30-31 – „30 Durch Glauben fielen die Mauern von Jericho, nachdem sie sieben Tage umzogen worden waren. 31 Durch Glauben kam Rahab, die Dirne, nicht mit den Ungehorsamen um, weil sie die Kundschafter mit Frieden aufgenommen hatte."
Jakobus 2,24-26 – „24 Da seht ihr, daß der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein. 25 Ist nicht ebenso auch die Dirne Rahab durch Werke gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg entließ? 26 Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot."

Jahrhunderte nach der Einnahme Jerichos greift das Neue Testament Rahabs Geschichte erneut auf. Dabei wird sie nicht nur wegen ihrer Stellung im Stammbaum Jesu erwähnt. Der Hebräerbrief und der Jakobusbrief schauen ausdrücklich auf jene Entscheidung zurück, die sie getroffen hatte, als die beiden israelitischen Kundschafter zu ihr kamen. Beide Texte nennen weiterhin offen ihre frühere Bezeichnung als Hure. Ihre Vergangenheit wird also nicht nachträglich verschwiegen, doch sie bestimmt auch nicht das letzte biblische Urteil über ihr Leben.

Hebräer 11 stellt Rahab in eine lange Reihe von Menschen, deren Handeln aus Glauben hervorging. Unmittelbar zuvor wird berichtet, dass die Mauern Jerichos durch Glauben fielen, nachdem Israel sieben Tage um sie gezogen war. Dann richtet sich der Blick auf die Frau innerhalb dieser verurteilten Stadt: „Durch Glauben kam die Hure Rahab nicht mit den Ungläubigen um, weil sie die Kundschafter mit Frieden aufgenommen hatte“ (Hebräer 11,31). Das Neue Testament erklärt damit ausdrücklich, was hinter Rahabs Entscheidung stand: Glaube.

Diese Bewertung hilft zugleich, ihre Geschichte in Josua richtig zu gewichten. Rahab hatte dieselben Berichte über Gottes Handeln gehört, die auch andere Bewohner Jerichos erreicht hatten. Die ganze Stadt fürchtete sich, doch bei Rahab führte das Gehörte zu mehr als Furcht. Sie erkannte den HERRN als Gott im Himmel und auf Erden an, nahm seine Boten auf und verband ihr eigenes Schicksal mit dem Volk, dem Gott das Land verheißen hatte. Hebräer sieht genau darin Glauben, der sich in einer konkreten Entscheidung äußerte.

Auffällig ist außerdem der Gegensatz zu denen, mit denen Rahab nicht unterging. Während Jericho dem angekündigten Gericht entgegenging, wird Rahab aufgrund ihres Glaubens aus diesem Schicksal herausgenommen. Der Text sagt nicht, sie sei gerettet worden, weil ihre Vergangenheit besser gewesen wäre als die der übrigen Stadtbewohner. Gerade ihre wiederholte Bezeichnung als Hure schließt eine solche Vorstellung aus. Ihre Rettung zeigt vielmehr, dass Gottes Gnade einen Menschen nicht aufgrund einer makellosen Vorgeschichte annimmt, sondern dass echter Glaube sich dem offenbarten Gott zuwendet.

Auch Jakobus greift Rahab auf, allerdings innerhalb einer Auseinandersetzung über das Verhältnis von Glauben und Werken. Nachdem er Abraham als Beispiel genannt hat, fragt er: „Ist nicht gleicherweise auch die Hure Rahab durch Werke gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausließ?“ (Jakobus 2,25). Wieder sind es dieselben wesentlichen Handlungen, die hervorgehoben werden: Sie nahm die Boten auf und half ihnen, sicher weiterzuziehen.

Jakobus stellt diese Werke nicht als Ersatz für den Glauben dar. Sein gesamter Gedankengang richtet sich gegen einen angeblichen Glauben, der keinerlei entsprechende Frucht hervorbringt. Deshalb erklärt er anschließend: „Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jakobus 2,26). Rahab wird somit nicht zum Beispiel dafür, dass ein Mensch sich Gottes Rettung durch eigene Leistungen verdient. Ihre Handlungen zeigen vielmehr, dass ihr Bekenntnis zum Gott Israels nicht nur aus Worten bestand. Der Glaube, den Hebräer ausdrücklich nennt, wurde in ihrem Handeln sichtbar.

Gerade die Verbindung beider neutestamentlichen Rückblicke bewahrt vor einer falschen Gegenüberstellung. Hebräer sagt: Rahab handelte „durch Glauben“. Jakobus zeigt: Dieser Glaube blieb nicht ohne Werke. Glaube und Gehorsam werden damit nicht zu konkurrierenden Wegen der Erlösung. Die Werke sind nicht die Grundlage der Gnade, sondern die sichtbare Frucht eines Glaubens, der Gottes Wort ernst nimmt und entsprechend handelt.

Damit erhält Rahabs Geschichte eine bleibende biblische Bewertung. Sie wird weder wegen ihrer Herkunft ausgeschlossen noch wegen ihrer Vergangenheit auf Dauer festgelegt. Die Frau aus Jericho, deren Leben zunächst nur in wenigen Kapiteln des Alten Testaments erscheint, wird im Neuen Testament als Glaubenszeugin erinnert und zugleich in der Abstammungslinie Christi genannt. Ihre Geschichte verbindet deshalb auf außergewöhnliche Weise Gericht und Rettung, Glauben und Handeln, Aufnahme in Gottes Volk und die Weiterführung seines Erlösungsplans bis zu Jesus Christus.

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Zusammenfassung und Gebet

Rahabs Geschichte gehört zu den kurzen, aber außergewöhnlich weitreichenden Lebensgeschichten der Bibel. Über ihre frühen Jahre erfahren wir nichts, und auch ihr späteres Leben innerhalb Israels wird nicht ausführlich erzählt. Dennoch lässt sich an den wenigen sicheren Stationen eine klare Bewegung erkennen: Eine Frau aus Jericho hört von dem Handeln des Gottes Israels, erkennt seine Herrschaft an, richtet ihr Handeln danach aus und wird aus einer Stadt gerettet, über die das Gericht kommt.

Dabei verschweigt die Schrift Rahabs Vergangenheit nicht. Sie wird sowohl im Alten als auch im Neuen Testament als Hure bezeichnet. Doch bemerkenswert ist, dass diese Bezeichnung nicht das letzte Urteil über sie bildet. Die Bibel erinnert Rahab später vor allem wegen ihres Glaubens. Was sie gewesen war, wird nicht geleugnet; was Gottes Gnade aus ihrem weiteren Lebensweg machte, wird ebenso wenig verschwiegen. Gerade darin wird sichtbar, dass Herkunft und Vergangenheit einen Menschen nicht außerhalb der Reichweite Gottes festlegen.

Rahabs Glaube begann mit dem, was sie über Gottes Handeln gehört hatte. Auch die übrigen Bewohner Jerichos kannten die Berichte über das Rote Meer und die Siege Israels. Bei Rahab führte das Gehörte jedoch zu einem persönlichen Bekenntnis: Der HERR ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten. Diese Überzeugung blieb nicht theoretisch. Sie nahm die Kundschafter auf, stellte sich auf ihre Seite und handelte im Vertrauen darauf, dass Gottes angekündigtes Handeln wirklich eintreffen würde.

Das scharlachrote Zeichen an ihrem Fenster gehörte zu dieser konkreten Rettungszusage. Die Schnur selbst besaß keine rettende Macht, und der biblische Bericht erklärt ihre Farbe nicht ausdrücklich als Symbol für das Blut Christi. Ihre Bedeutung lag darin, dass Rahab der gegebenen Zusage vertraute und das vereinbarte Zeichen anbrachte. Als Jericho fiel, wurde der Schwur gehalten: Sie und die Menschen, die sich in ihrem Haus befanden, wurden aus der Stadt herausgeführt.

Doch Gottes Handeln mit Rahab endete nicht damit, sie lediglich vor dem Tod zu bewahren. Sie erhielt einen Platz mitten in Israel. Später nennt Matthäus sie als Mutter des Boas und damit innerhalb der Linie, die über David schließlich zu Jesus Christus führt. Eine Frau aus einem gerichteten kanaanitischen Jericho erscheint dadurch im Stammbaum des Messias. Gottes Erlösungsplan erweist sich größer als ethnische Herkunft, gesellschaftlicher Ruf oder eine belastete Vergangenheit.

Das Neue Testament bestätigt zugleich, worin Rahabs bleibende Bedeutung liegt. Hebräer erklärt ausdrücklich, dass sie „durch Glauben“ nicht mit den Ungläubigen umkam. Jakobus richtet den Blick auf die sichtbaren Folgen dieses Glaubens: Sie nahm die Boten auf und half ihnen weiter. Beide Aussagen widersprechen einander nicht. Rahab wurde nicht durch menschliche Leistung würdig gemacht; vielmehr zeigte ihr Handeln, dass ihr Bekenntnis zu Gott wirklich ihr Leben erfasst hatte.

Damit weist Rahabs Geschichte auf eine Grundlinie des Evangeliums. Gottes Gnade erreicht Menschen nicht deshalb, weil ihre Vergangenheit makellos wäre oder sie bereits zum richtigen Umfeld gehörten. Der Gott Israels wurde auch von einer Frau in Jericho erkannt, die zunächst außerhalb seines Bundesvolkes stand. Ihr Glaube führte sie aus dem Gericht in die Gemeinschaft seines Volkes – und ihre Geschichte wurde sogar mit dem Kommen Christi verbunden.

Rahabs Name bleibt deshalb nicht als Erinnerung an ihre frühere Stellung stehen. Die Schrift erinnert an eine Frau, die Gottes Handeln hörte, ihm glaubte und entsprechend handelte. Wo Jericho fiel, wurde sie bewahrt. Wo ihre Herkunft sie außerhalb Israels eingeordnet hatte, erhielt sie einen Platz unter Gottes Volk. Und wo ihre Vergangenheit menschlich gegen sie gesprochen hätte, führte Gottes Gnade ihre Geschichte bis in die menschliche Abstammungslinie Jesu Christi hinein.

Herr, ich danke dir, dass deine Gnade Menschen unabhängig von Herkunft und Vergangenheit erreichen kann. Schenke mir einen Glauben, der dein Wort nicht nur hört, sondern ihm wirklich vertraut und sich im Leben zeigt. Bewahre mich davor, Menschen auf ihre Vergangenheit festzulegen, wenn du sie rufst und erneuerst. Lass mich wie Rahab erkennen, dass du allein Gott bist, und hilf mir, meine Sicherheit nicht in sichtbaren Umständen, sondern in deinen Verheißungen zu suchen. Danke, dass dein Erlösungsplan in Jesus Christus Hoffnung und Rettung eröffnet. Amen.

„Durch Glauben kam die Hure Rahab nicht mit den Ungläubigen um, weil sie die Kundschafter mit Frieden aufgenommen hatte.“ Hebräer 11,31

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