Pontius Pilatus
Pontius Pilatus in der Bibel
Pontius Pilatus war der römische Statthalter, vor dem Jesus angeklagt und schließlich zur Kreuzigung übergeben wurde. Die Evangelien zeigen ihn als politischen Richter, der mit der Frage nach Jesu Schuld und Königtum konfrontiert wurde und dabei eine Entscheidung von außergewöhnlicher heilsgeschichtlicher Tragweite traf. Sein Handeln gehört unmittelbar zum biblischen Bericht über das Leiden und den Tod Jesu Christi.
Einführung
Pontius Pilatus tritt in der Bibel nicht mit einer ausführlichen Lebensgeschichte auf. Über seine Herkunft, seine Familie, seine Jugend oder den Beginn seiner politischen Laufbahn berichtet die Schrift nichts. Als er im biblischen Bericht erscheint, besitzt er bereits ein mächtiges Amt: Er steht als römischer Statthalter in Judäa und damit an einer entscheidenden Schnittstelle zwischen römischer Herrschaft und dem jüdischen Volk.
Seine Bedeutung entsteht deshalb weniger aus dem Umfang seiner Biografie als aus der Situation, in die er hineingestellt wird. Alle vier Evangelien verbinden ihn mit den letzten Stunden des irdischen Lebens Jesu. Dabei begegnen sich politische Macht, religiöse Anklage, menschliche Verantwortung und die Person Christi auf ungewöhnlich konzentrierte Weise. Pilatus muss sich nicht mit einer gewöhnlichen politischen Streitfrage beschäftigen, sondern mit Jesus selbst und mit der Frage, was mit diesem Angeklagten geschehen soll.
Gerade deshalb verlangt seine Geschichte sorgfältiges Lesen. Pilatus darf weder zu einem bloßen Werkzeug ohne eigene Verantwortung gemacht noch als alleiniger Verantwortlicher für den Tod Jesu dargestellt werden. Die Evangelien zeigen mehrere beteiligte Gruppen und Personen, während zugleich deutlich bleibt, dass jeder Beteiligte für sein eigenes Handeln verantwortlich ist. Gottes Erlösungsplan schreitet durch menschliche Entscheidungen hindurch voran, ohne dadurch Schuld in Unschuld zu verwandeln.
Der früheste sichere Ausgangspunkt für Pilatus liegt dort, wo die Bibel ihn bereits in seinem Regierungsamt zeigt. Noch bevor der ausführliche Prozess Jesu beginnt, wird sichtbar, dass Pilatus innerhalb der politischen Ordnung jener Zeit eine reale Macht über Leben und Tod ausübt. Von diesem Punkt aus beginnt seine eigentliche biblische Geschichte.
Pilatus regiert über Judäa
Lukas 3,1 – „1 Im fünfzehnten Jahre aber der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Vierfürst der Landschaft Ituräa und Trachonitis und Lysanias Vierfürst von Abilene,"
Lukas 3,1 – „1 Im fünfzehnten Jahre aber der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Vierfürst der Landschaft Ituräa und Trachonitis und Lysanias Vierfürst von Abilene,"
Lukas 13,1 – „1 Es kamen aber zur selben Zeit etliche herbei, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte."
Die erste zeitliche Einordnung des Pontius Pilatus gibt Lukas zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Er nennt ihn als denjenigen, der zu dieser Zeit Judäa regierte, während Tiberius Kaiser des Römischen Reiches war (Lukas 3,1). Pilatus erscheint damit von Anfang an als Vertreter weltlicher Herrschaft in dem Gebiet, in dem ein entscheidender Abschnitt der Heilsgeschichte seinen Lauf nimmt. Die Bibel erzählt nicht, wie er zu diesem Amt gekommen war und wie sein Leben zuvor ausgesehen hatte. Seine biblische Lebensgeschichte beginnt deshalb nicht mit Herkunft oder Jugend, sondern mit seiner Stellung als römischer Machthaber.
Diese kurze Angabe ist für das Verständnis seiner späteren Begegnung mit Jesus wichtig. Pilatus steht nicht zufällig oder als Privatperson im Evangelienbericht, sondern besitzt politische und richterliche Autorität. Als Statthalter trägt er Verantwortung für die römische Verwaltung Judäas und wird später gerade deshalb zum entscheidenden Ansprechpartner, als Jesus vor die römische Gerichtsbarkeit gebracht wird. Noch liegt dieser Prozess jedoch vor ihm. Zunächst macht Lukas lediglich sichtbar, in welcher geschichtlichen Ordnung Pilatus seinen Platz einnimmt.
Die gleiche Zeitangabe stellt Pilatus zugleich in einen größeren Zusammenhang. Während Kaiser Tiberius über das Römische Reich herrscht und verschiedene politische sowie religiöse Amtsträger genannt werden, ergeht das Wort Gottes an Johannes den Täufer (Lukas 3,1-2). Der Kontrast liegt im Text selbst: Auf der einen Seite stehen die Namen der sichtbaren Machthaber, auf der anderen beginnt Gott seinen angekündigten Weg zur Vorbereitung des Messias. Die Geschichte des Reiches Gottes entwickelt sich nicht außerhalb menschlicher Herrschaftssysteme, sondern mitten in ihnen. Pilatus gehört zu jener politischen Welt, in der Jesus öffentlich auftreten, verworfen und schließlich gekreuzigt werden wird.
Eine weitere frühe Erwähnung gibt Einblick in die Härte, mit der Pilatus seine Macht ausüben konnte. Menschen berichten Jesus von Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte (Lukas 13,1). Der Text erklärt weder die genauen Umstände noch den politischen Anlass dieses Geschehens. Deshalb wäre es falsch, Einzelheiten hinzuzufügen, die die Bibel nicht nennt. Sicher ist jedoch, dass Pilatus mit einer gewaltsamen Tötung verbunden wird, die offenbar sogar im Zusammenhang mit dem Opferdienst stand.
Jesus benutzt diese Nachricht bemerkenswerterweise nicht dazu, Pilatus ausführlich politisch zu beurteilen. Er widerspricht vielmehr der Vorstellung, die getöteten Galiläer müssten wegen ihres Schicksals größere Sünder gewesen sein als andere. Seine Antwort richtet den Blick der Zuhörer auf ihre eigene Notwendigkeit zur Umkehr (Lukas 13,2-3). Damit wird Pilatus' Gewalttat weder gutgeheißen noch entschuldigt. Doch Jesus lässt ein erschütterndes Ereignis nicht zu einer Gelegenheit werden, sich über die Opfer moralisch zu erheben.
Für die Lebensgeschichte des Pilatus entsteht damit schon vor dem Prozess Jesu ein klares, aber begrenztes Bild. Er besitzt reale politische Macht, und die Bibel verbindet seinen Namen bereits mit der Tötung von Menschen. Mehr über seine Beweggründe, seine persönliche Haltung oder die näheren Umstände dieses Ereignisses erfahren wir nicht. Gerade deshalb muss seine Person zunächst aus seinen tatsächlichen Entscheidungen verstanden werden und nicht aus einer nachträglich konstruierten Charakterbeschreibung.
Als Pilatus später Jesus gegenübersteht, begegnet Christus also einem Mann, der an politische Autorität und Entscheidungen über menschliches Leben gewöhnt ist. Doch die Rollen werden auf eine tiefere Weise umgekehrt: Derjenige, der äußerlich richten kann, wird selbst mit der Wahrheit über Jesus konfrontiert. Bevor es dazu kommt, führen die Evangelien jedoch zunächst durch die Ereignisse, die Jesus schließlich vor den römischen Statthalter bringen.
Jesus wird vor Pilatus angeklagt
Lukas 23,1-5 – „1 Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus. 2 Sie fingen aber an, ihn zu verklagen und sprachen: Wir haben gefunden, daß dieser das Volk verführt und ihm wehrt, dem Kaiser die Steuern zu zahlen, und behauptet, er sei Christus, der König. 3 Da fragte ihn Pilatus und sprach: Du bist der König der Juden? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es! 4 Da sprach Pilatus zu de…"
Lukas 23,1-5 – „1 Und die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus. 2 Sie fingen aber an, ihn zu verklagen und sprachen: Wir haben gefunden, daß dieser das Volk verführt und ihm wehrt, dem Kaiser die Steuern zu zahlen, und behauptet, er sei Christus, der König. 3 Da fragte ihn Pilatus und sprach: Du bist der König der Juden? Er antwortete ihm und sprach: Du sagst es! 4 Da sprach Pilatus zu de…"
Johannes 18,28-38 – „28 Sie führten nun Jesus von Kajaphas in das Amthaus. Es war aber noch früh. Und sie selbst betraten das Amthaus nicht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passah essen könnten. 29 Da ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: Was für eine Klage erhebt ihr wider diesen Menschen? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre er kein Übeltäter, so hätten wir ihn dir nicht überantwortet! 31 Da s…"
Matthäus 27,1-2 – „1 Als es aber Morgen geworden war, hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes einen Rat wider Jesus, um ihn zum Tode zu bringen. 2 Und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus."
Markus 15,1 – „1 Und alsbald in der Frühe faßten die Hohenpriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat einen Beschluß und führten Jesus gebunden hin und überantworteten ihn dem Pilatus."
Nach der nächtlichen Verhandlung gegen Jesus wird Pilatus unmittelbar in die Ereignisse hineingezogen. Am frühen Morgen beraten die führenden jüdischen Männer über Jesus und führen ihn gebunden zu dem römischen Statthalter (Matthäus 27,1-2; Markus 15,1). Damit beginnt für Pilatus die Begegnung, durch die sein Name dauerhaft mit dem Tod Christi verbunden bleibt. Die religiösen Führer haben ihre Entscheidung bereits getroffen, doch nun benötigen sie die Autorität des römischen Statthalters.
Lukas berichtet genauer, mit welchen Vorwürfen Jesus vor Pilatus gebracht wird. Die Ankläger behaupten, Jesus verführe das Volk, verbiete die Zahlung von Steuern an den Kaiser und gebe sich als Christus, als König, aus (Lukas 23,2). Diese Anschuldigungen sind auf die politische Ebene zugeschnitten. Vor dem jüdischen Rat war die Frage nach Jesu Anspruch und seiner Identität entscheidend gewesen; vor Pilatus wird besonders hervorgehoben, was als Gefahr für die römische Herrschaft erscheinen konnte.
Gerade der Vorwurf bezüglich der Steuerzahlung zeigt, wie vorsichtig die Aussagen der Ankläger beurteilt werden müssen. Jesus hatte ausdrücklich gelehrt, dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört (Matthäus 22,15-22). Die Behauptung, er verbiete grundsätzlich die Zahlung von Steuern, entspricht daher nicht seinem überlieferten Wort. Pilatus hört also nicht einfach eine neutrale Darstellung der Tatsachen, sondern Anklagen, deren Wahrheitsgehalt geprüft werden muss.
Im Mittelpunkt seines ersten Verhörs steht die Frage nach Jesu Königtum. Pilatus fragt ihn, ob er der König der Juden sei (Lukas 23,3). Johannes überliefert diesen Teil des Gesprächs ausführlicher. Jesus macht deutlich, dass sein Reich nicht aus dieser Welt ist; wäre es von dieser Welt, würden seine Diener für ihn kämpfen. Sein Königtum steht deshalb nicht auf derselben Grundlage wie die politischen Reiche, mit denen Pilatus vertraut ist (Johannes 18,33-36).
Damit wird Pilatus mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die seine gewöhnlichen politischen Maßstäbe übersteigt. Jesus leugnet sein Königtum nicht, doch er erklärt dessen Wesen. Er ist nicht als bewaffneter Aufständischer vor Pilatus erschienen. Sein Reich wird nicht durch militärische Gewalt errichtet, und seine Diener haben ihn nicht durch einen politischen Kampf vor der Gefangennahme bewahrt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Jesus überhaupt König ist, sondern welche Art von König vor Pilatus steht.
Das Gespräch führt noch weiter. Jesus verbindet sein Kommen in die Welt mit dem Zeugnis für die Wahrheit, worauf Pilatus mit der bekannten Frage antwortet: „Was ist Wahrheit?“ (Johannes 18,37-38). Der Bericht sagt nicht ausdrücklich, mit welchem inneren Motiv Pilatus diese Worte spricht. Ob darin Skepsis, Gleichgültigkeit oder eine ernsthafte Frage liegt, lässt sich aus dem Text nicht sicher bestimmen. Entscheidend ist, was Pilatus anschließend tut: Er geht wieder zu den Anklägern hinaus und erklärt, dass er keine Schuld an Jesus findet.
Auch Lukas berichtet dieses erste Urteil. Nachdem Pilatus Jesus befragt hat, sagt er zu den obersten Priestern und der Volksmenge, er finde keine Schuld an diesem Menschen (Lukas 23,4). Damit besitzt Pilatus bereits früh eine wichtige Erkenntnis über den Fall, der vor ihm liegt. Nach seiner eigenen Untersuchung sieht er keinen Grund für eine Verurteilung. Die Ankläger geben jedoch nicht nach, sondern verschärfen ihren Vorwurf und behaupten, Jesus wiegle das Volk in ganz Judäa auf, angefangen von Galiläa bis nach Jerusalem (Lukas 23,5).
Für Pilatus entsteht damit ein Konflikt zwischen dem Ergebnis seiner eigenen Prüfung und dem wachsenden Druck der Ankläger. Noch hat er Jesus nicht verurteilt; im Gegenteil, seine erste ausdrückliche Feststellung spricht gegen eine Verurteilung. Doch die Erwähnung Galiläas eröffnet ihm zunächst einen anderen Weg, mit dem Fall umzugehen. Als Pilatus hört, dass Jesus aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes stammt, versucht er, die Angelegenheit an diesen weiterzugeben.
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Pilatus schickt Jesus zu Herodes
Lukas 23,6-12 – „6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. 7 Und da er vernahm, daß er aus dem Gebiet des Herodes sei, sandte er ihn hin zu Herodes, der in diesen Tagen ebenfalls zu Jerusalem war. 8 Herodes aber freute sich sehr, als er Jesus sah; denn er hätte ihn schon längst gern gesehen, weil er viel von ihm gehört hatte, und er hoffte, ein Zeichen von ihm zu sehen. 9 Er legte ihm de…"
Lukas 23,6-12 – „6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. 7 Und da er vernahm, daß er aus dem Gebiet des Herodes sei, sandte er ihn hin zu Herodes, der in diesen Tagen ebenfalls zu Jerusalem war. 8 Herodes aber freute sich sehr, als er Jesus sah; denn er hätte ihn schon längst gern gesehen, weil er viel von ihm gehört hatte, und er hoffte, ein Zeichen von ihm zu sehen. 9 Er legte ihm de…"
Lukas 23,13-16 – „13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen 14 und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als mache er das Volk abtrünnig; und siehe, als ich ihn vor euch verhörte, habe ich an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deren ihr ihn anklagt, 15 aber auch Herodes nicht; denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt, und siehe, es ist nichts von ihm verüb…"
Die Erwähnung Galiläas verändert zunächst den Verlauf des Verfahrens. Als Pilatus hört, dass Jesus dort gewirkt hat, erkundigt er sich, ob dieser aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes stammt. Nachdem sich dies bestätigt, schickt er Jesus zu Herodes, der sich zu dieser Zeit ebenfalls in Jerusalem befindet (Lukas 23,6-7). Pilatus trifft damit noch kein endgültiges Urteil, sondern übergibt den Angeklagten vorübergehend an einen anderen Herrscher.
Gemeint ist Herodes, der über Galiläa herrscht und bereits zuvor im Evangelium mit Jesus in Verbindung gebracht worden ist. Nun steht Jesus tatsächlich vor ihm. Für die Lebensgeschichte des Pilatus ist entscheidend, dass die Weiterleitung an Herodes den Fall nicht beendet. Herodes untersucht Jesus zwar, schickt ihn schließlich aber wieder zu Pilatus zurück (Lukas 23,8-11). Die Verantwortung für die weitere Entscheidung liegt damit erneut bei dem römischen Statthalter.
Lukas berichtet zugleich eine bemerkenswerte Folge dieses Tages: Herodes und Pilatus werden miteinander befreundet, obwohl zuvor Feindschaft zwischen ihnen bestanden hatte (Lukas 23,12). Der Text erklärt nicht, weshalb gerade dieser Vorgang ihre Beziehung verändert. Deshalb sollte weder ein verborgenes politisches Motiv noch eine persönliche Absprache als Tatsache angenommen werden. Sicher ist nur, dass die Begegnung um Jesus herum auch die Beziehung dieser beiden Herrscher berührt.
Nach der Rückkehr Jesu ruft Pilatus die obersten Priester, die führenden Männer und das Volk zusammen. Nun fasst er das bisherige Verfahren ausdrücklich zusammen. Sie hätten Jesus als jemanden vor ihn gebracht, der das Volk aufwiegele; er selbst habe ihn jedoch in ihrer Gegenwart verhört und keine Schuld gefunden, die den erhobenen Anschuldigungen entspreche (Lukas 23,13-14). Pilatus wiederholt damit sein bereits zuvor ausgesprochenes Urteil.
Dann bezieht er Herodes in seine Begründung ein. Auch dessen Untersuchung habe offenbar keinen Grund ergeben, Jesus wegen eines todeswürdigen Verbrechens zu verurteilen. Pilatus gelangt deshalb zu der eindeutigen Feststellung, dass Jesus nichts getan habe, was den Tod verdiene (Lukas 23,15). An diesem Punkt ist die Lage aus der Sicht des römischen Richters bemerkenswert klar: Weder seine eigene Untersuchung noch die Weiterleitung an Herodes hat die Anschuldigungen bestätigt.
Gerade deshalb fällt der nächste Satz auf. Obwohl Pilatus keine todeswürdige Schuld findet, erklärt er, er wolle Jesus züchtigen lassen und anschließend freigeben (Lukas 23,16). Der Text nennt an dieser Stelle keinen Schuldspruch, der eine solche Bestrafung rechtfertigen würde. Pilatus verbindet also seine Feststellung der Unschuld mit der Absicht, Jesus dennoch bestrafen zu lassen. Damit beginnt sich eine Spannung zwischen seiner Erkenntnis und seinem tatsächlichen Handeln immer deutlicher abzuzeichnen.
Pilatus steht nun nicht mehr nur vor einer schwierigen Anklage. Er hat den Fall untersucht, Jesus befragt, Herodes einbezogen und anschließend öffentlich erklärt, dass kein todeswürdiges Vergehen vorliegt. Sein weiteres Handeln geschieht deshalb nicht ohne vorherige Erkenntnis. Während der Druck um Jesus zunimmt, wird für Pilatus immer entscheidender, ob seine eigene Feststellung über die Schuldlosigkeit des Angeklagten auch sein Urteil bestimmen wird.
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Pilatus stellt Jesus und Barabbas zur Wahl
Matthäus 27,15-23 – „15 Aber auf das Fest pflegte der Landpfleger dem Volke einen Gefangenen freizugeben, welchen sie wollten. 16 Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas. 17 Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt? 18 Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten. 19 Als er abe…"
Matthäus 27,15-23 – „15 Aber auf das Fest pflegte der Landpfleger dem Volke einen Gefangenen freizugeben, welchen sie wollten. 16 Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas. 17 Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt? 18 Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten. 19 Als er abe…"
Markus 15,6-14 – „6 Aber auf das Fest pflegte er ihnen einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. 7 Es lag aber ein gewisser Barabbas gefangen samt den Aufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten. 8 Und das Volk zog hinauf und fing an zu verlangen, [daß er täte,] wie er ihnen allezeit getan. 9 Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden freigebe? 10 Denn…"
Lukas 23,18-23 – „18 Da schrie aber der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem und gib uns Barabbas frei! 19 Der war wegen eines in der Stadt vorgefallenen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden. 20 Da redete ihnen Pilatus noch einmal zu, weil er Jesus freizulassen wünschte. 21 Sie aber riefen dagegen und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! 22 Und zum drittenmal sprach er zu ihnen: Was hat dieser denn …"
Johannes 18,39-40 – „39 Ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch am Passahfest einen freigebe; wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden freigebe? 40 Sie schrieen alle und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber."
Pilatus hat inzwischen mehrfach erklärt, dass er an Jesus keine Schuld findet, die den Tod rechtfertigen würde. Dennoch setzt er seine richterliche Erkenntnis nicht einfach in eine Freilassung um. Stattdessen greift er auf die Gewohnheit zurück, zum Fest einen Gefangenen freizugeben, den die Menge wünscht. Dadurch stellt er Jesus einem anderen Gefangenen gegenüber und versucht offenbar, die Entscheidung über seine Freilassung auf diesem Weg herbeizuführen.
Der andere Mann heißt Barabbas. Die Evangelien beschreiben ihn nicht als harmlosen Gefangenen, sondern verbinden ihn mit Aufruhr und Mord (Markus 15,7; Lukas 23,18-19). Johannes bezeichnet ihn als Räuber (Johannes 18,40). Pilatus stellt der Menge damit zwei sehr unterschiedliche Gefangene zur Wahl: den Mann, an dem er selbst keine Schuld gefunden hat, und einen Mann, dessen schwere Vergehen ausdrücklich genannt werden.
Matthäus ergänzt einen wichtigen Einblick in Pilatus' Einschätzung der Situation. Er erkennt, dass die führenden Männer Jesus aus Neid ausgeliefert haben (Matthäus 27,18). Pilatus ist demnach nicht lediglich über die Anklagen informiert, sondern durchschaut zumindest einen wesentlichen Beweggrund hinter ihnen. Diese Erkenntnis erhöht seine Verantwortung: Er weiß, dass die Forderung gegen Jesus nicht einfach das Ergebnis eines unvoreingenommenen Rechtsverfahrens ist.
Während Pilatus auf dem Richterstuhl sitzt, erreicht ihn zudem eine Nachricht seiner Frau. Sie warnt ihn, mit diesem Gerechten nichts zu schaffen zu haben, weil sie seinetwegen im Traum viel gelitten habe (Matthäus 27,19). Die Bibel erklärt nicht, wie dieser Traum zu deuten ist oder welche Wirkung die Botschaft innerlich auf Pilatus hat. Sicher ist jedoch, dass ihn mitten im Verfahren eine weitere Warnung erreicht, die Jesus ausdrücklich als gerecht bezeichnet. Pilatus besitzt damit immer mehr Gründe, nicht gegen seine eigene Erkenntnis zu handeln.
Unterdessen beeinflussen die obersten Priester und Ältesten die Menge und bewegen sie dazu, die Freilassung des Barabbas und den Tod Jesu zu verlangen (Matthäus 27,20). Als Pilatus fragt, welchen der beiden er freigeben soll, entscheidet sich die Menge für Barabbas. Johannes fasst die Wahl mit erschütternder Kürze zusammen: Nicht diesen, sondern Barabbas (Johannes 18,40). Der schuldige Gefangene soll frei werden, während derjenige, an dem Pilatus keine Schuld festgestellt hat, verworfen wird.
Pilatus fragt daraufhin, was mit Jesus geschehen solle. Die Antwort lautet: Er soll gekreuzigt werden. Pilatus setzt noch einmal entgegen: Was hat er denn Böses getan? (Matthäus 27,22-23; Markus 15,12-14). Damit bestätigt er erneut, dass er keinen ausreichenden Grund für diese Forderung erkennt. Doch statt auf eine konkrete Schuld hinzuweisen, steigert die Menge ihren Ruf nach der Kreuzigung.
Lukas berichtet, dass Pilatus weiterhin versucht, Jesus freizulassen. Zum dritten Mal erklärt er, keine todeswürdige Schuld gefunden zu haben, und wiederholt seine Absicht, Jesus nach einer Züchtigung freizugeben (Lukas 23,20-22). Die Forderungen der Menge werden jedoch immer lauter, bis ihr Geschrei schließlich die Oberhand gewinnt (Lukas 23,23). Der Gegensatz könnte kaum deutlicher sein: Pilatus spricht von fehlender Schuld, die Menge fordert den Tod.
Damit erreicht seine Geschichte einen entscheidenden Punkt. Das Problem besteht nun nicht mehr darin, dass Pilatus die Sachlage nicht beurteilen könnte. Er hat Jesus verhört, die Anklagen geprüft, Herodes einbezogen, die Motive der Ankläger erkannt und wiederholt ausgesprochen, dass er keinen Grund zur Todesstrafe findet. Die eigentliche Prüfung für Pilatus liegt jetzt darin, ob er dem erkannten Recht folgen oder dem zunehmenden äußeren Druck nachgeben wird.
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Pilatus lässt Jesus geißeln und führt ihn wieder hinaus
Johannes 19,1-12 – „1 Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm ein Purpurkleid um, traten vor ihn hin und sprachen: 3 Sei gegrüßt, du König der Juden! und gaben ihm Backenstreiche. 4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld a…"
Johannes 19,1-12 – „1 Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm ein Purpurkleid um, traten vor ihn hin und sprachen: 3 Sei gegrüßt, du König der Juden! und gaben ihm Backenstreiche. 4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld a…"
Matthäus 27,26-31 – „26 Da gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung. 27 Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesus in das Amthaus und versammelten die ganze Rotte um ihn. 28 Und sie zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um 29 und flochten eine Krone von Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugten vor ihm die Kn…"
Markus 15,15-20 – „15 Da nun Pilatus das Volk befriedigen wollte, gab er ihnen den Barabbas los und überantwortete Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, daß er gekreuzigt werde. 16 Die Kriegsknechte aber führten ihn hinein in den Hof, das ist das Amthaus, und riefen die ganze Rotte zusammen, 17 legten ihm einen Purpur um, flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf. 18 Und sie fingen an, ihn zu begrüßen…"
Nachdem der Versuch mit Barabbas gescheitert ist, lässt Pilatus Jesus geißeln (Johannes 19,1). Johannes berichtet diesen Schritt noch vor der endgültigen Übergabe zur Kreuzigung und zeigt damit, dass Pilatus weiterhin versucht, mit Jesus zu verfahren, ohne dem geforderten Todesurteil sofort vollständig nachzugeben. Doch seine eigene Feststellung bleibt bestehen: Er hat keine Schuld an Jesus gefunden. Gerade deshalb steht die Misshandlung des Angeklagten in einem scharfen Gegensatz zu dem Urteil, das Pilatus selbst zuvor ausgesprochen hat.
Nach der Geißelung übernehmen die Soldaten Jesus. Sie flechten eine Krone aus Dornen, setzen sie ihm auf, legen ihm ein Purpurgewand an und verspotten ihn als König der Juden. Dazu schlagen sie ihn (Johannes 19,2-3). Matthäus und Markus berichten diese Erniedrigungen ebenfalls und beschreiben, wie die Soldaten sein Königtum zum Gegenstand ihres Spotts machen (Matthäus 27,27-31; Markus 15,16-20). Was für sie wie eine Karikatur königlicher Würde erscheint, berührt zugleich die zentrale Frage, mit der Pilatus bereits konfrontiert worden ist: Wer ist dieser Jesus wirklich?
Pilatus führt Jesus anschließend erneut hinaus. Dabei erklärt er ausdrücklich, weshalb er ihn vor die Menge bringt: Sie sollen erkennen, dass er keine Schuld an ihm findet (Johannes 19,4). Noch einmal spricht Pilatus also das Ergebnis seiner eigenen Beurteilung aus. Jesus erscheint vor den Menschen mit der Dornenkrone und dem Purpurgewand, und Pilatus sagt: „Seht, der Mensch!“ (Johannes 19,5). Johannes erklärt nicht, welche weitergehende Bedeutung Pilatus selbst mit diesen Worten verband; deshalb sollte ihm keine christologische Einsicht zugeschrieben werden, die der Text nicht nennt.
Die führenden Priester und ihre Diener reagieren nicht mit Mitleid oder mit einer erneuten Prüfung der Anklage. Als sie Jesus sehen, rufen sie nach seiner Kreuzigung. Pilatus antwortet darauf, sie sollten ihn selbst nehmen und kreuzigen, denn er finde keine Schuld an ihm (Johannes 19,6). Diese Worte ändern nichts an seiner rechtlichen Verantwortung, zeigen aber erneut, wie entschieden seine persönliche Feststellung inzwischen geworden ist: Die Forderung nach dem Tod Jesu stimmt nicht mit dem Ergebnis seiner eigenen Untersuchung überein.
Nun nennen die Ankläger einen Vorwurf, der über die zuvor betonte politische Anklage hinausgeht. Nach ihrem Gesetz müsse Jesus sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht habe (Johannes 19,7). Als Pilatus diese Aussage hört, fürchtet er sich noch mehr. Johannes beschreibt damit ausdrücklich eine innere Reaktion des Statthalters. Welche Vorstellungen Pilatus dabei genau mit dem Ausdruck „Gottes Sohn“ verband, erklärt der Bericht nicht; sicher ist jedoch, dass die neue Aussage seine Unruhe verstärkt.
Pilatus nimmt Jesus daraufhin wieder mit hinein und fragt ihn: „Woher bist du?“ Jesus antwortet zunächst nicht (Johannes 19,9). Pilatus erinnert ihn an seine Macht: Er habe Vollmacht, ihn zu kreuzigen, und Vollmacht, ihn freizulassen. Darauf antwortet Jesus, Pilatus hätte keinerlei Macht über ihn, wenn sie ihm nicht von oben gegeben wäre; zugleich spricht Jesus von größerer Schuld bei demjenigen, der ihn Pilatus ausgeliefert hat (Johannes 19,10-11). Damit wird weder Pilatus von Verantwortung freigesprochen noch jede Schuld gleichgesetzt. Jesus erkennt unterschiedliche Verantwortungsgrade an und stellt zugleich klar, dass selbst die politische Macht des Statthalters nicht unabhängig von Gottes übergeordneter Herrschaft besteht.
Diese Worte verschieben die Perspektive des gesamten Verhörs. Äußerlich besitzt Pilatus die richterliche Autorität, doch Jesus spricht nicht wie jemand, dessen Leben letztlich von einem römischen Beamten abhängig wäre. Pilatus' Macht ist real, aber nicht absolut. Christus geht seinem Leiden nicht entgegen, weil menschliche Herrscher Gottes Erlösungsplan beherrschen, sondern obwohl sie für ihre Entscheidungen verantwortlich bleiben.
Johannes berichtet, dass Pilatus von da an noch stärker danach sucht, Jesus freizulassen (Johannes 19,12). Damit erreicht sein Bemühen einen neuen Höhepunkt. Doch gleichzeitig verschärfen die Ankläger den politischen Druck: Wer diesen Mann freilasse, sei kein Freund des Kaisers; wer sich selbst zum König mache, stelle sich gegen den Kaiser. Für Pilatus verengt sich die Entscheidung nun auf ihren entscheidenden Punkt. Seine Erkenntnis über Jesu Unschuld steht gegen die Angst vor den möglichen politischen Folgen einer Freilassung.
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Pilatus gibt dem Druck nach und übergibt Jesus zur Kreuzigung
Johannes 19,12-16 – „12 Von da an suchte Pilatus ihn freizugeben. Aber die Juden schrieen und sprachen: Lässest du diesen frei, so bist du nicht des Kaisers Freund; denn wer sich selbst zum König macht, der ist wider den Kaiser! 13 Als nun Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl, an der Stätte, die Steinpflaster genannt wird, auf hebräisch aber Gabbatha. 14 Es war aber R…"
Johannes 19,12-16 – „12 Von da an suchte Pilatus ihn freizugeben. Aber die Juden schrieen und sprachen: Lässest du diesen frei, so bist du nicht des Kaisers Freund; denn wer sich selbst zum König macht, der ist wider den Kaiser! 13 Als nun Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl, an der Stätte, die Steinpflaster genannt wird, auf hebräisch aber Gabbatha. 14 Es war aber R…"
Matthäus 27,24-26 – „24 Als nun Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern daß vielmehr ein Aufruhr entstand, nahm er Wasser und wusch sich vor dem Volk die Hände und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu! 25 Und alles Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! 26 Da gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kre…"
Markus 15,15 – „15 Da nun Pilatus das Volk befriedigen wollte, gab er ihnen den Barabbas los und überantwortete Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, daß er gekreuzigt werde."
Lukas 23,24-25 – „24 Da entschied Pilatus, daß ihre Forderung erfüllt werde, 25 und gab ihnen den frei, welcher eines Aufruhrs und Mordes wegen ins Gefängnis geworfen worden war, den sie begehrten; Jesus aber übergab er ihrem Willen."
Der politische Druck trifft Pilatus nun an einem empfindlichen Punkt. Als die Ankläger erklären, wer Jesus freilasse, sei kein Freund des Kaisers, führt Pilatus Jesus erneut hinaus und setzt sich auf den Richterstuhl (Johannes 19,12-13). Die Auseinandersetzung hat damit ihre entscheidende Stufe erreicht. Pilatus weiß weiterhin, dass er keine Schuld gefunden hat, doch eine mögliche Anklage gegen seine eigene Loyalität zum Kaiser steht nun im Raum.
Johannes berichtet, dass Pilatus Jesus der Menge noch einmal als ihren König vorstellt. Als die Menschen seine Beseitigung und Kreuzigung fordern, fragt er: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Die obersten Priester antworten: „Wir haben keinen König als den Kaiser!“ (Johannes 19,14-15). Gerade im Zusammenhang mit der Anklage gegen Jesus erhält diese Aussage besonderes Gewicht. Der Anspruch Jesu auf Königtum wird verworfen, während die Loyalität gegenüber dem römischen Kaiser ausdrücklich hervorgehoben wird.
Matthäus zeigt eine weitere Handlung des Pilatus in diesem letzten Abschnitt. Als er erkennt, dass sein Widerstand nichts erreicht und der Tumult vielmehr zunimmt, nimmt er Wasser und wäscht vor der Menge seine Hände. Dabei erklärt er sich für unschuldig am Blut dieses Gerechten und weist die Verantwortung von sich (Matthäus 27,24). Diese symbolische Handlung verändert jedoch nicht die Tatsache, dass Pilatus weiterhin der Richter ist, dessen Entscheidung den weiteren Verlauf bestimmt.
Gerade darin liegt die innere Spannung seines Handelns. Pilatus möchte sich von der Schuld distanzieren, während er zugleich die Forderung erfüllt, die er selbst für unbegründet hält. Seine Worte können seine Entscheidung nicht aufheben. Die Evangelien stellen ihn deshalb weder als den einzigen Schuldigen noch als einen bloß machtlosen Zuschauer dar. Andere haben Jesus ausgeliefert und seinen Tod gefordert; Pilatus besitzt dennoch eine eigene Verantwortung für das Urteil, das er schließlich bestätigt.
Lukas formuliert den Wendepunkt knapp: Pilatus entscheidet, dass ihre Forderung erfüllt werden solle (Lukas 23,24). Er lässt denjenigen frei, der wegen Aufruhrs und Mordes im Gefängnis gewesen war, und übergibt Jesus dem Willen seiner Ankläger (Lukas 23,25). Markus ergänzt, dass Pilatus damit der Menge Genüge tun wollte (Markus 15,15). Was zuvor als richterliche Untersuchung begonnen hatte, endet damit in einer Entscheidung, bei der der äußere Druck stärker wird als das von Pilatus selbst wiederholt ausgesprochene Urteil über Jesu Unschuld.
Johannes beschreibt denselben entscheidenden Schritt mit den Worten, dass Pilatus Jesus schließlich zur Kreuzigung übergab (Johannes 19,16). Damit ist die Grenze überschritten, auf die seine bisherigen Entscheidungen zugelaufen sind. Pilatus hatte nach Wegen gesucht, Jesus freizulassen, ihn zu Herodes geschickt, Barabbas zur Wahl gestellt und mehrfach erklärt, keine Schuld an ihm zu finden. Doch am Ende setzt er diese Erkenntnis nicht gegen die Forderung der Menge durch.
Die Evangelien machen dabei zugleich deutlich, dass Jesu Tod nicht als unkontrollierter Sieg menschlicher Macht verstanden werden darf. Jesus hatte Pilatus bereits gesagt, dessen Vollmacht sei ihm von oben gegeben worden (Johannes 19,11). Menschliche Schuld und Gottes souveräner Erlösungsplan stehen deshalb nicht gegeneinander. Pilatus handelt verantwortlich, die Ankläger handeln verantwortlich, und dennoch geht Christus freiwillig den Weg, durch den das Heil verwirklicht werden soll.
Für Pilatus ist die Übergabe Jesu zur Kreuzigung die folgenreichste Entscheidung seines biblisch berichteten Lebens. Er versucht, sich von der Verantwortung zu lösen, während er gerade durch sein amtliches Handeln die Kreuzigung ermöglicht. Doch seine Verbindung mit Jesus endet damit noch nicht. Selbst nachdem das Urteil gesprochen ist, tritt Pilatus während der Kreuzigung und nach Jesu Tod noch mehrfach in Erscheinung.
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Pilatus lässt Jesu Königstitel am Kreuz stehen
Johannes 19,19-22 – „19 Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden. 20 Diese Überschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Kön…"
Johannes 19,19-22 – „19 Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden. 20 Diese Überschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Kön…"
Matthäus 27,37 – „37 Und sie befestigten über seinem Haupte die Inschrift seiner Schuld: Dies ist Jesus, der König der Juden."
Markus 15,26 – „26 Und die Überschrift, welche seine Schuld anzeigte, lautete also: Der König der Juden."
Lukas 23,38 – „38 Es stand aber auch eine Inschrift über ihm in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dieser ist der König der Juden."
Nachdem Pilatus Jesus zur Kreuzigung übergeben hat, erscheint sein Name noch einmal unmittelbar im Zusammenhang mit dem Kreuz. Johannes berichtet, dass Pilatus eine Aufschrift anfertigen und über dem gekreuzigten Jesus anbringen lässt. Darauf steht: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ (Johannes 19,19). Was zuvor im Verhör als zentrale Frage behandelt worden war, steht nun öffentlich über dem Kreuz.
Auch die anderen Evangelien überliefern diese Aufschrift in leicht unterschiedlicher Form und mit demselben wesentlichen Inhalt: Jesus wird als König der Juden bezeichnet (Matthäus 27,37; Markus 15,26; Lukas 23,38). Die Unterschiede im Wortlaut verändern diese gemeinsame Aussage nicht. Johannes ergänzt, dass die Aufschrift auf Hebräisch, Griechisch und Lateinisch geschrieben war und von vielen gelesen werden konnte, weil der Ort der Kreuzigung nahe bei der Stadt lag (Johannes 19,20). Pilatus' Verfügung wird dadurch zu einer weithin sichtbaren öffentlichen Kennzeichnung Jesu.
Die obersten Priester wollen diese Formulierung jedoch nicht stehen lassen. Sie bitten Pilatus, nicht zu schreiben: „Der König der Juden“, sondern dass Jesus gesagt habe: „Ich bin der König der Juden“ (Johannes 19,21). Der Unterschied ist bedeutsam. Die vorgeschlagene Änderung hätte die Worte lediglich als Anspruch des Verurteilten wiedergegeben; Pilatus' tatsächliche Inschrift bezeichnet Jesus dagegen unmittelbar mit diesem Titel.
Diesmal gibt Pilatus dem Einwand nicht nach. Seine Antwort ist kurz und endgültig: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben“ (Johannes 19,22). Der Mann, der zuvor unter dem Druck der Menge von seiner eigenen Feststellung über Jesu Unschuld abgerückt war, verweigert nun eine nachträgliche Änderung der Kreuzesaufschrift. Der Text erklärt nicht ausdrücklich, weshalb Pilatus hier standhaft bleibt. Deshalb wäre es zu weitgehend, ihm damit ein persönliches Glaubensbekenntnis zu Jesus zuzuschreiben.
Dennoch erhält seine Anordnung innerhalb des Evangeliums eine Bedeutung, die über Pilatus' eigene Absicht hinausreicht. Jesus hatte vor ihm von seinem Königtum gesprochen und zugleich erklärt, dass sein Reich nicht aus dieser Welt sei (Johannes 18,36-37). Nun hängt über dem gekreuzigten Christus ausgerechnet eine von Pilatus veranlasste Bezeichnung als König. Die Kreuzigung scheint äußerlich die Verwerfung dieses Königs zu besiegeln, doch gerade dort bleibt sein Königstitel öffentlich sichtbar.
Dabei darf die Inschrift nicht von dem Geschehen am Kreuz getrennt werden. Jesus erringt sein Reich nicht durch politische Gewalt und verteidigt seinen Anspruch nicht mit den Mitteln irdischer Herrscher. Der König, den Pilatus zur Kreuzigung übergeben hat, geht den Weg des Leidens. Im Gesamtzeugnis des Neuen Testaments wird gerade dieser Tod zum Mittelpunkt des Erlösungswerkes Christi, nicht zum Scheitern seiner Sendung.
Für Pilatus selbst bleibt die Situation von einer tiefen Spannung geprägt. Er hat Jesus als unschuldig bezeichnet und dennoch der Kreuzigung übergeben; nun lässt er über ihm einen Titel anbringen, gegen den die führenden Ankläger ausdrücklich protestieren. Die Bibel sagt nicht, dass Pilatus die volle Bedeutung dessen erkannte, was er schreiben ließ. Seine Worte stehen jedoch im Bericht und bezeugen öffentlich genau jene Frage, mit der seine Begegnung mit Jesus begonnen hatte: Jesus und sein Königtum.
Während Jesus am Kreuz stirbt, tritt Pilatus zunächst aus dem Mittelpunkt der Erzählung zurück. Doch noch am selben Tag wird seine amtliche Entscheidung erneut benötigt. Ein Mitglied des jüdischen Rates bittet ihn um den Leichnam Jesu, und Pilatus muss sich vergewissern, ob der Gekreuzigte tatsächlich bereits gestorben ist.
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Pilatus bestätigt Jesu Tod und gibt den Leichnam frei
Markus 15,42-45 – „42 Und da es schon Abend geworden (es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor dem Sabbat), 43 kam Joseph von Arimathia, ein angesehener Ratsherr, der auch selbst auf das Reich Gottes wartete; der wagte es, ging zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. 44 Pilatus aber wunderte sich, daß er schon gestorben sein sollte, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. 45 U…"
Markus 15,42-45 – „42 Und da es schon Abend geworden (es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor dem Sabbat), 43 kam Joseph von Arimathia, ein angesehener Ratsherr, der auch selbst auf das Reich Gottes wartete; der wagte es, ging zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. 44 Pilatus aber wunderte sich, daß er schon gestorben sein sollte, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. 45 U…"
Matthäus 27,57-60 – „57 Als es nun Abend wurde, kam ein reicher Mann von Arimathia, namens Joseph, der auch ein Jünger Jesu geworden war. 58 Dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, daß er ihm gegeben werde. 59 Und Joseph nahm den Leichnam, wickelte ihn in reine Leinwand 60 und legte ihn in seine neue Gruft, welche er im Felsen hatte aushauen lassen; und er wälzte einen großen Stein vor die…"
Lukas 23,50-53 – „50 Und siehe, ein Mann namens Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann 51 (der ihrem Rat und Tun nicht beigestimmt hatte) von Arimathia, einer Stadt der Juden, der auf das Reich Gottes wartete, 52 dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu 53 und nahm ihn herab, wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in eine ausgehauene Gruft, worin noch niemand gelegen hatte."
Johannes 19,38-42 – „38 Darnach bat Joseph von Arimathia (der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden), den Pilatus, daß er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leib Jesu herab. 39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Also nahmen sie den Leib Jesu und …"
Als der Abend näher rückt, wird Pilatus noch einmal mit Jesus befasst. Josef von Arimathia, ein angesehener Ratsherr und Jünger Jesu, kommt zu ihm und bittet um den Leichnam des Gekreuzigten (Matthäus 27,57-58; Markus 15,42-43). Die Kreuzigung ist damit nicht mehr Gegenstand eines Gerichtsverfahrens; nun geht es um die Bestattung des Verstorbenen. Doch Pilatus gibt den Leichnam nicht ohne vorherige Prüfung frei.
Markus berichtet, dass Pilatus erstaunt ist, als er hört, Jesus sei bereits gestorben. Deshalb ruft er den Hauptmann zu sich und erkundigt sich, ob Jesus schon längere Zeit tot sei (Markus 15,44). Erst nachdem der Hauptmann den Tod bestätigt hat, überlässt Pilatus Josef den Leichnam (Markus 15,45). Der Bericht enthält damit eine ausdrückliche amtliche Überprüfung des Todes Jesu. Pilatus handelt an dieser Stelle nicht aufgrund einer bloßen Vermutung, sondern lässt sich den Tod von dem für die Hinrichtung zuständigen Offizier bestätigen.
Diese Einzelheit erhält innerhalb des Passionsberichts besonderes Gewicht. Jesus wird nicht bewusstlos oder lediglich für tot gehalten vom Kreuz genommen. Der römische Statthalter lässt seinen Tod feststellen, bevor er die Herausgabe des Leichnams genehmigt. Johannes ergänzt, dass die Soldaten Jesus bereits tot vorfanden und deshalb seine Beine nicht brachen; einer von ihnen stieß ihm stattdessen mit einem Speer in die Seite (Johannes 19,31-34). Die verschiedenen Berichte führen somit übereinstimmend zu derselben Tatsache: Jesus war tatsächlich gestorben.
Pilatus gibt Josef daraufhin die Erlaubnis, den Leichnam zu nehmen (Johannes 19,38). Josef wickelt Jesus in ein reines Leinentuch und legt ihn in ein neues Grab, das in einen Felsen gehauen war (Matthäus 27,59-60). Lukas betont ebenfalls, dass es sich um ein Grab handelte, in dem noch niemand gelegen hatte (Lukas 23,53). Johannes berichtet zusätzlich von Nikodemus, der bei der Bestattung mitwirkt und eine Mischung aus Myrrhe und Aloe bringt (Johannes 19,39-42).
Pilatus selbst nimmt an der Bestattung nicht teil. Sein Anteil besteht darin, den Tod bestätigen und die Herausgabe des Leichnams genehmigen zu lassen. Dennoch verbindet auch dieser letzte amtliche Vorgang seinen Namen unmittelbar mit dem Tod Jesu. Der Richter, der zuvor wiederholt erklärt hatte, keine Schuld an ihm zu finden, bestätigt nun durch seinen Hauptmann, dass das von ihm genehmigte Todesurteil vollstreckt worden ist.
Dabei endet die Bedeutung dieses Vorgangs nicht bei einer verwaltungsmäßigen Formalität. Der wirkliche Tod Jesu gehört zum Zentrum des Evangeliums. Christus hat das Leiden nicht nur scheinbar durchlaufen, sondern sein Leben tatsächlich hingegeben. Seine Bestattung bestätigt, dass der Weg bis zum Tod vollendet ist. Erst vor diesem Hintergrund kann das folgende Geschehen am Grab in seiner ganzen Bedeutung verstanden werden.
Für Pilatus scheint der Fall mit der Freigabe des Leichnams zunächst abgeschlossen zu sein. Jesus ist gestorben, der Tod ist bestätigt, und der Leichnam befindet sich im Grab. Doch schon am folgenden Tag wenden sich die führenden Männer erneut an den Statthalter. Diesmal betrifft ihre Sorge nicht mehr den lebenden Jesus, sondern seine frühere Ankündigung, nach drei Tagen aufzuerstehen.
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Pilatus erlaubt die Sicherung des Grabes
Am Tag nach der Vorbereitung wenden sich die obersten Priester und Pharisäer erneut an Pilatus. Jesus ist bereits begraben, doch seine Gegner erinnern sich an seine Ankündigung, nach drei Tagen aufzuerstehen. Sie befürchten, seine Jünger könnten den Leichnam stehlen und anschließend behaupten, Jesus sei von den Toten auferstanden (Matthäus 27,62-64). Deshalb bitten sie Pilatus, das Grab bis zum dritten Tag sichern zu lassen.
Bemerkenswert ist, dass die Gegner Jesu seine Worte nun ausdrücklich in ihre Überlegungen einbeziehen. Sie nennen Jesus dabei einen Verführer und gehen davon aus, dass eine behauptete Auferstehung noch größere Wirkung entfalten könnte als sein bisheriges Auftreten. Der Text sagt nicht, dass sie selbst mit einer wirklichen Auferstehung rechnen. Ihre Sorge richtet sich ausdrücklich auf die Möglichkeit, dass die Jünger den Leichnam wegnehmen und anschließend eine entsprechende Behauptung verbreiten könnten.
Pilatus antwortet ihnen knapp. Er gestattet ihnen, das Grab zu sichern und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen (Matthäus 27,65). Die genaue Formulierung seiner Antwort kann so verstanden werden, dass ihnen eine Wache zur Verfügung steht oder dass sie die ihnen zugängliche Bewachung einsetzen sollen. Für die Lebensgeschichte des Pilatus ist vor allem entscheidend, dass die Sicherung des Grabes mit seiner Zustimmung erfolgt.
Daraufhin wird der Stein am Eingang des Grabes versiegelt und eine Wache aufgestellt (Matthäus 27,66). Damit soll verhindert werden, dass jemand unbemerkt Zugang zum Leichnam erhält. Aus menschlicher Sicht scheint die Angelegenheit nun vollständig unter Kontrolle zu sein: Jesus ist gestorben, sein Tod wurde bestätigt, der Leichnam wurde beigesetzt, der Eingang ist verschlossen und zusätzlich bewacht.
Doch gerade diese Sicherungsmaßnahmen bilden den unmittelbaren Hintergrund für das folgende Geschehen. Matthäus berichtet, dass am ersten Tag der Woche ein starkes Erdbeben geschieht und ein Engel des Herrn vom Himmel herabkommt, den Stein wegwälzt und sich darauf setzt. Die Wächter erschrecken so sehr, dass sie wie Tote werden (Matthäus 28,1-4). Die Maßnahmen, die das Grab sichern sollten, können Gottes Handeln nicht verhindern.
Nach der Auferstehung kommen einige von der Wache in die Stadt und berichten den obersten Priestern, was geschehen ist (Matthäus 28,11). Auffällig ist, dass sie sich nicht an Pilatus wenden, obwohl die Bewachung mit seiner Zustimmung eingerichtet worden war. Stattdessen beraten die religiösen Führer mit den Ältesten, geben den Soldaten Geld und weisen sie an zu behaupten, die Jünger Jesu hätten den Leichnam während ihres Schlafes gestohlen (Matthäus 28,12-13).
Dabei wird Pilatus noch einmal indirekt erwähnt. Die führenden Männer versprechen den Soldaten, sie würden den Statthalter beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihnen keine Schwierigkeiten entstünden, falls die Sache vor ihn komme (Matthäus 28,14). Daraus wird sichtbar, dass Pilatus weiterhin die staatliche Autorität darstellt, vor der sich die Wächter wegen eines möglichen Versagens ihrer Aufgabe verantworten könnten. Ob Pilatus später tatsächlich von diesem Bericht erfährt, sagt die Bibel jedoch nicht.
Mit dieser Stelle erreicht Pilatus seine letzte sichere unmittelbare Verbindung zu den Ereignissen um das Grab. Er hatte die Kreuzigung genehmigt, den Tod Jesu bestätigen lassen und die Sicherung des Grabes erlaubt. Doch keine dieser menschlichen Entscheidungen kann verhindern, was Gott anschließend tut. Der gekreuzigte Christus bleibt nicht im Grab. Gerade dort, wo menschliche Macht den Tod endgültig erscheinen lässt, beginnt die Auferstehung die Grenzen dieser Macht offenzulegen.
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Die Apostel erinnern an Pilatus' Entscheidung
Apostelgeschichte 3,13-15 – „13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Sohn Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser ihn freisprechen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und verlangt, daß euch ein Mörder geschenkt werde, 15 den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet; den hat Gott von den Toten auferweckt, dafür sind wi…"
Apostelgeschichte 3,13-15 – „13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Sohn Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser ihn freisprechen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und verlangt, daß euch ein Mörder geschenkt werde, 15 den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet; den hat Gott von den Toten auferweckt, dafür sind wi…"
Apostelgeschichte 4,27-28 – „27 Ja wahrlich, es haben sich versammelt in dieser Stadt wider deinen heiligen Sohn Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volke Israel, 28 zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor beschlossen hatte, daß es geschehen sollte."
Apostelgeschichte 13,27-29 – „27 Denn die, welche in Jerusalem wohnen, und ihre Obersten haben diesen nicht erkannt und haben die Stimmen der Propheten, die an jedem Sabbat gelesen werden, durch ihr Urteil erfüllt. 28 Und obgleich sie keine Todesschuld fanden, verlangten sie doch von Pilatus, daß er hingerichtet werde. 29 Und nachdem sie alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben steht, nahmen sie ihn vom Holze herab und…"
Nach den Ereignissen am Grab berichtet die Bibel nichts mehr über das weitere Leben des Pontius Pilatus. Seine Geschichte endet jedoch nicht mit seiner letzten persönlichen Handlung. In der Apostelgeschichte wird sein Name erneut aufgegriffen, als die ersten Christen den Tod und die Auferstehung Jesu verkündigen. Diese späteren Rückblicke beurteilen seine Rolle nicht isoliert, sondern ordnen sie in das gemeinsame Handeln derjenigen ein, die Jesus verworfen und getötet haben.
Petrus spricht nach der Heilung eines Gelähmten im Tempel zu den Menschen in Jerusalem und erinnert sie daran, dass Jesus ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet worden war. Dabei fügt er eine bemerkenswerte Einzelheit hinzu: Pilatus hatte beschlossen, Jesus freizulassen (Apostelgeschichte 3,13). Damit bestätigt der spätere apostolische Rückblick das Bild der Evangelien. Pilatus erkannte keinen ausreichenden Grund für die Verurteilung und wollte Jesus zeitweise tatsächlich freigeben.
Doch Petrus bleibt nicht bei Pilatus stehen. Seine Rede richtet die Verantwortung besonders an diejenigen, die den Heiligen und Gerechten verleugnet und stattdessen die Freilassung eines Mörders verlangt hatten (Apostelgeschichte 3,14-15). Die Schrift verteilt die Schuld am Tod Jesu deshalb nicht vereinfachend auf eine einzige Person oder Gruppe. Pilatus trug Verantwortung für seine Entscheidung; zugleich handelten auch diejenigen verantwortlich, die Jesus auslieferten, anklagten und seinen Tod verlangten.
Noch deutlicher wird diese gemeinsame Verantwortung im Gebet der ersten Gemeinde. Nachdem Petrus und Johannes bedroht worden sind, beten die Gläubigen und erinnern daran, dass sich Herodes und Pontius Pilatus zusammen mit den Heiden und den Völkern Israels gegen Jesus, den gesalbten Knecht Gottes, versammelt hatten (Apostelgeschichte 4,27). Pilatus erscheint hier innerhalb eines größeren Zusammenschlusses menschlicher Mächte gegen Christus. Niemand wird dadurch von seiner persönlichen Verantwortung entlastet.
Unmittelbar darauf erklärt das Gebet jedoch auch, dass diese Menschen das taten, was Gottes Hand und Ratschluss zuvor bestimmt hatten (Apostelgeschichte 4,28). Diese Aussage macht menschliches Unrecht nicht zu göttlicher Zustimmung. Sie zeigt vielmehr, dass selbst die Entscheidungen der Gegner Jesu Gottes Erlösungsplan nicht zum Scheitern bringen konnten. Menschen handelten nach ihren eigenen Absichten und bleiben dafür verantwortlich, während Gott gerade durch das Leiden und den Tod Christi das Heil verwirklichte, das er verheißen hatte.
Paulus greift denselben Zusammenhang später in Antiochia in Pisidien auf. Er erinnert daran, dass die Bewohner Jerusalems und ihre Obersten Jesus verurteilten und von Pilatus verlangten, ihn töten zu lassen, obwohl sie keine Todesursache fanden (Apostelgeschichte 13,27-28). Damit wird erneut festgehalten, dass die Todesforderung nicht aus einer nachgewiesenen todeswürdigen Schuld hervorging. Der apostolische Rückblick stimmt mit Pilatus' eigener wiederholter Feststellung in den Evangelien überein.
Paulus führt die Geschichte jedoch sofort weiter: Nachdem alles erfüllt war, was über Christus geschrieben stand, wurde Jesus vom Holz genommen und ins Grab gelegt; Gott aber erweckte ihn von den Toten (Apostelgeschichte 13,29-30). Dadurch verändert sich auch die heilsgeschichtliche Einordnung des Pilatus. Sein Urteil hatte reale und schreckliche Folgen, aber es erhielt nicht das letzte Wort. Die entscheidende Antwort auf die Kreuzigung kam von Gott selbst in der Auferstehung Jesu.
So bewahren die späteren apostolischen Rückblicke ein ausgewogenes Bild. Pilatus erkannte die fehlende Grundlage für ein Todesurteil und wollte Jesus freilassen, gab schließlich aber dem Druck nach und übergab ihn zur Kreuzigung. Zugleich war er nur einer von mehreren Beteiligten. Über allen menschlichen Entscheidungen steht schließlich die Tatsache, dass der verworfene und gekreuzigte Jesus von Gott auferweckt wurde. Genau darin liegt die Grenze der Macht, die Pilatus gegenüber Christus auszuüben meinte.
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Jesu Bekenntnis vor Pilatus bleibt im Gedächtnis der Gemeinde
1. Timotheus 6,13 – „13 Ich gebiete dir vor Gott, der alles lebendig macht, und vor Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat,"
1. Timotheus 6,13 – „13 Ich gebiete dir vor Gott, der alles lebendig macht, und vor Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat,"
Johannes 18,33-37 – „33 Nun ging Pilatus wieder ins Amthaus hinein und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet! Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich…"
Viele Jahre nach Kreuzigung und Auferstehung erscheint der Name des Pontius Pilatus noch einmal in einem neutestamentlichen Brief. Paulus ermahnt Timotheus zu treuer Standhaftigkeit und stellt ihm dabei Jesus Christus vor Augen, „der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat“ (1. Timotheus 6,13). Pilatus wird hier nicht wegen seiner eigenen Worte oder seines politischen Amtes erinnert. Sein Name bezeichnet vielmehr die geschichtliche Situation, in der Christus selbst ein entscheidendes Zeugnis abgelegt hatte.
Damit führt der spätere Rückblick zurück zu Jesu Verhör im Johannesevangelium. Pilatus hatte gefragt, ob Jesus der König der Juden sei. Jesus erklärte daraufhin, dass sein Reich nicht aus dieser Welt sei und deshalb auch nicht durch die Waffen seiner Diener verteidigt werde. Als Pilatus nach seinem Königtum fragte, sprach Jesus von seiner Sendung: Er sei dazu geboren und in die Welt gekommen, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen (Johannes 18,33-37).
Das „gute Bekenntnis“ wird in 1. Timotheus nicht ausführlich wiederholt. Im Zusammenhang der Evangelien wird jedoch sichtbar, wie Jesus gerade unter dem Druck des bevorstehenden Todes seine Identität und seinen Auftrag nicht verleugnet. Er versucht nicht, durch eine Anpassung seiner Botschaft seine Freilassung zu erreichen. Vor dem Mann, der äußerlich über sein Schicksal zu entscheiden scheint, bleibt Christus seinem Zeugnis treu.
Dadurch erhält die Begegnung zwischen Pilatus und Jesus im späteren Neuen Testament eine bemerkenswerte Perspektive. Während Pilatus zwischen seiner Erkenntnis und dem politischen Druck schwankt, wird Christus als derjenige erinnert, der sein Bekenntnis festhält. Der Gegensatz liegt nicht darin, dass Pilatus keinerlei Wahrheit erkannt hätte. Gerade die Evangelien zeigen, dass er die fehlende Schuld Jesu mehrfach feststellte. Sein Versagen bestand darin, dass diese Erkenntnis seine endgültige Entscheidung nicht bestimmte.
Paulus nennt dieses Ereignis im Zusammenhang mit einer ernsten Aufforderung an Timotheus. Er soll das Gebot unbefleckt und untadelig bewahren bis zur Erscheinung Jesu Christi (1. Timotheus 6,13-14). Das Verhalten Jesu vor Pilatus wird damit zu einem bleibenden Beispiel treuen Zeugnisses. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer nachträglichen Charakteranalyse des Statthalters, sondern auf Christus, der auch unter staatlicher Macht und Todesdrohung an der Wahrheit festhält.
Zugleich bestätigt diese spätere Erwähnung die geschichtliche Bedeutung des Verhörs. Die Verkündigung der Gemeinde spricht nicht von einem zeitlosen oder symbolischen Leiden Christi, sondern erinnert an ein konkretes Geschehen unter einem benannten Herrscher. Jesus Christus stand tatsächlich vor Pontius Pilatus. Sein Leiden, sein Tod und sein Bekenntnis gehören zur Geschichte, auf der die apostolische Verkündigung aufbaut.
Mit 1. Timotheus 6,13 erreicht die biblische Nachwirkung des Pilatus ihren letzten ausdrücklichen Punkt. Über eine spätere Umkehr, seinen weiteren Amtsweg, sein persönliches Schicksal oder seinen Tod berichtet die Bibel nichts. Deshalb lässt sich darüber kein sicheres geistliches Urteil fällen. Was die Schrift bewahrt, ist seine Begegnung mit Christus: Pilatus erkannte Jesu fehlende Schuld, gab dennoch dem Druck nach und wurde gerade dadurch zum geschichtlichen Zeugen jenes guten Bekenntnisses, das Jesus vor ihm ablegte.
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Zusammenfassung und Gebet
Pontius Pilatus gehört zu den biblischen Personen, deren Bedeutung nicht aus einer langen Lebensgeschichte entsteht, sondern aus einer einzigen Begegnung von außergewöhnlicher Tragweite. Die Schrift zeigt ihn als einen Mann mit realer politischer Macht, der vor Jesus Christus zu einer Entscheidung gezwungen wird. Gerade in dieser Begegnung wird sichtbar, dass große äußere Autorität einen Menschen nicht davon befreit, sich gegenüber erkannter Wahrheit verantwortlich zu verhalten.
Pilatus erkennt im Verlauf des Verfahrens immer deutlicher, dass die gegen Jesus erhobenen Anschuldigungen kein Todesurteil rechtfertigen. Er erklärt wiederholt, keine Schuld an ihm zu finden, durchschaut den Neid seiner Ankläger und versucht auf verschiedenen Wegen, eine Freilassung zu erreichen. Doch seine Erkenntnis führt nicht zu einem entsprechenden Handeln. Als der Druck wächst und seine eigene Stellung berührt wird, gibt er schließlich nach.
Darin liegt das ernste Gewicht seiner Geschichte. Pilatus scheitert nicht deshalb, weil ihm jede Möglichkeit fehlte, das Rechte zu erkennen. Er scheitert an der Stelle, an der das Erkannte Konsequenzen verlangt. Selbst das Waschen seiner Hände kann die Verantwortung für eine Entscheidung nicht beseitigen, die er als Richter tatsächlich trifft. Die Bibel bewahrt damit ein eindrückliches Beispiel dafür, dass die Wahrheit nicht nur erkannt, sondern auch gegen Widerstand festgehalten werden muss.
Gleichzeitig verteilt die Schrift die Verantwortung für Jesu Tod nicht einseitig. Religiöse Führer verlangen seine Hinrichtung, eine aufgehetzte Menge fordert seine Kreuzigung, Herodes gehört zum Kreis der beteiligten Herrscher, und Pilatus übergibt ihn schließlich zum Tod. Die Apostel erinnern später an diese gemeinsame menschliche Verantwortung. Niemand kann seine eigene Schuld dadurch aufheben, dass auch andere schuldig geworden sind.
Doch über all diesen Entscheidungen steht Gottes Erlösungsplan. Die Bosheit und Schwäche der Beteiligten werden dadurch nicht gerechtfertigt, aber sie können Gottes Ratschluss auch nicht verhindern. Jesus bleibt vor Pilatus der treue Zeuge der Wahrheit. Er geht seinen Weg bis zum Kreuz, stirbt wirklich, wird begraben und von Gott aus den Toten auferweckt. Das Urteil des römischen Statthalters ist deshalb nicht das letzte Urteil über Christus.
So führt die Geschichte des Pontius Pilatus am Ende weniger zu Pilatus selbst als zu Jesus. Der Statthalter besaß für kurze Zeit die sichtbare Macht, über den Angeklagten vor ihm zu entscheiden; doch der scheinbar machtlose Gefangene war der König, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Pilatus' Name bleibt in der Schrift mit seiner Entscheidung verbunden. Das letzte Wort aber gehört nicht dem Richterstuhl des Menschen, nicht der Menge und nicht dem Kreuz, sondern Gott, der den gekreuzigten Christus aus den Toten auferweckt hat.
Herr, unser Gott, schenke uns ein Herz, das deine Wahrheit nicht nur erkennt, sondern ihr auch treu folgt, wenn Gehorsam etwas kostet. Bewahre uns davor, aus Furcht vor Menschen, persönlichem Verlust oder äußerem Druck gegen das zu handeln, was wir als richtig erkannt haben. Gib uns Mut, Demut und Aufrichtigkeit. Wir danken dir besonders für Jesus Christus, der auch im Leiden der Wahrheit treu blieb und den Weg des Erlösungswerkes bis zum Tod ging. Lass unser Vertrauen auf ihm ruhen und unser Leben von seiner Herrschaft geprägt sein. Amen.
„Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt.“ Apostelgeschichte 13,30
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