Matthäus

Matthäus in der Bibel: Apostel und Evangelist

Matthäus ist im Neuen Testament ein Zöllner, den Jesus persönlich in seine Nachfolge ruft, und gehört anschließend zu den zwölf Aposteln. Seine Berufung stellt ihn unmittelbar in den Kreis der Männer, die Jesus begleiten und von ihm zum Dienst ausgesandt werden. Die Bibel berichtet nur wenige Einzelheiten über sein weiteres Leben, macht seine Zugehörigkeit zu den Zwölf jedoch eindeutig.

Einführung

Matthäus tritt in den Evangelien ohne ausführliche Vorgeschichte in die biblische Erzählung ein. Über seine Kindheit, seine Familie oder seinen Weg in den Beruf des Zöllners erfahren wir nichts. Als die Bibel ihn erstmals näher in den Blick nimmt, begegnet er Jesus mitten in seinem bisherigen Alltag. Gerade diese knappe Einführung ist bedeutsam: Seine Geschichte beginnt nicht mit einer langen Vorbereitung, sondern mit dem Augenblick, in dem Christus ihn ruft.

Dabei verlangt seine Identität sorgfältiges Lesen. Matthäus berichtet von einem Zöllner namens Matthäus, während Markus und Lukas in dem entsprechenden Berufungsbericht einen Zöllner namens Levi nennen. Die Ereignisse stimmen in wesentlichen Punkten so eng überein, dass die Berichte gewöhnlich auf dieselbe Berufung bezogen werden. Der Bibeltext erklärt jedoch nicht ausdrücklich, dass Matthäus und Levi zwei Namen derselben Person sind. Wo die Schrift keine ausdrückliche Erklärung gibt, sollte deshalb nicht mehr behauptet werden, als die Texte sicher tragen.

Auch die verbreitete Bezeichnung Matthäus als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums muss von dem unterschieden werden, was die Bibel selbst ausdrücklich über seine Person sagt. Das Evangelium nennt seinen menschlichen Verfasser im Text nicht. Für eine ausschließlich am biblischen Zeugnis ausgerichtete Lebensgeschichte bleibt daher zunächst entscheidend, was über Matthäus selbst sicher berichtet wird.

Sein frühester klarer Lebensabschnitt führt damit an einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz: Matthäus sitzt an der Zollstätte. Dort begegnet ihm Jesus. Von diesem Punkt an verändert sich seine Stellung grundlegend, denn aus dem Zöllner wird ein Nachfolger Christi.

Jesus ruft Matthäus vom Zoll weg

Matthäus 9,9 – „9 Und als Jesus von da weiter ging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen, der hieß Matthäus; und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach."
Matthäus 9,9 – „9 Und als Jesus von da weiter ging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen, der hieß Matthäus; und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach."
Markus 2,13-14 – „13 Und er ging wieder an das Meer hinaus, und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie. 14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen. Und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm."
Lukas 5,27-28 – „27 Darnach ging er aus und sah einen Zöllner namens Levi beim Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! 28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach."

Als Matthäus zum ersten Mal selbst handelnd in der Bibel erscheint, sitzt er an der Zollstätte. Das Matthäusevangelium beschreibt die Begegnung auffallend knapp: Jesus geht weiter, sieht einen Menschen namens Matthäus am Zoll sitzen und spricht zu ihm: „Folge mir nach!“ Matthäus steht auf und folgt ihm. Über seinen bisherigen Lebensweg wird an dieser Stelle nichts erklärt. Die biblische Lebensgeschichte setzt genau dort ein, wo der Ruf Jesu in seinen bisherigen Alltag hineintritt.

Der Beruf des Zöllners ist für das Verständnis dieser Berufung nicht nebensächlich. In den Evangelien erscheinen Zöllner wiederholt gemeinsam mit Menschen, die von religiösen Kreisen als „Sünder“ betrachtet wurden. Johannes der Täufer musste Zöllner ausdrücklich davor warnen, mehr zu fordern, als ihnen vorgeschrieben war, und Zachäus spricht später davon, unrechtmäßig erworbenes Gut zurückzuerstatten. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass Matthäus persönlich betrügerisch gehandelt habe; eine solche Aussage macht die Bibel nicht. Sicher ist nur, dass sein Beruf ihn zu einer gesellschaftlichen Gruppe stellte, die im damaligen jüdischen Umfeld deutlich belastet und verachtet war.

Gerade deshalb besitzt die Schlichtheit des Rufes besonderes Gewicht. Jesus führt vor der Berufung keine Liste von Voraussetzungen an und Matthäus muss sich nicht erst eine anerkannte religiöse Stellung erarbeiten. Christus sieht ihn dort, wo er sich befindet, und fordert ihn unmittelbar zur Nachfolge auf. Das bedeutet nicht, dass Sünde oder ein bisheriger Lebenswandel gleichgültig wären; Jesu Ruf „Folge mir nach“ verlangt gerade eine neue Richtung unter seiner Herrschaft. Die Initiative geht jedoch von Christus aus. Der Anfang von Matthäus' Nachfolge liegt nicht in einer Leistung, mit der er sich für Jesus empfiehlt, sondern in dem Ruf, den Jesus an ihn richtet.

Matthäus beschreibt seine eigene Reaktion mit nur wenigen Worten: „Und er stand auf und folgte ihm nach.“ Der Text berichtet weder von einer langen Verhandlung noch von Bedingungen, die Matthäus gestellt hätte. Sein Aufstehen macht den Ruf sichtbar zu einer tatsächlichen Lebensentscheidung. Nachfolge bleibt hier nicht Zustimmung zu einer Lehre aus sicherer Entfernung, sondern bedeutet, sich Jesus anzuschließen und sich von ihm führen zu lassen. Was Matthäus dabei dachte oder empfand, sagt der Bericht nicht, und gerade deshalb sollte seine Reaktion nicht mit erfundenen inneren Kämpfen ausgeschmückt werden.

Markus und Lukas schildern ein nahezu gleiches Berufungsgeschehen, nennen den Zöllner jedoch Levi. Markus bezeichnet ihn als „Levi, den Sohn des Alphäus“, während Lukas einfach von einem Zöllner namens Levi spricht. Ort, Tätigkeit, Ruf Jesu und unmittelbare Reaktion stimmen so eng mit Matthäus 9 überein, dass vieles dafür spricht, dass dieselbe Begebenheit gemeint ist; ausdrücklich erklärt die Bibel die Gleichsetzung von Matthäus und Levi jedoch nicht. Deshalb muss die Verbindung mit der nötigen Zurückhaltung formuliert werden. Wenn diese Parallelberichte dieselbe Person beschreiben, ergänzt Lukas eine bemerkenswerte Einzelheit: Levi verließ alles, stand auf und folgte Jesus nach.

Diese Ergänzung würde besonders deutlich machen, wie umfassend der Schritt aus der bisherigen Lebensstellung war. Doch selbst Matthäus' eigener Bericht lässt keinen Zweifel daran, dass sein Aufstehen mehr war als eine kurze Unterbrechung seiner Arbeit. Jesus ruft ihn nicht zu einem einzelnen Gespräch, sondern in die Nachfolge. Von diesem Augenblick an wird Matthäus später unter den zwölf Aposteln genannt und damit als einer jener Männer sichtbar, die Jesus in besonderer Weise bei sich haben wird. Seine Geschichte erhält ihre neue Richtung deshalb nicht durch den Zoll, seinen gesellschaftlichen Ruf oder seine Vergangenheit, sondern durch seine Beziehung zu Christus.

Die Berufung des Matthäus zeigt zugleich einen Grundzug des Wirkens Jesu, der unmittelbar im weiteren Geschehen sichtbar wird. Christus hält sich nicht von Menschen fern, weil andere sie aufgrund ihrer Stellung oder Vergangenheit gering achten. Er ruft Menschen zu sich und führt sie in ein neues Leben unter seiner Herrschaft. Matthäus' erster sicherer Schritt in dieser Geschichte ist deshalb ebenso einfach wie weitreichend: Jesus ruft, und Matthäus folgt. Schon bald wird diese Entscheidung auch sein bisheriges Umfeld mit der Gegenwart Jesu in Berührung bringen.

Weiter: Jesus sitzt mit Zöllnern und Sündern am Tisch

Jesus sitzt mit Zöllnern und Sündern am Tisch

Matthäus 9,10-13 – „10 Und es begab sich, als er in dem Hause zu Tische saß, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische. 11 Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Er aber, als er es hörte, sprach zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 13 Gehet aber hin und ler…"
Matthäus 9,10-13 – „10 Und es begab sich, als er in dem Hause zu Tische saß, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische. 11 Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Er aber, als er es hörte, sprach zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 13 Gehet aber hin und ler…"
Markus 2,15-17 – „15 Und es begab sich, als er in dessen Hause zu Tische saß, daß auch viele Zöllner und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische setzten, denn es waren viele, die ihm nachfolgten. 16 Und als die Schriftgelehrten und Pharisäer sahen, daß er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? 17 Und als Jesus es hörte, spra…"
Lukas 5,29-32 – „29 Und Levi bereitete ihm ein großes Mahl in seinem Hause; und es saß eine große Schar von Zöllnern und andern, die es mit ihnen hielten, zu Tische. 30 Und die Schriftgelehrten und Pharisäer murrten wider seine Jünger und sprachen: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern? 31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken; 32 …"

Unmittelbar nach der Berufung des Zöllners berichten alle drei synoptischen Evangelien von einem gemeinsamen Essen, bei dem Jesus mit vielen Zöllnern und anderen Menschen am Tisch sitzt. Matthäus schildert zunächst nur, dass Jesus „im Hause zu Tische saß“ und viele Zöllner und Sünder kamen und sich zu ihm und seinen Jüngern setzten. Markus verbindet dieselbe Szene ebenfalls eng mit der Berufung Levis. Lukas fügt ausdrücklich hinzu, dass Levi Jesus in seinem Haus ein großes Mahl bereitete und eine große Menge von Zöllnern und anderen Gästen daran teilnahm.

Wenn Matthäus und Levi, wie der enge Zusammenhang der Parallelberichte nahelegt, dieselbe Person sind, eröffnet sich hier unmittelbar nach seiner Berufung ein weiterer Blick auf sein bisheriges Umfeld. Der Mann, der selbst am Zoll gesessen hatte, ist von Menschen umgeben, die derselben gesellschaftlich verachteten Gruppe angehören. Der Bericht sagt nicht, aus welchen persönlichen Beziehungen sie zu ihm kamen oder wie lange er sie kannte. Sicher ist jedoch, dass Jesus nun mitten unter Menschen sitzt, von denen religiöse Beobachter Abstand hielten.

Gerade diese Tischgemeinschaft ruft den Widerstand der Pharisäer hervor. Sie wenden sich nicht unmittelbar an Jesus, sondern fragen seine Jünger, warum ihr Lehrer mit Zöllnern und Sündern esse. Hinter der Frage steht mehr als eine Beobachtung über eine Mahlzeit. Jesu Nähe zu solchen Menschen passt nicht zu der Vorstellung, dass religiöse Reinheit vor allem durch Absonderung von Personen bewahrt werde, die als sündig galten. Die Spannung richtet sich deshalb auf die Frage, wie Jesus mit schuldigen und verachteten Menschen umgeht.

Jesus hört die Kritik und beantwortet sie mit dem Bild des Arztes: Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Damit erklärt er seine Nähe zu den Sündern nicht als Zustimmung zu ihrer Sünde. Ein Arzt sucht den Kranken gerade deshalb auf, weil Krankheit Heilung nötig macht. Ebenso geht Christus zu Menschen, die der Umkehr und Vergebung bedürfen. Seine Gemeinschaft mit ihnen hebt Gottes Maßstab nicht auf, sondern offenbart den rettenden Zweck seines Kommens.

Im Matthäusevangelium verbindet Jesus diese Antwort außerdem mit Hosea 6,6: „Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.“ Der ursprüngliche prophetische Zusammenhang richtet sich gegen eine äußerliche Religiosität, bei der kultische Handlungen vorhanden sind, während die von Gott verlangte Bundestreue fehlt. Jesus gebraucht diesen Text gegen eine Haltung, die religiöse Abgrenzung höher bewertet als Gottes erbarmendes Handeln an Menschen. Die Pharisäer sehen die Gesellschaft, in der Jesus sitzt; Jesus sieht Menschen, die seinen rettenden Ruf brauchen.

Darauf folgt seine Erklärung, dass er nicht gekommen sei, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Lukas macht den Zielpunkt ausdrücklich: Er ruft Sünder „zur Buße“. Jesus teilt die Menschen damit nicht in tatsächlich sündlose Gerechte auf der einen und schuldige Menschen auf der anderen Seite. Im unmittelbaren Zusammenhang richtet sich seine Antwort vielmehr an jene, die den Bedarf anderer an Gnade deutlich sehen, während sie seine heilende Nähe zu ihnen beanstanden. Der Ruf Christi lässt den Menschen nicht dort, wo er ist; er ruft ihn zur Umkehr und in ein neues Leben.

Für Matthäus steht diese Szene unmittelbar neben seinem eigenen Ruf. Der Zöllner, den Jesus aus seiner bisherigen Tätigkeit in die Nachfolge genommen hat, befindet sich nun im Umfeld eines Wirkens, das gerade Menschen wie ihn nicht ausschließt. Falls Lukas' Levi-Bericht, wie vieles nahelegt, seine Geschichte ergänzt, wird sogar sein Haus zum Ort, an dem andere Zöllner Jesus begegnen. Matthäus erscheint damit nicht als jemand, der zuerst religiöse Anerkennung erlangte und dann zu Christus kam. Seine neue Lebensphase beginnt mitten unter Menschen, denen Jesus seine rettende Nähe zuwendet.

Diese Begegnung macht zugleich verständlich, unter welchem Vorzeichen Matthäus seinen weiteren Weg mit Jesus beginnt. Nachfolge bedeutet nicht nur, seinen bisherigen Platz zu verlassen, sondern Christus kennenzulernen als den, der Sünder ruft und Barmherzigkeit über selbstgerechte Abgrenzung stellt. Bald wird Matthäus nicht mehr nur als einzelner Nachfolger sichtbar sein. Jesus wird aus der größeren Jüngerschar zwölf Männer auswählen und ihnen einen besonderen Auftrag geben.

Zurück: Jesus ruft Matthäus vom Zoll weg Weiter: Jesus nimmt Matthäus unter die Zwölf

Jesus nimmt Matthäus unter die Zwölf

Matthäus 10,1-4 – „1 Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. 2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: Der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes; 3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der S…"
Matthäus 10,1-4 – „1 Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. 2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: Der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes; 3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der S…"
Markus 3,13-19 – „13 Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. 14 Und er verordnete zwölf, daß sie bei ihm wären und daß er sie aussendete zu predigen 15 und daß sie Macht hätten, die Dämonen auszutreiben: 16 Simon, welchem er den Namen Petrus beilegte, 17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, welchen er den Namen Boanerges, das heißt Do…"
Lukas 6,12-16 – „12 Es begab sich aber in diesen Tagen, daß er hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott. 13 Und als es Tag geworden, rief er seine Jünger herzu und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und dessen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, d…"

Aus der größeren Zahl seiner Nachfolger bestimmt Jesus einen besonderen Kreis von zwölf Männern. Matthäus gehört zu ihnen. Im Matthäusevangelium werden sie ausdrücklich „die zwölf Apostel“ genannt, und in der anschließenden Namensliste erscheint Matthäus gemeinsam mit Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes und den übrigen von Jesus Erwählten. Damit erhält sein Weg eine neue Gestalt: Aus dem Mann, der Jesus vom Zoll weg gefolgt ist, wird einer der Zwölf, denen Christus besondere Verantwortung überträgt.

Markus beschreibt diese Berufung mit einem wichtigen Schwerpunkt. Jesus ruft die zu sich, die er selbst will, und bestimmt zwölf, „damit sie bei ihm seien“ und damit er sie aussende zu predigen. Bevor der öffentliche Auftrag steht, steht also die Gemeinschaft mit Jesus. Die Zwölf sollen nicht lediglich eine Botschaft weitergeben, sondern zunächst mit Christus leben, seine Worte hören und sein Handeln miterleben. Für Matthäus bedeutet seine Zugehörigkeit zu diesem Kreis deshalb weit mehr als einen neuen Titel. Sein weiteres Leben ist nun eng an die Person und den Dienst Jesu gebunden.

Lukas setzt die Auswahl der Zwölf in einen weiteren Zusammenhang. Jesus verbringt zuvor die Nacht im Gebet zu Gott und ruft am Morgen seine Jünger zu sich. Aus ihnen erwählt er zwölf, die er auch Apostel nennt. Der Begriff beschreibt Männer, die gesandt werden; ihr Auftrag entsteht jedoch nicht aus eigener Initiative. Jesus wählt sie aus und gibt ihnen ihre Aufgabe. Matthäus' Stellung beruht damit nicht darauf, dass er sich selbst für einen geistlichen Dienst empfiehlt, sondern auf der Entscheidung Christi.

Auffällig ist eine besondere Formulierung in Matthäus 10. Während Markus und Lukas in ihren Apostellisten einfach den Namen Matthäus nennen, heißt es hier „Matthäus, der Zöllner“. Der Text bewahrt damit seine frühere Tätigkeit auch an der Stelle, an der seine neue apostolische Stellung genannt wird. Daraus darf keine Aussage über seine inneren Motive abgeleitet werden, und ebenso wenig beweist die Formulierung für sich allein die Verfasserschaft des Evangeliums. Im biblischen Bericht entsteht jedoch ein deutlicher Gegensatz: Derjenige, der zunächst am Zoll erscheint, steht nun unter den von Christus berufenen Aposteln.

Jesus stattet die Zwölf zugleich mit Vollmacht für ihren Dienst aus. Matthäus 10 berichtet, dass er ihnen Macht über unreine Geister sowie über Krankheiten und Gebrechen gibt. Diese Vollmacht besitzen sie nicht aus sich selbst. Was sie tun sollen, geschieht unter der Autorität dessen, der sie sendet. Gerade darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen eigener religiöser Bedeutung und apostolischem Dienst: Die Zwölf sind nicht die Quelle der Kraft oder der Botschaft, sondern Beauftragte Christi.

Die Zusammensetzung dieses Kreises zeigt zudem, dass Jesus Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zusammenführt. Unter den Zwölf befindet sich mit Matthäus ein ehemaliger Zöllner; Lukas nennt außerdem Simon, der Zelotes genannt wurde. Die Bibel entfaltet nicht, wie diese unterschiedlichen Hintergründe das persönliche Verhältnis der beiden prägten, deshalb wäre jede genauere Darstellung spekulativ. Sicher ist jedoch, dass nicht ihre frühere gesellschaftliche oder politische Zugehörigkeit den Kreis der Zwölf bestimmt, sondern der gemeinsame Ruf Jesu.

Mit der Ernennung zum Apostel wird Matthäus nun nicht nur Lernender, sondern zugleich Gesandter. Seine eigene Berufung hatte mit zwei Worten begonnen: „Folge mir nach.“ Jetzt verbindet Jesus diese Nachfolge mit Verantwortung für andere. Was Matthäus empfangen hat, soll nicht bei ihm bleiben. Der nächste Schritt seines Lebens führt deshalb aus der unmittelbaren Gemeinschaft mit Jesus in einen ersten konkreten Auftrag, bei dem Christus die Zwölf selbst aussendet und ihnen genau sagt, was sie verkündigen und wie sie dienen sollen.

Zurück: Jesus sitzt mit Zöllnern und Sündern am Tisch Weiter: Matthäus wird von Jesus ausgesandt

Matthäus wird von Jesus ausgesandt

Matthäus 10,5-15 – „5 Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebet euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; 6 gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 7 Gehet aber hin, prediget und sprechet: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 8 Heilet Kranke, weckt Tote auf, reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst …"
Matthäus 10,5-15 – „5 Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebet euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; 6 gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 7 Gehet aber hin, prediget und sprechet: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 8 Heilet Kranke, weckt Tote auf, reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst …"
Markus 6,7-13 – „7 Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister. 8 Und er befahl ihnen, sie sollten nichts auf den Weg nehmen als nur einen Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Geld im Gürtel, 9 sondern nur Sandalen an den Füßen tragen und nicht zwei Röcke anziehen. 10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus eintretet, da bleibet, bis…"
Lukas 9,1-6 – „1 Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen; 2 und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen, und zu heilen. 3 Und er sprach zu ihnen: Nehmet nichts auf den Weg, weder Stab noch Tasche, noch Brot noch Geld; auch soll einer nicht zwei Anzüge haben. 4 Und wo ihr in ein Haus eintretet, da bleibet, und von da ziehet weiter. …"

Nachdem Jesus die Zwölf berufen und mit Vollmacht ausgestattet hat, sendet er sie erstmals selbst zum Dienst aus. Matthäus gehört zu dieser Gruppe und empfängt damit einen konkreten Auftrag, der ihn aus der Rolle des bloßen Begleiters herausführt. Was er bisher an der Seite Jesu gesehen und gehört hat, soll nun durch seinen eigenen Dienst weitergetragen werden. Doch auch dabei bleibt Christus der Handelnde: Er bestimmt das Ziel, die Botschaft und die Art ihres Vorgehens.

Für diesen ersten Auftrag setzt Jesus eine klare Begrenzung. Die Zwölf sollen zunächst nicht zu den Heiden und nicht in die Städte der Samariter gehen, sondern „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“. Diese Anweisung beschreibt den damaligen Abschnitt des Dienstes und darf nicht als dauerhafte Beschränkung der Evangeliumsverkündigung verstanden werden. Später wird Jesus seine Jünger ausdrücklich zu allen Völkern senden. In diesem früheren Stadium beginnt ihre Mission jedoch innerhalb Israels, des Volkes, dem die Bundesverheißungen gegeben worden waren und in dessen Mitte der Messias erschienen ist.

Die Botschaft, die Matthäus und die anderen verkündigen sollen, lautet: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Damit geben sie nicht ihre eigenen religiösen Gedanken weiter, sondern führen den Ruf fort, der mit dem Auftreten Jesu verbunden ist. Gottes Herrschaft ist in Christus in besonderer Weise nahegekommen, und die Menschen werden zur Antwort auf dieses Handeln Gottes gerufen. Der Auftrag der Apostel besteht deshalb von Anfang an darin, auf etwas hinzuweisen, dessen Mittelpunkt nicht sie selbst, sondern Jesus ist.

Zu ihrer Verkündigung tritt ein sichtbarer Dienst an Menschen. Jesus befiehlt ihnen, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken, Aussätzige zu reinigen und Dämonen auszutreiben. Die dafür notwendige Vollmacht hatten sie zuvor von ihm empfangen. Ihre Taten sollen deshalb nicht als Beweis eigener Größe verstanden werden. Der Grundsatz, den Jesus ihnen mitgibt, lautet: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es.“ Was ihnen geschenkt wurde, dürfen sie nicht in ein Mittel persönlicher Bereicherung verwandeln.

Auch ihre äußere Versorgung soll von Vertrauen geprägt sein. Matthäus berichtet, dass Jesus ihnen untersagt, für diese Reise Gold, Silber oder besondere Vorräte anzusammeln. Markus und Lukas überliefern denselben Grundgedanken mit einzelnen Unterschieden in den Reiseanweisungen. Diese Unterschiede sollten nicht mit erfundenen Einzelheiten ausgeglichen werden; gemeinsam ist den Berichten, dass die Zwölf nicht mit umfangreicher eigener Absicherung auftreten sollen. Ihr Auftrag und ihre Versorgung stehen unter der Führung dessen, der sie sendet.

Jesus bereitet seine Apostel zugleich darauf vor, dass ihre Botschaft nicht überall angenommen werden wird. Wo ein Haus oder eine Stadt sie aufnimmt, sollen sie dort bleiben; wo Menschen sie und ihre Worte zurückweisen, sollen sie weiterziehen. Das Abschütteln des Staubes von den Füßen wird dabei zum ernsten Zeichen gegen bewusste Ablehnung. Die Zwölf erhalten jedoch keinen Auftrag, Widerstand mit Zwang zu brechen. Sie sollen verkündigen, dienen und Zeugnis geben, während die Verantwortung für die Antwort bei den Hörenden bleibt.

Markus fasst das Ergebnis dieser Aussendung knapp zusammen: Die Zwölf gingen hinaus und predigten, dass die Menschen Buße tun sollten. Sie trieben viele Dämonen aus und heilten viele Kranke. Matthäus wird dabei nicht mit einer eigenen Einzeltat hervorgehoben; die Bibel schildert ihn innerhalb des gemeinsamen Dienstes der Apostel. Gerade deshalb sollte ihm nichts zugeschrieben werden, was der Text nicht ausdrücklich berichtet. Sicher ist jedoch, dass der ehemalige Zöllner nun selbst zu denen gehört, die im Auftrag Jesu das Reich Gottes verkündigen und Menschen dienen.

Diese erste Aussendung ist noch nicht das Ende seiner Ausbildung. Matthäus kehrt mit den anderen Aposteln wieder in die unmittelbare Begleitung Jesu zurück. Die kommenden Erfahrungen werden ihnen zeigen, dass apostolischer Dienst nicht nur Vollmacht und sichtbare Erfolge bedeutet, sondern auch Unverständnis, Widerstand, Korrektur und immer tieferes Lernen von Christus selbst.

Zurück: Jesus nimmt Matthäus unter die Zwölf Weiter: Matthäus erlebt Jesu Macht und lernt mit den anderen Jüngern

Matthäus erlebt Jesu Macht und lernt mit den anderen Jüngern

Matthäus 14,15-33 – „15 Und als es Abend geworden, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Der Ort ist öde, und die Stunde ist schon vorgeschritten; entlaß das Volk, damit sie in die Dörfer gehen und sich Speise kaufen! 16 Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig hinzugehen; gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische. 18 Er sprach: Bringt sie mir hi…"
Matthäus 14,15-33 – „15 Und als es Abend geworden, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Der Ort ist öde, und die Stunde ist schon vorgeschritten; entlaß das Volk, damit sie in die Dörfer gehen und sich Speise kaufen! 16 Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig hinzugehen; gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische. 18 Er sprach: Bringt sie mir hi…"
Markus 6,35-52 – „35 Und als nun der Tag fast dahin war, traten seine Jünger zu ihm und sagten: Dieser Ort ist öde, und der Tag ist fast dahin. 36 Entlasse sie, damit sie in die Gehöfte und Dörfer ringsumher gehen und sich Brot kaufen; denn sie haben nichts zu essen. 37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebet ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kau…"
Johannes 6,5-21 – „5 Da nun Jesus die Augen erhob und sah, daß eine große Menge zu ihm kam, spricht er zu Philippus: Woher kaufen wir Brot, daß diese essen können? 6 (Das sagte er aber, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er selbst wußte wohl, was er tun wollte.) 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brot reicht nicht hin für sie, daß jeder von ihnen auch nur ein wenig nehme! 8 Da spricht einer von s…"

Nach ihrer ersten Aussendung bleibt Matthäus Teil des Kreises, der Jesus auf seinen weiteren Wegen begleitet. Die Evangelien nennen ihn in dieser Phase nicht bei jedem Ereignis einzeln, sprechen jedoch wiederholt von den Jüngern oder den Zwölf. Wo der Zusammenhang eindeutig den gesamten Apostelkreis betrifft, gehört Matthäus damit zu den Männern, die Jesu Worte hören und sein Handeln unmittelbar miterleben. Seine Lebensgeschichte lässt sich deshalb nicht allein aus den wenigen Stellen zusammensetzen, an denen sein Name ausdrücklich erscheint.

Ein besonders eindrücklicher Abschnitt beginnt, als eine große Volksmenge Jesus an einem abgelegenen Ort folgt. Gegen Abend treten die Jünger zu ihm und schlagen vor, die Menschen wegzuschicken, damit sie sich Nahrung kaufen können. Jesus antwortet jedoch: „Sie haben nicht nötig wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen!“ Damit werden die Jünger unmittelbar in eine Situation gestellt, die ihre eigenen Möglichkeiten weit übersteigt. Fünf Brote und zwei Fische stehen einer Menge von Tausenden gegenüber.

Jesus nimmt das Wenige, dankt, bricht die Brote und gibt sie den Jüngern, damit diese sie an die Menschen weiterreichen. Alle essen und werden satt, und am Ende bleiben zwölf Körbe mit Brocken übrig. Die Jünger sind damit nicht die Quelle der Versorgung, aber sie werden zu Dienern dessen, was Christus gibt. Gerade für Männer, die zuvor selbst ausgesandt worden waren, ist diese Erfahrung grundlegend: Ihr Dienst hängt nicht von der Größe ihrer eigenen Mittel ab, sondern von dem, was Jesus bereitstellt und durch sie weitergibt.

Unmittelbar danach zwingt Jesus die Jünger, in das Schiff zu steigen und ihm auf die andere Seite vorauszufahren, während er die Volksmenge entlässt. In der Nacht gerät das Schiff weit vom Land entfernt in schwere Wellen und Gegenwind. Jesus befindet sich zunächst nicht sichtbar bei ihnen. Dann kommt er auf dem See zu ihnen, und die Jünger erschrecken, weil sie meinen, eine Erscheinung zu sehen. Jesus spricht sie jedoch an: „Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!“

Matthäus richtet den folgenden Teil des Berichts besonders auf Petrus. Dieser bittet Jesus, ihm zu befehlen, auf dem Wasser zu ihm zu kommen, beginnt tatsächlich zu gehen, erschrickt dann vor dem starken Wind und sinkt. Jesus ergreift ihn und bringt ihn zurück ins Schiff. Matthäus selbst wird dabei nicht als handelnde Einzelperson hervorgehoben. Er gehört jedoch zum Kreis der Jünger im Schiff und ist damit Zeuge davon, wie Jesu Macht sowohl über die Natur als auch über die Hilflosigkeit seiner Jünger sichtbar wird.

Als Jesus und Petrus in das Schiff steigen, legt sich der Wind. Darauf reagieren die Männer im Schiff mit Anbetung und bekennen: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“ Diese Aussage ist innerhalb des Matthäusevangeliums von erheblichem Gewicht. Die Jünger erleben nicht lediglich ein außergewöhnliches Naturereignis, sondern werden durch das Handeln Jesu zu einer tieferen Erkenntnis seiner Person geführt. Nachfolge bedeutet für Matthäus deshalb zunehmend, nicht nur Jesu Worte zu hören, sondern an seinen Taten zu lernen, wer der ist, dem er gefolgt ist.

Markus ergänzt allerdings, dass die Jünger das Wunder mit den Broten noch nicht verstanden hatten und ihr Herz verhärtet war. Diese Aussage bewahrt davor, aus ihrem Bekenntnis eine bereits vollendete geistliche Reife abzuleiten. Die Zwölf erleben große Offenbarungen und bleiben dennoch Menschen, deren Verständnis wachsen muss. Matthäus gehört zu einem Jüngerkreis, der zugleich glaubt und lernt, erkennt und doch noch vieles nicht begreift.

Gerade darin wird die weitere Entwicklung der Zwölf vorbereitet. Sie stehen Jesus nahe und besitzen bereits apostolische Vollmacht, sind aber noch nicht am Ziel ihres Verständnisses angekommen. In den kommenden Auseinandersetzungen und Belehrungen wird Jesus ihnen immer deutlicher zeigen, was wahre Nachfolge bedeutet und wie sehr ihre Vorstellungen von Größe, Reinheit und dem Reich Gottes durch ihn selbst korrigiert werden müssen.

Zurück: Matthäus wird von Jesus ausgesandt Weiter: Matthäus hört, dass Jesus leiden und auferstehen wird

Matthäus hört, dass Jesus leiden und auferstehen wird

Matthäus 16,13-21 – „13 Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Leute den Menschensohn? 14 Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten. 15 Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, d…"
Matthäus 16,13-21 – „13 Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Leute den Menschensohn? 14 Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten. 15 Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, d…"
Markus 8,27-31 – „27 Und Jesus ging samt seinen Jüngern hinaus in die Dörfer bei Cäsarea Philippi; und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Für wen halten mich die Leute? 28 Sie antworteten: Die einen sagen, du seiest Johannes der Täufer; und andere, du seiest Elia; andere aber, du seiest einer der Propheten. 29 Und er fragte sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und spra…"
Lukas 9,18-22 – „18 Und es begab sich, als er in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie und sprach: Für wen halten mich die Leute? 19 Sie antworteten und sprachen: Für Johannes den Täufer; andere für Elia; andere aber [sagen], einer der alten Propheten sei auferstanden. 20 Da sprach er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und sprach: Für den Gesalbten Gottes…"

Im weiteren Verlauf ihrer Gemeinschaft mit Jesus gelangen die Jünger an einen entscheidenden Punkt. In der Gegend von Cäsarea Philippi fragt Jesus sie zunächst, für wen die Menschen den Sohn des Menschen halten. Verschiedene Antworten werden genannt: Johannes der Täufer, Elia, Jeremia oder einer der Propheten. Dann richtet Jesus die Frage unmittelbar an seinen eigenen Jüngerkreis: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Matthäus gehört zu den Männern, die nun nicht mehr nur beobachten sollen, was andere über Jesus denken, sondern selbst mit seiner Identität konfrontiert werden.

Simon Petrus antwortet für den Kreis mit dem Bekenntnis: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Jesus erklärt, dass diese Erkenntnis Petrus nicht aus menschlicher Einsicht zugekommen ist, sondern durch den Vater im Himmel. Das Bekenntnis bezeichnet Jesus als den verheißenen Christus, den Messias, auf den Israels Hoffnung gerichtet war. Für Matthäus und die übrigen Jünger erreicht ihr bisheriger Weg damit einen wichtigen Erkenntnispunkt: Der Lehrer, dem sie folgen, ist nicht lediglich einer unter vielen Propheten.

Doch gerade nachdem diese Wahrheit ausgesprochen ist, beginnt Jesus ihnen etwas zu erklären, das ihre Vorstellung vom Messias entscheidend vertieft. Matthäus berichtet ausdrücklich: „Von der Zeit an fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen“, dass er nach Jerusalem gehen, viel leiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse. Markus und Lukas überliefern dieselbe Grundankündigung. Die Identität Jesu als Christus kann also nicht von seinem bevorstehenden Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung getrennt werden.

Damit tritt vor Matthäus und den anderen Aposteln erstmals mit besonderer Deutlichkeit der Weg ans Kreuz. Sie hatten Jesu Macht über Krankheit, Dämonen, Naturgewalten und sogar den Tod erlebt. Nun erklärt derselbe Jesus, dass er selbst verworfen und getötet werden wird. Das ist kein unerwartetes Scheitern seines Auftrags, sondern etwas, das Jesus als notwendig bezeichnet. Die Jünger sollen lernen, den Messias nicht nach Vorstellungen menschlicher Macht oder unmittelbaren Erfolgs zu beurteilen, sondern seinen Weg im Licht des göttlichen Erlösungsplans zu verstehen.

Wie schwer diese Wahrheit zunächst zu erfassen ist, wird an Petrus sichtbar. Er nimmt Jesus beiseite und widerspricht seiner Ankündigung. Jesus weist ihn mit großer Schärfe zurück, weil sein Denken in diesem Augenblick nicht auf das gerichtet ist, was Gottes ist, sondern auf menschliche Vorstellungen. Matthäus selbst spricht in dieser Szene nicht. Als Mitglied des Jüngerkreises erlebt er jedoch unmittelbar, wie selbst ein richtiges Bekenntnis zu Jesus mit einem falschen Verständnis seines Weges verbunden sein kann.

Jesus richtet sich anschließend nicht nur an Petrus. Er erklärt seinen Jüngern, dass auch ihre eigene Nachfolge vom Kreuz geprägt sein wird: Wer ihm folgen will, soll sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen. Damit erhält der Ruf, den Matthäus einst an der Zollstätte gehört hatte, eine tiefere Bedeutung. „Folge mir nach“ bedeutete nicht nur, einen bisherigen Beruf hinter sich zu lassen und Jesus auf seinen Wegen zu begleiten. Nachfolge verlangt, das eigene Leben Christus unterzuordnen, auch wenn sein Weg Verzicht, Ablehnung und Leiden einschließt.

Jesus stellt dabei den scheinbaren Gewinn eines Menschen dem wahren Wert seines Lebens gegenüber. Was hätte ein Mensch davon, die ganze Welt zu gewinnen und dabei seine Seele einzubüßen? Für Matthäus, dessen biblische Geschichte an einer Zollstätte begonnen hatte, erhält diese Frage einen besonders nachvollziehbaren biografischen Zusammenhang, ohne dass der Text daraus eine persönliche Aussage über seine früheren Motive macht. Was immer seine vorherige Stellung bedeutet hatte, seine Zukunft ist nun an einen Herrn gebunden, der den Wert des Lebens nicht nach Besitz, Einfluss oder äußerem Erfolg bestimmt.

Der Weg der Jünger führt damit in eine neue Phase. Sie haben Jesus als Christus bekannt, müssen aber erst verstehen lernen, was seine Messianität tatsächlich bedeutet. Vor ihnen liegt nicht der einfache Aufstieg eines sichtbaren irdischen Reiches, sondern der Weg Jesu nach Jerusalem, zu Leiden, Tod und Auferstehung. Matthäus bleibt in diesem Kreis und wird miterleben, wie Christus seine Jünger Schritt für Schritt auf Ereignisse vorbereitet, die ihr bisheriges Verständnis noch tiefgreifend herausfordern werden.

Zurück: Matthäus erlebt Jesu Macht und lernt mit den anderen Jüngern Weiter: Matthäus sitzt mit Jesus beim letzten Passah

Matthäus sitzt mit Jesus beim letzten Passah

Matthäus 26,17-30 – „17 Am ersten Tage nun der ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir das Passahmahl zu essen bereiten? 18 Und er sprach: Gehet hin in die Stadt zu dem und dem und sprechet zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passah halten! 19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen, und bereiteten…"
Matthäus 26,17-30 – „17 Am ersten Tage nun der ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir das Passahmahl zu essen bereiten? 18 Und er sprach: Gehet hin in die Stadt zu dem und dem und sprechet zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passah halten! 19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen, und bereiteten…"
Markus 14,12-26 – „12 Und am ersten Tage der ungesäuerten Brote, da man das Passahlamm schlachtete, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen und das Passah zubereiten, damit du es essen kannst? 13 Und er sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Gehet in die Stadt; da wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folget, 14 und wo er hineingeht, da sprechet zum Hausherrn: …"
Lukas 22,14-23 – „14 Und als die Stunde kam, setzte er sich zu Tische und die zwölf Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, ich werde es nicht mehr essen, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch! 18 Denn ich sage euch, ich wer…"

Als Jesus schließlich nach Jerusalem kommt und sich sein angekündigtes Leiden nähert, gehört Matthäus weiterhin zu den Zwölf. Am ersten Tag der ungesäuerten Brote bereiten die Jünger auf Jesu Anweisung das Passahmahl vor. Am Abend sitzt Jesus mit den Zwölf zu Tisch. Für Matthäus führt der Weg, der an der Zollstätte begonnen hatte, damit in eine der ernstesten Stunden der gemeinsamen Zeit mit seinem Herrn.

Während des Mahls spricht Jesus eine erschütternde Wahrheit aus: Einer aus ihrem eigenen Kreis wird ihn verraten. Die Jünger werden traurig und fragen nacheinander: „Herr, bin ich's?“ Matthäus wird nicht mit einer eigenen Reaktion hervorgehoben; er gehört zu dem Kreis, der diese Ankündigung hört. Judas wird schließlich als derjenige sichtbar, dessen Verrat Jesus bereits kennt. Die Zugehörigkeit zu den Zwölf allein erweist sich damit nicht als Garantie für Treue. Selbst äußerste Nähe zu Christus ersetzt nicht die persönliche Hingabe an ihn.

Mitten in dieser von Verrat überschatteten Mahlzeit nimmt Jesus Brot, dankt, bricht es und gibt es seinen Jüngern. Er bezeichnet es als seinen Leib. Danach nimmt er den Kelch und spricht von seinem Blut des Bundes, das „für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Was Jesus zuvor über sein bevorstehendes Leiden angekündigt hatte, erhält nun eine ausdrückliche heilsgeschichtliche Bedeutung. Sein Tod wird nicht lediglich das Ergebnis menschlicher Feindschaft sein; Jesus verbindet ihn selbst mit Vergebung und Bund.

Für Matthäus ist dies besonders bedeutsam, weil er einst als Zöllner von Christus gerufen wurde und nun am Tisch sitzt, an dem Jesus seinen bevorstehenden Tod als Grundlage der Vergebung deutet. Dennoch sollte daraus keine persönliche innere Erfahrung konstruiert werden, die der Text nicht berichtet. Die Evangelien sagen nicht, welche Gedanken Matthäus in diesem Augenblick bewegten. Sicher ist jedoch, dass auch er Brot und Kelch im Kreis der Jünger empfängt und die Worte Jesu über seinen stellvertretenden Tod hört.

Jesus richtet den Blick zugleich über seinen Tod hinaus. Er erklärt, dass er von nun an nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, an dem er sie neu mit seinen Jüngern im Reich seines Vaters trinken wird. Kreuz und Hoffnung stehen damit unmittelbar nebeneinander. Der bevorstehende Tod Jesu ist nicht das Ende seiner Herrschaft, und die Gemeinschaft mit seinen Jüngern soll nicht endgültig zerbrechen. Selbst in der Nacht vor seiner Gefangennahme weist Jesus auf die zukünftige Vollendung seines Reiches.

Lukas überliefert aus derselben Mahlzeit außerdem einen Streit unter den Jüngern darüber, wer von ihnen als der Größte gelten solle. Jesus antwortet, dass Herrschaft unter seinen Nachfolgern nicht nach dem Muster weltlicher Macht verstanden werden darf. Der Größte soll wie der Jüngste und der Führende wie ein Dienender sein. Jesus selbst steht in ihrer Mitte „wie einer, der dient“. Matthäus gehört zu diesem Kreis und empfängt damit kurz vor Jesu Leiden nochmals eine grundlegende Korrektur dessen, was apostolische Größe bedeutet.

Jesus sagt den Jüngern zugleich, dass sie diejenigen seien, die in seinen Prüfungen bei ihm geblieben sind, und verbindet ihre Zukunft mit seinem Reich. Diese Worte stellen die kommende Schwäche der Jünger nicht in Abrede; noch in derselben Nacht werden sie versagen. Doch Christus sieht ihren Weg nicht nur unter dem Gesichtspunkt dieses bevorstehenden Scheiterns. Er bereitet sie auf eine Aufgabe vor, die erst nach seinem Tod und seiner Auferstehung ihre volle Gestalt erhalten wird.

Nach dem Mahl singen sie den Lobgesang und gehen hinaus zum Ölberg. Damit endet für Matthäus und die anderen die letzte ruhige Tischgemeinschaft vor der Gefangennahme Jesu. Was nun folgt, wird den Unterschied zwischen ihrem Bekenntnis zur Treue und ihrer tatsächlichen Kraft schmerzhaft offenlegen. Die Jünger, die Jesus so lange begleitet haben, werden in der kommenden Krise nicht standhalten, wie sie es sich selbst zutrauen.

Zurück: Matthäus hört, dass Jesus leiden und auferstehen wird Weiter: Matthäus flieht in der Nacht der Gefangennahme

Matthäus flieht in der Nacht der Gefangennahme

Matthäus 26,31-35 – „31 Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: «Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.» 32 Wenn ich aber auferstanden sein werde, will ich euch nach Galiläa vorangehen. 33 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgern, so werde doch ich mich niemals ärgern! 34 Jesus s…"
Matthäus 26,31-35 – „31 Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: «Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.» 32 Wenn ich aber auferstanden sein werde, will ich euch nach Galiläa vorangehen. 33 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgern, so werde doch ich mich niemals ärgern! 34 Jesus s…"
Matthäus 26,36-46 – „36 Da kommt Jesus mit ihnen in ein Gut, namens Gethsemane. Und er spricht zu den Jüngern: Setzet euch hier, während ich dorthin gehe und bete. 37 Und er nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an, betrübt zu werden, und ihm graute sehr. 38 Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tiefbetrübt bis zum Tod! Bleibet hier und wachet mit mir! 39 Und er ging ein wenig vorwärts, warf …"
Matthäus 26,47-56 – „47 Und während er noch redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes her. 48 Der ihn aber verriet, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den ergreifet! 49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi, und küßte ihn. 50 Jesus aber sprach …"

Auf dem Weg vom Passahmahl zum Ölberg spricht Jesus offen darüber, was in dieser Nacht mit seinen Jüngern geschehen wird. Er kündigt an, dass sie sich alle an ihm ärgern beziehungsweise an ihm zu Fall kommen werden, und verbindet dies mit dem prophetischen Wort: „Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.“ Matthäus gehört ausdrücklich zu diesem Kreis. Die Männer, die Jesus über lange Zeit begleitet und seine Macht erlebt haben, stehen unmittelbar vor einer Prüfung, in der ihre eigene Standhaftigkeit nicht ausreichen wird.

Petrus widerspricht besonders entschieden und versichert, selbst dann treu zu bleiben, wenn alle anderen zu Fall kommen sollten. Jesus kündigt ihm daraufhin seine dreifache Verleugnung an. Doch die folgende Reaktion betrifft nicht nur Petrus: Auch die anderen Jünger erklären, sie würden Jesus niemals verleugnen, selbst wenn sie mit ihm sterben müssten. Matthäus gehört zu diesen Jüngern. Damit wird sichtbar, dass ihre Überzeugung von der eigenen Treue größer ist als ihre tatsächliche Kraft in der kommenden Krise.

In Gethsemane lässt Jesus den größeren Jüngerkreis zurück und nimmt Petrus, Jakobus und Johannes noch weiter mit sich. Matthäus bleibt deshalb offenbar bei den übrigen Jüngern, während Jesus tiefer in den Garten geht und betet. Über Matthäus' persönliche Worte oder Handlungen in dieser Zeit berichtet die Bibel nichts. Im Mittelpunkt steht Jesus selbst, der angesichts des kommenden Leidens zum Vater betet und sich seinem Willen unterordnet. Während die Jünger in ihrer Schwachheit nicht erfassen, welche Stunde gekommen ist, geht Christus bewusst dem Weg entgegen, den er ihnen zuvor angekündigt hatte.

Schließlich erscheint Judas mit einer bewaffneten Menge. Durch einen Kuss kennzeichnet er Jesus für seine Gegner. Einer der Begleiter Jesu greift zum Schwert und schlägt einem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab; Johannes nennt später Petrus als denjenigen, der dies tat. Jesus weist den gewaltsamen Widerstand zurück und macht deutlich, dass seine Gefangennahme nicht deshalb geschieht, weil ihm göttliche Macht zur Rettung fehle. Er könnte den Vater um himmlische Heerscharen bitten, doch die Schrift soll erfüllt werden.

Gerade an diesem Punkt sagt Matthäus ausdrücklich, dass die Ereignisse geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllt würden. Jesu Weg in die Gefangenschaft ist deshalb nicht als unkontrollierter Zusammenbruch seines Wirkens zu verstehen. Menschen handeln verantwortlich und schuldig gegen ihn, doch Christus geht zugleich freiwillig den Weg, der im Erlösungsplan Gottes vorgesehen ist. Die Jünger sehen äußerlich die Macht seiner Gegner; Jesus selbst ordnet die Stunde in den größeren Zusammenhang des Willens Gottes ein.

Dann tritt ein schmerzhafter Satz in die Geschichte der Jünger: „Da verließen ihn alle Jünger und flohen.“ Matthäus wird nicht ausgenommen. Was wenige Stunden zuvor noch ausgeschlossen schien, geschieht nun tatsächlich. Der Apostel, der seinen bisherigen Lebensplatz verlassen hatte, um Jesus nachzufolgen, gehört in dieser Nacht zu denen, die ihn verlassen und davonlaufen. Die Bibel verschweigt dieses Versagen nicht, obwohl diese Männer später eine tragende Aufgabe in der Verkündigung des Evangeliums erhalten werden.

Dabei wäre es falsch, Matthäus' Flucht mit erfundenen Motiven oder einer genauen inneren Entwicklung auszuschmücken. Der Text sagt nicht, wohin er floh, was er dabei dachte oder wann er sich wieder mit den anderen Jüngern verband. Ebenso wird Matthäus nicht mit Petrus' späterer Verleugnung gleichgesetzt; dieses besondere Versagen wird ausdrücklich Petrus zugeschrieben. Über Matthäus kann sicher nur gesagt werden, was der gemeinsame Bericht festhält: Auch er verließ Jesus in dieser Stunde und floh.

Diese Nacht offenbart damit eine Wahrheit, die für den späteren apostolischen Dienst entscheidend werden wird. Die Zwölf können ihre Aufgabe nicht auf ihre eigene Treue, ihren Mut oder ihre Nähe zu Jesus während der vergangenen Jahre gründen. Als die entscheidende Stunde kommt, zerstreuen sie sich. Christus dagegen bleibt seinem Auftrag treu und geht den Weg weiter, den seine Jünger noch nicht tragen können. Während Matthäus aus dem Blick des Berichts verschwindet, führt Jesu Weg weiter zu Verurteilung und Kreuz.

Zurück: Matthäus sitzt mit Jesus beim letzten Passah Weiter: Matthäus begegnet dem auferstandenen Jesus

Matthäus begegnet dem auferstandenen Jesus

Matthäus 28,16-20 – „16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heilig…"
Matthäus 28,16-20 – „16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heilig…"
Lukas 24,33-49 – „33 Und sie standen auf in derselben Stunde und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und ihre Genossen versammelt, 34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen! 35 Und sie selbst erzählten, was auf dem Wege geschehen, und wie er von ihnen am Brotbrechen erkannt worden war. 36 Während sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und spricht z…"
1. Korinther 15,3-5 – „3 Denn ich habe euch in erster Linie das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus für unsre Sünden gestorben ist, nach der Schrift, 4 und daß er begraben worden und daß er auferstanden ist am dritten Tage, nach der Schrift, 5 und daß er dem Kephas erschienen ist, hernach den Zwölfen."

Nach der Gefangennahme Jesu verliert sich Matthäus zunächst aus dem persönlichen Blickfeld der Evangelien. Die Bibel berichtet nicht, wo er sich während der Kreuzigung aufhielt oder was er in den Stunden nach Jesu Tod tat. Deshalb darf nicht behauptet werden, dass er selbst am Kreuz stand oder die Grablegung unmittelbar miterlebte. Sicher ist jedoch, dass seine Flucht in Gethsemane nicht das Ende seiner Nachfolge wurde. Nach der Auferstehung erscheint Matthäus wieder innerhalb des verbliebenen Apostelkreises.

Die Auferstehung Jesu verändert die Lage der Jünger grundlegend. Derjenige, dessen Gefangennahme sie auseinandergetrieben hatte und dessen Tod ihre bisherigen Erwartungen erschüttern musste, bleibt nicht im Grab. Paulus fasst später die apostolische Überlieferung zusammen: Christus starb für die Sünden nach den Schriften, wurde begraben, am dritten Tag auferweckt und erschien danach Kephas und anschließend den Zwölf. Die Bezeichnung „die Zwölf“ bezeichnet hier den bekannten Apostelkreis als feste Gruppe, obwohl Judas zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu ihnen gehörte. Matthäus steht damit innerhalb jener apostolischen Zeugen, denen der auferstandene Christus begegnet.

Lukas schildert eine solche Begegnung mit dem versammelten Jüngerkreis besonders ausführlich. Während sie miteinander über die Berichte von der Auferstehung sprechen, tritt Jesus selbst in ihre Mitte. Die Jünger erschrecken zunächst und meinen, einen Geist zu sehen. Jesus zeigt ihnen seine Hände und Füße und fordert sie auf, ihn anzufassen. Er macht damit deutlich, dass seine Auferstehung keine bloße innere Erfahrung seiner Anhänger und kein Weiterleben als körperloser Geist ist. Derselbe Jesus, der gekreuzigt wurde, steht lebendig vor ihnen.

Jesus führt seine Jünger anschließend zum Verständnis der Schrift. Er erinnert sie daran, dass erfüllt werden musste, was im Gesetz Moses, in den Propheten und in den Psalmen über ihn geschrieben steht. Lukas sagt, dass er ihnen das Verständnis öffnete, damit sie die Schriften begriffen. Leiden und Auferstehung des Christus erscheinen nun nicht mehr als unvereinbare Gegensätze. Was die Jünger vor der Kreuzigung nur schwer verstanden hatten, wird vom auferstandenen Herrn selbst in den Erlösungsplan Gottes eingeordnet.

Mit dieser Erklärung verbindet Jesus einen weltweiten Auftrag. In seinem Namen sollen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern verkündigt werden, beginnend in Jerusalem. Die Jünger sollen davon Zeugen sein. Damit erweitert sich der Horizont gegenüber jener ersten Aussendung, bei der Matthäus und die anderen zunächst zu den verlorenen Schafen Israels geschickt worden waren. Was damals zeitlich begrenzt war, weicht nun einem Auftrag, der über die Grenzen Israels hinausgeht.

Das Matthäusevangelium führt die elf Jünger anschließend nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Matthäus gehört als einer der verbliebenen Apostel zu diesen Elf. Als sie Jesus sehen, fallen sie vor ihm nieder; zugleich berichtet der Text, dass einige zweifelten. Die Aussage wird nicht einzelnen Männern zugeordnet, weshalb nicht bestimmt werden kann, ob Matthäus zu den Zweifelnden gehörte. Der Bericht idealisiert den Apostelkreis auch nach der Auferstehung nicht, sondern zeigt Menschen, die mit einer Wirklichkeit konfrontiert werden, die alles bisher Erlebte übersteigt.

Jesus tritt zu ihnen und erklärt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Auf dieser Grundlage sendet er sie aus, alle Völker zu Jüngern zu machen, sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und sie zu lehren, alles zu bewahren, was er ihnen geboten hat. Der Auftrag ruht damit nicht auf der natürlichen Stärke der Apostel. Seine Grundlage ist die umfassende Herrschaft des auferstandenen Christus.

Für Matthäus erhält seine eigene Nachfolge dadurch ihre weiteste Dimension. Einst hatte Jesus einen einzelnen Zöllner mit dem Ruf „Folge mir nach“ aus seinem bisherigen Leben herausgerufen. Nun gehört derselbe Matthäus zu den Männern, durch die Menschen aus allen Völkern in die Nachfolge Jesu gerufen werden sollen. Dabei endet Jesu Auftrag mit einer Verheißung, die für ihren kommenden Dienst entscheidend ist: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“ Die Apostel werden ihren Auftrag nicht in sichtbarer dauernder Begleitung des irdischen Jesus erfüllen, aber auch nicht ohne seine Gegenwart. Der nächste Abschnitt ihres Lebens beginnt deshalb mit der Vorbereitung darauf, als Zeugen Christi in die Welt hinauszugehen.

Zurück: Matthäus flieht in der Nacht der Gefangennahme Weiter: Matthäus wartet mit den Aposteln in Jerusalem

Matthäus wartet mit den Aposteln in Jerusalem

Apostelgeschichte 1,6-14 – „6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? 7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; 8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Ju…"
Apostelgeschichte 1,6-14 – „6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? 7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; 8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Ju…"
Apostelgeschichte 1,15-26 – „15 Und in diesen Tagen stand Petrus mitten unter den Jüngern auf und sprach (es waren aber etwa hundertzwanzig Personen beisammen): 16 Ihr Männer und Brüder, es mußte das Wort der Schrift erfüllt werden, das der heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, welcher denen, die Jesus gefangennahmen, zum Wegweiser wurde. 17 Denn er war uns beigezählt und hatte das Los dieses Diens…"

Nach seiner Begegnung mit dem auferstandenen Jesus bleibt Matthäus im Kreis der Apostel. Die Apostelgeschichte führt die Geschichte dort weiter, wo die Evangelien enden: Jesus unterweist seine Jünger nach seiner Auferstehung und bereitet sie auf ihren kommenden Dienst vor. Noch einmal fragen sie nach der Wiederherstellung des Reiches für Israel. Jesus lenkt ihren Blick jedoch weg von Berechnungen über Zeiten und Zeitpunkte und hin zu dem Auftrag, der unmittelbar vor ihnen liegt.

Er verheißt ihnen, dass sie Kraft empfangen werden, wenn der Heilige Geist auf sie kommt. Dann sollen sie seine Zeugen sein – zunächst in Jerusalem, danach in Judäa und Samaria und schließlich „bis an das Ende der Erde“. Damit wird der weltweite Auftrag aus dem Ende des Matthäusevangeliums weiter entfaltet. Die Apostel sollen Christus nicht aus eigener Fähigkeit vertreten. Erst die von Gott gegebene Kraft befähigt sie zu dem Zeugnis, das vor ihnen liegt.

Während sie bei Jesus sind, wird er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nimmt ihn auf. Die Apostel schauen ihm nach, bis zwei Männer in weißen Kleidern ihnen erklären, dass derselbe Jesus, der in den Himmel aufgenommen wurde, ebenso wiederkommen wird, wie sie ihn haben hingehen sehen. Für Matthäus und die anderen verbindet sich damit die Himmelfahrt mit einer klaren Hoffnung. Jesu sichtbare Gegenwart auf Erden endet, doch seine Geschichte mit seinem Volk ist nicht abgeschlossen. Seine Wiederkunft bleibt ihnen ausdrücklich verheißen.

Die Jünger kehren daraufhin vom Ölberg nach Jerusalem zurück. In dem Obergemach nennt Lukas die anwesenden Apostel einzeln: Petrus, Johannes, Jakobus, Andreas, Philippus, Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Jakobus den Sohn des Alphäus, Simon den Zeloten und Judas den Sohn des Jakobus. Hier erscheint Matthäus zum letzten Mal ausdrücklich mit seinem Namen in der Bibel. Er steht weiterhin dort, wo ihn Jesus nach seiner Berufung hingestellt hatte: unter den Aposteln Christi.

Die Männer sind jedoch nicht allein. Gemeinsam mit Frauen, Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern verharren sie einmütig im Gebet. Die erste Reaktion auf den großen Missionsauftrag ist damit nicht sofortige eigenmächtige Aktivität. Jesus hatte ihnen geboten zu warten, bis die verheißene Kraft aus der Höhe kommt. Der Apostelkreis, zu dem Matthäus gehört, beginnt seinen Dienst nach der Himmelfahrt deshalb in Abhängigkeit von Gott.

In dieser Zeit muss auch die Lücke geschlossen werden, die Judas Iskariot im Kreis der Zwölf hinterlassen hat. Petrus spricht vor der versammelten Gemeinschaft über Judas' Ende und über die Notwendigkeit, einen anderen Mann als Zeugen der Auferstehung einzusetzen. Als Voraussetzung wird genannt, dass dieser die Zeit des öffentlichen Wirkens Jesu von der Taufe des Johannes bis zur Himmelfahrt mit den Jüngern geteilt haben soll. Dadurch wird nochmals sichtbar, welche besondere Stellung der ursprüngliche Apostelkreis besaß: Seine Mitglieder waren Zeugen des Wirkens, des Todes und vor allem der Auferstehung Jesu.

Zwei Männer werden vorgeschlagen, Joseph Barsabbas und Matthias. Nach Gebet und Los fällt die Wahl auf Matthias, der daraufhin den elf Aposteln zugezählt wird. Matthias darf dabei nicht mit Matthäus verwechselt werden. Matthäus war bereits seit der Berufung durch Jesus einer der Zwölf; Matthias wird erst nach Judas' Wegfall hinzugefügt. Die Ähnlichkeit der deutschen Namen ändert nichts daran, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelt.

Mit Apostelgeschichte 1,13 endet die ausdrücklich namentliche biblische Spur des Matthäus. Über seine späteren Reisen, einzelne Gemeinden, einen möglichen Märtyrertod oder seinen genauen weiteren Lebensweg berichtet die Bibel nichts. Was sicher bleibt, ist sein Platz unter den Aposteln unmittelbar vor Pfingsten: Er wartet betend auf die Verheißung Jesu und gehört zu dem Kreis, durch den das Zeugnis vom auferstandenen Christus in eine neue heilsgeschichtliche Phase eintreten wird.

Zurück: Matthäus begegnet dem auferstandenen Jesus Weiter: Matthäus steht an Pfingsten unter den Zeugen Jesu

Matthäus steht an Pfingsten unter den Zeugen Jesu

Apostelgeschichte 2,1-4 – „1 Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen. 2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, worin sie saßen. 3 Und es erschienen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeglichen unter ihnen. 4 Und sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt und f…"
Apostelgeschichte 2,1-4 – „1 Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen. 2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, worin sie saßen. 3 Und es erschienen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeglichen unter ihnen. 4 Und sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt und f…"
Apostelgeschichte 2,14-24 – „14 Da trat Petrus mit den Elfen auf, erhob seine Stimme und sprach zu ihnen: Ihr jüdischen Männer und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kund, und horchet auf meine Worte! 15 Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet; denn es ist erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern dies ist, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: 17 «Und es wird geschehen in den letzten Tage…"
Apostelgeschichte 2,37-43 – „37 Als sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder? 38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden; so werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. 39 Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und …"

Nachdem Matthias dem Apostelkreis hinzugefügt worden ist, führt Lukas unmittelbar zum Pfingsttag. Die Jünger sind beieinander, als plötzlich ein Brausen wie von einem gewaltigen Wind den Ort erfüllt und ihnen Zungen erscheinen, die wie Feuer aussehen und sich auf sie verteilen. Sie werden mit dem Heiligen Geist erfüllt und beginnen in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen zu sprechen gibt. Damit erfüllt sich die Verheißung Jesu, dass seine Zeugen Kraft empfangen würden, wenn der Heilige Geist auf sie kommt.

Matthäus wird in diesem Bericht nicht einzeln genannt. Seine Anwesenheit im apostolischen Zeugnis wird jedoch wenig später ausdrücklich erkennbar. Als Petrus vor die versammelte Menge tritt, heißt es, dass er sich „mit den Elfen“ erhebt. Nach der Aufnahme des Matthias bezeichnet diese Formulierung die übrigen elf Apostel neben Petrus und schließt Matthäus damit ein. Der ehemalige Zöllner steht nun unter den Männern, durch die öffentlich verkündigt wird, dass der gekreuzigte Jesus auferstanden ist und von Gott zum Herrn und Christus gemacht wurde.

Das Geschehen zieht Juden aus vielen verschiedenen Gegenden zusammen, die erstaunt hören, wie die Jünger in ihren eigenen Sprachen von den großen Taten Gottes sprechen. Andere reagieren spöttisch und behaupten, die Männer seien betrunken. Petrus weist diesen Vorwurf zurück und erklärt das Geschehen im Licht der prophetischen Verheißung über die Ausgießung des Geistes. Damit beginnt die öffentliche Verkündigung der apostolischen Gemeinde nicht mit menschlicher Selbstdarstellung, sondern mit dem Hinweis darauf, dass Gott handelt und sein Wort erfüllt.

Im Mittelpunkt der anschließenden Predigt steht Jesus. Petrus erinnert an dessen öffentliches Wirken, an seine Kreuzigung und daran, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat. Genau diese Auferstehung gehört zu dem Zeugnis, für das Matthäus mit den anderen Aposteln vorbereitet worden war. Die Männer sollen nicht in erster Linie ihre eigenen Erfahrungen oder ihre persönliche Bedeutung verkünden. Ihr Auftrag besteht darin, von Christus zu zeugen und die Ereignisse seines Todes und seiner Auferstehung im Licht der Schrift zu erklären.

Als die Zuhörer von dieser Botschaft getroffen werden, fragen sie Petrus und die übrigen Apostel: „Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?“ Die Frage richtet sich damit nicht nur an Petrus, sondern an den apostolischen Kreis, zu dem Matthäus gehört. Petrus ruft zur Umkehr und zur Taufe auf den Namen Jesu Christi auf und verbindet damit die Verheißung der Vergebung der Sünden und der Gabe des Heiligen Geistes. Der Ruf, den Matthäus selbst einst von Jesus empfangen hatte, führt nun in einen Dienst hinein, durch den andere Menschen ebenfalls zu einer entschiedenen Antwort auf Christus gerufen werden.

Lukas berichtet, dass an diesem Tag etwa dreitausend Menschen aufgenommen werden. Sie bleiben in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Dadurch erhält die Aufgabe der Apostel eine dauerhafte Gestalt. Sie sind nicht nur Augenzeugen eines vergangenen Ereignisses, sondern tragen Verantwortung dafür, die junge Gemeinde in der Lehre Jesu zu unterweisen. Matthäus gehört zu diesem gemeinsamen apostolischen Dienst, auch wenn die Bibel keine einzelne Predigt oder Lehrrede von ihm überliefert.

Zugleich geschehen durch die Apostel viele Zeichen und Wunder. Auch hier nennt Lukas Matthäus nicht als einzelnen Wundertäter und berichtet keine bestimmte Tat, die ihm persönlich zugeordnet werden könnte. Es wäre deshalb falsch, einzelne spätere Erzählungen über seinen Dienst in diese biblische Lücke einzufügen. Die Schrift lässt lediglich sicher erkennen, dass er zum Apostelkreis gehört, durch den Christus nach seiner Himmelfahrt und durch das Wirken des Heiligen Geistes seine Gemeinde aufbaut.

Damit erreicht Matthäus' sicher nachzeichnbarer Lebensweg innerhalb der Bibel seinen letzten größeren gemeinsamen Abschnitt. Der Mann, den Jesus am Zoll gerufen hatte, steht nun unter den öffentlich beauftragten Zeugen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Von hier an berichtet die Apostelgeschichte ausführlicher über andere Apostel und Mitarbeiter, während Matthäus nicht mehr persönlich hervorgehoben wird. Seine weitere Geschichte muss deshalb dort enden, wo auch das biblische Zeugnis über ihn endet, ohne die entstandene Lücke durch spätere Überlieferungen zu füllen.

Zurück: Matthäus wartet mit den Aposteln in Jerusalem Weiter: Zusammenfassung und Gebet

Zusammenfassung und Gebet

Matthäus gehört zu den biblischen Personen, über deren Leben nur wenige persönliche Einzelheiten überliefert sind und deren Geschichte dennoch eine klare Linie erkennen lässt. Als die Bibel ihn in den Blick nimmt, sitzt er am Zoll. Jesus sieht ihn, ruft ihn in die Nachfolge, und Matthäus steht auf und folgt ihm. Seine frühere Tätigkeit wird später sogar noch in der Apostelliste genannt: „Matthäus, der Zöllner“. Die Schrift verbirgt seine Herkunft damit nicht, lässt sie aber auch nicht seine neue Stellung bestimmen.

Von diesem ersten Ruf an liegt der Mittelpunkt seines Lebens bei Christus. Matthäus gehört zu den Zwölf, lebt in der unmittelbaren Gemeinschaft mit Jesus und wird von ihm zum Dienst ausgesandt. Er erlebt Jesu Worte und Taten, hört die Ankündigung von Leiden, Tod und Auferstehung und sitzt mit den anderen Aposteln beim letzten Passah. Wie die übrigen Jünger muss auch er erfahren, dass menschliche Entschlossenheit allein nicht trägt: Als Jesus gefangen genommen wird, verlässt auch Matthäus ihn und flieht.

Doch das Versagen der Jünger beendet den Auftrag Jesu nicht. Der Auferstandene begegnet seinem Apostelkreis erneut, öffnet ihm das Verständnis für Gottes Erlösungsplan und sendet ihn zu allen Völkern. Matthäus gehört zu den Zeugen, denen Christus seine umfassende Vollmacht verkündet und denen er seine bleibende Gegenwart zusagt. Nach der Himmelfahrt finden wir ihn betend mit den anderen Aposteln in Jerusalem und schließlich unter den Zeugen, die an Pfingsten durch den Heiligen Geist zum öffentlichen Dienst befähigt werden.

Danach schweigt die Bibel über seinen persönlichen weiteren Weg. Sie berichtet weder sicher von späteren Missionsreisen noch von den Umständen seines Todes. Auch dass Matthäus selbst das nach ihm benannte Evangelium geschrieben habe, wird innerhalb des biblischen Textes nicht ausdrücklich erklärt und sollte deshalb in einer ausschließlich biblischen Biografie nicht als nachgewiesene Tatsache behandelt werden. Sicher ist dagegen seine Stellung als von Jesus berufener Apostel und Zeuge des auferstandenen Herrn.

Matthäus' Geschichte zeigt damit keine außergewöhnlich ausführlich dokumentierte Persönlichkeit, sondern die Macht des Rufes Christi. Ein Mensch wird aus seinem bisherigen Leben herausgerufen, in die Gemeinschaft mit Jesus gestellt, durch Belehrung und eigenes Versagen geführt und schließlich zum Zeugen dessen gemacht, was Christus vollbracht hat. Seine Bedeutung liegt nicht darin, dass die Bibel möglichst viel über Matthäus erzählt, sondern darin, wem er folgen durfte. Der Mittelpunkt seiner Geschichte ist Jesus Christus, der Sünder ruft, schwache Jünger trägt und sie befähigt, von seinem Heil zu zeugen.

Herr Jesus Christus, ich danke dir, dass dein Ruf Menschen nicht aufgrund ihrer Vergangenheit ausschließt, sondern sie zu dir und in ein neues Leben führt. Bewahre mich davor, auf meine eigene Stärke zu vertrauen, und lehre mich, dir auch dann treu zu folgen, wenn dein Weg anders aussieht, als ich ihn erwartet habe.

Schenke mir ein Herz, das deine Gnade nicht nur für sich selbst empfängt, sondern auch anderen Menschen mit Barmherzigkeit begegnet. Lass mich erkennen, dass alles Heil, alle Vergebung und jede Hoffnung in dir ihren Ursprung haben. Gib mir durch deinen Geist Kraft, dir zu dienen und durch mein Leben auf dich hinzuweisen, bis du wiederkommst. Amen.

„Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden!“ Apostelgeschichte 4,12

Zurück: Matthäus steht an Pfingsten unter den Zeugen Jesu