Martha
Martha in der Bibel: Glaube, Dienst und Begegnung mit Jesus
Martha ist eine Jüngerin Jesu aus Bethanien und die Schwester von Maria und Lazarus. Die Evangelien zeigen sie als eine Frau, die Jesus in ihr Haus aufnimmt, ihm dient und zugleich mit bemerkenswerter Offenheit zu ihm spricht. Besonders in der Begegnung um den Tod ihres Bruders wird sichtbar, dass ihr Vertrauen nicht bei allgemeinen Glaubenssätzen stehenbleibt, sondern sich auf Jesus als den Christus und Sohn Gottes richtet.
Einführung
Martha wird häufig vor allem mit einer einzigen Szene verbunden: Während sie für Jesus sorgt, sitzt ihre Schwester Maria zu seinen Füßen. Dadurch kann leicht ein einseitiges Bild entstehen, in dem Martha lediglich für Geschäftigkeit und Maria für den besseren geistlichen Weg steht. Die biblischen Berichte zeichnen jedoch ein umfassenderes Bild. Martha dient, fragt, ringt um Verständnis und spricht später eines der klarsten persönlichen Glaubensbekenntnisse aus, die in den Evangelien überliefert sind.
Ihre Geschichte begegnet uns vor allem im Lukas- und im Johannesevangelium. Lukas nennt bei ihrer ersten Begegnung mit Jesus keinen Ortsnamen, während Johannes Martha, Maria und Lazarus ausdrücklich mit Bethanien verbindet. Die Bibel berichtet nichts über Marthas Eltern, ihr Alter, eine Ehe oder Kinder. Auch über ihre Kindheit und die Zeit vor ihrem Auftreten bei Jesus erfahren wir nichts. Ihre Lebensgeschichte beginnt deshalb dort, wo sie erstmals selbst handelt und Jesus in ihr Haus aufnimmt.
Schon dieser Anfang ist bedeutsam. Martha steht nicht am Rand des Geschehens, sondern öffnet Jesus ihren persönlichen Lebensraum. Gastfreundschaft und Dienst gehören von Anfang an zu ihrem Auftreten. Zugleich wird bald sichtbar, dass die Nähe zu Jesus mehr verlangt als äußere Fürsorge allein.
So beginnt Marthas biblisch greifbarer Weg nicht mit einer ausführlichen Vorgeschichte, sondern mit einer offenen Tür: Jesus kommt in ein Haus, und Martha nimmt ihn auf. Von diesem einfachen Ausgangspunkt aus entfaltet die Schrift Schritt für Schritt, wie ihre Beziehung zu ihm geprüft und vertieft wird.
Martha nimmt Jesus in ihr Haus auf
Lukas 10,38-42 – „38 Als sie aber weiterreisten, kam er in ein Dorf; ein Weib aber namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus. 39 Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Und sie trat herzu und sprach: Herr, kümmerst du dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr …"
Lukas 10,38-42 – „38 Als sie aber weiterreisten, kam er in ein Dorf; ein Weib aber namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus. 39 Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Und sie trat herzu und sprach: Herr, kümmerst du dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr …"
Johannes 11,1 – „1 Es war aber einer krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe der Maria und ihrer Schwester Martha,"
Die erste sichere Begegnung mit Martha beginnt damit, dass Jesus in ein Dorf kommt und von ihr aufgenommen wird. Lukas nennt den Ort an dieser Stelle nicht, doch Johannes verbindet Martha, ihre Schwester Maria und ihren Bruder Lazarus später ausdrücklich mit Bethanien. Über die Vorgeschichte der Familie schweigt die Bibel. Ihr gemeinsames Haus wird jedoch zu einem Ort, an dem Jesus wiederholt begegnet und aufgenommen wird. In dieser ersten Szene steht Martha zunächst als Gastgeberin vor uns.
Ihre Aufnahme Jesu ist keine beiläufige Einzelheit. Martha öffnet ihm ihr Haus und übernimmt die Verantwortung für seine Bewirtung. Der Bericht kritisiert diese Gastfreundschaft nicht. Im Gegenteil: Dienen gehört auch später weiterhin zu Martha, ohne dass Johannes es negativ bewertet. Die Spannung entsteht deshalb nicht zwischen einem grundsätzlich schlechten Dienst und einem grundsätzlich guten Zuhören, sondern darin, welchen Platz der Dienst im Verhältnis zur persönlichen Aufmerksamkeit für Jesus einnimmt.
Während Martha mit der Bewirtung beschäftigt ist, setzt sich Maria zu den Füßen Jesu und hört seinem Wort zu. Damit richtet Lukas den Blick auf zwei Tätigkeiten, die an sich nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen. Martha sorgt für den Gast, Maria hört auf ihn. Doch bei Martha verändert sich etwas: Der Text beschreibt sie als stark in Anspruch genommen durch das viele Dienen. Ihre Aufmerksamkeit wird so sehr von den Aufgaben gebunden, dass die äußere Fürsorge ihre innere Ruhe vor Jesus zu verdrängen beginnt.
Schließlich wendet Martha sich direkt an Jesus. Sie beklagt, dass Maria sie allein dienen lasse, und bittet ihn darum, ihre Schwester zum Helfen aufzufordern. Bemerkenswert ist dabei die Offenheit, mit der Martha spricht. Sie hält ihren Unmut nicht verborgen, sondern trägt ihn vor Jesus. Zugleich zeigt ihre Bitte, dass sie die Situation bereits aus einer bestimmten Perspektive bewertet: Für sie erscheint es in diesem Augenblick selbstverständlich, dass Maria aufstehen und beim Dienst helfen sollte.
Jesu Antwort ist zugleich persönlich und korrigierend. Mit der doppelten Anrede „Martha, Martha“ richtet er sich unmittelbar an sie und benennt ihre Sorge und Unruhe. Er verwirft damit nicht ihre Bereitschaft zu dienen. Seine Worte treffen vielmehr den Zustand, in den Martha durch die vielen Aufgaben geraten ist. Etwas Gutes hat begonnen, ihr Herz so stark zu beanspruchen, dass das Wesentliche aus dem Blick zu geraten droht.
Jesus stellt dem die Entscheidung Marias gegenüber. Sie hat den guten Teil gewählt, der ihr nicht genommen werden soll. Im unmittelbaren Zusammenhang besteht dieser „gute Teil“ darin, bei Jesus zu bleiben und auf sein Wort zu hören. Damit setzt Jesus eine klare Ordnung: Der Dienst für ihn darf das Hören auf ihn nicht ersetzen. Äußere Tätigkeit kann Ausdruck von Liebe sein, aber sie erhält ihren richtigen Platz erst dort, wo der Mensch sich zuerst von Christus ansprechen und führen lässt.
Gerade deshalb sollte Martha nicht auf das Bild einer geschäftigen Frau reduziert werden, die das Geistliche nicht verstanden habe. Die Szene zeigt vielmehr eine echte Jüngerin, deren Bereitschaft zum Dienst der Korrektur Jesu bedarf. Jesus weist sie nicht aus seiner Nähe weg, sondern ruft sie innerhalb dieser Nähe zu einer anderen Priorität. Seine Korrektur ist damit keine Abwertung ihrer Person, sondern eine Einladung, auch im Dienen von seinem Wort her zu leben.
Diese erste Begegnung legt eine wichtige Grundlage für Marthas weiteren biblischen Weg. Sie kennt Jesus nicht nur als Gast ihres Hauses, sondern als Herrn, dessen Wort über ihre eigene Einschätzung gestellt werden muss. Noch ist damit nicht alles über ihren Glauben gesagt. Doch bereits hier begegnet uns eine Frau, die Jesus aufnimmt, ihm dient, offen mit ihm spricht und sich von ihm korrigieren lassen muss. Ihre Beziehung zu ihm wird später in einer weit schwereren Situation erneut sichtbar werden.
Martha begegnet Jesus nach dem Tod ihres Bruders
Johannes 11,17-27 – „17 Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegend. 18 Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, ungefähr fünfzehn Stadien weit. 19 Und viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 20 Als Martha nun hörte, daß Jesus komme, lief sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Hause. 21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wärest du hier gewesen, …"
Johannes 11,17-27 – „17 Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegend. 18 Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, ungefähr fünfzehn Stadien weit. 19 Und viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 20 Als Martha nun hörte, daß Jesus komme, lief sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Hause. 21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wärest du hier gewesen, …"
Johannes 11,1-6 – „1 Es war aber einer krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe der Maria und ihrer Schwester Martha, 2 nämlich der Maria, die den Herrn gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. 3 Da ließen ihm die Schwestern sagen: Herr, siehe, den du lieb hast, der ist krank! 4 Als Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gott…"
Als Martha erneut in den Mittelpunkt des biblischen Berichts tritt, hat sich die Situation grundlegend verändert. Ihr Bruder Lazarus ist schwer krank geworden, und die Schwestern haben Jesus die Nachricht senden lassen: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank.“ Johannes erklärt ausdrücklich, dass Jesus Martha, Maria und Lazarus liebte. Dennoch bricht Jesus nicht sofort nach Bethanien auf, sondern bleibt zunächst noch zwei Tage an dem Ort, an dem er sich befindet. Als er schließlich kommt, liegt Lazarus bereits seit vier Tagen im Grab.
Für Martha muss nun nicht erklärt werden, warum Jesus in ihrem Haus willkommen ist; die Beziehung zwischen ihm und der Familie ist inzwischen deutlich vorausgesetzt. Doch gerade diese Nähe macht die folgende Begegnung besonders ernst. Als Martha hört, dass Jesus sich nähert, geht sie ihm entgegen, während Maria zunächst im Haus bleibt. Martha wartet also nicht darauf, dass Jesus zu ihr kommt. Mitten in der Trauer sucht sie seine Nähe und spricht unmittelbar aus, was sie bewegt.
Ihre ersten Worte verbinden Schmerz und Glauben: Wäre Jesus dort gewesen, so sagt sie, wäre ihr Bruder nicht gestorben. Diese Aussage ist kein vollständiger Vorwurf, denn Martha spricht im nächsten Satz weiter von ihrem Vertrauen auf Gott. Zugleich sollte ihr Satz nicht abgeschwächt werden. Sie bringt vor Jesus aus, was aus ihrer Sicht anders hätte sein können. Die Bibel zeigt damit einen Glauben, der Trauer und offene Fragen nicht verdrängen muss.
Martha fügt hinzu, dass sie auch jetzt weiß: Was Jesus von Gott bitten wird, das wird Gott ihm geben. Wie weit Martha in diesem Augenblick konkret mit einer unmittelbaren Auferweckung des Lazarus rechnet, sagt der Text nicht. Ihre spätere Antwort zeigt jedenfalls, dass sie Jesu Worte zunächst auf die zukünftige Auferstehung bezieht. Deshalb wäre es zu weit gegangen, in ihrer Aussage bereits die sichere Erwartung des bevorstehenden Wunders zu sehen. Sicher ist jedoch, dass sie auch nach dem Tod ihres Bruders nicht aufgehört hat, Jesus zu vertrauen.
Jesus antwortet ihr: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Martha bekennt daraufhin, dass sie von der Auferstehung am letzten Tag weiß. Ihr Glaube reicht also über die gegenwärtige Trauer hinaus. Sie erwartet eine zukünftige Auferstehung, in der der Tod nicht das letzte Wort behalten wird. Gerade hier führt Jesus sie jedoch von einer richtigen Hoffnung auf ein zukünftiges Ereignis noch tiefer zu seiner eigenen Person.
Er sagt zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Damit richtet Jesus Marthas Hoffnung nicht lediglich auf etwas, das Gott eines Tages tun wird, sondern auf den, der vor ihr steht. Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und das Leben, das Christus gibt, steht letztlich unter seiner Macht und nicht unter der Herrschaft des Todes. Jesu Worte bereiten damit nicht nur das folgende Wunder vor. Sie offenbaren, dass die Hoffnung der Auferstehung untrennbar mit ihm selbst verbunden ist.
Dann stellt Jesus Martha eine persönliche Frage: „Glaubst du das?“ Ihre Antwort gehört zu den stärksten Bekenntnissen, die das Johannesevangelium von einem einzelnen Menschen überliefert. Martha sagt: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Sie spricht damit nicht lediglich von Jesus als einem Wundertäter, Freund der Familie oder Lehrer. Inmitten eines Verlustes bekennt sie ihn als den verheißenen Christus und Sohn Gottes.
Dieses Bekenntnis verändert nicht die Tatsache, dass Lazarus gestorben ist und Martha trauert. Glaube bedeutet hier nicht, den Schmerz für unwirklich zu erklären. Martha besitzt zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht alle Antworten darauf, was Jesus tun wird. Doch gerade darin gewinnt ihre Aussage Gewicht: Bevor sie sieht, wie Jesus am Grab handeln wird, bekennt sie, wer er für sie ist. Ihr Vertrauen ruht nicht zuerst auf einer sichtbaren Lösung, sondern auf der Person Christi.
Die Frau, die zuvor lernen musste, ihre vielen Aufgaben der Aufmerksamkeit für Jesu Wort unterzuordnen, begegnet uns nun in einer weit tieferen Prüfung. Wieder spricht Jesus zu ihr, und wieder muss sie sein Wort aufnehmen. Doch diesmal führt das Gespräch zu einem ausdrücklichen Glaubensbekenntnis. Martha steht damit unmittelbar vor einem Ereignis, in dem Jesus sichtbar machen wird, was seine Worte über Auferstehung und Leben bedeuten.
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Martha steht am Grab des Lazarus
Johannes 11,28-40 – „28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich! 29 Als diese es hörte, stand sie eilends auf und begab sich zu ihm. 30 Jesus war aber noch nicht in den Flecken gekommen, sondern befand sich noch an dem Orte, wo Martha ihm begegnet war. 31 Als nun die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, daß M…"
Johannes 11,28-40 – „28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich! 29 Als diese es hörte, stand sie eilends auf und begab sich zu ihm. 30 Jesus war aber noch nicht in den Flecken gekommen, sondern befand sich noch an dem Orte, wo Martha ihm begegnet war. 31 Als nun die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, daß M…"
Johannes 11,41-44 – „41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. 42 Doch ich weiß, daß du mich allezeit erhörst; aber um des umstehenden Volkes willen habe ich es gesagt, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast. 43 Und als er solches gesagt, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, an Händen und…"
Nach ihrem Bekenntnis geht Martha zu ihrer Schwester Maria und sagt ihr heimlich, dass der Meister da sei und sie rufe. Maria steht sofort auf und geht zu Jesus. Auch die Juden, die bei ihr im Haus sind, folgen ihr. Damit verlagert sich das Geschehen vom persönlichen Gespräch zwischen Jesus und Martha an den Ort der gemeinsamen Trauer. Was Jesus Martha über Auferstehung und Leben gesagt hat, wird nun unmittelbar mit dem Grab ihres Bruders konfrontiert.
Als Maria Jesus erreicht, fällt sie ihm zu Füßen und spricht denselben grundlegenden Gedanken aus, den Martha zuvor geäußert hatte: Wäre er dort gewesen, wäre Lazarus nicht gestorben. Die Reaktion Jesu wird nun ausführlicher beschrieben. Er sieht Maria weinen und ebenso die Menschen, die mit ihr gekommen sind. Johannes berichtet, dass Jesus innerlich tief bewegt wurde und schließlich selbst weinte. Der Sohn Gottes begegnet dem Tod nicht mit Gleichgültigkeit, obwohl er weiß, was wenige Augenblicke später geschehen wird.
Dann geht Jesus zum Grab. Es handelt sich um eine Höhle, vor deren Eingang ein Stein liegt. Jesus befiehlt: „Hebt den Stein weg!“ An diesem Punkt tritt Martha wieder ausdrücklich hervor. Sie weist darauf hin, dass Lazarus bereits vier Tage tot ist und Verwesung zu erwarten sei. Ihre Worte sind sachlich und unmittelbar mit der sichtbaren Wirklichkeit verbunden. Der Mann, dessen Auferstehung Jesus angekündigt hat, liegt seit Tagen im Grab.
Gerade hier zeigt sich, dass ein echtes Glaubensbekenntnis nicht bedeutet, dass jede weitere Prüfung sofort überwunden wäre. Martha hat kurz zuvor Jesus als den Christus und Sohn Gottes bekannt. Dennoch stößt sein Befehl am Grab auf eine Wirklichkeit, die ihr menschlich nicht überwindbar erscheint. Der Text stellt ihr früheres Bekenntnis und ihren jetzigen Einwand nicht als Widerspruch dar, der ihren Glauben wertlos machen würde. Vielmehr wird sichtbar, wie ihr Vertrauen erneut an Jesu Wort gebunden werden muss.
Jesus erinnert Martha an das, was er ihr gesagt hat: Wenn sie glaube, werde sie die Herrlichkeit Gottes sehen. Damit lenkt er ihren Blick von dem Zustand des Grabes zurück auf seine Zusage. Martha erhält keine ausführliche Erklärung darüber, wie das Unmögliche geschehen soll. Sie wird vielmehr dazu gerufen, dem Wort Jesu auch dort zu vertrauen, wo die sichtbare Lage dagegenzusprechen scheint. Der Stein wird daraufhin weggenommen.
Jesus richtet nun sein Gebet an den Vater. Dabei bittet er nicht in Unsicherheit darum, ob Lazarus auferweckt werden könne. Er dankt dem Vater dafür, dass dieser ihn erhört hat, und erklärt, dass sein Gebet auch wegen der umstehenden Menschen ausgesprochen wird, damit sie glauben, dass der Vater ihn gesandt hat. Das kommende Wunder soll also nicht lediglich eine Familie trösten. Es soll offenbaren, wer Jesus ist und in wessen Vollmacht er handelt.
Dann ruft Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Der Tote kommt aus dem Grab, noch mit den Grabtüchern gebunden. Jesus befiehlt den Umstehenden, ihn loszubinden und gehen zu lassen. Der Bericht lässt keinen Raum für die Vorstellung, Lazarus sei nur bewusstlos gewesen oder habe sich selbst aus einer Krankheit erholt. Johannes hatte ausdrücklich erklärt, dass Lazarus gestorben war und bereits vier Tage im Grab lag. Seine Rückkehr ins Leben geschieht durch das Wort Christi.
Für Martha erhält das Gespräch kurz zuvor damit eine sichtbare Bestätigung. Jesus hatte nicht nur über Auferstehung gesprochen; er hatte sich selbst als „die Auferstehung und das Leben“ offenbart. Nun erlebt Martha, dass seine Macht dort wirksam wird, wo menschlich keine Möglichkeit mehr bleibt. Trotzdem ist die Auferweckung des Lazarus noch nicht die endgültige Auferstehung am letzten Tag, von der Martha gesprochen hatte. Lazarus kehrt in sein sterbliches Leben zurück. Das Wunder ist ein Zeichen, das über sich selbst hinaus auf die Macht Christi über den Tod weist.
Marthas Geschichte erreicht hier einen entscheidenden Punkt. Sie hat Jesus zuerst als Gast aufgenommen, dann gelernt, seinem Wort Vorrang vor ihrer Unruhe zu geben, und schließlich in der Trauer bekannt, dass er der Christus ist. Am Grab wird dieses Vertrauen noch einmal herausgefordert und zugleich gestärkt. Sie erlebt nicht nur, dass Jesus ihren Bruder liebt und ihren Schmerz sieht, sondern dass selbst das Grab seiner Autorität nicht standhalten kann.
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Martha dient Jesus nach der Auferweckung des Lazarus
Johannes 12,1-3 – „1 Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus von den Toten auferweckt hatte. 2 Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl, und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. 3 Da nahm Maria ein Pfund echter, köstlicher Nardensalbe, salbte Jesus die Füße und trocknete ihm die Füße mit ihren Haaren; das Haus aber wurde erfüllt vom Ger…"
Johannes 12,1-3 – „1 Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus von den Toten auferweckt hatte. 2 Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl, und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. 3 Da nahm Maria ein Pfund echter, köstlicher Nardensalbe, salbte Jesus die Füße und trocknete ihm die Füße mit ihren Haaren; das Haus aber wurde erfüllt vom Ger…"
Johannes 11,45 – „45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus getan hatte, glaubten an ihn."
Sechs Tage vor dem Passah kommt Jesus wieder nach Bethanien, an den Ort, an dem Lazarus gelebt hatte und von ihm aus den Toten auferweckt worden war. Johannes führt die Geschichte der Geschwister damit noch einmal zusammen. Lazarus sitzt mit Jesus am Tisch, Maria wird kurze Zeit später Jesus salben, und Martha dient. Es ist die letzte Stelle der Bibel, an der Martha ausdrücklich genannt wird.
Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Johannes ihren Dienst erwähnt. Anders als in Lukas 10 folgt hier keine Korrektur Jesu. Der Evangelist berichtet schlicht: „Martha aber diente.“ Gerade dieser Unterschied schützt davor, aus ihrer früheren Begegnung mit Jesus die falsche Schlussfolgerung zu ziehen, Dienen sei an sich minderwertig oder stehe im Gegensatz zu echter Jüngerschaft. In Lukas lag das Problem nicht darin, dass Martha diente, sondern darin, dass sie durch das viele Dienen innerlich so beansprucht wurde, dass Jesu Wort aus dem Mittelpunkt zu geraten drohte.
Nun begegnet sie uns erneut in derselben grundsätzlichen Haltung der Fürsorge, aber in einem völlig anderen Zusammenhang. Ihr Bruder, um dessen Tod sie getrauert hatte, sitzt lebendig mit Jesus am Tisch. Der Text sagt nicht ausdrücklich, was Martha dabei denkt oder empfindet, und deshalb sollte darüber nicht spekuliert werden. Doch der erzählerische Zusammenhang ist unübersehbar: Die Frau, die vor dem Grab auf die bereits eingetretene Verwesung hingewiesen hatte, dient nun bei einem Mahl, an dem der auferweckte Lazarus teilnimmt.
Auch die Rollen der drei Geschwister werden nicht gegeneinander ausgespielt. Lazarus sitzt mit Jesus zu Tisch, Martha dient, und Maria nimmt kostbares Salböl und salbt Jesu Füße. Johannes bewertet Marthas Dienst nicht als geringeren Ausdruck von Hingabe. Jede Person tritt in dieser Szene auf ihre Weise hervor. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einem Wettbewerb verschiedener Formen von Nachfolge, sondern auf Jesus selbst, um den sich das gesamte Geschehen ordnet.
Marias Handlung erhält innerhalb des Berichts besondere Bedeutung, weil Jesus ihre Salbung auf den Tag seines Begräbnisses bezieht. Martha steht dabei nicht im Mittelpunkt des Gesprächs, doch der Zeitpunkt ihrer letzten Erwähnung ist heilsgeschichtlich bedeutsam. Jesus befindet sich auf dem Weg zu seinem eigenen Tod. Die Auferweckung des Lazarus hatte seine Macht über den Tod sichtbar gemacht; nun nähert sich der Augenblick, in dem Christus selbst sterben und durch seine Auferstehung den entscheidenden Sieg über Sünde und Tod offenbaren wird.
Damit erhält auch Marthas vorheriges Bekenntnis eine größere Tiefe. Sie hatte Jesus als den Christus und Sohn Gottes bekannt, bevor sie wusste, wie die Geschichte ihres Bruders ausgehen würde. Jetzt befindet sie sich in einem Haus, in dem die Macht Jesu über den Tod bereits sichtbar geworden ist, während zugleich sein eigener Tod näher rückt. Johannes erklärt unmittelbar zuvor, dass die Auferweckung des Lazarus viele Menschen zum Glauben an Jesus geführt hatte. Zugleich hatte dieses Zeichen den Widerstand gegen ihn weiter verschärft und den Entschluss seiner Gegner beschleunigt, ihn zu töten.
Über Marthas weiteres Leben berichtet die Bibel nichts. Sie wird weder in den Berichten über Kreuzigung und Auferstehung Jesu noch in der Apostelgeschichte oder in den neutestamentlichen Briefen nochmals sicher erwähnt. Deshalb lässt sich weder sagen, wo sie später lebte, welche Aufgaben sie in der entstehenden Gemeinde übernahm noch wann oder wie sie starb. Spätere Überlieferungen können diese Lücke nicht mit biblischer Gewissheit schließen.
Ihre letzte sichere biblische Erwähnung ist deshalb auffallend schlicht: Martha dient. Doch nach allem, was zuvor geschehen ist, steht dieser kurze Satz in einem reichen Zusammenhang. Ihr Dienst folgt nun auf Jesu Korrektur, auf den Tod ihres Bruders, auf ihr Bekenntnis zu Christus und auf die Erfahrung seiner Macht am Grab. Die Bibel zeichnet damit kein vollkommenes oder idealisiertes Bild, sondern den Weg einer Jüngerin, die Jesus aufnimmt, von ihm lernen muss, ihm in tiefer Trauer vertraut und bis zu ihrer letzten Erwähnung in seiner Nähe dient.
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Zusammenfassung und Gebet
Marthas Lebensgeschichte ist kurz, aber sie zeigt eine bemerkenswerte Tiefe. Die Bibel zeichnet sie weder als Gegenbild zu ihrer Schwester Maria noch als fehlerlose Glaubensheldin. Sie begegnet uns vielmehr als eine Frau, die Jesus wirklich nahe ist und gerade in dieser Nähe lernt. Sie nimmt ihn auf, dient ihm, spricht offen mit ihm und lässt zu, dass sein Wort ihre eigene Sicht korrigiert und vertieft.
Ihr Dienst gehört dabei wesentlich zu ihr. Jesus tadelt nicht ihre Bereitschaft, für andere zu sorgen, sondern die Sorge und Unruhe, die sie dabei beherrschen. Martha muss lernen, dass selbst ein guter Dienst seinen Mittelpunkt verlieren kann, wenn das Hören auf Christus in den Hintergrund gerät. Dass sie bei ihrer letzten biblischen Erwähnung erneut dient, ohne dafür korrigiert zu werden, bewahrt ihre Geschichte vor einer falschen Gegenüberstellung: Nicht Dienen oder Hören lautet die Entscheidung, sondern Dienen aus der Nähe zu Jesus.
Am deutlichsten tritt Marthas Glaube hervor, als ihr Bruder Lazarus gestorben ist. Sie verbirgt weder ihren Schmerz noch ihre Fragen. Sie sagt Jesus offen, was sie bewegt, und hält zugleich an ihrem Vertrauen fest. Ihre Hoffnung auf die Auferstehung am letzten Tag ist real, doch Jesus führt sie weiter. Er richtet ihren Blick nicht nur auf ein zukünftiges Ereignis, sondern auf sich selbst als die Auferstehung und das Leben.
Darauf antwortet Martha mit ihrem großen Bekenntnis: Jesus ist für sie der Christus, der Sohn Gottes. Dieses Bekenntnis spricht sie aus, bevor Lazarus aus dem Grab gerufen wird. Gerade darin liegt sein Gewicht. Ihr Vertrauen entsteht nicht erst, nachdem sie das Wunder gesehen hat. Noch mitten in einer Situation, die für sie nicht aufgelöst ist, hält sie daran fest, wer Jesus ist.
Auch danach bleibt Martha ein Mensch, dessen Glaube weiter geprüft wird. Vor dem geöffneten Grab sieht sie zunächst die unüberwindbare Wirklichkeit des Todes. Jesus ruft sie erneut zum Vertrauen auf sein Wort. Dann erlebt sie, dass seine Macht selbst dort reicht, wo menschliche Möglichkeiten vollständig enden. Die Auferweckung des Lazarus bestätigt nicht nur Marthas Hoffnung, sondern weist auf Christus selbst, dessen Herrschaft stärker ist als der Tod.
So bleibt von Martha kein Bild äußerer Vollkommenheit, sondern das einer Jüngerin in lebendiger Beziehung zu Jesus. Sie hört und muss neu hören, sie glaubt und wird tiefer ins Vertrauen geführt, sie dient und lernt, worauf wahrer Dienst gegründet sein muss. Im Mittelpunkt ihrer Geschichte steht deshalb am Ende nicht Martha selbst, sondern Christus: der Herr, der sie korrigiert, ihre Trauer ernst nimmt, ihren Glauben stärkt und sich ihr als Auferstehung und Leben offenbart.
Herr, danke, dass du uns durch Marthas Geschichte zeigst, wie geduldig du Menschen führst, die dir vertrauen und doch noch lernen müssen. Bewahre uns davor, selbst im Guten so beschäftigt zu werden, dass dein Wort seinen ersten Platz verliert. Lehre uns, dir auch mit unseren Fragen und unserer Trauer ehrlich zu begegnen. Stärke unseren Glauben, wenn das Sichtbare gegen deine Verheißungen zu sprechen scheint, und lass unseren Dienst aus der Gemeinschaft mit dir entstehen. Richte unsere Hoffnung auf Jesus Christus, die Auferstehung und das Leben. Amen.
„Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein; und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.“ Johannes 12,26
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