Maria
Maria in der Bibel
Maria ist die Mutter Jesu und eine der bedeutendsten Frauen des Neuen Testaments. Gott erwählte sie dazu, den verheißenen Sohn durch das Wirken des Heiligen Geistes zu empfangen und zur Welt zu bringen. Ihre besondere Stellung liegt nicht in einer von Christus unabhängigen Größe, sondern darin, dass Gott sie in einzigartiger Weise in die Menschwerdung seines Sohnes und damit in seinen Erlösungsplan einbezog.
Einführung
Über kaum eine Frau der Bibel ist außerhalb der Schrift so viel gesagt und gelehrt worden wie über Maria. Gerade deshalb ist es wichtig, ihr Leben von dem her kennenzulernen, was die Bibel selbst berichtet. Die Evangelien zeichnen kein vollständiges Lebensbild mit Angaben über ihre Kindheit, ihre Eltern oder ihre frühen Jahre. Sie führen Maria vielmehr an dem Punkt in die Geschichte ein, an dem ihr Leben unmittelbar mit dem Kommen Jesu verbunden wird.
Dabei bewahrt die Bibel eine bemerkenswerte Ausgewogenheit. Maria wird weder zu einer nebensächlichen Gestalt gemacht noch in den Mittelpunkt des Glaubens gestellt. Ihre Bedeutung ist groß, doch sie weist über sich selbst hinaus. Was Gott mit ihr tut, gehört zu der Geschichte seines Sohnes. Gerade darin erhält auch ihr Vertrauen sein eigentliches Gewicht: Maria begegnet einer göttlichen Zusage, deren Tragweite weit über ihr eigenes Leben hinausreicht.
Der früheste sichere Ausgangspunkt ihrer Lebensgeschichte findet sich im Lukasevangelium. Maria lebt in Nazareth in Galiläa und ist mit einem Mann namens Joseph verlobt, der aus dem Haus Davids stammt. Lukas bezeichnet sie ausdrücklich als Jungfrau. Außerdem erfahren wir später, dass Elisabeth, die Frau des Priesters Zacharias, mit ihr verwandt ist. Mehr über Marias Herkunft oder ihr bisheriges Leben sagt die Bibel an dieser Stelle nicht.
In diese zunächst schlicht beschriebene Lebenssituation hinein tritt Gottes Botschaft. Nicht menschliche Stellung, Herkunft oder Leistung eröffnet Marias Geschichte, sondern Gottes Handeln. Von diesem Augenblick an wird ihr Leben mit der Erfüllung einer Verheißung verbunden, die Israel seit Generationen erwartete – und Maria muss auf ein Wort Gottes antworten, dessen Bedeutung sie erst Schritt für Schritt erfassen wird.
Gabriel kündigt Maria die Geburt Jesu an
Lukas 1,26-38 – „26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne namens Joseph, vom Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen! 29 Als sie ihn aber sah, erschrak sie übe…"
Lukas 1,26-38 – „26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne namens Joseph, vom Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen! 29 Als sie ihn aber sah, erschrak sie übe…"
Matthäus 1,18 – „18 Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammenkamen, erfand sich's, daß sie empfangen hatte vom heiligen Geist."
Marias eigentliche Lebensgeschichte beginnt in Nazareth, einer Stadt in Galiläa. Lukas berichtet, dass Gott den Engel Gabriel zu ihr sandte, als sie mit Joseph verlobt war. Maria wird ausdrücklich als Jungfrau bezeichnet, während Joseph dem Haus Davids angehörte. Damit führt der Bericht sie zunächst ohne Angaben über besondere gesellschaftliche Stellung oder bisherige Leistungen ein. Entscheidend ist nicht, was Maria zuvor erreicht hatte, sondern dass Gott in ihr Leben tritt und ihr eine Aufgabe anvertraut, die allein aus seinem Handeln hervorgeht.
Gabriel begrüßt Maria als eine von Gott Begnadigte und versichert ihr, dass der Herr mit ihr ist. Maria erschrickt über diese Worte und überlegt, was dieser ungewöhnliche Gruß bedeuten könne. Der Text stellt sie damit nicht als jemanden dar, der selbstverständlich mit einer außergewöhnlichen Stellung rechnet. Vielmehr empfängt sie Gottes Gnade; sie ist nicht deren Ursprung. Der Engel nimmt ihre Furcht auf und erklärt, dass sie Gnade bei Gott gefunden hat. Marias besondere Stellung beginnt somit mit Gottes freier Zuwendung zu ihr.
Dann erfährt sie, worauf diese Berufung zielt. Sie wird einen Sohn empfangen und soll ihm den Namen Jesus geben. Gabriel beschreibt ihn als groß, als Sohn des Höchsten und als denjenigen, dem Gott den Thron seines Vaters David geben wird. Seine Herrschaft wird kein Ende haben. Die Botschaft richtet den Blick deshalb von Anfang an über Maria hinaus auf das Kind, das durch sie in die Welt kommen soll. Ihre Berufung steht innerhalb der großen Verheißungslinie Gottes: Der verheißene König kommt, und Gott erwählt Maria dazu, seine Mutter zu werden.
Maria fragt daraufhin, wie dies geschehen könne, da sie keinen Mann erkenne. Ihre Frage wird im Bericht nicht als Zurückweisung des göttlichen Wortes dargestellt. Sie fragt nach dem Wie eines Geschehens, das unter ihren gegenwärtigen Lebensumständen menschlich nicht erklärbar ist. Gabriel antwortet nicht mit einem natürlichen Vorgang, sondern mit Gottes unmittelbarem Handeln: Der Heilige Geist wird über sie kommen, und die Kraft des Höchsten wird sie überschatten. Matthäus bestätigt später denselben grundlegenden Sachverhalt, indem er erklärt, dass Maria schwanger wurde, ehe sie und Joseph zusammengekommen waren, und dass das Empfangene vom Heiligen Geist war.
Damit ist die jungfräuliche Empfängnis nicht lediglich eine außergewöhnliche Einzelheit aus Marias Leben. Sie gehört unmittelbar zur Offenbarung darüber, wer Jesus ist. Gabriel nennt das Kind, das geboren werden wird, heilig und Sohn Gottes. Die Initiative liegt vollständig bei Gott; weder Maria noch Joseph bewirken das, was geschieht. Zugleich wird Maria nicht zu einem willenlosen Werkzeug gemacht. Gott spricht sie an, erklärt ihr sein Handeln und stellt sie vor ein Wort, dem sie persönlich begegnen muss.
Als weitere Bestätigung verweist Gabriel auf Elisabeth, Marias Verwandte. Obwohl Elisabeth als unfruchtbar galt und bereits im fortgeschrittenen Alter war, erwartete auch sie ein Kind. Der Engel verbindet diese Nachricht mit der Gewissheit, dass bei Gott kein Wort kraftlos oder unmöglich ist. Für Maria steht damit nicht menschliche Wahrscheinlichkeit gegen menschliche Wahrscheinlichkeit, sondern menschliche Begrenzung vor der Macht Gottes. Was Gott ankündigt, hängt letztlich nicht von den gewöhnlichen Möglichkeiten des Menschen ab.
Marias Antwort gehört zu den ersten eigenen Worten, die die Bibel von ihr überliefert. Sie bezeichnet sich als Magd des Herrn und nimmt Gottes Wort an: Es soll ihr geschehen, wie Gott es gesagt hat. Sie kennt zu diesem Zeitpunkt noch nicht jede Folge, die diese Berufung für ihr weiteres Leben haben wird. Der Text berichtet auch nicht, dass alle ihre Fragen verschwunden wären. Doch auf das, was Gott ihr offenbart hat, antwortet sie mit Bereitschaft und Vertrauen.
So beginnt Marias Weg nicht mit eigener Größe, sondern mit empfangener Gnade und einer Antwort des Glaubens. Ihre Bedeutung liegt von Anfang an darin, dass Gott sie in das Kommen seines Sohnes einbezieht. Zugleich bleibt die Mitte der Botschaft Jesus selbst: der verheißene Sohn, der König aus Davids Linie und der Sohn Gottes. Nachdem Gabriel sie verlassen hat, bleibt Maria mit diesem göttlichen Wort zurück. Ihre nächste Handlung zeigt, dass die Nachricht über Elisabeth für sie nicht nur ein Zeichen gewesen ist, sondern auch eine Verbindung zu einer anderen Frau geschaffen hat, an der Gott ebenfalls auf außergewöhnliche Weise handelt.
Maria besucht Elisabeth und preist Gottes Größe
Lukas 1,39-56 – „39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste eilends in das Gebirge, in eine Stadt in Juda, 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit heiligem Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist …"
Lukas 1,39-56 – „39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste eilends in das Gebirge, in eine Stadt in Juda, 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit heiligem Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist …"
Lukas 1,41-45 – „41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit heiligem Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und woher wird mir das zuteil, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, sowie die Stimme deines Grußes in mein Ohr drang…"
Nach der Botschaft Gabriels bleibt Maria nicht in Nazareth. Lukas berichtet, dass sie sich in diesen Tagen aufmacht und eilends in das Bergland Judas zieht, um Zacharias und Elisabeth zu besuchen. Gabriel hatte ihr von Elisabeths unerwarteter Schwangerschaft berichtet, und nun begegnen sich zwei Frauen, deren Leben auf unterschiedliche Weise von Gottes außergewöhnlichem Handeln berührt worden ist. Während Elisabeth bereits im sechsten Monat schwanger ist, steht Maria erst am Anfang dessen, was Gott ihr angekündigt hat.
Als Maria das Haus betritt und Elisabeth begrüßt, geschieht etwas, das Maria selbst nicht hervorruft. Das Kind in Elisabeths Leib hüpft, und Elisabeth wird mit dem Heiligen Geist erfüllt. Daraufhin spricht sie Maria gesegnet unter den Frauen und nennt die Frucht ihres Leibes gesegnet. Besonders bedeutsam ist ihre Frage, wie ihr die Ehre zuteilwerde, dass „die Mutter meines Herrn“ zu ihr komme. Noch bevor Jesus geboren ist, richtet diese vom Heiligen Geist gewirkte Aussage den Blick auf seine besondere Stellung.
Elisabeth spricht anschließend nicht nur über das Kind, sondern auch über Marias Reaktion auf Gottes Wort. Sie nennt Maria glückselig, weil sie geglaubt hat, dass das, was ihr vom Herrn gesagt wurde, zur Erfüllung kommen wird. Damit erhält Marias Antwort auf Gabriels Botschaft eine ausdrückliche biblische Einordnung. Ihr Glaube besteht nicht darin, dass sie alle kommenden Ereignisse bereits versteht. Er zeigt sich darin, dass sie Gottes Zusage vertraut, bevor deren Erfüllung sichtbar geworden ist.
Darauf antwortet Maria mit einem Lobpreis, der tief von Gottes Größe und seinem Handeln geprägt ist. Ihr Blick bleibt nicht bei ihrer eigenen außergewöhnlichen Erfahrung stehen. Sie erhebt den Herrn und freut sich über Gott, den sie ausdrücklich ihren Retter nennt. Gerade diese Aussage bewahrt ein wichtiges biblisches Gleichgewicht: Maria ist von Gott in einzigartiger Weise begnadigt und gesegnet, zugleich steht auch sie als Mensch vor Gott und erkennt ihn als ihren Retter an.
Maria weiß, dass ihr etwas Außergewöhnliches widerfahren ist. Sie spricht davon, dass Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd gesehen hat und dass künftige Geschlechter sie glückselig preisen werden. Doch sie begründet diese besondere Stellung nicht mit eigener Heiligkeit oder Leistung. Der Grund liegt darin, dass der Mächtige Großes an ihr getan hat. Ihr Lobpreis richtet deshalb die Aufmerksamkeit von der Begnadigten auf den, der Gnade schenkt: Gottes Name ist heilig, seine Barmherzigkeit reicht zu denen, die ihn fürchten.
Von ihrer persönlichen Erfahrung weitet sich Marias Lob zu Gottes Handeln in der Geschichte seines Volkes. Sie spricht davon, dass Gott Hochmut zerstreut, Mächtige erniedrigt, Niedrige erhöht, Hungrige mit Gutem erfüllt und sich Israels in seiner Barmherzigkeit annimmt. Diese Aussagen sind nicht einfach allgemeine Gedanken über soziale Umkehrungen. Maria versteht das Geschehen, in das sie hineingestellt wurde, im Zusammenhang mit Gottes Treue zu seinen früheren Verheißungen.
Am Ende ihres Lobpreises nennt sie ausdrücklich Abraham und seine Nachkommen. Damit verbindet sie das, was nun geschieht, mit der langen Geschichte göttlicher Verheißung. Die Geburt des angekündigten Sohnes erscheint nicht als plötzliches, von Israels Geschichte losgelöstes Ereignis. Gott handelt in Treue zu dem, was er seinem Volk zugesagt hat. Maria selbst steht innerhalb dieser Geschichte, doch die eigentliche Größe liegt in Gottes Barmherzigkeit und in der Erfüllung seines Wortes.
Lukas berichtet schließlich, dass Maria ungefähr drei Monate bei Elisabeth bleibt und danach in ihr Haus zurückkehrt. Über diese gemeinsame Zeit sagt die Bibel nichts Weiteres, sodass ihre Gespräche oder Erlebnisse nicht ausgeschmückt werden dürfen. Sicher ist jedoch, dass Maria Nazareth nun mit der Bestätigung von Elisabeths Schwangerschaft, dem prophetischen Zeugnis ihrer Verwandten und ihrem eigenen ausgesprochenen Vertrauen auf Gottes Verheißung wieder entgegengeht.
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Joseph erfährt von Marias Schwangerschaft
Matthäus 1,18-25 – „18 Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammenkamen, erfand sich's, daß sie empfangen hatte vom heiligen Geist. 19 Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht an den Pranger stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. 20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum,…"
Matthäus 1,18-25 – „18 Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammenkamen, erfand sich's, daß sie empfangen hatte vom heiligen Geist. 19 Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht an den Pranger stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. 20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum,…"
Lukas 1,56 – „56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate und kehrte wieder nach Hause zurück."
Nachdem Maria ungefähr drei Monate bei Elisabeth geblieben ist, kehrt sie nach Nazareth zurück. Lukas berichtet nicht, was unmittelbar nach ihrer Rückkehr geschieht. Matthäus ergänzt jedoch einen entscheidenden Abschnitt dieser Lebensphase: Maria ist mit Joseph verlobt, aber noch bevor sie als Ehepaar zusammenleben, wird sichtbar, dass sie schwanger ist. Der Evangelist erklärt ausdrücklich, dass ihre Schwangerschaft vom Heiligen Geist stammt. Was Maria durch Gabriel angekündigt worden war, ist nun nicht mehr nur Verheißung, sondern hat begonnen, sich sichtbar zu erfüllen.
Für Joseph stellt sich die Situation zunächst anders dar. Er weiß zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht durch göttliche Offenbarung, wie Maria schwanger geworden ist. Matthäus bezeichnet ihn als gerecht und berichtet, dass er Maria nicht öffentlich bloßstellen will. Deshalb beabsichtigt er, sich still von ihr zu trennen. Der Text gibt nicht wieder, was Maria ihm zuvor gesagt hatte oder wie ein mögliches Gespräch zwischen beiden verlief. Ebenso wenig beschreibt die Bibel Marias Gefühle in dieser Situation. Sicher ist nur, dass die Schwangerschaft ihre bestehende Verbindung mit Joseph unmittelbar berührt und dass Joseph zunächst eine Trennung erwägt.
Damit gerät Maria in eine Lebenslage, in der Gottes Berufung nicht bedeutet, dass alle Schwierigkeiten von selbst verschwinden. Sie hatte Gottes Wort angenommen, doch nun entstehen Folgen, die sie nicht aus eigener Kraft auflösen kann. Gerade an diesem Punkt greift Gott erneut ein. Während Joseph über sein weiteres Vorgehen nachdenkt, erscheint ihm im Traum ein Engel des Herrn. Die göttliche Botschaft richtet sich nun nicht an Maria, sondern an den Mann, dessen Entscheidung für ihren weiteren Lebensweg von großer Bedeutung ist.
Der Engel spricht Joseph als Sohn Davids an und fordert ihn auf, sich nicht davor zu fürchten, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen. Dann erhält Joseph dieselbe grundlegende Erklärung, die Maria bereits kennt: Das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist. Damit bestätigt Gott gegenüber Joseph die Wahrheit dessen, was mit Maria geschehen ist. Ihre Schwangerschaft beruht nicht auf Untreue, sondern auf einem einmaligen Handeln Gottes.
Zugleich wird Joseph erklärt, welche Bedeutung das Kind besitzt. Maria wird einen Sohn gebären, und Joseph soll ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden retten. Matthäus verbindet dieses Geschehen mit der prophetischen Verheißung von der Jungfrau, die einen Sohn gebären wird, dessen Bedeutung mit dem Namen Immanuel – „Gott mit uns“ – verbunden ist. Damit wird Marias Schwangerschaft im Evangelium nicht nur als persönliches Wunder beschrieben. Sie steht innerhalb des göttlichen Erlösungshandelns, das in Jesus seinen Mittelpunkt hat.
Nachdem Joseph erwacht ist, handelt er entsprechend der Weisung des Engels. Er nimmt Maria zu sich. Damit wird die von ihm erwogene Trennung nicht vollzogen, und Maria bleibt nicht allein mit der Verantwortung, die aus ihrer Berufung entstanden ist. Joseph wird nun selbst in Gottes Handeln einbezogen und übernimmt seine Aufgabe im Zusammenhang mit dem kommenden Kind. Matthäus betont zugleich, dass Joseph Maria nicht erkennt, bis sie ihren Sohn geboren hat. Dadurch unterstreicht der Bericht erneut, dass Jesu Empfängnis nicht auf natürlichem Weg durch Joseph geschah.
Für Marias Lebensgeschichte ist dieser Abschnitt deshalb mehr als eine Randnotiz über Joseph. Gottes Botschaft an Maria wird durch eine zweite, unabhängige Offenbarung bestätigt, und Gott sorgt zugleich dafür, dass Joseph seine Stellung an ihrer Seite einnimmt. Die Erfüllung der Verheißung führt Maria nicht auf einen Weg ohne Belastungen, doch sie bleibt auch nicht davon abhängig, ihre Berufung selbst beweisen oder absichern zu müssen.
So tritt Maria in die nächste Lebensphase nicht nur als die Frau ein, die Gottes Wort empfangen hat, sondern als werdende Mutter Jesu innerhalb einer nun gefestigten Verbindung mit Joseph. Was zunächst eine persönliche Botschaft an sie gewesen war, beginnt sich immer deutlicher in der sichtbaren Geschichte zu entfalten. Bald wird eine äußere Anordnung dazu führen, dass Maria Nazareth verlassen und mit Joseph nach Bethlehem ziehen muss.
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Maria bringt Jesus in Bethlehem zur Welt
Lukas 2,1-7 – „1 Es begab sich aber in jenen Tagen, daß ein Befehl ausging vom Kaiser Augustus, daß alle Welt sich sollte schätzen lassen. 2 Diese Schatzung war die erste und geschah, als Kyrenius Landpfleger in Syrien war. 3 Und es zogen alle aus, um sich schätzen zu lassen, ein jeder in seine Stadt. 4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche B…"
Lukas 2,1-7 – „1 Es begab sich aber in jenen Tagen, daß ein Befehl ausging vom Kaiser Augustus, daß alle Welt sich sollte schätzen lassen. 2 Diese Schatzung war die erste und geschah, als Kyrenius Landpfleger in Syrien war. 3 Und es zogen alle aus, um sich schätzen zu lassen, ein jeder in seine Stadt. 4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche B…"
Matthäus 1,24-25 – „24 Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen, und nahm sein Weib zu sich 25 und erkannte sie nicht, bis sie den Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus."
Während Maria ihr Kind erwartet, wird ihr Leben durch eine politische Anordnung erneut in Bewegung gesetzt. Lukas berichtet, dass Kaiser Augustus eine Einschreibung anordnet und sich deshalb Menschen in ihre jeweiligen Herkunftsorte begeben. Joseph zieht aus Nazareth in Galiläa nach Judäa, in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids stammt. Maria geht mit ihm. Sie ist zu diesem Zeitpunkt schwanger, und der Weg nach Bethlehem führt sie aus ihrem bisherigen Lebensumfeld an den Ort, an dem Jesus geboren werden wird.
Lukas beschreibt diesen Ortswechsel nüchtern. Er berichtet weder von Einzelheiten der Reise noch davon, wie beschwerlich sie für Maria gewesen sein könnte. Solche Vorstellungen mögen naheliegen, gehören aber nicht zum ausdrücklich überlieferten Bericht. Entscheidend ist vielmehr, dass Maria und Joseph aufgrund der Einschreibung nach Bethlehem gelangen. Dadurch wird ihre persönliche Lebensgeschichte mit einem Ort verbunden, der bereits innerhalb der messianischen Hoffnung Israels besondere Bedeutung besitzt.
Während sie sich in Bethlehem befinden, kommt für Maria die Zeit der Geburt. Sie bringt ihren ersten Sohn zur Welt, wickelt ihn in Windeln und legt ihn in eine Krippe, weil für sie in der Unterkunft kein Raum vorhanden ist. Der Evangelist schildert keine prunkvolle Umgebung und keine gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Die Geburt dessen, den Gabriel als Sohn des Höchsten angekündigt hatte, geschieht unter einfachen äußeren Umständen. Maria steht dabei unmittelbar im Mittelpunkt des menschlichen Geschehens: Sie gebiert das Kind, versorgt es und legt es an den Ort, der zur Verfügung steht.
Matthäus bestätigt, dass Maria einen Sohn zur Welt bringt und dass Joseph entsprechend der göttlichen Weisung handelt. Er gibt dem Kind den Namen Jesus. Dieser Name war nicht menschlich gewählt worden; sowohl Maria als auch Joseph war zuvor göttlich mitgeteilt worden, wie das Kind heißen sollte. Damit wird auch in diesem scheinbar kleinen Schritt sichtbar, dass beide sich dem anvertrauten Wort Gottes unterstellen.
Für Maria bedeutet die Geburt zugleich die sichtbare Erfüllung dessen, was Gabriel ihr angekündigt hatte. Was zunächst als unmöglich erscheinende Verheißung begonnen hatte, liegt nun als wirklich geborenes Kind vor ihr. Doch die Bibel beschreibt diesen Augenblick nicht als Abschluss ihrer Glaubensgeschichte. Vielmehr beginnt mit der Geburt eine neue Lebensphase, in der Maria Schritt für Schritt mit Aussagen und Ereignissen konfrontiert wird, die ihr helfen, die Bedeutung ihres Sohnes weiter zu verstehen.
Auffällig ist, wie wenig Maria selbst in dieser Szene spricht. Lukas überliefert keine Worte von ihr bei der Geburt. Ihre Rolle wird durch das Geschehen sichtbar: Sie empfängt das Kind, um das sich die Verheißungen Gottes sammeln, und übernimmt die konkrete Verantwortung einer Mutter. Die Größe des Ereignisses liegt dabei nicht in einer Hervorhebung Marias, sondern in der Identität des Kindes. Der verheißene Sohn ist geboren.
Die äußeren Umstände stehen dabei in deutlichem Kontrast zu dem, was über Jesus gesagt worden war. Gabriel hatte von königlicher Herrschaft, dem Thron Davids und einem Reich ohne Ende gesprochen. Nun liegt dieses Kind in einer Krippe. Die Bibel löst diesen Gegensatz nicht durch menschliche Größe auf. Gottes Erlösung beginnt sichtbar in Niedrigkeit, und Maria befindet sich mitten in diesem Geschehen, ohne dass ihr bereits alle Zusammenhänge erklärt worden wären.
Doch noch in derselben Nacht wird Gott weitere Zeugen zu dem Kind führen. Nicht aus den Zentren politischer oder religiöser Macht kommen sie, sondern von den Feldern außerhalb Bethlehems. Durch ihre Ankunft wird Maria erstmals hören, was anderen Menschen von Gott über das neugeborene Kind offenbart worden ist.
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Hirten kommen zu Maria und dem neugeborenen Jesus
Lukas 2,8-20 – „8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die bewachten des Nachts ihre Herde. 9 Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. 11 Denn euch ist heute ein Retter geboren, w…"
Lukas 2,8-20 – „8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die bewachten des Nachts ihre Herde. 9 Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. 11 Denn euch ist heute ein Retter geboren, w…"
Lukas 2,10-14 – „10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. 11 Denn euch ist heute ein Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kindlein finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. 13 Und plötzlich war bei dem Engel die Menge …"
Noch in der Umgebung Bethlehems geschieht etwas, von dem Maria zunächst nichts weiß. Hirten halten in der Nacht Wache bei ihren Herden, als ihnen ein Engel des Herrn erscheint. Die Botschaft, die sie empfangen, betrifft unmittelbar das Kind, das Maria gerade geboren hat. Der Engel verkündet große Freude für das ganze Volk und erklärt, dass in der Stadt Davids ein Retter geboren worden ist, der Christus, der Herr, ist. Als Erkennungszeichen nennt er gerade die ungewöhnlichen Umstände, die Maria selbst erlebt: ein Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Zu dieser Botschaft tritt eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott loben. Damit erhält das stille Geschehen in Bethlehem eine Bedeutung, die weit über die sichtbaren Umstände hinausgeht. Während Jesus äußerlich unter einfachen Bedingungen geboren worden ist, wird im Himmel verkündet, wer dieses Kind ist und was seine Geburt bedeutet. Maria hört diese Engelsbotschaft nicht unmittelbar. Sie erfährt davon erst durch Menschen, denen Gott das Geschehen auf dem Feld offenbart hat.
Nachdem die Engel sie verlassen haben, beschließen die Hirten, nach Bethlehem zu gehen. Sie finden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe liegt. Lukas nennt Maria dabei ausdrücklich, doch der Mittelpunkt ihrer Suche ist Jesus. Die Hirten sind gekommen, weil ihnen von ihm gesprochen worden ist. Das Zeichen, das ihnen genannt wurde, bestätigt sich genau so, wie es ihnen angekündigt worden war.
Nun erzählen sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden ist. Dadurch hört Maria eine weitere göttliche Aussage über ihren Sohn, diesmal nicht durch Gabriel und nicht durch Elisabeth, sondern durch Menschen, die selbst eine Offenbarung empfangen haben. Die Botschaft bezeichnet Jesus als Retter, Christus und Herrn. Für Maria fügt sich damit eine weitere Aussage zu dem hinzu, was ihr bereits über die Identität und Sendung ihres Sohnes gesagt worden war.
Lukas berichtet, dass alle, die von den Worten der Hirten hören, darüber staunen. Bei Maria setzt er jedoch einen anderen Akzent. Sie bewahrt alle diese Worte und bewegt sie in ihrem Herzen. Der Evangelist sagt nicht, dass Maria bereits jedes einzelne Geschehen vollständig versteht. Er beschreibt vielmehr, dass sie das Gehörte festhält und darüber nachdenkt. Ihr Glaube erscheint damit nicht als fertiges Wissen über alles, was mit Jesus geschehen wird, sondern als eine Haltung, die Gottes Worte aufnimmt und nicht achtlos vorübergehen lässt.
Gerade dieser Satz gibt einen seltenen Einblick in Marias Reaktion, ohne ihr Gedanken zuzuschreiben, die der Text nicht nennt. Sie hat inzwischen mehrere voneinander unabhängige Zeugnisse empfangen: Gabriels Ankündigung, Elisabeths vom Heiligen Geist gewirkte Worte und nun den Bericht der Hirten. Diese Aussagen stimmen darin überein, dass das Kind, das sie geboren hat, eine von Gott bestimmte und einzigartige Stellung besitzt. Maria sammelt diese Worte gewissermaßen in ihrem Inneren und trägt sie weiter mit sich.
Die Hirten kehren schließlich zurück und verherrlichen und loben Gott für alles, was sie gehört und gesehen haben. Ihre Reaktion zeigt erneut, wohin die Ereignisse um Maria führen sollen: zu Gott und zu dem von ihm gesandten Retter. Maria wird dabei nicht zum Gegenstand ihrer Anbetung. Sie befindet sich als Mutter Jesu mitten im Geschehen, doch die verkündete Freude und das Lob gelten Gottes Handeln in Christus.
So beginnt Marias Mutterschaft unter einem außergewöhnlichen Zusammentreffen von sichtbarer Niedrigkeit und göttlicher Offenbarung. Vor ihr liegt ein neugeborenes Kind, das vollständig auf menschliche Fürsorge angewiesen ist, während andere von Gott hören, dass dieses Kind der verheißene Retter ist. Schon wenige Tage später wird Maria mit Joseph entsprechend dem Gesetz handeln und Jesus in die Ordnung des Bundes Israels hineinführen.
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Maria bringt Jesus in den Tempel
Lukas 2,21-38 – „21 Und als acht Tage vollendet waren, da man das Kind beschneiden mußte, wurde ihm der Name Jesus gegeben, den der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen worden war. 22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: «Alle männliche Erstgeburt soll …"
Lukas 2,21-38 – „21 Und als acht Tage vollendet waren, da man das Kind beschneiden mußte, wurde ihm der Name Jesus gegeben, den der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen worden war. 22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: «Alle männliche Erstgeburt soll …"
3. Mose 12,2-8 – „2 Wenn ein Weib fruchtbar wird und ein Knäblein gebiert, so soll sie sieben Tage lang unrein sein, ebenso lange wie sie unrein ist, wenn sie unwohl wird, soll sie unrein sein. 3 Und am achten Tage soll man das Fleisch seiner Vorhaut beschneiden. 4 Und sie soll daheim bleiben dreiunddreißig Tage lang im Blut ihrer Reinigung; sie soll nichts Heiliges anrühren und nicht kommen zum Heiligtum, bis die…"
2. Mose 13,1-2 – „1 Der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Heilige mir alle Erstgeburt bei den Kindern Israel, von Menschen und Vieh; denn sie sind mein!"
Acht Tage nach seiner Geburt wird das Kind beschnitten und erhält den Namen Jesus, wie der Engel ihn bereits vor seiner Empfängnis genannt hatte. Maria und Joseph handeln damit innerhalb der Ordnungen, die Gott Israel gegeben hatte. Wenig später führt ihr Weg nach Jerusalem. Nachdem die im Gesetz vorgeschriebene Zeit der Reinigung erfüllt ist, bringen sie Jesus zum Herrn, denn jeder erstgeborene Sohn sollte Gott geweiht werden. Das Kind, dessen außergewöhnliche Herkunft Maria kennt, wird nicht außerhalb der Geschichte Israels großgezogen, sondern von Anfang an in die von Gott gegebenen Bundesordnungen hineingestellt.
Lukas berichtet außerdem von dem Opfer, das bei dieser Gelegenheit dargebracht wird: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Nach dem Gesetz war diese Gabe für den Fall vorgesehen, dass eine Familie kein Lamm aufbringen konnte. Der Evangelist kommentiert Marias und Josephs wirtschaftliche Lage nicht weiter, doch die genannte Opfergabe zeigt, dass sie die entsprechende Möglichkeit des Gesetzes in Anspruch nahmen. Die Mutter des verheißenen Königs erscheint damit nicht in äußerem Reichtum oder gesellschaftlicher Größe. Auch hier bleibt die sichtbare Niedrigkeit auffällig neben den großen Aussagen, die bereits über ihren Sohn gemacht worden sind.
Im Tempel begegnen sie einem Mann namens Simeon. Lukas beschreibt ihn als gerecht und gottesfürchtig und berichtet, dass er auf den Trost Israels wartet und der Heilige Geist auf ihm ist. Ihm war offenbart worden, dass er nicht sterben werde, bevor er den Christus des Herrn gesehen habe. Vom Geist geführt kommt Simeon gerade zu der Zeit in den Tempel, als Maria und Joseph Jesus hineinbringen. Was für sie die Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung ist, wird dadurch zugleich zu einer weiteren göttlichen Bestätigung über das Kind.
Simeon nimmt Jesus in seine Arme und preist Gott. Er erkennt in diesem Kind Gottes Heil, das vor allen Völkern bereitet ist: Licht für die Nationen und Herrlichkeit für Israel. Lukas berichtet, dass Joseph und Maria über das staunen, was über Jesus gesagt wird. Wieder begegnet Maria einer Aussage, deren Tragweite weit über ihre persönliche Mutterschaft hinausreicht. Der Sohn, den sie trägt und versorgt, wird nicht nur mit Israels Hoffnung verbunden; Gottes Heil soll durch ihn auch die Völker erreichen.
Doch Simeons Worte bleiben nicht bei dieser freudigen Verheißung. Nachdem er Maria und Joseph gesegnet hat, richtet er sich ausdrücklich an Maria. Jesus werde in Israel zum Fall und zum Aufstehen vieler gesetzt sein und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Dann fügt Simeon eine Aussage hinzu, die Maria persönlich betrifft: Auch durch ihre eigene Seele werde ein Schwert dringen. Der Text erklärt an dieser Stelle noch nicht, wann und wie sich dieses Wort erfüllen wird. Es öffnet jedoch erstmals deutlich die ernste Seite von Marias Weg als Mutter Jesu.
Damit erhält sie keine Zusage eines von Leid geschützten Lebens. Die besondere Gnade, die ihr zuteilgeworden ist, hebt die kommenden Schmerzen nicht auf. Derselbe Sohn, über dessen Geburt Engel Freude verkündet haben, wird auf Widerspruch stoßen. Für Maria bedeutet die Nähe zu Jesus deshalb nicht nur Freude über Gottes Verheißung, sondern wird sie auch in Ereignisse hineinführen, die sie selbst tief treffen werden. Lukas nimmt die spätere Erfüllung noch nicht vorweg; Simeons Wort bleibt zunächst als ernste Verheißung über ihrem weiteren Weg stehen.
Noch eine weitere Zeugin tritt hinzu. Die hochbetagte Prophetin Hanna kommt in diesem Augenblick herbei, dankt Gott und spricht über Jesus zu allen, die auf Erlösung in Jerusalem warten. Auch hier richtet sich die Aufmerksamkeit nicht auf Maria, sondern auf ihren Sohn und auf Gottes Erlösung. Maria begegnet damit im Tempel erneut Menschen, die ohne menschliche Absprache erkennen, dass dieses Kind mit Gottes lang erwarteter Rettung verbunden ist.
Als Maria und Joseph schließlich alles erfüllt haben, was das Gesetz des Herrn verlangt, führt ihr Weg sie wieder weiter. Hinter Maria liegen nun Gabriels Botschaft, Elisabeths Zeugnis, die Berichte der Hirten und die Worte Simeons und Hannas. Doch Simeons Weissagung hat einen neuen Ton in ihre Geschichte gebracht: Der Weg ihres Sohnes wird nicht nur von Verheißung und Freude begleitet sein, sondern auch von Widerspruch und Leid.
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Weise finden Maria und Jesus in Bethlehem
Matthäus 2,1-12 – „1 Als nun Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Da das der König Herodes hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. 4 Und er berief alle Hohenprieste…"
Matthäus 2,1-12 – „1 Als nun Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Da das der König Herodes hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. 4 Und er berief alle Hohenprieste…"
Matthäus 2,11 – „11 und gingen in das Haus hinein und fanden das Kindlein samt Maria, seiner Mutter. Und sie fielen nieder, beteten es an, taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhen."
Matthäus berichtet von einem weiteren Ereignis aus Jesu früher Kindheit, bei dem Maria ausdrücklich genannt wird. Weise aus dem Morgenland kommen nach Jerusalem und fragen nach dem neugeborenen König der Juden, dessen Stern sie gesehen haben. Ihre Suche versetzt König Herodes und Jerusalem in Unruhe. Nachdem die Schriftgelehrten Bethlehem als den prophetisch bezeichneten Geburtsort des Herrschers nennen, schickt Herodes die Weisen dorthin und gibt vor, selbst dem Kind huldigen zu wollen. Maria weiß zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nichts von der Gefahr, die sich hinter seinen Worten verbirgt.
Als die Weisen Bethlehem erreichen, führt sie der Stern zu dem Ort, an dem sich das Kind befindet. Matthäus spricht nun von einem Haus und bezeichnet Jesus als Kind; er setzt dieses Ereignis also nicht ausdrücklich in dieselbe Nacht wie den Besuch der Hirten. Wie viel Zeit seit der Geburt vergangen ist, sagt die Bibel nicht genau. Deshalb lässt sich aus dem Text kein sicherer Zeitpunkt innerhalb der ersten Lebensmonate Jesu festlegen. Sicher ist lediglich, dass Maria mit Jesus anwesend ist, als die Weisen eintreffen.
Beim Betreten des Hauses sehen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter. Die Reihenfolge der Worte ist bedeutsam: Gegenstand ihrer Suche und ihrer Verehrung ist Jesus. Sie fallen vor ihm nieder und huldigen ihm. Anschließend öffnen sie ihre Schätze und bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Maria empfängt hier keine Verehrung; sie wird als Mutter des Kindes genannt, während die Huldigung ausdrücklich ihrem Sohn gilt.
Für Maria tritt damit eine weitere Gruppe von Menschen in ihre Lebensgeschichte, die von außerhalb Israels kommt und dennoch nach Jesus sucht. Schon Simeon hatte im Tempel davon gesprochen, dass Gottes Heil auch ein Licht für die Nationen sein werde. Matthäus entfaltet an dieser Stelle keine vollständige Erklärung dieses Zusammenhangs, doch die Weisen machen sichtbar, dass die Bedeutung Jesu nicht auf die unmittelbare Umgebung Marias oder auf eine kleine Gruppe in Israel begrenzt bleibt. Menschen aus der Ferne kommen, um den neugeborenen König zu ehren.
Die Geschenke der Weisen werden im Bericht genannt, aber ihre spätere Verwendung wird nicht erklärt. Deshalb sollte ihnen nicht ohne ausdrückliche Textgrundlage eine bestimmte praktische Funktion in Marias weiterer Lebensgeschichte zugeschrieben werden. Ebenso deutet Matthäus die einzelnen Gaben an dieser Stelle nicht ausdrücklich symbolisch aus. Der sichere Schwerpunkt des Berichts liegt darin, dass die Weisen Jesus finden, ihm huldigen und ihm kostbare Gaben bringen.
Während Maria diese Begegnung erlebt, handelt Gott zugleich, um die Pläne Herodes' zu durchkreuzen. Die Weisen werden im Traum davor gewarnt, zu Herodes zurückzukehren, und ziehen auf einem anderen Weg in ihr Land. Maria und Joseph müssen diese Entscheidung nicht selbst herbeiführen. Noch bevor die drohende Gefahr offen auf sie zukommt, sorgt Gott dafür, dass Herodes die von ihm erwartete Nachricht über den Aufenthaltsort des Kindes nicht erhält.
Doch die Bedrohung ist damit nicht beendet. Herodes hatte den Zeitpunkt des erschienenen Sterns sorgfältig erfragt und verfolgt weiterhin die Absicht, das Kind zu beseitigen. Was Maria bisher vor allem durch Worte über die Größe, Rettung und künftige Herrschaft ihres Sohnes gehört hat, tritt nun in eine neue Lebensphase ein. Jesus wird schon als Kind zum Ziel eines Herrschers, der seine eigene Macht bedroht sieht.
Damit beginnt für Maria eine Erfahrung, die unmittelbar zu Simeons Warnung vom Widerspruch gegen ihren Sohn passt, ohne diese bereits vollständig zu erfüllen. Die Familie kann nicht einfach in Sicherheit bleiben, wo sie ist. Noch in dieser frühen Lebensphase wird Joseph im Traum eine dringende göttliche Weisung erhalten: Maria und das Kind müssen Bethlehem verlassen und in ein fremdes Land fliehen.
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Maria flieht mit Jesus nach Ägypten
Matthäus 2,13-23 – „13 Als sie aber entwichen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kindlein aufsuchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode…"
Matthäus 2,13-23 – „13 Als sie aber entwichen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kindlein aufsuchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode…"
Matthäus 2,13-15 – „13 Als sie aber entwichen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kindlein aufsuchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode…"
Nachdem die Weisen Bethlehem verlassen haben, erhält Joseph im Traum eine dringende Warnung. Ein Engel des Herrn befiehlt ihm, das Kind und seine Mutter zu nehmen und nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes nach Jesus suchen wird, um ihn zu töten. Maria wird in dieser Offenbarung nicht selbst angesprochen, doch sie ist unmittelbar von ihr betroffen. Die Bedrohung richtet sich gegen ihren Sohn, und ihr weiteres Leben wird nun durch die Notwendigkeit bestimmt, ihn in Sicherheit zu bringen.
Joseph reagiert ohne berichtete Verzögerung. Noch in der Nacht nimmt er das Kind und Maria und verlässt mit ihnen das Land. Matthäus nennt keine Einzelheiten über den Reiseweg, die Dauer der Flucht oder die Bedingungen ihres Aufenthalts in Ägypten. Auch über Marias Gedanken und Gefühle schweigt der Text. Deshalb bleibt die Darstellung bei dem, was sicher berichtet wird: Maria muss mit ihrem kleinen Sohn die vertraute Umgebung verlassen, weil ein mächtiger Herrscher dessen Leben bedroht.
Damit tritt ein scharfer Gegensatz hervor. Jesus war Maria als der verheißene König angekündigt worden, dessen Reich kein Ende haben sollte. Nun muss dieser König als Kind vor Herodes fliehen. Gottes Verheißung bedeutet nicht, dass Jesus von jeder unmittelbaren Gefahr ferngehalten wird. Vielmehr bewahrt Gott ihn innerhalb einer wirklichen Bedrohung, indem er Joseph rechtzeitig warnt und der Familie einen Weg zur Flucht eröffnet.
Matthäus ordnet den Aufenthalt in Ägypten zugleich heilsgeschichtlich ein. Er verbindet ihn mit dem prophetischen Wort: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Der ursprüngliche Zusammenhang dieses Wortes bezieht sich auf Israel, das Gott aus Ägypten herausgeführt hatte. Matthäus erkennt in Jesu Weg eine weiterführende Erfüllung dieser Geschichte. Maria steht dabei erneut mitten in einem Geschehen, dessen Bedeutung größer ist als ihre eigene Lebenssituation: Ihr Sohn durchläuft Stationen, die ihn mit der Geschichte des Volkes Gottes verbinden.
Während Maria, Joseph und Jesus in Ägypten sind, lässt Herodes in Bethlehem und dessen Umgebung Kinder töten. Matthäus berichtet dieses furchtbare Ereignis ausdrücklich, verbindet Maria aber nicht mit einer persönlichen Beobachtung davon. Ebenso sagt der Text nicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt wusste, was in Bethlehem geschah. Sicher ist lediglich, dass die Flucht, zu der Gott Joseph aufgefordert hatte, Jesus vor dem Zugriff des Königs bewahrte.
Nach dem Tod des Herodes erscheint Joseph in Ägypten erneut ein Engel des Herrn im Traum. Nun lautet die Weisung, mit dem Kind und seiner Mutter in das Land Israel zurückzukehren, weil diejenigen gestorben sind, die dem Kind nach dem Leben trachteten. Wieder wird Marias nächster Ortswechsel durch eine göttliche Führung bestimmt, die Joseph empfängt. Die Familie verlässt Ägypten und kehrt zurück.
Als Joseph jedoch hört, dass Archelaus in Judäa anstelle seines Vaters Herodes regiert, fürchtet er sich, dorthin zu gehen. Nach einer weiteren göttlichen Warnung zieht die Familie in das Gebiet von Galiläa und lässt sich in Nazareth nieder. Damit kehrt Maria in den Ort zurück, an dem ihre biblische Geschichte begonnen hatte. Doch ihre Lebenssituation ist inzwischen grundlegend verändert: Sie kommt nicht mehr als die verlobte Frau zurück, die Gabriels Botschaft gerade erst empfangen hatte, sondern als Mutter Jesu.
Für Maria liegt damit eine erste Phase ihres Lebens als Mutter hinter ihr, die von wiederholten Ortswechseln und außergewöhnlichen göttlichen Eingriffen geprägt war. Bethlehem, Jerusalem, Ägypten und schließlich wieder Nazareth bilden die äußeren Stationen dieser frühen Jahre. Die Bibel berichtet nichts über den größten Teil von Jesu Kindheit dort. Erst ein späteres Ereignis öffnet erneut einen genaueren Einblick in Marias Familienleben – als Jesus im Alter von zwölf Jahren mit seinen Eltern nach Jerusalem reist.
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Maria sucht den zwölfjährigen Jesus in Jerusalem
Lukas 2,41-52 – „41 Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach Gewohnheit des Festes hinauf. 43 Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und seine Eltern wußten es nicht. 44 Da sie aber meinten, er wäre unter den Gefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwand…"
Lukas 2,41-52 – „41 Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach Gewohnheit des Festes hinauf. 43 Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und seine Eltern wußten es nicht. 44 Da sie aber meinten, er wäre unter den Gefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwand…"
Lukas 2,48-51 – „48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Und er sprach zu ihnen: Was habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich sein muß in dem, was meines Vaters ist? 50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51 Und er ging mit ihnen hinab und kam gen N…"
Nach der Rückkehr nach Nazareth schweigen die Evangelien über viele Jahre von Marias Familienleben. Erst als Jesus zwölf Jahre alt ist, berichtet Lukas wieder ausführlicher von ihr. Seine Eltern ziehen jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem, und auch diesmal nehmen sie Jesus mit. Damit erscheint Maria innerhalb eines Familienlebens, das sich an den religiösen Ordnungen Israels orientiert. Die außergewöhnlichen Offenbarungen aus Jesu früher Kindheit heben den gewöhnlichen Alltag und die Verantwortung seiner Eltern nicht auf.
Als die Festtage vorüber sind, treten Maria und Joseph die Heimreise an. Jesus bleibt jedoch in Jerusalem zurück, ohne dass seine Eltern es zunächst bemerken. Sie gehen davon aus, dass er sich bei der Reisegesellschaft befindet, und suchen ihn unter Verwandten und Bekannten. Erst nachdem sie ihn dort nicht finden, kehren sie nach Jerusalem zurück. Lukas schildert damit eine wirkliche Situation elterlicher Suche, ohne zusätzliche Einzelheiten darüber zu erfinden, wie es zu der anfänglichen Unkenntnis über Jesu Aufenthaltsort gekommen war.
Nach drei Tagen finden sie Jesus im Tempel. Er sitzt mitten unter den Lehrern, hört ihnen zu und stellt Fragen. Alle, die ihn hören, staunen über sein Verständnis und seine Antworten. Auch Maria und Joseph sind betroffen von dem, was sie sehen. Lukas lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass der Schwerpunkt dieser Szene nicht auf einer außergewöhnlichen Leistung Marias oder Josephs liegt, sondern auf Jesus, dessen Verhältnis zu Gott nun auf neue Weise hervortritt.
Maria spricht Jesus direkt an. Sie nennt ihn ihr Kind und fragt, warum er ihnen dies getan habe. Dann sagt sie, dass sein Vater und sie ihn mit Schmerzen gesucht hätten. Diese Worte zeigen, wie selbstverständlich Joseph innerhalb des Familienlebens die Stellung des Vaters einnimmt. Maria spricht aus der Perspektive der menschlichen Familie, in der Jesus aufwächst und für die sein Verschwinden eine ernste Sorge gewesen ist.
Jesu Antwort führt jedoch über diese familiäre Ebene hinaus. Er fragt, warum sie ihn gesucht hätten und ob sie nicht wussten, dass er in dem sein müsse, was seines Vaters ist. Damit bezeichnet er Gott in einer Weise als seinen Vater, die seine einzigartige Beziehung zu ihm hervorhebt. Die Worte stehen nicht im Widerspruch zu seiner später beschriebenen Unterordnung unter Maria und Joseph. Sie machen vielmehr deutlich, dass seine tiefste Zugehörigkeit und sein eigentlicher Auftrag nicht aus seiner irdischen Familie hervorgehen, sondern von Gott bestimmt werden.
Lukas sagt ausdrücklich, dass Maria und Joseph die Worte Jesu nicht verstanden. Diese Feststellung ist für das biblische Bild Marias bedeutsam. Obwohl sie außergewöhnliche Offenbarungen über ihren Sohn empfangen hatte, besaß sie nicht automatisch ein vollständiges Verständnis seiner Person und Sendung. Die Bibel idealisiert sie nicht zu einer Frau, der von Anfang an jede Einzelheit des Erlösungsplans klar gewesen wäre. Ihr Wissen wächst innerhalb der Ereignisse, die sie erlebt und deren Bedeutung sie weiter aufnehmen muss.
Jesus kehrt anschließend mit ihnen nach Nazareth zurück und ist ihnen untertan. Damit wird seine besondere Beziehung zu seinem himmlischen Vater nicht gegen seine Pflichten innerhalb der Familie ausgespielt. Der Sohn Gottes lebt in gehorsamer Unterordnung unter die Eltern, denen seine menschliche Fürsorge anvertraut worden ist. Maria bleibt damit weiterhin seine Mutter im wirklichen Alltag von Nazareth, auch wenn dieses Ereignis ihr erneut zeigt, dass ihr Sohn nicht vollständig durch diese menschliche Beziehung erklärt werden kann.
Wie schon nach dem Besuch der Hirten berichtet Lukas, dass Maria diese Worte in ihrem Herzen bewahrt. Die Formulierung verbindet verschiedene Lebensabschnitte miteinander: Maria hört, erlebt, versteht nicht immer sofort und hält dennoch fest, was mit Jesus geschieht. Gerade darin zeigt sich eine wichtige Entwicklung ihres Weges. Sie besitzt keine allwissende Einsicht über ihren Sohn, sondern wird selbst durch seine Worte und Taten weitergeführt.
Danach berichtet die Bibel zunächst nichts Weiteres über Marias Jahre in Nazareth. Jesus wächst an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Erst als sein öffentliches Wirken beginnt, tritt Maria wieder deutlicher hervor. Bei einer Hochzeit in Kana wird sie erleben, dass ihr Sohn nun auf eine Weise handelt, die seine Beziehung zu ihr neu ordnet und zugleich seine Herrlichkeit sichtbar werden lässt.
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Maria erlebt Jesu erstes Zeichen in Kana
Johannes 2,1-12 – „1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. 2 Aber auch Jesus wurde samt seinen Jüngern zur Hochzeit geladen. 3 Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. 4 Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen! 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sage…"
Johannes 2,1-12 – „1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. 2 Aber auch Jesus wurde samt seinen Jüngern zur Hochzeit geladen. 3 Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. 4 Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen! 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sage…"
Johannes 2,3-5 – „3 Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. 4 Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen! 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen wird, das tut!"
Johannes 2,11-12 – „11 Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. 12 Darnach zog er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger, und sie blieben nicht viele Tage daselbst."
Viele Jahre nach dem Passahbesuch des zwölfjährigen Jesus tritt Maria wieder ausdrücklich in den Vordergrund. Johannes berichtet von einer Hochzeit in Kana in Galiläa, bei der die Mutter Jesu anwesend ist. Auch Jesus und seine Jünger sind eingeladen. Damit befindet sich Maria nun in einer neuen Lebensphase: Jesus lebt nicht mehr nur im familiären Alltag von Nazareth, sondern hat bereits Jünger um sich gesammelt. Sein öffentliches Wirken beginnt, und damit verändert sich auch die Weise, in der Maria ihm begegnen muss.
Während des Festes geht der Wein aus. Maria wendet sich daraufhin an Jesus und teilt ihm die Notlage mit. Johannes erklärt nicht ausdrücklich, was sie von ihm erwartet oder weshalb sie sich gerade an ihn wendet. Deshalb sollte aus ihren wenigen Worten keine genaue Vorstellung darüber konstruiert werden, ob sie bereits ein Wunder erwartet. Sicher ist jedoch, dass sie das entstandene Problem zu Jesus bringt und damit ihre Aufmerksamkeit auf ihn richtet.
Jesu Antwort wirkt zunächst ungewohnt, ist jedoch nicht als respektlose Zurückweisung seiner Mutter zu verstehen. Er spricht sie als „Frau“ an und macht deutlich, dass seine Stunde noch nicht gekommen ist. Damit setzt er eine Grenze, die für Marias weitere Beziehung zu ihm grundlegend wird. Sein Handeln richtet sich nicht nach menschlichen Erwartungen oder familiärer Autorität, sondern nach dem Willen und Zeitpunkt seines Vaters. Maria ist seine Mutter, doch sie bestimmt nicht den Verlauf seines messianischen Auftrags.
Maria reagiert darauf nicht mit einem Versuch, Jesus weiter zu drängen. Stattdessen wendet sie sich an die Diener und weist sie darauf hin, das zu tun, was Jesus ihnen sagen wird. Diese Worte gehören zu den bedeutendsten Aussagen Marias im Johannesevangelium, gerade weil sie von ihr weg auf Christus weisen. Sie stellt sich nicht zwischen Jesus und die Diener, sondern verweist sie unmittelbar auf sein Wort. Damit nimmt sie eine Haltung ein, die ihrer früheren Antwort auf Gottes Botschaft entspricht: Entscheidend ist, was der Herr sagt.
Jesus weist die Diener anschließend an, sechs steinerne Wasserkrüge mit Wasser zu füllen. Als davon zum Speisemeister gebracht wird, ist das Wasser zu Wein geworden. Maria wird bei der Ausführung des Zeichens nicht weiter erwähnt. Sie bewirkt das Wunder nicht und erhält auch keine besondere Rolle innerhalb seiner Durchführung. Das Zeichen geht vollständig von Jesus aus und geschieht durch seine Anweisung.
Johannes erklärt ausdrücklich die Bedeutung dieses Ereignisses: Jesus offenbart dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glauben an ihn. Darin liegt der eigentliche Schwerpunkt des Berichts. Das Geschehen soll nicht vor allem zeigen, welchen Einfluss Maria auf Jesus hatte, sondern wer Jesus ist. Maria steht als Zeugin am Beginn dieser Offenbarung seiner Herrlichkeit, doch der Glaube richtet sich auf Christus.
Für Maria bedeutet Kana damit einen wichtigen Übergang. Sie kennt Jesus seit seiner Geburt als ihren Sohn und hat über Jahre hinweg Worte über seine einzigartige Identität bewahrt. Nun erlebt sie, wie seine öffentliche Sendung sichtbar beginnt. Zugleich wird ihr vor Augen geführt, dass ihre mütterliche Nähe keine besondere Verfügungsgewalt über seinen Auftrag begründet. Je deutlicher Jesus als der Gesandte Gottes hervortritt, desto mehr muss auch Maria ihm nicht nur als Mutter begegnen, sondern seinem Wort vertrauen.
Nach der Hochzeit zieht Jesus mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kapernaum, wo sie einige Tage bleiben. Johannes nennt Maria damit weiterhin innerhalb seines familiären Umfeldes, stellt sie zugleich aber neben jene Menschen, die Jesus nun auf seinem öffentlichen Weg begleiten. Diese neue Phase wird auch Spannungen mit seiner Familie sichtbar machen. Denn nicht alle, die ihm menschlich nahe stehen, verstehen von Anfang an, was sein Auftrag verlangt.
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Maria steht vor der Tür, während Jesus seine wahre Familie erklärt
Markus 3,31-35 – „31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben aber draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn her. Und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter, oder meine Brüder? 34 Und indem er ringsumher die ansah, welche um ihn saßen, spricht er: Siehe da, meine Mu…"
Markus 3,31-35 – „31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben aber draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn her. Und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter, oder meine Brüder? 34 Und indem er ringsumher die ansah, welche um ihn saßen, spricht er: Siehe da, meine Mu…"
Matthäus 12,46-50 – „46 Während er noch zu dem Volke redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und suchten mit ihm zu reden. 47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen mit dir zu reden. 48 Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 49 Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und s…"
Lukas 8,19-21 – „19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm, und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen. 20 Es wurde ihm aber gemeldet: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und begehren dich zu sehen! 21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun!"
Johannes 7,5 – „5 Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn."
Mit dem Beginn von Jesu öffentlichem Wirken verändert sich auch Marias Stellung in seinem Leben weiter. Die Evangelien berichten von einer Situation, in der seine Mutter und seine Brüder zu ihm kommen, während er zu einer Menschenmenge spricht. Wegen der vielen Menschen können sie nicht unmittelbar zu ihm gelangen und lassen ihm mitteilen, dass sie draußen stehen und ihn sprechen wollen. Was genau Maria zu diesem Besuch bewegt, erklären die Berichte nicht. Deshalb darf ihr nicht ohne sichere Textgrundlage dieselbe Haltung zugeschrieben werden wie anderen Angehörigen Jesu.
Markus berichtet unmittelbar zuvor, dass Angehörige Jesu ausgezogen waren, um ihn zu ergreifen, weil gesagt wurde, er sei außer sich. Der Text nennt Maria in diesem früheren Satz jedoch nicht ausdrücklich. Ebenso erklärt Johannes später ausdrücklich, dass Jesu Brüder zu diesem Zeitpunkt nicht an ihn glaubten, sagt dies aber nicht über Maria. Diese Unterschiede sind wichtig. Die Bibel erlaubt keinen sicheren Schluss, dass Maria ihren Sohn für verwirrt hielt oder seinen Anspruch grundsätzlich ablehnte. Sie zeigt jedoch, dass auch seine menschliche Familie mit einer Sendung konfrontiert war, die nicht einfach innerhalb gewöhnlicher Familienbeziehungen verstanden werden konnte.
Als Jesus hört, dass seine Mutter und seine Brüder draußen nach ihm verlangen, nutzt er die Situation zu einer grundlegenden Erklärung. Er fragt, wer seine Mutter und seine Brüder seien, blickt auf die Menschen um ihn und weist auf diejenigen, die Gottes Willen tun. Matthäus formuliert entsprechend: Wer den Willen seines Vaters im Himmel tut, ist ihm Bruder, Schwester und Mutter. Lukas hebt hervor, dass diejenigen seine Mutter und Brüder sind, die Gottes Wort hören und tun.
Jesus bestreitet damit nicht die Wirklichkeit seiner menschlichen Familie. Maria bleibt seine Mutter, und spätere Ereignisse zeigen, dass er ihre Beziehung zu ihm keineswegs bedeutungslos behandelt. Doch ihre biologische Nähe zu Jesus begründet keinen geistlichen Vorrang. Innerhalb des Reiches Gottes entscheidet nicht Abstammung, Verwandtschaft oder persönliche Nähe über die Zugehörigkeit zu Christus, sondern die Antwort auf Gottes Wort.
Gerade für Maria besitzt diese Aussage besonderes Gewicht. Kein anderer Mensch konnte eine engere natürliche Beziehung zu Jesus beanspruchen als sie. Sie hatte ihn geboren, versorgt und über Jahre begleitet. Dennoch stellt Jesus auch ihre Beziehung zu ihm unter denselben geistlichen Maßstab, der für alle Menschen gilt. Ihre besondere Berufung als seine Mutter ersetzt nicht Glauben, Gehorsam und persönliche Ausrichtung auf Gott.
Damit korrigiert die Schrift zugleich jede spätere Vorstellung, nach der Marias familiäre Nähe zu Jesus ihr eine unabhängige geistliche Autorität über ihn oder einen besonderen Zugang zu ihm verschaffen würde. Jesus richtet die Aufmerksamkeit nicht auf seine Mutter als Vermittlerin, sondern auf den Vater und auf das Hören und Tun seines Wortes. Diejenigen, die zu seiner geistlichen Familie gehören wollen, werden unmittelbar zu Gott gerufen.
Für Maria bedeutet dies jedoch keine Abwertung. Gerade ihr bisheriger Weg hat gezeigt, dass sie Gottes Wort angenommen, bewahrt und über dessen Bedeutung nachgedacht hat. Die Szene macht vielmehr sichtbar, dass selbst ihre einzigartige Aufgabe vollständig unter der Herrschaft Christi bleibt. Das Größte an ihrer Nähe zu Jesus liegt letztlich nicht darin, dass sie ihn geboren hat, sondern darin, dass auch sie berufen ist, dem Wort Gottes zu vertrauen.
Die Evangelien berichten an dieser Stelle nicht, wie Maria auf Jesu Worte reagiert oder wie die Begegnung anschließend verläuft. Ihr weiterer Weg bleibt zunächst im Hintergrund. Doch später wird sie an einem Ort wieder ausdrücklich erscheinen, an dem die menschliche Nähe zu Jesus mit tiefstem Schmerz verbunden ist: am Kreuz.
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Maria steht unter dem Kreuz Jesu
Johannes 19,25-27 – „25 Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas Frau, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn! 27 Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."
Johannes 19,25-27 – „25 Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas Frau, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn! 27 Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."
Lukas 2,34-35 – „34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird 35 und dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen, auf daß aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden."
Nach längerer Zeit, in der die Evangelien Maria kaum erwähnen, erscheint sie wieder in einem der schwersten Augenblicke ihres Lebens. Johannes berichtet, dass sie bei der Kreuzigung Jesu nahe beim Kreuz steht. Neben ihr befinden sich weitere Frauen, darunter Maria Magdalena. Während viele Einzelheiten aus Marias Leben zwischen Jesu öffentlichem Wirken und diesem Augenblick unerzählt bleiben, lässt die Schrift keinen Zweifel daran, dass sie nun Zeugin seines Leidens und Sterbens wird.
Der Sohn, dessen Geburt ihr einst durch einen Engel angekündigt worden war, hängt vor ihren Augen am Kreuz. Die Evangelien schildern nicht, welche Gedanken Maria dabei bewegen oder welche Worte sie spricht. Gerade hier wäre es leicht, ihre inneren Empfindungen auszumalen, doch der Bibeltext tut dies nicht. Sicher gesagt werden kann nur, dass sie anwesend ist und damit unmittelbar miterlebt, wie Jesus verworfen, verspottet und hingerichtet wird.
In dieser Situation erhält Simeons frühere Weissagung eine besonders ernste Bedeutung. Jahrzehnte zuvor hatte er Maria gesagt, dass Jesus ein Zeichen sein werde, dem widersprochen wird, und dass auch durch ihre eigene Seele ein Schwert dringen werde. Lukas erklärt nicht ausdrücklich, dass allein die Kreuzigung die vollständige Erfüllung dieses Wortes sei. Doch angesichts dessen, was Maria nun erlebt, wird verständlich, wie tief der Widerstand gegen ihren Sohn auch ihr eigenes Leben trifft. Die Nähe zu Jesus bewahrt sie nicht vor Leid.
Selbst während seines Sterbens richtet Jesus seine Aufmerksamkeit auf Maria. Als er seine Mutter und den Jünger sieht, den er liebhat, spricht er zu ihr: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Anschließend sagt er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Johannes berichtet, dass der Jünger Maria von dieser Stunde an zu sich nahm. Jesus sorgt damit inmitten seines Leidens dafür, dass seine Mutter nach seinem Tod nicht ohne menschliche Fürsorge bleibt.
Auffällig ist erneut, dass Jesus Maria als „Frau“ anspricht, wie bereits bei der Hochzeit in Kana. Der Ausdruck bedeutet keine Geringschätzung. Die Handlung selbst zeigt vielmehr seine Fürsorge für sie. Gleichzeitig tritt auch hier ihre natürliche Beziehung zu ihm nicht über seinen Erlösungsauftrag. Jesus erfüllt den Weg, zu dem ihn der Vater gesandt hat, und Maria kann ihn nicht vor diesem Tod bewahren.
Johannes nennt an dieser Stelle nicht Joseph. Da Joseph auch in den Berichten über Jesu späteres Leben nicht mehr erscheint, wird häufig angenommen, dass er inzwischen gestorben war. Die Bibel erklärt dies jedoch nicht ausdrücklich, weshalb sein Tod nicht als sicher berichtetes Ereignis in Marias Lebensgeschichte eingefügt werden darf. Sicher ist allein, dass Jesus die weitere Fürsorge für Maria dem geliebten Jünger anvertraut.
Marias Anwesenheit unter dem Kreuz zeigt zugleich eine Grenze ihrer Rolle im Erlösungswerk. Sie steht dort als Mutter und als Zeugin des Leidens, aber sie wirkt nicht an Jesu Opfer als Erlöser mit. Das Heil geschieht durch Christus selbst. Er trägt die Sünde, er gibt sein Leben, und zu ihm richtet sich die gesamte Bedeutung des Kreuzes. Maria gehört wie jeder andere Mensch zu denen, die auf die von Gott vollbrachte Erlösung angewiesen sind.
Damit erreicht ihre Mutterschaft einen Punkt, an dem die frühere Verheißung und das gegenwärtige Leiden scheinbar weit auseinanderliegen. Der angekündigte König stirbt wie ein Verurteilter, und Maria sieht es mit eigenen Augen. Doch das Kreuz wird nicht das letzte Ereignis sein, das die Bibel über Jesus berichtet. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt erscheint Maria noch einmal – nicht mehr im Mittelpunkt einer familiären Szene, sondern gemeinsam mit den Jüngern als Teil der betenden Gemeinde.
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Maria betet mit den Jüngern nach Jesu Himmelfahrt
Apostelgeschichte 1,12-14 – „12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, gingen sie hinauf in das Obergemach, wo sie verblieben, nämlich Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon Zelotes und Judas, des Jakobus Sohn. 14…"
Apostelgeschichte 1,12-14 – „12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, gingen sie hinauf in das Obergemach, wo sie verblieben, nämlich Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon Zelotes und Judas, des Jakobus Sohn. 14…"
Apostelgeschichte 1,8-9 – „8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde! 9 Und nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und vor ihren Augen weg."
Nach der Kreuzigung berichtet die Bibel nicht ausdrücklich, wann und unter welchen Umständen Maria dem auferstandenen Jesus begegnete. Die Evangelien nennen verschiedene Erscheinungen des Auferstandenen, führen seine Mutter dabei jedoch nicht namentlich auf. Deshalb darf eine persönliche Begegnung zwischen Maria und Jesus nach seiner Auferstehung nicht als sicher berichtetes Ereignis in ihre Lebensgeschichte eingefügt werden. Ihre nächste und zugleich letzte ausdrückliche Erwähnung findet sich erst nach Jesu Himmelfahrt.
Die Apostelgeschichte berichtet, dass Jesus seinen Jüngern vor seiner Aufnahme in den Himmel den Auftrag gibt, seine Zeugen zu sein und auf die verheißene Kraft des Heiligen Geistes zu warten. Nachdem sie gesehen haben, wie er emporgehoben wird, kehren sie vom Ölberg nach Jerusalem zurück. Dort versammeln sich die Apostel in einem Obergemach. In dieser Gemeinschaft wird Maria ausdrücklich genannt.
Lukas schreibt, dass die Anwesenden einmütig und beständig im Gebet verharren. Neben den Aposteln nennt er Frauen, Maria, die Mutter Jesu, und die Brüder Jesu. Maria erscheint damit nach all den außergewöhnlichen Erfahrungen ihres Lebens nicht als Mittelpunkt der versammelten Gemeinde, sondern als Teil der betenden Gemeinschaft von Menschen, die auf die Erfüllung von Jesu Verheißung warten.
Diese letzte Erwähnung ist für das biblische Bild Marias besonders aufschlussreich. Zu Beginn ihrer Geschichte hatte sie Gottes Wort durch Gabriel empfangen und sich als Magd des Herrn bezeichnet. Nun steht sie nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt unter seinen Nachfolgern. Die Mutter Jesu gehört selbst zu denen, die beten, warten und auf Gottes Handeln angewiesen sind.
Auch ihre Brüder werden nun gemeinsam mit den Jüngern genannt. Während Johannes zuvor ausdrücklich berichtet hatte, dass Jesu Brüder während seines öffentlichen Wirkens nicht an ihn glaubten, erscheinen sie jetzt innerhalb der betenden Gemeinde. Die Bibel erklärt an dieser Stelle nicht ausführlich, wann dieser Wandel geschah. Für Maria bedeutet ihre Anwesenheit jedoch, dass sich ihre Familie nun innerhalb der Gemeinschaft befindet, die Jesus als den auferstandenen Herrn erwartet und seinem Auftrag folgt.
Auffällig ist, dass Lukas Maria hier keinen besonderen Titel, kein besonderes Amt und keine leitende Funktion zuschreibt. Sie wird eindeutig identifiziert als „Maria, die Mutter Jesu“, doch die Gemeinde richtet ihre Gebete nicht an sie. Sie betet gemeinsam mit den anderen zu Gott. Ihre einzigartige Rolle in der Menschwerdung Christi bleibt bestehen, wird aber nicht zu einer eigenständigen Mittlerstellung innerhalb der entstehenden Gemeinde weitergeführt.
Damit endet Marias sicher berichtete Lebensgeschichte in der Bibel. Über ihre späteren Jahre, ihren Tod oder ihr Begräbnis sagt die Schrift nichts. Spätere Überlieferungen dürfen diese Lücke nicht als biblische Tatsachen füllen. Die letzte sichere Szene zeigt Maria lebend, betend und eingebunden in die Gemeinschaft der Nachfolger ihres Sohnes.
Gerade dieses Ende fügt sich bemerkenswert in die gesamte biblische Darstellung ihres Lebens ein. Maria beginnt ihren Weg mit dem Empfang von Gottes Wort und erscheint zuletzt in einer Gemeinde, die ebenfalls auf ein Wort ihres Herrn vertraut. Zwischen diesen beiden Punkten liegt eine einzigartige Berufung, doch der Mittelpunkt bleibt durchgehend derselbe: nicht Maria selbst, sondern Jesus Christus, der durch sie Mensch wurde, sein Leben gab, auferstand und nun als Herr von seinen Jüngern bezeugt wird.
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Wie das Neue Testament Marias bleibende Bedeutung einordnet
Lukas 11,27-28 – „27 Es begab sich aber, als er solches redete, erhob eine Frau aus dem Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! 28 Er aber sprach: Ja vielmehr, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!"
Lukas 11,27-28 – „27 Es begab sich aber, als er solches redete, erhob eine Frau aus dem Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! 28 Er aber sprach: Ja vielmehr, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!"
Matthäus 1,16 – „16 Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher geboren ist Jesus, der genannt wird Christus."
Galater 4,4-5 – „4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn, von einem Weibe geboren und unter das Gesetz getan, 5 damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, auf daß wir das Sohnesrecht empfingen."
1. Timotheus 2,5 – „5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus,"
Nach Marias letzter sicherer Erwähnung in der betenden Gemeinde berichtet die Bibel nichts mehr über ihren weiteren Lebensweg. Dennoch helfen andere neutestamentliche Aussagen dabei, ihre bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung richtig einzuordnen. Sie bestätigen die außergewöhnliche Stellung, die ihr durch die Geburt Jesu zukam, und bewahren zugleich den Mittelpunkt dort, wo ihn die gesamte Schrift setzt: bei Jesus Christus und dem durch ihn vollbrachten Heil.
Schon der Stammbaum des Matthäusevangeliums hebt Maria auf bemerkenswerte Weise hervor. Nachdem über viele Generationen hinweg von Vätern gesprochen worden ist, die ihre Söhne zeugten, heißt es bei Joseph anders: Er ist der Mann Marias, „von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird“. Die Formulierung unterscheidet die Geburt Jesu bewusst von der gewöhnlichen genealogischen Folge und stimmt mit dem anschließenden Bericht über seine Empfängnis durch den Heiligen Geist überein. Maria gehört damit unlösbar zur geschichtlichen Wirklichkeit der Menschwerdung: Jesus ist tatsächlich durch sie als Mensch in diese Welt geboren worden.
Paulus nennt Maria nicht beim Namen, greift jedoch denselben heilsgeschichtlichen Sachverhalt auf. Als die von Gott bestimmte Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, „von einem Weibe geboren“ und unter das Gesetz getan, damit er die unter dem Gesetz Stehenden erlöse. Der Schwerpunkt liegt auch hier nicht auf einer eigenständigen Stellung der Frau, sondern auf dem Sohn, den Gott sendet. Dennoch bestätigt die Aussage, wie wesentlich Jesu wirkliche menschliche Geburt für den Erlösungsplan ist. Der ewige Sohn trat tatsächlich in die menschliche Geschichte ein, und Maria war die Frau, durch die diese Geburt geschah.
Eine besonders wichtige Einordnung findet sich während Jesu öffentlichem Wirken. Eine Frau aus der Volksmenge ruft ihm zu und preist den Leib glückselig, der ihn getragen, und die Brüste, die ihn genährt haben. Damit richtet sie ihre Bewunderung unmittelbar auf die Frau, die Jesus geboren hat – also auf Maria. Jesus bestreitet ihre besondere Mutterschaft nicht, antwortet jedoch: „Ja vielmehr, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!“ Er verschiebt den entscheidenden Maßstab damit von der körperlichen Verwandtschaft auf die persönliche Beziehung zu Gottes Wort.
Diese Worte setzen Marias Bedeutung nicht herab. Vielmehr zeigen sie, worin wahre geistliche Seligkeit vor Gott besteht. Gerade Maria hatte zu Beginn ihres Weges Gottes Wort gehört, ihm geglaubt und sich ihm unterstellt. Doch dieselbe Berufung gilt grundsätzlich jedem Menschen. Niemand erhält durch natürliche Abstammung oder familiäre Nähe zu Jesus einen geistlichen Vorrang, der das Hören und Bewahren des Wortes Gottes ersetzen könnte.
Damit lässt sich auch Marias Stellung innerhalb des Erlösungswerkes klar bestimmen. Die Bibel nennt sie die Mutter Jesu, bezeichnet sie als begnadigt und gesegnet und zeigt, dass alle Geschlechter sie glückselig preisen werden. Sie schreibt ihr jedoch nicht die Aufgabe zu, Menschen zu erlösen oder zwischen ihnen und Gott zu vermitteln. Paulus erklärt ausdrücklich, dass es einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und Menschen gibt: den Menschen Christus Jesus. Marias Größe besteht deshalb nicht darin, neben Christus eine eigene Heilsstellung einzunehmen, sondern darin, dass Gott sie in einzigartiger Weise in das Kommen dieses einen Erlösers einbezogen hat.
Auch die biblische Darstellung selbst folgt diesem Muster. Maria erscheint dort, wo ihre Geschichte mit Jesus verbunden ist, doch sie zieht den Blick nie dauerhaft auf sich. Bei der Verkündigung steht der verheißene Sohn im Mittelpunkt, beim Besuch Elisabeths preist Maria Gott ihren Retter, in Bethlehem wird Jesus als Retter verkündigt, im Tempel wird er als Gottes Heil erkannt, in Kana weist Maria auf sein Wort, und nach seiner Himmelfahrt betet sie gemeinsam mit seinen Nachfolgern. Ihre Lebensgeschichte wird gerade dadurch groß, dass sie immer wieder über sich selbst hinausweist.
So hinterlässt das Neue Testament ein klares und zugleich ehrendes Bild Marias. Sie war die von Gott begnadigte Frau, die Jesus empfing, gebar und über viele Jahre als seine Mutter begleitete. Sie glaubte Gottes Wort, musste zugleich manches erst verstehen lernen, erlebte Freude und tiefes Leid und gehörte schließlich selbst zur Gemeinschaft der Nachfolger des auferstandenen Herrn. Ihre bleibende Bedeutung kann deshalb weder durch Geringschätzung noch durch eine Erhöhung über das biblische Zeugnis hinaus richtig erfasst werden. Die Schrift ehrt Maria am deutlichsten dort, wo sie sie in ihrer wirklichen Berufung zeigt – als Mutter Jesu und als Glaubende, deren Geschichte ganz auf Christus hinweist.
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Zusammenfassung und Gebet
Marias Lebensgeschichte beginnt dort, wo Gott sie in einzigartiger Weise in das Kommen seines Sohnes einbezieht. Als junge Frau in Nazareth empfängt sie die Botschaft, dass sie durch das Wirken des Heiligen Geistes den verheißenen Sohn gebären wird. Sie versteht nicht von Anfang an jede Tragweite dessen, was vor ihr liegt, doch sie antwortet auf Gottes Wort mit Vertrauen und Bereitschaft. Ihre Größe entsteht dabei nicht aus einer eigenen Heilsstellung, sondern aus der Gnade Gottes, die sie empfängt, und aus der Aufgabe, die er ihr anvertraut.
Auf ihrem weiteren Weg wird Maria immer wieder mit Aussagen über Jesus konfrontiert, die weit über ihre natürliche Beziehung zu ihm hinausreichen. Elisabeth nennt ihn ihren Herrn, die Hirten verkünden ihn als Retter, Simeon erkennt in ihm Gottes Heil, und die Weisen huldigen ihm als König. Maria bewahrt vieles davon in ihrem Herzen, während zugleich sichtbar wird, dass sie nicht alles sofort versteht. Selbst als Jesus zwölf Jahre alt ist, muss sie neu lernen, dass seine tiefste Zugehörigkeit seinem himmlischen Vater gilt.
Mit dem Beginn seines öffentlichen Wirkens verändert sich ihre Beziehung zu ihm weiter. In Kana bringt Maria die entstandene Not zu Jesus, doch er macht deutlich, dass sein Auftrag nicht durch familiäre Erwartungen bestimmt wird. Ihre Antwort weist gerade deshalb in die richtige Richtung: Die Diener sollen tun, was Jesus sagt. Später erklärt Christus grundsätzlich, dass geistliche Nähe zu ihm nicht durch Abstammung entsteht, sondern durch das Hören und Tun des Wortes Gottes.
Der schwerste sicher berichtete Abschnitt ihres Lebens führt Maria unter das Kreuz. Dort erlebt sie den Widerstand gegen den Sohn, über den Simeon bereits gesprochen hatte. Sie kann Jesu Leiden nicht verhindern und wirkt nicht als Miterlöserin an seinem Opfer mit. Christus selbst vollbringt die Erlösung. Dennoch sorgt er noch während seines Sterbens für seine Mutter und vertraut sie der Fürsorge des geliebten Jüngers an.
Marias letzte sichere biblische Erwähnung zeigt sie nach Jesu Himmelfahrt gemeinsam mit den Jüngern im Gebet. Die Frau, die den Sohn Gottes geboren hatte, steht nun selbst unter seinen Nachfolgern und wartet mit ihnen auf Gottes Verheißung. Die Bibel berichtet nichts Sicheres über ihre späteren Jahre oder ihren Tod. Deshalb endet ihre Lebensgeschichte dort, wo auch ihr eigener Glaube sichtbar auf Christus ausgerichtet bleibt.
So zeichnet die Schrift ein ehrendes und zugleich nüchternes Bild Marias. Sie war von Gott begnadigt, gesegnet und für eine einzigartige Aufgabe erwählt. Sie glaubte, lernte, bewahrte, verstand manches erst später und ging einen Weg, auf dem Freude und Schmerz eng miteinander verbunden waren. Ihre Geschichte lädt nicht dazu ein, bei Maria stehen zu bleiben. Gerade richtig verstanden führt sie zu dem, auf den ihr ganzes Leben ausgerichtet war: Jesus Christus, den Sohn Gottes und einzigen Retter.
Vater im Himmel, danke, dass du in Marias Leben gezeigt hast, wie deine Gnade Menschen in deinen Erlösungsplan einbezieht. Schenke auch uns ein Herz, das dein Wort hört, ihm vertraut und bereit ist, deinem Willen zu folgen, selbst wenn wir noch nicht alles verstehen.
Bewahre uns davor, Menschen größer zu machen, als deine Schrift es tut, oder das Gute geringzuschätzen, das du durch sie gewirkt hast. Richte unseren Blick immer wieder auf Jesus Christus, deinen Sohn, durch den allein Vergebung, Hoffnung und ewiges Leben kommen.
Lehre uns, dein Wort wie Maria festzuhalten, darüber nachzudenken und ihm auch durch Prüfungen hindurch zu vertrauen. Lass unser Leben nicht auf uns selbst hinweisen, sondern auf Christus, unseren Herrn und Retter. Amen.
„Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe nach deinem Wort!“ Lukas 1,38
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