Lukas
Lukas in der Bibel: Evangelist, Arzt und Begleiter des Paulus
Lukas ist im Neuen Testament ein treuer Mitarbeiter des Paulus, den dieser als „den geliebten Arzt“ bezeichnet und zu seinen Mitarbeitern zählt. Er blieb Paulus auch in einer besonders schweren späteren Lebensphase verbunden. Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte bilden ein zusammengehöriges Werk; die biblischen Bücher selbst nennen ihren Verfasser jedoch nicht ausdrücklich mit Namen, weshalb die Zuordnung zu Lukas sorgfältig von den ausdrücklich genannten Angaben über seine Person unterschieden werden muss.
Einführung
Lukas gehört zu jenen Mitarbeitern der frühen Gemeinde, über deren persönliches Leben die Bibel nur wenige direkte Angaben macht und deren Bedeutung dennoch weit über diese kurzen Erwähnungen hinausreicht. Anders als bei Petrus oder Paulus wird keine Berufungsgeschichte von ihm erzählt. Wir erfahren nichts Sicheres über seine Eltern, seine Kindheit oder den Beginn seines Glaubens an Christus. Wenn Lukas namentlich erscheint, steht er bereits im Umfeld des apostolischen Dienstes.
Gerade deshalb ist bei seiner Lebensgeschichte besondere Sorgfalt nötig. Paulus nennt Lukas in Kolosser 4,14 ausdrücklich „den geliebten Arzt“. Im Philemonbrief zählt er ihn zu seinen Mitarbeitern, und in 2. Timotheus 4,11 steht der schlichte, aber gewichtige Satz, dass Lukas allein noch bei Paulus sei. Diese wenigen Aussagen zeigen einen Mann, dessen Dienst nicht durch eine große eigene Rede oder eine hervorgehobene Leitungsstellung beschrieben wird, sondern durch Mitarbeit, Nähe und Beständigkeit.
Daneben stehen das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte. Ihre Vorreden zeigen, dass beide Schriften zusammengehören und von demselben Verfasser an Theophilus gerichtet wurden (Lk 1,1–4; Apg 1,1–2). Die Apostelgeschichte wechselt außerdem an mehreren Stellen in die Wir-Form und lässt erkennen, dass ihr Verfasser bestimmte Reisen des Paulus selbst miterlebte. Der Text nennt diesen Begleiter jedoch nicht ausdrücklich „Lukas“. Deshalb muss seine Biografie dort beginnen, wo die Schrift ihn sicher erkennen lässt, und anschließend sorgfältig prüfen, welche weiteren Verbindungen sich wirklich tragen.
Lukas erscheint als geliebter Arzt und Mitarbeiter
Kolosser 4,14 – „14 Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas."
Kolosser 4,14 – „14 Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas."
Kolosser 4,10-13 – „10 Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas, betreffs dessen ihr Befehle erhalten habt (wenn er zu euch kommt, so nehmet ihn auf!), 11 und Jesus, der Justus genannt wird, die aus der Beschneidung sind. Diese allein sind meine Mitarbeiter für das Reich Gottes, die mir zum Trost geworden sind. 12 Es grüßt euch Epaphras, der einer der Euren ist, ein Knecht C…"
Die Bibel führt Lukas nicht mit einer Herkunftsgeschichte, einer Berufungserzählung oder einem Bericht über seine frühen Jahre ein. Weder seine Eltern noch sein Geburtsort, sein Alter oder der Zeitpunkt, an dem er zum Glauben an Christus kam, werden genannt. Die erste eindeutig auf seine Person bezogene Beschreibung begegnet uns in einem Brief des Paulus: „Lukas, der geliebte Arzt“. Damit erhalten wir zwei sichere Angaben. Lukas übte den Beruf eines Arztes aus, und zwischen ihm und Paulus bestand eine Beziehung, die dieser mit bemerkenswerter Wärme beschreibt.
Die Bezeichnung als Arzt ist die einzige ausdrückliche Berufsangabe, die das Neue Testament über Lukas macht. Wie und wo er seine medizinischen Kenntnisse erworben hatte, sagt die Schrift nicht. Ebenso wenig berichtet sie, ob er seinen Beruf während seiner späteren Mitarbeit weiterhin praktisch ausübte oder Paulus persönlich medizinisch betreute. Solche Vorstellungen sind möglich, dürfen aber nicht als biblische Tatsachen ausgegeben werden. Sicher ist nur, dass Paulus Lukas nicht lediglich bei seinem Namen nennt, sondern seine berufliche Tätigkeit ausdrücklich mit ihm verbindet.
Ebenso bedeutsam ist das Wort „geliebt“. Paulus spricht von Lukas nicht distanziert als einem zufälligen Reisegefährten. Die Formulierung lässt eine persönliche Verbundenheit erkennen, die innerhalb ihres gemeinsamen Dienstes gewachsen war. Der Text erklärt nicht, wann sie einander kennenlernten oder wodurch diese Beziehung entstand. Als Paulus den Kolosserbrief schreibt, gehört Lukas jedoch bereits zu dem Kreis von Menschen, die ihm nahestehen und die er den Empfängern seines Briefes ausdrücklich grüßen lässt.
Im nahezu gleichzeitig entstandenen Philemonbrief erscheint Lukas noch in einer zweiten wichtigen Rolle. Dort nennt Paulus Epaphras, Markus, Aristarchus, Demas und Lukas und bezeichnet sie zusammen als seine Mitarbeiter. Lukas war damit nicht nur persönlich mit Paulus verbunden, sondern nahm Anteil an dessen Dienst für das Evangelium. Welche einzelnen Aufgaben er dabei übernahm, wird an dieser Stelle nicht beschrieben. Der Begriff „Mitarbeiter“ ordnet ihn jedoch in einen Kreis von Menschen ein, die gemeinsam mit Paulus für das Werk Christi tätig waren.
Kolosser 4 enthält außerdem eine Einzelheit, aus der häufig auf Lukas' Herkunft geschlossen wird. Paulus nennt zunächst Aristarchus, Markus und Jesus, genannt Justus, und beschreibt diese Männer als Mitarbeiter „aus der Beschneidung“. Danach folgen Epaphras, Lukas und Demas. Diese Anordnung legt nahe, dass Lukas nicht zu den zuvor genannten jüdischen Mitarbeitern aus der Beschneidung gehörte. Der Text sagt jedoch nicht ausdrücklich: „Lukas war ein Heide.“ Seine nichtjüdische Herkunft ist deshalb eine gut begründete Schlussfolgerung, aber keine ausdrücklich ausgesprochene biografische Angabe.
Auch darüber hinaus bleibt die Schrift zurückhaltend. Sie nennt weder Lukas' Familie noch eine Ehefrau oder Kinder. Ebenso wird keine direkte Begegnung zwischen Lukas und Jesus während dessen irdischen Wirkens berichtet. Daraus darf nicht geschlossen werden, dass eine solche Begegnung unmöglich gewesen wäre; sie lässt sich lediglich nicht belegen. Für eine biblische Lebensgeschichte ist diese Grenze wichtig: Lukas soll nicht durch spätere Überlieferungen oder Vermutungen eine Vergangenheit erhalten, über die die Schrift selbst schweigt.
So beginnt das sicher greifbare Bild des Lukas nicht mit großen öffentlichen Auftritten, sondern mitten im Dienst der jungen Gemeinde. Er begegnet uns als Arzt, als geschätzter Gefährte und als Mitarbeiter des Paulus. Sein Leben steht damit von Anfang an, soweit die Bibel es ausdrücklich erkennen lässt, im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Evangeliums von Jesus Christus. Um seinen früheren Weg im apostolischen Dienst weiter zurückzuverfolgen, müssen jedoch jene Abschnitte der Apostelgeschichte sorgfältig betrachtet werden, in denen der Erzähler plötzlich nicht mehr nur von „sie“, sondern von „wir“ spricht.
In Troas beginnt das „Wir“
Apostelgeschichte 16,10-12 – „10 Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, trachteten wir alsbald nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen habe, ihnen das Evangelium zu predigen. 11 So fuhren wir denn von Troas ab und kamen in gerader Fahrt nach Samothrace und am folgenden Tage nach Neapolis; 12 und von da nach Philippi, welches die erste Stadt jenes Teils von Mazedonien ist, eine Koloni…"
Apostelgeschichte 16,10-12 – „10 Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, trachteten wir alsbald nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen habe, ihnen das Evangelium zu predigen. 11 So fuhren wir denn von Troas ab und kamen in gerader Fahrt nach Samothrace und am folgenden Tage nach Neapolis; 12 und von da nach Philippi, welches die erste Stadt jenes Teils von Mazedonien ist, eine Koloni…"
Apostelgeschichte 16,6-9 – „6 Als sie aber Phrygien und die Landschaft Galatien durchzogen, wurde ihnen vom heiligen Geist gewehrt, das Wort in Asien zu verkünden. 7 Und sie kamen gen Mysien und versuchten nach Bithynien zu reisen; und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu. 8 Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. 9 Und es erschien dem Paulus in der Nacht ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand vor ih…"
Apostelgeschichte 16,13-17 – „13 Und am Sabbattage gingen wir zum Tor hinaus an den Fluß, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten; und wir setzten uns und redeten zu den Frauen, die da zusammengekommen waren. 14 Und eine gottesfürchtige Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; und der Herr tat ihr das Herz auf, daß sie achthatte auf das, was von Paulus geredet wurde. 15 Als sie aber samt ihrem Hau…"
Die Apostelgeschichte lässt erstmals auf der zweiten Missionsreise des Paulus erkennen, dass ihr Verfasser selbst an einem Abschnitt der Reise beteiligt war. Paulus zieht mit seinen Begleitern durch Kleinasien, während der Heilige Geist ihre geplanten Wege mehrfach begrenzt. Schließlich gelangen sie nach Troas. Dort sieht Paulus in der Nacht einen Mann aus Mazedonien, der ihn bittet, hinüberzukommen und zu helfen. Unmittelbar nach dieser Vision verändert sich die Erzählweise: Aus dem bisherigen Bericht über „sie“ wird plötzlich „wir“.
Apostelgeschichte 16,10 sagt, dass „wir“ nach der Vision sogleich danach trachteten, nach Mazedonien zu ziehen, weil sie daraus schlossen, dass Gott sie berufen hatte, den Menschen dort das Evangelium zu verkündigen. Der Erzähler stellt sich damit innerhalb der Reisegruppe dar. Von Troas geht die Fahrt über Samothrace und Neapolis nach Philippi, einer bedeutenden Stadt Mazedoniens. Der Wechsel zur Wir-Form hält während dieses Reiseabschnitts an und zeigt, dass der Verfasser die geschilderten Ereignisse nicht nur aus fremden Berichten kannte, sondern selbst daran beteiligt war.
Wenn das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte, wie ihre gemeinsamen Vorreden erkennen lassen, von demselben Verfasser stammen und dieser mit dem von Paulus erwähnten Lukas identifiziert wird, dann liegt hier der früheste biblisch greifbare Punkt, an dem Lukas als Reisegefährte des Paulus erscheint. Der Text nennt ihn in Apostelgeschichte 16 allerdings nicht mit Namen. Deshalb ist die Zuordnung anders zu gewichten als Kolosser 4,14, wo Lukas ausdrücklich genannt wird. Sie ergibt sich aus der Verbindung zwischen der Verfasserschaft der Apostelgeschichte und den späteren persönlichen Angaben über Lukas.
Bemerkenswert ist, in welchem Zusammenhang diese erste Teilnahme erscheint. Der Weg nach Mazedonien entsteht nicht aus einem langfristig dargestellten menschlichen Reiseplan. Mehrfach werden zuvor andere Wege verhindert, bevor Paulus in Troas die entscheidende Weisung erhält. Die Reisegruppe versteht die Vision gemeinsam als Ruf Gottes, das Evangelium nach Mazedonien zu bringen. Lukas erscheint damit, sofern die Wir-Berichte auf ihn zurückgehen, unmittelbar in einer Missionsbewegung, deren Richtung von Gottes Führung bestimmt wird.
In Philippi sucht die Gruppe am Sabbat außerhalb der Stadt einen Ort am Fluss auf, wo Gebet gehalten wurde. Dort sprechen sie zu den versammelten Frauen, und Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira, hört zu. Der Herr öffnet ihr Herz, sodass sie auf das achtgibt, was Paulus verkündigt. Nach ihrer Taufe nimmt sie die Missionare in ihr Haus auf. Der Bericht stellt nicht heraus, welchen einzelnen Anteil Lukas an diesen Gesprächen hatte; die Wir-Form zeigt jedoch, dass der Erzähler zu der Gemeinschaft gehörte, die diese ersten Schritte des Evangeliums in Philippi miterlebte.
Auch bei der Begegnung mit der Magd, die einen Wahrsagegeist hatte, bleibt die Wir-Perspektive zunächst bestehen. Sie folgt Paulus und „uns“ mehrere Tage und ruft hinter der Gruppe her. Schließlich gebietet Paulus dem Geist im Namen Jesu Christi, aus ihr auszufahren. Die Vollmacht wird dabei nicht Lukas oder irgendeinem anderen Mitarbeiter zugeschrieben, sondern ausdrücklich dem Namen Jesu Christi. Der Dienst, an dem Lukas Anteil hatte, war kein Werk zur Selbstdarstellung einzelner Mitarbeiter, sondern stand unter der Autorität Christi.
Kurz darauf konzentriert sich der Bericht auf Paulus und Silas, die ergriffen, geschlagen und ins Gefängnis geworfen werden. Auffällig ist, dass die Wir-Form an dieser Stelle endet. Lukas wird weder unter den Gefangenen genannt noch berichtet die Bibel ausdrücklich, was währenddessen mit ihm geschah. Ebenso sagt sie nicht, ob er anschließend in Philippi blieb. Sicher ist nur, dass der Erzähler in diesem Abschnitt nicht mehr als Teilnehmer auftritt. Erst viel später wird die Wir-Form wiederkehren und damit eine neue Phase seiner Verbindung mit Paulus sichtbar machen.
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Lukas schließt sich Paulus wieder an
Apostelgeschichte 20,5-6 – „5 Diese gingen voraus und warteten auf uns in Troas. 6 Wir aber fuhren nach den Tagen der ungesäuerten Brote von Philippi ab und kamen in fünf Tagen zu ihnen nach Troas, wo wir uns sieben Tage aufhielten."
Apostelgeschichte 20,5-6 – „5 Diese gingen voraus und warteten auf uns in Troas. 6 Wir aber fuhren nach den Tagen der ungesäuerten Brote von Philippi ab und kamen in fünf Tagen zu ihnen nach Troas, wo wir uns sieben Tage aufhielten."
Apostelgeschichte 20,1-4 – „1 Nachdem sich aber der Tumult gelegt hatte, ließ Paulus die Jünger zu sich kommen und ermahnte sie; dann nahm er Abschied von ihnen und zog aus, um nach Mazedonien zu reisen. 2 Und nachdem er jene Bezirke durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland. 3 Und er brachte daselbst drei Monate zu; und da ihm die Juden, als er nach Syrien abfahren wollte, nachstellten, e…"
Apostelgeschichte 20,7-12 – „7 Am ersten Tage der Woche aber, als wir versammelt waren, um das Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tage abreisen wollte, und dehnte die Rede bis Mitternacht aus. 8 Es waren aber zahlreiche Lampen in dem Obersaal, wo wir versammelt waren. 9 Und ein Jüngling namens Eutychus saß am Fenster; der sank in einen tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete, und vom Sc…"
Nach den Ereignissen in Philippi verliert sich Lukas für längere Zeit aus der erkennbaren Reisegemeinschaft des Paulus. Die Apostelgeschichte berichtet ausführlich über weitere Stationen des Apostels, verwendet dabei jedoch nicht mehr die Wir-Form. Daraus lässt sich nicht sicher bestimmen, wo Lukas sich während dieser Jahre befand oder welchen Dienst er ausübte. Erst gegen Ende der dritten Missionsreise verändert sich die Erzählweise erneut und gibt einen neuen sicheren Anhaltspunkt für seine Beteiligung.
Paulus hatte inzwischen lange in Ephesus gewirkt und war danach durch Mazedonien nach Griechenland gezogen. Als er nach einem mehrmonatigen Aufenthalt wieder zurückreisen wollte, musste er wegen eines Anschlagsplans von Juden seine Route ändern. Mehrere Mitarbeiter begleiteten ihn auf dem Weg nach Jerusalem. Apostelgeschichte 20 nennt Sopater, Aristarchus, Sekundus, Gajus, Timotheus, Tychikus und Trophimus. Diese Männer reisen voraus und warten in Troas.
Dann heißt es plötzlich: „Wir aber fuhren nach den Tagen der ungesäuerten Brote von Philippi ab.“ Damit kehrt jene Wir-Form zurück, die zuletzt gerade in Philippi begegnet war. Der Erzähler befindet sich nun erneut bei Paulus und reist mit ihm von Philippi nach Troas. Wird der Verfasser der Apostelgeschichte mit Lukas identifiziert, erscheint Lukas hier wieder als unmittelbarer Begleiter des Apostels.
Dass die Wir-Form in Philippi endet und später ebenfalls in Philippi wieder einsetzt, hat zu der naheliegenden Vermutung geführt, Lukas könne in der Zwischenzeit dort geblieben sein. Der Bibeltext sagt das jedoch nicht ausdrücklich. Er berichtet weder von einem Auftrag des Paulus an Lukas noch von dessen Tätigkeit in der dortigen Gemeinde. Sicher festhalten lässt sich lediglich, dass Lukas bei der Abreise aus Philippi wieder zur Reisegruppe gehört. Alles Weitere muss offenbleiben.
Nach fünf Tagen erreicht die Gruppe Troas, wo sie sieben Tage bleibt. Dort berichtet die Apostelgeschichte von einer Zusammenkunft am ersten Tag der Woche, bei der Paulus bis Mitternacht zu den Versammelten spricht. Während der langen Rede fällt ein junger Mann namens Eutychus aus einem Fenster im dritten Stock und wird tot aufgehoben. Paulus geht hinab, umfasst ihn und erklärt anschließend, dass sein Leben in ihm sei. Der Bericht endet damit, dass der junge Mann lebendig zurückgebracht wird und die Gemeinde großen Trost empfängt.
Auch in dieser Szene bleibt Lukas im Hintergrund. Er schreibt nicht, dass er als Arzt eingegriffen habe, obwohl Kolosser 4,14 ihn ausdrücklich als Arzt bezeichnet. Gerade dieses Schweigen ist bedeutsam, weil es verhindert, seine medizinische Tätigkeit in Ereignisse hineinzulesen, die der Text allein mit dem Handeln des Paulus und Gottes Bewahrung verbindet. Lukas berichtet als Augenzeuge innerhalb der Reisegruppe, macht sich selbst jedoch nicht zum Mittelpunkt des Geschehens.
Von diesem Zeitpunkt an bricht die Wir-Perspektive nicht erneut nach wenigen Versen ab. Lukas bleibt nun über eine längere Strecke innerhalb der erzählten Reisegemeinschaft. Was in Troas beginnt, führt weiter über mehrere Stationen an der kleinasiatischen Küste und schließlich auf den Weg nach Jerusalem. Damit tritt Lukas in eine neue Phase seines Dienstes ein: Aus einem zeitweise erkennbaren Begleiter wird ein Mann, dessen Anwesenheit während einer zunehmend schweren und gefährlichen Lebensphase des Paulus immer deutlicher hervortritt.
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Mit Paulus auf dem Weg nach Jerusalem
Apostelgeschichte 21,1-8 – „1 Als es aber geschah, daß wir uns von ihnen losgerissen hatten und abgefahren waren, kamen wir in gerader Fahrt nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodus und von da nach Patara. 2 Und da wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien fuhr, stiegen wir ein und fuhren ab. 3 Als wir aber Cypern erblickten, ließen wir es links liegen, fuhren nach Syrien und gelangten nach Tyrus; denn daselbst sollte das…"
Apostelgeschichte 21,1-8 – „1 Als es aber geschah, daß wir uns von ihnen losgerissen hatten und abgefahren waren, kamen wir in gerader Fahrt nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodus und von da nach Patara. 2 Und da wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien fuhr, stiegen wir ein und fuhren ab. 3 Als wir aber Cypern erblickten, ließen wir es links liegen, fuhren nach Syrien und gelangten nach Tyrus; denn daselbst sollte das…"
Apostelgeschichte 20,13-16 – „13 Wir aber gingen voraus zum Schiff und fuhren nach Assus, um dort Paulus aufzunehmen; denn so hatte er es angeordnet, weil er zu Fuß reisen wollte. 14 Als er aber in Assus mit uns zusammentraf, nahmen wir ihn auf und kamen nach Mitylene. 15 Und von dort segelten wir ab und kamen am folgenden Tage auf die Höhe von Chios; tags darauf aber fuhren wir nach Samos, und nachdem wir in Trogyllium gebli…"
Apostelgeschichte 21,10-17 – „10 Als wir uns aber mehrere Tage dort aufhielten, kam aus Judäa ein Prophet namens Agabus herab. 11 Der kam zu uns, nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Hände und die Füße und sprach: Das sagt der heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern! 12 Da wir solches hörten, baten wir und die Einwohner des Ortes…"
Nach dem Aufenthalt in Troas bleibt der Verfasser der Apostelgeschichte innerhalb der Reisegemeinschaft des Paulus. Die Wir-Form begleitet den weiteren Weg über Assos, Mitylene, Chios, Samos und Milet. Paulus hat sich entschlossen, an Ephesus vorbeizufahren, weil er nach Möglichkeit zum Pfingstfest in Jerusalem sein möchte. Lukas erscheint, sofern die Wir-Berichte auf ihn zurückgehen, damit als Teilnehmer einer Reise, deren Ziel feststeht, obwohl Paulus weiß, dass ihn dort schwere Prüfungen erwarten können.
In Milet lässt Paulus die Ältesten der Gemeinde von Ephesus zu sich rufen. Vor ihnen blickt er auf seinen bisherigen Dienst zurück und erklärt, dass der Heilige Geist ihm von Stadt zu Stadt Gefangenschaft und Bedrängnisse bezeuge. Dennoch hält ihn die Aussicht auf Leiden nicht davon ab, seinen Lauf und den von Jesus empfangenen Dienst zu vollenden. Lukas tritt in dieser Szene nicht als Sprecher hervor. Als Mitglied der Reisegruppe erlebt er jedoch eine der eindringlichsten Abschiedsreden des Paulus mit und wird Zeuge davon, wie stark dessen Weg inzwischen von Hingabe an den Auftrag Christi geprägt ist.
Nach dem Abschied setzt die Gruppe ihre Seereise fort. Über Kos und Rhodus erreichen sie Patara und finden dort ein Schiff, das nach Phönizien fährt. Die Apostelgeschichte beschreibt den Weg auffallend genau: Zypern kommt in Sicht, wird links liegen gelassen, und schließlich landet das Schiff in Tyrus. Solche Angaben passen zur Perspektive eines Beteiligten, der die einzelnen Stationen der Reise miterlebt. Sie erlauben jedoch keine weitergehenden Aussagen darüber, welche besonderen Aufgaben Lukas während der Fahrt übernahm.
In Tyrus finden die Reisenden Jünger und bleiben sieben Tage bei ihnen. Diese sagen Paulus durch den Geist, dass er nicht nach Jerusalem hinaufziehen solle. Der Bericht erklärt an dieser Stelle nicht ausführlich, wie diese Warnung zu Paulus' bereits festem Entschluss einzuordnen ist. Sicher ist, dass die kommenden Leiden immer deutlicher vor ihm stehen. Die Reise wird dennoch fortgesetzt, und die ganze Gemeinschaft begleitet Paulus und seine Gefährten bis vor die Stadt, wo sie am Ufer miteinander beten und Abschied nehmen.
Über Ptolemais gelangt die Gruppe schließlich nach Cäsarea und kehrt im Haus des Evangelisten Philippus ein, eines der sieben Männer, die bereits in der frühen Jerusalemer Gemeinde für einen besonderen Dienst ausgewählt worden waren. Dort erscheint der Prophet Agabus. Er nimmt den Gürtel des Paulus, bindet sich Hände und Füße und kündigt im Namen des Heiligen Geistes an, dass der Besitzer dieses Gürtels in Jerusalem von den Juden gebunden und in die Hände der Heiden übergeben werde.
Nun wird Lukas innerhalb der Erzählung noch unmittelbarer sichtbar. Als die Reisegefährten und die Menschen vor Ort diese Worte hören, bitten „wir und die Einheimischen“ Paulus, nicht nach Jerusalem hinaufzugehen. Damit gehört der Erzähler ausdrücklich zu denen, die angesichts der angekündigten Gefahr um Paulus besorgt sind. Der Text verbirgt diese Reaktion nicht. Paulus antwortet jedoch, dass er bereit sei, in Jerusalem nicht nur gebunden zu werden, sondern auch für den Namen des Herrn Jesus zu sterben.
Als Paulus sich nicht umstimmen lässt, hören seine Begleiter schließlich auf und sagen: „Der Wille des Herrn geschehe.“ Darin zeigt sich kein Wissen darüber, wie die kommenden Ereignisse ausgehen werden, sondern die Bereitschaft, den weiteren Weg Gott zu überlassen. Lukas begleitet Paulus weiter. Gemeinsam ziehen sie nach Jerusalem und werden dort von den Brüdern aufgenommen. Damit führt sein Weg an die Seite des Paulus genau in jene Lebensphase hinein, in der aus dem freien Missionar ein Gefangener werden wird.
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Lukas erlebt Paulus’ letzte freie Tage in Jerusalem
Apostelgeschichte 21,17-19 – „17 Und als wir in Jerusalem angekommen waren, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf. 18 Am folgenden Tage aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten fanden sich ein. 19 Und nachdem er sie begrüßt hatte, erzählte er alles bis ins einzelne, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte."
Apostelgeschichte 21,17-19 – „17 Und als wir in Jerusalem angekommen waren, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf. 18 Am folgenden Tage aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten fanden sich ein. 19 Und nachdem er sie begrüßt hatte, erzählte er alles bis ins einzelne, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte."
Apostelgeschichte 21,20-26 – „20 Sie aber priesen Gott, als sie solches hörten, und sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, wie viele Tausende von Juden gläubig geworden sind, und alle sind Eiferer für das Gesetz. 21 Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, du lehrest alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall von Mose und sagest, sie sollen ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den Gebräuchen wandeln. 22 Was i…"
Apostelgeschichte 21,27-36 – „27 Als aber die sieben Tage zu Ende gingen, brachten die Juden aus Asien, die ihn im Tempel sahen, das ganze Volk in Aufruhr und legten Hand an ihn und schrieen: 28 Ihr israelitischen Männer, kommet zu Hilfe! Das ist der Mensch, der allenthalben jedermann lehrt gegen das Volk und das Gesetz und diese Stätte. Dazu hat er auch noch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht! 2…"
Als die Reisegruppe Jerusalem erreicht, wird sie von den Brüdern freundlich aufgenommen. Am folgenden Tag geht Paulus mit seinen Begleitern zu Jakobus, bei dem sich auch die Ältesten der Gemeinde versammelt haben. Die Apostelgeschichte verwendet noch einmal ausdrücklich die Wir-Form: Paulus geht „mit uns“ hinein. Wird der Verfasser mit Lukas identifiziert, gehört Lukas damit zu dem Kreis, der bei dieser wichtigen Begegnung zwischen Paulus und der Leitung der Jerusalemer Gemeinde anwesend ist.
Paulus berichtet ausführlich, was Gott durch seinen Dienst unter den Heiden getan hat. Entscheidend ist die Blickrichtung des Berichts: Nicht Paulus selbst steht als Ursache des Erfolges im Mittelpunkt, sondern Gottes Handeln. Die Anwesenden hören davon und verherrlichen Gott. Lukas erlebt damit aus unmittelbarer Nähe, wie der weitreichende Missionsdienst unter den Völkern vor der Jerusalemer Gemeinde zusammengefasst und als Werk Gottes verstanden wird.
Gleichzeitig tritt eine ernste Spannung hervor. Die Ältesten berichten Paulus, dass viele gläubig gewordene Juden großen Eifer für das Gesetz besitzen und Gerüchte über seine Lehre gehört haben. Ihnen sei erzählt worden, Paulus lehre die unter den Heiden lebenden Juden, Mose zu verlassen und ihre Kinder nicht beschneiden zu lassen. Der Text stellt diese Behauptungen als Berichte dar, die über Paulus verbreitet worden waren; er erklärt nicht einfach, dass diese Darstellung seinen tatsächlichen Lehren entsprochen habe. Die Situation verlangt deshalb eine sorgfältige Unterscheidung zwischen dem, was über Paulus gesagt wird, und dem, was er selbst verkündigt hat.
Die Ältesten schlagen eine Handlung vor, durch die sichtbar werden soll, dass die über Paulus verbreiteten Behauptungen nicht in dieser pauschalen Form zutreffen. Vier Männer haben ein Gelübde auf sich genommen, und Paulus soll sich mit ihnen reinigen und die damit verbundenen Kosten übernehmen. Zugleich erinnern die Ältesten daran, dass für die gläubig gewordenen Heiden bereits eine frühere Entscheidung getroffen worden war. Paulus folgt ihrem Vorschlag und geht mit den Männern in den Tempel.
Lukas bewertet diese Entscheidung nicht ausdrücklich. Deshalb wäre es zu weitgehend, aus dem Bericht allein eine abschließende Aussage darüber abzuleiten, ob jeder Schritt des Paulus in dieser Situation richtig oder falsch war. Die Apostelgeschichte schildert vielmehr, was geschah und welche Folgen sich daran anschlossen. Gerade bei einer Person wie Lukas, die als Erzähler selbst anwesend war, ist dieses Zurücktreten bemerkenswert: Er fügt keine persönliche Verteidigung, keine nachträgliche Rechtfertigung und keinen erfundenen Einblick in die Gedanken der Beteiligten hinzu.
Noch bevor die vorgesehenen Tage beendet sind, erkennen Juden aus Asien Paulus im Tempel. Sie bringen die Menge gegen ihn auf und beschuldigen ihn, gegen das Volk, das Gesetz und den Tempel zu lehren sowie Griechen in den Tempel geführt zu haben. Der Bericht erklärt den Hintergrund dieser letzten Anschuldigung: Sie hatten zuvor Trophimus, den Epheser, mit Paulus in der Stadt gesehen und daraus geschlossen, Paulus habe ihn in den Tempel gebracht. Eine Vermutung wird so zur Anklage, und innerhalb kurzer Zeit gerät die ganze Stadt in Aufruhr.
Paulus wird aus dem Tempel gezerrt und wäre von der Menge getötet worden, wenn nicht der römische Oberst mit Soldaten eingegriffen hätte. Er lässt Paulus mit zwei Ketten binden und versucht herauszufinden, was geschehen ist. Wegen des Tumults kann er jedoch keine zuverlässige Antwort erhalten. Paulus wird schließlich von Soldaten getragen, während die Menge hinter ihm herzieht. Damit endet die Lebensphase, in der Paulus sich als freier Missionar bewegen konnte.
Über Lukas selbst sagt der Bericht während der Verhaftung nichts Weiteres. Die Wir-Form tritt zurück, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf Paulus, seine Verteidigungsreden und die folgenden Verfahren. Es wäre daher nicht möglich, aus diesen Kapiteln sicher zu bestimmen, wo Lukas sich während jeder einzelnen Phase der Gefangenschaft befand. Die Verbindung zwischen beiden ist damit jedoch nicht beendet. Als Paulus später als Gefangener nach Rom überführt wird, erscheint die Wir-Form erneut – und Lukas befindet sich wieder an seiner Seite.
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Lukas begleitet den gefangenen Paulus nach Rom
Apostelgeschichte 27,1-3 – „1 Als es aber beschlossen worden war, daß wir nach Italien abfahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene einem Hauptmann namens Julius von der Kaiserlichen Schar. 2 Nachdem wir aber ein adramyttenisches Schiff bestiegen hatten, welches der kleinasiatischen Küste entlang fahren sollte, reisten wir ab in Begleitung des Mazedoniers Aristarchus aus Thessalonich. 3 Und am andern T…"
Apostelgeschichte 27,1-3 – „1 Als es aber beschlossen worden war, daß wir nach Italien abfahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene einem Hauptmann namens Julius von der Kaiserlichen Schar. 2 Nachdem wir aber ein adramyttenisches Schiff bestiegen hatten, welches der kleinasiatischen Küste entlang fahren sollte, reisten wir ab in Begleitung des Mazedoniers Aristarchus aus Thessalonich. 3 Und am andern T…"
Apostelgeschichte 27,9-12 – „9 Da aber schon geraume Zeit verflossen war und die Schiffahrt gefährlich wurde, weil auch die Fastenzeit bereits vorüber war, warnte Paulus und sprach zu ihnen: 10 Ihr Männer, ich sehe, daß die Schiffahrt mit Schädigung und großem Verlust nicht nur für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben verbunden sein wird! 11 Aber der Hauptmann glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn me…"
Apostelgeschichte 27,20-26 – „20 Da aber während mehrerer Tage weder Sonne noch Sterne schienen und ein heftiger Sturm anhielt, schwand endlich alle Hoffnung, daß wir gerettet würden. 21 Und da man lange ohne Nahrung geblieben war, trat Paulus mitten unter sie und sprach: Man hätte zwar, ihr Männer, mir gehorchen und nicht von Kreta abfahren und sich diese Schädigung und den Verlust ersparen sollen. 22 Doch auch jetzt ermahne…"
Nach längerer Gefangenschaft und mehreren Verhandlungen beruft sich Paulus auf den Kaiser. Damit steht fest, dass er nach Rom gebracht werden soll. Genau an diesem Punkt kehrt die Wir-Form der Apostelgeschichte zurück: „Als es aber beschlossen war, dass wir nach Italien abfahren sollten …“ Lukas befindet sich damit, sofern die Wir-Berichte auf ihn zurückgehen, erneut ausdrücklich in der Reisegemeinschaft des Paulus. Diesmal begleitet er keinen frei reisenden Missionar, sondern einen Gefangenen unter römischer Bewachung.
Paulus und andere Gefangene werden einem Hauptmann namens Julius aus der kaiserlichen Schar übergeben. Die Gruppe geht in Cäsarea an Bord eines Schiffes aus Adramyttium, das Häfen an der kleinasiatischen Küste anlaufen soll. Auch Aristarchus aus Thessalonich reist mit ihnen. Bereits am folgenden Tag erreichen sie Sidon. Dort behandelt Julius Paulus freundlich und erlaubt ihm, seine Freunde aufzusuchen und sich von ihnen versorgen zu lassen. Lukas berichtet diese Einzelheit sachlich, ohne zu erklären, wodurch Paulus das Wohlwollen des Hauptmanns gewonnen hatte.
Die Reise wird zunehmend schwierig. Wegen ungünstiger Winde fährt das Schiff im Schutz von Zypern weiter, überquert das Meer entlang der Küste von Zilizien und Pamphylien und erreicht Myra in Lykien. Dort findet Julius ein Schiff aus Alexandria, das nach Italien fährt, und lässt die Gefangenen umsteigen. Nur mühsam kommt das Schiff voran. Schließlich gelangen die Reisenden an die Südküste Kretas zu einem Ort, der „Guthafen“ genannt wird.
Inzwischen ist viel Zeit vergangen, und die Schifffahrt wird gefährlich. Paulus warnt davor, die Reise fortzusetzen, weil er schweren Schaden für Ladung, Schiff und Leben erwartet. Der Hauptmann folgt jedoch eher dem Steuermann und dem Schiffseigentümer. Weil der Hafen für die Überwinterung ungeeignet erscheint, entscheidet die Mehrheit, weiterzufahren und nach Möglichkeit Phönix auf Kreta zu erreichen. Die Apostelgeschichte berichtet diese Entscheidung, ohne sie künstlich zu dramatisieren: Menschliche Erfahrung, wirtschaftliche Interessen und die Einschätzung der Mehrheit führen dazu, dass die Warnung des Paulus nicht beachtet wird.
Als zunächst ein leichter Südwind aufkommt, scheint der Plan zu gelingen. Doch kurz darauf bricht ein gewaltiger Sturm über das Schiff herein. Das Fahrzeug kann dem Wind nicht standhalten und wird fortgerissen. Die Mannschaft versucht, das Schiff zu sichern, wirft Ladung über Bord und gibt schließlich sogar Teile der Ausrüstung preis. Viele Tage lang sind weder Sonne noch Sterne zu sehen. Die Orientierung wird immer schwieriger, und schließlich schwindet nach Lukas' Bericht jede Hoffnung auf Rettung.
Gerade in dieser Lage tritt Paulus erneut hervor. Er erinnert die Männer zwar daran, dass seine frühere Warnung richtig gewesen war, bleibt aber nicht bei einem Vorwurf stehen. Er fordert sie auf, guten Mut zu haben. In der Nacht sei ein Engel des Gottes zu ihm getreten, dem er gehöre und dem er diene. Paulus müsse vor den Kaiser treten, und Gott habe ihm auch das Leben aller Menschen auf dem Schiff geschenkt. Das Schiff werde verloren gehen, die Menschen aber sollten gerettet werden.
Lukas befindet sich unter denen, denen diese Botschaft gilt. Er schildert sich nicht als unerschrockenen Beobachter außerhalb der Gefahr, sondern schließt sich in die gemeinsame Not ein. Wenn er schreibt, dass „uns“ schließlich alle Hoffnung genommen war, gehört er selbst zu den Bedrohten. Seine spätere Darstellung bewahrt dadurch nicht nur die Ereignisse einer gefährlichen Seereise, sondern auch den entscheidenden Gegensatz dieser Stunden: Während menschliche Möglichkeiten zunehmend versagen, ruht Paulus' Zuversicht auf dem Wort Gottes.
Damit wird Lukas Zeuge einer Erfahrung, in der die Bewahrung Gottes nicht darin besteht, den Sturm von vornherein zu verhindern. Das Schiff bleibt in Gefahr, die Ladung geht verloren, und die Menschen erreichen die Grenze ihrer eigenen Möglichkeiten. Dennoch steht über der Reise eine göttliche Zusage: Paulus wird Rom erreichen. Lukas setzt seinen Weg an der Seite des Gefangenen fort und wird miterleben, wie diese Verheißung mitten durch Schiffbruch und äußerste Bedrängnis hindurch erfüllt wird.
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Lukas überlebt den Schiffbruch und erreicht Malta
Apostelgeschichte 27,33-44 – „33 Bis es aber Tag werden wollte, ermahnte Paulus alle, Speise zu sich zu nehmen, und sprach: Es ist heute der vierzehnte Tag, daß ihr vor banger Erwartung ohne Nahrung geblieben seid und nichts zu euch genommen habt. 34 Darum ermahne ich euch, Speise zu euch zu nehmen, denn das dient zu eurer Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar vom Haupte verloren gehen! 35 Und nachdem er das gesagt hatt…"
Apostelgeschichte 27,33-44 – „33 Bis es aber Tag werden wollte, ermahnte Paulus alle, Speise zu sich zu nehmen, und sprach: Es ist heute der vierzehnte Tag, daß ihr vor banger Erwartung ohne Nahrung geblieben seid und nichts zu euch genommen habt. 34 Darum ermahne ich euch, Speise zu euch zu nehmen, denn das dient zu eurer Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar vom Haupte verloren gehen! 35 Und nachdem er das gesagt hatt…"
Apostelgeschichte 28,1-6 – „1 Und als wir gerettet waren, da erfuhren wir, daß die Insel Melite hieß. 2 Die Barbaren aber erzeigten uns ungewöhnliche Menschenfreundlichkeit; denn sie zündeten ein Feuer an und holten uns alle herbei wegen des anhaltenden Regens und um der Kälte willen. 3 Als aber Paulus einen Haufen Reiser zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Otter hervor und fuhr ihm an die Han…"
Apostelgeschichte 28,7-10 – „7 Aber in der Umgebung jenes Ortes hatte der Vornehmste der Insel, namens Publius, ein Landgut; dieser nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage lang freundlich. 8 Es begab sich aber, daß der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr krank darniederlag. Paulus ging zu ihm hinein, betete und legte ihm die Hände auf und machte ihn gesund. 9 Daraufhin kamen auch die übrigen Kranken auf der Insel …"
In der vierzehnten Nacht der stürmischen Fahrt nähert sich das Schiff schließlich Land. Noch bevor die Gefahr vorüber ist, fordert Paulus alle an Bord auf zu essen. Vierzehn Tage lang hätten sie in angespannter Erwartung kaum Nahrung zu sich genommen; nun sei Essen für ihre Rettung notwendig. Er nimmt Brot, dankt Gott vor allen, bricht es und beginnt zu essen. Darauf fassen auch die übrigen Mut. Lukas nennt sogar die Zahl der Menschen an Bord: insgesamt 276 Personen.
Am nächsten Morgen erkennen die Seeleute das Land zunächst nicht, sehen aber eine Bucht mit einem Strand und versuchen, das Schiff dort auflaufen zu lassen. Dabei gerät es auf eine Untiefe. Der Bug sitzt fest, während das Heck durch die Gewalt der Wellen zerbricht. Für die Gefangenen entsteht nun eine zusätzliche Gefahr, denn die Soldaten wollen sie töten, damit niemand schwimmend entkommen kann. Der Hauptmann Julius verhindert dies jedoch, weil er Paulus retten will.
Darauf wird angeordnet, dass diejenigen, die schwimmen können, zuerst ins Wasser springen und das Land erreichen sollen. Die anderen folgen auf Brettern oder Trümmerstücken des Schiffes. Die Apostelgeschichte fasst das Ergebnis eindeutig zusammen: Alle gelangen gerettet ans Land. Damit erfüllt sich genau die Zusage, die Paulus während des Sturms weitergegeben hatte. Das Schiff geht verloren, doch kein Mensch an Bord kommt ums Leben.
Erst nach der Rettung erfahren die Gestrandeten, dass die Insel Malta heißt. Die Bewohner nehmen sie freundlich auf und entzünden wegen des Regens und der Kälte ein Feuer. Lukas gehört weiterhin zu der Gruppe und beschreibt die folgenden Ereignisse aus der Wir-Perspektive. Während Paulus Reisig sammelt und auf das Feuer legt, kommt durch die Hitze eine Schlange hervor und hängt sich an seine Hand.
Die Inselbewohner schließen daraus zunächst, Paulus müsse ein Mörder sein: Obwohl er dem Meer entkommen sei, lasse die Gerechtigkeit ihn nun nicht leben. Paulus schüttelt die Schlange jedoch ins Feuer und erleidet keinen Schaden. Als die Menschen lange warten und weder eine Schwellung noch einen plötzlichen Tod beobachten, ändern sie ihre Meinung und halten ihn schließlich für einen Gott. Lukas gibt beide Reaktionen wieder, ohne ihre Deutungen als Wahrheit zu bestätigen. Der Bericht zeigt vielmehr, wie schnell Menschen ein sichtbares Ereignis falsch religiös einordnen können.
In der Nähe besitzt Publius, der angesehenste Mann der Insel, Land. Er nimmt die Gestrandeten drei Tage lang freundlich auf. Sein Vater liegt krank an Fieber und Ruhr. Paulus geht zu ihm, betet, legt ihm die Hände auf und heilt ihn. Danach kommen auch andere Kranke der Insel und werden geheilt. Der Text schreibt diese Heilungen nicht der medizinischen Tätigkeit des Lukas zu, obwohl er Arzt war, sondern berichtet ausdrücklich vom Gebet und Handeln des Paulus.
Gerade dadurch wird eine vorschnelle Schlussfolgerung vermieden. Lukas ist als Arzt anwesend, doch die Apostelgeschichte macht aus ihm nicht den verborgenen medizinischen Helden dieser Ereignisse. Er unterscheidet nicht nur zwischen menschlicher Hilfe und göttlichem Eingreifen, sondern lässt denjenigen im Mittelpunkt, durch den Christus in dieser Situation sichtbar wirkt. Auch an dieser Stelle tritt Lukas als Erzähler hinter das Geschehen zurück.
Drei Monate bleibt die Reisegruppe auf Malta. Als schließlich ein alexandrinisches Schiff weiterfährt, versorgen die Bewohner die Reisenden mit allem, was sie für die Weiterfahrt benötigen. Aus einer Katastrophe ist so eine längere Zeit der Bewahrung, Gastfreundschaft und Hilfe geworden. Lukas hat den Sturm, den Verlust des Schiffes und die Rettung aller Menschen miterlebt. Nun setzt er mit Paulus die Reise fort, deren Ziel trotz aller Hindernisse unverändert bleibt: Rom.
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Lukas kommt mit Paulus nach Rom
Apostelgeschichte 28,11-16 – „11 Nach drei Monaten aber fuhren wir ab auf einem Schiffe von Alexandria, das auf der Insel überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte. 12 Und wir liefen in Syrakus ein und blieben drei Tage daselbst. 13 Und von da segelten wir um die Küste herum und kamen nach Regium; und da sich nach einem Tage der Südwind erhob, gelangten wir am zweiten Tage nach Puteoli. 14 Daselbst fanden wir Brü…"
Apostelgeschichte 28,11-16 – „11 Nach drei Monaten aber fuhren wir ab auf einem Schiffe von Alexandria, das auf der Insel überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte. 12 Und wir liefen in Syrakus ein und blieben drei Tage daselbst. 13 Und von da segelten wir um die Küste herum und kamen nach Regium; und da sich nach einem Tage der Südwind erhob, gelangten wir am zweiten Tage nach Puteoli. 14 Daselbst fanden wir Brü…"
Apostelgeschichte 28,17-20 – „17 Es begab sich aber nach drei Tagen, daß er die Vornehmsten der Juden zusammenrief. Und als sie versammelt waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer und Brüder, wiewohl ich nichts wider das Volk oder die Gebräuche der Väter getan habe, bin ich gefangen von Jerusalem aus in die Hände der Römer überliefert worden. 18 Diese wollten mich freilassen, nachdem sie mich verhört hatten, weil keine todeswürd…"
Apostelgeschichte 28,30-31 – „30 Paulus aber blieb zwei Jahre in einer eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die ihm zuliefen, 31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit aller Freimütigkeit und ungehindert."
Nach drei Monaten auf Malta setzt die Reisegruppe ihren Weg nach Italien fort. Sie fährt mit einem alexandrinischen Schiff über Syrakus und Rhegium und erreicht schließlich Puteoli. Dort finden die Reisenden Brüder und bleiben auf deren Bitte sieben Tage bei ihnen. Dann fasst Lukas den entscheidenden Schritt mit wenigen Worten zusammen: „Und so kamen wir nach Rom.“ Das Ziel, das während des Sturms unerreichbar zu werden schien, ist erreicht.
Noch bevor Paulus die Stadt selbst betritt, kommen ihm Brüder aus Rom entgegen. Einige begegnen der Gruppe beim Forum Appii, andere bei Tres Tabernae. Als Paulus sie sieht, dankt er Gott und fasst Mut. Der Bericht macht damit sichtbar, dass in Rom bereits Christen leben, obwohl Paulus dort zuvor noch nicht persönlich gewirkt hatte. Lukas erlebt, wie der gefangene Apostel nicht als einsamer Fremder in der Hauptstadt des Reiches ankommt, sondern von Glaubensgeschwistern empfangen wird.
In Rom erhält Paulus eine vergleichsweise besondere Form der Gefangenschaft. Er darf für sich wohnen, allerdings unter Bewachung eines Soldaten. Drei Tage später ruft er die führenden Juden der Stadt zusammen und erklärt ihnen, weshalb er als Gefangener nach Rom gebracht worden ist. Er betont, nichts gegen sein Volk oder die väterlichen Gebräuche getan zu haben, und beschreibt die Umstände seiner Berufung auf den Kaiser. Dabei nennt er den entscheidenden Grund seiner Fesseln: „um der Hoffnung Israels willen“.
Lukas berichtet anschließend ausführlich über Paulus' Gespräch mit den Juden Roms. An einem vereinbarten Tag kommen viele zu ihm in seine Unterkunft, und Paulus legt ihnen vom Morgen bis zum Abend das Reich Gottes dar. Aus dem Gesetz Moses und den Propheten versucht er, sie von Jesus zu überzeugen. Einige lassen sich überzeugen, andere glauben nicht. Auch im Zentrum des römischen Reiches bleibt der Inhalt des apostolischen Dienstes damit derselbe: Gottes Verheißungen finden ihren Mittelpunkt in Jesus Christus.
Nach der Ankunft in Rom tritt die Wir-Form als fortlaufendes Erzählmerkmal zurück. Die Apostelgeschichte sagt daher nicht bei jedem folgenden Ereignis ausdrücklich, ob Lukas persönlich anwesend war. Aus diesem Schweigen darf weder seine ständige Anwesenheit noch seine Abreise abgeleitet werden. Für seinen weiteren Lebensweg werden deshalb die Briefe des Paulus wichtig, denn dort erscheint Lukas in Rom erneut ausdrücklich mit Namen.
Die Apostelgeschichte endet mit einem Zeitraum von zwei ganzen Jahren. Paulus wohnt in einer eigenen gemieteten Unterkunft und empfängt alle, die zu ihm kommen. Trotz seiner Gefangenschaft verkündigt er das Reich Gottes und lehrt über den Herrn Jesus Christus „mit aller Freimütigkeit, ungehindert“. Der Bericht endet nicht mit einer Nachricht über Paulus' Prozess oder Freilassung, sondern mit dem ungehinderten Fortgang des Evangeliums.
Für Lukas ist dieser Schluss besonders bezeichnend. Der Mann, der nach der Wir-Perspektive den gefährlichen Weg bis nach Rom mitgemacht hat, lenkt den Blick am Ende nicht auf seine eigene Treue und auch nicht auf die Größe des Paulus. Das letzte Wort der Erzählung gehört dem Werk Christi, das selbst durch Gefangenschaft nicht aufgehalten wird. Kurz darauf begegnet Lukas in den Briefen des gefangenen Paulus wieder ausdrücklich – nun nicht mehr nur als ungenannter Mitreisender, sondern als der „geliebte Arzt“ und Mitarbeiter, der sich bei ihm in Rom befindet.
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Paulus nennt Lukas den geliebten Arzt
Kolosser 4,14 – „14 Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas."
Kolosser 4,14 – „14 Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas."
Kolosser 4,10-13 – „10 Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas, betreffs dessen ihr Befehle erhalten habt (wenn er zu euch kommt, so nehmet ihn auf!), 11 und Jesus, der Justus genannt wird, die aus der Beschneidung sind. Diese allein sind meine Mitarbeiter für das Reich Gottes, die mir zum Trost geworden sind. 12 Es grüßt euch Epaphras, der einer der Euren ist, ein Knecht C…"
Nachdem Lukas nach der Wir-Perspektive der Apostelgeschichte mit Paulus Rom erreicht hat, geben zwei Briefe des Apostels einen seltenen unmittelbaren Einblick in seine Stellung innerhalb des Mitarbeiterkreises. Im Kolosserbrief erscheint er nun ausdrücklich mit Namen. Paulus lässt die Gemeinde grüßen und schreibt: „Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt.“ Was die Apostelgeschichte nur indirekt über den mitreisenden Erzähler erkennen lässt, wird hier durch eine persönliche Aussage des Paulus ergänzt.
Die Bezeichnung „Arzt“ ist die einzige ausdrückliche Angabe der Bibel über Lukas' Beruf. Paulus fügt jedoch das Wort „geliebt“ hinzu und beschreibt damit zugleich ihre persönliche Beziehung. Nach den gemeinsamen Reisen, den Gefahren auf dem Meer und der Ankunft in Rom begegnet Lukas nicht lediglich als einer von vielen Bekannten des Apostels. Er gehört zu den Menschen, mit denen Paulus eine enge Verbundenheit besitzt. Wie sich diese Beziehung entwickelte und welchen Anteil Lukas als Arzt an Paulus' persönlicher Versorgung hatte, wird nicht berichtet.
Der Zusammenhang von Kolosser 4 gibt außerdem Einblick in den Kreis, in dem Lukas sich zu dieser Zeit bewegt. Paulus nennt Aristarchus, Markus und Jesus, genannt Justus, und bezeichnet diese ausdrücklich als Mitarbeiter „aus der Beschneidung“. Danach spricht er von Epaphras und schließlich von Lukas und Demas. Diese Gliederung legt nahe, dass Lukas nicht zu den jüdischen Mitarbeitern gehörte, die Paulus zuvor zusammengefasst hatte. Dennoch bleibt Vorsicht notwendig, denn Paulus nennt Lukas selbst an dieser Stelle nicht ausdrücklich einen Heiden und gibt auch keinen Herkunftsort oder Stammbaum an.
Auch der kurze Philemonbrief führt Lukas namentlich auf. Paulus nennt Epaphras seinen Mitgefangenen in Christus Jesus und sendet anschließend Grüße von Markus, Aristarchus, Demas und Lukas. Diese vier bezeichnet er als seine Mitarbeiter. Damit wird Lukas' Stellung im apostolischen Dienst ausdrücklich bestätigt. Sein Verhältnis zu Paulus bestand nicht nur aus persönlicher Freundschaft oder Reisegemeinschaft; er gehörte zu denen, die an der Arbeit für das Evangelium teilnahmen.
Welche konkrete Aufgabe Lukas in Rom wahrnahm, lässt sich aus diesen Versen nicht bestimmen. Paulus schreibt nicht, dass Lukas predigte, eine Gemeinde leitete, Briefe überbrachte oder Gefangene medizinisch versorgte. Gerade deshalb sollte die Bezeichnung „Mitarbeiter“ in dem Umfang verstanden werden, den der Text selbst trägt. Sie zeigt wirkliche Beteiligung am Dienst, lässt aber die genaue Form dieser Mitarbeit offen.
Bemerkenswert ist auch, dass Lukas in diesen Grüßen nicht versucht wird, eine eigene Stellung neben Paulus aufzubauen. Sein Name erscheint in einem Netzwerk verschiedener Mitarbeiter, die mit unterschiedlichen Aufgaben am selben Werk beteiligt sind. Markus, Aristarchus, Epaphras und andere haben ihre jeweils eigene Geschichte; Lukas wird unter ihnen als geliebter Arzt und Mitarbeiter kenntlich. Das Neue Testament zeichnet damit kein Bild eines einsamen Apostels, sondern eines Dienstes, in dem Christus durch viele Menschen wirkt.
Für Lukas bedeutet diese Phase zugleich eine bemerkenswerte Kontinuität. Die Apostelgeschichte hatte ihn nach der Wir-Perspektive während der beschwerlichen Reise nach Rom an Paulus' Seite gezeigt. Nun bestätigen die Briefe, dass er sich auch während der Gefangenschaft im Umfeld des Apostels befindet. Die äußeren Umstände haben sich verändert, doch seine Verbindung zum Dienst ist nicht beendet.
Noch ist dies jedoch nicht die letzte biblische Nachricht über Lukas. In einem späteren Brief des Paulus begegnet sein Name erneut unter wesentlich bedrängenderen Umständen. Viele Menschen sind dann nicht mehr bei dem Apostel, sein eigenes Lebensende scheint nahe – und gerade in dieser Situation wird Lukas mit einem kurzen Satz erwähnt, der seiner bisher sichtbaren Treue besonderes Gewicht gibt.
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Lukas bleibt bei Paulus, als andere fehlen
2. Timotheus 4,9-11 – „9 Beeile dich, bald zu mir zu kommen! 10 Denn Demas hat mich verlassen, weil er diesen Weltlauf liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. 11 Lukas ist allein bei mir. Bringe Markus mit dir; denn er ist mir sehr nützlich zum Dienste."
2. Timotheus 4,9-11 – „9 Beeile dich, bald zu mir zu kommen! 10 Denn Demas hat mich verlassen, weil er diesen Weltlauf liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. 11 Lukas ist allein bei mir. Bringe Markus mit dir; denn er ist mir sehr nützlich zum Dienste."
2. Timotheus 4,6-8 – „6 Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meiner Auflösung ist nahe. 7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; 8 hinfort liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, welche mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebgewonnen haben."
2. Timotheus 4,16-18 – „16 Bei meiner ersten Verantwortung [vor Gericht] stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es sei ihnen nicht zugerechnet! 17 Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Predigt vollständig vorgetragen würde und alle Heiden sie hören könnten; und ich wurde erlöst aus dem Rachen des Löwen. 18 Und der Herr wird mich von jedem boshaften Werk erlösen und mich retten i…"
Die letzte ausdrückliche Nachricht der Bibel über Lukas steht im zweiten Timotheusbrief. Paulus befindet sich in einer bedrängten Lage und bittet Timotheus, möglichst bald zu ihm zu kommen. Mehrere Mitarbeiter sind nicht mehr bei ihm: Demas hat ihn verlassen und ist nach Thessalonich gegangen, Kreszens nach Galatien und Titus nach Dalmatien. Unmittelbar darauf folgt der kurze Satz: „Lukas ist allein bei mir.“ Gerade weil Paulus die Abwesenheit der anderen zuvor nennt, erhält diese Feststellung besonderes Gewicht.
Nicht jede genannte Abwesenheit darf dabei gleich bewertet werden. Über Demas sagt Paulus ausdrücklich, dass er ihn verlassen habe, weil er die jetzige Welt liebgewonnen habe. Von Kreszens und Titus wird dagegen lediglich berichtet, wohin sie gegangen sind; der Text wirft ihnen keinen Abfall oder Verrat vor. Lukas' Anwesenheit darf deshalb nicht dadurch erhöht werden, dass andere Mitarbeiter ohne biblische Grundlage herabgesetzt werden. Dennoch bleibt die Aussage klar: In dieser Lebensphase ist Lukas bei Paulus.
Die Situation des Apostels ist inzwischen ernster als während jener Gefangenschaft, aus der Kolosser und Philemon stammen. Paulus beschreibt sein Leben als ein Opfer, das bereits ausgegossen wird, und sagt, die Zeit seines Abschieds sei nahe. Rückblickend erklärt er, den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt zu haben. Seine Hoffnung richtet sich auf den Herrn, den gerechten Richter, und auf den kommenden Tag, an dem die Krone der Gerechtigkeit gegeben wird.
In diesem Zusammenhang steht Lukas nicht im Mittelpunkt, aber gerade darin liegt die Aussagekraft seiner letzten Erwähnung. Die Bibel überliefert keine große Abschiedsrede von ihm und berichtet nicht von einer besonderen Stellung, die er für sich beansprucht hätte. Sein Name erscheint vielmehr in einem einfachen Satz über Anwesenheit. Lukas ist dort, als Paulus Unterstützung braucht und sein Dienst unter schweren Bedingungen seinem Ende entgegengeht.
Paulus berichtet außerdem, dass bei seiner ersten Verteidigung niemand bei ihm gestanden habe, sondern alle ihn verlassen hätten. Er bittet darum, dass es ihnen nicht angerechnet werde. Zugleich erklärt er, dass der Herr ihm beigestanden und ihn gestärkt habe, damit durch ihn die Verkündigung vollständig ausgerichtet werde und alle Heiden sie hörten. Die entscheidende Sicherheit des Paulus liegt also auch in dieser einsamen Lebensphase nicht in menschlicher Begleitung, sondern in der Gegenwart des Herrn.
Das relativiert Lukas' Treue jedoch nicht. Menschliche Begleiter können Christus nicht ersetzen, doch sie können innerhalb seines Werkes einen wirklichen Dienst der Gemeinschaft und Unterstützung leisten. Genau so erscheint Lukas. Paulus nennt ihn nicht als Grundlage seiner Hoffnung, aber er erwähnt ausdrücklich, dass dieser Mitarbeiter noch bei ihm ist. Damit fügt sich die letzte Nachricht über Lukas zu dem Bild, das bereits zuvor entstanden war: Er begegnet immer wieder in unmittelbarer Nähe zu einem Dienst, der mit Reisen, Gefangenschaft und Gefahr verbunden ist.
Über Lukas' weiteres Leben sagt die Bibel nichts. Sie berichtet weder, wann noch wo er starb, und sie nennt keine Umstände seines Todes. Spätere Überlieferungen über seine letzten Jahre oder eine mögliche Todesart gehören deshalb nicht zu einer ausschließlich biblischen Lebensgeschichte. Sein sicherer biografischer Weg endet mit diesem Satz aus dem zweiten Timotheusbrief: Lukas ist bei Paulus.
Doch damit ist seine biblische Bedeutung noch nicht vollständig erfasst. Mit Lukas werden zwei umfangreiche Schriften des Neuen Testaments verbunden, die gemeinsam von Jesus Christus, seiner Verkündigung und der Ausbreitung des Evangeliums bis nach Rom erzählen. Ihre eigenen Vorreden geben wichtige Hinweise darauf, mit welcher Sorgfalt ihr Verfasser arbeitete und welchem Ziel seine Darstellung dienen sollte.
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Der Verfasser sammelt die Zeugnisse über Jesus sorgfältig
Lukas 1,1-4 – „1 Nachdem schon viele es unternommen haben, eine Erzählung der Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, 2 wie sie uns diejenigen überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind; 3 so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du die Ge…"
Lukas 1,1-4 – „1 Nachdem schon viele es unternommen haben, eine Erzählung der Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, 2 wie sie uns diejenigen überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind; 3 so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du die Ge…"
Apostelgeschichte 1,1-3 – „1 Den ersten Bericht habe ich abgelegt, lieber Theophilus, über alles, was Jesus zu tun und zu lehren begonnen hat, 2 bis zu dem Tage, da er [in den Himmel] aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Befehl gegeben; 3 welchen er sich auch nach seinem Leiden lebendig erzeigte, durch viele sichere Kennzeichen, indem er während vierzig Tagen ihnen ersc…"
Lukas 1,5-7 – „5 In den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, war ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Ordnung Abias; der hatte eine Frau von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. 6 Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten in allen Geboten und Rechten des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren hochbetagt."
Nach der letzten sicheren persönlichen Erwähnung des Lukas richtet sich der Blick auf die beiden neutestamentlichen Schriften, die mit ihm verbunden werden. Das Lukasevangelium beginnt mit einer Vorrede, in der der Verfasser ungewöhnlich deutlich erklärt, wie er bei seiner Darstellung vorgegangen ist. Sein Name wird dabei nicht genannt. Deshalb muss zwischen der sicheren Aussage des Textes über seinen Verfasser und der Zuordnung dieses Verfassers zu Lukas unterschieden werden.
Der Verfasser erklärt zunächst, dass bereits mehrere andere versucht hatten, einen Bericht über die unter den Christen erfüllten Ereignisse zusammenzustellen. Grundlage waren Überlieferungen jener, die „von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind“. Damit stellt er sich nicht selbst ausdrücklich unter die Augenzeugen des gesamten irdischen Wirkens Jesu. Vielmehr macht er deutlich, dass er auf Zeugnisse zurückgreift, die bis zu den ursprünglichen Augenzeugen zurückreichen.
Zugleich beschreibt er seine eigene Arbeit. Er habe allem von Anfang an genau nachgeforscht und sich vorgenommen, die Ereignisse der Reihe nach aufzuschreiben. Dieses Selbstzeugnis ist für das Verständnis seines Dienstes bedeutend. Der Text beansprucht nicht, dass jede Einzelheit aus persönlicher Anschauung stammt, sondern beschreibt eine sorgfältige Verbindung von überliefertem Augenzeugenzeugnis, eigener Untersuchung und geordneter Darstellung.
Adressiert ist das Werk an Theophilus. Über dessen Person erfahren wir aus der Bibel nur sehr wenig. Der Verfasser nennt ihn „hochgeehrter Theophilus“ und erklärt den Zweck seines Schreibens: Theophilus soll die Zuverlässigkeit der Lehre erkennen, in der er unterrichtet worden ist. Das Evangelium dient damit nicht bloß der Bewahrung historischer Erinnerungen. Die sorgfältige Darstellung soll Gewissheit über die Botschaft schaffen, die mit Jesus Christus verbunden ist.
Bemerkenswert ist, wo die eigentliche Erzählung beginnt. Nach der Vorrede setzt das Evangelium nicht unmittelbar mit Jesu öffentlichem Wirken ein, sondern mit Zacharias und Elisabeth und der Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers. Der Verfasser ordnet Jesus damit von Anfang an in Gottes bereits handelnde Heilsgeschichte ein. Die Ereignisse erscheinen nicht als zufälliger Beginn einer neuen religiösen Bewegung, sondern als Erfüllung dessen, was Gott vorbereitet und verheißen hat.
Der Beginn der Apostelgeschichte bestätigt, dass diese Schrift als Fortsetzung desselben Werkes gedacht ist. Wieder wird Theophilus angesprochen, und der Verfasser erinnert an seinen „ersten Bericht“ über das, was Jesus zu tun und zu lehren begann. Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte sind damit durch ihre eigenen Vorreden eng miteinander verbunden. Das erste Werk führt bis zur Himmelfahrt Jesu; das zweite setzt dort an und berichtet, wie der auferstandene Christus durch den Heiligen Geist und seine Zeugen sein Werk weiterführt.
Diese Verbindung ist für die Einordnung des Lukas entscheidend. Wenn der Verfasser beider Bücher mit dem Lukas identifiziert wird, den Paulus als geliebten Arzt und Mitarbeiter nennt, dann begegnet uns in ihm nicht nur ein treuer Begleiter des Apostels, sondern auch ein sorgfältiger Bewahrer apostolischen Zeugnisses. Doch die Bedeutung seiner Schriften liegt nicht letztlich in seiner eigenen Person. Sein erklärtes Ziel führt den Leser zu der Gewissheit über Jesus Christus und über Gottes Handeln, das sich von den Anfängen des Evangeliums bis zur Ausbreitung der Botschaft unter die Völker verfolgen lässt.
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Lukas bewahrt den Weg des Evangeliums zu den Völkern
Apostelgeschichte 1,8 – „8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde!"
Apostelgeschichte 1,8 – „8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde!"
Lukas 24,46-49 – „46 und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, daß Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde, 47 und daß in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden soll unter allen Völkern. 48 Fanget an in Jerusalem, Zeugen davon zu sein! 49 Und siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibet in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft a…"
Apostelgeschichte 28,30-31 – „30 Paulus aber blieb zwei Jahre in einer eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die ihm zuliefen, 31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit aller Freimütigkeit und ungehindert."
Die beiden mit Lukas verbundenen Schriften bilden nicht nur äußerlich ein zusammengehöriges Werk. Zwischen dem Ende des Evangeliums und dem Beginn der Apostelgeschichte verläuft eine klare heilsgeschichtliche Linie. Der auferstandene Jesus erklärt seinen Jüngern, dass in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern verkündigt werden sollen, beginnend in Jerusalem. Zugleich verheißt er ihnen die Kraft aus der Höhe. Damit wird bereits am Ende des Evangeliums vorbereitet, was die Apostelgeschichte anschließend entfaltet.
Unmittelbar vor seiner Himmelfahrt sagt Jesus seinen Jüngern, dass sie durch den Heiligen Geist Kraft empfangen und seine Zeugen sein werden: in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Dieser Auftrag bildet einen tragenden Rahmen der Apostelgeschichte. Die Geschichte beginnt in Jerusalem, überschreitet schrittweise bisherige Grenzen und führt schließlich bis nach Rom. Nicht menschliche Expansion steht dabei im Mittelpunkt, sondern das Zeugnis von Jesus Christus unter der Führung des Heiligen Geistes.
Gerade diese Bewegung berührt auch den biblisch greifbaren Lebensweg des Lukas. Nach der Wir-Perspektive tritt er in eine Missionsreise ein, die das Evangelium nach Mazedonien führt. Später begleitet er Paulus nach Jerusalem und schließlich über das Mittelmeer bis nach Rom. Seine eigene Reisegeschichte liegt damit innerhalb jener größeren Bewegung, die seine Schrift beschreibt. Dennoch stellt der Erzähler sich selbst nicht als bedeutenden Träger dieser Entwicklung heraus. Sein persönliches „wir“ erscheint nur dort, wo seine Anwesenheit für den Bericht tatsächlich gehört.
Auch das Ende der Apostelgeschichte ist bewusst auf den Fortgang der Botschaft ausgerichtet. Paulus befindet sich in Rom weiterhin unter Einschränkungen, doch er empfängt Menschen und verkündigt ihnen das Reich Gottes. Er lehrt über den Herrn Jesus Christus mit aller Freimütigkeit und ungehindert. Die Apostelgeschichte endet deshalb nicht mit einem abschließenden Bericht über das Schicksal des Paulus und ebenso wenig mit einer Nachricht über Lukas selbst.
Der Gegensatz ist eindrücklich: Der Verkündiger ist gebunden, das Evangelium jedoch nicht. Was in Jerusalem begonnen hatte, ist bis in die Hauptstadt des römischen Reiches gelangt. Dabei hat Lukas, wenn die traditionelle Identifizierung des Verfassers mit dem Mitarbeiter des Paulus zutrifft, einen beträchtlichen Teil dieser Ausbreitung nicht nur aus Berichten anderer erfahren, sondern während späterer Reiseabschnitte selbst miterlebt.
Seine Darstellung macht zugleich deutlich, dass der Übergang des Evangeliums zu den Völkern nicht bedeutet, Gottes vorheriges Handeln mit Israel beiseitezuschieben. Im Lukasevangelium beginnt die Geschichte tief innerhalb der Hoffnung Israels. In der Apostelgeschichte verkündigen die Apostel Jesus immer wieder aus den Schriften, während zugleich Menschen aus vielen Völkern zum Glauben gerufen werden. Christus steht damit als Erfüllung der Verheißung und als Retter im Mittelpunkt, dessen Botschaft allen Menschen gilt.
Diese heilsgeschichtliche Weite gehört zur bleibenden Bedeutung des mit Lukas verbundenen Werkes. Es verbindet Jesu irdisches Wirken, seinen Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt mit dem Beginn der weltweiten Verkündigung. Dadurch wird sichtbar, dass die Geschichte der Gemeinde nicht als neues Werk unabhängig von Christus beginnt. Der auferstandene Herr bleibt der Mittelpunkt, der Heilige Geist befähigt die Zeugen, und das Evangelium schreitet trotz Widerstand weiter.
So reicht Lukas' biblische Nachwirkung weit über die wenigen persönlichen Angaben über ihn hinaus. Der Arzt und Mitarbeiter, der selbst kaum von sich erzählt, steht hinter einem Werk, dessen Blick beständig von menschlichen Zeugen weg auf Jesus Christus und Gottes fortschreitenden Erlösungsplan gelenkt wird. Gerade dieses Zurücktreten passt zu dem Bild, das auch seine persönlichen Erwähnungen hinterlassen: Lukas erscheint nicht als Mann, der Aufmerksamkeit für sich sucht, sondern als Diener innerhalb eines Werkes, dessen eigentlicher Mittelpunkt Christus ist.
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Lukas hinterlässt ein geordnetes Zeugnis über Christus
Lukas 1,3-4 – „3 so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du die Gewißheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist."
Lukas 1,3-4 – „3 so schien es auch mir gut, der ich allem von Anfang an genau nachgegangen bin, es dir der Reihe nach zu beschreiben, vortrefflichster Theophilus, 4 damit du die Gewißheit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist."
Apostelgeschichte 1,1-3 – „1 Den ersten Bericht habe ich abgelegt, lieber Theophilus, über alles, was Jesus zu tun und zu lehren begonnen hat, 2 bis zu dem Tage, da er [in den Himmel] aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Befehl gegeben; 3 welchen er sich auch nach seinem Leiden lebendig erzeigte, durch viele sichere Kennzeichen, indem er während vierzig Tagen ihnen ersc…"
2. Timotheus 4,11 – „11 Lukas ist allein bei mir. Bringe Markus mit dir; denn er ist mir sehr nützlich zum Dienste."
Am Ende der biblisch greifbaren Lebensgeschichte des Lukas stehen zwei Linien nebeneinander. Die eine besteht aus den wenigen persönlichen Angaben über ihn: Er war Arzt, Mitarbeiter des Paulus und blieb in einer schweren späten Lebensphase bei ihm. Die andere liegt in den beiden Schriften, die mit seinem Namen verbunden werden und zusammen einen großen Teil des neutestamentlichen Geschichtsberichts umfassen. Gerade diese Verbindung macht Lukas zu einer besonderen Gestalt: Seine eigene Person bleibt zurückhaltend sichtbar, während sein Zeugnis den Blick immer wieder auf Christus richtet.
Die Vorrede seines Evangeliums erklärt, was ihm beim Schreiben wichtig war. Er wollte die überlieferten Ereignisse sorgfältig untersuchen und geordnet darstellen, damit Theophilus die Zuverlässigkeit dessen erkennen konnte, worin er unterrichtet worden war. Damit verbindet sich geistliche Gewissheit nicht mit unkritischer Leichtgläubigkeit. Der Verfasser beruft sich auf Augenzeugen, sorgfältige Nachforschung und eine verständliche Darstellung der Ereignisse.
Auch die Apostelgeschichte führt dieses Anliegen weiter. Sie beginnt mit dem auferstandenen Jesus, der sich seinen Jüngern nach seinem Leiden durch viele sichere Kennzeichen lebendig zeigt und sie über das Reich Gottes unterweist. Danach verfolgt sie, wie sein Zeugnis unter der Kraft des Heiligen Geistes von Jerusalem über Judäa und Samaria immer weiter zu den Völkern gelangt. Die historische Erzählung dient damit einem theologischen Mittelpunkt: Jesus Christus lebt, herrscht und führt sein Werk weiter.
Lukas selbst macht aus seiner Beteiligung keinen eigenen Schwerpunkt. Selbst dort, wo die Wir-Berichte zeigen, dass der Erzähler persönlich anwesend war, erhält der Leser kaum Informationen über ihn. Er berichtet ausführlich über Paulus, über Gemeinden, Verfolgungen, Reisen, Gerichtsverhandlungen und Gottes Eingreifen, ohne seine eigene Rolle auszuschmücken. Diese Zurückhaltung verhindert, aus den Schriften eine Selbstdarstellung des Verfassers zu machen.
Zugleich bewahrt sein Werk zahlreiche Ereignisse und Worte, ohne die unser biblisches Bild von Jesus und der frühen Gemeinde wesentlich ärmer wäre. Doch auch hier sollte Lukas nicht gegenüber den anderen biblischen Zeugen ausgespielt werden. Sein Evangelium steht neben Matthäus, Markus und Johannes, und die Apostelgeschichte steht innerhalb des Gesamtzeugnisses des Neuen Testaments. Ihre besondere Perspektive ergänzt die anderen Schriften, ohne sie zu ersetzen.
Das gilt auch für die Frage nach der Verfasserschaft. Lukas wird in seinen eigenen beiden Büchern nicht namentlich als Verfasser bezeichnet. Die Identifizierung mit dem Mitarbeiter des Paulus ergibt sich aus dem Zusammenhang der beiden Werke, den Wir-Berichten und den persönlichen Angaben der Paulusbriefe. Deshalb bleibt es methodisch wichtig, die ausdrücklichen Aussagen der Bibel von dieser gut begründeten Zuordnung zu unterscheiden. Die Bedeutung der Schriften hängt letztlich nicht daran, Lukas menschlich größer erscheinen zu lassen, als der Text es erlaubt.
Seine letzte ausdrückliche Erwähnung bleibt deshalb ein passender Abschluss seiner eigentlichen Lebensgeschichte. Als Paulus seinem Ende entgegenblickt, schreibt er: „Lukas ist allein bei mir.“ Danach verliert sich Lukas aus der persönlichen Berichterstattung der Schrift. Über seine weiteren Jahre, seinen Tod oder sein Grab erfahren wir nichts Sicheres aus der Bibel.
Was jedoch bleibt, ist das Zeugnis, das mit seinem Namen verbunden ist. Es beginnt mit sorgfältiger Untersuchung, führt durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu und verfolgt anschließend die Ausbreitung des Evangeliums bis nach Rom. Lukas selbst tritt dabei immer weiter zurück. Christus dagegen bleibt von der ersten bis zur letzten Seite der eigentliche Mittelpunkt.
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Zusammenfassung und Gebet
Lukas gehört zu den biblischen Personen, deren Bedeutung nicht daran gemessen werden kann, wie viel die Schrift über ihr persönliches Leben erzählt. Seine Herkunft, seine Familie, seine Bekehrung und sein Tod bleiben unbekannt. Was die Bibel ausdrücklich erkennen lässt, ist schlichter und zugleich aussagekräftig: Lukas war Arzt, Mitarbeiter des Paulus und ein Mensch, dessen Nähe der Apostel so schätzte, dass er ihn den „geliebten Arzt“ nannte. In einer besonders schweren späten Lebensphase konnte Paulus schließlich schreiben: „Lukas ist allein bei mir.“
Seine Treue erscheint dabei nicht als spektakuläre Heldengeschichte. Wenn die Wir-Berichte der Apostelgeschichte auf Lukas zurückgehen, führte sein Weg durch Missionsreisen, Abschiede, Bedrohungen, Gefangenschaft, Sturm und Schiffbruch bis nach Rom. Doch selbst als Augenzeuge vieler dieser Ereignisse stellt er sich nicht in den Vordergrund. Immer wieder richtet sich die Erzählung auf das Handeln Gottes, auf die Verkündigung des Evangeliums und auf Jesus Christus.
Gerade hierin liegt eine der stärksten Linien seines biblischen Bildes. Lukas bewahrt sorgfältig Zeugnisse, ohne sich selbst zum Mittelpunkt des Zeugnisses zu machen. Das mit ihm verbundene Evangelium führt zu Jesus – zu seinem Kommen, seinem Wirken, seinem Tod und seiner Auferstehung. Die Apostelgeschichte setzt diesen Weg fort und zeigt, wie der auferstandene Christus durch den Heiligen Geist seine Zeugen sendet und wie die Botschaft trotz Widerstand immer weitere Grenzen überschreitet.
Dabei bleibt die notwendige Grenze bestehen: Weder das Lukasevangelium noch die Apostelgeschichte nennt Lukas ausdrücklich als Verfasser. Die Verbindung mit dem Mitarbeiter des Paulus ist sorgfältig aus dem Zusammenhang beider Werke, den Wir-Berichten und den Angaben der Paulusbriefe zu unterscheiden. Die Schrift verlangt nicht, Unsicheres sicherer erscheinen zu lassen, als es ist. Gerade eine solche Zurückhaltung entspricht dem sorgfältigen Umgang mit dem Zeugnis, den die Vorrede des Evangeliums selbst erkennen lässt.
Lukas' bleibende Bedeutung führt deshalb über seine eigene Person hinaus. Sein Leben steht im Dienst einer Botschaft, die nicht bei menschlichen Mitarbeitern endet. Paulus kann gebunden werden, ein Schiff kann zerbrechen, Begleiter können verschwinden und menschliche Lebenswege können in der biblischen Überlieferung ohne weiteren Bericht enden – doch Christus bleibt derselbe, und sein Evangelium geht weiter.
So hinterlässt Lukas ein stilles, aber kraftvolles Bild christlichen Dienstes. Treue muss nicht bedeuten, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Sie kann darin bestehen, bei Christus' Werk zu bleiben, anderen zu dienen, Wahrheit sorgfältig zu bewahren und glaubwürdig weiterzugeben, was Gott getan hat. Lukas selbst tritt schließlich aus dem Blickfeld der Schrift. Das Zeugnis aber, das mit seinem Namen verbunden ist, lässt den Blick dort ruhen, wo auch seine Lebensgeschichte ihren tiefsten Sinn findet: bei Jesus Christus.
Herr, unser Gott, wir danken dir für das zuverlässige Zeugnis, das du durch deine Diener bewahrt hast. Schenke auch uns Liebe zur Wahrheit, Sorgfalt im Umgang mit deinem Wort und Treue in dem Dienst, den du uns anvertraust. Bewahre uns davor, unsere eigene Bedeutung zu suchen, und richte unseren Blick immer wieder auf Jesus Christus. Gib uns Kraft, auch in schwierigen Zeiten bei dir und bei deinem Auftrag zu bleiben und das Evangelium glaubwürdig weiterzugeben. Lass unser Leben darauf hinweisen, was du getan hast und wer Christus für uns ist. Amen.
„Ihr aber seid Zeugen hiervon.“ Lukas 24,48
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