Lazarus
Lazarus in der Bibel
Lazarus von Bethanien war der Bruder von Martha und Maria und gehörte zu einer Familie, die Jesus besonders liebte. Sein Leben wird vor allem im Johannesevangelium beschrieben. An ihm offenbarte Jesus auf einzigartige Weise seine Macht über den Tod und machte sichtbar, dass er selbst die Auferstehung und das Leben ist und dass Gottes Herrlichkeit in ihm erkannt werden soll.
Einführung
Über Lazarus erfahren wir erstaunlich wenig über Herkunft, Alter, Beruf oder frühere Lebensjahre. Die Bibel führt ihn nicht durch eine ausführliche Vorgeschichte ein, sondern begegnet ihm erstmals in Bethanien, einem Dorf, in dem auch seine Schwestern Martha und Maria lebten. Gerade diese Zurückhaltung ist wichtig: Seine Bedeutung entsteht nicht aus einer besonderen Stellung, einem Amt oder eigenen überlieferten Worten, sondern aus seiner Beziehung zu Jesus und aus dem, was Christus in seinem Leben tat.
Dabei muss Lazarus von Bethanien klar von dem Lazarus unterschieden werden, den Jesus im Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus erwähnt. Der Bericht in Johannes handelt von einer konkreten Familie, deren Mitglieder namentlich genannt werden und mit Jesus persönlich verbunden waren. Johannes betont ausdrücklich, dass Jesus Martha, ihre Schwester und Lazarus liebte. Damit beginnt die Geschichte nicht bei einem öffentlich bekannten Mann, sondern in einem Haus, zu dem Jesus eine besondere persönliche Beziehung hatte.
Als Lazarus erstmals in den Mittelpunkt des Berichts tritt, befindet er sich bereits in einer ernsten Lage: Er ist krank. Seine Schwestern lassen Jesus davon wissen und berufen sich dabei nicht auf irgendeinen Anspruch, sondern auf die Beziehung zwischen Jesus und ihrem Bruder. Noch ist nicht sichtbar, wohin diese Krankheit führen wird. Doch bereits am Anfang richtet der Evangelist den Blick über Lazarus hinaus auf Jesus selbst und auf die Frage, wer Christus angesichts menschlicher Hilflosigkeit wirklich ist. Damit beginnt die biblisch greifbare Lebensgeschichte des Lazarus.
Lazarus von Bethanien und seine Familie
Johannes 11,1-3 – „1 Es war aber einer krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe der Maria und ihrer Schwester Martha, 2 nämlich der Maria, die den Herrn gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. 3 Da ließen ihm die Schwestern sagen: Herr, siehe, den du lieb hast, der ist krank!"
Johannes 11,1-3 – „1 Es war aber einer krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe der Maria und ihrer Schwester Martha, 2 nämlich der Maria, die den Herrn gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. 3 Da ließen ihm die Schwestern sagen: Herr, siehe, den du lieb hast, der ist krank!"
Johannes 12,1-3 – „1 Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus von den Toten auferweckt hatte. 2 Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl, und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. 3 Da nahm Maria ein Pfund echter, köstlicher Nardensalbe, salbte Jesus die Füße und trocknete ihm die Füße mit ihren Haaren; das Haus aber wurde erfüllt vom Ger…"
Lukas 10,38-42 – „38 Als sie aber weiterreisten, kam er in ein Dorf; ein Weib aber namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus. 39 Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Und sie trat herzu und sprach: Herr, kümmerst du dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr …"
Die biblische Geschichte des Lazarus beginnt in Bethanien. Johannes nennt ihn ausdrücklich als Bruder von Maria und Martha und ordnet ihn damit in ein Geschwisterhaus ein, das auch an anderen Stellen mit Jesus verbunden ist. Über seine Eltern, sein Alter, seinen Beruf oder darüber, ob er verheiratet war, berichtet die Bibel nichts. Auch eigene Worte des Lazarus sind nicht überliefert. Was wir sicher über ihn wissen, ergibt sich deshalb vor allem aus seiner Familie und aus den Begegnungen dieses Hauses mit Jesus.
Bethanien lag in der Nähe Jerusalems und wurde während des Dienstes Jesu zu einem wiederkehrenden Aufenthaltsort. Besonders Martha und Maria treten in den Evangelien deutlicher hervor. Lukas berichtet von einem Besuch Jesu in einem Haus, in dem Martha ihn aufnimmt und Maria zu seinen Füßen sitzt und seinem Wort zuhört. Lazarus wird in diesem Bericht nicht genannt. Dass es sich um dasselbe Geschwisterhaus handelt, liegt durch die Namen Martha und Maria und durch die spätere Darstellung bei Johannes sehr nahe, doch Lukas selbst nennt weder Lazarus noch Bethanien ausdrücklich in dieser Szene.
Johannes macht die familiäre Zuordnung dagegen eindeutig. Lazarus wird als der Bruder jener Maria vorgestellt, die später Jesus mit Salböl salbte und seine Füße mit ihrem Haar trocknete. Diese erklärende Bemerkung verbindet den kranken Lazarus mit einer Familie, die den Lesern des Evangeliums durch ihre Beziehung zu Jesus bekannt werden sollte. Zugleich bleibt der Blick zunächst bewusst eng: Lazarus erscheint nicht als öffentlicher Jünger, Prediger oder Amtsträger, sondern als Angehöriger eines Hauses, das Jesus nahe stand.
Als die eigentliche Handlung einsetzt, ist Lazarus krank. Johannes beschreibt nicht, woran er litt oder wie lange die Krankheit bereits gedauert hatte. Martha und Maria senden Jesus lediglich die Nachricht: Derjenige, den er lieb hat, ist krank. Schon die Form dieser Botschaft ist bemerkenswert. Die Schwestern versuchen nicht, Jesus mit einem ausführlichen Argument zu bewegen; sie teilen ihm die Not mit und verweisen dabei auf seine Zuneigung zu Lazarus.
Wenig später erklärt Johannes ausdrücklich, dass Jesus Martha, ihre Schwester und Lazarus liebte. Damit ist seine Beziehung zu Lazarus nicht nur eine Vermutung der Schwestern, sondern Teil der Darstellung des Evangelisten. Diese Liebe wird für das Verständnis der kommenden Ereignisse wichtig, weil Jesu weiteres Handeln zunächst nicht so aussieht, wie Menschen es angesichts einer schweren Krankheit erwarten würden. Die Geschichte bereitet damit eine Spannung vor, in der göttliche Liebe und menschliche Not nebeneinanderstehen, ohne dass der Ausgang bereits sichtbar ist.
Lazarus selbst bleibt in dieser ersten Phase vollständig passiv. Er spricht nicht, bittet nicht und trifft keine überlieferte Entscheidung. Seine Krankheit bringt vielmehr andere Personen in Bewegung und richtet den Blick auf Jesus. Gerade deshalb darf aus dem Schweigen des Textes nichts über den Glauben, die Gedanken oder die Gefühle des Lazarus erfunden werden. Sicher ist nur: Er gehört zu einem Haus, das Jesus kannte und liebte, und seine Krankheit wird zum Ausgangspunkt eines Geschehens, in dem die Identität und Vollmacht Jesu immer stärker in den Mittelpunkt treten.
So beginnt die Geschichte des Lazarus nicht mit einer großen Tat, sondern mit menschlicher Schwachheit. Ein geliebter Mensch wird krank, seine Familie sucht Hilfe bei Jesus, und zunächst scheint alles davon abzuhängen, wie Christus auf diese Nachricht reagieren wird. Johannes führt damit unmittelbar an den entscheidenden Wendepunkt heran: Jesus hört von der Krankheit seines Freundes, doch sein Verhalten wird die Erwartungen der Beteiligten zunächst tief herausfordern.
Jesus wartet, während Lazarus stirbt
Johannes 11,4-6 – „4 Als Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde! 5 Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er nun hörte, daß jener krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Orte, wo er war."
Johannes 11,4-6 – „4 Als Jesus es hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde! 5 Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er nun hörte, daß jener krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Orte, wo er war."
Johannes 11,11-15 – „11 Solches sprach er, und darnach sagte er zu ihnen: Unser Freund Lazarus ist entschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlafe zu erwecken. 12 Da sprachen seine Jünger: Herr, ist er entschlafen, so wird er genesen! 13 Jesus aber hatte von seinem Tode geredet; sie meinten aber, er rede von dem natürlichen Schlaf. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; 15 und ich bin f…"
Als Jesus die Nachricht von der Krankheit des Lazarus erhält, antwortet er mit einer Aussage, die zunächst überraschend klingt: Diese Krankheit sei nicht zum Tod, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde. Damit leugnet Jesus nicht, dass Lazarus tatsächlich sterben würde. Wenig später sagt er seinen Jüngern ausdrücklich, dass Lazarus gestorben ist. Seine erste Aussage richtet den Blick vielmehr auf den Ausgang des Geschehens: Der Tod sollte in diesem Fall nicht das endgültige Ergebnis sein.
Gerade an dieser Stelle verbindet Johannes zwei Aussagen, die auf den ersten Blick nur schwer zusammenpassen. Er betont ausdrücklich, dass Jesus Martha, Maria und Lazarus liebte. Unmittelbar danach berichtet er jedoch, dass Jesus, als er von der Krankheit hörte, noch zwei Tage an dem Ort blieb, an dem er sich befand. Seine Liebe führte also nicht dazu, dass er sofort nach Bethanien aufbrach. Der Evangelist stellt beides bewusst nebeneinander und verhindert damit die Schlussfolgerung, Jesu Verzögerung sei Gleichgültigkeit gegenüber der Not dieser Familie gewesen.
Wie sich die zeitlichen Einzelheiten von Lazarus' Tod während dieser Tage genau verhielten, lässt der Bericht nicht vollständig erkennen. Sicher ist jedoch, dass Jesus nicht von den Ereignissen überrascht wurde. Als er schließlich seinen Jüngern ankündigt, wieder nach Judäa zu gehen, weiß er bereits, was mit Lazarus geschehen ist. Sein Warten bedeutet deshalb weder Unwissenheit noch Machtlosigkeit. Jesus handelt mit einem Ziel, das die Beteiligten zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen können.
Dann sagt er zu seinen Jüngern, Lazarus, ihr Freund, sei eingeschlafen und er gehe hin, um ihn aufzuwecken. Die Jünger verstehen diese Worte zunächst im gewöhnlichen Sinn und meinen, Schlaf könne ein Zeichen der Besserung sein. Johannes erklärt jedoch ausdrücklich, dass Jesus vom Tod des Lazarus gesprochen hatte. Daraufhin sagt Jesus ohne Bildsprache: Lazarus ist gestorben. Der Bericht selbst legt damit fest, wie das Bild des Schlafes an dieser Stelle zu verstehen ist.
Diese Sprache ist für die biblische Darstellung des Todes bedeutsam. Jesus beschreibt den Tod seines Freundes als Schlaf, aus dem Lazarus wieder aufgeweckt werden kann. Der Vergleich nimmt den Tod nicht leicht; für Martha und Maria war der Verlust ihres Bruders wirkliche Trauer. Doch gegenüber der Macht Christi besitzt der Tod nicht das letzte Wort. Was für Menschen endgültig erscheint, steht unter seiner Vollmacht.
Jesus fügt hinzu, dass er um der Jünger willen froh sei, nicht dort gewesen zu sein, damit sie glauben könnten. Diese Freude richtet sich nicht auf Lazarus' Tod oder den Schmerz seiner Familie. Der Zusammenhang zeigt vielmehr, dass die Jünger durch das Kommende etwas Entscheidendes über Jesus lernen sollten. Die Krankheit des Lazarus ist damit nicht nur eine private Familienkrise. In ihr wird eine Offenbarung vorbereitet, die den Glauben der Jünger tiefer auf die Person Christi ausrichten soll.
Auch hier bleibt Lazarus selbst ohne Handlungsmöglichkeit. Er ist gestorben und kann nichts zu seiner Rettung beitragen. Gerade dadurch wird das bevorstehende Geschehen vollständig von der Macht Jesu abhängen. Noch wissen Martha und Maria nicht, warum Jesus nicht früher gekommen ist, und auch die Jünger erfassen die Tragweite seiner Worte nicht. Doch nun setzt Jesus den Weg nach Bethanien fort – dorthin, wo Lazarus bereits im Grab liegt.
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Vier Tage im Grab
Johannes 11,17-27 – „17 Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegend. 18 Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, ungefähr fünfzehn Stadien weit. 19 Und viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 20 Als Martha nun hörte, daß Jesus komme, lief sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Hause. 21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wärest du hier gewesen, …"
Johannes 11,17-27 – „17 Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegend. 18 Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, ungefähr fünfzehn Stadien weit. 19 Und viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 20 Als Martha nun hörte, daß Jesus komme, lief sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Hause. 21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wärest du hier gewesen, …"
Johannes 11,38-39 – „38 Jesus nun, indem er abermals bei sich selbst ergrimmte, kam zum Grabe. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. 39 Jesus spricht: Hebet den Stein weg! Martha, die Schwester des Verstorbenen, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist schon vier Tage hier."
Als Jesus schließlich nach Bethanien kommt, ist Lazarus bereits seit vier Tagen im Grab. Johannes nennt diese Zeitangabe ausdrücklich und macht damit deutlich, dass hier keine kurzfristige Bewusstlosigkeit oder scheinbare Genesung beschrieben wird. Lazarus ist wirklich gestorben und bestattet worden. Viele Juden aus Jerusalem und der Umgebung sind inzwischen zu Martha und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Das Haus, das zuvor durch die Nachricht von seiner Krankheit geprägt war, ist nun ein Trauerhaus geworden.
Martha hört, dass Jesus kommt, und geht ihm entgegen, während Maria zunächst im Haus bleibt. Ihre ersten Worte bringen den Schmerz der vergangenen Tage unmittelbar zur Sprache: Wäre Jesus dort gewesen, wäre ihr Bruder nicht gestorben. Diese Aussage enthält Vertrauen in Jesu heilende Macht, zugleich aber auch die schmerzliche Erkenntnis, dass die erwartete Hilfe nicht rechtzeitig gekommen war. Martha wirft ihren Glauben nicht weg. Sie fügt hinzu, dass sie auch jetzt weiß, dass Gott Jesus geben werde, worum er ihn bittet.
Jesus antwortet ihr mit der Zusage, dass ihr Bruder auferstehen werde. Martha versteht diese Worte zunächst im Rahmen der zukünftigen Auferstehung: Sie weiß, dass Lazarus am letzten Tag auferstehen wird. Ihre Antwort zeigt, dass die Hoffnung auf eine kommende Auferstehung für sie bereits Bestandteil ihres Glaubens war. Sie erwartet nicht, dass der Tod für immer über Lazarus verfügen wird, doch sie denkt an die zukünftige Auferstehung am Ende der Geschichte.
Darauf antwortet Jesus nicht nur mit einer weiteren Lehraussage über ein zukünftiges Ereignis. Er richtet Marthas Blick auf seine eigene Person. Er erklärt, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und wer lebt und an ihn glaubt, steht unter der Verheißung des Lebens. Damit wird die Hoffnung auf Auferstehung unmittelbar mit Christus verbunden. Das zukünftige Leben beruht nicht auf einer selbstständigen Unsterblichkeit des Menschen, sondern auf dem, der Macht hat, den Toten wieder Leben zu geben.
Gerade Lazarus veranschaulicht diese Wahrheit in besonders deutlicher Weise. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt nicht irgendwo außerhalb des Grabes in einem bewussten Weiterleben, von dem der Bericht erzählen würde. Johannes beschreibt ihn als Gestorbenen, der im Grab liegt und dessen Körper bereits den Folgen des Todes ausgesetzt ist. Seine Hoffnung liegt deshalb vollständig außerhalb seiner selbst: Wenn Lazarus wieder leben soll, muss Christus handeln.
Auf Jesu Frage nach ihrem Glauben antwortet Martha mit einem bemerkenswerten Bekenntnis. Sie bekennt ihn als Christus, den Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Die Geschichte ihres Bruders führt damit zunächst nicht unmittelbar zum Grab, sondern zu einer Offenbarung über Jesus. Noch bevor Lazarus auferweckt wird, wird ausgesprochen, wer derjenige ist, der vor seinem Grab stehen wird. Die kommende Tat soll nicht von der Person Christi getrennt betrachtet werden.
Als Jesus später vor das Grab tritt, wird die Wirklichkeit des Todes noch einmal unterstrichen. Lazarus liegt in einer Höhle, vor deren Eingang ein Stein liegt. Als Jesus befiehlt, den Stein wegzunehmen, weist Martha darauf hin, dass ihr Bruder bereits vier Tage dort liegt und Verwesung zu erwarten ist. Ihre Bemerkung macht den Ernst der Situation deutlich: Menschlich gesehen gibt es keine Möglichkeit mehr, Lazarus zurückzuholen.
Damit hat der Bericht den äußersten Punkt menschlicher Hilflosigkeit erreicht. Lazarus kann weder hören, entscheiden noch aus eigener Kraft zu Jesus kommen. Die Familie kann ihn nicht retten, und die Trauernden können nur Anteil am Verlust nehmen. Alles, was nun geschehen kann, hängt von Christus ab. Gerade vor diesem verschlossenen Grab wird sich zeigen, was Jesu Aussage bedeutet, dass er selbst die Auferstehung und das Leben ist.
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Jesus begegnet der Trauer um Lazarus
Johannes 11,28-37 – „28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich! 29 Als diese es hörte, stand sie eilends auf und begab sich zu ihm. 30 Jesus war aber noch nicht in den Flecken gekommen, sondern befand sich noch an dem Orte, wo Martha ihm begegnet war. 31 Als nun die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, daß M…"
Johannes 11,28-37 – „28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich! 29 Als diese es hörte, stand sie eilends auf und begab sich zu ihm. 30 Jesus war aber noch nicht in den Flecken gekommen, sondern befand sich noch an dem Orte, wo Martha ihm begegnet war. 31 Als nun die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, daß M…"
Johannes 11,33-35 – „33 Als nun Jesus sah, wie sie weinte, und wie die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten, ergrimmte er im Geiste und wurde bewegt 34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprechen zu ihm: Herr, komm und sieh! 35 Jesus weinte."
Nach ihrem Gespräch mit Jesus kehrt Martha zu Maria zurück und teilt ihr mit, dass der Meister da sei und sie rufe. Maria steht daraufhin schnell auf und geht zu ihm. Die Menschen, die bei ihr im Haus geblieben waren, folgen ihr, weil sie annehmen, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. So führt der Weg der Trauernden schließlich zu Jesus selbst.
Als Maria ihn erreicht, fällt sie ihm zu Füßen. Ihre ersten Worte entsprechen denen ihrer Schwester: Wäre Jesus dort gewesen, wäre Lazarus nicht gestorben. Johannes berichtet nicht von einem anschließenden Bekenntnis Marias wie bei Martha. Stattdessen beschreibt er ihre Tränen und die Trauer der Menschen, die mit ihr gekommen sind. Der Tod des Lazarus steht nun nicht nur als Tatsache vor Jesus, sondern in seinen sichtbaren Folgen: Schmerz, Verlust und gemeinsames Weinen.
Jesu Reaktion darauf gehört zu den eindrücklichsten Momenten des Berichts. Als er Maria und die anderen weinen sieht, wird er innerlich tief bewegt. Er fragt, wo Lazarus hingelegt worden ist, und lässt sich zu dessen Grab führen. Johannes beschreibt Jesus hier nicht als distanzierten Wundertäter, der menschliches Leid lediglich aus sicherer Entfernung betrachtet. Obwohl er weiß, was er tun wird, begegnet er der Trauer dieser Menschen mitten in ihrer Wirklichkeit.
Dann folgen die kurzen Worte: Jesus weinte. Dass Christus Lazarus wenig später auferwecken wird, macht seine Tränen nicht überflüssig. Er begegnet dem Tod nicht so, als wäre dessen Schmerz bedeutungslos. Der kommende Sieg über das Grab hebt die Trauer über den Verlust nicht rückwirkend auf. Gerade darin wird sichtbar, dass seine Macht über den Tod und sein Mitgefühl mit leidenden Menschen nicht gegeneinanderstehen.
Einige der anwesenden Juden deuten seine Tränen als Ausdruck seiner Liebe zu Lazarus. Andere stellen dagegen die Frage, ob derjenige, der einem Blinden die Augen geöffnet hatte, nicht auch hätte verhindern können, dass Lazarus starb. Damit wird dieselbe Spannung ausgesprochen, die bereits durch Jesu verzögertes Kommen entstanden war. Wenn Jesus solche Macht besitzt und Lazarus liebt, warum hat er den Tod seines Freundes nicht verhindert?
Der Bericht beantwortet diese Frage nicht mit einer allgemeinen Erklärung darüber, warum jedes Leiden geschieht. Er führt vielmehr weiter zu diesem konkreten Grab. Jesus hatte bereits angekündigt, dass das Geschehen der Herrlichkeit Gottes dienen und den Glauben seiner Jünger vertiefen werde. Nun steht er selbst vor den sichtbaren Folgen dessen, was er zugelassen hat. Seine Tränen zeigen dabei, dass göttliche Absicht nicht mit Gefühllosigkeit verwechselt werden darf.
Für die Geschichte des Lazarus ist dieser Augenblick von besonderer Bedeutung. Lazarus selbst kann nicht mehr zu Jesus kommen; Jesus geht zu ihm. Zwischen Christus und seinem verstorbenen Freund liegt nun ein verschlossenes Grab. Doch genau dort, wo menschlich gesehen nur noch Trauer bleibt, wird sich Jesu zuvor ausgesprochenes Wort bewähren müssen. Die Frage ist nicht mehr, ob Lazarus hätte gerettet werden können, sondern ob selbst der Tod der Stimme Christi weichen muss.
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Lazarus hört die Stimme Jesu und kommt heraus
Johannes 11,40-44 – „40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, werdest du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. 42 Doch ich weiß, daß du mich allezeit erhörst; aber um des umstehenden Volkes willen habe ich es gesagt, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast. 43 Und als er so…"
Johannes 11,40-44 – „40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, werdest du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. 42 Doch ich weiß, daß du mich allezeit erhörst; aber um des umstehenden Volkes willen habe ich es gesagt, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast. 43 Und als er so…"
Johannes 11,45 – „45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus getan hatte, glaubten an ihn."
Vor dem Grab fordert Jesus Martha auf, der zuvor gegebenen Zusage zu vertrauen: Wenn sie glaubt, wird sie die Herrlichkeit Gottes sehen. Dann wird der Stein weggenommen. Damit geschieht zunächst etwas, das Menschen tun können. Niemand der Anwesenden aber kann das eigentliche Problem lösen. Hinter dem geöffneten Grab liegt Lazarus, seit vier Tagen tot. Alles Weitere muss von Jesus ausgehen.
Bevor Jesus Lazarus ruft, richtet er seinen Blick zum Vater und dankt ihm dafür, dass er ihn erhört hat. Er erklärt ausdrücklich, dass er dies wegen der umstehenden Menschen sagt, damit sie glauben, dass der Vater ihn gesandt hat. Das Wunder wird damit von Jesus selbst gedeutet. Die Auferweckung des Lazarus soll nicht lediglich Staunen über außergewöhnliche Macht hervorrufen, sondern den Glauben daran stärken, dass Jesus von Gott gesandt ist und in seinem Handeln die Herrlichkeit Gottes offenbart.
Dann ruft Jesus mit lauter Stimme: Lazarus soll herauskommen. Johannes beschreibt keine Zeremonie, keine medizinische Behandlung und keinen längeren Vorgang. Das entscheidende Mittel ist das Wort Christi. Derjenige, der nicht mehr auf menschliche Stimmen reagieren kann, erhält durch den Ruf Jesu wieder Leben. Gerade die Schlichtheit des Berichts unterstreicht, wo die Macht liegt: nicht bei Lazarus, nicht bei den Trauernden und nicht bei irgendeinem menschlichen Verfahren, sondern bei Christus.
Johannes berichtet unmittelbar danach, dass der Verstorbene herauskommt. Er bezeichnet Lazarus dabei ausdrücklich als den, der gestorben gewesen war. Seine Hände und Füße sind noch mit Grabtüchern gebunden, und sein Gesicht ist mit einem Tuch verhüllt. Der Mann, dessen Tod und Bestattung zuvor unmissverständlich festgestellt worden waren, steht nun lebendig vor den Menschen, die um ihn getrauert hatten.
Jesus befiehlt den Umstehenden, Lazarus von den Tüchern zu lösen und ihn gehen zu lassen. Auch hierin bleibt die Grenze zwischen göttlichem und menschlichem Handeln deutlich. Die Menschen können den Stein entfernen und die Grabtücher lösen; sie können Lazarus jedoch kein Leben geben. Das hat allein Christus getan. Lazarus empfängt sein Leben vollständig als Gabe.
Der Bericht erzählt bemerkenswerterweise nichts davon, was Lazarus während seines Todes erlebt hätte. Es werden keine Worte von ihm über einen bewussten Aufenthalt an einem anderen Ort überliefert, und Johannes macht daraus auch keinen Schwerpunkt. Der Text führt in die entgegengesetzte Richtung: Lazarus war gestorben, Jesus hatte seinen Tod mit Schlaf verglichen, und nun wurde er durch dessen Ruf wieder zum Leben gebracht. Mehr über seinen Zustand während des Todes zu behaupten, würde über das hinausgehen, was der Bericht sagt.
Die Auferweckung ist zugleich mehr als die Rückkehr eines geliebten Menschen zu seinen Schwestern. Lazarus erhält sein gegenwärtiges irdisches Leben zurück; er wird hier nicht bereits in den endgültigen, unvergänglichen Zustand der Auferstehung bei der Vollendung versetzt. Dennoch macht sein Hervorkommen aus dem Grab in sichtbarer Weise deutlich, dass der Tod Christus nicht begrenzen kann. Jesu Anspruch, die Auferstehung und das Leben zu sein, bleibt nicht nur eine Aussage im Gespräch mit Martha, sondern wird vor vielen Zeugen durch sein Handeln bestätigt.
Die Wirkung ist unmittelbar. Johannes berichtet, dass viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, an ihn glaubten. Damit erreicht das Ereignis eines seiner ausdrücklich genannten Ziele: Menschen erkennen in der Auferweckung des Lazarus ein Zeichen, das auf Jesus selbst weist. Doch dasselbe Wunder wird zugleich eine Gegenbewegung auslösen. Während einige zum Glauben kommen, tragen andere die Nachricht zu den führenden Gegnern Jesu – und Lazarus gerät dadurch in ein Geschehen, dessen Folgen weit über sein eigenes Haus hinausreichen.
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Lazarus wird zum lebendigen Zeugnis für Jesus
Johannes 11,46-53 – „46 Etliche von ihnen aber gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. 47 Da versammelten die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was wollen wir machen? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen! 48 Lassen wir ihn so fortfahren, so werden alle an ihn glauben; und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute weg. 49 Einer aber von ihnen, Kajaphas, der in …"
Johannes 11,46-53 – „46 Etliche von ihnen aber gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. 47 Da versammelten die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was wollen wir machen? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen! 48 Lassen wir ihn so fortfahren, so werden alle an ihn glauben; und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute weg. 49 Einer aber von ihnen, Kajaphas, der in …"
Johannes 12,1-2 – „1 Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus von den Toten auferweckt hatte. 2 Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl, und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen."
Johannes 12,9-11 – „9 Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, daß er dort sei; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. 10 Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten, 11 denn seinetwegen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus."
Die Auferweckung des Lazarus bleibt nicht auf Bethanien beschränkt. Einige der Menschen, die das Geschehen erlebt hatten, gehen zu den Pharisäern und berichten, was Jesus getan hat. Daraufhin versammeln die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat. Ihre Sorge richtet sich nicht darauf, ob das Zeichen tatsächlich geschehen ist, sondern auf seine Wirkung: Wenn Jesus weiterhin solche Zeichen tut, werden viele Menschen an ihn glauben. Lazarus wird damit, ohne selbst öffentlich zu predigen, zu einem unmittelbaren Anlass dafür, dass die führenden Gegner Jesu ihre Haltung weiter verhärten.
In dieser Beratung tritt Kajaphas, der damalige Hohepriester, besonders hervor. Er erklärt, es sei besser, dass ein Mensch für das Volk sterbe, als dass das ganze Volk zugrunde gehe. Johannes fügt dazu eine heilsgeschichtliche Einordnung hinzu: Kajaphas sprach damit mehr aus, als er selbst beabsichtigte. Seine Worte wiesen auf den Tod Jesu hin, durch den Christus nicht nur für das Volk sterben, sondern auch die zerstreuten Kinder Gottes zusammenbringen sollte.
Für Lazarus hat diese Entwicklung zunächst eine indirekte Bedeutung. Das Wunder, durch das er wieder lebendig geworden ist, verschärft den Konflikt um Jesus. Von diesem Tag an fassen die führenden Gegner nach dem Bericht des Johannes den festen Entschluss, Jesus zu töten. Damit steht Lazarus' Auferweckung an einem entscheidenden Punkt auf dem Weg zum Kreuz: Das Zeichen offenbart Jesu Macht über den Tod, wird aber zugleich zu einem Anlass dafür, dass seine Gegner seine Beseitigung entschlossener verfolgen.
Kurze Zeit später begegnet Lazarus erneut im biblischen Bericht. Sechs Tage vor dem Passah kommt Jesus nach Bethanien, an den Ort, an dem Lazarus lebt. Dort wird ihm ein Mahl bereitet. Martha dient, und Lazarus gehört zu denen, die mit Jesus zu Tisch sitzen. Der Mann, der zuvor im Grab gelegen hatte, erscheint nun nicht als außergewöhnliche Gestalt mit einer besonderen Botschaft über den Tod, sondern ganz schlicht lebend in Gemeinschaft mit Jesus.
Gerade diese Schlichtheit besitzt Gewicht. Lazarus muss seine Auferweckung nicht mit Worten beweisen; seine Anwesenheit genügt. Menschen können ihn sehen, und seine Existenz bestätigt sichtbar, was Jesus getan hat. Die Wirkung davon wird unmittelbar beschrieben: Eine große Menge erfährt, dass Jesus dort ist, und kommt nicht allein seinetwegen, sondern auch, um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
Damit wird Lazarus selbst zu einem lebendigen Zeugnis für die Macht Christi. Johannes sagt nicht, dass Lazarus predigte oder öffentlich von seinem Erlebnis berichtete. Die Bibel legt den Schwerpunkt auf etwas anderes: Menschen sehen den Mann, der gestorben war und nun lebt, und viele wenden sich deshalb Jesus zu. Seine Bedeutung besteht nicht darin, Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen, sondern darin, dass sein neues Leben auf denjenigen verweist, der ihm dieses Leben gegeben hat.
Genau deshalb gerät nun auch Lazarus selbst ins Visier der Hohenpriester. Sie beschließen, auch ihn zu töten, weil seinetwegen viele Juden zu Jesus gehen und an ihn glauben. Die Feindschaft richtet sich damit nicht nur gegen Christus, sondern auch gegen das sichtbare Zeugnis seines Handelns. Der Versuch, Jesus zum Schweigen zu bringen, soll auf den Mann ausgeweitet werden, dessen Leben die Macht Jesu öffentlich bestätigt.
Über eine tatsächliche Durchführung dieses Plans berichtet die Bibel jedoch nichts. Ebenso erfahren wir nicht, wie Lazarus auf die Todesdrohung reagierte oder ob er später verfolgt wurde. Sein weiterer Lebensweg bleibt im biblischen Bericht verborgen. Seine letzte sichere Erwähnung zeigt ihn deshalb in einer bemerkenswerten Stellung: Er lebt durch das Handeln Jesu, andere Menschen kommen wegen ihm zum Glauben an Christus, und gerade deshalb wollen die Gegner Jesu auch ihn beseitigen.
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Zusammenfassung und Gebet
Lazarus von Bethanien gehört zu den biblischen Personen, deren Bedeutung nicht durch viele eigene Worte oder Taten entsteht. Die Bibel überliefert weder seinen Beruf noch sein Alter, seine früheren Lebensjahre oder eigene Aussagen. Sie zeigt ihn vielmehr als Bruder von Martha und Maria, als einen Menschen, den Jesus liebte, und schließlich als denjenigen, an dessen Grab Christus seine Macht über den Tod sichtbar offenbarte.
Seine Geschichte beginnt in einem vertrauten Haus in Bethanien, wird jedoch durch Krankheit und Tod erschüttert. Jesus verhindert den Tod des Lazarus nicht, obwohl er von seiner Krankheit weiß und ihn liebt. Gerade diese zunächst schwer verständliche Verzögerung wird zum Ausgangspunkt einer Offenbarung, die weit über die persönliche Not der Familie hinausreicht. Jesus zeigt, dass seine Liebe nicht daran gemessen werden kann, ob er jedes Leiden sofort verhindert, und dass selbst dort, wo Menschen keinen Ausweg mehr sehen, seine Macht nicht endet.
Lazarus war tatsächlich gestorben und bereits vier Tage im Grab, als Jesus kam. Gegenüber Martha richtet Christus die Hoffnung auf die zukünftige Auferstehung zugleich auf seine eigene Person: Er ist die Auferstehung und das Leben. Am Grab bestätigt sich dieses Wort sichtbar. Lazarus trägt nichts zu seiner Rückkehr bei. Er wird nicht durch eigene Kraft, menschliche Hilfe oder eine in ihm liegende Unsterblichkeit wieder lebendig, sondern allein durch den Ruf Christi.
Seine Auferweckung war dabei noch nicht die endgültige Auferstehung zur Unvergänglichkeit. Lazarus kehrte in sein irdisches Leben zurück. Doch gerade dieses Zeichen weist voraus auf die umfassendere Hoffnung, dass Christus auch den endgültigen Sieg über den Tod besitzt. Der Tod erscheint in Jesu Worten als Schlaf, aus dem seine Stimme aufwecken kann. Deshalb gründet die christliche Hoffnung angesichts des Grabes nicht auf dem Menschen selbst, sondern auf Christus.
Nach seiner Auferweckung wird Lazarus zu einem sichtbaren Zeugnis für das Handeln Jesu. Viele kommen, um ihn zu sehen, und glauben seinetwegen an Christus. Gleichzeitig wird dieses Zeugnis so unbequem für die Gegner Jesu, dass auch Lazarus getötet werden soll. Damit zeigt sein letzter biblischer Lebensabschnitt, wie eng sein neues Leben mit dem Zeugnis für Jesus verbunden ist.
Über sein weiteres Leben und seinen Tod berichtet die Bibel nichts. Deshalb endet seine eigentliche Biografie dort, wo auch die Schrift schweigt. Was bleibt, ist die außergewöhnliche Klarheit seiner Geschichte: Jesus liebt, Jesus begegnet Trauer, Jesus besitzt Macht über den Tod, und Jesus allein gibt Leben. Lazarus steht damit nicht im Mittelpunkt seiner eigenen Geschichte. Gerade sein Leben weist über ihn hinaus auf Christus, dessen Stimme selbst das Grab nicht aufhalten kann.
Herr Jesus Christus,
danke, dass du die Auferstehung und das Leben bist. Danke, dass deine Macht dort nicht endet, wo unsere Möglichkeiten aufhören, und dass selbst der Tod nicht stärker ist als dein Wort.Hilf mir, dir auch dann zu vertrauen, wenn ich dein Handeln nicht verstehe und deine Hilfe anders oder später kommt, als ich es erwarte. Bewahre mich davor, deine Liebe nur an meinen gegenwärtigen Umständen zu messen. Lass mich darauf vertrauen, dass du siehst, weißt und handelst, auch wenn dein Weg für mich noch verborgen ist.
Schenke mir die Hoffnung, die auf dir allein gegründet ist. Richte meinen Blick auf den Tag, an dem deine Stimme die Toten rufen und du dein Volk zum ewigen Leben auferwecken wirst. Und lass auch mein Leben ein stilles Zeugnis dafür sein, dass alle Rettung, alle Hoffnung und alles Leben von dir kommen.
Amen.
„Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden.“ — Johannes 5,28