Judas Iskariot

Judas Iskariot – Der Verräter, den Jesus liebte Er war einer der Zwölf. Jesus hatte ihn persönlich berufen, hatte mit ihm gegessen, gebetet und gewandert. Judas hatte dieselben Predigten gehört, dieselben Wunder gesehen, dieselbe Liebe erfahren wie alle anderen Jünger. Und doch verriet er ihn – für dreißig Silberlinge, den Preis eines Sk…

Judas Iskariot – Der Verräter, den Jesus liebte

Er war einer der Zwölf. Jesus hatte ihn persönlich berufen, hatte mit ihm gegessen, gebetet und gewandert. Judas hatte dieselben Predigten gehört, dieselben Wunder gesehen, dieselbe Liebe erfahren wie alle anderen Jünger. Und doch verriet er ihn – für dreißig Silberlinge, den Preis eines Sklaven.

Was ging schief? Die Bibel gibt Hinweise: Judas war der Kassenverwalter der Gruppe – und er stahl aus der Kasse (Johannes 12,6). Als Maria von Bethanien die kostbare Narde über Jesu Füße goss, protestierte Judas: „Warum ist diese Salbe nicht für dreihundert Silbergroschen verkauft und den Armen gegeben worden?“ – nicht weil ihm die Armen am Herzen lagen, sondern weil er die Kasse verwaltete.

Judas wollte einen politischen Messias – einen König, der Rom stürzen und Israel zur Weltmacht machen würde. Als immer deutlicher wurde, dass Jesus ein anderes Reich meinte, begann die Enttäuschung zu wachsen. Vielleicht dachte Judas sogar, der Verrat würde Jesus zwingen, endlich seine Macht zu zeigen.

Der Kuss

Im Garten Gethsemane kam Judas mit Fackeln und Schwertern. Sein Zeichen: ein Kuss. „Wen ich küssen werde, der ist es“ (Matthäus 26,48). Und Jesus – der alles wusste, der Judas beim letzten Abendmahl noch den Bissen gereicht hatte – sprach: „Mein Freund, dazu bist du gekommen?“ (Matthäus 26,50). Er nannte ihn noch immer „Freund“.

Als Judas sah, dass Jesus verurteilt wurde, packte ihn die Reue. Er warf die dreißig Silberlinge in den Tempel und schrie: „Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verraten habe!“ Dann ging er hin und erhängte sich.

„Judas hätte noch Vergebung finden können. Selbst nach dem Verrat hätte er zu Jesus zurückkehren können. Aber er verwechselte Reue mit Buße. Er bereute die Folgen seiner Tat, aber er kehrte nicht um zu dem Einen, der ihm hätte vergeben können“.

Die Geschichte des Judas ist die erschreckendste Warnung der Bibel: Man kann Jesus nahe sein – und ihn doch nie wirklich kennen. Man kann religiös leben – und doch innerlich verloren sein.

„Wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre“ (Matthäus 26,24).