Josef (Zimmermann)
Josef (Zimmermann) in der Bibel
Josef war ein Nachkomme Davids, der Mann Marias und der irdische Vater, unter dessen rechtlicher und familiärer Fürsorge Jesus aufwuchs. Die Evangelien zeigen ihn als einen gerechten Mann, der Gottes Weisungen vertraute und danach handelte. Obwohl Josef selbst nur wenige Spuren im biblischen Bericht hinterlässt, erhielt er eine besondere Aufgabe innerhalb der Geschichte der Menschwerdung Christi.
Einführung
Josef gehört zu den Menschen der Bibel, über die vergleichsweise wenig berichtet wird und deren Bedeutung dennoch eng mit einem der zentralsten Ereignisse der Heilsgeschichte verbunden ist. Kein einziges gesprochenes Wort von ihm wird in den Evangelien überliefert. Was wir über ihn erfahren, zeigt sich vor allem in seiner Herkunft, seinen Entscheidungen und seinem Handeln. Gerade deshalb muss seine Lebensgeschichte sorgfältig aus dem aufgebaut werden, was die Schrift tatsächlich sagt, ohne spätere Überlieferungen oder Vermutungen in die offenen Stellen einzusetzen.
Die Evangelien führen Josef in einer Zeit ein, in der sich Gottes jahrhundertelange Verheißung des kommenden Messias ihrer Erfüllung nähert. Matthäus ordnet ihn ausdrücklich in die Nachkommenschaft Davids ein, während Lukas ihn mit Nazareth in Galiläa verbindet. Diese Angaben sind nicht bloß biografische Randinformationen. Josef steht damit an einer Stelle, an der persönliche Lebensgeschichte und die lange Linie göttlicher Verheißungen miteinander zusammentreffen.
Als Josef erstmals als handelnde Person erscheint, ist er mit Maria verlobt. Noch bevor ihr gemeinsames eheliches Leben begonnen hat, wird er mit einer Situation konfrontiert, die er zunächst nur aus menschlicher Sicht beurteilen kann. Die Bibel führt damit nicht über seine Kindheit oder Jugend in seine Geschichte hinein, denn darüber schweigt sie, sondern unmittelbar in eine entscheidende Lebensphase.
Hier beginnt Josefs biblisch greifbarer Weg: bei einem Mann aus dem Haus Davids, der in Nazareth lebt, mit Maria verbunden ist und plötzlich vor einer Entscheidung steht, deren ganze Bedeutung er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen kann.
Josef aus dem Haus Davids
Matthäus 1,16 – „16 Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher geboren ist Jesus, der genannt wird Christus."
Matthäus 1,16 – „16 Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher geboren ist Jesus, der genannt wird Christus."
Lukas 1,26-27 – „26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne namens Joseph, vom Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria."
Lukas 2,4 – „4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,"
Die Bibel beginnt Josefs Geschichte nicht mit seiner Geburt oder Kindheit. Über seine frühen Jahre, seine Eltern im alltäglichen Sinn, seine Erziehung und den Weg, der ihn nach Nazareth führte, berichtet sie nichts. Als Josef erstmals in den Evangelien erscheint, lebt er in Nazareth in Galiläa und ist mit Maria verlobt. Zugleich wird etwas über seine Herkunft hervorgehoben, das für die weitere Geschichte von großer Bedeutung ist: Josef gehört zum Haus Davids.
Matthäus führt diese Abstammung bereits vor Josefs erstem Handeln ausführlich ein. Sein Stammbaum verläuft von Abraham über David und die Könige Judas bis zu „Jakob, der Josef zeugte, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird“ (Matthäus 1,16). Die Formulierung verändert sich an dieser entscheidenden Stelle. Während zuvor wiederholt davon gesprochen wird, dass ein Mann einen Sohn zeugte, wird Jesus nicht als von Josef gezeugt bezeichnet. Josef erscheint als Mann Marias, während die Geburt Jesu ausdrücklich auf Maria bezogen wird. Schon die genealogische Einordnung wahrt damit den Unterschied zwischen Josefs Stellung in der davidischen Linie und der außergewöhnlichen Herkunft Jesu.
Auch Lukas verbindet Josef ausdrücklich mit David. Als der Engel Gabriel zu Maria nach Nazareth gesandt wird, beschreibt Lukas sie als eine Jungfrau, die „mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids verlobt“ war (Lukas 1,26-27). Später erklärt er, dass Josef wegen einer von Kaiser Augustus angeordneten Einschreibung von Nazareth nach Bethlehem reist, „weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war“ (Lukas 2,4). Dass beide Evangelien diesen Zusammenhang hervorheben, ist für das Verständnis Josefs wesentlich: Seine Zugehörigkeit zu Davids Haus bildet den geschichtlichen Rahmen, in den Jesus als der verheißene Messias hineingeboren wird.
Matthäus und Lukas enthalten jedoch unterschiedliche genealogische Linien. Matthäus nennt Jakob als Vater Josefs, während Lukas in seiner Ahnenreihe Josef mit Heli verbindet (Matthäus 1,16; Lukas 3,23). Der Bibeltext selbst erklärt nicht ausdrücklich, wie diese unterschiedlichen Angaben genealogisch miteinander verbunden sind. Verschiedene Lösungen sind vorgeschlagen worden, doch keine sollte dort als sichere Tatsache ausgegeben werden, wo die Schrift selbst die Verbindung nicht erläutert. Sicher ist dagegen, dass beide Evangelien Josef innerhalb der davidischen Abstammung einordnen und damit denselben heilsgeschichtlich entscheidenden Punkt festhalten.
Diese davidische Herkunft erhält ihre Bedeutung aus den Verheißungen Gottes. David war zugesagt worden, dass sein Königtum eine besondere Zukunft im Erlösungsplan besitzen würde. Die Propheten richteten den Blick später auf einen kommenden Herrscher aus Davids Linie. Josef selbst ist nicht dieser verheißene König, und seine Abstammung macht ihn nicht zum Mittelpunkt der Geschichte. Doch gerade über seine Stellung im Haus Davids wird Jesus in einen rechtlich und geschichtlich bedeutsamen Zusammenhang gestellt, den die Evangelien bewusst hervorheben.
Dabei bleibt ebenso wichtig, was die Evangelien nicht sagen. Die davidische Abstammung Josefs bedeutet nicht, dass Josef der leibliche Vater Jesu gewesen wäre. Matthäus bereitet vielmehr von Anfang an darauf vor, dass Jesu Geburt nicht aus einer gewöhnlichen menschlichen Zeugung hervorgeht. Josefs Bedeutung liegt daher nicht darin, Christus biologisch das Leben gegeben zu haben, sondern in der Stellung, die ihm innerhalb der Familie und der davidischen Linie zukommt. Wie diese Stellung konkret Gestalt annimmt, wird erst durch die Ereignisse um Marias Schwangerschaft sichtbar.
Noch bevor Josef versteht, welche Aufgabe ihm bevorsteht, steht sein Leben damit bereits an einem bemerkenswerten heilsgeschichtlichen Punkt. Er lebt fern vom Glanz des früheren davidischen Königtums in Nazareth, doch er gehört zu jenem Haus, mit dem Gott seine messianischen Verheißungen verbunden hat. Die Evangelien führen ihn nicht als mächtigen Herrscher oder öffentlich auftretenden Führer ein, sondern als Mann, dessen Herkunft plötzlich für Gottes weit größeren Plan bedeutsam wird. Bald wird Josef erfahren, dass die Frau, mit der er sein Leben verbinden will, ein Kind erwartet – und diese Nachricht wird ihn vor eine schwerwiegende Entscheidung stellen.
Josef erfährt von Marias Schwangerschaft
Matthäus 1,18-19 – „18 Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammenkamen, erfand sich's, daß sie empfangen hatte vom heiligen Geist. 19 Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht an den Pranger stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen."
Matthäus 1,18-19 – „18 Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammenkamen, erfand sich's, daß sie empfangen hatte vom heiligen Geist. 19 Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht an den Pranger stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen."
Lukas 1,34-35 – „34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich keinen Mann kenne? 35 Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das erzeugt wird, Sohn Gottes genannt werden."
Als Josef mit Maria verlobt ist, tritt die erste große Prüfung seines biblisch überlieferten Lebens ein. Matthäus berichtet, dass Maria noch vor ihrem ehelichen Zusammenleben schwanger gefunden wurde. Zugleich erklärt der Evangelist dem Leser sofort, was Josef zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann: Das Kind ist „vom Heiligen Geist“ (Matthäus 1,18). Damit entsteht eine bewusste Spannung zwischen Gottes tatsächlichem Handeln und dem begrenzten Wissen Josefs.
Maria hatte zuvor durch den Engel Gabriel erfahren, dass sie durch das Wirken des Heiligen Geistes einen Sohn empfangen würde. Auf ihre Frage, wie dies geschehen könne, da sie keinen Mann erkenne, hatte der Engel erklärt, dass der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten werde (Lukas 1,34-35). Für Maria war damit die göttliche Herkunft des Kindes offenbart. Matthäus berichtet jedoch nicht, dass Josef diese Offenbarung zu diesem Zeitpunkt bereits erhalten oder ihre Bedeutung verstanden hätte.
Der Bibeltext beschreibt Josef in dieser Situation als „gerecht“ (Matthäus 1,19). Diese Bezeichnung wird unmittelbar mit seiner Reaktion verbunden. Er will Maria nicht öffentlich bloßstellen und beschließt deshalb, sich heimlich von ihr zu trennen. Seine Gerechtigkeit zeigt sich hier nicht in Härte oder öffentlicher Vergeltung, sondern in einem Handeln, das die aus seiner Sicht notwendige Konsequenz mit Rücksicht auf Maria verbindet. Zugleich handelt Josef noch auf Grundlage dessen, was ihm menschlich erkennbar ist.
Dass Matthäus von einer beabsichtigten Trennung spricht, obwohl Josef und Maria noch nicht zusammengelebt hatten, macht deutlich, wie verbindlich ihre Verbindung bereits war. Der Text bezeichnet Josef wenig später sogar als ihren Mann und Maria als seine Frau, obwohl die eheliche Gemeinschaft noch nicht vollzogen war. Für Josefs Entscheidung bedeutet dies, dass er nicht einfach eine unverbindliche Bekanntschaft beenden wollte. Er stand vor der Auflösung einer bereits rechtlich ernst genommenen Verbindung.
Über Josefs Gedanken sagt die Bibel nur wenig. Sie berichtet nicht, wie er von der Schwangerschaft erfuhr, was Maria ihm möglicherweise erklärte oder welche Gespräche zwischen beiden stattfanden. Ebenso wenig wird beschrieben, wie lange Josef über seine Entscheidung nachdachte oder welche Gefühle ihn dabei bewegten. Sicher ist nur, dass er die Schwangerschaft wahrnahm, ihre göttliche Ursache noch nicht erkannte und zu dem Entschluss kam, Maria ohne öffentliche Bloßstellung zu verlassen.
Gerade diese Zurückhaltung des Textes bewahrt davor, Josef entweder zum misstrauischen Ankläger oder bereits zu einem vollständig informierten Glaubenshelden zu machen. Er weiß noch nicht, was Gott tut. Seine geplante Handlung beruht deshalb auf einem unvollständigen Verständnis der Situation. Dennoch lässt seine Entscheidung erkennen, dass er selbst in einer für ihn schwerwiegenden Lage nicht darauf aus ist, Maria möglichst großen Schaden zuzufügen.
Hier erreicht Josef einen Punkt, an dem menschliches Urteilen allein nicht ausreicht. Seine Entscheidung erscheint aus seiner begrenzten Sicht nachvollziehbar, würde ihn aber von der Aufgabe entfernen, die Gott ihm zugedacht hat. Deshalb greift Gott ein, bevor Josef seinen Plan ausführt. Noch während er über die Sache nachdenkt, erhält er eine Offenbarung, die seine Sicht auf Maria, das ungeborene Kind und seine eigene Verantwortung grundlegend verändern wird.
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Gott offenbart Josef die Herkunft des Kindes
Matthäus 1,20-23 – „20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt ist, das ist vom heiligen Geist. 21 Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22 Dieses alles aber ist gescheh…"
Matthäus 1,20-23 – „20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt ist, das ist vom heiligen Geist. 21 Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22 Dieses alles aber ist gescheh…"
Jesaja 7,14 – „14 Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen und wird Mutter eines Sohnes, den sie Immanuel nennen wird."
Während Josef über die Trennung von Maria nachdenkt, greift Gott unmittelbar in seine Entscheidung ein. Ein Engel des Herrn erscheint ihm im Traum und spricht ihn mit einer bemerkenswerten Anrede an: „Josef, Sohn Davids“ (Matthäus 1,20). Damit wird gerade in diesem entscheidenden Augenblick noch einmal jene Abstammung hervorgehoben, die bereits am Beginn des Evangeliums genannt wurde. Josef wird nicht nur persönlich angesprochen; seine Zugehörigkeit zum Haus Davids steht nun in direkter Verbindung mit dem, was Gott durch das Kind Marias tut.
Die erste Weisung des Engels betrifft Josefs geplante Trennung. Er soll sich nicht fürchten, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen. Zugleich erhält er die Erklärung, die ihm bisher gefehlt hat: „Was in ihr gezeugt ist, das ist vom Heiligen Geist“ (Matthäus 1,20). Damit korrigiert Gott nicht Josefs moralischen Maßstab, sondern sein unvollständiges Wissen über die tatsächliche Situation. Was für Josef wie ein Grund zur Auflösung der Verbindung erscheinen musste, erweist sich als Teil eines einzigartigen göttlichen Handelns.
Der Engel offenbart anschließend mehr als nur die Herkunft des Kindes. Maria wird einen Sohn gebären, und Josef erhält selbst den Auftrag, ihm den Namen Jesus zu geben. Der Name wird unmittelbar mit seinem Auftrag verbunden: „Denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“ (Matthäus 1,21). Damit tritt Josef in eine Aufgabe ein, die weit über die Lösung seiner persönlichen Situation hinausreicht. Das Kind, das er in seine Familie aufnehmen soll, kommt mit einer ausdrücklich genannten heilsgeschichtlichen Sendung.
Gerade der Auftrag zur Namensgebung ist für Josefs Rolle bedeutsam. Er ist nicht der leibliche Vater Jesu, doch Gott weist ihm eine wirkliche Verantwortung gegenüber dem Kind zu. Josef soll Jesus nicht lediglich dulden oder Maria trotz ihrer Schwangerschaft bei sich behalten. Er wird in die familiäre Ordnung hineingenommen, in der Jesus aufwachsen wird. Seine Stellung gegenüber Jesus ist deshalb weder biologische Vaterschaft noch bloße äußere Begleitung, sondern eine von Gott bestätigte väterliche Verantwortung innerhalb dieser Familie.
Matthäus ordnet das Geschehen zugleich in die prophetische Verheißung der Schrift ein. Er erklärt, dass damit erfüllt wurde, was der Herr durch den Propheten gesprochen hatte: Eine Jungfrau werde schwanger werden und einen Sohn gebären, dem der Name Immanuel gegeben werde, was Matthäus mit „Gott mit uns“ erklärt (Matthäus 1,22-23; Jesaja 7,14). Der Evangelist stellt diese Verbindung ausdrücklich her. Die außergewöhnliche Schwangerschaft Marias erscheint damit nicht als isoliertes Wunder, sondern innerhalb der größeren Geschichte von Gottes Verheißung und ihrer Erfüllung.
Für Josef verändert diese Offenbarung die gesamte Lage. Maria ist nicht untreu geworden, und das Kind ist nicht das Ergebnis einer gewöhnlichen menschlichen Zeugung. Gott selbst handelt auf eine Weise, die Josef aus eigener Beobachtung niemals hätte erkennen können. Damit wird zugleich sichtbar, warum sein vorheriger Entschluss nicht einfach als mangelnder Glaube beurteilt werden darf: Erst jetzt erhält er die göttliche Information, auf deren Grundlage ein anderer Weg von ihm verlangt wird.
Bemerkenswert ist auch, dass Josef keine Erklärung dafür erhält, wie sein weiteres Leben im Einzelnen verlaufen wird. Der Engel beantwortet die entscheidende Frage nach der Herkunft des Kindes und gibt ihm eine konkrete Weisung für den nächsten Schritt. Josef muss daher nicht einen vollständig bekannten Lebensweg annehmen, sondern auf das Wort Gottes reagieren, das ihm für seine gegenwärtige Verantwortung gegeben wird. Sein Glaube wird nicht daran sichtbar, dass er alles versteht, sondern daran, was er mit der empfangenen Offenbarung tut.
Der Traum endet somit nicht nur mit einer Erklärung, sondern mit einem Auftrag. Josef weiß nun, dass er Maria nicht verlassen soll, dass ihr Kind durch den Heiligen Geist empfangen wurde und dass er selbst diesem Sohn den Namen Jesus geben soll. Die Entscheidung, vor der er zuvor stand, ist dadurch neu bestimmt worden. Als Josef erwacht, wird sich zeigen, ob er Gottes Weisung tatsächlich über seinen ursprünglichen Entschluss stellt.
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Josef nimmt Maria zu sich
Matthäus 1,24-25 – „24 Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen, und nahm sein Weib zu sich 25 und erkannte sie nicht, bis sie den Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus."
Matthäus 1,24-25 – „24 Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen, und nahm sein Weib zu sich 25 und erkannte sie nicht, bis sie den Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus."
Matthäus 1,20-21 – „20 Während er aber solches im Sinne hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt ist, das ist vom heiligen Geist. 21 Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden."
Als Josef aus dem Schlaf erwacht, folgt unmittelbar die Antwort auf Gottes Offenbarung. Matthäus berichtet knapp und ohne weitere Ausschmückung, dass Josef tat, „wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte“ (Matthäus 1,24). Zwischen der empfangenen Weisung und seinem Handeln wird kein weiterer Widerstand beschrieben. Der Entschluss, Maria zu verlassen, ist damit aufgegeben; Josef richtet seine Entscheidung nach dem aus, was Gott ihm offenbart hat.
Er nimmt Maria als seine Frau zu sich. Damit übernimmt Josef gerade jene Verantwortung, vor der er zuvor aufgrund der Schwangerschaft zurückweichen wollte. Seine Entscheidung beruht nun nicht darauf, dass sich die sichtbaren Umstände verändert hätten, sondern darauf, dass Gottes Wort ihm ihre wahre Bedeutung erschlossen hat. Maria erwartet weiterhin ein Kind, doch Josef weiß jetzt, dass dieses Kind durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen wurde. Sein Gehorsam besteht deshalb darin, Gottes Erklärung mehr Gewicht zu geben als dem Eindruck, den die Situation zunächst auf ihn gemacht hatte.
Matthäus fügt ausdrücklich hinzu, dass Josef Maria nicht erkannte, bis sie ihren Sohn geboren hatte (Matthäus 1,25). Damit unterstreicht der Evangelist erneut, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu war. Die Empfängnis Jesu war bereits erfolgt, bevor Josef und Maria ehelich zusammenlebten, und auch bis zur Geburt wird jede menschliche Vaterschaft Josefs ausgeschlossen. Der Schwerpunkt des Berichts liegt damit eindeutig auf der besonderen Herkunft Jesu.
Nach der Geburt erfüllt Josef auch den zweiten Teil der ihm gegebenen Weisung: Er nennt das Kind Jesus. Zuvor hatte der Engel ausdrücklich gesagt: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben“ (Matthäus 1,21). Was im Traum angekündigt wurde, wird nun durch Josefs Handeln ausgeführt. Er übernimmt damit öffentlich die ihm zugewiesene väterliche Verantwortung gegenüber dem Kind, ohne dass dadurch die göttliche Herkunft Jesu verwischt wird.
Gerade diese Verbindung ist für Josefs Stellung wichtig. Die Bibel hält zwei Wahrheiten nebeneinander: Jesus wurde nicht von Josef gezeugt, und dennoch nimmt Josef innerhalb der irdischen Familie eine wirkliche Vaterstellung ein. Später wird Jesus in seinem Umfeld sogar als Josefs Sohn beziehungsweise als Sohn des Zimmermanns bezeichnet. Solche Bezeichnungen beschreiben seine bekannte familiäre Einordnung, nicht seine biologische Herkunft, die Matthäus und Lukas ausdrücklich anders erklären.
Josefs Gehorsam bleibt dabei auffallend still. Matthäus überliefert kein Bekenntnis und keine Rede von ihm. Der Evangelist zeigt seinen Glauben durch eine Folge konkreter Handlungen: Er steht auf, nimmt Maria zu sich und gibt dem Kind den von Gott bestimmten Namen. Josef wird dadurch nicht zum Erlöser oder zum Mittelpunkt des Geschehens. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, innerhalb seines Verantwortungsbereichs dem zu dienen, was Gott durch Christus vollbringt.
Darin liegt zugleich ein wesentlicher Unterschied zwischen Josef und Jesus. Josef gehorcht einer göttlichen Weisung; Jesus ist der angekündigte Sohn, dessen Auftrag darin besteht, sein Volk von seinen Sünden zu retten. Josefs Treue hat ihren Platz innerhalb dieser größeren Wirklichkeit. Er schützt und ordnet nicht Gottes Erlösungsplan aus eigener Kraft, sondern lässt sich von Gott in einen Plan hineinnehmen, dessen Mittelpunkt ein anderer ist.
Mit der Aufnahme Marias und der Namensgebung ist Josefs erste große Entscheidung abgeschlossen. Doch seine Verantwortung für Jesus beginnt damit erst. Schon bald führen äußere politische Umstände die Familie von Nazareth nach Bethlehem, dem Ort, an dem Jesus geboren wird. Dort wird Josef erneut erleben, dass sein persönlicher Lebensweg in Ereignisse eingebettet ist, deren Bedeutung weit über seine eigene Familie hinausreicht.
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Josef zieht mit Maria nach Bethlehem
Lukas 2,1-7 – „1 Es begab sich aber in jenen Tagen, daß ein Befehl ausging vom Kaiser Augustus, daß alle Welt sich sollte schätzen lassen. 2 Diese Schatzung war die erste und geschah, als Kyrenius Landpfleger in Syrien war. 3 Und es zogen alle aus, um sich schätzen zu lassen, ein jeder in seine Stadt. 4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche B…"
Lukas 2,1-7 – „1 Es begab sich aber in jenen Tagen, daß ein Befehl ausging vom Kaiser Augustus, daß alle Welt sich sollte schätzen lassen. 2 Diese Schatzung war die erste und geschah, als Kyrenius Landpfleger in Syrien war. 3 Und es zogen alle aus, um sich schätzen zu lassen, ein jeder in seine Stadt. 4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche B…"
Micha 5,1 – „1 Nun schließe deine Reihen, du Schar! Man errichtet Bollwerke gegen uns; mit der Rute wollen sie den Richter Israels auf den Backen schlagen."
Nachdem Josef Maria zu sich genommen hat, führt die nächste biblische Lebensstation die beiden aus Nazareth fort. Lukas berichtet, dass Kaiser Augustus eine Einschreibung anordnete und deshalb Menschen in ihre jeweiligen Städte zogen. Auch Josef macht sich auf den Weg. Weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids stammt, reist er von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem in Judäa, der Stadt Davids (Lukas 2,1-4).
Damit gewinnt Josefs davidische Herkunft nun ganz konkrete Folgen für seinen Lebensweg. Was zuvor vor allem genealogisch bedeutsam war, bestimmt jetzt seinen Aufenthaltsort. Josef zieht nicht nach Bethlehem, weil er eine prophetische Erfüllung herbeiführen will, sondern weil die angeordnete Einschreibung ihn dorthin führt. Lukas stellt das Geschehen sachlich dar: Josef gehorcht den äußeren Anforderungen seiner Zeit, während sich zugleich innerhalb dieser gewöhnlichen politischen Vorgänge Gottes größerer heilsgeschichtlicher Zusammenhang entfaltet.
Maria begleitet ihn nach Bethlehem. Lukas bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als die ihm anvertraute beziehungsweise verlobte Frau und fügt hinzu, dass sie schwanger war (Lukas 2,5). Wie belastend die Reise für sie gewesen sein mag, beschreibt die Bibel nicht. Ebenso erfahren wir nicht, wie lange Josef und Maria unterwegs waren oder unter welchen genauen Umständen sie reisten. Der Bericht konzentriert sich auf das, was für die Geburt Jesu entscheidend ist: Als sie sich in Bethlehem befinden, kommt die Zeit der Geburt.
Dort bringt Maria ihren erstgeborenen Sohn zur Welt. Sie wickelt ihn in Windeln und legt ihn in eine Krippe, „weil für sie kein Raum in der Herberge war“ (Lukas 2,7). Josef wird in diesem Vers nicht eigens als handelnde Person erwähnt, doch der Zusammenhang zeigt, dass er mit Maria in Bethlehem ist und die Ereignisse als ihr Mann begleitet. Die Bibel schildert ihn auch hier nicht mit erfundenen Worten oder Gefühlen. Sein Platz bleibt der des Mannes, der Maria angenommen hat und nun bei ihr ist, während das Kind geboren wird, dessen Herkunft und Auftrag ihm zuvor durch den Engel offenbart worden waren.
Die Geburt in Bethlehem besitzt eine Bedeutung, die Josef zu diesem Zeitpunkt nicht selbst erklären muss. Der Prophet Micha hatte angekündigt, dass aus Bethlehem ein Herrscher über Israel hervorgehen würde (Micha 5,1). Das Neue Testament greift diese Verheißung später ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Geburtsort des Messias auf. Josef verursacht diese prophetische Linie nicht aus eigener Planung. Gerade darin wird sichtbar, wie Gottes Handeln menschliche Entscheidungen und geschichtliche Ereignisse gebrauchen kann, ohne dass die beteiligten Menschen den gesamten Zusammenhang im Voraus steuern.
Für Josef bedeutet Bethlehem zugleich, dass sich die Worte des Engels weiter erfüllen. Das Kind ist geboren, und der Sohn, dem er den Namen Jesus geben soll, befindet sich nun tatsächlich unter seiner Fürsorge. Die außergewöhnliche Herkunft Jesu hebt seine wirkliche menschliche Bedürftigkeit nach Geburt, Schutz und Versorgung nicht auf. Der Sohn Gottes ist in die Welt gekommen und wächst zunächst innerhalb einer Familie auf, in der Josef eine ihm von Gott übertragene Verantwortung trägt.
Dabei bleibt die Rangordnung eindeutig. Josef steht nicht über Jesus in dem Sinn, dass er dessen Ursprung oder Sendung bestimmen würde. Er empfängt vielmehr seinen eigenen Auftrag aufgrund dessen, was Gott über Jesus beschlossen hat. Selbst seine Reise nach Bethlehem wird Teil einer Geschichte, deren Mittelpunkt nicht Josef, sondern Christus ist. Josefs Bedeutung liegt gerade darin, dass er seine begrenzte, aber reale Verantwortung innerhalb dieses göttlichen Handelns wahrnimmt.
Mit der Geburt Jesu ist die Zeit in Bethlehem jedoch noch nicht abgeschlossen. Andere Menschen werden auf das Kind aufmerksam gemacht, und Josef wird erleben, dass Gottes Offenbarung über Jesus nicht auf seine eigene Familie beschränkt bleibt. Zugleich wird aus der zunächst stillen Verantwortung für das neugeborene Kind bald eine Aufgabe, bei der Schutz und schnelles Handeln überlebenswichtig werden.
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Josef bringt Jesus mit Maria zum Tempel
Lukas 2,21-24 – „21 Und als acht Tage vollendet waren, da man das Kind beschneiden mußte, wurde ihm der Name Jesus gegeben, den der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen worden war. 22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: «Alle männliche Erstgeburt soll …"
Lukas 2,21-24 – „21 Und als acht Tage vollendet waren, da man das Kind beschneiden mußte, wurde ihm der Name Jesus gegeben, den der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen worden war. 22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: «Alle männliche Erstgeburt soll …"
3. Mose 12,2-8 – „2 Wenn ein Weib fruchtbar wird und ein Knäblein gebiert, so soll sie sieben Tage lang unrein sein, ebenso lange wie sie unrein ist, wenn sie unwohl wird, soll sie unrein sein. 3 Und am achten Tage soll man das Fleisch seiner Vorhaut beschneiden. 4 Und sie soll daheim bleiben dreiunddreißig Tage lang im Blut ihrer Reinigung; sie soll nichts Heiliges anrühren und nicht kommen zum Heiligtum, bis die…"
2. Mose 13,1-2 – „1 Der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Heilige mir alle Erstgeburt bei den Kindern Israel, von Menschen und Vieh; denn sie sind mein!"
Acht Tage nach der Geburt Jesu geschieht der nächste ausdrücklich berichtete Schritt. Lukas schreibt, dass das Kind beschnitten wurde und den Namen Jesus erhielt, „der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Mutterleib empfangen wurde“ (Lukas 2,21). Damit wird erneut sichtbar, dass die Namensgebung nicht auf einer Entscheidung Josefs oder Marias beruhte. Der Name war von Gott bestimmt worden, und nun wird die zuvor gegebene Weisung im Leben des Kindes tatsächlich ausgeführt.
Für Josef besitzt dieser Augenblick eine besondere Verbindung zu dem Auftrag, den er im Traum erhalten hatte. Der Engel hatte ausdrücklich zu ihm gesagt, dass er dem Sohn den Namen Jesus geben solle. Matthäus berichtet entsprechend, dass Josef ihn Jesus nannte, während Lukas die Namensgebung mit der Beschneidung am achten Tag verbindet. Beide Evangelien ergänzen einander darin: Der von Gott bestimmte Name wird dem Kind gegeben, und Josef erfüllt damit eine konkrete Verantwortung, die ihm bereits vor der Geburt übertragen worden war.
Danach führt Lukas die Familie nach Jerusalem. Als die vorgeschriebene Zeit der Reinigung erfüllt ist, bringen Josef und Maria Jesus hinauf, „um ihn dem Herrn darzustellen“ (Lukas 2,22). Der Evangelist verbindet dieses Handeln ausdrücklich mit dem Gesetz des Herrn. Dabei werden zwei alttestamentliche Ordnungen berührt: die Vorschriften über die Reinigung nach einer Geburt und die besondere Zugehörigkeit des erstgeborenen Sohnes zu Gott (3. Mose 12,2-8; 2. Mose 13,1-2).
Josef und Maria erscheinen damit nicht als Menschen, die sich aufgrund der außergewöhnlichen Herkunft Jesu über Gottes Weisungen gestellt hätten. Gerade weil sie wissen, dass dieses Kind auf einzigartige Weise von Gott gegeben worden ist, behandeln sie die Offenbarung nicht als Grund, die ihnen bekannten Gebote zu missachten. Lukas betont mehrfach, dass sie handelten, „wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht“ und „nach der Vorschrift im Gesetz des Herrn“ (Lukas 2,23-24). Ihr Verhalten wird in den Rahmen treuen Gehorsams gestellt.
Als Opfer bringen sie „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ dar (Lukas 2,24). Diese Opfermöglichkeit war im Gesetz für den Fall vorgesehen, dass die Mittel für ein Lamm nicht ausreichten (3. Mose 12,8). Der Text gibt damit einen begrenzten Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie, ohne darüber hinausgehende Einzelheiten mitzuteilen. Josef wird zwar später als Handwerker bezeichnet, doch die Bibel stellt ihn nicht als wohlhabenden Mann dar. Entscheidend ist hier nicht eine soziale Charakterisierung, sondern dass die vorgeschriebene Opferordnung eingehalten wird.
Besonders auffällig ist, wie gewöhnlich der äußere Ablauf zunächst erscheint. Ein Kind wird beschnitten, erhält seinen Namen und wird von seinen Eltern gemäß dem Gesetz zum Tempel gebracht. Doch dieses Kind ist derselbe Jesus, über den Josef bereits gehört hat, dass er sein Volk von seinen Sünden retten wird. Der Sohn, durch den Gottes Erlösung kommt, wird selbst innerhalb Israels geboren und unter die Ordnung gestellt, die Gott seinem Volk gegeben hatte.
Später fasst Paulus diese Wirklichkeit mit Blick auf Christus zusammen: Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, „geboren von einem Weibe, unter das Gesetz getan“ (Galater 4,4). Lukas beschreibt hier einen der ersten konkreten Schritte dieses Lebens unter dem Gesetz. Josef trägt als verantwortlicher Vater innerhalb der Familie dazu bei, dass Jesus in diesem von Gott gegebenen Bundesrahmen aufwächst. Das Gesetz rettet Josef und Maria nicht; ihr Gehorsam steht vielmehr innerhalb einer Geschichte, deren eigentliches Ziel Gottes rettendes Handeln durch Christus ist.
Der Tempelbesuch wird jedoch weit mehr als die Erfüllung vorgeschriebener Pflichten. Noch während Josef und Maria dort sind, begegnen ihnen Menschen, denen Gott eine besondere Erkenntnis über das Kind gegeben hat. Was Josef bereits durch den Engel erfahren hatte, wird nun durch weitere Zeugnisse bestätigt und zugleich um Aussagen erweitert, die erkennen lassen, welche weitreichende Bedeutung dieses Kind für Israel und darüber hinaus besitzen wird.
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Josef hört die Zeugnisse über Jesus
Lukas 2,25-35 – „25 Und siehe, es war ein Mensch zu Jerusalem, namens Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und heiliger Geist war auf ihm. 26 Und er hatte vom heiligen Geist die Zusage empfangen, daß er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen. 27 Und er kam auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kindlein Jesu…"
Lukas 2,25-35 – „25 Und siehe, es war ein Mensch zu Jerusalem, namens Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und heiliger Geist war auf ihm. 26 Und er hatte vom heiligen Geist die Zusage empfangen, daß er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen. 27 Und er kam auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kindlein Jesu…"
Lukas 2,36-38 – „36 Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt, nachdem sie mit ihrem Manne sieben Jahre gelebt hatte nach ihrer Jungfrauschaft; 37 und sie war eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel, sondern diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Auch diese trat zu derselben Stunde hinzu und pries Gott und redete von ihm zu …"
Lukas 2,33 – „33 Und sein Vater und seine Mutter verwunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde."
Während Josef und Maria mit Jesus im Tempel sind, geschieht etwas, das über die vorgeschriebenen Handlungen des Gesetzes hinausgeht. Ein Mann namens Simeon kommt durch die Leitung des Geistes in den Tempel. Lukas beschreibt ihn als gerecht und gottesfürchtig; er wartet auf den Trost Israels, und der Heilige Geist ist auf ihm. Ihm war offenbart worden, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Christus des Herrn gesehen habe (Lukas 2,25-26). Nun begegnet er genau diesem Kind, das Josef und Maria zum Tempel gebracht haben.
Simeon nimmt Jesus auf seine Arme und lobt Gott. In seinen Worten wird die Bedeutung des Kindes weit über die unmittelbare Familie hinaus entfaltet. Er erkennt in Jesus Gottes Heil, das vor allen Völkern bereitet ist: Licht für die Nationen und Herrlichkeit für Israel (Lukas 2,29-32). Damit wird die Sendung Jesu nicht auf eine politische Hoffnung für Israel begrenzt. Gottes Erlösung durch Christus richtet sich schließlich über Israel hinaus an die Völker.
Lukas hält ausdrücklich fest, wie Josef und Maria darauf reagieren: Sie wundern sich über das, was über Jesus gesagt wird (Lukas 2,33). Diese Bemerkung ist für Josefs Lebensgeschichte bedeutsam. Er hatte bereits vor Jesu Geburt durch den Engel erfahren, dass das Kind vom Heiligen Geist gezeugt sei und sein Volk von seinen Sünden retten werde. Dennoch bedeutet eine frühere Offenbarung offenbar nicht, dass Josef bereits jede Dimension der Sendung Jesu vollständig kennt. Weitere Zeugnisse erweitern das Bild dessen, was Gott durch diesen Sohn tun wird.
Simeon segnet Josef und Maria und richtet anschließend besonders ernste Worte an Maria. Jesus werde zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel gesetzt sein und zu einem Zeichen, dem widersprochen werde; auch Marias eigenes Leben werde von tiefem Schmerz berührt werden (Lukas 2,34-35). Josef wird in dieser besonderen Aussage nicht angesprochen, weshalb ihm die darin enthaltene persönliche Vorhersage nicht zugeschrieben werden darf. Doch als anwesender Teil der Familie hört er ein Zeugnis, das erkennen lässt, dass der Weg dieses Kindes nicht einfach von allgemeiner Anerkennung begleitet sein wird.
Noch während sie im Tempel sind, tritt mit Hanna eine zweite Zeugin hinzu. Lukas beschreibt sie als eine hochbetagte Prophetin, die sich beständig dem Gottesdienst mit Fasten und Gebet widmet. Auch sie dankt Gott und spricht über Jesus zu denen, die auf Erlösung in Jerusalem warten (Lukas 2,36-38). Damit begegnet Josef innerhalb kurzer Zeit mehreren voneinander unabhängigen Zeugnissen, die dasselbe Kind in den Mittelpunkt der Hoffnung auf Gottes Erlösung stellen.
Josefs Rolle bleibt auch in dieser Szene auffallend zurückgenommen. Er spricht nicht, deutet die prophetischen Worte nicht selbst und versucht nicht, die Aufmerksamkeit auf seine eigene Verbindung zu Jesus zu lenken. Er steht mit Maria bei dem Kind und hört, was Gott durch andere über Jesus offenbart. Gerade darin bleibt die Ordnung der Geschichte deutlich: Josef besitzt eine wichtige Verantwortung für Jesus, doch die Identität und Sendung dieses Kindes werden nicht durch Josef bestimmt. Gott selbst gibt darüber Zeugnis.
Für Josef muss deshalb zwischen seiner väterlichen Verantwortung und der einzigartigen Stellung Jesu unterschieden werden. Er wird Jesus versorgen, schützen und in seiner Familie aufnehmen, doch dieser Sohn gehört nicht ihm in gewöhnlicher Weise. Schon bevor Jesus selbst öffentlich lehrt oder handelt, erklären göttliche Offenbarungen, dass sein Leben mit der Erlösung Israels, dem Licht für die Völker und zugleich mit Widerspruch verbunden sein wird. Josef steht diesem Geheimnis nicht als Herr, sondern als anvertrauter Diener gegenüber.
Nach dem Tempelbesuch scheint für die Familie zunächst wieder ein gewöhnlicherer Lebensweg möglich. Doch die Ruhe wird nicht von Dauer sein. In Verbindung mit Jesu Geburt werden bald Männer aus dem Osten nach dem neugeborenen König der Juden suchen, und ihre Ankunft wird die Aufmerksamkeit eines Herrschers auf das Kind lenken, der in Jesus keine Hoffnung, sondern eine Bedrohung sieht.
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Josef erlebt den Besuch der Weisen
Matthäus 2,1-12 – „1 Als nun Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Da das der König Herodes hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. 4 Und er berief alle Hohenprieste…"
Matthäus 2,1-12 – „1 Als nun Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Da das der König Herodes hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. 4 Und er berief alle Hohenprieste…"
Micha 5,1 – „1 Nun schließe deine Reihen, du Schar! Man errichtet Bollwerke gegen uns; mit der Rute wollen sie den Richter Israels auf den Backen schlagen."
Matthäus 2,11 – „11 und gingen in das Haus hinein und fanden das Kindlein samt Maria, seiner Mutter. Und sie fielen nieder, beteten es an, taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhen."
Nach den Ereignissen um Jesu Geburt berichtet Matthäus von Weisen aus dem Morgenland, die nach Jerusalem kommen und nach dem neugeborenen König der Juden fragen. Der genaue zeitliche Abstand zur Geburt wird nicht genannt. Matthäus bezeichnet Jesus in diesem Abschnitt als Kind und berichtet, dass die Weisen später ein Haus betreten, in dem sie ihn mit Maria finden (Matthäus 2,11). Wie viel Zeit seit der Geburt vergangen war und wie lange sich Josef mit seiner Familie zu diesem Zeitpunkt bereits in Bethlehem befand, lässt sich aus dem Bibeltext nicht genau bestimmen.
Die Suche der Weisen bringt Jesus unmittelbar in den Blick des Königs Herodes. Als dieser von einem neugeborenen „König der Juden“ hört, erschrickt er und mit ihm ganz Jerusalem. Herodes lässt die Hohenpriester und Schriftgelehrten zusammenrufen und erkundigt sich, wo der Christus geboren werden solle. Sie verweisen auf die prophetische Aussage über Bethlehem und erklären, dass aus diesem Ort der Herrscher hervorgehen werde, der Gottes Volk weiden soll (Matthäus 2,3-6; Micha 5,1).
Damit erhält der Aufenthalt der Familie in Bethlehem eine zunehmend gefährliche politische Dimension. Was Josef bisher vor allem als göttliche Offenbarung über die Herkunft und Sendung Jesu kennengelernt hatte, wird nun von einem weltlichen Herrscher als mögliche Bedrohung seiner eigenen Macht wahrgenommen. Noch greift Herodes nicht offen gegen das Kind ein. Er versucht vielmehr, die Weisen als Informationsquelle zu benutzen und bittet sie, ihm nach ihrer Suche den Aufenthaltsort des Kindes mitzuteilen.
Die Weisen finden Jesus schließlich und fallen vor ihm nieder. Matthäus nennt ausdrücklich Maria als diejenige, bei der sie das Kind sehen, während Josef in dieser Szene nicht eigens erwähnt wird. Daraus darf weder seine Abwesenheit noch eine besondere Bedeutung seines Schweigens abgeleitet werden. Der Bericht richtet die Aufmerksamkeit bewusst auf das Kind, dem die Männer ihre Verehrung erweisen und ihre Schätze öffnen.
Sie bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe dar (Matthäus 2,11). Matthäus erklärt die symbolische Bedeutung dieser einzelnen Gaben an dieser Stelle nicht, weshalb sie nicht mit spekulativen Deutungen überladen werden sollten. Sicher ist dagegen, dass Jesus von diesen Männern als der gesuchte König anerkannt wird. Die außergewöhnliche Aufmerksamkeit, die bereits Engel und prophetische Zeugen auf ihn gerichtet hatten, setzt sich damit fort – nun sogar durch Menschen, die von außerhalb Israels gekommen sind.
Gleichzeitig wirkt Gott auch hier schützend. Die Weisen werden im Traum gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren, und ziehen auf einem anderen Weg in ihr Land zurück (Matthäus 2,12). Dadurch bleibt Herodes zunächst ohne die erhoffte genaue Information über den Aufenthaltsort Jesu. Doch diese Verzögerung beseitigt die Gefahr nicht. Der Herrscher hat bereits beschlossen, das Kind genauer ausfindig zu machen.
Für Josef wird diese Bedrohung bald unmittelbar werden. Bis hierher bestand seine Verantwortung vor allem darin, Maria anzunehmen, dem Kind den von Gott bestimmten Namen zu geben und die Familie im Rahmen der göttlichen Weisungen zu führen. Nun wird von ihm etwas anderes verlangt werden: Er muss Jesus nicht nur aufnehmen, sondern unter akuter Gefahr schützen.
Wieder wird Josef dabei nicht aus eigener Voraussicht handeln können. Er kennt Herodes’ verborgene Absichten nicht und besitzt keine politische Macht, um ihnen entgegenzutreten. Doch wie schon bei Marias Schwangerschaft wird Gott ihm genau die Offenbarung geben, die für den nächsten Schritt notwendig ist. Noch einmal wird ein Traum sein Handeln bestimmen – diesmal mit der dringenden Weisung, noch in der Nacht aufzubrechen.
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Josef flieht mit Jesus nach Ägypten
Matthäus 2,13-15 – „13 Als sie aber entwichen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kindlein aufsuchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode…"
Matthäus 2,13-15 – „13 Als sie aber entwichen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kindlein aufsuchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts und entwich nach Ägypten. 15 Und er blieb dort bis zum Tode…"
Hosea 11,1 – „1 Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn berufen."
Matthäus 2,19-21 – „19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum 20 und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten! 21 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und ging in das Land Israel."
Nachdem die Weisen Bethlehem verlassen haben, erhält Josef erneut eine göttliche Weisung im Traum. Ein Engel des Herrn erscheint ihm und sagt: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten“ (Matthäus 2,13). Diesmal bleibt die Ursache der Gefahr nicht verborgen. Herodes will nach dem Kind suchen, um es umzubringen. Josef erfährt damit, dass die Bedrohung nicht allgemein oder unbestimmt ist, sondern ausdrücklich Jesus gilt.
Die Reihenfolge der Worte ist auffällig: Josef soll „das Kind und seine Mutter“ nehmen. Matthäus formuliert nicht einfach „deine Familie“, sondern hält Jesus im Mittelpunkt des Geschehens. Josef erhält Verantwortung für beide, doch besonders der Schutz des Kindes bestimmt die Dringlichkeit seines Auftrags. Er soll nach Ägypten fliehen und dort bleiben, bis Gott ihm eine neue Weisung gibt. Wieder kennt Josef nicht den gesamten weiteren Weg. Er erhält nur genügend Offenbarung für den nächsten notwendigen Schritt.
Seine Reaktion ist unmittelbar. Matthäus berichtet, dass Josef noch in der Nacht aufsteht, das Kind und seine Mutter nimmt und nach Ägypten zieht (Matthäus 2,14). Der Text beschreibt keine Verzögerung, keine Diskussion und keinen Versuch, die Gefahr zunächst selbst einzuschätzen. Sobald Josef Gottes Warnung empfangen hat, handelt er danach. Sein Gehorsam zeigt sich nun nicht nur in einer persönlichen Entscheidung wie bei Maria, sondern in einer Flucht, die sein gesamtes unmittelbares Lebensumfeld verändert.
Über die Reise selbst sagt die Bibel fast nichts. Sie nennt weder die Route noch die Dauer, weder den genauen Aufenthaltsort in Ägypten noch die Lebensbedingungen der Familie dort. Auch darüber, wie Josef während dieser Zeit für Maria und Jesus sorgte, gibt der Text keine Einzelheiten. Solche Lücken dürfen nicht mit späteren Überlieferungen ausgefüllt werden. Sicher ist lediglich, dass Josef die Familie aus dem Herrschaftsbereich des Herodes herausführt und in Ägypten bleibt, bis die Gefahr vorüber ist.
Matthäus ordnet auch dieses Ereignis in den größeren biblischen Zusammenhang ein. Er schreibt, dass damit erfüllt wurde, was der Herr durch den Propheten gesagt hatte: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Matthäus 2,15; Hosea 11,1). Im ursprünglichen Zusammenhang Hoseas bezieht sich diese Aussage auf Israel, das Gott aus Ägypten geführt hatte. Matthäus erkennt in Jesu Weg eine weiterführende Erfüllung dieser Linie. Jesus durchläuft in seiner frühen Lebensgeschichte einen Weg, der an die Geschichte Israels erinnert, doch nun konzentriert sich Gottes Heilshandeln auf seinen Sohn.
Josef steht innerhalb dieser Erfüllung als derjenige, der das Kind tatsächlich nach Ägypten bringt. Dennoch weiß der Text nichts davon, dass Josef Hosea bewusst erfüllen wollte oder diese prophetische Bedeutung selbst erkannt hätte. Seine Aufgabe ist einfacher und zugleich anspruchsvoll genug: auf Gottes Weisung hören und handeln. Die heilsgeschichtliche Tragweite seines Gehorsams wird vom Evangelisten erklärt, nicht von Josef selbst.
Während Josef mit seiner Familie in Ägypten bleibt, richtet Herodes seine Gewalt gegen die Kinder von Bethlehem und dessen Umgebung. Matthäus berichtet dieses erschütternde Ereignis unmittelbar nach der Flucht. Josef hat davon möglicherweise später erfahren, doch die Bibel sagt nichts darüber, was er wusste oder empfand. Sicher ist nur, dass die rechtzeitige Warnung Gottes Jesus vor dem Zugriff des Königs bewahrt.
Josef erlebt damit besonders deutlich, dass göttlicher Schutz nicht bedeutet, dass Gefahren gar nicht erst entstehen. Gott verhindert nicht, dass Herodes Jesus töten will; er führt Josef vielmehr rechtzeitig aus der unmittelbaren Reichweite des Herrschers heraus. Die Bewahrung geschieht durch Offenbarung, menschliche Verantwortung und entschlossenes Handeln. Josef wird zum Werkzeug dieses Schutzes, ohne selbst die Macht zu besitzen, die Bedrohung zu beseitigen.
Sein Aufenthalt in Ägypten ist deshalb eine Zeit des Wartens auf weitere Führung. Der Engel hatte ausdrücklich gesagt, Josef solle dort bleiben, bis er neue Weisung erhält. Er soll also nicht selbst entscheiden, wann die Rückkehr sicher genug erscheint. Erst nachdem Herodes gestorben ist, wird Gott wieder zu ihm sprechen und den nächsten Abschnitt seines Weges eröffnen.
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Josef kehrt mit seiner Familie nach Nazareth zurück
Matthäus 2,19-23 – „19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum 20 und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten! 21 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und ging in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, daß Archelau…"
Matthäus 2,19-23 – „19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum 20 und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten! 21 Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und ging in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, daß Archelau…"
Lukas 2,39-40 – „39 Und nachdem sie alles vollbracht hatten nach dem Gesetze des Herrn, kehrten sie zurück nach Galiläa, in ihre Stadt Nazareth. 40 Das Kindlein aber wuchs und ward stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm."
Matthäus 2,22 – „22 Als er aber hörte, daß Archelaus anstatt seines Vaters Herodes über Judäa regierte, fürchtete er sich, dahin zu gehen. Und auf eine Anweisung hin, die er im Traume erhielt, entwich er in die Gegend des galiläischen Landes."
Nach dem Tod des Herodes endet für Josef die Zeit des Wartens in Ägypten. Wieder erscheint ihm ein Engel des Herrn im Traum und gibt ihm die Weisung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind gestorben“ (Matthäus 2,19-20). Genau wie zuvor entscheidet Josef nicht eigenmächtig, wann die Flucht beendet werden kann. Erst nachdem Gott ihm mitteilt, dass die unmittelbare Gefahr vorüber ist, macht er sich auf den Rückweg.
Matthäus beschreibt Josefs Reaktion erneut in nahezu derselben knappen Form wie bei den vorausgegangenen Offenbarungen: Er steht auf, nimmt das Kind und seine Mutter und kommt in das Land Israel (Matthäus 2,21). Josefs Leben wird in diesen Kapiteln durch wiederholte Situationen geprägt, in denen er Gottes Weisung empfängt und sie anschließend praktisch umsetzt. Die Evangelien überliefern keine langen Worte von ihm; sein Handeln selbst bildet die erkennbare Antwort.
Doch die Rückkehr nach Israel bedeutet noch nicht, dass der endgültige Wohnort feststeht. Josef erfährt, dass Archelaus anstelle seines Vaters Herodes über Judäa herrscht. Matthäus berichtet ausdrücklich, dass Josef sich fürchtet, dorthin zu gehen. Anders als bei Marias Schwangerschaft wird diese Furcht nicht als etwas dargestellt, das durch mangelndes Vertrauen überwunden werden müsste. Gott berücksichtigt die bestehende Gefahr und warnt Josef erneut im Traum, woraufhin er in das Gebiet von Galiläa ausweicht (Matthäus 2,22).
So gelangt die Familie schließlich nach Nazareth. Matthäus erklärt, dass Josef dort Wohnung nimmt, während Lukas Nazareth bereits als den ursprünglichen Heimatort Josefs und Marias genannt hatte. Lukas fasst nach den Ereignissen um Jesu Geburt und der Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften zusammen, dass sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurückkehrten (Lukas 2,39). Matthäus ergänzt Ereignisse, die Lukas an dieser Stelle nicht ausführlich erzählt: den Besuch der Weisen, die Flucht nach Ägypten und die durch Archelaus beeinflusste Rückkehr nach Galiläa. Die Evangelien setzen unterschiedliche Schwerpunkte, ohne dass ihre Angaben künstlich zu einer minutengenauen Reisechronologie ausgebaut werden müssen.
Nazareth wird nun zum Ort, an dem Jesus aufwächst. Lukas berichtet, dass das Kind wuchs, stark wurde und mit Weisheit erfüllt war und dass Gottes Gnade auf ihm lag (Lukas 2,40). Diese Aussage richtet den Blick vor allem auf Jesus, setzt jedoch zugleich einen familiären Lebensrahmen voraus, in dem Josef weiterhin gegenwärtig ist. Der Mann, der Jesus aus Bethlehem nach Ägypten und anschließend zurück nach Israel geführt hat, übernimmt nun seine Verantwortung in einem weniger außergewöhnlich beschriebenen Alltag.
Die Bezeichnung Nazareth besitzt für Josef keine herausgehobene gesellschaftliche Bedeutung. Er kehrt nicht in die Stadt Davids zurück, um dort eine besondere Stellung aus seiner Abstammung abzuleiten, sondern lebt mit seiner Familie wieder in Galiläa. Das frühere Königtum Davids und Josefs alltägliches Leben liegen äußerlich weit auseinander. Dennoch wächst gerade in seinem Haus jener Sohn auf, dessen messianische Bedeutung bereits durch Engel, Propheten und andere Zeugen bezeugt worden ist.
Matthäus verbindet auch die Ansiedlung in Nazareth mit prophetischer Erfüllung und schreibt, dass Jesus „Nazarener genannt werden“ sollte (Matthäus 2,23). Anders als bei manchen zuvor genannten Erfüllungszitaten lässt sich diese Formulierung nicht als wörtliches Zitat eines einzelnen alttestamentlichen Verses bestimmen; Matthäus spricht entsprechend allgemein von dem, was „durch die Propheten“ gesagt worden sei. Mehr als der Evangelist selbst erklärt, sollte deshalb nicht mit Sicherheit in diese Aussage hineingelesen werden. Sicher ist jedoch, dass Matthäus auch den Wohnort Jesu innerhalb des prophetischen Gesamtzeugnisses einordnet.
Für Josef verändert sich die Art seiner Verantwortung damit erneut. Die dramatische Flucht ist beendet, doch seine Aufgabe besteht nun in einem längeren, weit weniger ausführlich beschriebenen Abschnitt: Jesus wächst in seinem Haushalt heran. Von diesem alltäglichen Familienleben erzählt die Bibel nur wenige Einzelheiten. Eine davon wird jedoch später besonders sichtbar, denn Josef wird ausdrücklich mit einem Handwerk verbunden – und Jesus selbst wird im Umfeld von Nazareth als der Sohn des Zimmermanns bekannt.
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Josef arbeitet als Zimmermann in Nazareth
Matthäus 13,54-55 – „54 Und als er in seine Vaterstadt kam, lehrte er sie in ihrer Synagoge, so daß sie erstaunten und sprachen: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Kräfte? 55 Ist dieser nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas?"
Matthäus 13,54-55 – „54 Und als er in seine Vaterstadt kam, lehrte er sie in ihrer Synagoge, so daß sie erstaunten und sprachen: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Kräfte? 55 Ist dieser nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas?"
Markus 6,1-3 – „1 Und er zog von dannen und kam in seine Vaterstadt; und seine Jünger folgten ihm nach. 2 Und als der Sabbat kam, fing er an in der Synagoge zu lehren; und die vielen, die zuhörten, erstaunten und sprachen: Woher kommt diesem solches? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist, und geschehen solche Taten durch seine Hände? 3 Ist er nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, der Bruder …"
Lukas 4,16 – „16 Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen."
Nach der Rückkehr nach Nazareth tritt Josef für längere Zeit aus den ausführlichen Erzählungen der Evangelien zurück. Die außergewöhnlichen Träume, Reisen und Gefahren der ersten Lebensjahre Jesu werden nicht fortgesetzt berichtet. Stattdessen wächst Jesus in Nazareth auf, und gerade spätere Aussagen der Menschen aus seiner Heimat geben einen begrenzten Einblick in das alltägliche Umfeld, in dem Josef seinen Platz hatte.
Als Jesus Jahre später in seiner Heimat lehrt, reagieren die Menschen erstaunt und fragen: „Ist dieser nicht des Zimmermanns Sohn?“ (Matthäus 13,55). Damit wird Josef ausdrücklich mit einem Handwerk verbunden. Das griechische Wort kann einen Handwerker bezeichnen, der mit verschiedenen Materialien arbeitet; die traditionelle Wiedergabe als „Zimmermann“ ist daher möglich, sollte jedoch nicht mit modernen Vorstellungen eines bestimmten Berufsbildes überfrachtet werden. Sicher ist, dass Josef als Handwerker bekannt war und die Menschen Jesus aufgrund seiner familiären Herkunft mit ihm verbanden.
Markus berichtet dieselbe Reaktion mit einem leicht anderen Schwerpunkt. Dort wird Jesus selbst als „der Zimmermann“ bezeichnet (Markus 6,3). Zusammengenommen legen die Berichte nahe, dass Jesus später ebenfalls mit dem Handwerk verbunden war, das in Matthäus Josef zugeschrieben wird. Die Bibel beschreibt jedoch nicht ausdrücklich, wann oder auf welche Weise Josef Jesus darin unterwies. Dass ein Sohn innerhalb des familiären Lebens ein entsprechendes Handwerk kennenlernte, liegt nahe, doch die einzelnen Schritte werden nicht erzählt.
Damit entsteht dennoch ein bedeutender Einblick in Josefs Jahre in Nazareth. Sein Leben bestand offenbar nicht dauerhaft aus außergewöhnlichen Offenbarungen. Nachdem er auf Gottes Weisungen in entscheidenden Situationen reagiert hatte, folgte eine lange Phase gewöhnlicher Verantwortung. Er lebte als Handwerker, sorgte innerhalb seines Hauses für die Familie und gehörte zu jenem alltäglichen Umfeld, in dem Jesus heranwuchs.
Gerade hier wäre es leicht, mehr über Josef zu erzählen, als die Evangelien tatsächlich offenbaren. Die Bibel berichtet nicht, wie seine Werkstatt aussah, welche Gegenstände er herstellte, wie groß sein Einkommen war oder welche einzelnen Gespräche er mit Jesus führte. Ebenso wenig beschreibt sie seine tägliche Erziehung. Seine Rolle muss deshalb aus den sicheren Angaben erkannt werden: Er war Marias Mann, wurde als Vater Jesu wahrgenommen, übte ein Handwerk aus und lebte mit seiner Familie in Nazareth.
Lukas berichtet zugleich, dass Jesus nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge ging (Lukas 4,16). Diese Aussage gehört zu Jesu späterem Leben und nennt Josef nicht ausdrücklich. Sie zeigt deshalb nicht direkt, dass Josef ihn persönlich dorthin geführt habe. Dennoch wissen wir aus dem Bericht über Jesu Kindheit, dass Josef und Maria die Ordnungen Gottes ernst nahmen und regelmäßig nach Jerusalem zogen. Das geistliche Umfeld des Hauses wird also nicht aus späteren Vermutungen erschlossen, sondern bereits in den frühen Erzählungen sichtbar.
Josefs Bedeutung liegt in diesen stillen Jahren gerade nicht in öffentlicher Wirksamkeit. Er tritt weder als Lehrer noch als Prophet oder religiöser Führer hervor. Seine Verantwortung geschieht im Bereich von Familie, Arbeit und verlässlicher Fürsorge. Damit setzt sich fort, was bereits vorher sichtbar geworden war: Josef erfüllt keine Aufgabe, indem er selbst im Mittelpunkt steht, sondern indem er treu den Platz einnimmt, den Gott ihm innerhalb der irdischen Familie Jesu gegeben hat.
Diese Jahre in Nazareth bleiben weitgehend verborgen, bis Lukas einen einzigen ausführlicheren Abschnitt aus Jesu Jugend berichtet. Jesus ist zwölf Jahre alt, als die Familie wie gewohnt zum Passahfest nach Jerusalem zieht. Dort wird Josef noch einmal ausdrücklich innerhalb der gemeinsamen Verantwortung mit Maria sichtbar – und zugleich beginnt sich zu zeigen, dass Jesu Verhältnis zu seinem himmlischen Vater jede menschliche Vaterstellung überragt.
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Josef sucht den zwölfjährigen Jesus in Jerusalem
Lukas 2,41-52 – „41 Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach Gewohnheit des Festes hinauf. 43 Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und seine Eltern wußten es nicht. 44 Da sie aber meinten, er wäre unter den Gefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwand…"
Lukas 2,41-52 – „41 Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach Gewohnheit des Festes hinauf. 43 Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und seine Eltern wußten es nicht. 44 Da sie aber meinten, er wäre unter den Gefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwand…"
5. Mose 16,16 – „16 Dreimal im Jahre sollen alle deine männlichen Personen vor dem HERRN, deinem Gott, erscheinen an dem Ort, den er erwählen wird, nämlich am Fest der ungesäuerten Brote und am Fest der Wochen und am Fest der Laubhütten. Aber niemand soll mit leeren Händen vor dem HERRN erscheinen,"
Nachdem Lukas Jesu Wachstum in Nazareth nur knapp zusammengefasst hat, berichtet er ein einziges Ereignis aus seiner Jugend ausführlicher. Jesus ist zwölf Jahre alt, als Josef und Maria mit ihm nach Jerusalem ziehen. Lukas erklärt, dass seine Eltern jedes Jahr zum Passahfest dorthin gingen (Lukas 2,41). Damit wird sichtbar, dass der Tempelbesuch nach Jesu Geburt kein einmaliges Ereignis geblieben war. Josef und Maria nahmen regelmäßig an diesem Fest teil und führten Jesus innerhalb des religiösen Lebens Israels mit sich.
Das Passah erinnerte Israel an Gottes Befreiung aus Ägypten und gehörte zu den Festen, bei denen die Männer Israels vor dem Herrn erscheinen sollten (5. Mose 16,16). Für Josef bedeutete die Reise nach Jerusalem deshalb nicht lediglich eine familiäre Gewohnheit, sondern die Teilnahme an einer von Gott gegebenen Ordnung. Die Bibel schildert ihn damit erneut als Mann, dessen Familienleben in den Rahmen des Glaubens Israels eingebettet war.
Als die Festtage vorüber sind, treten Josef und Maria den Heimweg an. Jesus bleibt jedoch in Jerusalem zurück, ohne dass seine Eltern es bemerken. Sie nehmen zunächst an, er befinde sich innerhalb der Reisegesellschaft, und suchen ihn unter Verwandten und Bekannten. Als sie ihn dort nicht finden, kehren sie nach Jerusalem zurück (Lukas 2,43-45). Lukas macht weder Josef noch Maria einen Vorwurf und erklärt auch nicht näher, wie es zu dieser Situation kam.
Nach drei Tagen finden sie Jesus schließlich im Tempel. Er sitzt mitten unter den Lehrern, hört ihnen zu und stellt ihnen Fragen. Alle, die ihn hören, erstaunen über sein Verständnis und seine Antworten (Lukas 2,46-47). Auch Josef und Maria sind betroffen, als sie ihn dort sehen. Die Szene hebt damit erstmals deutlicher hervor, dass Jesus trotz seines Lebens unter ihrer Fürsorge eine Erkenntnis und eine Beziehung zu Gott besitzt, die nicht einfach aus seiner menschlichen Familie erklärt werden können.
Maria spricht Jesus an und sagt: „Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“ (Lukas 2,48). In der gewöhnlichen familiären Wahrnehmung kann Josef hier als Jesu Vater bezeichnet werden. Lukas hatte jedoch bereits zuvor ausdrücklich erklärt, dass Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen worden war. Die Bezeichnung beschreibt daher Josefs tatsächliche Vaterstellung innerhalb der Familie, ohne ihn zum leiblichen Vater Jesu zu machen.
Jesu Antwort setzt genau an dieser Stelle einen entscheidenden Akzent. Er fragt, warum sie ihn gesucht hätten, und erklärt, dass er in dem sein müsse, was seines Vaters ist beziehungsweise bei den Angelegenheiten seines Vaters sein müsse (Lukas 2,49). Unabhängig von der möglichen sprachlichen Wiedergabe bleibt der zentrale Gegensatz klar: Jesus spricht von Gott als seinem Vater. Damit wird Josefs väterliche Verantwortung nicht abgewertet, aber eindeutig unter die einzigartige Beziehung Jesu zu seinem himmlischen Vater gestellt.
Lukas berichtet, dass Josef und Maria diese Worte zunächst nicht verstanden (Lukas 2,50). Diese Bemerkung schützt vor der Vorstellung, sie hätten aufgrund der früheren Offenbarungen bereits jede Seite der Person und Sendung Jesu vollständig erfasst. Josef hatte Engelbotschaften empfangen, Maria hatte außergewöhnliche Verheißungen gehört, und beide hatten Zeugnisse über Jesus erlebt. Dennoch mussten auch sie weiter verstehen lernen, wer dieser Sohn wirklich war.
Bemerkenswert ist, was danach geschieht. Jesus kehrt mit ihnen nach Nazareth zurück und ist ihnen untertan (Lukas 2,51). Seine bewusste Beziehung zu seinem himmlischen Vater führt also nicht dazu, dass er die Ordnung seiner irdischen Familie missachtet. Josef bleibt weiterhin in seiner väterlichen Verantwortung, und Jesus ordnet sich während dieser Lebensphase unter. Göttliche Sohnschaft und gehorsames Leben innerhalb der Familie werden vom Evangelisten nicht gegeneinander ausgespielt.
Lukas schließt diesen Abschnitt mit der Aussage, dass Jesus an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und Menschen zunahm (Lukas 2,52). Für Josef ist dies die letzte ausführliche biblische Szene, in der er sicher als handelnder Teil des Familienlebens erscheint. Der zwölfjährige Jesus kehrt mit ihm und Maria nach Nazareth zurück; danach beginnt eine lange Zeit, über die die Evangelien nur sehr wenig berichten. Wenn Jesus später öffentlich auftritt, wird Josef selbst nicht mehr als gegenwärtige handelnde Person erwähnt.
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Josefs letzte Spuren im biblischen Zeugnis
Lukas 3,23 – „23 Und Jesus war ungefähr dreißig Jahre alt, als er anfing zu lehren; und war, wie man meinte, ein Sohn Josephs,"
Lukas 3,23 – „23 Und Jesus war ungefähr dreißig Jahre alt, als er anfing zu lehren; und war, wie man meinte, ein Sohn Josephs,"
Johannes 1,45 – „45 Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, den Sohn Josephs, von Nazareth."
Johannes 6,42 – „42 und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josephs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel herabgekommen?"
Mit der Rückkehr des zwölfjährigen Jesus nach Nazareth endet die letzte biblische Erzählung, in der Josef selbst sicher als gegenwärtige handelnde Person erscheint. Als Jesus viele Jahre später seinen öffentlichen Dienst beginnt, tritt Josef nicht mehr persönlich auf. Dennoch wird sein Name weiterhin genannt, weil Jesus in den Augen seiner Umgebung als der Sohn Josefs bekannt ist. Diese späteren Aussagen gehören deshalb nicht mehr zur eigentlichen Lebensgeschichte Josefs, geben aber Aufschluss darüber, wie seine Stellung innerhalb der Familie in Erinnerung geblieben war.
Lukas berichtet zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, dass Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war und „wie man meinte, ein Sohn Josefs“ war (Lukas 3,23). Die einschränkende Formulierung ist bedeutsam. Für die Menschen war Jesus Josefs Sohn, doch Lukas hatte zuvor ausführlich erklärt, dass seine Empfängnis durch den Heiligen Geist geschah. Damit hält das Evangelium auch an dieser späteren Stelle die Unterscheidung zwischen der öffentlichen familiären Zuordnung und der tatsächlichen Herkunft Jesu fest.
Eine ähnliche Wahrnehmung begegnet im Johannesevangelium. Philippus berichtet Nathanael begeistert, dass sie den gefunden hätten, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben hätten, und bezeichnet ihn als „Jesus, den Sohn Josefs, von Nazareth“ (Johannes 1,45). Diese Aussage ist die Rede des Philippus und keine Erklärung darüber, dass Josef der leibliche Vater Jesu gewesen sei. Sie zeigt vielmehr, unter welcher familiären und örtlichen Bezeichnung Jesus seinen Zeitgenossen zunächst bekannt war.
Noch deutlicher wird dies später, als Menschen über Jesu Anspruch murren und fragen: „Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen?“ (Johannes 6,42). Gerade ihr vermeintliches Wissen um Jesu menschliche Herkunft wird für sie zum Hindernis, seine Aussagen über seine himmlische Herkunft zu verstehen. Sie kennen die Familie, in der Jesus aufgewachsen ist, doch aus dieser äußerlich richtigen Beobachtung ziehen sie eine unzureichende Schlussfolgerung über seine ganze Identität.
Für Josefs Stellung ergibt sich daraus ein bemerkenswertes Bild. Er hatte seine väterliche Verantwortung offenbar so real innerhalb des Familienlebens wahrgenommen, dass Jesus in der Öffentlichkeit selbstverständlich mit seinem Namen verbunden wurde. Gleichzeitig hatten die Evangelien von Anfang an darauf geachtet, dass diese soziale und rechtliche Vaterstellung nicht mit der Zeugung Jesu verwechselt wird. Josef war für die Menschen der Vater Jesu; nach dem ausdrücklichen Zeugnis der Evangelien war er jedoch nicht dessen leiblicher Vater.
Was aus Josef selbst geworden ist, sagt die Bibel nicht. Sie berichtet weder seinen Tod noch dessen Zeitpunkt oder Umstände. Auch ein Grab, letzte Worte oder eine abschließende göttliche Bewertung seines Lebens werden nicht genannt. Dass Josef während des öffentlichen Dienstes Jesu nicht mehr als handelnde Person erscheint, erlaubt keine sichere Datierung seines Todes. Es wäre deshalb zu weitgehend, aus seinem Schweigen in den späteren Berichten eine genaue Lebenschronologie abzuleiten.
Auch bei der Kreuzigung Jesu wird Josef nicht erwähnt. Jesus vertraut seine Mutter Maria dort dem Jünger Johannes an (Johannes 19,26-27). Dieser Umstand kann mit der verbreiteten Annahme vereinbar sein, dass Josef zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war, beweist für sich genommen jedoch weder Zeitpunkt noch Umstände seines Todes. Wo die Schrift schweigt, muss auch die Biografie ihre Grenze anerkennen.
Damit endet Josefs biblisch greifbare Lebensgeschichte ungewöhnlich still. Es gibt keinen Bericht über seinen Lebensabend und keine abschließende Szene, in der seine bisherige Treue noch einmal ausdrücklich zusammengefasst wird. Sein letzter sicher erzählter Lebensabschnitt zeigt ihn mit Maria und dem zwölfjährigen Jesus in Nazareth; spätere Menschen kennen Jesus weiterhin als seinen Sohn. Mehr lässt sich über Josefs weiteres Leben aus der Bibel nicht mit Sicherheit sagen.
Gerade dieses offene Ende entspricht jedoch dem Charakter seines gesamten biblischen Auftretens. Josef wird nie zum Mittelpunkt der Botschaft. Seine Herkunft, seine Entscheidungen, seine Arbeit und seine väterliche Verantwortung erhalten ihre Bedeutung dadurch, dass Gott ihm Jesus und Maria anvertraute. Nachdem diese Aufgabe in den Evangelien ihren Platz gefunden hat, tritt Josef aus dem Bericht zurück, während die Aufmerksamkeit vollständig auf den Sohn gerichtet wird, dessen Kommen ihm einst im Traum angekündigt worden war.
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Zusammenfassung und Gebet
Josefs Leben zeigt, wie bedeutsam ein Mensch im Erlösungsplan Gottes sein kann, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen. Die Evangelien überliefern kein einziges gesprochenes Wort von ihm, aber sie zeigen wiederholt, wie er auf das reagiert, was Gott ihm anvertraut. Seine Geschichte wird deshalb weniger durch öffentliche Wirkung als durch Verantwortung geprägt: Er hört auf Gottes Weisung und handelt danach.
Dabei erscheint Josef nicht als ein Mann, der von Anfang an alles versteht. Als er von Marias Schwangerschaft erfährt, kennt er deren göttlichen Ursprung zunächst nicht und trifft auf Grundlage seines begrenzten Wissens eine andere Entscheidung. Erst Gottes Offenbarung verändert seinen Weg. Gerade darin liegt ein wichtiger Zug seiner Geschichte: Josef muss nicht alles wissen, bevor er gehorchen kann. Entscheidend wird, dass er das empfangene Wort Gottes über seine eigene bisherige Einschätzung stellt.
Dieser Gehorsam wird anschließend konkret. Josef nimmt Maria zu sich, gibt dem Kind den von Gott bestimmten Namen Jesus, übernimmt väterliche Verantwortung, zieht mit seiner Familie nach Bethlehem, flieht auf Gottes Warnung hin nach Ägypten und kehrt erst zurück, als er dazu angewiesen wird. Seine Treue besteht nicht in außergewöhnlichen eigenen Leistungen, sondern darin, die ihm übertragene Verantwortung tatsächlich wahrzunehmen. Wo Gott spricht, reagiert Josef nicht nur mit Zustimmung, sondern mit Handeln.
Zugleich bleibt die Grenze seiner Stellung von Anfang an deutlich. Josef ist nicht der leibliche Vater Jesu und nicht der Ursprung seiner Sendung. Er schützt den Retter, ohne selbst der Retter zu sein; er gibt Jesus den Namen, den Gott bestimmt hat; er führt ihn innerhalb einer irdischen Familie, während Jesus zugleich der Sohn des himmlischen Vaters ist. Selbst als Jesus Josef gegenüber gehorsam in Nazareth aufwächst, bleibt seine göttliche Sohnschaft jeder menschlichen Vaterstellung übergeordnet.
Gerade dadurch erhält Josefs Fürsorge ihr besonderes Gewicht. Gott vertraut ihm Maria und das Kind an, dessen Leben mit der Erfüllung seiner Verheißungen verbunden ist. Josef begegnet dieser Aufgabe nicht mit Selbstdarstellung, sondern mit beständiger Verantwortung in außergewöhnlichen Gefahren ebenso wie im gewöhnlichen Alltag von Nazareth. Seine Arbeit, sein Familienleben und seine wiederholten Entscheidungen stehen im Dienst einer Geschichte, die größer ist als er selbst.
Über Josefs letzte Jahre und seinen Tod schweigt die Bibel. Sie erlaubt deshalb weder eine ausgeschmückte Lebensgeschichte noch ein abschließendes Urteil über Einzelheiten, die Gott nicht offenbart hat. Was sie überliefert, genügt jedoch für ein klares Gesamtbild: Josef war ein gerechter Mann, der sich von Gottes Wort korrigieren und führen ließ und die ihm anvertraute Verantwortung gegenüber Maria und Jesus annahm.
Am Ende führt Josefs Geschichte deshalb nicht zu Josef als ihrem eigentlichen Ziel. Der Mann aus dem Haus Davids tritt zurück, während der Sohn, den er beschützte und aufzog, immer deutlicher in den Mittelpunkt tritt. Schon die erste Botschaft an Josef hatte gesagt, worum es letztlich geht: Jesus ist gekommen, um sein Volk von seinen Sünden zu retten. Josefs bleibende Bedeutung liegt darin, dass er treu seinen Platz in jener Geschichte einnahm, deren Mittelpunkt und Hoffnung allein Christus ist.
Vater im Himmel, ich danke dir, dass du Menschen in deinen Dienst rufst und ihnen Verantwortung anvertraust. Schenke mir ein Herz, das auf dein Wort hört und bereit ist, eigene Vorstellungen korrigieren zu lassen, wenn du einen anderen Weg zeigst. Gib mir Treue auch dort, wo meine Aufgabe unscheinbar erscheint, und Mut zum Gehorsam, wenn dein Weg Opfer und Veränderung verlangt. Bewahre mich davor, mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, und richte meinen Blick immer wieder auf Jesus Christus, in dem du Rettung und Hoffnung gegeben hast. Amen.
„Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Matthäus 1,21