Johannes der Täufer

Johannes der Täufer: Leben, Auftrag und Bedeutung

Johannes der Täufer war ein von Gott gesandter Prophet, der unmittelbar vor dem öffentlichen Wirken Jesu auftrat und Israel zur Umkehr rief. Durch seine Predigt und die Taufe der Buße bereitete er das Volk auf das Kommen des Herrn vor. Seine besondere heilsgeschichtliche Aufgabe bestand darin, auf Jesus Christus hinzuweisen und Menschen für den verheißenen Messias bereit zu machen.

Einführung

Mit Johannes dem Täufer beginnt in den Evangelien eine entscheidende neue Phase der biblischen Heilsgeschichte. Lange bevor Jesus öffentlich predigte, trat ein Mann auf, dessen Aufgabe nicht darin bestand, Menschen an sich selbst zu binden. Sein ganzer Dienst sollte vorbereiten. Johannes stand an der Schwelle zwischen den prophetischen Verheißungen des Alten Testaments und ihrer Erfüllung im Kommen Christi.

Seine Geschichte ist dabei enger mit Gottes vorausgehendem Handeln verbunden, als sein späteres Auftreten am Jordan zunächst erkennen lässt. Johannes erschien nicht plötzlich als selbsternannter Lehrer. Schon bevor er geboren wurde, bestimmte Gott seinen besonderen Auftrag. Deshalb beginnen die Evangelien seine Lebensgeschichte nicht bei seiner Predigt in der Wüste, sondern im Haus eines priesterlichen Ehepaares, das lange auf ein Kind gewartet hatte.

Sein Vater Zacharias gehörte zur Priesterschaft und versah seinen Dienst vor Gott; seine Mutter Elisabeth stammte ebenfalls aus priesterlicher Familie. Lukas beschreibt beide als Menschen, die vor Gott gerecht lebten, zugleich aber mit einer tiefen unerfüllten Hoffnung leben mussten: Elisabeth war kinderlos, und beide waren bereits weit vorangeschritten in ihren Jahren (Lukas 1,5-7). Gerade in diese menschlich aussichtslose Situation griff Gott ein.

Während Zacharias seinen priesterlichen Dienst im Tempel versah, geschah etwas, das den Anfang von Johannes’ Lebensgeschichte bestimmte. Gott sandte einen Engel zu ihm und kündigte die Geburt eines Sohnes an. Noch bevor Johannes das Licht der Welt erblickte, wurde damit sichtbar: Sein Leben sollte Teil eines Auftrags sein, den Gott selbst vorbereitet hatte.

Ein Sohn mit einem vorbereiteten Auftrag

Lukas 1,13-17 – „13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhört worden, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. 14 Und er wird dir Freude und Frohlocken bereiten, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit heilige…"
Lukas 1,13-17 – „13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhört worden, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. 14 Und er wird dir Freude und Frohlocken bereiten, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit heilige…"
Lukas 1,5-12 – „5 In den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, war ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Ordnung Abias; der hatte eine Frau von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. 6 Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten in allen Geboten und Rechten des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren hochbetagt. 8 Es begab sich aber, a…"
Lukas 1,18-25 – „18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist schon betagt. 19 Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. 20 Und siehe, du wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tage, da solches geschehen wird; darum, weil du meinen…"

Die Lebensgeschichte Johannes des Täufers beginnt im Tempel von Jerusalem, noch bevor er geboren wird. Sein Vater Zacharias war Priester aus der Abteilung Abias, seine Mutter Elisabeth stammte von Aaron ab. Beide werden von Lukas als Menschen beschrieben, die vor Gott gerecht lebten und sich nach seinen Geboten richteten. Dennoch blieb ihre Ehe kinderlos, und inzwischen waren beide in vorgerücktem Alter. Gerade diese Verbindung von treuem Leben und lange unerfüllter Hoffnung bildet den Hintergrund für das, was Gott nun tat.

Als die Abteilung des Zacharias ihren Priesterdienst versah, wurde er durch das Los dazu bestimmt, im Heiligtum zu räuchern. Während das Volk draußen betete, erschien ihm ein Engel des Herrn zur Rechten des Räucheraltars. Zacharias erschrak, doch der Engel sprach ihm Mut zu. Seine Bitte sei erhört worden: Elisabeth werde ihm einen Sohn gebären, und er sollte ihm den Namen Johannes geben. Damit wurde bereits vor der Geburt deutlich, dass dieses Kind nicht lediglich die Antwort auf den persönlichen Wunsch seiner Eltern sein würde. Gott verband seine Geburt mit einer Aufgabe, die weit über ihre Familie hinausreichte.

Der Engel kündigte an, dass Johannes für Zacharias und Elisabeth Freude und Jubel bringen und dass sich viele über seine Geburt freuen würden. Entscheidend war jedoch die Begründung: Er werde groß sein vor dem Herrn. Seine Bedeutung sollte also nicht aus gesellschaftlichem Rang, politischer Macht oder menschlichem Ansehen entstehen. Gott selbst bestimmte den Maßstab seines Lebens. Johannes sollte keinen Wein und kein starkes Getränk trinken und bereits von Mutterleib an mit Heiligem Geist erfüllt sein. Die Bibel berichtet damit von einer außergewöhnlichen göttlichen Aussonderung, ohne darüber hinaus Einzelheiten über seine frühe Lebensweise zu erfinden.

Sein Auftrag wurde ebenfalls schon vor seiner Geburt beschrieben. Johannes sollte viele aus den Kindern Israel zu dem Herrn, ihrem Gott, zurückführen. Sein Dienst zielte damit auf Umkehr: Menschen, die sich von Gott entfernt hatten, sollten wieder zu ihm zurückkehren. Johannes sollte nicht lediglich religiöse Aufmerksamkeit erzeugen, sondern Herzen auf Gottes kommendes Handeln vorbereiten. Noch bevor er selbst predigen konnte, erklärte Gott, worauf sein späterer Dienst ausgerichtet sein würde.

Besonders bedeutsam ist die Ankündigung, Johannes werde vor dem Herrn hergehen „im Geist und in der Kraft Elias“. Diese Aussage macht ihn nicht zu einer Wiederkehr Elias als Person. Sie beschreibt vielmehr die Art seines prophetischen Auftrags. Wie Elia sollte Johannes in einer Zeit geistlicher Entfernung entschieden zu Gott zurückrufen. Der Engel verbindet diesen Auftrag damit, Herzen neu auszurichten und dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Johannes’ Lebensaufgabe war deshalb von Anfang an vorbereitend: Er sollte nicht selbst das Ziel sein, sondern Menschen für den vorbereiten, der nach ihm kommen würde.

Zacharias reagierte auf diese Verheißung mit einer Frage nach einem Zeichen. Er verwies auf sein eigenes Alter und darauf, dass auch Elisabeth in vorgerückten Jahren war. Daraufhin stellte sich der Engel als Gabriel vor, der vor Gott stehe und gesandt worden sei, diese gute Botschaft zu verkünden. Weil Zacharias den Worten nicht geglaubt hatte, sollte er bis zu ihrer Erfüllung stumm bleiben. Seine zeitweilige Sprachlosigkeit war damit nicht eine willkürliche Strafe, sondern zugleich ein Zeichen dafür, dass Gottes Wort trotz menschlichen Zweifels eintreffen würde.

Als Zacharias schließlich aus dem Tempel herauskam, konnte er nicht zu dem wartenden Volk sprechen. Die Menschen erkannten, dass er im Heiligtum eine Erscheinung gesehen hatte, während er sich nur durch Zeichen verständigen konnte. Nach Beendigung seines Priesterdienstes kehrte er nach Hause zurück. Wenig später wurde Elisabeth schwanger und zog sich für fünf Monate zurück. Sie erkannte darin ausdrücklich Gottes Handeln und sagte, der Herr habe ihre Schmach unter den Menschen weggenommen.

Damit beginnt Johannes’ Leben nicht mit seiner eigenen Leistung, sondern mit einer göttlichen Verheißung. Noch bevor er geboren wird, stehen Herkunft, Berufung und Richtung seines Dienstes unter Gottes vorausgehendem Handeln. Der angekündigte Sohn sollte Israel nicht zu sich selbst führen, sondern den Weg für Gottes kommendes Eingreifen bereiten. Seine Geschichte nimmt deshalb ihren Anfang mit einem Wort Gottes, das menschliche Unmöglichkeit überwindet und zugleich einen prophetischen Auftrag eröffnet.

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Noch ungeboren begegnet Johannes dem kommenden Christus

Lukas 1,39-45 – „39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste eilends in das Gebirge, in eine Stadt in Juda, 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit heiligem Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist …"
Lukas 1,39-45 – „39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste eilends in das Gebirge, in eine Stadt in Juda, 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit heiligem Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist …"
Lukas 1,26-38 – „26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne namens Joseph, vom Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen! 29 Als sie ihn aber sah, erschrak sie übe…"

Während Elisabeth mit Johannes schwanger war, geschah in ihrer Verwandtschaft etwas, das unmittelbar mit seinem späteren Auftrag verbunden war. Im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft wurde der Engel Gabriel nach Nazareth zu Maria gesandt. Ihr wurde angekündigt, dass sie durch das Wirken des Heiligen Geistes einen Sohn empfangen werde, der Jesus heißen und Sohn des Höchsten genannt werden sollte. Als Zeichen für Gottes Macht verwies Gabriel auch auf Elisabeth: Die Frau, die als unfruchtbar galt, erwartete bereits seit sechs Monaten ein Kind. Damit wurden die beiden Geburtsgeschichten miteinander verbunden, noch bevor Johannes und Jesus geboren waren.

Maria machte sich daraufhin auf den Weg in das Bergland Judas und kam in das Haus von Zacharias und Elisabeth. Als sie Elisabeth begrüßte, geschah etwas Außergewöhnliches: Das Kind in Elisabeths Leib hüpfte, und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt. Lukas berichtet das Geschehen ausdrücklich, ohne Johannes selbst Gedanken oder ein bewusstes Verständnis zuzuschreiben. Sicher ist jedoch, dass seine vorgeburtliche Begegnung mit Maria und dem ungeborenen Jesus innerhalb jener besonderen göttlichen Führung geschah, die bereits bei seiner Ankündigung vorausgesagt worden war.

Elisabeth sprach daraufhin unter der Wirkung des Heiligen Geistes einen Segen über Maria aus. Sie bezeichnete Maria als gesegnet unter den Frauen und nannte die Frucht ihres Leibes gesegnet. Besonders bemerkenswert ist ihre Frage, wie es komme, dass „die Mutter meines Herrn“ zu ihr komme. Damit richtete sich die Aufmerksamkeit nicht auf Johannes, obwohl gerade seine außergewöhnliche Reaktion berichtet worden war, sondern auf den, den Maria trug. Schon an diesem frühen Punkt steht Johannes’ Geschichte im Schatten der größeren Wirklichkeit des kommenden Christus.

Elisabeth erklärte Maria auch, was beim Klang ihres Grußes geschehen war: Das Kind in ihrem Leib sei vor Freude gehüpft. Diese Freude passt zu der Ankündigung Gabriels, nach der Johannes bereits von Mutterleib an unter dem besonderen Wirken des Heiligen Geistes stehen sollte. Mehr als der Text sagt, sollte daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Die Bibel erklärt nicht, auf welche Weise das ungeborene Johanneskind das Geschehen wahrnahm. Sie berichtet das Ereignis vielmehr als ein Zeichen innerhalb der von Gott geführten Begegnung der beiden Mütter.

Gerade dadurch wird eine Grundlinie sichtbar, die Johannes’ gesamtes späteres Leben prägen sollte. Seine Bedeutung bestand nie darin, neben Christus eine zweite Mitte zu bilden. Schon bevor Johannes selbst sprechen oder predigen konnte, führte seine Geschichte auf Jesus hin. Elisabeths vom Geist gewirkte Worte lenkten den Blick auf den Herrn, dessen Kommen sich nun erfüllte. Johannes sollte später mit seiner eigenen Stimme dasselbe tun: nicht sich selbst erhöhen, sondern den Kommenden kenntlich machen.

Maria blieb ungefähr drei Monate bei Elisabeth und kehrte danach in ihr Haus zurück. Über die gemeinsamen Wochen berichtet Lukas keine weiteren Einzelheiten. Die Bibel schildert weder Gespräche zwischen den Frauen noch zusätzliche Ereignisse, sodass diese Zeit nicht ausgeschmückt werden sollte. Der Bericht setzt erst wieder ein, als für Elisabeth die Zeit der Geburt erfüllt war.

Bis dahin hatte sich jedoch bereits gezeigt, dass Johannes’ Leben von Anfang an mit dem Kommen Jesu verbunden war. Seine Geburtsankündigung hatte ihn als Wegbereiter bezeichnet; nun begegnen sich die beiden Lebensgeschichten zum ersten Mal unmittelbar. Noch ist Johannes nicht geboren, noch hat er kein einziges Wort gepredigt, doch die Richtung seines Lebens steht bereits fest: Sein Platz liegt vor dem Christus, auf den sein ganzer späterer Dienst weisen wird.

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Johannes wird geboren und erhält seinen Namen

Lukas 1,57-66 – „57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, da sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht hatte, und freuten sich mit ihr. 59 Und es begab sich am achten Tage, daß sie kamen, das Kindlein zu beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 60 Seine Mutter aber sprach: Nich…"
Lukas 1,57-66 – „57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, da sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht hatte, und freuten sich mit ihr. 59 Und es begab sich am achten Tage, daß sie kamen, das Kindlein zu beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 60 Seine Mutter aber sprach: Nich…"
Lukas 1,13 – „13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhört worden, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben."

Als für Elisabeth die Zeit der Geburt gekommen war, brachte sie einen Sohn zur Welt. Was zuvor menschlich ausgeschlossen erschienen war, wurde damit Wirklichkeit. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr ihr große Barmherzigkeit erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Die Geburt des Johannes steht deshalb zunächst ganz im Zeichen von Gottes Treue gegenüber seinen Eltern. Doch schon wenige Tage später zeigte sich erneut, dass dieses Kind nicht einfach den Erwartungen seiner Umgebung folgen sollte.

Am achten Tag kamen die Angehörigen zur Beschneidung des Kindes. Dabei wollten sie ihm offenbar nach seinem Vater den Namen Zacharias geben. Elisabeth widersprach jedoch entschieden und sagte, er solle Johannes heißen. Die Anwesenden wandten ein, dass niemand in ihrer Verwandtschaft diesen Namen trage. Ihr Einwand zeigt, wie selbstverständlich sie davon ausgingen, dass die Namensgebung sich an der Familie orientieren würde. Doch der Name des Kindes war bereits vor seiner Geburt durch Gottes Boten bestimmt worden.

Weil Zacharias noch immer nicht sprechen konnte, fragten sie ihn durch Zeichen, welchen Namen das Kind erhalten solle. Er verlangte eine Schreibtafel und schrieb: „Johannes ist sein Name.“ Damit bestätigte er die Anweisung, die Gabriel ihm im Tempel gegeben hatte. Bemerkenswert ist, dass Zacharias nicht formulierte, das Kind solle Johannes heißen, sondern den Namen als feststehend bestätigte. Was Gott angekündigt hatte, wurde nun auch von den Eltern gehorsam angenommen.

In diesem Augenblick löste sich die Sprachlosigkeit des Zacharias. Sein Mund wurde geöffnet, seine Zunge gelöst, und er begann zu reden und Gott zu loben. Das Zeichen, das mit seinem Zweifel begonnen hatte, endete, als die angekündigte Verheißung sichtbar erfüllt und der von Gott bestimmte Name bestätigt war. Zacharias hatte erfahren, dass Gottes Wort nicht von menschlicher Wahrscheinlichkeit abhängig ist. Seine erste wiedergewonnene Sprache wurde deshalb nicht für eine Erklärung seiner eigenen Erfahrung verwendet, sondern zum Lob Gottes.

Die Ereignisse hinterließen in der Umgebung einen starken Eindruck. Furcht kam über die Nachbarn, und im ganzen Bergland von Judäa wurde über das Geschehen gesprochen. Die Menschen, die davon hörten, bewahrten es in ihrem Herzen und fragten: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Ihre Frage war berechtigt, denn die Umstände seiner Geburt hatten deutlich gemacht, dass etwas Besonderes mit Johannes verbunden war. Lukas fügt hinzu, dass die Hand des Herrn mit ihm war.

Diese Aussage darf nicht mit Einzelheiten gefüllt werden, die der Bibeltext nicht berichtet. Über Johannes’ Säuglingszeit, seine Erziehung oder konkrete frühe Erfahrungen erfahren wir an dieser Stelle nichts. Sicher ist lediglich, dass Gottes Handeln, das schon vor seiner Geburt begonnen hatte, auch sein weiteres Leben begleitete. Die Aufmerksamkeit richtet sich deshalb nicht auf eine außergewöhnliche Kindheitsgeschichte, sondern auf den Auftrag, für den Johannes von Anfang an bestimmt war.

Auch sein Name gehört in diesen Zusammenhang. Entscheidend ist dabei weniger eine mögliche sprachliche Deutung des Namens als die Tatsache, dass Gott ihn selbst vorgegeben hatte. Johannes sollte nicht einfach die familiäre Linie seines Vaters fortsetzen. Schon bei seiner Namensgebung wurde sichtbar, dass seine Identität und seine zukünftige Aufgabe von Gottes Ruf geprägt waren.

Mit der Geburt und Namensgebung war die Verheißung Gabriels jedoch noch nicht vollständig entfaltet. Nachdem Zacharias seine Stimme zurückerhalten hatte, wurde er mit Heiligem Geist erfüllt und begann prophetisch zu sprechen. Seine Worte würden Johannes’ Platz innerhalb von Gottes größerem Erlösungshandeln noch genauer bestimmen und zugleich zeigen, warum der angekündigte Wegbereiter überhaupt notwendig war.

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Zacharias kündigt den Auftrag seines Sohnes an

Lukas 1,67-79 – „67 Und sein Vater Zacharias ward mit heiligem Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet; 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David, 70 wie er verheißen hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von alters her: 71 Errettung von unsern Feinden und aus der Hand aller,…"
Lukas 1,67-79 – „67 Und sein Vater Zacharias ward mit heiligem Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet; 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David, 70 wie er verheißen hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von alters her: 71 Errettung von unsern Feinden und aus der Hand aller,…"
Lukas 1,15-17 – „15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit heiligem Geiste wird er erfüllt werden schon von Mutterleib an. 16 Und viele von den Kindern Israel wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, zurückführen. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, um die Herzen der Väter umzuwenden zu den Kindern und die Ungehorsamen zur Gesinnung der …"

Nachdem Zacharias seine Sprache wiedererlangt hatte, wurde er mit Heiligem Geist erfüllt und sprach prophetisch. Seine Worte beginnen jedoch nicht bei seinem eigenen Sohn. Zuerst lobt er den Herrn, den Gott Israels, weil er sein Volk besucht und Erlösung bereitet habe. Damit wird Johannes von Anfang an in einen größeren Zusammenhang gestellt: Seine Geburt war bedeutsam, aber sie war nicht das eigentliche Zentrum dessen, was Gott nun tat. Der angekündigte Retter stand im Mittelpunkt.

Zacharias spricht von einem „Horn des Heils“ aus dem Haus Davids und erinnert an die Verheißungen, die Gott durch seine Propheten gegeben hatte. Johannes selbst stammte nicht aus dem Haus Davids, sondern aus einer priesterlichen Familie. Die Worte können sich deshalb nicht auf ihn als den verheißenen Retter beziehen. Seine Geburt fällt vielmehr in eine Zeit, in der Gott begann, die lange angekündigten Verheißungen auf besondere Weise zur Erfüllung zu führen. Johannes sollte innerhalb dieses Geschehens dienen, aber nicht dessen Ziel sein.

Erst danach richtet Zacharias seine Worte unmittelbar an seinen Sohn: Johannes werde ein Prophet des Höchsten genannt werden. Damit wird sein Amt ausdrücklich bestimmt. Er sollte vor dem Herrn hergehen und seine Wege bereiten. Die Ankündigung Gabriels wird nun noch einmal prophetisch bestätigt und näher entfaltet. Johannes sollte nicht nur allgemein zu Gott zurückrufen, sondern unmittelbar auf das bevorstehende Handeln Gottes vorbereiten.

Zacharias beschreibt diesen vorbereitenden Dienst mit den Worten, Johannes werde Gottes Volk Erkenntnis des Heils geben „in Vergebung ihrer Sünden“. Damit wird deutlich, weshalb der Ruf zur Umkehr später einen so zentralen Platz in seiner Verkündigung einnehmen würde. Das eigentliche Heil lag nicht in Johannes und auch nicht in der äußeren Handlung seiner Taufe. Menschen mussten ihre Sünde erkennen und auf Gottes rettendes Handeln vorbereitet werden. Johannes sollte ihnen den Weg weisen, aber die Rettung selbst kam von Gott.

Dann führt die Prophetie den Blick erneut über Johannes hinaus. Zacharias spricht von der herzlichen Barmherzigkeit Gottes, durch die der „Aufgang aus der Höhe“ sein Volk besuchen werde. Dieser kommende Lichtbringer sollte denen erscheinen, die in Finsternis und im Schatten des Todes sitzen, und ihre Füße auf den Weg des Friedens richten. Johannes’ Dienst erhält dadurch seine Bedeutung: Er sollte unmittelbar vor dem Licht auftreten und Menschen darauf vorbereiten, es zu erkennen.

Diese Ordnung bewahrt zugleich davor, Johannes größer zu machen, als die Bibel ihn macht. Er war ein von Gott berufener Prophet mit einer außergewöhnlichen Stellung, doch seine Größe bestand gerade darin, dass sein Dienst von sich wegwies. Zacharias spricht ausführlich von Gottes Erlösung, seinem Bund, seiner Barmherzigkeit und dem kommenden Heil, bevor er den konkreten Auftrag seines Sohnes beschreibt. Johannes sollte innerhalb dieses Erlösungswerkes dienen, nicht an dessen Stelle treten.

Bemerkenswert ist auch, dass Zacharias seinen Sohn nicht für persönliche Größe oder familiäre Ehre bestimmt sieht. Nachdem er lange kinderlos gewesen war und diesen Sohn auf außergewöhnliche Weise empfangen hatte, erkennt er prophetisch an, dass Johannes Gott gehört und dessen Auftrag dienen soll. Der Vater hält das Geschenk nicht für sich fest. Sein Lob richtet sich auf den Gott, dessen Verheißungen nun in eine neue Phase ihrer Erfüllung eintreten.

Damit ist Johannes’ Lebensauftrag bereits vor seinen ersten eigenen Worten klar umrissen. Er wird Prophet sein, vor dem Herrn hergehen, Menschen auf Vergebung und Heil vorbereiten und den Weg für den Kommenden bereiten. Doch zwischen dieser prophetischen Ankündigung und seinem öffentlichen Auftreten liegt ein Lebensabschnitt, über den die Bibel nur sehr wenig berichtet. Gerade dieses Schweigen setzt eine wichtige Grenze dafür, was über Johannes’ frühe Jahre tatsächlich gesagt werden kann.

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Johannes wächst heran, bis Gottes Wort an ihn ergeht

Lukas 1,80 – „80 Das Kindlein aber wuchs und wurde stark am Geist und war in der Wüste bis zum Tage seines Auftretens vor Israel."
Lukas 1,80 – „80 Das Kindlein aber wuchs und wurde stark am Geist und war in der Wüste bis zum Tage seines Auftretens vor Israel."
Lukas 3,1-2 – „1 Im fünfzehnten Jahre aber der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Vierfürst der Landschaft Ituräa und Trachonitis und Lysanias Vierfürst von Abilene, 2 unter den Hohenpriestern Hannas und Kajaphas, erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste."

Nach der Prophetie des Zacharias überspringt Lukas viele Jahre und fasst Johannes’ weitere Entwicklung in einem einzigen Satz zusammen. Das Kind wuchs heran und wurde stark im Geist. Über seine Kindheit, Jugend oder Ausbildung berichtet die Bibel keine einzelnen Ereignisse. Gerade deshalb darf diese lange Lebensphase nicht mit späteren Überlieferungen oder vermuteten Erlebnissen gefüllt werden. Was Lukas festhält, genügt jedoch, um zu erkennen, dass Johannes auf seinen kommenden Dienst zuging.

Die Aussage, dass Johannes „stark im Geist“ wurde, beschreibt mehr als körperliches Heranwachsen. Bereits vor seiner Geburt war angekündigt worden, dass sein Leben unter dem besonderen Wirken des Heiligen Geistes stehen sollte. Nun bestätigt der Bericht diese Entwicklung, ohne sie im Einzelnen auszumalen. Die Bibel nennt weder besondere Lehrer noch eine prophetische Schule, die Johannes besucht hätte. Seine Vorbereitung wird vielmehr knapp als ein Heranwachsen unter Gottes Hand beschrieben.

Lukas fügt hinzu, dass Johannes bis zu dem Tag, an dem er vor Israel öffentlich auftrat, in den Wüstengebieten lebte. Wann genau dieser Aufenthalt begann und wie sein tägliches Leben dort aussah, wird nicht erklärt. Auch der Grund für jeden einzelnen Schritt dorthin bleibt offen. Sicher ist nur, dass Johannes vor seinem öffentlichen Dienst außerhalb der gewöhnlichen Zentren des religiösen und gesellschaftlichen Lebens lebte und von dort aus schließlich in Israel hervortrat.

Damit entsteht eine auffällige Spannung zu seiner Herkunft. Johannes war der Sohn eines Priesters und stammte mütterlicherseits ebenfalls aus dem Geschlecht Aarons. Dennoch berichtet die Bibel nicht, dass er später selbst einen regulären Priesterdienst im Tempel ausübte. Sein von Gott bestimmter Auftrag sollte eine andere Form annehmen. Er würde nicht am Räucheraltar seines Vaters beginnen, sondern als Prophet zu einem Volk sprechen, das auf das Kommen des Herrn vorbereitet werden musste.

Als Lukas Johannes später erneut in die Erzählung einführt, verankert er sein Auftreten sorgfältig in der damaligen geschichtlichen Situation. Er nennt den Kaiser Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes und weitere Herrscher sowie die Hohenpriester Hannas und Kajaphas. Damit wird Johannes’ Dienst nicht als zeitlose Legende erzählt, sondern als Geschehen innerhalb einer konkreten Geschichte. Inmitten politischer Herrschaft und religiöser Strukturen bereitete Gott den Dienst des Mannes vor, dessen Geburt Jahrzehnte zuvor angekündigt worden war.

Der entscheidende Wendepunkt wird mit wenigen Worten beschrieben: Das Wort Gottes erging an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Sein öffentliches Wirken begann demnach nicht aus eigener Initiative. Der Sohn, dessen Auftrag bereits vor seiner Geburt angekündigt worden war, empfing nun Gottes Wort und trat damit in die Aufgabe ein, auf die sein bisheriges Leben hingeführt hatte. Der Ursprung seines Dienstes lag bei Gott.

Zwischen der Verheißung über das Kind und dem Auftreten des erwachsenen Propheten liegen somit viele Jahre, über die die Schrift schweigt. Dieses Schweigen lenkt den Blick umso stärker auf das, was für Johannes wesentlich war: Gott hatte ihn angekündigt, wachsen lassen und schließlich zu der von ihm bestimmten Zeit in den öffentlichen Dienst gerufen. Nun würde Johannes seine Stimme erheben, und seine erste Botschaft sollte genau das verlangen, worauf seine ganze Berufung zielte: Umkehr und eine wirkliche Vorbereitung auf das nahegekommene Handeln Gottes.

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Johannes ruft Israel in der Wüste zur Umkehr

Matthäus 3,1-6 – „1 In jenen Tagen aber erscheint Johannes der Täufer und predigt in der Wüste des jüdischen Landes 2 und spricht: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 3 Das ist der, von welchem gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: «Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Pfade eben!» 4 Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen…"
Matthäus 3,1-6 – „1 In jenen Tagen aber erscheint Johannes der Täufer und predigt in der Wüste des jüdischen Landes 2 und spricht: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 3 Das ist der, von welchem gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: «Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Pfade eben!» 4 Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen…"
Markus 1,2-6 – „2 Wie geschrieben steht in Jesaja, dem Propheten: «Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird. 3 Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Pfade eben!» 4 So begann Johannes in der Wüste, taufte und predigte eine Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Bewohner von …"
Lukas 3,3-6 – „3 Und er kam in die ganze Umgegend des Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im Buche der Reden des Propheten Jesaja, der da spricht: «Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Pfade eben! 5 Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme soll gerade und die rauhen Wege eben werde…"

Als das Wort Gottes an Johannes ergangen war, begann sein öffentlicher Dienst. Er zog durch die Gegend am Jordan und verkündigte eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Matthäus fasst seine Botschaft in dem eindringlichen Ruf zusammen: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!“ Damit trat Johannes nicht als Lehrer mit einer neuen persönlichen Lehre auf. Sein Auftrag bestand darin, Israel angesichts des unmittelbar bevorstehenden Handelns Gottes zur Umkehr zu rufen.

Die Evangelien erkennen in seinem Auftreten die Erfüllung der prophetischen Ankündigung aus Jesaja 40. Johannes war die „Stimme eines Rufenden in der Wüste“, die dazu aufrief, den Weg des Herrn zu bereiten und seine Pfade gerade zu machen. Das Bild beschreibt keine Straßenbauarbeit, sondern die geistliche Vorbereitung eines Volkes auf Gottes Kommen. Lukas führt die Prophetie weiter aus: Täler sollen ausgefüllt, Berge erniedrigt und krumme Wege gerade werden, bis alles Fleisch Gottes Heil sehen wird. Johannes’ Predigt stand damit innerhalb einer viel älteren Verheißung und erhielt ihre Bedeutung durch das, was Gott nun erfüllen wollte.

Auch Markus verbindet Johannes’ Auftreten mit der Erwartung eines vorbereitenden Boten. Der Wegbereiter war nicht der Herr selbst. Seine Stimme sollte vorausgehen und Menschen für den Kommenden bereit machen. Diese Unterscheidung ist für Johannes’ gesamte Lebensgeschichte entscheidend. Obwohl große Menschenmengen zu ihm kamen, bestand sein Auftrag nicht darin, eine Bewegung um seine eigene Person aufzubauen. Je bedeutender sein Dienst wurde, desto klarer musste er auf einen anderen hinweisen.

Sein äußeres Erscheinungsbild war auffällig schlicht. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; seine Nahrung bestand aus Heuschrecken und wildem Honig. Matthäus und Markus berichten diese Merkmale ausdrücklich, erklären jedoch nicht jedes Detail ihrer Bedeutung. Deshalb sollte aus ihnen keine umfassende Lebensordnung abgeleitet werden, die der Text selbst nicht formuliert. Zugleich erinnert besonders die Beschreibung seines Gürtels an den Propheten Elia und passt damit zu der bereits vor Johannes’ Geburt angekündigten Aufgabe, im Geist und in der Kraft Elias aufzutreten.

Die Wirkung seiner Verkündigung war erheblich. Menschen aus Jerusalem, aus ganz Judäa und aus der Umgebung des Jordan kamen zu ihm hinaus. Der Ort seines Dienstes lag nicht im religiösen Zentrum Jerusalems, sondern draußen in der Wüste und am Jordan. Wer Johannes hören wollte, musste sich auf den Weg zu ihm machen. Dort begegneten die Menschen keinem bequemeren religiösen Angebot, sondern einem Ruf, der ihre eigene Beziehung zu Gott betraf.

Diejenigen, die seine Botschaft annahmen, ließen sich von Johannes im Jordan taufen und bekannten dabei ihre Sünden. Seine Taufe war damit eng mit Umkehr und Sündenbekenntnis verbunden. Sie war kein bloßes öffentliches Ritual und auch keine Leistung, durch die Menschen sich selbst Vergebung verdienen konnten. Johannes rief zur Umkehr auf und bereitete auf die Vergebung vor, die in Gottes rettendem Handeln begründet war. Die äußere Taufe sollte zu einer inneren Hinwendung zu Gott passen.

Gerade hier zeigt sich die Schärfe seines prophetischen Dienstes. Johannes genügte es nicht, dass Menschen sich für seine Predigt interessierten oder sich äußerlich einer religiösen Handlung unterzogen. Die Vorbereitung auf den kommenden Herrn verlangte eine wirkliche Veränderung der Ausrichtung. Der Weg des Herrn sollte nicht nur in der Wüste angekündigt, sondern in den Herzen eines Volkes vorbereitet werden, das seine Sünde erkannte und sich Gott wieder zuwandte.

Mit dem wachsenden Zulauf kamen jedoch nicht nur Menschen, die ihre Sünden bekannten. Auch Vertreter religiöser Gruppen erschienen bei Johannes. Nun musste sich zeigen, dass seine Botschaft niemanden aufgrund von Herkunft, Stellung oder religiöser Zugehörigkeit von der Notwendigkeit der Umkehr ausnahm. Johannes würde den Ruf zur Buße deshalb noch konkreter und eindringlicher entfalten.

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Johannes fordert Früchte echter Umkehr

Lukas 3,7-14 – „7 Er sprach nun zu dem Volke, das hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Schlangenbrut! Wer hat euch unterwiesen, dem kommenden Zorn zu entrinnen? 8 So bringet nun Früchte, die der Buße würdig sind, und fanget nicht an, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch, Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. 9 Schon ist aber die Axt an die Wu…"
Lukas 3,7-14 – „7 Er sprach nun zu dem Volke, das hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Schlangenbrut! Wer hat euch unterwiesen, dem kommenden Zorn zu entrinnen? 8 So bringet nun Früchte, die der Buße würdig sind, und fanget nicht an, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch, Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. 9 Schon ist aber die Axt an die Wu…"
Matthäus 3,7-10 – „7 Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Schlangenbrut, wer hat euch unterwiesen, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen? 8 So bringet nun Frucht, die der Buße würdig ist! 9 Und denket nicht bei euch selbst, sagen zu können: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch, Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. 10 Es…"

Je größer der Zulauf zu Johannes wurde, desto deutlicher trat hervor, dass eine äußere Teilnahme an seiner Taufe nicht genügte. Matthäus berichtet, dass auch viele Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kamen. Johannes begegnete ihnen mit ungewöhnlich scharfen Worten und nannte sie „Otterngezücht“. Seine Härte richtete sich nicht gegen ihre bloße Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, sondern gegen eine Haltung, die dem kommenden Gericht entgehen wollte, ohne dass wirkliche Umkehr sichtbar wurde. Sein Ruf zur Buße galt deshalb auch Menschen, die religiös angesehen waren.

Johannes forderte seine Zuhörer auf, „Früchte“ hervorzubringen, die der Umkehr entsprechen. Damit unterschied er zwischen einem gesprochenen Bekenntnis und einer tatsächlich veränderten Lebensrichtung. Umkehr sollte sich nicht nur darin zeigen, dass jemand zum Jordan kam oder sich taufen ließ. Wo ein Mensch sich Gott zuwendet, muss diese Wendung auch sein Handeln berühren. Johannes machte die Frucht nicht zur Ursache der Annahme bei Gott, sondern zum sichtbaren Ausdruck einer ernst gemeinten Umkehr.

Ebenso entschieden widersprach er einem falschen Vertrauen auf Abstammung. Niemand sollte sich damit beruhigen, Abraham zum Vater zu haben. Johannes erklärte, Gott könne Abraham selbst aus Steinen Kinder erwecken. Die Zugehörigkeit zum Bundesvolk war ein großes Vorrecht, schützte aber nicht vor persönlicher Verantwortung gegenüber Gott. Gerade weil Israel Gottes Verheißungen empfangen hatte, konnte die Vorbereitung auf den kommenden Herrn nicht durch Berufung auf die eigene Herkunft ersetzt werden.

Mit dem Bild einer bereits an die Wurzel der Bäume gelegten Axt verschärfte Johannes die Dringlichkeit seiner Botschaft. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, werde abgehauen und ins Feuer geworfen. Sein Ruf zur Umkehr war deshalb keine unverbindliche Einladung zu etwas zusätzlicher Frömmigkeit. Gottes kommendes Handeln brachte auch Gericht mit sich. Wer auf den Herrn vorbereitet sein wollte, musste sich seiner eigenen Sünde stellen und sich tatsächlich Gott zuwenden.

Lukas zeigt anschließend, wie konkret Johannes diesen Grundsatz auf Fragen seiner Zuhörer anwandte. Die Volksmenge fragte: „Was sollen wir denn tun?“ Johannes antwortete nicht mit einer komplizierten religiösen Leistung. Wer zwei Gewänder besaß, sollte dem abgeben, der keines hatte, und wer Nahrung hatte, sollte ebenso handeln. Umkehr berührte damit den Umgang mit dem Nächsten. Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer ließ sich nicht mit einem äußerlichen Bekenntnis zu Gott vereinbaren.

Auch Zöllner kamen, um sich taufen zu lassen, und fragten nach ihrer Verantwortung. Johannes verlangte nicht ausdrücklich, dass sie ihren Beruf verlassen sollten. Er forderte sie auf, nicht mehr einzutreiben, als ihnen vorgeschrieben war. Soldaten beziehungsweise bewaffnete Dienstleute fragten ebenfalls, was sie tun sollten. Johannes warnte sie davor, Menschen durch Gewalt oder falsche Beschuldigungen auszubeuten, und forderte sie auf, mit ihrem Sold zufrieden zu sein. Bei jeder Gruppe traf seine Antwort genau jene Bereiche, in denen Macht, Besitz oder berufliche Stellung zum Unrecht missbraucht werden konnten.

Diese Antworten machen sichtbar, was Johannes unter einer Umkehr verstand, die Frucht bringt. Sie blieb nicht bei religiösen Worten stehen, sondern zeigte sich in Barmherzigkeit, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und dem Verzicht auf Ausbeutung. Johannes entwarf dabei kein neues System menschlicher Selbsterlösung. Sein Dienst bereitete Menschen vielmehr darauf vor, Gottes Heil zu empfangen, indem er ihre falschen Sicherheiten aufdeckte und sie zur Abkehr von konkretem Unrecht rief.

Die Kraft seiner Predigt führte schließlich dazu, dass im Volk eine noch größere Frage entstand. Die Menschen warteten auf den Christus und überlegten in ihren Herzen, ob Johannes vielleicht selbst der Verheißene sein könnte. Gerade an diesem Punkt, an dem sein eigener Einfluss besonders groß geworden war, musste Johannes erklären, wer er nicht war und wie viel größer derjenige sein würde, dessen Weg er bereitete.

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Johannes weist von sich auf den Stärkeren

Lukas 3,15-18 – „15 Da aber das Volk in Erwartung stand und alle in ihren Herzen sich wegen Johannes fragten, ob er selbst vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der stärker ist als ich, dem ich nicht gut genug bin, den Riemen seiner Schuhe zu lösen; der wird euch im heiligen Geist und Feuer taufen. 17 Er hat die Worfschaufel in se…"
Lukas 3,15-18 – „15 Da aber das Volk in Erwartung stand und alle in ihren Herzen sich wegen Johannes fragten, ob er selbst vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der stärker ist als ich, dem ich nicht gut genug bin, den Riemen seiner Schuhe zu lösen; der wird euch im heiligen Geist und Feuer taufen. 17 Er hat die Worfschaufel in se…"
Matthäus 3,11-12 – „11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, so daß ich nicht gut genug bin, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch im heiligen Geist und mit Feuer taufen. 12 Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne gründlich reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer."
Markus 1,7-8 – „7 Und er predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der stärker ist als ich, für den ich nicht gut genug bin, gebückt seinen Schuhriemen aufzulösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft; er aber wird euch mit heiligem Geiste taufen."
Johannes 1,19-23 – „19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten sandten, um ihn zu fragen: Wer bist du? 20 Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht der Christus! 21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht! Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein! 22 Nun sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? damit wir denen Antw…"

Die Wirkung von Johannes’ Dienst war inzwischen so groß, dass das Volk in Erwartung lebte und viele sich fragten, ob er vielleicht selbst der Christus sei. Damit erreichte sein öffentlicher Einfluss einen entscheidenden Punkt. Gerade jetzt, als Menschen bereit waren, ihm eine Stellung zuzuschreiben, die ihm nicht gehörte, zeigte sich die Klarheit seines Auftrags. Johannes nutzte die Erwartungen nicht zu seiner eigenen Erhöhung, sondern lenkte den Blick entschieden von sich weg.

Er erklärte, dass er mit Wasser taufe, nach ihm aber einer komme, der stärker sei als er. Johannes hielt sich nicht einmal für würdig, den Riemen an dessen Schuhen zu lösen beziehungsweise dessen Schuhe zu tragen. Unterschiedliche Evangelien geben diese Aussage mit leicht unterschiedlicher Formulierung wieder, doch der Sinn ist derselbe: Johannes stellte sich bewusst unter den Kommenden. Seine außergewöhnliche prophetische Stellung führte bei ihm nicht zu Selbstüberhöhung, sondern zu einer klaren Erkenntnis seiner dienenden Rolle.

Der Unterschied zwischen beiden wurde besonders an ihrer Taufe sichtbar. Johannes taufte mit Wasser zur Umkehr. Der Kommende dagegen würde mit Heiligem Geist und Feuer taufen. Johannes konnte Menschen zur Buße rufen, ihre Sünden aufdecken und sie äußerlich im Wasser taufen; die tiefere göttliche Wirkung lag jedoch nicht in seiner Macht. Der verheißene Kommende verfügte über eine Autorität und Wirksamkeit, die Johannes nicht für sich beanspruchte.

Das Bild des Feuers steht im unmittelbaren Zusammenhang zugleich mit Gericht. Johannes fährt mit dem Bild einer Tenne fort: Der Kommende habe seine Worfschaufel in der Hand, werde seine Tenne reinigen, den Weizen in die Scheune sammeln und die Spreu mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Deshalb sollte die Aussage von der Taufe mit Heiligem Geist und Feuer nicht vorschnell so verstanden werden, als müsse das Feuer für jeden Menschen dieselbe Segenswirkung bezeichnen. In Johannes’ Verkündigung stehen die Gabe des Geistes und die Wirklichkeit des kommenden Gerichts eng nebeneinander.

Johannes verkündigte damit einen Christus, dessen Kommen nicht belanglos bleiben konnte. Der erwartete Messias würde nicht nur Trost bringen, sondern Menschen auch scheiden. Johannes hatte bereits von der Axt an der Wurzel der Bäume gesprochen; nun verwendet er das Bild von Weizen und Spreu. Beides unterstreicht die Dringlichkeit der Umkehr. Die Nähe des Christus bedeutete, dass niemand sich dauerhaft hinter religiöser Abstammung oder äußerlicher Frömmigkeit verbergen konnte.

Auch als Priester und Leviten aus Jerusalem zu Johannes gesandt wurden, um ihn nach seiner Identität zu fragen, blieb seine Antwort eindeutig. Er bekannte offen, dass er nicht der Christus sei. Auf die Frage, ob er Elia sei, antwortete er: „Ich bin’s nicht.“ Damit widersprach er nicht der Ankündigung, er werde im Geist und in der Kraft Elias wirken. Er war nicht Elia selbst; sein Dienst trug vielmehr den prophetischen Charakter, der bereits vor seiner Geburt angekündigt worden war.

Als man weiter fragte, wer er denn sei, griff Johannes auf Jesajas Verheißung zurück: Er sei die Stimme eines Rufenden in der Wüste, die den Weg des Herrn gerade mache. Diese Selbstbeschreibung ist bemerkenswert zurückgenommen. Johannes bezeichnete sich nicht durch persönliche Größe, sondern durch seine Aufgabe. Eine Stimme besitzt Bedeutung durch die Botschaft, die sie übermittelt. Sein Dienst war erfüllt, wenn derjenige erkannt wurde, für dessen Kommen er den Weg bereitete.

So begegnete Johannes der wachsenden Aufmerksamkeit auf seine Person mit einer immer stärkeren Hinwendung zu Christus. Er wusste, dass seine Wassertaufe vorbereitete, dass seine Stimme vorausging und dass seine prophetische Autorität begrenzt war. Der Stärkere war bereits im Begriff hervorzutreten. Schon bald würde Johannes ihm nicht nur in seiner Verkündigung ankündigen, sondern ihm persönlich am Jordan begegnen.

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Johannes tauft Jesus im Jordan

Matthäus 3,13-17 – „13 Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Er aber wehrte es ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt zu; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Da ließ er es ihm zu. 16 Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser; und…"
Matthäus 3,13-17 – „13 Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Er aber wehrte es ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt zu; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Da ließ er es ihm zu. 16 Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser; und…"
Markus 1,9-11 – „9 Und es begab sich in jenen Tagen, daß Jesus von Nazareth in Galiläa kam und sich von Johannes im Jordan taufen ließ. 10 Und alsbald, da er aus dem Wasser stieg, sah er die Himmel zerrissen und den Geist gleich einer Taube auf ihn herabsteigen. 11 Und eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden!"
Lukas 3,21-22 – „21 Es begab sich aber, da alles Volk sich taufen ließ und auch Jesus getauft wurde und betete, daß sich der Himmel auftat 22 und der heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel erscholl: Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Wohlgefallen!"
Johannes 1,29-34 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt! 30 Das ist der, von welchem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar würde, darum kam ich, mit Wasser zu taufen. 32 Und Johannes zeugte und sprach: Ich sah d…"

Während Johannes am Jordan taufte, kam Jesus aus Galiläa zu ihm, um sich taufen zu lassen. Damit begegnete Johannes nun demjenigen, auf dessen Kommen sein ganzer Dienst ausgerichtet war. Matthäus berichtet, dass Johannes zunächst zurückwich. Er erkannte die Umkehrung der Rollen und sagte zu Jesus, dass vielmehr er selbst nötig hätte, von ihm getauft zu werden. Johannes, der andere zur Umkehr rief, erhob keinen Anspruch darauf, über dem Kommenden zu stehen.

Jesus antwortete, Johannes solle es jetzt geschehen lassen, denn so gebühre es ihnen, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Daraufhin taufte Johannes ihn. Jesus kam nicht zur Taufe, weil er eigene Sünden bekennen oder von ihnen umkehren musste. Das Neue Testament bezeugt ausdrücklich seine Sündlosigkeit. Seine Taufe kann deshalb nicht einfach mit der Taufe der übrigen Menschen gleichgesetzt werden. Jesus stellte sich vielmehr bewusst in den Weg, den Gott für seinen messianischen Dienst bestimmt hatte.

Als Jesus aus dem Wasser heraufstieg und betete, geschah etwas, das Johannes’ Zeugnis über ihn entscheidend bestätigte. Der Himmel öffnete sich, der Heilige Geist kam in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf Jesus herab, und eine Stimme aus dem Himmel erklärte ihn zum geliebten Sohn, an dem Gott Wohlgefallen hatte. Die drei synoptischen Evangelien berichten dieses Geschehen mit ihren jeweiligen Schwerpunkten. Damit wurde der Beginn von Jesu öffentlichem Wirken von einem sichtbaren Zeichen des Geistes und vom Zeugnis des Vaters begleitet.

Für Johannes besaß das Herabkommen des Geistes eine besondere Bedeutung. Im Johannesevangelium erklärt er später, dass er zuvor nicht aus sich selbst gewusst habe, wer der Christus sei. Derjenige, der ihn zum Taufen mit Wasser gesandt hatte, hatte ihm ein Kennzeichen gegeben: Auf wen er den Geist herabfahren und bleiben sehe, der sei es, der mit Heiligem Geist tauft. Johannes’ Gewissheit über Jesus beruhte damit nicht lediglich auf persönlicher Nähe oder menschlicher Einschätzung, sondern auf einem Zeichen, das Gott ihm angekündigt hatte.

Diese Aussage hilft zugleich, die Evangelienberichte sorgfältig zusammenzuhalten. Johannes hatte bereits vor der Taufe Jesu dessen überlegene Stellung erkannt, wie Matthäus zeigt. Doch das von Gott gegebene Zeichen beim Herabkommen des Geistes bestätigte ihm auf besondere Weise dessen messianische Identität und Auftrag. Die Bibel zwingt deshalb nicht zu der Annahme, Johannes habe vor diesem Augenblick überhaupt nichts über Jesus gewusst. Entscheidend ist vielmehr, dass Gott selbst ihm die sichere Bestätigung gab, auf deren Grundlage Johannes öffentlich Zeugnis ablegen konnte.

Johannes fasste dieses Erlebnis später mit einer klaren Aussage zusammen: Er habe den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren und auf Jesus bleiben sehen. Dann bezeugte er: Dieser ist der Sohn Gottes. Damit überschritt sein Dienst nun eine neue Schwelle. Bisher hatte er den Kommenden angekündigt; jetzt konnte er auf eine konkrete Person zeigen und bezeugen, dass Gottes angekündigtes Zeichen an Jesus erfüllt worden war.

Gerade hier wird Johannes’ Stellung besonders deutlich. Er war der Täufer Jesu, aber dadurch wurde er nicht größer als Jesus. Das Geschehen offenbarte vielmehr den grundlegenden Unterschied zwischen ihnen. Johannes taufte mit Wasser; Jesus ist derjenige, der mit Heiligem Geist tauft. Johannes empfing ein Zeichen; Jesus war derjenige, auf den der Geist herabkam und blieb. Johannes war Zeuge; Jesus war der Sohn, auf den das Zeugnis des Himmels hinwies.

Nachdem diese Bestätigung erfolgt war, konnte Johannes seine vorbereitende Botschaft noch eindeutiger auf Christus konzentrieren. Er musste nun nicht mehr nur sagen, dass nach ihm ein Größerer kommen werde. Der Verheißene war vor ihm erschienen. Johannes konnte seinen Zuhörern jetzt zeigen, auf wen sie ihren Blick richten sollten.

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Johannes zeigt auf das Lamm Gottes

Johannes 1,29-37 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt! 30 Das ist der, von welchem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar würde, darum kam ich, mit Wasser zu taufen. 32 Und Johannes zeugte und sprach: Ich sah d…"
Johannes 1,29-37 – „29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt! 30 Das ist der, von welchem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar würde, darum kam ich, mit Wasser zu taufen. 32 Und Johannes zeugte und sprach: Ich sah d…"
Johannes 1,24-28 – „24 Sie waren aber von den Pharisäern abgesandt. 25 Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet? 26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber mitten unter euch steht Einer, den ihr nicht kennt, 27 welcher nach mir kommt, der doch vor mir gewesen ist, für den ich nicht würdig bin, ihm den Schuhrie…"

Nachdem Johannes erklärt hatte, dass er nicht der Christus sei, blieb für seine Zuhörer die entscheidende Frage offen: Wer war dann derjenige, dessen Weg er bereitete? Johannes beantwortete sie nun nicht mehr nur mit der Ankündigung eines Kommenden. Als er Jesus auf sich zukommen sah, wies er ausdrücklich auf ihn und erklärte: „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Damit erreichte sein Zeugnis eine neue Klarheit. Der angekündigte Größere stand nun sichtbar vor ihm.

Die Bezeichnung „Lamm Gottes“ verbindet Jesus unmittelbar mit der Frage der Sünde. Johannes hatte Menschen zur Umkehr gerufen und ihre Sünden bekennen lassen, doch er selbst konnte diese Sünde nicht hinwegnehmen. Nun zeigte er auf den, bei dem Gottes eigentliche Antwort auf die Schuld des Menschen lag. Der Ausdruck erhält im weiteren Zeugnis des Neuen Testaments seine volle Tiefe im Opfer Christi. Johannes entfaltet an dieser Stelle noch keine ausführliche Lehre über Kreuz und Versöhnung; dennoch erklärt er eindeutig, dass Jesus in einer einzigartigen Weise mit der Beseitigung der Sünde verbunden ist.

Johannes erinnerte seine Zuhörer zugleich daran, dass Jesus derjenige war, von dem er zuvor gesprochen hatte: Nach ihm komme ein Mann, der vor ihm gewesen sei, weil er eher war als er. Menschlich betrachtet war Johannes einige Monate vor Jesus geboren worden. Seine Aussage kann deshalb nicht einfach eine zeitliche Reihenfolge der Geburten beschreiben. Sie weist auf eine Vorrangstellung Jesu hin, die Johannes nicht aus ihrer irdischen Altersfolge ableitete. Der Wegbereiter erkannte, dass derjenige, der äußerlich nach ihm auftrat, ihm in Wahrheit vorausging.

Er erklärte außerdem erneut, dass sein eigener Dienst von Gott darauf ausgerichtet worden war, Jesus Israel offenbar zu machen. Deshalb sei er gekommen und habe mit Wasser getauft. Die Taufe des Johannes war damit nicht Selbstzweck. Seine Predigt, sein Ruf zur Umkehr und die Menschenmengen am Jordan dienten letztlich der Vorbereitung darauf, dass Christus erkannt werden konnte. Johannes verstand seinen eigenen Erfolg nur innerhalb dieses größeren Auftrags.

Am folgenden Tag stand Johannes wieder dort, diesmal mit zwei seiner Jünger. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes erneut den Blick auf ihn und sagte: „Siehe, das Lamm Gottes!“ Die beiden Jünger hörten diese Worte und folgten Jesus. Für einen Lehrer hätte dies als Verlust erscheinen können: Menschen, die bisher bei ihm geblieben waren, wandten sich nun einem anderen zu. Doch gerade darin begann sich der Zweck von Johannes’ Dienst zu erfüllen.

Einer dieser beiden war Andreas, der später seinen Bruder Simon Petrus zu Jesus brachte. Der andere wird im Text nicht ausdrücklich mit Namen bezeichnet. Entscheidend ist an dieser Stelle nicht seine Identität, sondern die Bewegung, die Johannes ausgelöst hatte. Sein Zeugnis führte Menschen nicht tiefer in eine Bindung an ihn selbst, sondern zu Christus. Der Wegbereiter hielt seine Jünger nicht zurück, als derjenige erschien, auf den er sie vorbereitet hatte.

Darin zeigt sich eine wesentliche Größe seines Dienstes. Johannes besaß Anhänger, öffentliches Ansehen und eine starke geistliche Wirkung, doch er behandelte diese Dinge nicht als persönliches Eigentum. Seine Aufgabe war nicht erfüllt, wenn Menschen möglichst lange bei ihm blieben, sondern wenn sie Jesus erkannten und ihm folgten. Seine Worte über das Lamm Gottes waren deshalb mehr als eine richtige Aussage über Christus; sie hatten unmittelbare Folgen im Leben seiner eigenen Jünger.

Je sichtbarer Jesus nun wurde, desto stärker musste Johannes selbst aus dem Mittelpunkt zurücktreten. Bald würden seine Jünger genau diese Entwicklung bemerken und ihn darauf ansprechen, dass immer mehr Menschen zu Jesus gingen. Johannes’ Antwort darauf sollte zeigen, wie bewusst er seine abnehmende öffentliche Bedeutung als Teil seines von Gott gegebenen Auftrags verstand.

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Johannes nimmt ab, während Christus wächst

Johannes 3,22-30 – „22 Darnach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa, und daselbst hielt er sich mit ihnen auf und taufte. 23 Aber auch Johannes taufte in Enon, nahe bei Salim, weil viel Wasser dort war. Und sie kamen dahin und ließen sich taufen. 24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. 25 Es erhob sich nun eine Streitfrage zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden wegen der R…"
Johannes 3,22-30 – „22 Darnach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa, und daselbst hielt er sich mit ihnen auf und taufte. 23 Aber auch Johannes taufte in Enon, nahe bei Salim, weil viel Wasser dort war. Und sie kamen dahin und ließen sich taufen. 24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen worden. 25 Es erhob sich nun eine Streitfrage zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden wegen der R…"
Johannes 3,31-36 – „31 Der von oben kommt, ist über allen; wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der aus dem Himmel kommt, ist über allen. 32 Er bezeugt, was er gesehen und gehört hat, und sein Zeugnis nimmt niemand an. 33 Wer aber sein Zeugnis annimmt, der bestätigt, daß Gott wahrhaftig ist. 34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt [ihm] den Geist nicht …"

Nachdem Jesus begonnen hatte, selbst Jünger um sich zu sammeln, wirkte Johannes noch eine Zeit lang weiter. Jesus hielt sich mit seinen Jüngern im Gebiet von Judäa auf, während Johannes in Änon nahe bei Salim taufte, weil dort viel Wasser vorhanden war. Das Johannesevangelium weist ausdrücklich darauf hin, dass Johannes zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Gefängnis geworfen worden war. Für eine begrenzte Zeit bestanden die beiden Dienste also nebeneinander, doch ihre Beziehung zueinander sollte nun noch einmal deutlich werden.

Aus einem Streit über Reinigung entwickelte sich bei den Jüngern des Johannes eine Frage, die sie unmittelbar zu ihrem Lehrer brachten. Sie berichteten ihm, dass derjenige, von dem Johannes jenseits des Jordan Zeugnis abgelegt hatte, nun ebenfalls taufen lasse und dass „alle“ zu ihm kämen. Ihre Worte lassen erkennen, dass sie den wachsenden Einfluss Jesu bemerkten. Johannes wurde damit mit einer Entwicklung konfrontiert, die einen Menschen leicht zu Konkurrenzdenken hätte verleiten können: Die Aufmerksamkeit, die bisher stark auf seinen eigenen Dienst gerichtet gewesen war, verlagerte sich zunehmend auf Jesus.

Johannes reagierte jedoch nicht mit dem Versuch, seine Stellung zu verteidigen. Er erklärte: „Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben.“ Damit ordnete er sowohl seinen eigenen Dienst als auch den wachsenden Einfluss Jesu unter Gottes Handeln ein. Johannes betrachtete seine Aufgabe nicht als Besitz, den er gegen einen anderen schützen musste. Was ihm an Autorität, Zuhörern und Wirkung gegeben worden war, hatte er aus Gottes Hand empfangen und durfte deshalb auch nicht mehr daraus machen, als Gott ihm anvertraut hatte.

Er erinnerte seine Jünger daran, dass er von Anfang an offen gesagt hatte: „Ich bin nicht der Christus“, sondern vor ihm hergesandt. Gerade jetzt erhielt dieses Bekenntnis seine praktische Bewährungsprobe. Es war vergleichsweise leicht, auf einen Kommenden hinzuweisen, solange dieser noch nicht öffentlich im Mittelpunkt stand. Nun aber war Jesus tatsächlich da, Menschen wandten sich ihm zu, und Johannes musste selbst hinter das zurücktreten, was er angekündigt hatte. Seine Haltung zeigte, dass sein früheres Zeugnis keine bloße religiöse Formel gewesen war.

Um seine Stellung zu erklären, gebrauchte Johannes das Bild einer Hochzeit. Der Bräutigam ist derjenige, dem die Braut gehört; der Freund des Bräutigams steht daneben, hört seine Stimme und freut sich darüber. Johannes stellte sich damit nicht als Mittelpunkt des Festes dar, sondern als den Freund, dessen Freude gerade darin besteht, dass der Bräutigam gekommen ist. Er sagte ausdrücklich, dass diese seine Freude nun erfüllt sei. Der Erfolg Jesu bedeutete für ihn deshalb nicht das Scheitern seines eigenen Dienstes, sondern dessen Erfüllung.

Dann fasste Johannes seine Haltung in einem der prägnantesten Sätze seines Lebens zusammen: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ Dieses Wort beschreibt keine persönliche Wertlosigkeit des Johannes. Es bezeichnet die heilsgeschichtlich richtige Bewegung seiner Aufgabe. Als Wegbereiter musste seine öffentliche Bedeutung zurücktreten, sobald derjenige hervortrat, für den der Weg bereitet worden war. Johannes erkannte, dass Treue zu seiner Berufung nun gerade darin bestand, Christus größer werden zu lassen, anstatt die eigene Stellung festzuhalten.

Der folgende Abschnitt des Johannesevangeliums hebt die einzigartige Herkunft und Autorität dessen hervor, der von oben kommt. Jesus steht über allen, spricht die Worte Gottes und besitzt den Geist nicht nach Maß. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Ob alle Verse dieses Abschnitts unmittelbar als Worte Johannes des Täufers oder teilweise als erklärende Worte des Evangelisten zu verstehen sind, lässt sich aus der Textgestaltung nicht mit letzter Sicherheit bestimmen. Inhaltlich führen sie jedoch die Linie konsequent weiter: Zwischen Johannes und Christus besteht kein Verhältnis zweier gleichrangiger Lehrer.

Am Ende steht die entscheidende Frage nicht mehr darin, wem die größeren Menschenmengen folgen. Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen. Damit gelangt Johannes’ vorbereitender Dienst an seinen eigentlichen Zielpunkt. Er hatte Menschen zur Umkehr gerufen, den kommenden Stärkeren angekündigt, Jesus als das Lamm Gottes bezeichnet und seine eigenen Jünger zu ihm ziehen lassen. Nun konnte er auch den Verlust eigener Bedeutung annehmen, weil der Christus, auf den sein Leben hingewiesen hatte, sichtbar in den Mittelpunkt trat.

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Johannes weist Herodes zurecht und wird gefangen genommen

Lukas 3,19-20 – „19 Der Vierfürst Herodes aber, da er von ihm getadelt wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, und wegen all des Bösen, was Herodes tat, 20 fügte zu allem noch das hinzu, daß er den Johannes ins Gefängnis schloß."
Lukas 3,19-20 – „19 Der Vierfürst Herodes aber, da er von ihm getadelt wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, und wegen all des Bösen, was Herodes tat, 20 fügte zu allem noch das hinzu, daß er den Johannes ins Gefängnis schloß."
Markus 6,17-20 – „17 Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes greifen und ihn im Gefängnis binden lassen, wegen Herodias, des Weibes seines Bruders Philippus, weil er sie zur Frau genommen hatte. 18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Weib zu haben! 19 Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten, und sie vermochte es nicht. 20 Denn Herodes fürchtete den Jo…"
Matthäus 14,3-5 – „3 Denn Herodes hatte den Johannes greifen, binden und ins Gefängnis legen lassen, wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. 4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben! 5 Und er wollte ihn töten, fürchtete aber das Volk, denn sie hielten ihn für einen Propheten."

Johannes hatte bei seiner Verkündigung am Jordan niemanden von der Forderung nach Umkehr ausgenommen. Seine Botschaft galt dem einfachen Volk ebenso wie Zöllnern, Soldaten und religiösen Führern. Schließlich führte diese Konsequenz zu einem Konflikt mit Herodes, dem Landesfürsten. Lukas berichtet, dass Johannes ihn wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das Herodes getan hatte, zurechtwies. Der Prophet, der das Volk auf den kommenden Herrn vorbereitete, schwieg also auch gegenüber politischer Macht nicht über Sünde.

Markus und Matthäus nennen den konkreten Anlass ausführlicher. Herodes hatte Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, genommen. Johannes erklärte ihm offen: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.“ Seine Anklage beruhte damit nicht auf persönlicher Abneigung gegen den Herrscher, sondern auf Gottes Maßstab. Johannes hatte zuvor andere Menschen aufgefordert, ihre Lebensweise mit wirklicher Umkehr in Einklang zu bringen; nun wandte er denselben Grundsatz auf Herodes an.

Diese Haltung brachte ihn in unmittelbare Gefahr. Herodes ließ Johannes festnehmen, binden und ins Gefängnis werfen. Lukas ordnet die Gefangennahme als weitere böse Tat des Herodes ein: Zu allem anderen fügte er hinzu, dass er Johannes einschloss. Der öffentliche Dienst des Wegbereiters, der große Menschenmengen erreicht hatte, wurde damit gewaltsam eingeschränkt. Johannes, der in der Wüste frei gepredigt und am Jordan getauft hatte, befand sich nun als Gefangener unter der Macht des Mannes, dessen Sünde er angesprochen hatte.

Die Evangelien zeigen dabei unterschiedliche Haltungen gegenüber Johannes. Matthäus berichtet, dass Herodes ihn töten wollte, sich jedoch vor dem Volk fürchtete, weil die Menschen Johannes für einen Propheten hielten. Markus hebt besonders hervor, dass Herodias Johannes feindlich gesinnt war und ihn töten wollte, zunächst aber nicht dazu in der Lage war. Herodes selbst fürchtete Johannes, weil er ihn als gerechten und heiligen Mann kannte, und ließ ihn schützen. So entstand eine widersprüchliche Situation: Der Herrscher hielt Johannes gefangen und war zugleich von ihm beeindruckt.

Markus berichtet sogar, dass Herodes Johannes gern zuhörte, obwohl dessen Worte ihn in große Verlegenheit brachten. Damit wird sichtbar, dass das Hören prophetischer Wahrheit noch keine Umkehr bedeutet. Herodes konnte Johannes respektieren, seine Worte interessant finden und ihn dennoch gefangen halten. Die entscheidende Frage war nicht, ob die Botschaft Eindruck machte, sondern ob er bereit war, sich ihr zu unterstellen und sein Unrecht aufzugeben. Genau diese Wendung berichtet die Bibel bei ihm nicht.

Für Johannes bedeutete die Gefangenschaft einen tiefen Einschnitt in seinen Lebensweg. Er hatte seinen Auftrag nicht verlassen und war nicht wegen eines persönlichen Verbrechens eingesperrt worden. Gerade seine Treue zur Wahrheit hatte ihn in diese Lage gebracht. Gottes Berufung bewahrte ihn also nicht vor Leiden. Der Wegbereiter des Messias musste erfahren, dass Gehorsam gegenüber Gott in einer von Sünde geprägten Welt auch Verfolgung nach sich ziehen kann.

Zugleich zeigt seine Gefangennahme, wie ernst Johannes seine eigene Botschaft nahm. Er hatte Umkehr nicht nur dort verlangt, wo sie für ihn ungefährlich war. Auch einem Herrscher gegenüber bezeichnete er Unrecht als Unrecht. Sein prophetischer Dienst ließ sich weder durch gesellschaftliche Stellung noch durch politische Macht begrenzen. Johannes blieb der Stimme treu, zu der Gott ihn gemacht hatte, selbst als diese Stimme ihn seine Freiheit kostete.

Doch im Gefängnis entstand für Johannes eine neue und schwerere Prüfung. Der Christus, dessen Kommen er mit solcher Gewissheit angekündigt hatte, wirkte inzwischen öffentlich, während sein Wegbereiter weiterhin gefangen blieb. Aus dieser Lage heraus sandte Johannes schließlich einige seiner Jünger zu Jesus mit einer Frage, die einen besonders ernsten Einblick in seine letzte Lebensphase gibt.

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Johannes fragt aus dem Gefängnis nach dem Kommenden

Matthäus 11,2-6 – „2 Als aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi vernahm, ließ er ihn durch seine Jünger fragen: 3 Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und verkündiget dem Johannes, was ihr sehet und höret: 5 Blinde werden sehend, und Lahme wandeln, Aussätzige werden rein, und Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen w…"
Matthäus 11,2-6 – „2 Als aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi vernahm, ließ er ihn durch seine Jünger fragen: 3 Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und verkündiget dem Johannes, was ihr sehet und höret: 5 Blinde werden sehend, und Lahme wandeln, Aussätzige werden rein, und Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen w…"
Lukas 7,18-23 – „18 Und es berichteten dem Johannes seine Jünger von dem allem. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich, 19 sandte sie zu Jesus und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 20 Als nun die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt dich fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen …"

Während Johannes im Gefängnis saß, erreichten ihn Nachrichten über das Wirken Jesu. Seine Jünger berichteten ihm von den Dingen, die Jesus tat. Daraufhin sandte Johannes einige von ihnen zu Jesus und ließ fragen: „Bist du der, welcher kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ Diese Frage gehört zu den bemerkenswertesten Augenblicken seines Lebens. Der Mann, der Jesus zuvor als das Lamm Gottes bezeichnet und das Zeichen des Heiligen Geistes über ihm gesehen hatte, ließ nun aus seiner Gefangenschaft heraus nach der Identität des Kommenden fragen.

Der Text erklärt nicht ausdrücklich, welche inneren Vorgänge Johannes zu dieser Frage bewegten. Deshalb sollte weder behauptet werden, er habe seinen Glauben vollständig verloren, noch darf seine Frage so abgeschwächt werden, als habe sie für ihn selbst überhaupt keine Bedeutung gehabt. Sicher ist nur: Johannes befand sich in Gefangenschaft, hörte vom Wirken Jesu und ließ durch seine Jünger eine konkrete Frage stellen. Die Spannung zwischen seiner früheren Erwartung des kommenden Messias und seiner gegenwärtigen Lage ist dabei kaum zu übersehen.

Johannes hatte einen Kommenden angekündigt, der stärker war als er selbst. Er hatte von Gericht gesprochen, von der Axt an der Wurzel der Bäume und von der Worfschaufel, mit der die Tenne gereinigt werden sollte. Nun wirkte Jesus öffentlich, doch Johannes blieb im Gefängnis, und das angekündigte endgültige Gericht über die Gottlosen war nicht sichtbar eingetreten. Die Evangelien erklären nicht ausdrücklich, dass genau diese Spannung seine Frage verursachte. Sie bildet jedoch den unmittelbaren Hintergrund, vor dem seine Anfrage steht, und hilft zu verstehen, weshalb Jesu Antwort gerade auf seine gegenwärtigen Werke verweist.

Jesus antwortete Johannes’ Boten nicht lediglich mit einem einfachen Ja. Stattdessen geschahen vor ihren Augen zahlreiche Heilungen, Befreiungen und Zeichen. Lukas berichtet, dass Jesus in jener Stunde viele Menschen von Krankheiten, Plagen und bösen Geistern heilte und vielen Blinden das Augenlicht schenkte. Dann sagte er zu den Boten, sie sollten Johannes berichten, was sie gesehen und gehört hatten: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt und Armen wird das Evangelium verkündigt.

Diese Antwort greift deutlich die Sprache prophetischer Verheißungen auf, besonders aus dem Buch Jesaja. Jesus verwies Johannes damit auf die Werke, an denen das verheißene Heil Gottes erkannt werden konnte. Statt die messianische Frage losgelöst von der Schrift zu beantworten, ließ er seine Taten im Licht dessen sprechen, was Gott zuvor angekündigt hatte. Johannes sollte nicht nur auf seine Gefängnissituation schauen, sondern auf das Gesamtbild dessen, was durch Jesus geschah.

Am Ende fügte Jesus hinzu: „Und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Dieses Wort war keine öffentliche Herabsetzung des Johannes. Es stellte jedoch eine ernste Einladung dar, Jesus so anzunehmen, wie Gott ihn gesandt hatte, auch wenn sein Wirken nicht jeder menschlichen Erwartung entsprach. Der Messias musste nicht nach den Vorstellungen seines Wegbereiters handeln, um wirklich der Verheißene zu sein. Entscheidend waren Gottes Wort und die Zeichen, die sein Wirken bestätigten.

Johannes erhielt damit keine Zusage auf eine baldige Befreiung aus dem Gefängnis. Jesus erklärte auch nicht, dass Leiden für seinen Boten nun enden würde. Stattdessen richtete seine Antwort den Blick auf die Wirklichkeit des anbrechenden Heils. Für Johannes bedeutete das, seine Hoffnung erneut nicht an den eigenen Umständen, sondern an Christus selbst festzumachen.

Die Frage aus dem Gefängnis zeigt deshalb keinen unantastbaren Helden, der niemals unter Spannung gerät. Sie zeigt einen Propheten, der mit einer ernsten Frage zu Jesus kommt und von ihm auf Gottes bereits sichtbares Handeln verwiesen wird. Nachdem die Boten des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an die Volksmenge. Nun sprach er selbst darüber, wer Johannes wirklich war und welche außergewöhnliche Stellung dieser gefangene Prophet im Erlösungsplan einnahm.

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Jesus bezeugt die Größe des Johannes

Matthäus 11,7-15 – „7 Als aber diese aufbrachen, fing Jesus an zur Volksmenge zu reden über Johannes: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde bewegt wird? 8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern angetan? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige! 9 Oder was seid ihr hinausgegangen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? J…"
Matthäus 11,7-15 – „7 Als aber diese aufbrachen, fing Jesus an zur Volksmenge zu reden über Johannes: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde bewegt wird? 8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern angetan? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige! 9 Oder was seid ihr hinausgegangen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? J…"
Lukas 7,24-30 – „24 Und als die Boten des Johannes weggegangen waren, fing er an zum Volke zu reden über Johannes: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen, zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde bewegt wird? 25 Oder was seid ihr hinausgegangen, zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern angetan? Siehe, die in herrlicher Kleidung und Üppigkeit leben, sind an den königlichen Höfen! 26 Oder was seid ihr hinausgegang…"

Nachdem die Boten des Johannes gegangen waren, begann Jesus zu der Volksmenge über Johannes zu sprechen. Er wartete damit, bis dessen Jünger fort waren. Die Frage aus dem Gefängnis wurde also nicht zum Anlass, Johannes vor den Menschen herabzusetzen. Stattdessen lenkte Jesus den Blick darauf, wen die Menschen damals in der Wüste tatsächlich aufgesucht hatten. Seine Worte geben eine der deutlichsten biblischen Bewertungen über Johannes überhaupt.

Jesus fragte, ob die Menschen hinausgegangen seien, um ein Rohr zu sehen, das vom Wind hin und her bewegt werde. Die Frage verlangte keine wörtliche Beschreibung von Johannes, sondern stellte seine prophetische Festigkeit heraus. Johannes hatte seine Botschaft nicht danach verändert, welche Reaktion sie hervorrief. Er hatte dem Volk Umkehr gepredigt, religiöse Selbstsicherheit angegriffen und schließlich sogar Herodes zurechtgewiesen. Sein Gefängnis war gerade ein sichtbares Ergebnis davon, dass er sich nicht einfach den jeweiligen Erwartungen angepasst hatte.

Ebenso wenig waren die Menschen hinausgegangen, um einen Mann in weichen Kleidern zu sehen. Solche Menschen, erklärte Jesus, befänden sich in den Häusern der Könige. Johannes’ Leben war nicht durch höfischen Luxus oder gesellschaftliche Stellung geprägt. Der Gegensatz erhält angesichts seiner Gefangenschaft unter Herodes besonderes Gewicht: Johannes gehörte nicht zur Welt des königlichen Hofes, sondern stand ihr als Prophet Gottes gegenüber.

Dann beantwortete Jesus seine eigene Frage: Die Menschen waren hinausgegangen, um einen Propheten zu sehen. Doch Johannes war nach Jesu Worten „mehr als ein Prophet“. Diese außergewöhnliche Stellung lag nicht darin, dass Johannes eine höhere Quelle der Offenbarung besessen hätte als andere wahre Propheten. Seine besondere Bedeutung ergab sich aus seinem heilsgeschichtlichen Auftrag. Er durfte unmittelbar vor dem Christus auftreten und denjenigen öffentlich kenntlich machen, auf den die vorhergehenden Verheißungen hingewiesen hatten.

Jesus verband Johannes ausdrücklich mit der Schriftstelle über den Boten, den Gott vor seinem Angesicht hersenden werde, um den Weg vorzubereiten. Damit bestätigte Jesus selbst den Auftrag, der schon bei Johannes’ Geburt angekündigt worden war. Johannes war nicht lediglich aufgrund seiner eigenen Überzeugung Wegbereiter. Sein Dienst gehörte zur Erfüllung einer göttlichen Verheißung. Die Rolle, die er sich selbst nie angemaßt hatte, wurde nun von Christus bestätigt.

Dann sprach Jesus ein besonders starkes Urteil: Unter den von Frauen Geborenen sei kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer. Diese Aussage erhebt ihn zu einer außergewöhnlichen Stellung innerhalb der bisherigen Heilsgeschichte. Seine Größe lag jedoch nicht in politischer Macht, Reichtum oder der Zahl seiner Anhänger. Johannes stand an einem einzigartigen Übergangspunkt: Er kündigte den Messias nicht nur aus der Ferne an, sondern sah ihn, taufte ihn und konnte auf ihn zeigen.

Unmittelbar danach fügte Jesus jedoch hinzu, dass der Kleinste im Reich der Himmel größer sei als Johannes. Dieser Satz kann nicht bedeuten, dass Johannes ein minderwertiger Gläubiger gewesen wäre, denn gerade zuvor hatte Jesus ihn außergewöhnlich hoch bewertet. Die Aussage weist vielmehr auf die neue heilsgeschichtliche Wirklichkeit hin, die mit Christus anbrach. Johannes stand an der Schwelle zum Reich und bereitete dessen Offenbarung vor, erlebte aber nicht mehr in derselben Weise die voll entfalteten Ereignisse von Kreuz, Auferstehung und der darauf folgenden Verkündigung des Evangeliums.

Jesus griff außerdem die Erwartung Elias auf. „Wenn ihr es annehmen wollt“, sagte er, sei Johannes „der Elia, der kommen soll“. Damit bestätigte Jesus die bereits bei Johannes’ Geburtsankündigung gegebene Erklärung. Johannes war nicht der alttestamentliche Elia als zurückgekehrte Person; er selbst hatte dies ausdrücklich verneint. Er erfüllte vielmehr den angekündigten Dienst eines Elia, indem er mit prophetischer Kraft zur Umkehr rief und das Volk auf das Kommen des Herrn vorbereitete.

Lukas berichtet schließlich von unterschiedlichen Reaktionen auf Johannes’ Dienst. Das Volk und selbst Zöllner erkannten Gottes Forderung als gerecht an und hatten sich von Johannes taufen lassen. Pharisäer und Gesetzesgelehrte dagegen verwarfen Gottes Ratschluss für sich selbst, indem sie seine Taufe ablehnten. Dadurch wird rückblickend sichtbar, dass die Reaktion auf Johannes nicht belanglos war. Wer seinen vorbereitenden Ruf zurückwies, verschloss sich einem von Gott gegebenen Weg, der auf Christus hinführte.

Während Jesus Johannes vor dem Volk in dieser Weise bestätigte, blieb der Prophet selbst gefangen. Seine öffentliche Aufgabe näherte sich ihrem Ende, doch der Konflikt mit Herodes war noch nicht abgeschlossen. Die Wahrheit, die Johannes ausgesprochen hatte, hatte Herodias nicht zur Umkehr geführt, sondern ihren Hass verstärkt. Bald sollte sich eine Gelegenheit ergeben, bei der dieser Hass tödliche Folgen hatte.

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Johannes wird auf Befehl des Herodes getötet

Markus 6,21-29 – „21 Als aber ein gelegener Tag kam, da Herodes seinen Großen und Obersten und den Vornehmsten des galiläischen Landes an seinem Geburtstag ein Gastmahl gab, 22 da trat die Tochter der Herodias herein und tanzte. Das gefiel dem Herodes und denen, die mit ihm zu Tische saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Erbitte von mir, was du willst, so will ich es dir geben! 23 Und er schwur ihr: Was du au…"
Markus 6,21-29 – „21 Als aber ein gelegener Tag kam, da Herodes seinen Großen und Obersten und den Vornehmsten des galiläischen Landes an seinem Geburtstag ein Gastmahl gab, 22 da trat die Tochter der Herodias herein und tanzte. Das gefiel dem Herodes und denen, die mit ihm zu Tische saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Erbitte von mir, was du willst, so will ich es dir geben! 23 Und er schwur ihr: Was du au…"
Matthäus 14,6-12 – „6 Als nun Herodes seinen Geburtstag beging, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen und gefiel dem Herodes. 7 Darum verhieß er ihr mit einem Eide, ihr zu geben, was sie auch fordern würde. 8 Da sie aber von ihrer Mutter angeleitet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers! 9 Und der König ward betrübt; doch um des Eides willen und derer, die mit ihm zu…"

Die Gelegenheit, auf die Herodias gewartet hatte, kam an einem Festtag des Herodes. Zu seinem Geburtstag veranstaltete er ein Mahl für seine Großen, die obersten Befehlshaber und die angesehenen Männer Galiläas. In dieser Umgebung aus Macht, öffentlichem Ansehen und festlicher Unterhaltung sollte sich das Schicksal des gefangenen Johannes entscheiden. Der Prophet selbst erscheint in diesem Abschnitt kaum noch handelnd. Über seinen Tod bestimmen nun Menschen, die seine Botschaft gehört, aber die von ihm geforderte Umkehr verworfen hatten.

Während des Festes kam die Tochter der Herodias herein und tanzte. Die Bibel nennt ihren Namen nicht. Ihr Tanz gefiel Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König ihr versprach, ihr zu geben, was sie von ihm erbitten würde. Markus berichtet sogar, dass Herodes sein Versprechen mit Schwüren bekräftigte und ihr bis zur Hälfte seines Reiches zusagte. Damit band er sich öffentlich an eine unbedachte Zusage, bevor er überhaupt wusste, was von ihm verlangt werden würde.

Die Tochter ging zu ihrer Mutter und fragte, was sie erbitten solle. Herodias antwortete: den Kopf Johannes des Täufers. Daraufhin kehrte die Tochter sogleich zum König zurück und verlangte, dass ihr der Kopf des Johannes auf einer Schüssel gegeben werde. Die Feindschaft gegen den Propheten, die zuvor noch durch Herodes gebremst worden war, fand nun einen Weg, seinen Schutz zu überwinden. Johannes sollte sterben, weil seine klare Benennung der Sünde nicht zum Schweigen gebracht werden konnte.

Herodes wurde über diese Forderung betrübt. Damit zeigt der Bericht erneut die widersprüchliche Haltung des Herrschers. Er hatte Johannes gefürchtet, ihn als gerechten und heiligen Mann erkannt und ihm gern zugehört. Dennoch entschied er sich nicht danach, was richtig war. Wegen seiner Schwüre und wegen der anwesenden Gäste wollte er das gegebene Versprechen nicht zurücknehmen. Sein öffentliches Ansehen erhielt damit größeres Gewicht als das Leben eines Mannes, von dessen Gerechtigkeit er selbst wusste.

Der König sandte einen Scharfrichter und befahl, Johannes zu enthaupten. Der Mann ging in das Gefängnis und vollstreckte den Befehl. Johannes, dessen Stimme einst Menschenmengen am Jordan zur Umkehr gerufen hatte, wurde dort getötet, wo Herodes ihn hatte einsperren lassen. Die Bibel berichtet keine letzten Worte des Johannes und beschreibt auch nicht seine Gedanken in diesem Augenblick. Deshalb endet sein Leben nicht mit einer ausgeschmückten Märtyrerszene, sondern mit der nüchternen Mitteilung seines gewaltsamen Todes.

Der Kopf des Johannes wurde auf einer Schüssel gebracht, der Tochter übergeben und von ihr zu ihrer Mutter getragen. Die Härte dieses Geschehens steht in deutlichem Gegensatz zu dem Dienst, den Johannes ausgeübt hatte. Er hatte Herodes nicht aus persönlicher Feindschaft angegriffen, sondern ihn zur Anerkennung eines göttlichen Maßstabes gerufen. Seine Ermordung widerlegte seine Botschaft nicht. Sie zeigte vielmehr, wie weit Menschen gehen können, wenn sie eine Wahrheit nicht annehmen wollen, die ihr eigenes Leben zur Umkehr ruft.

Als die Jünger des Johannes davon hörten, kamen sie, nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. Matthäus ergänzt, dass sie danach zu Jesus gingen und ihm berichteten, was geschehen war. Damit endet die eigentliche irdische Lebensgeschichte des Johannes. Der Sohn des Zacharias, dessen Geburt durch einen Engel angekündigt worden war, hatte seinen Auftrag bis zuletzt nicht gegen Sicherheit oder Anerkennung eingetauscht.

Johannes erlebte nicht, wie Jesus gekreuzigt wurde und auferstand. Er sah auch nicht die spätere Ausbreitung des Evangeliums. Dennoch hatte er die Aufgabe erfüllt, die ihm vor seiner Geburt gegeben worden war: Er hatte den Weg des Herrn bereitet und auf Christus hingewiesen. Sein Tod setzte seinem irdischen Dienst ein gewaltsames Ende, doch die Bibel lässt sein Zeugnis damit nicht verstummen. Jesus selbst und spätere neutestamentliche Berichte greifen Johannes weiterhin auf und zeigen, welche Wirkung sein Dienst noch über seinen Tod hinaus hatte.

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Herodes hört von Jesus und erinnert sich an Johannes

Markus 6,14-16 – „14 Und der König Herodes hörte das (denn sein Name ward bekannt), und er sprach: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum wirken die Wunderkräfte durch ihn! 15 Andere aber sprachen: Es ist Elia; wieder andere: Es ist ein Prophet oder wie einer der Propheten. 16 Da es also Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe; der ist [von den Toten] auferstanden!"
Markus 6,14-16 – „14 Und der König Herodes hörte das (denn sein Name ward bekannt), und er sprach: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum wirken die Wunderkräfte durch ihn! 15 Andere aber sprachen: Es ist Elia; wieder andere: Es ist ein Prophet oder wie einer der Propheten. 16 Da es also Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe; der ist [von den Toten] auferstanden!"
Matthäus 14,1-2 – „1 Zu jener Zeit hörte der Vierfürst Herodes das Gerücht von Jesus. 2 Und er sprach zu seinen Dienern: Das ist Johannes der Täufer; der ist von den Toten auferstanden; darum sind auch die Kräfte wirksam in ihm!"
Lukas 9,7-9 – „7 Es hörte aber der Vierfürst Herodes alles, was geschah; und er geriet in Verlegenheit, weil von etlichen gesagt wurde, Johannes sei von den Toten auferstanden, 8 von etlichen aber, Elia sei erschienen, und von andern, einer der alten Propheten sei auferstanden. 9 Herodes aber sprach: Johannes habe ich enthauptet; wer ist aber der, von welchem ich solches höre? Und er verlangte, ihn zu sehen."

Nach dem Tod des Johannes verbreitete sich der Ruf Jesu immer weiter. Seine Werke wurden so bekannt, dass auch Herodes davon hörte. Die Menschen versuchten auf unterschiedliche Weise zu erklären, wer Jesus sei. Einige meinten, Johannes der Täufer sei von den Toten auferstanden; andere hielten Jesus für Elia oder für einen der früheren Propheten. Diese Vermutungen zeigen, wie stark sowohl Johannes als auch die Erwartung prophetischen Handelns das Denken vieler Menschen prägten.

Bei Herodes nahm die Nachricht jedoch eine besonders persönliche Wendung. Matthäus berichtet, dass er zu seinen Dienern sagte, Jesus sei Johannes der Täufer, der von den Toten auferstanden sei und deshalb solche Kräfte wirksam seien. Markus gibt seine Reaktion ähnlich wieder. Der Mann, den Herodes hatte enthaupten lassen, war für ihn offenbar nicht einfach vergessen. Als er von Jesu außergewöhnlichem Wirken hörte, verband er es mit dem Propheten, dessen Tod er selbst angeordnet hatte.

Lukas beschreibt Herodes zunächst als ratlos, weil manche behaupteten, Johannes sei von den Toten auferstanden. Zugleich wusste Herodes sehr genau, dass er Johannes hatte enthaupten lassen. Deshalb fragte er: „Wer ist aber dieser, von dem ich solches höre?“ und suchte Jesus zu sehen. Die Evangelien legen dabei keinen vollständigen inneren Zustand des Herodes offen. Sie berichten jedoch deutlich, dass die Nachricht über Jesus die Erinnerung an Johannes erneut hervorrief und den Herrscher mit einer Frage konfrontierte, die er nicht einfach beiseiteschieben konnte.

Gerade dieser Rückblick zeigt, dass die Ermordung des Johannes sein Zeugnis nicht ausgelöscht hatte. Herodes hatte den Propheten zum Schweigen gebracht, aber er konnte das gesprochene Wort nicht ungeschehen machen. Johannes hatte ihn wegen seiner Sünde zurechtgewiesen, und nun tauchte sein Name erneut auf, als Herodes vom Wirken Jesu hörte. Die Wirkung des Wegbereiters reichte damit selbst in das Leben des Mannes hinein, der ihn hatte töten lassen.

Die Vermutung, Jesus sei der auferstandene Johannes, war allerdings falsch. Die Evangelien unterscheiden beide Personen von Anfang an eindeutig. Johannes hatte Jesus selbst getauft, auf ihn als das Lamm Gottes hingewiesen und erklärt, dass der Kommende größer sei als er. Herodes’ Vorstellung macht deshalb gerade sichtbar, wie wenig er die eigentliche Botschaft des Johannes verstanden hatte. Der Prophet hatte nie behauptet, selbst der Christus zu sein, sondern sein ganzes Wirken auf Jesus ausgerichtet.

Auch die Vorstellung, Johannes habe nach seinem Tod als Jesus weitergewirkt, findet im biblischen Bericht keinerlei Grundlage. Johannes war gestorben und begraben worden; Jesus führte seinen eigenen, bereits zuvor begonnenen Dienst weiter. Die Auferstehungshoffnung der Bibel darf nicht mit den verwirrten Vermutungen der Menschen um Herodes vermischt werden. Hier wird keine Lehre über Johannes nach seinem Tod gegeben, sondern die Unsicherheit beschrieben, mit der die Menschen das Wirken Jesu einzuordnen versuchten.

Für Johannes’ Nachwirkung ist dieser Abschnitt dennoch bedeutsam. Sein Name blieb mit dem Ruf zur Umkehr, prophetischer Autorität und dem Auftreten Gottes verbunden. Selbst Herodes, der seine Stimme gewaltsam beendet hatte, kam nicht an der Erinnerung an ihn vorbei. Doch die entscheidende Frage musste weiterhin lauten, auf wen Johannes selbst hingewiesen hatte. Seine Aufgabe bestand nicht darin, nach seinem Tod im Mittelpunkt zu bleiben, sondern Christus den Weg zu bereiten.

Später würde Jesus Johannes noch einmal ausdrücklich in den Zusammenhang der prophetischen Verheißungen stellen. Dabei sollte besonders die Frage nach Elia geklärt werden, die bereits während Johannes’ öffentlichem Dienst gestellt worden war. Was bei seiner Geburt angekündigt und von ihm selbst sorgfältig eingeordnet worden war, bestätigte Christus nach seinem Tod erneut.

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Jesus bestätigt Johannes als den angekündigten Elia

Matthäus 17,10-13 – „10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, daß zuvor Elia kommen müsse? 11 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt freilich und wird alles in den rechten Stand setzen; 12 ich sage euch aber, daß Elia schon gekommen ist; und sie haben ihn nicht anerkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Also wird auch des Menschen Sohn von ihnen lei…"
Matthäus 17,10-13 – „10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, daß zuvor Elia kommen müsse? 11 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt freilich und wird alles in den rechten Stand setzen; 12 ich sage euch aber, daß Elia schon gekommen ist; und sie haben ihn nicht anerkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Also wird auch des Menschen Sohn von ihnen lei…"
Markus 9,11-13 – „11 Und sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, daß zuvor Elia kommen müsse? 12 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar zuvor und stellt alles her; und wie steht über den Sohn des Menschen geschrieben? Daß er viel leiden und verachtet werden müsse! 13 Aber ich sage euch, daß Elia schon gekommen ist, und sie taten ihm, was sie wollten, wie über ihn geschriebe…"
Maleachi 3,23-24 – „23 Fürwahr, ich werde euch den Propheten Elia senden, bevor der große und furchtbare Tag Jahwes hereinbricht, 24 daß er die Väter mit den Söhnen und die Söhne mit den Vätern aussöhne, damit ich nicht komme und den Bannfluch an dem Lande vollstrecke."

Nach dem Tod des Johannes griff Jesus dessen prophetische Bedeutung noch einmal auf. Als Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes vom Berg der Verklärung herabstieg, entstand eine Frage über die Erwartung Elias. Die Schriftgelehrten lehrten, Elia müsse vor dem Messias kommen. Diese Erwartung hatte eine biblische Grundlage: Am Ende des Buches Maleachi hatte Gott angekündigt, Elia zu senden, bevor der große und furchtbare Tag des Herrn komme.

Jesus widersprach der Prophetie nicht. Er bestätigte zunächst, dass Elia komme und alles wiederherstellen werde. Dann fügte er jedoch hinzu: „Elia ist schon gekommen.“ Die Menschen hatten ihn nicht erkannt, sondern mit ihm getan, was sie wollten. Matthäus erklärt ausdrücklich, dass die Jünger daraufhin verstanden, dass Jesus von Johannes dem Täufer gesprochen hatte. Damit gibt die Bibel selbst die entscheidende Auslegung der Beziehung zwischen Johannes und Elia.

Diese Aussage bedeutet nicht, dass Johannes buchstäblich der alttestamentliche Prophet Elia gewesen wäre. Als Johannes während seines öffentlichen Dienstes gefragt wurde, ob er Elia sei, hatte er eindeutig geantwortet: „Ich bin’s nicht.“ Zwischen beiden Aussagen besteht kein Widerspruch. Johannes war nicht Elia als Person; er erfüllte jedoch den angekündigten elianischen Dienst. Bereits vor seiner Geburt hatte Gabriel erklärt, dass er „im Geist und in der Kraft Elias“ vor dem Herrn hergehen werde.

Damit erschließt sich auch Maleachis Verheißung genauer. Dort wird Elias Aufgabe mit einer Umkehr der Herzen verbunden. Genau dies war Johannes von Anfang an aufgetragen worden: Er sollte Menschen zu Gott zurückführen und dem Herrn ein zugerüstetes Volk bereiten. Seine Predigt der Buße, seine kompromisslose Konfrontation mit Sünde und sein Ruf zur Erneuerung entsprachen diesem prophetischen Auftrag. Jesus bestätigte nach Johannes’ Tod, dass diese Linie in ihm tatsächlich erfüllt worden war.

Markus gibt Jesu Worte in einem Zusammenhang wieder, der zusätzlich das Leiden hervorhebt. Jesus erklärt, dass Elia gekommen sei und man mit ihm getan habe, was man wollte, wie über ihn geschrieben stehe. Johannes’ gewaltsamer Tod gehörte nicht deshalb zu seinem Auftrag, weil Gott das Böse seiner Gegner gutgeheißen hätte. Vielmehr zeigt sein Ende, dass der von Gott gesandte Bote von Menschen verworfen wurde, die seinen Ruf nicht annehmen wollten.

Jesus verband diese Zurückweisung zugleich mit seinem eigenen bevorstehenden Leiden. So wie der Wegbereiter nicht erkannt und misshandelt worden war, würde auch der Menschensohn leiden. Johannes wird dadurch nicht zu einem Erlöser neben Christus. Sein Lebensweg steht vielmehr im Vorfeld des größeren Geschehens, das auf Jesus selbst zulief. Der Bote wurde verworfen; schließlich würde auch der Herr, dessen Weg er bereitete, verworfen und getötet werden.

Diese spätere Erklärung Jesu ist für die biblische Einordnung des Johannes von besonderem Gewicht. Seine Rolle als angekündigter Elia beruht nicht nur auf einer Ähnlichkeit zwischen zwei Propheten und auch nicht auf einer späteren religiösen Tradition. Sie wird durch die Geburtsankündigung des Lukas und durch Jesu eigene Worte ausdrücklich getragen. Gleichzeitig setzt die Schrift klare Grenzen: Johannes war Johannes, der Sohn des Zacharias, und nicht die wiedergekehrte Person Elias.

Damit bestätigt Christus nach Johannes’ Tod noch einmal dessen besonderen Platz in der Heilsgeschichte. Der Wegbereiter hatte seinen Auftrag erfüllt, auch wenn viele ihn nicht erkannt hatten. Doch Johannes’ Bedeutung blieb nicht auf diese prophetische Zuordnung beschränkt. Auch in späteren Auseinandersetzungen Jesu und schließlich in der Verkündigung der Apostel sollte sein Dienst weiterhin als ein entscheidender Ausgangspunkt für das öffentliche Auftreten Christi erinnert werden.

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Die Apostel erinnern Johannes als Beginn der öffentlichen Vorbereitung

Apostelgeschichte 1,21-22 – „21 So muß nun von den Männern, die mit uns gegangen sind die ganze Zeit über, da der Herr Jesus unter uns ein und ausging, 22 von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, da er von uns hinweg aufgenommen wurde, einer von diesen muß mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden."
Apostelgeschichte 1,21-22 – „21 So muß nun von den Männern, die mit uns gegangen sind die ganze Zeit über, da der Herr Jesus unter uns ein und ausging, 22 von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, da er von uns hinweg aufgenommen wurde, einer von diesen muß mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden."
Apostelgeschichte 10,36-38 – „36 Das Wort, das er den Kindern Israel gesandt hat, indem er Frieden verkünden ließ durch Jesus Christus, welcher ist aller Herr, 37 ihr kennet [es, nämlich] die Geschichte, die in ganz Judäa geschehen ist und in Galiläa anfing nach der Taufe, die Johannes predigte: 38 Jesus von Nazareth, wie Gott ihn mit heiligem Geist und Kraft gesalbt hat, welcher umherzog, indem er wohltat und alle heilte, di…"
Apostelgeschichte 13,23-25 – „23 Von dessen Nachkommen hat nun Gott nach der Verheißung Jesus als Retter für Israel erweckt, 24 nachdem Johannes vor seinem Auftreten dem ganzen Volk Israel die Taufe der Buße gepredigt hatte. 25 Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er: Der, für den ihr mich haltet, bin ich nicht; doch siehe, es kommt einer nach mir, für den ich nicht gut genug bin, die Schuhe seiner Füße zu lösen!"

Auch nach Tod und Auferstehung Jesu blieb Johannes der Täufer im Zeugnis der ersten Christen ein wichtiger heilsgeschichtlicher Orientierungspunkt. Als nach dem Tod des Judas ein weiterer Zeuge für den Kreis der Zwölf bestimmt werden sollte, legte Petrus einen bemerkenswerten Zeitraum zugrunde. Der betreffende Mann sollte zu denen gehört haben, die während der ganzen Zeit mit den Jüngern gegangen waren, „von der Taufe des Johannes an“ bis zur Himmelfahrt Jesu. Johannes’ Dienst markierte damit für sie den Beginn jener öffentlichen Phase, in der das Auftreten Jesu unmittelbar vorbereitet und begleitet worden war.

Diese Formulierung bedeutet nicht, dass die Geschichte Jesu erst mit Johannes begonnen hätte. Die Evangelien berichten ausdrücklich von Jesu Geburt und früheren Lebensabschnitten. Für das apostolische Zeugnis über seinen öffentlichen Dienst bildete Johannes’ Taufe jedoch einen natürlichen Ausgangspunkt. Dort trat der Wegbereiter öffentlich auf, dort wurde Jesus getauft, und von dort aus entfaltete sich zunehmend das Wirken, dessen Zeugen die Apostel geworden waren.

Dasselbe Muster erscheint später in der Predigt des Petrus im Haus des Kornelius. Petrus erinnert daran, dass die Botschaft sich von Galiläa aus verbreitete, nachdem zuvor die Taufe verkündigt worden war, die Johannes predigte. Anschließend spricht er von Jesus von Nazareth, den Gott mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt hatte und der umherging, Gutes tat und Menschen heilte. Auch hier steht Johannes nicht im Zentrum der Verkündigung. Sein Dienst bildet vielmehr den vorbereitenden Hintergrund für das öffentliche Auftreten Jesu.

Dadurch wird rückblickend bestätigt, was Johannes selbst über seine Aufgabe gesagt hatte. Er sollte den Weg vorbereiten und dann zurücktreten. In der apostolischen Verkündigung geschieht genau dies: Johannes wird erwähnt, weil sein Dienst zum Verständnis des Beginns gehört, doch die Botschaft führt unmittelbar weiter zu Jesus. Der Wegbereiter bleibt wichtig, ohne zum Inhalt des Evangeliums anstelle Christi zu werden.

Noch deutlicher wird diese Einordnung in einer Predigt des Paulus in Antiochia in Pisidien. Nachdem Paulus Gottes Handeln in der Geschichte Israels bis zu David und der Verheißung des Retters nachgezeichnet hat, erklärt er, dass Gott aus Davids Nachkommenschaft Jesus als Retter hervorgebracht habe. Unmittelbar vor dessen Auftreten habe Johannes dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündigt. Paulus ordnet Johannes damit genau an die Stelle ein, die seine Lebensgeschichte von Anfang an bestimmt hatte: unmittelbar vor dem Erscheinen Jesu.

Paulus erinnert außerdem an Johannes’ eigene Haltung gegen Ende seines Dienstes. Als Johannes seinen Lauf vollendete, habe er ausdrücklich erklärt, nicht derjenige zu sein, für den die Menschen ihn hielten. Nach ihm komme einer, dessen Sandalen zu lösen er nicht würdig sei. Damit bewahrte die apostolische Verkündigung gerade jene Selbstunterscheidung, die Johannes während seines Lebens so konsequent vertreten hatte. Sein Zeugnis wurde nicht größer gemacht, als er es selbst verstand.

Besonders treffend ist die Formulierung vom „Lauf“ des Johannes. Sein Leben erscheint damit als ein von Gott gegebener Auftrag mit einem bestimmten Ziel. Johannes hatte nicht die Aufgabe, dauerhaft neben Christus zu wirken oder eine eigene bleibende Heilsbewegung zu begründen. Er sollte vorbereiten, bezeugen und auf den Kommenden hinweisen. Als Christus hervortrat, war Johannes’ Lauf seinem eigentlichen Ziel entgegengegangen.

So blieb Johannes auch in der Verkündigung der Apostel ein Zeuge für die Zuverlässigkeit von Gottes vorbereitendem Handeln. Sein Dienst stand am Übergang zum öffentlichen Wirken Jesu und wurde später genau so erinnert. Doch die Apostelgeschichte zeigt auch, dass Jahre nach Johannes’ Tod noch Menschen existierten, die nur seine Taufe kannten. Gerade daran sollte sichtbar werden, dass Johannes’ vorbereitender Dienst niemals als endgültige Station gedacht gewesen war.

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Apollos kennt zunächst nur die Taufe des Johannes

Apostelgeschichte 18,24-28 – „24 Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, mächtig in der Schrift, kam nach Ephesus. 25 Dieser war unterwiesen im Wege des Herrn und feurig im Geist, redete und lehrte genau über Jesus, kannte aber nur die Taufe des Johannes. 26 Dieser fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Da aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten i…"
Apostelgeschichte 18,24-28 – „24 Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, mächtig in der Schrift, kam nach Ephesus. 25 Dieser war unterwiesen im Wege des Herrn und feurig im Geist, redete und lehrte genau über Jesus, kannte aber nur die Taufe des Johannes. 26 Dieser fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Da aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten i…"
Apostelgeschichte 13,24-25 – „24 nachdem Johannes vor seinem Auftreten dem ganzen Volk Israel die Taufe der Buße gepredigt hatte. 25 Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er: Der, für den ihr mich haltet, bin ich nicht; doch siehe, es kommt einer nach mir, für den ich nicht gut genug bin, die Schuhe seiner Füße zu lösen!"

Viele Jahre nach Johannes’ öffentlichem Wirken begegnet die Apostelgeschichte einem Mann, an dem sichtbar wird, wie weit dessen Einfluss gereicht hatte. In Ephesus trat ein Jude namens Apollos auf, der aus Alexandria stammte. Lukas beschreibt ihn als redegewandt und mächtig in den Schriften. Er war im Weg des Herrn unterwiesen und lehrte mit geistlichem Eifer sorgfältig über Jesus. Dennoch fehlte ihm an einem entscheidenden Punkt noch weitere Erkenntnis: Er kannte nur die Taufe des Johannes.

Diese kurze Bemerkung ist für die Nachwirkung des Täufers bedeutsam. Johannes war längst gestorben, Jesus war gekreuzigt und auferstanden, und das Evangelium wurde bereits weit über Judäa hinaus verkündigt. Trotzdem hatte Johannes’ vorbereitende Botschaft Menschen erreicht, deren Verständnis noch nicht den ganzen weiteren Verlauf von Gottes Handeln erfasst hatte. Seine Verkündigung war also nicht wirkungslos vergangen. Zugleich zeigt Apollos’ Beispiel, dass man nicht bei Johannes stehenbleiben konnte.

Was genau Apollos zu diesem Zeitpunkt bereits über Jesus wusste, lässt sich nicht in allen Einzelheiten bestimmen. Lukas sagt ausdrücklich, dass er im Weg des Herrn unterwiesen war und „richtig“ beziehungsweise sorgfältig über Jesus redete und lehrte. Deshalb wäre es falsch, ihn als jemanden darzustellen, der Jesus überhaupt nicht kannte. Gleichzeitig macht der Zusatz über die Taufe des Johannes deutlich, dass sein Verständnis noch ergänzt werden musste.

Als Apollos freimütig in der Synagoge zu sprechen begann, hörten ihn Priscilla und Aquila. Sie wiesen ihn nicht öffentlich herab, sondern nahmen ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus. Der Text berichtet nicht im Einzelnen, welche Punkte sie mit ihm besprachen. Deshalb sollte nicht behauptet werden, Lukas habe hier eine vollständige Liste dessen gegeben, was Apollos fehlte. Sicher ist jedoch, dass die bisherige Erkenntnis erweitert wurde und Apollos diese Unterweisung annahm.

Gerade darin zeigt sich erneut die richtige Stellung von Johannes’ Dienst. Die Taufe des Johannes war von Gott gegeben und hatte Menschen auf Christus vorbereitet. Sie war deshalb weder bedeutungslos noch falsch. Doch sie war ihrem Wesen nach vorbereitend. Nachdem Christus gekommen, gestorben und auferstanden war, konnte eine Erkenntnis, die nur bis zu Johannes’ Taufe reichte, nicht das vollständige apostolische Zeugnis ersetzen.

Apollos hielt nach seiner Unterweisung nicht an einem unvollständigen Stand fest. Als er nach Achaja reisen wollte, unterstützten ihn die Brüder und schrieben den dortigen Jüngern, ihn aufzunehmen. Dort angekommen, wurde er den Gläubigen durch Gottes Gnade eine große Hilfe. Öffentlich widerlegte er die Juden kraftvoll und zeigte aus den Schriften, dass Jesus der Christus ist. Die genauere Unterweisung führte ihn also nicht weg von seinem bisherigen Eifer, sondern richtete diesen noch klarer auf Christus.

Damit erfüllt sich an Apollos gewissermaßen noch einmal die Bewegungsrichtung, die Johannes selbst vorgegeben hatte. Johannes hatte nie verlangt, dass Menschen bei seiner Person oder seiner Taufe stehenblieben. Er hatte ausdrücklich erklärt, dass nach ihm der Stärkere komme. Wer Johannes’ Botschaft richtig verstand, musste deshalb dort weitergehen, wohin Johannes selbst gezeigt hatte.

Die Apostelgeschichte berichtet unmittelbar danach von einer weiteren Gruppe in Ephesus, deren Situation noch deutlicher mit Johannes’ Taufe verbunden war. Auch diese Männer kannten seinen vorbereitenden Ruf, hatten aber entscheidende Entwicklungen noch nicht verstanden. An ihnen sollte besonders klar werden, warum Johannes’ Taufe ihren Sinn gerade darin erfüllte, Menschen auf den Glauben an Jesus Christus vorzubereiten.

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Jünger des Johannes werden auf Jesus hingewiesen

Apostelgeschichte 19,1-7 – „1 Es begab sich aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die obern Länder durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und als er etliche Jünger fand, sprach er zu ihnen: 2 Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber sprachen: Wir haben nicht einmal gehört, ob ein heiliger Geist sei! 3 Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber spr…"
Apostelgeschichte 19,1-7 – „1 Es begab sich aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die obern Länder durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und als er etliche Jünger fand, sprach er zu ihnen: 2 Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber sprachen: Wir haben nicht einmal gehört, ob ein heiliger Geist sei! 3 Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber spr…"
Apostelgeschichte 18,24-28 – „24 Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, mächtig in der Schrift, kam nach Ephesus. 25 Dieser war unterwiesen im Wege des Herrn und feurig im Geist, redete und lehrte genau über Jesus, kannte aber nur die Taufe des Johannes. 26 Dieser fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Da aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten i…"

Als Paulus nach Ephesus kam, begegnete er dort einigen Jüngern. Seine erste Frage an sie lautete, ob sie den Heiligen Geist empfangen hätten, als sie gläubig geworden waren. Ihre Antwort zeigte, dass ihr Verständnis noch begrenzt war: Sie hatten nicht einmal gehört, dass der Heilige Geist gegeben worden war. Daraufhin fragte Paulus nach ihrer Taufe. Sie antworteten: „Auf die Taufe des Johannes.“

Damit wird erneut sichtbar, dass Johannes’ Einfluss über seinen Tod hinausreichte. Menschen hatten seine Botschaft von Umkehr und Taufe aufgenommen, doch ihre Kenntnis war offenbar bei diesem vorbereitenden Stand stehengeblieben. Die Bibel beschreibt sie nicht als Gegner Jesu oder als Menschen, die Johannes absichtlich über Christus stellten. Vielmehr fehlte ihnen entscheidende Erkenntnis über das, was nach Johannes geschehen war.

Paulus erklärte ihnen deshalb den Sinn der johanneischen Taufe. Johannes habe mit einer Taufe der Umkehr getauft und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme, nämlich an Jesus. Diese kurze Erklärung fasst Johannes’ gesamten Dienst bemerkenswert genau zusammen. Seine Taufe war nie als endgültiger Mittelpunkt gedacht. Sie rief zur Umkehr und richtete den Glauben zugleich auf den Kommenden.

Damit bestätigt Paulus Jahre später genau die Richtung, die Johannes selbst während seines Lebens vorgegeben hatte. Er hatte erklärt, dass nach ihm einer komme, der stärker sei als er. Er hatte Jesus als das Lamm Gottes bezeichnet und seine eigenen Jünger zu ihm ziehen lassen. Nun wird in Ephesus deutlich: Wer nur Johannes’ Taufe kannte, musste weitergeführt werden zu dem Christus, auf den Johannes selbst hingewiesen hatte.

Als diese Männer Paulus’ Erklärung hörten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen. Ihre frühere Taufe wird dabei nicht verspottet oder als bedeutungslos abgetan. Sie hatte zu einem vorbereitenden Dienst gehört, der von Gott gegeben worden war. Doch nachdem die volle Botschaft über Jesus bekannt geworden war, genügte dieser frühere Stand nicht mehr. Die neue Taufe bekannte nun ausdrücklich ihre Zugehörigkeit zu dem gekommenen Christus.

Paulus legte ihnen anschließend die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie. Sie redeten in Sprachen und weissagten. Lukas berichtet diese Zeichen als Teil dieses besonderen Ereignisses, nicht als allgemeine Formel, nach der jeder Empfang des Heiligen Geistes stets auf genau dieselbe sichtbare Weise erfolgen müsse. Entscheidend für die Lebensgeschichte des Johannes ist hier vor allem, dass seine Taufe ausdrücklich als Vorbereitung auf den Glauben an Jesus erklärt wird.

Der Abschnitt setzt damit eine klare Grenze gegen jede spätere Verselbständigung von Johannes’ Dienst. Man konnte seinen Ruf zur Umkehr ernst nehmen und dennoch unvollständig verstehen, wohin dieser Ruf führte. Johannes wollte keine dauerhaft von Christus getrennte Gemeinschaft begründen. Sein Auftrag fand seine Erfüllung gerade darin, dass Menschen von ihm weiter zu Jesus geführt wurden.

So erscheint Johannes noch Jahre nach seinem Tod in der Apostelgeschichte als ein Wegweiser, dessen Botschaft über sich selbst hinausführt. Wo Menschen bei seiner Taufe stehengeblieben waren, wurden sie nicht zu größerer Verehrung des Johannes geführt, sondern zu Christus. Gerade darin bestätigt die spätere biblische Rückschau erneut die tiefste Ausrichtung seines Lebens: Johannes war die Stimme, aber Jesus war der, auf den die Stimme hinwies.

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Jesus bestätigt das Zeugnis des Johannes

Johannes 5,33-36 – „33 Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. 34 Ich aber nehme das Zeugnis nicht von einem Menschen, sondern ich sage solches, damit ihr gerettet werdet. 35 Jener war die brennende und scheinende Leuchte, ihr aber wolltet euch nur eine Stunde an ihrem Scheine ergötzen. 36 Ich aber habe ein Zeugnis, welches größer ist als das des Johannes; denn die Werke, die mir der V…"
Johannes 5,33-36 – „33 Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. 34 Ich aber nehme das Zeugnis nicht von einem Menschen, sondern ich sage solches, damit ihr gerettet werdet. 35 Jener war die brennende und scheinende Leuchte, ihr aber wolltet euch nur eine Stunde an ihrem Scheine ergötzen. 36 Ich aber habe ein Zeugnis, welches größer ist als das des Johannes; denn die Werke, die mir der V…"
Johannes 10,40-42 – „40 und zog wieder jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte, und blieb daselbst. 41 Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes hat zwar kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, ist wahr. 42 Und es glaubten dort viele an ihn."

Auch Jesus selbst griff später auf das Zeugnis des Johannes zurück. In einer Auseinandersetzung über seine eigene Vollmacht erinnerte er die Menschen daran, dass sie zu Johannes gesandt hatten und dieser für die Wahrheit Zeugnis abgelegt hatte. Damit bezog Jesus sich auf jene Untersuchung, bei der Priester und Leviten Johannes nach seiner Identität gefragt hatten. Der Täufer hatte damals klar verneint, selbst der Christus zu sein, und seinen gesamten Dienst auf den Kommenden ausgerichtet.

Jesus erklärte zugleich, dass er das Zeugnis eines Menschen nicht benötige, um seine göttliche Sendung zu begründen. Johannes war also nicht die höchste Instanz, von der Jesu Identität abhängig gewesen wäre. Christus verwies vielmehr darauf, dass er Johannes erwähnte, damit seine Zuhörer gerettet würden. Das Zeugnis des Wegbereiters war von Gott gebraucht worden, um Menschen auf Jesus aufmerksam zu machen, doch die letztgültige Bestätigung Jesu lag noch höher.

In diesem Zusammenhang bezeichnete Jesus Johannes als eine „brennende und scheinende Leuchte“. Das Bild bewahrt die richtige Ordnung zwischen dem Wegbereiter und Christus. Johannes war eine Leuchte: Er empfing Licht und gab es weiter. Er war nicht selbst die Quelle des Heils. Die Menschen hatten sich eine Zeit lang an seinem Licht erfreut, doch Johannes hatte stets auf den hingewiesen, dessen Kommen sein eigener Dienst vorbereitete.

Jesus fügte hinzu, dass er ein größeres Zeugnis als das des Johannes besitze: die Werke, die der Vater ihm zu vollbringen gegeben hatte. Seine Taten bezeugten, dass der Vater ihn gesandt hatte. Damit wird Johannes weder herabgesetzt noch überhöht. Sein Zeugnis war wahr und wichtig, aber es stand innerhalb eines umfassenderen göttlichen Zeugnisses über Christus. Johannes konnte auf Jesus zeigen; Jesu eigene Werke bestätigten, wer er war.

Noch später kehrte Jesus an den Ort jenseits des Jordan zurück, an dem Johannes zu Beginn getauft hatte. Viele Menschen kamen dort zu ihm. Gerade an diesem Ort erinnerten sie sich an den inzwischen verstorbenen Täufer und sagten: „Johannes hat zwar kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, war wahr.“ Diese Worte sind eine bemerkenswerte abschließende Bewertung der Wirkung seines Dienstes.

Johannes war demnach nicht dafür bekannt, Wunderzeichen vollbracht zu haben. Die Bibel berichtet kein einziges Wunder, das durch ihn geschah. Seine prophetische Autorität beruhte nicht darauf, dass er spektakuläre Zeichen vorweisen konnte. Seine Aufgabe bestand darin, Gottes Wort zu verkündigen, zur Umkehr zu rufen und ein zuverlässiges Zeugnis über Christus abzulegen. Jahre später konnten Menschen rückblickend feststellen, dass seine Aussagen über Jesus der Wahrheit entsprochen hatten.

Die Reaktion auf dieses Zeugnis führte erneut über Johannes hinaus. Johannes 10 berichtet, dass an diesem Ort viele an Jesus glaubten. Der Wegbereiter war nicht mehr am Leben, doch sein gesprochenes Wort half weiterhin Menschen, Christus zu erkennen. Was Johannes verkündigt hatte, gewann durch Jesu weiteres Wirken zusätzliche Bestätigung.

Damit zeigt sich noch einmal die besondere Frucht seines Lebens. Johannes hinterließ keine eigene Wundersammlung, keine politische Bewegung und kein Werk, das seinen Namen zum Mittelpunkt machte. Sein bleibendes Zeugnis bestand darin, zuverlässig von Christus gesprochen zu haben. Gerade deshalb konnte sein Dienst auch nach seinem Tod weiterwirken: Menschen erinnerten sich an seine Worte, verglichen sie mit Jesus und kamen zu dem Schluss, dass Johannes wahr geredet hatte.

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Jesu Gegner müssen sich zu Johannes’ Sendung stellen

Matthäus 21,23-27 – „23 Und als er in den Tempel kam, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm, während er lehrte, und sprachen: In welcher Vollmacht tust du das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 24 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch etwas fragen; wenn ihr mir darauf antwortet, will auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich solches tue. 25 Woher war die Taufe des J…"
Matthäus 21,23-27 – „23 Und als er in den Tempel kam, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm, während er lehrte, und sprachen: In welcher Vollmacht tust du das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 24 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch etwas fragen; wenn ihr mir darauf antwortet, will auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich solches tue. 25 Woher war die Taufe des J…"
Matthäus 21,28-32 – „28 Was dünkt euch aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg! 29 Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Hernach aber reute es ihn, und er ging. 30 Als aber der Vater zu dem andern dasselbe sagte, antwortete dieser und sprach: Ja, Herr! und ging nicht. 31 Welcher von diesen beiden hat den Willen des Va…"
Markus 11,27-33 – „27 Und sie kamen wiederum nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherwandelte, traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 28 und sprachen zu ihm: In welcher Vollmacht tust du das? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben, solches zu tun? 29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will auch eine Frage an euch richten; antwortet mir, so will ich euch sagen, in welcher Vollmacht…"
Lukas 20,1-8 – „1 Es begab sich aber an einem der Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten herzu 2 und sprachen zu ihm: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du das? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch etwas fragen! Saget mir: 4 War die Taufe des Joh…"

Gegen Ende seines öffentlichen Wirkens griff Jesus noch einmal auf Johannes den Täufer zurück, diesmal in einer Auseinandersetzung mit den führenden Männern in Jerusalem. Hohepriester und Älteste wollten wissen, mit welcher Vollmacht Jesus handelte und wer ihm diese Vollmacht gegeben habe. Jesus beantwortete ihre Frage zunächst mit einer Gegenfrage: Woher stammte die Taufe des Johannes – vom Himmel oder von Menschen? Damit machte er deutlich, dass die Haltung zu Johannes nicht von der Frage nach seiner eigenen Sendung getrennt werden konnte.

Die religiösen Führer gerieten dadurch in eine schwierige Lage. Wenn sie erklärten, Johannes’ Taufe sei vom Himmel gewesen, mussten sie sich fragen lassen, warum sie ihm nicht geglaubt hatten. Wenn sie dagegen behaupteten, sie sei lediglich menschlichen Ursprungs gewesen, mussten sie die Reaktion des Volkes fürchten, denn Johannes wurde allgemein als Prophet angesehen. Schließlich antworteten sie, sie wüssten es nicht. Ihre Antwort entstand nach dem Bericht nicht aus mangelnden Informationen, sondern aus der Überlegung, welche Folgen die jeweilige Antwort für sie haben würde.

Jesus verweigerte daraufhin ebenfalls die von ihnen geforderte Auskunft über seine Vollmacht. Johannes’ Dienst wurde damit gewissermaßen zum Prüfstein ihrer Bereitschaft, Gottes Handeln überhaupt anzuerkennen. Wer sich der Frage nach dem von Gott gesandten Wegbereiter entzog, konnte nicht glaubwürdig verlangen, über die Vollmacht dessen zu urteilen, auf den Johannes hingewiesen hatte. Das Problem lag nicht nur in fehlender Erkenntnis, sondern in der Haltung gegenüber bereits empfangener Erkenntnis.

Matthäus überliefert unmittelbar danach ein Gleichnis Jesu von zwei Söhnen. Der eine verweigerte zunächst den Auftrag seines Vaters, bereute es später jedoch und ging. Der andere erklärte sich bereit, tat aber schließlich nicht, was der Vater wollte. Jesus wandte dieses Bild auf seine Zuhörer an und stellte ihnen Zöllner und Prostituierte gegenüber. Menschen, deren bisheriges Leben offen von Gottes Willen abgewichen war, hatten auf den Ruf zur Umkehr reagiert, während religiöse Führer trotz ihres Bekenntnisses zu Gott den von ihm gesandten Boten ablehnten.

In diesem Zusammenhang spricht Jesus ausdrücklich über Johannes: Er sei „im Wege der Gerechtigkeit“ zu ihnen gekommen, doch sie hätten ihm nicht geglaubt. Zöllner und Prostituierte dagegen hätten ihm geglaubt. Selbst als die Führer diese Reaktion sahen, hätten sie anschließend nicht bereut und Johannes geglaubt. Damit erhält sein Dienst eine weitere ausdrückliche Bewertung durch Christus. Johannes hatte nicht eigenmächtig einen religiösen Sonderweg eröffnet; sein Ruf zur Umkehr stand im Einklang mit Gottes Willen.

Diese Worte erklären zugleich, weshalb die Reaktion auf Johannes so ernst genommen wird. Seine Taufe rettete nicht aus eigener Kraft, und Johannes war nicht der Christus. Doch Gott hatte ihn gesandt, damit Menschen umkehrten und für Christus vorbereitet wurden. Die Ablehnung seines Rufes konnte daher Ausdruck einer tieferen Weigerung sein, sich Gottes Anspruch zu stellen. Umgekehrt zeigte die Reaktion vieler gesellschaftlich gering geachteter Menschen, dass vergangene Schuld niemanden daran hinderte, Gottes Ruf in echter Umkehr anzunehmen.

Damit erhält Johannes’ Verkündigung auch nach seinem Tod noch einmal besonderes Gewicht. Jesus erinnerte nicht nur an seine prophetische Größe oder an seine Rolle als angekündigter Elia. Er stellte seine Taufe und seinen Ruf zur Umkehr vor die religiösen Führer als eine Frage, an der ihre eigene Haltung gegenüber Gott sichtbar wurde. Johannes hatte den Weg des Herrn vorbereitet; die Entscheidung, seine Botschaft anzunehmen oder zurückzuweisen, blieb deshalb nicht ohne Bedeutung.

So schließt sich eine Linie, die schon am Jordan begonnen hatte. Johannes hatte davor gewarnt, sich auf Abstammung oder religiöse Stellung zu verlassen, und Früchte verlangt, die der Umkehr entsprechen. Später bestätigte Jesus genau diesen Ernst: Menschen mit sichtbar belasteter Vergangenheit konnten Gottes Ruf annehmen, während religiös angesehene Menschen ihn trotz besserer Erkenntnis zurückweisen konnten. Johannes’ Dienst stellte damit nicht die Frage, wer äußerlich am religiösesten erschien, sondern wer bereit war, Gottes Ruf zu glauben und sich auf den kommenden Christus vorbereiten zu lassen.

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Eine Generation verwirft Johannes und Jesus

Matthäus 11,16-19 – „16 Wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die am Markte sitzen und ihren Gespielen zurufen 17 und sprechen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben geklagt, und ihr habt nicht geweint! 18 Denn Johannes ist gekommen, der aß nicht und trank nicht; da sagen sie: Er hat einen Dämon! 19 Des Menschen Sohn ist gekommen, der ißt und trinkt; da sa…"
Matthäus 11,16-19 – „16 Wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die am Markte sitzen und ihren Gespielen zurufen 17 und sprechen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben geklagt, und ihr habt nicht geweint! 18 Denn Johannes ist gekommen, der aß nicht und trank nicht; da sagen sie: Er hat einen Dämon! 19 Des Menschen Sohn ist gekommen, der ißt und trinkt; da sa…"
Lukas 7,31-35 – „31 Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts vergleichen? Und wem sind sie gleich? 32 Sie sind Kindern gleich, die am Markte sitzen und einander zurufen und sprechen: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint! 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen, der aß kein Brot und trank keinen Wein; da sagt ihr: Er hat ei…"
Lukas 16,16 – „16 Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes; von da an wird das Reich Gottes durch das Evangelium verkündigt, und jedermann vergreift sich daran."

Als Jesus über Johannes sprach, beschränkte er sich nicht auf die Würdigung seines prophetischen Auftrags. Er zeigte zugleich, wie widersprüchlich viele Menschen auf den Wegbereiter und auf ihn selbst reagierten. Um diese Haltung zu beschreiben, verglich Jesus seine Generation mit Kindern auf einem Marktplatz, die ihren Gefährten zurufen: Man habe ihnen aufgespielt, doch sie hätten nicht getanzt; man habe Klagelieder gesungen, doch sie hätten nicht getrauert. Das Bild beschreibt Menschen, die sich weder durch die eine noch durch die andere Weise ansprechen lassen wollten.

Jesus wandte dieses Bild unmittelbar auf Johannes und auf sich selbst an. Johannes war gekommen und führte ein auffallend enthaltsames Leben. Er aß nicht in der gewöhnlichen Weise und trank keinen Wein, worauf manche behaupteten: „Er hat einen Dämon.“ Der ernste, zurückgezogene Lebensstil des Täufers wurde also nicht von allen als Ausdruck seines besonderen Auftrags anerkannt. Was bei ihm Anlass zur Umkehr hätte sein können, wurde von seinen Gegnern benutzt, um ihn abzuwerten.

Dann stellte Jesus seine eigene Lebensweise daneben. Der Menschensohn kam essend und trinkend, und dieselben Menschen bezeichneten ihn als Fresser und Weinsäufer sowie als Freund von Zöllnern und Sündern. Damit wird die eigentliche Schwierigkeit sichtbar. Johannes wurde abgelehnt, weil sein Lebensstil zu streng erschien; Jesus wurde abgelehnt, weil sein Umgang mit Menschen ganz anders aussah. Gegensätzliche Vorwürfe führten zum gleichen Ergebnis.

Die Ursache lag deshalb nicht einfach in der äußeren Form des jeweiligen Dienstes. Johannes und Jesus unterschieden sich deutlich in ihrer Lebensweise und in bestimmten Schwerpunkten ihres Auftretens, doch beide standen im Dienst Gottes. Wer grundsätzlich nicht bereit war, sich Gottes Anspruch zu stellen, konnte sowohl die Strenge des Wegbereiters als auch die Nähe Jesu zu Sündern zum Vorwand für Ablehnung machen. Die verschiedenen Formen deckten dieselbe innere Weigerung auf.

Dabei darf Johannes’ asketische Lebensweise nicht gegen Jesu Verhalten ausgespielt werden. Johannes erfüllte einen besonderen prophetischen Auftrag in der Wüste und war bereits vor seiner Geburt zu einer ungewöhnlichen Lebensführung bestimmt worden. Jesus dagegen bewegte sich unter den Menschen, aß mit ihnen und suchte gerade solche auf, die gesellschaftlich oder religiös gering geachtet wurden. Die Unterschiede bedeuteten keinen Gegensatz in ihrer Botschaft. Johannes bereitete auf Christus vor; Christus brachte das Heil, auf das Johannes hingewiesen hatte.

Jesus schloss seinen Vergleich mit der Aussage, dass die Weisheit durch ihre Werke beziehungsweise ihre Kinder gerechtfertigt werde. Gottes Handeln musste nicht nach den Erwartungen seiner Kritiker aussehen, um wahr zu sein. Die Früchte würden zeigen, ob Johannes’ Ruf zur Umkehr und Jesu rettendes Wirken aus Gott kamen. Gerade diejenigen, die auf Johannes hörten und anschließend Christus annahmen, machten sichtbar, dass zwischen beiden Diensten eine von Gott geführte Linie bestand.

Auch an anderer Stelle fasste Jesus die besondere Stellung des Johannes innerhalb dieser Heilsgeschichte knapp zusammen: „Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes; von da an wird das Reich Gottes durch das Evangelium verkündigt.“ Diese Aussage macht Johannes nicht zum Gegner des Gesetzes und der Propheten. Sie bezeichnet vielmehr seinen Platz an einem Übergang. Mit ihm erreicht die lange vorbereitende prophetische Linie eine Schwelle, an der das angekündigte Reich in der Person und im Wirken Christi unmittelbar verkündigt wird.

Johannes stand damit an einem einzigartigen Punkt zwischen Verheißung und Erfüllung. Er gehörte zur prophetischen Vorbereitung und durfte zugleich den Christus sehen, auf den diese Vorbereitung zielte. Doch die Reaktion seiner Zeitgenossen erinnert daran, dass selbst ein von Gott bestätigter Bote nicht automatisch angenommen wird. Manche hörten Johannes und kehrten um; andere fanden Gründe, ihn abzulehnen. Und als Christus selbst erschien, setzte sich dieselbe Entscheidung in noch größerer Tragweite fort.

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Johannes’ Wassertaufe bleibt als Vorbereitung auf die Gabe des Geistes in Erinnerung

Apostelgeschichte 1,4-5 – „4 Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, [so sprach er], von mir vernommen habt, 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen."
Apostelgeschichte 1,4-5 – „4 Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, [so sprach er], von mir vernommen habt, 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen."
Apostelgeschichte 11,15-16 – „15 Als ich aber zu reden anfing, fiel der heilige Geist auf sie, gleichwie auf uns am Anfang. 16 Da gedachte ich an das Wort des Herrn, wie er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geist getauft werden."
Markus 1,8 – „8 Ich habe euch mit Wasser getauft; er aber wird euch mit heiligem Geiste taufen."

Kurz vor seiner Himmelfahrt griff Jesus selbst noch einmal auf Johannes’ Dienst zurück. Er gebot seinen Jüngern, Jerusalem zunächst nicht zu verlassen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten. Dabei erinnerte er sie an einen Unterschied, den Johannes bereits zu Beginn seines öffentlichen Wirkens verkündigt hatte: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden.“ Was Johannes angekündigt hatte, stand nun unmittelbar vor einer neuen heilsgeschichtlichen Erfüllung.

Damit bestätigte Jesus noch einmal die Grenze und zugleich die Bedeutung von Johannes’ Taufe. Johannes hatte tatsächlich einen von Gott gegebenen Dienst ausgeübt. Seine Wassertaufe war Teil seines Rufes zur Umkehr und bereitete Menschen auf den Kommenden vor. Doch Johannes hatte selbst erklärt, dass der nach ihm Kommende etwas tun würde, was er nicht vermochte: mit Heiligem Geist taufen. Der Wegbereiter hatte seine eigene Aufgabe also von Anfang an als begrenzt und auf Christus hin ausgerichtet verstanden.

Diese Unterscheidung wurde nach Jesu Auferstehung besonders wichtig. Die Jünger sollten nun nicht zu Johannes’ vorbereitender Phase zurückkehren, sondern auf das warten, was Christus ihnen verheißen hatte. Die Gabe des Heiligen Geistes gehörte zur weiteren Entfaltung des Erlösungswerkes Jesu. Damit wurde sichtbar, dass Johannes’ Ankündigung nicht bei einer bildhaften Aussage stehengeblieben war. Der Christus, auf den er hingewiesen hatte, besaß tatsächlich die Vollmacht, den Geist zu geben.

Petrus erinnerte sich später ausdrücklich an dieselben Worte Jesu. Als er vor den Gläubigen in Jerusalem erklären musste, warum er das Evangelium auch Nichtjuden verkündigt und Gemeinschaft mit ihnen gehabt hatte, berichtete er von den Ereignissen im Haus des Kornelius. Während er dort sprach, fiel der Heilige Geist auf die Zuhörer. In diesem Augenblick, sagte Petrus, habe er sich an das Wort des Herrn erinnert: Johannes habe mit Wasser getauft, sie aber würden mit Heiligem Geist getauft werden.

Dieser Rückblick zeigt, dass Johannes’ Dienst selbst bei einer entscheidenden Erweiterung der christlichen Mission noch als Orientierungspunkt diente. Doch wiederum führte die Erinnerung nicht zurück zu Johannes als Mittelpunkt. Sie half Petrus vielmehr zu erkennen, dass Christus sein Wort erfüllte. Die Wassertaufe des Wegbereiters und die Gabe des Geistes durch Christus wurden nicht miteinander verwechselt. Gerade der Unterschied machte deutlich, wie viel größer der Dienst Jesu war.

Zugleich darf daraus nicht geschlossen werden, Johannes’ Taufe sei wertlos gewesen. Sie hatte ihren von Gott bestimmten Platz. Johannes rief Menschen zur Umkehr, bekannte offen die Grenzen seines eigenen Dienstes und bereitete sie auf denjenigen vor, der mit Heiligem Geist taufen würde. Ihre Vorläufigkeit war kein Mangel, sondern Teil ihres Zwecks. Problematisch wurde sie erst dort, wo Menschen nach dem Kommen Christi bei diesem vorbereitenden Stand stehenblieben.

Damit bestätigt die spätere apostolische Erinnerung noch einmal Johannes’ erstaunliche Klarheit über seine eigene Stellung. Er hatte nie behauptet, das geben zu können, was allein Christus geben würde. Er taufte mit Wasser; Christus würde mit Heiligem Geist taufen. Johannes war der Bote; Christus war der Herr. Johannes bereitete vor; Christus erfüllte.

An diesem Punkt schließt sich die biblische Nachwirkung seines Lebens. Von der Ankündigung seiner Geburt bis zu den Erinnerungen der Apostel bleibt Johannes’ Stellung bemerkenswert konsequent: Gott sandte ihn, damit Menschen umkehrten und Jesus erkannten. Seine größte Bedeutung bestand deshalb nicht darin, selbst möglichst lange sichtbar zu bleiben, sondern darin, seinen Auftrag so treu zu erfüllen, dass der Blick schließlich ganz auf Christus fallen konnte.

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Zusammenfassung und Gebet

Johannes der Täufer gehört zu den Menschen der Bibel, deren Größe gerade darin sichtbar wird, dass sie nicht sich selbst zum Mittelpunkt machen. Sein Leben stand von Anfang an unter einem Auftrag Gottes. Noch vor seiner Geburt wurde angekündigt, dass er Menschen zur Umkehr führen und dem Herrn ein vorbereitetes Volk bereiten sollte. Als sein öffentlicher Dienst begann, nahm Johannes diesen Auftrag mit außergewöhnlicher Klarheit wahr: Er rief Sünde beim Namen, forderte eine Umkehr, die im Leben Frucht trägt, und ließ sich weder von religiösem Ansehen noch von politischer Macht davon abbringen.

Dabei verstand Johannes die Grenze seiner eigenen Aufgabe. Seine Taufe mit Wasser konnte vorbereiten, aber das Heil selbst kam nicht durch ihn. Als Menschen sich fragten, ob Johannes vielleicht der Christus sei, wies er diese Vorstellung entschieden zurück. Er kündigte den Stärkeren an, erkannte Jesus als den von Gott bestätigten Sohn und zeigte auf ihn als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Selbst als seine eigenen Jünger begannen, Jesus zu folgen, hielt Johannes sie nicht zurück. Für ihn war dies kein Verlust, sondern die Erfüllung seines Dienstes.

Seine Treue bewahrte ihn nicht vor schwerer Prüfung. Weil er Herodes dessen Unrecht offen vorhielt, wurde Johannes gefangen genommen. Aus dem Gefängnis heraus sandte er seine Jünger mit einer ernsten Frage zu Jesus und erhielt keine Zusicherung irdischer Befreiung, sondern den Hinweis auf die Werke, an denen Gottes verheißener Messias erkannt werden konnte. Schließlich wurde Johannes auf Befehl des Herodes getötet. Sein Leben zeigt damit, dass Gottes Führung nicht bedeutet, dass ein treuer Diener vor Leiden oder einem gewaltsamen Tod bewahrt bleiben muss.

Jesus selbst gab Johannes dennoch eine außergewöhnliche Würdigung. Er bezeichnete ihn als Propheten und mehr als einen Propheten, bestätigte seinen Dienst als den angekündigten Dienst Elias und stellte ihn in den unmittelbaren Zusammenhang der Vorbereitung auf das Reich Gottes. Zugleich blieb Johannes immer der Wegbereiter und niemals der Erlöser. Seine Größe lag gerade darin, dass er seinen von Gott gegebenen Platz kannte.

Auch nach seinem Tod blieb sein Zeugnis wirksam. Die Apostel erinnerten sich an seine Taufe als Ausgangspunkt der öffentlichen Vorbereitung auf Jesus. Menschen, die nur Johannes’ Botschaft kannten, wurden weiter zu Christus geführt. Und Jahre später konnten andere rückblickend feststellen, dass Johannes zwar kein Zeichen getan hatte, aber alles, was er über Jesus gesagt hatte, wahr gewesen war.

So führt die Lebensgeschichte des Johannes nicht zu Johannes als letztem Ziel. Sie führt zu Christus. Der Wegbereiter rief zur Umkehr, damit Menschen bereit würden, den Retter zu erkennen. Er erhob seine Stimme, damit eine größere Stimme gehört würde. Und als Christus hervortrat, war Johannes bereit, selbst zurückzutreten. Darin liegt die bleibende Kraft seines Zeugnisses: Ein von Gott gegebener Dienst erfüllt seinen tiefsten Sinn nicht darin, den Diener großzumachen, sondern darin, Menschen zuverlässig zu Jesus Christus zu führen.

Herr, unser Gott, wir danken dir für das Zeugnis des Johannes und dafür, dass du Menschen berufst, die dein Wort treu weitergeben. Schenke auch uns ein Herz, das deinen Ruf zur Umkehr ernst nimmt und sich nicht auf äußere Frömmigkeit oder menschliche Sicherheiten verlässt. Bewahre uns davor, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, und richte unseren Blick immer wieder auf Jesus Christus. Gib uns Mut, an deiner Wahrheit festzuhalten, Demut im Dienst und Vertrauen auch dann, wenn dein Weg durch Prüfungen führt. Möge Christus in unserem Denken, Reden und Leben immer größer werden. Amen.

„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ Johannes 3,30

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