Johannes der Jünger

Johannes in der Bibel

Johannes, der Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus, gehört zum engsten Kreis der zwölf Jünger Jesu und wird später als Apostel und bedeutender Zeuge der frühen Gemeinde sichtbar. Seine biblische Geschichte ist eng mit der Person Jesu verbunden und führt von der unmittelbaren Nachfolge bis zu einem Dienst, in dem Wahrheit, Liebe, Gemeinschaft mit Christus und die Hoffnung auf Gottes endgültigen Sieg besonderes Gewicht erhalten.

Einführung

Johannes gehört zu den Jüngern, deren Bedeutung im Neuen Testament weit über einzelne bekannte Begebenheiten hinausreicht. Gleichzeitig verlangt seine Lebensgeschichte besondere Sorgfalt. Verschiedene Texte sprechen von Johannes, vom „Jünger, den Jesus liebte“, von einem Apostel dieses Namens und von einem Johannes, der die Offenbarung empfängt. Welche dieser Angaben sicher derselben Person zugeordnet werden können und wo der Bibeltext Zurückhaltung verlangt, muss jeweils aus dem unmittelbaren Zusammenhang geklärt werden.

Seine Geschichte beginnt jedoch nicht mit späteren Schriften oder theologischen Aussagen, sondern mit einem Mann aus einer konkreten Familie und einem alltäglichen Arbeitsleben. Die Evangelien nennen ihn als Sohn des Zebedäus und als Bruder des Jakobus. Beide Brüder begegnen Jesus in einem Umfeld, das vom Fischfang geprägt ist. Johannes tritt damit zunächst nicht als herausragender Lehrer oder Gemeindeleiter in Erscheinung, sondern als jemand, dessen weiteres Leben durch die Begegnung mit Jesus eine neue Richtung erhält.

Gerade dieser Ausgangspunkt ist wichtig. Was Johannes später versteht, bezeugt und weitergibt, lässt sich nicht von seiner persönlichen Nachfolge trennen. Seine Entwicklung vollzieht sich in der Nähe Jesu: durch dessen Worte und Handlungen, durch Erfahrungen, die seinen eigenen Vorstellungen widersprechen können, und durch eine immer tiefere Erkenntnis dessen, wer Christus wirklich ist.

Der früheste klare biografische Zugang führt deshalb zu Johannes innerhalb seiner Familie und zu dem Augenblick, in dem Jesus ihn aus seinem bisherigen Lebensbereich herausruft. Dort beginnt die biblisch nachvollziehbare Lebenslinie des Jüngers Johannes.

Johannes wird aus dem Fischerleben gerufen

Markus 1,19-20 – „19 Und als er von da ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und seinen Bruder Johannes, welche auch im Schiffe die Netze bereitmachten. 20 Und alsbald berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Taglöhnern im Schiff und folgten ihm nach."
Markus 1,19-20 – „19 Und als er von da ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und seinen Bruder Johannes, welche auch im Schiffe die Netze bereitmachten. 20 Und alsbald berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Taglöhnern im Schiff und folgten ihm nach."
Matthäus 4,21-22 – „21 Und als er von da weiterging, sah er in einem Schiffe zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und dessen Bruder Johannes, mit ihrem Vater Zebedäus ihre Netze flicken; und er berief sie. 22 Da verließen sie alsbald das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach."
Lukas 5,10-11 – „10 gleicherweise auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Simons Gehilfen waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; von nun an sollst du Menschen fangen! 11 Und sie brachten die Schiffe ans Land, verließen alles und folgten ihm nach."

Die erste sichere Lebensphase des Johannes führt an den See Genezareth. Die Evangelien nennen ihn als Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Beide arbeiteten im Fischereigewerbe ihres Vaters und waren damit in einen Familienbetrieb eingebunden, bevor Jesus sie in seine Nachfolge rief. Über die Kindheit, das genaue Alter oder die Ausbildung des Johannes berichtet die Bibel nichts. Seine Geschichte beginnt für uns deshalb dort, wo er als arbeitender Fischer erscheint.

Markus schildert Johannes und Jakobus in einem Boot, während sie ihre Netze ausbessern. Ihr Vater Zebedäus ist bei ihnen, ebenso werden Tagelöhner erwähnt. Daraus lässt sich erkennen, dass Johannes nicht als einzelner Fischer arbeitete, sondern Teil eines organisierten Betriebs war. Weitergehende Aussagen über Wohlstand oder gesellschaftlichen Rang wären jedoch unsicher, denn der Bibeltext gibt dafür keine genaue Grundlage. Entscheidend ist vielmehr, dass Johannes in einem festen familiären und beruflichen Zusammenhang stand, als Jesus in sein Leben trat.

Matthäus und Markus verbinden die Berufung der beiden Brüder eng mit der Berufung von Simon Petrus und Andreas. Jesus ruft Jakobus und Johannes, und sie verlassen das Boot und ihren Vater, um ihm zu folgen. Der Bericht stellt diesen Schritt bemerkenswert knapp dar. Er beschreibt keine längere Beratung und keine ausführliche Erklärung ihrer Beweggründe, sondern legt den Schwerpunkt auf den Ruf Jesu und ihre unmittelbare Reaktion darauf.

Lukas ergänzt einen wichtigen Zusammenhang. Dort erscheinen Jakobus und Johannes als Partner Simons beim Fischfang. Nach dem außergewöhnlichen Fischfang sagt Jesus zu Simon, dass er künftig Menschen fangen werde; anschließend bringen sie die Boote ans Land, verlassen alles und folgen ihm. Die Evangelien setzen unterschiedliche Schwerpunkte und müssen nicht so gelesen werden, als würden sie identische Einzelheiten in derselben Reihenfolge erzählen. Gemeinsam bezeugen sie jedoch klar, dass Johannes sein bisheriges Arbeitsleben zurückließ und sich der Nachfolge Jesu anschloss.

Damit beginnt eine grundlegende Veränderung seiner Lebensaufgabe. Das Fischereigewerbe war nicht an sich geringwertig oder falsch; Johannes wurde nicht gerufen, weil sein bisheriger Beruf verwerflich gewesen wäre. Der entscheidende Punkt liegt in der Autorität dessen, der ihn ruft. Jesus tritt nicht lediglich als religiöser Lehrer auf, dessen Unterricht Johannes gelegentlich besuchen könnte. Der Ruf fordert eine neue Bindung und eine neue Priorität: Johannes soll bei Jesus sein und von ihm lernen.

Wie viel Johannes zu diesem Zeitpunkt bereits über Jesus verstand, sagt der Bericht nicht. Spätere Erkenntnisse dürfen deshalb nicht einfach in diesen frühen Augenblick zurückprojiziert werden. Er wusste zu Beginn seiner Nachfolge noch nicht alles, was er später über Christus bezeugen würde. Seine Geschichte wird gerade deshalb bedeutsam, weil die Evangelien einen Menschen zeigen, der Jesus folgt und im Verlauf dieser Nachfolge weiter lernen, korrigiert werden und tiefer erkennen muss, mit wem er es zu tun hat.

Auch eine häufige Verbindung mit Johannes 1 muss sorgfältig behandelt werden. Dort folgen zwei Jünger Johannes des Täufers Jesus, nachdem Johannes der Täufer ihn als das Lamm Gottes bezeichnet hat. Einer der beiden wird als Andreas genannt; der andere bleibt namenlos. Es ist möglich, dass dieser ungenannte Jünger Johannes, der Sohn des Zebedäus, war, doch der Text sagt dies nicht ausdrücklich. Deshalb kann diese Szene nicht mit derselben Sicherheit als frühester Lebensabschnitt des Apostels Johannes dargestellt werden wie seine eindeutig bezeugte Berufung in den synoptischen Evangelien.

Mit dem Verlassen des Bootes tritt Johannes nun in eine neue Lebensgemeinschaft ein. Von diesem Punkt an wird sein Weg immer stärker durch die unmittelbare Nähe zu Jesus geprägt. Aus dem Sohn des Zebedäus und Fischer am See wird ein Jünger, der hören, beobachten und lernen muss, was Nachfolge tatsächlich bedeutet. Der Ruf war der Anfang; was Johannes in dieser Nähe zu Christus werden sollte, musste sich erst entfalten.

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Johannes wird in den Kreis der Zwölf berufen

Markus 3,13-17 – „13 Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. 14 Und er verordnete zwölf, daß sie bei ihm wären und daß er sie aussendete zu predigen 15 und daß sie Macht hätten, die Dämonen auszutreiben: 16 Simon, welchem er den Namen Petrus beilegte, 17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, welchen er den Namen Boanerges, das heißt Do…"
Markus 3,13-17 – „13 Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. 14 Und er verordnete zwölf, daß sie bei ihm wären und daß er sie aussendete zu predigen 15 und daß sie Macht hätten, die Dämonen auszutreiben: 16 Simon, welchem er den Namen Petrus beilegte, 17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, welchen er den Namen Boanerges, das heißt Do…"
Lukas 6,12-16 – „12 Es begab sich aber in diesen Tagen, daß er hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott. 13 Und als es Tag geworden, rief er seine Jünger herzu und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und dessen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, d…"
Matthäus 10,2-4 – „2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: Der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes; 3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Lebbäus, zubenannt Thaddäus; 4 Simon der Kananäer, und Judas, der Ischariot, welcher ihn verriet."

Nachdem Johannes Jesus gefolgt war, erhielt seine Nachfolge eine deutlichere Form. Jesus hatte inzwischen mehrere Jünger um sich gesammelt, doch aus diesem größeren Kreis erwählte er zwölf Männer zu einer besonderen Aufgabe. Markus berichtet, dass Jesus diejenigen zu sich rief, die er wollte, und zwölf einsetzte, damit sie bei ihm seien und damit er sie zum Predigen aussende. Johannes gehörte zusammen mit seinem Bruder Jakobus zu diesem Kreis.

Die Berufung zu den Zwölf bedeutete zunächst Nähe zu Jesus. Noch bevor Markus vom Aussenden spricht, nennt er den Zweck, „dass sie bei ihm seien“. Johannes sollte die Botschaft Jesu nicht lediglich aus zweiter Hand kennenlernen. Er würde seine Worte hören, seine Taten beobachten und miterleben, wie Jesus Menschen begegnete. Sein späterer Dienst sollte aus dieser unmittelbaren Gemeinschaft mit Christus hervorgehen.

In den Listen der zwölf Apostel erscheint Johannes regelmäßig zusammen mit Jakobus. Matthäus nennt sie als die Söhne des Zebedäus, und Markus fügt eine besondere Einzelheit hinzu: Jesus gab den beiden den Namen „Boanerges“, den Markus mit „Donnersöhne“ erklärt. Warum Jesus ihnen gerade diesen Namen gab, erläutert der Text an dieser Stelle nicht. Deshalb wäre es zu weitgehend, daraus bereits eine vollständige Charakterbeschreibung des Johannes abzuleiten.

Spätere Ereignisse lassen allerdings erkennen, dass Johannes und Jakobus durchaus mit großer Entschiedenheit reagieren konnten. Diese späteren Begebenheiten dürfen den Namen „Donnersöhne“ erhellen, doch sie sollten nicht rückwirkend zu einer psychologischen Diagnose gemacht werden. Die Evangelien zeigen Johannes nicht durch ein einziges Etikett, sondern durch seinen tatsächlichen Weg mit Jesus. Gerade innerhalb dieses Weges wird sichtbar werden, dass ein berufener Jünger nicht bereits am Anfang alles verstanden hat.

Die Auswahl der Zwölf besaß zugleich heilsgeschichtliches Gewicht. Jesus sammelte nicht einfach eine zufällige Gruppe von Schülern um sich. Die Zahl zwölf erinnert an die zwölf Stämme Israels und steht im Zusammenhang mit dem von Jesus verkündigten Reich Gottes. Johannes wurde damit in einen Dienst hineingenommen, der über seine persönliche Glaubensgeschichte hinausging: Er sollte zu denen gehören, durch deren Zeugnis die Botschaft Christi weitergetragen wurde.

Doch diese Stellung bedeutete keine natürliche Vorrangstellung und keine Garantie geistlicher Reife. Die Evangelien verschweigen nicht, dass gerade die Zwölf immer wieder lernen mussten, wer Jesus wirklich war und wie sein Reich beschaffen ist. Auch Johannes blieb davon nicht ausgenommen. Die besondere Nähe zu Christus machte Korrektur nicht überflüssig, sondern brachte seine Vorstellungen immer wieder mit Jesu Worten und Handeln in Berührung.

Damit verändert sich Johannes’ Stellung erneut. Aus dem Fischer, der Jesus gefolgt war, wird nun einer der zwölf ausdrücklich berufenen Apostel. Sein Auftrag gründet jedoch nicht zuerst in einer eigenen Fähigkeit, sondern darin, dass Jesus ihn erwählt und in seine Nähe ruft. Von hier aus beginnt eine Lebensphase, in der Johannes nicht nur zuhören, sondern zunehmend Zeuge dessen werden wird, was Jesus sagt und tut.

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Johannes wird Zeuge von Jesu Macht über den Tod

Markus 5,35-43 – „35 Während er noch redete, kommen etliche von den Leuten des Obersten der Synagoge und sprechen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Meister noch? 36 Sobald aber Jesus dies Wort hörte, sprach er zum Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemand mitgehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und er kommt in das Haus des Obersten…"
Markus 5,35-43 – „35 Während er noch redete, kommen etliche von den Leuten des Obersten der Synagoge und sprechen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Meister noch? 36 Sobald aber Jesus dies Wort hörte, sprach er zum Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemand mitgehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und er kommt in das Haus des Obersten…"
Lukas 8,49-56 – „49 Da er noch redete, kam jemand vom Synagogenvorsteher und sprach zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht mehr! 50 Da es aber Jesus hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gerettet werden! 51 Und als er in das Haus kam, ließ er niemand mit sich hineingehen als Petrus und Jakobus und Johannes und den Vater des Kindes und die Mutter. 5…"

Johannes gehörte zwar zu den zwölf erwählten Aposteln, doch innerhalb dieses Kreises nahm Jesus ihn gemeinsam mit Petrus und Jakobus wiederholt zu bestimmten Ereignissen mit, die den übrigen Jüngern nicht in gleicher Weise zugänglich waren. Eine der frühesten ausdrücklich berichteten Situationen dieser Art ereignete sich im Haus des Jairus. Dessen Tochter lag im Sterben, und während Jesus auf dem Weg zu ihr war, kam die Nachricht, dass das Mädchen bereits gestorben sei. Jesus ging dennoch weiter und erlaubte schließlich nur Petrus, Jakobus und Johannes, ihn in das Haus zu begleiten.

Für Johannes bedeutete diese Auswahl zunächst keine Auszeichnung, die ihm Anlass zu persönlichem Stolz geben sollte. Der Bericht richtet die Aufmerksamkeit vollständig auf Jesus. Angesichts der Todesnachricht fordert er Jairus auf, sich nicht zu fürchten, sondern zu glauben. Als Jesus das Haus erreicht, begegnet ihm die menschlich endgültig erscheinende Wirklichkeit des Todes: Menschen weinen und klagen, weil das Kind gestorben ist. Gerade in diese Situation hinein nimmt Johannes wahr, dass Jesu Autorität nicht an der Grenze endet, vor der Menschen machtlos stehen.

Jesus lässt nur die Eltern des Mädchens sowie Petrus, Jakobus und Johannes mit in den Raum. Dann nimmt er das Kind bei der Hand und befiehlt ihm aufzustehen. Markus bewahrt dabei sogar die aramäischen Worte Jesu und erklärt ihre Bedeutung. Das Mädchen steht unmittelbar auf und geht umher. Was Johannes hier miterlebt, ist deshalb nicht lediglich eine außergewöhnliche Heilung, sondern eine unmittelbare Begegnung mit der Macht Jesu über den Tod.

Die Reaktion der Anwesenden beschreibt Markus als großes Entsetzen beziehungsweise überwältigtes Erstaunen. Wie Johannes persönlich in diesem Augenblick reagierte, wird nicht berichtet. Der Text erlaubt deshalb keine erfundene Beschreibung seiner Gedanken oder Gefühle. Sicher ist jedoch, dass er zu den wenigen Menschen gehörte, die dieses Geschehen unmittelbar sahen. Sein Wissen über Jesus wuchs nicht nur durch dessen Worte, sondern auch durch Erfahrungen, in denen Jesu Vollmacht vor seinen Augen sichtbar wurde.

Dabei fällt auf, dass Jesus den Anwesenden ausdrücklich gebot, niemand solle von dem Geschehen erfahren. Johannes wurde also Zeuge eines außergewöhnlichen Ereignisses, ohne daraus sofort eine öffentliche Botschaft machen zu dürfen. Die Nähe zu Jesus bedeutete nicht, jede Erfahrung unmittelbar weiterzugeben oder aus einer besonderen Stellung persönlichen Ruhm zu gewinnen. Derjenige, der Johannes berufen hatte, bestimmte auch, wann und wie sein Handeln bekannt werden sollte.

Für den weiteren Lebensweg des Johannes besitzt dieses Ereignis besonderes Gewicht, weil das Thema von Leben und Tod später immer wieder mit seinem Zeugnis über Christus verbunden erscheint. Dennoch sollte die spätere theologische Sprache nicht einfach in diese frühe Lebensphase zurückgelesen werden. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Johannes weiterhin im Lernen. Er sieht, was Jesus tut, doch das volle Verständnis seiner Person und seines Erlösungswerkes wird sich erst durch die kommenden Ereignisse vertiefen.

So wird Johannes innerhalb der Zwölf zunehmend zu einem unmittelbaren Augenzeugen entscheidender Taten Jesu. Die Berufung hatte ihn aus seinem bisherigen Beruf herausgeführt; nun öffnet ihm die Gemeinschaft mit Christus Einblicke in eine Vollmacht, die weit über menschliche Möglichkeiten hinausgeht. Diese besondere Nähe wird sich bald noch einmal verdichten, als Jesus Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg mitnimmt und ihnen etwas von seiner Herrlichkeit sehen lässt.

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Johannes sieht Jesu Herrlichkeit auf dem Berg

Markus 9,2-8 – „2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes zu sich und führt sie beiseite allein auf einen hohen Berg. Und er ward vor ihnen verklärt, 3 und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß wie Schnee, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, die redeten mit Jesus. 5 Und Petrus hob an und sprach zu Jesus: Rabbi, es ist gut, da…"
Markus 9,2-8 – „2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes zu sich und führt sie beiseite allein auf einen hohen Berg. Und er ward vor ihnen verklärt, 3 und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß wie Schnee, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, die redeten mit Jesus. 5 Und Petrus hob an und sprach zu Jesus: Rabbi, es ist gut, da…"
Matthäus 17,1-8 – „1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus und Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie beiseite auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen verklärt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm. 4 Da hob Petrus an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, daß wir h…"
Lukas 9,28-36 – „28 Es begab sich aber ungefähr acht Tage nach dieser Rede, daß er Petrus und Johannes und Jakobus zu sich nahm und auf den Berg stieg, um zu beten. 29 Und während er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders und sein Kleid strahlend weiß. 30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Mose und Elia; 31 die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusa…"

Einige Zeit nach den bisherigen Erfahrungen nahm Jesus erneut nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Er führte sie auf einen hohen Berg, fern von den übrigen Jüngern. Dort geschah vor ihren Augen etwas, das ihnen einen außergewöhnlichen Einblick in die Person Jesu gab: Sein Aussehen veränderte sich, und seine Kleider wurden strahlend hell. Johannes sah den Lehrer, dem er gefolgt war, in einer Herrlichkeit, die sich von seinem gewöhnlichen menschlichen Erscheinungsbild deutlich unterschied.

Neben Jesus erschienen Mose und Elia und redeten mit ihm. Lukas ergänzt, dass ihr Gespräch den bevorstehenden „Ausgang“ Jesu in Jerusalem betraf, also das Geschehen, das dort zur Vollendung kommen sollte. Damit stand die Szene nicht losgelöst von Jesu kommendem Leiden. Die Herrlichkeit auf dem Berg und der Weg nach Jerusalem gehörten zusammen. Für Johannes begann sich damit ein Zusammenhang abzuzeichnen, den die Jünger noch längst nicht vollständig verstanden: Jesu Größe bestand nicht darin, Leiden zu umgehen, sondern Gottes Erlösungswillen zu erfüllen.

Petrus reagierte darauf mit dem Vorschlag, drei Hütten zu bauen – eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elia. Markus erklärt, dass Petrus nicht wusste, was er sagen sollte, weil die Jünger sich fürchteten. Johannes wird in dieser Szene nicht mit eigenen Worten zitiert. Er steht vielmehr als Augenzeuge neben Petrus und Jakobus und nimmt wahr, wie die Bedeutung des Geschehens nicht durch die Vorstellungen der Jünger, sondern durch Gottes eigene Offenbarung bestimmt wird.

Eine Wolke überschattete sie, und aus ihr kam die Stimme Gottes. Jesus wird als der geliebte Sohn bezeichnet, auf den die Jünger hören sollen. Damit erhält Johannes eine klare Antwort auf die Frage, welche Stellung Jesus besitzt. Mose und Elia waren bedeutende Gestalten der bisherigen Heilsgeschichte, doch die göttliche Stimme richtet die Aufmerksamkeit der Jünger auf Christus. Als sie anschließend um sich blickten, sahen sie niemanden mehr außer Jesus allein.

Diese Erfahrung war deshalb mehr als eine beeindruckende Vision. Johannes wurde Zeuge dafür, dass Jesus nicht lediglich ein weiterer Prophet in der Reihe großer Männer Gottes war. Die Stimme aus der Wolke bestätigte seine einzigartige Sohnschaft und forderte die Jünger zum Hören auf ihn auf. Für Johannes bedeutete Nachfolge damit zunehmend, seine eigenen Vorstellungen der Autorität Jesu unterzuordnen.

Beim Abstieg vom Berg gebot Jesus den drei Jüngern, niemandem von dem Gesehenen zu erzählen, bis der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden sei. Markus berichtet, dass sie dieses Wort festhielten und untereinander darüber nachdachten, was die Auferstehung von den Toten bedeuten sollte. Selbst nach einer so außergewöhnlichen Offenbarung verstanden sie also noch nicht vollständig, was vor ihnen lag. Geistliche Erkenntnis entstand nicht in einem einzigen Augenblick, sondern entwickelte sich durch Jesu weitere Worte und schließlich durch die Ereignisse selbst.

Später erhielt diese Erfahrung für das apostolische Zeugnis besondere Bedeutung. Petrus blickt in 2. Petrus 1,16-18 ausdrücklich auf die Herrlichkeit Christi auf dem heiligen Berg zurück und betont, dass die Apostel keine erfundenen Geschichten weitergaben, sondern Augenzeugen seiner Majestät gewesen waren. Johannes wird dort nicht namentlich genannt, doch die Evangelien weisen ihn eindeutig als einen der drei Augenzeugen aus. Damit gehört die Verklärung zu jener Grundlage unmittelbarer Erfahrung, auf der das spätere Zeugnis über Christus beruhte.

Johannes war nun Zeuge der Macht Jesu über Krankheit und Tod geworden und hatte zugleich etwas von seiner Herrlichkeit gesehen. Doch gerade diese Nähe bedeutete nicht, dass seine Vorstellungen bereits mit dem Wesen des Reiches Gottes übereinstimmten. Noch musste er lernen, wie Jesus mit Menschen umgeht, die ihm nicht folgen oder ihn ablehnen. Schon bald würde sich zeigen, dass der „Donnersohn“ Johannes in entscheidenden Fragen selbst Korrektur durch seinen Herrn benötigte.

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Johannes wird in seinem Eifer von Jesus korrigiert

Lukas 9,49-56 – „49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand, der in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir wehrten es ihm, weil er dir nicht mit uns nachfolgt. 50 Jesus aber sprach: Wehret ihm nicht! Denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns. 51 Es begab sich aber, als sich die Tage seines Heimgangs erfüllten und er sein Angesicht nach Jerusalem richtete, um dorthin zu reisen, 52 sandte…"
Lukas 9,49-56 – „49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand, der in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir wehrten es ihm, weil er dir nicht mit uns nachfolgt. 50 Jesus aber sprach: Wehret ihm nicht! Denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns. 51 Es begab sich aber, als sich die Tage seines Heimgangs erfüllten und er sein Angesicht nach Jerusalem richtete, um dorthin zu reisen, 52 sandte…"
Markus 9,38-41 – „38 Johannes aber antwortete ihm und sprach: Meister, wir sahen einen, der uns nicht nachfolgt, in deinem Namen Dämonen austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er uns nicht nachfolgt. 39 Jesus aber sprach: Wehret es ihm nicht! Denn wer in meinem Namen ein Wunder tut, wird mich nicht bald schmähen können. 40 Denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns. 41 Denn wer euch einen Becher Wasser in mei…"

Die besondere Nähe zu Jesus bedeutete nicht, dass Johannes bereits dessen Haltung gegenüber anderen Menschen vollständig übernommen hatte. Gerade nach den außergewöhnlichen Erfahrungen, die er mit Petrus und Jakobus machen durfte, berichten die Evangelien von Situationen, in denen seine eigenen Vorstellungen deutlich hervortreten. Lukas verbindet dabei zwei Begebenheiten, in denen Johannes beziehungsweise Johannes und Jakobus von Jesus korrigiert werden. Beide zeigen, dass entschiedenes Eintreten für Jesus allein noch nicht bedeutet, seinen Willen richtig verstanden zu haben.

Zunächst berichtet Johannes selbst von einem Mann, der im Namen Jesu Dämonen austrieb. Die Jünger hatten versucht, ihn daran zu hindern, weil er ihnen nicht nachfolgte. Johannes begründet ihr Handeln also nicht damit, dass der Mann gegen Jesus wirkte oder einen falschen Namen gebrauchte, sondern damit, dass er nicht zu ihrem eigenen Kreis gehörte. Jesus bestätigt dieses Vorgehen jedoch nicht. Er weist seine Jünger an, den Mann nicht zu hindern; wer nicht gegen sie sei, sei für sie.

Markus überliefert dieselbe Begebenheit mit einem ergänzenden Schwerpunkt. Jesus erklärt dort, dass jemand, der in seinem Namen eine mächtige Tat vollbringt, nicht unmittelbar danach schlecht von ihm reden könne. Damit verschiebt Jesus den Maßstab. Johannes hatte offenbar danach beurteilt, ob der Mann zur sichtbaren Jüngergruppe gehörte; Jesus richtet den Blick darauf, wie der Betreffende sich tatsächlich zu ihm verhält. Die Zugehörigkeit zu Christus durfte nicht mit der Zugehörigkeit zum unmittelbaren Kreis der Zwölf gleichgesetzt werden.

Kurz darauf wird dieser Lernprozess noch schärfer. Als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, sandte er Boten voraus in ein samaritisches Dorf. Die Bewohner nahmen ihn jedoch nicht auf, weil seine Reise nach Jerusalem gerichtet war. Die jahrzehntelangen Spannungen zwischen Juden und Samaritern bilden den Hintergrund dieser Ablehnung, doch der Evangelist konzentriert sich auf die Reaktion der beiden Brüder. Jakobus und Johannes fragten Jesus, ob sie Feuer vom Himmel herabkommen lassen sollten, um die Menschen zu vernichten.

Ihre Frage erinnert deutlich an den Propheten Elia, auf dessen Wort in 2. Könige 1 Feuer vom Himmel fiel. Doch eine biblische Begebenheit aus einer früheren heilsgeschichtlichen Situation durfte nicht einfach auf die gegenwärtige Situation übertragen werden. Dass Johannes eine Handlung aus der Schrift kannte oder an sie dachte, bedeutete noch nicht, dass sie jetzt dem Willen Jesu entsprach. Jesus wandte sich um und wies die beiden Brüder zurecht. Danach gingen sie in ein anderes Dorf.

Gerade hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied zwischen menschlichem Eifer und der Gesinnung Christi. Die Samariter hatten Jesus tatsächlich abgelehnt; ihre Ablehnung wird nicht gutgeheißen. Dennoch gab sie Johannes keine Vollmacht, Gericht über sie zu verlangen. Jesus hätte die Macht besessen, seine Gegner zu vernichten, doch er setzte seine Reise fort. Johannes musste lernen, dass Nachfolge nicht bedeutet, jede Zurückweisung Christi unmittelbar mit Vergeltung beantworten zu wollen.

Diese Begebenheiten helfen zugleich, den von Jesus vergebenen Beinamen „Donnersöhne“ vorsichtig einzuordnen. Johannes erscheint hier tatsächlich als ein Mann großer Entschiedenheit: Er will einen Außenstehenden stoppen und gemeinsam mit seinem Bruder sogar Gericht über ein ablehnendes Dorf herabrufen. Doch die Evangelien stellen diesen Eifer nicht einfach als Tugend dar. Jesus korrigiert ihn. Johannes’ Stärke musste unter die Herrschaft Christi kommen, damit Entschiedenheit nicht zu Ausgrenzung oder Härte wurde.

Damit wird ein wichtiger Schritt seiner Glaubensentwicklung sichtbar. Johannes war berufen worden, hatte Jesu Macht und Herrlichkeit gesehen und gehörte zu seinem engsten Jüngerkreis. Trotzdem musste er lernen, dass Nähe zu Jesus nicht automatisch bedeutet, bereits wie Jesus zu denken. Der Herr formte seine Jünger auch durch Widerspruch und Korrektur. Bei Johannes begann damit ein Weg, auf dem sein Eifer nicht ausgelöscht, sondern zunehmend an der Haltung Christi ausgerichtet werden musste.

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Johannes bittet um einen Platz neben Jesus

Markus 10,35-45 – „35 Da begaben sich Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, daß du uns gewährest, um was wir dich bitten! 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, daß ich euch tun soll? 37 Sie sprachen zu ihm: Verleihe uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht,…"
Markus 10,35-45 – „35 Da begaben sich Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, daß du uns gewährest, um was wir dich bitten! 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, daß ich euch tun soll? 37 Sie sprachen zu ihm: Verleihe uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht,…"
Matthäus 20,20-28 – „20 Da trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm, fiel ihm zu Füßen, um etwas von ihm zu erbitten. 21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Sprich, daß diese meine beiden Söhne einer zur Rechten, der andere zu deiner Linken sitzen sollen in deinem Reiche. 22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den…"

Die Korrektur seines Eifers war nicht die letzte Situation, in der Johannes lernen musste, wie grundlegend sich Jesu Reich von menschlichen Vorstellungen unterschied. Auf dem Weg nach Jerusalem kündigte Jesus seinen Jüngern erneut an, dass ihm Leiden, Verurteilung, Tod und Auferstehung bevorstanden. Unmittelbar in diesem Zusammenhang berichtet Markus, dass Jakobus und Johannes mit einer Bitte zu ihm kamen. Sie wollten, dass Jesus ihnen gewähre, in seiner Herrlichkeit einer zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken zu sitzen.

Matthäus schildert dieselbe Begebenheit mit einer zusätzlichen Einzelheit: Dort tritt die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und bringt die Bitte vor. Die beiden Berichte müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Auch Matthäus zeigt durch Jesu direkte Antwort an die Brüder, dass Jakobus und Johannes selbst an dem Wunsch beteiligt waren. Im Mittelpunkt steht deshalb nicht, wer die ersten Worte sprach, sondern was die beiden von Jesus erwarteten.

Ihre Bitte zeigt, dass sie an Jesu kommende Herrschaft glaubten. Darin lag etwas Richtiges: Sie erwarteten nicht, dass Jesu Weg bedeutungslos enden würde. Doch ihre Vorstellung von Größe war noch nicht mit Jesu eigener Erklärung seines Reiches übereingekommen. Während Jesus von seinem bevorstehenden Leiden sprach, beschäftigten sie sich mit hervorgehobenen Plätzen in seiner Herrlichkeit. Nähe zu Jesus wurde von ihnen in diesem Augenblick mit besonderem Rang verbunden.

Jesus antwortete: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.“ Dann fragte er, ob sie den Kelch trinken könnten, den er trinken werde, beziehungsweise mit seiner Taufe getauft werden könnten. Jakobus und Johannes erklärten, dass sie es könnten. Wie weit sie die Tragweite ihrer Antwort verstanden, sagt der Text nicht. Jesus bestätigt jedoch, dass sie tatsächlich an seinem Kelch beziehungsweise an den mit seinem Weg verbundenen Leiden Anteil haben würden. Über die Plätze zu seiner Rechten und Linken verfügte er aber nicht nach menschlichem Ehrgeiz; sie waren für diejenigen bestimmt, für die sie bereitet waren.

Als die übrigen zehn Jünger davon erfuhren, wurden sie über Jakobus und Johannes unwillig. Jesus reagierte nicht dadurch, dass er lediglich die beiden Brüder zurechtwies. Er rief alle Jünger zusammen und erklärte ihnen den Maßstab seines Reiches. Unter den Völkern übten Herrscher Macht über andere aus und Große ließen ihre Autorität spüren. Unter seinen Jüngern sollte es gerade nicht so sein. Wer groß sein wollte, sollte Diener sein; wer der Erste sein wollte, sollte sich zum Knecht aller machen.

Jesus begründete diese Ordnung schließlich mit seinem eigenen Weg. Der Sohn des Menschen sei nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Damit führte er Johannes weg von der Frage nach dem höchsten Platz und hin zum Kreuz. Wahre Größe im Reich Gottes wird nicht daran gemessen, wie viele Menschen einem dienen, sondern daran, ob das eigene Leben von der selbsthingebenden Haltung Christi geprägt wird.

Für Johannes war diese Unterweisung besonders tiefgreifend. Zuvor hatte er einen Mann hindern wollen, der nicht zum eigenen Kreis gehörte, und Gericht über ein samaritisches Dorf erwogen. Nun suchte er gemeinsam mit seinem Bruder eine besonders hohe Stellung in Jesu Herrlichkeit. Die Evangelien beschönigen diese Entwicklung nicht. Gerade dadurch zeigen sie jedoch, dass Jesus Johannes nicht wegen seiner unreifen Vorstellungen aufgab, sondern ihn weiter unterwies und seinen Blick immer wieder auf das Wesen seines Reiches richtete.

Die Antwort Jesu bedeutete auch nicht, dass Streben nach Treue oder Verantwortung falsch wäre. Korrigiert wird vielmehr das Verlangen nach Vorrang. Johannes sollte lernen, dass Autorität unter Christus nicht Selbstvergrößerung, sondern Dienst bedeutet und dass der Weg zur Herrlichkeit durch Hingabe führt. Derjenige, der einen Platz neben Jesus begehrte, musste begreifen, dass Jesus selbst den niedrigsten Platz einnahm und sein Leben für andere gab.

Damit rückte Jerusalem näher, und mit ihm die Ereignisse, von denen Jesus bereits gesprochen hatte. Johannes hatte noch nicht erfasst, wie unmittelbar Leid, Dienst und Herrlichkeit miteinander verbunden waren. Doch die kommenden Tage würden ihn nicht nur Jesu Worte darüber hören lassen. Er sollte selbst miterleben, wie der Herr den Weg ging, den er seinen Jüngern beschrieben hatte.

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Johannes hört Jesu Rede über das kommende Ende

Markus 13,1-4 – „1 Und als er aus dem Tempel ging, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Meister! Siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das! 2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Es wird kein Stein auf dem andern gelassen werden, der nicht zerbrochen wird! 3 Und als er am Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders: 4 Sage uns, wann wir…"
Markus 13,1-4 – „1 Und als er aus dem Tempel ging, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Meister! Siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das! 2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Es wird kein Stein auf dem andern gelassen werden, der nicht zerbrochen wird! 3 Und als er am Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders: 4 Sage uns, wann wir…"
Markus 13,5-13 – „5 Jesus aber fing an, zu ihnen zu sagen: Sehet zu, daß euch niemand irreführe! 6 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es, und werden viele irreführen! 7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgeschrei hören werdet, so erschrecket nicht; denn es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 8 Denn ein Volk wird sich erheben wider das andere und ein Reich wider das andere; …"
Markus 13,24-37 – „24 Aber in jenen Tagen, nach jener Trübsal, wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, 25 und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte im Himmel in Bewegung geraten. 26 Und alsdann wird man des Menschen Sohn in den Wolken kommen sehen mit großer Kraft und Herrlichkeit. 27 Und dann wird er seine Engel aussenden und seine Auserwählten sammeln von den v…"

Als Jesus mit seinen Jüngern Jerusalem näherkam und schließlich im Tempel lehrte, rückten die letzten Tage vor seiner Kreuzigung heran. Johannes hatte bereits gehört, dass Jesus leiden und sterben würde, doch nun öffnete sich ein weiterer Zusammenhang. Beim Verlassen des Tempels wies einer der Jünger auf die eindrucksvollen Gebäude hin. Jesus antwortete, dass von diesen großen Bauten kein Stein auf dem anderen bleiben werde, der nicht abgebrochen würde.

Später saß Jesus auf dem Ölberg dem Tempel gegenüber. Dort traten Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas allein zu ihm und fragten, wann diese angekündigten Dinge geschehen würden und welches Zeichen ihrer Erfüllung vorausgehen werde. Johannes gehört damit ausdrücklich zu den vier Jüngern, denen Jesus seine ausführliche Antwort in diesem persönlichen Rahmen gab. Der Text nennt keine eigene Frage des Johannes, doch er war unmittelbar an der Nachfrage beteiligt und hörte die Antwort Jesu aus nächster Nähe.

Jesus begann nicht mit einer einfachen Datumsangabe. Seine erste Warnung galt der Täuschung. Viele würden unter seinem Namen auftreten und Menschen irreführen. Kriege und Kriegsgerüchte sollten die Jünger nicht dazu verleiten, vorschnell das Ende auszurufen; solche Ereignisse müssten geschehen, bedeuteten aber noch nicht unmittelbar die Vollendung. Johannes lernte damit, prophetische Erwartung nicht mit menschlicher Sensationslust zu verbinden.

Jesus sprach zugleich von schweren Prüfungen für seine Nachfolger. Sie würden vor Gerichte gestellt, geschlagen und um seinetwillen vor Herrscher geführt werden. Das Evangelium sollte zuvor unter allen Völkern verkündigt werden. Für Johannes war dies keine abstrakte Beschreibung einer fernen Zukunft. Als einer der Apostel gehörte er selbst zu denen, deren weiteres Leben vom Zeugnis für Christus und von Widerstand gegen dieses Zeugnis geprägt sein würde.

Die Rede verband die bevorstehende Zerstörung Jerusalems mit weiterreichenden Aussagen über das Kommen des Menschensohnes. Nicht jede Einzelheit lässt sich deshalb auf ein einziges Ereignis beschränken. Jesus führt seine Jünger von einer konkreten Frage über den Tempel zu einer umfassenderen Erwartung seiner Wiederkunft und der endgültigen Sammlung seiner Erwählten. Für Johannes wurde die Hoffnung auf Christus damit zunehmend nicht nur rückblickend, sondern auch zukünftig ausgerichtet.

Dabei gab Jesus seinen Jüngern keinen Anlass, einen Zeitpunkt zu berechnen. Über Tag und Stunde erklärte er ausdrücklich, dass niemand sie kenne. Stattdessen wiederholt sich die Aufforderung zu Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Treue. Prophetisches Wissen sollte die Jünger nicht zu spekulativer Sicherheit führen, sondern zu einem Leben, das jederzeit mit dem Handeln seines Herrn rechnet.

Gerade für Johannes ist dieser Abschnitt im Blick auf seinen späteren Dienst bedeutsam. Er hörte schon während des irdischen Wirkens Jesu von Verführung, Verfolgung, weltweiter Verkündigung, der Wiederkunft des Menschensohnes und der Notwendigkeit des Wachens. Spätere prophetische Aussagen, die mit Johannes verbunden sind, stehen deshalb nicht losgelöst von seiner Jüngerschaft. Bevor er selbst als Übermittler prophetischer Botschaft erscheint, sitzt er als Lernender vor Jesus und hört, wie Christus über die Zukunft seines Volkes spricht.

Doch zunächst lagen die entscheidenden Ereignisse noch unmittelbar vor ihm. Die Jünger sollten nicht zuerst in die Ferne schauen, sondern durch die Stunden gehen, in denen Jesus selbst den Weg zum Kreuz vollenden würde. Johannes würde dabei erneut eine besondere Aufgabe erhalten: Gemeinsam mit Petrus sollte er das Passah vorbereiten, das zum letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern führen sollte.

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Johannes bereitet mit Petrus das Passah vor

Lukas 22,7-20 – „7 Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, da man das Passah schlachten mußte. 8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Gehet hin, bereitet uns das Passah, damit wir es essen! 9 Sie aber sprachen: Wo willst du, daß wir es bereiten? 10 Er aber sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommet, so wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug mit Wasser trägt; dem folget in das H…"
Lukas 22,7-20 – „7 Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, da man das Passah schlachten mußte. 8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Gehet hin, bereitet uns das Passah, damit wir es essen! 9 Sie aber sprachen: Wo willst du, daß wir es bereiten? 10 Er aber sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommet, so wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug mit Wasser trägt; dem folget in das H…"
Markus 14,12-25 – „12 Und am ersten Tage der ungesäuerten Brote, da man das Passahlamm schlachtete, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen und das Passah zubereiten, damit du es essen kannst? 13 Und er sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Gehet in die Stadt; da wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folget, 14 und wo er hineingeht, da sprechet zum Hausherrn: …"
Matthäus 26,17-29 – „17 Am ersten Tage nun der ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir das Passahmahl zu essen bereiten? 18 Und er sprach: Gehet hin in die Stadt zu dem und dem und sprechet zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passah halten! 19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen, und bereiteten…"

Als das Passah herankam, erhielt Johannes gemeinsam mit Petrus einen besonderen Auftrag. Jesus sandte die beiden aus und sagte ihnen, sie sollten das Passah vorbereiten, damit er es mit seinen Jüngern essen könne. Lukas nennt Johannes dabei ausdrücklich mit Namen. Damit tritt er unmittelbar vor den entscheidenden Stunden von Jesu Leiden noch einmal als handelnder Jünger hervor, nicht durch eine öffentliche Rede oder außergewöhnliche Tat, sondern durch einen konkreten Dienst für seinen Herrn.

Petrus und Johannes fragten, wo sie die Vorbereitungen treffen sollten. Jesus gab ihnen genaue Hinweise: In der Stadt würden sie einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trug; diesem sollten sie in das entsprechende Haus folgen und den Hausherrn nach dem Raum fragen, in dem Jesus mit seinen Jüngern das Passah essen könne. Dort werde ihnen ein großer, eingerichteter Raum gezeigt werden. Die beiden gingen hin und fanden alles so vor, wie Jesus es ihnen gesagt hatte. Daraufhin bereiteten sie das Passah vor.

Dieser kurze Bericht fügt sich in eine Linie ein, die Johannes bereits mehrfach erlebt hatte. Wieder zeigt sich, dass Jesus den kommenden Ereignissen nicht hilflos ausgeliefert war. Er wusste, was bevorstand, und führte seine Jünger auch in den Einzelheiten dieser letzten Stunden. Johannes musste nicht alle Zusammenhänge kennen, um seinen Auftrag auszuführen. Seine Aufgabe bestand zunächst darin, Jesu Wort zu vertrauen und das ihm Aufgetragene zu tun.

Als die Stunde gekommen war, lag Jesus mit den Aposteln zu Tisch. Johannes gehörte als einer der Zwölf zu dieser Gemeinschaft. Das Passah erinnerte Israel an die Befreiung aus Ägypten, an das Blut des Passahlammes und an Gottes rettendes Eingreifen. Nun erhielt das Mahl in den Worten Jesu eine weiterführende Bedeutung, die unmittelbar auf sein eigenes bevorstehendes Opfer verwies.

Jesus nahm Brot, dankte, brach es und gab es seinen Jüngern mit der Aufforderung, es zu seinem Gedächtnis zu tun. Ebenso nahm er den Kelch und verband ihn mit dem neuen Bund in seinem Blut, das vergossen werden sollte. Johannes hörte damit, wie Jesus seinen Tod nicht als bedeutungsloses Scheitern beschrieb. Der Weg, den die Jünger noch immer nur unvollständig verstanden, gehörte zu Gottes Erlösungshandeln.

Auch die Ankündigung des Verrats überschattete das Mahl. Jesus erklärte, dass einer aus ihrem eigenen Kreis ihn überliefern werde. Die Evangelien zeigen damit, wie nahe Treue und Verrat in diesen Stunden nebeneinanderstanden. Johannes befand sich mitten in einer Gemeinschaft, die äußerlich zusammen am Tisch saß, deren Herzen und weitere Wege jedoch sehr verschieden waren. Die Zugehörigkeit zum Kreis der Zwölf allein ersetzte keine persönliche Treue zu Christus.

Für Johannes musste auch dieses Mahl eine weitere Korrektur früherer Vorstellungen bedeuten. Noch nicht lange zuvor hatte er mit Jakobus nach einem ausgezeichneten Platz in Jesu Herrlichkeit gefragt. Nun stellte Jesus den Mittelpunkt nicht als einen Thron menschlicher Größe vor, sondern als das Hingeben seines eigenen Leibes und Blutes. Die Herrlichkeit, die Johannes suchte, war untrennbar mit dem Opfer Christi verbunden.

Später würden Brot und Kelch zum bleibenden Gedächtnis an den Tod des Herrn gehören. Für Johannes aber waren sie in dieser Nacht zunächst Worte Jesu unmittelbar vor ihrer Erfüllung. Er saß mit den anderen Jüngern am Tisch, während Jesus ihnen erklärte, was sein Tod bedeuten würde. Was bisher angekündigt worden war, stand nun unmittelbar bevor.

Nach dem Mahl führte der Weg nicht in sichtbaren Triumph, sondern in eine Nacht der Prüfung. Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus, und Johannes gehörte erneut zu den wenigen, die er in einer besonders schweren Stunde näher zu sich nahm. Im Garten Gethsemane sollte Johannes erleben, wie groß die Spannung zwischen Jesu Gehorsam und der Schwachheit seiner Jünger tatsächlich war.

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Johannes versagt im Garten Gethsemane

Markus 14,32-42 – „32 Und sie kommen in ein Gut, genannt Gethsemane. Und er spricht zu seinen Jüngern: Bleibet hier sitzen, bis ich gebetet habe! 33 Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. 34 Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zutode betrübt; bleibet hier und wachet! 35 Und er ging ein wenig vorwärts, warf sich auf die Erde und betete, daß, wenn…"
Markus 14,32-42 – „32 Und sie kommen in ein Gut, genannt Gethsemane. Und er spricht zu seinen Jüngern: Bleibet hier sitzen, bis ich gebetet habe! 33 Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. 34 Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zutode betrübt; bleibet hier und wachet! 35 Und er ging ein wenig vorwärts, warf sich auf die Erde und betete, daß, wenn…"
Matthäus 26,36-46 – „36 Da kommt Jesus mit ihnen in ein Gut, namens Gethsemane. Und er spricht zu den Jüngern: Setzet euch hier, während ich dorthin gehe und bete. 37 Und er nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an, betrübt zu werden, und ihm graute sehr. 38 Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tiefbetrübt bis zum Tod! Bleibet hier und wachet mit mir! 39 Und er ging ein wenig vorwärts, warf …"
Lukas 22,39-46 – „39 Und er ging hinaus und begab sich nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger. 40 Und als er an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen: Betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! 41 Und er riß sich von ihnen los, ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder, betete 42 und sprach: Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht mein, sondern dein …"

Nach dem Passah ging Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg und weiter an einen Ort namens Gethsemane. Dort ließ er einen Teil der Jünger zurück und nahm Petrus, Jakobus und Johannes noch ein Stück weiter mit sich. Wie schon bei der Auferweckung der Tochter des Jairus und auf dem Berg der Verklärung gehörte Johannes damit erneut zu dem engsten Kreis, den Jesus in eine besonders bedeutende Stunde hineinführte. Doch diesmal sollte er keine sichtbare Herrlichkeit oder machtvolle Tat erleben, sondern die tiefe Bedrängnis Jesu unmittelbar vor seiner Gefangennahme.

Markus berichtet, dass Jesus anfing, sehr erschüttert und geängstigt zu werden. Er sagte den drei Jüngern, seine Seele sei tief betrübt bis zum Tod, und forderte sie auf, dort zu bleiben und zu wachen. Johannes hörte damit aus Jesu eigenem Mund, wie schwer die bevorstehende Stunde auf ihm lastete. Die Evangelien stellen dieses Leiden nicht als mangelnden Glauben dar. Jesus wich seiner Aufgabe nicht aus, sondern ging im Gebet geradewegs auf den Willen des Vaters zu.

Jesus entfernte sich ein wenig, fiel nieder und betete. Er bat darum, dass die Stunde, wenn es möglich sei, an ihm vorübergehen möge, unterstellte seinen Wunsch jedoch vollständig dem Willen des Vaters. Lukas beschreibt die Intensität dieses Ringens besonders eindrücklich und berichtet, dass Jesus in großer Angst noch eindringlicher betete. Für Johannes lag hier eine Lektion über Gehorsam vor ihm, die weit tiefer ging als jede frühere Unterweisung über Größe und Dienst.

Doch während Jesus betete, schliefen seine drei engsten Begleiter ein. Als er zu ihnen zurückkam, fand er sie schlafend. Markus richtet Jesu Worte zunächst an Petrus, doch die Aufforderung galt dem gesamten Kreis: Sie sollten wachen und beten, damit sie nicht in Versuchung gerieten. Jesus erklärte zugleich die Spannung, in der seine Jünger standen: Der Geist sei willig, das Fleisch aber schwach.

Johannes hatte zuvor selbstbewusst erklärt, er könne den Kelch trinken, den Jesus trinken werde. Nun zeigt sich in einer viel kleineren Prüfung seine Begrenztheit. Er sollte lediglich wachen und beten, doch selbst dazu war er in dieser Stunde nicht imstande. Der Evangelienbericht macht daraus keine Gelegenheit zur Demütigung des Johannes, verschweigt sein Versagen aber ebenso wenig. Besondere Nähe zu Jesus hatte ihn nicht automatisch gegen geistliche Schwachheit geschützt.

Jesus ging erneut zum Gebet und fand die Jünger anschließend wieder schlafend. Markus bemerkt, ihre Augen seien schwer gewesen und sie hätten nicht gewusst, was sie ihm antworten sollten. Ein drittes Mal kehrte Jesus zurück. Während seine Jünger immer wieder der Müdigkeit nachgaben, blieb er selbst seinem Weg treu und bereitete sich im Gebet auf das vor, was unmittelbar bevorstand.

Der Gegensatz ist deutlich: Johannes hatte um einen Ehrenplatz in Jesu Herrlichkeit gebeten, doch als die Stunde der tatsächlichen Gemeinschaft mit dem leidenden Christus kam, konnte er nicht einmal wach bleiben. Damit enthüllte Gethsemane, wie wenig menschliche Selbstsicherheit trägt, wenn die Prüfung wirklich eintritt. Jesu Weg zum Kreuz wurde nicht von der Stärke seiner Jünger getragen. Ihre Hoffnung lag vielmehr darin, dass Christus selbst den Willen des Vaters vollkommen erfüllte, wo sie versagten.

Als Jesus die Jünger schließlich weckte, war die entscheidende Stunde gekommen. Der Verräter näherte sich mit einer bewaffneten Menge, und der ruhige Ort des Gebets wurde zum Schauplatz der Gefangennahme. Johannes, der eben noch geschlafen hatte, musste nun erleben, wie schnell die von Jesus angekündigte Krise Wirklichkeit wurde. Die Prüfung, auf die er sich durch Wachen und Gebet hätte vorbereiten sollen, stand unmittelbar vor ihm.

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Johannes flieht bei Jesu Gefangennahme

Markus 14,43-52 – „43 Und alsbald, da er noch redete, erschien Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten. 44 Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den ergreifet und führet ihn vorsichtig ab! 45 Und als er nun kam, trat er alsbald auf ihn zu und sprach: …"
Markus 14,43-52 – „43 Und alsbald, da er noch redete, erschien Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten. 44 Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den ergreifet und führet ihn vorsichtig ab! 45 Und als er nun kam, trat er alsbald auf ihn zu und sprach: …"
Matthäus 26,47-56 – „47 Und während er noch redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes her. 48 Der ihn aber verriet, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den ergreifet! 49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi, und küßte ihn. 50 Jesus aber sprach …"
Lukas 22,47-53 – „47 Während er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar, und der, welcher Judas hieß, einer der Zwölf, ging vor ihnen her und näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. 48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, mit einem Kuß verrätst du des Menschen Sohn? 49 Als nun seine Begleiter sahen, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerte dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schl…"

Kaum hatte Jesus seine Jünger in Gethsemane geweckt, erschien Judas mit einer bewaffneten Menge. Der Verrat, den Jesus beim Mahl angekündigt hatte, wurde nun Wirklichkeit. Judas trat auf Jesus zu und kennzeichnete ihn für die Männer, die gekommen waren, um ihn festzunehmen. Johannes befand sich als einer der Jünger in dieser Situation und musste erleben, wie der Herr, dem er gefolgt war, vor seinen Augen ergriffen wurde.

Die Reaktion der Jünger zeigt, wie wenig sie Jesu Weg trotz seiner wiederholten Ankündigungen verstanden hatten. Einer von ihnen zog ein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters, wobei dessen Ohr verletzt wurde. Johannes 18 nennt Petrus ausdrücklich als denjenigen, der das Schwert führte. Jesus unterband jedoch den Versuch, seine Gefangennahme mit Gewalt zu verhindern. Nach Lukas heilte er sogar das verletzte Ohr des Knechtes.

Damit setzte Jesus in der Stunde seiner Gefangennahme einen Maßstab, der auch für Johannes wichtig war. Dieser hatte früher Feuer vom Himmel über ein samaritisches Dorf herabrufen wollen. Nun sah er erneut, dass Jesus seinen Weg nicht durch vernichtende Gewalt gegen diejenigen sicherte, die sich ihm widersetzten. Obwohl Jesus nicht machtlos war, ließ er sich festnehmen und wies den gewaltsamen Widerstand seiner eigenen Jünger zurück.

Matthäus berichtet, dass Jesus in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit verwies, den Vater um mehr als zwölf Legionen Engel zu bitten. Seine Gefangennahme geschah also nicht deshalb, weil ihm jede Möglichkeit zur Gegenwehr fehlte. Jesus erklärte vielmehr, dass die Schriften erfüllt werden müssten. Die Ereignisse entglitten ihm nicht; er ging den Weg, den er seinen Jüngern zuvor angekündigt hatte.

Gerade hier zerbrach die Selbstsicherheit der Jünger. Markus und Matthäus berichten übereinstimmend, dass alle Jünger Jesus verließen und flohen. Damit ist auch Johannes eingeschlossen. Der Mann, der einen Platz neben Jesus in dessen Herrlichkeit begehrt und erklärt hatte, an seinem Kelch Anteil nehmen zu können, entzog sich in diesem Augenblick der Gefahr. Die Evangelien verschweigen dieses kollektive Versagen nicht.

Es wäre jedoch falsch, Johannes deshalb von den übrigen Jüngern abzulösen und ihm Motive zuzuschreiben, die der Text nicht nennt. Die Bibel sagt nicht, wohin er floh, wie lange er fortblieb oder was er währenddessen dachte. Sicher ist nur der Kontrast zwischen dem treuen Weg Jesu und dem Verhalten seiner Jünger: Christus blieb seinem Auftrag ergeben, während diejenigen, die ihm am nächsten gestanden hatten, ihn in der entscheidenden Stunde verließen.

Das macht zugleich deutlich, worauf ihre spätere Hoffnung beruhen würde. Jesu Erlösungswerk wurde nicht durch die Standhaftigkeit der Apostel ermöglicht. In der Stunde, in der ihre eigene Treue versagte, setzte Christus seinen Weg fort. Die spätere Wiederherstellung und der Dienst eines Johannes konnten deshalb niemals auf einem vollkommenen eigenen Lebenslauf beruhen, sondern nur auf der Gnade dessen, der auch von versagenden Jüngern nicht von seinem Erlösungsweg abgebracht wurde.

Mit der Flucht endet Johannes’ sichere, ausdrücklich erkennbare Rolle innerhalb der Gefangennahme. Die folgenden Berichte verlangen besondere Sorgfalt, weil das Johannesevangelium mehrfach von einem nicht namentlich genannten Jünger spricht. Ob dieser in jeder entsprechenden Szene mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus, gleichgesetzt werden darf, muss am jeweiligen Text geprüft werden. Die Lebensgeschichte darf an dieser Stelle nicht aus späterer Tradition ergänzen, was die Bibel selbst nicht ausdrücklich festlegt.

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Die namenlosen Jünger während Jesu Leiden

Johannes 18,15-16 – „15 Simon Petrus aber folgte Jesus nach, und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. 16 Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger hinaus, der mit dem Hohenpriester bekannt war, und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein."
Johannes 18,15-16 – „15 Simon Petrus aber folgte Jesus nach, und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. 16 Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger hinaus, der mit dem Hohenpriester bekannt war, und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein."
Johannes 19,25-27 – „25 Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas Frau, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn! 27 Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."

Nach der Flucht der Jünger wird die weitere Lebenslinie des Johannes schwieriger zu verfolgen. Das Johannesevangelium berichtet während des Verhörs und der Kreuzigung Jesu von Jüngern, deren Namen nicht genannt werden. Spätere christliche Überlieferung hat diese Personen häufig mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus, identifiziert. Der Bibeltext selbst verlangt jedoch eine sorgfältigere Unterscheidung: Wo ein Name fehlt, darf eine mögliche Zuordnung nicht ohne Weiteres zur sicheren biografischen Tatsache werden.

Nach Jesu Gefangennahme folgten Petrus und „ein anderer Jünger“ Jesus zum Hof des Hohenpriesters. Dieser andere Jünger war dem Hohenpriester bekannt und konnte zunächst in den Hof hineingehen. Später sprach er mit der Türhüterin und ermöglichte auch Petrus den Eintritt. Wer dieser Jünger war, sagt Johannes 18 nicht. Es ist möglich, dass Johannes, der Sohn des Zebedäus, gemeint ist, doch aus dem Text allein lässt sich seine Identität nicht sicher feststellen.

Deshalb kann auch die bemerkenswerte Nähe dieses Jüngers zu den Ereignissen nicht einfach als gesicherter Teil der Biografie des Apostels Johannes behandelt werden. Der Bericht konzentriert sich ohnehin stärker auf Petrus, der Jesus dreimal verleugnet. Über den anderen Jünger erfahren wir weder seine Worte noch seine Reaktion auf das Verhör. Für Johannes bleibt an dieser Stelle also eine echte Lücke, die nicht durch Tradition ausgefüllt werden sollte.

Noch bedeutsamer ist die Szene unter dem Kreuz. Johannes 19 berichtet, dass bei Jesus seine Mutter und weitere Frauen standen. Daneben befand sich der „Jünger, den Jesus liebte“. Als Jesus seine Mutter sah und diesen Jünger bei ihr stehen, vertraute er beide einander an. Von dieser Stunde an nahm der Jünger Maria zu sich. Der Bericht zeigt eine außergewöhnliche persönliche Beziehung zwischen Jesus und diesem Jünger, nennt ihn jedoch auch hier nicht ausdrücklich Johannes.

Die traditionelle Gleichsetzung dieses geliebten Jüngers mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus, besitzt innerhalb des Johannesevangeliums verschiedene Anknüpfungspunkte und ist möglich. Trotzdem sollte die Lebensgeschichte nicht stärker formulieren, als der Text selbst erlaubt. Sicher ist, dass ein besonders naher Jünger Jesu am Kreuz anwesend war und dort Verantwortung für Maria erhielt. Ob dieser Jünger mit dem Apostel Johannes identisch war, bleibt bei einer rein biblischen Betrachtung eine begründbare, aber nicht ausdrücklich ausgesprochene Zuordnung.

Gerade diese Zurückhaltung schützt die Bedeutung der Kreuzigung davor, von einer unsicheren Identitätsfrage abhängig gemacht zu werden. Der Mittelpunkt des Geschehens ist Christus selbst. Jesus geht den Weg, den er seinen Jüngern angekündigt hatte, bis zum Tod. Die Jünger hatten seine Aussagen über Leiden und Sterben mehrfach nicht verstanden; nun erfüllte sich vor ihren Augen, was zuvor so schwer mit ihren Erwartungen an das Reich Gottes vereinbar gewesen war.

Für Johannes, soweit seine sichere Lebenslinie verfolgt werden kann, bildet die Kreuzigung damit eine Grenze zwischen der Zeit des Lernens während Jesu irdischem Dienst und dem späteren apostolischen Zeugnis. Seine frühere Bitte um einen Platz in Jesu Herrlichkeit musste nun im Licht eines Messias verstanden werden, dessen Weg über Selbsthingabe und Kreuz führte. Doch die Kreuzigung war nicht das Ende der Geschichte, die Jesus seinen Jüngern angekündigt hatte. Ebenso ausdrücklich hatte er von seiner Auferstehung gesprochen.

Nach dem Tod Jesu wird Johannes bald wieder eindeutig greifbar. Johannes 21 nennt ausdrücklich die Söhne des Zebedäus unter den Jüngern, denen der auferstandene Jesus am See von Tiberias begegnete. Dort lässt sich die Lebensgeschichte des Apostels wieder mit sicherer Identität aufnehmen – nicht mehr nur als Jünger des irdisch wirkenden Jesus, sondern als Zeuge dessen, dass der Gekreuzigte lebt.

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Johannes begegnet dem auferstandenen Jesus am See

Johannes 21,1-14 – „1 Darnach offenbarte sich Jesus den Jüngern wiederum am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern. 3 Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe fischen! Sie sprechen zu ihm: So kommen wir auch mit dir. Da gingen sie hinaus und st…"
Johannes 21,1-14 – „1 Darnach offenbarte sich Jesus den Jüngern wiederum am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern. 3 Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe fischen! Sie sprechen zu ihm: So kommen wir auch mit dir. Da gingen sie hinaus und st…"
Johannes 21,20-24 – „20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was soll aber dieser? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Daher kam nun das Gerede unter …"

Nach Kreuzigung und Auferstehung wird Johannes wieder in einem Bericht greifbar, der seine Zugehörigkeit eindeutig erkennen lässt. Johannes 21 nennt unter den versammelten Jüngern ausdrücklich „die Söhne des Zebedäus“. Damit sind Jakobus und Johannes gemeint. Gemeinsam mit Simon Petrus, Thomas, Nathanael und zwei weiteren Jüngern befinden sie sich am See von Tiberias, also wieder in jener Gegend, in der Johannes einst als Fischer gearbeitet und den Ruf Jesu gehört hatte.

Petrus kündigte an, fischen zu gehen, und die anderen schlossen sich ihm an. In dieser Nacht fingen sie nichts. Am Morgen stand Jesus am Ufer, doch die Jünger erkannten zunächst nicht, dass er es war. Er fragte sie nach Nahrung und forderte sie anschließend auf, das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Als sie seinem Wort folgten, konnten sie das Netz wegen der großen Menge Fische kaum noch ziehen.

Die Szene erinnert auffällig an den früheren Fischfang im Zusammenhang mit der Berufung der Jünger. Dennoch sollte sie nicht einfach als identisches Ereignis behandelt werden. Jetzt begegnen dieselben Männer nicht dem Jesus am Anfang seines irdischen Wirkens, sondern dem Auferstandenen. Johannes hatte erlebt, wie seine Hoffnungen durch Kreuzigung und Tod erschüttert worden waren; nun stand Christus lebendig am Ufer. Die Nachfolge, die am See begonnen hatte, erhielt durch die Auferstehung eine völlig neue Grundlage.

Johannes 21 bezeichnet denjenigen, der Jesus zuerst erkennt, erneut als „den Jünger, den Jesus liebte“. Er sagt zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Auch hier nennt der Text diesen Jünger nicht ausdrücklich Johannes. Die Nähe der Szene zur ausdrücklichen Nennung der Söhne des Zebedäus macht eine Identifikation möglich und innerhalb des Evangeliums gut nachvollziehbar, doch sie sollte weiterhin nicht stärker behauptet werden, als der Text selbst formuliert.

Als die Jünger ans Ufer kamen, fanden sie bereits ein Kohlenfeuer, Fisch und Brot vor. Jesus lud sie zum Essen ein und gab ihnen Brot und Fisch. Johannes berichtet ausdrücklich, dass dies bereits das dritte Mal gewesen sei, dass Jesus sich seinen Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war. Für Johannes bedeutete die Auferstehung damit nicht nur eine Nachricht, die andere ihm übermittelt hatten. Er gehörte selbst zu den Männern, die dem lebendigen Christus begegneten.

Nach dem gemeinsamen Mahl richtet sich der Bericht ausführlich auf Petrus und dessen Wiederherstellung. Jesus fragt ihn dreimal nach seiner Liebe und überträgt ihm Verantwortung für seine Herde. Johannes steht in dieser Szene nicht im Mittelpunkt. Dennoch ist sie für seine Lebensgeschichte bedeutsam, weil er miterlebt, dass Jesus einen Jünger, der schwer versagt hatte, nicht verwirft, sondern wieder in seinen Dienst stellt. Auch Johannes selbst hatte in Gethsemane geschlafen und war bei der Gefangennahme geflohen. Die Zukunft der Apostel beruhte daher sichtbar auf der Gnade und Berufung des auferstandenen Herrn.

Am Ende des Kapitels erscheint erneut der „Jünger, den Jesus liebte“. Petrus fragt Jesus, was mit diesem Jünger geschehen werde. Jesus weist ihn darauf hin, dass dies nicht seine Sorge sei, sondern dass Petrus selbst ihm folgen solle. Daraus entstand unter den Brüdern das Gerücht, dieser Jünger werde nicht sterben. Der Text korrigiert dieses Missverständnis ausdrücklich: Jesus hatte nicht gesagt, dass er nicht sterben werde. Gerade diese Korrektur ist wichtig, weil sie zeigt, wie sorgfältig selbst Worte Jesu ausgelegt werden müssen und wie schnell aus einer hypothetischen Aussage eine falsche Gewissheit entstehen kann.

Johannes 21 verbindet diesen Jünger schließlich mit dem Zeugnis des Evangeliums und erklärt, sein Zeugnis sei wahr. Ob damit Johannes, der Sohn des Zebedäus, ausdrücklich identifiziert wird, bleibt eine Frage, die der Text nicht mit einer direkten Namensnennung beantwortet. Sicher ist jedoch, dass Johannes als Sohn des Zebedäus zu den Augenzeugen des auferstandenen Christus am See gehörte. Damit war seine Jüngerschaft endgültig von der Wirklichkeit der Auferstehung geprägt – einer Wahrheit, die bald zum Mittelpunkt des öffentlichen apostolischen Zeugnisses werden sollte.

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Johannes wartet mit den Jüngern auf die verheißene Kraft

Apostelgeschichte 1,4-14 – „4 Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, [so sprach er], von mir vernommen habt, 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israe…"
Apostelgeschichte 1,4-14 – „4 Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, welche ihr, [so sprach er], von mir vernommen habt, 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt im heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israe…"
Apostelgeschichte 2,1-4 – „1 Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen. 2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, worin sie saßen. 3 Und es erschienen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeglichen unter ihnen. 4 Und sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt und f…"

Nach den Begegnungen mit dem Auferstandenen begann für Johannes eine neue Lebensphase. Die Zeit, in der er Jesus sichtbar durch Galiläa und Judäa begleitet hatte, ging zu Ende. Vor seiner Himmelfahrt wies Jesus die Apostel an, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten. Sie sollten nicht aus eigener Kraft beginnen, seinen Auftrag weiterzuführen, sondern durch den Heiligen Geist befähigt werden.

Jesus erklärte ihnen, dass sie Kraft empfangen würden, wenn der Heilige Geist auf sie gekommen sei, und dass sie seine Zeugen sein sollten – zunächst in Jerusalem und Judäa, dann in Samaria und schließlich bis an die Enden der Erde. Für Johannes bedeutete dies eine deutliche Erweiterung seines bisherigen Horizonts. Der Jünger, der einmal einen Mann zurückweisen wollte, weil er nicht zum unmittelbaren Kreis gehörte, und Gericht über ein samaritisches Dorf erwogen hatte, erhielt nun Anteil an einem Auftrag, der ausdrücklich über die vertrauten Grenzen hinausführte.

Nach der Himmelfahrt Jesu kehrten die Apostel nach Jerusalem zurück. Apostelgeschichte 1 nennt Johannes ausdrücklich unter ihnen, gemeinsam mit Petrus, Jakobus, Andreas und den übrigen Aposteln. Sie versammelten sich einmütig zum Gebet, zusammen mit den Frauen, Maria, der Mutter Jesu, und den Brüdern Jesu. Johannes erscheint hier nicht als Einzelgänger oder als hervorgehobener Leiter, sondern als Teil einer betenden Gemeinschaft, die auf die Erfüllung dessen wartete, was Christus verheißen hatte.

Dieses Warten war keine Untätigkeit. Die Jünger hatten einen klaren Auftrag erhalten, doch sie sollten ihn nicht vorschnell aus eigener Initiative beginnen. Ihre bisherigen Erfahrungen hatten gezeigt, wie begrenzt menschlicher Eifer und Selbstsicherheit waren. Johannes hatte erlebt, dass selbst entschlossene Nachfolge ohne geistliche Abhängigkeit in falsche Richtung führen konnte. Nun musste der zukünftige apostolische Dienst von Anfang an auf Gottes Wirken beruhen.

Am Pfingsttag erfüllte sich die Verheißung. Die Jünger waren beieinander, als plötzlich ein Brausen wie von einem gewaltigen Wind das Haus erfüllte. Zungen wie von Feuer erschienen und verteilten sich auf sie, und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt. Apostelgeschichte 2 nennt Johannes in dieser Szene nicht einzeln, doch aufgrund der unmittelbar vorausgehenden Aufzählung der Apostel und ihrer gemeinsamen Versammlung gehört er zu dieser Gemeinschaft.

Die Wirkung zeigte sich unmittelbar in der Verkündigung. Menschen aus vielen Ländern hörten die großen Taten Gottes in ihren eigenen Sprachen. Damit begann sich Jesu Ankündigung zu erfüllen, dass seine Jünger seine Zeugen sein würden. Der Heilige Geist wurde ihnen nicht gegeben, um persönliche Größe zu steigern, sondern damit Christus durch ihr Zeugnis bekannt gemacht werde.

Für Johannes bedeutete Pfingsten deshalb einen Wendepunkt. Aus dem Jünger, der von Jesus gelernt und sich wiederholt hatte korrigieren lassen müssen, wurde nun ein vom Geist ausgerüsteter Zeuge des auferstandenen Herrn. Die Grundlage seines Dienstes lag weder in seiner früheren Nähe zu Jesus noch in eigener Entschlossenheit, sondern in der Kraft, die Christus verheißen hatte.

Von diesem Zeitpunkt an tritt Johannes in der Apostelgeschichte zunehmend gemeinsam mit Petrus öffentlich hervor. Was er zuvor im persönlichen Kreis erlebt hatte, wurde nun Teil des Zeugnisses der jungen Gemeinde. Schon bald sollte sich zeigen, dass dieser Dienst nicht nur Verkündigung und sichtbaren Segen, sondern auch Widerstand und Verfolgung mit sich bringen würde.

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Johannes wird mit Petrus zum öffentlichen Zeugen

Apostelgeschichte 3,1-10 – „1 Petrus aber und Johannes gingen in den Tempel hinauf um die neunte Stunde, da man zu beten pflegte. 2 Und es wurde ein Mann herbeigebracht, der lahm war von Mutterleib an, den man täglich an die Pforte des Tempels, welche man «die Schöne» nennt, hinsetzte, damit er von denen, die in den Tempel hineingingen, ein Almosen erbitte. 3 Als dieser Petrus und Johannes sah, die in den Tempel hineingehen…"
Apostelgeschichte 3,1-10 – „1 Petrus aber und Johannes gingen in den Tempel hinauf um die neunte Stunde, da man zu beten pflegte. 2 Und es wurde ein Mann herbeigebracht, der lahm war von Mutterleib an, den man täglich an die Pforte des Tempels, welche man «die Schöne» nennt, hinsetzte, damit er von denen, die in den Tempel hineingingen, ein Almosen erbitte. 3 Als dieser Petrus und Johannes sah, die in den Tempel hineingehen…"
Apostelgeschichte 3,11-16 – „11 Da er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk voll Erstaunen bei ihnen zusammen in der sogenannten Halle Salomos. 12 Als Petrus das sah, antwortete er dem Volke: Ihr israelitischen Männer, was verwundert ihr euch darüber, oder was blickt ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, daß dieser wandelt? 13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der G…"
Apostelgeschichte 4,1-4 – „1 Während sie aber zum Volk redeten, traten die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer auf sie zu. 2 Die verdroß es, daß sie das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündigten. 3 Und sie legten Hand an sie und setzten sie ins Gefängnis bis zum folgenden Morgen, denn es war schon Abend. 4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig. Und…"

Nach Pfingsten wird Johannes in der Apostelgeschichte erstmals wieder bei einem konkreten öffentlichen Dienst genannt. Gemeinsam mit Petrus ging er zur Gebetsstunde in den Tempel. Die beiden bewegten sich damit weiterhin innerhalb des jüdischen Lebens in Jerusalem, während sie zugleich Zeugen des auferstandenen Jesus waren. Am Tempeltor begegneten sie einem Mann, der von Geburt an gelähmt war und täglich dorthin gebracht wurde, um von den Besuchern Almosen zu erbitten.

Als der Mann Petrus und Johannes sah, bat er auch sie um eine Gabe. Petrus forderte ihn auf, die beiden anzusehen, und der Mann erwartete offenbar, etwas von ihnen zu erhalten. Doch Petrus erklärte, dass er weder Silber noch Gold besitze. Stattdessen gab er ihm im Namen Jesu Christi von Nazareth den Befehl aufzustehen und zu gehen. Petrus fasste ihn bei der rechten Hand, und unmittelbar wurden seine Füße und Gelenke gestärkt.

Der Geheilte stand auf, ging umher und betrat gemeinsam mit Petrus und Johannes den Tempel. Dort lief und sprang er und lobte Gott. Die Menschen erkannten ihn als den Mann, der gewöhnlich am Tempeltor gesessen hatte, und reagierten mit Staunen. Johannes erscheint in dieser Szene nicht als derjenige, der spricht oder den Mann bei der Hand nimmt. Dennoch nennt Lukas ihn ausdrücklich als Begleiter des Petrus und damit als unmittelbaren Zeugen des Geschehens.

Gerade darin zeigt sich eine wichtige Entwicklung in Johannes’ Dienst. Früher hatte er einen Mann hindern wollen, weil dieser nicht zu ihrem unmittelbaren Kreis gehörte, obwohl er im Namen Jesu wirkte. Nun erlebt Johannes selbst, dass die wirksame Kraft nicht an seine eigene Person oder an menschlichen Rang gebunden ist, sondern an den Namen Jesu Christi. Der Geheilte wird nicht auf Petrus oder Johannes ausgerichtet, sondern beginnt Gott zu loben.

Als sich die erstaunte Menge versammelte, widersprach Petrus ausdrücklich dem Gedanken, die Heilung sei durch ihre eigene Kraft oder Frömmigkeit geschehen. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf Jesus, den Gott verherrlicht und von den Toten auferweckt hatte. Der Glaube an seinen Namen hatte dem Gelähmten die vollständige Heilung gegeben. Johannes stand dabei neben Petrus und teilte das öffentliche Zeugnis, auch wenn Lukas an dieser Stelle vor allem Petrus’ Worte wiedergibt.

Damit wurde sichtbar, wie grundlegend sich der Dienst der Apostel von ihrem früheren Streben nach persönlicher Größe unterschied. Johannes hatte einst einen Platz neben Jesus in seiner Herrlichkeit begehrt. Jetzt steht er öffentlich an der Seite eines anderen Apostels, während die Botschaft gerade nicht auf die Bedeutung der beiden Männer, sondern auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus gerichtet wird. Apostolische Autorität sollte Menschen nicht an Johannes binden, sondern zu Jesus führen.

Doch das öffentliche Zeugnis blieb nicht ohne Widerstand. Während Petrus und Johannes noch zum Volk redeten, traten Priester, der Hauptmann des Tempels und Sadduzäer gegen sie auf. Besonders störte sie, dass die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündigten. Die Botschaft, für die Johannes nun einstand, berührte damit unmittelbar einen religiösen Konflikt, der nicht durch das sichtbare Wunder beendet wurde.

Petrus und Johannes wurden schließlich festgenommen und bis zum nächsten Tag in Gewahrsam gehalten. Dennoch berichtet Lukas, dass viele von denen, die die Botschaft gehört hatten, zum Glauben kamen. Für Johannes begann damit eine neue Erfahrung: Derselbe Jesus, dessen Gefangennahme ihn einst zur Flucht gebracht hatte, war nun der Mittelpunkt eines Zeugnisses, für das Johannes selbst bereit sein musste, gefangengenommen zu werden. Die kommende Verhandlung sollte zeigen, wie weit sich sein Verhältnis zu Angst, Widerstand und öffentlichem Bekenntnis inzwischen verändert hatte.

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Johannes bekennt Christus trotz Drohung

Apostelgeschichte 4,5-22 – „5 Es geschah aber am folgenden Morgen, daß sich ihre Obersten und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem versammelten, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kajaphas und Johannes und Alexander und alle, die aus hohepriesterlichem Geschlechte waren. 7 Und sie stellten sie in ihre Mitte und fragten sie: Aus welcher Macht oder in welchem Namen habt ihr das getan? 8 Da sprach Petrus, vom heiligen …"
Apostelgeschichte 4,5-22 – „5 Es geschah aber am folgenden Morgen, daß sich ihre Obersten und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem versammelten, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kajaphas und Johannes und Alexander und alle, die aus hohepriesterlichem Geschlechte waren. 7 Und sie stellten sie in ihre Mitte und fragten sie: Aus welcher Macht oder in welchem Namen habt ihr das getan? 8 Da sprach Petrus, vom heiligen …"
Apostelgeschichte 4,23-31 – „23 Als sie aber freigelassen waren, kamen sie zu den Ihrigen und verkündigten alles, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. 24 Sie aber, da sie es hörten, erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herr, du bist der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hat; 25 der du durch den Mund unsres Vaters David, deines Knechtes,…"

Am folgenden Tag wurden Petrus und Johannes vor die führenden Männer des Volkes gestellt. Unter ihnen befanden sich Oberste, Älteste und Schriftgelehrte sowie Angehörige der hohepriesterlichen Familie. Die Frage war unmittelbar: Durch welche Kraft oder in welchem Namen hatten die Apostel gehandelt? Damit stand nicht nur die Heilung des Gelähmten zur Untersuchung. Im Mittelpunkt rückte die Vollmacht, in der Petrus und Johannes öffentlich auftraten.

Petrus antwortete erfüllt vom Heiligen Geist und erklärte, dass der Mann durch den Namen Jesu Christi von Nazareth gesund vor ihnen stehe. Er erinnerte seine Zuhörer daran, dass sie Jesus gekreuzigt hatten, Gott ihn jedoch von den Toten auferweckt hatte. Dann verband er das Geschehen mit Psalm 118 und bezeichnete Jesus als den von den Bauleuten verworfenen Stein, der zum Eckstein geworden war. Die Heilung wurde damit nicht als isoliertes Wunder verteidigt, sondern als Zeugnis für den auferstandenen Christus.

Johannes spricht in dem überlieferten Wortlaut nicht selbst, doch der Rat nahm ausdrücklich die Freimütigkeit von Petrus und Johannes wahr. Zugleich erkannten die führenden Männer, dass es sich um Menschen ohne die von ihnen erwartete gelehrte Ausbildung handelte. Besonders bemerkenswert ist die Erklärung des Textes, dass sie erkannten, die beiden seien mit Jesus gewesen. Ihre Autorität beruhte also nicht auf einer Stellung innerhalb der religiösen Führung Jerusalems, sondern auf ihrer Verbindung mit Christus und auf dem Wirken Gottes.

Der geheilte Mann stand ebenfalls bei ihnen, sodass die Gegner dem sichtbaren Geschehen nichts entgegensetzen konnten. Sie ließen Petrus und Johannes zunächst hinausführen und berieten miteinander. Dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen war, konnten sie nicht leugnen. Dennoch entschieden sie sich nicht dafür, die darin bezeugte Wahrheit anzunehmen, sondern wollten verhindern, dass die Botschaft sich weiter verbreitete.

Daraufhin riefen sie die Apostel zurück und befahlen ihnen, überhaupt nicht mehr im Namen Jesu zu reden oder zu lehren. Petrus und Johannes antworteten nun gemeinsam. Sie stellten dem menschlichen Verbot die Verantwortung vor Gott gegenüber: Ob es vor Gott recht sei, den Menschen mehr zu gehorchen als Gott, sollten ihre Richter selbst beurteilen. Sie könnten jedenfalls nicht aufhören, von dem zu reden, was sie gesehen und gehört hätten.

Gerade für Johannes kennzeichnet diese Antwort einen bemerkenswerten Fortschritt. Bei Jesu Gefangennahme hatte er zusammen mit den übrigen Jüngern die Flucht ergriffen. Nun steht er vor denselben religiösen Machtstrukturen, die gegen Jesus vorgegangen waren, und lässt sich durch Drohungen nicht zum Schweigen bringen. Die Veränderung wird nicht als Ergebnis angeborener Tapferkeit beschrieben. Sie steht im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu und mit der Gabe des Heiligen Geistes.

Dabei gründete das apostolische Zeugnis ausdrücklich auf dem, was die beiden „gesehen und gehört“ hatten. Johannes war nicht dazu berufen, religiöse Spekulationen zu verbreiten. Seine Aufgabe bestand darin, Zeugnis von einer Wirklichkeit abzulegen, deren Augenzeuge er geworden war. Gerade dieses Prinzip wird für die spätere biblische Bedeutung des Johannes noch wichtig werden: Christus steht nicht als abstrakte Idee im Mittelpunkt, sondern als derjenige, dessen Wirken die Apostel erfahren und dessen Auferstehung sie bezeugen.

Weil das Volk Gott wegen der Heilung verherrlichte, fanden die führenden Männer keinen Weg, Petrus und Johannes zu bestrafen, und ließen sie nach weiteren Drohungen frei. Die beiden gingen daraufhin zu den anderen Gläubigen und berichteten, was geschehen war. Die Gemeinde reagierte nicht mit dem Gebet um ein gefahrloses Leben, sondern bat Gott um Freimütigkeit, sein Wort weiterzusagen. Nachdem sie gebetet hatten, wurden sie erneut mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündigten Gottes Wort mit Mut.

Johannes hatte damit einen entscheidenden Schritt vom lernenden Jünger zum standhaften apostolischen Zeugen getan. Die Nähe zu Jesus, die früher auch seine Schwächen offengelegt hatte, wurde nun zur Grundlage eines Zeugnisses, das sich menschlichem Druck nicht unterordnete. Doch der Auftrag Christi blieb nicht auf Jerusalem beschränkt. Gerade Samaria – jene Region, in der Johannes einst Gericht über ein ablehnendes Dorf herabrufen wollte – sollte bald zu einem Ort werden, an dem er Gottes Wirken auf völlig andere Weise erleben würde.

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Johannes erlebt Gottes Wirken in Samaria

Apostelgeschichte 8,14-25 – „14 Als aber die Apostel zu Jerusalem hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. 15 Diese kamen hinab und beteten für sie, daß sie den heiligen Geist empfingen; 16 denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17 Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist.…"
Apostelgeschichte 8,14-25 – „14 Als aber die Apostel zu Jerusalem hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. 15 Diese kamen hinab und beteten für sie, daß sie den heiligen Geist empfingen; 16 denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17 Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist.…"
Lukas 9,52-56 – „52 sandte er Boten vor sich her. Diese kamen auf ihrer Reise in ein Samariterdorf und wollten ihm die Herberge bereiten. 53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil Jerusalem sein Reiseziel war. 54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel herabfalle und sie verzehre, wie auch Elia getan hat! 55 Er aber wandte sich und …"

Die Verfolgung der jungen Gemeinde in Jerusalem führte dazu, dass sich viele Gläubige in andere Gebiete zerstreuten. Einer von ihnen war Philippus, der nach Samaria kam und dort Christus verkündigte. Viele Menschen hörten seine Botschaft, erlebten sichtbare Zeichen und ließen sich auf den Namen Jesu Christi taufen. Damit erreichte das Evangelium gerade jene Region, in der Johannes einst gemeinsam mit Jakobus vorgeschlagen hatte, wegen der Ablehnung Jesu Feuer vom Himmel herabzurufen.

Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie Petrus und Johannes dorthin. Schon diese Entscheidung zeigt, dass die Ausbreitung des Evangeliums unter den Samaritern nicht als Randerscheinung behandelt wurde. Zwei der führenden apostolischen Zeugen sollten selbst sehen, was dort geschah, und die neue Gemeinschaft im Glauben begleiten. Johannes kehrte damit in eine Gegend zurück, mit der eine seiner deutlichsten früheren Korrekturen verbunden war.

Petrus und Johannes beteten für die getauften Samariter, damit sie den Heiligen Geist empfingen. Apostelgeschichte 8 berichtet, dass der Geist bis dahin noch auf keinen von ihnen gefallen war; sie waren lediglich auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden. Die beiden Apostel legten ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. Der Text macht damit sichtbar, dass dieselbe göttliche Gabe, die die Jünger in Jerusalem empfangen hatten, auch Menschen in Samaria galt.

Für Johannes muss dieser Dienst in besonderer Spannung zu seinem früheren Verhalten gesehen werden. Damals hatte er auf die Ablehnung eines samaritischen Dorfes mit dem Wunsch nach Gericht reagiert. Nun legt er Samaritern die Hände auf und betet darum, dass Gottes Geist auf sie komme. Die Bibel formuliert diesen Vergleich nicht ausdrücklich als persönliche Selbstreflexion des Johannes, doch die biografische Gegenüberstellung ist sicher erkennbar: Aus dem Jünger, der Vernichtung erwogen hatte, wird ein Apostel, der an Gottes Segen für Samariter beteiligt ist.

Dabei verschwand die Notwendigkeit geistlicher Unterscheidung nicht. Ein Mann namens Simon, der zuvor Zauberei betrieben und später geglaubt und sich hatte taufen lassen, beobachtete, dass durch das Auflegen der Hände der Apostel der Heilige Geist gegeben wurde. Daraufhin bot er ihnen Geld an und wollte diese Vollmacht erwerben. Petrus wies ihn scharf zurecht und erklärte, Gottes Gabe könne nicht für Geld gekauft werden.

Johannes steht auch hier an Petrus’ Seite. Der Bericht überliefert die direkte Zurechtweisung durch Petrus, doch anschließend heißt es von beiden Aposteln, dass sie das Wort des Herrn bezeugten und verkündigten. Damit wird deutlich, dass Offenheit gegenüber neuen Menschen und Gemeinden nicht bedeutete, geistliche Wahrheit aufzugeben oder falsche Motive unbeachtet zu lassen. Dass Samariter in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurden, beruhte nicht auf Gleichgültigkeit gegenüber Wahrheit, sondern auf Gottes Handeln durch Christus.

Nach diesem Dienst kehrten Petrus und Johannes nach Jerusalem zurück. Auf dem Weg verkündigten sie das Evangelium in vielen Dörfern der Samariter. Gerade diese letzte Bemerkung ist für Johannes’ Lebensentwicklung besonders aussagekräftig. Er begnügte sich nicht damit, eine einzelne samaritanische Gemeinde zu besuchen, sondern beteiligte sich an der weiteren Verkündigung in derselben Region.

Damit wird einer der deutlichsten Wandlungsprozesse seines Lebens sichtbar. Jesu frühere Korrektur hatte Johannes nicht lediglich daran gehindert, in einem bestimmten Augenblick falsch zu handeln. Sie bereitete ihn darauf vor, Menschen anders zu sehen: nicht als Gegner, die wegen ihrer Ablehnung vernichtet werden sollten, sondern als Menschen, denen das Evangelium von Christus gebracht werden musste. Der Eifer des „Donnersohnes“ war nicht verschwunden; er hatte eine neue Richtung erhalten.

Johannes erscheint hier deshalb als ein Apostel, dessen Entwicklung nicht nur in Worten, sondern in seinem Dienst sichtbar wird. Der Mann, der einst Grenzen gezogen und Gericht verlangt hatte, beteiligt sich nun daran, dass die Botschaft Jesu diese Grenzen überschreitet. Seine weitere biblische Spur wird knapper, doch die späteren Erwähnungen zeigen, dass er in der jungen Gemeinde eine bedeutende Stellung behielt und eng mit dem apostolischen Zeugnis verbunden blieb.

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Johannes verliert seinen Bruder Jakobus

Apostelgeschichte 12,1-2 – „1 Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an, um etliche von der Gemeinde zu mißhandeln. 2 Und er tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert."
Apostelgeschichte 12,1-2 – „1 Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an, um etliche von der Gemeinde zu mißhandeln. 2 Und er tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert."
Markus 10,35-40 – „35 Da begaben sich Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, daß du uns gewährest, um was wir dich bitten! 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, daß ich euch tun soll? 37 Sie sprachen zu ihm: Verleihe uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht,…"
Matthäus 20,22-23 – „22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? Sie sprechen zu ihm: Wir können es! 23 Und er spricht zu ihnen: Ihr werdet zwar meinen Kelch trinken; aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu verleihen, steht nicht mir zu; sondern es wird denen zuteil, welchen es von meinem Vater bereitet ist."

Nach dem Dienst in Samaria wird die biblische Spur des Johannes für eine Zeit stiller. Die Apostelgeschichte berichtet weiter von der Ausbreitung des Evangeliums, von der Bekehrung des Saulus und von neuen Gemeinden, ohne Johannes bei jedem Ereignis zu nennen. Dann erscheint sein Name indirekt in einer Nachricht, die sein persönliches Umfeld tief berührt haben muss: König Herodes ließ Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert töten.

Jakobus war für Johannes nicht nur ein weiterer Apostel gewesen. Die beiden waren Brüder, Söhne des Zebedäus, hatten gemeinsam als Fischer gearbeitet und waren gemeinsam von Jesus in die Nachfolge gerufen worden. Jesus hatte ihnen zusammen den Beinamen „Boanerges“ gegeben. Gemeinsam hatten sie zu dem engeren Kreis gehört, der die Auferweckung der Tochter des Jairus, die Verklärung Jesu und seine Bedrängnis in Gethsemane aus besonderer Nähe miterlebte. Ein großer Teil des bisherigen Weges des Johannes war deshalb mit seinem Bruder verbunden gewesen.

Apostelgeschichte 12 beschreibt den Tod des Jakobus auffallend knapp. Herodes begann, Angehörige der Gemeinde zu misshandeln, und ließ Jakobus mit dem Schwert töten. Der Text berichtet weder von einem Prozess noch von letzten Worten des Apostels. Ebenso sagt er nichts über die Reaktion des Johannes. Wie Johannes den Tod seines Bruders persönlich erlebte, welche Trauer ihn bewegte oder ob er an frühere Worte Jesu zurückdachte, bleibt deshalb unbekannt.

Dennoch besitzt der Tod des Jakobus einen bemerkenswerten Bezug zu einem früheren Gespräch der beiden Brüder mit Jesus. Als Jakobus und Johannes um besondere Plätze in seiner Herrlichkeit baten, hatte Jesus sie gefragt, ob sie den Kelch trinken könnten, den er trinken werde. Beide hatten erklärt, dass sie dazu bereit seien. Jesus antwortete ihnen, dass sie tatsächlich von seinem Kelch trinken würden. Bei Jakobus wird nun sichtbar, dass die Nachfolge Christi bis zur Hingabe des eigenen Lebens führen konnte.

Dabei darf Jesu Aussage nicht so verstanden werden, als sei Jakobus’ Tod eine Zahlung für seine frühere ehrgeizige Bitte gewesen. Das Neue Testament stellt sein Sterben nicht als Strafe dar. Vielmehr hatte Jesus den Brüdern deutlich gemacht, dass Gemeinschaft mit ihm nicht vor Leiden bewahrt und dass apostolischer Dienst nicht den Weg zu irdischem Rang eröffnet. Jakobus wurde nun zum ersten der zwölf Apostel, dessen gewaltsamer Tod im Neuen Testament ausdrücklich berichtet wird.

Für Johannes bedeutete dieses Ereignis zugleich, dass eine Verbindung endete, die seine gesamte bisherige biblische Lebensgeschichte begleitet hatte. Vom Boot ihres Vaters über die Berufung, die besonderen Erfahrungen mit Jesus, ihre gemeinsamen Fehlentscheidungen und Korrekturen bis zu ihrem apostolischen Dienst waren die Brüder immer wieder nebeneinander genannt worden. Von diesem Zeitpunkt an berichtet die Bibel nicht mehr von „Jakobus und Johannes“ als gemeinsam handelndem Paar.

Herodes setzte seine Verfolgung fort, weil er bemerkte, dass sein Vorgehen gegen Jakobus bei Teilen des Volkes Zustimmung fand. Er ließ anschließend auch Petrus festnehmen. Dessen wunderbare Befreiung aus dem Gefängnis zeigt zugleich, dass Gottes Handeln mit seinen Dienern nicht nach einem einfachen Schema verläuft: Jakobus wird getötet, Petrus wird befreit. Die Bibel erklärt nicht, dass der eine weniger Glauben gehabt oder der andere besonderen Schutz verdient hätte. Gottes Treue bedeutet nicht, dass jeder Apostel vor Verfolgung oder Tod bewahrt wird.

Für Johannes musste der apostolische Auftrag deshalb unter Bedingungen weitergehen, die Jesus seinen Jüngern längst angekündigt hatte. Das Evangelium breitete sich aus, doch seine Zeugen waren damit nicht außerhalb der Reichweite menschlicher Gewalt. Der Tod seines Bruders machte diese Wirklichkeit unmittelbar sichtbar. Trotzdem endet die Geschichte des Johannes hier nicht. Eine spätere neutestamentliche Erwähnung zeigt ihn weiterhin in verantwortlicher Stellung innerhalb der Gemeinde und als einen Mann, dem andere Apostel besonderes Gewicht beimessen.

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Johannes gilt als eine Säule der Gemeinde

Galater 2,1-10 – „1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. 2 Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Es wurde aber nicht einmal mein Begleiter, Titus, obschon er ein Grieche ist, …"
Galater 2,1-10 – „1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. 2 Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Es wurde aber nicht einmal mein Begleiter, Titus, obschon er ein Grieche ist, …"

Nach dem Tod seines Bruders Jakobus begegnet Johannes im Neuen Testament noch einmal ausdrücklich in Verbindung mit der Leitung der Gemeinde in Jerusalem. Paulus berichtet im Galaterbrief von einer Begegnung mit Jakobus, Kephas und Johannes und bezeichnet diese drei als Männer, die als „Säulen“ angesehen wurden. Der hier genannte Jakobus kann nicht Johannes’ Bruder sein, denn Jakobus, der Sohn des Zebedäus, war zu diesem Zeitpunkt bereits getötet worden. Gemeint ist ein anderer Jakobus, der inzwischen eine bedeutende Stellung in der Jerusalemer Gemeinde einnahm.

Paulus schildert diese Begegnung im Zusammenhang mit seinem Dienst unter den Nichtjuden. Er war zusammen mit Barnabas und Titus nach Jerusalem gekommen und legte dort das Evangelium vor, das er unter den Völkern verkündigte. Anlass war nicht, eine menschliche Genehmigung für seine Botschaft zu erhalten, sondern die Einheit des apostolischen Zeugnisses sichtbar zu machen und einen möglichen Konflikt über die Aufnahme nichtjüdischer Gläubiger zu klären.

Dabei stand besonders die Frage im Raum, ob Titus als Grieche zur Beschneidung verpflichtet werden müsse. Paulus widersetzte sich entschieden dem Versuch, die Freiheit des Evangeliums durch solche Forderungen einzuschränken. Rechtfertigung und Zugehörigkeit zu Christus sollten nicht davon abhängig gemacht werden, dass Menschen aus den Völkern zuerst die vollständigen jüdischen Identitätsmerkmale annahmen. Johannes befand sich damit inmitten einer der grundlegenden Fragen der jungen Gemeinde: Wie sollte die Einheit des Gottesvolkes aussehen, nachdem das Evangelium über Israel hinausging?

Paulus berichtet, dass Jakobus, Kephas und Johannes die ihm geschenkte Gnade erkannten. Sie gaben ihm und Barnabas die rechte Hand der Gemeinschaft. Paulus und Barnabas sollten ihren Dienst unter den Völkern fortsetzen, während der ihnen anvertraute Dienst der Jerusalemer Apostel besonders auf die Beschnittenen ausgerichtet war. Es handelte sich nicht um zwei verschiedene Evangelien, sondern um unterschiedliche Arbeitsfelder innerhalb desselben Auftrags Christi.

Gerade im Blick auf Johannes ist diese Szene bemerkenswert. Der frühere Jünger, der einen Mann hindern wollte, weil dieser nicht dem unmittelbaren Kreis folgte, beteiligt sich nun an einer Übereinkunft, die den von Gott gegebenen Dienst eines anderen Apostels ausdrücklich anerkennt. Ebenso hatte Johannes inzwischen selbst erlebt, wie Samariter das Evangelium annahmen und den Heiligen Geist empfingen. Die Grenzen seines früheren Denkens waren durch Jesu Unterweisung und Gottes tatsächliches Handeln immer weiter aufgebrochen worden.

Die Bezeichnung als „Säule“ darf dabei nicht als Titel persönlicher Überlegenheit missverstanden werden. Paulus verwendet sie, um den anerkannten Einfluss dieser Männer in der Gemeinde zu beschreiben. Gerade derselbe Abschnitt betont, dass Gott nicht nach äußerem Ansehen urteilt. Johannes’ Bedeutung beruhte deshalb nicht auf einem Anspruch auf Rang, wie er ihn früher einmal gesucht hatte, sondern auf seiner Verantwortung als langjähriger Zeuge Christi und anerkannter Diener der Gemeinde.

Die Jerusalemer Verantwortlichen baten Paulus und Barnabas lediglich darum, die Armen nicht zu vergessen – etwas, das Paulus nach eigener Aussage ohnehin mit Eifer tun wollte. Damit verbindet sich die Einheit in der Wahrheit mit praktischer Fürsorge. Apostolischer Dienst bestand nicht nur darin, Lehrfragen richtig einzuordnen, sondern auch darin, die Bedürfnisse anderer Gläubiger nicht aus dem Blick zu verlieren.

Johannes erscheint an dieser Stelle als ein gereifter Apostel in verantwortlicher Stellung. Die Bibel schildert nicht, wie er diese Stellung erlangte oder welche einzelnen Aufgaben er in Jerusalem wahrnahm. Sie zeigt jedoch, dass der ehemalige Fischer und korrigierte „Donnersohn“ inzwischen zu den anerkannten tragenden Zeugen der Gemeinde gehörte. Seine weitere biblische Spur führt nun aus den erzählenden Berichten heraus und zu Schriften, die mit seinem Namen beziehungsweise seinem Zeugnis verbunden werden und deren Zuordnung jeweils sorgfältig geprüft werden muss.

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Das Johannesevangelium und das Zeugnis des geliebten Jüngers

Johannes 19,35 – „35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet."
Johannes 19,35 – „35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet."
Johannes 20,30-31 – „30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die in diesem Buche nicht geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubet, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und daß ihr durch den Glauben Leben habet in seinem Namen"
Johannes 21,20-24 – „20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was soll aber dieser? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Daher kam nun das Gerede unter …"

Mit der Erwähnung des Johannes als eine der „Säulen“ endet seine ausdrücklich namentliche Lebensspur in den geschichtlichen Berichten des Neuen Testaments weitgehend. Dennoch verbindet sich seine biblische Bedeutung besonders stark mit dem Johannesevangelium. Gerade hier ist sorgfältige Unterscheidung notwendig: Das Evangelium nennt Johannes, den Sohn des Zebedäus, an mehreren Stellen als Teil der Jüngergruppe, bezeichnet seinen Verfasser aber nicht einfach mit dem Satz: „Johannes schrieb dieses Evangelium.“ Stattdessen tritt ein nicht namentlich genannter „Jünger, den Jesus liebte“, als Augenzeuge hervor.

Schon während der Kreuzigung betont der Bericht ausdrücklich die Zuverlässigkeit eines Augenzeugen. Nachdem ein Soldat Jesu Seite mit einem Speer geöffnet hatte, erklärt der Evangelientext, dass derjenige, der es gesehen habe, davon Zeugnis abgelegt habe und dass sein Zeugnis wahr sei. Der Zweck dieser Aussage wird unmittelbar genannt: Auch die Leser sollen glauben. Das Evangelium versteht sich damit nicht als religiöse Erzählung ohne überprüfbaren Bezug zur Geschichte, sondern als Zeugnis über Ereignisse, die gesehen und weitergegeben wurden.

Am Ende des Evangeliums wird dieser Anspruch noch einmal aufgenommen. Nach der Begegnung Jesu mit Petrus erscheint erneut der „Jünger, den Jesus liebte“. Von ihm heißt es, er sei der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablege und sie geschrieben habe; zugleich wird bestätigt, dass sein Zeugnis wahr sei. Damit verbindet das Evangelium seine schriftliche Gestalt ausdrücklich mit einem Augenzeugen aus dem engsten Jüngerkreis.

Die Identifikation dieses Jüngers mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus, ist aufgrund verschiedener innerer Zusammenhänge gut begründbar. Johannes 21 nennt unmittelbar zuvor die Söhne des Zebedäus unter den anwesenden Jüngern, während der geliebte Jünger innerhalb derselben Erzählung eine hervorgehobene Rolle erhält. Dennoch nennt der Text ihn auch hier nicht ausdrücklich mit dem Namen Johannes. Deshalb sollte zwischen einer starken biblischen Zuordnung und einer ausdrücklichen Namensangabe unterschieden werden.

Unabhängig von dieser Identitätsfrage nennt das Evangelium seinen eigenen Zweck eindeutig. Jesus habe noch viele andere Zeichen vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben seien. Die ausgewählten Zeichen seien jedoch niedergeschrieben worden, damit die Leser glauben, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes, ist, und damit sie durch den Glauben Leben in seinem Namen haben. Die Schrift will also nicht jede Einzelheit des Lebens Jesu dokumentieren, sondern durch zuverlässiges Zeugnis zum Glauben an ihn führen.

Gerade darin lässt sich eine Linie zu Johannes’ eigener Jüngerschaft erkennen. Er hatte Jesus zunächst als Fischer kennengelernt, seine Macht erlebt, seine Herrlichkeit gesehen, seine Korrekturen empfangen und schließlich den Auferstandenen bezeugt. Falls der geliebte Jünger mit Johannes identisch ist, wird aus diesem jahrzehntelangen Weg ein schriftliches Zeugnis, das nicht den Apostel selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern Christus.

Auch die Themen, die das Evangelium prägen, entsprechen diesem Ziel. Jesus wird als derjenige vorgestellt, in dem Leben ist, der Wahrheit offenbart, den Vater bekannt macht und ewiges Leben schenkt. Seine Zeichen sollen nicht bei der äußeren Verwunderung stehenbleiben, sondern auf seine Identität hinweisen. Glaube bedeutet deshalb nicht bloß Zustimmung zu einzelnen Wundern, sondern Vertrauen auf Jesus als den von Gott gesandten Sohn.

Für die Lebensgeschichte des Johannes ist daher entscheidend, die mit ihm verbundene schriftliche Wirkung nicht von Christus zu lösen. Wenn Johannes tatsächlich der bezeugende Jünger hinter dem Evangelium ist, dann besteht seine größte schriftstellerische Bedeutung gerade darin, dass er selbst zurücktritt und den Blick auf Jesus lenkt. Die Botschaft lautet nicht: Seht auf den bedeutenden Apostel, sondern: Erkennt in Jesus den Christus und empfangt durch den Glauben Leben in seinem Namen.

Doch mit Johannes werden im Neuen Testament noch weitere Schriften verbunden. Besonders die drei Johannesbriefe greifen Themen wie Wahrheit, Liebe, Gehorsam und Gemeinschaft mit Gott auf. Auch hier muss jedoch sorgfältig geprüft werden, welche Aussagen der Text selbst über seinen Absender macht und wie sicher sie mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus, verbunden werden können.

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Die Johannesbriefe verbinden Wahrheit, Liebe und Gehorsam

1. Johannes 1,1-4 – „1 Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsren Augen gesehen haben, was wir beschaut und was unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns erschienen ist; 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit…"
1. Johannes 1,1-4 – „1 Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsren Augen gesehen haben, was wir beschaut und was unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns erschienen ist; 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit…"
1. Johannes 2,3-6 – „3 Und daran erkennen wir, daß wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. 4 Wer da sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält [doch] seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht; 5 wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe zu Gott vollkommen geworden. Daran erkennen wir, daß wir in ihm sind. 6 Wer da sagt, er bleibe in ihm, der ist verpflicht…"
1. Johannes 4,7-10 – „7 Geliebte, lasset uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sond…"

Nach den geschichtlichen Berichten richtet sich der Blick auf weitere neutestamentliche Schriften, die traditionell mit Johannes verbunden werden. Auch hier ist eine genaue Unterscheidung notwendig. Der erste Johannesbrief nennt seinen Verfasser nicht mit Namen, während der zweite und dritte Brief mit der Selbstbezeichnung „der Älteste“ beginnen. Eine ausdrückliche Aussage wie „Johannes, der Sohn des Zebedäus, schrieb diesen Brief“ findet sich in keinem der drei Schreiben. Dennoch besitzen sie deutliche sprachliche und inhaltliche Berührungspunkte mit dem Johannesevangelium, weshalb ihre Verbindung mit Johannes gut nachvollziehbar ist, ohne über die ausdrückliche Textaussage hinauszugehen.

Besonders auffällig ist der Beginn des ersten Briefes. Der Verfasser spricht von dem, was „von Anfang“ war, was gehört, mit eigenen Augen gesehen, betrachtet und mit den Händen betastet worden sei. Im Mittelpunkt steht das „Wort des Lebens“, das offenbart wurde. Der Brief gründet seine Botschaft damit auf ein Zeugnis, das unmittelbar mit der geschichtlichen Offenbarung Jesu Christi verbunden ist. Was weitergegeben wird, soll die Leser in Gemeinschaft mit den apostolischen Zeugen und durch sie in Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus führen.

Diese Betonung passt zu dem Weg, den Johannes als Jünger selbst gegangen war. Er hatte Jesus nicht nur aus der Ferne gekannt, sondern seine Worte gehört, seine Taten erlebt und dem Auferstandenen begegnet. Der erste Johannesbrief richtet den Blick jedoch wiederum nicht auf die Bedeutung des Zeugen, sondern auf den Inhalt seines Zeugnisses. Gemeinschaft mit Gott ist untrennbar mit Christus verbunden und muss sich im Leben derer auswirken, die behaupten, ihn zu kennen.

Deshalb verbindet der Brief die Erkenntnis Gottes ausdrücklich mit Gehorsam. Wer sagt, er kenne Christus, seine Gebote aber nicht hält, dessen Bekenntnis wird als unwahr bezeichnet. Gleichzeitig wird Gehorsam nicht als Mittel dargestellt, durch das ein Mensch sich selbst von Sünde erlöst. Der Brief spricht ebenso deutlich davon, dass Jesus Christus der Fürsprecher der Glaubenden ist und dass sein Blut von aller Sünde reinigt. Vergebung und neues Leben gehen der gelebten Treue nicht entgegen; vielmehr erwächst Gehorsam aus der Gemeinschaft mit Christus.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Liebe. Der erste Johannesbrief ruft die Gläubigen wiederholt dazu auf, einander zu lieben, und begründet dies nicht mit menschlicher Sympathie, sondern mit Gottes eigenem Handeln. Gottes Liebe wird darin sichtbar, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, damit Menschen durch ihn leben. Liebe erhält ihren Maßstab damit nicht aus wechselnden Gefühlen, sondern aus der selbsthingebenden Liebe Gottes in Christus.

Gerade im Blick auf Johannes’ frühere Lebensgeschichte erhält diese Linie besonderes Gewicht. Der Jünger, der einst einen Außenstehenden hindern und über ein samaritisches Dorf Gericht herabrufen wollte, wird mit Schriften verbunden, in denen Bruderliebe zum Prüfstein echten Glaubens wird. Diese Entwicklung sollte nicht romantisiert werden; die Bibel beschreibt keinen einzelnen Augenblick, in dem Johannes plötzlich vom „Donnersohn“ zum „Apostel der Liebe“ geworden wäre. Doch die Spannung zwischen seinem früheren Verhalten und der späteren Botschaft ist unverkennbar und zeigt, wie tief Jesu Unterweisung das Verständnis eines Jüngers prägen konnte.

Dabei steht Liebe niemals gegen Wahrheit. Der zweite Johannesbrief verbindet beide Begriffe eng miteinander. Der „Älteste“ freut sich darüber, dass Gläubige „in der Wahrheit wandeln“, und erinnert zugleich an das Gebot, einander zu lieben. Liebe wird anschließend gerade als ein Leben nach Gottes Geboten beschrieben. Damit verhindert der Brief zwei gegensätzliche Verkürzungen: Wahrheit darf nicht zu kalter Rechtgläubigkeit ohne Liebe werden, und Liebe darf nicht so verstanden werden, als spiele die Wahrheit über Christus keine Rolle.

Diese Wachsamkeit war notwendig, weil falsche Lehrer auftraten, die zentrale Aussagen über Jesus Christus bestritten. Besonders warnt der zweite Brief vor Verführern, die nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Die christliche Liebe verlangt deshalb nicht, jede Lehre unterschiedslos anzunehmen. Dieselben Schriften, die eindringlich zur Liebe aufrufen, fordern zugleich dazu auf, bei der Wahrheit über Christus zu bleiben.

So entsteht aus den Johannesbriefen ein Bild reifer christlicher Nachfolge: Gemeinschaft mit Gott, Vertrauen auf Christus, Vergebung, Gehorsam, Wahrheit und Liebe gehören zusammen. Falls diese Briefe tatsächlich auf Johannes, den Sohn des Zebedäus, zurückgehen, zeigen sie, wie weit der Weg des ehemaligen Fischers und „Donnersohnes“ geführt hatte. Doch die letzte mit seinem Namen verbundene neutestamentliche Schrift öffnet noch einmal einen anderen Horizont: In der Offenbarung begegnet ein Johannes, der wegen des Wortes Gottes auf Patmos ist und dort den verherrlichten Christus sieht.

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Johannes empfängt auf Patmos die Offenbarung Jesu Christi

Offenbarung 1,1-11 – „1 Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt, 2 welcher das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. 3 Selig, wer liest und die da hören die Worte der Weissagung, und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit…"
Offenbarung 1,1-11 – „1 Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt, 2 welcher das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. 3 Selig, wer liest und die da hören die Worte der Weissagung, und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit…"
Offenbarung 1,12-20 – „12 Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, 13 und inmitten der Leuchter Einen, der einem Menschensohne glich, angetan mit einem langen Gewande und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel; 14 sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, 15 u…"
Offenbarung 22,6-9 – „6 Und er sprach zu mir: Diese Worte sind wahrhaftig und gewiß; und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, um seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll. 7 Siehe, ich komme bald! Selig, wer die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! 8 Und ich, Johannes, bin es, der solches gesehen und gehört hat; und als ich es gehört und gesehen hatte, fiel ich ni…"

Die letzte neutestamentliche Schrift, die mit dem Namen Johannes verbunden ist, unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt vom Johannesevangelium und vom ersten Johannesbrief: Ihr menschlicher Empfänger nennt sich ausdrücklich Johannes. Gleich zu Beginn erklärt die Offenbarung, dass Gott die Botschaft Jesus Christus gegeben habe, der sie durch seinen Engel seinem Knecht Johannes zeigte. Dennoch bezeichnet sich dieser Johannes im Buch nicht ausdrücklich als „Sohn des Zebedäus“ oder als einer der Zwölf. Die traditionelle Gleichsetzung mit dem Apostel Johannes ist gut bekannt und möglich, doch der Text selbst nennt nur den Namen Johannes.

Dieser Johannes beschreibt sich nicht durch einen hervorgehobenen kirchlichen Titel. Gegenüber den Gemeinden bezeichnet er sich als ihren Bruder und Mitgenossen an Bedrängnis, Reich und standhaftem Ausharren in Jesus. Er befand sich auf der Insel Patmos „um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu willen“. Die Formulierung verbindet seine Situation unmittelbar mit seinem Dienst für Christus. Ob er förmlich verbannt worden war und unter welchen politischen Umständen er nach Patmos gelangte, erklärt die Offenbarung selbst jedoch nicht näher.

Am Tag des Herrn wurde Johannes im Geist ergriffen und hörte hinter sich eine mächtige Stimme. Er erhielt den Auftrag, das, was er sah, in ein Buch zu schreiben und an sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asia zu senden. Die Offenbarung war damit nicht als private mystische Erfahrung gedacht. Was Johannes empfing, sollte der Gemeinde dienen und ihr zeigen, was Gott seinem Volk über Christus, seinen Kampf und seine endgültige Vollendung offenbaren wollte.

Als Johannes sich umwandte, sah er sieben goldene Leuchter und in ihrer Mitte einen, der einem Menschensohn glich. Die Beschreibung verbindet Würde, Reinheit, richterliche Autorität und überwältigende Herrlichkeit. Johannes, der Jesus während seines irdischen Wirkens aus nächster Nähe gekannt hatte, reagierte auf diese Erscheinung, indem er wie tot zu seinen Füßen fiel. Der verherrlichte Christus legte jedoch seine rechte Hand auf ihn und sprach ihm zu, sich nicht zu fürchten.

Jesus bezeichnet sich als den Ersten und den Letzten und als den Lebendigen. Er war tot und lebt nun in alle Ewigkeit; außerdem besitzt er die Schlüssel des Todes und des Totenreiches. Gerade diese Worte führen einen großen Bogen durch die Erfahrungen, die Johannes als Jünger gemacht hatte. Er hatte gesehen, wie Jesus Tote auferweckte, hatte seine eigenen Ankündigungen von Leiden und Auferstehung gehört und war dem Auferstandenen begegnet. Nun erscheint Christus als derjenige, dessen Sieg über den Tod endgültig und umfassend ist.

Die sieben Leuchter werden ausdrücklich als die sieben Gemeinden erklärt. Christus steht mitten unter ihnen. Damit beginnt die Offenbarung nicht mit der Macht feindlicher Reiche oder mit den Schrecken kommender Gerichte, sondern mit Jesus inmitten seines Volkes. Für die bedrängten Gemeinden sollte zuerst feststehen, wer ihr Herr ist. Alles Weitere im Buch wird von dieser Wirklichkeit her verstanden.

Johannes erhält anschließend den Auftrag, das Gesehene aufzuschreiben. Im Verlauf der Offenbarung begegnen ihm himmlische Szenen, Gerichtsbilder, der Kampf zwischen dem Lamm und den Mächten, die sich Gott widersetzen, die Bewahrung der Treuen, die Wiederkunft Christi und schließlich die vollständige Erneuerung der Schöpfung. Doch Johannes tritt dabei nie als Ursprung der Offenbarung auf. Die Botschaft kommt von Gott durch Jesus Christus; Johannes ist der Empfänger und Zeuge, der sie weitergibt.

Das Buch selbst zeigt außerdem, dass ein prophetischer Zeuge trotz außergewöhnlicher Offenbarungen fehlbar bleibt. Zweimal fällt Johannes vor einem Engel nieder, um ihn anzubeten, und zweimal wird er entschieden daran gehindert. Der Engel bezeichnet sich als Mitknecht und weist Johannes an: Gott soll angebetet werden. Damit lenkt selbst die Offenbarung die Aufmerksamkeit immer wieder vom menschlichen Übermittler weg auf denjenigen, dem allein Anbetung gebührt.

Falls der Johannes der Offenbarung tatsächlich mit dem Sohn des Zebedäus identisch ist, erreicht seine biblisch überlieferte Entwicklung hier einen eindrucksvollen späten Punkt. Der Mann, der einst nach einem bevorzugten Platz in Jesu Herrlichkeit fragte, erscheint nun nicht als Herrscher neben Christus, sondern als leidender Mitbruder, Knecht und Zeuge. Im Mittelpunkt steht nicht seine eigene Stellung, sondern der verherrlichte Jesus Christus und die Hoffnung auf dessen endgültigen Sieg.

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Über Johannes’ letzte Lebensjahre und seinen Tod schweigt die Bibel

Galater 2,9 – „9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, reichten Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen gelten, mir und Barnabas die Hand der Gemeinschaft, damit wir unter den Heiden, sie aber unter der Beschneidung wirkten;"
Galater 2,9 – „9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, reichten Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen gelten, mir und Barnabas die Hand der Gemeinschaft, damit wir unter den Heiden, sie aber unter der Beschneidung wirkten;"
Offenbarung 1,9 – „9 Ich, Johannes, euer Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und an der Geduld Jesu Christi, war auf der Insel namens Patmos, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu willen."
Johannes 21,22-23 – „22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Daher kam nun das Gerede unter den Brüdern: «Dieser Jünger stirbt nicht.» Und doch hat Jesus nicht zu ihm gesagt, er sterbe nicht, sondern: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?"

Je weiter die Lebensgeschichte des Johannes voranschreitet, desto deutlicher werden die Grenzen dessen, was die Bibel über seine persönlichen Lebensumstände berichtet. Die letzte ausdrückliche und sichere namentliche Erwähnung des Johannes, des Sohnes des Zebedäus, findet sich in Galater 2. Dort erscheint er gemeinsam mit Jakobus und Kephas als anerkannte „Säule“ der Gemeinde. Wie lange Johannes danach noch in Jerusalem wirkte, wohin ihn sein Dienst führte und welche weiteren Aufgaben er übernahm, sagt das Neue Testament nicht ausdrücklich.

Wenn der Johannes der Offenbarung mit dem Apostel Johannes identisch ist, führt seine persönliche Lebensspur noch bis nach Patmos. Offenbarung 1 beschreibt einen Johannes, der wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu auf der Insel war und von dort seine Botschaft an sieben Gemeinden richtete. Da sich der Verfasser jedoch nicht als Sohn des Zebedäus oder als einer der Zwölf bezeichnet, bleibt diese Identifikation eine begründete Zuordnung und keine ausdrücklich ausgesprochene biblische Tatsache.

Ähnlich verhält es sich mit dem „Jünger, den Jesus liebte“, am Ende des Johannesevangeliums. Als Petrus nach dessen Zukunft fragte, antwortete Jesus sinngemäß, dass es Petrus nichts angehe, wenn Jesus wolle, dass jener Jünger bleibe, bis er komme. Daraufhin entstand unter den Brüdern die Behauptung, dieser Jünger werde nicht sterben. Das Evangelium korrigiert dieses Gerücht jedoch ausdrücklich: Jesus hatte nicht gesagt, dass der Jünger nicht sterben werde.

Diese Korrektur ist gerade für die Frage nach dem Lebensende des Johannes wichtig. Selbst wenn der geliebte Jünger mit Johannes identifiziert wird, enthält Jesu Aussage keine Verheißung, dass Johannes bis zur Wiederkunft leben oder den Tod überhaupt nicht erfahren würde. Der Text wehrt eine solche Schlussfolgerung ausdrücklich ab. Was Jesus hypothetisch formuliert hatte, darf nicht in eine biografische Vorhersage verwandelt werden.

Über den tatsächlichen Tod des Apostels Johannes berichtet die Bibel nichts. Sie nennt weder Ort noch Zeitpunkt noch Todesursache, keine letzten Worte und kein Begräbnis. Deshalb können spätere Berichte darüber, wie alt Johannes geworden sei, wo er seinen Lebensabend verbracht habe oder unter welchen Umständen er gestorben sei, nicht als Bestandteil seiner biblischen Lebensgeschichte behandelt werden. Was die Schrift offenlässt, muss offenbleiben.

Gerade dieses Schweigen setzt einen passenden Schlusspunkt unter eine Lebensgeschichte, in der Johannes selbst nie der eigentliche Mittelpunkt war. Die Bibel verfolgt seinen Weg so weit, wie er für das Zeugnis von Jesus und für die Entstehung der Gemeinde von Bedeutung ist. Sie befriedigt nicht jede spätere biografische Neugier. Entscheidend ist nicht, dass wir sämtliche Einzelheiten seines Lebensendes kennen, sondern dass sein bezeugter Dienst auf Christus weist.

Von Johannes bleibt deshalb im Neuen Testament nicht das Bild eines makellosen Helden. Wir begegnen einem Jünger, der berufen wurde und doch lernen musste; der Jesu Herrlichkeit sah und dennoch menschlichen Ehrgeiz zeigte; der Gericht über andere erwog und später das Evangelium nach Samaria trug; der bei Jesu Gefangennahme floh und später trotz Drohungen öffentlich von Christus zeugte. Seine Bedeutung liegt gerade darin, dass Christus einen begrenzten Menschen formte und in seinen Dienst nahm.

Was mit Johannes’ persönlichem Leben nach seiner letzten sicheren Erwähnung geschah, bleibt verborgen. Was durch sein apostolisches Zeugnis sichtbar bleibt, weist dagegen über ihn hinaus: auf Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, auf die Wahrheit seines Wortes, auf eine Liebe, die aus Gott kommt, und auf die Hoffnung seiner Wiederkunft und der endgültigen Erneuerung. Damit endet die biblisch nachprüfbare Lebensgeschichte dort, wo auch Johannes’ eigener Dienst immer wieder hinführt – nicht bei seiner Person, sondern bei seinem Herrn.

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Zusammenfassung und Gebet

Johannes’ Lebensgeschichte zeigt, wie tief die Nachfolge Jesu einen Menschen verändern kann, ohne seine Geschichte zu idealisieren. Der Sohn des Zebedäus begegnet uns zunächst als Fischer, der gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus seinen bisherigen Lebensbereich verlässt, weil Jesus ihn ruft. Von diesem Augenblick an wird sein Leben nicht durch eine besondere natürliche Stellung bestimmt, sondern durch die Nähe zu Christus. Er hört Jesu Worte, erlebt seine Macht, sieht seine Herrlichkeit und wird zugleich immer wieder damit konfrontiert, wie weit seine eigenen Vorstellungen noch von denen seines Herrn entfernt sind.

Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil seiner biblischen Bedeutung. Johannes besitzt großen Eifer, doch dieser Eifer muss geformt werden. Er will einen Mann hindern, der nicht zum unmittelbaren Jüngerkreis gehört. Gemeinsam mit Jakobus möchte er Gericht über ein samaritisches Dorf herabrufen. Später suchen die Brüder bevorzugte Plätze in Jesu Herrlichkeit. Jesus verwirft Johannes deswegen nicht, sondern korrigiert ihn und führt ihn tiefer in das Wesen seines Reiches hinein. Größe bedeutet Dienst, Macht bedeutet nicht Vergeltung, und die Herrlichkeit Christi lässt sich nicht vom Weg seiner Selbsthingabe trennen.

Auch Johannes’ eigene Schwachheit bleibt sichtbar. In Gethsemane kann er nicht wachen, obwohl Jesus ihn darum gebeten hat, und bei der Gefangennahme flieht er wie die anderen Jünger. Damit zerbricht jede Vorstellung, sein späterer Dienst könne aus eigener Standhaftigkeit erklärt werden. Der entscheidende Wendepunkt liegt nicht in einer plötzlich vollkommenen Persönlichkeit, sondern im Handeln Christi: Jesus vollendet sein Erlösungswerk, steht von den Toten auf und begegnet seinen Jüngern erneut.

Nach der Auferstehung und Pfingsten tritt Johannes als veränderter Zeuge hervor. Derjenige, der während Jesu Gefangennahme geflohen war, lässt sich nun gemeinsam mit Petrus festnehmen und bedrohen, ohne sein Zeugnis von Christus aufzugeben. Besonders eindrücklich wird seine Entwicklung in Samaria. Wo Johannes früher Gericht erwogen hatte, betet er nun für Menschen und verkündigt ihnen das Evangelium. Der Eifer ist nicht verschwunden, aber er steht zunehmend im Dienst dessen, was Jesus selbst begonnen hat.

Später wird Johannes als eine der anerkannten „Säulen“ der Gemeinde genannt. Doch auch diese Stellung führt nicht zurück zu seinem früheren Streben nach Rang. Apostolische Bedeutung besteht nicht darin, selbst Mittelpunkt zu werden. Johannes gehört zu den Männern, deren Zeugnis Menschen von ihnen weg auf Jesus Christus weist. Genau darin liegt die bleibende Richtung seines biblischen Lebens.

Auch die Schriften, die mit Johannes beziehungsweise mit dem johanneischen Zeugnis verbunden werden, führen zu diesem Mittelpunkt. Wahrheit und Liebe stehen dort nicht gegeneinander. Liebe hat ihren Ursprung in Gottes Handeln durch seinen Sohn, Wahrheit konzentriert sich auf die wirkliche Person Jesu Christi, und Gehorsam erscheint als Frucht der Gemeinschaft mit Gott. Christlicher Glaube ist weder bloße richtige Information noch ein unbestimmtes Gefühl von Liebe. Er lebt aus Christus und verändert den Umgang mit Gott und mit anderen Menschen.

Mit der Offenbarung öffnet sich schließlich die Hoffnung über das gegenwärtige Leben hinaus. Wenn der dort genannte Johannes mit dem Apostel identisch ist, sieht der ehemalige Jünger auf Patmos seinen Herrn in überwältigender Herrlichkeit. Doch auch dort bleibt Johannes Diener und Zeuge. Nicht der Apostel steht im Mittelpunkt der letzten Dinge, sondern Jesus Christus – der Lebendige, der gestorben ist und nun in Ewigkeit lebt.

Über Johannes’ eigenen Tod schweigt die Bibel. Gerade deshalb endet seine Geschichte nicht mit einem menschlichen Denkmal. Was bleibt, ist das Zeugnis eines Menschen, der von Christus gerufen, korrigiert, getragen und zum Dienst gebraucht wurde. Johannes’ Leben zeigt, dass Nachfolge nicht bedeutet, von Anfang an vollkommen zu verstehen oder niemals zu versagen. Sie bedeutet, bei Christus zu bleiben, sich von ihm verändern zu lassen und schließlich auf den hinzuweisen, in dem Wahrheit, Leben, Liebe und die Hoffnung auf Gottes vollendetes Reich ihren Ursprung haben.

Herr, wir danken dir, dass du Menschen nicht nur rufst, sondern sie auch geduldig formst und in deinem Dienst gebrauchst. Bewahre uns davor, eigenen Eifer mit deinem Willen zu verwechseln, und lehre uns, Wahrheit und Liebe so miteinander zu verbinden, wie du es gezeigt hast. Gib uns Mut, von Jesus Christus zu zeugen, ohne uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Lass unser Vertrauen nicht auf eigener Stärke beruhen, sondern auf deiner Gnade, auf dem auferstandenen Herrn und auf der Hoffnung seiner Wiederkunft. Amen.

„Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich!“ Johannes 14,6

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