Johannes der Jünger

Johannes – Der Jünger, den Jesus liebte Er war ein „Donnersohn“ – so nannte Jesus ihn und seinen Bruder Jakobus (Markus 3,17). Der junge Johannes war hitzig, ehrgeizig und unnachgiebig. Als ein samaritisches Dorf Jesus nicht aufnahm, fragte er: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre“ (Lukas 9,…

Johannes – Der Jünger, den Jesus liebte

Er war ein „Donnersohn“ – so nannte Jesus ihn und seinen Bruder Jakobus (Markus 3,17). Der junge Johannes war hitzig, ehrgeizig und unnachgiebig. Als ein samaritisches Dorf Jesus nicht aufnahm, fragte er: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre“ (Lukas 9,54). Er wollte den besten Platz im Reich Gottes. Er verbot anderen, in Jesu Namen Wunder zu tun, weil sie „nicht zu uns gehören“.

Und doch wurde genau dieser Mann zum „Jünger, den Jesus liebte“ – nicht weil er besser war als die anderen, sondern weil die Nähe zu Jesus ihn verwandelte.

Vom Donner zur Liebe

Johannes war der Jünger, der beim letzten Abendmahl an Jesu Brust lag. Er war der Einzige der Zwölf, der unter dem Kreuz stand. Ihm vertraute Jesus seine Mutter an: „Siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!“ Er war der Erste am leeren Grab und der Erste, der den Auferstandenen am See Genezareth erkannte: „Es ist der Herr!“

Das Johannesevangelium ist durchdrungen von Liebe – aber nicht von sentimentaler Liebe, sondern von der Liebe, die ans Kreuz geht. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“ (Johannes 3,16) – der bekannteste Vers der Bibel stammt aus seiner Feder.

In seinen Briefen wird das Wort „Liebe“ zum Schlüsselwort: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Johannes 4,16). Der alte Johannes, so berichtet die Überlieferung, wiederholte in seinen letzten Jahren immer wieder nur einen Satz: „Kindlein, liebt einander!“

Die Offenbarung

Auf der Insel Patmos, verbannt unter Kaiser Domitian, empfing Johannes die gewaltigste prophetische Vision seit Daniel: die Offenbarung Jesu Christi. Er sah den verherrlichten Christus, die sieben Gemeinden, die Siegel, die Posaunen, den großen Kampf zwischen Christus und dem Drachen, den Fall Babylons und das Neue Jerusalem.

„Johannes wurde der Seher von Patmos, weil die Jahre mit Jesus und die Jahre des Leidens ihn vorbereitet hatten. Die Offenbarung konnte nur jemand empfangen, der die Liebe Gottes so tief erfahren hatte, dass er auch die Schrecken des Gerichts im Licht dieser Liebe verstehen konnte".

Johannes war der einzige Apostel, der eines natürlichen Todes starb – ein hohes Alter, erfüllt von Dienst und Liebe.

„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1. Johannes 4,19).