Jeremia – Der weinende Prophet Vierzig Jahre lang predigte er – und niemand hörte zu. Jeremia ist der Prophet des einsamen Gehorsams, der Mann, den Gott berief, bevor er geboren wurde: „Ehe ich dich im Mutterleib bereitete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Ich habe dich zum Proph…
Vierzig Jahre lang predigte er – und niemand hörte zu. Jeremia ist der Prophet des einsamen Gehorsams, der Mann, den Gott berief, bevor er geboren wurde: „Ehe ich dich im Mutterleib bereitete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Ich habe dich zum Propheten für die Völker bestellt“ (Jeremia 1,5).
Jeremia wollte nicht. „Ach, Herr HERR, ich kann nicht reden, denn ich bin zu jung!“ Doch Gott legte seine Hand an Jeremias Mund und sprach: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“
Jeremias Botschaft war die schmerzhafteste, die ein Prophet je verkünden musste: Jerusalem würde fallen. Der Tempel würde zerstört werden. Das Volk würde siebzig Jahre in babylonischer Gefangenschaft verbringen. Und die einzige Hoffnung bestand darin, sich freiwillig zu ergeben.
Für diese Botschaft wurde er gehasst. Man warf ihn in eine schlammige Zisterne, um ihn sterben zu lassen. Man verbrannte seine Schriftrollen. Man klagte ihn des Hochverrats an. König Zedekia fragte ihn heimlich um Rat – aber wagte nicht, ihm zu folgen. Priester und falsche Propheten bekämpften ihn. Und das Volk spottete über ihn.
Jeremias Klage ist roh und ehrlich: „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin! Warum bin ich doch aus dem Mutterschoß hervorgekommen, dass ich Jammer und Herzeleid sehen muss?“ (Jeremia 20,14.18). Und doch, mitten in dieser Klage: „Aber des HERRN Wort ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich es nicht ertragen konnte“ (Jeremia 20,9).
Inmitten all der Dunkelheit spricht Jeremia die hellste Verheißung des Alten Testaments: „Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein“ (Jeremia 31,31–33).
Der Hebräerbrief zitiert diese Stelle als die zentrale Verheißung des neuen Bundes in Christus. Gottes Gesetz wird nicht abgeschafft, sondern ins Herz geschrieben. Das ist das Evangelium, wie es die biblische Lehre versteht: Nicht Gesetz oder Gnade, sondern Gnade, die befähigt, das Gesetz zu leben.
„Jeremia war ein Mann, der weinte, nicht weil er schwach war, sondern weil er liebte. Er sah, was kommen würde, und sein Herz brach darüber. Aber er gehorchte – auch als es ihn alles kostete“.
Mitten in der Belagerung Jerusalems kaufte Jeremia einen Acker in Anatot – eine scheinbar absurde Handlung. Doch es war eine prophetische Tat: „Es werden wieder Häuser, Äcker und Weinberge gekauft werden in diesem Land“ (Jeremia 32,15). Selbst am dunkelsten Tag glaubte der Prophet an die Zukunft, die Gott verheißen hatte.
Der undankbarste Auftrag
Der neue Bund
Der Ackerkauf als Zeichen der Hoffnung
„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung“ (Jeremia 29,11).
Weitere Inhalte zu Personen in der Bibel
Thema