Jakobus (Zebedäus)
Jakobus (Zebedäus) in der Bibel
Jakobus, der Sohn des Zebedäus, war der Bruder des Johannes und gehörte zu den zwölf Aposteln Jesu. Gemeinsam mit Petrus und Johannes nahm er innerhalb des Jüngerkreises eine besondere Stellung ein und wurde Zeuge wichtiger Momente im Dienst Christi. Sein Leben ist eng mit der persönlichen Berufung durch Jesus verbunden und zeigt, dass echte Nachfolge bedeutet, sich von Christus führen und für seinen Dienst gebrauchen zu lassen.
Einführung
Im Neuen Testament begegnen mehrere Männer mit dem Namen Jakobus. Deshalb ist es wichtig, den Sohn des Zebedäus deutlich von Jakobus, dem Sohn des Alphäus, und von Jakobus, dem Bruder Jesu, zu unterscheiden. Der hier betrachtete Jakobus gehört zu jenem Brüderpaar, das in den Evangelien häufig gemeinsam genannt wird: Jakobus und Johannes. Ihr Vater hieß Zebedäus, und ihre Familie war mit der Fischerei am See von Galiläa verbunden.
Über die Kindheit und Jugend des Jakobus berichtet die Bibel nichts. Auch sein Alter, seine Ausbildung und viele Einzelheiten seines Lebens vor der Begegnung mit Jesus bleiben unbekannt. Seine Geschichte beginnt deshalb dort, wo die Evangelien ihn erstmals sicher erkennen lassen: mitten in seinem bisherigen Alltag. Jakobus arbeitet zusammen mit Johannes und ihrem Vater als Fischer. Noch ist er kein Apostel, kein herausgehobener Zeuge und kein Mann, dessen Name eng mit der Verkündigung Jesu verbunden wird.
Gerade dieser unscheinbare Anfang ist für seine Lebensgeschichte entscheidend. Jesus sammelt seine Jünger nicht zuerst aus den religiösen Führungsgruppen Jerusalems, sondern begegnet Menschen in ihrem gewöhnlichen Leben und ruft sie in seine Nachfolge. Bei Jakobus bedeutet dieser Ruf nicht lediglich eine neue Aufgabe. Von diesem Augenblick an wird sein weiterer Weg durch die Nähe zu Jesus bestimmt.
Die Bibel beginnt Jakobus daher nicht mit einer Beschreibung seiner späteren Bedeutung, sondern mit einem Ruf. Am See von Galiläa steht ein Fischer bei seinem Vater und seinem Bruder, beschäftigt mit der Arbeit, die bisher sein Leben geprägt hat. Dort tritt Jesus in seine Geschichte ein – und aus diesem ersten Ruf entwickelt sich alles, was die Schrift anschließend über Jakobus berichtet.
Jakobus lässt die Netze zurück
Markus 1,19-20 – „19 Und als er von da ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und seinen Bruder Johannes, welche auch im Schiffe die Netze bereitmachten. 20 Und alsbald berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Taglöhnern im Schiff und folgten ihm nach."
Markus 1,19-20 – „19 Und als er von da ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und seinen Bruder Johannes, welche auch im Schiffe die Netze bereitmachten. 20 Und alsbald berief er sie; und sie ließen ihren Vater Zebedäus samt den Taglöhnern im Schiff und folgten ihm nach."
Matthäus 4,21-22 – „21 Und als er von da weiterging, sah er in einem Schiffe zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und dessen Bruder Johannes, mit ihrem Vater Zebedäus ihre Netze flicken; und er berief sie. 22 Da verließen sie alsbald das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach."
Lukas 5,9-11 – „9 Denn ein Schrecken kam ihn an und alle, die bei ihm waren, wegen des Fischzuges, den sie getan hatten; 10 gleicherweise auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Simons Gehilfen waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; von nun an sollst du Menschen fangen! 11 Und sie brachten die Schiffe ans Land, verließen alles und folgten ihm nach."
Als Jakobus erstmals deutlich in den Evangelien hervortritt, begegnet er Jesus nicht in einer Synagoge oder in Jerusalem, sondern bei seiner täglichen Arbeit am See von Galiläa. Er ist Fischer und arbeitet zusammen mit seinem Bruder Johannes und ihrem Vater Zebedäus. Markus berichtet, dass die beiden Brüder gerade im Boot ihre Netze ausbessern, als Jesus sie sieht und ruft. Damit beginnt der biblisch greifbare Teil seines persönlichen Weges mit Christus. Über die Jahre davor schweigt die Schrift, doch über diesen entscheidenden Augenblick spricht sie mit bemerkenswerter Klarheit.
Die Fischerei war für Jakobus nicht nur eine gelegentliche Beschäftigung. Lukas bezeichnet Jakobus und Johannes als Gefährten beziehungsweise Teilhaber Simons, der später Petrus genannt wird. Markus erwähnt außerdem, dass Zebedäus neben seinen Söhnen auch Tagelöhner im Boot hatte. Wie groß der Betrieb war und welche wirtschaftliche Stellung die Familie genau besaß, lässt sich daraus nicht sicher bestimmen. Wohl aber wird erkennbar, dass Jakobus in eine konkrete familiäre und berufliche Ordnung eingebunden war. Als Jesus ihn ruft, verlässt er deshalb nicht eine bedeutungslose Nebentätigkeit, sondern einen wirklichen bisherigen Lebenszusammenhang.
Markus schildert den Ruf in knapper Form. Jesus sieht Jakobus und Johannes und ruft sie; daraufhin lassen sie ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Boot zurück und gehen ihm nach. Matthäus beschreibt denselben entscheidenden Schritt ähnlich: Die Brüder verlassen das Boot und ihren Vater und folgen Jesus. Der Nachdruck liegt in beiden Berichten nicht auf einer langen Beratung, sondern auf der Antwort auf den Ruf Christi. Jakobus beginnt seinen Weg als Jünger, weil Jesus die Initiative ergreift.
Lukas ergänzt den Zusammenhang durch den außergewöhnlichen Fischfang. Simon Petrus erlebt angesichts der Fülle der Fische seine eigene Sündhaftigkeit und erschrickt, und Jakobus und Johannes teilen dieses Staunen. Jesus richtet seine Zusage zunächst an Simon: Von nun an werde er Menschen fangen. Anschließend bringen sie die Boote ans Land, verlassen alles und folgen ihm. Die Evangelien setzen unterschiedliche Schwerpunkte, doch gemeinsam zeigen sie den entscheidenden Übergang: Der bisherige Beruf bestimmt nicht länger die Richtung ihres Lebens; Jesus selbst wird zum Mittelpunkt ihrer Nachfolge.
Dabei wäre es zu wenig, Jakobus lediglich als einen besonders entschlossenen Menschen darzustellen. Der eigentliche Ausgangspunkt liegt im Ruf Jesu. Christus sieht, ruft und nimmt Menschen in seinen Dienst, bevor ihre spätere Entwicklung abgeschlossen ist. Jakobus wird nicht deshalb Jünger, weil die Bibel ihn zu diesem Zeitpunkt bereits als geistlich reifen Apostel beschreibt. Vielmehr beginnt nun erst jene Schule der Nachfolge, in der seine Erwartungen, seine Wünsche und sein Verständnis von Größe durch die Gemeinschaft mit Jesus geprägt und korrigiert werden.
Dass Jakobus seinen Vater und die Arbeit zurücklässt, bedeutet auch nicht, dass die Bibel familiäre Verantwortung geringachtet. Im Mittelpunkt dieser einmaligen Berufung steht die besondere persönliche Aufforderung Jesu an Männer, die er für seinen irdischen Dienst auswählt. Aus diesem konkreten Ereignis darf deshalb nicht mechanisch gefolgert werden, jeder Gläubige müsse seinen Beruf oder seine Familie verlassen. Der bleibende Grundsatz liegt tiefer: Wenn Christus ruft, besitzt seine Herrschaft Vorrang, und echte Nachfolge kann verlangen, bisherige Sicherheiten seiner Führung unterzuordnen.
Für Jakobus beginnt damit ein Weg, dessen ganze Tragweite er zu diesem Zeitpunkt noch nicht überblicken konnte. Der Fischer wird zum Jünger Jesu, nicht durch eigene religiöse Stellung, sondern durch die Berufung des Herrn. Von nun an erlebt er Jesu Worte, seine Wunder und seinen Umgang mit Menschen aus unmittelbarer Nähe. Doch Nachfolge bedeutet für Jakobus nicht nur, Jesus äußerlich zu begleiten. Je näher er Christus kommt, desto deutlicher wird sich zeigen, wie sehr auch sein eigenes Verständnis von Macht, Ehre und Dienst verändert werden muss.
Jesus beruft Jakobus zum Apostel
Markus 3,13-17 – „13 Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. 14 Und er verordnete zwölf, daß sie bei ihm wären und daß er sie aussendete zu predigen 15 und daß sie Macht hätten, die Dämonen auszutreiben: 16 Simon, welchem er den Namen Petrus beilegte, 17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, welchen er den Namen Boanerges, das heißt Do…"
Markus 3,13-17 – „13 Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. 14 Und er verordnete zwölf, daß sie bei ihm wären und daß er sie aussendete zu predigen 15 und daß sie Macht hätten, die Dämonen auszutreiben: 16 Simon, welchem er den Namen Petrus beilegte, 17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, welchen er den Namen Boanerges, das heißt Do…"
Lukas 6,12-16 – „12 Es begab sich aber in diesen Tagen, daß er hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott. 13 Und als es Tag geworden, rief er seine Jünger herzu und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und dessen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, d…"
Matthäus 10,1-4 – „1 Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. 2 Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: Der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes; 3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der S…"
Nachdem Jakobus Jesus gefolgt war, gehörte er zunächst zu dem größeren Kreis von Menschen, die den Herrn begleiteten und seine Lehre hörten. Doch innerhalb dieser Nachfolge kam es zu einem weiteren entscheidenden Schritt. Markus berichtet, dass Jesus auf einen Berg stieg und diejenigen zu sich rief, die er selbst wollte. Aus diesem Kreis setzte er zwölf Männer ein, die bei ihm sein und von ihm ausgesandt werden sollten. Unter ihnen befand sich Jakobus, der Sohn des Zebedäus.
Lukas ergänzt, dass dieser Entscheidung eine Nacht des Gebets vorausging. Jesus verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott und rief am folgenden Tag seine Jünger zu sich. Aus ihnen erwählte er zwölf, die er auch Apostel nannte. Die Berufung des Jakobus zum Apostel war damit keine zufällige Entwicklung innerhalb einer wachsenden Bewegung. Sie gehörte zu einer bewussten Auswahl Jesu und stellte Jakobus in einen besonderen Dienst.
Markus nennt dabei zwei grundlegende Aufgaben der Zwölf. Sie sollten zunächst „bei ihm sein“ und anschließend ausgesandt werden, um zu predigen und Vollmacht über die Dämonen zu haben. Diese Reihenfolge ist bedeutsam. Der apostolische Dienst beginnt nicht mit öffentlichem Wirken, sondern mit der Gemeinschaft mit Christus. Jakobus sollte Jesus hören, sein Handeln beobachten und unmittelbar unter seiner Führung lernen. Erst aus dieser Nähe heraus konnte er später selbst als Gesandter auftreten.
Matthäus zeigt dieselbe Berufung unter dem Gesichtspunkt der übertragenen Vollmacht. Jesus gab den Zwölf Macht über unreine Geister und die Fähigkeit, Krankheiten und Gebrechen zu heilen. Diese Vollmacht gehörte jedoch nicht den Aposteln aus sich selbst. Sie war ihnen von Christus gegeben. Auch bei Jakobus lag die Bedeutung seines Dienstes deshalb nicht in einer eigenen geistlichen Kraft oder besonderen menschlichen Stellung, sondern darin, dass Jesus ihn berief, ausrüstete und aussandte.
Gerade bei der Aufzählung der Zwölf fügt Markus eine bemerkenswerte Einzelheit hinzu. Jesus gab Jakobus und seinem Bruder Johannes den Namen „Boanerges“, den Markus mit „Söhne des Donners“ erklärt. Die Bibel erläutert an dieser Stelle nicht ausdrücklich, warum Jesus ihnen diesen Namen gab. Deshalb wäre es zu weitgehend, daraus eine vollständige Charakterbeschreibung abzuleiten. Spätere Ereignisse zeigen allerdings, dass die beiden Brüder durchaus entschieden und mitunter scharf auftreten konnten. Mehr als der Text trägt, sollte aus dem Beinamen jedoch nicht geschlossen werden.
Jakobus gehört nun nicht mehr lediglich zu den Männern, die Jesus freiwillig begleiten. Als einer der Zwölf trägt er eine besondere Verantwortung innerhalb des Dienstes Christi. Die Zahl zwölf besitzt im biblischen Zusammenhang eine erkennbare Verbindung zu den zwölf Stämmen Israels; Jesus selbst greift diese Verbindung später ausdrücklich auf. Dennoch besteht die Bedeutung des Jakobus nicht darin, einen persönlichen Rang für sich zu beanspruchen. Seine Stellung ist vollständig an Christus gebunden, der die Apostel auswählt und ihnen ihren Auftrag gibt.
Damit beginnt für Jakobus eine intensivere Phase der Nachfolge. Er wird nicht nur Zuhörer, sondern ein von Jesus berufener Gesandter, der lernen soll, das Reich Gottes zu verkündigen und in der von Christus verliehenen Vollmacht zu handeln. Zugleich wird sich bald zeigen, dass besondere Berufung nicht automatisch besondere geistliche Reife bedeutet. Gerade Jakobus gehört zu den Jüngern, an denen sichtbar wird, wie Christus Menschen nicht nur in seinen Dienst stellt, sondern sie während dieses Dienstes weiter erzieht und verändert.
Zurück: Jakobus lässt die Netze zurück Weiter: Jakobus erlebt die Auferweckung der Tochter des Jairus
Jakobus erlebt die Auferweckung der Tochter des Jairus
Markus 5,35-43 – „35 Während er noch redete, kommen etliche von den Leuten des Obersten der Synagoge und sprechen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Meister noch? 36 Sobald aber Jesus dies Wort hörte, sprach er zum Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemand mitgehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und er kommt in das Haus des Obersten…"
Markus 5,35-43 – „35 Während er noch redete, kommen etliche von den Leuten des Obersten der Synagoge und sprechen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Meister noch? 36 Sobald aber Jesus dies Wort hörte, sprach er zum Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemand mitgehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und er kommt in das Haus des Obersten…"
Lukas 8,49-56 – „49 Da er noch redete, kam jemand vom Synagogenvorsteher und sprach zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht mehr! 50 Da es aber Jesus hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gerettet werden! 51 Und als er in das Haus kam, ließ er niemand mit sich hineingehen als Petrus und Jakobus und Johannes und den Vater des Kindes und die Mutter. 5…"
Matthäus 9,23-26 – „23 Als nun Jesus in das Haus des Obersten kam und die Pfeifer und das Getümmel sah, 24 sprach er zu ihnen: Entfernet euch! Denn das Mägdlein ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. 25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und faßte sie bei der Hand; und das Mägdlein stand auf. 26 Und das Gerücht hiervon verbreitete sich in jener ganzen Gegend."
Mit seiner Berufung zum Apostel war Jakobus in den Kreis der Zwölf aufgenommen worden. Bald darauf begegnet er in den Evangelien jedoch in einer noch kleineren Gruppe. Als Jesus zum Haus des Jairus geht, dessen Tochter im Sterben liegt, erlaubt er nur Petrus, Jakobus und Johannes, ihn in das Haus zu begleiten. Damit tritt erstmals jene Dreiergruppe hervor, die bei mehreren besonders bedeutenden Ereignissen im Leben Jesu an seiner Seite sein wird.
Jairus hatte Jesus um Hilfe für seine schwerkranke Tochter gebeten. Noch während Jesus unterwegs war, kamen Männer aus dem Haus des Synagogenvorstehers mit der Nachricht, dass das Mädchen gestorben sei. Für Jairus schien damit der Anlass seiner Bitte endgültig vorbei zu sein. Jesus antwortete jedoch mit der Aufforderung, sich nicht zu fürchten, sondern zu glauben. Jakobus befand sich unmittelbar in diesem Geschehen und erlebte, wie Christus einer Situation entgegentrat, in der menschliche Möglichkeiten vollständig an ihre Grenze gekommen waren.
Als Jesus das Haus erreichte, nahm er neben den Eltern des Kindes nur Petrus, Jakobus und Johannes mit hinein. Die übrige Menge blieb draußen. Der besondere Zugang der drei Jünger wird im Text nicht mit einer persönlichen Überlegenheit begründet. Jesus selbst entschied, wen er in dieser Situation bei sich haben wollte. Für Jakobus bedeutete dies, Zeuge eines Geschehens zu werden, das sein Verständnis von der Macht seines Meisters weit über das hinausführen musste, was gewöhnliche menschliche Erfahrung erklären konnte.
Jesus erklärte den Anwesenden, das Kind sei nicht tot, sondern schlafe. Der weitere Bericht zeigt, dass der Tod tatsächlich eingetreten war; Lukas sagt ausdrücklich, dass ihr Geist beziehungsweise Lebensodem zurückkehrte und sie wieder lebendig wurde. Jesu Ausdruck vom Schlaf verharmlost den Tod daher nicht, sondern beschreibt ihn aus der Perspektive seiner göttlichen Macht. Für Christus ist selbst der Tod kein unüberwindbares Ende. Er nimmt das Mädchen bei der Hand, spricht zu ihm, und es steht auf.
Jakobus sieht hier nicht einen Apostel oder Propheten handeln, der lediglich um ein Wunder bittet. Jesus spricht mit eigener Vollmacht, und das tote Kind gehorcht seinem Wort. Die Evangelien entwickeln an solchen Ereignissen Schritt für Schritt die Frage, wer Jesus wirklich ist. Jakobus erlebt diese Offenbarung nicht aus der Entfernung. Er steht in unmittelbarer Nähe und wird Augenzeuge einer Macht, die über Krankheit und Tod hinausreicht.
Die Tatsache, dass gerade Petrus, Jakobus und Johannes dieses Ereignis miterleben, gewinnt für den weiteren Verlauf besondere Bedeutung. Dieselben drei werden später mit Jesus auf einen Berg steigen und nochmals Zeugen einer außergewöhnlichen Offenbarung seiner Herrlichkeit werden. Noch später nimmt Christus sie in Gethsemane besonders nahe zu sich, wo sie nicht seine sichtbare Macht, sondern seine tiefe Bedrängnis erleben. Die besondere Nähe führt sie damit nicht nur zu erhabenen Erfahrungen, sondern wird ihnen verschiedene Seiten des Weges Jesu vor Augen stellen.
Für Jakobus ist die Auferweckung der Tochter des Jairus deshalb mehr als ein außergewöhnliches Erlebnis innerhalb seines Aposteldienstes. Er lernt den kennen, dem er gefolgt ist. Der Mann, der ihn am See aus seinem bisherigen Leben gerufen hatte, besitzt eine Vollmacht, die selbst dort nicht endet, wo menschlich gesehen jede Hoffnung endet. Doch Jakobus muss noch weiter lernen, was es bedeutet, einem solchen Herrn nachzufolgen: Die Macht Christi dient nicht menschlicher Größe, sondern offenbart Gottes rettendes Handeln.
Zurück: Jesus beruft Jakobus zum Apostel Weiter: Jakobus wird mit den Zwölf ausgesandt
Jakobus wird mit den Zwölf ausgesandt
Markus 6,7-13 – „7 Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister. 8 Und er befahl ihnen, sie sollten nichts auf den Weg nehmen als nur einen Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Geld im Gürtel, 9 sondern nur Sandalen an den Füßen tragen und nicht zwei Röcke anziehen. 10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus eintretet, da bleibet, bis…"
Markus 6,7-13 – „7 Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister. 8 Und er befahl ihnen, sie sollten nichts auf den Weg nehmen als nur einen Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Geld im Gürtel, 9 sondern nur Sandalen an den Füßen tragen und nicht zwei Röcke anziehen. 10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus eintretet, da bleibet, bis…"
Lukas 9,1-6 – „1 Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen; 2 und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen, und zu heilen. 3 Und er sprach zu ihnen: Nehmet nichts auf den Weg, weder Stab noch Tasche, noch Brot noch Geld; auch soll einer nicht zwei Anzüge haben. 4 Und wo ihr in ein Haus eintretet, da bleibet, und von da ziehet weiter. …"
Matthäus 10,5-15 – „5 Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebet euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; 6 gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 7 Gehet aber hin, prediget und sprechet: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 8 Heilet Kranke, weckt Tote auf, reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst …"
Die Berufung zum Apostel hatte Jakobus auf einen Dienst vorbereitet, der nun praktisch begann. Jesus rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, damit sie nicht nur bei ihm lernten, sondern selbst verkündigten, was sie von ihm empfangen hatten. Markus berichtet, dass Jesus sie jeweils zu zweit aussandte und ihnen Vollmacht über unreine Geister gab. Welcher Jünger Jakobus auf dieser Reise begleitete, sagt die Bibel nicht. Sicher ist jedoch, dass er gemeinsam mit den übrigen Aposteln an diesem ersten ausdrücklich berichteten Aussendungsdienst teilnahm.
Der Auftrag war klar begrenzt. Nach Matthäus sollten die Zwölf zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu den Heiden oder Samaritern gehen, sondern zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“. Sie sollten verkündigen, dass das Reich der Himmel nahe gekommen sei, Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige reinigen und Dämonen austreiben. Die Vollmacht dazu stammte nicht aus ihnen selbst. Jesus hatte sie ihnen gegeben, und entsprechend sollten sie auch ohne den Gedanken handeln, aus dieser Gabe persönlichen Gewinn zu ziehen: Was sie umsonst empfangen hatten, sollten sie umsonst weitergeben.
Auch die Anweisungen für ihre Reise stellten sie in eine besondere Abhängigkeit von Gottes Versorgung. Jesus untersagte ihnen, sich für diesen Auftrag umfangreich abzusichern. Sie sollten nicht mit Vorräten und zusätzlichen Mitteln auftreten, als hinge der Erfolg ihrer Sendung von eigener Vorsorge oder gesellschaftlicher Stellung ab. Die Einzelheiten der Parallelberichte unterscheiden sich in ihrer Formulierung, doch ihr gemeinsamer Schwerpunkt ist deutlich: Die Apostel gingen im Auftrag Jesu und sollten sich darauf verlassen, dass Gott ihnen auf diesem Weg das Notwendige zukommen ließ.
Für Jakobus bedeutete diese Sendung einen entscheidenden Schritt. Bis dahin hatte er vor allem beobachtet, wie Jesus predigte, heilte und Menschen von der Macht des Bösen befreite. Nun wurde er selbst zum Verkündiger. Lukas fasst das Ergebnis knapp zusammen: Die Jünger zogen durch die Dörfer, verkündigten das Evangelium und heilten überall. Damit wird Jakobus nicht als eigenständiger Wundertäter hervorgehoben, sondern als Teil einer Gemeinschaft von Gesandten, deren Wirksamkeit vollständig von Christus abhing.
Jesus bereitete seine Apostel zugleich darauf vor, dass ihre Botschaft nicht überall angenommen werden würde. Wo Menschen sie aufnahmen, sollten sie bleiben; wo ihre Botschaft abgewiesen wurde, sollten sie weiterziehen und den Staub von ihren Füßen abschütteln. Verkündigung bedeutete also nicht, Zustimmung erzwingen zu können. Jakobus musste lernen, dass ein Gesandter Christi verantwortlich dafür ist, treu auszurichten, was ihm aufgetragen wurde, während die Reaktion der Hörenden nicht in seiner Gewalt liegt.
Matthäus überliefert im Zusammenhang mit der Aussendung zudem umfangreiche Worte Jesu über Widerstand, Verfolgung und die Kosten der Jüngerschaft. Ein Teil dieser Aussagen reicht über die unmittelbare erste Reise der Zwölf hinaus und beschreibt den weiteren Dienst seiner Zeugen. Für Jakobus erhalten diese Worte im Rückblick besonderes Gewicht. Schon am Beginn seines apostolischen Wirkens verband Jesus die Verkündigung des Reiches nicht mit einem Versprechen äußerer Sicherheit. Wer als sein Gesandter lebt, kann gerade wegen dieser Zugehörigkeit auf Ablehnung treffen.
Die erste Aussendung macht deshalb sichtbar, wie sich der Weg des Jakobus weiterentwickelt. Aus dem Fischer, der Jesus gefolgt war, ist ein Apostel geworden, der nun selbst im Namen seines Herrn hinausgeht. Doch alles, was er tun kann, bleibt empfangener Dienst: Auftrag, Botschaft und Vollmacht kommen von Christus. Diese Abhängigkeit wird für Jakobus besonders wichtig werden, denn seine weitere Geschichte zeigt, dass die Nähe zu außergewöhnlicher geistlicher Vollmacht einen Menschen nicht automatisch von falschen Vorstellungen über Größe und Stellung befreit.
Zurück: Jakobus erlebt die Auferweckung der Tochter des Jairus Weiter: Jakobus sieht die Herrlichkeit Jesu
Jakobus sieht die Herrlichkeit Jesu
Markus 9,2-8 – „2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes zu sich und führt sie beiseite allein auf einen hohen Berg. Und er ward vor ihnen verklärt, 3 und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß wie Schnee, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, die redeten mit Jesus. 5 Und Petrus hob an und sprach zu Jesus: Rabbi, es ist gut, da…"
Markus 9,2-8 – „2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes zu sich und führt sie beiseite allein auf einen hohen Berg. Und er ward vor ihnen verklärt, 3 und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß wie Schnee, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, die redeten mit Jesus. 5 Und Petrus hob an und sprach zu Jesus: Rabbi, es ist gut, da…"
Matthäus 17,1-8 – „1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus und Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie beiseite auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen verklärt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm. 4 Da hob Petrus an und sprach zu Jesus: Herr, es ist gut, daß wir h…"
Lukas 9,28-36 – „28 Es begab sich aber ungefähr acht Tage nach dieser Rede, daß er Petrus und Johannes und Jakobus zu sich nahm und auf den Berg stieg, um zu beten. 29 Und während er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders und sein Kleid strahlend weiß. 30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Mose und Elia; 31 die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusa…"
Nach einer Zeit gemeinsamen Dienstes nimmt Jesus erneut nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Dieses Mal führt er die drei Jünger auf einen hohen Berg, abseits von den anderen. Die Evangelien verbinden dieses Ereignis mit Worten Jesu über seine bevorstehende Verwerfung, seinen Tod und die Bedingungen wahrer Nachfolge. Gerade in diesem Zusammenhang erhält Jakobus einen außergewöhnlichen Einblick in die Herrlichkeit dessen, dem er folgt.
Während Jesus dort betet, verändert sich sein Aussehen. Sein Angesicht leuchtet, und seine Kleidung wird außergewöhnlich hell. Matthäus beschreibt sein Gesicht als leuchtend wie die Sonne; Markus betont die strahlende Weiße seiner Kleidung; Lukas berichtet, dass sich das Aussehen seines Angesichts veränderte und sein Gewand weiß und glänzend wurde. Die drei Berichte setzen unterschiedliche Akzente, stimmen aber in dem Entscheidenden überein: Jakobus sieht Jesus in einer Herrlichkeit, die weit über sein gewöhnliches irdisches Erscheinungsbild hinausweist.
Neben Jesus erscheinen Mose und Elia. Lukas nennt zusätzlich den Inhalt ihres Gesprächs: Sie sprechen mit Jesus über seinen „Ausgang“, den er in Jerusalem erfüllen sollte. Damit wird die Herrlichkeit auf dem Berg nicht vom kommenden Leiden getrennt. Mose und Elia sprechen nicht über einen Weg Jesu an Kreuz und Tod vorbei, sondern gerade über das, was sich in Jerusalem erfüllen sollte. Für Jakobus steht damit die Herrlichkeit Christi unmittelbar neben dem Erlösungsweg, dessen Bedeutung die Jünger noch nicht vollständig verstanden.
Petrus reagiert und schlägt vor, drei Hütten zu errichten, eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elia. Markus erklärt, dass Petrus nicht wusste, was er sagen sollte, weil die Jünger voller Furcht waren. Jakobus wird dabei keine eigene Äußerung zugeschrieben. Die Bibel lässt ihn hier vor allem als Zeugen erscheinen. Er erlebt ein Ereignis, dessen entscheidende Erklärung nicht von den Jüngern, sondern von Gott selbst kommt.
Eine Wolke überschattet sie, und aus der Wolke ertönt die Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!“ Damit wird jede mögliche Gleichordnung Jesu mit Mose und Elia zurückgewiesen. Beide Männer haben innerhalb der Geschichte Gottes mit seinem Volk eine herausragende Bedeutung, doch die göttliche Stimme richtet die Aufmerksamkeit der Jünger auf den Sohn. Als sie anschließend um sich sehen, ist niemand mehr bei ihnen außer Jesus allein.
Für Jakobus ist dies eine weitere Steigerung dessen, was er seit seiner Berufung erlebt hat. Er hatte Jesu Lehre gehört, seine Wunder gesehen, selbst in seinem Auftrag gedient und erlebt, wie Christus dem Tod gegenübertrat. Nun wird ihm in besonderer Weise gezeigt, dass Jesus nicht lediglich ein großer Lehrer oder Prophet ist. Die Stimme aus der Wolke bezeichnet ihn als den geliebten Sohn und fordert die Jünger ausdrücklich auf, auf ihn zu hören.
Gerade dieser letzte Satz ist für den weiteren Weg des Jakobus entscheidend. Die besondere Erfahrung auf dem Berg machte ihn nicht automatisch zu einem Menschen, der bereits jede Aussage Jesu verstand oder seine eigenen Vorstellungen vollständig aufgegeben hatte. Offenbarung bringt auch Verantwortung mit sich. Wer gehört hat, dass auf den Sohn zu hören ist, muss sich von diesem Sohn auch dort korrigieren lassen, wo dessen Weg den eigenen Erwartungen widerspricht.
Als sie vom Berg hinabgehen, gebietet Jesus den drei Jüngern, niemandem von dem Gesehenen zu erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Markus berichtet, dass sie dieses Wort festhielten und miteinander darüber sprachen, was die Auferstehung von den Toten bedeute. Jakobus kehrt damit nicht mit einer fertigen Erklärung aller Dinge zu den anderen zurück. Er hat Herrlichkeit gesehen, doch sein Verständnis muss weiter wachsen. Gerade die kommenden Ereignisse werden zeigen, wie nötig es für ihn ist, nicht nur die Größe Jesu zu bestaunen, sondern wirklich auf ihn zu hören.
Zurück: Jakobus wird mit den Zwölf ausgesandt Weiter: Jakobus will Feuer vom Himmel rufen
Jakobus will Feuer vom Himmel rufen
Lukas 9,51-56 – „51 Es begab sich aber, als sich die Tage seines Heimgangs erfüllten und er sein Angesicht nach Jerusalem richtete, um dorthin zu reisen, 52 sandte er Boten vor sich her. Diese kamen auf ihrer Reise in ein Samariterdorf und wollten ihm die Herberge bereiten. 53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil Jerusalem sein Reiseziel war. 54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Her…"
Lukas 9,51-56 – „51 Es begab sich aber, als sich die Tage seines Heimgangs erfüllten und er sein Angesicht nach Jerusalem richtete, um dorthin zu reisen, 52 sandte er Boten vor sich her. Diese kamen auf ihrer Reise in ein Samariterdorf und wollten ihm die Herberge bereiten. 53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil Jerusalem sein Reiseziel war. 54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Her…"
Lukas 9,28-36 – „28 Es begab sich aber ungefähr acht Tage nach dieser Rede, daß er Petrus und Johannes und Jakobus zu sich nahm und auf den Berg stieg, um zu beten. 29 Und während er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders und sein Kleid strahlend weiß. 30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Mose und Elia; 31 die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusa…"
Nachdem Jakobus auf dem Berg die Herrlichkeit Jesu gesehen und die göttliche Aufforderung gehört hatte, auf den Sohn zu hören, führt Lukas unmittelbar in eine neue Phase des Weges. Jesus richtet sein Angesicht entschlossen darauf, nach Jerusalem zu gehen. Sein Weg bewegt sich damit immer deutlicher auf das Leiden zu, das ihn dort erwartet. Gerade in diesem Zusammenhang wird sichtbar, dass Jakobus zwar nahe bei Jesus lebt, sein Verständnis vom Wesen des Reiches Gottes aber noch der Korrektur bedarf.
Jesus sendet Boten voraus in ein samaritanisches Dorf, damit dort Vorbereitungen für ihn getroffen werden. Die Bewohner nehmen ihn jedoch nicht auf, weil seine Reise nach Jerusalem führt. Hinter dieser Ablehnung steht die tief verwurzelte Spannung zwischen Juden und Samaritern, doch Lukas richtet die Aufmerksamkeit weniger auf die Ursache des Konflikts als auf die Reaktion zweier Jünger. Jakobus und Johannes sehen die Zurückweisung ihres Herrn und wollen darauf mit Gericht antworten.
Die Brüder fragen Jesus, ob sie befehlen sollen, dass Feuer vom Himmel herabfalle und die Menschen vernichte. Ihre Worte erinnern offensichtlich an Elia, durch dessen Dienst in einer früheren biblischen Situation Feuer vom Himmel gekommen war. Doch eine Ähnlichkeit zwischen zwei Ereignissen bedeutet nicht, dass dieselbe Handlung in beiden Situationen dem Willen Gottes entspricht. Jakobus und Johannes besitzen keine Freiheit, ein früheres Gerichtshandeln Gottes nach eigenem Ermessen auf Menschen zu übertragen, die Jesus nicht aufnehmen wollen.
Gerade darin liegt die Schärfe des Augenblicks. Jakobus hatte erst kurze Zeit zuvor auf dem Berg Mose und Elia neben Jesus gesehen. Die Stimme aus der Wolke hatte jedoch nicht gesagt, dass die Jünger sich an Elia orientieren sollten, sondern dass sie auf den geliebten Sohn hören sollten. Nun zeigt sich praktisch, wie notwendig diese Aufforderung war. Die Frage lautet nicht, ob sich für ihr vorgeschlagenes Handeln irgendein alttestamentliches Vorbild finden lässt, sondern ob sie das Wesen und den gegenwärtigen Auftrag Christi verstanden haben.
Jesus wendet sich um und weist die beiden Brüder zurecht. Manche Handschriften überliefern an dieser Stelle zusätzlich Worte darüber, dass der Menschensohn nicht gekommen sei, Menschenleben zu verderben, sondern zu retten; dieser längere Wortlaut gehört jedoch textlich nicht in allen Überlieferungen gleichermaßen zum sicheren Bestand. Unabhängig davon ist die Handlung Jesu eindeutig: Er bestätigt den Wunsch nach Vergeltung nicht. Statt Gericht über das Dorf zu bringen, ziehen sie weiter in einen anderen Ort.
Damit offenbart Jesus einen entscheidenden Unterschied zwischen menschlichem Eifer für seine Ehre und wirklicher Übereinstimmung mit seinem Willen. Jakobus reagiert offenbar entschieden auf die Ablehnung seines Herrn, doch Entschiedenheit allein macht eine Reaktion noch nicht richtig. Ein Mensch kann meinen, für Gottes Sache einzutreten, und dennoch ein Handeln wünschen, das Christus zurückweist. Die Nähe zu Jesus muss deshalb nicht nur den Einsatz eines Jüngers bestimmen, sondern auch die Art, wie er mit Ablehnung und Widerstand umgeht.
Die Szene hilft zugleich, den Beinamen „Söhne des Donners“ vorsichtig einzuordnen. Markus erklärt nicht ausdrücklich, warum Jesus Jakobus und Johannes diesen Namen gab, doch ihre Reaktion in Samarien passt zu einer entschlossenen und scharfen Haltung. Trotzdem sollte Jakobus nicht auf einen einzigen Charakterzug reduziert werden. Entscheidender ist, was Jesus mit dieser Haltung tut: Er lässt seinen Jünger nicht unberichtigt, sondern widerspricht ihm.
Für Jakobus wird damit ein wesentlicher Teil der Nachfolge sichtbar. Er hatte Vollmacht zum Dienst erhalten, Wunder erlebt und die Herrlichkeit Christi gesehen. Nun muss er lernen, dass geistliche Vollmacht niemals zur Rechtfertigung persönlicher Vergeltung werden darf. Christus führt seinen Weg nach Jerusalem nicht, um jedes Dorf zu vernichten, das ihn zurückweist. Er geht einem Weg entgegen, auf dem seine Jünger lernen müssen, dass wahre Größe im Reich Gottes nicht durch zerstörerische Macht, sondern durch die Gesinnung ihres Herrn bestimmt wird.
Zurück: Jakobus sieht die Herrlichkeit Jesu Weiter: Jakobus sucht einen Platz neben Jesus
Jakobus sucht einen Platz neben Jesus
Markus 10,35-45 – „35 Da begaben sich Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, daß du uns gewährest, um was wir dich bitten! 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, daß ich euch tun soll? 37 Sie sprachen zu ihm: Verleihe uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht,…"
Markus 10,35-45 – „35 Da begaben sich Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sprachen: Meister, wir wünschen, daß du uns gewährest, um was wir dich bitten! 36 Er aber sprach zu ihnen: Was wünscht ihr, daß ich euch tun soll? 37 Sie sprachen zu ihm: Verleihe uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht,…"
Matthäus 20,20-28 – „20 Da trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm, fiel ihm zu Füßen, um etwas von ihm zu erbitten. 21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Sprich, daß diese meine beiden Söhne einer zur Rechten, der andere zu deiner Linken sitzen sollen in deinem Reiche. 22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den…"
Auf dem Weg nach Jerusalem spricht Jesus immer deutlicher über das Leiden, das vor ihm liegt. Er kündigt den Zwölf an, dass der Menschensohn den führenden Priestern und Schriftgelehrten übergeben, verurteilt, den Heiden ausgeliefert, verspottet, misshandelt und getötet werden wird und danach aufersteht. Gerade vor diesem Hintergrund erhält die folgende Bitte von Jakobus und Johannes besonderes Gewicht. Während Jesus von Erniedrigung und Tod spricht, beschäftigen sich die Brüder mit ihrer zukünftigen Stellung in seinem Reich.
Markus berichtet, dass Jakobus und Johannes selbst zu Jesus kommen und ihn bitten, ihnen zu gewähren, in seiner Herrlichkeit einer zu seiner Rechten und der andere zu seiner Linken zu sitzen. Matthäus ergänzt, dass ihre Mutter mit dieser Bitte zu Jesus trat. Die beiden Berichte müssen nicht gegeneinander gestellt werden: Matthäus zeigt die Beteiligung der Mutter, während Markus die Verantwortung der Brüder hervorhebt. Dass Jakobus und Johannes selbst hinter der Bitte stehen, wird auch bei Matthäus deutlich, denn Jesus richtet seine Antwort unmittelbar an sie.
Ihre Bitte zeigt, dass sie an die kommende Herrschaft Jesu glauben, zugleich aber noch falsche Vorstellungen davon besitzen, wie Größe in diesem Reich aussieht. Die Plätze zur Rechten und Linken eines Herrschers waren Ausdruck besonderer Nähe und Ehre. Jakobus, der bereits zum engeren Kreis um Jesus gehörte und außergewöhnliche Ereignisse miterlebt hatte, sucht nun offenbar eine entsprechend herausgehobene Stellung in der kommenden Herrlichkeit. Die Bibel beschreibt damit nicht fehlenden Glauben an Jesu Reich, sondern ein Verständnis dieses Reiches, das noch stark von Rang und Vorrang geprägt ist.
Jesus antwortet den Brüdern: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.“ Dann fragt er, ob sie den Kelch trinken können, den er trinken wird. Markus spricht zusätzlich von der Taufe, mit der Jesus getauft wird. Im Zusammenhang mit seiner unmittelbar zuvor angekündigten Passion stehen diese Bilder für Leiden und Erniedrigung. Jakobus und Johannes antworten selbstbewusst, dass sie dazu fähig seien. Wie tief sie zu diesem Zeitpunkt wirklich verstehen, was Jesus damit meint, lässt der weitere Verlauf jedoch fraglich erscheinen.
Jesus bestätigt, dass sie tatsächlich Anteil an seinem Kelch haben werden. Damit verheißt er ihnen keinen ehrenvollen Weg im weltlichen Sinn, sondern kündigt an, dass auch ihre Nachfolge Leiden einschließen wird. Bei Jakobus erhält dieses Wort später eine besonders konkrete Bedeutung. Dennoch gibt Jesus ihnen die verlangten Ehrenplätze nicht. Das Sitzen zu seiner Rechten und Linken liegt nicht in der Weise zur freien Vergabe, wie die Brüder es sich vorstellen; diese Plätze sind für diejenigen bestimmt, denen sie von Gott bereitet sind.
Als die übrigen zehn Jünger von der Bitte hören, werden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Damit zeigt sich, dass die Frage nach Stellung und Größe nicht ausschließlich ein Problem der beiden Brüder war. Jesus ruft deshalb alle Zwölf zusammen und stellt ihrem Denken das Wesen seiner Herrschaft gegenüber. Unter den Völkern üben Herrscher Macht über andere aus und Große lassen ihre Autorität spüren. „Aber so soll es unter euch nicht sein.“ Größe unter den Jüngern Jesu wird nach einem völlig anderen Maßstab bestimmt.
Wer unter ihnen groß sein will, soll Diener sein; wer der Erste sein will, soll Knecht aller werden. Jesus begründet diesen Maßstab nicht lediglich mit einer moralischen Forderung, sondern mit seinem eigenen Weg. Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Damit führt Christus Jakobus direkt zum Zentrum wahrer Nachfolge: Der König, dessen Herrlichkeit er sucht, offenbart seine Größe gerade darin, dass er sich für andere hingibt.
Für Jakobus bedeutet diese Antwort eine tiefgehende Korrektur seines bisherigen Verständnisses. Er hatte die Herrlichkeit Christi gesehen und wollte einen besonderen Platz darin einnehmen. Jesus richtet seinen Blick dagegen auf den Kelch, auf Dienst und auf die Hingabe des eigenen Lebens. Die Frage eines Jüngers darf deshalb nicht zuerst lauten, welchen Rang er bei Christus erhält, sondern ob er bereit ist, dem dienenden Herrn auf dessen Weg zu folgen. Für Jakobus sollte die Zusage, dass er tatsächlich aus diesem Kelch trinken werde, später eine ernste und persönliche Erfüllung finden.
Zurück: Jakobus will Feuer vom Himmel rufen Weiter: Jakobus fragt Jesus nach den kommenden Ereignissen
Jakobus fragt Jesus nach den kommenden Ereignissen
Markus 13,3-4 – „3 Und als er am Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders: 4 Sage uns, wann wird das geschehen, und welches wird das Zeichen sein, wann dies alles vollendet werden soll?"
Markus 13,3-4 – „3 Und als er am Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders: 4 Sage uns, wann wird das geschehen, und welches wird das Zeichen sein, wann dies alles vollendet werden soll?"
Markus 13,5-13 – „5 Jesus aber fing an, zu ihnen zu sagen: Sehet zu, daß euch niemand irreführe! 6 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es, und werden viele irreführen! 7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgeschrei hören werdet, so erschrecket nicht; denn es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 8 Denn ein Volk wird sich erheben wider das andere und ein Reich wider das andere; …"
Markus 13,32-37 – „32 Von jenem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater. 33 Sehet zu, wachet und betet! Denn ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist. 34 Es ist wie bei einem Menschen, der verreiste, sein Haus verließ und seinen Knechten Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter befahl, daß er wachen solle: 35 so wachet nun, denn i…"
Als Jesus sich Jerusalem nähert, rückt die bevorstehende Entscheidung immer stärker in den Mittelpunkt. Nach seinem Auftreten im Tempel verlässt er das Heiligtum, und einer seiner Jünger weist ihn auf die beeindruckenden Gebäude und Steine hin. Jesus antwortet mit einer erschütternden Ankündigung: Von diesen Bauten werde kein Stein auf dem anderen bleiben. Damit eröffnet sich für die Jünger eine Frage, die weit über die sichtbare Größe des Tempels hinausführt.
Als Jesus später auf dem Ölberg gegenüber dem Tempel sitzt, treten Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas allein zu ihm. Jakobus gehört damit erneut zu einem kleineren Kreis, der Jesus persönlich nach der Bedeutung seiner Worte fragt. Die vier möchten wissen, wann diese Dinge geschehen werden und welches Zeichen ihrer Erfüllung vorausgehen wird. Markus hält dabei ausdrücklich fest, dass sie Jesus „besonders“ fragten. Jakobus erhält somit unmittelbar Anteil an einer ausführlichen Unterweisung über kommende Prüfungen, Verführung, Verfolgung und das Handeln Gottes bis zur Vollendung.
Jesus beginnt seine Antwort bemerkenswerterweise nicht mit einem Datum. Seine erste Warnung lautet, dass sie sich nicht verführen lassen sollen. Viele würden in seinem Namen auftreten und Menschen irreführen; außerdem würden Kriege und Kriegsgerüchte kommen. Solche Ereignisse sollten die Jünger nicht vorschnell als unmittelbaren Beweis dafür ansehen, dass das Ende bereits gekommen sei. Für Jakobus bedeutet dies: Prophetische Erwartung soll nicht von Sensationslust bestimmt sein, sondern von Wachsamkeit und Treue gegenüber dem Wort Christi.
Dann richtet Jesus den Blick unmittelbar auf das, was seine Jünger selbst erleben werden. Sie würden Gerichten ausgeliefert, geschlagen und vor Statthaltern und Königen gestellt werden. Gleichzeitig müsse das Evangelium allen Völkern verkündigt werden. Wenn sie vor Gericht geführt würden, sollten sie sich nicht von Angst beherrschen lassen, denn der Heilige Geist werde ihnen geben, was sie in jener Stunde sagen sollten. Der Weg der Apostel wird damit nicht als Aufstieg zu äußerer Macht beschrieben, sondern als Zeugendienst unter Widerstand.
Für Jakobus müssen diese Worte besonders ernst gewesen sein. Noch kurz zuvor hatte er nach einem Ehrenplatz neben Jesus gefragt. Nun spricht Christus von Verfolgung, Ablehnung und standhaftem Zeugnis. Die Wirklichkeit des apostolischen Dienstes wird dadurch weiter von menschlichen Vorstellungen über Größe gelöst. Wer Christus nachfolgt, erhält nicht die Zusicherung, von Leid verschont zu bleiben; er erhält die Zusicherung, in seinem Auftrag nicht verlassen zu sein.
Jesus verbindet die nahe Zukunft Jerusalems mit weiterreichenden Aussagen über die Vollendung und sein eigenes Wiederkommen. Die Jünger sollen lernen, auf die Zeichen zu achten, ohne einen Zeitpunkt festlegen zu wollen, den Gott nicht offenbart hat. Jesus erklärt ausdrücklich, dass niemand Tag und Stunde kennt. Deshalb endet seine Unterweisung nicht mit einer Berechnung, sondern mit dem wiederholten Ruf zur Wachsamkeit.
Gerade darin liegt eine wichtige geistliche Linie für Jakobus. Er gehört zu denen, die besondere Einblicke erhalten, doch dieses Wissen dient nicht dazu, sich anderen überlegen zu fühlen. Erkenntnis über kommende Ereignisse soll Treue hervorbringen. Der Jünger soll seinen Auftrag erfüllen, auch wenn er nicht weiß, wie lange die Zeit dauert und welche Prüfungen ihm persönlich noch bevorstehen.
Jakobus verlässt den Ölberg daher nicht mit einem vollständigen Zeitplan, sondern mit einer ernsten Aufforderung seines Herrn. Verführung muss erkannt, Leiden ausgehalten, das Evangelium verkündigt und die Wiederkunft Christi wach erwartet werden. Schon bald wird sich zeigen, dass Jesu Worte über Leiden und Treue für Jakobus keine entfernte Zukunftslehre bleiben. Noch bevor er selbst als Zeuge Christi leiden wird, erlebt er in der unmittelbar bevorstehenden Nacht, welchen Weg sein Herr zum Heil der Menschen geht.
Zurück: Jakobus sucht einen Platz neben Jesus Weiter: Jakobus schläft in Gethsemane
Jakobus schläft in Gethsemane
Markus 14,32-42 – „32 Und sie kommen in ein Gut, genannt Gethsemane. Und er spricht zu seinen Jüngern: Bleibet hier sitzen, bis ich gebetet habe! 33 Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. 34 Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zutode betrübt; bleibet hier und wachet! 35 Und er ging ein wenig vorwärts, warf sich auf die Erde und betete, daß, wenn…"
Markus 14,32-42 – „32 Und sie kommen in ein Gut, genannt Gethsemane. Und er spricht zu seinen Jüngern: Bleibet hier sitzen, bis ich gebetet habe! 33 Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. 34 Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zutode betrübt; bleibet hier und wachet! 35 Und er ging ein wenig vorwärts, warf sich auf die Erde und betete, daß, wenn…"
Matthäus 26,36-46 – „36 Da kommt Jesus mit ihnen in ein Gut, namens Gethsemane. Und er spricht zu den Jüngern: Setzet euch hier, während ich dorthin gehe und bete. 37 Und er nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an, betrübt zu werden, und ihm graute sehr. 38 Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tiefbetrübt bis zum Tod! Bleibet hier und wachet mit mir! 39 Und er ging ein wenig vorwärts, warf …"
Nach dem letzten Mahl geht Jesus mit seinen Jüngern nach Gethsemane. Was Jakobus dort erlebt, steht in scharfem Gegensatz zu der Herrlichkeit, die er auf dem Berg gesehen hatte. Wieder nimmt Jesus Petrus, Jakobus und Johannes besonders zu sich. Doch diesmal führt die besondere Nähe nicht zu einer sichtbaren Offenbarung himmlischer Herrlichkeit, sondern mitten in die tiefe Bedrängnis des Herrn unmittelbar vor seiner Gefangennahme.
Markus berichtet, dass Jesus begann, zu erschrecken und sehr betrübt zu werden. Er sagt den drei Jüngern, seine Seele sei tief betrübt bis zum Tod, und fordert sie auf, dort zu bleiben und zu wachen. Dann geht er ein Stück weiter, fällt zur Erde und betet. Jakobus hört damit aus unmittelbarer Nähe, wie ernst Jesus der bevorstehenden Stunde entgegensieht. Der Weg, über den Christus zuvor gesprochen hatte, ist nun nicht mehr eine zukünftige Ankündigung. Er steht unmittelbar vor ihm.
Jesu Gebet macht zugleich sichtbar, dass er dem Leiden nicht mit menschlicher Gefühllosigkeit begegnet. Er bittet den Vater, wenn es möglich sei, die Stunde beziehungsweise den Kelch an ihm vorübergehen zu lassen, unterwirft seinen Wunsch jedoch vollständig dem Willen Gottes: Nicht was er selbst will, sondern was der Vater will, soll geschehen. Gerade der Kelch, von dem Jesus hier spricht, erinnert an das frühere Gespräch mit Jakobus und Johannes. Damals hatten die Brüder erklärt, sie könnten den Kelch Jesu trinken. Nun erlebt Jakobus etwas davon, welches Gewicht dieser Kelch tatsächlich besitzt.
Während Jesus betet, versagen die drei Jünger in dem einfachen Auftrag, wach zu bleiben. Als er zurückkommt, findet er sie schlafend. Markus richtet Jesu Worte zunächst an Petrus, doch die Aufforderung gilt der ganzen Gruppe: Sie sollen wachen und beten, damit sie nicht in Versuchung geraten. Jesus fügt hinzu, der Geist sei willig, aber das Fleisch schwach. Jakobus, der wenige Zeit zuvor noch bereit gewesen war, Leiden an der Seite Jesu auf sich zu nehmen, kann in dieser entscheidenden Stunde nicht einmal wach bleiben.
Die Evangelien beschreiben dieses Versagen ohne unnötige psychologische Ausschmückung. Lukas erwähnt im weiteren Zusammenhang, dass die Jünger vor Traurigkeit eingeschlafen waren; Markus erklärt bei der wiederholten Rückkehr Jesu, dass ihre Augen schwer geworden waren. Die Schrift verspottet ihre Schwäche nicht, verharmlost sie aber ebenso wenig. Jesus hatte sie ausdrücklich zum Wachen und Beten aufgefordert. Die Jünger brauchten geistliche Wachsamkeit gerade deshalb, weil eine Prüfung unmittelbar bevorstand.
Jesus geht erneut zum Gebet und findet sie auch danach wieder schlafend. Damit wird ein deutlicher Unterschied zwischen dem Herrn und seinen engsten Jüngern sichtbar. Während Christus im Gebet den Willen des Vaters annimmt und sich auf das Kommende vorbereitet, werden diejenigen, die ihm besonders nahe stehen, von ihrer Schwachheit überwältigt. Jakobus kann seinen Herrn in dieser Stunde nicht tragen. Seine Hoffnung liegt nicht darin, dass seine eigene Treue der Treue Christi entspricht, sondern darin, dass Christus seinen Weg dennoch vollständig geht.
Diese Szene korrigiert auch jede Vorstellung, die besondere Stellung des Jakobus innerhalb des Jüngerkreises könne mit eigener geistlicher Stärke begründet werden. Er hatte Wunder gesehen, Vollmacht empfangen und außergewöhnliche Offenbarungen erlebt. Doch all diese Erfahrungen machten ihn nicht unabhängig von Gebet und Wachsamkeit. Nähe zu Christus ist kein Ersatz für die fortwährende Abhängigkeit von Christus.
Schließlich erklärt Jesus, dass die Stunde gekommen ist und der Menschensohn in die Hände der Sünder überliefert wird. Der Verräter nähert sich, und aus der stillen Gebetsnacht wird die Stunde der Gefangennahme. Jakobus hat den Herrn auf dem Berg in Herrlichkeit gesehen und ihn nun in Gethsemane in tiefster Bedrängnis erlebt. Doch noch ist seine eigene Nachfolge nicht bis zur Standhaftigkeit gereift. Was nun mit Jesus geschieht, wird auch offenbaren, wie wenig die Jünger aus eigener Kraft zu dem fähig sind, was sie zuvor versprochen hatten.
Zurück: Jakobus fragt Jesus nach den kommenden Ereignissen Weiter: Jakobus begegnet dem auferstandenen Jesus
Jakobus begegnet dem auferstandenen Jesus
Johannes 21,1-14 – „1 Darnach offenbarte sich Jesus den Jüngern wiederum am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern. 3 Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe fischen! Sie sprechen zu ihm: So kommen wir auch mit dir. Da gingen sie hinaus und st…"
Johannes 21,1-14 – „1 Darnach offenbarte sich Jesus den Jüngern wiederum am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern. 3 Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe fischen! Sie sprechen zu ihm: So kommen wir auch mit dir. Da gingen sie hinaus und st…"
Markus 14,46-50 – „46 Sie aber legten Hand an ihn und griffen ihn. 47 Einer aber von denen, die dabei standen, zog das Schwert, schlug den Knecht des obersten Priesters und hieb ihm ein Ohr ab. 48 Und Jesus hob an und sprach zu ihnen: Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, um mich zu fangen. 49 Täglich war ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht gegriffen. Doch, da…"
Matthäus 28,16-20 – „16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heilig…"
Mit der Gefangennahme Jesu kommt für die Jünger jene Prüfung, vor der Christus sie gewarnt hatte. Als die bewaffnete Schar Jesus ergreift, verlassen ihn nach Markus alle Jünger und fliehen. Jakobus wird in diesem Satz nicht einzeln genannt, doch als einer der anwesenden Jünger gehört er nach dem Zusammenhang zu dieser Gruppe. Der Mann, der zuvor erklärt hatte, den Kelch Jesu trinken zu können, steht seinem Herrn in dieser Stunde nicht standhaft zur Seite. Die Selbstsicherheit der früheren Worte trägt nicht durch die Krise.
Was Jakobus während des Verhörs und der Kreuzigung Jesu persönlich erlebt, berichtet die Bibel nicht. Sie nennt ihn nicht ausdrücklich unter den Menschen, die am Kreuz stehen, und deshalb darf seine Anwesenheit dort nicht vorausgesetzt werden. Ebenso fehlen persönliche Worte des Jakobus aus diesen Stunden. Seine Lebensgeschichte besitzt an dieser Stelle eine bewusste Lücke. Der nächste sichere Bericht führt ihn nicht zum Grab des gestorbenen Jesus, sondern in die Zeit nach dessen Auferstehung.
Johannes nennt bei einer Erscheinung des auferstandenen Christus am See von Tiberias ausdrücklich „die Söhne des Zebedäus“. Damit sind Jakobus und Johannes eindeutig wieder im Kreis der Jünger zu finden. Zusammen mit Simon Petrus, Thomas, Nathanael und zwei weiteren Jüngern gehen sie fischen. In jener Nacht fangen sie nichts. Am Morgen steht Jesus am Ufer, doch zunächst erkennen die Jünger ihn nicht.
Auf seine Anweisung werfen sie das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus. Nun ist die Menge der Fische so groß, dass sie das Netz kaum ziehen können. Johannes erkennt daraufhin, dass der Mann am Ufer der Herr ist. Für Jakobus muss dieses Geschehen an den Beginn seines Weges mit Jesus erinnert haben, denn auch damals war ein außergewöhnlicher Fischfang mit seiner Berufung zur Nachfolge verbunden gewesen. Johannes sagt jedoch nicht ausdrücklich, welche Gedanken Jakobus dabei hatte; die Parallele liegt im Ablauf der beiden Ereignisse, nicht in einer überlieferten inneren Reaktion.
Als die Jünger an Land kommen, finden sie ein Kohlenfeuer, Fisch und Brot vor. Jesus lädt sie ein zu essen. Johannes betont, dass die Jünger nun wussten, dass es der Herr war. Der Auferstandene begegnet ihnen nicht nur als Erinnerung an den gekreuzigten Meister. Er steht lebendig vor ihnen, spricht mit ihnen und versorgt sie. Für Jakobus wird damit die Wirklichkeit der Auferstehung Teil seiner eigenen Erfahrung als Augenzeuge.
Diese Begegnung verändert zugleich den Horizont seiner Nachfolge. Der Tod Jesu hatte nicht das Scheitern seines messianischen Auftrags bedeutet. Gerade durch Kreuz und Auferstehung bestätigt sich, dass Gottes Erlösungsplan anders verläuft, als menschliche Vorstellungen von Macht und Herrlichkeit erwarten lassen. Jakobus hatte einen Ehrenplatz im Reich gesucht; nun steht er vor dem auferstandenen Herrn, dessen Sieg durch Hingabe, Tod und Auferstehung offenbar geworden ist.
Matthäus berichtet später, dass die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg gingen, wohin Jesus sie bestellt hatte. Jakobus wird dort nicht einzeln genannt, gehört aber als einer der verbliebenen Zwölf sicher zu diesem apostolischen Kreis. Jesus erklärt ihnen, dass ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, und sendet sie aus, Menschen aus allen Völkern zu Jüngern zu machen. Der Auftrag, der früher zunächst auf Israel begrenzt gewesen war, erhält damit eine weltweite Weite.
Für Jakobus bedeutet die Auferstehung daher nicht einfach die Rückkehr zu dem Leben, das vor Gethsemane bestanden hatte. Christus lebt, und deshalb geht auch die Berufung seiner Jünger weiter. Ihr Versagen in der Nacht seiner Gefangennahme hat den Auftrag Gottes nicht aufgehoben. Der auferstandene Herr sammelt sie erneut, offenbart ihnen seine Vollmacht und richtet ihren Blick auf einen Dienst, der nun weit über Galiläa hinausreichen wird.
Zurück: Jakobus schläft in Gethsemane Weiter: Jakobus wartet mit den Aposteln auf Gottes Verheißung
Jakobus wartet mit den Aposteln auf Gottes Verheißung
Apostelgeschichte 1,6-14 – „6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? 7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; 8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Ju…"
Apostelgeschichte 1,6-14 – „6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? 7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; 8 sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Ju…"
Apostelgeschichte 2,1-4 – „1 Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen. 2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Winde, und erfüllte das ganze Haus, worin sie saßen. 3 Und es erschienen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeglichen unter ihnen. 4 Und sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt und f…"
Apostelgeschichte 2,42-43 – „42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber eine Furcht über alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel."
Nach der Auferstehung Jesu führt die Lebensgeschichte des Jakobus aus den Evangelien unmittelbar in die Apostelgeschichte. Jesus erscheint seinen Jüngern über einen Zeitraum von vierzig Tagen und spricht mit ihnen über das Reich Gottes. Noch immer beschäftigen sie Fragen über die Wiederherstellung des Reiches für Israel. Jesus beantwortet ihre Erwartung jedoch nicht mit einem politischen Zeitplan, sondern richtet ihren Blick auf den Auftrag, der vor ihnen liegt.
Als die Jünger fragen, ob Jesus nun das Reich für Israel wiederherstellen werde, erklärt er, dass Zeiten und Zeitpunkte in der Vollmacht des Vaters liegen. Für sie ist etwas anderes entscheidend: Sie sollen Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf sie kommt, und seine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Für Jakobus bedeutet das eine erneute Korrektur früherer Vorstellungen von Herrschaft und Größe. Das Reich Christi breitet sich nicht durch persönliche Ehrenplätze oder politische Macht aus, sondern durch das Zeugnis von Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes.
Unmittelbar danach wird Jesus vor den Augen seiner Jünger aufgenommen, und eine Wolke entzieht ihn ihren Blicken. Während sie zum Himmel sehen, kündigen zwei Männer in weißen Kleidern an, dass dieser Jesus ebenso wiederkommen werde, wie sie ihn zum Himmel haben fahren sehen. Damit erhält auch die Erwartung der Jünger eine neue Richtung. Christus ist nicht mehr sichtbar unter ihnen, doch sein Auftrag bleibt bestehen, und seine Wiederkunft wird als zukünftige Gewissheit vor sie gestellt.
Nach der Rückkehr nach Jerusalem nennt Lukas die Apostel ausdrücklich, die sich im Obergemach versammeln. Jakobus, der Sohn des Zebedäus, steht dabei zusammen mit Petrus, Johannes, Andreas und den übrigen Aposteln in der Liste. Sie bleiben einmütig im Gebet, gemeinsam mit einigen Frauen, Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. Jakobus begegnet uns hier weder als derjenige, der einen besonderen Rang fordert, noch als derjenige, der eine eigenständige Stellung sucht. Er gehört zu einer betenden Gemeinschaft, die auf das wartet, was Christus verheißen hat.
Diese Wartezeit ist für das Verständnis seines weiteren Dienstes wichtig. Jesus hatte den Aposteln nicht befohlen, unmittelbar aus eigener Kraft loszuziehen. Sie sollten in Jerusalem bleiben, bis sie mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet würden. Damit wird erneut deutlich, dass apostolischer Dienst nicht aus persönlicher Entschlossenheit hervorgeht. Jakobus hatte früher erlebt, wie gefährlich Eifer werden kann, wenn er nicht vom Willen Christi bestimmt wird. Nun soll der kommende Zeugendienst ausdrücklich aus der Kraft des Heiligen Geistes geschehen.
Am Pfingsttag sind die Gläubigen beisammen, als der Heilige Geist in besonderer Weise auf sie kommt. Lukas nennt Jakobus in diesem einzelnen Abschnitt nicht erneut beim Namen, doch er hatte unmittelbar zuvor die Apostel einschließlich Jakobus als Teil der versammelten Gemeinschaft aufgeführt. Deshalb gehört Jakobus zum sicheren Zusammenhang der frühen Gemeinde, die diese Erfüllung der Verheißung Jesu erlebt. Die Apostel beginnen, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen auszusprechen gibt, und das öffentliche Zeugnis von Christus gewinnt eine neue Kraft.
Die folgende Beschreibung der ersten Gemeinde zeigt, welche Ordnung dieses neue Leben prägt. Die Gläubigen bleiben beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Durch die Apostel geschehen Zeichen und Wunder. Jakobus wird dabei nicht einzeln hervorgehoben, aber als einer der von Jesus eingesetzten Apostel gehört er zu dieser von Christus beauftragten und durch den Geist getragenen Leitung der jungen Gemeinde.
Damit ist Jakobus in einer völlig neuen Lebensphase angekommen. Aus dem Fischer am See ist ein Zeuge des auferstandenen und erhöhten Christus geworden. Er hatte Herrlichkeit gesehen, falschen Eifer gezeigt, nach Größe gestrebt, in Gethsemane versagt und den auferstandenen Herrn erlebt. Nun steht er nicht mehr unter der sichtbaren Begleitung Jesu wie zuvor, sondern dient innerhalb der Gemeinde in der Kraft des verheißenen Geistes. Der Weg, auf dem Christus ihn vorbereitet hat, führt jetzt in einen apostolischen Dienst, dessen Ernst sich für Jakobus bald auf besonders endgültige Weise zeigen wird.
Zurück: Jakobus begegnet dem auferstandenen Jesus Weiter: Herodes lässt Jakobus mit dem Schwert töten
Herodes lässt Jakobus mit dem Schwert töten
Apostelgeschichte 12,1-2 – „1 Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an, um etliche von der Gemeinde zu mißhandeln. 2 Und er tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert."
Apostelgeschichte 12,1-2 – „1 Um jene Zeit aber legte der König Herodes Hand an, um etliche von der Gemeinde zu mißhandeln. 2 Und er tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert."
Markus 10,38-39 – „38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Wir können es! Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet [zwar] den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde;"
Die Apostelgeschichte berichtet nach Pfingsten ausführlich von der Ausbreitung des Evangeliums, von Widerstand gegen die Gemeinde und vom Dienst einzelner Apostel. Über die persönlichen Tätigkeiten des Jakobus in diesen Jahren erfahren wir jedoch nur wenig. Er bleibt Teil des apostolischen Zeugnisses, doch Lukas beschreibt keine eigenen Missionsreisen, Predigten oder Wunder, die ihm namentlich zugeordnet werden. Dann tritt Jakobus plötzlich wieder ausdrücklich in den Mittelpunkt – und zwar beim letzten Ereignis seines Lebens, das die Bibel berichtet.
Zu dieser Zeit beginnt König Herodes, gegen einige Mitglieder der Gemeinde gewaltsam vorzugehen. Lukas bezeichnet ihn lediglich als Herodes; im geschichtlichen Zusammenhang handelt es sich um den Herrscher, der damals über Judäa regierte. Für die biblische Lebensgeschichte des Jakobus ist jedoch vor allem entscheidend, was der inspirierte Bericht unmittelbar sagt: Herodes legt Hand an einige aus der Gemeinde, um ihnen Böses zuzufügen. Jakobus gehört zu den ersten ausdrücklich genannten Opfern dieser Verfolgung.
Apostelgeschichte 12,2 berichtet in ungewöhnlicher Kürze: Herodes ließ Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert töten. Die Formulierung stellt seine Identität eindeutig sicher und unterscheidet ihn von den anderen Männern namens Jakobus im Neuen Testament. Über eine Gefangenschaft davor, ein Verhör, letzte Worte oder die unmittelbaren Umstände seiner Hinrichtung berichtet die Bibel nichts. Ebenso nennt sie kein genaues persönliches Bekenntnis des Jakobus in seiner Todesstunde. Diese Lücken dürfen nicht durch spätere Überlieferungen oder Märtyrerlegenden gefüllt werden.
Gerade die Kürze des Berichts macht die Härte des Geschehens deutlich. Jakobus gehört zu den Zwölf, die Jesus persönlich berufen hatte. Er hatte zu dem kleinen Kreis gehört, der die Auferweckung der Tochter des Jairus, die Verklärung Jesu und dessen Gebetskampf in Gethsemane miterlebte. Dennoch bewahrt Gott ihn nicht vor einem gewaltsamen Tod. Apostolische Berufung und Nähe zu Christus bedeuten damit nicht, dass ein Jünger vor Verfolgung oder Tod geschützt sein muss.
An dieser Stelle erhält eine frühere Aussage Jesu ihr besonderes Gewicht. Als Jakobus und Johannes um bevorzugte Plätze im Reich gebeten hatten, fragte Jesus sie, ob sie seinen Kelch trinken könnten. Nachdem beide dies bejaht hatten, sagte er ihnen, dass sie tatsächlich aus seinem Kelch trinken würden. Jesus hatte damit nicht erklärt, dass sie denselben erlösenden Tod wie Christus sterben würden; das Opfer Jesu bleibt einzigartig. Doch Jakobus sollte an dem Leiden Anteil erhalten, das die treue Nachfolge Christi in einer feindlichen Welt mit sich bringen kann.
Sein Tod zeigt zugleich, dass die Macht der Verfolger nicht mit der Niederlage des Evangeliums gleichgesetzt werden darf. Herodes kann Jakobus töten, aber er kann den auferstandenen Christus nicht aufhalten und den Auftrag der Gemeinde nicht beenden. Unmittelbar nach dem Tod des Jakobus berichtet Lukas von weiteren Maßnahmen gegen Petrus, doch die Geschichte der Apostel geht weiter. Die Botschaft ist nicht an das irdische Leben eines einzelnen Boten gebunden, weil ihr Mittelpunkt der lebendige Herr ist.
Auch über den Zustand des Jakobus nach seinem Tod macht dieser Abschnitt keine besondere Aussage. Die Bibel berichtet schlicht, dass er getötet wurde. Seine Hoffnung liegt deshalb nicht in späteren außerbiblischen Vorstellungen über sein unmittelbares Weiterleben nach dem Tod, sondern in derselben Auferstehungshoffnung, die Christus seinen Jüngern verkündigt hatte. Der Herr, dessen Auferstehung Jakobus selbst bezeugt hatte, ist die Grundlage der Hoffnung aller, die in ihm sterben.
So endet die eigentliche biblische Lebensgeschichte des Jakobus abrupt, aber nicht bedeutungslos. Der frühere Fischer hatte einst sein Boot verlassen, war Jesus gefolgt und hatte lernen müssen, dass Nachfolge nicht in Rang, Vergeltung oder eigener Stärke besteht. Der Mann, der einmal einen Platz der Ehre neben Christus gesucht hatte, begegnet uns zuletzt nicht auf einem Thron, sondern als getöteter Zeuge Jesu. Über sein weiteres irdisches Leben kann nichts mehr erzählt werden; mit Apostelgeschichte 12,2 endet die letzte sichere biblische Nachricht über ihn.
Zurück: Jakobus wartet mit den Aposteln auf Gottes Verheißung Weiter: Zusammenfassung und Gebet
Zusammenfassung und Gebet
Jakobus gehört zu den Jüngern, deren biblische Bedeutung nicht in einer großen Zahl überlieferter Worte liegt. Von ihm ist keine Predigt erhalten, kein Brief trägt seinen Namen, und selbst über seine letzten Stunden berichtet die Schrift nur einen einzigen knappen Satz. Dennoch zeichnet sich durch die Evangelien und die Apostelgeschichte ein bemerkenswert klares Bild ab: Jakobus war ein von Christus berufener Mensch, der außergewöhnliche Nähe zu Jesus erlebte und zugleich lernen musste, dass diese Nähe nicht menschliche Größe bestätigt, sondern in Dienst, Abhängigkeit und schließlich auch in Leiden führt.
Seine Geschichte bewahrt davor, geistliche Berufung mit geistlicher Vollkommenheit gleichzusetzen. Jesus erwählte Jakobus zum Apostel, nahm ihn gemeinsam mit Petrus und Johannes zu besonderen Ereignissen mit und ließ ihn Dinge sehen, die nur wenige Jünger unmittelbar miterlebten. Dennoch konnte Jakobus hart auf Ablehnung reagieren, nach einer herausgehobenen Stellung verlangen und in Gethsemane der Aufforderung zum Wachen nicht entsprechen. Die Bibel verschweigt diese Spannungen nicht. Gerade darin wird sichtbar, dass Christus nicht nur bereits vollendete Menschen in seine Nachfolge ruft, sondern seine Jünger während ihres Weges lehrt, zurechtweist und ihre Vorstellungen an seinem eigenen Wesen ausrichtet.
Besonders deutlich wird dies an der Frage nach wahrer Größe. Jakobus wollte mit seinem Bruder nahe bei Jesus in dessen Herrlichkeit sitzen. Christus antwortete nicht, indem er ihren Wunsch nach Rang bestätigte, sondern indem er über den Kelch des Leidens, über Dienst und über seine eigene Hingabe sprach. Der Menschensohn war nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben für andere hinzugeben. Damit erhielt Jakobus einen Maßstab, der allen menschlichen Vorstellungen von geistlichem Ansehen widerspricht: Im Reich Christi wird Größe nicht daran gemessen, wie hoch jemand über anderen steht, sondern daran, ob sein Leben unter der Herrschaft des dienenden Herrn steht.
Auch die besonderen Erfahrungen des Jakobus erhalten von Christus her ihre richtige Bedeutung. Er sah die Tochter des Jairus vom Tod auferstehen und erlebte auf dem Berg die Herrlichkeit Jesu. Er hörte die Stimme, die dazu aufforderte, auf den Sohn zu hören. Später sah er denselben Jesus in Gethsemane in tiefer Bedrängnis und begegnete ihm nach seiner Auferstehung wieder als dem lebendigen Herrn. Herrlichkeit und Leiden stehen deshalb in seiner Geschichte nicht als Gegensätze nebeneinander. In Christus gehören sie zum einen Erlösungsweg: Der Sohn Gottes siegt nicht durch selbstsüchtige Machtausübung, sondern indem er den Willen des Vaters erfüllt und sein Leben hingibt.
Jakobus selbst bleibt dabei immer ein Jünger und Zeuge, niemals der Mittelpunkt. Die Vollmacht seines apostolischen Dienstes kam von Jesus, der Heilige Geist befähigte die entstehende Gemeinde zum Zeugnis, und die Botschaft galt dem gekreuzigten und auferstandenen Christus. Selbst der Tod des Jakobus konnte daran nichts ändern. Herodes konnte einen Apostel mit dem Schwert töten, aber nicht den Herrn überwinden, dessen Auferstehung Jakobus bezeugt hatte. Gottes Schutz bedeutete für ihn deshalb nicht, dass ihm jedes Leiden erspart blieb. Die Hoffnung des Evangeliums reicht weiter als die Bewahrung des gegenwärtigen Lebens.
Wie Jakobus den Augenblick seiner Hinrichtung erlebte, welche Worte er sprach und welche Gedanken ihn bewegten, sagt die Bibel nicht. Deshalb braucht seine Geschichte keine ausgeschmückte Märtyrererzählung, um Gewicht zu besitzen. Es genügt, was die Schrift sicher erkennen lässt: Der Mann, den Jesus am See berief, blieb Teil des apostolischen Zeugnisses, bis gewaltsame Verfolgung sein irdisches Leben beendete. Das letzte Licht fällt dabei nicht auf Herodes und auch nicht auf Jakobus selbst, sondern auf Christus. Derselbe Herr, der Jakobus rief, korrigierte und in seinen Dienst stellte, war von den Toten auferstanden. Darin liegt die bleibende Hoffnung seiner Geschichte: Nachfolge gründet nicht auf der Stärke des Jüngers, sondern auf der Treue und dem Sieg Jesu Christi.
Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du durch das Leben des Jakobus zeigst, wie geduldig Christus seine Jünger führt und verändert. Bewahre uns davor, geistliche Größe in Ansehen, Einfluss oder Vorrang zu suchen. Lehre uns, auf deinen Sohn zu hören, seinen Weg des Dienens anzunehmen und die Kraft für unseren Auftrag nicht bei uns selbst zu suchen. Gib uns Wachsamkeit in Versuchungen, Demut bei Korrektur und Treue auch dann, wenn Nachfolge etwas kostet. Richte unsere Hoffnung fest auf Jesus Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Amen.
„Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ Offenbarung 2,10