Batseba

Batseba in der Bibel

Batseba war die Frau Urias, später die Frau Davids und die Mutter Salomos. Ihre biblische Geschichte steht zunächst im Zusammenhang mit Davids schwerer Sünde, führt jedoch weit über dieses Ereignis hinaus und erhält durch Salomos Königtum sowie die messianische Linie bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung. Dabei zeigt die Bibel Gottes Gnade, ohne Schuld und ihre Folgen zu verharmlosen.

Einführung

Batsebas Name ist untrennbar mit einem der dunkelsten Abschnitte im Leben Davids verbunden. Gerade deshalb besteht die Gefahr, sie fast ausschließlich durch das Geschehen in 2. Samuel 11 wahrzunehmen. Der biblische Bericht erzählt ihre Geschichte jedoch nicht als bloße Randepisode eines Königs. Batseba tritt zunächst als verheiratete Frau in Erscheinung und bleibt später in entscheidenden Entwicklungen des davidischen Königshauses präsent.

Als sie erstmals ausdrücklich begegnet, befindet sich David auf dem Höhepunkt seiner königlichen Macht. Während sein Heer unter Joab gegen die Ammoniter kämpft, bleibt David in Jerusalem. Von dort aus sieht er eine Frau, die sich wäscht, und erkundigt sich nach ihr. Die Antwort seiner Diener ordnet Batseba sofort ein: Sie ist die Tochter Eliams und die Frau Urias, des Hetiters. Noch bevor irgendeine weitere Handlung geschildert wird, stellt der Text damit klar, dass sie zu einer bestehenden Familie gehört und mit einem Mann verheiratet ist, der in Davids Heer dient.

Diese wenigen Angaben sind für das Verständnis des folgenden Geschehens entscheidend. Batseba erscheint nicht zuerst als zukünftige Königin oder Mutter eines Königs, sondern als Ehefrau Urias in einer Situation, in der David als König über außergewöhnliche Macht verfügt. Deshalb muss ihre Geschichte sorgfältig aus dem tatsächlichen Wortlaut erzählt werden, ohne ihr Gedanken oder Motive zuzuschreiben, die die Bibel nicht nennt.

Der Ausgangspunkt ihres Lebens, soweit die Schrift ihn für uns sichtbar macht, liegt somit nicht in ihrer Kindheit, über die nichts berichtet wird, sondern in Jerusalem zur Zeit des Königs David. Dort beginnt eine Entwicklung, deren erste Schritte von Davids Entscheidung ausgehen und deren Folgen das weitere Leben Batsebas tief prägen werden.

David lässt Batseba zu sich holen

2. Samuel 11,2-5 – „2 Und es begab sich, als David um den Abend von seinem Lager aufstand und auf dem Dache des königlichen Hauses umherwandelte, sah er vom Dache aus ein Weib sich baden, und das Weib war von sehr schöner Gestalt. 3 Und David sandte hin und erkundigte sich nach dem Weibe, und man sprach: Ist das nicht Batseba, die Tochter Eliams, das Weib Urijas, des Hetiters? 4 Und David sandte Boten hin und ließ s…"
2. Samuel 11,2-5 – „2 Und es begab sich, als David um den Abend von seinem Lager aufstand und auf dem Dache des königlichen Hauses umherwandelte, sah er vom Dache aus ein Weib sich baden, und das Weib war von sehr schöner Gestalt. 3 Und David sandte hin und erkundigte sich nach dem Weibe, und man sprach: Ist das nicht Batseba, die Tochter Eliams, das Weib Urijas, des Hetiters? 4 Und David sandte Boten hin und ließ s…"
2. Mose 20,14 – „14 Du sollst nicht ehebrechen!"
2. Mose 20,17 – „17 Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses! Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles dessen, was dein Nächster hat!"

Batsebas eigentliche Lebensgeschichte beginnt in einer Situation, über die sie selbst keine einleitenden Worte spricht. Eines Abends steht David auf dem Dach seines Königshauses und sieht von dort eine Frau, die sich wäscht. Der Bericht beschreibt sie als sehr schön. David erkundigt sich nach ihrer Identität, und die Antwort macht unmittelbar deutlich, dass sie nicht unverheiratet ist: Es handelt sich um Batseba, die Tochter Eliams und die Frau Urias, des Hetiters. Damit kennt David ihre eheliche Bindung, bevor er weiter handelt.

Gerade diese Reihenfolge ist wichtig. Die Bibel erzählt nicht von einer zufälligen Begegnung zwischen zwei Menschen, deren Lebensverhältnisse unklar gewesen wären. David fragt nach Batseba und erfährt ausdrücklich, dass sie Urias Frau ist. Dennoch sendet er Boten und lässt sie holen. Der König besitzt hier eine Machtstellung, die Batseba nicht besitzt, und der Text richtet die erzählerische Initiative deutlich auf David: Er sieht, er erkundigt sich, er sendet und er lässt sie holen.

Über Batsebas innere Haltung in diesem Augenblick sagt der Bericht dagegen nichts. Er berichtet weder, dass sie David verführte, noch erklärt er, ob oder wie sie sich gegen das Geschehen hätte wehren können. Deshalb wäre es falsch, eine Liebesgeschichte, eine geplante Affäre oder ebenso eine ausführlich rekonstruierte innere Gegenwehr in den Text hineinzulesen. Sicher ist nur, was der Bericht tatsächlich sagt: Batseba wird zu David gebracht, sie kommt zu ihm, und er liegt bei ihr.

Die Verantwortung Davids wird durch den Zusammenhang besonders schwer. Das Gebot Gottes untersagte Ehebruch, und ebenso richtete sich das Gesetz gegen das Begehren nach der Frau des Nächsten. David war nicht ein Mann ohne Kenntnis dieser Ordnung. Als König Israels stand er unter demselben göttlichen Maßstab wie das Volk, über das er herrschte. Seine Stellung gab ihm Macht über Menschen, aber kein Recht, Gottes Gebot zu überschreiten.

Eine kurze Bemerkung innerhalb des Berichtes erhält anschließend besondere Bedeutung: Batseba hatte sich von ihrer Unreinheit gereinigt. Der Text nennt dieses Detail nicht, um ihre Person moralisch zu belasten. Im Zusammenhang erklärt es vielmehr, warum die folgende Nachricht eindeutig mit dem Geschehen bei David verbunden ist. Nachdem Batseba wieder in ihr Haus zurückgekehrt ist, stellt sie fest, dass sie schwanger geworden ist.

Nun handelt Batseba erstmals ausdrücklich selbst. Sie sendet David eine knappe Nachricht: Sie ist schwanger. Der biblische Bericht überliefert keine längere Erklärung, keinen Versuch, das Geschehen zu deuten, und keine Beschreibung ihrer Gefühle. Mit wenigen Worten steht jedoch eine Tatsache im Raum, die sich nicht einfach rückgängig machen lässt. Was David verborgen halten könnte, solange nur wenige Menschen davon wissen, beginnt sichtbare Folgen zu bekommen.

Damit verändert sich auch Batsebas Lage grundlegend. Sie ist weiterhin die Frau Urias, während der Vater des erwarteten Kindes David ist. Der König, dessen Entscheidung diese Situation ausgelöst hat, steht nun vor den Folgen seines Handelns. Batsebas kurze Nachricht wird zum Wendepunkt des Berichts: Von diesem Augenblick an versucht David nicht zuerst, seine Sünde offenzulegen, sondern ihre Folgen zu verbergen.

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Uria stirbt und Batseba wird Davids Frau

2. Samuel 11,6-27 – „6 Da sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Sende mir Urija, den Hetiter! Und Joab sandte Urija zu David. 7 Und als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es mit Joab und mit dem Volk und mit dem Krieg gut stehe. 8 Und David sprach zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasche deine Füße! Und als Urija das Haus des Königs verließ, folgte ihm ein Geschenk des Königs. 9 Aber Urija legte sich vor der Tü…"
2. Samuel 11,6-27 – „6 Da sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Sende mir Urija, den Hetiter! Und Joab sandte Urija zu David. 7 Und als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es mit Joab und mit dem Volk und mit dem Krieg gut stehe. 8 Und David sprach zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasche deine Füße! Und als Urija das Haus des Königs verließ, folgte ihm ein Geschenk des Königs. 9 Aber Urija legte sich vor der Tü…"
2. Samuel 12,9 – „9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, indem du tatest, was vor seinen Augen böse ist? Urija, den Hetiter, hast du mit dem Schwert erschlagen, und sein Weib hast du dir zum Weibe genommen; ihn aber hast du durch das Schwert der Kinder Ammon umgebracht!"

Batsebas Nachricht über ihre Schwangerschaft setzt eine Folge von Ereignissen in Gang, bei denen sie selbst zunächst kaum noch im Mittelpunkt des sichtbaren Geschehens steht. David versucht nun, die Folgen seiner Tat zu verdecken. Er lässt Uria aus dem Krieg nach Jerusalem zurückrufen und erkundigt sich scheinbar nach dem Verlauf des Kampfes. Danach fordert er ihn auf, in sein Haus hinabzugehen. Offensichtlich soll dadurch der Eindruck entstehen können, das erwartete Kind stamme von Uria.

Doch Urias Verhalten durchkreuzt diesen Plan. Während die Bundeslade sowie Israel und Juda im Feldlager sind und seine Kameraden draußen lagern, will er die Annehmlichkeiten seines Hauses nicht genießen. Selbst nachdem David ihn am folgenden Tag bewirtet und betrunken macht, geht Uria nicht zu Batseba. Der Bericht zeichnet damit einen scharfen Gegensatz: Der ausländisch bezeichnete „Hetiter“ zeigt Loyalität gegenüber seinen Mitkämpfern, während Israels gesalbter König versucht, seine eigene Schuld zu verbergen.

Als die Täuschung nicht gelingt, geht David einen weiteren und noch schwereren Schritt. Er schreibt Joab einen Brief mit der Anweisung, Uria im heftigsten Kampf einzusetzen und ihn dort ohne ausreichenden Schutz zurückzulassen, damit er fällt. Ausgerechnet Uria selbst trägt diesen Brief zurück zum Heer. Die Bibel beschreibt nicht, dass Batseba von diesem Plan wusste oder daran beteiligt war. Die Verantwortung für die Anordnung liegt bei David, und später fasst Gott durch Nathan die Tat unmissverständlich zusammen: David hat Uria mit dem Schwert erschlagen und dessen Frau zu seiner eigenen Frau genommen.

Joab setzt den Befehl um. Bei einem Angriff auf die Stadt fallen mehrere Männer aus Davids Heer, darunter Uria. Damit endet Davids Versuch, die ursprüngliche Sünde durch eine weitere Sünde zu verdecken, nicht in einer Lösung, sondern im Tod eines unschuldigen Mannes und zusätzlichem Blutvergießen. Was als begehrlicher Blick begann, hat sich über Ehebruch, Täuschung und Machtmissbrauch bis zur vorsätzlich herbeigeführten Tötung ausgeweitet.

Erst nachdem die Nachricht von Urias Tod Jerusalem erreicht, rückt Batseba wieder ausdrücklich in den Vordergrund. Der Text nennt sie an dieser Stelle bemerkenswerterweise nicht einfach bei ihrem Namen, sondern bezeichnet sie als „Urias Frau“. Als sie hört, dass ihr Mann gestorben ist, hält sie Trauer um ihn. Mehr sagt die Bibel über ihren Schmerz nicht. Sie erlaubt deshalb weder, diese Trauer als bloße gesellschaftliche Pflicht abzutun, noch gibt sie Anlass für erfundene Beschreibungen ihres inneren Zustandes.

Nach Ablauf der Trauerzeit lässt David Batseba in sein Haus holen. Sie wird seine Frau und bringt den Sohn zur Welt, den sie von ihm empfangen hatte. Äußerlich scheint David damit die Folgen seiner Tat unter Kontrolle gebracht zu haben: Uria ist tot, Batseba befindet sich nun im Königshaus, und das Kind wird innerhalb dieser neuen Ehe geboren. Doch der biblische Erzähler beendet das Kapitel nicht mit dieser menschlichen Ordnung der Verhältnisse.

Die letzten Worte von 2. Samuel 11 verändern die gesamte Perspektive: Was David getan hatte, war böse in den Augen des HERRN. Menschen konnten die Vorgänge möglicherweise nur teilweise erkennen, doch vor Gott war nichts verborgen. Die Ehe mit Batseba machte den vorausgegangenen Ehebruch und Urias Tod nicht nachträglich rechtmäßig. Gottes Schweigen während Davids Vertuschungsversuchen bedeutete keine Zustimmung.

Für Batseba beginnt damit zugleich eine völlig neue Lebensphase. Sie lebt nun als Frau Davids im Königshaus und hat einen Sohn geboren, doch über dieser neuen Stellung liegen die schweren Folgen dessen, was vorausgegangen ist. Die Geschichte wird von hier an nicht durch Davids Fähigkeit bestimmt, seine Schuld zu verbergen, sondern durch Gottes Eingreifen. Was im Verborgenen geschehen war, wird durch den Propheten Nathan ans Licht gebracht werden.

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Das erste Kind stirbt

2. Samuel 12,1-23 – „1 Und der HERR sandte den Propheten Natan zu David. Als dieser zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges Lämmlein, das er gekauft hatte; und er nährte es, so daß es bei ihm und mit seinen Kindern aufwuchs. Es aß von seinem Brot und trank aus seine…"
2. Samuel 12,1-23 – „1 Und der HERR sandte den Propheten Natan zu David. Als dieser zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges Lämmlein, das er gekauft hatte; und er nährte es, so daß es bei ihm und mit seinen Kindern aufwuchs. Es aß von seinem Brot und trank aus seine…"
Psalmen 51,3-6 – „3 denn ich erkenne meine Übertretungen, und meine Sünde ist immerdar vor mir. 4 An dir allein habe ich gesündigt und getan, was in deinen Augen böse ist, auf daß du Recht behaltest mit deinem Spruch und dein Urteil unangefochten bleibe. 5 Siehe, ich bin in Schuld geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen; 6 siehe, du verlangst Wahrheit im Innersten: so tue mir im Verborgenen Weisheit…"

Davids Versuch, seine Schuld zu verbergen, endet damit, dass Gott selbst eingreift. Der Prophet Nathan kommt zum König und erzählt ihm zunächst von einem reichen Mann, der trotz seines großen Besitzes das einzige Lamm eines armen Mannes nimmt. David reagiert empört und spricht ein hartes Urteil über den Täter. Daraufhin richtet Nathan die Geschichte unmittelbar auf ihn: David selbst ist dieser Mann. Damit wird öffentlich ausgesprochen, was David vor Menschen zu verdecken versucht hatte.

Nathan erinnert David daran, wie viel Gott ihm gegeben hatte, und nennt anschließend seine Schuld ohne Beschönigung. David hat Gottes Wort verachtet, Uria durch das Schwert töten lassen und dessen Frau genommen. Bemerkenswert ist, dass Batseba in dieser göttlichen Anklage erneut als „Frau Urias“ bezeichnet wird. Ihre spätere Ehe mit David verändert Gottes Bewertung der vorausgegangenen Tat nicht. Uria war ihr rechtmäßiger Ehemann gewesen, und David hatte in diese Ehe eingegriffen.

David antwortet mit einem kurzen, aber eindeutigen Bekenntnis: Er hat gegen den HERRN gesündigt. Nathan erklärt daraufhin, dass Gott seine Sünde weggenommen hat und David nicht sterben wird. Vergebung bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche zeitlichen Folgen seiner Entscheidungen verschwinden. Nathan kündigt an, dass der Sohn, der aus dieser Verbindung geboren worden ist, sterben wird. Der Bericht stellt damit Vergebung und Konsequenz nebeneinander, ohne beides miteinander zu verwechseln.

Nachdem Nathan gegangen ist, wird das Kind schwer krank. David sucht Gott mit Fasten und verbringt die Nächte auf der Erde. Die Ältesten seines Hauses versuchen, ihn aufzurichten und zum Essen zu bewegen, doch er weigert sich. Sieben Tage lang dauert diese Situation. Batsebas Verhalten während dieser Zeit wird nicht beschrieben; der Text richtet den Blick fast vollständig auf David und seinen Umgang mit dem angekündigten Gericht.

Am siebten Tag stirbt das Kind. Davids Diener fürchten sich zunächst, ihm die Nachricht mitzuteilen, weil sie sehen, wie verzweifelt er bereits während der Krankheit gewesen ist. Als David jedoch ihr Flüstern bemerkt und nachfragt, bestätigen sie den Tod. Daraufhin steht David auf, wäscht und salbt sich, wechselt seine Kleidung, geht in das Haus des HERRN und betet an. Erst danach kehrt er zurück und nimmt wieder Nahrung zu sich.

Seinen erstaunten Dienern erklärt David, dass er während des Lebens des Kindes gefastet habe, weil er hoffte, Gott könne sich erbarmen. Nun aber sei das Kind gestorben und könne durch weiteres Fasten nicht zurückgebracht werden. David sagt, dass er selbst eines Tages zu ihm gehen werde, das Kind aber nicht zu ihm zurückkehren könne. Der Tod wird dadurch als unumkehrbare Grenze des gegenwärtigen Lebens beschrieben; der Text berichtet nicht von einer bewussten Begegnung Davids mit dem Kind nach dessen Tod.

Für Batseba bedeutet dieses Ereignis einen weiteren schweren Verlust. Innerhalb kurzer Zeit ist zuerst Uria gestorben und nun auch ihr Kind. Die Bibel gibt keinen Einblick in ihre Worte während dieser Tage und beschreibt nicht, wie sie Gottes Gericht verstand. Deshalb darf ihre Trauer nicht mit frei erfundenen Gedanken ausgeschmückt werden. Sicher ist jedoch, dass die Folgen von Davids Sünde nicht nur ihn selbst trafen, sondern tief in Batsebas Leben hineinreichten.

Gerade an diesem Punkt darf Gottes Vergebung nicht mit einer Verharmlosung des Geschehenen verwechselt werden. David findet Vergebung, weil er seine Schuld bekennt, doch Uria wird dadurch nicht wieder lebendig und auch der Tod des Kindes wird nicht rückgängig gemacht. Sünde hinterlässt reale Wunden. Dennoch endet Batsebas Geschichte nicht an diesem Ort des Verlustes. Nachdem das Kind gestorben ist, richtet sich der Bericht erneut auf sie – und inmitten dieser gebrochenen Familiengeschichte beginnt eine neue Entwicklung.

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Batseba bringt Salomo zur Welt

2. Samuel 12,24-25 – „24 Und als David sein Weib Batseba getröstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieß er Salomo. 25 Und der HERR liebte ihn und gab ihm durch den Propheten Natan den Namen Jedidja, um des HERRN willen."
2. Samuel 12,24-25 – „24 Und als David sein Weib Batseba getröstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieß er Salomo. 25 Und der HERR liebte ihn und gab ihm durch den Propheten Natan den Namen Jedidja, um des HERRN willen."
1. Chronik 3,5 – „5 Und diese wurden ihm zu Jerusalem geboren: Schimea und Schobab und Natan und Salomo, vier von Bat-Schua, der Tochter Ammiels,"
2. Samuel 5,14 – „14 Und dies sind die Namen derer, die ihm zu Jerusalem geboren sind: Sammua, Sobab, Natan und Salomo;"

Nach dem Tod des ersten Kindes wendet sich der Bericht wieder unmittelbar Batseba zu. David geht zu ihr, tröstet sie und schläft mit ihr. Batseba wird erneut schwanger und bringt einen Sohn zur Welt, der Salomo genannt wird. Diese wenigen Verse markieren einen tiefen Einschnitt in ihrer Lebensgeschichte: Auf den Verlust folgt nicht die Auslöschung ihrer Zukunft, sondern ein neues Kind, dessen Bedeutung weit über die unmittelbare Familie hinausreichen wird.

Dass David Batseba tröstet, ist eine der wenigen Stellen, an denen der Bericht ausdrücklich eine persönliche Handlung ihm gegenüber nennt, die auf ihren erlittenen Verlust reagiert. Wie Batseba selbst die zurückliegenden Ereignisse verarbeitet, wird weiterhin nicht beschrieben. Die Schrift gibt weder ein Gespräch zwischen beiden wieder noch berichtet sie von einem eigenen Bekenntnis Batsebas. Sie hält sich an das Geschehen: David tröstet sie, und später wird Salomo geboren.

Entscheidend ist nun Gottes ausdrückliche Bewertung dieses Kindes. Der HERR liebt Salomo. Durch den Propheten Nathan lässt Gott ihm deshalb den Namen Jedidja geben, der die besondere Zuwendung Gottes ausdrückt. Nach einer Geschichte, die von Sünde, Gericht und Tod geprägt war, steht hier erstmals ausdrücklich ein göttliches Wort über den neugeborenen Sohn. Gottes Gnade macht Davids frühere Tat nicht gut, aber sie zeigt, dass Gott seine Heilsgeschichte nicht durch menschliches Versagen zunichtemachen lässt.

Salomo ist jedoch nicht das einzige Kind, das die Bibel Batseba zuschreibt. In der späteren Aufzählung von Davids Söhnen nennt 1. Chronik 3 vier Söhne, die ihm in Jerusalem von Bat-Schua, der Tochter Ammiels, geboren wurden: Schimea, Schobab, Nathan und Salomo. Bat-Schua ist hier aufgrund des Zusammenhangs eindeutig dieselbe Frau, die in Samuel Batseba genannt wird; auch die Namensform ihres Vaters entspricht der dortigen Angabe Eliam in umgestellter Form. Die Bibel eröffnet damit einen etwas weiteren Blick auf ihr späteres Familienleben, ohne über Geburt und Leben dieser weiteren Söhne ausführlich zu berichten.

Für Batsebas Lebensgeschichte ist besonders bedeutsam, dass zu ihren Söhnen neben Salomo auch Nathan gehört. Beide Namen werden Jahrhunderte später in neutestamentlichen Zusammenhängen mit der Abstammung Jesu verbunden: Matthäus führt die königliche Linie über Salomo, während Lukas innerhalb seiner Genealogie Nathan nennt. Die genaue genealogische Struktur beider Stammbäume verlangt eine eigene sorgfältige Betrachtung; sicher ist jedoch, dass Batsebas Familie dadurch tief in die weitere davidische Heilsgeschichte hineinreicht.

Gerade Salomo wird später eine herausragende Stellung erhalten. Zu diesem Zeitpunkt erzählt der Text jedoch noch nicht von seiner Thronbesteigung. Für Batseba ist er zunächst der Sohn, der nach einem schweren Verlust geboren wird und über den Gott ausdrücklich seine Liebe erkennen lässt. Die künftige Königswürde Salomos ist im unmittelbaren Bericht von 2. Samuel 12 noch nicht das Thema.

Damit verschiebt sich Batsebas Stellung allmählich. Sie war zuerst als Frau Urias in die Erzählung eingetreten, wurde danach Davids Frau und ist nun Mutter mehrerer Söhne des Königs. Unter ihnen befindet sich Salomo, dessen Leben Gott auf besondere Weise begleitet. Noch bleibt Batseba im Hintergrund der politischen Ereignisse des Königshauses, doch diese Ruhe wird nicht dauerhaft bestehen.

Viele Jahre später wird Davids Alter eine Nachfolgekrise auslösen. Dann tritt Batseba nicht mehr lediglich als die Frau auf, über die andere verfügen oder Entscheidungen treffen. Als Salomos Anspruch auf den Thron bedroht wird, handelt und spricht sie selbst – und ihre Rolle im Königshaus wird erstmals deutlich sichtbar.

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Batseba tritt für Salomos Thronfolge ein

1. Könige 1,11-31 – „11 Da sprach Natan zu Batseba, der Mutter Salomos: Hast du nicht gehört, daß Adonia, der Sohn der Haggit, König geworden ist ohne Wissen Davids, unseres Herrn? 12 Komm nun, ich will dir doch einen Rat geben, daß du dein Leben und das Leben deines Sohnes Salomo errettest. 13 Komm und gehe hinein zum König David und sprich zu ihm: «Hast du nicht, mein Herr und König, deiner Magd geschworen und gesa…"
1. Könige 1,11-31 – „11 Da sprach Natan zu Batseba, der Mutter Salomos: Hast du nicht gehört, daß Adonia, der Sohn der Haggit, König geworden ist ohne Wissen Davids, unseres Herrn? 12 Komm nun, ich will dir doch einen Rat geben, daß du dein Leben und das Leben deines Sohnes Salomo errettest. 13 Komm und gehe hinein zum König David und sprich zu ihm: «Hast du nicht, mein Herr und König, deiner Magd geschworen und gesa…"
1. Könige 1,5-10 – „5 Adonia aber, der Sohn der Haggit, erhob sich und sprach: Ich will König werden! Und er verschaffte sich Wagen und Reiter und fünfzig Mann, die vor ihm herliefen. 6 Aber sein Vater hatte ihn nie betrübt Zeit seines Lebens, so daß er gesagt hätte: Warum tust du also? Auch war er sehr schön von Gestalt; und seine Mutter hatte ihn nach Absalom geboren. 7 Und er hatte eine Unterredung mit Joab, dem …"
1. Chronik 22,9-10 – „9 Siehe, ein Sohn, der dir geboren werden soll, wird ein Mann der Ruhe sein; denn ich will ihm Ruhe geben vor allen seinen Feinden ringsumher, darum soll er Salomo heißen; denn ich will Israel Frieden und Ruhe geben sein Leben lang. 10 Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Und er soll mein Sohn sein, und ich will sein Vater sein und seinen königlichen Thron über Israel befestigen ewiglich!"

Viele Jahre nach Salomos Geburt tritt Batseba wieder ausführlich in den biblischen Bericht. David ist inzwischen alt, und die Frage seiner Nachfolge wird dringlich. In dieser Situation erhebt sich Adonija, ein weiterer Sohn Davids, mit dem Anspruch, König zu werden. Er verschafft sich Wagen, Reiter und eine Leibwache und lässt sich von Joab sowie dem Priester Abjathar unterstützen. Ohne dass David ihn eingesetzt hat, beginnt er damit, seine eigene Herrschaft vorzubereiten.

Adonija veranstaltet ein großes Opferfest und lädt zahlreiche Söhne Davids sowie königliche Diener ein. Salomo gehört jedoch ausdrücklich nicht zu den Eingeladenen; ebenso fehlen der Prophet Nathan, der Priester Zadok und andere Männer, die Adonijas Anspruch nicht unterstützen. Dadurch wird deutlich, dass es nicht lediglich um eine gewöhnliche Familienfeier geht. Eine Entscheidung über die zukünftige Herrschaft Israels bahnt sich an, während der alte David offenbar noch nicht eingegriffen hat.

Nathan erkennt die Gefahr und wendet sich an Batseba. Er berichtet ihr, dass Adonija sich zum König gemacht hat, und verbindet damit eine ernste Warnung: Wenn diese Entwicklung bestehen bleibt, sind Batseba und Salomo bedroht. Nathan rät ihr deshalb, zu David zu gehen und ihn an seinen Eid zu erinnern, dass Salomo nach ihm König werden und auf seinem Thron sitzen solle. Anschließend will Nathan selbst eintreten und ihre Worte bestätigen.

Dass David Batseba dieses Versprechen gegeben hatte, erfahren wir an dieser Stelle ausdrücklich aus ihren Worten und später erneut aus Davids eigener Antwort. Wann und unter welchen Umständen der Eid gesprochen wurde, berichtet die Bibel nicht. Deshalb darf diese frühere Zusage nicht mit frei erfundenen Einzelheiten ausgeschmückt werden. Sie passt jedoch zu der weiteren biblischen Überlieferung, nach der Gott Salomo für die Nachfolge Davids bestimmt hatte und David wusste, dass dieser Sohn den Tempel bauen und auf seinem Thron sitzen sollte.

Batseba geht zum alten König und verneigt sich vor ihm. Anders als bei ihrem ersten Auftreten viele Jahre zuvor wird sie hier ausführlich als handelnde und sprechende Person gezeigt. Sie erinnert David an seinen Schwur und berichtet ihm zugleich von Adonijas eigenmächtigem Vorgehen. Ihre Frage ist dringlich: Wenn David die Nachfolge nicht klärt, bleibt offen, wer nach ihm auf dem Thron sitzen wird. Sie weist außerdem darauf hin, welche Folgen sein Tod für sie und Salomo haben könnte.

Während Batseba noch mit David spricht, kommt Nathan hinzu. Auch er berichtet von Adonijas Auftreten und fragt den König, ob diese Thronbesteigung tatsächlich von ihm angeordnet worden sei. Seine Worte bestätigen Batsebas Darstellung, ohne lediglich dieselben Formulierungen zu wiederholen. David kann die entstandene Krise nun nicht länger unbeantwortet lassen. Er lässt Batseba erneut zu sich rufen und bekräftigt ihr gegenüber den Eid, den er ihr im Namen des HERRN geschworen hatte.

David erklärt ausdrücklich, dass Salomo nach ihm König sein und an seiner Stelle auf dem Thron sitzen soll. Damit erhält Batseba vor dem König selbst die Bestätigung, dass Adonijas eigenmächtiger Anspruch nicht die festgelegte Nachfolge ersetzt. Sie verneigt sich vor David und antwortet mit dem Wunsch, dass der König lange leben möge. Der Bericht zeigt sie hier nicht als eine Frau, die eigenmächtig nach Macht greift, sondern als Mutter Salomos, die sich auf Davids gegebenes Wort beruft.

Diese Szene bildet einen deutlichen Gegensatz zu Batsebas erstem Auftreten. Damals wurde sie von David holen gelassen und der Bericht überlieferte kaum Worte von ihr. Jetzt betritt sie selbst den königlichen Raum, trägt ein entscheidendes Anliegen vor und wird zu einer wichtigen Beteiligten in der Sicherung von Salomos Nachfolge. Dennoch liegt die endgültige königliche Entscheidung nicht bei ihr: David muss handeln, und hinter der menschlichen Nachfolgefrage steht die zuvor offenbarte Absicht Gottes.

Noch am selben Tag setzt David konkrete Schritte in Gang. Salomo soll auf dem königlichen Maultier zum Gihon geführt, dort von Zadok und Nathan gesalbt und öffentlich zum König ausgerufen werden. Batsebas Eingreifen hat damit seinen unmittelbaren Zweck erreicht. Doch mit Salomos Thronbesteigung endet ihre Bedeutung im Königshaus nicht. Unter der Herrschaft ihres Sohnes begegnet sie erneut – nun in einer Stellung, in der selbst der König ihr besondere Ehre erweist.

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Salomo erweist seiner Mutter königliche Ehre

1. Könige 2,13-25 – „13 Adonia aber, der Sohn der Haggit, kam hinein zu Batseba, der Mutter Salomos. Und sie sprach: Kommst du auch in Frieden? Er sprach: Ja, in Frieden! 14 Und er sprach: Ich habe mit dir zu reden. 15 Sie sprach: Sage her! Er sprach: Du weißt, daß das Königtum mein war und daß ganz Israel sein Angesicht auf mich gerichtet hatte, daß ich König sein sollte; nun aber ist mir das Königtum entgangen und …"
1. Könige 2,13-25 – „13 Adonia aber, der Sohn der Haggit, kam hinein zu Batseba, der Mutter Salomos. Und sie sprach: Kommst du auch in Frieden? Er sprach: Ja, in Frieden! 14 Und er sprach: Ich habe mit dir zu reden. 15 Sie sprach: Sage her! Er sprach: Du weißt, daß das Königtum mein war und daß ganz Israel sein Angesicht auf mich gerichtet hatte, daß ich König sein sollte; nun aber ist mir das Königtum entgangen und …"
1. Könige 2,19 – „19 Also kam Batseba hinein zum König Salomo, mit ihm zu reden wegen Adonia. Und der König stand auf und ging ihr entgegen und verneigte sich vor ihr und setzte sich auf seinen Thron. Und auch der Mutter des Königs ward ein Thron hingestellt, daß sie sich zu seiner Rechten setzte."

Nach Davids Tod ist Salomos Königtum gefestigt, und Batseba begegnet nun in einer Stellung, die sich deutlich von ihren früheren Lebensabschnitten unterscheidet. Als Mutter des regierenden Königs besitzt sie im Königshaus besonderes Ansehen. Das wird sichtbar, als Adonija zu ihr kommt. Derselbe Mann, der zuvor versucht hatte, sich selbst zum König zu machen, sucht nun ausgerechnet Batseba als Vermittlerin zu Salomo auf.

Batseba fragt Adonija zunächst, ob er in friedlicher Absicht komme. Er bejaht dies und erinnert anschließend daran, dass er selbst ursprünglich mit dem Königtum gerechnet habe und ganz Israel seine Erwartung auf ihn gerichtet habe. Zugleich erkennt er an, dass das Königtum seinem Bruder Salomo zugefallen sei und fügt hinzu, dass es ihm vom HERRN gegeben worden sei. Auf dieser Grundlage bittet er Batseba um einen Gefallen: Sie soll bei Salomo dafür eintreten, dass Abischag, die Sunamitin, ihm zur Frau gegeben wird.

Abischag hatte dem alten David in seinen letzten Tagen gedient und ihn gepflegt, ohne dass David mit ihr ehelich verbunden gewesen war. Adonijas Bitte kann deshalb auf den ersten Blick wie eine private Heiratsangelegenheit erscheinen. Im politischen Zusammenhang des Königshauses besitzt sie jedoch erheblich größere Tragweite. Der Besitz einer Frau oder Nebenfrau eines verstorbenen Königs konnte mit einem Anspruch auf dessen Stellung verbunden werden; schon zuvor hatte Absalom durch die öffentliche Inbesitznahme der Nebenfrauen Davids seinen Machtanspruch demonstriert. Salomo versteht Adonijas Bitte entsprechend als eine erneute Bedrohung seiner Herrschaft.

Batseba erklärt sich dennoch bereit, mit ihrem Sohn zu sprechen. Der Text sagt nicht, ob sie die politische Bedeutung von Adonijas Wunsch vollständig erkannt hatte. Ebenso wenig darf daraus geschlossen werden, dass sie bewusst einen erneuten Thronanspruch fördern wollte. Die Bibel berichtet lediglich, dass sie zusagt, die Angelegenheit vor Salomo zu bringen. Wo der Text ihre Motive nicht erklärt, muss die Auslegung zurückhaltend bleiben.

Als Batseba zum König kommt, zeigt sich ihre neue Stellung besonders deutlich. Salomo erhebt sich ihr entgegen, verneigt sich vor ihr und setzt sich wieder auf seinen Thron. Dann lässt er einen weiteren Thron für die Mutter des Königs aufstellen, und Batseba setzt sich zu seiner Rechten. Diese Szene ist die deutlichste biblische Darstellung ihres Ansehens am königlichen Hof. Die Frau, die bei ihrem ersten Auftreten von David in den Palast geholt worden war, wird nun vom regierenden König öffentlich geehrt.

Batseba trägt Adonijas Bitte vor und bittet Salomo, sie nicht zurückzuweisen. Salomos Antwort zeigt jedoch sofort, wie ernst er den Wunsch einschätzt. Er fragt sinngemäß, warum Batseba nur Abischag für Adonija erbitte und nicht gleich auch das Königtum, denn Adonija sei sein älterer Bruder und verfüge mit Abjathar und Joab über bedeutende frühere Unterstützer. Für Salomo steht die Bitte damit nicht isoliert da, sondern im Zusammenhang mit Adonijas vorausgegangenem Versuch, die Königsherrschaft an sich zu ziehen.

Salomo schwört daraufhin beim HERRN, dass Adonija wegen dieser Forderung sterben werde. Er beruft sich dabei zugleich darauf, dass Gott ihn eingesetzt, auf Davids Thron befestigt und ihm entsprechend der göttlichen Zusage ein Haus gegeben habe. Bena ja, der Sohn Jojadas, vollstreckt anschließend den königlichen Befehl. Batseba erscheint nach ihrer Bitte in diesem Bericht nicht mehr als Beteiligte der Entscheidung; das Urteil und seine Verantwortung liegen bei Salomo.

Diese Episode zeigt Batsebas Einfluss, aber ebenso dessen Grenzen. Sie besitzt Zugang zum König, wird von ihm geehrt und kann Anliegen vortragen, doch sie bestimmt seine Entscheidungen nicht. Salomo hört seine Mutter an, prüft die Bitte jedoch im größeren Zusammenhang seiner Herrschaft und weist sie entschieden zurück. Batsebas Stellung als Königsmutter bedeutet daher weder eine eigene Königsherrschaft noch, dass jede ihrer Bitten erfüllt wird.

Mit dieser Szene endet Batsebas eigentliche Lebensgeschichte in den erzählenden Büchern der Bibel. Über ihre späteren Jahre, ihren Tod oder ihr Begräbnis berichtet die Schrift nichts. Ihre biblische Bedeutung endet damit jedoch nicht. Jahrhunderte später erscheint ihre Verbindung zu David und Salomo erneut an einer entscheidenden Stelle – im Stammbaum Jesu Christi.

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Matthäus erinnert an die Frau Urias

Matthäus 1,1-6 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram, 4 Aram zeugte den Aminadab, Aminadab zeugte den Nahasson, Nahasson zeugte den Salmon, 5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, Boas…"
Matthäus 1,1-6 – „1 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder, 3 Juda zeugte den Phares und den Zara mit der Tamar, Phares zeugte den Esrom, Esrom zeugte den Aram, 4 Aram zeugte den Aminadab, Aminadab zeugte den Nahasson, Nahasson zeugte den Salmon, 5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, Boas…"
Matthäus 1,16-17 – „16 Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher geboren ist Jesus, der genannt wird Christus. 17 So sind es nun von Abraham bis auf David insgesamt vierzehn Glieder; und von David bis zur Übersiedelung nach Babylon vierzehn Glieder; und von der Übersiedelung nach Babylon bis auf Christus vierzehn Glieder."
2. Samuel 12,24 – „24 Und als David sein Weib Batseba getröstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieß er Salomo."

Jahrhunderte nach Batsebas letzter erzählter Lebensszene erscheint ihre Geschichte noch einmal an einer heilsgeschichtlich entscheidenden Stelle. Matthäus eröffnet sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids und des Sohnes Abrahams. Innerhalb dieser Linie führt er die Abstammung über David zu Salomo weiter. Gerade dort, wo Batseba zu erwarten wäre, nennt Matthäus jedoch nicht ihren Namen, sondern schreibt, David habe Salomo „von der Frau Urias“ gezeugt.

Diese Formulierung ist auffällig, weil Matthäus mehrere Frauen innerhalb des Stammbaums ausdrücklich nennt. Batseba wird dagegen über ihre frühere Ehe mit Uria bezeichnet. Der Text erklärt nicht ausdrücklich, weshalb Matthäus diese Form gewählt hat. Deshalb sollte ihr keine Bedeutung zugeschrieben werden, die über den sicheren Befund hinausgeht. Unübersehbar ist jedoch, dass die messianische Abstammung an dieser Stelle nicht von der belasteten Vorgeschichte Davids getrennt wird.

Der Name Uria bleibt dadurch selbst in der Genealogie des Messias gegenwärtig. Das Unrecht, das David ihm angetan hatte, wird nicht aus der Erinnerung der Schrift entfernt, obwohl David später Vergebung empfing und Salomo der von Gott bestätigte König wurde. Gottes Gnade schreibt Geschichte nicht dadurch weiter, dass sie menschliche Schuld nachträglich zu etwas Gutem erklärt. Sie erweist sich vielmehr darin, dass Gottes Verheißung trotz wirklicher Schuld, wirklicher Folgen und zerbrochener menschlicher Verhältnisse nicht scheitert.

Für Batseba erhält diese Nennung eine besondere Bedeutung. Ihre Lebensgeschichte hatte mit einem Geschehen begonnen, in dem David seine königliche Macht missbrauchte und sie als Frau Urias zu sich holen ließ. Später wurde sie Mutter Salomos und nahm als Königsmutter eine angesehene Stellung ein. Matthäus verbindet beide Seiten miteinander: Der Sohn, durch den die königliche Linie weitergeführt wird, stammt von jener Frau, deren erster Ehemann durch Davids Schuld ums Leben gekommen war.

Damit führt Batsebas Geschichte unmittelbar in die davidische Verheißung hinein. Salomos Königtum war bedeutend, doch der Stammbaum des Matthäus bleibt nicht bei ihm stehen. Generation um Generation führt er weiter, bis er bei Josef, dem Mann Marias, und schließlich bei Jesus ankommt, der Christus genannt wird. Batsebas bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung liegt daher nicht darin, dass ihre eigene Lebensgeschichte idealisiert würde, sondern darin, dass Gott die Linie Davids trotz menschlichen Versagens bis zum Messias weiterführt.

Dabei darf Batseba nicht selbst zu einem ausdrücklichen „Typus“ Christi gemacht werden. Das Neue Testament gibt dafür keine entsprechende Erklärung. Ihre sichere Verbindung zu Christus ist genealogisch und heilsgeschichtlich: Sie ist die Mutter Salomos und gehört damit zu jener davidischen Familiengeschichte, innerhalb derer der verheißene Messias schließlich erscheint. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer symbolischen Deutung ihrer Person, sondern auf Gottes Treue zu seiner Verheißung.

Auch andere mögliche Verbindungen müssen vorsichtig behandelt werden. Lukas nennt in seinem Stammbaum Jesu einen Sohn Davids namens Nathan, und 1. Chronik führt tatsächlich einen Nathan unter den Söhnen Batsebas auf. Lukas selbst sagt jedoch an dieser Stelle nicht ausdrücklich, dass dieser Nathan der Sohn Batsebas aus 1. Chronik 3 ist. Eine solche Identifikation darf deshalb nicht ohne Einschränkung zur sicheren Aussage über Batseba gemacht werden.

Mit Matthäus 1 erreicht ihre biblische Nachwirkung ihren klarsten christologischen Punkt. Batsebas Name wird dort nicht ausgesprochen, doch ihre Geschichte ist erkennbar gegenwärtig. Schuld wird nicht verschwiegen, Gnade wird nicht billig gemacht, und Gottes Verheißung bleibt dennoch bestehen. Die messianische Linie führt durch eine beschädigte Familiengeschichte hindurch zu Jesus Christus – zu dem, in dem Gottes Erlösungsplan seine entscheidende Erfüllung findet.

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Zusammenfassung und Gebet

Batsebas Geschichte beginnt an einem Ort, den sie nicht selbst gewählt hat. Als Frau Urias gerät sie in Davids Blick und wird Teil eines Geschehens, für dessen entscheidende Schritte der biblische Bericht David verantwortlich macht. Er kennt ihre Ehe, lässt sie dennoch zu sich holen und versucht anschließend, die daraus entstandene Schwangerschaft zu verbergen. Als dies nicht gelingt, sorgt er dafür, dass Uria im Kampf stirbt. Die Schrift beschönigt diese Ereignisse nicht: Was David getan hatte, war böse in den Augen des HERRN.

Für Batseba folgen schwere Verluste. Uria stirbt, sie wird Davids Frau, und auch ihr erstes gemeinsames Kind stirbt nach Nathans Gerichtswort. Dabei berichtet die Bibel nur wenig über Batsebas innere Erfahrungen. Gerade diese Zurückhaltung muss gewahrt bleiben. Ihre Geschichte darf weder zu einer romantischen Erzählung über David und Batseba umgeformt noch mit psychologischen Vermutungen ausgefüllt werden, die der Text nicht gibt.

Doch Batsebas Leben endet nicht in diesem dunklen Abschnitt. Sie bringt Salomo zur Welt, über den ausdrücklich gesagt wird, dass der HERR ihn liebte. Später nennt die Chronik weitere Söhne, die sie David gebar. Gottes Gnade macht das vorausgegangene Unrecht nicht ungeschehen und erklärt es niemals für gut. Sie zeigt vielmehr, dass menschliche Schuld Gottes Fähigkeit nicht aufhebt, Menschen weiterzuführen und seine Verheißungen zu erfüllen.

Im Alter Davids tritt Batseba deutlich als handelnde Person hervor. Als Adonija eigenmächtig nach dem Königtum greift, wendet sie sich auf Nathans Rat hin an David und erinnert ihn an seinen Eid, dass Salomo sein Nachfolger werden soll. David bestätigt dieses Versprechen und lässt Salomo zum König salben. Batseba steht damit an einem entscheidenden Übergang innerhalb des davidischen Königshauses.

Unter Salomo wird ihre besondere Stellung als Königsmutter sichtbar. Der König erhebt sich vor ihr, verneigt sich und lässt einen Thron zu seiner Rechten aufstellen. Zugleich zeigt die Geschichte mit Adonijas Bitte um Abischag, dass Batsebas Einfluss Grenzen besitzt. Sie kann vor dem König sprechen und Anliegen vortragen, entscheidet aber nicht an seiner Stelle. Salomo trägt selbst die Verantwortung für sein Urteil.

Über Batsebas spätere Jahre und ihren Tod schweigt die Bibel. Ihre heilsgeschichtliche Spur reicht dennoch weiter. Matthäus erinnert in Jesu Stammbaum an sie als „die Frau Urias“ und führt über ihren Sohn Salomo die königliche Linie weiter. Damit lässt die Schrift selbst im Stammbaum des Messias Davids Schuld nicht verschwinden. Uria wird nicht aus der Geschichte gelöscht, und Gnade wird nicht mit Vergessen verwechselt.

Gerade darin liegt eine der tiefsten Botschaften von Batsebas Geschichte. Gott nennt Sünde Sünde, sieht das Leid, das menschliche Entscheidungen verursachen, und nimmt Schuld ernst. Gleichzeitig kann er aus einer zerbrochenen Geschichte heraus Zukunft schenken, ohne das Böse dafür gut nennen zu müssen. Schließlich führt die davidische Linie zu Jesus Christus. In ihm liegt die Hoffnung nicht darin, dass die Vergangenheit umgeschrieben wird, sondern darin, dass Gottes Erlösung größer ist als menschliches Versagen und seine Treue selbst durch gebrochene Lebensgeschichten hindurch Bestand hat.

Herr, du kennst jede Geschichte vollständig und siehst auch das, was Menschen verbergen können. Bewahre mich davor, Sünde kleinzureden oder die Folgen meines Handelns zu unterschätzen. Gib mir ein ehrliches Herz, das Schuld erkennt, bekennt und deine Vergebung annimmt.

Hilf mir zugleich, Menschen nicht auf das Dunkelste ihrer Vergangenheit zu reduzieren. Du kannst mitten in zerbrochenen Umständen weiterwirken, Wunden nicht vergessen und dennoch neue Wege öffnen. Lass mich deiner Gnade vertrauen, ohne sie als Entschuldigung für Ungehorsam zu gebrauchen.

Danke, dass dein Erlösungsplan nicht an menschlichem Versagen zerbricht. Richte meinen Blick auf Jesus Christus, in dem Vergebung, Gerechtigkeit und Hoffnung zusammenkommen. Führe auch mein Leben so, dass deine Treue darin sichtbar wird.

Amen.

„Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ — Römer 5,20

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