Barnabas
Barnabas in der Bibel: Leben, Dienst und Bedeutung
Barnabas, ursprünglich Josef genannt, war ein Levit aus Zypern und ein angesehener Mitarbeiter der jungen christlichen Gemeinde. Die Apostel gaben ihm den Namen Barnabas, und die Apostelgeschichte zeigt ihn als einen Mann, der anderen Vertrauen entgegenbrachte und Verantwortung im Dienst des Evangeliums übernahm. Durch seinen Einsatz diente er wesentlich der Ausbreitung der Botschaft von Jesus Christus über Jerusalem hinaus.
Einführung
Manche Menschen treten in der biblischen Geschichte vor allem durch große Reden, Wunder oder außergewöhnliche Ämter hervor. Bei Barnabas liegt das Gewicht anders. Die Bibel lässt ihn besonders dort sichtbar werden, wo Menschen miteinander verbunden, neue Entwicklungen geprüft und Mitarbeiter für den Dienst Gottes gewonnen werden müssen. Gerade deshalb ist seine Lebensgeschichte eng mit einer entscheidenden Übergangszeit verbunden: Das Evangelium beginnt, sich von Jerusalem aus immer weiter auszubreiten.
Über Barnabas berichtet vor allem die Apostelgeschichte. Ergänzende Hinweise finden sich in den Briefen des Paulus. Dennoch erzählt die Bibel weder von seiner Kindheit noch von seinen Eltern oder seiner Jugend. Auch über den Weg, auf dem er zum Glauben an Jesus Christus kam, wird nichts berichtet. Seine Geschichte beginnt daher nicht mit einer Bekehrungserzählung, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem er bereits zur Gemeinschaft der Gläubigen gehört.
Sein ursprünglicher Name war Josef. Er war ein Levit und stammte aus Zypern. Damit nennt die Schrift gleich bei seinem ersten Auftreten mehrere Angaben, die seine Identität klar bestimmen. Zugleich erhält er von den Aposteln einen Namen, unter dem er fortan bekannt wird: Barnabas. Die Apostelgeschichte verbindet diesen Namen mit Ermutigung beziehungsweise Trost und weist damit auf eine Eigenschaft hin, die in seinem späteren Handeln immer wieder erkennbar wird.
Doch bevor Barnabas als Begleiter und Mitarbeiter anderer hervortritt, berichtet die Bibel von einer einfachen, konkreten Handlung innerhalb der ersten Gemeinde in Jerusalem. Dort beginnt seine eigentliche Lebensgeschichte: mit Besitz, den er freiwillig hingibt, und mit einer Gemeinde, in der gemeinsames Leben und praktische Verantwortung eng miteinander verbunden sind.
Barnabas tritt in Jerusalem hervor
Apostelgeschichte 4,36-37 – „36 Joses aber, von den Aposteln zubenannt Barnabas (das heißt übersetzt: «Sohn des Trostes»), ein Levit, aus Cypern gebürtig, 37 der einen Acker hatte, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen."
Apostelgeschichte 4,36-37 – „36 Joses aber, von den Aposteln zubenannt Barnabas (das heißt übersetzt: «Sohn des Trostes»), ein Levit, aus Cypern gebürtig, 37 der einen Acker hatte, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen."
Apostelgeschichte 4,32-35 – „32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, daß etwas von seinen Gütern sein eigen sei, sondern alles war ihnen gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war auf ihnen allen. 34 Es litt auch niemand unter ihnen Mangel; denn die, welche Besitzer von Äckern oder Häusern ware…"
Die erste sichere biblische Begegnung mit Barnabas findet in Jerusalem statt. Zu diesem Zeitpunkt gehört er bereits zur Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben. Wie er von Jesus hörte, wann er zum Glauben kam und ob er Christus während dessen irdischen Wirkens persönlich begegnete, sagt die Bibel nicht. Lukas setzt bei einem späteren Punkt ein: Barnabas erscheint mitten in der jungen Gemeinde, die nach Pfingsten rasch gewachsen ist und deren gemeinsames Leben von der Botschaft der Auferstehung Jesu geprägt wird.
Noch bevor Lukas von einer konkreten Handlung berichtet, nennt er mehrere Angaben zu seiner Person. Barnabas hieß ursprünglich Josef, gehörte zum Stamm Levi und stammte aus Zypern. Damit war er seiner Abstammung nach ein Levit, lebte oder stammte jedoch aus einer jüdischen Gemeinschaft außerhalb des Landes Israel. Wie und wann er nach Jerusalem gekommen war, wird nicht erklärt. Ebenso bleibt offen, ob er dauerhaft dort wohnte oder sich aufgrund bestimmter Umstände in der Stadt aufhielt.
Die Apostel hatten Josef den Beinamen Barnabas gegeben. Lukas erklärt diesen Namen mit einer Wendung, die den Gedanken von Trost, Zuspruch oder Ermutigung trägt. Der Text sagt nicht ausdrücklich, aus welchem einzelnen Ereignis dieser Beiname entstand. Deshalb wäre es zu weitgehend, eine konkrete Vorgeschichte dafür zu erfinden. Dennoch ist bemerkenswert, dass gerade dieser Name in der weiteren Lebensgeschichte bestehen bleibt und Josef in der Apostelgeschichte nahezu ausschließlich als Barnabas bekannt wird.
Sein erstes berichtetes Handeln steht im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Gemeinschaft unter den Gläubigen in Jerusalem. Lukas beschreibt, dass viele von ihrem Besitz freiwillig etwas zur Verfügung stellten, damit unter den Bedürftigen geholfen werden konnte. Der Besitz wurde dabei nicht als Grundlage des Heils aufgegeben, und der Text errichtet auch kein allgemeines Gebot, nach dem jeder Christ sämtliches Eigentum verkaufen müsste. Vielmehr schildert Apostelgeschichte 4 eine durch Glauben und Liebe geprägte Bereitschaft, eigene Mittel zum Wohl anderer einzusetzen.
In diesem Zusammenhang wird Barnabas besonders hervorgehoben. Er besaß einen Acker, verkaufte ihn und brachte den Erlös zu den Aposteln. Das Geld legte er ihnen zu Füßen und überließ damit die weitere Verwendung der Leitung der Gemeinde. Lukas erklärt keine verborgenen Motive und berichtet auch nicht, ob dies Barnabas' einziger Besitz war. Sicher ist jedoch, dass seine erste namentlich erzählte Handlung mit freiwilligem Geben und konkreter Verantwortung für die Glaubensgemeinschaft verbunden ist.
Diese Handlung erhält zusätzlich Gewicht durch ihre Stellung innerhalb der Apostelgeschichte. Unmittelbar danach erzählt Lukas von Ananias und Saphira, deren Umgang mit einem Grundstücksverkauf von Täuschung geprägt war. Barnabas wird dabei nicht ausdrücklich als Gegenbild bezeichnet, doch die unmittelbare Erzählfolge lässt einen deutlichen Unterschied erkennen: Bei ihm berichtet Lukas schlicht von Verkauf, Übergabe und Hingabe, ohne Betrug oder verborgene Zurückhaltung zu nennen. Die Bibel idealisiert Barnabas damit nicht, stellt sein Verhalten an dieser Stelle aber positiv in den Zusammenhang der Einheit und Fürsorge der Gemeinde.
Am Anfang seiner biblischen Lebensgeschichte steht Barnabas deshalb noch nicht als Missionar oder öffentlicher Lehrer im Mittelpunkt. Er begegnet uns zunächst als Gläubiger, dessen Zugehörigkeit zu Christus praktische Folgen für seinen Umgang mit Besitz und Gemeinde hat. Sein Dienst beginnt nicht mit einer großen Reise, sondern mit Treue innerhalb der bestehenden Gemeinschaft. Gerade aus diesem Umfeld wird später ein Mann hervortreten, dem die Gemeinde weit größere Verantwortung anvertrauen kann.
Barnabas öffnet Saul den Weg zur Gemeinde
Apostelgeschichte 9,26-28 – „26 Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; aber sie fürchteten ihn alle, weil sie nicht glaubten, daß er ein Jünger sei. 27 Barnabas aber nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen und daß dieser zu ihm geredet habe, und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gepredigt habe. 28 Und er ging in Jerusal…"
Apostelgeschichte 9,26-28 – „26 Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; aber sie fürchteten ihn alle, weil sie nicht glaubten, daß er ein Jünger sei. 27 Barnabas aber nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen und daß dieser zu ihm geredet habe, und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gepredigt habe. 28 Und er ging in Jerusal…"
Galater 1,18-19 – „18 Darauf, nach drei Jahren, zog ich nach Jerusalem hinauf, um Petrus kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. 19 Ich sah aber keinen der andern Apostel, außer Jakobus, den Bruder des Herrn."
Als Barnabas wieder in der Apostelgeschichte erscheint, hat sich außerhalb Jerusalems Entscheidendes ereignet. Saul, der die Gemeinde zuvor verfolgt hatte, war auf dem Weg nach Damaskus dem auferstandenen Jesus begegnet und hatte begonnen, ihn als den Sohn Gottes zu verkündigen. Nachdem Widerstand gegen ihn entstanden war und er Damaskus verlassen hatte, kam er nach Jerusalem. Dort versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Doch sie fürchteten sich vor ihm, weil sie nicht glaubten, dass aus dem früheren Verfolger tatsächlich ein Jünger geworden war.
In genau dieser angespannten Situation tritt Barnabas hervor. Apostelgeschichte 9,27 berichtet, dass er Saul zu sich nahm und ihn zu den Aposteln brachte. Der Text beschreibt damit mehr als eine beiläufige Begegnung. Während andere angesichts von Sauls Vergangenheit zurückschreckten, stellte Barnabas eine Verbindung zwischen ihm und den führenden Männern der Gemeinde her. Weshalb Barnabas bereit war, ihm Vertrauen entgegenzubringen, wird nicht erklärt; die Bibel berichtet lediglich, dass er handelte.
Barnabas legte den Aposteln dar, was mit Saul geschehen war. Er berichtete von dessen Begegnung mit dem Herrn auf dem Weg und davon, dass Jesus zu ihm gesprochen hatte. Ebenso wies er auf Sauls anschließendes Auftreten in Damaskus hin, wo dieser freimütig im Namen Jesu verkündigt hatte. Wie Barnabas diese Einzelheiten erfahren hatte, sagt Lukas nicht. Entscheidend ist, dass er Sauls gegenwärtiges Zeugnis nicht von dessen Vergangenheit trennte, sondern den Aposteln die Veränderung vor Augen stellte, die mit der Begegnung mit Christus verbunden war.
Paulus selbst blickt im Galaterbrief später auf diesen ersten Aufenthalt in Jerusalem zurück. Dort nennt er Petrus, bei dem er fünfzehn Tage blieb, und Jakobus, den Bruder des Herrn. Die unterschiedliche Schwerpunktsetzung muss nicht gegeneinander ausgespielt werden: Lukas beschreibt Barnabas' Vermittlung und Sauls Aufnahme in den Jerusalemer Kreis, während Paulus im Galaterbrief besonders hervorhebt, mit welchen maßgeblichen Personen er während dieses Aufenthalts tatsächlich zusammentraf. Beide Berichte machen zugleich deutlich, dass dieser Besuch begrenzt war und nicht den Beginn einer langen Ausbildung Sauls durch die Jerusalemer Apostel darstellte.
Nach der Vermittlung durch Barnabas konnte Saul sich in Jerusalem mit den Jüngern bewegen und auch dort freimütig im Namen des Herrn Jesus sprechen. Barnabas machte Saul nicht zu einem Apostel und gab ihm auch nicht dessen Berufung; diese ging von Christus selbst aus. Sein Beitrag bestand vielmehr darin, einem von Christus berufenen Mann dort den Weg in die Gemeinschaft zu öffnen, wo dessen frühere Taten verständlicherweise Misstrauen ausgelöst hatten. Barnabas nahm damit eine dienende Stellung ein: Er ersetzte Gottes Wirken nicht, sondern half anderen, dessen bereits sichtbare Früchte anzuerkennen.
Dabei wird auch die geistliche Nüchternheit dieses Ereignisses sichtbar. Christliche Vergebung bedeutet nicht, dass eine bedrohliche Vergangenheit einfach geleugnet werden müsste. Die Furcht der Jerusalemer Jünger hatte einen realen Hintergrund, denn Saul hatte die Gemeinde tatsächlich verfolgt. Doch Christus hatte in sein Leben eingegriffen. Barnabas hielt deshalb weder an Sauls Vergangenheit fest, als wäre Veränderung unmöglich, noch gründete er seine Vermittlung auf bloße Behauptungen ohne erkennbare Folgen: Er verwies auf Sauls Begegnung mit dem Herrn und auf dessen öffentliches Zeugnis für Jesus.
Für Barnabas wird hier erstmals jene verbindende Aufgabe sichtbar, die seinen weiteren Dienst prägen wird. Er steht nicht im Mittelpunkt der Bekehrung Sauls und auch nicht im Mittelpunkt von dessen späterer Berufung unter den Völkern. Dennoch begegnet er an einem entscheidenden Übergang: Dort, wo ein Mensch von Christus bereits verändert worden ist, die Gemeinde diese Veränderung aber noch nicht einordnen kann, hilft Barnabas, Vertrauen und Gemeinschaft zu ermöglichen. Jahre später werden sich ihre Wege erneut kreuzen – diesmal nicht nur für eine Begegnung in Jerusalem, sondern in einem gemeinsamen Dienst, der die Ausbreitung des Evangeliums weit über die Stadt hinausführen wird.
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Barnabas wird nach Antiochia gesandt
Apostelgeschichte 11,19-24 – „19 Die nun, welche sich zerstreut hatten seit der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhoben hatte, zogen bis nach Phönizien und Cypern und Antiochia und redeten das Wort zu niemand, als nur zu Juden. 20 Es waren aber etliche unter ihnen, Cyprier und Kyrenäer, die, als sie nach Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten und ihnen das Evangelium vom Herrn Jesus verkündigten. 21 Und die Hand d…"
Apostelgeschichte 11,19-24 – „19 Die nun, welche sich zerstreut hatten seit der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhoben hatte, zogen bis nach Phönizien und Cypern und Antiochia und redeten das Wort zu niemand, als nur zu Juden. 20 Es waren aber etliche unter ihnen, Cyprier und Kyrenäer, die, als sie nach Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten und ihnen das Evangelium vom Herrn Jesus verkündigten. 21 Und die Hand d…"
Apostelgeschichte 11,1-18 – „1 Es hörten aber die Apostel und die Brüder, die in Judäa waren, daß auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hätten. 2 Und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, machten die aus der Beschneidung ihm Vorwürfe und sprachen: 3 Du bist zu unbeschnittenen Männern hineingegangen und hast mit ihnen gegessen! 4 Da hob Petrus an und erzählte ihnen alles der Reihe nach und sprach: 5 Ich war in der Stadt J…"
Nach Sauls kurzem Aufenthalt in Jerusalem verschwindet Barnabas zunächst wieder aus dem Bericht. Inzwischen breitet sich das Evangelium unter dem Druck der Verfolgung immer weiter aus. Gläubige, die nach dem Tod des Stephanus zerstreut worden waren, gelangten bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia. Zunächst verkündigten viele von ihnen das Wort nur unter Juden. Einige Männer aus Zypern und Kyrene wandten sich jedoch in Antiochia auch an griechischsprachige Menschen, und Lukas berichtet, dass die Hand des Herrn mit ihnen war und eine große Zahl zum Glauben an den Herrn kam.
Diese Entwicklung war für die junge Gemeinde von großer Bedeutung. Bereits zuvor hatte Gott durch Petrus und die Aufnahme des Kornelius unmissverständlich gezeigt, dass auch Menschen aus den Völkern durch den Glauben an Jesus Christus angenommen werden. Petrus musste diese Erfahrung anschließend gegenüber den Gläubigen in Jerusalem erklären. Die Ausbreitung des Evangeliums in Antiochia stand deshalb nicht losgelöst von Gottes vorherigem Handeln, sondern führte weiter, was sich bereits geöffnet hatte: Die gute Nachricht von Christus überschritt immer deutlicher die bisherigen Grenzen.
Als die Nachricht darüber die Gemeinde in Jerusalem erreichte, sandte sie Barnabas nach Antiochia. Die Apostelgeschichte erklärt nicht ausdrücklich, warum gerade er ausgewählt wurde. Seine Herkunft aus Zypern könnte für das Umfeld hilfreich gewesen sein, doch der Text nennt dies nicht als Begründung. Sicher ist nur, dass die Jerusalemer Gemeinde ihm genügend Vertrauen entgegenbrachte, um ihn in eine Situation zu senden, in der eine neue und weitreichende Entwicklung geprüft und begleitet werden musste.
Als Barnabas in Antiochia ankam, begegnete er nicht zuerst einem Problem, sondern dem Wirken Gottes. Lukas sagt, dass er die Gnade Gottes sah und sich darüber freute. Diese Formulierung ist für die Einordnung seines Dienstes entscheidend. Barnabas machte die neue Gemeinde nicht von seiner eigenen Zustimmung abhängig, sondern erkannte an, was Gott bereits getan hatte. Wo Menschen zum Herrn fanden, sah er nicht zuerst deren unterschiedliche Herkunft, sondern die Wirkung göttlicher Gnade.
Seine Reaktion bestand dennoch nicht nur in Freude. Barnabas ermahnte die neuen Gläubigen, mit festem Herzen beim Herrn zu bleiben. Seine Ermutigung richtete sich also auf beständige Bindung an Christus. Die neue Bewegung sollte weder von menschlicher Begeisterung noch von der Persönlichkeit einzelner Mitarbeiter getragen werden. Entscheidend war, dass diejenigen, die zum Glauben gekommen waren, dem Herrn treu verbunden blieben. Gerade darin entsprach Barnabas seinem Namen: Sein Zuspruch stärkte andere nicht in sich selbst, sondern führte sie zu größerer Festigkeit in Christus.
An dieser Stelle gibt Lukas eine ungewöhnlich klare Bewertung seiner Person. Barnabas wird als guter Mann beschrieben, erfüllt mit Heiligem Geist und Glauben. Diese Aussage stammt nicht aus Barnabas' eigener Selbsteinschätzung, sondern aus der Darstellung des inspirierten Erzählers. Sie idealisiert ihn nicht für seine gesamte weitere Lebensgeschichte, gibt aber eine eindeutige Bewertung seines Dienstes in Antiochia. Zugleich verbindet Lukas diese Beschreibung unmittelbar mit dem Wachstum der Gemeinde: Eine beträchtliche Menge wurde dem Herrn hinzugetan.
Barnabas tritt damit in eine neue Lebensphase ein. In Jerusalem hatte er bereits durch sein Geben und seine Vermittlung Verantwortung innerhalb der Gemeinde gezeigt; nun wird ihm erstmals ein weiterreichender Dienst außerhalb Jerusalems anvertraut. Er begegnet einer Gemeinde, die aus einer unerwarteten Ausbreitung des Evangeliums entstanden ist, erkennt darin Gottes Gnade und hilft den neuen Gläubigen, bei Christus zu bleiben. Doch das Wachstum in Antiochia macht zugleich deutlich, dass dieser Dienst größer ist, als ein einzelner Mitarbeiter ihn allein tragen sollte.
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Barnabas holt Saul nach Antiochia
Apostelgeschichte 11,25-26 – „25 Und Barnabas zog aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen, und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. 26 Es begab sich aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde beisammen blieben und eine beträchtliche Menge lehrten, und daß die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden."
Apostelgeschichte 11,25-26 – „25 Und Barnabas zog aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen, und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. 26 Es begab sich aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde beisammen blieben und eine beträchtliche Menge lehrten, und daß die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden."
Apostelgeschichte 9,29-30 – „29 Er redete und stritt auch mit den Hellenisten; sie aber suchten ihn umzubringen. 30 Da das aber die Brüder erfuhren, brachten sie ihn gen Cäsarea und schickten ihn nach Tarsus."
Apostelgeschichte 13,1 – „1 Es waren aber zu Antiochia in der dortigen Gemeinde etliche Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene und Manahen, der mit dem Vierfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus."
Das starke Wachstum der Gemeinde in Antiochia führte Barnabas zu einer bemerkenswerten Entscheidung. Anstatt den wachsenden Dienst allein weiterzuführen, verließ er Antiochia und machte sich nach Tarsus auf, um Saul zu suchen. Saul war Jahre zuvor nach heftigen Auseinandersetzungen in Jerusalem von den Brüdern nach Cäsarea gebracht und von dort nach Tarsus gesandt worden. Über die Zwischenzeit berichtet die Apostelgeschichte nur wenig. Nun führt Barnabas ihn wieder ausdrücklich in die fortlaufende Geschichte der Gemeinde zurück.
Lukas sagt knapp, dass Barnabas nach Tarsus zog, um Saul zu suchen. Weshalb er gerade an ihn dachte, wird nicht ausdrücklich erklärt. Doch Barnabas kannte bereits Sauls Berufung und dessen freimütige Verkündigung Jesu aus der Zeit seines ersten Jerusalemer Aufenthalts. Er hatte damals selbst für ihn vor den Aposteln gesprochen. Die Entscheidung, Saul nun nach Antiochia zu holen, steht deshalb nicht am Anfang ihrer Beziehung, sondern setzt eine bereits vorhandene Kenntnis seines Glaubens und Dienstes voraus.
Barnabas fand Saul und brachte ihn nach Antiochia. Damit beginnt eine neue Phase ihrer Zusammenarbeit. Bemerkenswert ist, dass Barnabas durch die Hinzunahme eines weiteren begabten Mitarbeiters seine eigene Stellung nicht absichert oder abschirmt. Der Bibeltext beschreibt keine Rivalität zwischen ihnen. Barnabas erkennt vielmehr, dass die wachsende Gemeinde Unterweisung benötigt, und bezieht Saul in diese Aufgabe ein. Er dient damit nicht nur selbst, sondern öffnet einem anderen Raum zum Dienst.
Ein ganzes Jahr lang kamen Barnabas und Saul mit der Gemeinde zusammen und lehrten eine große Zahl von Menschen. Antiochia war also nicht lediglich ein Ort rascher Bekehrungen; die neu entstandene Gemeinschaft wurde auch fortlaufend unterwiesen. Das Evangelium führte Menschen zu Christus, und die anschließende Lehre sollte ihren Glauben festigen. Barnabas' Dienst der Ermutigung und Sauls Mitarbeit stehen hier gemeinsam im Dienst einer Gemeinde, die lernen musste, als Nachfolger Jesu zu leben.
In diesem Zusammenhang berichtet Lukas auch, dass die Jünger in Antiochia erstmals Christen genannt wurden. Die Bibel erklärt an dieser Stelle weder, wer diese Bezeichnung prägte, noch mit welcher Absicht sie zunächst verwendet wurde. Deshalb lässt sich daraus keine sichere Geschichte über den Ursprung des Namens ableiten. Fest steht jedoch, dass die Gemeinschaft inzwischen so deutlich mit Christus verbunden wahrgenommen wurde, dass eine entsprechende Bezeichnung für seine Jünger entstand.
Apostelgeschichte 13 gewährt wenig später einen weiteren Einblick in die inzwischen gewachsene Gemeinde. Barnabas und Saul erscheinen dort nicht allein, sondern innerhalb eines größeren Kreises von Propheten und Lehrern. Genannt werden neben ihnen Simeon, genannt Niger, Luzius von Kyrene und Manaën. Antiochia war somit nicht von einem einzelnen führenden Menschen abhängig. Verschiedene Mitarbeiter dienten gemeinsam, und Barnabas war Teil dieser geistlich vielfältigen Leitung.
Gerade darin zeigt sich eine wichtige Entwicklung seines Lebens. Barnabas war nach Antiochia als Abgesandter aus Jerusalem gekommen, doch er blieb nicht der Außenstehende, der lediglich eine neue Bewegung kontrollierte. Er wurde selbst Teil dieser Gemeinde, half bei ihrer Festigung und brachte Saul bewusst in ihren Dienst hinein. Aus dem Mann, der einst Saul den Aposteln vorgestellt hatte, wurde nun dessen enger Mitarbeiter. Diese gemeinsame Arbeit sollte jedoch nicht auf Antiochia beschränkt bleiben, denn innerhalb dieser Gemeinde würde der Heilige Geist ihnen bald einen neuen Auftrag geben.
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Barnabas bringt Hilfe nach Jerusalem
Apostelgeschichte 11,27-30 – „27 In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem hinab nach Antiochia. 28 Und einer von ihnen, mit Namen Agabus, trat auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, welche über den ganzen Erdkreis kommen sollte; welche dann auch eintrat unter dem Kaiser Claudius. 29 Da beschlossen die Jünger, daß ein jeder von ihnen gemäß seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Hilf…"
Apostelgeschichte 11,27-30 – „27 In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem hinab nach Antiochia. 28 Und einer von ihnen, mit Namen Agabus, trat auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, welche über den ganzen Erdkreis kommen sollte; welche dann auch eintrat unter dem Kaiser Claudius. 29 Da beschlossen die Jünger, daß ein jeder von ihnen gemäß seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Hilf…"
Apostelgeschichte 12,25 – „25 Barnabas aber und Saulus kehrten von Jerusalem zurück, nachdem sie die Hilfeleistung ausgerichtet hatten, und nahmen auch Johannes mit dem Zunamen Markus mit sich."
Während Barnabas und Saul in Antiochia lehrten, kamen Propheten aus Jerusalem in die Gemeinde. Einer von ihnen, Agabus, kündigte durch den Geist eine große Hungersnot an. Lukas berichtet, dass diese Hungersnot während der Regierungszeit des Claudius eintrat. Für Barnabas bedeutete diese Nachricht den Übergang von der gemeinsamen Lehrarbeit zu einer neuen Aufgabe: Die Gemeinde in Antiochia entschied, den Glaubensgeschwistern in Judäa praktische Hilfe zukommen zu lassen.
Die Reaktion der Jünger ist sorgfältig formuliert. Jeder sollte entsprechend seinen Möglichkeiten etwas zur Unterstützung beitragen. Es wird weder ein festgelegter Betrag noch eine erzwungene Gleichheit beschrieben. Die Hilfe entstand aus freiwilliger Verantwortung füreinander. Damit begegnet Barnabas erneut in einem Zusammenhang, der bereits bei seinem ersten Auftreten in Jerusalem eine Rolle gespielt hatte: Glaube an Christus zeigte sich auch darin, materielle Mittel für Menschen einzusetzen, die Unterstützung benötigten.
Die gesammelte Hilfe sollte den Ältesten in Judäa überbracht werden. Für diese Aufgabe bestimmte die Gemeinde Barnabas und Saul. Dass gerade sie mit der Übergabe betraut wurden, zeigt das Vertrauen, das beide inzwischen in Antiochia genossen. Barnabas kehrte damit in eine Region zurück, in der er bereits bekannt war, diesmal jedoch nicht als einzelner Geber oder Vermittler, sondern als Beauftragter einer Gemeinde außerhalb Judäas.
Dieser Vorgang besitzt auch eine größere Bedeutung für die Entwicklung der jungen christlichen Gemeinschaft. In Antiochia war eine Gemeinde gewachsen, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft zum Glauben an Christus gefunden hatten. Nun empfing diese Gemeinde nicht lediglich geistliche Orientierung aus Jerusalem, sondern übernahm selbst Verantwortung für Bedürftige in Judäa. Das Evangelium schuf eine Verbundenheit, die geografische und bisherige gesellschaftliche Grenzen überschritt. Barnabas und Saul wurden zu Überbringern dieses sichtbaren Ausdrucks gemeinsamer Zugehörigkeit.
Die Apostelgeschichte berichtet nicht ausführlich, wie die Übergabe der Hilfe verlief. Auch Gespräche mit den Ältesten oder Einzelheiten ihres Aufenthalts werden an dieser Stelle nicht beschrieben. Deshalb sollte der Bericht nicht mit vermuteten Begegnungen ausgeschmückt werden. Sicher ist, dass Barnabas und Saul den ihnen übertragenen Dienst erfüllten und anschließend zurückkehrten. Lukas konzentriert sich damit nicht auf ihre persönliche Anerkennung, sondern auf die zuverlässige Ausführung des Auftrags.
Bei ihrer Rückkehr nahmen Barnabas und Saul Johannes mit, der auch Markus genannt wurde. Dieser Johannes Markus war mit der Jerusalemer Gemeinde verbunden; im Haus seiner Mutter Maria versammelten sich Gläubige zum Gebet, als Petrus gefangen gehalten wurde. Später bezeichnet Paulus Markus ausdrücklich als Vetter beziehungsweise Verwandten des Barnabas. Damit tritt nun ein weiterer Mitarbeiter in Barnabas' Lebensgeschichte, dessen Beziehung zu ihm noch erhebliche Bedeutung gewinnen wird.
Barnabas kehrt also nicht unverändert nach Antiochia zurück. Hinter ihm liegt ein erfüllter Hilfsdienst zwischen zwei Gemeinden, und mit Johannes Markus kommt ein neuer Begleiter hinzu. Noch wissen Barnabas und Saul nicht aus eigener Planung heraus, welchen nächsten Weg sie einschlagen sollen. Die Initiative für ihre kommende Aufgabe wird vielmehr während des gemeinsamen Gottesdienstes und Fastens der Gemeinde von Gott selbst ausgehen.
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Barnabas und Saul werden ausgesandt
Apostelgeschichte 13,1-4 – „1 Es waren aber zu Antiochia in der dortigen Gemeinde etliche Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene und Manahen, der mit dem Vierfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2 Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu welchem ich sie berufen habe! 3 Da fasteten und …"
Apostelgeschichte 13,1-4 – „1 Es waren aber zu Antiochia in der dortigen Gemeinde etliche Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene und Manahen, der mit dem Vierfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2 Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu welchem ich sie berufen habe! 3 Da fasteten und …"
Apostelgeschichte 13,5 – „5 Und in Salamis angekommen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes zum Diener."
Apostelgeschichte 13,9 – „9 Saulus aber, der auch Paulus heißt, voll heiligen Geistes, blickte ihn an"
Nach ihrer Rückkehr nach Antiochia stehen Barnabas und Saul wieder mitten in einer Gemeinde, die inzwischen von mehreren Propheten und Lehrern getragen wird. Lukas nennt Barnabas an erster Stelle, danach Simeon, genannt Niger, Luzius von Kyrene, Manaën und Saul. Über eine Rangordnung sagt diese Aufzählung nichts ausdrücklich. Deutlich ist jedoch, dass der Dienst in Antiochia gemeinschaftlich geschieht und dass Barnabas nicht allein handelt.
Während diese Männer dem Herrn dienen und fasten, spricht der Heilige Geist: Barnabas und Saul sollen für das Werk ausgesondert werden, zu dem er sie berufen hat. Der neue Auftrag entsteht damit weder aus persönlichem Ehrgeiz noch aus einer eigenmächtigen Missionsplanung. Die Initiative wird ausdrücklich Gott zugeschrieben. Zugleich geschieht die Berufung nicht losgelöst von der Gemeinde, sondern inmitten ihres Gottesdienstes und ihres gemeinsamen Suchens nach Gottes Führung.
Nachdem die Gemeinde weiter gefastet und gebetet hat, legt sie Barnabas und Saul die Hände auf und lässt sie ziehen. Die Handauflegung verleiht ihnen nicht erst eine Berufung, die sie vorher nicht besaßen; der Heilige Geist hatte sie bereits ausgesondert. Sie bringt vielmehr sichtbar zum Ausdruck, dass die Gemeinde ihren Auftrag anerkennt und sie in diesen Dienst entsendet. Persönliche Berufung und Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft stehen dadurch nicht gegeneinander.
Lukas betont anschließend nochmals, dass Barnabas und Saul vom Heiligen Geist ausgesandt wurden. Von Antiochia aus gingen sie zunächst nach Seleuzia und von dort mit dem Schiff nach Zypern. Für Barnabas bedeutete dieser Weg die Rückkehr auf die Insel, aus der er stammte. Der Text erklärt jedoch nicht, ob gerade seine Herkunft die Wahl dieses ersten Missionsgebietes bestimmte. Deshalb bleibt sicher nur, dass Zypern die erste größere Station ihres gemeinsamen ausgesandten Dienstes wurde.
In Salamis angekommen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes Markus war als Helfer bei ihnen. Die Mission beginnt damit nicht mit einer Abkehr vom jüdischen Volk, sondern innerhalb der Synagogen. Barnabas und Saul verkündigen die Botschaft von Jesus Christus in einem Umfeld, das mit den Schriften Israels vertraut war. Gleichzeitig trägt ihre Reise bereits die Bewegung in sich, die das Evangelium zunehmend auch zu Menschen außerhalb Israels führen wird.
Auffällig ist zunächst die Reihenfolge der Namen: Lukas spricht von Barnabas und Saul. Diese Formulierung passt zu Barnabas' bisheriger Stellung als erfahrener Mitarbeiter der Gemeinde in Antiochia und zu seiner Rolle bei Sauls Einbindung in den gemeinsamen Dienst. Doch innerhalb derselben Reise beginnt sich die öffentliche Gewichtung zu verändern. Lukas verwendet bald erstmals den römischen Namen Paulus für Saul, und in den folgenden Berichten erscheint Paulus zunehmend als derjenige, der in entscheidenden Situationen das Wort ergreift.
Für Barnabas wird gerade diese Veränderung bedeutsam. Die Bibel berichtet nicht, dass er sich dagegen wehrt oder seine bisherige Stellung verteidigt. Er bleibt Teil des von Gott gegebenen Auftrags, auch während ein anderer Mitarbeiter stärker in den Vordergrund tritt. Der gemeinsame Weg hat erst begonnen, doch schon jetzt wird sichtbar, dass Barnabas' Dienst nicht daran gebunden ist, selbst die bekannteste Stimme zu sein. Entscheidend bleibt das Werk, zu dem der Heilige Geist sie berufen hat.
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Auf Zypern geraten Barnabas und Paulus in Widerstand
Apostelgeschichte 13,6-12 – „6 Und als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, fanden sie einen jüdischen Zauberer und falschen Propheten, namens Barjesus, 7 welcher bei dem Statthalter Sergius Paulus war, einem verständigen Mann. Dieser ließ Barnabas und Saulus holen und begehrte das Wort Gottes zu hören. 8 Aber es widersetzte sich ihnen Elymas, der Zauberer (denn so wird sein Name übersetzt), und suchte den …"
Apostelgeschichte 13,6-12 – „6 Und als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, fanden sie einen jüdischen Zauberer und falschen Propheten, namens Barjesus, 7 welcher bei dem Statthalter Sergius Paulus war, einem verständigen Mann. Dieser ließ Barnabas und Saulus holen und begehrte das Wort Gottes zu hören. 8 Aber es widersetzte sich ihnen Elymas, der Zauberer (denn so wird sein Name übersetzt), und suchte den …"
Apostelgeschichte 13,4-5 – „4 Diese nun, vom heiligen Geist ausgesandt, zogen hinab gen Seleucia und fuhren von dort zu Schiff nach Cypern. 5 Und in Salamis angekommen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes zum Diener."
Nachdem Barnabas, Saul und Johannes Markus ihren Dienst in Salamis begonnen hatten, durchzogen sie die Insel Zypern bis nach Paphos. Lukas berichtet nicht, welche Orte sie unterwegs noch aufsuchten oder wie lange dieser Abschnitt der Reise dauerte. Der Bericht setzt erst wieder ausführlicher ein, als sie in Paphos auf einen Mann treffen, der als Bar-Jesus beziehungsweise Elymas bezeichnet wird. Er war ein jüdischer Zauberer und falscher Prophet.
Elymas stand in Verbindung mit Sergius Paulus, dem Statthalter der Insel. Lukas beschreibt diesen als verständigen Mann, der Barnabas und Saul zu sich rufen ließ, weil er das Wort Gottes hören wollte. Damit begegnen die beiden Missionare erstmals in der Apostelgeschichte einem hochgestellten nichtjüdischen Amtsträger, der ausdrücklich Interesse an ihrer Botschaft zeigt. Der Zugang entsteht nicht durch politischen Einfluss, sondern dadurch, dass Sergius Paulus selbst nach dem Wort Gottes verlangt.
Doch gerade dort, wo ein Mensch hören will, entsteht Widerstand. Elymas widersetzt sich Barnabas und Saul und versucht, den Statthalter vom Glauben abzuhalten. Der Konflikt richtet sich damit nicht lediglich gegen die beiden Verkündiger persönlich. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Sergius Paulus die Botschaft von Christus hören und ihr glauben wird. Lukas beschreibt Elymas deshalb als jemanden, der sich dem Werk Gottes entgegenstellt.
An dieser Stelle tritt Saul besonders hervor. Lukas nennt ihn nun ausdrücklich Paulus und berichtet, dass er, erfüllt vom Heiligen Geist, Elymas fest ansieht und ihn scharf zurechtweist. Paulus bezeichnet dessen Verhalten als Verkehrung der geraden Wege des Herrn. Anschließend kündigt er ihm an, dass die Hand des Herrn über ihn kommen und er für eine Zeit blind sein werde. Sofort fällt Dunkelheit über Elymas, sodass er Menschen sucht, die ihn an der Hand führen.
Barnabas spricht in diesem einzelnen Konflikt nicht selbst im Bericht. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass er bedeutungslos geworden wäre. Er gehört weiterhin zu den ausgesandten Mitarbeitern und steht mit Paulus im gemeinsamen Auftrag. Lukas konzentriert sich hier auf Paulus, weil dieser in der konkreten Auseinandersetzung handelt und spricht. Zugleich wird damit sichtbar, dass sich innerhalb der Mission die öffentliche Führungsrolle zunehmend zu Paulus hin verschiebt.
Der Statthalter sieht, was geschehen ist, und kommt zum Glauben. Bemerkenswert ist jedoch, worüber Lukas seine Reaktion besonders beschreibt: Sergius Paulus ist nicht lediglich über das Zeichen erstaunt, sondern über die Lehre des Herrn. Das Gericht über Elymas bestätigt den Ernst der Situation, doch das Zentrum des Geschehens bleibt Gottes Botschaft. Der Glaube richtet sich nicht auf Paulus oder Barnabas und auch nicht auf das Wunder, sondern auf den Herrn, dessen Wort verkündigt wird.
Für Barnabas bedeutet dieser Abschnitt, dass sein gemeinsamer Dienst eine neue Gestalt annimmt. Der Mann, den er einst nach Antiochia geholt hatte, tritt nun mit besonderer Vollmacht und Klarheit hervor. Barnabas bleibt an seiner Seite, obwohl der Bericht zunehmend von Paulus als führender Stimme geprägt wird. Diese Veränderung wird auf der weiteren Reise noch deutlicher werden – und zugleich wird die kleine Missionsgruppe bald eine erste schmerzliche Trennung erleben.
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Johannes Markus verlässt die Missionsgruppe
Apostelgeschichte 13,13-14 – „13 Paulus aber und seine Gefährten fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien; Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück. 14 Sie aber zogen von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien und gingen am Sabbattag in die Synagoge und setzten sich."
Apostelgeschichte 13,13-14 – „13 Paulus aber und seine Gefährten fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien; Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück. 14 Sie aber zogen von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien und gingen am Sabbattag in die Synagoge und setzten sich."
Apostelgeschichte 13,43 – „43 Nachdem aber die [Versammlung in der] Synagoge sich aufgelöst hatte, folgten viele Juden und gottesfürchtige Proselyten dem Paulus und Barnabas nach, welche zu ihnen redeten und sie ermahnten, bei der Gnade Gottes zu beharren."
Apostelgeschichte 15,37-39 – „37 Barnabas aber wollte auch den Johannes, der Markus zubenannt wird, mitnehmen. 38 Paulus aber hielt dafür, daß der, welcher in Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen zu dem Werke gekommen war, nicht mitzunehmen sei. 39 Darob entstand eine Erbitterung, so daß sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus zu sich nahm und zu Schiff nach Cypern fuhr."
Nach dem Aufenthalt auf Zypern setzt die Missionsgruppe ihre Reise fort. Lukas formuliert nun auffällig: „Paulus und seine Begleiter“ fahren von Paphos nach Perge in Pamphylien. Barnabas gehört weiterhin zu ihnen und wird wenig später wieder ausdrücklich neben Paulus genannt, doch die veränderte Ausdrucksweise bestätigt, dass Paulus inzwischen stärker in den Vordergrund getreten ist. Barnabas bleibt dennoch Teil desselben Auftrags, zu dem der Heilige Geist beide gemeinsam ausgesandt hatte.
In Perge ereignet sich etwas, das für Barnabas später noch große Bedeutung gewinnen wird. Johannes Markus verlässt die Gruppe und kehrt nach Jerusalem zurück. Lukas nennt an dieser Stelle keinen Grund. Die Bibel sagt weder, dass Markus aus Angst aufgab, noch dass Krankheit, familiäre Verpflichtungen oder persönliche Spannungen hinter seiner Entscheidung standen. Jede solche Erklärung wäre Spekulation. Sicher ist nur, dass er die gemeinsame Reise nicht fortsetzte.
Für Barnabas war dieser Abbruch auch deshalb nicht belanglos, weil Markus sein Verwandter war. Dennoch berichtet Lukas in dieser Situation von keinem Streit. Barnabas reist mit Paulus weiter. Er lässt also den gemeinsamen Missionsauftrag nicht deshalb zurück, weil sein Verwandter nach Jerusalem zurückkehrt. Die persönliche Beziehung zu Markus und die Verantwortung im gemeinsamen Dienst werden an diesem Punkt nicht gegeneinander ausgespielt.
Paulus und Barnabas ziehen von Perge weiter bis nach Antiochia in Pisidien. Dort besuchen sie am Sabbat die Synagoge. Nachdem aus Gesetz und Propheten gelesen worden ist, werden sie eingeladen zu sprechen. Paulus hält daraufhin eine ausführliche Rede, in der er Gottes Handeln mit Israel bis zu Jesus Christus entfaltet und dessen Tod und Auferstehung verkündigt. Barnabas wird während dieser Rede nicht als Sprecher genannt, bleibt aber ausdrücklich an Paulus' Seite und gehört zum gemeinsamen Verkündigungsdienst.
Die Botschaft stößt zunächst auf großes Interesse. Viele Juden und gottesfürchtige Proselyten folgen Paulus und Barnabas, und beide ermutigen sie, in der Gnade Gottes zu bleiben. Damit begegnet bei Barnabas erneut ein bereits vertrauter Schwerpunkt. Schon in Antiochia in Syrien hatte er die Gläubigen ermahnt, mit festem Herzen beim Herrn zu bleiben. Nun geschieht Vergleichbares in einer völlig anderen Stadt: Menschen hören das Evangelium, und Barnabas hilft ihnen, nicht bei einem ersten Interesse stehenzubleiben.
Am folgenden Sabbat versammelt sich beinahe die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Zugleich wächst der Widerstand. Einige widersprechen der Verkündigung des Paulus, worauf Paulus und Barnabas gemeinsam freimütig antworten. Nun spricht Lukas nicht mehr nur von Paulus als Verkündiger, sondern ausdrücklich von beiden. Sie erklären, dass das Wort Gottes zuerst den Juden verkündigt werden musste, wenden sich angesichts der Ablehnung aber verstärkt den Menschen aus den Völkern zu.
Der Abbruch des Johannes Markus beendet den Auftrag von Barnabas daher nicht. Während ein Mitarbeiter die Reise verlässt, geht Barnabas mit Paulus weiter, verkündigt Christus und trägt die zunehmende Ausweitung des Evangeliums mit. Zugleich bleibt das Ereignis von Perge offen im Hintergrund. Was jetzt noch ohne ausführliche Erklärung berichtet wird, wird später zu einem ernsten Konflikt zwischen Barnabas und Paulus führen, als die Frage entsteht, ob Markus erneut mit auf Reisen genommen werden soll.
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Barnabas bleibt im Widerstand an Paulus’ Seite
Apostelgeschichte 13,44-52 – „44 Und am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. 45 Als aber die Juden die Volksmenge sahen, wurden sie voll Eifersucht und widersprachen dem, was Paulus sagte, und lästerten. 46 Da sprachen Paulus und Barnabas freimütig: Euch mußte das Wort Gottes zuerst gepredigt werden; da ihr es aber von euch stoßet und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig a…"
Apostelgeschichte 13,44-52 – „44 Und am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. 45 Als aber die Juden die Volksmenge sahen, wurden sie voll Eifersucht und widersprachen dem, was Paulus sagte, und lästerten. 46 Da sprachen Paulus und Barnabas freimütig: Euch mußte das Wort Gottes zuerst gepredigt werden; da ihr es aber von euch stoßet und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig a…"
Apostelgeschichte 14,1-7 – „1 Es geschah aber in Ikonium, daß sie miteinander in die Synagoge der Juden gingen und derart redeten, daß eine große Menge von Juden und Griechen gläubig wurde. 2 Die ungläubig gebliebenen Juden aber erregten und erbitterten die Gemüter der Heiden gegen die Brüder. 3 Doch blieben sie längere Zeit daselbst und lehrten freimütig im Vertrauen auf den Herrn, der dem Wort seiner Gnade Zeugnis gab und…"
In Antiochia in Pisidien verschärft sich der Widerstand gegen die Verkündigung. Als sich am folgenden Sabbat beinahe die ganze Stadt versammelt, um das Wort Gottes zu hören, reagieren einige der jüdischen Zuhörer mit Widerspruch. Paulus und Barnabas antworten gemeinsam mit großer Freimütigkeit. Sie erklären, dass das Wort Gottes zuerst zu den Juden gesprochen werden sollte, wenden sich aber angesichts der Ablehnung nun ausdrücklich den Menschen aus den Völkern zu.
Dabei berufen sie sich auf Gottes Auftrag, dass sein Heil bis an die Enden der Erde gelangen soll. Die Botschaft, die sie verkündigen, ist also nicht auf eine einzelne Stadt oder Volksgruppe begrenzt. In Jesus Christus öffnet sich Gottes Heil für Menschen aus allen Völkern. Barnabas steht an dieser Stelle nicht nur als stiller Begleiter neben Paulus, sondern gehört ausdrücklich zu denen, die diesen weitreichenden Schritt öffentlich vertreten.
Die Reaktion unter den Menschen aus den Völkern ist von Freude geprägt. Viele nehmen das Wort des Herrn an, und die Botschaft breitet sich in der ganzen Gegend aus. Gleichzeitig organisieren Gegner zunehmenden Widerstand gegen Paulus und Barnabas. Einflussreiche Personen werden gegen sie aufgebracht, und schließlich werden beide aus dem Gebiet vertrieben. Der Erfolg ihrer Verkündigung bewahrt sie also nicht vor Ablehnung und Verfolgung.
Paulus und Barnabas reagieren, indem sie den Staub von ihren Füßen gegen die Stadt abschütteln und nach Ikonium weiterziehen. Diese Handlung steht im Zusammenhang mit der Anweisung Jesu an seine ausgesandten Jünger, wenn eine Stadt ihre Botschaft nicht aufnimmt. Sie bedeutet nicht persönliche Rache. Die Verantwortung für die Ablehnung wird vielmehr bei denen belassen, die das Evangelium gehört und zurückgewiesen haben, während die Boten ihren Auftrag an einem anderen Ort fortsetzen.
Bemerkenswert ist die Reaktion der neu gewonnenen Jünger. Trotz der Vertreibung der Missionare berichtet Lukas, dass sie von Freude und Heiligem Geist erfüllt wurden. Das zeigt, dass die entstandene Gemeinde nicht dauerhaft von der körperlichen Anwesenheit Barnabas’ und Paulus’ abhängig blieb. Die Verkündiger mussten weiterziehen, doch Gottes Wirken unter den Gläubigen blieb bestehen.
In Ikonium beginnt der Dienst erneut in der jüdischen Synagoge. Paulus und Barnabas sprechen so, dass eine große Menge von Juden und Griechen zum Glauben kommt. Wieder aber entsteht zugleich heftiger Widerstand. Einige, die nicht glauben, bringen die Menschen aus den Völkern gegen die Brüder auf. Die Ausbreitung des Evangeliums und die wachsende Gegnerschaft verlaufen damit erneut nebeneinander.
Barnabas und Paulus bleiben dennoch längere Zeit in der Stadt und reden freimütig im Vertrauen auf den Herrn. Lukas sagt ausdrücklich, dass der Herr das Wort seiner Gnade bestätigte, indem Zeichen und Wunder durch ihre Hände geschahen. Die Kraft des Dienstes wird damit nicht den Missionaren selbst zugeschrieben, sondern Christus, dessen Gnade sie verkündigen. Barnabas erscheint hier zusammen mit Paulus als Werkzeug dieses göttlichen Wirkens.
Erst als ein konkreter Anschlag entsteht, bei dem sie misshandelt und gesteinigt werden sollen, fliehen sie in die Städte Lystra und Derbe und in das umliegende Gebiet. Ihre Flucht bedeutet keinen Abbruch der Mission, denn auch dort verkündigen sie weiter das Evangelium. Barnabas lernt auf dieser Reise, dass Treue zum Auftrag weder ständige Zustimmung noch Sicherheit bedeutet. Der gemeinsame Dienst führt vielmehr immer tiefer in eine Spannung aus Frucht, Widerstand und fortgesetzter Abhängigkeit von Gottes Führung.
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In Lystra weist Barnabas göttliche Verehrung zurück
Apostelgeschichte 14,8-18 – „8 Und zu Lystra saß ein Mann mit gebrechlichen Füßen, lahm von Geburt, der niemals hatte gehen können. 9 Der hörte Paulus reden; und als dieser ihn anblickte und sah, daß er Glauben hatte, ihm könnte geholfen werden, 10 sprach er mit lauter Stimme: Steh aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher. 11 Als aber die Volksmenge sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und sp…"
Apostelgeschichte 14,8-18 – „8 Und zu Lystra saß ein Mann mit gebrechlichen Füßen, lahm von Geburt, der niemals hatte gehen können. 9 Der hörte Paulus reden; und als dieser ihn anblickte und sah, daß er Glauben hatte, ihm könnte geholfen werden, 10 sprach er mit lauter Stimme: Steh aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher. 11 Als aber die Volksmenge sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und sp…"
Apostelgeschichte 14,19-20 – „19 Es kamen aber aus Antiochia und Ikonium Juden herbei; die überredeten das Volk und steinigten Paulus und schleiften ihn vor die Stadt hinaus, da sie meinten, er sei gestorben. 20 Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Und am folgenden Tage zog er mit Barnabas fort nach Derbe."
In Lystra begegnen Barnabas und Paulus einer Situation, die sich deutlich von den bisherigen Auseinandersetzungen unterscheidet. Dort lebt ein Mann, der von Geburt an gelähmt ist und noch nie gehen konnte. Während Paulus spricht, erkennt er, dass der Mann Glauben hat, geheilt zu werden, und fordert ihn mit lauter Stimme auf, sich aufrecht auf seine Füße zu stellen. Der Mann springt auf und beginnt zu gehen. Lukas schreibt die Heilung nicht menschlicher Fähigkeit zu; sie geschieht innerhalb des Dienstes, durch den Gott die Verkündigung seines Evangeliums bestätigt.
Die Reaktion der Menge führt jedoch nicht unmittelbar zum Glauben an den Gott, den Barnabas und Paulus verkündigen. Die Menschen deuten das Wunder innerhalb ihrer eigenen religiösen Vorstellungen und rufen, die Götter seien in Menschengestalt zu ihnen herabgekommen. Barnabas nennen sie Zeus, Paulus dagegen Hermes, weil Paulus hauptsächlich das Wort führte. Damit erhält Barnabas plötzlich eine Ehre, die weit über menschliche Anerkennung hinausgeht: Die Menschen wollen ihn als göttliches Wesen verehren.
Der Priester des Zeus bringt sogar Stiere und Kränze zu den Stadttoren und will gemeinsam mit der Menge Opfer darbringen. Erst als Barnabas und Paulus davon erfahren, reagieren sie entschieden. Sie zerreißen ihre Kleider, laufen unter die Menge und versuchen, das Opfer zu verhindern. Barnabas nimmt die ihm zugedachte göttliche Verehrung also nicht an. Gerade in einem Augenblick, in dem Menschen bereit wären, ihn zu erhöhen, weist er die Ehre von sich und richtet ihre Aufmerksamkeit auf den lebendigen Gott.
Gemeinsam erklären die beiden Missionare, dass auch sie Menschen von gleicher Art wie ihre Zuhörer sind. Das Wunder hat sie nicht zu übermenschlichen Wesen gemacht. Sie verkündigen vielmehr, dass die Menschen sich von solchen nichtigen Göttern abwenden und dem lebendigen Gott zuwenden sollen, der Himmel und Erde, Meer und alles darin geschaffen hat. Ihre Botschaft beginnt hier bei Menschen, die nicht selbstverständlich mit den Schriften Israels vertraut sind, mit dem Schöpfer und seiner Güte gegenüber allen Menschen.
Barnabas steht damit in einer Situation, in der sein Umgang mit Anerkennung sichtbar geprüft wird. Die Bibel beschreibt keine inneren Gedanken, doch sein äußeres Verhalten ist eindeutig: Er weist Verehrung zurück, die allein Gott gebührt. Das ist besonders bedeutsam, weil gerade der Mann, der von der Menge als der bedeutendere Gott angesehen wird, nicht versucht, diese Stellung für sich zu nutzen. Sein Dienst bleibt auf Gott ausgerichtet, auch wenn die Menschen das sichtbare Werkzeug mit dem eigentlichen Ursprung der Kraft verwechseln.
Trotz ihrer eindringlichen Worte gelingt es Barnabas und Paulus nur mit Mühe, die Menge davon abzuhalten, ihnen zu opfern. Wie schnell sich die Stimmung in Lystra verändern kann, zeigt der unmittelbar folgende Bericht. Juden aus Antiochia und Ikonium kommen in die Stadt, gewinnen die Menge für sich und wenden sie gegen die Missionare. Paulus wird gesteinigt und aus der Stadt geschleift, weil man ihn für tot hält. Dieselbe Umgebung, in der die beiden kurz zuvor beinahe göttlich verehrt wurden, wird damit zum Schauplatz heftiger Verfolgung.
Barnabas wird bei der Steinigung des Paulus nicht ausdrücklich als Opfer genannt. Deshalb darf nicht behauptet werden, dass er dasselbe erlitt. Sicher ist jedoch, dass die gemeinsame Mission unter äußerstem Druck weitergeht. Nachdem Paulus wieder aufgestanden ist, ziehen sie am folgenden Tag gemeinsam nach Derbe. Dort verkündigen sie das Evangelium und gewinnen viele Jünger.
Diese Erfahrung zeigt einen scharfen Gegensatz innerhalb von Barnabas' Dienst: Menschen können einen Boten Gottes zunächst überhöhen und kurze Zeit später seine Botschaft verwerfen. Barnabas lässt sich weder durch die angebotene Verehrung zum Mittelpunkt machen noch beendet er angesichts des Widerstands seinen Auftrag. In beiden Extremen bleibt die entscheidende Unterscheidung bestehen: Die Missionare sind Menschen; der lebendige Gott allein ist Schöpfer, Retter und derjenige, dem Verehrung gebührt.
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Barnabas stärkt die jungen Gemeinden auf dem Rückweg
Apostelgeschichte 14,21-28 – „21 Und nachdem sie in dieser Stadt das Evangelium gepredigt und eine schöne Zahl Jünger gemacht hatten, kehrten sie wieder nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück, 22 stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und [sagten ihnen,] daß wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. 23 Nachdem sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste erwählt hatten…"
Apostelgeschichte 14,21-28 – „21 Und nachdem sie in dieser Stadt das Evangelium gepredigt und eine schöne Zahl Jünger gemacht hatten, kehrten sie wieder nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück, 22 stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und [sagten ihnen,] daß wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. 23 Nachdem sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste erwählt hatten…"
Apostelgeschichte 13,2-3 – „2 Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu welchem ich sie berufen habe! 3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen."
Nachdem Barnabas und Paulus in Derbe das Evangelium verkündigt und viele Menschen zu Jüngern gemacht hatten, hätten sie ihren Weg von dort aus fortsetzen können. Stattdessen kehrten sie in die Städte zurück, in denen sie zuvor Widerstand und teilweise schwere Verfolgung erlebt hatten. Lukas nennt ausdrücklich Lystra, Ikonium und Antiochia in Pisidien. Damit führte ihr Rückweg bewusst durch Orte, an denen bereits Gemeinden entstanden waren und die neuen Gläubigen weitere Begleitung benötigten.
Die Mission bestand für Barnabas und Paulus also nicht nur darin, neue Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben. Gerade nach den Erfahrungen von Ablehnung, Vertreibung und Gewalt wäre ein Glaube, der nur mit äußerem Erfolg rechnete, schnell erschüttert worden. Deshalb erklärten die beiden den jungen Christen auch, dass der Weg in das Reich Gottes durch viele Bedrängnisse führen kann.
Diese Aussage verherrlicht Leiden nicht und macht Bedrängnis nicht zur Grundlage der Erlösung. Das Reich Gottes bleibt Gottes Geschenk, und die Gemeinden waren durch das Evangelium von Christus entstanden. Doch Nachfolge bedeutete in ihrem Umfeld nicht automatisch Schutz vor Widerstand. Barnabas und Paulus bereiteten die Gläubigen deshalb darauf vor, Christus auch dann treu zu bleiben, wenn ihr Glaube sie etwas kostete.
Gleichzeitig sorgten sie dafür, dass die jungen Gemeinden nicht dauerhaft von reisenden Missionaren abhängig blieben. In jeder Gemeinde setzten sie Älteste ein. Lukas beschreibt diesen Vorgang im Zusammenhang mit Gebet und Fasten. Die Gemeinden erhielten damit verantwortliche Leiter vor Ort, während Barnabas und Paulus selbst weiterzogen. Das Wachstum des Werkes führte also nicht zu immer stärkerer Zentralisierung auf die beiden Missionare, sondern zu geordneter Verantwortung innerhalb der einzelnen Gemeinden.
Anschließend befahlen sie die Gläubigen dem Herrn an, an den diese zum Glauben gekommen waren. Diese Formulierung zeigt, wo Barnabas letztlich die Sicherheit der neuen Gemeinden sah. Die Missionare konnten lehren, ermahnen, Leiter einsetzen und begleiten, doch sie konnten nicht dauerhaft überall gegenwärtig sein. Die Gemeinden gehörten nicht Barnabas oder Paulus. Sie wurden dem Herrn anvertraut, der sie durch seine Gnade gerufen hatte und sie auch ohne die ständige Anwesenheit ihrer ersten Verkündiger erhalten konnte.
Der weitere Rückweg führte durch Pisidien nach Pamphylien. In Perge verkündigten Barnabas und Paulus nochmals das Wort, bevor sie nach Attalia hinabzogen. Von dort segelten sie zurück nach Antiochia in Syrien. Genau dort hatte die Reise begonnen, nachdem die Gemeinde sie der Gnade Gottes für den nun vollendeten Auftrag anvertraut hatte. Der Kreis der ersten gemeinsamen Missionsreise schließt sich damit an dem Ort, von dem sie ausgesandt worden waren.
Nach ihrer Rückkehr versammelten sie die Gemeinde und berichteten, was Gott durch sie getan hatte. Lukas legt den Schwerpunkt ausdrücklich auf Gottes Handeln. Barnabas und Paulus erzählen nicht von einem eigenen Erfolg, sondern davon, dass Gott den Menschen aus den Völkern eine Tür des Glaubens geöffnet hatte. Zeichen, Bekehrungen, entstandene Gemeinden und bewahrter Dienst werden damit auf Gottes Wirken zurückgeführt.
Barnabas bleibt anschließend zusammen mit Paulus längere Zeit bei den Jüngern in Antiochia. Hinter ihm liegt eine Reise voller Verkündigung, Gemeindewachstum, Widerstand und Lebensgefahr. Zugleich hat sich etwas grundlegend verändert: Menschen aus den Völkern sind in großer Zahl zum Glauben an Christus gekommen und gehören zu den Gemeinden. Gerade diese Entwicklung wird bald eine entscheidende Frage aufwerfen – ob solche Gläubigen zusätzlich verpflichtet werden müssen, die Beschneidung und bestimmte Ordnungen des mosaischen Gesetzes zu übernehmen, um wirklich zum Volk Gottes zu gehören.
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Barnabas verteidigt das Evangelium für die Völker
Apostelgeschichte 15,1-5 – „1 Und etliche kamen aus Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Gebrauche Moses beschneiden lasset, so könnt ihr nicht gerettet werden! 2 Da sich nun Zwiespalt erhob und Paulus und Barnabas nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordneten sie an, daß Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen dieser Streitfrage wegen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinauf…"
Apostelgeschichte 15,1-5 – „1 Und etliche kamen aus Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Gebrauche Moses beschneiden lasset, so könnt ihr nicht gerettet werden! 2 Da sich nun Zwiespalt erhob und Paulus und Barnabas nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordneten sie an, daß Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen dieser Streitfrage wegen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinauf…"
Apostelgeschichte 15,6-12 – „6 Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, um diese Sache zu untersuchen. 7 Als sich nun viel Streit erhob, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer und Brüder, ihr wißt, daß Gott lange vor diesen Tagen unter euch die Wahl getroffen hat, daß durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben kommen sollten. 8 Und Gott, der Herzenskündiger, legte für sie Zeu…"
Galater 2,1-5 – „1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. 2 Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen, insbesondere den Angesehenen, das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3 Es wurde aber nicht einmal mein Begleiter, Titus, obschon er ein Grieche ist, …"
Während Barnabas und Paulus in Antiochia bei der Gemeinde bleiben, entsteht ein schwerwiegender Konflikt. Einige Männer kommen aus Judäa und lehren die Brüder, sie könnten nicht gerettet werden, wenn sie sich nicht nach der Weise des Mose beschneiden ließen. Damit geht es nicht lediglich um eine unterschiedliche Praxis innerhalb der Gemeinde. Die Frage berührt unmittelbar die Grundlage der Rettung: Muss ein Mensch neben dem Glauben an Christus bestimmte jüdische Bundeszeichen übernehmen, um wirklich gerettet zu sein?
Paulus und Barnabas treten dieser Lehre entschieden entgegen. Lukas beschreibt einen erheblichen Streit und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Männern aus Judäa. Barnabas steht damit nicht am Rand der theologischen Klärung, sondern gemeinsam mit Paulus mitten darin. Für ihn war die Frage auch durch seine eigenen Erfahrungen geprägt: Er hatte selbst gesehen, wie Gott in Antiochia und auf der Missionsreise Menschen aus den Völkern zum Glauben geführt hatte.
Die Gemeinde beschließt schließlich, Paulus und Barnabas zusammen mit einigen anderen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten zu senden. Auf dem Weg durch Phönizien und Samarien berichten sie von der Bekehrung der Menschen aus den Völkern. Diese Nachricht löst unter den Gläubigen große Freude aus. Die Aufnahme von Nichtjuden war also nicht nur Gegenstand einer Kontroverse; viele Gemeinden erkannten darin bereits das gnädige Wirken Gottes.
In Jerusalem angekommen, werden Paulus und Barnabas von der Gemeinde, den Aposteln und den Ältesten empfangen. Sie berichten, was Gott durch sie getan hat. Doch auch dort treten Gläubige aus der Richtung der Pharisäer auf und fordern, die Menschen aus den Völkern müssten beschnitten und zur Haltung des Gesetzes Moses verpflichtet werden. Die Frage wird deshalb nicht durch die Autorität einzelner Missionare entschieden, sondern von den Aposteln und Ältesten sorgfältig beraten.
Während der Beratung erinnert Petrus daran, dass Gott schon früher Menschen aus den Völkern das Evangelium hatte hören lassen und ihnen den Heiligen Geist gab. Er warnt davor, ihnen ein Joch aufzulegen, das weder die Vorfahren noch die gegenwärtige Generation tragen konnten, und stellt die Rettung durch die Gnade des Herrn Jesus in den Mittelpunkt. Danach schweigt die Versammlung und hört Barnabas und Paulus zu. Beide berichten von den Zeichen und Wundern, die Gott durch sie unter den Völkern getan hatte.
Bemerkenswert ist, dass Lukas hier Barnabas wieder vor Paulus nennt. Eine Rangordnung lässt sich daraus nicht sicher ableiten, doch Barnabas erhält in diesem entscheidenden Augenblick ausdrücklich Raum als Zeuge des Wirkens Gottes. Seine Argumentation wird nicht im Wortlaut wiedergegeben; berichtet wird vielmehr, worüber beide sprechen: über das, was Gott getan hatte. Die Erfahrung der Mission ersetzt dabei nicht die Schrift, sondern bestätigt innerhalb der Beratung, dass Gottes Handeln mit den Menschen aus den Völkern bereits sichtbar geworden war.
Paulus beschreibt im Galaterbrief einen Jerusalemaufenthalt, bei dem er zusammen mit Barnabas und Titus hinaufging und die von ihm verkündigte Botschaft vorlegte. Titus war Grieche und wurde nicht zur Beschneidung gezwungen. Ob jeder Einzelzug dieses Berichts mit genau demselben Jerusalemer Treffen aus Apostelgeschichte 15 gleichzusetzen ist, wird unterschiedlich eingeordnet; sicher ist jedoch, dass Barnabas auch nach Paulus' eigenem Zeugnis an einer entscheidenden Klärung über die Freiheit nichtjüdischer Gläubiger beteiligt war.
Für Barnabas ist dies ein bedeutender Höhepunkt seines bisherigen Dienstes. Der Mann, der einst in Antiochia die Gnade Gottes unter neuen Gläubigen erkannt hatte, steht nun in Jerusalem dafür ein, dass dieses Werk nicht durch zusätzliche Bedingungen zur Grundlage des Heils verzerrt wird. Rettung gründet nicht in Beschneidung oder menschlicher Zugehörigkeit, sondern in der Gnade des Herrn Jesus Christus. Damit verteidigt Barnabas nicht lediglich die Ergebnisse einer Missionsreise, sondern die Freiheit des Evangeliums selbst.
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Barnabas bringt den Beschluss nach Antiochia
Apostelgeschichte 15,22-35 – „22 Da gefiel es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Zunamen Barsabbas, und Silas, leitende Männer unter den Brüdern. 23 Und sie sandten durch ihre Hand folgendes Schreiben: «Die Apostel und die Ältesten und Brüder entbieten den Brüdern zu Antiochia und in Syrien und C…"
Apostelgeschichte 15,22-35 – „22 Da gefiel es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Zunamen Barsabbas, und Silas, leitende Männer unter den Brüdern. 23 Und sie sandten durch ihre Hand folgendes Schreiben: «Die Apostel und die Ältesten und Brüder entbieten den Brüdern zu Antiochia und in Syrien und C…"
Apostelgeschichte 15,19-21 – „19 Darum halte ich dafür, daß man diejenigen aus den Heiden, die sich zu Gott bekehren, nicht weiter belästigen soll, 20 sondern ihnen nur anbefehle, sich von der Verunreinigung durch die Götzen, von der Unzucht, vom Erstickten und vom Blut zu enthalten. 21 Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt Leute, die ihn predigen, da er in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen wird."
Nach der Beratung in Jerusalem bleibt die Klärung nicht auf den Kreis der Apostel und Ältesten beschränkt. Die Gemeinde entscheidet, gemeinsam mit Paulus und Barnabas zwei weitere Männer nach Antiochia zu senden: Judas, genannt Barsabbas, und Silas. Beide werden als angesehene Männer unter den Brüdern beschrieben. Dadurch erhält die Botschaft, die Barnabas und Paulus zurückbringen, zusätzliche öffentliche Bestätigung aus Jerusalem.
Mit den Abgesandten wird ein Schreiben an die Gläubigen aus den Völkern in Antiochia, Syrien und Zilizien übergeben. Darin wird ausdrücklich festgestellt, dass die Männer, die zuvor Unruhe verursacht und die Gläubigen mit ihren Forderungen erschüttert hatten, dafür keinen Auftrag aus Jerusalem erhalten hatten. Die Beschneidung wird nicht als Voraussetzung für die Rettung nichtjüdischer Christen auferlegt. Damit bestätigt die schriftliche Entscheidung den Kern dessen, wofür Paulus und Barnabas bereits eingetreten waren.
Zugleich enthält der Brief konkrete Weisungen. Die Gläubigen sollen sich von Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktem und Unzucht fernhalten. Diese Anordnungen dürfen nicht so verstanden werden, als würde nun eine andere Liste von Werken an die Stelle der Beschneidung treten und zur Grundlage der Erlösung werden. Die Beratung hatte zuvor ausdrücklich die Rettung durch die Gnade des Herrn Jesus betont. Die Weisungen regeln vielmehr notwendige Fragen des Lebens in einer Gemeinde, in der jüdische und nichtjüdische Gläubige gemeinsam Christus nachfolgen.
Barnabas wird im Schreiben zusammen mit Paulus besonders gewürdigt. Beide werden als Männer bezeichnet, die ihr Leben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus hingegeben haben. Diese Aussage kommt aus der gemeinsamen Botschaft der Jerusalemer Gemeinde und fasst zusammen, was auf der Missionsreise tatsächlich sichtbar geworden war. Barnabas hatte Verfolgung, Vertreibung und Gefahr nicht zum Anlass genommen, den Auftrag abzubrechen. Sein Dienst wird deshalb nicht nur in Antiochia, sondern auch von den Brüdern in Jerusalem anerkannt.
Als die Abgesandten nach Antiochia kommen, versammeln sie die Gemeinde und übergeben den Brief. Die Gläubigen lesen ihn und freuen sich über die Ermutigung. Damit endet eine Auseinandersetzung, die die Grundlage ihres Glaubens unmittelbar berührt hatte, mit einer klaren Entlastung. Sie müssen nicht erst Juden werden, um vollständig zu Christus zu gehören. Ihre Stellung beruht auf Gottes Gnade.
Judas und Silas, die selbst Propheten waren, ermutigen und stärken die Brüder zusätzlich mit vielen Worten. Nach einiger Zeit wird Judas wieder entlassen, während Silas im weiteren Bericht erneut eine wichtige Rolle erhält. Paulus und Barnabas bleiben dagegen zunächst in Antiochia. Gemeinsam mit vielen anderen lehren und verkündigen sie dort das Wort des Herrn.
Für Barnabas schließt sich damit eine bedeutende Bewegung. Er war aus Antiochia nach Jerusalem gegangen, weil die Gemeinde durch eine Lehre verunsichert worden war, die das Heil an zusätzliche Voraussetzungen band. Nun kehrt er mit einer Entscheidung zurück, die die Gnade Christi bestätigt und den nichtjüdischen Gläubigen ihre volle Zugehörigkeit zur Gemeinde nicht abspricht. Doch obwohl diese große Lehrfrage geklärt ist, zeigt die weitere biblische Überlieferung, dass das praktische Zusammenleben von Juden und Nichtjuden damit noch nicht frei von Spannungen war.
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Barnabas lässt sich in Antiochia mitreißen
Galater 2,11-14 – „11 Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war angeklagt. 12 Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. 13 Und es heuchelten mit ihm auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mitfortgerissen wurde. 14 Als ich ab…"
Galater 2,11-14 – „11 Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war angeklagt. 12 Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. 13 Und es heuchelten mit ihm auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mitfortgerissen wurde. 14 Als ich ab…"
Apostelgeschichte 15,35 – „35 Paulus aber und Barnabas hielten sich in Antiochia auf und lehrten und predigten mit noch vielen andern das Wort des Herrn."
Paulus berichtet im Galaterbrief von einem ernsten Vorfall in Antiochia, bei dem auch Barnabas betroffen war. Der genaue Zeitpunkt innerhalb der in der Apostelgeschichte erzählten Ereignisfolge lässt sich nicht mit letzter Sicherheit bestimmen. Sicher ist jedoch, dass Barnabas zu dieser Zeit weiterhin eng mit Paulus und der Gemeinde in Antiochia verbunden war. Gerade dort, wo die Gemeinschaft von jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen besonders sichtbar geworden war, entstand nun eine praktische Spannung, die den Kern des Evangeliums berührte.
Petrus war nach Antiochia gekommen und hatte zunächst gemeinsam mit Gläubigen aus den Völkern gegessen. Als jedoch bestimmte Männer aus dem Umfeld des Jakobus eintrafen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Paulus bewertet dieses Verhalten ausdrücklich kritisch. Das Problem bestand nicht darin, dass Petrus eine persönliche Speisegewohnheit änderte, sondern darin, dass sein Rückzug eine Trennung entstehen ließ, die nicht der Wahrheit des Evangeliums entsprach.
Andere jüdische Gläubige ließen sich von diesem Verhalten mitziehen. Paulus fügt ausdrücklich hinzu, dass sogar Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde. Damit nennt die Bibel zum ersten Mal ein klares Versagen des Barnabas. Der Mann, der zuvor Gottes Gnade unter den Menschen aus den Völkern erkannt, ihre Freiheit verteidigt und gemeinsam mit Paulus gegen zusätzliche Heilsbedingungen gekämpft hatte, handelte nun selbst in einer Weise, die diese Einheit praktisch beschädigte.
Paulus bezeichnet das Verhalten als Heuchelei. Damit ist nicht notwendigerweise gemeint, dass Barnabas innerlich aufgehört hätte, an die Gnade Christi zu glauben. Vielmehr stand sein Verhalten im Widerspruch zu der Wahrheit, die er selbst kannte und zuvor vertreten hatte. Was lehrmäßig erkannt worden war, wurde in dieser Situation nicht konsequent gelebt. Gerade darin liegt die Schwere des Vorfalls: Menschen können eine richtige Überzeugung besitzen und dennoch unter sozialem Druck entgegen dieser Überzeugung handeln.
Dass Paulus schreibt, Barnabas sei „mit fortgerissen“ worden, legt nahe, dass Barnabas nicht der Ausgangspunkt des Problems war. Dennoch entlastet ihn das nicht von Verantwortung. Die Bibel stellt bedeutende Mitarbeiter nicht als unfehlbar dar. Auch ein Mann, den Lukas zuvor als gut, vom Heiligen Geist und vom Glauben erfüllt beschrieben hatte, konnte in einer konkreten Situation falsch handeln. Frühere Treue macht spätere Wachsamkeit nicht überflüssig.
Paulus widerspricht Petrus öffentlich, weil dessen Verhalten öffentlich war und andere mit beeinflusste. Barnabas wird nicht als derjenige genannt, der zurechtgewiesen wird, doch er gehört ausdrücklich zu denen, deren Handeln durch Paulus' Kritik erfasst wird. Ob und wie Barnabas persönlich darauf reagierte, berichtet die Bibel nicht. Deshalb lässt sich weder eine ausdrückliche Umkehrszene noch eine Verhärtung behaupten.
Dieser Abschnitt bewahrt Barnabas' Lebensgeschichte davor, zu einer idealisierten Darstellung zu werden. Seine große Stärke lag häufig darin, Menschen aufzunehmen und Gemeinschaft zu fördern; gerade hier ließ er sich jedoch in eine Trennung hineinziehen. Das Evangelium von Jesus Christus verlangte mehr als die richtige Lehre über Gnade: Es musste auch darin sichtbar werden, dass Gläubige unterschiedlicher Herkunft als gleichberechtigte Geschwister miteinander lebten.
Barnabas bleibt deshalb ein geschätzter Diener Gottes, aber kein fehlerloser. Die Schrift verschweigt seinen Fehltritt nicht, obwohl sie zuvor viel Positives über ihn berichtet hat. Kurz darauf tritt eine weitere Spannung in seinem Verhältnis zu Paulus hervor. Diesmal geht es nicht um den Umgang mit Gläubigen aus den Völkern, sondern um die Frage, ob Johannes Markus nach seinem früheren Abbruch noch einmal als Mitarbeiter mit auf eine Missionsreise genommen werden soll.
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Barnabas und Paulus trennen sich wegen Markus
Apostelgeschichte 15,36-41 – „36 Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wieder umkehren und nach den Brüdern sehen in all den Städten, in welchen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie stehe. 37 Barnabas aber wollte auch den Johannes, der Markus zubenannt wird, mitnehmen. 38 Paulus aber hielt dafür, daß der, welcher in Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen zu dem Werke gekommen…"
Apostelgeschichte 15,36-41 – „36 Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wieder umkehren und nach den Brüdern sehen in all den Städten, in welchen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie stehe. 37 Barnabas aber wollte auch den Johannes, der Markus zubenannt wird, mitnehmen. 38 Paulus aber hielt dafür, daß der, welcher in Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen zu dem Werke gekommen…"
Apostelgeschichte 13,13 – „13 Paulus aber und seine Gefährten fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien; Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück."
Kolosser 4,10 – „10 Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas, betreffs dessen ihr Befehle erhalten habt (wenn er zu euch kommt, so nehmet ihn auf!),"
Nach einer weiteren Zeit des Lehrens in Antiochia schlägt Paulus Barnabas vor, die Brüder in allen Städten erneut zu besuchen, in denen sie das Wort des Herrn verkündigt hatten. Der Gedanke knüpft unmittelbar an ihre erste Missionsreise an. Paulus und Barnabas hatten Gemeinden gegründet, Älteste eingesetzt und die Gläubigen dem Herrn anvertraut. Nun sollte überprüft werden, wie es diesen Gemeinden ergangen war. Über das Ziel dieser Reise bestand zwischen den beiden offenbar keine Meinungsverschiedenheit.
Der Konflikt entstand bei der Frage, wer sie begleiten sollte. Barnabas wollte Johannes Markus erneut mitnehmen. Markus war sein Verwandter und hatte sie auf der ersten Reise zunächst begleitet, die Gruppe jedoch in Pamphylien verlassen und war nach Jerusalem zurückgekehrt. Warum er damals umgekehrt war, hatte Lukas nicht erklärt. Gerade weil die Bibel das Motiv seines Abbruchs offenlässt, kann auch Barnabas' Entscheidung nicht sicher auf einen bestimmten persönlichen Grund zurückgeführt werden.
Paulus hielt es dagegen nicht für richtig, Markus wieder mitzunehmen. Seine Begründung war konkret: Markus hatte sich in Pamphylien von ihnen getrennt und war nicht mit ihnen weiter an das Werk gegangen. Paulus' Einwand beruhte damit nicht auf einer bloßen persönlichen Abneigung, sondern auf einer tatsächlichen Erfahrung aus der ersten Reise. Für einen erneuten anspruchsvollen Missionsdienst hielt er Markus offenbar zu diesem Zeitpunkt nicht für den geeigneten Begleiter.
Barnabas beurteilte die Situation anders. Er wollte Markus eine weitere Gelegenheit geben und hielt an seiner Absicht fest, ihn mitzunehmen. Die Bibel sagt jedoch nicht ausdrücklich, dass Barnabas deshalb automatisch recht und Paulus automatisch unbarmherzig gewesen wäre. Ebenso wenig erklärt sie Paulus' Entscheidung zum einzig richtigen Urteil. Der Bericht beschreibt zwei erfahrene Mitarbeiter, die dieselbe Vorgeschichte kennen und bei der Frage nach einem weiteren Mitarbeiter zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen.
Lukas bezeichnet ihre Auseinandersetzung als so scharf, dass sie sich voneinander trennten. Damit endet eine außergewöhnlich enge Phase gemeinsamen Dienstes. Barnabas hatte Saul einst in Jerusalem zu den Aposteln gebracht, ihn später in Tarsus gesucht und nach Antiochia geholt. Gemeinsam hatten sie gelehrt, Hilfe nach Judäa gebracht, waren vom Heiligen Geist ausgesandt worden, hatten Gemeinden gegründet und in Jerusalem für die Freiheit der Gläubigen aus den Völkern eingestanden. Nun führte ein konkreter Konflikt über Markus dazu, dass sie nicht gemeinsam weiterreisten.
Barnabas nahm Markus mit sich und segelte nach Zypern. Paulus wählte Silas und zog durch Syrien und Zilizien, nachdem er von den Brüdern der Gnade des Herrn anbefohlen worden war. Die Apostelgeschichte folgt anschließend vor allem dem Weg des Paulus und berichtet nicht ausführlich über Barnabas' weitere Tätigkeit auf Zypern. Deshalb wissen wir nicht, welche Orte Barnabas und Markus dort besuchten, wie lange sie dort dienten oder welche unmittelbaren Ergebnisse ihre Arbeit hatte.
Dass Barnabas gerade nach Zypern zurückkehrt, verbindet seine neue Reise mit seiner Herkunft und zugleich mit dem Beginn der ersten gemeinsamen Missionsreise. Doch der Text sagt nicht ausdrücklich, weshalb er dieses Gebiet auswählte. Sicher ist nur: Die Trennung von Paulus bedeutete nicht das Ende seines Dienstes. Barnabas zieht mit Markus weiter und bleibt im missionarischen Werk tätig, auch wenn Lukas seinen Weg von diesem Punkt an nicht mehr ausführlich verfolgt.
Spätere neutestamentliche Hinweise zeigen zudem, dass Markus' Geschichte mit diesem Konflikt nicht endet. Paulus bezeichnet Markus später als wertvollen Mitarbeiter und bittet Timotheus sogar, ihn mitzubringen, weil er ihm für den Dienst nützlich sei. Diese späteren Aussagen beweisen nicht jedes Detail darüber, wie Markus zu dieser Reife gelangte, doch sie zeigen deutlich, dass sein früherer Abbruch nicht sein endgültiges Urteil war. Damit erhält auch Barnabas' Bereitschaft, Markus erneut mitzunehmen, im Rückblick besonderes Gewicht, ohne dass die Bibel den damaligen Streit nachträglich vollständig zugunsten einer Seite bewertet.
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Paulus erinnert später an Barnabas als Mitstreiter
1. Korinther 9,4-6 – „4 Haben wir nicht Vollmacht, zu essen und zu trinken? 5 Haben wir nicht Vollmacht, eine Schwester als Gattin mit uns zu führen, wie auch die andern Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? 6 Oder haben nur ich und Barnabas keine Vollmacht, die Arbeit zu unterlassen?"
1. Korinther 9,4-6 – „4 Haben wir nicht Vollmacht, zu essen und zu trinken? 5 Haben wir nicht Vollmacht, eine Schwester als Gattin mit uns zu führen, wie auch die andern Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? 6 Oder haben nur ich und Barnabas keine Vollmacht, die Arbeit zu unterlassen?"
Apostelgeschichte 14,14 – „14 Als aber die Apostel Barnabas und Paulus das hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen heraus unter das Volk, riefen und sprachen:"
Kolosser 4,10 – „10 Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas, betreffs dessen ihr Befehle erhalten habt (wenn er zu euch kommt, so nehmet ihn auf!),"
Nach der Trennung auf dem Weg zur zweiten Missionsreise verfolgt die Apostelgeschichte vor allem den weiteren Dienst des Paulus. Über Barnabas' Arbeit mit Markus auf Zypern berichtet Lukas keine weiteren Einzelheiten. Die Bibel nennt weder die Dauer dieser Reise noch weitere Gemeinden, die Barnabas gegründet haben könnte. Auch über seine späteren Lebensjahre und seinen Tod erfahren wir nichts. Seine eigentliche Lebensgeschichte endet daher mit der sicheren Nachricht, dass er Markus mitnahm und nach Zypern segelte.
Damit verschwindet Barnabas jedoch nicht vollständig aus dem neutestamentlichen Zeugnis. Jahre später erwähnt Paulus ihn im ersten Korintherbrief. Dort verteidigt Paulus das Recht der Verkündiger des Evangeliums, von den Gemeinden Unterstützung für ihren Dienst zu erhalten. In diesem Zusammenhang fragt er, ob allein er und Barnabas kein Recht hätten, auf eigene Erwerbsarbeit zu verzichten. Die Bemerkung ist kurz, zeigt aber, dass Paulus Barnabas weiterhin als bekannten Mitarbeiter im Dienst des Evangeliums voraussetzen kann.
Gerade nach dem scharfen Streit von Antiochia ist diese Erwähnung bemerkenswert. Paulus spricht nicht von Barnabas als einem verworfenen oder unglaubwürdigen ehemaligen Mitarbeiter. Er stellt ihn vielmehr neben sich als Beispiel für Männer, die im apostolischen Dienst tätig waren und dennoch offenbar nicht von ihrem Recht auf materielle Unterstützung Gebrauch machten. Der frühere Konflikt hatte ihre gemeinsame Reise beendet, aber er führte in der biblischen Überlieferung nicht dazu, dass Paulus Barnabas' Dienst grundsätzlich abwertete.
Schon während der ersten Missionsreise hatte Lukas Barnabas zusammen mit Paulus ausdrücklich als einen der „Apostel“ bezeichnet. In Apostelgeschichte 14 wird dieser Begriff damit nicht nur auf die Zwölf angewendet, sondern auch auf ausgesandte Boten wie Barnabas und Paulus. Daraus folgt nicht, dass Barnabas zu den Zwölf gehört hätte. Der Zusammenhang beschreibt vielmehr Männer, die von einer Gemeinde unter der Führung des Heiligen Geistes zu einem besonderen missionarischen Auftrag ausgesandt worden waren.
Auch die kurze Bemerkung in Kolosser 4 bestätigt nochmals die familiäre Verbindung zu Markus. Paulus bezeichnet Markus dort als Verwandten des Barnabas und gibt den Gläubigen Anweisungen, ihn aufzunehmen, falls er zu ihnen kommt. Für Barnabas selbst liefert die Stelle keine neue Lebensstation, doch sie zeigt, dass die Beziehung zwischen beiden im Gedächtnis der Gemeinden bekannt war. Zugleich macht sie sichtbar, dass Markus später wieder im Umfeld des Paulus anerkannt war.
Mehr lässt sich über Barnabas' spätere Jahre aus der Bibel nicht sicher sagen. Berichte über seinen Tod, eine mögliche Märtyrergeschichte oder bestimmte spätere Wirkungsorte stammen nicht aus dem biblischen Text und können deshalb nicht als Teil seiner sicheren Lebensgeschichte dargestellt werden. Die Schrift lässt Barnabas dort aus dem Blick treten, wo sie ihren Bericht nicht weiterführt.
Seine letzte biblische Nachwirkung ist deshalb still, aber deutlich. Paulus kann Barnabas weiterhin als anerkannten Diener des Evangeliums nennen, obwohl ihre Wege sich getrennt hatten. Damit bleibt von Barnabas kein Bild eines fehlerlosen Menschen, wohl aber das eines Mannes, der über viele Jahre hinweg Verantwortung übernahm, Menschen in den Dienst hineinführte, Gemeinden stärkte und an der Ausbreitung des Evangeliums unter den Völkern beteiligt war. Seine Geschichte endet nicht mit einem ausführlichen Abschied, sondern mit dem Zeugnis eines Dienstes, dessen Mittelpunkt größer war als Barnabas selbst: Jesus Christus und die Gnade, die durch ihn Menschen aus allen Völkern erreicht.
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Zusammenfassung und Gebet
Barnabas gehört zu jenen Menschen, deren Bedeutung in der Bibel nicht daran gemessen wird, wie viel Raum ihre eigenen Worte einnehmen. Vielmehr wird sein Leben immer wieder dort wichtig, wo Gottes Werk wächst und andere Menschen ihren Platz darin finden. Er konnte geben, ohne sich selbst zum Mittelpunkt zu machen, einen früheren Verfolger aufnehmen, als andere noch zurückschreckten, und eine neue Gemeinde als Werk der Gnade Gottes erkennen, bevor ihre weitere Entwicklung absehbar war. In seinem Dienst wird sichtbar, wie wertvoll Menschen sind, die nicht nur selbst glauben, sondern auch anderen helfen, im Glauben Raum zu gewinnen.
Dabei war seine Ermutigung mehr als bloße Freundlichkeit. Als Barnabas nach Antiochia kam, freute er sich über die Gnade Gottes und rief die Gläubigen zugleich dazu auf, mit festem Herzen beim Herrn zu bleiben. Ermutigung bedeutete für ihn nicht, Schwierigkeiten oder notwendige Wahrheit zu vermeiden. Gemeinsam mit Paulus widerstand er einer Lehre, die nichtjüdischen Gläubigen zusätzliche Voraussetzungen für ihre Rettung auferlegen wollte. Die Grundlage blieb die Gnade des Herrn Jesus Christus.
Barnabas verstand seinen Dienst offenbar auch nicht als Besitz, den er gegen andere verteidigen musste. Er suchte Saul in Tarsus und holte gerade den Mann nach Antiochia, der später weit stärker als er selbst in den Vordergrund treten sollte. Auf der Missionsreise veränderte sich die öffentliche Gewichtung zunehmend zugunsten des Paulus, ohne dass die Schrift bei Barnabas einen Kampf um Anerkennung beschreibt. Als Menschen ihn in Lystra sogar göttlich verehren wollten, wies er diese Ehre entschieden zurück. Der Bote durfte niemals an die Stelle dessen treten, den er verkündigte.
Doch die Bibel bewahrt Barnabas ebenso davor, zu einem makellosen Vorbild gemacht zu werden. In Antiochia ließ auch er sich von der Trennung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen mitreißen und handelte damit entgegen der Wahrheit, für die er zuvor eingetreten war. Später führte seine unterschiedliche Beurteilung von Johannes Markus zu einer so scharfen Auseinandersetzung mit Paulus, dass ihre gemeinsamen Wege auseinander gingen. Geistliche Reife machte Barnabas weder unfehlbar noch frei von Entscheidungen, die korrigiert oder unterschiedlich beurteilt werden mussten.
Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil seines biblischen Zeugnisses. Gottes Werk hängt nicht von vollkommenen Mitarbeitern ab. Christus gebraucht Menschen mit wirklichen Gaben und wirklicher Verantwortung, ohne ihre Schwächen zu verschweigen. Barnabas durfte viel bewirken, doch weder seine Treue noch sein Versagen wurden zum Mittelpunkt der Heilsgeschichte. Die Gemeinde gehörte Christus, die Mission ging von Gottes Geist aus, und das Wachstum der Gemeinden wurde letztlich Gott zugeschrieben.
Auch die Entscheidung, Markus nach dessen früherem Abbruch wieder mitzunehmen, gehört in dieses Bild. Die Schrift sagt nicht, dass Barnabas in seinem Streit mit Paulus in jeder Hinsicht recht hatte. Sie zeigt aber später, dass Markus' Versagen nicht sein letztes Kapitel blieb: Paulus selbst konnte ihn schließlich als nützlichen Mitarbeiter anerkennen. Barnabas hatte einem Menschen Raum gegeben, dessen Dienstweg noch nicht abgeschlossen war. Wie viel Anteil seine Begleitung an Markus' späterer Entwicklung hatte, sagt die Bibel nicht; sie erlaubt daher keine weitergehende Behauptung.
Am Ende tritt Barnabas aus dem ausführlichen Bericht zurück, ohne dass die Bibel seinen Tod oder seine letzten Lebensjahre beschreibt. Doch sein Dienst weist gerade dadurch über seine Person hinaus. Menschen kamen zum Glauben, Gemeinden wurden gestärkt, Mitarbeiter fanden neue Aufgaben, und die Botschaft von Jesus Christus erreichte immer weitere Kreise. Barnabas war daran beteiligt, aber er war nicht das Zentrum. Das Zentrum blieb der Herr, dessen Gnade Barnabas erkannte, verkündigte und anderen zugänglich machen half.
So bleibt sein Leben ein Zeugnis dafür, dass christlicher Dienst weder von Bekanntheit noch von persönlicher Größe lebt. Menschen pflanzen, andere begießen, manche öffnen Türen und andere führen einen begonnenen Dienst weiter. Alles menschliche Wirken bleibt abhängig von Jesus Christus und von Gottes Kraft. Was in Barnabas' Leben bleibenden Wert besitzt, führt deshalb nicht zu seiner Verherrlichung, sondern zu dem Gott, der durch begrenzte Menschen sein Evangelium voranträgt.
Herr, ich danke dir, dass dein Werk nicht von menschlicher Größe abhängt, sondern von deiner Gnade und deiner Kraft. Gib mir ein Herz, das dein Wirken erkennt, anderen Raum gibt und nicht nach eigener Anerkennung sucht. Bewahre mich davor, aus Menschen mehr zu machen, als sie sind, und hilf mir zugleich, niemanden vorschnell auf sein Versagen festzulegen. Schenke mir Treue zur Wahrheit, Demut in meinem Dienst und den Mut, Menschen zu ermutigen und zu stärken. Lass in allem Jesus Christus größer werden und mein eigenes Ansehen kleiner. Amen.
„So ist also weder der etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.“ 1. Korinther 3,7