Gott liebt dich – ganz ohne Bedingungen
Warum du dir Gottes Liebe nicht verdienen musst.
Gottes Liebe beginnt nicht erst dann, wenn du ein besserer Mensch geworden bist. Römer 5,8 zeigt, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Du kannst dir Gottes Liebe deshalb weder durch gute Taten noch durch religiöse Leistungen verdienen. Seine Liebe ist ein unverdientes Geschenk, das dich zur Umkehr und zum Glauben einlädt, ohne deine Fehler gutzuheißen oder deine Entscheidung für ihn überflüssig zu machen.
Einführung
Ein Mensch kann regelmäßig beten, die Bibel lesen und sich aufrichtig bemühen, Gottes Willen zu tun – und trotzdem das Gefühl haben, niemals gut genug zu sein. Vielleicht erinnert ihn sein Gewissen immer wieder an vergangene Fehler. Vielleicht glaubt er, Gott sei erst dann wirklich mit ihm zufrieden, wenn er bestimmte Schwächen überwunden hat. So kann aus dem Wunsch, Gott zu gefallen, unbemerkt der Versuch werden, sich seine Liebe zu verdienen.
Hinter dieser Vorstellung steckt eine entscheidende Frage: Liebt Gott uns wegen dessen, was wir tun, oder liegt der Ursprung seiner Liebe in seinem eigenen Wesen? Im menschlichen Zusammenleben erleben wir, dass Anerkennung und Zuneigung manchmal von unserem Verhalten oder unseren Leistungen abhängen. Deshalb kann es schwerfallen, sich eine Liebe vorzustellen, die nicht erst durch besondere Verdienste gewonnen werden muss.
Gerade hier erhält die Botschaft von Römer 5,8 ihre besondere Bedeutung. Paulus richtet den Blick auf einen Zeitpunkt, an dem der Mensch keineswegs alles richtig gemacht hatte. Er spricht von Gottes Liebe angesichts menschlicher Schuld und Unvollkommenheit. Damit berührt er eine Wahrheit, die unser Verständnis von Gott und unsere persönliche Beziehung zu ihm grundlegend verändern kann.
Allerdings darf bedingungslose Liebe nicht mit Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde verwechselt werden. Ein liebender Gott nimmt die Schuld des Menschen ernst und möchte ihn nicht in einem Zustand belassen, der ihn von Gott trennt. Deshalb müssen Gottes Liebe, seine Gnade und sein Wunsch nach unserer Veränderung im Zusammenhang verstanden werden. Entscheidend ist zunächst, zu erkennen, von wem diese Liebe ausgeht und warum sie den Menschen bereits erreicht, bevor er etwas vorweisen kann.
Gottes Liebe beginnt, bevor wir uns verändern
Römer 5,6-8 – „6 Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, zur rechten Zeit für Gottlose gestorben. 7 Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten; für einen Wohltäter entschließt sich vielleicht jemand zu sterben. 8 Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren."
Römer 5,6-8 – „6 Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, zur rechten Zeit für Gottlose gestorben. 7 Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten; für einen Wohltäter entschließt sich vielleicht jemand zu sterben. 8 Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren."
Römer 5,9-11 – „9 Wieviel mehr werden wir nun, nachdem wir durch sein Blut gerechtfertigt worden sind, durch ihn vor dem Zorngericht errettet werden! 10 Denn, wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, wieviel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben! 11 Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsren Herrn Jesus Chris…"
2. Korinther 5,18-19 – „18 Das alles aber von Gott, der uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte."
Paulus beschreibt in Römer 5 eine Liebe, die sich grundlegend von dem unterscheidet, was Menschen häufig unter Liebe verstehen. Wir neigen dazu, andere nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Wer freundlich, zuverlässig und hilfsbereit ist, gewinnt leichter unsere Zuneigung. Wer uns dagegen enttäuscht oder verletzt, kann diese Zuneigung verlieren. Paulus stellt diesem menschlichen Maßstab Gottes Handeln gegenüber. Er erklärt, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. Gottes Liebe zeigte sich also gerade zu einer Zeit, in der unser Verhalten keinen Anspruch auf seine Anerkennung begründen konnte.
In Römer 5,6 bezeichnet Paulus die Menschen als kraftlos und gottlos. Mit diesen Ausdrücken beschreibt er ihre geistliche Situation. Sie konnten sich nicht selbst aus der Macht der Sünde befreien und ihre zerstörte Beziehung zu Gott nicht aus eigener Kraft wiederherstellen. Der Mensch brauchte Rettung, weil er sich nicht selbst retten konnte. Gerade in dieser Lage handelte Gott durch Jesus Christus. Er wartete nicht darauf, dass die Menschen zunächst ihre Probleme lösten, ihre Schuld beseitigten und ein vollkommenes Leben führten. Christus starb für Menschen, die seine Hilfe dringend benötigten.
Um die Außergewöhnlichkeit dieses Handelns verständlich zu machen, verwendet Paulus in Römer 5,7 einen Vergleich. Schon die Bereitschaft, für einen gerechten Menschen zu sterben, ist ungewöhnlich. Für einen besonders guten Menschen könnte vielleicht jemand sein eigenes Leben einsetzen. Paulus erinnert damit an eine menschlich nachvollziehbare Tatsache: Selbst große Opfer werden gewöhnlich für Menschen gebracht, denen wir besonders verbunden sind oder die wir hochschätzen. Doch Gottes Handeln geht darüber hinaus. Christus starb nicht für Menschen, die zuvor ihre besondere Würdigkeit bewiesen hatten, sondern für Sünder. Das macht die göttliche Liebe so außergewöhnlich.
Römer 5,8 beschreibt dieses Geschehen ausdrücklich als einen Beweis der Liebe Gottes. Das Kreuz ist deshalb mehr als ein Zeichen dafür, dass Jesus bereit war, für andere zu leiden. Es offenbart, wie Gott selbst dem schuldigen Menschen begegnet. Entscheidend ist dabei, dass Paulus die Liebe Gottes nicht als Folge des Kreuzes darstellt. Gott wurde nicht erst durch Jesu Tod liebevoll. Vielmehr ging seine Liebe dem rettenden Handeln voraus und wurde durch Christus sichtbar. Der Vater und der Sohn handeln im Erlösungswerk nicht gegeneinander, sondern gemeinsam für die Rettung des Menschen.
Diesen Zusammenhang bestätigt 2. Korinther 5,18-19. Paulus erklärt dort, dass die Versöhnung von Gott ausgeht und durch Jesus Christus geschieht. Versöhnung bedeutet, dass eine durch die Sünde gestörte Beziehung wiederhergestellt wird. Gott überlässt den Menschen also nicht einfach der Trennung, die durch seine Schuld entstanden ist, sondern schafft selbst die Grundlage für eine erneuerte Gemeinschaft. Das bedeutet nicht, dass die Sünde harmlos wäre oder keine wirklichen Folgen hätte. Gerade weil die Schuld ernst ist, braucht der Mensch Versöhnung. Gottes Liebe besteht nicht darin, das Böse zu übersehen, sondern darin, einen Weg zur Rettung zu eröffnen.
Paulus führt diesen Gedanken in Römer 5,9-11 weiter. Er spricht davon, dass Menschen durch Christi Blut gerechtfertigt und durch seinen Tod mit Gott versöhnt werden. Gleichzeitig erwähnt er die Rettung vor dem kommenden Zorn Gottes. Diese Aussagen gehören zusammen. Gottes Liebe hebt seine Gerechtigkeit nicht einfach auf, und seine Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass er den Sünder nicht liebt. Am Kreuz begegnet Gott dem wirklichen Problem der menschlichen Schuld und eröffnet die Möglichkeit, Frieden mit ihm zu finden. Die Versöhnung wird nicht dadurch geschaffen, dass Gott seine Maßstäbe aufgibt, sondern durch das rettende Werk Jesu Christi.
Besonders bemerkenswert ist, dass Paulus in Römer 5,10 sogar davon spricht, dass wir mit Gott versöhnt wurden, als wir noch Feinde waren. Damit beschreibt er die Tiefe der Entfremdung zwischen dem sündigen Menschen und Gott. Der Ausdruck bedeutet nicht, dass Gott die Menschen aus Hass verfolgte und erst durch Christus umgestimmt werden musste. Er bezeichnet vielmehr eine Beziehung, die durch die Sünde von Feindschaft geprägt war. Gottes Bereitschaft zur Versöhnung geht dieser Veränderung voraus. Zugleich macht Römer 5,11 deutlich, dass die Versöhnung persönlich empfangen wird. Gottes vorausgehende Liebe bedeutet deshalb nicht, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Antwort bereits in einer geretteten Gemeinschaft mit Gott lebt.
Für das persönliche Glaubensleben liegt darin eine große Ermutigung. Wer seine eigenen Fehler erkennt, muss nicht erst versuchen, sich in einen Menschen zu verwandeln, der Gottes Aufmerksamkeit verdient. Niemand muss seine Vergangenheit beschönigen oder seine Schwächen verbergen, um sich Gott nähern zu dürfen. Gerade die Erkenntnis der eigenen Hilfsbedürftigkeit kann den Blick auf Christus lenken. Gottes Liebe ist kein Lohn für eine bereits gelungene Veränderung, sondern die Grundlage, auf der eine solche Veränderung überhaupt möglich wird. Der Sünder darf sich an Gott wenden, weil Gott ihm in Jesus Christus bereits entgegengekommen ist.
Gottes Liebe entspringt seinem Wesen
1. Johannes 4,7-10 – „7 Geliebte, lasset uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sond…"
1. Johannes 4,7-10 – „7 Geliebte, lasset uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 9 Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 10 Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt haben, sond…"
1. Johannes 1,5-7 – „5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. 6 Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und [doch] in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; 7 wenn wir aber im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines …"
2. Mose 34,6-7 – „6 Und als der HERR vor seinem Angesicht vorüberging, rief er: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; 7 welcher Tausenden Gnade bewahrt und Missetat, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt, sondern heimsucht der Väter Missetat an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied!"
Wenn Gottes Liebe nicht von unseren Leistungen abhängt, stellt sich eine weitere wichtige Frage: Woher kommt diese Liebe, und warum können wir uns auf sie verlassen? Menschliche Gefühle können sich verändern. Wir können jemanden heute besonders gernhaben und morgen durch sein Verhalten enttäuscht sein. Auch unsere Zuneigung wird manchmal von Erwartungen beeinflusst, die andere erfüllen sollen. Deshalb brauchen wir eine verlässliche Grundlage, wenn wir verstehen möchten, warum Gott Menschen trotz ihrer Unvollkommenheit liebt. Diese Grundlage finden wir nicht zuerst im Menschen, sondern im Wesen Gottes selbst.
In 1. Johannes 4,7-8 erklärt der Apostel Johannes, dass die Liebe aus Gott kommt und dass Gott Liebe ist. Diese Aussage geht weit über die Feststellung hinaus, dass Gott gelegentlich liebevoll handelt. Johannes beschreibt etwas, das untrennbar zu Gottes Wesen gehört. Gott muss sich nicht erst dazu entschließen, ein liebender Gott zu werden, weil die Liebe bereits zu seinem Charakter gehört. Sie ist keine vorübergehende Stimmung und keine Eigenschaft, die nur dann sichtbar wird, wenn Menschen seinen Erwartungen entsprechen. Deshalb können wir Gottes Liebe nicht danach beurteilen, ob wir uns an einem bestimmten Tag besonders würdig oder unwürdig fühlen.
Johannes schreibt diese Worte an Gläubige, die lernen sollen, einander zu lieben. Seine Aussage besitzt deshalb auch eine praktische Bedeutung. Wer Gott wirklich kennenlernt, begegnet nicht nur einem mächtigen Schöpfer, sondern dem Ursprung wahrer Liebe. Diese Erkenntnis soll die Beziehung der Menschen untereinander verändern. Johannes betont in 1. Johannes 4,7, dass die Liebe aus Gott ist. Damit macht er deutlich, dass echte Liebe nicht allein aus menschlicher Anstrengung entsteht, sondern ihren Ursprung in dem Gott hat, mit dem die Gläubigen verbunden sind. Das Wissen um Gottes Charakter soll deshalb nicht nur Sicherheit schenken, sondern auch die eigene Haltung gegenüber anderen prägen.
Allerdings bedeutet die Aussage, dass Gott Liebe ist, nicht, dass alles, was Menschen als Liebe bezeichnen, automatisch dem Willen Gottes entspricht. Johannes selbst erklärt in 1. Johannes 1,5, dass Gott Licht ist und keinerlei Finsternis in ihm vorhanden ist. Mit diesem Bild beschreibt er Gottes vollkommene Reinheit und die Unvereinbarkeit seines Wesens mit der Sünde. Gottes Liebe und seine Heiligkeit stehen deshalb nicht gegeneinander. Seine Liebe ist niemals mit Unwahrheit, Ungerechtigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen verbunden. Ein Gott, der wirklich liebt, kann nicht einfach über alles hinwegsehen, was Menschen zerstört, verletzt oder voneinander trennt. Seine Liebe ist vollkommen, gerade weil sie zugleich wahrhaftig und gerecht ist.
Wie diese Eigenschaften zusammengehören, wird bereits im Alten Testament sichtbar. In 2. Mose 34,6-7 offenbart Gott Mose seinen Charakter. Er beschreibt sich als barmherzig, gnädig, geduldig und reich an Güte und Treue. Gleichzeitig macht er deutlich, dass Schuld und Ungerechtigkeit nicht bedeutungslos sind. Diese beiden Aussagen stehen bewusst nebeneinander. Gottes Barmherzigkeit ist echt, doch sie bedeutet nicht, dass er das Böse für gut erklärt. Seine Gerechtigkeit ist ebenso echt, doch sie macht ihn nicht zu einem lieblosen oder unberechenbaren Herrscher. Der Gott, der Schuld ernst nimmt, ist derselbe Gott, der bereit ist zu vergeben.
Gerade diese Verbindung hilft uns, bedingungslose Liebe richtig zu verstehen. Gott liebt einen Menschen nicht deshalb, weil dessen Verhalten in jeder Hinsicht gut ist. Er kann den Menschen lieben und zugleich dessen sündige Entscheidungen ablehnen. Wir kennen diesen Unterschied teilweise auch aus menschlichen Beziehungen. Eltern können ihr Kind aufrichtig lieben und dennoch entschieden gegen etwas sein, das ihrem Kind oder anderen schadet. Ihr Widerspruch bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihre Liebe verschwunden ist. Gottes Liebe ist noch weit vollkommener, denn seine Beurteilung des Guten und Bösen wird nicht durch menschliche Irrtümer oder wechselnde Gefühle bestimmt.
Deshalb darf Gottes Liebe auch nicht mit der Zusage verwechselt werden, dass es gleichgültig sei, wie ein Mensch lebt oder auf Gott antwortet. Johannes verbindet die Gemeinschaft mit Gott ausdrücklich mit einem Leben im Licht (1. Johannes 1,6-7). Wer behauptet, mit Gott verbunden zu sein, während er bewusst an der Finsternis festhält, widerspricht durch sein Leben dieser Behauptung. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Mensch sich durch sein richtiges Verhalten Gottes Liebe erst erwerben müsste. Vielmehr unterscheidet die Bibel zwischen Gottes liebevollem Wesen und der gelebten Gemeinschaft mit ihm. Die Liebe geht von Gott aus; wirkliche Gemeinschaft mit ihm schließt die Bereitschaft ein, sich von seiner Wahrheit verändern zu lassen.
Für einen Menschen, der immer wieder an seinen eigenen Schwächen verzweifelt, kann diese Erkenntnis eine tiefe Entlastung sein. Gottes Charakter verändert sich nicht mit jedem persönlichen Erfolg oder Misserfolg. Wenn unser Glaube schwach ist, wird Gott dadurch nicht zu einem anderen Gott. Wenn wir schuldig werden, verwandelt sich seine Barmherzigkeit nicht plötzlich in Lieblosigkeit. Seine Heiligkeit bleibt bestehen, ebenso seine Bereitschaft, uns zur Umkehr und zur erneuerten Gemeinschaft mit ihm zu führen. Wir dürfen deshalb lernen, unsere Beziehung zu Gott nicht auf wechselnde Gefühle oder die Bilanz unserer eigenen Leistungen zu gründen, sondern auf das, was er über seinen Charakter offenbart hat. Seine Liebe ist verlässlich, weil er selbst verlässlich ist.
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Gottes Liebe gilt der ganzen Welt
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"
Johannes 3,16-18 – „16 Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt ha…"
1. Timotheus 2,3-6 – „3 denn solches ist gut und angenehm vor Gott unsrem Retter, 4 welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit,"
Hesekiel 33,11 – „11 Sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daran, daß der Gottlose sich abwende von seinem Wege und lebe! Wendet euch ab, wendet euch ab von euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben, Haus Israel?"
Gottes Liebe ist nicht auf Menschen beschränkt, die besonders religiös, moralisch vorbildlich oder gesellschaftlich angesehen sind. Jesus macht das in Johannes 3,16 deutlich, indem er erklärt, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab. Bemerkenswert ist, dass Jesus nicht von einer kleinen Gruppe besonders verdienter Menschen spricht. Er richtet den Blick auf die Welt, also auf die Menschheit, die Gottes Rettung benötigt. Damit erhält Gottes Liebe eine Weite, die menschliche Grenzen und Vorstellungen übersteigt. Sie gilt nicht nur Menschen, die Gott bereits kennen, sondern erreicht auch diejenigen, die bisher fern von ihm leben.
Diese Worte stehen im Gespräch Jesu mit Nikodemus, einem angesehenen religiösen Lehrer Israels. Nikodemus kannte die Heiligen Schriften und gehörte zu einer Gruppe, die großen Wert auf die Einhaltung religiöser Vorschriften legte. Dennoch erklärte Jesus ihm, dass ein Mensch von Neuem geboren werden müsse, um das Reich Gottes sehen zu können (Johannes 3,3). Religiöses Wissen und eine angesehene Stellung genügten also nicht. Der Mensch benötigte eine geistliche Erneuerung, die er nicht durch seine Herkunft oder seine Leistungen ersetzen konnte. Vor diesem Hintergrund erhält Johannes 3,16 seine besondere Bedeutung: Gottes rettendes Handeln richtet sich an eine Menschheit, die neues Leben braucht.
Jesus verbindet die Liebe Gottes unmittelbar mit der Hingabe seines Sohnes. Gott beließ es nicht bei einer allgemeinen Zusicherung seiner Zuneigung, sondern handelte, um verlorenen Menschen das ewige Leben zu ermöglichen. Im vorausgehenden Zusammenhang verweist Jesus auf die Begebenheit, bei der Mose in der Wüste eine Schlange erhöhte (Johannes 3,14-15). Nach 4. Mose 21,4-9 konnten die von Schlangen gebissenen Israeliten am Leben bleiben, wenn sie im Vertrauen auf Gottes Zusage auf das von Mose aufgerichtete Zeichen blickten. Jesus verwendet dieses Ereignis, um auf seine eigene Erhöhung hinzuweisen. Die Rettung geht von Gott aus und wird dem Menschen angeboten, der seiner Verheißung vertraut.
Dabei ist die Formulierung in Johannes 3,16 besonders wichtig: Jeder, der an den Sohn glaubt, soll nicht verlorengehen, sondern ewiges Leben haben. Die Einladung ist weit, doch Jesus bezeichnet den Glauben ausdrücklich als die Antwort, durch die der Mensch Anteil am verheißenen Leben erhält. Gottes Liebe zur Welt bedeutet deshalb nicht, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Entscheidung automatisch gerettet wird. Der anschließende Vers 18 unterscheidet ausdrücklich zwischen Glauben und Unglauben. Wer an Christus glaubt, wird nicht verurteilt; wer ihn ablehnt, bleibt unter dem Gericht. Die Bedingung des Glaubens ist jedoch keine Forderung nach einer religiösen Vorleistung, mit der Gottes Liebe erst verdient werden müsste. Glaube bedeutet, dem Retter zu vertrauen, den Gott aus Liebe gesandt hat.
Auch Johannes 3,17 hilft uns, Gottes Absicht richtig zu verstehen. Jesus erklärt, dass Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt hat, um die Welt zu verurteilen, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Sein Kommen hatte somit eine ausdrücklich rettende Zielsetzung. Das bedeutet nicht, dass Jesus das göttliche Gericht grundsätzlich ausschließt, denn schon die folgenden Verse sprechen von der Verantwortung des Menschen gegenüber dem Licht. Vielmehr zeigt Jesus, dass Gott dem sündigen Menschen zunächst mit einem wirklichen Rettungsangebot begegnet. Niemand soll aus seiner eigenen Schuld den Schluss ziehen, Gott wünsche grundsätzlich seinen Untergang.
Dass Gottes rettende Zuwendung nicht auf eine bestimmte Volksgruppe oder gesellschaftliche Stellung begrenzt ist, unterstreicht Paulus in 1. Timotheus 2,3-6. Er erklärt, dass Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Im unmittelbaren Zusammenhang fordert er die Gläubigen auf, für alle Menschen zu beten, ausdrücklich auch für Könige und andere Verantwortungsträger. Gottes Rettungsbotschaft soll also nicht an menschlichen Grenzen enden. Paulus begründet diese Weite damit, dass es einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und Menschen gibt: Jesus Christus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat. Der Zugang zu Gott hängt nicht von Nationalität, sozialer Stellung oder besonderen religiösen Vorrechten ab, sondern von Christus.
Bereits im Alten Testament begegnet uns derselbe göttliche Wunsch zur Rettung. In Hesekiel 33,11 lässt Gott dem Volk Israel erklären, dass er kein Gefallen am Tod des Gottlosen hat, sondern daran, dass dieser von seinem bösen Weg umkehrt und lebt. Diese Worte stehen in einem ernsten Zusammenhang, denn Israel wird mit seiner Schuld und den Folgen seiner Entscheidungen konfrontiert. Gerade dort offenbart Gott seinen Wunsch, dass Menschen nicht auf dem Weg des Verderbens bleiben. Seine Aufforderung zur Umkehr entspringt nicht einer Freude am Verurteilen, sondern seinem Willen, Leben zu bewahren. Auch der Mensch, der sich weit von Gottes Wegen entfernt hat, wird damit ausdrücklich zur Umkehr eingeladen.
Für das persönliche Glaubensleben bedeutet diese Botschaft, dass niemand aufgrund seiner Vergangenheit, seiner Herkunft oder seiner gesellschaftlichen Stellung annehmen muss, grundsätzlich von Gottes Liebe ausgeschlossen zu sein. Vielleicht hat ein Mensch Entscheidungen getroffen, die er heute zutiefst bereut. Vielleicht glaubt er, seine Schuld sei zu groß oder sein bisheriges Leben zu weit von Gottes Willen entfernt gewesen. Die Worte Jesu geben ihm einen anderen Ausgangspunkt. Gottes Einladung richtet sich nicht ausschließlich an Menschen, die bereits alles richtig gemacht haben. Wer Christus im Glauben annimmt, darf auf die Rettung vertrauen, die Gott durch ihn eröffnet hat. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob ein Mensch genügend Verdienste gesammelt hat, sondern ob er bereit ist, dem Sohn Gottes zu vertrauen.
Die Weite dieser Liebe verändert zugleich unseren Blick auf andere Menschen. Wenn Gott seine rettende Einladung nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, dürfen auch wir Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Vergangenheit oder ihrer gegenwärtigen Lebensweise für hoffnungslos erklären. Wir kennen weder alle Umstände ihres Lebens noch die Entscheidungen, die sie künftig treffen werden. Gottes Liebe ermutigt uns, ihnen mit Geduld, Achtung und der Bereitschaft zu begegnen, von Christus zu erzählen. Gerade weil Gott die Welt liebt, besitzt jeder Mensch eine Würde, die nicht von seiner religiösen Leistung abhängt. Niemand muss sich Gottes Aufmerksamkeit erst verdienen, bevor er sich auf den Weg zu ihm machen darf.
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Gottes Gnade ist ein Geschenk, kein Lohn
Epheser 2,4-10 – „4 Gott aber, der da reich ist an Erbarmen, hat durch seine große Liebe, womit er uns liebte, 5 auch uns, die wir tot waren durch die Sünden, samt Christus lebendig gemacht (aus Gnaden seid ihr gerettet) 6 und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus, 7 auf daß er in den darauffolgenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade erzeigte durch G…"
Epheser 2,4-10 – „4 Gott aber, der da reich ist an Erbarmen, hat durch seine große Liebe, womit er uns liebte, 5 auch uns, die wir tot waren durch die Sünden, samt Christus lebendig gemacht (aus Gnaden seid ihr gerettet) 6 und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus, 7 auf daß er in den darauffolgenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade erzeigte durch G…"
Titus 3,4-7 – „4 Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unsres Retters, erschien, 5 hat er (nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit) uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, 6 welchen er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsren Retter, 7 damit wir, durch seine Gnade gerecht…"
Römer 3,23-24 – „23 Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, 24 so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist."
Wer verstanden hat, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt, steht vor einer entscheidenden Frage: Muss der Mensch dennoch etwas leisten, um sich Gottes rettende Zuwendung zu verdienen? Im Alltag sind wir daran gewöhnt, dass Leistung und Gegenleistung zusammengehören. Wer arbeitet, erhält seinen Lohn. Wer eine Prüfung besteht, bekommt die entsprechende Anerkennung. Diese Ordnung ist in vielen Lebensbereichen sinnvoll. Doch wenn wir versuchen, unsere Beziehung zu Gott nach demselben Prinzip aufzubauen, übersehen wir einen wesentlichen Unterschied: Die Erlösung ist keine Belohnung für menschliche Leistungen, sondern ein Geschenk der göttlichen Gnade.
In Epheser 2,4-5 beschreibt Paulus, wie Gott Menschen begegnet, die durch ihre Übertretungen geistlich tot waren. Er beginnt mit Gottes reicher Barmherzigkeit und seiner großen Liebe. Anschließend erklärt er, dass Gott uns zusammen mit Christus lebendig gemacht hat. Der Ausgangspunkt liegt also nicht in einer besonderen Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu verbessern. Vielmehr handelt Gott dort, wo der Mensch aus eigener Kraft kein neues geistliches Leben hervorbringen kann. Paulus bezeichnet dieses rettende Eingreifen ausdrücklich als Gnade. Damit meint er Gottes unverdiente Zuwendung, durch die er schuldigen Menschen in Christus Rettung und neues Leben eröffnet.
Besonders deutlich wird diese Wahrheit in Epheser 2,8-9. Paulus erklärt, dass die Gläubigen aus Gnade durch den Glauben gerettet sind und dass diese Rettung nicht aus ihnen selbst stammt, sondern Gottes Gabe ist. Er fügt hinzu, dass sie nicht aus Werken kommt, damit sich niemand rühmen kann. Diese Formulierung schließt den Gedanken aus, der Mensch könne durch ausreichend gute Taten einen Anspruch auf Erlösung erwerben. Selbst wenn jemand sein ganzes Leben lang bemüht wäre, anderen zu helfen und Gottes Gebote zu beachten, könnten diese Leistungen die Vergebung seiner Schuld nicht erkaufen. Gute Taten besitzen einen wirklichen Wert, doch sie können das rettende Handeln Jesu Christi nicht ersetzen.
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Wenn Paulus erklärt, dass die Rettung durch den Glauben geschieht, beschreibt er damit keine neue religiöse Leistung, die an die Stelle anderer Verdienste tritt. Glaube bedeutet, Gottes Zusage zu vertrauen und das anzunehmen, was Christus für uns getan hat. Der Mensch rettet sich also nicht dadurch, dass er besonders fest glaubt, als könnte die Stärke seines Glaubens den Wert des Erlösungswerkes bestimmen. Die Grundlage seiner Hoffnung bleibt Jesus Christus. Der Glaube ist die persönliche Antwort auf Gottes rettendes Angebot, nicht dessen Kaufpreis. Deshalb kann auch ein Mensch, der seine eigene Schwachheit deutlich empfindet, im Vertrauen auf Christus zu Gott kommen.
Paulus bestätigt diesen Zusammenhang in Titus 3,4-7. Dort spricht er davon, dass Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit sichtbar geworden sind und er uns gerettet hat, nicht aufgrund gerechter Werke, die wir selbst getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit. Zugleich verbindet Paulus die Rettung mit der Erneuerung durch den Heiligen Geist. Die göttliche Gnade beschränkt sich somit nicht darauf, vergangene Schuld zu vergeben. Gott möchte dem Menschen ein neues Leben schenken und sein Inneres verändern. Diese Erneuerung entsteht jedoch nicht als Voraussetzung, durch die sich der Mensch das Recht auf Gottes Barmherzigkeit erarbeitet. Sie gehört vielmehr zu dem rettenden Handeln, das aus Gottes Güte hervorgeht.
Auch Römer 3,23-24 macht deutlich, weshalb niemand seine Erlösung verdienen kann. Paulus erklärt zunächst, dass alle Menschen gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen. Damit nimmt er jedem Menschen die Möglichkeit, sich aufgrund eigener Vollkommenheit vor Gott zu rühmen. Anschließend spricht er von der Rechtfertigung, die Menschen durch Gottes Gnade aufgrund der Erlösung in Christus Jesus empfangen. Rechtfertigung bedeutet hier, dass Gott den schuldigen Menschen aufgrund des Erlösungswerkes Christi gerecht spricht. Diese Annahme vor Gott beruht nicht auf einer selbst erworbenen Gerechtigkeit. Sie gründet auf dem, was Jesus Christus für uns getan hat. Deshalb darf niemand glauben, er könne sich durch genügend religiöse Anstrengung selbst zu seinem Erlöser machen.
Allerdings wäre es ein Missverständnis, aus dieser Wahrheit zu schließen, gute Werke seien für das Leben mit Gott bedeutungslos. Unmittelbar nach seiner Erklärung über die Rettung aus Gnade beschreibt Paulus in Epheser 2,10 die Gläubigen als Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken. Diese Reihenfolge ist entscheidend. Die guten Werke stehen nicht am Anfang als Voraussetzung, durch die Menschen Gottes rettende Liebe erwerben. Sie folgen aus dem neuen Leben, das Gott ihnen schenkt. Wer Christus vertraut, wird nicht dazu eingeladen, unverändert an allem festzuhalten, was ihn bisher von Gott getrennt hat. Gottes Gnade eröffnet vielmehr eine neue Lebensrichtung, in der das Gute aus der Verbindung mit Christus wachsen soll.
Für das persönliche Glaubensleben bedeutet diese Wahrheit eine tiefgreifende Befreiung vom ständigen Versuch, sich vor Gott beweisen zu müssen. Ein Mensch darf die Bibel lesen, beten, anderen helfen und Gottes Willen tun, ohne darin eine Bezahlung für seine Erlösung sehen zu müssen. Solche Handlungen können Ausdruck seiner Liebe, Dankbarkeit und seines Vertrauens werden. Wenn er jedoch meint, durch sie erst genügend Wert vor Gott erlangen zu müssen, gerät die Grundlage seines Glaubens aus dem Blick. Besonders in Zeiten persönlicher Schwäche ist es wichtig, diesen Unterschied zu verstehen. Das Versagen eines Menschen macht seine Sünde nicht bedeutungslos, aber es bedeutet auch nicht, dass er nun versuchen müsste, Gottes Gnade durch zusätzliche Leistungen zurückzukaufen. Er darf seine Schuld erkennen, zu Christus kommen und sich erneut auf Gottes Barmherzigkeit verlassen.
So erhält auch der Gehorsam gegenüber Gott seinen richtigen Platz. Er ist nicht der Preis, den ein Mensch für die göttliche Liebe bezahlen muss, sondern die Antwort eines Herzens, das diese Liebe kennengelernt hat. Das verändert die innere Haltung grundlegend. An die Stelle der Angst, niemals genug leisten zu können, darf das Vertrauen treten, dass Gott selbst die Grundlage unserer Rettung geschaffen hat. Der Mensch wird dadurch nicht zur Gleichgültigkeit eingeladen, sondern zu einer Beziehung, in der Dankbarkeit und Liebe sein Handeln zunehmend bestimmen. Gottes Gnade befreit uns nicht nur von dem unmöglichen Versuch, die Erlösung selbst zu verdienen. Sie eröffnet uns zugleich die Möglichkeit, aus der Gemeinschaft mit Christus ein neues Leben zu führen.
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Du darfst mit deiner Schuld zu Gott zurückkehren
Lukas 15,11-24 – „11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere sprach zum Vater: Gib mir, Vater, den Teil des Vermögens, der mir zufällt! Und er teilte ihnen das Gut. 13 Und nicht lange darnach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben. 14 Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hun…"
Lukas 15,11-24 – „11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere sprach zum Vater: Gib mir, Vater, den Teil des Vermögens, der mir zufällt! Und er teilte ihnen das Gut. 13 Und nicht lange darnach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit liederlichem Leben. 14 Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hun…"
Lukas 15,1-3 – „1 Es pflegten ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen! 3 Er sagte aber zu ihnen dieses Gleichnis und sprach:"
1. Johannes 1,8-9 – „8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; 9 wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigeit."
Lukas 5,31-32 – „31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken; 32 ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße!"
Eine der größten Schwierigkeiten im Glaubensleben entsteht, wenn ein Mensch seine eigene Schuld erkennt und daraus den Schluss zieht, er könne nicht mehr zu Gott kommen. Vielleicht hat er sich bewusst gegen Gottes Willen entschieden, wichtige Gelegenheiten versäumt oder andere Menschen verletzt. Manchmal ist die Scham so groß, dass er sich zunächst verändern möchte, bevor er wieder betet oder Gottes Nähe sucht. Doch gerade an diesem Punkt stellt sich eine entscheidende Frage: Wie begegnet Gott einem Menschen, der seine Schuld nicht länger verbergen kann und zu ihm zurückkehren möchte? Jesus beantwortet diese Frage in einem Gleichnis, das die Barmherzigkeit Gottes auf besonders persönliche Weise veranschaulicht.
In Lukas 15,11-24 erzählt Jesus von einem jüngeren Sohn, der seinen Vater um seinen Anteil am Vermögen bittet und anschließend in ein fernes Land zieht. Dort verschwendet er seinen Besitz durch ein ausschweifendes Leben. Als eine Hungersnot eintritt, gerät er in große Not und muss schließlich Schweine hüten. Für die jüdischen Zuhörer war diese Tätigkeit besonders erniedrigend, da Schweine nach dem mosaischen Gesetz als unrein galten. Jesus beschreibt damit nicht nur den materiellen Verlust eines Menschen, sondern auch die tiefgreifenden Folgen seiner Entscheidungen. Der Sohn hatte die Gemeinschaft mit seinem Vater verlassen und musste erfahren, dass die erhoffte Freiheit ihn nicht zu einem erfüllten Leben geführt hatte. Am Ende fehlte ihm sogar das Nötigste zum Leben.
In dieser Situation beginnt der junge Mann, über sein Leben nachzudenken. Lukas 15,17 berichtet, dass er zur Besinnung kommt und sich daran erinnert, wie gut selbst die Tagelöhner seines Vaters versorgt werden. Er erkennt, dass er gegen den Himmel und vor seinem Vater gesündigt hat. Seine geplanten Worte zeigen, dass er seine Schuld nicht länger rechtfertigen möchte. Er will zurückkehren und seinen Vater bitten, ihn wenigstens wie einen Tagelöhner aufzunehmen. Dabei geht es ihm zunächst auch um seine unmittelbare Not. Jesus verschweigt diese menschliche Motivation nicht. Dennoch bleibt der Sohn nicht bei seinen Gedanken stehen, sondern macht sich tatsächlich auf den Heimweg. Seine Einsicht führt zu einer Entscheidung, die bisherige Richtung seines Lebens zu verlassen.
Besonders eindrucksvoll ist die Reaktion des Vaters in Lukas 15,20. Noch während der Sohn weit entfernt ist, sieht ihn sein Vater, wird von Mitleid bewegt, läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Jesus schildert einen Vater, der seinen zurückkehrenden Sohn nicht zunächst mit Vorwürfen empfängt. Er verlangt auch nicht, dass dieser erst durch jahrelange Arbeit beweist, wieder liebenswert zu sein. Die liebevolle Aufnahme geschieht, bevor der Sohn seine vorbereitete Erklärung vollständig vorbringen kann. Darin wird sichtbar, dass die Barmherzigkeit des Vaters nicht durch die Leistungen des Sohnes erkauft wird. Der Vater begegnet ihm mit einer Liebe, die trotz der vorausgegangenen Trennung nicht erloschen ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Entscheidungen des Sohnes gleichgültig gewesen wären. Der junge Mann war tatsächlich fortgegangen, hatte sein Erbe verschwendet und die Beziehung zu seinem Vater schwer belastet. Seine Rückkehr beinhaltet deshalb auch ein ehrliches Schuldbekenntnis. In Lukas 15,21 erkennt er ausdrücklich an, dass er gegen den Himmel und vor seinem Vater gesündigt hat. Der Vater widerspricht diesem Bekenntnis nicht, als wäre überhaupt nichts geschehen. Stattdessen lässt er das beste Gewand bringen, steckt ihm einen Ring an die Hand und gibt ihm Schuhe. Anschließend wird ein Fest vorbereitet. Diese Handlungen unterstreichen, dass der Sohn nicht lediglich als Tagelöhner geduldet, sondern wieder als Sohn aufgenommen wird. Seine Schuld wird nicht verharmlost, doch sie erhält nicht das letzte Wort über seine Zukunft.
Der Zusammenhang des Gleichnisses erklärt, warum Jesus diese Geschichte erzählt. Nach Lukas 15,1-3 kamen Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten kritisierten, dass Jesus solche Menschen aufnahm und mit ihnen aß. Als Antwort erzählte Jesus mehrere Gleichnisse über das Verlorene und die Freude über seine Wiederfindung. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn steht deshalb nicht einfach für eine allgemeine menschliche Familiengeschichte. Es offenbart Gottes Haltung gegenüber Menschen, die sich von ihm entfernt haben, und stellt zugleich die ablehnende Haltung der religiösen Kritiker infrage. Wer einen Sünder allein auf seine Vergangenheit reduziert, übersieht die Freude, die seine Umkehr bei Gott hervorruft.
Diesen Zusammenhang verdeutlicht auch Jesus selbst in Lukas 5,31-32. Als seine Gemeinschaft mit Zöllnern und Sündern kritisiert wird, erklärt er, dass nicht die Gesunden einen Arzt benötigen, sondern die Kranken. Anschließend sagt er, dass er gekommen ist, Sünder zur Buße zu rufen. Das Bild des Arztes ist besonders aufschlussreich. Ein Kranker sucht medizinische Hilfe nicht deshalb, weil er bereits gesund ist, sondern weil er Heilung braucht. Ebenso muss ein sündiger Mensch nicht zunächst alle seine geistlichen Probleme selbst lösen, bevor er sich an Christus wenden darf. Gerade seine Hilfsbedürftigkeit macht deutlich, warum er den Erlöser braucht. Allerdings besteht das Ziel der ärztlichen Hilfe nicht darin, die Krankheit zu bestätigen, sondern sie zu behandeln. So lädt Christus den Menschen ein, sich von der Sünde abzuwenden und durch ihn Erneuerung zu erfahren.
Auch der Apostel Johannes spricht darüber, wie Gläubige mit ihrer Schuld umgehen sollen. In 1. Johannes 1,8 warnt er davor, zu behaupten, man habe keine Sünde. Wer seine Schuld leugnet, täuscht sich selbst und verschließt sich der Wahrheit. Im folgenden Vers erklärt Johannes jedoch, dass Gott treu und gerecht ist, unsere Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen, wenn wir sie bekennen. Das Bekenntnis soll Gott nicht erst dazu überreden, barmherzig zu werden. Vielmehr legt der Mensch seine Schuld offen vor den Gott, der durch Jesus Christus Vergebung ermöglicht hat. Wahrhaftige Umkehr bedeutet deshalb weder, die eigene Vergangenheit zu beschönigen, noch, sich in endlosen Selbstvorwürfen zu verlieren. Sie bedeutet, die Schuld anzuerkennen und Gottes angebotene Vergebung anzunehmen.
Für das persönliche Leben kann diese Erkenntnis eine große Bedeutung haben. Manche Menschen tragen Fehler mit sich, die sie seit Jahren belasten. Andere haben wiederholt mit denselben Schwächen zu kämpfen und fragen sich, ob sie überhaupt noch zu Gott kommen dürfen. Das Gleichnis Jesu macht deutlich, dass ein Mensch seine Hoffnung nicht deshalb aufgeben muss, weil er weit von Gott entfernt war. Er darf zu seinem himmlischen Vater zurückkehren, ohne sich zuvor einen Anspruch auf dessen Liebe erarbeiten zu müssen. Gleichzeitig lädt Gottes Barmherzigkeit nicht dazu ein, bewusst auf einem zerstörerischen Weg zu bleiben. Sie ermutigt vielmehr dazu, ehrlich umzukehren und die eigene Zukunft seiner Führung anzuvertrauen.
Der verlorene Sohn konnte seine Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Das verschwendete Erbe war nicht einfach wieder vorhanden, und die Folgen seiner Entscheidungen waren tatsächlich eingetreten. Doch seine Geschichte endete nicht mit dem Verlust, sondern mit der Wiederherstellung der Gemeinschaft mit seinem Vater. Gerade darin liegt die besondere Hoffnung dieses Gleichnisses. Wer schuldig geworden ist, muss seine Vergangenheit nicht leugnen, um von Gott angenommen zu werden. Er darf sie vor ihm eingestehen und auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Gottes Vergebung schenkt dem Menschen nicht die Möglichkeit, seine Schuld zu verharmlosen, sondern die Freiheit, trotz seiner Schuld einen neuen Anfang mit ihm zu machen.
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Jesus lässt dich in deiner Schwachheit nicht allein
Hebräer 4,14-16 – „14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade,…"
Hebräer 4,14-16 – „14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade,…"
Hebräer 7,24-25 – „24 er aber hat, weil er in Ewigkeit bleibt, ein unübertragbares Priestertum. 25 Daher kann er auch bis aufs äußerste die retten, welche durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten!"
1. Johannes 2,1-2 – „1 Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, damit ihr nicht sündiget! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; 2 und er ist das Sühnopfer für unsre Sünden, aber nicht nur für die unsren, sondern auch für die der ganzen Welt."
Hebräer 9,24-26 – „24 Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns; 25 auch nicht, um sich selbst öfters zu opfern, gleichwie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut ins Heiligtum hineingeht; denn sonst hätte er ja öfters leiden müssen von Grundlegung der Welt an…"
Ein Mensch kann Gottes Vergebung aufrichtig angenommen haben und dennoch feststellen, dass sein Leben nicht plötzlich frei von allen Schwächen und Versuchungen ist. Vielleicht hatte er gehofft, nach seiner Entscheidung für Christus würden bestimmte Probleme sofort verschwinden. Stattdessen erlebt er, dass alte Gewohnheiten wieder auftauchen oder dass er in schwierigen Situationen anders handelt, als er es sich vorgenommen hatte. Daraus kann die Sorge entstehen, Gott sei inzwischen von ihm enttäuscht und habe seine Geduld verloren. Doch das Neue Testament beschreibt Jesus nicht nur als den Erlöser, der für unsere Schuld gestorben ist. Es zeigt ihn auch als den auferstandenen Herrn, der sich weiterhin für die Menschen einsetzt, die ihm vertrauen.
In Hebräer 4,14-16 wird Jesus als großer Hoherpriester vorgestellt, der durch die Himmel gegangen ist. Um diese Aussage zu verstehen, müssen wir die Aufgabe des Hohenpriesters im alttestamentlichen Gottesdienst berücksichtigen. Er hatte eine besondere Stellung im Dienst des Heiligtums und trat stellvertretend für das Volk vor Gott. Der Hebräerbrief greift diese bekannte Aufgabe auf und erklärt, dass Jesus der wahre und vollkommene Hohepriester ist. Sein Dienst übertrifft den früheren Heiligtumsdienst, weil er nicht selbst ein sündiger Mensch ist und sein Priestertum nicht durch den Tod beendet wird. Die Gläubigen haben deshalb in Christus einen bleibenden Vertreter vor Gott.
Besonders tröstlich ist die Beschreibung Jesu in Hebräer 4,15. Dort wird erklärt, dass er mit unseren Schwachheiten Mitleid haben kann, weil er in seinem irdischen Leben versucht wurde, jedoch ohne Sünde blieb. Jesus kennt die menschliche Wirklichkeit also nicht nur aus einer göttlichen Entfernung. Er hat selbst Hunger, Erschöpfung, Ablehnung, Trauer und schwere Versuchungen erlebt. Die Evangelien berichten beispielsweise, wie Satan ihn in der Wüste versuchte und wie er im Garten Gethsemane unter der Last des bevorstehenden Leidens betete. Jesus kennt den Druck, dem Menschen ausgesetzt sein können. Allerdings bedeutet sein Mitgefühl nicht, dass er selbst der Sünde nachgegeben hätte. Gerade weil er den Versuchungen widerstand, kann er uns nicht nur verstehen, sondern auch helfen, ihnen zu begegnen.
Aus dieser Wahrheit zieht der Hebräerbrief eine bemerkenswerte Schlussfolgerung. In Hebräer 4,16 werden die Gläubigen eingeladen, mit Zuversicht zum Thron der Gnade zu kommen, um Barmherzigkeit zu empfangen und rechtzeitige Hilfe zu finden. Der Ausdruck macht deutlich, dass Gottes Gegenwart für den Menschen, der durch Christus zu ihm kommt, kein Ort sein muss, den er aus Angst vor seiner Schwachheit meidet. Er darf sich Gott gerade dann anvertrauen, wenn er Hilfe benötigt. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Vergebung bereits begangener Sünden. Die Aufforderung umfasst auch die Hilfe, die ein Mensch braucht, um in kommenden Prüfungen standhaft zu bleiben. Gottes Gnade begegnet ihm somit nicht nur nach einem Versagen, sondern möchte ihn auch in seinen gegenwärtigen Herausforderungen stärken.
Der Hebräerbrief vertieft diesen Gedanken in Hebräer 7,24-25. Dort wird erklärt, dass Jesu Priestertum dauerhaft besteht, weil er für immer lebt. Deshalb kann er diejenigen vollständig retten, die durch ihn zu Gott kommen, denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten. Diese Aussage verbindet die Auferstehung Christi mit seiner fortdauernden Fürsorge für die Gläubigen. Sein Erlösungswerk endete nicht damit, dass er das Grab verließ und in den Himmel zurückkehrte. Als lebendiger Hoherpriester vertritt er diejenigen, die ihre Hoffnung auf ihn setzen. Die Sicherheit der Gläubigen beruht deshalb nicht darauf, dass sie aus eigener Kraft vollkommen standhaft bleiben könnten, sondern auf der bleibenden Wirksamkeit seines Dienstes.
Dabei darf dieser himmlische Dienst nicht so verstanden werden, als müsste Jesus seinen Vater ständig davon überzeugen, den Menschen gegenüber freundlich zu sein. Gottes Liebe war bereits der Ursprung des Erlösungsplanes. Vater und Sohn verfolgen dasselbe Ziel: die Rettung des Menschen. Ebenso wenig bedeutet Jesu Fürbitte, dass sein Opfer immer wieder neu dargebracht werden müsste. Hebräer 9,24-26 erklärt, dass Christus vor dem Angesicht Gottes für uns erscheint und sich nicht wiederholt opfern muss. Er hat sein Opfer ein für alle Mal dargebracht. Sein gegenwärtiger Dienst gründet auf diesem vollbrachten Erlösungswerk. Darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen menschlichen Bemühungen und dem Handeln Christi: Wir versuchen nicht, durch immer neue Leistungen seine Annahme zu sichern, sondern vertrauen auf den Erlöser, dessen Opfer genügt und dessen Fürsorge fortbesteht.
Auch der Apostel Johannes spricht diese Wahrheit in 1. Johannes 2,1-2 an. Er schreibt den Gläubigen ausdrücklich, damit sie nicht sündigen. Unmittelbar danach erklärt er jedoch, dass wir, wenn jemand sündigt, einen Fürsprecher beim Vater haben: Jesus Christus, den Gerechten. Beide Aussagen gehören untrennbar zusammen. Johannes möchte weder die Sünde verharmlosen noch einen Menschen, der gefallen ist, in Hoffnungslosigkeit zurücklassen. Das Ziel des christlichen Lebens bleibt, der Sünde zu widerstehen und nach Gottes Willen zu leben. Wenn ein Gläubiger dennoch schuldig wird, ist Christus weiterhin derjenige, an den er sich wenden darf. Johannes begründet diese Zuversicht mit dem Sühnungswerk Jesu. Der Fürsprecher ist also nicht irgendein unbeteiligter Beobachter, sondern der Erlöser, der selbst die Grundlage unserer Vergebung geschaffen hat.
Diese Zusage ist allerdings keine Erlaubnis, bewusst an der Sünde festzuhalten und die Gemeinschaft mit Christus gleichzeitig für selbstverständlich zu halten. Der Zusammenhang des ersten Johannesbriefes verbindet das Vertrauen auf Jesus mit einem Leben, das sich an Gottes Wahrheit orientiert. Es besteht ein Unterschied zwischen einem Menschen, der mit seiner Schwachheit ringt und sich nach Gottes Hilfe sehnt, und einer Haltung, die Gottes Willen absichtlich zurückweist und keine Veränderung möchte. Christus nimmt unsere Schwachheit ernst, aber er möchte uns nicht in ihr gefangen lassen. Seine Fürsprache soll deshalb weder zu religiöser Selbstsicherheit noch zu ständiger Angst führen. Sie schenkt Zuversicht, sich von ihm helfen, korrigieren und weiterführen zu lassen.
Für das persönliche Glaubensleben verändert diese Erkenntnis den Umgang mit Versuchungen grundlegend. Wenn ein Mensch merkt, dass seine eigene Kraft nicht ausreicht, muss er nicht warten, bis er wieder stärker geworden ist, bevor er betet. Er darf seine Schwierigkeiten unmittelbar vor Christus bringen. Gerade in Momenten innerer Anfechtung, geistlicher Müdigkeit oder wiederkehrender Versuchung kann er um die Hilfe bitten, die der Hebräerbrief ausdrücklich verheißt. Auch nach einem Versagen muss er sich nicht in der Vorstellung verlieren, Christus habe sich endgültig von ihm abgewandt. Er darf seine Schuld aufrichtig vor Gott bringen und weiterhin auf Jesu rettenden Dienst vertrauen. Die Hoffnung des Gläubigen liegt nicht darin, niemals mehr Hilfe zu benötigen, sondern darin, einen Erlöser zu haben, der ihm auch in seiner Schwachheit treu zur Seite steht.
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Gottes Liebe verändert dein Leben von innen heraus
Titus 2,11-14 – „11 Denn es ist erschienen die Gnade Gottes, heilsam allen Menschen; 12 sie nimmt uns in Zucht, damit wir unter Verleugnung des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste vernünftig und gerecht und gottselig leben in der jetzigen Weltzeit, 13 in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus, 14 der sich selbst für uns dahingeg…"
Titus 2,11-14 – „11 Denn es ist erschienen die Gnade Gottes, heilsam allen Menschen; 12 sie nimmt uns in Zucht, damit wir unter Verleugnung des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste vernünftig und gerecht und gottselig leben in der jetzigen Weltzeit, 13 in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus, 14 der sich selbst für uns dahingeg…"
2. Korinther 5,14-15 – „14 Denn die Liebe Christi hält uns zusammen, die wir dafür halten, daß, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; 15 und er ist darum für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist."
Römer 6,1-4 – „1 Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? 2 Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? 3 Oder wisset ihr nicht, daß wir alle, die wir auf Jesus Christus getauft sind, auf seinen Tod getauft sind? 4 Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf daß, gleichwie Christus durch d…"
Galater 5,22-25 – „22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. 23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz. 24 Welche aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. 25 Wenn wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln."
Gottes Liebe schenkt nicht nur Vergebung und die Gewissheit, dass wir mit unseren Schwächen zu Christus kommen dürfen. Sie möchte auch unser Denken, unsere Wünsche und unser Verhalten verändern. Dabei entsteht eine wichtige Frage: Wenn Gott uns bereits liebt, bevor wir ein besseres Leben führen, warum sollten wir uns dann überhaupt verändern? Die Antwort liegt im Wesen seiner Liebe. Gott nimmt den Menschen nicht deshalb an, weil dieser bereits vollkommen ist. Aber seine Liebe verfolgt zugleich das Ziel, ihn aus dem zu befreien, was sein Leben zerstört und seine Gemeinschaft mit Gott belastet. Sie lässt den Menschen deshalb nicht gleichgültig gegenüber der Sünde werden, sondern eröffnet ihm einen neuen Weg.
In Titus 2,11-12 beschreibt Paulus, dass die rettende Gnade Gottes erschienen ist und Menschen dazu erzieht, Gottlosigkeit und weltliche Begierden abzulehnen. Diese Aussage ist bemerkenswert, weil Paulus die Gnade nicht nur mit Vergebung verbindet, sondern ihr eine erziehende Wirkung zuschreibt. Sie zeigt dem Menschen nicht lediglich, dass seine Vergangenheit vergeben werden kann. Sie hilft ihm auch zu erkennen, welche Einstellungen und Verhaltensweisen nicht zu einem Leben mit Gott passen. Gottes Gnade möchte ihn befähigen, besonnen, gerecht und gottesfürchtig zu leben. Damit wird deutlich, dass die göttliche Liebe nicht nur eine Antwort auf vergangene Schuld ist, sondern auch die Gegenwart und Zukunft eines Menschen gestalten möchte.
Der Zusammenhang des Titusbriefes macht diese Veränderung besonders anschaulich. Paulus richtet seine Anweisungen an unterschiedliche Menschen innerhalb der christlichen Gemeinde und beschreibt, wie sich der Glaube im alltäglichen Zusammenleben zeigen soll. Dabei geht es um Zuverlässigkeit, Selbstbeherrschung, verantwortliches Handeln und einen respektvollen Umgang miteinander. Die Gnade Gottes bleibt also nicht auf religiöse Versammlungen oder persönliche Gefühle beschränkt. Sie soll sichtbar werden, wenn ein Mensch mit seiner Familie spricht, seinen Verpflichtungen nachkommt oder anderen Menschen begegnet. Wer Gottes Liebe kennenlernt, wird dazu eingeladen, diese Liebe zunehmend auch durch sein eigenes Verhalten widerzuspiegeln. Nicht die äußere Leistung macht ihn zu einem geliebten Menschen, sondern die empfangene Liebe wird zur Grundlage eines veränderten Handelns.
Eine besonders wichtige Erklärung für diese neue Lebensrichtung finden wir in 2. Korinther 5,14-15. Paulus schreibt dort, dass die Liebe Christi ihn und seine Mitarbeiter bewegt. Er verbindet diese Aussage unmittelbar mit dem Tod Jesu für alle und zieht daraus die Schlussfolgerung, dass diejenigen, die durch Christus leben, nicht länger nur für sich selbst leben sollen. Der Blick auf Jesu Opfer verändert also die Motivation des Menschen. Wer erkennt, wie weit Christus in seiner Liebe gegangen ist, beginnt, sein eigenes Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Frage lautet dann nicht mehr ausschließlich, welche Vorteile eine Entscheidung persönlich bringt oder was gerade angenehm erscheint. Stattdessen wächst der Wunsch, so zu leben, dass das eigene Handeln zu der Liebe passt, die Christus erwiesen hat.
Hier liegt ein grundlegender Unterschied zwischen einem Leben aus Angst und einem Leben aus Liebe. Ein Mensch kann versuchen, religiöse Vorschriften einzuhalten, weil er befürchtet, Gott werde ihn andernfalls nicht mehr lieben. Sein Handeln wird dann vor allem von der Sorge bestimmt, Fehler zu machen und dadurch seine Annahme bei Gott zu verlieren. Ein anderer Mensch kann dieselben göttlichen Weisungen ernst nehmen, weil er Gott vertraut und erkannt hat, dass dessen Wille gut ist. Äußerlich können beide zunächst ähnlich handeln, doch ihre innere Motivation unterscheidet sich erheblich. Die Liebe Christi möchte den Menschen aus einer Beziehung befreien, die ausschließlich von Angst und Leistungsdruck bestimmt wird. An ihre Stelle soll ein Vertrauen treten, aus dem freiwilliger Gehorsam und echte Dankbarkeit erwachsen.
Allerdings wusste Paulus, dass Menschen die Botschaft der Gnade auch missverstehen konnten. Deshalb stellt er in Römer 6,1 die Frage, ob wir in der Sünde bleiben sollten, damit die Gnade noch größer werde. Seine Antwort fällt eindeutig aus: Das darf nicht geschehen. Anschließend erklärt er, dass die Gläubigen durch die Verbindung mit Christus Anteil an seinem Tod und seiner Auferstehung haben. In Römer 6,3-4 beschreibt er die Taufe als ein Geschehen, das mit Christi Tod und seiner Auferstehung verbunden ist und auf ein neues Leben ausgerichtet ist. Wer zu Christus gehört, soll deshalb nicht bewusst an der bisherigen Herrschaft der Sünde festhalten. Die Gnade ist keine Erlaubnis, das eigene Fehlverhalten zu rechtfertigen, sondern Gottes rettende Kraft, die eine andere Lebensrichtung ermöglicht.
Diese Veränderung bedeutet jedoch nicht, dass jeder Gläubige von einem Augenblick zum anderen alle schlechten Gewohnheiten, falschen Gedanken und menschlichen Schwächen vollständig überwunden hat. Das Neue Testament beschreibt das christliche Leben als eine fortdauernde Entwicklung, in der der Mensch lernen muss, nach Gottes Willen zu handeln. Gerade deshalb ist die Hilfe des Heiligen Geistes so entscheidend. In Galater 5,22-23 nennt Paulus Eigenschaften, die er als Frucht des Geistes bezeichnet. Dazu gehören Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Er stellt diese Eigenschaften nicht als eine Liste von Leistungen dar, durch die der Mensch seine Erlösung verdient. Sie beschreiben vielmehr, wie sich das Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Menschen zunehmend zeigen kann.
Dass Paulus von einer Frucht des Geistes spricht, ist für das Verständnis dieser Veränderung besonders hilfreich. Eine Frucht entsteht nicht dadurch, dass man sie äußerlich an einen Baum befestigt. Sie wächst aus dem Leben, das der Baum in sich trägt. Entsprechend soll die Veränderung des christlichen Charakters nicht bloß aus dem Versuch bestehen, nach außen einen religiösen Eindruck zu erwecken. Gott möchte das Innere des Menschen erneuern, damit gute Eigenschaften nicht nur gelegentlich gezeigt werden, sondern zunehmend seine Haltung bestimmen. Galater 5,25 verbindet deshalb das Leben durch den Geist mit der Aufforderung, auch im Geist zu wandeln. Der Gläubige bleibt verantwortlich für seine Entscheidungen, doch er ist bei dieser Aufgabe nicht auf seine eigene Kraft beschränkt.
Im Alltag kann dieses Wirken Gottes ganz unterschiedliche Formen annehmen. Ein Mensch, der früher schnell zornig wurde, beginnt vielleicht zu lernen, geduldiger zu reagieren. Jemand, der Schwierigkeiten hatte, anderen zu vergeben, erkennt zunehmend, wie viel Barmherzigkeit er selbst empfangen hat. Ein anderer lernt, ehrlich mit seinen Fehlern umzugehen, statt sie aus Angst vor Ablehnung zu verbergen. Solche Veränderungen geschehen nicht zwangsläufig sofort oder ohne innere Kämpfe. Manchmal braucht es Zeit, erneute Entscheidungen und das bewusste Vertrauen auf Gottes Hilfe. Entscheidend ist, dass der Mensch bereit bleibt, sich von Gottes Wort leiten und durch seinen Geist verändern zu lassen. Die Liebe Gottes nimmt ihm die Verantwortung nicht ab, aber sie gibt seiner Veränderung eine neue Grundlage.
Für das persönliche Glaubensleben entsteht daraus eine befreiende Perspektive. Niemand muss warten, bis sein Charakter vollkommen geworden ist, bevor er sich als von Gott geliebt betrachten darf. Gleichzeitig braucht niemand anzunehmen, dass seine gegenwärtigen Schwächen zwangsläufig sein ganzes zukünftiges Leben bestimmen müssen. Christus möchte Menschen nicht nur vergeben, sondern ihnen helfen, anders zu denken und zu handeln. Wer sich ihm anvertraut, darf deshalb mit Zuversicht um diese Veränderung bitten und die notwendigen Schritte im Alltag gehen. Gottes Liebe ist nicht die Belohnung für ein verändertes Leben. Sie ist der Ausgangspunkt, von dem aus ein neues Leben mit Christus wachsen kann.
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Gottes Liebe trägt dich auch durch schwere Zeiten
Römer 8,35-39 – „35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe!» 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat! 38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürsten…"
Römer 8,35-39 – „35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe!» 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat! 38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürsten…"
Johannes 16,33 – „33 Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!"
2. Korinther 12,7-10 – „7 Und damit ich mich der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch gegeben, ein Engel Satans, daß er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. 8 Seinetwegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, daß er von mir ablassen möchte. 9 Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum …"
1. Petrus 1,6-7 – „6 in welcher ihr frohlocken werdet, die ihr jetzt ein wenig, wo es sein muß, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 damit die Bewährung eures Glaubens, die viel kostbarer ist als die des vergänglichen Goldes (das durchs Feuer erprobt wird), Lob, Preis und Ehre zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi;"
Wer Gottes Liebe erfahren hat und sein Leben von Christus verändern lässt, wird dadurch nicht von allen Schwierigkeiten befreit. Auch gläubige Menschen werden krank, verlieren Angehörige, erleben Enttäuschungen oder geraten in Situationen, für die sie zunächst keinen Ausweg erkennen. Manchmal bleiben Gebete scheinbar unbeantwortet, obwohl sie voller Vertrauen gesprochen wurden. Gerade dann kann eine schmerzliche Frage entstehen: Liebt Gott mich wirklich, wenn er zulässt, dass ich so viel Schweres erlebe? Hinter dieser Frage steht häufig die Vorstellung, Gottes Liebe müsse sich vor allem darin zeigen, dass er uns vor Leid bewahrt. Doch die Bibel beschreibt eine Liebe, die weit über angenehme Lebensumstände hinausreicht.
In Römer 8,35 stellt Paulus die Frage, wer uns von der Liebe Christi scheiden könne. Anschließend nennt er Bedrängnis, Angst, Verfolgung, Hunger, Blöße, Gefahr und Schwert. Diese Aufzählung ist bemerkenswert, weil Paulus ausschließlich Erfahrungen beschreibt, die Menschen zutiefst belasten können. Er behauptet nicht, dass solche Schwierigkeiten bei einem gläubigen Menschen grundsätzlich ausbleiben müssten. Vielmehr setzt seine Frage voraus, dass Christen tatsächlich mit ihnen konfrontiert werden können. Der entscheidende Punkt liegt deshalb nicht darin, ob ein Mensch leidet, sondern ob dieses Leiden die Verbindung zu Gottes Liebe aufheben kann. Paulus unterscheidet damit zwischen den Umständen, denen wir ausgesetzt sind, und der Treue Gottes, auf die wir uns verlassen dürfen.
Der unmittelbare Zusammenhang verstärkt diese Zusage. Bereits in Römer 8,31-34 erinnert Paulus daran, dass Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns dahingegeben hat. Außerdem verweist er auf den auferstandenen Christus, der zur Rechten Gottes ist und für die Gläubigen eintritt. Seine Gewissheit beruht also nicht auf der Annahme, das Leben eines Christen werde immer leicht verlaufen. Sie gründet auf Gottes bereits erwiesener Liebe und auf dem fortdauernden Wirken Jesu Christi. Wenn Gott durch seinen Sohn die Grundlage unserer Rettung geschaffen hat, müssen Schwierigkeiten nicht als Beweis dafür verstanden werden, dass er seine Liebe zurückgezogen hätte. Der Blick richtet sich von den wechselnden Lebensumständen auf das rettende Handeln Gottes.
Paulus geht sogar noch weiter. In Römer 8,36 erinnert er mit einem Zitat aus Psalm 44 daran, dass Gottes Volk um seines Glaubens willen schweres Leiden erfahren kann. Er verschweigt damit nicht, dass Treue zu Gott manchmal gerade Schwierigkeiten mit sich bringt. Anschließend erklärt er in Römer 8,37, dass die Gläubigen durch den, der sie geliebt hat, in diesen Dingen überwinden. Dieser Sieg bedeutet nicht, dass jede Gefahr verschwindet oder jeder gläubige Mensch vor einem gewaltsamen Tod bewahrt bleibt. Schließlich hatte Paulus selbst Verfolgungen und zahlreiche Entbehrungen erlebt. Sein Vertrauen bestand darin, dass selbst schwerste Bedrängnisse Gottes rettende Liebe nicht wirkungslos machen können. Ein Mensch kann äußerlich vieles verlieren und dennoch an der Hoffnung festhalten, die Christus ihm geschenkt hat.
Besonders eindrucksvoll ist die Gewissheit, die Paulus in Römer 8,38-39 ausdrückt. Er nennt Tod und Leben, Engel und Gewalten, Gegenwärtiges und Zukünftiges, Höhe und Tiefe sowie alle anderen Geschöpfe. Nichts davon kann die Gläubigen von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus ist. Paulus betrachtet damit nicht nur die Schwierigkeiten eines einzelnen Tages, sondern die gesamte Wirklichkeit, der ein Mensch ausgesetzt sein kann. Selbst der Tod besitzt nicht die Macht, Gottes Verheißung der zukünftigen Auferstehung zunichtezumachen. Allerdings spricht Paulus hier über die Sicherheit der Menschen, die zu Christus gehören. Seine Worte bedeuten nicht, dass persönliche Entscheidungen, bewusste Abkehr oder die Frage des Glaubens bedeutungslos geworden wären. Sie bezeugen vielmehr, dass keine äußere Macht Gottes Treue überwinden und seine rettende Absicht vereiteln kann.
Auch Jesus selbst hat seinen Nachfolgern niemals ein Leben ohne Schwierigkeiten versprochen. In Johannes 16,33 erklärt er ihnen, dass sie in der Welt Bedrängnis haben werden. Zugleich fordert er sie auf, getrost zu sein, weil er die Welt überwunden hat. Diese Worte spricht Jesus kurz vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung. Seine Jünger werden bald erleben, wie ihre Hoffnungen erschüttert werden und sie aus Angst auseinanderlaufen. Jesus bereitet sie deshalb nicht auf eine Welt vor, in der alles nach ihren Erwartungen verläuft. Er gibt ihnen vielmehr einen Grund zum Vertrauen, der selbst dann Bestand haben soll, wenn ihre bisherige Sicherheit zusammenbricht. Der Friede, den Christus schenkt, hängt nicht davon ab, dass die äußeren Umstände immer friedlich sind.
Wie persönlich diese Wahrheit werden kann, zeigt das Leben des Apostels Paulus. In 2. Korinther 12,7-10 berichtet er von einer schweren Belastung, die er als einen Stachel für sein Fleisch bezeichnet. Worin diese Beeinträchtigung genau bestand, erklärt der Text nicht. Dreimal bat Paulus den Herrn, sie von ihm zu nehmen. Dennoch erhielt er nicht die erbetene Befreiung, sondern die Zusage, dass Gottes Gnade für ihn ausreiche und Gottes Kraft in der Schwachheit zur Geltung komme. Paulus musste deshalb lernen, dass göttliche Hilfe nicht immer bedeutet, von jeder Belastung befreit zu werden. Manchmal besteht sie darin, Kraft zu erhalten, obwohl die schwierige Situation weiterhin besteht. Das macht das Leiden nicht angenehm oder bedeutungslos, aber es eröffnet die Möglichkeit, auch innerhalb einer anhaltenden Schwachheit auf Christus zu vertrauen.
Dabei wäre es falsch, aus solchen Bibelstellen zu schließen, jede Krankheit, jeder Verlust oder jedes Unglück sei von Gott eigens geschickt worden, um einem Menschen eine Lektion zu erteilen. Die Bibel begründet eine solche pauschale Erklärung nicht. Leid kann unterschiedliche Ursachen haben, und häufig kennen wir die Gründe für eine bestimmte Erfahrung nicht. Ebenso wenig darf ein Mensch, dessen Gebet nicht in der erhofften Weise erhört wird, daraus automatisch schließen, sein Glaube sei zu schwach gewesen. In 1. Petrus 1,6-7 werden gläubige Menschen beschrieben, die unter verschiedenen Prüfungen leiden und deren Glaube sich dabei bewähren kann. Doch die Möglichkeit, dass der Glaube in Schwierigkeiten wächst, bedeutet nicht, dass wir jede einzelne Leidensgeschichte vollständig erklären könnten. Gottes Liebe lässt sich nicht daran messen, ob wir für alles, was geschieht, sofort einen Sinn erkennen.
Gerade deshalb lässt die Bibel auch Raum für Trauer, Fragen und ehrliche Klage. Die Psalmen enthalten Gebete von Menschen, die Gottes Nähe suchen und gleichzeitig seine Hilfe schmerzlich vermissen. Psalm 13 beispielsweise beginnt mit der bedrängenden Frage, wie lange Gott seinen Beter noch vergessen werde. Solche Worte zeigen, dass ein gläubiger Mensch seine Not nicht hinter einer Fassade ständiger Freude verbergen muss. Er darf Gott sagen, wenn er Angst hat, erschöpft ist oder seine gegenwärtige Situation nicht versteht. Vertrauen bedeutet nicht, alle Fragen bereits beantwortet zu haben. Es bedeutet, sich auch mit unbeantworteten Fragen an Gott wenden zu dürfen und an seiner Güte festzuhalten.
Für das persönliche Glaubensleben kann diese Erkenntnis viel Druck nehmen. Wer durch eine schwere Zeit geht, muss sein Leiden nicht als Beweis dafür betrachten, von Gott weniger geliebt zu werden. Ebenso muss er nicht so tun, als würden ihn Enttäuschungen, Verluste oder Schmerzen überhaupt nicht berühren. Er darf um Veränderung seiner Umstände bitten, Hilfe von anderen Menschen annehmen und zugleich auf Gottes Gegenwart vertrauen. Die Liebe Gottes verspricht uns nicht, dass jeder Weg leicht sein wird oder dass jede Schwierigkeit sofort verschwindet. Doch sie schenkt eine Hoffnung, die tiefer reicht als unsere gegenwärtige Situation. Auch wenn wir Gottes Handeln nicht immer verstehen, dürfen wir darauf vertrauen, dass seine Liebe in Christus nicht mit unseren schwierigen Lebensumständen endet.
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Du darfst dich als geliebtes Kind Gottes verstehen
1. Johannes 3,1-3 – „1 Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. 2 Geliebte, wir sind nun Gottes Kinder, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm ähnlich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie er ist. 3 Und ein jeglicher, der…"
1. Johannes 3,1-3 – „1 Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. 2 Geliebte, wir sind nun Gottes Kinder, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm ähnlich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie er ist. 3 Und ein jeglicher, der…"
Römer 8,14-17 – „14 Denn alle, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen, sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! 16 Dieser Geist gibt Zeugnis unsrem Geist, daß wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gott…"
Galater 4,4-7 – „4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn, von einem Weibe geboren und unter das Gesetz getan, 5 damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, auf daß wir das Sohnesrecht empfingen. 6 Weil ihr denn Söhne seid, hat Gott den Geist Seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der schreit: Abba, Vater! 7 So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe…"
Johannes 1,12-13 – „12 Allen denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; 13 welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind."
Gottes Liebe möchte uns nicht nur durch schwere Lebenssituationen hindurchtragen. Sie eröffnet uns auch eine neue Beziehung zu ihm, die weit über die Vergebung unserer Schuld hinausgeht. Ein Mensch kann wissen, dass ihm seine Fehler vergeben wurden, und sich dennoch innerlich wie ein Fremder fühlen, der jederzeit erneut um Annahme kämpfen muss. Vielleicht betrachtet er Gott vor allem als einen mächtigen Herrscher, dessen Erwartungen er erfüllen soll. Das Neue Testament beschreibt jedoch eine wesentlich persönlichere Beziehung. Wer durch Jesus Christus zu Gott gehört, darf ihn nicht nur als Schöpfer und Richter kennen, sondern als seinen himmlischen Vater. Diese besondere Nähe gehört zu den kostbarsten Geschenken des Evangeliums.
In 1. Johannes 3,1 fordert der Apostel seine Leser auf, darüber nachzudenken, wie groß die Liebe ist, die der Vater ihnen erwiesen hat. Anschließend erklärt er, dass sie Kinder Gottes genannt werden und es tatsächlich sind. Johannes beschreibt damit nicht lediglich eine freundliche Bezeichnung oder ein schönes religiöses Bild. Er spricht von einer wirklichen Beziehung, die Gott den Gläubigen geschenkt hat. Der Mensch wird nicht deshalb zum Kind Gottes, weil er sich durch besondere Leistungen einen Platz in Gottes Familie erarbeitet hat. Diese Zugehörigkeit gründet in der Liebe des Vaters und in dem neuen Leben, das durch Jesus Christus möglich geworden ist. Für Johannes ist die Gotteskindschaft deshalb ein Grund zum Staunen und zur Dankbarkeit.
Allerdings ist es wichtig, die verschiedenen Bedeutungen zu unterscheiden, in denen die Bibel von Menschen als Gottes Kindern spricht. Als Schöpfer hat Gott allen Menschen das Leben gegeben, und jeder Mensch besitzt deshalb eine von seiner Leistung unabhängige Würde. Die besondere Gotteskindschaft, von der Johannes hier spricht, bezeichnet jedoch die erneuerte Beziehung derjenigen, die zu Christus gehören. Johannes 1,12-13 erklärt, dass diejenigen, die Jesus aufnehmen und an seinen Namen glauben, das Recht erhalten, Kinder Gottes zu werden. Diese neue Geburt geht nicht aus menschlicher Abstammung oder eigener Willensanstrengung hervor, sondern aus Gott. Damit wird deutlich, dass Gottes Liebe zwar allen Menschen gilt, die persönliche Gemeinschaft als sein Kind aber mit dem Glauben an Christus verbunden ist. Niemand erwirbt diese Stellung durch seine Herkunft, seinen gesellschaftlichen Rang oder seine religiösen Verdienste.
Paulus beschreibt dieselbe neue Beziehung in Römer 8,14-17 aus einer weiteren Perspektive. Er erklärt, dass diejenigen, die durch den Geist Gottes geleitet werden, Gottes Kinder sind. Anschließend stellt er einen Geist der Knechtschaft, der erneut zur Furcht führt, dem Geist der Sohnschaft gegenüber. Diese Gegenüberstellung ist besonders wichtig für Menschen, deren Beziehung zu Gott hauptsächlich von Angst geprägt ist. Paulus beschreibt kein Leben, in dem der Gläubige ständig befürchten muss, von einem unberechenbaren Herrn zurückgewiesen zu werden. Vielmehr spricht er von einer Beziehung, in der der Heilige Geist die Gewissheit der Zugehörigkeit zu Gott vermittelt. Durch diesen Geist dürfen die Gläubigen Gott als ihren Vater anrufen. Der Schwerpunkt liegt nicht auf religiöser Leistung, sondern auf einer von Gott geschenkten familiären Nähe.
Die Anrede „Abba, Vater“, die Paulus in Römer 8,15 verwendet, unterstreicht diese persönliche Beziehung. Das aramäische Wort „Abba“ ist eine vertraute Anrede für den Vater, ohne dabei den Respekt vor ihm aufzugeben. Bemerkenswert ist, dass Jesus selbst diese Anrede in seinem Gebet in Gethsemane verwendet (Markus 14,36). Paulus zeigt nun, dass auch Menschen, die durch Christus zu Gottes Familie gehören, den himmlischen Vater in dieser vertrauensvollen Weise anrufen dürfen. Das bedeutet nicht, dass zwischen Jesus und den Gläubigen jeder Unterschied aufgehoben wäre. Jesus ist der einzigartige Sohn Gottes und unser Erlöser. Wir dagegen empfangen die Gotteskindschaft durch ihn. Gerade diese Unterscheidung macht das Geschenk so bedeutend: Menschen, die aus eigener Kraft keinen Anspruch auf diese Stellung besitzen, werden durch Christus in eine wirkliche Beziehung zum Vater aufgenommen.
In Galater 4,4-7 erklärt Paulus, wie diese neue Zugehörigkeit möglich geworden ist. Gott sandte seinen Sohn, damit diejenigen, die unter dem Gesetz standen, erlöst würden und die Sohnschaft empfingen. Anschließend beschreibt Paulus, dass Gott den Geist seines Sohnes in die Herzen der Gläubigen gesandt hat. Die Gotteskindschaft ist deshalb nicht einfach eine menschliche Selbstzuschreibung. Sie gehört zum Erlösungswerk Jesu Christi und wird durch den Heiligen Geist im Leben der Gläubigen wirksam. Paulus zieht daraus eine bemerkenswerte Schlussfolgerung: Wer auf diese Weise zu Gott gehört, ist nicht länger ein Knecht, sondern ein Sohn und damit auch ein Erbe durch Gott. Dabei verwendet er die damalige rechtliche Sprache der Sohnschaft und des Erbrechts. Die Verheißung gilt gleichermaßen gläubigen Frauen und Männern, wie bereits Galater 3,26-29 deutlich macht.
Diese neue Stellung verändert auch die Frage, worauf sich der Wert eines Menschen vor Gott gründet. Ein Kind muss sich seine Zugehörigkeit zur Familie nicht jeden Morgen durch besondere Leistungen neu verdienen. Ebenso sollen Gläubige ihre Beziehung zum himmlischen Vater nicht als einen täglichen Wettbewerb um seine Zuneigung verstehen. Das bedeutet keineswegs, dass ihr Verhalten unwichtig wäre. Gerade weil sie Gottes Kinder sind, werden sie eingeladen, seinen Charakter in ihrem Leben widerzuspiegeln. Doch die Reihenfolge bleibt entscheidend. Gottes Liebe und sein rettendes Handeln begründen die neue Beziehung, aus der anschließend ein Leben des Vertrauens und des Gehorsams wachsen soll. Der Mensch darf deshalb lernen, nicht wie ein Fremder um einen Platz bei Gott zu kämpfen, sondern als sein Kind in dieser Beziehung zu leben.
Die Gotteskindschaft enthält zugleich eine Hoffnung, die über das gegenwärtige Leben hinausreicht. In Römer 8,17 verbindet Paulus die Stellung als Kinder Gottes mit der Verheißung, Erben Gottes und Miterben Christi zu sein. Er erwähnt dabei auch das Leiden mit Christus und die zukünftige Herrlichkeit. Gotteskindschaft bedeutet also nicht, dass ein Mensch bereits jetzt von allen Schwierigkeiten befreit wäre. Sie eröffnet vielmehr eine Zukunft, die durch die gegenwärtigen Leiden nicht aufgehoben wird. Johannes bestätigt diesen Gedanken in 1. Johannes 3,2. Er erklärt, dass die Gläubigen schon jetzt Gottes Kinder sind, während die ganze Herrlichkeit ihrer zukünftigen Bestimmung noch nicht sichtbar geworden ist. Wenn Christus offenbar wird, werden sie ihm gleich sein, denn sie werden ihn sehen, wie er ist. Die Beziehung, die Gott heute schenkt, besitzt somit eine Hoffnung, die erst bei der Wiederkunft Jesu ihre volle Erfüllung findet.
Johannes verbindet diese Zukunftshoffnung unmittelbar mit dem gegenwärtigen Leben. In 1. Johannes 3,3 erklärt er, dass jeder, der diese Hoffnung auf Christus setzt, sich reinigt, wie Christus rein ist. Die Aussicht, eines Tages ganz in der Gemeinschaft mit Christus zu leben, soll also bereits heute unsere Entscheidungen beeinflussen. Dabei geht es nicht darum, durch eigene Vollkommenheit nachträglich das Recht auf Gotteskindschaft zu erwerben. Vielmehr erwächst aus der geschenkten Zugehörigkeit der Wunsch, dem Vater ähnlicher zu werden. Wer weiß, zu wem er gehört und welche Zukunft ihm verheißen ist, erhält eine neue Orientierung für sein Leben. Die Hoffnung auf die Begegnung mit Christus wird zu einer Motivation, seine Gedanken und Handlungen zunehmend an Gottes Willen auszurichten.
Für das persönliche Glaubensleben kann diese Wahrheit eine tiefe innere Veränderung bewirken. Vielleicht hat ein Mensch über viele Jahre gelernt, seinen Wert hauptsächlich an seinen Leistungen, seinem Erfolg oder der Anerkennung anderer zu messen. Vielleicht fällt es ihm schwer, sich selbst anzunehmen, weil er seine Fehler und Grenzen nur zu deutlich kennt. Die biblische Botschaft der Gotteskindschaft eröffnet ihm eine andere Perspektive. Wer Christus im Glauben angenommen hat, darf darauf vertrauen, dass seine Zugehörigkeit zu Gott nicht auf seiner eigenen Vollkommenheit beruht. Er darf seinen himmlischen Vater um Hilfe bitten, ihm seine Sorgen anvertrauen und sich von seinem Geist führen lassen. Die Liebe Gottes schenkt ihm nicht nur einen neuen Anfang, sondern auch ein neues Zuhause in der Gemeinschaft mit seinem Vater.
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Gottes Liebe befreit dich von der Angst vor Ablehnung
1. Johannes 4,16-19 – „16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat; Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, daß wir Freimütigkeit haben am Tage des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn di…"
1. Johannes 4,16-19 – „16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat; Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, daß wir Freimütigkeit haben am Tage des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus, denn di…"
1. Johannes 3,19-24 – „19 Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, und damit werden wir unsre Herzen vor Ihm stillen, 20 daß, wenn unser Herz uns verdammt, Gott größer ist als unser Herz und alles weiß. 21 Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verdammt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott; 22 und was wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was vor ihm wohlgefällig ist. 23 Und das…"
1. Johannes 5,11-13 – „11 Und darin besteht das Zeugnis, daß uns Gott ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Solches habe ich euch geschrieben, damit ihr wisset, daß ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt."
Psalmen 103,13-14 – „13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, so ihn fürchten; 14 denn er weiß, was für ein Gemächte wir sind; er denkt daran, daß wir Staub sind."
Wer sich als geliebtes Kind Gottes verstehen darf, kann dennoch innerlich von Unsicherheit und Angst begleitet werden. Vielleicht fragt sich ein Mensch, ob sein Glaube wirklich ausreicht oder ob Gott ihn eines Tages wegen seiner Fehler zurückweisen könnte. Andere bemühen sich aufrichtig, nach Gottes Willen zu leben, werden dabei aber von der ständigen Sorge begleitet, etwas falsch zu machen. So kann die Beziehung zu Gott zunehmend von Furcht bestimmt werden, obwohl sie eigentlich von Liebe und Vertrauen geprägt sein sollte. Der Apostel Johannes beschäftigt sich ausdrücklich mit diesem Problem. Er zeigt, wie die Gewissheit der göttlichen Liebe dem Menschen helfen kann, seine Beziehung zu Gott auf eine tragfähige Grundlage zu stellen.
In 1. Johannes 4,16 erklärt Johannes, dass die Gläubigen Gottes Liebe erkannt haben und ihr vertrauen. Diese beiden Gedanken gehören zusammen. Es genügt nicht, lediglich zu wissen, dass die Bibel von einem liebenden Gott spricht. Diese Wahrheit soll auch das persönliche Vertrauen prägen. Johannes beschreibt anschließend, dass derjenige, der in der Liebe bleibt, in Gott bleibt und Gott in ihm. Dabei geht es nicht um ein vorübergehendes Gefühl besonderer religiöser Begeisterung. Johannes spricht von einer bleibenden Gemeinschaft mit Gott, in der seine Liebe erkannt, angenommen und im eigenen Leben wirksam wird. Die Gewissheit dieser Gemeinschaft soll den Menschen nicht nur in angenehmen Augenblicken begleiten, sondern auch dann tragen, wenn seine Gefühle schwanken.
Besonders bedeutsam ist die Aussage in 1. Johannes 4,17, dass die Liebe unter den Gläubigen vollendet wird, damit sie Zuversicht am Tag des Gerichts haben. Johannes verschweigt das göttliche Gericht nicht. Er behandelt es vielmehr als eine Wirklichkeit, der Christen mit Vertrauen entgegensehen dürfen. Diese Zuversicht entsteht nicht dadurch, dass der Mensch seine eigene Vergangenheit für fehlerlos hält oder behauptet, niemals mehr Gottes Vergebung zu benötigen. Sie steht im Zusammenhang mit seiner Gemeinschaft mit Christus und der Liebe, die aus dieser Verbindung hervorgeht. Wer seine Hoffnung auf Jesus setzt, muss dem zukünftigen Gericht deshalb nicht mit derselben Verzweiflung entgegensehen wie jemand, der keinerlei Hoffnung auf Gottes Rettung besitzt.
In 1. Johannes 4,18 erklärt der Apostel anschließend, dass in der Liebe keine Furcht ist, sondern die vollkommene Liebe die Furcht austreibt. Der unmittelbare Zusammenhang zeigt, welche Furcht er besonders meint: die Angst vor Strafe und Verurteilung. Johannes beschreibt damit keine allgemeine Unfähigkeit gläubiger Menschen, jemals Angst zu empfinden. Auch ein Mensch, der Gott aufrichtig vertraut, kann sich vor Krankheit, Verlusten oder anderen Gefahren fürchten. Ebenso wenig hebt Johannes die Ehrfurcht vor Gott auf, zu der die Bibel an anderen Stellen ausdrücklich auffordert. Ehrfurcht bedeutet, Gottes Heiligkeit ernst zu nehmen und ihm mit Achtung zu begegnen. Die quälende Angst, von einem lieblosen Gott bedroht zu werden, ist dagegen etwas anderes. Gerade von dieser strafbezogenen Furcht möchte die Gewissheit seiner Liebe den Gläubigen befreien.
Allerdings wäre es falsch, die Worte des Johannes so zu verstehen, als müsse ein Mensch nur genügend Liebe empfinden, damit seine Beziehung zu Gott unabhängig von Glauben und Gehorsam gesichert wäre. Bereits in 1. Johannes 3,23-24 verbindet der Apostel den Glauben an Jesus Christus mit der Liebe unter den Gläubigen und dem Halten der göttlichen Gebote. Die Gemeinschaft mit Gott besitzt also eine erkennbare geistliche Wirklichkeit. Johannes stellt jedoch nicht die Forderung auf, ein Mensch müsse sich durch vollkommene Gefühlsbeherrschung oder fehlerloses Verhalten selbst die Gewissheit seiner Rettung verschaffen. Vielmehr führt er seine Leser zu Christus, zum Vertrauen auf Gottes Wahrheit und zum Wirken des Heiligen Geistes. Die Liebe Gottes soll den Menschen nicht sorglos machen, sondern ihm die lähmende Angst nehmen, die ein aufrichtiges Vertrauen verhindert.
Eine besondere Hilfe bietet Johannes auch für Menschen, die von ihrem eigenen Gewissen angeklagt werden. In 1. Johannes 3,19-20 spricht er davon, dass die Gläubigen ihr Herz vor Gott zur Ruhe bringen können, selbst wenn ihr Herz sie verurteilt. Als Begründung erinnert er daran, dass Gott größer ist als unser Herz und alles weiß. Diese Aussage ist besonders wertvoll, weil menschliche Gefühle und Selbstbeurteilungen nicht immer ein zuverlässiges Bild unserer Beziehung zu Gott vermitteln. Ein empfindsames Gewissen kann Schuld richtig erkennen, aber es kann auch durch Erinnerungen, Unsicherheit oder übertriebene Selbstvorwürfe belastet werden. Johannes fordert seine Leser nicht dazu auf, berechtigte Schuldgefühle einfach zu ignorieren. Vielmehr erinnert er daran, dass Gottes Wissen umfassender ist als unsere begrenzte Selbsteinschätzung. Seine Wahrheit bildet einen verlässlicheren Maßstab als die wechselnden Urteile unseres Herzens.
Dabei müssen wir zwischen berechtigter Sündenerkenntnis und dauerhafter Selbstverurteilung unterscheiden. Wenn ein Mensch tatsächlich gegen Gottes Willen gehandelt hat, ist es richtig, seine Schuld anzuerkennen, umzukehren und gegebenenfalls entstandenen Schaden wiedergutzumachen. Doch nachdem er seine Schuld aufrichtig vor Gott gebracht hat, muss er nicht so weiterleben, als wäre Vergebung grundsätzlich unerreichbar. Das eigene Gewissen darf uns auf Fehler aufmerksam machen, aber es soll nicht an die Stelle Gottes treten und endgültig über unsere Zukunft entscheiden. Auch fortgesetztes Grübeln über längst bekannte Verfehlungen schafft keine zusätzliche Erlösung. Die biblische Antwort besteht darin, auf Gottes Zusagen zu vertrauen, seine Wahrheit ernst zu nehmen und den Weg mit Christus weiterzugehen.
Wie wichtig diese Gewissheit ist, erklärt Johannes in 1. Johannes 5,11-13. Dort bezeugt er, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat und dass dieses Leben in seinem Sohn ist. Anschließend schreibt er den Gläubigen ausdrücklich, damit sie wissen, dass sie ewiges Leben haben. Johannes möchte also nicht, dass Christen ihre ganze Lebenszeit in völliger Ungewissheit darüber verbringen, ob Gott sie überhaupt retten möchte. Ihre Hoffnung gründet in der Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Dabei bedeutet die gegenwärtige Zusage des ewigen Lebens nicht, dass der Mensch bereits von Natur aus unsterblich geworden wäre oder die zukünftige Auferstehung nicht mehr benötigte. Das ewige Leben ist Gottes Gabe in Christus und besitzt eine zukünftige Vollendung. Wer auf ihn vertraut und in ihm bleibt, darf sich schon jetzt auf diese Verheißung stützen.
Die liebevolle Haltung Gottes gegenüber seinen Kindern wird auch in Psalm 103,13-14 beschrieben. Der Psalmist vergleicht Gottes Erbarmen mit dem Mitgefühl eines Vaters für seine Kinder. Anschließend erinnert er daran, dass Gott weiß, wie wir geschaffen sind, und daran denkt, dass wir Staub sind. Diese Worte zeigen, dass Gott die menschliche Begrenztheit nicht übersieht. Er kennt unsere Verletzlichkeit, unsere Schwachheit und die Vergänglichkeit unseres Lebens. Seine Erwartungen beruhen nicht auf der falschen Vorstellung, wir besäßen aus uns selbst unbegrenzte Kraft. Das bedeutet nicht, dass er sündiges Verhalten entschuldigt oder seine Maßstäbe herabsetzt. Doch seine Barmherzigkeit begegnet uns mit einem Verständnis, das weit über menschliche Geduld hinausgeht.
Für das persönliche Glaubensleben kann daraus eine neue innere Freiheit entstehen. Wer Gott vor allem aus Angst vor Ablehnung dienen möchte, wird ständig damit beschäftigt sein, seine eigene Leistung zu überprüfen. Wer dagegen lernt, seiner Liebe zu vertrauen, kann Gottes Willen mit einer anderen Haltung begegnen. Er darf seine Verantwortung ernst nehmen, ohne jeden Fehler als Beweis einer endgültigen Verwerfung zu verstehen. Er darf aufrichtig um Vergebung bitten, ohne Gottes Bereitschaft zur Barmherzigkeit grundsätzlich infrage zu stellen. Und er darf sich auf die Verheißungen Jesu verlassen, auch wenn seine eigenen Gefühle gerade keine besondere Sicherheit vermitteln. Die Gewissheit der göttlichen Liebe bedeutet nicht, dass wir niemals mehr mit Angst oder Unsicherheit kämpfen. Sie bedeutet, dass wir in solchen Momenten einen verlässlichen Grund haben, uns erneut Gott anzuvertrauen.
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Gottes Liebe wird durch dich für andere sichtbar
1. Johannes 4,19-21 – „19 Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und seinen Bruder [doch] haßt, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht! 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll."
1. Johannes 4,19-21 – „19 Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und seinen Bruder [doch] haßt, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht! 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll."
Johannes 13,34-35 – „34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; daß, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. 35 Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt."
Lukas 6,27-36 – „27 Euch aber, die ihr zuhöret, sage ich: Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch fluchen, und bittet für die, welche euch beleidigen! 29 Dem, der dich auf den Backen schlägt, biete auch den andern dar, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch den Rock nicht. 30 Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 31 …"
Römer 12,17-21 – „17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem! Befleißiget euch dessen, was in aller Menschen Augen edel ist! 18 Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächet euch nicht selbst, ihr Lieben, sondern gebet Raum dem Zorne [Gottes]; denn es steht geschrieben: «Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.» 20 Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dür…"
Wer Gottes Liebe kennengelernt hat, wird mit der Zeit auch seinen Blick auf andere Menschen verändern. Die Erfahrung, selbst geliebt und angenommen zu sein, bleibt nicht ohne Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Wir begegnen täglich Menschen, die unterschiedliche Erwartungen, Meinungen und Verhaltensweisen haben. Manche sind uns besonders nah, andere bleiben uns fremd. Wieder andere haben uns möglicherweise verletzt oder enttäuscht. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, ob wir Gottes Liebe lediglich als persönlichen Trost betrachten oder ob wir bereit sind, sie auch in unserem Umgang mit anderen wirksam werden zu lassen. Die Bibel verbindet die empfangene Liebe Gottes deshalb ausdrücklich mit der Verantwortung, selbst zu lieben.
In 1. Johannes 4,19 erklärt Johannes, dass wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. Die Reihenfolge dieser Aussage ist von grundlegender Bedeutung. Menschliche Liebe wird hier nicht als Voraussetzung beschrieben, durch die Gott überhaupt erst dazu bewegt wird, uns seine Zuneigung zu schenken. Vielmehr ist Gottes vorausgehende Liebe der Ausgangspunkt. Wer erkennt, wie viel Barmherzigkeit er selbst empfangen hat, erhält einen neuen Grund, anderen Menschen mit Geduld und Güte zu begegnen. Dabei geht es nicht lediglich darum, ein religiöses Ideal nachzuahmen. Die Liebe, die Gott dem Menschen schenkt, soll in seiner Beziehung zu ihm Wurzeln schlagen und dadurch auch sein Verhalten gegenüber anderen prägen.
Johannes verdeutlicht diese Verbindung in 1. Johannes 4,20-21 mit einer ernsten Aussage. Wer behauptet, Gott zu lieben, seinen Bruder aber hasst, dessen Bekenntnis bezeichnet Johannes als unwahr. Er begründet dies damit, dass ein Mensch, der seinen sichtbaren Bruder nicht liebt, auch nicht glaubwürdig behaupten kann, den unsichtbaren Gott zu lieben. Johannes stellt damit die Aufrichtigkeit einer Gottesbeziehung infrage, die keinerlei Auswirkungen auf den Umgang mit anderen Menschen besitzt. Die Liebe zu Gott kann nicht dauerhaft von der Liebe zu den Menschen getrennt werden. Wer Gottes Barmherzigkeit für sich selbst beansprucht, gleichzeitig aber andere bewusst verachtet und ihnen jede Liebe verweigert, widerspricht der Botschaft, auf die er sich beruft.
Auch Jesus selbst hat seinen Jüngern einen entsprechenden Auftrag gegeben. In Johannes 13,34-35 fordert er sie auf, einander zu lieben, wie er sie geliebt hat. Diese Worte stehen im Zusammenhang mit dem letzten gemeinsamen Abend vor seiner Kreuzigung. Kurz zuvor hatte Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen und ihnen damit ein eindrucksvolles Beispiel dienender Liebe gegeben. Obwohl er ihr Herr und Meister war, übernahm er eine Aufgabe, die gewöhnlich mit einer niedrigen gesellschaftlichen Stellung verbunden war. Seine Liebe zeigte sich nicht nur in Worten, sondern in demütigem Handeln. Wenn Jesus nun seine Nachfolger auffordert, einander nach seinem Vorbild zu lieben, beschreibt er eine Haltung, die bereit ist, das Wohl des anderen über die eigene Bequemlichkeit oder das persönliche Ansehen zu stellen.
Jesus erklärt anschließend, dass alle Menschen seine Jünger an ihrer gegenseitigen Liebe erkennen sollen. Bemerkenswert ist, dass er dabei nicht zuerst besondere religiöse Kenntnisse, gesellschaftlichen Einfluss oder außergewöhnliche Leistungen nennt. Das sichtbare Kennzeichen seiner Nachfolger soll ihre Liebe zueinander sein. Diese Liebe ersetzt weder den Glauben noch die Wahrheit oder den Gehorsam gegenüber Gott. Sie macht jedoch sichtbar, dass die Verbindung mit Christus das Zusammenleben der Gläubigen tatsächlich verändert. Eine Gemeinde kann die biblische Lehre sehr genau kennen und dennoch in ihrem Zeugnis geschwächt werden, wenn ihre Mitglieder einander mit Härte, Überheblichkeit oder Verachtung begegnen. Die Wahrheit Gottes soll nicht nur richtig ausgesprochen, sondern auch in einer Haltung gelebt werden, die seinem Charakter entspricht.
Die Liebe, zu der Jesus aufruft, reicht allerdings noch weiter als die Zuneigung zu Menschen, mit denen wir gut auskommen. In Lukas 6,27-28 fordert er seine Zuhörer auf, ihre Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die sie hassen, und für diejenigen zu beten, die sie schlecht behandeln. Damit stellt Jesus eine rein auf Gegenseitigkeit beruhende Vorstellung von Liebe infrage. Es fällt vergleichsweise leicht, einem Menschen freundlich zu begegnen, der uns ebenfalls freundlich behandelt. Wesentlich schwieriger wird es, wenn jemand ungerecht handelt, uns ablehnt oder unsere Gutmütigkeit nicht erwidert. Jesus zeigt, dass die Liebe seiner Nachfolger nicht vollständig von der Reaktion anderer Menschen abhängig sein soll. Sie soll sich vielmehr am barmherzigen Wesen Gottes orientieren.
In Lukas 6,35-36 begründet Jesus diese Aufforderung mit der Güte Gottes, die sich sogar Menschen gegenüber zeigt, die undankbar und böse sind. Anschließend fordert er seine Zuhörer auf, barmherzig zu sein, wie ihr Vater barmherzig ist. Gottes Umgang mit den Menschen wird dadurch zum Maßstab für unser Verhalten. Das bedeutet nicht, dass wir zwischen richtigem und falschem Handeln keinen Unterschied mehr machen dürften. Jesus selbst hat Unrecht deutlich benannt und Menschen zur Umkehr gerufen. Feindesliebe bedeutet deshalb nicht, schädliches Verhalten gutzuheißen oder sich ohne Schutz immer wieder verletzen zu lassen. Sie bedeutet vielmehr, einem anderen Menschen auch dann nicht seine Würde abzusprechen, wenn wir sein Verhalten entschieden ablehnen müssen. Liebe kann mit klaren Grenzen, berechtigter Verantwortung und dem Schutz vor weiterem Unrecht verbunden sein.
Paulus beschreibt in Römer 12,17-21, wie diese Haltung im Alltag aussehen kann. Er fordert die Gläubigen auf, Böses nicht mit Bösem zu vergelten und, soweit es an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden zu halten. Gleichzeitig warnt er davor, persönlich Rache zu nehmen. Stattdessen sollen sie sogar einem hungrigen Feind zu essen und einem durstigen Feind zu trinken geben. Paulus stellt damit nicht die Gerechtigkeit infrage, sondern unterscheidet zwischen dem berechtigten Umgang mit Unrecht und dem persönlichen Wunsch nach Vergeltung. Ein Mensch muss erlittenes Unrecht nicht für harmlos erklären, um auf Rache zu verzichten. Er darf Verantwortung einfordern, Grenzen setzen und notwendige Hilfe suchen, ohne sich selbst von Hass bestimmen zu lassen. Gerade darin kann Gottes Liebe eine neue Freiheit eröffnen.
Für das persönliche Glaubensleben beginnt diese Veränderung häufig in unscheinbaren Situationen. Vielleicht bedeutet sie, einem Familienmitglied geduldiger zuzuhören, obwohl man sich selbst gerade unverstanden fühlt. Vielleicht zeigt sie sich darin, einen Fehler einzugestehen, anstatt ihn aus Stolz zu rechtfertigen. In anderen Situationen kann es bedeuten, einen Menschen nicht vorschnell auf seine Vergangenheit festzulegen oder jemandem praktische Hilfe anzubieten, von dem keine Gegenleistung zu erwarten ist. Solche Handlungen verdienen uns nicht Gottes Liebe. Sie können jedoch Ausdruck der Liebe werden, die wir bereits von ihm empfangen haben. Dabei wird niemand allein durch eigene Anstrengung dauerhaft zu einem vollkommen liebenden Menschen. Wir bleiben auf Gottes Gnade und die erneuernde Kraft seines Geistes angewiesen.
Gerade in unseren Beziehungen wird somit sichtbar, wie tief die Botschaft von Gottes Liebe reicht. Sie schenkt uns nicht nur die Gewissheit, dass wir selbst wertvoll sind, sondern lehrt uns auch, den Wert anderer Menschen zu erkennen. Wer verstanden hat, dass Christus ihm trotz seiner Schuld mit Barmherzigkeit begegnet ist, erhält einen neuen Grund, anderen mit Geduld, Ehrlichkeit und Vergebungsbereitschaft zu begegnen. Diese Liebe muss nicht immer von warmen Gefühlen begleitet sein. Manchmal zeigt sie sich gerade darin, trotz Enttäuschung das Gute zu suchen und sich nicht vom Bösen bestimmen zu lassen. Gottes Liebe wird nicht dadurch größer, dass wir sie weitergeben. Aber sie kann durch unser Leben für andere Menschen sichtbar und erfahrbar werden.
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Zusammenfassung und Gebet
Vielleicht liegt die größte Veränderung, die Gottes Liebe in unserem Leben bewirken kann, nicht zuerst in dem, was wir tun, sondern darin, wie wir ihm begegnen. Solange wir glauben, seine Zuneigung durch unsere Leistungen sichern zu müssen, bleibt unser Vertrauen von der eigenen Unvollkommenheit abhängig. Jeder Fehler kann dann zur neuen Belastung werden, jede Schwäche zur Ursache von Angst. Doch Jesus Christus eröffnet uns eine andere Grundlage. Wir dürfen zu Gott kommen, weil er uns liebt und durch seinen Sohn den Weg zur Versöhnung geschaffen hat. Seine Liebe wartet nicht darauf, dass wir uns selbst zu vollkommenen Menschen gemacht haben.
Gerade deshalb dürfen wir ehrlich vor Gott werden. Wir müssen unsere Vergangenheit nicht beschönigen, unsere Schwächen nicht verstecken und keine religiöse Vollkommenheit vortäuschen. Gott kennt die Wahrheit über unser Leben bereits. Dennoch hat er sich in Christus den Menschen zugewandt und ihnen Vergebung und neues Leben angeboten. Das macht seine Liebe so außergewöhnlich. Sie richtet sich nicht nur an diejenigen, die bereits auf dem richtigen Weg sind, sondern auch an Menschen, die ihre Schuld erkennen und einen neuen Anfang brauchen. Niemand muss sich zuerst Gottes Liebe verdienen, um zu ihm zurückkehren zu dürfen.
Diese Gewissheit bedeutet allerdings nicht, dass unser Verhalten bedeutungslos wäre. Gottes Liebe ist bedingungslos in ihrem Ursprung, doch die rettende Gemeinschaft mit ihm wird im Glauben angenommen und gelebt. Wer Christus vertraut, wird eingeladen, seine bisherige Lebensrichtung zu überprüfen und sich von Gottes Geist verändern zu lassen. Dabei geht es nicht um einen neuen Versuch, sich durch Gehorsam die Erlösung zu verdienen. Es geht um eine Beziehung, in der Liebe und Dankbarkeit zunehmend unser Denken und Handeln bestimmen. Gottes Gnade nimmt die Sünde ernst, aber sie eröffnet zugleich die Möglichkeit, nicht länger unter ihrer Herrschaft leben zu müssen.
Auch schwierige Lebensumstände müssen diese Gewissheit nicht zerstören. Wenn Gebete nicht so beantwortet werden, wie wir es erhofft haben, wenn wir mit persönlichen Schwächen kämpfen oder wenn unsere Zukunft unsicher erscheint, bleibt Gottes Wesen unverändert. Wir können seine Liebe nicht immer an unseren Gefühlen oder an den Ereignissen eines einzelnen Tages erkennen. Deshalb brauchen wir einen festeren Grund für unser Vertrauen. Diesen finden wir in Jesus Christus, dessen Leben, Tod und Auferstehung Gottes rettende Zuwendung sichtbar machen. Was Gott in Christus getan hat, besitzt ein größeres Gewicht als unsere wechselnden Empfindungen.
Aus dieser Liebe erwächst auch eine neue Verantwortung für unsere Mitmenschen. Wer selbst Barmherzigkeit empfangen hat, darf lernen, anderen mit Geduld und Freundlichkeit zu begegnen. Wer weiß, dass sein eigener Wert nicht von menschlicher Anerkennung abhängt, kann auch die Würde anderer achten. Das bedeutet nicht, Unrecht zu übersehen oder notwendige Grenzen aufzugeben. Vielmehr sollen Wahrheit und Liebe unser Handeln gemeinsam prägen. Auf diese Weise wird die Gemeinschaft mit Christus nicht nur zu einer persönlichen Hoffnung, sondern auch zu einer Quelle des Guten für die Menschen in unserer Umgebung.
Am Ende steht eine einfache, aber tiefgreifende Einladung: Wir dürfen aufhören, uns vor Gott beweisen zu wollen, und anfangen, ihm wirklich zu vertrauen. Wir müssen nicht zuerst alle Antworten kennen, jede Schwäche überwunden oder alle Fehler unserer Vergangenheit wiedergutgemacht haben, bevor wir uns an ihn wenden können. Wir dürfen heute zu Christus kommen, unsere Schuld bekennen, seine Vergebung annehmen und ihm unser Leben anvertrauen. Die Zukunft unseres Glaubens liegt nicht in der Vorstellung, irgendwann aus eigener Kraft vollkommen unabhängig von Gottes Hilfe zu werden. Sie liegt in einer immer tieferen Gemeinschaft mit dem Erlöser, der uns liebt und uns verändern möchte.
Du musst nicht erst jemand anderes werden, damit Gott beginnt, dich zu lieben. Du darfst zu ihm kommen, wie du bist, und dich von seiner Liebe zu dem Menschen verändern lassen, den er aus dir machen möchte.
Lieber himmlischer Vater, ich danke dir, dass deine Liebe nicht von meinen Leistungen abhängt. Du kennst meine Vergangenheit, meine Fehler und meine Schwächen und hast mir dennoch durch Jesus Christus den Weg zu dir geöffnet. Vergib mir, wenn ich versucht habe, mir deine Liebe zu verdienen, statt deiner Gnade zu vertrauen. Hilf mir, meine Schuld ehrlich vor dich zu bringen und deine Vergebung anzunehmen. Befreie mich von unnötiger Angst und schenke mir ein Herz, das dir aus Liebe folgt. Verändere mein Denken und Handeln durch deinen Heiligen Geist. Lass mich auch anderen Menschen mit der Barmherzigkeit begegnen, die ich selbst von dir empfangen habe. Amen.
„Von ferne her ist der HERR mir erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dir meine Gnade so lange bewahrt!“ Jeremia 31,3