Lutherbibel 1912 – 34 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
1 Aber die Teuerung drückte das Land.
2 Und da es verzehrt war, was sie für Getreide aus Ägypten gebracht hatten, sprach ihr Vater zu ihnen: Ziehet wieder hin und kaufet uns ein wenig Speise.
3 Da antwortete ihm Juda und sprach: Der Mann gebot uns streng und sprach: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder mit euch.
4 Ist es nun, daß du unsern Bruder mit uns sendest, so wollen wir hinabziehen und dir Speise kaufen.
5 Ist es aber, daß du ihn nicht sendest, so wollen wir nicht hinabziehen; denn der Mann hat zu uns gesagt: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, euer Bruder sei denn mit euch.
6 Israel sprach: Warum habt ihr so übel an mir getan, daß ihr dem Manne sagtet, daß ihr noch einen Bruder habet?
7 Sie antworteten: Der Mann forschte so genau nach uns und unsrer Freundschaft und sprach: Lebt euer Vater noch? Habt ihr auch noch einen Bruder? Da sagten wir ihm, wie er uns fragte. Wie konnten wir so genau wissen, daß er sagen würde: Bringt euren Bruder mit hernieder?
8 Da sprach Juda zu Israel, seinem Vater: Laß den Knaben mit mir ziehen, daß wir uns aufmachen und reisen und leben und nicht sterben, wir und du und unsere Kindlein.
9 Ich will Bürge für ihn sein; von meinen Händen sollst du ihn fordern. Wenn ich dir ihn nicht wiederbringe und vor deine Augen stelle, will ich mein Leben lang die Schuld tragen.
10 Denn wo wir nicht hätten verzogen, wären wir schon zweimal wiedergekommen.
11 Da sprach Israel, ihr Vater, zu ihnen: Muß es denn ja so sein, so tuts und nehmet von des Landes besten Früchten in eure Säcke und bringet dem Mann Geschenke hinab: ein wenig Balsam und Honig und Würze und Myrrhe, Datteln und Mandeln.
12 Nehmet auch anderes Geld mit euch; und das Geld, das euch oben in euren Säcken wieder geworden ist, bringet auch wieder mit; vielleicht ists ein Irrtum.
13 Dazu nehmet euren Bruder, macht euch auf und ziehet wieder zu dem Manne.
14 Aber der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne, daß er euch lasse euren andern Bruder und Benjamin. Ich aber muß sein wie einer, der seiner Kinder gar beraubt ist.
15 Da nahmen sie diese Geschenke und zwiefältiges Geld mit sich, dazu Benjamin, machten sich auf, zogen nach Ägypten und traten vor Joseph.
16 Da Joseph Benjamin mit ihnen sah, sprach er zu seinem Haushalter: Führe die Männer ins Haus und schlachte und richte zu; denn sie sollen zu Mittag mit mir essen.
17 Und der Mann tat, wie ihm Joseph gesagt hatte, und führte sie in Josephs Haus.
18 Sie fürchteten sich aber, daß sie in Josephs Haus geführt wurden, und sprachen: Wir sind hereingeführt um des Geldes willen, das uns vormals in unsern Säcken wieder geworden ist, daß ers auf uns bringe und fälle ein Urteil über uns und nehme uns zu Knechten samt unsern Eseln.
19 Darum traten sie zu dem Haushalter Josephs und redeten mit ihm vor der Haustür
20 und sprachen: Mein Herr, wir sind zuvor einmal hergekommen, Speise zu kaufen;
21 und da wir in die Herberge kamen und unsere Säcke auftaten, siehe, da war eines jeglichen Geld oben in seinem Sack mit seinem Gewicht. Und wir habens wieder mit uns gebracht
22 und anderes Geld mit uns hergebracht, Speise zu kaufen. Wir wissen aber nicht, wer uns unser Geld in unsere Säcke gesteckt hat.
23 Er aber sprach: Seid zufrieden, fürchtet euch nicht. Euer Gott und eures Vaters Gott hat euch einen Schatz gegeben in eure Säcke; euer Geld ist mir geworden. Und er führte Simeon zu ihnen heraus
24 und führte sie in Josephs Haus, gab ihnen Wasser, daß sie ihre Füße wuschen; und gab ihren Eseln Futter.
25 Sie aber bereiteten das Geschenk zu, bis daß Joseph kam am Mittag; denn sie hatten gehört, daß sie daselbst das Mahl halten sollten.
26 Da nun Joseph zum Hause einkam, brachten sie ihm das Geschenk in ihrer Hand ins Haus und fielen vor ihm nieder auf die Erde.
27 Er aber grüßte sie freundlich und sprach: Gehts eurem Vater, dem Alten, wohl, davon ihr mir sagtet? Lebt er noch?
28 Sie antworteten: Es geht deinem Knechte, unserm Vater, wohl und lebt noch. Und neigten sich und fielen vor ihm nieder.
29 Und er hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Benjamin, seiner Mutter Sohn, und sprach: Ist das euer jüngster Bruder, davon ihr mir sagtet? Und sprach weiter: Gott sei dir gnädig, mein Sohn!
30 Und Joseph eilte; denn sein Herz entbrannte ihm gegen seinen Bruder, und suchte, wo er weinte, und ging in seine Kammer und weinte daselbst.
31 Und da er sein Angesicht gewaschen hatte, ging er heraus, hielt an sich und sprach: Legt Brot auf!
32 Und man trug ihm besonders auf und ihnen auch besonders und den Ägyptern, die mit ihm aßen, auch besonders; denn die Ägypter dürfen nicht Brot essen mit den Hebräern, denn das ist ein Greuel für die Ägypter.
33 Und man setzte sie ihm gegenüber, den Erstgeborenen nach seiner Erstgeburt und den Jüngsten nach seiner Jugend. Des verwunderten sie sich untereinander.
34 Und man trug ihnen Essen vor von seinem Tische; aber dem Benjamin ward fünfmal mehr als den andern. Und sie tranken und wurden trunken mit ihm.