Und es kamen vor ihn die Worte der Kinder Labans, daß sie sprachen: Jakob hat alles Gut unsers Vaters an sich gebracht; und von unsers Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht.
Lutherbibel 1912 – 55 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
1 Und es kamen vor ihn die Worte der Kinder Labans, daß sie sprachen: Jakob hat alles Gut unsers Vaters an sich gebracht; und von unsers Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht.
2 Und Jakob sah an das Angesicht Labans, und siehe, er war gegen ihn nicht wie gestern und ehegestern.
3 Und der HERR sprach zu Jakob: Zieh wieder in deiner Väter Land und zu deiner Freundschaft; ich will mit dir sein.
4 Da sandte Jakob hin und ließ rufen Rahel und Lea aufs Feld bei seine Herde
5 und sprach zu ihnen: Ich sehe eures Vaters Angesicht, daß es gegen mich nicht ist wie gestern und ehegestern; aber der Gott meines Vaters ist mit mir gewesen.
6 Und ihr wisset, daß ich aus allen meinen Kräften eurem Vater gedient habe.
7 Und euer Vater hat mich getäuscht und meinen Lohn zehnmal geändert; aber Gott hat ihm nicht gestattet, mir Schaden zu tun.
8 Wenn er sprach: Die bunten sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde bunte. Wenn er aber sprach: Die gestreiften sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde gestreifte.
9 Also hat Gott das Gut eures Vaters ihm entwandt und mir gegeben.
10 Denn um die Zeit, da die Herde brünstig ward, hob ich meine Augen auf und sah im Traum, und siehe, die Böcke, die auf die Herde sprangen, waren gestreift, gefleckt und bunt.
11 Und der Engel Gottes sprach zu mir im Traum: Jakob! Und ich antwortete: Hier bin ich.
12 Er aber sprach: Hebe deine Augen auf und sieh: alle Böcke, die auf die Herde springen, sind gestreift, gefleckt und bunt; denn ich habe alles gesehen, was dir Laban tut.
13 Ich bin der Gott von Bethel, da du den Stein gesalbt hast und mir daselbst ein Gelübde getan. Nun mache dich auf und zieh aus diesem Lande und kehre wieder in das Land deiner Freundschaft.
14 Da antworteten Rahel und Lea und sprachen zu ihm: Wir haben doch kein Teil noch Erbe mehr in unsers Vaters Hause.
15 Hat er uns doch gehalten wie die Fremden, denn er hat uns verkauft; dazu auch unser Geld verzehrt.
16 Darum ist aller Reichtum, den Gott unserm Vater entwandt hat, unser und unsrer Kinder. Alles, was nun Gott dir gesagt hat, das tue.
17 Da machte sich Jakob auf und lud seine Kinder und Weiber auf Kamele
18 und führte weg all sein Vieh und alle seine Habe, die er zu Mesopotamien erworben hatte, daß er käme zu Isaak, seinem Vater, ins Land Kanaan.
19 Laban aber war gegangen, seine Schafe zu scheren. Und Rahel stahl ihres Vaters Götzenbilder.
20 Also stahl Jakob dem Laban zu Syrien das Herz damit, daß er ihm nicht ansagte, daß er floh.
21 Also floh er mit allem, was er hatte; und machte sich auf, und fuhr über das Wasser und richtete sich nach dem Berge Gilead.
22 Am dritten Tage ward Laban angesagt, daß Jakob geflohen wäre.
23 Und er nahm seine Brüder zu sich und jagte ihm nach sieben Tagereisen weit und ergriff ihn auf dem Berge Gilead.
24 Aber Gott kam zu Laban, dem Aramäer, im Traum des Nachts und sprach zu ihm: Hüte dich, daß du mit Jakob nicht anders denn freundlich redest.
25 Und Laban nahte sich zu Jakob. Jakob aber hatte seine Hütte aufgeschlagen auf dem Berge. Und Laban mit seinen Brüdern schlug seine Hütte auch auf dem Berge Gilead.
26 Da sprach Laban zu Jakob: Was hast du getan, daß du mein Herz gestohlen hast und hast meine Töchter entführt als die Gefangenen durchs Schwert?
27 Warum bist du heimlich geflohen und hast dich weggestohlen und hast mirs nicht angesagt, daß ich dich hätte geleitet mit Freuden, mit Singen, mit Pauken und Harfen?
28 Und hast mich nicht lassen meine Kinder und Töchter küssen? Du hast töricht getan.
29 Und ich hätte wohl so viel Macht, daß ich euch könnte Übles tun; aber eures Vaters Gott hat gestern zu mir gesagt: Hüte dich, daß du mit Jakob nicht anders denn freundlich redest.
30 Und weil du denn ja wolltest ziehen und sehntest dich so sehr nach deines Vaters Hause, warum hast du mir meine Götter gestohlen?
31 Jakob antwortete und sprach zu Laban: Ich fürchtete mich und dachte, du würdest deine Töchter von mir reißen.
32 Bei welchem aber du deine Götter findest, der sterbe. Hier vor unsern Brüdern suche das Deine bei mir und nimm es hin. Jakob wußte aber nicht, daß sie Rahel gestohlen hatte.
33 Da ging Laban in die Hütte Jakobs und Leas und der beiden Mägde und fand nichts. Und ging aus Leas Hütte in die Hütte Rahels.
34 Rahel aber hatte die Götzenbilder genommen und unter den Kamelsattel getan und setzte sich darauf. Laban aber betastete die ganze Hütte und fand nichts.
35 Da sprach sie zu ihrem Vater: Mein Herr, zürne nicht; denn ich kann nicht aufstehen vor dir; denn es geht mir nach der Frauen Weise. So suchte er und fand die Götzenbilder nicht.
36 Und Jakob ward zornig und schalt Laban und sprach zu ihm: Was habe ich mißgehandelt oder gesündigt, daß du so auf mich erhitzt bist?
37 Du hast all meinen Hausrat betastet; was hast du Deines Hausrats gefunden? Lege es dar vor meinen und deinen Brüdern, daß sie zwischen uns beiden richten.
38 Diese zwanzig Jahre bin ich bei dir gewesen; deine Schafe und Ziegen sind nie unfruchtbar gewesen, und die Widder deiner Herde habe ich nie gegessen.
39 Was die Tiere zerrissen, brachte ich dir nicht, ich mußte es bezahlen; du fordertest es von meiner Hand, es wäre mir des Tages oder des Nachts gestohlen.
40 Des Tages verschmachtete ich vor Hitze und des Nachts vor Frost, und kam kein Schlaf in meine Augen.
41 Also habe ich diese zwanzig Jahre in deinem Hause gedient, vierzehn um deine Töchter und sechs um deine Herde; und du hast mir meinen Lohn zehnmal geändert.
42 Wo nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams, und die Furcht Isaaks, auf meiner Seite gewesen wäre, du hättest mich leer ziehen lassen. Aber Gott hat mein Elend und meine Arbeit angesehen und hat dich gestern gestraft.
43 Laban antwortete und sprach zu Jakob: Die Töchter sind meine Töchter, und die Kinder sind meine Kinder, und die Herden sind meine Herden, und alles, was du siehst, ist mein; was kann ich meinen Töchtern heute tun oder ihren Kindern, die sie geboren haben?
44 So komm nun und laß uns einen Bund machen, ich und du, der ein Zeugnis sei zwischen mir und dir.
45 Da nahm Jakob einen Stein und richtete ihn auf zu einem Mal
46 und sprach zu seinen Brüdern: Lest Steine auf. Und sie nahmen Steine und machten einen Haufen und aßen daselbst auf dem Haufen.
47 Und Laban hieß ihn Jegar-Sahadutha; Jakob aber hieß ihn Gilead.
48 Da sprach Laban: Der Haufe sei heute Zeuge zwischen mir und dir. Daher heißt man ihn Gilead
49 und Mizpa, darum daß er sprach: Der HERR sehe drein zwischen mir und dir, weil wir voneinander geschieden sind,
50 daß du meinen Töchtern kein Leid tust und keine andern Weiber dazu nehmest über meine Töchter. Es ist hier kein Mensch bei uns; aber siehe, Gott ist der Zeuge zwischen mir und dir.
51 Und Laban sprach weiter zu Jakob: Siehe, das ist der Haufe, und das ist das Mal, das ich aufgerichtet habe zwischen mir und dir.
52 Derselbe Haufe sei Zeuge, und das Mal sei Zeuge, daß ich über diesen Haufen nicht fahre gegen dich, und du auch diesen Haufen und dieses Mal nicht überfährest gegen mich, zum Bösen.
53 Der Gott Abrahams und der Gott Nahors sei Richter zwischen uns. Und Jakob schwor bei der Furcht seines Vaters Isaak.
54 Und Jakob opferte auf dem Berge und lud seine Brüder zum Essen. Und da sie gegessen hatten, blieben sie auf dem Berge über Nacht.
55 Des Morgens aber stand Laban früh auf, küßte seine Kinder und Töchter und segnete sie; und zog hin und kam wieder an seinen Ort.