Markus 13,32- Jesus weiß den Tag der Wiederkunft nicht
Markus 13,32 leugnet die Gottheit Jesu nicht. Der Vers beschreibt, dass der Sohn während seiner Erniedrigung als wahrer Mensch nicht den Zeitpunkt seiner Wiederkunft offenbarte oder in diesem Zusammenhang nicht wusste. Das Neue Testament bezeugt zugleich seine volle Gottheit und seine freiwillige Selbsterniedrigung, sodass Markus 13,32 im Gesamtzeugnis der Schrift verstanden werden muss.
Einführung
Kaum eine Aussage Jesu wird so häufig gegen seine Gottheit angeführt wie Markus 13,32: „Von jenem Tag aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ Für viele scheint der Schluss nahezuliegen: Wenn Jesus wirklich Gott wäre, müsste er doch alles wissen. Wie könnte der allwissende Gott etwas nicht wissen? Auf den ersten Blick wirkt dieser Einwand verständlich und verdient deshalb eine sorgfältige Prüfung.
Die Schwierigkeit entsteht häufig dadurch, dass nur dieser einzelne Vers betrachtet wird. Doch die Bibel legt ihre Aussagen nicht isoliert aus. Dasselbe Evangelium, das berichtet, Jesus kenne den Tag seiner Wiederkunft nicht, beschreibt ihn an anderer Stelle als den Sohn Gottes, dem Wind und Meer gehorchen, der Sünden vergibt, die Herzen der Menschen kennt und göttliche Ehre empfängt. Das Neue Testament hält beide Aussagen nebeneinander fest, ohne darin einen Widerspruch zu sehen. Deshalb darf keine der beiden Seiten auf Kosten der anderen abgeschwächt werden.
Hinzu kommt eine weitere grundlegende Frage. Die Bibel bezeugt, dass der ewige Sohn Gottes wahrer Mensch wurde. Mit dieser Menschwerdung verbindet sich das Geheimnis, dass Christus seine göttliche Herrlichkeit nicht aufgab, zugleich aber freiwillig die Grenzen eines menschlichen Lebens auf sich nahm. Gerade dieser Zusammenhang spielt für das Verständnis von Markus 13,32 eine entscheidende Rolle. Ohne ihn entstehen leicht Schlussfolgerungen, die weder dem unmittelbaren Zusammenhang noch dem Gesamtzeugnis der Schrift gerecht werden.
Der Weg zum Verständnis beginnt deshalb nicht bei theologischen Begriffen, sondern bei dem, was Jesus in Markus 13 tatsächlich sagt. Erst wenn der unmittelbare Zusammenhang, die Menschwerdung Christi und das gesamte Zeugnis des Neuen Testaments sorgfältig betrachtet werden, lässt sich erkennen, warum diese Aussage weder die Gottheit Jesu aufhebt noch seine Menschheit abschwächt.
Der unmittelbare Zusammenhang der Aussage Jesu
Markus 13,24-37 – „24 Aber in jenen Tagen, nach jener Trübsal, wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, 25 und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte im Himmel in Bewegung geraten. 26 Und alsdann wird man des Menschen Sohn in den Wolken kommen sehen mit großer Kraft und Herrlichkeit. 27 Und dann wird er seine Engel aussenden und seine Auserwählten sammeln von den v…"
Markus 13,24-37 – „24 Aber in jenen Tagen, nach jener Trübsal, wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, 25 und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte im Himmel in Bewegung geraten. 26 Und alsdann wird man des Menschen Sohn in den Wolken kommen sehen mit großer Kraft und Herrlichkeit. 27 Und dann wird er seine Engel aussenden und seine Auserwählten sammeln von den v…"
Matthäus 24,36-44 – „36 Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein mein Vater. 37 Wie es aber in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. 38 Denn wie sie in den Tagen vor der Sündflut aßen und tranken, freiten und sich freien ließen bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging, 39 und nichts merkten, bis die Sündflut kam und sie…"
Apostelgeschichte 1,6-7 – „6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder? 7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu kennen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat;"
Jede Auslegung von Markus 13,32 muss mit dem unmittelbaren Zusammenhang beginnen. Jesus führt hier keine Lehrrede über sein Wesen oder seine Gottheit. Er beantwortet die Frage seiner Jünger nach der Zerstörung des Tempels und nach den Zeichen seiner Wiederkunft. Das gesamte Kapitel richtet den Blick auf Wachsamkeit, Treue und Ausdauer. Der Schwerpunkt liegt daher nicht auf der Frage, was Christus grundsätzlich weiß, sondern darauf, wie seine Jünger bis zu seiner Wiederkunft leben sollen.
Im Verlauf der Rede beschreibt Jesus Kriege, Erdbeben, Verfolgungen, falsche Christusse und große Bedrängnis. Zugleich macht er deutlich, dass diese Ereignisse den genauen Zeitpunkt seines Kommens nicht berechenbar machen. Immer wieder ruft er seine Jünger dazu auf, wachsam zu bleiben. Der Höhepunkt dieser Gedanken findet sich schließlich in Vers 32: „Von jenem Tag aber und der Stunde weiß niemand … sondern nur der Vater.“ Unmittelbar danach folgen erneut mehrere Aufforderungen: „Seht euch vor“, „Wacht“ und „Bleibt bereit.“ Der Zusammenhang zeigt also, dass die Aussage über das Wissen des Sohnes dem Aufruf zur Wachsamkeit dient.
Gerade dieser Zusammenhang schützt vor einem häufigen Missverständnis. Jesus möchte seine Zuhörer nicht dazu bringen, über die Grenzen seines Wissens zu spekulieren. Er lenkt ihren Blick vielmehr davon weg, den Zeitpunkt der Wiederkunft berechnen zu wollen. Der Mensch soll nicht versuchen, das zu erfahren, was Gott nicht offenbart hat. Stattdessen soll er jeden Tag so leben, als könne Christus jederzeit wiederkommen.
Diese Linie setzt sich auch nach der Auferstehung fort. In Apostelgeschichte 1 fragen die Jünger erneut nach dem Zeitpunkt der Wiederherstellung des Reiches. Jesus beantwortet ihre Frage nicht mit einer Zeitangabe. Stattdessen erklärt er: „Es gebührt euch nicht, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat.“ Anschließend richtet er ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigentliche Aufgabe: Sie sollen seine Zeugen sein bis an die Enden der Erde. Wieder steht nicht verborgenes Wissen im Mittelpunkt, sondern treuer Dienst.
Schon diese ersten Beobachtungen zeigen, dass Markus 13,32 nicht isoliert als Aussage über die Natur Christi gelesen werden darf. Der Vers steht innerhalb einer Rede über die Wiederkunft und verfolgt ein praktisches Ziel. Jesus nimmt den Jüngern die Versuchung, sich mit verborgenen Zeitpunkten zu beschäftigen, und führt sie stattdessen zu einem Leben beständiger Bereitschaft.
Dennoch bleibt die eigentliche Schwierigkeit bestehen. Jesus sagt ausdrücklich: „Auch nicht der Sohn.“ Was bedeutet diese Aussage genau? Bezieht sie sich auf seine göttliche Natur, auf seine Menschwerdung oder auf etwas anderes? Um diese Frage zu beantworten, muss nun untersucht werden, was die Bibel über die Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes selbst lehrt.
Die Menschwerdung des Sohnes Gottes
Johannes 1,1-3.14 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Johannes 1,1-3.14 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."
Philipper 2,5-8 – „5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, 6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuz…"
Hebräer 2,14-18 – „14 Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er in ähnlicher Weise dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel, 15 und alle diejenigen befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. 16 Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams n…"
Um Markus 13,32 richtig zu verstehen, muss zunächst geklärt werden, was die Bibel über die Menschwerdung Jesu lehrt. Das Neue Testament beginnt nicht mit einem Menschen, der später göttlich wird, sondern mit dem ewigen Sohn Gottes. Johannes bezeugt, dass das Wort von Anfang an bei Gott war und selbst Gott ist. Durch ihn wurde alles geschaffen, und nichts ist ohne ihn entstanden. Wenige Verse später erklärt Johannes, dass dieses ewige Wort Fleisch wurde und unter den Menschen wohnte. Die Gottheit Christi beginnt also nicht erst nach seiner Geburt, sondern besteht bereits vor aller Schöpfung.
Mit der Menschwerdung geschieht jedoch etwas Einzigartiges. Der Sohn Gottes hört nicht auf, Gott zu sein, sondern nimmt zusätzlich eine wirkliche menschliche Natur an. Er wird nicht nur äußerlich einem Menschen ähnlich, sondern lebt ein echtes menschliches Leben. Er kennt Hunger, Durst, Müdigkeit, Trauer, Versuchung und körperliches Leiden. Gerade darin unterscheidet sich das Evangelium von jeder Vorstellung, Christus habe seinen menschlichen Zustand nur scheinbar angenommen. Die Bibel bezeugt einen wirklichen Menschen und zugleich den ewigen Sohn Gottes.
Der Apostel Paulus beschreibt dieses Geheimnis besonders eindrucksvoll im Philipperbrief. Christus war in göttlicher Gestalt, hielt aber nicht daran fest, seine göttliche Herrlichkeit sichtbar auszuüben. Stattdessen entäußerte er sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Diese Selbsterniedrigung bedeutet nicht, dass er seine Gottheit verlor. Vielmehr verzichtete er freiwillig darauf, seine göttlichen Vorrechte unabhängig für sich selbst auszuschöpfen. Er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben.
Gerade dieser Gedanke ist für Markus 13 von großer Bedeutung. Während seines irdischen Lebens lebt Jesus in freiwilliger Abhängigkeit vom Vater. Immer wieder betet er, handelt im Einklang mit dem Willen des Vaters und spricht davon, dass der Vater ihn gesandt hat. Seine Menschwerdung ist deshalb keine bloße äußere Verkleidung, sondern ein freiwilliges Eintreten in die Bedingungen eines wirklichen menschlichen Lebens. Dazu gehört auch, dass er nicht unabhängig von seiner Sendung handelt oder seine göttlichen Vorrechte eigenmächtig gebraucht.
Der Hebräerbrief ergänzt diese Wahrheit um einen weiteren wichtigen Gedanken. Christus musste seinen Brüdern in allem gleich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester sein konnte. Weil er selbst versucht wurde und menschliches Leid erfahren hat, kann er denen helfen, die versucht werden. Seine Menschheit war deshalb kein Nebenaspekt seines Erlösungswerkes, sondern ein notwendiger Bestandteil davon. Nur indem der ewige Sohn wirklich Mensch wurde, konnte er als Stellvertreter der Menschen leben, leiden und sterben.
Damit wird ein wichtiger Grundsatz sichtbar. Die Bibel beschreibt Jesus weder nur aus der Perspektive seiner Gottheit noch nur aus der Perspektive seiner Menschheit. Beide Wahrheiten stehen nebeneinander und müssen gemeinsam festgehalten werden. Manche Aussagen zeigen seine göttliche Herrlichkeit, andere seine freiwillige Erniedrigung. Erst wenn beide Seiten berücksichtigt werden, entsteht das vollständige biblische Bild.
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch Markus 13,32 eine neue Perspektive. Die entscheidende Frage lautet nun nicht mehr, ob Jesus Gott ist, sondern wie seine freiwillige Menschwerdung mit seiner göttlichen Natur zusammenhängt. Um diese Frage zu beantworten, muss nun untersucht werden, welche Aussagen das Neue Testament über das Wissen Jesu während seines irdischen Dienstes selbst macht.
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Das Wissen Jesu während seines irdischen Dienstes
Johannes 2,24-25 – „24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte, 25 und weil er nicht bedurfte, daß jemand über einen Menschen Zeugnis gäbe; denn er wußte selbst, was im Menschen war."
Johannes 2,24-25 – „24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte, 25 und weil er nicht bedurfte, daß jemand über einen Menschen Zeugnis gäbe; denn er wußte selbst, was im Menschen war."
Johannes 16,30 – „30 Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und nicht nötig hast, daß dich jemand frage; darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist!"
Johannes 21,17 – „17 Und zum drittenmal fragt er ihn: Simon Jona, hast du mich lieb? Da ward Petrus traurig, daß er ihn zum drittenmal fragte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!"
Lukas 2,52 – „52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen."
Nachdem die Menschwerdung Christi betrachtet wurde, stellt sich nun die entscheidende Frage: Wie beschreibt das Neue Testament das Wissen Jesu während seines irdischen Lebens? Auf den ersten Blick scheinen die Aussagen widersprüchlich zu sein. Einerseits sagt Jesus in Markus 13,32, dass der Sohn den Tag seiner Wiederkunft nicht weiß. Andererseits berichten die Evangelien mehrfach, dass Jesus Dinge wusste, die kein gewöhnlicher Mensch wissen konnte. Eine sorgfältige Auslegung muss deshalb beide Seiten gleichermaßen ernst nehmen.
Schon früh zeigen die Evangelien, dass Jesus übernatürliches Wissen besitzt. Johannes berichtet, dass Jesus keinem Menschen Zeugnis über den Menschen nötig hatte, „denn er wusste selbst, was im Menschen war“. Er kannte nicht nur das äußere Verhalten, sondern die Gedanken und Beweggründe des Herzens. Immer wieder beantwortete er unausgesprochene Fragen seiner Gegner, erkannte verborgene Absichten und offenbarte Kenntnisse, die ihm niemand mitgeteilt hatte. Solche Aussagen gehen weit über gewöhnliche menschliche Erkenntnis hinaus.
Auch die Jünger selbst gelangen schließlich zu dieser Überzeugung. Kurz vor der Kreuzigung sagen sie zu Jesus: „Jetzt wissen wir, dass du alles weißt.“ Nach der Auferstehung bekennt Petrus: „Herr, du weißt alle Dinge; du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Diese Aussagen sind bemerkenswert. Sie stehen im selben Neuen Testament wie Markus 13,32. Die Evangelisten sahen darin offenbar keinen Widerspruch. Sie konnten einerseits berichten, dass Jesus „alle Dinge“ weiß, und andererseits seine Aussage über den Tag seiner Wiederkunft unverändert überliefern.
Gleichzeitig beschreibt die Bibel Jesus als einen wirklichen Menschen, der innerhalb seines menschlichen Lebens lernte und wuchs. Lukas berichtet, dass Jesus „an Weisheit, Alter und Gnade zunahm“. Dieses Wachstum wäre bedeutungslos gewesen, wenn seine menschliche Natur von Anfang an jede Erkenntnis in derselben Weise ausgeübt hätte wie seine göttliche Natur. Die Menschwerdung war keine bloße äußere Form. Christus lebte ein echtes menschliches Leben mit echter Entwicklung und echter Abhängigkeit vom Vater.
Diese beiden Linien müssen nebeneinander bestehen bleiben. Auf der einen Seite besitzt Jesus Wissen, das eindeutig über menschliche Möglichkeiten hinausgeht. Auf der anderen Seite beschreibt ihn die Schrift als den gehorsamen Sohn, der innerhalb seiner Menschwerdung lebt, wächst und in allem den Willen des Vaters sucht. Die Evangelien versuchen nicht, diese Spannung aufzulösen, indem sie eine der beiden Seiten abschwächen. Sie bezeugen vielmehr beide Wahrheiten gleichzeitig.
Gerade deshalb sollte Markus 13,32 weder isoliert noch absolut verstanden werden. Der Vers behauptet nicht allgemein, dass der Sohn grundsätzlich nicht allwissend sei. Ebenso wenig dürfen die vielen Aussagen über das außergewöhnliche Wissen Jesu dazu benutzt werden, seine wirkliche Menschheit zu leugnen. Das Neue Testament hält beide Zeugnisse bewusst zusammen und lädt den Leser ein, die Person Christi in ihrer ganzen Fülle zu betrachten.
Damit rückt die eigentliche Auslegungsfrage noch genauer in den Mittelpunkt. Wenn Jesus tatsächlich göttliche Erkenntnis offenbart und zugleich in Markus 13,32 sagt, der Sohn wisse den Tag nicht, wie lassen sich diese Aussagen miteinander vereinbaren? Die Antwort liegt in der freiwilligen Selbsterniedrigung Christi und in seiner einzigartigen Beziehung zum Vater, die nun näher betrachtet werden muss.
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Die freiwillige Selbsterniedrigung und die Sendung des Sohnes
Philipper 2,6-8 – „6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod."
Philipper 2,6-8 – „6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod."
Johannes 5,19-20 – „19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. 20 Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, so daß ihr euch verwundern werdet."
Johannes 8,28-29 – „28 Darum sprach Jesus: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin; und von mir selbst tue ich nichts, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich. 29 Und der, welcher mich gesandt hat, ist mit mir; er läßt mich nicht allein, denn ich tue allezeit, was ihm gefällt."
Nachdem deutlich geworden ist, dass das Neue Testament sowohl das außergewöhnliche Wissen Jesu als auch seine wirkliche Menschheit bezeugt, stellt sich die entscheidende Frage: Wie sind diese beiden Wahrheiten miteinander vereinbar? Die Antwort beginnt nicht bei Markus 13, sondern bei der Art und Weise, wie der Sohn Gottes seinen irdischen Dienst selbst beschreibt. Immer wieder macht Jesus deutlich, dass er nicht unabhängig vom Vater handelt, sondern als der vom Vater Gesandte lebt.
Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht.“ Diese Worte bedeuten nicht, dass dem Sohn Macht oder Göttlichkeit fehlen würden. Der Zusammenhang zeigt vielmehr die vollkommene Einheit zwischen Vater und Sohn. Jesus handelt nicht unabhängig oder eigenmächtig, sondern in freiwilliger Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters. Seine Sendung ist von vollkommenem Gehorsam geprägt.
Dasselbe gilt für seine Worte: „Ich tue nichts von mir selbst, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich.“ Jesus beschreibt seinen irdischen Dienst als einen Weg freiwilliger Abhängigkeit. Er kommt nicht auf die Erde, um seine göttlichen Vorrechte unabhängig auszuüben, sondern um den Willen des Vaters vollkommen zu erfüllen. Gerade darin besteht die Tiefe seiner Selbsterniedrigung. Der ewige Sohn hört nicht auf, Gott zu sein, entscheidet sich jedoch, innerhalb seiner Sendung als gehorsamer Mensch zu leben.
Der Philipperbrief beschreibt diese Haltung mit den Worten, dass Christus sich selbst entäußerte. Dabei ist sorgfältig zu unterscheiden zwischen dem Wesen Christi und der Art, wie er seine Herrlichkeit ausübte. Paulus sagt nicht, dass Christus aufhörte, Gott zu sein. Vielmehr verzichtete er freiwillig darauf, die Vorrechte seiner göttlichen Herrlichkeit unabhängig für sich selbst geltend zu machen. Seine Erniedrigung bestand nicht im Verlust seiner Gottheit, sondern im freiwilligen Verzicht auf ihre uneingeschränkte Ausübung während seines irdischen Dienstes.
Vor diesem Hintergrund erhält Markus 13,32 eine wichtige Einordnung. Wenn Jesus sagt: „Auch nicht der Sohn“, beschreibt er sich innerhalb seiner Sendung als der gehorsame Mensch und Messias. Er spricht nicht als jemand, der seine göttliche Natur verleugnet, sondern als der Sohn, der freiwillig in der Ordnung lebt, die der Vater für das Erlösungswerk bestimmt hat. Seine Aussage gehört zu derselben freiwilligen Erniedrigung, die sich in seinem Gehorsam, seinem Leiden und schließlich seinem Tod am Kreuz zeigt.
Dabei ist Vorsicht geboten. Markus 13,32 erklärt nicht ausdrücklich, warum der Sohn den Tag nicht weiß. Der Vers sagt lediglich, dass der Sohn ihn in diesem Zusammenhang nicht weiß. Wenn erklärt wird, dies stehe mit der freiwilligen Selbsterniedrigung Christi zusammen, handelt es sich nicht um eine wörtliche Aussage des Verses selbst, sondern um eine Schlussfolgerung, die sich aus dem Gesamtzeugnis des Neuen Testaments ergibt. Diese Schlussfolgerung wird durch Philipper 2 sowie durch die Aussagen Jesu über seine Sendung gut begründet, sollte jedoch als solche kenntlich bleiben.
Gerade diese Unterscheidung bewahrt vor zwei gegensätzlichen Irrtümern. Der eine zieht aus Markus 13,32 den Schluss, Jesus könne deshalb nicht Gott sein. Der andere übersieht die Wirklichkeit seiner Menschwerdung und erklärt seine menschlichen Aussagen für bloßen Schein. Das Neue Testament geht keinen dieser Wege. Es hält unbeirrt daran fest, dass der ewige Sohn wirklich Mensch wurde und innerhalb dieser Menschwerdung in freiwilligem Gehorsam lebte.
Damit bleibt jedoch noch eine wichtige Frage offen. Hat sich nach der Auferstehung und Himmelfahrt etwas verändert? Spricht das Neue Testament weiterhin von einer Begrenzung des Wissens Christi, oder zeigt es ihn nun wieder in der ganzen Herrlichkeit und Vollmacht des erhöhten Herrn? Diese Frage führt zum nächsten entscheidenden Schritt der Auslegung.
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Die Auferstehung, Erhöhung und die Herrlichkeit Christi
Matthäus 28,18 – „18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden."
Matthäus 28,18 – „18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden."
Johannes 17,5 – „5 Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war."
Offenbarung 1,1 – „1 Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt,"
Offenbarung 5,11-14 – „11 Und ich sah und hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend; 12 die sprachen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lobpreisung! 13 Und alle Geschöpfe, die im Himmel und a…"
Eine häufig übersehene Beobachtung ist, dass Markus 13,32 während des irdischen Wirkens Jesu gesprochen wurde – also vor Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage, ob das Neue Testament den erhöhten Christus nach seiner Verherrlichung noch in derselben Weise beschreibt oder ob sich seine Stellung verändert hat.
Nach seiner Auferstehung erklärt Jesus: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.“ Diese Worte markieren einen Wendepunkt in der Heilsgeschichte. Der Sohn kehrt nach vollbrachtem Erlösungswerk in die Herrlichkeit zurück, die er nach Johannes 17,5 bereits vor Grundlegung der Welt beim Vater besaß. Seine freiwillige Erniedrigung ist beendet. Nun tritt er als der verherrlichte Herr auf, dem alle Autorität übertragen ist.
Das Buch der Offenbarung bestätigt dieses Bild eindrucksvoll. Johannes sieht nicht mehr den leidenden Knecht, sondern den verherrlichten Christus. Seine Augen sind wie Feuerflammen, sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, und er nennt sich den Ersten und den Letzten. Im Himmel empfängt er dieselbe Anbetung wie der Vater. Alle Geschöpfe fallen vor dem Lamm nieder und sprechen:
„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebührt das Lob und die Ehre und der Ruhm und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Damit zeigt die Offenbarung eindeutig, dass die Gottheit Christi nach seiner Auferstehung keineswegs eingeschränkt verstanden wird. Im Gegenteil: Seine göttliche Herrlichkeit wird offen sichtbar.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der erste Vers der Offenbarung:
„Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat...“
Manche sehen darin erneut einen Beweis, dass Jesus nicht allwissend sei. Doch der Vers verfolgt ein anderes Ziel. Er beschreibt den Weg der Offenbarung innerhalb des Erlösungsplanes: Der Vater gibt die Offenbarung dem Sohn, der Sohn sendet sie durch seinen Engel an Johannes. Der Text erklärt also den Übermittlungsweg der Prophetie. Er macht keine Aussage darüber, dass Christus grundsätzlich unwissend wäre.
Hier ist erneut eine sorgfältige Unterscheidung wichtig.
Explizite Aussage der Bibel:
Nach seiner Auferstehung besitzt Christus alle Macht und wird im Himmel gemeinsam mit dem Vater angebetet.
Sichere Schlussfolgerung:
Das Neue Testament beschreibt den erhöhten Christus nicht mehr innerhalb der freiwilligen Erniedrigung seines irdischen Dienstes, sondern in seiner verherrlichten Herrlichkeit.
Mögliche Schlussfolgerung:
Viele Ausleger folgern deshalb, dass Markus 13,32 ausschließlich auf die Zeit seiner Menschwerdung bezogen war und nach seiner Verherrlichung nicht mehr in derselben Weise gilt. Diese Schlussfolgerung harmoniert gut mit dem Gesamtzeugnis der Schrift. Dennoch spricht kein Bibelvers ausdrücklich den Satz aus: „Jetzt kennt der Sohn den Tag der Wiederkunft.“ Deshalb sollte diese Aussage als gut begründete Schlussfolgerung und nicht als wörtliche Bibelaussage formuliert werden.
Gerade diese Unterscheidung bewahrt davor, mehr zu behaupten, als die Schrift selbst sagt. Die Bibel gibt genügend Hinweise, um Markus 13,32 im Zusammenhang der Menschwerdung zu verstehen. Gleichzeitig bleibt sie dort zurückhaltend, wo Gott keine ausdrückliche Erklärung gegeben hat.
Damit bleibt noch eine letzte Frage: Wie beantwortet das gesamte biblische Zeugnis den Einwand, Markus 13,32 widerlege die Gottheit Jesu? Dazu werden im nächsten Abschnitt alle bisherigen Beobachtungen zusammengeführt und mit weiteren Aussagen über die Gottheit Christi verglichen.
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Widerlegt Markus 13,32 die Gottheit Jesu?
Johannes 1,1 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott."
Johannes 1,1 – „1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott."
Johannes 8,58 – „58 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, bin ich!"
Johannes 10,30 – „30 Ich und der Vater sind eins."
Kolosser 2,9 – „9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig;"
Hebräer 1,3 – „3 welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat"
Nachdem alle wichtigen Beobachtungen betrachtet wurden, kann nun die eigentliche Frage beantwortet werden: Widerlegt Markus 13,32 die Gottheit Jesu? Das Gesamtzeugnis der Bibel führt zu einer klaren Antwort: Nein. Der Vers beschreibt eine Aussage Jesu während seiner freiwilligen Erniedrigung als Mensch. Er hebt jedoch nicht die zahlreichen Stellen auf, in denen das Neue Testament die volle Gottheit Christi eindeutig bezeugt.
Bereits das Johannesevangelium eröffnet mit den Worten:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Hier wird nicht gesagt, dass Jesus erst später göttlich wurde oder nur göttliche Eigenschaften besaß. Johannes bezeichnet den Sohn ausdrücklich als Gott. Gleichzeitig erklärt derselbe Evangelist wenig später, dass dieses göttliche Wort Fleisch wurde. Die Gottheit und die Menschwerdung stehen daher nicht im Gegensatz zueinander, sondern gehören untrennbar zusammen.
Auch Jesus selbst macht Aussagen, die weit über die Ansprüche eines gewöhnlichen Menschen hinausgehen. Als er sagt: „Ehe Abraham wurde, bin ich“, greift er die Selbstoffenbarung Gottes aus 2. Mose 3 auf. Seine Zuhörer verstanden diese Aussage als Anspruch göttlicher Identität, weshalb sie ihn steinigen wollten. Ebenso erklärt Jesus: „Ich und der Vater sind eins.“ Auch hier reagieren seine Gegner mit dem Vorwurf der Gotteslästerung, weil sie seine Worte als Anspruch auf Gleichheit mit Gott verstanden.
Der Apostel Paulus formuliert dieselbe Wahrheit mit anderen Worten:
„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“
Diese Aussage lässt kaum Raum für eine abgeschwächte Sicht der Person Christi. Paulus sagt nicht, dass Christus nur einen Teil göttlicher Eigenschaften besitzt oder Gott lediglich repräsentiert. Die ganze Fülle der Gottheit wohnt in ihm.
Der Hebräerbrief ergänzt dieses Zeugnis. Dort wird der Sohn als „Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens“ bezeichnet. Außerdem trägt er alle Dinge durch das Wort seiner Macht. Solche Aussagen gehören ausschließlich Gott. Dennoch berichtet derselbe Hebräerbrief auch, dass Christus litt, versucht wurde und Gehorsam lernte. Wieder begegnen beide Seiten nebeneinander: wahre Gottheit und wahre Menschheit.
Gerade deshalb entsteht kein Widerspruch zwischen Markus 13,32 und diesen Aussagen. Ein Widerspruch würde nur dann vorliegen, wenn Markus ausdrücklich sagen würde: „Der Sohn ist nicht Gott.“ Das sagt der Vers jedoch nicht. Er spricht ausschließlich davon, dass der Sohn den Tag und die Stunde nicht weiß. Aus einer Aussage über Wissen darf jedoch nicht automatisch eine Aussage über das Wesen einer Person gemacht werden.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Wenn ein König auf Reisen seine königlichen Vorrechte zeitweise nicht ausübt, hört er dadurch nicht auf, König zu sein. Sein Wesen bleibt unverändert, auch wenn sich die Art seines Auftretens verändert. Ebenso beschreibt das Neue Testament den Sohn Gottes während seiner Menschwerdung als den, der freiwillig den Weg des Gehorsams geht, ohne deshalb aufzuhören, der ewige Sohn Gottes zu sein. Dieses Beispiel dient lediglich der Veranschaulichung und ist keine vollständige Erklärung des Geheimnisses der Menschwerdung.
Damit lässt sich der häufige Einwand beantworten:
Explizite Aussage der Bibel:
Jesus sagt in Markus 13,32, dass der Sohn den Tag und die Stunde nicht weiß.
Explizite Aussagen der Bibel an anderer Stelle:
Jesus ist Gott, besitzt die Fülle der Gottheit, existierte vor aller Schöpfung und empfängt göttliche Anbetung.
Sichere Schlussfolgerung:
Markus 13,32 kann deshalb nicht als Widerlegung der Gottheit Jesu verstanden werden. Der Vers muss im Licht des gesamten biblischen Zeugnisses über die Person Christi ausgelegt werden.
Damit bleibt nur noch die abschließende Frage: Welche praktische Bedeutung hat diese Aussage für den Glauben und warum ist Markus 13,32 letztlich kein Angriff auf die Person Jesu, sondern eine Bestätigung seiner wirklichen Menschwerdung?
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Die praktische Bedeutung von Markus 13,32
Hebräer 4,15-16 – „15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!"
Hebräer 4,15-16 – „15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich [wie wir] versucht worden ist, doch ohne Sünde. 16 So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!"
Matthäus 24,42-44 – „42 So wachet nun, da ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer Herr kommt! 43 Das aber merket: wenn der Hausvater wüßte, in welcher Nachtstunde der Dieb käme, so würde er wohl wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. 44 Darum seid auch ihr bereit! Denn des Menschen Sohn kommt zu der Stunde, da ihr es nicht meinet."
Johannes 14,1-3 – „1 Euer Herz erschrecke nicht! Vertrauet auf Gott und vertrauet auf mich! 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wo nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. 3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß auch ihr seid, wo ich bin."
Die Frage nach Markus 13,32 ist nicht nur eine theologische Diskussion. Sie berührt das Herz des Evangeliums. Wenn Jesus wirklich Mensch wurde, dann konnte er unsere Schwachheit, unsere Versuchungen und unser Leid tatsächlich erfahren. Gerade deshalb kann er unser vollkommener Erlöser und Hoherpriester sein. Markus 13,32 erinnert uns daran, dass der Sohn Gottes nicht nur scheinbar Mensch wurde, sondern den Weg der Menschwerdung vollständig ging.
Der Hebräerbrief beschreibt diese Wahrheit mit großer Klarheit. Jesus wurde in allem versucht wie wir, jedoch ohne Sünde. Deshalb kann er mit unseren Schwachheiten mitfühlen. Wäre seine Menschheit nur eine äußere Hülle gewesen, hätte er den Menschen nicht wirklich vertreten können. Gerade seine freiwillige Erniedrigung macht das Erlösungswerk vollkommen.
Gleichzeitig lenkt Markus 13 den Blick auf das eigentliche Anliegen Jesu. Die Jünger sollen sich nicht in Berechnungen über den Zeitpunkt seiner Wiederkunft verlieren. Immer wieder ruft Jesus dazu auf:
„So wacht nun!“
Das Wissen über den genauen Tag würde den Glauben nicht stärken. Manche würden ihre Bekehrung bis kurz vor diesem Zeitpunkt aufschieben, andere würden in falscher Sicherheit leben. Deshalb hat Gott den Zeitpunkt verborgen gelassen. Das Ziel ist nicht Neugier, sondern ständige Bereitschaft.
Auch heute zeigt sich, wie aktuell diese Worte sind. Immer wieder haben Menschen versucht, den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi zu berechnen. Alle diese Versuche sind gescheitert. Markus 13 bestätigt, dass Gott diese Zeit bewusst nicht offenbart hat. Der Auftrag der Gemeinde besteht daher nicht darin, Kalender zu erstellen, sondern das Evangelium zu verkündigen und in der täglichen Nachfolge Christi zu leben.
Schließlich schenkt Jesus seinen Jüngern trotz der unbekannten Zeit eine feste Hoffnung. In Johannes 14 verheißt er:
„Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten … und ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen.“
Die Gewissheit der Wiederkunft hängt also nicht davon ab, dass wir ihren Zeitpunkt kennen. Sie gründet sich auf die Treue dessen, der sie versprochen hat. Der Christ lebt nicht aus Berechnung, sondern aus Vertrauen.
Damit ergibt sich das Gesamtbild:
Explizite Aussagen der Bibel:
Jesus sagt in Markus 13,32, dass der Sohn den Tag und die Stunde nicht weiß.
Die Bibel bezeugt an vielen anderen Stellen eindeutig die volle Gottheit Jesu.
Die Bibel bezeugt ebenso eindeutig seine wirkliche Menschwerdung.
Jesus fordert seine Nachfolger immer wieder zur Wachsamkeit statt zur Zeitberechnung auf.
Sichere Schlussfolgerungen:
Markus 13,32 widerspricht der Gottheit Jesu nicht.
Der Vers steht im Zusammenhang der freiwilligen Menschwerdung und des irdischen Dienstes Christi.
Das eigentliche Anliegen Jesu ist die Bereitschaft seiner Nachfolger, nicht die Offenbarung eines Datums.
Mögliche Schlussfolgerungen:
Dass Jesus den Zeitpunkt im Rahmen seiner freiwilligen Erniedrigung nicht wusste oder nicht offenbarte, wird aus dem Gesamtzeugnis der Schrift gut begründet, jedoch nicht ausdrücklich als Erklärung von Markus 13,32 formuliert.
Markus 13,32 ist deshalb kein Angriff auf die Gottheit Christi. Vielmehr zeigt der Vers das wunderbare Geheimnis der Menschwerdung: Der ewige Sohn Gottes wurde wahrer Mensch, lebte in vollkommenem Gehorsam gegenüber dem Vater und vollbrachte so das Erlösungswerk für die Menschheit. Gerade weil die Bibel sowohl seine Gottheit als auch seine Menschheit uneingeschränkt bezeugt, entsteht ein vollständiges und harmonisches Bild der Person Jesu.
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Zusammenfassung und Gebet
Markus 13,32 gehört zu den meistdiskutierten Aussagen Jesu. Auf den ersten Blick scheint der Vers ein ernstes Problem aufzuwerfen: Wenn Jesus wirklich Gott ist, warum sagt er dann, dass er den Tag seiner Wiederkunft nicht weiß? Eine sorgfältige Auslegung zeigt jedoch, dass dieser Einwand nur dann entsteht, wenn der Vers vom übrigen Zeugnis der Bibel getrennt betrachtet wird.
Der unmittelbare Zusammenhang macht deutlich, dass Jesus keine Lehrrede über seine Gottheit hält. Sein Ziel ist es, die Jünger zur Wachsamkeit aufzurufen. Statt den Zeitpunkt seiner Wiederkunft berechnen zu wollen, sollen sie jederzeit bereit sein. Markus 13,32 dient deshalb in erster Linie der Ermahnung zu einem treuen Leben.
Das Neue Testament bezeugt gleichzeitig zwei untrennbare Wahrheiten: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Der ewige Sohn Gottes wurde Fleisch und nahm freiwillig die Bedingungen eines wirklichen menschlichen Lebens auf sich. Er litt, wurde müde, lernte, betete und lebte in vollkommenem Gehorsam gegenüber dem Vater. Diese freiwillige Erniedrigung bedeutete jedoch nicht, dass er aufhörte, Gott zu sein.
Gleichzeitig zeigen zahlreiche Bibelstellen, dass Jesus über ein Wissen verfügte, das kein gewöhnlicher Mensch besitzen konnte. Er kannte die Gedanken der Menschen, wusste verborgene Dinge und wurde von seinen Jüngern als der erkannt, der „alles weiß“. Ebenso bezeugen Johannes, Paulus und der Hebräerbrief eindeutig seine Gottheit. Diese Aussagen dürfen nicht gegen Markus 13,32 ausgespielt werden, sondern müssen gemeinsam verstanden werden.
Das Gesamtzeugnis der Schrift führt deshalb zu einer ausgewogenen Schlussfolgerung:
Explizite Aussagen der Bibel:
Jesus sagt in Markus 13,32, dass der Sohn den Tag und die Stunde nicht weiß.
Die Bibel bezeugt eindeutig, dass Jesus Gott ist.
Die Bibel bezeugt ebenso eindeutig, dass Jesus wahrer Mensch wurde.
Nach seiner Auferstehung wird Christus als der verherrlichte Herr mit aller Macht und göttlicher Ehre dargestellt.
Sichere Schlussfolgerungen:
Markus 13,32 widerlegt die Gottheit Jesu nicht.
Der Vers muss im Zusammenhang der Menschwerdung und des irdischen Dienstes Christi verstanden werden.
Das eigentliche Anliegen Jesu besteht darin, seine Nachfolger zur Wachsamkeit und Treue aufzurufen.
Mögliche Schlussfolgerung:
Dass Jesus den Zeitpunkt im Rahmen seiner freiwilligen Erniedrigung nicht wusste oder ihn im Rahmen seiner Sendung nicht offenbarte, lässt sich gut aus dem Gesamtzeugnis der Schrift ableiten. Die Bibel formuliert diese Erklärung jedoch nicht ausdrücklich, weshalb sie als begründete Schlussfolgerung und nicht als wörtliche Aussage der Schrift bezeichnet werden sollte.
So bleibt das biblische Zeugnis in sich harmonisch. Markus 13,32 nimmt Christus nichts von seiner Gottheit. Vielmehr offenbart der Vers das tiefe Geheimnis der Menschwerdung: Der ewige Sohn Gottes erniedrigte sich freiwillig, lebte als gehorsamer Mensch unter den Menschen und vollbrachte das Erlösungswerk. Gerade dadurch wurde er der vollkommene Erlöser, der heute als der verherrlichte Herr zur Rechten des Vaters lebt und dessen Wiederkunft gewiss ist – auch wenn der genaue Zeitpunkt den Menschen verborgen bleibt.