Hohelied 7

Wie schön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürstentochter! Deine Lenden stehen gleich aneinander wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat.

13 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Wie schön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürstentochter! Deine Lenden stehen gleich aneinander wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat.
  2. 2 Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen, umsteckt mit Rosen.
  3. 3 Deine zwei Brüste sind wie zwei Rehzwillinge.
  4. 4 Dein Hals ist wie ein elfenbeinerner Turm. Deine Augen sind wie die Teiche zu Hesbon am Tor Bathrabbims. Deine Nase ist wie der Turm auf dem Libanon, der gen Damaskus sieht.
  5. 5 Dein Haupt steht auf dir wie der Karmel. Das Haar auf deinem Haupt ist wie der Purpur des Königs, in Falten gebunden.
  6. 6 Wie schön und wie lieblich bist du, du Liebe voller Wonne!
  7. 7 Dein Wuchs ist hoch wie ein Palmbaum und deine Brüste gleich den Weintrauben.
  8. 8 Ich sprach: Ich muß auf dem Palmbaum steigen und seine Zweige ergreifen. Laß deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und deiner Nase Duft wie Äpfel
  9. 9 und deinen Gaumen wie guter Wein, der meinem Freunde glatt eingeht und der Schläfer Lippen reden macht.
  10. 10 Mein Freund ist mein, und nach mir steht sein Verlangen.
  11. 11 Komm, mein Freund, laß uns aufs Feld hinausgehen und auf den Dörfern bleiben,
  12. 12 daß wir früh aufstehen zu den Weinbergen, daß wir sehen, ob der Weinstock sprosse und seine Blüten aufgehen, ob die Granatbäume blühen; da will ich dir meine Liebe geben.
  13. 13 Die Lilien geben den Geruch, und über unsrer Tür sind allerlei edle Früchte. Mein Freund, ich habe dir beide, heurige und vorjährige, behalten.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Hohenlied Kapitel 7 setzt den Dialog zwischen Braut und Bräutigam fort. Der Bräutigam beschreibt voller Bewunderung die Schönheit der Braut und hebt ihre Würde, Anmut und Einzigartigkeit hervor. Die Braut antwortet mit einer freiwilligen und liebevollen Hingabe und lädt den Geliebten ein, gemeinsam aufs Land zu gehen und die blühenden Weinberge zu betrachten.

Das Kapitel zeigt, dass wahre Liebe nicht auf Selbstsucht beruht, sondern auf gegenseitiger Wertschätzung, Treue und gemeinsamer Zukunft. Im geistlichen Sinn erinnert es daran, dass Gott sich an einem Leben freut, das Frucht bringt und ihm freiwillig gehört.

Historischer und kultureller Hintergrund

Die poetischen Bilder dieses Kapitels stammen aus der Welt des Alten Orients. Landwirtschaft, Weinberge, Palmen, Granatäpfel und kostbare Gewürze gehörten zum Alltag und galten als Zeichen von Fruchtbarkeit, Schönheit und Segen.

Die Beschreibung der Braut soll nicht einzelne Körperteile isoliert hervorheben, sondern ihre ganze Person als harmonisches und kostbares Werk Gottes darstellen. In der hebräischen Dichtung war diese Art der bildhaften Sprache ein Ausdruck höchster Wertschätzung.

Verse 1–5

Der Bräutigam beginnt:

„Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, du Fürstentochter!“

Er beginnt nicht mit ihrem Gesicht, sondern mit ihrem Gang. Das zeigt, dass er ihre ganze Erscheinung betrachtet.

Die Bezeichnung „Fürstentochter“ ist ein Ehrentitel. Ob sie tatsächlich königlicher Abstammung ist oder nicht, steht hier nicht im Mittelpunkt. Vielmehr beschreibt er ihren hohen Wert.

Es folgen zahlreiche Vergleiche:

  • ihre Füße,

  • ihre Gestalt,

  • ihre Augen,

  • ihr Hals,

  • ihr Haupt.

Für heutige Leser mögen manche Bilder ungewöhnlich erscheinen. Damals standen sie für Harmonie, Stärke, Würde und Schönheit.

Ein wichtiges Prinzip wird sichtbar:

Liebe sucht das Gute im anderen und spricht es aus.

Die Bibel fordert Christen immer wieder dazu auf, mit ihren Worten aufzubauen und zu ermutigen.

Verse 6–9

Der Bräutigam sagt:

„Wie schön und wie lieblich bist du, o Liebe voller Wonne!“

Dann vergleicht er die Braut mit einer Palme.

Die Palme besitzt mehrere Eigenschaften:

  • Sie wächst aufrecht.

  • Sie trägt Frucht.

  • Sie bleibt auch unter schwierigen Bedingungen bestehen.

  • Sie spendet Schatten.

In der Bibel wird der Gerechte ebenfalls mit einer Palme verglichen. In Psalm 92 heißt es:

„Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum“

Fruchtbarkeit bedeutet in der Bibel nicht nur Nachkommenschaft, sondern auch einen Charakter, der gute Werke hervorbringt.

Geistliche Bedeutung

Ein Leben mit Gott soll wachsen.

Jesus sagt in Johannes 15:

„Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“

Ein Baum lebt nicht für sich selbst. Seine Frucht dient anderen.

Ebenso soll der Christ durch Liebe, Geduld, Güte und Treue Gottes Wesen widerspiegeln.

Verse 10–13

Nun spricht die Braut:

„Ich bin meines Freundes, und nach mir steht sein Verlangen“

Das ist eine bemerkenswerte Aussage.

Früher sagte sie:

„Mein Freund ist mein, und ich bin sein“

Jetzt stellt sie sich zuerst unter seine Zugehörigkeit:

„Ich bin meines Freundes“

Das zeigt eine gereifte Liebe, die nicht zuerst fragt:

„Was bekomme ich?“

sondern:

„Wie kann ich mich hingeben?“

Wahre Liebe ist freiwillig und selbstlos.

Anschließend lädt sie ihn ein:

„Komm, mein Freund, lass uns aufs Feld hinausgehen“

Sie möchte Zeit mit ihm verbringen.

Sie spricht von:

  • Dörfern,

  • Weinbergen,

  • blühenden Reben,

  • Granatapfelbäumen.

Alles deutet auf Wachstum und Frucht hin.

Die blühenden Weinberge

Der Weinberg ist im Alten Testament häufig ein Bild für Gottes Volk oder für das geistliche Leben.

Die Braut möchte gemeinsam prüfen:

  • Sind die Reben gewachsen?

  • Blühen sie?

  • Tragen sie Frucht?

Auch jeder Christ sollte sich fragen:

  • Wachse ich geistlich?

  • Hat mein Charakter sich verändert?

  • Werden die Früchte des Geistes sichtbar?

Die Alraunen (Vers 13)

Es heißt:

„Die Alraunen geben Duft“

Alraunen waren im Altertum für ihren angenehmen Duft bekannt und wurden teilweise mit Fruchtbarkeit verbunden.

Der Schwerpunkt des Verses liegt jedoch nicht auf volkstümlichen Vorstellungen, sondern auf dem Bild eines Gartens voller Wohlgeruch und reicher Ernte.

Die Braut erklärt schließlich:

„Alle köstlichen Früchte habe ich für dich aufbewahrt“

Das zeigt:

Sie schenkt dem Geliebten das Beste.

Geistlich erinnert dies daran, dass Gott nicht die Reste unseres Lebens möchte, sondern unser ganzes Herz.

Geistliche Kernbotschaft

Hohenlied Kapitel 7 zeigt eine reife Liebe. Sie lebt von gegenseitiger Wertschätzung, freiwilliger Hingabe und gemeinsamer Fruchtbarkeit.

Die Beziehung entwickelt sich weiter. Es geht nicht mehr nur um Sehnsucht, sondern um gemeinsames Leben und gemeinsames Wachstum.

Für den Glauben bedeutet dies:

Gott möchte, dass sein Volk geistlich Frucht bringt. Ein Christ soll nicht stehen bleiben, sondern im Charakter wachsen und Gottes Liebe widerspiegeln.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  • Psalm 1: Der Gerechte ist wie ein Baum an Wasserbächen.

  • Psalm 92: Der Gerechte grünt wie ein Palmbaum.

  • Jesaja 5: Das Gleichnis vom Weinberg.

  • Johannes 15: Der Weinstock und die Reben.

  • Galater 5: Die Frucht des Geistes – Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Praktische Anwendung für heute

Hohenlied 7 lehrt, dass eine starke Beziehung nicht nur von Gefühlen lebt, sondern von täglicher Wertschätzung und gemeinsamer Entwicklung. Lob, Respekt und Zeit füreinander stärken die Liebe.

Für das geistliche Leben stellt das Kapitel die Frage:

  • Bringe ich Frucht für Gott?

  • Wächst mein Charakter?

  • Gebe ich Gott mein Bestes oder nur das, was übrig bleibt?

Die Braut bewahrt ihre besten Früchte für ihren Geliebten auf. Ebenso sind Christen aufgerufen, Gott nicht nur einen Teil ihres Lebens zu geben, sondern ihm mit ganzem Herzen zu dienen. Dadurch wird das Leben zu einem geistlichen „Garten“, der Gott ehrt und anderen zum Segen wird.