Ruth 4
Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst. Und siehe, da der Erbe vorüberging, von welchem er geredet hatte, sprach Boas: Komm und setze dich hierher! Und er kam und setzte sich.
22 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst. Und siehe, da der Erbe vorüberging, von welchem er geredet hatte, sprach Boas: Komm und setze dich hierher! Und er kam und setzte sich.
- 2 Und er nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch her! Und sie setzten sich.
- 3 Da sprach er zu dem Erben: Naemi, die vom Lande der Moabiter wiedergekommen ist, bietet feil das Stück Feld, das unsers Bruders war, Elimelechs.
- 4 Darum gedachte ich's vor deine Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es beerben, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volkes; willst du es aber nicht beerben, so sage mir's, daß ich's wisse. Denn es ist kein Erbe außer dir und ich nach dir. Er sprach: Ich will's beerben.
- 5 Boas sprach: Welches Tages du das Feld kaufst von der Hand Naemis, so mußt du auch Ruth, die Moabitin, des Verstorbenen Weib, nehmen, daß du dem Verstorbenen einen Namen erweckst auf seinem Erbteil.
- 6 Da sprach er: Ich vermag es nicht zu beerben, daß ich nicht vielleicht mein Erbteil verderbe. Beerbe du, was ich beerben soll; denn ich vermag es nicht zu beerben.
- 7 Und es war von alters her eine solche Gewohnheit in Israel: wenn einer ein Gut nicht beerben noch erkaufen wollte, auf daß eine Sache bestätigt würde, so zog er seinen Schuh aus und gab ihn dem andern; das war das Zeugnis in Israel.
- 8 Und der Erbe sprach zu Boas: Kaufe du es! und zog seinen Schuh aus.
- 9 Und Boas sprach zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß ich alles gekauft habe, was dem Elimelech, und alles, was Chiljon und Mahlon gehört hat, von der Hand Naemis;
- 10 dazu auch Ruth, die Moabitin, Mahlons Weib, habe ich mir erworben zum Weibe, daß ich dem Verstorbenen einen Namen erwecke auf sein Erbteil und sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seines Orts; Zeugen seid ihr des heute.
- 11 Und alles Volk, das im Tor war, samt den Ältesten sprachen: Wir sind Zeugen. Der HERR mache das Weib, das in dein Haus kommt, wie Rahel und Leah, die beide das Haus Israels gebaut haben; und wachse sehr in Ephratha und werde gepriesen zu Bethlehem.
- 12 Und dein Haus werde wie das Haus des Perez, den Thamar dem Juda gebar, von dem Samen, den dir der HERR geben wird von dieser Dirne.
- 13 Also nahm Boas die Ruth, daß sie sein Weib ward. Und da er zu ihr einging, gab ihr der HERR, daß sie schwanger ward und gebar einen Sohn.
- 14 Da sprachen die Weiber zu Naemi: Gelobt sei der HERR, der dir nicht hat lassen abgehen einen Erben zu dieser Zeit, daß sein Name in Israel bliebe.
- 15 Der wir dich erquicken und dein Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter, die dich geliebt hat, hat ihn geboren, welche dir besser ist als sieben Söhne.
- 16 Und Naemi nahm das Kind und legte es auf ihren Schoß und ward seine Wärterin.
- 17 Und ihre Nachbarinnen gaben ihm einen Namen und sprachen: Naemi ist ein Kind geboren; und hießen ihn Obed. Der ist der Vater Isais, welcher ist Davids Vater.
- 18 Dies ist das Geschlecht des Perez: Perez zeugte Hezron;
- 19 Hezron zeugte Ram; Ram zeugte Amminadab;
- 20 Amminadab zeugte Nahesson; Nahesson zeugte Salma;
- 21 Salma zeugte Boas; Boas zeugte Obed;
- 22 Obed zeugte Isai; Isai zeugte David.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Ruth Kapitel 4 beendet die Geschichte der Erlösung von Ruth und Noomi. Boas geht zum Stadttor, um die Angelegenheit rechtlich zu klären. Der nähere Verwandte verzichtet auf sein Lösungsrecht, und Boas übernimmt offiziell die Rolle des Erlösers. Er heiratet Ruth, und Gott schenkt ihnen einen Sohn namens Obed.
Am Ende wird deutlich, dass diese scheinbar kleine Familiengeschichte Teil von Gottes großem Erlösungsplan ist. Obed wird der Großvater von König David und gehört damit zur Linie des kommenden Messias.
Das Kapitel zeigt Gottes Treue, Wiederherstellung und Erlösung.
Historischer und kultureller Hintergrund
Das Stadttor war im alten Israel der Ort für öffentliche Entscheidungen und rechtliche Angelegenheiten. Dort saßen die Ältesten, dort wurden Verträge bestätigt und Streitfälle geregelt.
Der „Löser“ oder „Goel“ hatte die Aufgabe:
Familienbesitz zu bewahren
Witwen zu schützen
den Namen der Familie zu erhalten
Diese Ordnung zeigte Gottes Fürsorge für Familie, Erbe und Gerechtigkeit.
Die Handlung in Ruth 4 geschieht deshalb nicht heimlich oder emotional-chaotisch, sondern öffentlich, rechtlich und ordentlich.
Verse 1–2
Boas geht früh zum Stadttor.
Das zeigt:
Er handelt sofort.
Noomi hatte in Kapitel 3 gesagt:
„Der Mann wird nicht ruhen“
Genau das geschieht.
Boas setzt sich ans Tor und wartet auf den näheren Verwandten.
Dann versammelt er zehn Älteste als Zeugen.
Alles geschieht transparent und nach Gottes Ordnung.
Geistliche Bedeutung
Der Erlöser handelt entschlossen.
Boas wartet nicht passiv.
Ebenso zögert Gott nicht mit seiner Rettung.
Die Bibel zeigt:
Gott arbeitet zielgerichtet auf Erlösung hin.
Verse 3–6
Boas erklärt die Situation.
Zunächst geht es um das Feld Elimelechs.
Der nähere Verwandte sagt sofort:
„Ich will's lösen“
Doch dann erklärt Boas:
Wer das Land löst, muss auch Ruth aufnehmen, um den Namen des Verstorbenen zu erhalten.
Jetzt zieht sich der nähere Verwandte zurück.
Warum?
Weil Erlösung Opfer kostet.
Er fürchtet offenbar wirtschaftliche Nachteile.
Das ist geistlich tief bedeutend.
Der nähere Verwandte als Bild
Der namenlose Verwandte wird in vielen Auslegungen als Bild menschlicher Begrenztheit verstanden.
Er hatte zwar theoretisch das Recht,
aber nicht die Bereitschaft, den Preis zu tragen.
Das Gesetz allein kann den Menschen nicht endgültig erlösen.
Es braucht einen willigen Erlöser.
Boas dagegen ist bereit zu handeln.
Christus als wahrer Erlöser
Hier wird das Bild auf Christus besonders stark.
Jesus war:
nahe verwandt durch seine Menschwerdung
fähig zu erlösen
bereit, den Preis zu bezahlen
Viele wollen Rettung ohne Opfer.
Doch wahre Erlösung kostete Christus alles.
Boas übernimmt freiwillig Verantwortung.
Christus tat dasselbe am Kreuz.
Verse 7–10
Der nähere Verwandte zieht seinen Schuh aus und bestätigt damit öffentlich den Verzicht.
Dieser Brauch symbolisierte die Übertragung des Lösungsrechts.
Dann erklärt Boas öffentlich:
„Ihr seid heute Zeugen“
Er nimmt Ruth zur Frau und übernimmt die Verantwortung für das Haus Elimelechs.
Das ist wichtig:
Ruth wird nicht nur geduldet.
Sie wird vollständig aufgenommen.
Die ehemalige moabitische Fremde erhält nun:
Schutz
Heimat
Namen
Zukunft
Erbe
Das ist ein wunderschönes Bild des Evangeliums.
Der Sünder wird nicht nur knapp gerettet.
Er wird angenommen und Teil von Gottes Familie.
Verse 11–12
Das Volk und die Ältesten segnen Boas und Ruth.
Sie erwähnen:
Rahel
Lea
Tamar
Das ist interessant.
Besonders Tamar erinnert ebenfalls an eine schwierige Familiengeschichte, durch die Gott trotzdem seinen Plan weiterführte.
Die Bibel verschweigt nicht die Fehler und Zerbrüche menschlicher Geschichte.
Und doch schreibt Gott Erlösung hinein.
Verse 13
Dann heißt es:
„Der HERR gab ihr, daß sie schwanger ward“
Die Geburt wird ausdrücklich Gott zugeschrieben.
Kinder galten in Israel als Gabe Gottes.
Nach all der Leere aus Kapitel 1 bringt Gott neues Leben hervor.
Noomis Wiederherstellung
Kapitel 1 begann mit:
Hunger
Tod
Bitterkeit
Leere
Kapitel 4 endet mit:
Versorgung
Ehe
Kind
Hoffnung
Zukunft
Das zeigt Gottes Wiederherstellungskraft.
Noomi dachte:
„Ich ging voll aus und leer hat mich der HERR wieder heimgebracht“
Doch Gott war nie fertig mit ihr.
Verse 14–17
Die Frauen sagen zu Noomi:
„Gelobt sei der HERR“
Dann nennen sie Obed einen:
Tröster
Versorger
Erhalter des Lebens
Noomi nimmt das Kind auf ihren Schoß.
Die ehemals bittere und gebrochene Frau erlebt neue Hoffnung.
Besonders stark:
Die Frauen sagen über Ruth:
„die dich liebt“
Ruth blieb treu, obwohl sie keinerlei Verpflichtung gehabt hätte.
Die Linie Davids
Dann kommt die große Überraschung:
Obed wird der Vater Isais,
und Isai wird der Vater Davids.
Damit wird klar:
Das ganze Buch bereitete die königliche Linie vor.
Und noch weiter:
Aus Davids Linie kommt später Jesus Christus.
Eine arme moabitische Witwe wird Teil der Messiaslinie.
Das zeigt Gottes Gnade gewaltig.
Prophetische Bedeutung
Das Buch Ruth ist voller Hinweise auf den Erlösungsplan Gottes.
Ruth:
die fremde, hilflose Frau
Boas:
der gnädige Erlöser
Die Hochzeit:
Bild der Annahme und Erlösung
Die Linie Davids:
Hinweis auf den kommenden Messias
Gott nimmt Menschen aus allen Nationen auf, die ihm im Glauben vertrauen.
Geistliche Kernbotschaft
Gott schreibt Erlösungsgeschichte selbst durch Leid, Verlust und scheinbar unbedeutende Menschen.
Das Buch beginnt mit Tod und endet mit Leben.
Es zeigt:
Gottes Vorsehung
Gottes Gnade
Gottes Treue
Gottes Erlösung
Und es zeigt:
Niemand ist zu fern oder zu zerbrochen, um durch Gottes Gnade aufgenommen zu werden.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Zur Erlösung:
Jesaja 43,1
Hiob 19,25
Zur Linie Davids:
2. Samuel 7
Matthäus 1
Zur Aufnahme der Nationen:
Jesaja 49,6
Epheser 2
Praktische Anwendung für heute
Viele Menschen glauben, ihr Leben sei:
zu zerbrochen
zu bedeutungslos
zu spät
zu voller Fehler
Doch Ruth zeigt:
Gott kann selbst aus schwerem Leid einen Teil seines großen Plans machen.
Außerdem zeigt das Buch:
Treue in kleinen Entscheidungen hat große Auswirkungen.
Ruth wusste nie, dass sie Teil der Messiaslinie werden würde.
Sie entschied sich einfach täglich für Treue und Glauben.
Das gilt auch heute.
Wichtige Lektionen und Warnungen
Gottes Führung geschieht oft verborgen.
Erlösung kostet einen Preis.
Wahre Liebe übernimmt Verantwortung.
Gott kann Bitterkeit in Hoffnung verwandeln.
Fremde können durch Glauben Teil von Gottes Volk werden.
Gottes Plan geht weit über das hinaus, was Menschen sehen.
Treue in kleinen Dingen kann ewige Auswirkungen haben.