Psalmen 98

Ein Psalm. Singet dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder. Er siegt mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

9 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Ein Psalm. Singet dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder. Er siegt mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
  2. 2 Der HERR läßt sein Heil verkündigen; vor den Völkern läßt er seine Gerechtigkeit offenbaren.
  3. 3 Er gedenkt an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unsers Gottes.
  4. 4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt; singet, rühmet und lobet!
  5. 5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und Psalmen!
  6. 6 Mit Drommeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
  7. 7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen.
  8. 8 Die Wasserströme frohlocken, und alle Berge seien fröhlich
  9. 9 vor dem HERRN; denn er kommt das Erdreich zu richten. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Psalm 98 ist ein Jubelpsalm über Gottes Erlösung, seine Gerechtigkeit und seine kommende Herrschaft. Der Psalm ruft die ganze Erde auf, dem Herrn ein neues Lied zu singen, weil er große Taten vollbracht hat. Im Mittelpunkt stehen Gottes Rettung, seine Treue zu seinen Verheißungen und die Gewissheit, dass er die Welt gerecht richten wird.

Der Psalm beginnt mit Gottes bereits vollbrachtem Heil, weitet den Blick dann auf alle Völker aus und endet mit einem Ausblick auf das kommende Gericht. Die Schöpfung selbst wird aufgefordert, sich über das Kommen ihres Schöpfers zu freuen.

Historischer und geistlicher Hintergrund

Der Verfasser wird nicht genannt. Inhaltlich erinnert der Psalm an die großen Erlösungstaten Gottes für Israel, besonders an den Auszug aus Ägypten. Gleichzeitig geht die Botschaft weit darüber hinaus.

Mehrfach wird betont, dass Gottes Heil vor den Augen aller Nationen offenbart wird. Das weist auf Gottes universalen Heilsplan hin. Was zunächst Israel anvertraut wurde, sollte letztlich der ganzen Welt bekannt werden.

Der Psalm blickt zudem prophetisch auf die Zeit, in der Gottes Herrschaft vollständig sichtbar werden wird.

Verse 1–3: Ein neues Lied für Gottes Erlösung

„Singet dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder“

Ein neues Lied entsteht in der Bibel oft dann, wenn Gott auf besondere Weise handelt. Es geht nicht in erster Linie um neue Musik, sondern um neue Erfahrungen mit Gottes Gnade und Macht.

Der Grund für das Lob wird sofort genannt:

„Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm“

Der „Arm des Herrn“ ist in der Bibel ein Bild für Gottes Macht und sein Eingreifen.

Menschen retten sich nicht selbst.

Israel konnte sich nicht aus Ägypten befreien.

Der Sünder kann sich nicht selbst erlösen.

Gott ist der Handelnde.

Vers 2 sagt:

„Der HERR lässt sein Heil verkündigen“

Das Heil Gottes ist keine geheime Botschaft für wenige Auserwählte. Gott offenbart seinen Rettungsplan öffentlich.

Im Neuen Testament sehen wir die größte Erfüllung dieses Gedankens im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi.

Vers 3 erinnert an Gottes Bundestreue:

„Er gedenkt an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel“

Gott vergisst seine Verheißungen niemals.

Menschen vergessen.

Menschen brechen Versprechen.

Gott bleibt treu.

Selbst wenn Jahrhunderte vergehen, erfüllt er seine Zusagen.

Verse 4–6: Die ganze Erde soll jubeln

„Jauchzet dem HERRN, alle Welt!“

Nun wird der Blick von Israel auf die ganze Menschheit erweitert.

Die Anbetung Gottes ist nicht auf ein Volk beschränkt.

Der Schöpfer der Welt verdient die Anbetung der gesamten Welt.

Die genannten Instrumente zeigen, dass Lobpreis freudig und kraftvoll sein darf:

  • Harfen

  • Trompeten

  • Posaunen

Im Alten Testament wurden Trompeten oft bei besonderen Ereignissen eingesetzt:

  • bei Festen

  • bei wichtigen Versammlungen

  • bei königlichen Ankündigungen

  • bei militärischen Signalen

Hier verkünden sie die Herrschaft des Königs.

„Vor dem HERRN, dem König“

Diese Bezeichnung ist bedeutsam.

Gott ist nicht nur Retter.

Er ist auch König.

Viele Menschen wünschen sich einen Retter, möchten aber keinen Herrscher über ihr Leben. Die Bibel trennt beides nicht.

Verse 7–9: Die Schöpfung freut sich auf das Kommen des Königs

Nun wird die gesamte Natur in den Lobpreis einbezogen.

„Das Meer brause“

„Die Ströme sollen frohlocken“

„Alle Berge seien fröhlich“

Natürlich besitzen Berge und Flüsse kein Bewusstsein wie Menschen. Der Psalm verwendet eine poetische Sprache, um zu zeigen, dass die gesamte Schöpfung von Gottes kommender Herrschaft profitieren wird.

Seit dem Sündenfall leidet nicht nur der Mensch.

Auch die Natur trägt die Folgen der Sünde:

  • Krankheit

  • Tod

  • Naturkatastrophen

  • Zerstörung

Deshalb wird die Schöpfung bei der endgültigen Wiederherstellung jubeln.

Dieser Gedanke wird später in Römer 8,19–22 wieder aufgegriffen.

Vers 9 nennt den Grund der Freude:

„Denn er kommt, das Erdreich zu richten“

Viele Menschen erschrecken beim Gedanken an Gericht.

Doch für diejenigen, die Gott lieben, ist sein Gericht eine gute Nachricht.

Warum?

Weil Gottes Gericht bedeutet:

  • Das Böse wird beendet.

  • Ungerechtigkeit wird beseitigt.

  • Wahrheit wird aufgerichtet.

  • Gottes Reich wird sichtbar.

Die Welt kennt keine vollkommen gerechte Regierung.

Jede menschliche Regierung hat Fehler.

Gottes Herrschaft dagegen ist vollkommen.

Der Psalm endet mit den Worten:

„Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht“

Gott richtet niemals unfair.

Er kennt jede Tat.

Jeden Gedanken.

Jedes Motiv.

Sein Urteil wird vollkommen gerecht sein.

Prophetische Bedeutung

Psalm 98 weist über die damalige Zeit hinaus.

Die Aussagen über Gottes Heil, das allen Nationen bekannt wird, finden ihre große Erfüllung im Evangelium.

Die Aussagen über sein Kommen und sein Gericht weisen auf die endgültige Vollendung der Heilsgeschichte hin.

Die Bibel beschreibt eine Zeit, in der Christus wiederkommen wird, um:

  • sein Volk zu erlösen

  • die Sünde zu beseitigen

  • Gerechtigkeit aufzurichten

  • sein ewiges Reich zu vollenden

Deshalb verbindet Psalm 98 Freude und Gericht miteinander.

Für die Treuen Gottes gehören diese beiden Dinge zusammen.

Geistliche Kernbotschaft

Gott hat Rettung geschaffen, nicht der Mensch.

Sein Heil soll allen Völkern verkündet werden.

Seine Treue zu seinen Verheißungen ist vollkommen.

Der Herr ist König über die ganze Erde.

Sein kommendes Gericht ist für die Gläubigen Grund zur Freude, weil dadurch das Böse endgültig überwunden wird.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Die Erlösung durch Gottes Macht erinnert an 2. Mose 15, wo Israel nach dem Durchzug durch das Rote Meer singt.

Die Treue Gottes zu seinem Bund findet sich in 1. Mose 12,1–3 und 5. Mose 7,9.

Die weltweite Verkündigung des Heils wird in Matthäus 24,14 und 28,19–20 aufgegriffen.

Die jubelnde Schöpfung erscheint erneut in Römer 8,19–22.

Das gerechte Gericht Gottes wird ausführlich beschrieben in Daniel 7 sowie in Offenbarung 14 und 20.

Praktische Anwendung für heute

Psalm 98 erinnert uns daran, dass Lobpreis nicht nur eine Reaktion auf angenehme Umstände ist. Er entsteht vor allem aus dem Bewusstsein dessen, was Gott getan hat.

Die Fragen dieses Psalms lauten:

Freue ich mich über Gottes Erlösung?

Vertraue ich auf Gottes Treue, auch wenn ich seine Führung nicht vollständig verstehe?

Bin ich bereit, Gottes Heil anderen Menschen bekannt zu machen?

Sehe ich das kommende Gericht als Hoffnung oder als Bedrohung?

Lebe ich heute unter der Herrschaft des Königs, dessen Reich bald vollständig sichtbar werden wird?

Wichtige Lektionen und Warnungen

Gottes Rettung ist sein Werk, nicht das Werk des Menschen.

Gott hält seine Verheißungen zuverlässig ein.

Anbetung soll von Freude, Ehrfurcht und Dankbarkeit geprägt sein.

Das Evangelium ist für alle Menschen bestimmt.

Die gesamte Schöpfung wartet auf die endgültige Wiederherstellung.

Gottes Gericht ist vollkommen gerecht und für die Treuen eine Hoffnung.

Psalm 98 lädt uns ein, schon heute das neue Lied der Erlösung zu singen und mit Freude auf den Tag zu blicken, an dem der König sichtbar über die ganze Erde herrschen wird.