Psalmen 135
Halleluja! Lobet den Namen des HERRN, lobet, ihr Knechte des HERRN,
21 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Halleluja! Lobet den Namen des HERRN, lobet, ihr Knechte des HERRN,
- 2 die ihr stehet im Hause des HERRN, in den Höfen des Hauses unsers Gottes!
- 3 Lobet den HERRN, denn der HERR ist freundlich; lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich!
- 4 Denn der HERR hat sich Jakob erwählt, Israel zu seinem Eigentum.
- 5 Denn ich weiß, daß der HERR groß ist und unser HERR vor allen Göttern.
- 6 Alles, was er will, das tut er, im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen;
- 7 der die Wolken läßt aufsteigen vom Ende der Erde, der die Blitze samt dem Regen macht, der den Wind aus seinen Vorratskammern kommen läßt;
- 8 der die Erstgeburten schlug in Ägypten, beider, der Menschen und des Viehes,
- 9 und ließ Zeichen und Wunder kommen über dich, Ägyptenland, über Pharao und alle seine Knechte;
- 10 der viele Völker schlug und tötete mächtige Könige:
- 11 Sihon, der Amoriter König, und Og, den König von Basan, und alle Königreiche in Kanaan;
- 12 und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe seinem Volk Israel.
- 13 HERR, dein Name währet ewiglich; dein Gedächtnis, HERR, währet für und für.
- 14 Denn der HERR wird sein Volk richten und seinen Knechten gnädig sein.
- 15 Der Heiden Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht.
- 16 Sie haben Mäuler, und reden nicht; sie haben Augen, und sehen nicht;
- 17 sie haben Ohren, und hören nicht; auch ist kein Odem in ihrem Munde.
- 18 Die solche machen, sind gleich also, alle, die auf solche hoffen.
- 19 Das Haus Israel lobe den HERRN! Lobet den HERRN, ihr vom Hause Aaron!
- 20 Ihr vom Hause Levi, lobet den HERRN! Die ihr den HERRN fürchtet, lobet den HERRN!
- 21 Gelobet sei der HERR aus Zion, der zu Jerusalem wohnt! Halleluja!
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Psalm 135 ist ein Aufruf zum Lob Gottes. Der Psalm preist den Herrn wegen seiner Größe, seiner Macht in der Schöpfung, seiner Führung Israels und seiner Treue in der Geschichte. Gleichzeitig stellt er den lebendigen Gott den toten Götzen gegenüber und zeigt die Torheit des Götzendienstes. Der Psalm endet mit einem Aufruf an das ganze Volk Gottes, den Herrn zu preisen.
Historischer Hintergrund
Der Verfasser wird nicht genannt. Viele Gedanken aus diesem Psalm erinnern an frühere Psalmen und an das Lied Moses. Er wurde wahrscheinlich im Tempeldienst verwendet. Die Priester und Leviten werden besonders angesprochen, aber am Ende wird das ganze Volk zum Lob Gottes aufgerufen.
Israel lebte inmitten von Völkern, die viele Götter verehrten. Baal, Aschera, Marduk und andere Gottheiten wurden als mächtige Wesen angesehen. Psalm 135 macht deutlich, dass diese Götzen nichts sind und dass allein der Herr der wahre Gott ist.
Verse 1–4: Aufruf zum Lob
„Halleluja! Lobet den Namen des HERRN; lobet, ihr Knechte des HERRN“
Lob beginnt mit Gott selbst. Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt, sondern der Herr.
„Die ihr stehet im Hause des HERRN“
Zunächst sind die Priester und Leviten gemeint, aber letztlich sind alle Gläubigen aufgerufen, Gott zu preisen.
„Lobet den HERRN; denn der HERR ist freundlich“
Gott wird nicht gelobt, weil Menschen sich danach fühlen, sondern weil er würdig ist.
Vers 4 erinnert daran, dass Gott Israel erwählt hat.
Diese Erwählung war kein Zeichen menschlicher Überlegenheit, sondern Ausdruck von Gottes Gnade und seines Erlösungsplans.
Auch heute beruft Gott Menschen nicht wegen ihrer eigenen Verdienste, sondern aus Liebe und Gnade.
Verse 5–7: Gottes Macht in der Schöpfung
„Denn ich weiß, daß der HERR groß ist“
Der Psalmist spricht nicht von Vermutungen, sondern von Gewissheit.
Gott steht über allen sogenannten Göttern.
„Alles, was er will, das tut er“
Das bedeutet nicht Willkür, sondern dass Gottes Macht unbegrenzt ist.
Er herrscht über:
Himmel und Erde,
Meere und Tiefen,
Wolken und Regen,
Blitz und Wind.
Die Naturkräfte sind keine unabhängigen Mächte. Sie stehen unter Gottes Herrschaft.
Die moderne Wissenschaft erkennt immer mehr die Ordnung und Feinabstimmung des Universums. Die Bibel führt diese Ordnung auf den Schöpfer zurück.
Verse 8–14: Gottes Wirken in der Geschichte
Der Psalm erinnert an den Auszug aus Ägypten.
Gott schlug die Erstgeburt Ägyptens und führte Israel mit starker Hand heraus.
Er besiegte mächtige Könige wie:
Sihon, den König der Amoriter,
Og, den König von Basan.
Menschlich betrachtet war Israel schwach. Aber Gott kämpfte für sein Volk.
„Denn der HERR wird sein Volk richten und über seine Knechte sich erbarmen“
Gott vergisst sein Volk nicht. Er ist gerecht und barmherzig.
Dies gilt auch heute. Gottes Gemeinde mag schwach erscheinen, aber seine Verheißungen bleiben bestehen.
Verse 15–18: Die Nichtigkeit der Götzen
„Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht“
Hier zeigt der Psalm die Absurdität des Götzendienstes.
Die Götzen haben:
Münder, aber sie reden nicht,
Augen, aber sie sehen nicht,
Ohren, aber sie hören nicht.
Sie besitzen keine Lebenskraft.
„Die solche machen, sind ihnen gleich“
Der Mensch wird dem ähnlich, was er anbetet.
Wer materielle Dinge, Macht oder Menschen vergöttert, wird geistlich blind.
Wer Gott anbetet, wird durch den Heiligen Geist verändert.
Dieses Prinzip gilt bis heute.
Ein Götze ist nicht nur eine Statue. Alles, was den Platz Gottes im Herzen einnimmt, kann zum Götzen werden:
Geld,
Karriere,
Ruhm,
Vergnügen,
Menschen,
Ideologien,
sogar das eigene Ich.
Verse 19–21: Der abschließende Lobpreis
Der Psalm endet mit einem Aufruf an verschiedene Gruppen:
„Haus Israel“
„Haus Aaron“
„Haus Levi“
„Die ihr den HERRN fürchtet“
Alle sollen den Herrn loben.
„Gelobt sei der HERR aus Zion“
Zion war der Ort der Anbetung und ein Symbol für Gottes Gegenwart.
Lobpreis ist die angemessene Antwort auf Gottes Größe, seine Erlösung und seine Treue.
Geistliche Bedeutung
Psalm 135 stellt zwei Wege gegenüber:
Den lebendigen Gott und die toten Götzen.
Der wahre Gott:
schafft,
hört,
spricht,
handelt,
rettet,
liebt.
Die Götzen:
können nichts hören,
nichts sehen,
nichts tun.
Der Mensch wurde geschaffen, um Gott anzubeten. Wenn er Gott ablehnt, ersetzt er ihn oft durch andere Dinge.
Der Psalm erinnert daran, dass Gott nicht nur Schöpfer, sondern auch Erlöser ist.
Letztlich weist die Geschichte Israels auf die größere Erlösung durch Jesus Christus hin, der sein Volk aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Mose 12–14 beschreibt den Auszug aus Ägypten.
Psalm 115 enthält ähnliche Aussagen über die Götzen.
Jesaja 44 verspottet die Torheit des Götzendienstes.
Johannes 17,3 erklärt:
„Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“
Johannes 5,21 endet mit der Warnung:
„Kindlein, hütet euch vor den Abgöttern!“
Praktische Anwendung
Gott verdient Lob, unabhängig von den Umständen.
Die Geschichte zeigt, dass Gott treu ist und seine Verheißungen erfüllt.
Menschen werden durch das geprägt, was sie anbeten.
Jeder Christ sollte sich fragen:
Was nimmt den ersten Platz in meinem Leben ein?
Vertraue ich Gott oder den Dingen dieser Welt?
Suche ich meine Sicherheit in Gott oder in Menschen?
Wahre Erfüllung findet sich nur im lebendigen Gott.
Wichtige Lektionen
Gott allein ist groß und würdig, angebetet zu werden.
Er herrscht über die Schöpfung und die Geschichte.
Götzen sind machtlos und können den Menschen nicht retten.
Der Mensch wird dem ähnlich, was er anbetet.
Gott bleibt seinem Volk treu und erbarmt sich über seine Kinder.
Psalm 135 ruft dazu auf, den Blick von allem Geschaffenen auf den Schöpfer zu richten. Während die Götzen dieser Welt letztlich leer und vergänglich sind, lebt und regiert der Herr ewig. Er handelt, er hört, er rettet und er ist würdig, von seinem Volk gepriesen zu werden. „Halleluja!“ ist deshalb nicht nur das Ende des Psalms, sondern die angemessene Antwort auf Gottes Wesen und sein Handeln.