Psalmen 122
Ein Lied Davids im höhern Chor. Ich freute mich über die, so mir sagten: Laßt uns ins Haus des HERRN gehen!
9 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Ein Lied Davids im höhern Chor. Ich freute mich über die, so mir sagten: Laßt uns ins Haus des HERRN gehen!
- 2 Unsre Füße stehen in deinen Toren, Jerusalem.
- 3 Jerusalem ist gebaut, daß es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll,
- 4 da die Stämme hinaufgehen, die Stämme des HERRN, wie geboten ist dem Volk Israel, zu danken dem Namen des Herrn.
- 5 Denn daselbst sind Stühle zum Gericht, die Stühle des Hauses David.
- 6 Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben!
- 7 Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!
- 8 Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.
- 9 Um des Hauses willen des HERRN, unsers Gottes, will ich dein Bestes suchen.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Psalm 122 ist ein Wallfahrtslied Davids und drückt die Freude aus, zum Haus des Herrn zu gehen. Der Psalmist freut sich über Jerusalem, die Stadt, die Gott erwählt hatte, und ruft zum Gebet für ihren Frieden auf. Gleichzeitig weist der Psalm über das irdische Jerusalem hinaus auf die Gemeinschaft mit Gott und auf das zukünftige himmlische Jerusalem hin. Er zeigt, dass wahre Freude darin besteht, in der Gegenwart Gottes zu leben und Gemeinschaft mit seinem Volk zu haben.
Historischer Hintergrund
Psalm 122 gehört zu den Wallfahrtsliedern (Psalm 120–134), die von den Israeliten auf dem Weg zu den jährlichen Festen gesungen wurden. Jerusalem lag auf einer Anhöhe, weshalb man immer „hinaufzog“.
David hatte Jerusalem zur Hauptstadt Israels gemacht und die Bundeslade dorthin gebracht. Sein Sohn Salomo baute später den Tempel. Jerusalem wurde zum religiösen Zentrum des Volkes Gottes.
Doch die eigentliche Bedeutung Jerusalems lag nicht in seinen Mauern oder Gebäuden, sondern darin, dass Gott dort seinen Namen wohnen ließ und sein Volk zur Anbetung zusammenkam.
Verse 1–2
„Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasst uns ziehen zum Hause des HERRN!“
David empfand Freude an der Anbetung Gottes.
Er sagte nicht:
„Ich muss zum Haus des Herrn gehen“
Sondern:
„Ich freute mich“
Wahre Anbetung entsteht nicht aus Zwang, sondern aus Liebe zu Gott.
„Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem“
Nach der Reise hatten die Pilger ihr Ziel erreicht. Sie standen in der Stadt, die Gott erwählt hatte.
Für Christen erinnert dies daran, dass auch sie auf einer Reise sind. Die endgültige Heimat liegt nicht hier, sondern im Reich Gottes.
Verse 3–5
„Jerusalem ist gebaut, dass es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll“
Jerusalem war Mittelpunkt der Einheit Israels.
Dort kamen die Stämme zusammen, um Gott anzubeten.
„Dahin die Stämme hinaufgehen, die Stämme des HERRN“
Trotz ihrer Unterschiede waren sie ein Volk.
Auch heute möchte Gott Einheit unter seinem Volk. Diese Einheit basiert nicht auf menschlichen Traditionen oder Kompromissen, sondern auf der Wahrheit und auf Christus.
„Denn daselbst sind Stühle zum Gericht, die Stühle des Hauses David“
Jerusalem war nicht nur ein Ort der Anbetung, sondern auch der Gerechtigkeit.
Dies weist prophetisch auf Christus hin, den Sohn Davids, der gerecht richtet.
Verse 6–9
„Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!“
Der Frieden Jerusalems war für Israel von großer Bedeutung.
Doch dieser Vers sollte nicht nur politisch verstanden werden. Das hebräische Wort „Schalom“ bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es umfasst:
Frieden,
Wohlergehen,
Ganzheit,
Harmonie mit Gott.
„Es müsse Friede sein in deinen Mauern“
Der tiefste Friede kommt nicht durch menschliche Bündnisse, sondern durch die Versöhnung mit Gott.
Jesus wird in Jesaja 9,5 der „Friedefürst“ genannt.
„Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen“
David liebte Jerusalem nicht wegen seines Ruhmes oder seiner Schönheit, sondern wegen der Gegenwart Gottes.
Geistliche Bedeutung
Im Neuen Testament verschiebt sich der Schwerpunkt vom irdischen Jerusalem auf das himmlische Jerusalem.
Hebräer 12,22 spricht von:
„dem himmlischen Jerusalem“
Offenbarung 21 beschreibt das neue Jerusalem, das von Gott aus dem Himmel herabkommt.
Das eigentliche Ziel des Glaubens ist nicht eine irdische Stadt, sondern die ewige Gemeinschaft mit Gott.
Die Pilgerreise Israels nach Jerusalem ist ein Bild für den Weg des Gläubigen durch diese Welt zum himmlischen Reich.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Psalm 84 beschreibt die Sehnsucht nach Gottes Haus.
Jesaja 2,2–3 spricht davon, dass viele Völker zum Berg des Herrn kommen werden.
Jesaja 9,5 bezeichnet den Messias als Friedefürsten.
Johannes 14,27 enthält Jesu Worte:
„Meinen Frieden gebe ich euch“
Hebräer 12,22 spricht vom himmlischen Jerusalem.
Offenbarung 21 beschreibt die neue Erde und das neue Jerusalem.
Praktische Anwendung
Psalm 122 stellt eine wichtige Frage:
Freue ich mich über die Gemeinschaft mit Gott?
Für David war die Anbetung kein lästiges Pflichtprogramm. Er freute sich darauf.
Auch heute besteht die Gefahr, geistliche Dinge als Gewohnheit oder Last zu betrachten. Doch Gott möchte eine Beziehung, die aus Liebe entsteht.
Der Psalm erinnert außerdem daran, dass Gottes Volk nicht zur Isolation berufen ist. Gemeinschaft mit anderen Gläubigen ist wichtig.
Ebenso erinnert er daran, dass Christen Friedensstifter sein sollen. Sie sollen für Frieden beten und ihn fördern.
Letztlich weist Psalm 122 über das irdische Jerusalem hinaus. Wir leben als Pilger in dieser Welt. Unsere Hoffnung richtet sich auf das neue Jerusalem, wo Sünde, Leid und Tod ein Ende haben werden.
So wie sich die Pilger freuten, die Tore Jerusalems zu erreichen, wird die Freude der Erlösten vollkommen sein, wenn sie eines Tages die Tore der heiligen Stadt betreten und für immer bei Gott wohnen dürfen.
„Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasst uns ziehen zum Hause des HERRN!“ Diese Freude wird ihre endgültige Erfüllung finden, wenn Gottes Volk im neuen Jerusalem versammelt sein wird und der Herr selbst mitten unter ihnen wohnt.