Psalmen 116

Das ist mir lieb, daß der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

19 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Das ist mir lieb, daß der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.
  2. 2 Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
  3. 3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Ängste der Hölle hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.
  4. 4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: O HERR, errette mein Seele!
  5. 5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
  6. 6 Der HERR behütet die Einfältigen; wenn ich unterliege, so hilft er mir.
  7. 7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.
  8. 8 Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, meine Augen von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
  9. 9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.
  10. 10 Ich glaube, darum rede ich; ich werde aber sehr geplagt.
  11. 11 Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.
  12. 12 Wie soll ich dem HERRN vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?
  13. 13 Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen predigen.
  14. 14 Ich will mein Gelübde dem HERRN bezahlen vor allem seinem Volk.
  15. 15 Der Tod seiner Heiligen ist wertgehalten vor dem HERRN.
  16. 16 O HERR, ich bin dein Knecht; ich bin dein Knecht, deiner Magd Sohn. Du hast meine Bande zerrissen.
  17. 17 Dir will ich Dank opfern und des HERRN Namen predigen.
  18. 18 Ich will meine Gelübde dem HERRN bezahlen vor allem seinem Volk,
  19. 19 in den Höfen am Hause des HERRN, in dir Jerusalem. Halleluja!

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Psalm 116 ist ein persönlicher Dank- und Vertrauenspsalm. Der Psalmist blickt auf eine Zeit großer Not zurück, in der er dem Tod nahe war. Er rief zum Herrn, und Gott erhörte ihn. Aus Dankbarkeit bekennt er seine Liebe zu Gott und verspricht, ihm öffentlich zu dienen und ihn zu preisen. Der Psalm offenbart einen Gott, der nicht fern ist, sondern auf das Gebet seiner Kinder hört und sich ihrer annimmt.

Historischer Hintergrund

Psalm 116 gehört zu den Hallel-Psalmen (Psalm 113–118), die bei den großen Festen Israels gesungen wurden. Besonders beim Passahfest hatten diese Psalmen eine wichtige Rolle. Auch Jesus hat kurz vor seinem Leiden zusammen mit den Jüngern wahrscheinlich diese Psalmen gesungen (Matthäus 26,30).

Der Verfasser wird nicht genannt. Manche sehen in David den Autor, sicher ist dies jedoch nicht. Entscheidend ist die Botschaft: Gott ist treu und hört aufrichtige Gebete.

Verse 1–2

„Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört“

Der Psalm beginnt nicht mit einer Aussage über Gottes Macht oder Größe, sondern über seine Nähe. Der Psalmist liebt den Herrn, weil er erfahren hat, dass Gott sein Gebet erhört.

„Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen“

Gott ist nicht gleichgültig. Das Bild vom geneigten Ohr beschreibt seine Aufmerksamkeit. Der Schöpfer des Universums hört auf das Gebet eines einzelnen Menschen.

Das ist eine erstaunliche Wahrheit. Der allmächtige Gott kennt nicht nur Sterne und Galaxien, sondern auch die Sorgen und Kämpfe seiner Kinder.

Verse 3–4

„Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Ängste der Hölle hatten mich getroffen“

Das Wort „Hölle“ in der Lutherbibel 1912 bezeichnet hier nicht einen Ort ewiger Qual, sondern das Totenreich, das Grab oder den Zustand des Todes. Die Schlachter 2000 übersetzt treffender mit „Totenreich“.

Der Psalmist befand sich in großer Bedrängnis. Ob durch Krankheit, Verfolgung oder andere Gefahren, wird nicht gesagt.

„Aber ich rief an den Namen des HERRN: O HERR, errette meine Seele!“

In seiner Not wandte er sich nicht an Menschen, sondern an Gott.

Auch heute sind Menschen oft versucht, zuerst auf eigene Lösungen oder menschliche Hilfe zu vertrauen. Die Bibel zeigt jedoch immer wieder, dass Gott die erste Zuflucht sein sollte.

Verse 5–7

„Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig“

Diese drei Eigenschaften zeigen Gottes Charakter:

Er ist gnädig – er schenkt, was wir nicht verdienen.

Er ist gerecht – er handelt niemals falsch.

Er ist barmherzig – er hat Mitleid mit den Schwachen.

„Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes“

Hier spricht der Psalmist zu sich selbst. Manchmal muss der Mensch sein Herz bewusst daran erinnern, was Gott bereits getan hat.

Auch David tat dies in Psalm 103:

„Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“

Verse 8–11

„Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten“

Gott hatte ihn bewahrt.

Das bedeutet nicht, dass Gläubige niemals sterben. Der Psalm beschreibt eine konkrete Rettung aus einer lebensbedrohlichen Situation.

„Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen“

Solange Gott Leben schenkt, soll dieses Leben zu seiner Ehre geführt werden.

„Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner“

In der Not hatte der Psalmist erfahren, dass menschliche Hilfe begrenzt ist. Menschen können enttäuschen, aber Gottes Treue bleibt bestehen.

Verse 12–14

„Wie soll ich dem HERRN vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?“

Diese Frage stellt sich jeder Gläubige.

Kann ein Mensch Gottes Gnade zurückzahlen?

Nein.

Erlösung ist ein Geschenk.

Deshalb besteht die Antwort nicht darin, Gott etwas zurückzugeben, sondern aus Liebe und Dankbarkeit zu leben.

„Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen predigen“

Der „Kelch des Heils“ steht für dankbares Annehmen dessen, was Gott schenkt.

„Ich will meine Gelübde dem HERRN bezahlen“

Wahre Dankbarkeit bleibt nicht nur ein Gefühl, sondern zeigt sich im Leben.

Vers 15

„Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN“

Die Schlachter 2000 übersetzt:

„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Getreuen“

Gott betrachtet den Tod seiner Kinder nicht gleichgültig. Ihr Leben ist ihm wertvoll.

Dieser Vers bedeutet nicht, dass Gott Freude am Tod hat. Der Tod ist ein Feind, der durch die Sünde in die Welt gekommen ist. Aber Gott vergisst seine Kinder nicht. Für ihn sind sie nicht verloren. Er wird sie bei der Auferstehung wieder ins Leben rufen.

Deshalb sagte Jesus:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Johannes 11,25)

Verse 16–19

Der Psalm endet mit Dank und Anbetung.

„Ich bin dein Knecht“

Der Psalmist betrachtet den Dienst Gottes nicht als Last, sondern als Vorrecht.

„Ich will dir Dankopfer bringen und des HERRN Namen predigen“

Dankbarkeit gehört nicht nur ins Herz, sondern darf öffentlich bekannt werden.

„In den Vorhöfen am Hause des HERRN“

Damals geschah dies im Tempel. Heute wohnt Gott nicht in einem irdischen Heiligtum aus Stein, sondern sein Volk ist der Tempel des Heiligen Geistes.

Geistliche Kernbotschaft

Psalm 116 offenbart einen persönlichen Gott, der Gebete hört und sich um seine Kinder kümmert. Er ist gnädig, gerecht und barmherzig. Wer seine Hilfe erfahren hat, wird ihn lieben und ihm dienen.

Erlösung ist kein Verdienst des Menschen, sondern ein Geschenk Gottes. Die richtige Antwort darauf ist Dankbarkeit, Vertrauen und ein Leben zu seiner Ehre.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Psalm 18 beschreibt ebenfalls Gottes Rettung in Zeiten großer Not.

Psalm 103 erinnert daran, Gottes Wohltaten nicht zu vergessen.

Jona 2 berichtet von einem Gebet aus tiefster Bedrängnis.

Johannes 11,25 offenbart Jesus als die Auferstehung und das Leben.

Römer 12,1 ruft dazu auf, das eigene Leben Gott als lebendiges Opfer hinzugeben.

Offenbarung 14,12 beschreibt Gottes Volk als Menschen, die ihm treu bleiben und auf ihn vertrauen.

Praktische Anwendung

Psalm 116 lädt dazu ein, sich daran zu erinnern, wie Gott im eigenen Leben geführt und geholfen hat. Dankbarkeit schützt vor Vergessen und stärkt den Glauben.

Wenn Prüfungen kommen, darf der Gläubige wissen, dass Gott sein Ohr nicht verschließt. Er sieht Tränen, hört Gebete und kennt jede Not.

Außerdem erinnert der Psalm daran, dass unser Leben Gott gehört. Nicht aus Zwang, sondern aus Liebe dürfen wir ihm dienen.

Letztlich weist Psalm 116 auf Jesus Christus hin. Durch ihn schenkt Gott Rettung, Hoffnung und die Gewissheit, dass selbst der Tod nicht das letzte Wort hat. Für diejenigen, die ihm vertrauen, steht die Auferstehung und das ewige Leben fest.