Psalmen 115

Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deine Gnade und Wahrheit!

18 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deine Gnade und Wahrheit!
  2. 2 Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist nun ihr Gott?
  3. 3 Aber unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.
  4. 4 Jener Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht.
  5. 5 Sie haben Mäuler, und reden nicht; sie haben Augen, und sehen nicht;
  6. 6 sie haben Ohren, und hören nicht; sie heben Nasen, und riechen nicht;
  7. 7 sie haben Hände, und greifen nicht; Füße haben sie, und gehen nicht; sie reden nicht durch ihren Hals.
  8. 8 Die solche machen, sind ihnen gleich, und alle, die auf sie hoffen.
  9. 9 Aber Israel hoffe auf den HERRN! Der ist ihre Hilfe und Schild.
  10. 10 Das Haus Aaron hoffe auf den HERRN! Der ist ihre Hilfe und Schild.
  11. 11 Die den HERRN fürchten, hoffen auf den HERRN! Der ist ihre Hilfe und Schild.
  12. 12 Der HERR denkt an uns und segnet uns; er segnet das Haus Israel, er segnet das Haus Aaron;
  13. 13 er segnet, die den HERRN fürchten, Kleine und Große.
  14. 14 Der HERR segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder!
  15. 15 Ihr seid die Gesegneten des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
  16. 16 Der Himmel allenthalben ist des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.
  17. 17 Die Toten werden dich, HERR, nicht loben, noch die hinunterfahren in die Stille;
  18. 18 sondern wir loben den HERRN von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja!

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Psalm 115 ist ein Lob- und Vertrauenspsalm. Er stellt den lebendigen Gott den toten Götzen der Völker gegenüber. Der Psalm macht deutlich, dass alle Ehre allein Gott gebührt und nicht dem Menschen. Er ruft das Volk Gottes dazu auf, dem Herrn zu vertrauen, weil er ein lebendiger, mächtiger und treuer Gott ist. Gleichzeitig warnt er vor Götzendienst und zeigt, dass Menschen dem ähnlich werden, was sie verehren.

Historischer Hintergrund

Psalm 115 gehört zu den Hallel-Psalmen (Psalm 113–118), die bei den großen Festen Israels gesungen wurden. Israel war ständig von heidnischen Völkern umgeben, deren Religionen voller Götzenbilder waren. Die Versuchung bestand immer wieder darin, sich den Bräuchen und dem Denken der umliegenden Nationen anzupassen.

Der Psalm beantwortet die spöttische Frage der Heiden:

„Wo ist nun ihr Gott?“ (Vers 2)

Die Völker erwarteten sichtbare Götter und prachtvolle Bilder. Israels Gott war jedoch unsichtbar. Gerade darin lag ein Unterschied: Der wahre Gott ist nicht aus Gold oder Silber gemacht, sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde.

Verse 1–3

„Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Wahrheit willen“

Der Psalm beginnt mit einem wichtigen Grundsatz. Die Ehre gehört Gott allein. Der Mensch neigt dazu, Ruhm für sich selbst zu suchen. Doch Gottes Werk dient dazu, seinen Charakter und seine Herrlichkeit zu offenbaren.

„Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist nun ihr Gott?“

Diese Frage taucht auch heute auf. Viele Menschen fragen:

  • Wenn Gott existiert, warum sieht man ihn nicht?

  • Warum greift er nicht sichtbarer ein?

  • Wo ist Gott in einer Welt voller Leid?

Der Psalm antwortet:

„Aber unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will“

Gott ist nicht abwesend. Er ist souverän. Er handelt nach seiner Weisheit und seinem Zeitplan.

Verse 4–8

„Jener Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht“

Hier beschreibt der Psalm die Absurdität des Götzendienstes.

Die Götzen haben:

  • Münder und reden nicht.

  • Augen und sehen nicht.

  • Ohren und hören nicht.

  • Nasen und riechen nicht.

  • Hände und greifen nicht.

  • Füße und gehen nicht.

Sie besitzen eine Form, aber kein Leben.

Damals beteten Menschen Statuen an. Heute haben Götzen oft andere Formen.

Ein Götze ist alles, was den Platz Gottes im Herzen einnimmt:

  • Geld

  • Macht

  • Karriere

  • Unterhaltung

  • Berühmtheit

  • Technologie

  • Menschen

  • sogar religiöse Traditionen

„Die solche machen, sind ihnen gleich“

Das ist eine tiefgehende Wahrheit. Menschen werden dem ähnlich, was sie anbeten.

Wer nur nach materiellem Gewinn lebt, wird materialistisch.

Wer sich selbst verehrt, wird stolz.

Wer Gott anbetet, wird durch seine Gnade in sein Bild verwandelt.

Verse 9–11

„Israel hoffe auf den HERRN“

Dreimal wird dieselbe Aufforderung wiederholt:

  • Israel

  • das Haus Aaron

  • alle Gottesfürchtigen

sollen auf den Herrn vertrauen.

„Er ist ihre Hilfe und Schild“

Ein Schild dient zum Schutz. Gott verspricht nicht ein Leben ohne Kämpfe, aber seine Gegenwart und Bewahrung.

Diese dreifache Wiederholung zeigt, dass alle Menschen, die Gott fürchten, unabhängig von ihrer Stellung, dieselbe Hoffnung besitzen.

Verse 12–15

„Der HERR denkt an uns und segnet uns“

Menschen vergessen oft, aber Gott vergisst sein Volk nicht.

Sein Segen gilt:

  • den Großen und den Kleinen,

  • Priestern und einfachen Menschen,

  • Erwachsenen und Kindern.

„Er segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder“

Im Alten Testament war der Segen Gottes oft sichtbar mit dem Wohlergehen des Volkes verbunden. Doch der größte Segen ist nicht materieller Besitz, sondern die Gemeinschaft mit Gott.

Echter Segen besteht in:

  • Vergebung,

  • Frieden,

  • Führung,

  • geistlichem Wachstum,

  • Hoffnung auf das ewige Leben.

Verse 16–18

„Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben“

Gott hat den Menschen Verantwortung übertragen. Er soll die Erde verwalten und nicht zerstören.

„Die Toten werden dich, HERR, nicht loben“

Dieser Vers bedeutet nicht, dass die Erlösten verloren sind. Er beschreibt den Zustand des Todes. Tote nehmen nicht aktiv am Lob Gottes auf der Erde teil.

Die Bibel beschreibt den Tod als einen Schlaf, aus dem Gott die Menschen bei der Auferstehung wieder erwecken wird.

David schrieb in Psalm 146,4:

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; alsdann sind verloren alle seine Anschläge“

Prediger 9,5 sagt:

„Die Toten wissen nichts“

Deshalb richtet sich die Aufforderung zum Lob an die Lebenden.

„Wir aber loben den HERRN von nun an bis in Ewigkeit“

Hier blickt der Psalm über das gegenwärtige Leben hinaus. Gottes Volk wird ihn nicht nur jetzt, sondern auch in der kommenden Welt preisen.

Geistliche Kernbotschaft

Psalm 115 stellt den lebendigen Gott den toten Götzen gegenüber. Der Mensch wurde geschaffen, um Gott zu verherrlichen. Alles, was den Platz Gottes einnimmt, führt letztlich in Leere und Enttäuschung.

Der Herr allein ist würdig, angebetet zu werden. Er ist nicht ein Werk menschlicher Hände, sondern der Schöpfer und Erlöser. Wer ihm vertraut, findet Hilfe, Schutz und Hoffnung.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  1. Mose 20,3–6 warnt vor Götzendienst.

Jesaja 44,9–20 verspottet die Nutzlosigkeit von Götzenbildern.

Psalm 135,15–18 enthält fast dieselben Gedanken wie Psalm 115.

Prediger 9,5 beschreibt den Zustand der Toten.

Johannes 4,24 erklärt:

„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“

Offenbarung 14,7 ruft die Menschen auf:

„Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre“

Praktische Anwendung

Psalm 115 fordert jeden Menschen heraus, sich zu fragen:

Was steht im Mittelpunkt meines Lebens?

Worauf vertraue ich wirklich?

Was nimmt meine Gedanken, meine Zeit und mein Herz in Anspruch?

Alles, was wichtiger wird als Gott, kann zum Götzen werden.

Der Psalm erinnert auch daran, dass Gott uns nicht vergessen hat. Auch wenn Menschen fragen: „Wo ist Gott?“, bleibt die Antwort bestehen:

„Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will“

Deshalb sollen Gläubige ihre Hoffnung nicht auf Menschen, Reichtum oder die Systeme dieser Welt setzen, sondern auf den lebendigen Gott.

Am Ende bleibt nur eines bestehen: Nicht unser Name, nicht unser Ruhm und nicht unsere Leistungen, sondern Gottes Name soll verherrlicht werden. Darin liegt der eigentliche Sinn des Lebens.