4. Mose 7

Und da Mose die Wohnung aufgerichtet hatte und sie gesalbt und geheiligt allem ihrem Geräte, dazu auch den Altar mit allem seinem Geräte gesalbt und geheiligt,

89 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Und da Mose die Wohnung aufgerichtet hatte und sie gesalbt und geheiligt allem ihrem Geräte, dazu auch den Altar mit allem seinem Geräte gesalbt und geheiligt,
  2. 2 da opferten die Fürsten Israels, die Häupter waren in ihren Vaterhäusern; denn sie waren die Obersten unter den Stämmen und standen obenan unter denen, die gezählt waren.
  3. 3 Und sie brachten Opfer vor den HERRN, sechs bedeckte Wagen und zwölf Rinder, je einen Wagen für zwei Fürsten und einen Ochsen für einen, und brachten sie vor die Wohnung.
  4. 4 Und der HERR sprach zu Mose:
  5. 5 Nimm's von ihnen, daß es diene zum Dienst der Hütte des Stifts, und gib's den Leviten, einem jeglichen nach seinem Amt.
  6. 6 Da nahm Mose die Wagen und die Rinder und gab sie den Leviten.
  7. 7 Zwei Wagen und vier Rinder gab er den Kindern Gerson nach ihrem Amt;
  8. 8 und vier Wagen und acht Ochsen gab er den Kindern Merari nach ihrem Amt unter der Hand Ithamars, des Sohnes Aarons, des Priesters;
  9. 9 den Kinder Kahath aber gab er nichts, darum daß sie ein heiliges Amt auf sich hatten und auf ihren Achseln tragen mußten.
  10. 10 Und die Fürsten opferten zur Einweihung das Altars an dem Tage, da er gesalbt ward, und opferten ihre Gabe vor dem Altar.
  11. 11 Und der HERR sprach zu Mose: Laß einen jeglichen Fürsten an seinem Tage sein Opfer bringen zur Einweihung des Altars.
  12. 12 Am ersten Tage opferte seine Gabe Nahesson, der Sohn Amminadabs, des Stammes Juda.
  13. 13 Und seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silbern Schale siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  14. 14 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  15. 15 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  16. 16 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  17. 17 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Nahessons, des Sohnes Amminadabs.
  18. 18 Am zweiten Tage opferte Nathanael, der Sohn Zuars, der Fürst Isaschars.
  19. 19 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  20. 20 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  21. 21 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  22. 22 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  23. 23 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Nathanaels, des Sohnes Zuars.
  24. 24 Am dritten Tage der Fürst der Kinder Sebulon, Eliab, der Sohn Helons.
  25. 25 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  26. 26 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  27. 27 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  28. 28 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  29. 29 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Eliabs, des Sohnes Helons.
  30. 30 Am vierten Tage der Fürst der Kinder Ruben, Elizur, der Sohn Sedeurs.
  31. 31 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  32. 32 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  33. 33 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  34. 34 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  35. 35 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Elizurs, des Sohnes Sedeurs.
  36. 36 Am fünften Tage der Fürst der Kinder Simeon, Selumiel, der Sohn Zuri-Saddais.
  37. 37 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  38. 38 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  39. 39 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  40. 40 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  41. 41 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Selumiels, des Sohnes Zuri-Saddais.
  42. 42 Am sechsten Tage der Fürst der Kinder Gad, Eljasaph, der Sohn Deguels.
  43. 43 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  44. 44 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  45. 45 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  46. 46 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  47. 47 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Eljasaphs, des Sohnes Deguels.
  48. 48 Am siebenten Tage der Fürst der Kinder Ephraim, Elisama, der Sohn Ammihuds.
  49. 49 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  50. 50 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  51. 51 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  52. 52 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  53. 53 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Elisamas, des Sohnes Ammihuds.
  54. 54 Am achten Tage der Fürst der Kinder Manasses, Gamliel, der Sohn Pedazurs.
  55. 55 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  56. 56 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  57. 57 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  58. 58 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  59. 59 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Gamliels, des Sohnes Pedazurs.
  60. 60 Am neunten Tage der Fürst der Kinder Benjamin, Abidan, der Sohn des Gideoni.
  61. 61 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  62. 62 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  63. 63 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  64. 64 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  65. 65 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Abidans, des Sohn's Gideonis.
  66. 66 Am zehnten Tage der Fürst der Kinder Dan, Ahi-Eser, der Sohn Ammi-Saddais.
  67. 67 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  68. 68 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  69. 69 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  70. 70 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  71. 71 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Ahi-Esers, des Sohnes Ammi-Saddais.
  72. 72 Am elften Tage der Fürst der Kinder Asser, Pagiel, der Sohn Ochrans.
  73. 73 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  74. 74 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  75. 75 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  76. 76 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  77. 77 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Pagiels, des Sohnes Ochrans.
  78. 78 Am zwölften Tage der Fürst der Kinder Naphthali, Ahira, der Sohn Enans.
  79. 79 Seine Gabe war eine silberne Schüssel, hundertdreißig Lot schwer, eine silberne Schale, siebzig Lot schwer nach dem Lot des Heiligtums, beide voll Semmelmehl, mit Öl gemengt, zum Speisopfer;
  80. 80 dazu einen goldenen Löffel, zehn Lot schwer, voll Räuchwerk,
  81. 81 einen jungen Farren, einen Widder, ein jähriges Lamm zum Brandopfer;
  82. 82 einen Ziegenbock zum Sündopfer;
  83. 83 und zum Dankopfer zwei Rinder, fünf Widder und fünf jährige Lämmer. Das ist die Gabe Ahiras, des Sohnes Enans.
  84. 84 Das ist die Einweihung des Altars zur Zeit, da er gesalbt ward, dazu die Fürsten Israels opferten diese zwölf silbernen Schüsseln, zwölf silberne Schalen, zwölf goldene Löffel,
  85. 85 also daß je eine Schüssel hundertdreißig Lot Silber und je eine Schale siebzig Lot hatte, daß die Summe alles Silbers am Gefäß betrug zweitausendvierhundert Lot nach dem Lot des Heiligtums.
  86. 86 Und der zwölf goldenen Löffel voll Räuchwerk hatte je einer zehn Lot nach dem Lot des Heiligtums, daß die Summe Goldes an den Löffeln betrug hundertzwanzig Lot.
  87. 87 Die Summe der Rinder zum Brandopfer waren zwölf Farren, zwölf Widder, zwölf jahrige Lämmer samt ihrem Speisopfer und zwölf Ziegenböcke zum Sündopfer.
  88. 88 Und die Summe der Rinder zum Dankopfer war vierundzwanzig Farren, sechzig Widder, sechzig Böcke, sechzig jährige Lämmer. Das ist die Einweihung des Altars, da er gesalbt ward.
  89. 89 Und wenn Mose in die Hütte des Stifts ging, daß mit ihm geredet würde, so hörte er die Stimme mit ihm reden von dem Gnadenstuhl, der auf der Lade des Zeugnisses war, dort ward mit ihm geredet.

Kapitelüberblick

Nach der Errichtung der Stiftshütte bringen die Stammesfürsten Israels gemeinsame Gaben für den Dienst am Heiligtum. Sechs Wagen und zwölf Rinder werden den levitischen Familien entsprechend ihren unterschiedlichen Aufgaben zugeteilt. Die Kehatiter erhalten keine Wagen, weil sie die ihnen anvertrauten besonders heiligen Gegenstände auf den Schultern tragen sollen.

Anschließend beginnt die Einweihung des Altars. An zwölf aufeinanderfolgenden Tagen tritt jeweils ein Stammesfürst vor den HERRN und bringt seine Opfergaben dar. Obwohl die Stämme unterschiedlich groß sind und verschiedene Aufgaben besitzen, sind die Gaben ihrer Vertreter gleich. Der Bibeltext beschreibt jeden dieser Tage einzeln und fasst danach sämtliche Opfer und ihre Mengen zusammen.

Das Kapitel endet mit einer besonderen Begegnung: Mose betritt die Stiftshütte und hört Gottes Stimme aus dem Bereich über der Bundeslade, zwischen den beiden Cherubim. So verbindet der Bericht die gemeinsame Beteiligung Israels am Heiligtum mit Gottes Gegenwart inmitten seines Volkes.

Einführung

Die zeitliche Einordnung dieses Berichts verdient besondere Aufmerksamkeit. Nach 2. Mose 40,17 wurde die Stiftshütte am ersten Tag des ersten Monats im zweiten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten errichtet. Die Volkszählung, mit der das vierte Mosebuch beginnt, fand dagegen erst am ersten Tag des zweiten Monats statt (4. Mose 1,1). Kapitel 7 führt den Leser somit zu einem früheren Abschnitt der Geschichte zurück. Die Ereignisse des vierten Mosebuches werden nicht durchgehend in strenger zeitlicher Reihenfolge erzählt.

Diese Anordnung lässt sich aus dem Aufbau der umliegenden Kapitel verstehen. Zunächst wurden die Stämme gezählt, ihre Lagerplätze festgelegt und die Aufgaben der Leviten beschrieben. Auch die Vorschriften über Reinheit, Wiedergutmachung und persönliche Weihe gehören zu dieser Vorbereitung des gemeinschaftlichen Lebens vor Gott. Nun richtet sich der Blick auf die praktische Ausstattung und die feierliche Aufnahme des Heiligtumsdienstes. Die genaue zeitliche Abstimmung sämtlicher Einweihungshandlungen wird dabei nicht vollständig erklärt.

Für das Verständnis der folgenden Namenslisten ist außerdem die besondere Stellung der Leviten wichtig. Sie werden nicht wie die übrigen Stämme für den Kriegsdienst gemustert, sondern sind für die Aufgaben am Heiligtum ausgesondert. Bei den zwölf Stammesfürsten treten deshalb Ephraim und Manasse als zwei Stämme auf, während Levi nicht zu dieser Zwölfergruppe gehört. Auf diese Weise bleiben zwölf Stammesvertretungen bestehen, obwohl die Nachkommen Josephs durch seine beiden Söhne vertreten werden (4. Mose 1,47–49; 2. Mose 1,5).

Die führenden Männer dieser Stämme sind den Lesern bereits aus den ersten beiden Kapiteln bekannt. Dort wurden sie als Vertreter ihrer Gemeinschaften bei der Musterung und Lagerordnung genannt. Ihre erneute Erwähnung zeigt, dass die Organisation des Volkes auch für die gemeinsamen Angelegenheiten des Heiligtums von Bedeutung war.

Bei der folgenden Auslegung ist besonders darauf zu achten, zwischen den ausdrücklichen Anweisungen Gottes und der möglichen geistlichen Bedeutung einzelner Handlungen zu unterscheiden. Nicht jedes Gewicht, jede Opfergabe und jede wiederholte Formulierung besitzt eine verborgene Symbolik. Der Bericht enthält vielmehr eine sorgfältig geordnete Darstellung, deren Einzelheiten aus den bereits gegebenen Vorschriften über das Heiligtum und seinen Dienst verständlich werden.

4. Mose 7,1–3

Die Stammesfürsten bringen Gaben für die Stiftshütte

Die Erzählung beginnt mit einem Rückblick auf die Fertigstellung der Stiftshütte. Mose hatte das Heiligtum vollständig aufgerichtet und sowohl die Wohnung als auch ihre Geräte gesalbt und geheiligt. Dasselbe geschah mit dem Altar und den zugehörigen Geräten. Damit war der Ort, an dem Gott inmitten Israels wohnen wollte, für seinen besonderen Dienst vorbereitet. Nun konnten die Gegenstände, die nach Gottes Anweisung angefertigt worden waren, für die vorgesehenen heiligen Aufgaben verwendet werden.

Diese Handlung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Anweisungen aus 2. Mose 40,9–11. Dort hatte Gott Mose befohlen, die Stiftshütte mit ihren Geräten sowie den Brandopferaltar zu salben und zu heiligen. Auch 3. Mose 8,10–11 berichtet von der Durchführung dieser Weihe. Das verwendete Salböl war dabei kein gewöhnliches Mittel zur Reinigung oder Verschönerung der Gegenstände. Es gehörte zu einer von Gott angeordneten Handlung, durch die das Heiligtum und seine Ausstattung für den heiligen Dienst ausgesondert wurden. Was zuvor hergestellt und zusammengefügt worden war, stand nun ausdrücklich im Dienst des HERRN.

Die Formulierung vom Tag der Errichtung und Weihe ordnet das folgende Geschehen diesem wichtigen Zeitpunkt zu. Sie bedeutet jedoch nicht zwingend, dass sämtliche in diesem Kapitel beschriebenen Handlungen an einem einzigen Kalendertag stattfanden. Später wird ausdrücklich berichtet, dass die Opfergaben für den Altar an zwölf aufeinanderfolgenden Tagen dargebracht wurden. Der einleitende Rückblick stellt die Gaben der Stammesfürsten somit in den größeren Zusammenhang der Einweihung. Eine genaue Datierung jeder einzelnen Handlung lässt sich aus diesen Worten allein nicht gewinnen.

Vers 2 richtet den Blick auf die Männer, die Israel bei seinen gemeinschaftlichen Angelegenheiten vertraten. Es waren die Oberhäupter der Vaterhäuser und Fürsten der Stämme, die bereits im Zusammenhang mit der Musterung des Volkes genannt wurden (4. Mose 1,4–16). Diese Männer standen nicht aufgrund eines priesterlichen Amtes an der Spitze ihrer Stämme. Sie hatten vielmehr eine anerkannte Führungsverantwortung innerhalb ihrer jeweiligen Gemeinschaft. Dass ausgerechnet sie nun mit Gaben vor das Heiligtum treten, zeigt, dass auch die Leitung der Stämme an dessen Ausstattung beteiligt war.

Dabei ist die Unterscheidung zwischen den Stammesfürsten und den Priestern wichtig. Die Fürsten konnten Gaben bereitstellen, doch daraus entstand für sie keine Befugnis, die heiligen Aufgaben Aarons oder seiner Söhne zu übernehmen. Gottes Ordnung sah unterschiedliche Verantwortungsbereiche vor. Die Priester waren für die ihnen übertragenen heiligen Handlungen zuständig, die Leviten unterstützten den Heiligtumsdienst entsprechend ihren Aufgaben, und die übrigen Stämme konnten durch ihre Gaben dazu beitragen. Die gemeinsame Verantwortung für das Heiligtum hob also nicht die besonderen Zuständigkeiten auf, die Gott zuvor festgelegt hatte.

Was die Stammesfürsten zunächst bringen, ist bemerkenswert. Es handelt sich nicht um Gold, Silber oder kostbare Gegenstände für den Altar, sondern um sechs bedeckte Wagen und zwölf Rinder. Jeweils zwei Stammesfürsten stellen gemeinsam einen Wagen bereit, während jeder einzelne ein Rind beisteuert. Auf diese Weise entsteht eine gemeinsame Gabe aller zwölf Vertreter: sechs Wagen mit insgesamt zwölf Zugtieren. Die Bezeichnung der Wagen wird unterschiedlich erklärt; die Schlachter 1951 nennt sie ausdrücklich bedeckt. Über ihre genaue Bauweise, Größe oder Ausstattung berichtet der Text jedoch nichts.

Schon die Art dieser Gaben weist auf einen wichtigen praktischen Bedarf hin. Die Stiftshütte war kein dauerhaft an einem Ort errichtetes Gebäude. Israel befand sich auf dem Weg in das verheißene Land, und das Heiligtum musste bei einem Aufbruch wieder abgebaut und mitgeführt werden. Die einzelnen Bestandteile unterschieden sich erheblich in ihrer Größe und ihrem Gewicht. Während manche heiligen Gegenstände nach besonderen Vorschriften getragen werden mussten, gab es zahlreiche Bauteile, deren Transport eine umfangreiche Aufgabe darstellte. Die Wagen und Rinder konnten für diese Arbeit von großem Nutzen sein.

Gerade darin liegt eine Besonderheit der ersten Gaben. Die Stammesfürsten bringen Gegenstände, die nicht unmittelbar als Opfer auf dem Altar verbrannt werden. Ihre Gabe dient vielmehr der Durchführung jener Aufgaben, die mit dem Heiligtum verbunden sind. Das zeigt, dass eine Darbringung vor Gott im damaligen Zusammenhang nicht auf Tieropfer oder kostbare Materialien beschränkt war. Auch etwas, das für den praktischen Dienst gebraucht wurde, konnte ausdrücklich dem HERRN dargebracht werden.

Auffällig ist zudem, wie die zwölf Stammesfürsten ihre Beteiligung organisieren. Nicht jeder bringt einen eigenen Wagen, sondern jeweils zwei tragen gemeinsam zu einem bei. Gleichzeitig steuert jeder ein Rind bei. Der Text beschreibt damit eine genau bestimmte gemeinschaftliche Gabe, ohne die persönlichen Beweggründe der einzelnen Männer näher zu erläutern. Es wäre deshalb unbegründet, ihnen bestimmte Gefühle, Absprachen oder besondere Absichten zuzuschreiben, von denen die Bibel nichts berichtet. Sicher ist, dass die Vertreter sämtlicher zwölf Stämme an dieser Gabe beteiligt waren.

Am Ende von Vers 3 werden die Wagen und Rinder vor die Stiftshütte gebracht. Damit sind sie Gott dargebracht, aber noch nicht den einzelnen Leviten zugeteilt. Dieser Unterschied wird für den folgenden Abschnitt entscheidend. Die Stammesfürsten stellen die Mittel zur Verfügung, doch wie diese verwendet werden sollen, wird nicht allein durch menschliche Überlegungen bestimmt. Gott selbst wird Mose anweisen, die Gaben anzunehmen und entsprechend den unterschiedlichen Aufgaben der Leviten zu verteilen.

So beginnt die Einweihungserzählung mit einer Verbindung von gemeinsamer Beteiligung und geordneter Verantwortung. Israels führende Männer bringen etwas, das für den Heiligtumsdienst benötigt werden kann. Doch der Wert ihrer Gabe liegt nicht nur in ihrer Bereitstellung, sondern auch darin, dass sie dem Dienst dient, den Gott selbst angeordnet hat. Die nächsten Verse zeigen deshalb, weshalb die Wagen nicht gleichmäßig unter alle levitischen Familien verteilt werden und warum eine dieser Familien überhaupt keine Wagen erhält.

4. Mose 7,4–9

Die Wagen und Rinder werden nach den Aufgaben der Leviten verteilt

Nachdem die Stammesfürsten ihre Wagen und Rinder vor die Stiftshütte gebracht haben, erhält Mose eine ausdrückliche Anweisung Gottes. Er soll die Gaben annehmen und sie den Leviten für ihren Dienst zur Verfügung stellen. Dabei gibt Gott ein entscheidendes Kriterium vor: Die Verteilung soll sich nach den jeweiligen Aufgaben richten. Die sechs Wagen und zwölf Rinder werden deshalb nicht einfach gleichmäßig auf alle levitischen Familien aufgeteilt. Jede Gruppe soll das erhalten, was sie für die ihr anvertraute Arbeit benötigt.

Diese Entscheidung lässt sich nur verstehen, wenn man die früheren Vorschriften über den Dienst der Leviten berücksichtigt. Nach 4. Mose 3–4 waren die Nachkommen Levis in drei große Familiengruppen gegliedert: Gerson, Kahat und Merari. Alle drei dienten am Heiligtum, doch sie trugen unterschiedliche Verantwortung. Die Gersoniter waren vor allem für die Zeltbahnen, Decken, Vorhänge und zugehörigen Seile zuständig. Die Merariter mussten die tragenden Bestandteile der Stiftshütte transportieren, darunter Bretter, Riegel, Säulen und deren Füße. Den Kehatitern waren dagegen die besonders heiligen Gegenstände anvertraut, zu denen die Bundeslade, der Schaubrottisch, der Leuchter und die Altäre gehörten (4. Mose 4,4–33).

Aufgrund dieser unterschiedlichen Aufgaben erhielten die Gersoniter zwei Wagen und vier Rinder. Sie mussten zahlreiche Bestandteile transportieren, die zum Aufbau und zur Umhüllung des Heiligtums gehörten. Die Wagen erleichterten ihnen die Arbeit, wenn Israel sein Lager verließ und die Stiftshütte an einem neuen Ort wieder errichtet werden musste. Damit wurden die Gaben der Stammesfürsten unmittelbar für einen praktischen Bedarf eingesetzt, der aus dem von Gott angeordneten Dienst hervorging.

Die Merariter bekamen dagegen vier Wagen und acht Rinder, also doppelt so viele wie die Gersoniter. Diese ungleiche Verteilung hatte einen sachlichen Grund. Zu ihrem Aufgabenbereich gehörten die festen Bestandteile der Stiftshütte, besonders ihre Bretter, Riegel, Säulen und Füße. Diese Teile stellten beim Transport andere Anforderungen als die Stoffbahnen und Vorhänge, für die die Gersoniter verantwortlich waren. Der Text selbst nennt keine genauen Gewichte der gesamten Transportlasten. Aus den beschriebenen Bauteilen lässt sich jedoch gut nachvollziehen, weshalb die Merariter einen größeren Anteil der Wagen erhielten.

Vers 8 erwähnt außerdem, dass ihr Dienst unter der Leitung Itamars stand, eines Sohnes Aarons. Diese Angabe verbindet die Verteilung der Transportmittel mit der bereits bestehenden Aufsichtsordnung. Nach 4. Mose 4,28 und 4,33 waren sowohl die Gersoniter als auch die Merariter Itamars Verantwortung unterstellt. Die Leviten arbeiteten also nicht unabhängig voneinander oder nach eigenen Vorstellungen. Ihre Aufgaben waren festgelegt, und ihre Durchführung stand unter priesterlicher Aufsicht. Die zusätzlichen Transportmittel ergänzten diese Ordnung, ohne sie zu verändern.

Besonders auffällig ist jedoch die Entscheidung über die dritte Familie. Die Kehatiter erhielten weder Wagen noch Zugtiere. Auf den ersten Blick könnte dies wie eine Benachteiligung wirken, zumal sie für besonders wertvolle und heilige Gegenstände verantwortlich waren. Doch Vers 9 nennt ausdrücklich den Grund: Sie mussten die ihnen anvertrauten heiligen Dinge auf ihren Schultern tragen. Die fehlenden Wagen waren deshalb kein Zeichen geringerer Wertschätzung, sondern eine Folge der besonderen Vorschriften für ihren Dienst.

Bereits in 4. Mose 4,5–15 hatte Gott genau geregelt, wie die Kehatiter ihre Aufgabe ausführen sollten. Bevor sie die heiligen Gegenstände transportierten, mussten Aaron und seine Söhne diese mit den vorgeschriebenen Decken und Tüchern verhüllen. Erst danach durften die Kehatiter herantreten und sie tragen. Dabei war ihnen untersagt, die heiligen Gegenstände selbst zu berühren. Sie durften auch nicht unbefugt das Heilige betrachten, während es für den Transport vorbereitet wurde. Die besonderen Tragvorschriften dienten somit nicht allein dazu, die Gegenstände sicher von einem Ort zum anderen zu bringen. Sie gehörten zu Gottes Ordnung für den Umgang mit dem Heiligen.

Bei der Bundeslade war diese Vorschrift bereits bei ihrer Herstellung vorbereitet worden. Nach 2. Mose 25,12–15 sollte sie mit goldüberzogenen Tragstangen versehen werden, die durch Ringe an ihren Seiten geführt wurden. Diese Stangen ermöglichten den vorgesehenen Transport, ohne dass die Träger die Lade selbst anfassen mussten. Die ausdrückliche Anweisung, die heiligen Gegenstände auf den Schultern zu tragen, erklärt deshalb, weshalb die Kehatiter trotz ihrer wichtigen Aufgabe keine Wagen erhielten. Ein Transportmittel, das den anderen Familien half, war für ihren besonderen Dienst nicht vorgesehen.

Wie ernst diese Unterscheidung war, zeigt ein späteres Ereignis aus der Geschichte Israels. Als David die Bundeslade nach Jerusalem bringen lassen wollte, wurde sie zunächst auf einem neuen Wagen transportiert. Während dieses Transports griff Ussa nach der Lade und starb infolge seines unerlaubten Berührens (2. Samuel 6,3–7). Der Bericht darf nicht so verkürzt werden, als sei allein die Verwendung eines Wagens ausdrücklich als unmittelbare Todesursache genannt. Doch bei einem späteren Versuch erkannte David an, dass die vorgeschriebene Ordnung nicht eingehalten worden war. Daraufhin trugen die Leviten die Lade mit den Tragstangen auf ihren Schultern, wie Mose es im Auftrag Gottes geboten hatte (1. Chronik 15,13–15). Gerade diese spätere Geschichte bestätigt, dass die Transportvorschriften nicht lediglich unverbindliche Empfehlungen waren.

Die Verteilung der Wagen macht damit einen wesentlichen Grundsatz des damaligen Heiligtumsdienstes sichtbar: Unterschiedliche Aufgaben verlangten unterschiedliche Mittel, aber alle mussten innerhalb derselben göttlichen Ordnung ausgeführt werden. Die Gersoniter und Merariter durften für ihre Arbeit Wagen und Zugtiere verwenden. Die Kehatiter mussten ihre Last dagegen auf die ausdrücklich vorgeschriebene Weise tragen. Nicht die größtmögliche Bequemlichkeit bestimmte den Dienst, sondern die Aufgabe, die Gott jeder Gruppe zugewiesen hatte.

Dabei wäre es eine Überdehnung des Textes, aus dieser Vorschrift ein allgemeines Verbot moderner Hilfsmittel im Gottesdienst oder in anderen geistlichen Aufgaben abzuleiten. Gott selbst ordnete hier den Gebrauch der geschenkten Wagen an. Ebenso wenig lässt sich daraus schließen, dass körperlich anstrengendere Arbeit grundsätzlich heiliger sei als eine Tätigkeit, die durch Hilfsmittel erleichtert wird. Die Bedeutung des Abschnitts liegt vielmehr in der Verbindung von praktischer Unterstützung und dem gewissenhaften Umgang mit Gottes konkreten Anweisungen.

Mit Vers 9 ist die Verteilung sämtlicher Wagen und Rinder abgeschlossen. Die Gaben der Stammesfürsten haben ihren vorgesehenen Platz im Dienst der Stiftshütte erhalten. Nun richtet sich der Blick auf eine andere Form ihrer Beteiligung. Während zunächst die praktische Ausstattung für den Transport des Heiligtums im Mittelpunkt stand, berichten die folgenden Verse von den Gaben zur Einweihung des Altars. Dort erhält jeder Stammesfürst einen eigenen Tag, an dem er seine Opfer vor den HERRN bringen soll.

4. Mose 7,10–11

Gottes Ordnung für die zwölf Tage der Altarweihe

Nachdem die Wagen und Rinder für den Transport der Stiftshütte verteilt worden sind, beginnt ein neuer Abschnitt der Einweihung. Die Stammesfürsten bringen nun ihre Gaben für den Altar dar, der zuvor von Mose gesalbt und geheiligt worden war. Anders als die Wagen, die den Leviten bei ihrer Arbeit dienen sollten, gehören diese Gaben unmittelbar zum Opferdienst. Damit beteiligen sich die Vertreter Israels nicht nur an der praktischen Ausstattung des Heiligtums, sondern auch an seiner feierlichen Einweihung.

Der Altar besaß innerhalb der Stiftshütte eine besondere Bedeutung. Nach 2. Mose 40,6 stand der Brandopferaltar vor dem Eingang der Wohnung. Wer sich dem Heiligtum näherte, begegnete damit zuerst dem Ort, an dem die vorgeschriebenen Opfer dargebracht wurden. Hier wurden Brandopfer, Teile der Friedensopfer und weitere Opferhandlungen vollzogen. Der Altar war deshalb eng mit der Frage verbunden, wie das Volk dem heiligen Gott nahen und nach seinen Anweisungen Gemeinschaft mit ihm haben konnte. Seine Einweihung betraf nicht nur einen einzelnen Gegenstand, sondern einen wesentlichen Bestandteil des Gottesdienstes Israels.

Vers 10 verbindet die Gaben der Stammesfürsten mit dem Tag, an dem der Altar gesalbt wurde. Zugleich macht der folgende Vers deutlich, dass die eigentlichen Opfergaben nicht alle an einem einzigen Tag dargebracht werden sollten. Gott ordnet an, dass jeweils ein Stammesfürst an einem Tag sein Opfer zur Einweihung bringen soll. So entsteht eine Folge von zwölf Tagen, in der jeder Stamm durch seinen führenden Vertreter beteiligt ist. Der Text unterscheidet damit zwischen dem Zusammenhang der Altarweihe und der geordneten Durchführung der einzelnen Opferhandlungen. Den genauen Kalendertag jeder Darbringung nennt er nicht.

Bemerkenswert ist, dass die Reihenfolge nicht einfach den Stammesfürsten selbst überlassen bleibt. Gott spricht zu Mose und gibt vor, wie die Gaben dargebracht werden sollen. Die Männer hatten ihre Opfer bereitgestellt, doch die Durchführung geschieht nach einer göttlichen Anweisung. Darin begegnet derselbe Grundsatz wie bei der Verteilung der Wagen: Menschliche Bereitschaft und großzügige Beteiligung besitzen ihren Platz, aber sie ersetzen nicht die Ordnung, die Gott für seinen Dienst festgelegt hat. Der Gottesdienst Israels sollte nicht allein durch die Vorstellungen seiner führenden Männer bestimmt werden.

Die Entscheidung, jedem Stammesfürsten einen eigenen Tag zuzuweisen, ist auch deshalb bedeutend, weil alle zwölf Stämme am selben Altar zusammenkommen. Jeder bringt seine Gaben vor denselben Gott und beteiligt sich an der Einweihung desselben Heiligtums. Es werden keine voneinander unabhängigen Altäre für die einzelnen Stämme errichtet. Obwohl Israel aus verschiedenen Stammesgemeinschaften besteht, ist sein Gottesdienst auf das eine Heiligtum ausgerichtet, dessen Errichtung Gott angeordnet hat. Die gemeinsame Zugehörigkeit zum HERRN verbindet die Stämme über ihre unterschiedlichen Aufgaben und Abstammungslinien hinaus.

Zugleich erhält jeder Stammesfürst seinen eigenen Platz innerhalb der Feier. Die Beteiligung eines Stammes geht nicht in einer einzigen gemeinsamen Opferhandlung unter, bei der die einzelnen Vertreter unerwähnt bleiben. Der folgende Bericht nennt jeden von ihnen ausdrücklich und beschreibt seine Gaben vollständig. Diese ausführliche Darstellung ist eine Besonderheit des Kapitels. Sie lässt erkennen, dass die Beteiligung aller zwölf Stämme für die Erzählung von Bedeutung ist. Dass jeder einen eigenen Tag erhält, bedeutet jedoch nicht, dass Gott manche Stämme für geistlich wertvoller hält als andere. Die Unterschiede betreffen zunächst die Reihenfolge ihrer Darbringung, nicht den Wert ihrer Opfergaben.

Die Reihenfolge entspricht der bereits festgelegten Lagerordnung aus 4. Mose 2. Dort führt Juda die erste Stammesgruppe an, gefolgt von Issaschar und Sebulon. Diese drei Stämme eröffnen nun auch die Reihe der Opfergaben. Anschließend folgen die Vertreter der übrigen Lagergruppen in derselben Ordnung. Die Einweihung des Altars geschieht somit nicht losgelöst von der bisherigen Organisation Israels. Die Ordnung, nach der das Volk um das Heiligtum lagerte und später aufbrechen sollte, findet auch in der Abfolge seiner Stammesgaben ihren Ausdruck.

Dabei verdient eine weitere Einzelheit Aufmerksamkeit. Die Stammesfürsten bringen ihre Opfer nicht deshalb dar, weil sie selbst Priester wären. Ihre Stellung als führende Männer des Volkes verleiht ihnen keine priesterlichen Befugnisse. Vielmehr stellen sie die vorgeschriebenen Gaben bereit, während die eigentlichen Opferhandlungen innerhalb des von Gott eingesetzten Priesterdienstes erfolgen. So bleibt die Verantwortung der Stammesführer von den heiligen Aufgaben Aarons und seiner Söhne unterschieden. Die gemeinsame Beteiligung am Gottesdienst hebt die unterschiedlichen Berufungen nicht auf.

Für das Verständnis der folgenden Verse ist schließlich wichtig, dass die Einweihung nicht durch die bloße Menge der Opfer ihren Sinn erhält. Die Stammesfürsten bringen wertvolle Gaben, doch der Altar ist bereits durch Gottes Anordnung geheiligt worden. Die Opfer können seine Heiligkeit nicht aus eigener Kraft hervorbringen. Sie gehören vielmehr zu der von Gott geregelten Einweihungsfeier. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen dem materiellen Wert einer Gabe und ihrer Bedeutung innerhalb des Gottesdienstes: Nicht der Besitz des Gebenden bestimmt, was vor Gott heilig ist, sondern Gottes eigene Anweisung.

Mit dieser Ordnung beginnt nun die ausführliche Beschreibung der zwölf Opfertage. Der erste Stammesfürst stammt aus Juda, dem Stamm, der bereits bei der Lager- und Aufbruchsordnung die führende Stellung erhalten hatte. Die nächsten Verse zeigen, welche Gaben er darbringt und weshalb der Bibeltext anschließend bei jedem weiteren Stamm dieselben Angaben mit großer Sorgfalt wiederholt.

4. Mose 7,12–29

Juda, Issaschar und Sebulon: Die ersten drei Opfertage

Mit dem ersten Tag der Altarweihe beginnt die ausführliche Aufzählung der Opfergaben. Den Anfang macht Nahasson, der Sohn Amminadabs, aus dem Stamm Juda. Am zweiten Tag folgt Netaneel, der Sohn Zuars, als Vertreter Issaschars. Am dritten Tag bringt Eliab, der Sohn Helons, die Gaben des Stammes Sebulon dar. Diese drei Männer sind bereits aus der Musterung Israels bekannt (4. Mose 1,7–9). Nun treten sie erneut als verantwortliche Vertreter ihrer Stämme auf, diesmal im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Gottesdienst.

Dass Juda den Anfang macht, entspricht der Lagerordnung aus 4. Mose 2,3–9. Dort hatte Gott bestimmt, dass die drei Stämme Juda, Issaschar und Sebulon östlich der Stiftshütte lagern sollten. Auch beim Aufbruch des Volkes sollte diese Gruppe vorausziehen. Die Reihenfolge der Opfergaben folgt somit einer bereits bestehenden göttlichen Ordnung. Nahasson erhält seinen ersten Platz nicht deshalb, weil seine Gabe wertvoller wäre als die der anderen Stammesfürsten. Seine Stellung ergibt sich aus der besonderen Aufgabe Judas innerhalb der Lagergemeinschaft. Der Text macht damit einen Unterschied zwischen einer festgelegten Führungsstellung und dem Wert der persönlichen Beteiligung am Gottesdienst.

Die erste Opfergabe wird in den Versen 13–17 besonders ausführlich beschrieben. Nahasson bringt eine silberne Schüssel mit einem Gewicht von 130 Schekeln und ein silbernes Sprengbecken von 70 Schekeln. Beide Gefäße sind mit feinem Mehl gefüllt, das mit Öl vermengt ist und als Speisopfer dient. Hinzu kommt eine goldene Schale von zehn Schekeln, die Räucherwerk enthält. Damit gehören sowohl wertvolle Gefäße als auch die für den Heiligtumsdienst bestimmten Opfergaben zu seiner Darbringung. Die Gewichtsangaben beziehen sich ausdrücklich auf den Schekel des Heiligtums. Sie folgen also einem festgelegten Gewichtsmaß und sind nicht einfach ungefähre Wertbeschreibungen.

Die Verbindung von Mehl und Öl begegnet bereits in den Vorschriften über das Speisopfer in 3. Mose 2. Dort wird beschrieben, wie Erzeugnisse der menschlichen Arbeit Gott als Gabe dargebracht werden konnten. Das Mehl gehörte zur gewöhnlichen Ernährung der Israeliten, während das Öl sowohl bei der Zubereitung von Speisen als auch im Heiligtumsdienst verwendet wurde. Bei der Altarweihe werden diese Gaben in kostbaren Silbergefäßen gebracht. Der Text nennt jedoch keine besondere symbolische Bedeutung der Gefäßgewichte oder des verwendeten Materials. Der Wert der Schüsseln und Schalen ist ausdrücklich festgehalten, aber eine verborgene geistliche Botschaft aus ihren einzelnen Zahlen lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

Auch das Räucherwerk verdient Beachtung. Nach 2. Mose 30,34–38 hatte Gott eine besondere Räuchermischung für den Heiligtumsdienst vorgeschrieben. Sie durfte nicht wie ein gewöhnliches Duftmittel für private Zwecke hergestellt werden. Dass die Stammesfürsten nun Räucherwerk in goldenen Schalen darbringen, zeigt die Beteiligung ihrer Stämme an den für das Heiligtum bestimmten Gaben. Allerdings erklärt 4. Mose 7 nicht, dass die Stammesfürsten dieses Räucherwerk selbst auf dem Räucheraltar verbrannten. Die Darbringung der Gabe und die Ausführung der priesterlichen Handlungen müssen unterschieden bleiben. Auch hier hebt die Beteiligung der Stammesführer die besonderen Aufgaben der Priester nicht auf.

Anschließend werden die Tieropfer genannt. Für das Brandopfer bringt Nahasson einen jungen Stier, einen Widder und ein einjähriges Lamm. Das Brandopfer gehörte zu den grundlegenden Opferarten Israels und war nach 3. Mose 1 mit der Darbringung vor Gott und der Annahme des Opfernden verbunden. Die vorgeschriebenen Tiere zeigen, dass die Einweihung des Altars nicht allein aus der Übergabe kostbarer Gegenstände bestand. Sie geschah innerhalb jener Opferordnung, die Gott seinem Volk bereits gegeben hatte.

Hinzu kommt ein Ziegenbock als Sündopfer. Seine Erwähnung ist besonders wichtig, weil die Altarweihe hier nicht als Folge einer bestimmten persönlichen Verfehlung der Stammesfürsten beschrieben wird. Der Text nennt keine begangene Sünde Nahassons, für die er nun eigens ein Opfer bringen müsste. Sündopfer konnten im alttestamentlichen Heiligtumsdienst auch mit Reinigung und der geordneten Annäherung an Gott verbunden sein. Deshalb darf die Anwesenheit dieses Opfers nicht automatisch als Beweis für ein persönliches Fehlverhalten der Stammesführer verstanden werden. Sicher ist, dass es ausdrücklich zur vorgeschriebenen Einweihungsgabe gehörte.

Den umfangreichsten Teil der Tieropfer bildet das Dankopfer. Nahasson bringt dafür zwei Rinder, fünf Widder, fünf Böcke und fünf einjährige Lämmer. Die Schlachter 1951 bezeichnet diese Opferart als Dankopfer; der zugrunde liegende hebräische Begriff gehört zum größeren Bereich der Friedens- oder Gemeinschaftsopfer. Nach 3. Mose 3 und 7 wurden dabei bestimmte Teile auf dem Altar dargebracht, andere gehörten den Priestern, und unter den vorgeschriebenen Bedingungen konnte auch der Opfernde daran Anteil haben. So war diese Opferart mit der Gemeinschaft vor Gott verbunden. Ob die Stammesfürsten darüber hinaus jeweils einen bestimmten persönlichen Dank aussprechen wollten, berichtet das Kapitel nicht.

Am zweiten Tag tritt Netaneel aus Issaschar vor den Altar. Die Verse 19–23 wiederholen seine Gaben vollständig. Er bringt dieselben Silbergefäße mit denselben Gewichten, dieselbe goldene Schale mit Räucherwerk und dieselben Tieropfer wie Nahasson. Es gibt keinen erkennbaren Unterschied in der Menge oder im Wert der aufgeführten Gaben. Obwohl Juda die Opferreihe eröffnet hat, besitzt Issaschars Beitrag damit innerhalb dieser festgelegten Einweihungsordnung denselben Umfang.

Am dritten Tag folgt Eliab aus Sebulon. Wieder nennt der Bericht sämtliche Gefäße, Gewichte und Opfertiere. Auch seine Gaben stimmen vollständig mit denen der beiden vorhergehenden Stammesfürsten überein. Damit erhält jeder der drei Stämme einen eigenen Tag und eine eigenständige Erwähnung, obwohl der Inhalt ihrer Darbringung gleich ist. Diese sorgfältige Wiederholung wirkt auf heutige Leser möglicherweise ungewöhnlich. Eine moderne Zusammenfassung könnte nach dem ersten Tag einfach feststellen, dass die beiden folgenden Stammesfürsten dasselbe brachten. Der biblische Bericht entscheidet sich jedoch dafür, jeden Beitrag vollständig festzuhalten.

Die Wiederholung hat dadurch eine erkennbare literarische Wirkung. Keiner der drei Stammesfürsten verschwindet hinter dem anderen. Jeder wird mit seinem Namen, seiner Abstammung und seiner vollständigen Opfergabe genannt. Die gemeinsame Beteiligung am Heiligtum wird nicht nur durch eine Gesamtsumme ausgedrückt, sondern auch durch die einzelnen Beiträge seiner Vertreter. Es ist deshalb gut begründet, in dieser Anordnung eine besondere Würdigung der Beteiligung aller Stämme zu erkennen. Nicht ausdrücklich gesagt wird dagegen, dass sämtliche Stammesfürsten dieselben inneren Beweggründe oder dieselbe persönliche Glaubenstreue besaßen. Darüber berichtet der Text nichts.

Diese Unterscheidung zwischen gleicher Gabe und unterschiedlicher Stellung innerhalb des Volkes ist besonders aufschlussreich. Juda besitzt eine führende Position in der Lagerordnung. Issaschar und Sebulon folgen ihm in ihrer gemeinsamen Stammesgruppe. Dennoch führt diese Reihenfolge nicht zu größeren Opfergaben Judas oder geringeren Beiträgen der beiden anderen Stämme. Die organisatorische Stellung eines Stammes bestimmt hier nicht, wie viel er zur Altarweihe beitragen muss. Alle drei beteiligen sich nach derselben Ordnung an dem einen Heiligtum, das Gott inmitten Israels errichten ließ.

Die Einheit dieser Darbringung ist auch vor dem Hintergrund der Geschichte Israels bedeutsam. Die zwölf Stämme sind nicht einfach zwölf voneinander unabhängige Volksgruppen mit getrennten Heiligtümern. Sie gehören zu dem Volk, das Gott aus Ägypten befreit und mit dem er seinen Bund geschlossen hat. Bereits am Sinai hatte Gott Israel als sein besonderes Eigentum und als ein heiliges Volk bezeichnet (2. Mose 19,5–6). Die Einweihungsgaben machen diese gemeinsame Zugehörigkeit nun auf praktische Weise sichtbar. Jeder Stamm trägt dazu bei, dass der Gottesdienst an dem von Gott bestimmten Ort aufgenommen werden kann.

Dabei ist Vorsicht geboten, aus den gleichen Gaben eine allgemeine Vorschrift für die Höhe religiöser Spenden abzuleiten. Der Bericht beschreibt eine besondere Einweihungshandlung unter dem alten Bund. Er verlangt nicht, dass Menschen unterschiedlicher finanzieller Möglichkeiten zu jeder Zeit dieselben materiellen Beiträge leisten müssen. Die gleiche Ausstattung der zwölf Opfergaben gehört zur konkreten Ordnung dieses Kapitels. Die weiterführende geistliche Beobachtung liegt darin, dass die Beteiligung jedes Stammes ausdrücklich festgehalten wird und keiner durch eine größere Opfergabe eine hervorgehobene Stellung gegenüber den anderen erhält.

Mit dem dritten Tag ist die erste Lagergruppe vollständig vertreten. Juda, Issaschar und Sebulon haben ihre Gaben dargebracht, und der Altar ist an drei aufeinanderfolgenden Tagen Mittelpunkt der gemeinsamen Einweihung gewesen. Doch die Feier ist damit noch nicht abgeschlossen. Die übrigen neun Stämme sollen nach derselben Ordnung folgen. Als Nächstes treten die Vertreter Rubens, Simeons und Gads vor den HERRN. Ihre Gaben werden zeigen, dass die Einheitlichkeit der ersten drei Tage kein Zufall ist, sondern sich durch die gesamte Einweihung hindurch fortsetzt.

4. Mose 7,30–47

Ruben, Simeon und Gad: Die zweite Stammesgruppe bringt ihre Opfer

Am vierten Tag der Altarweihe beginnt die Beteiligung der zweiten Stammesgruppe. Elizur, der Sohn Sedeurs, tritt als Fürst des Stammes Ruben vor den HERRN. Ihm folgen am fünften Tag Selumiel, der Sohn Zuri-Schaddais, aus Simeon und am sechsten Tag Eliasaph, der Sohn Deguels, aus Gad. Auch diese drei Männer waren bereits bei der Musterung Israels genannt worden (4. Mose 1,5–6.14). Ihre Reihenfolge entspricht erneut der Lagerordnung, die Gott für sein Volk festgelegt hatte. Nach 4. Mose 2,10–16 lagerten diese Stämme südlich der Stiftshütte und bildeten unter Rubens Führung die zweite Abteilung beim Aufbruch.

Dass Ruben erst am vierten Tag an die Reihe kommt, ist besonders bemerkenswert. Ruben war der erstgeborene Sohn Jakobs (1. Mose 29,32). Nach gewöhnlichem familiärem Verständnis konnte mit der Erstgeburt eine besondere Vorrangstellung verbunden sein. Dennoch eröffnet nicht Ruben, sondern Juda die Reihe der Opfergaben. Diese Ordnung war bereits bei der Aufstellung des Lagers festgelegt worden. Eine weiterführende Erklärung findet sich in 1. Chronik 5,1–2: Dort wird beschrieben, dass Ruben seine Erstgeburtsstellung infolge seines Verhaltens verlor, das Erstgeburtsrecht Joseph zufiel und Juda eine führende Stellung unter seinen Brüdern erhielt. Die Geschichte Israels zeigt damit, dass die Erstgeburt nicht in jeder Hinsicht über die spätere Verantwortung eines Stammes entschied.

Für die Auslegung von 4. Mose 7 ist jedoch eine wichtige Grenze zu beachten. Der Bericht erklärt Rubens vierten Platz nicht ausdrücklich mit dessen früherem Fehlverhalten. Er folgt zunächst der bereits bestehenden Lagerordnung. Die Angaben aus 1. Chronik 5 helfen, den größeren geschichtlichen Hintergrund zu verstehen, dürfen aber nicht als unmittelbare Begründung ausgegeben werden, die der Text hier selbst nennt. Ebenso wenig bedeutet Rubens Stellung hinter Juda, dass seine Nachkommen vom gemeinsamen Gottesdienst ausgeschlossen oder ihre Gaben weniger wert gewesen wären. Gerade das Gegenteil wird sichtbar: Ruben erhält wie jeder andere Stamm seinen eigenen Tag und bringt dieselben Opfergaben dar.

Die Verse 31–35 beschreiben Elizurs Beitrag vollständig. Er bringt eine silberne Schüssel von 130 Schekeln und ein silbernes Sprengbecken von 70 Schekeln, beide mit feinem, ölvermischtem Mehl für das Speisopfer gefüllt. Dazu kommt eine goldene Schale von zehn Schekeln mit Räucherwerk. Als Brandopfer werden ein junger Stier, ein Widder und ein einjähriges Lamm genannt, außerdem ein Ziegenbock als Sündopfer. Für das Dank- beziehungsweise Friedensopfer bringt Elizur zwei Rinder, fünf Widder, fünf Böcke und fünf einjährige Lämmer. Damit entspricht seine Gabe in sämtlichen aufgeführten Einzelheiten den Gaben der ersten drei Stammesfürsten. Weder die spätere Reihenfolge seines Stammes noch dessen besondere Vorgeschichte verändern den Umfang seiner Beteiligung.

Am fünften Tag folgt Selumiel aus Simeon. Auch seine Opfergabe wird in den Versen 37–41 ohne Abkürzung beschrieben. Er bringt dieselben Silbergefäße, dieselbe goldene Schale mit Räucherwerk und dieselben Tieropfer. Die gleichbleibenden Mengen sind besonders aufschlussreich, wenn man sie mit den Zahlen der Volkszählung vergleicht. Nach 4. Mose 1,21 zählte Ruben 46.500 wehrfähige Männer, Simeon dagegen 59.300. Die Stämme waren also unterschiedlich groß. Trotzdem brachte der Vertreter des zahlenmäßig größeren Stammes keine umfangreichere Opfergabe dar. Für diese Einweihung galt eine einheitliche Ordnung, die nicht von der Zahl der gemusterten Männer abhängig gemacht wurde.

Simeons Beteiligung erinnert außerdem daran, dass die Geschichte eines Stammes nicht ausschließlich durch die Handlungen seines Stammvaters bestimmt werden darf. In 1. Mose 34 wird berichtet, wie Simeon und Levi gemeinsam gewaltsam gegen die Bewohner Sichems vorgingen. Jakob griff dieses Verhalten später in seinen abschließenden Worten über seine Söhne auf (1. Mose 49,5–7). Diese Ereignisse gehören zur Vorgeschichte Israels, doch 4. Mose 7 spricht kein neues Urteil über Simeons Stamm aus. Sein Fürst tritt vielmehr im Rahmen derselben Einweihungsordnung vor Gott wie die übrigen Vertreter. Die frühere Geschichte darf deshalb nicht dazu benutzt werden, Selumiels persönliche Gesinnung oder die geistliche Haltung sämtlicher Angehöriger Simeons zu beurteilen.

Am sechsten Tag bringt Eliasaph, der Sohn Deguels, die Opfergabe des Stammes Gad dar. Auch seine Gaben werden einzeln aufgeführt und stimmen mit den vorhergehenden überein. Gad hatte nach 4. Mose 1,25 insgesamt 45.650 gemusterte Männer und war damit etwas kleiner als Ruben und deutlich kleiner als Simeon. Dennoch gibt es auch hier keinen Unterschied bei den festgelegten Opfermengen. Mit Eliasaphs Beitrag ist die zweite Lagergruppe vollständig vertreten. Drei Stämme unterschiedlicher Größe und Geschichte haben jeweils ihren eigenen Tag erhalten und sind mit denselben Gaben am einen Altar beteiligt.

Bei Eliasaphs Namen begegnet allerdings eine kleine Besonderheit der Textüberlieferung. In 4. Mose 1,14 und 7,42 wird sein Vater Deguel genannt. Einige hebräische Textzeugen von 4. Mose 2,14 verwenden dagegen die Namensform Reguel beziehungsweise Reuel. Die beiden Formen unterscheiden sich im Hebräischen durch ähnlich aussehende Buchstaben. Die Schlachter 1951 weist in 4. Mose 2,14 außerdem eine abweichende Schreibweise des Namens des Stammesfürsten auf. Der Vergleich mit 4. Mose 1,14; 7,42 und 10,20 spricht dafür, dass dieselbe Person gemeint ist. Aus dieser Abweichung ergibt sich kein Hinweis auf einen zweiten Fürsten Gads und auch keine Veränderung der Opferreihenfolge.

Die wiederholten Opferlisten lassen nun einen weiteren wichtigen Zusammenhang erkennen. Alle drei Stämme nehmen entsprechend ihrer festgelegten Stellung an der Einweihung teil, doch keiner erhält durch seine Abstammung, seine Größe oder seine Reihenfolge das Recht, eine besondere Opferordnung für sich zu beanspruchen. Ruben ist der Stamm des Erstgeborenen, Simeon gehört zu den größeren Stämmen dieser Gruppe, und Gad besitzt eine andere Familiengeschichte. Vor dem Altar bringen ihre Vertreter dennoch dieselben vorgeschriebenen Gaben dar. Diese Gleichheit betrifft zunächst die konkrete Einweihungshandlung; sie bedeutet nicht, dass sämtliche Unterschiede in den Aufgaben, Rechten und Verantwortlichkeiten der Stämme aufgehoben wären.

Damit zeigt sich eine geordnete Gemeinschaft, in der unterschiedliche Stämme gemeinsam an dem von Gott eingesetzten Gottesdienst beteiligt sind. Ihre verschiedenen Plätze innerhalb des Lagers bleiben bestehen. Zugleich wird jeder Beitrag einzeln festgehalten. Die ausführliche Darstellung verhindert, dass die Beteiligung der später genannten Stämme hinter den ersten zurücktritt. Obwohl die Opfergaben gleich sind, erscheint jeder Stamm mit seinem eigenen Vertreter und seinem eigenen Tag im Bericht.

Nach dem sechsten Tag ist die Hälfte der Altarweihe abgeschlossen. Die beiden ersten Lagergruppen haben ihre Gaben vollständig dargebracht. Nun richtet sich die Erzählung auf die westliche Seite des israelitischen Lagers, wo Ephraim, Manasse und Benjamin ihren Platz hatten. Mit ihnen beginnt die zweite Hälfte der zwölf Opfertage.

4. Mose 7,48–65

Ephraim, Manasse und Benjamin: Die dritte Stammesgruppe bringt ihre Opfer

Am siebten Tag der Altarweihe beginnt die zweite Hälfte der Opferreihe. Nun treten die Vertreter jener drei Stämme vor den HERRN, die nach der Lagerordnung westlich der Stiftshütte ihren Platz hatten. Den Anfang macht Elisama, der Sohn Ammihuds, aus Ephraim. Am achten Tag folgt Gamliel, der Sohn Pedazurs, aus Manasse, und am neunten Tag bringt Abidan, der Sohn Gideonis, die Gaben Benjamins dar. Auch diese Reihenfolge entspricht genau der Anordnung aus 4. Mose 2,18–24. Die Einweihung folgt damit weiterhin der Ordnung, die Gott bereits für das Zusammenleben Israels festgelegt hatte.

Die Zusammensetzung dieser Stammesgruppe besitzt einen besonderen geschichtlichen Hintergrund. Ephraim und Manasse waren keine Söhne Jakobs, sondern seine Enkel. Ihr Vater war Joseph, den seine Brüder einst nach Ägypten verkauft hatten und den Gott später in eine hohe Stellung am ägyptischen Königshof führte. Nach 1. Mose 41,50–52 wurden Joseph dort zwei Söhne geboren: Manasse und Ephraim. Als Jakob vor seinem Tod die beiden Jungen segnete, stellte er sie seinen eigenen Söhnen gleich. In 1. Mose 48,5 erklärte er, dass Ephraim und Manasse für ihn wie Ruben und Simeon sein sollten. Dadurch erhielten Josephs Nachkommen eine besondere Stellung innerhalb der späteren Stammesordnung Israels.

Diese Entscheidung erklärt, weshalb Ephraim und Manasse hier als zwei eigenständige Stämme auftreten, während Joseph nicht zusätzlich als eigener Stamm genannt wird. Die beiden Söhne vertreten gemeinsam das Erbe ihres Vaters, besitzen jedoch jeweils eine eigene Stammesgemeinschaft. Ihre Stellung steht zugleich mit dem Erstgeburtsrecht in Verbindung, das nach 1. Chronik 5,1–2 von Ruben auf Joseph überging. In der Lagerordnung zeigt sich diese besondere Stellung dadurch, dass Ephraim und Manasse jeweils mit einem eigenen Stammesfürsten vertreten sind. Dennoch dürfen aus dieser geschichtlichen Besonderheit keine zusätzlichen Vorrechte bei der Altarweihe abgeleitet werden. Beide bringen dieselben Gaben wie die anderen Stämme dar.

Besonders bemerkenswert ist, dass Ephraim vor Manasse genannt wird. Eigentlich war Manasse der ältere Bruder. Als Jakob die beiden Enkel segnete, legte er jedoch seine rechte Hand bewusst auf Ephraim, obwohl Joseph seinen jüngeren Sohn anders vor ihn gestellt hatte. Joseph versuchte, die Hände seines Vaters zu korrigieren, doch Jakob blieb bei seiner Entscheidung. Er erklärte, dass auch Manasse zu einem großen Volk werden sollte, Ephraim aber eine noch größere Bedeutung erhalten werde (1. Mose 48,13–20). Die spätere Reihenfolge der Stämme steht somit in einem erkennbaren Zusammenhang mit diesem früheren Segen.

Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, Ephraim sei aufgrund besonderer persönlicher Verdienste über seinen Bruder gestellt worden. Die Erzählung in 1. Mose 48 begründet die Reihenfolge nicht mit einer größeren Frömmigkeit des jüngeren Sohnes. Sie zeigt vielmehr, dass Gottes Verheißungen nicht immer den menschlichen Erwartungen über die Stellung des Erstgeborenen folgen. Ähnliche Veränderungen der gewohnten Rangordnung begegnen bereits bei Isaak und Ismael sowie bei Jakob und Esau. Jede dieser Geschichten besitzt ihren eigenen Zusammenhang. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass die Weitergabe göttlicher Verheißungen nicht einfach auf die gewöhnlichen Regeln menschlicher Vorrangstellung reduziert werden kann.

In den Versen 49–53 wird die Opfergabe Elisamas vollständig beschrieben. Er bringt eine silberne Schüssel von 130 Schekeln und ein silbernes Sprengbecken von 70 Schekeln, beide mit feinem, ölvermischtem Mehl für das Speisopfer gefüllt. Hinzu kommt eine goldene Schale von zehn Schekeln mit Räucherwerk. Für das Brandopfer bringt er einen jungen Stier, einen Widder und ein einjähriges Lamm, dazu einen Ziegenbock als Sündopfer. Sein Dankopfer besteht aus zwei Rindern, fünf Widdern, fünf Böcken und fünf einjährigen Lämmern. Diese Gaben stimmen genau mit denen der sechs zuvor genannten Stammesfürsten überein. Obwohl Ephraim innerhalb seiner Lagergruppe die Führung besitzt und aus einer besonderen Segensgeschichte hervorgegangen ist, erhält sein Opfer dadurch keinen größeren materiellen Umfang.

Am achten Tag folgt Gamliel aus Manasse. Die Verse 55–59 nennen erneut dieselben Silbergefäße, das Räucherwerk und sämtliche Tieropfer. Gerade im Vergleich mit Ephraim ist diese Wiederholung aufschlussreich. Manasse war zwar der ältere Sohn Josephs, hatte aber bei Jakobs Segen nicht dieselbe Vorrangstellung erhalten wie sein jüngerer Bruder. Dennoch wird seine Beteiligung an der Altarweihe nicht verkürzt oder geringer bewertet. Gamliel bringt weder weniger Silber noch weniger Tiere dar. Auch sein Stamm erhält einen vollständigen eigenen Abschnitt im Bericht. Die unterschiedliche Stellung der beiden Brüder innerhalb der Stammesgeschichte verändert hier nicht die vorgeschriebene Gleichheit ihrer Opfergaben.

Damit begegnen zwei verschiedene Ordnungen, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Die eine betrifft die geschichtliche Berufung und besondere Verantwortung eines Stammes. Die andere regelt seine Beteiligung am gemeinsamen Heiligtumsdienst. Ephraim steht bei dieser Stammesgruppe an erster Stelle, doch Manasse bleibt ein vollwertiger Teilnehmer der Einweihung. Die Führung des einen Stammes hebt die Zugehörigkeit des anderen nicht auf. Gerade weil der Bibeltext die gleichen Gaben erneut vollständig nennt, bleibt die Beteiligung beider sichtbar.

Am neunten Tag tritt schließlich Abidan aus Benjamin vor den Altar. Seine Abstammung unterscheidet sich von derjenigen der beiden vorherigen Stammesfürsten. Benjamin war der jüngste Sohn Jakobs und der leibliche Bruder Josephs. Beide hatten dieselbe Mutter, Rahel. Ihre Familiengeschichte ist eng miteinander verbunden, denn Joseph begegnete seinem jüngeren Bruder später in Ägypten wieder, nachdem die übrigen Brüder ihn dorthin verkauft hatten. In 1. Mose 43–45 nimmt Benjamin eine wichtige Stellung innerhalb der Erzählung über Josephs Wiedersehen mit seiner Familie ein. Diese gemeinsame Herkunft erklärt die besondere familiäre Nähe der drei Stämme, die nun westlich der Stiftshütte zusammen lagern.

Obwohl Benjamin aus derselben mütterlichen Familienlinie stammt, ist sein Stamm nicht einfach ein Teil der Nachkommen Josephs. Benjamin war selbst ein Sohn Jakobs und besaß eine eigenständige Stellung unter den Stämmen Israels. Deshalb bringt sein Fürst am neunten Tag eine eigene Opfergabe. Die Verse 61–65 beschreiben sie vollständig: dieselben beiden Silbergefäße mit feinem, ölvermischtem Mehl, dieselbe goldene Schale mit Räucherwerk und dieselben vorgeschriebenen Brand-, Sünd- und Dankopfer. Weder seine enge Verwandtschaft mit Joseph noch seine Stellung als jüngster Sohn Jakobs führt zu einer abweichenden Opferordnung.

Die drei aufeinanderfolgenden Tage zeigen damit, wie unterschiedlich die Geschichte einzelner Stämme sein konnte, obwohl sie gemeinsam vor demselben Gott standen. Ephraim und Manasse waren durch Jakob in die Stellung eigener Stammesväter erhoben worden. Ephraim hatte als jüngerer Bruder den Vorrang erhalten, obwohl Manasse der Erstgeborene war. Benjamin gehörte dagegen unmittelbar zu Jakobs zwölf Söhnen. Diese Unterschiede waren für die Geschichte Israels bedeutsam, bestimmten aber nicht den Umfang ihrer Einweihungsgaben. Alle drei Stammesfürsten brachten die gleichen Opfer und beteiligten sich am selben Heiligtum.

Dabei ist es wichtig, die Bedeutung der wiederholten Opferlisten nicht zu überdehnen. Der Text sagt nicht, dass die Stämme in jeder Hinsicht gleich waren oder später dieselbe geschichtliche Entwicklung durchlaufen würden. Ebenso wenig erklärt er, dass ihre Vertreter dieselbe persönliche Glaubenshaltung besaßen. Er beschreibt eine konkrete gemeinsame Handlung, bei der die Beteiligung jedes Stammes nach einer einheitlichen Ordnung erfolgte. Darin liegt die erkennbare Gemeinsamkeit: Unterschiedliche Herkunft, verschiedene geschichtliche Verheißungen und unterschiedliche Führungsstellungen verändern nichts daran, dass jeder dieser Stämme seinen vorgesehenen Beitrag zur Einweihung des einen Altars leistet.

Mit Benjamins Opfer am neunten Tag sind nun drei der vier großen Lagergruppen vollständig vertreten. Neun Stammesfürsten haben ihre Gaben dargebracht, ohne dass sich die vorgeschriebenen Mengen verändert hätten. Die Einweihung nähert sich damit ihrem Abschluss. Noch fehlen die drei Stämme der nördlichen Lagergruppe: Dan, Asser und Naphtali. Ihre Vertreter werden an den letzten drei Tagen vor den HERRN treten und die Reihe der zwölf Stammesgaben vollenden.

4. Mose 7,66–83

Dan, Asser und Naphtali: Die letzten drei Opfertage

Am zehnten Tag der Altarweihe beginnt die Beteiligung der vierten und letzten Stammesgruppe. Achieser, der Sohn Ammi-Schaddais, tritt als Fürst des Stammes Dan vor den HERRN. Ihm folgen am elften Tag Pagiel, der Sohn Ochrans, aus Asser und am zwölften Tag Ahira, der Sohn Enans, aus Naphtali. Mit diesen drei Männern sind schließlich sämtliche zwölf Stammesfürsten an der Einweihung des Altars beteiligt. Auch ihre Reihenfolge entspricht genau der Ordnung, die Gott zuvor für das Lager Israels festgelegt hatte. Nach 4. Mose 2,25–31 lagerten Dan, Asser und Naphtali nördlich der Stiftshütte und bildeten gemeinsam die vierte große Abteilung des Volkes.

Dass Dan die letzte Stammesgruppe anführt, bedeutet keineswegs, dass ihm innerhalb Israels nur eine unbedeutende Aufgabe zukam. Nach 4. Mose 10,25 sollte seine Abteilung beim Aufbruch die Nachhut aller Lager bilden. Während Juda an der Spitze des Zuges stand, schlossen Dan und die beiden zugehörigen Stämme die geordnete Wanderung ab. Damit besaß auch die letzte Gruppe eine festgelegte Stellung innerhalb der Gemeinschaft. Die Bibel beschreibt hier keine Rangordnung, nach der die zuerst ziehenden Stämme vor Gott wertvoller gewesen wären. Vielmehr erhielt jede Abteilung ihren bestimmten Platz und ihre Aufgabe.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Größe der nördlichen Lagergruppe. Nach 4. Mose 2,31 umfassten die drei Stämme zusammen 157.600 gemusterte Männer. Damit war diese Abteilung sogar größer als die Lagergruppen Rubens und Ephraims. Ihre letzte Stellung beim Aufbruch lässt sich also nicht damit erklären, dass sie lediglich die kleinste oder schwächste Gruppe gewesen wäre. Warum Gott gerade diese Reihenfolge festlegte, wird nicht in allen Einzelheiten erläutert. Sicher ist jedoch, dass auch die Nachhut zur geordneten Bewegung des gesamten Volkes gehörte.

Am zehnten Tag bringt Achieser seine Opfergabe dar. Die Verse 67–71 nennen eine silberne Schüssel von 130 Schekeln und ein silbernes Sprengbecken von 70 Schekeln. Beide enthalten feines, mit Öl vermengtes Mehl für das Speisopfer. Hinzu kommt eine goldene Schale von zehn Schekeln, gefüllt mit Räucherwerk. Als Brandopfer bringt er einen jungen Stier, einen Widder und ein einjähriges Lamm, außerdem einen Ziegenbock als Sündopfer. Für das Dank- beziehungsweise Friedensopfer folgen zwei Rinder, fünf Widder, fünf Böcke und fünf einjährige Lämmer. Damit unterscheidet sich seine Darbringung in keiner der aufgeführten Einzelheiten von den Gaben der neun vorhergehenden Stammesfürsten.

Gerade bei Dan ist diese Übereinstimmung aufschlussreich. Seine Stammesgruppe nimmt beim Aufbruch die letzte Stellung ein, doch seine Opfergabe wird weder verkleinert noch weniger ausführlich beschrieben. Auch der zehnte Tag erhält im biblischen Bericht seinen vollständigen Platz. Die feste Reihenfolge des Lagers bestimmt, wann ein Stamm an die Reihe kommt, aber sie führt nicht dazu, dass später genannte Stämme einen geringeren Beitrag zur Einweihung leisten. Auf diese Weise unterscheidet der Text zwischen den verschiedenen Aufgaben innerhalb Israels und der gemeinsamen Beteiligung am Gottesdienst.

Am elften Tag tritt Pagiel aus Asser vor den Altar. Auch seine Gabe wird in den Versen 73–77 einzeln aufgeführt. Er bringt die beiden Silbergefäße mit zusammen 200 Schekeln Gewicht, die goldene Schale mit Räucherwerk und die vorgeschriebenen Tieropfer. Ein junger Stier, ein Widder und ein einjähriges Lamm dienen als Brandopfer, ein Ziegenbock als Sündopfer. Für das Dankopfer werden wiederum zwei Rinder, fünf Widder, fünf Böcke und fünf einjährige Lämmer genannt. Die gleichbleibende Zusammenstellung bestätigt, dass auch die letzten Tage derselben Einweihungsordnung folgen wie die ersten.

Der Stamm Asser besitzt innerhalb der Geschichte Israels einen eigenen familiären Hintergrund. Sein Stammvater war ein Sohn Jakobs und Silpas, der Magd Leas (1. Mose 30,12–13). In den späteren Segensworten Jakobs wird Asser mit reicher Nahrung in Verbindung gebracht (1. Mose 49,20). Diese Verheißung gehört zur besonderen Geschichte des Stammes, doch 4. Mose 7 stellt keinen ausdrücklichen Zusammenhang zwischen ihr und Pagiels Opfergabe her. Es wäre deshalb unbegründet, aus den silbernen Gefäßen, dem Mehl oder den Tieren eine besondere Erfüllung jener Verheißung abzuleiten. Die Opfergaben Assers sind nicht aufgrund seiner Stammesgeschichte zusammengestellt, sondern entsprechen der einheitlichen Ordnung der Altarweihe.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Bibel jedem Stamm eine eigene Geschichte und an verschiedenen Stellen auch besondere Verheißungen zuordnet. Solche Unterschiede dürfen bei der Auslegung berücksichtigt werden, wenn sie den jeweiligen Text tatsächlich erklären. Sie berechtigen jedoch nicht dazu, in gleichlautende Opferlisten zwölf verschiedene verborgene Bedeutungen hineinzulesen. Der Bericht selbst hebt vielmehr hervor, dass jeder Stammesfürst seine Gaben nach demselben Muster darbringt. Die Eigenständigkeit der Stämme zeigt sich in ihren Namen und ihrer Herkunft, während ihre Beteiligung an der Einweihung einer gemeinsamen Ordnung folgt.

Am zwölften und letzten Tag bringt Ahira, der Sohn Enans, die Opfergabe Naphtalis dar. Auch dieser Stamm gehört zur nördlichen Lagergruppe. Sein Stammvater war ein Sohn Jakobs und Bilhas, der Magd Rahels (1. Mose 30,7–8). Damit bestand innerhalb der letzten Lagergruppe eine weitere familiäre Verbindung, denn auch Dan war ein Sohn Bilhas. Trotz dieser gemeinsamen Herkunft besaßen beide Stämme ihre eigene Stellung und wurden durch unterschiedliche Fürsten vertreten. Dan hatte seine Opfer bereits am zehnten Tag gebracht; Naphtali erhält nun den abschließenden zwölften Tag.

Die Verse 79–83 beschreiben Ahiras Darbringung ebenso vollständig wie die vorhergehenden. Die silberne Schüssel wiegt 130 Schekel, das silberne Sprengbecken 70 Schekel. Beide sind mit feinem, ölvermischtem Mehl gefüllt. Die goldene Schale von zehn Schekeln enthält Räucherwerk. Für das Brandopfer werden ein junger Stier, ein Widder und ein einjähriges Lamm gebracht, dazu ein Ziegenbock als Sündopfer. Das Dankopfer besteht schließlich aus zwei Rindern, fünf Widdern, fünf Böcken und fünf einjährigen Lämmern. Mit der abschließenden Feststellung, dass dies die Opfergabe Ahiras war, endet die Reihe der einzelnen Stammesgaben.

Gerade der letzte Tag macht die ungewöhnliche Ausführlichkeit des Kapitels noch einmal verständlich. Der Bericht hätte bereits nach der ersten Opfergabe feststellen können, dass alle übrigen Stammesfürsten dieselben Gaben brachten. Stattdessen werden zwölf Tage, zwölf Männer und zwölf vollständige Darbringungen genannt. Auch Ahira, dessen Stamm zuletzt an die Reihe kommt, erhält denselben Raum wie Nahasson aus Juda am Anfang. Die Wiederholung hält damit nicht nur die Mengen der Opfer fest. Sie lässt auch jeden einzelnen Vertreter innerhalb des gemeinsamen Geschehens sichtbar werden.

Dabei entsteht ein wichtiger Unterschied zwischen der Stellung eines Stammes innerhalb der Lagerordnung und seiner Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Juda führt den Zug an, während Dan mit seiner Gruppe den Abschluss bildet. Ephraim besitzt eine besondere Führungsstellung innerhalb der Nachkommen Josephs, während andere Stämme andere Aufgaben übernehmen. Bei der Einweihung des Altars bringen ihre Vertreter jedoch gleichartige Gaben vor denselben HERRN. Der Altar gehört nicht einem bevorzugten Stamm, sondern steht im Heiligtum des Gottes, der seinen Bund mit ganz Israel geschlossen hat.

Auch die Familiengeschichte der letzten drei Stämme erinnert daran, dass Israel aus unterschiedlichen Zweigen der Familie Jakobs hervorgegangen war. Die zwölf Stammesgemeinschaften besaßen nicht alle dieselbe Herkunftsgeschichte, dieselbe Größe oder dieselbe Aufgabe. Trotzdem wurden sie in einer gemeinsamen Ordnung um das Heiligtum versammelt. Ihre Unterschiede wurden durch diese Zugehörigkeit nicht ausgelöscht. Vielmehr gehörten sie gemeinsam zu dem Volk, in dessen Mitte Gott wohnen wollte. Die zwölf Einweihungstage geben dieser Einheit eine besonders sichtbare Gestalt.

Es wäre allerdings zu weitgehend, aus dieser Gleichheit der Gaben abzuleiten, dass alle zwölf Stämme auch in ihrem späteren Verhalten dieselbe Treue zeigen würden. Die folgenden biblischen Bücher berichten von erheblichen Unterschieden, von Glauben und Gehorsam, aber auch von Untreue und Götzendienst. Die Altarweihe ist deshalb kein Versprechen, dass alle Beteiligten und ihre Nachkommen dauerhaft auf demselben geistlichen Weg bleiben würden. Sie beschreibt zunächst einen bestimmten Zeitpunkt, an dem sämtliche Stämme durch ihre Vertreter an der Einweihung des Heiligtums beteiligt waren.

Mit dem Opfer Ahiras ist diese gemeinsame Darbringung vollständig abgeschlossen. Alle vier Lagergruppen haben ihren Platz in der Einweihung eingenommen, und kein Stamm fehlt in der Reihe. Was zuvor an zwölf einzelnen Tagen ausführlich beschrieben wurde, kann nun als Ganzes betrachtet werden. Deshalb fasst der folgende Abschnitt sämtliche Silber- und Goldgefäße sowie alle Tieropfer zusammen. Die Gesamtsummen werden noch einmal bestätigen, dass jede einzelne Gabe zu einer gemeinsamen, sorgfältig geordneten Einweihung gehörte.

4. Mose 7,84–88

Die Gesamtsumme der Einweihungsgaben

Nachdem alle zwölf Stammesfürsten ihre Opfergaben dargebracht haben, fasst der Bericht die gesamte Einweihung des Altars zusammen. Was zuvor über zwölf Tage hinweg einzeln beschrieben wurde, erscheint nun als gemeinsame Gabe Israels. Die zahlreichen Wiederholungen werden dadurch zu einem vollständigen Gesamtbild zusammengeführt. Jeder Stammesfürst hatte seinen eigenen Tag erhalten, jeder war namentlich genannt worden, und nun wird sichtbar, welchen Umfang ihre gemeinsame Darbringung erreichte.

Zunächst zählt Vers 84 die kostbaren Gefäße auf: zwölf silberne Schüsseln, zwölf silberne Sprengbecken und zwölf goldene Schalen. Insgesamt waren es 36 Gefäße, die für die Einweihung des Altars gebracht wurden. Die Zahl ergibt sich unmittelbar aus den zuvor beschriebenen Einzelgaben. Jeder Stammesfürst hatte genau eine Schüssel, ein Sprengbecken und eine goldene Schale beigesteuert. Die abschließende Aufzählung bestätigt somit, dass die Gaben aller zwölf Vertreter vollständig berücksichtigt wurden.

Vers 85 nennt anschließend das Gesamtgewicht der silbernen Gefäße. Jede Schüssel wog 130 Schekel und jedes Sprengbecken 70 Schekel. Zusammen ergaben die zwölf Schüsseln 1.560 Schekel und die zwölf Sprengbecken weitere 840 Schekel. Das gesamte Silbergewicht betrug damit genau 2.400 Schekel. Diese Summe stimmt mit den Einzelangaben überein. Als Maßstab wird erneut der Schekel des Heiligtums genannt. Dadurch ist erkennbar, dass die Gewichte nach einem festgelegten Maß angegeben wurden und nicht lediglich eine ungefähre Beschreibung des materiellen Wertes darstellen.

Die zwölf goldenen Schalen enthielten Räucherwerk und wogen jeweils zehn Schekel. Ihr Gesamtgewicht betrug nach Vers 86 genau 120 Schekel Gold. Auch hier stimmen die einzelnen Angaben mit der abschließenden Summe überein. Auffällig ist die Genauigkeit, mit der die kostbaren Materialien erfasst werden. Der Bericht interessiert sich nicht nur dafür, dass die Stammesfürsten wertvolle Gegenstände darbrachten. Er hält ebenso fest, um welche Gefäße es sich handelte, welches Gewicht sie besaßen und wofür ihre Inhalte bestimmt waren. Bei den Silbergefäßen gehörte das feine, mit Öl vermengte Mehl zum Speisopfer, während die goldenen Schalen das Räucherwerk enthielten.

Diese Angaben bezeugen eine sorgfältig geordnete Darbringung. Allerdings sollten die einzelnen Gewichte nicht ohne biblische Grundlage zu verborgenen Symbolen erklärt werden. Weder die 130 Schekel einer Schüssel noch die 70 Schekel eines Sprengbeckens werden hier mit einer besonderen geistlichen Bedeutung verbunden. Die Zahlen ermöglichen zunächst eine genaue Beschreibung und Überprüfung der Opfergaben. Ihr Wert für die Auslegung liegt vor allem darin, dass die Beiträge der Stammesfürsten vollständig und nachvollziehbar erfasst werden.

Nach den kostbaren Gefäßen richtet sich der Blick auf die Tieropfer. Vers 87 nennt für die Brandopfer insgesamt zwölf junge Stiere, zwölf Widder und zwölf einjährige Lämmer. Hinzu kommen die dazugehörigen Speisopfer. Jeder Stammesfürst hatte von diesen drei Tierarten jeweils eines dargebracht, sodass insgesamt 36 Tiere für die Brandopfer zusammenkamen. Außerdem wurden zwölf Ziegenböcke als Sündopfer gebracht. Damit ist auch bei diesen Opferarten die gleichmäßige Beteiligung aller Stammesvertreter erkennbar.

Die Unterscheidung der Opferarten bleibt dabei wichtig. Brandopfer und Sündopfer hatten innerhalb des israelitischen Heiligtumsdienstes unterschiedliche vorgeschriebene Funktionen. Die gemeinsame Einweihung vereinte sie, ohne ihre jeweiligen Bedeutungen aufzuheben. Insbesondere berichtet der Text nicht, dass die zwölf Stammesfürsten zuvor eine bestimmte gemeinsame Sünde begangen hätten, die nun gesühnt werden musste. Die Sündopfer gehören zur beschriebenen Einweihung des Altars. Ihre Anwesenheit darf deshalb nicht als Beleg für eine ungenannte persönliche Verfehlung ausgelegt werden.

Den zahlenmäßig größten Teil bilden die Dank- beziehungsweise Friedensopfer aus Vers 88. Insgesamt werden dafür 24 Rinder, 60 Widder, 60 Böcke und 60 einjährige Lämmer genannt. Diese Zahlen ergeben sich aus der zwölfmaligen Darbringung von jeweils zwei Rindern sowie fünf Tieren jeder der drei übrigen Gruppen. Allein die Friedensopfer umfassen somit 204 Tiere. Zusammen mit den 36 Brandopfertieren und den zwölf Ziegenböcken für die Sündopfer ergibt sich eine Gesamtzahl von 252 Opfertieren während der zwölf Einweihungstage.

Der große Umfang dieser Gaben zeigt, welche Bedeutung der Einweihung des Altars innerhalb der Gemeinschaft Israels zukam. Dennoch wäre es ungenau, aus der Menge der Tiere allein auf die persönliche Glaubenstreue der Stammesfürsten zu schließen. Die Bibel macht auch an anderen Stellen deutlich, dass äußerlich umfangreiche Opfer nicht unabhängig von der Haltung und dem Verhalten des Menschen beurteilt werden können. In 1. Samuel 15,22 wird beispielsweise der Gehorsam gegenüber Gottes Wort über das bloße Darbringen von Opfern gestellt. Für 4. Mose 7 bedeutet das nicht, dass die beschriebenen Gaben kritisiert werden müssten. Hier werden sie vielmehr als Teil der von Gott geordneten Einweihung dargestellt. Es bedeutet lediglich, dass ihr materieller Umfang nicht mit einem vollständigen Urteil über das Herz der Gebenden verwechselt werden darf.

Bemerkenswert ist außerdem, dass der Bericht bei seiner abschließenden Zusammenfassung keine Rangfolge der persönlichen Großzügigkeit aufstellt. Obwohl jeder Stammesfürst einzeln genannt wurde, werden die Gaben nun nicht mehr nach ihren Gebern unterschieden. Sie bilden gemeinsam die Einweihungsgabe des Altars. Die zwölf Stämme haben ihre unterschiedlichen Plätze und Aufgaben innerhalb Israels behalten, doch ihre Opfer gehören zu demselben Gottesdienst. So entsteht aus zwölf einzelnen Darbringungen eine gemeinsame Handlung des Volkes vor dem HERRN.

Dabei müssen die Opfergaben von den Wagen und Rindern unterschieden werden, die zu Beginn des Kapitels für den Transport der Stiftshütte gebracht worden waren. Jene zwölf Rinder dienten zusammen mit den sechs Wagen den Aufgaben der Leviten. Sie gehörten nicht zu den hier zusammengezählten Opfertieren. Dadurch zeigt sich noch einmal, dass die Stammesfürsten auf zwei verschiedene Weisen zur Einweihung beitrugen. Die ersten Gaben ermöglichten den praktischen Transport des Heiligtums. Die späteren Gaben gehörten unmittelbar zu den vorgeschriebenen Opferhandlungen am Altar. Beide Formen der Beteiligung dienten demselben Heiligtum, erfüllten jedoch unterschiedliche Aufgaben.

Am Ende von Vers 88 wird die gesamte Darbringung noch einmal als Einweihungsgabe des Altars bezeichnet, nachdem dieser gesalbt worden war. Damit schließt sich der Kreis zum Beginn des Kapitels. Dort hatte Mose den Altar nach Gottes Anweisung gesalbt und geheiligt. Anschließend waren die Stammesfürsten mit ihren Gaben vorgetreten. Die feierlichen Opferhandlungen begründeten nicht eigenständig die Heiligkeit des Altars, sondern gehörten zur Einweihung des bereits für Gottes Dienst ausgesonderten Ortes.

Gerade dieser Zusammenhang schützt vor der Vorstellung, dass sich Gottes Gegenwart durch den materiellen Wert religiöser Gaben herbeiführen ließe. Der Altar war nach Gottes Anweisung errichtet und geheiligt worden. Die Stammesfürsten beteiligten sich an seiner Einweihung, doch sie konnten Gott nicht durch die Menge ihrer Opfer zum Handeln verpflichten. Die Bedeutung des Heiligtums beruhte letztlich nicht auf den kostbaren Gefäßen oder der großen Zahl der Tiere, sondern darauf, dass Gott diesen Ort für seinen Dienst bestimmt hatte.

Damit ist die ausführliche Darstellung der Einweihungsgaben abgeschlossen. Alle zwölf Stammesfürsten haben ihren Beitrag geleistet, die Opfer wurden vollständig erfasst und die Gesamtsummen festgehalten. Der Bericht könnte an dieser Stelle enden. Doch es folgt noch ein letzter Vers, der den Blick von den Gaben der Menschen auf die Gegenwart Gottes lenkt.

Während bisher beschrieben wurde, was Israel zum Heiligtum brachte, berichtet Vers 89 davon, was Mose dort empfing. Er hörte Gottes Stimme aus dem Bereich über der Bundeslade, zwischen den beiden Cherubim. Damit tritt der eigentliche Zweck der Stiftshütte hervor: Sie war nicht nur ein Ort, an dem Israel Opfer darbrachte, sondern auch der von Gott bestimmte Ort, an dem er sich Mose offenbarte und zu ihm redete.

4. Mose 7,89

Mose hört Gottes Stimme zwischen den Cherubim

Mose betritt die Stiftshütte, um mit dem HERRN zu reden. Dort hört er eine Stimme, die aus dem innersten Bereich des Heiligtums zu ihm spricht. Der Bericht beschreibt ihren Ursprung mit bemerkenswerter Genauigkeit: Sie kommt von oberhalb des Sühndeckels auf der Lade des Zeugnisses, zwischen den beiden Cherubim. Damit erhält die Erzählung einen Abschluss, der über die zuvor beschriebenen Einweihungshandlungen hinausführt. Im Mittelpunkt steht nun die Begegnung zwischen Gott und Mose, bei der Gott selbst das Wort ergreift.

Um die Bedeutung dieser Begegnung zu verstehen, müssen wir zu den Anweisungen zurückkehren, die Mose bereits am Sinai erhalten hatte. In 2. Mose 25,10–22 befahl Gott die Herstellung der Bundeslade. Sie sollte aus Akazienholz bestehen, mit Gold überzogen und mit den vorgeschriebenen Tragstangen versehen werden. In ihr sollte das Zeugnis aufbewahrt werden, das Gott Mose geben würde. Dazu gehörten die steinernen Tafeln mit den Worten des Bundes, wie 5. Mose 10,1–5 bestätigt. Über der Lade befand sich ein goldener Deckel, auf dem zwei Cherubim mit ausgebreiteten Flügeln angebracht waren. Dieser Deckel wird in der Schlachter 1951 als Sühndeckel bezeichnet.

Schon damals hatte Gott Mose eine besondere Verheißung gegeben. Er würde ihm dort begegnen und von oberhalb des Sühndeckels, zwischen den beiden Cherubim, zu ihm sprechen (2. Mose 25,22). Nun begegnen in 4. Mose 7,89 genau diese Ortsangaben wieder. Der Zusammenhang ist deshalb besonders stark: Was Gott bei der Anordnung des Heiligtums als Ort seiner Mitteilungen bestimmt hatte, wird hier in der Begegnung mit Mose beschrieben. Die Lade war nicht nur ein kostbarer Gegenstand im Inneren der Stiftshütte. Sie gehörte zu dem von Gott eingesetzten Ort, an dem er seine Gegenwart offenbarte und seinem Volk durch Mose weitere Anweisungen gab.

Dabei ist wichtig, was die Cherubim bedeuteten und was nicht. Nach 2. Mose 25,18–20 waren sie aus Gold gearbeitet und bildeten mit dem Sühndeckel eine zusammengehörige Einheit. Ihre Flügel waren nach oben ausgebreitet und überschatteten den Deckel, während ihre Gesichter einander zugewandt waren. Die Bibel verwendet Cherubim auch an anderen Stellen im Zusammenhang mit Gottes besonderer Gegenwart und seiner himmlischen Herrschaft, etwa in Psalm 99,1. Doch die goldenen Cherubim waren nicht selbst göttliche Wesen, die angebetet werden sollten. Sie gehörten zu der Ausstattung, die Gott für sein Heiligtum vorgeschrieben hatte. Ebenso wenig bedeutet die Ortsangabe, dass Gott räumlich auf die Bundeslade begrenzt gewesen wäre. Salomo erklärte später ausdrücklich, dass selbst die Himmel Gott nicht fassen können (1. Könige 8,27). Der Sühndeckel bezeichnete einen besonderen Ort seiner Offenbarung, nicht die Grenzen seiner Existenz.

Der hebräische Begriff für den Sühndeckel lautet kapporet. Dieser Gegenstand spielte später auch am großen Versöhnungstag eine entscheidende Rolle. Nach 3. Mose 16,14–16 wurde dort Blut im Rahmen der vorgeschriebenen Sühn- und Reinigungshandlungen verwendet. Damit stehen im innersten Bereich des Heiligtums mehrere wichtige Bestandteile des Bundes miteinander in Verbindung: die Lade mit Gottes Zeugnis, der Sühndeckel als Teil des Versöhnungsdienstes und die von Gott verheißene Gegenwart. Diese Verbindung ist im biblischen Text ausdrücklich angelegt. Ihre tiefere geistliche Bedeutung muss jedoch aus den jeweiligen Vorschriften und ihrem Zusammenhang entwickelt werden. Die bloße Anordnung der Gegenstände erklärt nicht von selbst jede Einzelheit des späteren Erlösungsplans.

Besonders aufschlussreich ist, dass Mose Gottes Stimme hört. Die Begegnung bleibt nicht bei einem sichtbaren Zeichen der göttlichen Herrlichkeit stehen. Gott teilt sich durch Worte mit, die Mose verstehen kann. Schon zuvor hatte Gott mit Mose gesprochen, ihm Gebote gegeben und seinen Willen offenbart. In 4. Mose 12,6–8 wird später ausdrücklich hervorgehoben, dass Gottes Reden zu Mose eine besondere Stellung gegenüber anderen prophetischen Offenbarungen besaß. Während Gott sich Propheten auch durch Gesichte und Träume zu erkennen gab, beschrieb er die Verständigung mit Mose als unmittelbar und deutlich. Die Begegnung in 4. Mose 7,89 gehört in diesen größeren Zusammenhang seiner außergewöhnlichen Berufung als Mittler des Bundes.

Allerdings nennt der Vers nicht, welche Worte Gott bei dieser Gelegenheit sprach. Er beschreibt die Stimme und ihren Ursprung, überliefert aber keinen bestimmten Gesprächsinhalt. Auch die einleitende Formulierung, dass Mose beim Betreten der Stiftshütte Gottes Stimme hörte, kann eine wiederkehrende Weise der Begegnung beschreiben. Der Text muss deshalb nicht auf ein einziges Gespräch unmittelbar nach dem letzten Opfertag beschränkt werden. Ebenso wenig lässt sich sicher behaupten, Mose habe hier zum ersten Mal seit der Errichtung des Heiligtums Gottes Stimme gehört. Entscheidend ist die beschriebene Möglichkeit, dass Gott an dem von ihm bestimmten Ort zu Mose redete.

Dabei stellt sich eine Frage, die beim Vergleich mit 2. Mose 40,34–35 entstehen kann. Dort wird berichtet, dass die Wolke die Stiftshütte bedeckte und die Herrlichkeit des HERRN sie erfüllte. Mose konnte in diesem Augenblick nicht hineingehen, weil die Wolke darauf ruhte und Gottes Herrlichkeit die Wohnung erfüllte. In 4. Mose 7,89 dagegen betritt Mose die Stiftshütte und hört Gottes Stimme. Die beiden Beschreibungen müssen nicht denselben Zeitpunkt betreffen. Der Bericht aus 2. Mose 40 schildert die überwältigende Erscheinung bei der Errichtung des Heiligtums, während 4. Mose 7 das Reden Gottes in der eingerichteten Stiftshütte beschreibt. Der Text erklärt allerdings nicht jeden einzelnen Umstand des späteren Zutritts. Wir müssen deshalb weder einen Widerspruch behaupten noch zusätzliche Ereignisse erfinden, um sämtliche Einzelheiten zu harmonisieren.

Ebenso wenig sagt Vers 89 ausdrücklich, dass Mose hinter den inneren Vorhang trat und sich unmittelbar vor der Bundeslade aufhielt. Beschrieben wird sein Eintritt in die Stiftshütte und der Ursprung der Stimme. Wo genau Mose während dieser Begegnung stand, wird nicht näher angegeben. Das ist eine wichtige Unterscheidung, denn der Zugang zum Allerheiligsten unterlag besonderen Vorschriften. Nach 3. Mose 16,2 durfte Aaron als Hoherpriester diesen Bereich nicht jederzeit betreten. Aus der Tatsache, dass Mose eine Stimme von dort hörte, darf deshalb nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, er habe sich selbst an genau diesem Ort befunden.

Für Israel hatte diese Form der göttlichen Offenbarung eine besondere Bedeutung. Das Volk sollte seine Ordnung nicht allein aus den Vorstellungen seiner Führer entwickeln. Mose war berufen worden, Gottes Worte zu empfangen und sie den Israeliten weiterzugeben. Bereits in 2. Mose 19–20 hatte sich gezeigt, wie ernst die unmittelbare Begegnung mit Gottes Heiligkeit war. Das Volk fürchtete sich vor der machtvollen Offenbarung am Sinai und bat darum, dass Mose mit ihm reden möge (2. Mose 20,18–21). Im Heiligtum erhielt diese Vermittlung nun einen beständigen Ort. Mose konnte sich an Gott wenden und dessen Anweisungen für das weitere Leben des Volkes empfangen.

Diese Begegnung führt zugleich zum tieferen Sinn der Stiftshütte zurück. Als Gott ihre Errichtung angeordnet hatte, erklärte er in 2. Mose 25,8, dass die Israeliten ihm ein Heiligtum machen sollten, damit er in ihrer Mitte wohne. Die verschiedenen Geräte, Vorhänge, Altäre und priesterlichen Handlungen gehörten zu dieser von Gott bestimmten Ordnung. Doch die Stiftshütte war nicht nur ein Gebäude für Opfer und religiöse Zeremonien. Sie stand im Zusammenhang mit Gottes Gegenwart unter seinem Volk. Dass Mose dort Gottes Stimme hörte, zeigt eine wesentliche Seite dieser Gegenwart: Gott blieb nicht stumm, sondern offenbarte seinen Willen und führte Israel durch sein Wort.

Der Hebräerbrief greift später die Einrichtung dieses Heiligtums erneut auf. In Hebräer 9,1–5 beschreibt er die Bundeslade, den Sühndeckel und die Cherubim als Bestandteile des ersten Bundes. Anschließend erklärt er, weshalb der Dienst Jesu Christi als Hoherpriester über die damaligen Opferhandlungen hinausgeht. Durch sein eigenes Opfer hat Christus den Zugang zu Gott eröffnet (Hebräer 9,11–15; 10,19–22). Diese neutestamentliche Auslegung bedeutet nicht, dass 4. Mose 7,89 bereits ausdrücklich das gesamte Werk Jesu beschreibt. Sie zeigt jedoch, wie die frühere Heiligtumsordnung innerhalb der biblischen Heilsgeschichte auf eine umfassendere Gemeinschaft mit Gott hinführt.

Noch weiter reicht die Verheißung in Offenbarung 21,3. Dort wird angekündigt, dass Gottes Wohnung bei den Menschen sein wird und er selbst bei ihnen wohnen wird. In Offenbarung 21,22 sieht Johannes keinen gesonderten Tempel mehr in der neuen Stadt, weil Gott und das Lamm selbst ihr Tempel sind. Die Gemeinschaft mit Gott ist dort nicht mehr an die frühere Stiftshütte und ihren vermittelnden Opferdienst gebunden. Damit entsteht eine bedeutsame Verbindung zwischen Gottes Gegenwart im Lager Israels und der verheißenen Vollendung. Was im alten Bund innerhalb einer besonderen Heiligtumsordnung geschah, findet in der neuen Schöpfung eine andere, unmittelbare Gestalt.

So erhält der letzte Vers eine besondere Stellung innerhalb des gesamten Kapitels. Die Stammesfürsten haben ihre Gaben gebracht, die Leviten ihre Transportmittel erhalten und die zwölf Opfertage sind vollständig beschrieben worden. Doch der Bericht endet nicht mit einer letzten Zahl oder einer weiteren Aufzählung kostbarer Gegenstände. Er endet damit, dass Gott zu Mose spricht. Gerade darin liegt die entscheidende Bedeutung des Heiligtums: Nicht das Silber, das Gold oder die Menge der Opfer machten diesen Ort zum Mittelpunkt Israels, sondern der HERR, der sich dort nach seiner eigenen Verheißung offenbarte.

Für das Leben des Volkes war diese Gegenwart zugleich ein Geschenk und eine Verantwortung. Israel durfte wissen, dass Gott es nicht ohne Führung durch die Wüste ziehen ließ. Seine Anweisungen kamen nicht nur aus vergangenen Erinnerungen an den Sinai, sondern er redete weiterhin zu Mose. Doch Gottes Nähe bedeutete nicht, dass das Volk nach eigenem Ermessen mit dem Heiligen umgehen durfte. Gerade weil Gott in seiner Mitte wohnte, sollten die Israeliten seine Worte ernst nehmen und sich nach seiner Ordnung richten.

Damit schließt 4. Mose 7 mit dem Gedanken, der die gesamte Errichtung des Heiligtums getragen hatte: Der Gott, der Israel aus Ägypten befreit hatte, wollte inmitten seines Volkes gegenwärtig sein und es führen. Die Einweihungsgaben gehörten zu dem Dienst an seinem Heiligtum. Die Stimme, die Mose zwischen den Cherubim hörte, erinnerte dagegen daran, von wem dieser Dienst seinen eigentlichen Sinn erhielt. Israel sollte nicht auf die Größe seiner eigenen Gaben vertrauen, sondern auf den HERRN hören, der in seiner Mitte wohnte und zu ihm sprach.

Geistliche Kernbotschaft

Gott möchte inmitten seines Volkes wohnen und es durch seine Gegenwart führen. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der gesamten Einweihung des Heiligtums. Die Israeliten hatten nach Gottes Anweisungen eine Stiftshütte errichtet, ihre Aufgaben geordnet und die notwendigen Mittel für den Dienst bereitgestellt. Doch der tiefere Sinn dieser Vorbereitungen lag nicht in den Gegenständen, den Opfergaben oder der Größe der Feierlichkeiten. Alles war auf die Beziehung zu dem Gott ausgerichtet, der Israel aus Ägypten befreit und zu seinem Volk gemacht hatte.

Dabei wird deutlich, dass die Zugehörigkeit zu Gott auch gemeinsame Verantwortung mit sich bringt. Israel bestand aus verschiedenen Stämmen mit unterschiedlichen Geschichten, Aufgaben und Stellungen innerhalb des Lagers. Dennoch waren alle zwölf Stammesgemeinschaften an der Einweihung beteiligt. Keiner der Stämme besaß ein eigenes, unabhängiges Heiligtum. Sie gehörten zu einer Gemeinschaft, die sich um die Gegenwart desselben Gottes versammelte. Ihre Einheit beruhte deshalb nicht darauf, dass alle dieselbe Herkunft im engeren familiären Sinn, dieselbe Größe oder dieselbe Aufgabe hatten. Sie beruhte auf dem Bund, durch den Gott sie zu seinem Volk gemacht hatte.

Zur gemeinsamen Verantwortung gehörte auch, die unterschiedlichen Aufgaben ernst zu nehmen. Nicht jeder Levit benötigte dieselben Hilfsmittel, und nicht jede Familie durfte die heiligen Gegenstände auf dieselbe Weise transportieren. Die von Gott festgelegte Ordnung berücksichtigte sowohl die praktischen Anforderungen des Dienstes als auch die Heiligkeit dessen, was den Leviten anvertraut war. Gottesdienst war damit nicht allein eine Frage guter Absichten. Er verlangte auch, dass Menschen ihre Verantwortung gewissenhaft und nach den gegebenen Anweisungen erfüllten.

Die umfangreichen Opfergaben zeigen, dass Israel bereitgestellte Güter für den Dienst am Heiligtum verwenden konnte. Doch der Bericht gibt keinen Anlass zu der Vorstellung, Gottes Gunst lasse sich durch immer größere materielle Leistungen gewinnen. Die Gaben hatten ihren vorgesehenen Platz innerhalb einer Ordnung, die Gott bereits geschaffen hatte. Sie waren nicht die Ursache dafür, dass er sich seinem Volk zuwandte. Schon vor der Einweihung hatte Gott Israel erwählt, aus Ägypten befreit und ihm seine Gegenwart zugesagt.

Besonders eindrücklich kommt dieser Zusammenhang im letzten Vers zum Ausdruck. Nachdem die Beiträge aller Stämme beschrieben worden sind, hört Mose Gottes Stimme. Damit wird der Blick auf das gerichtet, was kein Mensch durch Silber, Gold oder Opfergaben hervorbringen konnte: Gott selbst offenbarte sich und sprach zu seinem Diener. Die Menschen konnten das Heiligtum nach seinem Wort errichten und die ihnen übertragenen Aufgaben erfüllen. Dass Gott in ihrer Mitte gegenwärtig sein und mit Mose reden wollte, beruhte jedoch auf seiner eigenen Entscheidung.

So macht 4. Mose 7 deutlich, dass menschliche Hingabe und göttliche Gnade nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Die Menschen waren aufgerufen, ihren Teil treu zu erfüllen. Aber sie blieben auf den Gott angewiesen, der ihnen überhaupt erst den Weg zu seiner Gegenwart eröffnet hatte. Der eigentliche Reichtum Israels bestand deshalb nicht in den angesammelten Gaben, sondern darin, dass der HERR unter seinem Volk wohnen und es durch sein Wort führen wollte.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Eine der wichtigsten Verbindungen führt zurück zu 2. Mose 25,8 und 25,22. Als Gott Mose die Errichtung der Stiftshütte befahl, erklärte er ausdrücklich, dass er inmitten der Israeliten wohnen wolle. Wenige Verse später bestimmte er den Bereich über dem Sühndeckel der Bundeslade als Ort, von dem aus er zu Mose sprechen werde. Diese beiden Aussagen erklären den tieferen Zusammenhang von 4. Mose 7. Die Stiftshütte war nicht einfach ein religiöses Gebäude, das Israel nach eigenen Vorstellungen errichtete. Ihr Zweck war bereits durch Gottes Verheißung festgelegt worden. Der Abschluss des Kapitels greift diese frühere Ankündigung auf und beschreibt die Stimme Gottes aus genau jenem Bereich. Dadurch stehen der ursprüngliche Auftrag und die spätere Begegnung mit Mose in einer unmittelbaren Beziehung.

Auch 2. Mose 40,34–38 gehört eng zu diesem Zusammenhang. Dort berichtet die Bibel, dass die Wolke die Stiftshütte bedeckte und die Herrlichkeit des HERRN sie erfüllte. Anschließend wird erklärt, wie die Wolke den weiteren Weg Israels bestimmte. Wenn sie sich erhob, konnte das Volk aufbrechen; solange sie auf dem Heiligtum ruhte, blieb Israel an seinem Lagerplatz. Damit wird eine weitere Seite der göttlichen Gegenwart sichtbar. Gott wollte nicht nur an einem bestimmten Ort verehrt werden. Er führte sein Volk auch auf seinem Weg. Zusammen mit 4. Mose 7,89 entsteht ein umfassenderes Bild: Gottes Gegenwart war mit seiner Führung und mit seinem Reden zu Mose verbunden.

Die besondere Verteilung der Wagen erhält durch 4. Mose 10,17–21 eine wichtige Ergänzung. Dort wird berichtet, wie die Leviten beim Aufbruch des Lagers tatsächlich in die Marschordnung eingebunden waren. Die Gersoniter und Merariter zogen mit den Bestandteilen der Stiftshütte voraus, während die Kehatiter später mit den heiligen Gegenständen folgten. Dadurch sollte die Wohnung bereits aufgebaut sein, wenn die heiligen Geräte eintrafen. Diese Verbindung erklärt den praktischen Nutzen der zuvor bereitgestellten Transportmittel. Gottes Anweisungen berücksichtigten nicht nur die Heiligkeit des Dienstes, sondern auch die notwendigen Abläufe, damit die verschiedenen Aufgaben sinnvoll ineinandergriffen.

Eine weitere Verbindung betrifft die gemeinsame Beteiligung der Stämme. In 2. Mose 24,3–8 wird berichtet, wie Israel am Sinai Gottes Bundesworte annahm. Dort errichtete Mose einen Altar und zwölf steinerne Säulen entsprechend den zwölf Stämmen Israels. Die Bundeszeremonie und die spätere Altarweihe sind unterschiedliche Ereignisse mit jeweils eigenen Handlungen. Dennoch verbindet sie ein wichtiger Gedanke: Israel tritt vor Gott als ein Volk auf, das aus zwölf Stammesgemeinschaften besteht. Die gemeinsame Beziehung zum HERRN hebt ihre Unterschiede nicht auf, verbindet sie aber innerhalb desselben Bundes.

Im Neuen Testament beschreibt Paulus in 1. Korinther 12,4–27 eine Gemeinschaft, in der Menschen unterschiedliche Gaben und Aufgaben besitzen, aber zu einem Leib gehören. Er verwendet dazu das Bild eines menschlichen Körpers, dessen Glieder nicht alle dieselbe Funktion erfüllen. Diese Aussage ist keine unmittelbare Auslegung der levitischen Transportordnung. Auch lassen sich die drei levitischen Familien nicht bestimmten christlichen Gemeindeämtern gleichsetzen. Dennoch besteht eine hilfreiche geistliche Parallele. Eine Gemeinschaft, die Gott dient, muss nicht aus Menschen mit identischen Fähigkeiten und Verantwortlichkeiten bestehen. Unterschiedliche Aufgaben können vielmehr einem gemeinsamen Ziel dienen, ohne dass ein Beteiligter deshalb grundsätzlich weniger wertvoll wäre als ein anderer.

Besonders bedeutsam ist schließlich die Verbindung zum Hebräerbrief. In Hebräer 9,1–5 werden die Einrichtung des alttestamentlichen Heiligtums, die Bundeslade und die Cherubim beschrieben. Anschließend richtet der Brief den Blick auf Jesus Christus, der als Hoherpriester durch sein eigenes Blut eine endgültige Erlösung erworben hat (Hebräer 9,11–12). Der Unterschied ist grundlegend: In 4. Mose 7 werden zahlreiche Tieropfer zur Einweihung des Altars gebracht. Der Hebräerbrief erklärt dagegen, dass Christus durch sein einmaliges Opfer vollbracht hat, was die wiederholten Opfer des alten Bundes nicht endgültig leisten konnten (Hebräer 10,1–14). Die früheren Opfer hatten ihren von Gott bestimmten Platz, aber sie waren nicht das letzte Ziel seines Erlösungsplans.

Damit führt die biblische Geschichte noch weiter. In Johannes 1,14 wird beschrieben, dass das ewige Wort Fleisch wurde und unter den Menschen wohnte. Die verwendete Ausdrucksweise erinnert an das Wohnen Gottes inmitten seines Volkes. In Jesus Christus begegnet Gottes Gegenwart den Menschen nun auf eine neue Weise. Diese Verbindung bedeutet nicht, dass jede einzelne Handlung der Altarweihe eine verborgene Vorhersage über Jesus enthält. Sie zeigt vielmehr, wie die größere biblische Geschichte von Gottes Gegenwart bei Israel zur Offenbarung Gottes durch seinen Sohn weiterführt.

Den abschließenden Ausblick eröffnet Offenbarung 21,3. Dort wird verkündigt, dass Gottes Wohnung bei den Menschen sein wird und er selbst bei ihnen wohnen wird. Wenig später erklärt Johannes, dass er im neuen Jerusalem keinen gesonderten Tempel sieht, weil Gott, der Herr, der Allmächtige, und das Lamm selbst sein Tempel sind (Offenbarung 21,22). Diese Verheißung führt den Grundgedanken der Stiftshütte zu seiner Vollendung. Während Israel einen von Gott angeordneten heiligen Ort benötigte, an dem seine Gegenwart offenbart und sein Dienst ausgeführt wurde, beschreibt die Offenbarung eine Zukunft, in der Gottes erlöste Menschen unmittelbar in seiner Gegenwart leben. Der Weg von der Stiftshütte bis zur neuen Schöpfung zeigt, dass Gottes endgültiges Ziel nicht ein immer aufwendigeres Heiligtumsgebäude ist, sondern die bleibende Gemeinschaft mit den Menschen, die er erlöst hat.

Wichtige Lektionen

Eine wichtige praktische Lehre aus diesem Kapitel betrifft den Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Die Stammesfürsten stellten nicht nur wertvolle Opfergaben bereit, sondern auch Gegenstände, die für den täglichen Dienst am Heiligtum benötigt wurden. Daraus lässt sich kein allgemeines Gebot ableiten, bestimmte Geldbeträge oder Sachwerte für religiöse Aufgaben zu spenden. Der Bericht erinnert jedoch daran, dass auch praktische Unterstützung einen wertvollen Beitrag leisten kann. Wer anderen hilft, eine notwendige Aufgabe zu erfüllen, übernimmt Verantwortung für etwas, das über seine eigenen Interessen hinausgeht. Nicht jede sinnvolle Hilfe muss besonders sichtbar oder feierlich sein.

Ebenso wichtig ist es, bei der Verteilung von Aufgaben und Hilfsmitteln auf den tatsächlichen Bedarf zu achten. Die Wagen wurden nicht deshalb unterschiedlich verteilt, weil eine levitische Familie vor Gott wertvoller gewesen wäre als eine andere. Entscheidend waren die Aufgaben, die sie erfüllen sollte. Dieser Gedanke lässt sich verantwortungsvoll auf gemeinschaftliche Arbeit übertragen. Gerechte Unterstützung bedeutet nicht immer, allen genau dasselbe zu geben. Wer Menschen sinnvoll helfen möchte, muss auch berücksichtigen, welche Verantwortung sie tragen und welche Mittel sie dafür benötigen. Die konkrete Wagenverteilung bleibt eine historische Vorschrift für die Leviten; der erkennbare Grundsatz einer am Bedarf orientierten Unterstützung ist jedoch auch heute nachvollziehbar.

Das Kapitel ermutigt außerdem dazu, Verantwortung nicht mit persönlicher Vorrangstellung zu verwechseln. Die zwölf Stammesfürsten besaßen unterschiedliche Plätze innerhalb der Lagerordnung, doch alle beteiligten sich an derselben Einweihung. Auch im heutigen Zusammenleben übernehmen manche Menschen leitende Aufgaben, während andere weniger sichtbar tätig sind. Daraus folgt nicht automatisch ein unterschiedlicher persönlicher Wert. Wer Verantwortung trägt, sollte sie als Dienst verstehen und nicht als Grund, sich über andere zu erheben. Umgekehrt muss niemand seine Arbeit für unbedeutend halten, nur weil sie nicht an erster Stelle wahrgenommen wird.

Eine weitere Lehre liegt im gewissenhaften Umgang mit Vorgaben und Grenzen. Die Kehatiter durften bestimmte heilige Gegenstände nicht einfach mit denselben Transportmitteln befördern, die den anderen Familien zur Verfügung standen. Diese Vorschrift gehörte zu einer besonderen Ordnung des alten Bundes und ist keine allgemeine Anweisung für moderne Arbeitsabläufe. Dennoch zeigt sie, dass gute Absichten nicht jede Vorgehensweise rechtfertigen. Gerade wenn Menschen Verantwortung für andere oder für ihnen anvertraute Aufgaben tragen, sollten sie berechtigte Grenzen beachten. Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, sich an verlässliche Anweisungen zu halten, können ebenso wichtig sein wie Begeisterung für eine Aufgabe.

Auch die sorgfältige Aufzählung der einzelnen Stammesgaben kann unseren Blick auf die Beiträge anderer Menschen verändern. Nicht jeder Einsatz muss außergewöhnlich sein, um Beachtung zu verdienen. In der Einweihungserzählung wird kein Stamm übergangen, obwohl die Gaben gleichlautend beschrieben werden. Das ist eine Einladung, auch solche Beiträge ernst zu nehmen, die unscheinbar erscheinen oder bereits von anderen auf ähnliche Weise erbracht wurden. Anerkennung sollte nicht ausschließlich davon abhängen, ob jemand etwas besonders Neues, Großes oder Auffälliges leistet.

Eine besondere Warnung ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen den vielen Opfergaben und Gottes Gegenwart. Menschen können große Anstrengungen für religiöse Aufgaben unternehmen und dabei dennoch aus dem Blick verlieren, worauf diese Tätigkeiten ausgerichtet sein sollten. Äußere Leistungen allein garantieren keine lebendige Beziehung zu Gott. Deshalb ist es wichtig, nicht nur zu fragen, was wir für ihn tun, sondern auch, ob wir bereit sind, uns von seinem Wort unterweisen und korrigieren zu lassen. Unser Einsatz kann Ausdruck des Glaubens sein, aber er darf nicht an die Stelle des Vertrauens und des Gehorsams treten.

Für Christen erhält diese Frage durch Jesus Christus eine besondere Bedeutung. Wir müssen keinen Altar mit Tieropfern einweihen, um Zugang zu Gott zu erhalten. Nach Hebräer 10,19–22 dürfen Gläubige durch das Opfer Jesu mit Zuversicht zu Gott kommen. Die angemessene Antwort darauf besteht nicht darin, den alten Opferdienst nachzuahmen, sondern im Vertrauen auf Christus und in einem Leben, das sich an seinem Wort orientiert. Gute Werke und freiwillige Hingabe haben darin ihren Platz, bilden aber nicht den Preis, mit dem Gottes Gegenwart erkauft werden könnte.

Schließlich erinnert die Begegnung Moses mit Gott daran, wie wesentlich das Hören auf Gottes Wort ist. Mose betrat die Stiftshütte nicht, um dort eigene Vorstellungen als göttliche Botschaft auszugeben. Er hörte auf den HERRN, der zu ihm sprach. Diese besondere Weise der Offenbarung gehörte zu Moses Berufung und darf nicht ohne Weiteres als Versprechen verstanden werden, jeder Gläubige werde heute auf dieselbe Weise eine hörbare Stimme empfangen. Christen besitzen mit der Heiligen Schrift ein verlässliches Zeugnis von Gottes Offenbarung. Sie sind eingeladen, dieses Wort aufmerksam zu lesen, seine Aussagen zu prüfen und ihr Leben danach auszurichten.

Gerade in einem Alltag voller Verpflichtungen und Beschäftigungen kann das eine Herausforderung sein. Es ist möglich, viel zu organisieren, anderen zu helfen und sich für gute Ziele einzusetzen, ohne sich ausreichend mit Gottes Wort zu beschäftigen. Der letzte Vers von 4. Mose 7 erinnert daran, dass die Beziehung zu Gott nicht in menschlicher Tätigkeit aufgeht. Der Mensch benötigt nicht nur Aufgaben, die er erfüllt, sondern auch Gottes Weisung, an der er sein Handeln ausrichten kann.

So bleibt am Ende dieses langen Kapitels eine Einladung, die über die damalige Einweihung hinausweist: Wir dürfen unsere Fähigkeiten, unsere Mittel und unsere Zeit verantwortungsvoll einsetzen, sollen dabei aber nicht unsere eigenen Leistungen zum Mittelpunkt des Glaubens machen. Entscheidend ist, dass wir Gottes Wort hören, ihm vertrauen und uns von ihm führen lassen. Denn auch der größte menschliche Einsatz kann das nicht ersetzen, was Gott selbst schenkt: den Zugang zu ihm und die Gemeinschaft mit ihm durch Jesus Christus.