Lukas 6

Und es begab sich an einem Sabbat, daß er durchs Getreide ging; und seine Jünger rauften Ähren aus und aßen und rieben sie mit den Händen.

49 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Und es begab sich an einem Sabbat, daß er durchs Getreide ging; und seine Jünger rauften Ähren aus und aßen und rieben sie mit den Händen.
  2. 2 Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was sich nicht ziemt zu tun an den Sabbaten?
  3. 3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen, was David tat, da ihn hungerte und die mit ihm waren?
  4. 4 wie er zum Hause Gottes einging und nahm die Schaubrote und aß und gab auch denen, die mit ihm waren; die doch niemand durfte essen als die Priester allein?
  5. 5 Und er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein HERR auch des Sabbats.
  6. 6 Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß er ging in die Schule und lehrte. Und da war ein Mensch, des rechte Hand war verdorrt.
  7. 7 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob er auch heilen würde am Sabbat, auf daß sie eine Sache wider ihn fänden.
  8. 8 Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: Stehe auf und tritt hervor! Und er stand auf und trat dahin.
  9. 9 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ziemt sich zu tun an den Sabbaten, Gutes oder Böses? das Leben erhalten oder verderben?
  10. 10 Und er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! und er tat's; da ward ihm seine Hand wieder zurechtgebracht, gesund wie die andere.
  11. 11 Sie aber wurden ganz unsinnig und beredeten sich miteinander, was sie ihm tun wollten.
  12. 12 Es begab sich aber zu der Zeit, daß er ging auf einen Berg zu beten; und er blieb über Nacht in dem Gebet zu Gott.
  13. 13 Und da es Tag ward, rief er seine Jünger und erwählte ihrer zwölf, welche er auch Apostel nannte:
  14. 14 Simon, welchen er Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,
  15. 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, des Alphäus Sohn, Simon genannt Zelotes,
  16. 16 Judas, des Jakobus Sohn und Judas Ischariot, den Verräter.
  17. 17 Und er ging hernieder mit ihnen und trat auf einen Platz im Felde und der Haufe seiner Jünger und eine große Menge des Volks von allem jüdischen Lande und Jerusalem und Tyrus und Sidon, am Meer gelegen,
  18. 18 die da gekommen waren, ihn zu hören und daß sie geheilt würden von ihren Seuchen; und die von unsauberen Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund.
  19. 19 Und alles Volk begehrte ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm und er heilte sie alle.
  20. 20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
  21. 21 Selig seid ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weint; denn ihr werdet lachen.
  22. 22 Selig seid ihr, so euch die Menschen hassen und euch absondern und schelten euch und verwerfen euren Namen als einen bösen um des Menschensohns willen.
  23. 23 Freut euch alsdann und hupfet; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Desgleichen taten ihre Väter den Propheten auch.
  24. 24 Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin.
  25. 25 Weh euch, die ihr voll seid! denn euch wird hungern. Weh euch, die ihr hier lachet! denn ihr werdet weinen und heulen.
  26. 26 Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Desgleichen taten eure Väter den falschen Propheten auch.
  27. 27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut denen wohl, die euch hassen;
  28. 28 segnet die, so euch verfluchen und bittet für die, so euch beleidigen.
  29. 29 Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den anderen auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock.
  30. 30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das deine nimmt, da fordere es nicht wieder.
  31. 31 Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr.
  32. 32 Und so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber.
  33. 33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun das auch.
  34. 34 Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie Gleiches wiedernehmen.
  35. 35 Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.
  36. 36 Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
  37. 37 Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben.
  38. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.
  39. 39 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?
  40. 40 Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen.
  41. 41 Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?
  42. 42 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!
  43. 43 Denn es ist kein guter Baum, der faule Frucht trage, und kein fauler Baum, der gute Frucht trage.
  44. 44 Ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man liest nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken.
  45. 45 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz seines Herzens. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
  46. 46 Was heißet ihr mich aber HERR, HERR, und tut nicht, was ich euch sage?
  47. 47 Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie, den will ich euch zeigen, wem er gleich ist.
  48. 48 Er ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf den Fels. Da aber Gewässer kam, da riß der Strom zum Hause zu, und konnte es nicht bewegen; denn es war auf den Fels gegründet.
  49. 49 Wer aber hört und nicht tut, der ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde ohne Grund; und der Strom riß zu ihm zu, und es fiel alsbald, und das Haus gewann einen großen Riß.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Lukas 6 zeigt den wachsenden Konflikt zwischen Jesus und den religiösen Führern. Es geht besonders um den Sabbat, um wahre Barmherzigkeit und um den Unterschied zwischen echter und falscher Frömmigkeit. Jesus erwählt die zwölf Apostel und hält anschließend eine große Lehrrede über das Leben im Reich Gottes.

Das Kapitel offenbart:

  • Jesus ist Herr über den Sabbat

  • Gottes Gesetz soll verstanden und nicht missbraucht werden

  • wahre Nachfolge zeigt sich im Charakter

  • Liebe, Barmherzigkeit und Gehorsam gehören zusammen

Außerdem zeigt Jesus, dass äußerliche Religion ohne ein verändertes Herz wertlos ist.

Historischer und kultureller Hintergrund

Die religiösen Führer hatten um das Gesetz Gottes viele menschliche Zusatzregeln aufgebaut. Besonders der Sabbat war mit unzähligen Traditionen belastet worden.

Dadurch wurde aus einem Tag der Freude und Gemeinschaft mit Gott oft eine Last.

Jesus greift nicht Gottes Gesetz an, sondern die falschen menschlichen Auslegungen.

Das ist wichtig:
Christus kam nicht, um Gottes Gebote abzuschaffen, sondern um ihre wahre Bedeutung sichtbar zu machen.

Verse 1–5 – Die Jünger pflücken Ähren am Sabbat

Die Jünger essen Ähren am Sabbat, weil sie hungrig sind.

Die Pharisäer beschuldigen sie sofort des Gesetzesbruchs.

Nach dem Alten Testament war das Pflücken einzelner Ähren erlaubt. Das Problem lag in den menschlichen Zusatzregeln der Pharisäer.

Sie hatten aus dem Sabbat ein System strenger Kontrolle gemacht.

Jesus nennt David

Jesus erinnert an David, der die Schaubrote aß.

Damit zeigt er:
Gottes Gesetz darf nicht herzlos oder gesetzlich verdreht werden.

Der Sabbat dient dem Menschen zum Segen, nicht zur Unterdrückung.

„Des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbats“

Das ist eine gewaltige Aussage.

Jesus beansprucht Autorität über den Sabbat.

Warum?

Weil der Sabbat ursprünglich von Gott eingesetzt wurde:

  • bei der Schöpfung

  • lange vor Israel

  • als heiliger Ruhetag

Jesus greift den Sabbat nicht an.
Er stellt seine wahre Bedeutung wieder her.

Der Sabbat soll:

  • Gemeinschaft mit Gott fördern

  • dem Menschen Ruhe geben

  • ein Zeichen göttlicher Herrschaft sein

Verse 6–11 – Heilung am Sabbat

Ein Mann mit verdorrter Hand ist in der Synagoge.

Die religiösen Führer beobachten Jesus genau, weil sie einen Anklagegrund suchen.

Das zeigt:
Religiöser Stolz kann das Herz so verhärten, dass Menschen Wunder sehen und trotzdem ablehnen.

Jesu Frage

Jesus fragt:

„Was ist erlaubt am Sabbat: Gutes tun oder Böses tun?“

Damit offenbart er den eigentlichen Sinn des Sabbats.

Der Sabbat ist nicht gegen Barmherzigkeit.
Er ist ein Tag göttlichen Segens.

Jesus heilt den Mann öffentlich.

Die Führer reagieren nicht mit Freude, sondern mit Wut.

Das zeigt:
Ein religiöses Herz ohne Liebe wird gefährlich.

Verse 12–16 – Die Wahl der zwölf Apostel

Bevor Jesus die Apostel auswählt, verbringt er die Nacht im Gebet.

Das ist bemerkenswert.

Selbst der Sohn Gottes lebte in enger Abhängigkeit vom Vater.

Gebet war keine Nebensache, sondern Grundlage seines Wirkens.

Die zwölf Apostel

Jesus erwählt gewöhnliche Menschen:

  • Fischer

  • einfache Männer

  • unterschiedliche Persönlichkeiten

Nicht viele Gebildete oder Mächtige.

Dadurch zeigt Gott erneut:
Sein Werk geschieht nicht durch menschliche Größe.

Unter ihnen ist auch Judas Iskariot.

Jesus wusste bereits, was Judas tun würde.

Das zeigt:
Gott zwingt niemanden zum Gehorsam. Menschen tragen Verantwortung für ihre Entscheidungen.

Verse 17–19 – Heilungen und Menschenmengen

Viele Menschen kommen zu Jesus:

  • Kranke

  • Besessene

  • Leidende

Kraft geht von Jesus aus und heilt sie.

Das zeigt:
Christus bringt echte Wiederherstellung.

Die Menschen hungerten nach Hoffnung, weil Religion allein ihre innere Not nicht lösen konnte.

Verse 20–26 – Seligpreisungen und Weherufe

Hier beginnt eine Lehrrede Jesu.

Lukas konzentriert sich stärker auf praktische und soziale Aspekte als Matthäus.

„Selig seid ihr Armen“

Jesus verherrlicht nicht Armut an sich.

Gemeint sind Menschen, die ihre geistliche Bedürftigkeit erkennen und ihr Vertrauen auf Gott setzen.

Viele Reiche vertrauten auf:

  • Besitz

  • Macht

  • Status

Arme Menschen erkannten oft leichter ihre Abhängigkeit.

Hungernde und Weinende

Jesus spricht von:

  • geistlichem Hunger

  • Leid in einer gefallenen Welt

  • Sehnsucht nach Gottes Reich

Gottes Reich kehrt die ungerechte Ordnung dieser Welt um.

Weherufe

Jesus warnt die:

  • Satten

  • Selbstzufriedenen

  • Stolzen

  • Menschen, die nur menschliches Lob suchen

Das widerspricht dem Denken vieler Menschen heute.

Die Welt sagt:

  • Erfolg ist alles

  • Wohlstand ist Sicherheit

  • Anerkennung ist das Ziel

Jesus zeigt:
Irdischer Erfolg ohne Gott endet leer.

Verse 27–36 – Feindesliebe

Dies ist einer der radikalsten Abschnitte der Bibel.

Jesus sagt:

„Liebet eure Feinde“

Das widerspricht völlig der menschlichen Natur.

Natürliche Reaktion ist:

  • Vergeltung

  • Hass

  • Stolz

Doch Gottes Reich funktioniert anders.

Feindesliebe bedeutet nicht

  • Sünde gutheißen

  • Wahrheit verschweigen

  • Missbrauch akzeptieren

Sondern:
Keinen persönlichen Hass nähren und selbst barmherzig handeln.

Gottes Charakter

Jesus sagt:
Gott ist gütig auch gegen Undankbare.

Christen sollen den Charakter ihres himmlischen Vaters widerspiegeln.

Vers 36

„Seid barmherzig“

Wahre Heiligkeit zeigt sich nicht nur in richtiger Lehre, sondern auch im Charakter.

Verse 37–42 – Richten und Heuchelei

Jesus warnt vor heuchlerischem Richten.

Das bedeutet nicht:
Man dürfe niemals zwischen Wahrheit und Irrtum unterscheiden.

Jesus selbst urteilt klar über Sünde.

Gemeint ist:
Selbstgerechte Heuchelei.

Splitter und Balken

Menschen sehen oft kleine Fehler anderer, während sie eigene große Probleme ignorieren.

Das ist bis heute sehr aktuell.

Religiöse Menschen können:

  • andere streng beurteilen

  • aber sich selbst kaum prüfen

Jesus fordert zuerst Selbstprüfung.

Verse 43–45 – Der Baum und seine Früchte

Jesus erklärt:
Ein Baum wird an seinen Früchten erkannt.

Wahrer Glaube zeigt sich langfristig im Leben.

Nicht:

  • nur Worte

  • Emotionen

  • religiöse Aktivität

Sondern Charakter und Frucht.

Was im Herzen ist, kommt irgendwann heraus.

Verse 46–49 – Das Haus auf dem Felsen

Jesus beendet die Rede mit einem ernsten Bild.

Zwei Menschen hören Gottes Wort.
Der Unterschied:
Nur einer gehorcht.

Das Haus auf dem Felsen steht für ein Leben auf Christus und seinem Wort.

Stürme kommen für beide.

Christsein bedeutet nicht problemloses Leben.

Doch nur das Fundament auf Gottes Wahrheit hält stand.

Geistliche Kernbotschaft

Lukas 6 zeigt:
Wahre Nachfolge verändert das Herz und den Charakter.

Jesus offenbart:

  • den wahren Sinn des Gesetzes

  • die Bedeutung von Barmherzigkeit

  • die Gefahr religiöser Heuchelei

  • die Notwendigkeit echten Gehorsams

Das Kapitel zeigt außerdem:
Nicht Hören allein rettet – sondern ein Leben auf Gottes Wort.

Praktische Anwendung für heute

Viele Menschen heute leben wie die Pharisäer:

  • äußerlich religiös

  • innerlich hart

  • voller Kritik

  • ohne Liebe

Andere bauen ihr Leben auf:

  • Gefühle

  • Erfolg

  • menschliche Meinungen

Doch Stürme kommen:

  • Krisen

  • Leid

  • Versuchungen

  • Gericht

Nur ein Leben auf Christus bleibt bestehen.

Das Kapitel stellt wichtige Fragen:

  • Ist mein Glaube echt oder nur äußerlich?

  • Liebe ich nur Menschen, die mich mögen?

  • Prüfe ich zuerst mein eigenes Herz?

  • Baue ich mein Leben wirklich auf Gottes Wort?

Wichtige Lektionen und Warnungen

  • Jesus ist Herr über den Sabbat.

  • Gottes Gebote sollen richtig verstanden werden.

  • Religiöser Stolz macht blind.

  • Wahre Nachfolge braucht Gebet und Gehorsam.

  • Irdischer Erfolg kann geistlich gefährlich sein.

  • Feindesliebe ist Kennzeichen göttlichen Charakters.

  • Heuchelei zerstört geistliches Leben.

  • Wahre Frucht zeigt den Zustand des Herzens.

  • Nur Gehorsam gegenüber Gottes Wort trägt durch kommende Stürme.