Lukas 16

Er aber sprach zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward von ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht.

31 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Er aber sprach zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward von ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht.
  2. 2 Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein!
  3. 3 Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln.
  4. 4 Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen.
  5. 5 Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
  6. 6 Er sprach: Hundert Tonnen Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig.
  7. 7 Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig.
  8. 8 Und der HERR lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlecht.
  9. 9 Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.
  10. 10 Wer im geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht.
  11. 11 So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen?
  12. 12 Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist?
  13. 13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott samt dem Mammon dienen.
  14. 14 Das alles hörten die Pharisäer auch, und waren geizig, und spotteten sein.
  15. 15 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr euch selbst rechtfertigt vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.
  16. 16 Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes; und von der Zeit wird das Reich Gottes durchs Evangelium gepredigt, und jedermann dringt mit Gewalt hinein.
  17. 17 Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, denn daß ein Tüttel am Gesetz falle.
  18. 18 Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von dem Manne Geschiedene freit, der bricht auch die Ehe.
  19. 19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
  20. 20 Es war aber ein armer Mann mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voller Schwären
  21. 21 und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären.
  22. 22 Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben.
  23. 23 Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
  24. 24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme.
  25. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt.
  26. 26 Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, daß die wollten von hinnen hinabfahren zu euch, könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren.
  27. 27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;
  28. 28 denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
  29. 29 Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; laß sie dieselben hören.
  30. 30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham! sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
  31. 31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

In Lukas 16 spricht Jesus über den richtigen Umgang mit Geld, über Treue, geistliche Blindheit und das ewige Gericht. Das Kapitel enthält das Gleichnis vom ungerechten Haushalter, die Warnung vor Geldliebe und die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus.

Das Hauptthema ist:
Wie ein Mensch mit Besitz, Wahrheit und Gottes Ruf umgeht, zeigt den Zustand seines Herzens.

Jesus macht deutlich:
Irdischer Reichtum ist vergänglich, aber geistliche Entscheidungen haben ewige Folgen.

Historischer und geistlicher Hintergrund

Zur Zeit Jesu war Reichtum oft ein Zeichen gesellschaftlicher Macht. Viele Juden glaubten sogar, materieller Wohlstand sei automatisch ein Beweis für Gottes Wohlgefallen.

Die Pharisäer liebten Geld und Ansehen. Sie waren äußerlich religiös, aber innerlich oft selbstsüchtig. Jesus richtet sich in diesem Kapitel besonders gegen diese Heuchelei.

Gleichzeitig lebten viele arme Menschen in extremer Not. Tagelöhner, Bettler und Kranke waren oft völlig abhängig von der Barmherzigkeit anderer.

In dieses Umfeld hinein spricht Jesus über wahre Treue und ewige Verantwortung.

Verse 1–8 – Das Gleichnis vom ungerechten Haushalter

Ein reicher Mann erfährt, dass sein Verwalter seinen Besitz verschwendet.

Ein Haushalter verwaltete damals Eigentum im Namen seines Herrn. Er hatte große Verantwortung.

Der Mann wird entlassen und überlegt:
„Was soll ich tun?“

Er beginnt schnell, Schuldnern ihres Herrn einen Teil ihrer Schulden zu erlassen.

Auf den ersten Blick wirkt dieses Gleichnis verwirrend, weil der Herr den Verwalter scheinbar lobt.

Jesus lobt jedoch nicht die Unehrlichkeit, sondern die Klugheit und Entschlossenheit des Mannes.

Der Haushalter verstand:
Die Zukunft ist wichtiger als der momentane Besitz.

Die „Kinder dieser Welt“ handeln oft entschlossener für ihre vergänglichen Ziele als viele Gläubige für das Reich Gottes.

Jesus zeigt:
Menschen sollen ihre materiellen Mittel weise und mit Blick auf die Ewigkeit einsetzen.

„Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“

Mammon bedeutet Reichtum oder Besitz.

Geld selbst ist nicht böse. Aber Geld wird leicht zum Götzen.

Jesus meint:
Nutze materielle Dinge so, dass sie ewigen Wert haben.

Zum Beispiel:

  • Menschen helfen

  • Gottes Werk unterstützen

  • Bedürftige versorgen

  • Wahrheit verbreiten

Irdischer Besitz vergeht.
Was für Gottes Reich getan wird, bleibt.

Verse 10–13 – Treue im Kleinen

Jesus erklärt ein wichtiges geistliches Prinzip:
Wer im Kleinen untreu ist, wird auch im Großen untreu sein.

Gott prüft Charakter oft durch alltägliche Dinge:

  • Umgang mit Geld

  • Ehrlichkeit

  • Verantwortung

  • kleine Entscheidungen

Viele Menschen wollen große geistliche Aufgaben, sind aber im Alltag untreu.

Jesus verbindet hier materiellen Umgang direkt mit geistlichem Zustand.

Dann sagt er:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“

Nicht:
„solltet nicht“
sondern:
„könnt nicht“

Das bedeutet:
Wenn Geld, Besitz oder Karriere das Herz beherrschen, verdrängen sie Gott.

Das Problem ist nicht Besitz an sich, sondern Herrschaft über das Herz.

Verse 14–18 – Die Pharisäer werden entlarvt

Die Pharisäer verspotten Jesus, weil sie geldgierig waren.

Sie hielten sich für gerecht, aber Jesus sagt:
„Was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott“

Die Welt bewertet oft völlig anders als Gott.

Menschen bewundern:

  • Reichtum

  • Einfluss

  • Schönheit

  • Macht

  • Popularität

Doch Gott sieht das Herz.

Jesus bestätigt dann die Gültigkeit des Gesetzes Gottes:
Nicht ein Tüpfelchen wird fallen.

Das ist wichtig:
Die Gnade hebt Gottes moralisches Gesetz nicht auf.

Dann spricht Jesus kurz über Ehebruch und Scheidung. Warum an dieser Stelle?

Weil die religiösen Leiter Gottes Gebote äußerlich lehrten, aber innerlich verdrehten und umgingen.

Jesus stellt Gottes Maßstab wieder klar.

Verse 19–31 – Der reiche Mann und Lazarus

Dies ist einer der ernstesten Abschnitte im Lukasevangelium.

Ein reicher Mann lebt in Luxus.
Vor seiner Tür liegt Lazarus – arm, krank und hungrig.

Der reiche Mann ignoriert ihn völlig.

Wichtig:
Der Reiche wird nicht verurteilt, weil er reich war.
Lazarus wird nicht gerettet, weil er arm war.

Das Problem des reichen Mannes war:

  • Hartherzigkeit

  • Selbstsucht

  • geistliche Blindheit

  • Gleichgültigkeit gegenüber Gottes Wahrheit

Sein Leben drehte sich nur um sich selbst.

Nach dem Tod

Beide sterben.

Lazarus wird getragen „in Abrahams Schoß“.
Der reiche Mann leidet Qual.

Hier muss der Abschnitt sorgfältig verstanden werden.

Jesus benutzt bekannte Bildsprache und Elemente eines Gleichnisses, um geistliche Wahrheiten zu lehren. Die Bibel widerspricht sich nicht.

An vielen anderen Stellen lehrt die Schrift eindeutig:
Die Toten schlafen bis zur Auferstehung.
Zum Beispiel:

  • Prediger 9,5

  • Johannes 11

  • 1. Thessalonicher 4,13–17

Darum kann dieses Gleichnis nicht wörtlich bedeuten, dass Menschen bereits bewusst im Feuer mit anderen sprechen.

Jesus verwendet hier eine bildhafte Gerichtsdarstellung, um etwas anderes zu betonen:
Nach dem Tod ist die Entscheidung des Lebens endgültig.

Der reiche Mann möchte gewarnt haben.
Jetzt erkennt er die Wahrheit zu spät.

„Sie haben Mose und die Propheten“

Abraham antwortet:
Wenn sie Gottes Wort nicht glauben, werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufersteht.

Das ist prophetisch bemerkenswert.

Später auferweckt Jesus tatsächlich einen Mann namens Lazarus.
Und viele religiöse Leiter glaubten trotzdem nicht.

Sogar nach Jesu eigener Auferstehung verhärteten viele ihr Herz.

Das Problem ist selten mangelnde Information.
Das Problem ist oft ein widerstrebendes Herz.

Geistliche Kernbotschaft

Dieses Kapitel zeigt:
Irdischer Besitz, Erfolg und religiöse Fassade retten niemanden.

Gott sucht Treue, Demut und ein Herz, das auf seine Wahrheit hört.

Jeder Mensch entscheidet im jetzigen Leben, wem er dient.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Treue im Kleinen:

  • Matthäus 25,14–30

Warnung vor Geldliebe:

  • 1. Timotheus 6,9–10

Der Zustand der Toten:

  • Prediger 9,5

  • Daniel 12,2

  • Johannes 11,11–14

Das Gesetz Gottes:

  • Matthäus 5,17–19

Praktische Anwendung für heute

Dieses Kapitel stellt direkte Fragen:

  • Beherrscht Geld mein Denken?

  • Nutze ich meinen Besitz für Gottes Reich?

  • Bin ich im Kleinen treu?

  • Höre ich wirklich auf Gottes Wort?

  • Lebe ich nur für diese Welt?

Viele Menschen heute leben wie der reiche Mann:
voll beschäftigt mit Komfort, Erfolg und Selbstverwirklichung, aber geistlich blind.

Jesus zeigt:
Der Mensch lebt nicht nur für das jetzige Leben. Ewige Entscheidungen werden jetzt getroffen.

Wichtige Lektionen und Warnungen

  • Geld ist ein gefährlicher Herr.

  • Äußerliche Religion ohne Herzveränderung ist wertlos.

  • Kleine Entscheidungen offenbaren den Charakter.

  • Gottes Wort ist ausreichend klar.

  • Nach dem Gericht gibt es keine zweite Chance zur Umkehr.

  • Geistliche Gleichgültigkeit kann ewige Folgen haben.

  • Wahre Sicherheit liegt nicht im Besitz, sondern in Gott.